29. Kapitel
 

Kapitel 29

 

 

 

Nach seiner Auseinandersetzung mit Viktor trainierte Link auf dem Schulinnenhof wie ein Besessener. Er tat es zum Trotz, auch wenn sein Körper nicht mitspielen wollte. Er versuchte sich selbst nur noch einmal zu beweisen, dass seine Willenskraft in der Lage war die Ketten, die seinen Körper im Augenblick bannten, zu zersprengen. Denn vielleicht war sein Wille das einzige, was ihm blieb, die eine Waffe, die er aktivieren konnte, die er noch besaß um sich vorwärtszubringen… 

Es gelang ihm teilweise ein vernünftiges Schwerttraining durchzuhalten, aber lange nicht so, wie er sich es vorgestellt hatte. Er schwang sein neues Schwert einmal horizontal, einmal vertikal, versuchte sich an Sprüngen und Wirbelattacken, und stieß die Waffe dann frustriert in den weichen Erdboden. Jede Bewegung kostete unsagbar viel Kraft. Selbst das Schwert länger zu halten, verursachte Schmerzen. Kalter Schweiß tropfte von seiner Nasenspitze in den Boden, und er seufzte. Er ging durch eine Folter mit jedem neuen Versuch seine alte Kraft wieder zu erwecken, ging durch Schmerzen, nur um wieder er selbst zu sein, aber es reichte einfach nicht. Es war einfach nicht genug…

 

Er kniff die Augen zusammen und schämte sich für diesen entehrenden Zustand, obwohl er vor wenigen Minuten ein riesiges Kunststück an der Schule vollbracht hatte. ,Nun ja, mehr oder weniger‘, dachte er. Viktor war vielleicht brutal und stark, aber kein Gegner, der auf einem Schlachtfeld lange überleben würde. Und Link wusste, dass, wenn Nicholas nicht eingegriffen hätte, er nach weiteren Minuten eine elende Niederlage hinnehmen hätte müssen. Der Gedanke war Schmach genug. Sich vorzustellen, dass er gegen einen unfähigen Mann, der sich nur auf Kraft verließ, der nichts von Beinarbeit oder Taktik gehört hatte, verloren hätte, war für ihn äußerst frustrierend…

 

Viele Schüler hatten den einstigen Heroen während seinem Training interessiert beobachtet, hatten seinen Kampfstil fasziniert studiert, auch wenn sogar die Schüler merkten, dass mit ,dem komischen Kauz‘ irgendetwas nicht stimmte. Sogar die Jungs merkten inzwischen, dass er mit Schmerzen zu kämpfen hatte. Dennoch waren die Schüler sehr ehrgeizig, waren beeindruckt von Link, versuchten sich noch mehr anzustrengen. Es schien fast so, als ging Links Ehrgeiz auf die anderen über, als war er in der Lage auch die anderen zu ermutigen. Die Ritterschüler trainierten mit ihren Schwertern strebsam auf dem Innenhof, liefen einige Runden zum Aufbau von Kondition um den Gebäudekomplex und kämpften gegeneinander.

 

Nur Link saß mit der neuen Klinge niedergeschlagen auf einer Bank, nahm einen Tropfen von den Tränen der Nayru und fragte sich, wie die nächsten Wochen und Monate wohl verlaufen würden. Sicherlich war er froh darüber, hier zu sein, froh über die Freunde, die er hier hatte, über diesen geregelten Tagesablauf… nur war dies alles überhaupt der Weg, den er eigentlich gehen sollte? Melancholisch blickte er über den Trainingsplatz, sah die vielen heiteren Gesichter und die vielen unbeschwerten Jugendlichen, die die Schattenseiten Hyrules nicht kannten. Er seufzte und starrte in den wolkenverhangenen Himmel, sinnierte über das, was er tun würde, wäre sein Kraft nicht erloschen. Vielleicht wäre er gerade jetzt irgendwo in der Ferne, würde eine neue Heldentat vollbringen, würde das tun, was er immer dachte, dass es sein Lebenssinn wäre. Und er würde er selbst sein…

 

Gerade da legte sich eine feste, etwas grobe Hand auf seine rechte Schulter. Wills smaragdgrüne Augen sahen ihn auffordernd an. Link wusste, was dieser Blick bedeuten sollte. Er nickte bloß und dachte an das Versprechen, das er Will gegeben hatte. Er hatte zugestimmt, ihm einige Tricks in der Schwertkunst beizubringen.

„Ich will ja nicht nerven, aber nach der Aktion mit Viktor könntest du mir vielleicht doch ein paar Tricks verraten. Was meinst du?“

Link schloss bloß seine tiefblauen Augen und seufzte. „Ich weiß, ich hatte es versprochen…“, entgegnete er, wirkte aber alles andere als kampfbereit, auch nicht für Will.

„… nur bist du jetzt nicht mehr in Stimmung?“, murmelte der Laundry enttäuscht.

„Das ist es nicht“, murrte Link. „Ich kann nicht…“

„Was soll das heißen, du kannst nicht?“

Verärgert funkelte Link ihm entgegen. „Du hast keine Ahnung, wie es ist, wenn man das, was man kann, nicht mehr tun kann. Du hast keine Vorstellung davon, wie man sich fühlt, wenn das einzige, was man wahrlich beherrscht hat, nun nur noch ein Schatten ist…“, sprach er mehr zu sich als zu seinem Freund. Er schämte sich dafür, sein Versprechen nicht einzulösen, aber er konnte mit seinen beinah gelähmten und beanspruchten Gliedern kaum noch länger durchhalten. Auch zu einem freundschaftlichen Duell war er jetzt nicht in der Lage.

 

„Fühlst du dich noch immer krank?“, fragte Will und pflanzte sich neben ihn auf die Bank.

„Ich sagte, ich habe keine einfache Krankheit“, stieß Link pfeifend aus seinen Lungen und fühlte sich genervt, Will diese Dinge unter seine neugierige Laundrynase reiben zu müssen. Er kniff die Augen zusammen, stützte sein Kinn an seine Hände und machte den Eindruck einmal mehr nicht darüber reden zu wollen.

„Aber du hast gerade Viktor eine Lektion verpasst, die er nicht so schnell wieder vergessen wird. Das hätte nicht jeder geschafft“, argumentierte der Grünäugige.

„Will“, maulte Link. „Doch, das hätte jeder geschafft. Viktors Technik ist schlichtweg lächerlich.“

„Aber nicht jeder hätte den Mut aufgebracht sich diesem Kerl entgegenzustellen.“

„Weil andere scheinbar einfach nur Feiglinge sind…“

„Irrtum, weil du hier derjenige bist, der mutiger ist als die anderen. Warum ziehst du das, was du vollbringst eigentlich immer in den Dreck? Das, was du tust, ist schließlich nicht selbstverständlich.“ Und einmal mehr zwinkerte Link und gaffte seinen Mitbewohner verdattert an. Er wusste nicht, wie Will es immer wieder schaffte ihn zu verblüffen. Er schaffte es ja sogar seine festgefahrenen Ansichten zu verändern.

 

„Ich weiß nicht…“, sprach Link und ließ seine Augen melancholisch über die Menge wandern.

„Warum nur hast du so übertrieben hohe Ansprüche an dich selbst und das, obwohl du wirklich krank bist? Gibt es dafür einen Grund?“ Und einmal mehr war Will auf dem richtigen Trichter. Er verengte seine Augen schlitzartig und schien sehr misstrauisch.

