31. Kapitel
 

Kapitel 31: Liebe

 

 

 

Und als einer der einzigartigen Helden Hyrules langsam aus einem qualvollen Schlaf erwachte, sein Bewusstsein wieder arbeitete, war es noch sehr früh am Morgen. Er hatte schlecht geträumt, konnte sich aber nur noch an Blut und einen kläglichen Gesang erinnern. Er verdrängte die Bilder regelrecht. Denn manche Bilder in seinen Gedanken waren inzwischen so grausam und gewaltig, dass er sie nicht einmal erinnern wollte…

Schwaches, graues Dämmerlicht fiel durch die leicht verstaubten Glasscheiben der Fenster. Und das milchig weiße, trübe Licht benetzte in mehreren Strahlen den Innenraum, fiel über den Boden, über das rote Kanapee und auch über Links Bettdecke. Mit der linken Hand wischte der Heroe über sein Gesicht, über die trockenen Lippen und durch das leicht fettige, dunkelblonde Haar. Ihm war etwas mulmig, und er brauchte eine Weile sich darauf zu besinnen, wer er war, was geschehen war und wo er sich befand. Manchmal morgens ging seine Seele auf Reisen, vielleicht zurück in eine Zeit, an die er sich kaum erinnern konnte. Und manchmal brauchte eine hylianische Seele viel zu lange zurück in die Realität zu finden.

Er blinzelte und beobachtete dann die feinen, fast magischen Lichtspiele in dem Zimmer. Durch die vielen Staubkörner in der Luft wirkte es fast so, als tanzte etwas in den Lichtstrahlen, als funkelte das Licht. Er richtete sich ein wenig auf, sodass das Bett knarrte und lehnte sich mit seinem Rücken an das Bettende. Eine sonderbare Form von Ruhe und Melancholie war in seinen Seelenspiegeln verborgen und es würde einen Beobachter dazu bringen, sich zu fragen, ob der Heroe tatsächlich verstanden hatte…

 

Ja, vielleicht hatte er das. Der Zusammenbruch von gestern, ja er erinnerte sich, und die merkwürdigen Träume, in denen er unbeteiligt und schattenhaft teilnahm, geisterten durch seine Gehirnwindungen. Er war unglaublich ruhig und lächelte mit einer Traurigkeit durch den Raum, weil er verstanden hatte. Er musste allmählich begreifen, dass seine Zeit in Hyrule endete. Es war keine Einbildung, kein dummer Gedanke, der da durch seinen Kopf wanderte und es war kein kindischer Versuch vor Verantwortung und Herausforderungen wegzulaufen. Link spürte, dass seine Krankheit nicht mehr verging. Er spürte, dass sein Daseinsgrund erfüllt war und dies war der Grund, weshalb er nun mit dieser seltsamen Form der Ruhe hier lag… 

 

Er seufze, legte seine Hände auf die Brust und fühlte den Schmerz von gestern Abend abklingen, auch wenn er wusste, dass diese Qualen wiederkamen, solange wieder kamen, bis er es nicht mehr aushielt…

 

Als er sich seine linke Hand betrachtete, erschrak er aber ein wenig. Wo war sein Handschuh? Und wo war der Verband? Er drehte seine Hand in der Luft und war noch verwunderter, als er feststellte, dass die magische Wunde endgültig verheilt war. Nanu? Vielleicht war doch irgendetwas geschehen, dass er nicht wusste. Mit der Rechten fuhr er verträumt über seinen Handrücken, lief mit den Fingerspitzen das Fragment entlang und plumpste aus seinem Bett, als das Fragment, nach so langer Zeit und das entsetzte ihn noch mehr als seine komische Krankheit, auf eine fast erschreckende, gleißend weiße Art zu Leuchten begann. ,Ich fass‘ es nicht‘, dachte er und schluckte die Spucke in seinem Mund zwanghaft herunter. ,Das kann doch nicht sein!‘, protestierte er in Gedanken. Das Fragment hatte sich seit Ewigkeiten nicht mehr auf diese Weise gezeigt. Es reagierte nur in Zeldas Nähe so… Was war hier passiert? Sicherlich hatte er es in den letzten Tagen eingesetzt, es hatte auch geleuchtet, aber niemals so hell. Er krabbelte vorsichtig zurück, spürte, wie weh ihm allein bei dieser Handlung seine Glieder taten und kniff die Augen schmerzverzerrt zusammen. Er atmete tief und genießend ein und ließ seine Augen ganz lange auf dem Fragment verweilen, bis er jene wieder zudrückte…

 

Er bemerkte zuerst nicht, dass Will sich ebenfalls in dem Zimmer aufhielt. Und er bemerkte nicht, dass eine schlanke Gestalt mit einer Metallschüssel warmen Wassers auf den Armen leise in den Raum trat. Sie stellte die Schüssel auf den Tisch in der Mitte des Bereichs und legte einen teilweise verschmutzten, grauen Mantel ab. Und honigblondes, langes Haar fiel in jenem Moment aus einem Zopf ihren schmalen Rücken hinab. Sie war gekleidet in einem weißen, etwas zerrütteten Nachthemd und drehte ihr Antlitz dann in Links Richtung. Just in dem Moment blinzelte er wieder, vielleicht weil er nicht schlafen konnte und sah sie dann, zart und magisch, zwischen den trüben Lichtstrahlen, stehen. Seine tiefblauen Augen sahen wie gelähmt in ihre Richtung, weil er es nicht begreifen konnte. ,War sie es wirklich‘, fragte er sich und fragte sich außerdem, ob er vielleicht noch träumte.

 

Aber auf nackten Sohlen, zerbrechlich, in einem kurzen Nachtkleid, ein wenig ratlos und irgendwie erschöpft wirkend, stand in der Zimmermitte das wohl schönste und angenehmste Wesen Hyrules für Link. Er blinzelte wieder, wollte etwas sagen, aber hatte zu viel Ehrfurcht vor diesem magischen Moment, vielleicht weil er dachte, es war nur ein Wunschtraum und vielleicht weil er Angst hatte, dass sie nur eine Sinnestäuschung war. Ja, er hatte eine unglaubliche Angst, dass sie sich mittlerweile von ihm abgewandt hatte. Und dieser Gedanke hatte weh getan, sehr weh…

Ein wenig schüchtern wanderten seine meerblauen Seelenspiegel, aber auch mit einer irrsinnigen Sehnsucht, von ihrem Nachtgewand zu ihrem reinen Gesicht, wo Besorgnis, aber auch ein Lächeln stand. Ein geruhsames, verzauberndes Lächeln, das ihm jegliche Anspannung der letzten Tage nahm. Und seit langem blickte er endlich wieder in ihre himmelblauen Augen, war so dankbar, dass er diese noch einmal erblicken konnte, auch wenn es ein letztes Mal wäre. Sie sagte kein Wort, machte eine öffnende Armbewegung und tapste dann, als jener Moment am Rande Hyrules sich ausdehnte, mit diesem viel zu knappen, offenherzigen Nachtkleid zu ihrem Heroen hinüber. Sie sprach kein Wort, sondern setzte sich zu ihm auf die kühlen Laken und umarmte ihn dann so innig, dass er nicht weglaufen konnte. Und es war das erste Mal, dass ihre Umarmung nicht entwürdigend, belästigend oder falsch erschien. Mit einem tiefen Seufzen genoss er ihre Nähe, drückte seinen leicht pochenden Schädel an ihre halb entblößte, zierliche Schulter und schwelgte in ihrem Parfum. Sie roch nach Blumen, frischen, sprießenden Blüten auf den Wiesen Hyrules…

 

Er wollte ihr alles erklären, wollte so viel sagen, ihr erklären, was in den letzten Wochen geschehen war, wollte sie um Verzeihung bitten, aber er konnte nicht. Ihr körperliche Nähe, die Weichheit ihrer Haut, die er an seinem Gesicht spürte, ihr Geruch, nahmen ihn gerade so sehr ein, dass er nicht sprechen wollte. Er umarmte sie fester, so innig wie er noch nichts in seinem Leben festgehalten hatte. Seine zitternden Arme spielten mit dem Leinenstoff an ihrem Rücken, fuhren darüber hinweg, spürten Maschen und ab und an ein Loch im Stoff. Seine Hände strichen vorsichtig und sanft durch das lange, seidige Haar an ihrem Rücken. Es fühlte sich wie Seide für ihn an…

Und auch sie hielt ihn träumend an sich gepresst. Er spürte ihre Hände an seinem Genick, über seinem Rücken wandern und sie zitterte ein wenig. Ihre Lippen berührten seine schweißbenetzte, aber kühle Stirn, küssten verträumt seine blasse Haut. Dann lehnte sie ihr zartes Kinn an seine Stirn, streichelte durch sein blondes Haar, aber sagte kein Wort. Es war nicht nötig… es war einfach nicht nötig…

 

Gerade als er dachte, nichts könnte schöner sein, als diese innige Umarmung, ihre weiche Haut an seinem Gesicht und die Wärme, die sie ihm schenkte, wich sie etwas zurück, drückte den verblüfften Jungen auf die weiche Matratze und krabbelte zu ihm auf die Bettdecke. Sie lächelte immer noch so bezaubernd und biss sich ein wenig auf ihre Unterlippe. Link, vollkommen verdattert und begriffsstutzig, konnte sich aus dem, was diese wunderschöne Adlige hier tat, keinen Reim machen und hoffte bloß, Will würde nicht plötzlich aufwachen und dieses Schauspiel begutachten.

Er würde denken, dass Mädchen tatsächlich nicht vor ihm sicher waren.