„Da steckt mehr dahinter, habe ich Recht?“ Doch sein Verhör war dem einstigen Heroen gerade zu viel. Als ob Will sein Geheimnis nicht bereits vermutete…

„Was ist mit deiner Krankheit? Seit wann hast du die?“

„Ich schätze, seit einem dreiviertel Jahr…“, versuchte er zu erklären.

„Du schätzt?“ Will schaute dümmlich drein. „Wie soll ich das nun wieder deuten?“

„Ich kann es dir nicht erläutern…“, murrte Link genervt und ballte seine Fäuste. Er wusste ja selbst nicht einmal, was nun genau mit ihm los war. Er vermutete, dass er verflucht wurde. Aber welcher Fluch machte sich auf eine solch scheußliche Weise sichtbar?

 

„Und wie macht sich diese Krankheit bemerkbar?“

Der einstige Heroe richtete seinen schwermütigen Blick nach oben. „Durch… Schwäche und…“

„Das heißt, du bist in Wirklichkeit noch viel stärker, was?“, unterbrach ihn der Laundry fasziniert.

„Was ist daran so toll?“, raunte der unerkannte Held der Zeit. Er versuchte das dreiste Grinsen und den Funken Hinterhältigkeit in Wills Blick zu ignorieren.

„Ich habe so meine Theorien über dich, nun gut, die hat wohl nach deiner Mutdemonstration jeder. Aber dadurch bestätigt sich etwas für mich.“ Er klopfte Link auf die Schulter und lächelte. Jener aber erhob sich, schüttelte den Schädel und marschierte mit einem abtuenden Winken zurück in das Schulgebäude.

 

Mit hängenden Schultern und sichtlich erschöpft betrat Link mit einem Badetuch und frischer Bekleidung das geräumige Bad der Ritterschule. Es war kurz vor Abendbrot und die meisten der Jungen hielten sich bereits in dem Speisesaal auf, was den einstigen Heroen beruhigte. Denn, so könnte er in aller Ruhe baden ohne dass irgendwer sein Fragment auf der linken Hand bemerken würde. Obwohl, dachte er mit einem schiefen Grinsen, es mittlerweile völlig egal war. Erstens vermuteten einige der Ritterschüler bereits, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Und zweitens hatte der Kampf mit Viktor bewiesen, dass eine ordentliche Portion Mut und Tapferkeit in Links Seele schlummerte.

 

Er erreichte das Bad genervt und öffnete die alte, klapprige Holztür vorsichtig. Neugierig, ob sich jemand darin aufhielt, steckte er seinen blonden Kopf durch den Türspalt und stellt fest, dass er Glück hatte. Keine Menschenseele in Sicht. Niemand, der ihn komisch mustern würde. Er schob den Riegel herunter und verschloss damit die Tür. Es dampfte angenehm in dem kleinen Raum, in welchem zwei metallene Wannen standen. An der gegenüberliegenden Wand befand sich ein Kamin, auf welchem in einem schweren Kessel heißes Wasser blubberte. Und nur spärlich schien das Licht des Mondes durch die mit Wasserdampf beschlagenen Fensterscheiben. Es war im Übrigen dunkel genug, dass selbst, wenn jemand in den Raum hineingestürmt kam, man Links Fragment nicht entdecken konnte, zumindest hoffte er das…

 

Bemüht sich von seiner Krankheit abzulenken widmete sich der junge Heroe den Vorbereitungen für sein Bad, ignorierte etwaiges Getrampel von Ritterschülern in den Gängen und freute sich auf das heiße Wasser, das hoffentlich störende Gedanken vertrieb. Er trug den scheinbar tonnenschweren heißen Kessel an eine Wanne heran und ließ das kostbare, heiße Gut hineinfließen. Aus seiner Gürteltasche holte er eine Flasche mit einer grünlich schimmernden Flüssigkeit, die man in Kokiri für Bäder verwendete. Es war ein Extrakt aus den winzigen Blättern eines Baumes, der nur in Kokiri wuchs und welcher als kraftspendend galt, eine wunderbare Pflanze, die man Lebensheilnacht nannte. Vielleicht brachte die merkwürdige Heilpflanze seine müden, kalten Glieder etwas in Schwung. Erschöpft ließ sich der Heroe in die Wanne sinken, schloss seine Augen und ignorierte auch, dass sich außerhalb tatsächlich ein eher unbeholfener, ängstlicher Ritterschüler ebenfalls für ein Bad vorbereitete.

 

Link genoss die Ruhe um seine Gedanken zu sortieren, genoss die Wärme des Wassers und hob seine triforcetragende Hand in die Höhe. Die magische Wunde war noch nicht verheilt, aber zum Glück schmerzte sie nicht mehr. Sie schmerzte nicht einmal bei der Berührung mit Wasser und mit dem Serum aus den Kokiriwäldern. Achtsam betrachtete er das verblasste Fragment und hoffte, dass es irgendwann einmal wieder so leuchtete wie in der dunklen Zeit. Sicherlich, dachte der Held, Ganondorf war verbannt und hingerichtet. Er wollte sich nicht vorstellen, dass es vielleicht eine Zeit gab, in der er durchaus lebendig war und Chaos in Hyrule säte. Aber gerade er als Held der Zeit wusste, dass die Zeit eine komplizierte Geschichte war. Und Zeitreisen hatten einige Tücken. Er fragte sich, ob er nicht irgendwann, vielleicht sogar in näherer Zukunft einmal mehr durch die Zeiten reisen würde. Vielleicht könnte er so etwas über seine merkwürdige Krankheit herausfinden…

Und vielleicht, weil er nicht wusste, was er tat, oder weil er sein Fragment nicht gerade beherrschte, ließ der Heroe den Blick darauf schweifen, umfasste mit der anderen Hand das linke Handgelenk und konzentrierte sich ein wenig…

 

Und während er darüber sinnierte, und sich einmal mehr zu sehr auf die Magie in seiner Seele einließ, lief der tollpatschige Mondrik Heagen, der scheinbar in einige Fettnäpfchen der alten Schule trat, vorwärts und steuerte unheimlich leise den Badesaal an. Er war klein und untersetzt, jemand, den niemand ernst nahm und es war ihm immer peinlich, wenn er mit den anderen Jungs, die wesentlich sportlicher und größer waren als er, duschen musste. Er schämte sich etwas für seine Gestalt, obwohl sein Vater ein starker, mutiger Mann war. Gerade deswegen passte jener Jugendliche geeignete Zeitpunkte ab, um sich in dem Badezimmer alleine aufhalten zu können. Nur hatte er nicht damit gerechnet, dass ein weiterer Jugendlicher ebenso dachte.