Er würde denken, dass sie etwas Verbotenes taten.

Und er würde irgendetwas denken, das Link überhaupt nicht kapierte…

 

Dann tat das Mädchen etwas, was ihn nur noch nervöser machte und vielleicht war dies in seinen Augen bereits verboten. Sie setzte sich auf seinen Schoß, rückte das Nachtkleid etwas zurecht, sodass ihre anziehenden Schenkel sichtbar wurden. Und es war dann, dass Link sie entsetzt musterte und dieses Ereignis keineswegs mehr als beruhigend und angenehm empfinden konnte. Sie machte ihn mit diesen Handlungen nervös, unglaublich nervös. Sein Puls raste und er fühlte einen inneren Druck, den er immer versucht hatte zu ignorieren, zunehmen. Dann spielte sie grinsend an seinem weißen Kragen und öffnete die Schnüre, was den Jungen noch mehr verwirrte.

 

„Zelda…“, sprach er leise und verständnislos. Sie aber legte einen Zeigefinger auf seine blassrosa Lippen. „Sch… sch…“, murmelte sie. Bei Farore, wie er diese Stimme vermisst hatte. „Nicht reden…“ Und sie bat ihn mit einfühlsamen Blicken, dass er sich entspannen sollte, dass er sich fallen lassen sollte und bat ihn um sein Vertrauen. Er schluckte nur, besah sich die zartrosa Wangen seiner Prinzessin, die blutroten Lippen, die ihn zunehmend hypnotisierten. Sein Blick verweilte dort, und er dachte daran, wie blütenweich diese Lippen sein mussten, und wie sanft sich diese anfühlen würden. Während er diese Lippen musterte und sich ein sehnsüchtiger, vielleicht triebhafter Teil seines Ichs hervorwagte, wanderten Zeldas schmale Hände über die pechschwarze Tunika, spielten mit den feinen Konturen seiner Brust, streichelten über seinen Bauch und griffen an die kupferfarbene Gürtelschnalle. ,Was zum…‘, und er kam nicht einmal dazu seine Gedanken zu Ende zu denken. Noch ehe er sie davon abhalten konnte, hatten Zeldas flinke Hände den Gürtel geöffnet. Etwas erschrocken richtete Link seine tiefblauen Augen zu Zeldas Händen und umfasste diese vorsichtig. Er musterte ihre himmelblauen Seelenspiegel hilflos, fragte sich, ob sie wusste, was sie hier tat, und wollte etwas sagen, aber einmal mehr, legte sie einen Zeigefinger auf seine Lippen und verbat ihm das Reden.

„Bitte…“, flüsterte sie und rutschte mit ihrem sanften Antlitz näher. „Es ist alles in Ordnung…“ Er konnte ihr wohl kaum widersprechen, wenn sie sich so zärtlich verhielt. Er hatte noch nie mit irgendwem so viel Nähe ausgetauscht. Er hatte noch nie diese verwirrenden, zugleich aber angenehmen Empfindungen wahrgenommen.

„Du brauchst ein wenig Liebe, die dein Herz heilt…“ Und als sie das sagte, wandelte sich seine angespannte Mimik ein wenig. Seine tiefblauen Augen schillerten trübsinnig, bis sie sich schlossen. Das Wort lag auf seiner Zunge, als brannte sich es dort ein. ,Liebe.‘ War das hier, diese gewaltigen, verwirrenden Gefühle und dieses stärkende Vertrauen, Zeldas gefühlvoller Umgang mit ihm, etwa Liebe?

 

Und einmal mehr schaffte es die Prinzessin seine hindernden Gedanken zu verscheuchen. In einem unbedachten, überraschenden Moment, noch ehe der Heroe verstand, was geschah, streichelten ihre vollen, roten Lippen über seine blassen. Ihre hypnotisierenden Lippen auf seinen versetzten ihm einen so gewaltigen Stromschlag in seinen Gliedern, dass er dachte, er würde sterben. Dieses Gefühl… Es war wie, als brannte sich ihre Berührung in seiner Seele fest. Er traute sich nicht mehr zu atmen, wollte dieses quälende, und doch befreiende Gefühl auskosten, wollte mehr davon. Das war also der Grund, warum sich Erwachsene gelegentlich küssten…

Als sich die weichen Lippen des blonden Mädchen entfernten, umzirkelten Links noch immer zitternde, schwache Arme so gut wie es ging ihren Rücken, hielt sie gefangen in seiner Nähe, wollte nicht, dass sie sich zurückzog. Und er drückte seine Lippen ein weiteres Mal auf ihre. Sie schien entzückt, ließ ihn gewähren und intensivierte den Kuss, saugte ganz sanft an seiner Unterlippe, kostete das Gefühl aus und verwöhnte mit ihren Lippen seine Wangen, sein Kinn, seinen Hals.

,Beim Triforce‘, dachte er. ,Er wusste nicht, dass sein Körper zu solchem Empfindungen überhaupt in der Lage war. Warum hatte er das alles immer ignoriert? Vielleicht, weil er vor einiger Zeit erfahren hatte, erwachsen zu sein, und ihm dadurch die ganze Pubertät flöten gegangen war?‘

 

Erst dann richtete sich Zelda wieder ein wenig auf. Sie wirkte genauso aufgeregt wie er. Ihre Wangen waren rötlicher als vorher. Ihre saphirblauen Augen loderten mit einem Durst, den Link darin noch nie gesehen hatte. Sie lächelte himmlisch… Und weil sie ihn mit ihrem Lächeln in den Bann zog, hinderte er sie auch nicht mehr daran, ihm die schwarze Tunika über den Kopf zu streifen. Sein blondes Haar wirkte noch zerzauster als vorher. Seine Nervosität wuchs und wuchs, aber es war ihm nicht unangenehm. Dann knöpfte sie das weiße Hemd auf, das seinen Oberkörper schützte, und sie tat das unheimlich langsam. So langsam, dass er es beinah nicht mehr ertragen konnte. Seine Augen schlossen sich und er versuchte das zu tun, was sie von ihm verlangte. Loszulassen, sich zu entspannen, sich einfach fallen zulassen…

 

Er spürte ihre warmen, kitzelnden Hände an seiner Brust, an seinem Bauch, es war wie, als wollte sie jede Kleinigkeit seines Körpers entdecken und streicheln… Und je mehr sie  massierend und sanft seine beanspruchten Muskeln berührte, umso mehr regte sich ein unheimlich zufriedenes Lächeln auf seinem Gesicht, das sie lange nicht gesehen hatte. Er lächelte so, wie sie es sich wünschte, so, wie es sein sollte…

 

Als sie mit ihren Berührungen stoppte, öffneten sich seine tiefblauen Seelenspiegel neugierig, es wirkte fast so, als wäre er etwas beleidigt, dass seine Prinzessin ihre Zärtlichkeit unterband. Aber sie tat etwas, dass seinen Herzschlag noch mehr beschleunigte und ihn vielleicht wieder in die Bewusstlosigkeit schickte. Etwas unsicher, strich sie ihre langen, seidigen Haare zurück, griff an die Enden des Nachtkleides und bescherte Link einen Anblick, den er in seinem Leben nie wieder vergessen würde. Er hatte noch nie ein Mädchen völlig nackt gesehen, und sollte vielleicht froh sein, dass ausgerechnet so ein hübsches Wesen das erste weibliche sein sollte, dass sich ihm ohne Kleidung präsentierte.

 

Mit einem Ruck zog sie sich das Stückchen Stoff über ihre schlanke Gestalt und warf das Kleidungsstück achtlos in das Zimmer. Und vielleicht, weil Link unglaublich aufgeregt, nicht zu sagen, erregt war, gefroren für ihn in dem Augenblick die Sekunden. Er sah das Nachthemd davon fliegen, sah einmal mehr die Staubkörner in den Lichtstrahlen tanzen, wanderte mit seinen tiefblauen Augen zu dem schlafenden Will und dann zu dem wunderschönen, fast göttlichen Wesen, das auf ihm saß. Er sah sie so schockiert an, dass sie dachte, er würde ohnmächtig werden. Nun ja, sie war wirklich… wollte er denken… sie war… Er wollte doch nur einen Gedanken fassen… Sie war…

 

Das, was Link gerade nicht denken konnte, war eigentlich bloß, dass er sie wunderschön fand. Er betrachtete sich ihren schmalen Hals und die feinen Konturen an ihren Schlüsselbeinen, suchte Worte für ihre straffe, volle Brust und die rosigen Brustwarzen… Seine Augen wanderten zu ihrem Bauchnabel und weiter hinab. Er wollte das alles berühren und verwöhnen… fragte sich, wie sich diese weibliche Brust anfühlte… Nur war er gerade so schockiert und unsicher, dass er nicht in der Lage war auch nur irgendeine Regung zu zeigen, seine Hände zu benutzen für das, was er so dringend fühlen wollte…

 

Und die liebliche Zelda, die alles für sein Wohlergehen tun würde, blickte ihm etwas befangen entgegen. Ihre Wangen waren nun deutlich rot und ihr war warm, unglaublich warm. Sie wusste nicht, warum es hier drin plötzlich so heiß war. Sie konnte den Blick nicht deuten, den er ihr schenkte. Träumerisch, sehnsüchtig, verlangend…

Sie drückte ihre Hände gegen ihre Brust und begann dann kindlich an ihren Fingernägeln zu kauen, während Link das Gefühl hatte, er verdampfte vor Erregung. Er sah drein, als hätte er fünf blaue Tränke auf einmal zu sich genommen und sich damit in einen berauschten, gefährlichen Zustand katapultiert.