 

Und Link in dem entspannenden Badewasser lauschte einmal mehr, so wie vor wenigen Tagen, als er seine Augenfarbe verlor, dem Flüstern des heiligen Mutes. Es war vertrauensselig, herausfordernd, brennend. Und mit jedem weiteren Funken, den das Fragment des Mutes in Links Venen schickte, mit einem Gefühl, als ob die Macht Seelen spalten konnte, mit jedem weiteren Flüstern des Fragments, versank der Fünfzehnjährige mehr und mehr in Trance. Er nutzte es vielleicht auch, um herauszufinden, was in Hyrule vor sich ging, vielleicht um schicksalhafte Ereignisse zu sehen… Nur hörte er dabei die warnenden Schritte von Mondrik Heagen außerhalb nicht, ignorierte die Vernunft, die ihm verbat, das Fragment unachtsam einzusetzen. Aber ein einfacher Gedanke und ein verheißungsvoller Impuls ließ ihn träumen. Link phantasierte, während das Wasser in der Wanne verdampfte, während das Fragment pulsierend glühte und seit langem ein teilweise helles, goldenes Licht in den Raum schickte…

 

Gerade in dem Augenblick platzte der kleine, rundliche Mondrik in das Badezimmer, sah das verrückteste Bild, das seine braunen Kinderaugen jemals wahrgenommen hatten. Link schwebte teilweise über dem Wannenrand und das, was den anderen Jungen gerade das Entsetzten lehrte, war ein golden strahlendes Fragment des Triforce, das den gesamten Raum in ein fieberndes, entsetzliches Licht hellte. Gerade da öffnete Link überrascht seine tiefblauen Augen, plumpste erschrocken und kreischend zurück in das Wasser und als sich die Energie des Fragmentes entlud, explodierte die Wanne, zerschellte in Tausend sich verflüchtigende Einzelteile und der junge Heroe lag nackt, beschämt und unglaublich durcheinander längs auf seinem Bauch und blinzelte vorwitzig in die Augen des geschockten Mondrik.

 

Das gesamte Badezimmer war im Eimer. Das Feuer im Kamin war durch eine Wasserwelle erloschen. Einige Gegenstände im Raum waren durchgeweicht oder umgeworfen. Link hob seinen Kopf ein Stückchen an und schaute mit einem knallroten Gesicht zu dem Störenfried, dessen Mund sperrangelweit offen stand, und der nicht einmal wusste, was er sagen sollte.

 

„Es ist nicht, wonach es aussieht…“, wollte Link erklären, hüpfte auf seine Beine und umwickelte sich mit einem großen Badetuch. Obwohl weder ein anderer Schüler, noch sonst jemand eine Vorstellung davon hatte, wonach das ganze überhaupt aussehen sollte.

Mondrik war so schockiert, dass er nichts sagte, er hob lediglich seinen rechten Arm und deutete auf das Fragment auf Links Hand. Sofort versuchte der heimliche Heroe das Fragment zu verstecken, aber es war zu spät. Mondrik Heagen hatte das Fragment entdeckt, und er hatte gesehen, dass Link es benutzt hatte.

 

Link verdrehte seine Augäpfel, bedeckte sein Gesicht mit einer Hand und bezeichnete sich in Gedanken als den größten Trottel, den Hyrule jemals gesehen hatte. Wie konnte er nur so verdammt dämlich sein? Er hatte, ohne Sicherheitsvorkehrungen und das ausgerechnet an diesem Ort mit seinem blöden Fragment gespielt und nur deswegen hatte es der erste Ritterschüler herausgefunden! Du blöder, einfältiger Held! Link seufzte und blickte Mondrik Heagen, der immer blasser im Gesicht wurde, bedenklich an.

Und noch immer brachte der dickliche Ritterschüler kein vernünftiges Wort aus seinem blassrosa Mund.

Link schüttelte den Schädel, wusste auch nicht, was er sagen sollte und sah nach seiner Kleidung, die zum Glück noch trocken war. Er zog sich diese flink an und begann die Unordnung im Bad einigermaßen wieder in den Griff zu kriegen. Aber noch immer stand Mondrik Heagen vor der Tür und musterte den Heroen entsetzt.

 

„Die Schüler… also manche der anderen haben schon über dich geredet…“, begann er kleinlaut und schien sich davor zu fürchten ein weiteres Wort zu Link zu sagen. „Du bist der…“

Verärgert drehte Link seinen Schädel zu dem anderen Schüler und meinte gereizt: „Ich bin gar nichts. Du hast hier nichts gesehen, ist das klar?!“ Genervt wuselte der Heroe durch sein dickes, nasses Haar und fragte sich, wie er es schaffen konnte, dass Mondrik sein kleines Maul hielt.

„Aber das Fragment… ich habe…“, piepste Mondrik.

„Du hast nichts gesehen“, sagte Link scharf und trat vor den etwas kleineren Jungen um diesen einzuschüchtern.

„Aber…“

„Verdammt nochmal.“ Und Link wurde laut und fast schon bissig. „Ich kann es nicht gebrauchen, dass andere über mich herziehen. Du wirst deinen Mund halten, ist das klar!“

„Aber du bist…“

„Vielleicht bin ich das“, erwiderte Link und war beinah am Verzweifeln, weil er nicht wusste, wie er diesem Kerl beibringen sollte, dass er darüber schwieg. „Aber ich will nicht, dass es irgendjemand weiß. Und du wirst deinen kleinen Schnabel halten, sonst…“ 

Und das Gesicht des Jungen ihm gegenüber wurde unsicher und ängstlich, da Link so laut und einschüchternd redete.

 

„Sag‘ das nicht weiter“, bat Link ruhiger und hoffte auf das Verständnis von diesem Wicht. Allerdings kannte er Mondrik nicht, er wusste nichts über ihn, wusste nicht, ob jener vertrauenswürdig war oder jemand, der sich beliebt machen wollte, der sich mit Geheimnissen brüstete.

„Ich…“

Link trat noch etwas näher und starrte dem Jungen zornig entgegen. Ein Blick, der unheimlich eisig und gereizt war. Link ahnte nicht, dass er diesen Mitschüler damit nicht nur einschüchterte, sondern auch verängstigte.

„Ich werde es nicht weitersagen“, brummte der Junge dann erschrocken, und blickte dem einstigen Heroen sehr aufgeregt ins Gesicht. „Ich verspreche es! Bin ich dann der einzige, der es weiß?“

Link nickte, worauf sich der Junge wieder entspannte. „Genial, ich bin der einzige, der das weiß. Ich verspreche es, ganz sicher, ich verspreche, dass ich es nicht weiter erzähle.“

„Hältst du dein Wort auch?“, fragte Link leise.

„Ja, das mache ich. Wow, ich bin der einzige, der ein solches Geheimnis weiß.“ Und der Junge schien beinah zu jubeln. Link aber fand das ganze weniger witzig und auch nicht zum Jubeln. Er hatte durch eine dumme Unachtsamkeit alles in Frage gestellt. Wollte er nicht eigentlich unerkannt bleiben? Fing er jetzt tatsächlich noch an, sich in diesem Ruhm zu aalen? Er wollte sich am liebsten ohrfeigen, weil er damit die Leute, die an ihn glaubten irgendwie enttäuschte. Wenn sein Geheimnis bekannt wurde, dann gab es sicherlich einige, die ihn meiden würden. Und was war mit Will? Er wäre enttäuscht, dass Link es ihm nicht gleich gesagt hatte…

 

Gerade da kamen einige der reicheren Ritterschüler über den Gang gelaufen und blickten neugierig zu Mondrik Heagen und Link, der sich hastig seine Handschuhe überstreifte. Die Jungs grinsten und schienen sich noch ein paar andere Dinge über den ‚komischen Kauz‘ und den Versager Heagen zusammenzureimen…

 

Etwas benommen von dem Einsatz seines Fragments und der Tatsache, dass er es damit schaffte Gegenstände explodieren zu lassen, sodass von diesen nicht einmal mehr ein Staubkrümel übrig war, trat Link in Richtung des Speisesaals. Er hörte die Schüler von außen her heftig diskutieren. Hoffentlich hielt Mondrik Heagen seinen Mund und hoffentlich unterhielten sich die Schüler nicht wegen ihm so laut und aufgeregt.

 

Doch, als er die Tür in den Saal öffnete, musste er feststellen, dass die Schüler sehr wohl über ihn redeten. Überfordert trat Link ein, worauf sofort die meisten Gesichter in seine Richtung wanderten. Schüler aller Altersklassen, sogar das Lehrpersonal, welches an einem besonderen Tisch speiste, starrte in seine Richtung. Der junge Held spürte, wie er mehr und mehr rot anlief. Er war es eigentlich nicht gewohnt, dass er im Mittelpunkt des Geschehens stand. Er hatte sich bei solchen peinlichen Momenten oft genug aus der Affäre gezogen. Flehend blickte er in die Runde, dann zu Will, der nur grinste und schließlich zu Mondrik Heagen, der ihn mit Genugtuung und Bewunderung angaffte. Und dann, von einer Sekunde auf die andere, sprangen einige Schüler auf, klatschten und ein Teil jubelte. Links tiefblaue Augen wurden immer größer. Er wusste nicht, ob er sich freuen oder weinen sollte. Klatschten die Leute tatsächlich wegen ihm? Wussten die Leute mittlerweile, dass er der Held der Zeit war? Noch überforderter als vorher trat er zu Will und den anderen Drittklässlern an den Tisch und versuchte irgendwie seine Schamesröte hinter Will zu verstecken. Aber die Jungs schienen sehr erpicht darauf zu sein, dass er unbedingt Platz nahm. Man hatte ihm sogar bereits einen Teller mit Himmelskürbisauflauf, sowie eine Tasse heiße Beerensuppe, zwei Brötchen und eine heiße Milch mit Feenhonig an seinen Platz gestellt. Mit großen Augen sah er in die Runde, weil er diese positive Aufmerksamkeit einfach nicht gewöhnt war. Aber er hatte jene verdient, er hatte Achtung und Respekt so bitter nötig…

 

Etwas täppisch saß der Heroe an seinem Platz und wurde von den meisten neugierig gemustert. Sie schienen darauf zu warten, dass er sich an dem Essen erfreute oder dass er endlich etwas sagte. Er nahm einen Bissen des heißen Auflaufs und grinste etwas, während er immer noch von allen Richtungen beobachtet wurde. Er sah auf, zuckte mit den Schultern und machte den Eindruck, das ihm das Essen schmeckte. Erst dann schienen einige der Schüler zufrieden und sie widmeten sich ihren eigenen Mahlzeiten.

 

Will klopfte Link auf die Schulter, während jener von der heißen, süßen Beerensuppe schlürfte. „Was ist hier eigentlich los?“, schmatzte Link an Will gerichtet. Er fragte dies sehr vorsichtig, hoffte, dass die anderen sein Geheimnis mittlerweile nicht kannten.

„Na, was wohl, du Held!“, lachte Will. Und dem peinlich berührten Link fiel in dem Augenblick das Besteck aus den Händen. Allein, dass Will das Wort ,Held‘ in den Mund nahm, gefiel ihm gar nicht.

„Jetzt schau‘ nicht drein, wie ein dummes Gespenst. Die Leute sind total begeistert von dir, weil du Viktor ohne mit der Wimper zu zucken, fertig gemacht hast. Der schämt sich in seinem Büro in Grund und Boden und kommt nicht mehr raus. Sogar das Lehrerpersonal hat sich schief gelacht.“ Ungläubig schaute der unerkannte Held in die Runde aus grinsenden Gesichtern. 

 

„Die Leute jubeln, weil ich Viktors Schandmaul zum Schweigen gebracht habe?“, vergewisserte sich Link. Er seufzte und ließ erleichtert die Schultern sinken. Puh, er hatte mal wieder Schwein gehabt. Also wussten die Schüler noch nicht, dass er der Held der Zeit war.

„Jap, und die meisten wollten sich einfach bei dir bedanken. Deshalb haben die Leute dir diese riesige Portion auf den Platz gestellt“, entgegnete Will und grinste schief. „Ich muss schon sagen, das war erste Sahne von dir. Ich hätte nicht gedacht, dass das positiv ausgeht.“

Link aber schaute nur verwundert zu der riesigen Portion Himmelskürbisauflauf auf seinem Platz und konnte das Ganze noch nicht so richtig verstehen oder annehmen. Er erinnerte sich an Kokiri… er hatte immer den Kürzeren gezogen… er hatte es oft genug erlebt, dass er keine Mahlzeit bekam.

„Jetzt schau‘ nicht so deprimiert, du hast allen Grund stolz auf dich zu sein“, ermutigte Will mit seiner tiefen Stimme und grinste.

„Das ist es nicht, ich bin es nur nicht gewöhnt mit so etwas belohnt zu werden und dass mich andere dafür achten…“, flüsterte Link. Und auch dem Laundry verging das Grinsen teilweise, weil diese Bemerkung fiel. Hieß das, dass Link bisher so wenig Achtung und Respekt oder Gutes in seinem jungen Leben erfahren hatte? Ein Grund mehr für Will herauszufinden, was mit seinem Kumpel passiert war. Er wollte ihm eigentlich nur helfen…

„Du hast einiges mitgemacht, was…“, sprach er leise, redete fast so, wie Link es immer tat. Er hoffte, Link bekam das nicht in den falschen Hals. Aber er nickte ausnahmsweise und wurde nicht bissig.

„Du solltest mit jemandem darüber reden, dem du vertrauen kannst.“ Link sprach wieder kein Wort, verstand die Mehrdeutigkeit in Wills Worten, aber schüttelte den Schädel, was so viel hieß wie, dass er nicht darüber reden wollte… wie immer…

 

Gerade da marschierten Artus und Robin in den Speisesaal und nahmen gegenüber von Link und seinem Kumpel Platz. Sie grinsten und lachten.

„Ich kann es immer noch nicht glauben“, meinte der blonde McDawn und strahlte Link mit Bewunderung an. „Ist dir eigentlich klar, was du da gemacht hast?“

Link zuckte mit den Schultern. „Viktors dummes Geschwätz und seine bemitleidenswerte Schwertkunst ist mir einfach zu wider…“, versuchte Link zu beschwichtigen. Ihn interessierte seine unheimlich leckere Mahlzeit wesentlich mehr als der Kampf mit Viktor.

„Du solltest das nicht so unter den Tisch kehren. Einige der Schüler sind inzwischen der Meinung, du solltest uns unterrichten“, erklärte Artus und biss von seinem Brötchen. Und nun fiel dem unerkannten Helden das zweite Mal das Besteck aus den Händen. Aber er schwieg darauf. Was sollte er dazu denn noch sagen? Er wusste, dass er den anderen, selbst den ältesten Schülern, weit überlegen war, wenn die merkwürdige Krankheit nicht wäre…

 

„Jetzt wird dich keiner mehr komischen Kauz, wohl aber mutigen Kauz nennen“, mischte sich der Frauenschwarm Robin Sorman ein. „Wo hast du das eigentlich gelernt?“ Link wich immer mehr die Farbe aus dem Gesicht, weil jetzt die ganzen unangenehmen Fragen kamen.