 

Dass William Laundry noch im Zimmer war, schien sie beide nicht zu interessieren. Überhaupt, dass die Tür nicht verschlossen war und jeder beliebige Lehrer in diesen Raum treten könnte, wurde von Link und seiner Zelda gerade herzlich wenig beachtet. Sie taten das, was sie in der alternativen Zeit bereits mehrfach hätten tun sollen. Und das war keine Spielerei für sie beide oder eine lächerliche Möglichkeit Bedürfnisse zu befriedigen. Es war einfach richtig und es war Liebe…    

 

Sie näherte sich ihm, atmete scharf und genießend ein und küsste ihn wieder. In ihrer Nacktheit lag sie auf seinem Körper. Er spürte es knistern zwischen ihnen, knistern und beben. Ihre Brust an seiner war berauschend, ihre samtige Haut zu spüren war überwältigend. Und es war dann, dass Zeldas Hände ein weiteres Mal dorthin wanderten, wo sie bereits die Gürtelschnalle gelöst hatte. Geschockt riss der Heroe seine Augen wieder auf, packte ihre Hände und murmelte ein albernes: „Nicht, da passiert etwas komisches…“ Er hörte Zelda lieblich lachen auf diese Worte, spürte ihre verwöhnenden Lippen zu seinem rechten Ohr wandern. Sie flüsterte leise: „Das ist gut für einen anderen, besonderen Zeitpunkt… Ich liebe dich, mein Held…“

 

,Ich liebe dich… mein Held…‘ Es war, als wären diese Worte ein Ruf, der Link zurück auf den Erdboden beförderte. Er schloss die Augen, atmete noch einmal Zeldas Parfum ein und öffnete dann wieder seine tiefblauen Augen… aber seine Prinzessin, die sich doch so echt, so nah angefühlt hatte, war verschwunden.

 

Als hätte ihn jemand auf den Arm genommen, oder als hätte die Realität ihm einen hinterhältigen Streich gespielt, sah er mitgenommen um sich. Er war immer noch unglaublich erregt, hatte das Gefühl, sein ganzer Körper bebte durch Zeldas Berührungen. Aber sie war nicht hier. Das Zimmer gab sich ihm etwas verschwommen preis und tatsächlich war es früh am Morgen, aber wo, bei den Göttern, war Zelda? Er blinzelte, rieb sich seine Augen und richtete sich hastig auf. Sein Kopf pochte wie wahnsinnig, und dann endlich orientierte er sich und wurde ruhiger. Will schlief genauso wie im Traum in seinem Bett, aber es war nicht Zelda, die ihm Gesellschaft leistete. An seiner Bettkante, in einem weißen Nachthemd und mit seiner beigen Hose und seinen Stiefeln bekleidet, saß Ariana und hatte ihre Arme auf die Bettdecke gelegt. Sie schlief.

 

Da kamen seine Erinnerungen wieder. Er war in seinem Zimmer zusammengebrochen, weil ,die Tränen der Nayru‘ nicht mehr funktioniert hatten. Und er hatte einige beunruhigende Gedanken gehabt. Aber wie kam Ariana hierher? Und warum war sie in diesem Aufzug? Er seufzte, drehte sich noch einmal um und wand sein beschämtes Gesicht zum Fenster. Verdammt, dieser Traum war so echt, so überwältigend und so einprägsam, dass jener es geschafft hatte Links trübsinniges Gemüt von einer Sekunde auf die andere umzupolen. Und das, was er darin erfahren hatte, was Zelda geflüstert hatte, war so wohltuend, so unglaublich angenehm.

 

,Ich liebe dich… mein Held.‘ Das war das schönste, was er in seinem Leben bisher gehört hatte. Er schloss seine tiefblauen Augen, wünschte sich nichts sehnlicher als dieses Gefühl in ihrer Nähe zu sein zurück. Ja, er vermisste Zelda… er vermisste sie wie nichts anderes auf der Welt, gerade das hatte ihm der Traum bewusst gemacht.

 

Nur war das ein Grund sich so etwas Stupides und Wahnwitziges auszudenken? Link hatte fast das Gefühl losschreien zu müssen, weil er diesen Traum einfach nicht verstand. Und warum konnte er die Details von diesem Schatten der Nacht nicht einfach abstellen? Er konnte tun, was er wollte, aber Zeldas Anblick bekam er nicht mehr aus dem Kopf. ,Zelda würde ja wohl kaum in Wirklichkeit so reagieren, oder doch?‘, fragte er sich. Jedenfalls… was immer Zelda mit ihm gemacht hatte, jetzt wo er wach war, schämte er sich elend dafür. Er schämte sich so sehr, dass er das Gefühl hatte, er könnte ihr nie wieder ins Antlitz blicken! Beim heiligen Deku, er hatte Zelda nackt gesehen!

 

Andererseits, für einen solchen Traum, hatte sich der Zusammenbruch wahrlich gelohnt, dachte der Held albern, und grinste ein wenig. Was immer Zelda mit ihm angestellt hatte, es hatte sich wunderbar angefühlt… es hatte ihn für kurze Zeit auf komplett andere Gedanken gebracht und vielleicht wirklich sein Herz etwas geheilt… auch wenn er sich schämte…

 

Gerade da legte sich eine warme, weiche Hand auf Links durchgeschwitzte, aber kühle Stirn und er drehte sich verwundert um. Ariana hatte ihre bernsteinfarbenen Augen geöffnet und musterte ihn besorgt. Sie lächelte ein wenig, wirkte aber völlig fertig und hundemüde. Da hing Schlafsand in ihren Augen und sie hatte ein paar hässliche, lila Augenringel.

„Guten Morgen…“, murmelte sie und ließ ihre Hand noch ein wenig auf seiner Stirn ruhen. „Bist… bist du in Ordnung?“, fragte sie leise und blickte scheu weg. Bemerkte sie etwa, dass er durcheinander oder erregt war? Er blickte sie so an, als verstand er gerade überhaupt nichts mehr und als war ihre einfache Frage zu viel.

„Du bist gestern Abend zusammengebrochen…“, sagte sie. Er nickte und hustete ein wenig, aber wusste nicht so recht, was er zu der hübschen Schmiedtochter sagen sollte.

„Hast du Schmerzen?“, fragte sie dann und musterte ihn eindringlich. Sie beugte sich etwas über ihn, was ihn gerade unheimlich nervös machte. ,Verdammt‘, dachte er. Irgendwie konnte er gerade nur an Zelda denken, und wenn sich dann ein Mädchen halb über ihn beugte und auch noch so hübsch war wie seine Prinzessin- und das war Ariana auf jeden Fall- dann spürte er diesen unheimlichen inneren Druck aus seinem Traum wieder zunehmen. Er schaute die Schmiedtochter flehend an, fast so, als konnte er ihre Anwesenheit nicht ertragen.

„Was hast du?“, meinte sie und verzog ihre dunklen Augenbrauen. Er kniff die tiefblauen Augen zusammen, brachte es nicht fertig irgendetwas zu sagen, wand sich gen Fenster und schämte sich schon wieder. Hoffentlich bemerkte Ariana seinen erregten Zustand nicht, dachte er. Und dass er erregt war, konnte man bei einem genauen Blick sicherlich feststellen…

Ariana aber schien das in den falschen Hals zu bekommen. „Ich seh‘ schon, du bist nicht in Stimmung zu reden“, meinte sie etwas missmutig. Gut, fürs Reden war er gerade tatsächlich nicht in Stimmung… Sie hetzte auf, schnappte sich die Metallschüssel, die tatsächlich auf dem Tisch in der Zimmermitte stand, und trat damit kopfschüttelnd aus dem Raum. Als sie die Tür zuschlug, und Link hatte keine Ahnung, warum sie nun plötzlich so mies gelaunt war, schreckte auch Will verstört aus seinem Schlaf.

 

„Hey, du Schauspieler“, lachte der Laundry und stolperte noch halbschlaftrunken in seinem Nachthemd zu Link hinüber. „Bin ich froh, dass du wieder wach bist“, sagte er.

„Wie spät ist es denn?“, murmelte Link und hielt sich eine Hand über seinen pochenden Schädel.

„Sechs Uhr morgens“, meinte Will und musterte ihn durchdringend. „Geht es dir einigermaßen gut?“ Link blickte seinen Freund verdattert an. Er wusste nicht, was geschehen war, aber er sah deutlich, dass Will besorgt war.

„Du siehst aus, als hättest du einen Schlag auf den Kopf bekommen!“ Das nicht, dachte Link und richtete sich etwas auf. Aber er wünschte sich gerade einen Schlag auf seinen Schädel, damit er aufhörte an Zeldas nackten Anblick zu denken.

„Es geht mir schon wieder besser. Was ist denn überhaupt passiert?“, murmelte er benommen. Und Will erklärte seinem Kumpel die ganze Geschichte und auch Arianas merkwürdiges Verhalten und ihren Aufbruch zu der Feenquelle. Verwundert begutachtete Link das schwarze Heilmittel. Was die schwarze Farbe wohl bedeuten mochte?

 

„Das ist alles ein übler Scherz, oder?“, meinte Link trübsinnig und ließ seine schweren Beine von der Bettkante baumeln.

„Du hättest sie mal erleben sollen. Ich hab‘ keinen blassen Dunst, warum die sich in deine Angelegenheiten eingemischt hat. Jedenfalls hat sie sich aufgeführt wie eine gefährliche Rachegöttin“, sagt Will. Auch das überforderte Link immens. Warum war Ariana so entschlossen ihm zu helfen? Nur, weil sie eine gute Freundin für ihn sein wollte?

„Sie ist vorhin gereizt abgehauen und hat die Metallschüssel mitgenommen“, sagte Link und versuchte sich frische Kleidung aus seinem Schrank zu nehmen, aber ließ es bei dem Versuch und setzte sich wieder. Der Krankheitsschub klang ab, aber er hatte das Gefühl, dass die Attacken immer schlimmer wurden. Bei Farore, er hatte nicht einmal die Kraft sich seine Sachen aus dem Schrank zu nehmen.

„Vielleicht ist sie mies gelaunt, weil sie fast keinen Schlaf bekommen hat.“

„Sie war die ganze Nacht unterwegs?“ Link sah drein, als müsste er die Kikwiisprache verstehen und starrte zu Boden. Warum tat Ariana das alles für ihn?

„Die hat sogar Briefe gefälscht und sich eines der Pferde aus dem Stall geborgt. Du solltest dich irgendwie bei ihr bedanken…“, entgegnete Will.

„Das werde ich…“, sprach Link leise. Sollte er nicht unglaublich glücklich sein, dass es neben Will noch andere Leute gab, die sich ungeheuerlich für ihn einsetzten? Er verstand nur nicht, warum der Gedanke an die Aufopferung der anderen so unerträglich für ihn war. Es war in Ordnung, versuchte er sich einzureden. Er konnte es ohnehin nicht mehr ändern.

 

Gerade trat die erschöpfte Ariana Blacksmith mit einer heißen Wasserschüssel unter ihren grazilen Armen in den Raum. Sie wirkte unglaublich fertig mit ihren Nerven. Ihr schwarzes, leicht gewelltes Haar war zerzaust und sie sah drein, als wäre ihr alles zu viel. Sie wirkte noch immer sehr missmutig und stellte die Schüssel so grob auf Links Nachttisch, dass das heiße Wasser über den Rand schwappte. Sie drängelte sich zwischen Link und Will, stieß Will beinah zu Boden und drückte ihre rechte Hand an Links durchschwitzte Stirn. Er blickte unbeholfen in ihre bernsteinfarbenen Augen, sah einen Hauch Schwermut und Besorgnis darin und wusste erneut nicht, was er zu ihr sagen sollte. Aber er musste dummerweise bemerken, dass sich ihre weiche Haut auf seiner Stirn ungemein gut anfühlte. Er lief etwas kirschrot an, versuchte sich mit irgendeinem Gedanken abzulenken und blickte hilfesuchend zu Will. Doch jener schaute nur belustigt drein, streckte sich und nahm sich seine Schuluniform aus dem Schrank. „Nun ja, ich will euch beide dann alleine lassen. Das kriegt ihr schon ohne mich hin, was?“, sprach er mehrdeutig und grinste wie ein Honigkuchenpferd. Er wollte sich erstens nicht mit Ariana anlegen und zweitens hatte er den Eindruck, dass Link in der Obhut jener Dame bestens aufgehoben war. Er stolperte pfeifend aus der Zimmertür.

 

Nachdenklich musterte der junge Heroe das Mädchen in seinem Zimmer und betrachtete sich ihr teilweise zerrissenes, weißes Nachtgewand aus Leinen. ,Seine Hose an ihren Beinen sah ungemein merkwürdig aus‘, dachte er. Und seine Stiefel an ihren Füßen waren verdreckt. Aber es ärgerte ihn nicht, dass sie seine Sachen entwendet hatte.

Sie sprach kein Wort, wirkte sehr traurig. Sie tapste zu seinem Schrank und holte ihm frische Unterbekleidung und die schwarze Standardtunika aus dem Schrank. 

Er wusste nicht, wo er anfangen sollte. Es fiel ihm so schwer, sich bei ihr zu bedanken… und es fiel ihm noch schwerer ihr zu erklären, was mit ihm los war. Er wollte gegenüber seinen neuen Freunden nicht andauernd, wie das hilfsbedürftige, naive Jungchen wirken, das manche in ihm sahen. Er wollte so stark und mutig sein wie früher… Dennoch, war er fast erleichtert, dass sie hier war. Sie erinnerte ihn einfach zu sehr an Zelda und gerade sie brauchte er doch eigentlich, um sich besser zu fühlen…

 

Ariana schluchzte ein wenig und legte die frische, duftende Wäsche auf den wackelnden Hocker vor dem Bett. Dann trat sie vor den blonden, jungen Mann und musterte ihn besorgt. Link versuchte einen Anfang zu machen, traf aber gleich den falschen Ton. „Musst du nicht zurück in die Mädchenschule?“ Etwas gekränkt wich das Mädchen zurück und murmelte gezwungen: „Willst du mich so schnell loshaben?“

„So war das nicht gemeint…“, versuchte er zu schlichten und versuchte außerdem zu ignorieren, das Ariana genauso wie seine Prinzessin ein weißes, halb zerrüttetes Nachtkleid trug. Ja, Link hatte inzwischen das Gefühl, dass die schwarzhaarige Schönheit etwas vor ihm verheimlichte. Ob ihre Ähnlichkeit mit Zelda doch nur Zufall war?

„Ach nein, wie war das dann gemeint?“, sprach sie laut und aufgeregt. Erst jetzt sah der junge Heroe, dass sich Ariana eine Träne von der Wange wischte. Er sah sie entsetzt an, verstand nicht, warum sie überhaupt so besorgt um ihn war. Dann schaute er zweifelnd zu Boden. „Es ist nur… ich kann das alleine“, sagte er abweisend.

„Ja, klar, das sieht man. Deswegen hast du das gestern Nacht auch alles alleine hinbekommen, du sturer Esel!“, rief sie empört. Geschockt sah er wieder auf. 

„Und deswegen zittert dein Körper so sehr, weil du ja überhaupt keine Probleme hast. Du bist so fit, dass du es ja in deinem schwächlichen Zustand tadellos hinbekommst dir Wäsche aus dem Schrank zu holen. Du bist fit genug um zu kämpfen! Und noch besser, du bist ja fit genug, um alles alleine zu bewältigen, stark genug, ganz Hyrule zu retten, nicht wahr?“ Sie hatte so laut geredet, dass sie nach Luft schnaubte. Ihre Worte donnerten wie ein Gewitter über ihm hernieder und er schluckte nur. Dass Ariana es so deutlich sagte, schmerzte nur noch mehr. Es stimmte… er war ein Schwächling geworden… wenn ihn so eine Attacke überkam, war er nicht mehr er selbst.

 

Er kniff seine Augen zusammen und murmelte leise. „Ja… das ist es wohl… ich bin nicht einmal mehr in der Lage mir selbst zu helfen…“ Er wimmerte ein wenig, vielleicht als Nachklang der Schmerzen und weil das schwarzhaarige Mädchen ihm gegenüber vernichtend Recht hatte. Es war nicht zu ändern, es stimmte… er konnte das alles nicht mehr alleine bewältigen, egal, wie sehr er es auch versuchte. Ungewollt dachte er an die Gedanken, die er nach dem Zusammenbruch hatte und an diese erschütternden Träume. Er war nicht mehr dazu in der Lage Heldentaten zu vollbringen, seinen Daseinsgrund zu erfüllen. Wozu war er dann überhaupt noch gut?

 

Er verkrampfte sich und schluchzte. „Es tut mir leid… ich sollte das alleine hinbekommen…“ Er kniff die Augen zusammen und ballte seine Hände zu Fäusten. Sein schönes, reines Gesicht war niedergebeugt und schwer. Selbst der beruhigende Traum mit Zelda löschte das aufkommende Gefühl der Hilflosigkeit nicht.

 

„Aber du kannst nicht, Link, soviel habe ich, seitdem ich dich kennenlernte, verstanden… du warst vielleicht einmal stark… aber du kannst nicht…“, sprach sie wimmernd, kniete vor ihm nieder und nahm seine kalten, zitternden Hände in ihre. „Es geht nicht mehr… so wie es einst war…“ Gedemütigt sah er auf und ignorierte das Vertrauen und wahnsinnige Gefühl der Besorgnis in ihren bernsteinfarbenen Augen. Was wollte diese Schnepfe überhaupt von ihm? Er war kein großes Baby, das sie bemuttern musste.

„Ich kann das aber nicht akzeptieren…“, entgegnete er gereizt.

„Du musst… deswegen… bitte lass‘ mich dir helfen…“

Er schüttelte den Kopf. „Dann lass‘ es mich wenigstens versuchen… bitte, ich will dir wirklich helfen…“, sprach sie winselnd. 

„Aber ich will deine Hilfe nicht. Du weißt überhaupt nichts!“ Er stieß sie sanft von sich weg und krabbelte wieder in sein Bett. Konnte sie damit nicht aufhören? Sie benahm sich noch schlimmer als Zelda vor einigen Wochen in Kokiri! Und diese Konfrontation machte ihn halb wahnsinnig!

 

Sie schwieg und entledigte sich hinter Links Rücken seiner Hose und seinen Stiefeln und huschte in ihre Hausschuhe, die neben seinem Bett standen. Dann zog sie sich ihren Mantel über und versuchte Links Kommentare zu ertragen. Ein Beobachter konnte spüren, wie schwer es dem Mädchen fiel, mit dem Gedanken kämpfend zu gehen oder doch zu bleiben. Sie schloss die Augen, legte eine Hand auf ihr Herz und versuchte sich zu beruhigen. Vielleicht wusste sie viele Dinge nicht, aber sie wusste aus einem angenehmen Gefühl heraus, dass sie ihn brauchte. Nur deshalb war sie hier, nur deshalb riskierte sie ihre Ausbildung in der Mädchenschule. Tief durchatmend startete sie ihren zweiten Versuch.