„Du kämpfst, als hättest du jahrzehntelange Erfahrung. Und wenn du trainierst, sieht es so aus, als kämpfst du, weil dir tatsächlich ein Dämon gegenüber steht“, argumentierte Artus. „Ich meine, ich finde es klasse. Aber es überrascht mich doch ein wenig.“ Link blickte nervös in die Runde und dann etwas hilflos zu Wills grünen, neugierigen Augen. Er hasste das Gefühl etwas erklären zu müssen und hoffte inständig, dass die Schüler das Thema ruhen ließen. Auch die anderen Schüler an dem Tisch hörten neugierig zu.

„Du machst dich damit ziemlich verdächtig, ist dir das bewusst?“, sprach Artus, worauf Link die Augen schloss und seine Hände verkrampfte.

„Das ist mir durchaus bewusst. Soll ich meine Fähigkeiten etwa dauernd verstecken?“, verteidigte sich Link. „Ich bin nicht der Typ um anzugeben, aber ich bin kein Feigling. Und ich habe nicht länger Lust aus Rücksicht auf schwaches Gesindel an der Schule meine Fähigkeiten zu verbergen.“ Er sprach seine Worte so klar und beherrscht, dass Artus ein wenig entsetzt zurückwich.

 

„Bist du vielleicht gar kein Ritterschüler?“, fragte Robin aufgeregt und stützte sich halb über den Tisch. Link grinste makaber. Sollte er tatsächlich auf diese Frage antworten? Er schüttelte seinen Kopf und widmete sich seiner Milch.

„Was? Heißt das, du bist kein Schüler?“, bohrte der braunhaarige Sorman nach.

„Zumindest nicht so einer wie ihr, was?“, sprach er geheimnistuerisch. Link nahm einen Schluck seiner Milch, stand auf, stützte sich energisch auf dem Tisch ab und erklärte, sodass es auch der Rest mitbekam. „Natürlich bin ich kein typischer Ritterschüler, um das klar zustellen. Ich habe keinen ritterlichen Vater, der mich auf diese Schule geschickt hat. Und ich kann nichts für meine Fähigkeiten, also seid gefälligst damit zufrieden und lasst mich in Ruhe.“ Dann nahm er geräuschvoll Platz und aß weiter. Auch Robin und Artus gaben sich mit dieser Antwort zufrieden und aßen und es wirkte beinah so, als wollten die meisten, jetzt, wo sie Links Fechtkünste wahrhaft ernst nahmen, sich nicht mit ihm anlegen oder ihn irgendwie provozieren. Etwas beunruhigt schielte Link ab und an zu Mondrik am anderen Tisch und hoffte, dass auch dieser Kerl seinen Mund hielt…

 

Will versuchte derweil das Thema zu wechseln, sodass sich die unangenehme Stimmung wieder legte. Er sprach, während die süße Beerensuppe von seinem Kinn tropfte. „Habt ihr eigentlich schon gehört, dass in einigen Wochen ein berühmter Ball am Königsschloss stattfindet. Die Ritterschüler sind ab dem dritten Jahr zu diesem Ball geladen. Das heißt, wir können dort teilnehmen.“ Link sah verdutzt auf. Ein Ball am Königsschloss?

„Das stimmt, Elena hat mir davon berichtet“, meinte Artus. „Und sie hat mir schon ein hässliches Kostüm genäht, mit dem ich dort erscheinen soll. Man nennt diese Veranstaltung den Ball des Winterzaubers.“ Er wirkte nicht gerade begeistert von dieser Sache. Auch Link erfreute diese Nachricht nicht. Wenn er dort teilnehmen musste, würde er Zelda wiedersehen. Und dieser Gedanke fühlte sich sehr schmerzhaft an…

„Müssen wir dort hingehen?“, fragte er leise. Und vor allem Will konnte an seiner schmerzverzerrten Miene erkennen, das ihn das Thema aufwühlte.

„Es wird erwartet“, entgegnete Robin. „Aber es kommt darauf an, mit wem man dort hingeht“, setzte er lachend hinzu. „Ihr solltet in den nächsten Tagen unbedingt ein Mädchen ansprechen, mit dem ihr teilnehmen wollt. Es ziemt sich nicht dort ohne Bekleidung zu erscheinen.“

Will bekam auf die Aussage beinah einen Herzkasper. Er seufzte und atmete dann tief durch. „Beim Triforce, das ist gar nicht so einfach. Ich habe keine Ahnung, wen ich fragen soll.“

„Es sind noch genügend Mädchen frei. Das ist nicht so schwer“, kicherte Robin und schüttelte sich sein braunes Haar.

„Ich werde nicht teilnehmen“, sagte Link dann frustriert und leerte seinen Teller.

„Aber warum denn nicht?“, fragte Artus verwundert.

„Ich finde solche Veranstaltungen nervig“, meinte er beschwichtigend. ,Bei Nayru‘, es tat ihm unglaublich weh, Zelda dort zu sehen und vielleicht auch zu erkennen, dass sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Er schämte sich, er fürchtete sich unter ihre Augen. Er konnte nach all den Ereignissen der letzten Wochen nicht unter ihre Augen treten und so tun, als ob nichts geschehen war. Er hatte sie nicht nur mit seinem bockigen, bemitleidenswerten Getue enttäuscht, sondern auch mit seinen verletzenden, bissigen Worten.

Will blickte ihm anteilnehmend entgegen. Er wusste genau, was in Link vorging. Es ging um Prinzessin Zelda, das war mittlerweile so einfach aus seinem Gesicht abzulesen.

„Nun“, meinte der Laundry. „Es ist ja noch genug Zeit dafür.“

Darauf nickten alle zustimmend.

„Wo wir gerade von Mädchen sprechen“, sprach Robin und schielte interessiert zu der Eingangstür.

 

Gerade in dem Augenblick traten drei hübsche Damen von der nahe gelegenen Mädchenschule in den Speisesaal ein, worauf alle Jungs verwundert aufsahen. Es war höchst selten, dass es den Mädchen von nebenan erlaubt war, die Schule zu betreten. Die Mädchen waren herausgeputzt und geschminkt und sie alle trugen weiße Kleider, die an der Schule üblich waren. Genauso wie die Jungen eine Schuluniform hatten, mussten die Mädchen ab und an weiße Gewandungen tragen. Es war ein kleines, untersetztes Mädchen mit gekräuseltem schwarzen Haar, eine lange, dünne Dame mit drei geflochtenen Zöpfen und eine durchtrainierte, beinah muskulöse junge Frau mit kurzem, rotblondem Haar. Sie alle hatten Geschenke unter ihren Armen und steuerten geradewegs zu dem Tisch, an dem Link saß. Er begriff die Situation nicht wirklich, ahnte erst, als es schon zu spät war, dass die Damen tatsächlich ihn in ihrem Blickfeld hatten. Sie lächelten alle schüchtern und drückten dem schockierten Link, der aussah, als hätte die Zoraprinzessin Ruto versucht ihn zu umarmen, die Geschenke in die Hände.

 

Und mit dieser Geste fing sich der junge Heroe ein paar sehr erstaunte, neidische und unglaublich grinsende Blicke ein. Vor allem Will neben ihm sah drein wie ein veralberter Gorone. Die Mädchen lächelten alle schmuckhaft, verbeugten sich und rauschten so schnell wieder ab wie sie gekommen war. Täppisch, nervös und überfordert sah Link zu den drei in buntem Papier eingewickelten Paketen und begriff nicht, was gerade passiert war. Hilflos musterte er William, dann Artus und dann Robin.

„Das hast du nun von deiner Schwertkunst, Link“, kicherte Artus. Robin war nur neidisch und fragte sich, was Link hatte und er nicht. Und Will ärgerte sich über seine eigene Verlegenheit.