 

Sie setzte sich vorsichtig auf die Bettkante, rang ein Tuch in dem heißen Wasser aus und rutschte so nah, dass sie dem bockigen Jungen damit über sein schweißgebadetes Gesicht wischen konnte. Gerade als sie ansetzte, griff er etwas grob, aber zitternd nach ihrer Hand und versuchte ihr das Stück Stoff aus der Hand zu nehmen.

„Bitte, ich kann das alleine…“ Aber Ariana hielt seine Hand so fest, dass er sich daraus nicht lösen konnte.

„Nein, kannst du nicht!“ Und sie ließ nicht locker. Mit etwas mehr Nachdruck krallte er seine Finger in das Stück Stoff und fühlte es in sich brodeln, weil dieses ausgefuchste Mädchen ihm das Tuch nicht gab.

„Jetzt gib‘ mir das Tuch!“, fauchte er geladen.

„Nein!“, kreischte sie zurück.

„Her damit!“ Und er nahm auch seine andere Hand um den Lappen an sich zu reißen, aber das konnte das schwarzhaarige Mädchen genauso gut.

„Ich sagte: Nein! Und ich meinte: Nein!“ Sie brüllte so laut, dass er es in seinen Trommelfellen spüren konnte. Er hatte bisher noch nie jemanden so angeschrien wie sie und bisher hatte ihn noch keiner auf diese schrille Weise herausgefordert und zurechtgestutzt. Er zog mit mehr Kraftaufwand an dem Tuch und diesmal so fest und stark, dass Ariana ihr Gleichgewicht verlor und etwas unbeholfen und täppisch ebenfalls auf der Bettdecke landete. Sie lag halb auf ihm, starrte ihn entgeistert an und dachte nur, wie wunderschön blau seine Augen doch waren.

 

Und plötzlich war auch Link still und ließ das nasse Tuch los. Mit roten Ohren schaute er die Schönheit an und kam nicht darum zu denken, dass ihn alles an ihr, bis auf die Haar-und Augenfarbe an seine Prinzessin erinnerte. ,Aber Zelda war nicht ganz so dramatisch wie sie‘, dachte er…

 

Sie räusperte sich und richtete sich verlegen auf. Sie schüttelte den Schädel. „Es reicht mir mit deinem kindischen Benehmen!“ Sie hielt ihm einen Zeigefinger unter die Nase. „Ich weiß nicht, warum ich mir überhaupt die Mühe mache, mich um dich zu kümmern. Aber ich hatte ein sehr ungutes Gefühl gestern Abend, nur wegen dir und deinem Sturkopf! Und wenn du dir von mir nicht endlich helfen lässt, ich schwöre, ich verkünde in der ganzen Ritterschule, dass du der Held der Zeit bist!“ Wenn Link sich weiterhin so anstellte, dann würde sie zu drastischeren Mitteln greifen. Und ohne ein verteidigendes Wort, hörte Link willig zu.

„Du hast keine Ahnung, was passiert, wenn du mich provozierst und es dir mit mir vergeigst!“ Arianas Drohung hatte scheinbar Wirkung. Mit großen Augen starrte er sie an, vergas, was er gerade noch tun wollte und hatte schlichtweg seine gemeinen Worte vergessen.

„Ich will, dass wir eine Lösung finden, damit ich meine Ruhe wieder habe. Denn seitdem du mir über den Weg gelaufen bist, läuft ständig etwas schief! Ich bin komisch geworden, ich mache merkwürdige Dinge! Also hör‘ auf dich wie ein Baby zu benehmen und andauernd zu jammern!“ Er schloss die tiefblauen Augen, schwieg und hörte aufgebend zu. „Du bist ein dummer, eingebildeter, vergangenen Zeiten hinterher trauernder Versager!“ Und dieser Satz sagte mehr aus, als Ariana beabsichtigt hatte. Mit diesem Satz hatte sie es geschafft, Link zurück in sein dunkles Loch zu stupsen. Er grinste bitter und lachte leise auf. Lethargisch blickte der einstige Heroe zu dem Fenster, beobachtete die Strahlen der aufgehenden Morgensonne in dem Zimmer umher tanzen, aber konnte sich an den feinen Lichtstrahlen nicht mehr erfreuen.

Das war der richtige Ausdruck… er jammerte vergangenen Zeiten hinterher, weil er seinen schwächlichen Zustand einfach nicht ertragen konnte. Nicht einmal als winziger Deku, als er in Termina die verschiedenen Masken trug, hatte er sich so unbeholfen und unfähig gefühlt…

 

„Entschuldige…“, sprach sie leise. Es war nicht schwer zu bemerken, dass ihn die letzte Bemerkung sehr verletzt hatte. Er schloss die sturmblauen Augen und drehte der Schmiedtochter den Rücken zu. „Ich hätte das nicht sagen sollen…“, setzte sie hinzu. Sie legte ihm eine Hand auf die Schulter, zuckte aber gleich wieder zurück. Es war wie, als gab Link ihr einen Stromschlag, als wollte er sie für ihre Worte bestrafen.

 

„Es ist nur… leider… die Wahrheit…“, sagte er halb grinsend, halb weinend. „Du hast Recht. Es fällt mir schwer… meine Unfähigkeit zu akzeptieren…“ Fakt war, dass er nicht wusste, wie er seine Erkrankung in der nächsten Zeit aushalten sollte. Er war ehrlich mit sich selbst, ahnte, was mit sich los war und dass auf seine quälende Erkrankung nur eine Konsequenz folgte…

 

Sie schwieg währenddessen, wollte ihm zu gerne irgendwie vermitteln, dass sie zuhören konnte, dass sie versuchen würde für ihn da zu sein, aber er würde dies nur unter den seltensten Umständen zulassen.

„Ich möchte mich entschuldigen…“, sprach sie dann aufrichtig. „Ich habe dich mit meiner Wortwahl gekränkt…“, begann sie aufrichtig. Sie umarmte sich selbst ein wenig und hoffte, dass er irgendetwas sagte.

„Und ich weiß… ich bin sicherlich nicht die Person, der du nahe stehst, der du vollkommen vertrauen kannst… Aber vielleicht kannst du mir gerade deshalb, weil ich eine Außenstehende bin, und du auf mich nicht Rücksicht nehmen musst, sagen, was los ist…“

„Was los ist?“, klagte er. Seine Stimme war weich und weinerlich. ,Na schön‘, dachte er. Wenn Ariana es unbedingt wissen wollte, würde er ihr klar machen, was nicht passte. Es reichte ihm Rücksicht zu nehmen auf die Gefühle der anderen. Hatte denn irgendwann einmal jemand auf ihn Rücksicht genommen? Nein, antwortete er selbst in Gedanken. Er war in seinem Leben genug ausgenutzt worden und es reichte…

 

„Gut, dann…“, lispelte er. „Dann…“ Er lachte gekünstelt.

„Wenn du es wissen willst, dann bitte: Mein Körper… Ich hab‘ einen schrecklichen Gedanken…“, sprach er mehr zu sich, als zu der Schülerin. Und sie ließ ihn reden mit seiner gereizten Tonlage und der Anklage in seiner heiseren Stimme.

„Ich habe das Gefühl…“ Sie unterdrückte die brennenden, aufkommenden Tränen in ihren Augen, als sie ahnte, was er sagen wollte.

„… ich quäle mich mit dem Gedanken…“, murmelte er in sein Kissen. Und je mehr er sagte, umso mehr wich die Farbe aus Arianas strahlendem, schönen Gesicht

„Ich spüre es…“, sprach Link lispelnd. „… ich werde sterben…“ Danach war Funkstille.

 

Er wartete einige Sekunden, und weil Ariana nichts sagte, sich nicht rührte, richtete er sich langsam auf und drehte sein fiebrig rotes Gesicht zu ihr. Erstarrt saß sie auf dem Stuhl vor seinem Bett. Ihr Gesicht war verweint und ihre Augen leer. Es war wie, als hatte das Schockgefühl, ausgelöst durch Links Worte, das Mädchen völlig überfordert. Sie sah drein wie ein Gespenst. Weitere Tränen tropften von ihren Augen, bis sie schluchzend aufhetzte und ihm den Rücken zudrehte. Sie hatte Mühe sich unter Kontrolle zu bringen, überhaupt wusste Link mit ihrer Reaktion nichts anzufangen. War sie nicht sonst immer so taff und beinah unschlagbar? Es hatte selten jemand um ihn geweint, es war beinah unwirklich für ihn…

 

„Du hast keine Wahl als zu kämpfen…“, murmelte sie dann leise. Sie bemühte sich, ihn nicht merken zu lassen, dass er ihr wirklich wichtig war und sein Tod mehr vernichten würde, als er dachte.

„Ich möchte nicht, dass du dergleichen sagst“, bat sie. Aber noch immer stand sie einfach nur dort.

„Und was soll ich sonst sagen? Soll ich dich anlügen?“, murrte er genervt. Das ergab doch alles keinen Sinn mehr, dachte er. Was kümmerte Ariana, die er erst seit wenigen Wochen kannte, sein Zustand und seine komische Krankheit. Sicherlich, sie wollte aus irgendeinem Grund seine Freundschaft. Aber wenn sie diese wollte, würde sie auch seine Schattenseiten ertragen müssen.

„Nein… es ist richtig, dass du ehrlich bist“, erklärte sie leise. „Aber es tut weh, wenn du das sagst… es tut weh…“ Und für wenige Minuten herrschte die Stille wie ein zerstörerischer Dämon in dem Zimmer. Link sah zu Boden, hatte ohnehin das Gefühl, das hatte alles keinen Sinn mehr. Er wollte dieses Mädchen, auch wenn sie ihm aus irgendeinem Grund gut tat, nicht weiter in seinen Schlamassel hineinziehen.

 

„Du hast dennoch… keine andere Wahl als zu kämpfen…“, sprach sie noch einmal und trat wieder zu ihm. Ihr Gesicht war verquollen vor lauter Tränen.

„Du kannst kämpfen… das konntest du sicherlich immer.“ Und ihre Worte machten ihm tatsächlich Mut. Sicherlich wusste sie nicht gerade viel über ihn, aber sie wusste, dass er der Held der Zeit war, und dieser Held wusste, wie man kämpfte…

„Und du kannst deinem Fluch auf den Grund gehen“, sagte sie hoffend. „Die große Fee sagte mir, dass du tatsächlich unter einem Fluch leidest.“ Überrascht blickte Link auf und ließ seine Beine wieder von der Bettkante baumeln. Es war also tatsächlich ein Fluch, was bedeutete, dass die Ereignisse in den letzten Wochen wie das Ausspionieren und die Angriffe auf ihn mehr als nur Zufall gewesen sein mussten.

 

„Bitte… kämpfe… wenn nicht für mich, dann für die anderen, die dich brauchen. Für Will und für deine anderen Freunde…“ Der einstige Heroe seufzte, seine Gesichtszüge entspannten sich langsam. Er wusste nicht, was es war, aber dieses schwarzhaarige Mädchen hatte etwas an sich, was ihn tatsächlich überzeugte und beeinflusste.

„Du hast Recht…“, meinte Link und rappelte sich seufzend auf.

 

Zappelig stand er auf seinen Beinen. Er torkelte etwas unbeholfen vorwärts, aber seine schlaksigen Beine spielten noch nicht mit. Seine Beine wollten seine Befehle noch nicht ausführen. Ariana trat zu ihm und hielt ihn davon ab umzukippen. Vorsichtig legte sie ihre Hände an seine Brust und drückte ihn mit sanfter Gewalt zurück auf seine Matratze. Beschämt stützte er eine Hand an seinen trommelnden Kopf und hoffte, dass Ariana ihn endlich alleine ließ. Aber scheinbar konnte er lange darauf warten, dass sie ging. Auch er versuchte seinen zweiten Anlauf und wollte mit ihr ins Gespräch kommen und sie dann vielleicht überzeugen zu gehen.

 

„Du hast vorhin gemeint, du weißt nicht so recht, warum du mir hilfst und was mit dir los ist?“, sagte er vorsichtig. Er atmete tief durch und bemerkte in dem Augenblick endlich, dass seine magische Wunde an der Linken durch die Feenmagie geheilt war.

„Nun ja…“, erklärte sie und setzte sich zu ihm auf die Bettkante. „Es ist manchmal etwas merkwürdig. Ich weiß, dass ich nicht das typische Mädchen bin. Und ich mache oftmals mädchenuntypische Dinge… aber seit einigen Tagen fehlt mir manchmal irgendwie die Zeit… manchmal kommt es mir so vor, als stimmt etwas nicht mit mir.“

„Wie meinst du das?“, fragte er leise und wurde etwas misstrauisch.

„Es fängt ja schon damit an, dass ich mir Sorgen um dich mache, obwohl ich dich nicht wirklich kenne…“ Er nickte bloß.

„Aber es tut dir scheinbar gut, dass ich hier bin, was? Und da du nicht gerade uninteressant und alles andere als hässlich bist, habe ich mir gedacht, warum nicht…“ Es war das erste Mal, seitdem er wach war, dass sich auf Arianas schmalem Gesicht ein Lächeln zeigte. Und auch er fühlte sich ein wenig besser, obwohl er auf ihre Bemerkung schamrot anlief. 

„Du hast ein sehr schönes Gesicht, Link… und unglaublich einprägsame, tiefblaue Augen…“, sprach sie dann schüchtern, worauf der Junge neben ihr noch nervöser wurde.  Sie kicherte dann ein wenig und wischte sich die restlichen Tränen von den Augen.

„Ich bin gerne hier bei dir“, sprach sie dann. „Und es ist gut, dass wir so miteinander reden können, auch wenn es nicht einfach ist und wir beide verletzende Dinge sagen.“

Er nickte bloß und spürte, wie jetzt, weil er mit ihr reden konnte, seine trübsinnigen Gedanken auch wieder verflogen. Vielleicht war es tatsächlich notwendig gewesen, wenn schon Zelda nicht hier war…

 

„Übrigens… wenn ich schon Recht habe, damit dass du kämpfen musst. Dann habe ich auch Recht in anderen Dingen. Und dann wirst du dir jetzt auch das gefallen lassen müssen.“ Und da sie ohnehin neben ihm saß, war es für sie nicht schwierig, an seinen Kragen zu fassen und damit zu beginnen sein Hemd aufzuknöpfen. Er fasste mit seinen zitternden Händen an ihre und musterte sie mit geweiteten Augen. Er schluckte und hatte Panik, dass Ariana ähnliche Dinge mit ihm anstellen wollte wie Zelda in seinem Traum.

 

„Was?“, sprach sie streng und ließ erneut nicht locker. Sie erhob sich und schien seine plötzliche Nervosität und Verlegenheit nicht unter einen Hut zu bekommen. Natürlich verstand sie es nicht. Sie war ja nicht in seinen Träumen gewesen. Sie war nicht in seinem Kopf gewesen. Und sie wusste nicht, dass die Tatsache, dass sie ihn jetzt pflegen und ohne Hintergedanken ausziehen wollte, ganz andere Phantasien in Links Gehirnwindungen hervorrufen würde. Er hatte schließlich vor wenigen Minuten ein sehr erotisches, um nicht zu sagen, umwerfendes Bild von einem Mädchen in seinen Gedanken gehabt, das ihn ausgezogen hatte.

 

Auf eine geschickte Art und Weise öffneten ihre flinken, zierlichen Hände den Kragen. Mit einer Hand hielt sie Links kühle Hände fest und mit der anderen knöpfte sie das Hemd auf. Link hatte das Gefühl ohnmächtig zu werden, als ihre warmen Fingerspitzen an seiner Haut entlang streichelten. Für einige Sekunden war er wie erstarrt, begann zu schwitzen und sah das Mädchen verstört an.

Als sie ihm schließlich das Hemd über den Kopf streifen wollte, wich der junge Heroe entsetzt zurück und krabbelte ängstlich über die Bettdecke in Richtung Fenster. Ariana verzog nur ihr hübsches Gesicht, stieg ebenfalls auf das Bett und packte den flehenden Jungen an seinen Armen.

„Jetzt stell dich nicht so an!“, rief sie, krabbelte letztlich auf Link, der nicht wusste, wie er der Situation Herr werden sollte. Er war ohnehin viel zu schwach im Augenblick, als sich noch zu wehren und kreischte, als sie ihn mit ihrem eigenen Körpergewicht niederzwang. Er versuchte das Mädchen von sich wegzudrücken, sah sie mir roten Ohren und kochender Gesichtsfarbe an. Aber sie umfasste beinah schon gewaltsam seine Arme und zog ihm letztlich das Hemd aus. Und plötzlich war da ein Gedanke, der sich ihm aufdrängte, den er eigentlich gar nicht denken wollte. Er fühlte sich zurück in seinem Traum, und fragte sich, als er sich auf die Lippe biss, wie Ariana wohl nackt aussehen würde. Sein Kopf glühte und er schämte sich schon wieder. Er kreischte weiterhin, kämpfte gegen Arianas Zugriff und hoffte nur, dass sie nicht bemerkte, das sein Körper schon wieder verrücktspielte und auf ihre Nähe reagierte…

 

„Was bist du doch für ein peinlich berührter, verlegener Holzkopf!“, fauchte sie, weil sie natürlich nicht verstand, warum er so ängstlich und kindisch reagierte. Aber der einstige Held der Zeit, der in einer anderen Zukunft einige Dinge verpasst hatte, dachte bloß daran, dass Ariana sehr wohl unheimlich attraktiv war. Und ein triebhafter, männlicher Teil in ihm hoffte, dass sie gleiche Absichten hatte wie Zelda in seinem Traum. Er schluckte wieder, gab auf sich gegen sie zu wehren und legte seine beiden Hände sich schämend über sein Gesicht.

 

„Du musst frische Klamotten anziehen! Jetzt benimm‘ dich nicht wie ein Angsthase!“ Für sie war die Situation weder lustig, noch romantisch, aber sehr wohl für den Jungen, der nicht aufgeklärt worden war. Er konnte nicht begreifen, was hier los war. Erst war er vollkommen erregt wegen dem Traum mit Zelda, dann unheimlich trübsinnig, weil Ariana mit ihm über seine Krankheit diskutiert hatte und nun schlitterte er wieder in ein paar unangenehme, peinliche Gefühle hinein. Sein Gemütszustand fuhr gerade Achterbahn…

 

Sie nahm sich den Kleiderhaufen vom Hocker, machte sich nicht die Mühe aufzustehen und zwang ihn weiterhin mit ihrem eigenen Körpergewicht still zu halten. Sie schüttelte das frische Hemd kurz aus und half dem kränkelnden Link jenes über den Kopf zu streifen. Gerade da fiel ihr an seinem Nacken etwas auf, was sie mehr als stutzig machte. Dort in seiner Haut war ein Mal, welches vorher sicherlich noch nicht da gewesen ist. Ein pechschwarzes Dreieck. Verwundert richtete Ariana ihre gesamte Aufmerksamkeit auf das Mal und war mehr als beunruhigt. Seit wann hatte Link so etwas Seltsames auf dem Nacken?