 

Link glotzte wie erstarrt auf die Tüten und murmelte: „Was ist das?“

„Jetzt guck‘ nicht so, als hättest du noch nie ein Geschenk bekommen!“, sagte Will lieblos, begriff aber erst nach seiner Wortwahl, was er gerade gesagt hatte. Das war es wohl… Link hatte noch nie oder sehr selten ein Geschenk bekommen.

„Geschenke?“, brachte er lispelnd heraus. Er sah irgendwie verletzlich weich aus und nur Will ahnte den Grund dafür. Er war schließlich Waise, vielleicht hatte er tatsächlich nie etwas bekommen, obwohl da ein unglaublich gutes, reines Herz in seiner Brust schlug. Will wollte sich nicht vorstellen, wie es sein musste, diese angenehmen Dinge des Lebens, wie zum Beispiel die Vorfreude auf das hylianische Fest der Göttinnen oder das Fest um Nayrus Geburt nicht genießen zu können, zu wissen, dass da niemand war, der Anteil nahm.

„Das sind Geschenke für dich, Link“, erklärte Will, worauf die tiefblauen Augen des Angesprochenen blinzelten.

„Ich glaube, du hast dich mit deinem Mut auch bei den Damen beliebt gemacht und kein Problem mehr, selbst das reichste und hübscheste Mädchen der Schule zu kriegen“, sprach Robin neidisch.

„Zum Glück brauche ich mir darüber keine Gedanken zu machen. Ich bin ja schon vergeben“, lachte Artus und kippelte mit seinem Stuhl.

 

Link schaute immer noch ungläubig auf die drei Gegenstände in seinen Händen, aber fühlte mehr und mehr ein gutes Gefühl in sich aufsteigen. Diese positive Aufmerksamkeit war so wohltuend. Er versuchte es mit einem Lächeln, auch wenn es einmal wieder bei dem Versuch blieb… 

 

Und so ging ein erheiternder Abend vorüber. Einige Schüler übten nach dem ermutigenden Tag noch außerhalb mit ihren Waffen. Andere spielten Karten. Link hielt sich gerade alleine in seinem Zimmer auf, hatte das Fenster weit geöffnet und saß auf der Fensterbank. Er ließ seine Beine hinaus baumeln und packte die drei Geschenke aus. Er wusste nicht einmal die Namen der drei Damen um sich zu bedanken. ,Aber das würde er schon herausfinden‘, dachte er. Neugierig öffnete er das erste Geschenk. Es war eine lange, schmale Schachtel mit Pralinen und ein Brief war dabei. Dort stand lediglich ein Danke für die Belehrung Viktors. Er stopfte sich gleich drei Pralinen in den Mund, genoss die Süßigkeiten ungemein, weil er in seinem kurzen Leben ohnehin zu wenig Süßes bekommen hatte. Er erinnerte sich ungern an seinen ersten Besuch auf dem Marktplatz der Hauptstadt. Er hatte damals so viele Pralinen und Zuckerstangen, wie auch goronische Zuckerkekse gegessen, das ihm schlecht geworden war…

 

In dem zweiten Geschenk war ein Taschenmesser, das der junge Heroe mit einem unverschämten Grinsen in seine Gürteltasche stecke. Aber es war das dritte Geschenk, was ihn so verblüffte, dass er beinahe vom Fenstersims gekracht wäre. Als er es  auspackte, fiel ihm sofort ein sehr eigensinniges, kupferartiges, sich teilweise cremig anfühlendes, aber auch robustes Metall auf, das mit dunklen Striemen durchzogen war. Es war ein Armband, gemacht für den Oberarm eines Mannes und es sah sehr kostbar aus. Links Mund stand sprachlos weit offen, als er sich an den Ring Hopfdingens, Midnehrets Handspiegel und seine Kompassnadel erinnerte. Er hielt gerade einen weiteren der merkwürdigen Gegenstände in seinen Händen. Sachte hielt er das Armband gegen das Kerzenlicht und staunte immer mehr. Tatsächlich, schon wieder dieses mysteriöse Metall. Gerade als ihm in diesem Zusammenhang das Buch von Viktor einfiel, spitzte der sensible Hylianer seine Ohren und hörte, dass jemand versuchte in das Gemach zu schleichen. Link verzog seine Augenbrauen und handelte schnell und leise. Er räumte das Armband unter sein Kopfkissen. Es konnte nicht Will sein, der klopfte normalerweise oder trat sofort mit aufgeregten Worten herein. Er blies die Kerze aus, hockte sich in eine unbeleuchtete Ecke und stach mit seinen aufmerksamen, tiefblauen Augen durch die Nacht.

 

Mit einem leisen Quietschen wurde die knarrende Zimmertür aufgeschoben und eine schlanke Gestalt trat in den Raum ein. Anhand der Umrisse konnte Link in der Schwärze der Nacht lediglich ausmachen, dass es ein Schüler sein musste und dass jener eine Tunika trug. Mit lautem Schuhwerk tapste die Gestalt näher und schloss die Tür vorsichtig. Er schien den Innenraum zu mustern, aber sah seinen heimlichen Beobachter Link nicht. Neugierig, was als nächstes passierte, wartete der junge Heroe ab, versuchte leise zu atmen und verhielt sich weiterhin still. Tatsächlich marschierte die Gestalt, bemüht vorsichtig zu sein und scheinbar sehr aufgeregt, an den Schrank Links, öffnete die Türen und durchwühlte fluchend die Sachen. Es erklang nur ein kleiner Laut aus der Kehle des Eindringlings, das Link ihn erkannte. Und es war da, dass der Held der Zeit verdrießlich wurde. Er trat sachte aus seinem Versteck hervor, brodelte vor Wut. Und plötzlich entzündeten sich in dem Gemach alle Kerzen, ließen einen verräterischen Schein auf den Dieb fallen, der plötzlich schrillend kreischte und sich aufgeregt umdrehte.

 

„Du hast Nerven, dich zu wagen mich auszuspionieren!“, fauchte Link und griff nach seinem Schwert. Verärgert und extrem angriffslustig zog er dieses und hielt es dem Eindringling unter die Nase. Er kannte den Jugendlichen, der gerade den Fehler seines Lebens begangen hatte. Und Link hatte ihn und Viktor belauscht und war dementsprechend vorgewarnt.

 

„Was willst du hier?“, brüllte der junge Heroe. „Antworte, Ian!“ Und mit einem Schlag flackerte des Feuer der Kerzen wesentlich wilder. Link blickte verdutzt zu dem lodernden Flammen. Mittlerweile wurden ihm seine Fähigkeiten etwas unheimlich…

Der Angesprochene sackte schuldbewusst in sich zusammen und war vielleicht sogar froh, dass er erwischt wurde. Konfus blickte der Störenfried zu den Kerzen und dann in den entschlossenen, mutigen Blick Links. „Wie hast du…“, begann er, aber wurde ein weiteres Mal von Links Schwert unsanft belehrt, dass er hier nicht das Wort hatte. Er setzte ihm die Klinge an die Kehle.

„Ich frage dich nur ein Mal, was hast du hier zu suchen!“ Und da erinnerte sich Link an Viktors Worte, die er dem Schüler Ian schmierig unter die Nase gerieben hatte. Er hatte ihm den Auftrag gegeben, seinen Kompass zu stehlen.