Er versuchte sich in dem Augenblick aus ihrem Griff zu winden und zappelte. Doch damit brachte er Ariana wieder aus dem Konzept und schnell war das schwarze Dreieck nebensächlich. „Halt still.“ Als er wenige Minuten später fertig bekleidet war, murrte sie: „War das so schwer?“ Sie schüttelte den Schädel und schnürte den Kragen zusammen. 

 

Und vielleicht gerade zum richtigen Zeitpunkt, trat William Laundry zurück in den Raum. Er war frisch gekleidet, hatte sich gewaschen und die Haare gekämmt. Er trug zwei Teetassen in seinen Händen und ließ diese beim Anblick der beiden Hylianer in ein und demselben Bett beinah fallen. Er schien gerade den Schock seines Lebens zu erhalten, weil Ariana in ihrem halb zerflederten, weißen Nachthemd auf Link saß und an seiner Bekleidung herumspielte.

„Äh… ich… uhm…“, murmelte er. Will schien vollkommen verdattert zu sein. Sein pubertierender Verstand dachte gerade etwas ganz anderes! Er lief rot an und erst dann begriff auch das schwarzhaarige Mädchen, wie das Ganze auf Will und vielleicht auch auf Link gewirkt haben musste. Auch sie wurde knallrot im Gesicht und hüpfte in einer wahnsinnigen Manie aus dem Bett. Sie räusperte sich und steckte dann Links getragene Kleidung in den Wäschekorb.

„Ich wollte bloß Bescheid geben, dass die Vorlesung bei Aschwheel heute ausfällt. Und der Praxisunterricht bei Newhead beginnt erst später, damit kannst du dich noch etwas ausruhen…“, meinte Will an Link gerichtet und stellte die Teetassen auf den Tisch in der Zimmermitte. „Ich schätze, ich bin gerade zu einem ungünstigen Zeitpunkt zurückgekommen“, setzte er grinsend hinzu. Aber weder Link noch Ariana wollten seine Andeutungen hören.

„Jedenfalls bin ich dann gleich wieder weg. Ich treff‘ mich mit Artus und Robin für ein Schwerttraining. Ihr könnt dann dort weitermachen, wo ihr aufgehört habt!“ Er lachte schurkisch. Genervt pfefferte Ariana einen Stapel Kleidung in seine Richtung, aber Will war schneller und hüpfte mit einem gutmütigen Grinsen aus dem Zimmer und die Kleidung prallte dumpf an die geschlossene Zimmertür.

 

Sie pustete die Luft aus ihren Lungen mit einem genießenden Atemzug aus, rieb sich über ihre Stirn und blickte dann grinsend zu Link, der nachdenklich auf der Bettkante saß. Sie konnte sich keinen Reim aus seinem Blick machen. Er wirkte trotz seiner beängstigenden Worte ungemein zufrieden. Er schloss die Augen und atmete tief durch. Und als er so dort saß mit diesem unheimlich befreiendem Gesichtszug, welcher weder ein Lächeln darstellte, noch eine schwere Melancholie ausdrückte, sondern einfach nur beruhigt und zufrieden wirkte, trat ihr ein Lächeln auf das ebenmäßige, jugendliche Gesicht. Wenn er das tat, dieser tapfere Gesichtszug, und diesen wissenden, reifen Ausdruck zeigte, war es, als schwebte ihr Herz, als waren da Tausend Feen in ihrer Magengegend. Sie beobachtete ihn gerne in seiner Anmut und seinem Edelmut, in diesem inneren Frieden und seiner Freiheit. Er war wunderschön in diesen Momenten. Vielleicht war das der Grund, warum sie sich von ihm angezogen fühlte und warum sie sich kümmerte, auch wenn sie nicht viel von ihm wusste und er im Gegenzug fast nichts aus ihrer Vergangenheit kannte.

 

„Hey…“, sprach sie leise. „Du bist so nachdenklich, hast du noch Schmerzen?“ Sie setzte sich wieder zu ihm an die Bettkante und rückte ihren Mantel zurecht. Er schüttelte bloß den Schädel, eigentlich fühlte er sich wieder besser. Und es war ein Anfang, dass er auf Arianas Frage nicht patzig reagierte.

„Warum bist du so… so…“, begann er.

Aber sie unterbrach ihn mit einem Lächeln: „Du meinst, warum ich so lieb zu dir bin, was?“ Er nickte, legte seine Hände in den Schoß und starrte zu Boden.

„Das habe ich vorhin versucht dir zu erklären, ich mag dich aus irgendeinem Grund.“

„Hast du nicht bessere Freunde?“, meinte er schnippisch, bereute seine Frage aber gleich wieder. Sie schüttelte den Kopf, ließ sich aber nicht provozieren. „Nein, ich denke, du bist der Beste…“ Link wollte sich vergewissern, sich nicht verhört zu haben und blickte der Schönheit ins Gesicht, versuchte in diese bernsteinfarbenen Augen einzutauchen, bis er den Eindruck hatte, ihm wurde dabei schwindelig.

 

„Du solltest dich noch ein wenig hinlegen“, meinte sie dann, worauf er ebenfalls nickte. Etwas schwerfällig lehnte er sich an sein Bettende.

„Und du solltest zurück in die Mädchenschule gehen“, meinte er dann. Inzwischen hatte er ein schlechtes Gewissen, das er sie aufhielt und sie sich eine Menge Ärger einhandeln könnte nur wegen ihm und seinem Fluch.

„Ich kann aber noch nicht gehen“, sprach sie. „Ich habe das Gefühl, du musst mir noch etwas erzählen.“ Verdutzt beäugte er sie wieder.

„Ich habe letzte Nacht gesehen, dass du eine tolle neue Klinge hast“, meinte sie. Dann lachte sie, aber gähnte auch. „Ich muss mich entschuldigen, ich habe deine Waffe gestern Nacht einfach entwendet.“

„Es ist schon in Ordnung“, meinte er leise und griff nach dem Schwert. Er zog es summend aus der Schwertscheide und betrachtete es im sanften Morgenlicht.

„Ich vermute, die Klinge hat Arn Fearlesst gehört“, sagte Link und deutete auf die beiden Buchstaben, die in des grünlich schimmernde Heft eingearbeitet waren.

„Das ist ja außerordentlich interessant!“, sprach Ariana und klatschte in die Hände. „Mein Vater hat der Familie Fearlesst immer die Waffen geschmiedet, deswegen war ich so neugierig.“

Link sah verdutzt auf. „Wirklich? Dein Vater kannte Arn Fearlesst?“

Ariana nickte zufrieden. „Er hat mir ein paar Geschichten über ihn erzählt“, sprach sie sanft und setzte sich wieder. „Es ist nicht weit zu der Fearlesstschen Ruine. Als die Feste abbrannte und die Fearlessts umkamen, hat mein Vater die Reste der von ihm geschmiedeten Waffen wieder an sich nehmen dürfen. Verrückt ist, dass er jene Klinge nicht finden konnte. Was für ein genialer Zufall, dass sie ausgerechnet in deine Hände gefallen ist. Darf‘ ich kurz?“ Link nickte und überreichte Ariana die schöne Waffe. Sie spielte damit und führte einige Streiche aus und grinste.

 

„Was weißt du noch über die Fearlessts?“, fragte Link leise.

„Arn soll ein sehr rechtschaffener Mann gewesen sein und mein Vater sagt immer, er wäre der beste Mann gewesen, den Hyrule jemals vorgebracht habe. Aber warum bist du so interessiert daran?“

Link steckte seine Hände hinter den Kopf und sprach erklärend: „Nun ja, ich soll mich über ihn informieren. Es ist ein Auftrag für das Allerleitraining bei Newhead. Und warum bist du so neugierig etwas über die Fearlessts zu wissen?“ Links Blick durchbohrte sie fast. „Mmh, das hat gar nicht so edle Hintergründe. Die Ländereien der Fearlessts sind immer noch zu haben und bisher hat der König jene nicht an seine Ritter aufgeteilt. Mein Vater hätte gerne ein kleines Grundstück davon.“

„Die Ländereien der Fearlessts? Waren die so wohlhabend?“

„Nun ja, Tatsache ist, dass die Fearlessts ein sehr altes Geschlecht waren und neben einer stattlichen Burg auch einige Wälder, Felder und Seen in ihrem Besitz hatten.“ 

„Verstehe… und da es keinen Nachkommen der Fearlessts gibt, sind diese ganzen Ländereien verloren…“, murmelte Link und hatte irgendwie ein komisches Gefühl, als er sich dieser Sache bewusst wurde.

„Mmh, ja, das ist wohl leider nicht zu ändern. Ich glaube mit dem Ende der Fearlessts bleibt eine große Narbe in Hyrule.“

„Vielleicht. Aber es gibt doch andere großartige Ritter“ meinte Link ermutigend.

„Ja, die gibt es sicherlich, wie dich zum Beispiel!“, lachte sie und brachte Link damit zu einem weiteren Herzinfarkt. Einmal mehr wurde er tomatenrot im Gesicht.