„Das könnte dir so passen, dass ich dir das verrate!“, murrte der Eindringling und versuchte sich aus seiner Lage zu winden. Mit einer Hand drückte er die scharfe, schwere Klinge zur Seite und zog einen Dolch, den er bei sich trug. Zwinkernd, dass sich Ian noch traute, sich herauszureden und ihn anzugreifen, verwickelte Link den Jungen in ein gefährliches Klingenspiel, bis der Dolch zu Boden krachte.

 

„Was jetzt? Hast du noch weitere Argumente?“, fragte Link genervt und schüttelte den Schädel. Er war tierisch sauer, dass Ian die Frechheit besaß ihn in seiner Situation noch anzugreifen. „Soll ich erst das Lehrpersonal rufen?“, brüllte der vergessene Heroe.

„Ich geb’s ja zu, ich habe nach deinem Kompass gesucht!“, gab Ian dann endlich zu. „Ich schwöre, ich mach‘ das nicht für mich. Ich hab‘ den Auftrag von Viktor bekommen. Lass‘ mich verdammt noch mal wieder gehen!“ Er winselte etwas, worauf Link die Klinge sinken ließ. ,Was für ein jämmerlicher Kerl‘, dachte der Heroe und schüttelte den Kopf. Was sollte er nun machen? Er konnte damit nicht zu den anderen Lehrern gehen, das würde erst Misstrauen verursachen, aber er konnte auch Ian nicht ohne eine entsprechende Strafe gehen lassen.

„Du wagst dir was. Ich hab‘ dich schon einmal fertig gemacht und dann brichst du einfach in mein Zimmer ein. Hast du den Verstand verloren?“

Ian sah mitleiderweckend auf, aber seine Beine zitterten etwas, dass er nicht aufstehen konnte.

„Ich weiß, dass du besser kämpfen kannst als die anderen. Ich hab‘ gedacht, ich krieg‘ das mit dem Kompass irgendwie hin…“

„Und ich habe echt gedacht, dass du dich nicht so dämlich anstellst.“ Ians zitternde Knie und seine kleinlaute Sprache überraschten Link ein wenig. Er steckte sein Schwert zurück und reichte dem Kerl seine Hand zum Aufstehen. Überfordert blickte der Jugendliche in seine tiefblauen Augen und verstand die Situation nicht. Er hätte nicht gedacht, dass Link ihm nach dieser Aktion noch aufhelfen würde.

 

„Ich werd‘ dir schon nicht den Kopf abreißen, obwohl ich wohl Lust dazu hätte nach der Aktion mit Ariana“, sagte Link gereizt, worauf Ian die Hand wegschlug. Er räusperte sich, wirkte aber bezüglich der schwarzhaarigen Schönheit nicht schuldbewusst. Unsicher stand der Ritterschüler vor Links Schrank.

„Du solltest nicht so große Stücke auf Viktor halten“, meinte Link ruhig. „Und seine Befehle musst du nicht ausführen.“ 

„Was weißt du schon…“

„Ich habe dich und Viktor belauscht… Ich weiß so einiges über dieses Schwein“, schimpfte der Junge.

„Ich bin an ihn gebunden…“, erklärte Ian gedämpft. „Und nur deshalb musste ich diesen Kompass suchen.“

„Das hat sich erledigt, ich habe diesen Kompass nicht mehr“, meinte Link und schüttelte genervt seinen Schädel. „Hast du eine Ahnung, was du da zusammensuchst?“, fragte er weiterhin. 

„Viktor sagte, es handelt sich um bestimmte Schlüssel, die auf dem Schwarzmarkt sehr teuer verscherbelt werden und die von Dämonen sehr teuer bezahlt werden…“

„Hat Viktor noch mehr von diesen seltsamen Gegenständen?“

„Soweit ich weiß nicht…“

,Das war ja mal interessant‘, dachte der Heroe. Wenn Ian sagte, dass diese Gegenstände Schlüssel waren, dann musste es sich um diese Dreizehn Schlüssel handeln, die in dem seltsamen Buch von Viktor angesprochen waren. Link rollte mit den Augäpfeln, als er an dieses Buch dachte. Er hatte es immer noch nicht durchgelesen.

 

„Lässt du mich gehen?“, meinte der Schüler dann.

„Zieh‘ Leine“, murrte der Heroe und schüttelte den Kopf. Es brachte ja nichts diesen Kerl

noch weiter einzuschüchtern. Außerdem schien Ian nicht lebensmüde genug zu sein, um sich diese Aktion ein weiteres Mal zu wagen. Wie ein Blitz hechtete Ian aus dem Zimmer und schlug die Tür hinter sich zu. Link blickte vorsichtshalber in seinen Schrank, aber es war alles noch vorhanden, was ihm wertvoll erschien, auch die Okarina der Zeit… Und ein weiterer Gegenstand sprang ihm gerade ins Auge. Das Buch über die sogenannten Dreizehn Schlüssel, welches er die letzten Tage schlichtweg ignoriert hatte. Er schlug sich auf die Stirn und ärgerte sich über seine gigantische Gedächtnisleistung. Er nahm sich das Buch, blätterte ein wenig darin herum und las die ersten Abschnitte. In dem Buch hieß es in etwa so:

 

„In einer dunklen Ära, wo noch andere Götter Hyrule regierten, als dunkle Schleier die Welt befielen, war es, dass sich zwei Monde am Sonnengewand auf ihren Bahnen abwechselten. Und die Alten erfüllt mit Gier und verdorbenen Wünschen, herrschsüchtig und grausam, verfluchten die geweihten Lande, bis eine Göttin die Verdorbenen bestrafte. Es war das einer der Monde, gefährlich und metzelnd niederprallte und ein altes Dämonisches Volk fast vollständig auslöschte. Die wenigen Verbliebenen, getrieben von Rache und Blutdurst schmiedeten in einer dunklen Stunde aus den Splittern des Mondes eine Waffe, die für allezeit auf einen besonderen Träger wartete. Und dreizehn Schlüssel sollen es sein, die jene Waffe mit Existenz erfüllen und zum Leben erwachen sollen. Eine gefährliche, teuflische Klinge, die das Leben bedrohen und Hyrule verändern würde.“ 

 

Link sah verstört drein und kratzte sich am Kopf. Er hatte noch nie von einer dunklen Waffe gehört, die scheinbar irgendwo versiegelt war. Aber jener Abschnitt beunruhigte sein Heldengemüt und seinen Gerechtigkeitssinn immens. Er blätterte weiter und fand Abbildungen zu den Dreizehn Schlüsseln. Verschiedene Gegenstände waren fast schon zu detailgetreu in dem Buch abgebildet, genauso wie einige weitere Items. Aber sie waren nicht vollständig. Von den scheinbar dreizehn Schlüsseln waren nur zehn hier erfasst worden. Und in dem Augenblick fiel es wie Schuppen von Links Augen und ihm wurde die Bedeutung des Buches in seinen Händen bewusst. Der Mord an dem Hausmeister Hopfdingen, der einen Ring aus komischem Metall trug. Sein Kompass, den Sir Viktor in die Finger kriegen wollte. Midnehrets Handspiegel, der in ihrer Obhut nicht gerade sicher war. Und nun dieses Männerarmband… All‘ diese Gegenstände gehörten zu den dreizehn Schlüsseln und jene waren vermutlich so gefährlich, dass er in den nächsten Nächten nicht ruhig schlafen würde…

 

Wollte irgendwer in Hyrule diese alte, dunkle Waffe etwa finden? Mehr noch… was war, wenn derjenige mit dieser Waffe gefährliche und wahnsinnige Ziele verfolgte? Und in Links Gedanken kreiste nur noch ein Wort umher… Krieg…

 

Grausame Bilder erhoben sich aus seiner Erinnerung. Blutbäder… Geschöpfe des Bösen, die er mit einem gefährlichen Masterschwert in seinen Händen niedergemetzelt hatte. Tote Hylianer. Getötete Ritter… und eine weinende und schreiende Prinzessin Zelda, die mit einem blutbeschmierten Kleid vor ihm stand…

Ihm stiegen Tränen in die Augen, als die Erinnerungsfetzen hochkamen, dachte er doch, er hätte die meisten brutalen Bilder vergessen… Aber Krieg konnte man nicht vergessen. Geronnenes, stinkendes Blut und lachende, teuflische Kreaturen, die mit mörderischen Waffen über die Steppe donnerten, konnte man nicht vergessen… 

 

Er wischte sich über die Stirn und entschloss sich, seine Feigheit Zelda einen Besuch abzustatten endgültig abzulegen. Er musste sie darüber informieren und das so schnell wie möglich… 

 

Er räumte das komische Armband und das Buch über die dreizehn Schlüssel in ein gesondertes Fach in seinem Schrank und verschloss dieses. Dann stapelte er zusätzlich einen Wäschehaufen darüber und hoffte, dass niemand diese Gegenstände fand. Er überlegte kurz das Armband ebenfalls in Nicholas‘ Hände zu geben wie er es mit seinem Kompass gemacht hatte, aber es war vielleicht besser, die Gegenstände befanden sich nicht alle an einem Ort.

 

Beunruhigt nahm Link das alte, meerblaue Flöteninstruments in seine kühlen Hände.  Behütend streichelte er über die Okarina und ließ sich auf die Bettkante sinken. Er würde dieser Sache auf den Grund gehen müssen, er war schließlich der Held der Zeit, auch wenn er derzeit angeschlagen war und selbst wenn er Tage hatte, an denen er am liebsten erst gar nicht aufstehen wollte. Er konnte seine Pflichten nicht länger ignorieren und er würde nicht zulassen, dass irgendjemand sich in Hyrule breit machte und noch einmal die Hylianer verletzte, die ihm wichtig waren. Er seufzte, ballte die Linke zur Faust und ging einen Schwur mit sich selbst ein. Er würde sich um diese Sache kümmern, egal, was es ihn kostete… Er musste endlich aus seinem Alptraum aufwachen! Er war der Held der Zeit verdammt!

 

Nachdenklich zog er sich eine Kutte über und plante sich mit der Okarina einmal mehr auf das Dach zu setzen und so vielleicht seine Gedanken ordnen zu können, eine Antwort auf diese vielen Fragen zu finden, die ihn in seinen Teufelskreis getrieben hatten. Er seufzte noch einmal und lief mit der Okarina in der Hand zu der Tür.

 

In dem Augenblick platzte Will kichernd in das Zimmer. Er schien bestens gelaunt zu sein, wunderte sich aber über Links Aufbruchsstimmung.

„Nanu, willst du nochmal weg?“

„Ja, ich…“, meinte er leise und blickte zu seiner Okarina.

„Ah, verstehe“, meinte Will. Link nickte erfreut, weil Will nicht weiter nachbohrte und ihn scheinbar nicht nerven wollte.

Erheitert hüpfte der Laundry zu dem roten Kanapee und lachte immer noch.

„Gibt es einen Grund, dass du so fröhlich bist?“, wollte Link wissen und zog sich seine Stiefel über die Füße.

„Stell‘ dir vor“, meinte er. „Die anderen und ich waren gerade im Duschsaal, als die komische Putzfrau Graminde mit ihren riesigen Waschhänden hereingeplatzt kam und uns alle mit einen wutschaubenden, zänkischen Ausdruck angeschaut hat. Sie brüllte und kreischte, bis sie sagte, dass einer von uns die Badewanne geklaut hat. Kannst du dir das vorstellen, welcher Idiot stiehlt schon eine Badewanne“, lachte Will. „Das muss doch jemandem aufgefallen sein. Badewannen gehen nicht einfach so verloren und verschwinden nicht plötzlich.“

„Äh… so muss das wohl gewesen sein“, lallte Link und machte sich mit seiner verräterischen Mimik bei Will einmal mehr verdächtig. Er wurde rot im Gesicht und schabte mit seinen Stiefeln über den Boden. Und weil Link so beschämt dreinschaute, fragte der neugierige Laundry kichernd nach. „Du hast doch nix damit zu tun, oder?“

„…“ Link war gerade zu schuldbewusst, als es noch abzustreiten.

„Link, sag‘ bloß, du hast die Wanne geklaut!“ Und Will verschluckte sich halb.

„Ich hab‘ die nicht geklaut. Das war meine Magie… ich hab‘ die unabsichtlich kaputt gemacht…“

Will bekam daraufhin einen gigantischen Lachanfall und schaute den Heroen mit tränenden Augen an. „Das ist nicht wahr, oder?“ Er hielt sich seine Hände an den Bauch und versuchte sich zu beruhigen. Euphorisch hüpfte der Fünfzehnjährige hinüber zu seinem besten Kumpel.

 

„Auch von deiner Magie solltest du den anderen berichten.“ Er klopfte ihm auf die Schulter und murmelte dann ernster: „Ich bin echt froh, dich getroffen zu haben und dich als Freund zu haben… du hast gar keine Ahnung, was du anderen gibst…“ Verwundert hoben sich Links hellbraune Augenbrauen. Wurde er jetzt auch noch dafür von Will belohnt, weil er eine Badewanne ruiniert hatte?

„Ich meine, ich fühl‘ mich echt entschlossener, seit ich dich kenne… ich hab‘ viel gelacht und durch dich nur profitiert… Danke, Link.“

Nervös schaute Link in die smaragdgrünen Augen Wills und wusste nicht, was er dazu sagen sollte.

„Ich kann mir vorstellen, dass du sowas nicht gerne hörst, aber du bist mir echt wichtig geworden. Ich würde meine Hände für dich ins Feuer legen.“ Und zwischen Will und Link entstand gerade eine so starke, freundschaftliche Basis, die der einstige Kokiri bisher nie erfahren hatte. Es war für Link so ein angenehmes Gefühl, dass er tatsächlich lächeln konnte. Und vielleicht spürte er, dass Will etwas an sich hatte, was ihm niemals fremd gewesen war. Irgendetwas war da, was Link noch nicht wusste, etwas Erfreuliches… und er würde es irgendwann verstehen. Link konnte auf Wills Worte nicht antworten, und der Laundry erwartete es auch nicht. Mit geschlossenen Augen stapfte er aus dem Zimmer heraus…

 

Mit einem unguten Gefühl und trübsinnigen Gedanken kletterte er einmal mehr auf das Dach der alten Schule und spielte Okarina. Er spielte eine freierfundene Weise. Eine Melodie, die er jemandem Besonderen eines Tages vorspielen wollte. Und vielleicht war jene Melodie eine Entschuldigung für all das, was er getan oder nicht getan hatte…

 

Er war sich sicher, dass sie es irgendwo hören konnte… und irgendwann, vielleicht, wenn sich diese Missverständnisse aufgeklärt hatten und er wieder in der Lage war sie zu beschützen, dann würde er ihr auch dieses Lied vorspielen können…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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