„Aber es ist richtig… die Ritter Hyrules sollten dieses Land verteidigen bis zum Blut.“

„Das werden sie auch“, entgegnete er und sein Blick verlor sich am strahlenden Himmelszelt. Nicht ein Wolkenschleier war am Horizont zu entdecken. „Auch wenn sich Welten verändern… Schicksale sterben… die Schönheit Hyrules wird unsterblich sein…“, sprach er edelmütig. Und seine Worte… dieses Pflichtbewusstsein, seine Liebe für das Land Hyrule, erweckten etwas in Ariana, dem sie sich selbst nicht bewusst war. Sie trat näher und streichelte Link über seine rechte Wange. „Das waren die schönsten Worte, die ich in meinem Leben jemals gehört habe“, flüsterte sie und drückte ihm dafür einen kleinen Kuss auf die Wange. „Danke…“

 

Link hatte das Gefühl, seine rechte Wange zerschmolz nach dem kleinen Kuss. Täppisch hüpfte er auf seine Beine, und konnte sich erstaunlicherweise auf diesen halten. Etwas unbeholfen torkelte er zu seinem Schrank und holte das kleine Buch mit dem Dreizehn Schlüsseln hervor, sowie das Armband, welches ihm geschenkt worden war. Wenn sich Ariana so sehr für Hyrules Frieden interessierte und ihr Vater Schmied war, wusste sie vielleicht sogar etwas über diese dreizehn Schlüssel. Immerhin waren diese Gegenstände aus einem sicherlich teuren Metall hergestellt, das ein Schmied vielleicht sogar verwendete. Um sich von dem Kuss abzulenken, und weil er ihr vertraute, drückte Link der Dame mit dem langen pechschwarzen Haar das Buch und auch das Armband in die Hände.

 

„Was ist damit?“, meinte sie verwundert und betrachtete sich zunächst das Armband von jeder Seite. Sie streichelte über das Metall und schien fasziniert zu sein.

„Findest du diesen Gegenstand nicht auch merkwürdig?“, fragte Link und nahm sich eine der Teetassen und trank einen großen Schluck. Ariana nickte und fuhr verträumt über die feinen dunkelblauen Linien in dem kupferfarbenen Metall.

„Es ist beeindruckend“, murmelte sie. „Aber ich habe so ein Metall noch nie gesehen. Du hast wohl gehofft, ich würde es kennen, weil mein Vater Schmied ist, was?“ Link nickte sprachlos. Ariana war nicht nur gerissen und unverschämt, sondern auch schlau…

„Ja, und weil wir letztens darüber diskutiert hatten, erinnerst du dich?“ Sie blickte ihn etwas ratlos an und schüttelte den Kopf. Sie schien sich nicht daran zu erinnern, worum sie ihn gebeten hatte.

„Es war in der Mittagspause, als Ian dein Buch kaputt gemacht hatte. Du wolltest, dass ich mich wegen dem Ring des ermordeten Hausmeisters bei ihm umschaue. Den Ring konnte ich nicht finden, aber dafür dieses Buch.“ Etwas überfordert huschten ihre bernsteinfarbenen Augen zu dem kleinen Taschenbuch und sie schlug die erste Seite auf.

„Die Dreizehn Schlüssel?“, murmelte sie. „Was mag das bedeuten?“

„Ich habe keine Ahnung, ich hatte gehofft, du weißt vielleicht etwas darüber.“

Sie schaute ihm konfus entgegen, was ihm sofort eine entsprechende Antwort gab. Also wusste dieses Mädchen auch nichts darüber. ,Naja‘, dachte er. Einen Versuch war es wert.

„Tut mir leid, Link. Aber ich glaube, hierbei kann ich dir nicht helfen“, erklärte sie. „Aber dass du bei Viktor herumgeschnüffelt hast…“ Und ihr Grinsen wurde schelmisch. „…finde ich ausgesprochen amüsant.“ Sie kicherte ein wenig und legte sich eine Hand an ihre Lippen. Dann gähnte sie ein wenig.

 

„Nun ja, und du vermutest, dass diese Dreizehn Schlüssel eine sehr üble Geschichte sind, oder?“, meinte sie. „Es beunruhigt mich…“, sprach er ehrlich.

„Was willst du deswegen machen?“ Auch sie nahm sich den Tee, den Will ihr zurechtgestellt hatte und trank die Tasse mit einem Mal aus.

Link schaute unsicher zu dem Buch, dann hinaus aus dem Fenster und schließlich in Arianas bernsteinfarbene Augen. „Ich werde Prinzessin Zelda aufsuchen.“ Seine Worte erklangen klar und beherrscht. Er hatte keine Zweifel darüber. Und er vertraute Ariana inzwischen so sehr, dass er ihr auch von seiner Freundschaft zu Zelda erzählen würde. Andererseits wusste doch eh jeder, der die Geschichten um den Helden der Zeit kannte, dass er mit Hyrules Königsfamilie interagierte…

 

Was ihn aber gerade verwunderte, war die Tatsache, dass sich das schöne, sanfte Gesicht des Mädchen auf seine Worte unheimlich erhellte. Sie war nicht überrascht. Es schien beinah so, als schwand die Müdigkeit durch seine Worte.

„Wirklich? Wirst du zu ihr gehen? Wann?“ Sie huschte schnell wie der Wind zu ihm hinüber und lächelte schmuckhaft.

„Ja, ich muss ihr von diesen Dreizehn Schlüsseln berichten, aber ich weiß noch nicht wann genau. Ich will nichts überstürzen…“, erklärte er. Außerdem war er etwas unsicher ihr zu begegnen…

„Das ist gut!“, sprach Ariana aufgeregt. Es schien beinah so, als wollte sie ihn mit aller Macht überzeugen, dass er nicht so lange warten sollte sie zu besuchen.

„Ich weiß nur nicht, wie sie auf mich reagieren wird… und ob sie mich überhaupt sehen will… wir waren einmal Freunde, weißt du…“ Ariana nahm daraufhin seine Hände in ihre und streichelte über seine Finger. „Wenn ihr Freunde wart, warum, denkst du, will sie dich nicht sehen?“

Er seufzte und wand sich ab. Er zog sich endlich seine Stiefel an die Füße. „Ich habe sie enttäuscht…“

„Willst du das nicht sie entscheiden lassen, ob das überhaupt der Fall ist? Außerdem glaube ich nicht, dass sie von dir enttäuscht ist… Du bist ein wundervoller, warmer Kerl. Du kannst gar niemanden enttäuschen.“ Rotwerdend zwinkerte Link einige Male und schnallte sich sein Schwert auf den Rücken. ,Verdammt Ariana machte ihn schon wieder halb wahnsinnig und benahm sich fast wie Zelda‘, dachte er verdrießlich.

„Oh doch… Wenn es anders wäre, würde sie sich nicht so distanziert mir gegenüber verhalten. Sie hat mir nicht einmal von diesen Geschundenen der Macht erzählt, obwohl diese Sekte mich angegriffen hat!“

Ariana sah trübsinnig zu Boden. „Vielleicht wollte sie dich nicht beunruhigen… oder beschützen…“

„Aber ich will nicht von ihr beschützt werden… das ist nicht richtig herum… ich sollte sie beschützen…“ Daraufhin lächelte das Mädchen unglaublich schmuckhaft. Sie hüpfte zu ihm hinüber. „Ich könnte dir dafür, dass du so heroenhaft auch Mädchen gegenüber bist, noch einmal einen Kuss geben, aber das hältst du dann sicherlich nicht aus.“ Sie lachte einmal mehr und zog den Jungen schließlich in eine herzliche Umarmung. Sie drückte seinen Kopf auf ihre Schulter und streichelte seinen Rücken.

 

„Ich werde mich über diese Schlüssel informieren…“, sagte sie. „Und du, werde wieder gesund, du dussliger Held. Und besuche irgendwann die Prinzessin, aber erst, wenn du wieder einigermaßen fit bist.“ Sie löste sich aus der Umarmung und sprang unheimlich zufrieden, beinah glücklich zu der Zimmertür, obwohl sie hundemüde aussah. Und bevor sie verschwand, sprach sie noch zuversichtlich: „Wenn irgendetwas sein sollte, was dich beschäftigt, dann kannst du gerne in der Mädchenschule vorbeischauen… Ich werde dich unterstützen, egal, was du tust…“

Er sah ihr verdattert hinterher und brachte zumindest ein kleines Grinsen zustande und das, obwohl er einen Fluch auf dem Hals hatte und er sich bemuttern hatte lassen. Er fühlte sich besser, selbst nach den beunruhigenden Gedanken letzte Nacht. Was sollte er auch tun? Er war schon so oft mit dem Tod konfrontiert, vielleicht war deshalb der Gedanke, dass seine Krankheit zum Tode führen könnte, nicht erschreckend für ihn. Und vielleicht war er bald auch wieder in der Lage von Zelda etwas mehr Nähe, so wie in seinem Traum, zuzulassen…

 

Und so zogen in der traditionsreichen Ritterschule weitere Tage vorüber. Der Unterricht in den verschiedenen Fächern wurde sogar für den kränkelnden Link immer interessanter. Vor allem die Stunden bei Newhead brachten neue Erfahrungen und Aufregung unter die neugierigen Schüler. Der Kurs der Höhen, den Newhead im Freien mit den Jungspunden durchführte, war einer von den nervenaufreibenden Erlebnissen, die selbst auf Link ein leichtes Lächeln brachten, selbst wenn er nur bedingt teilnehmen konnte. Denn im Kurs der Höhen ging es darum Höhenangst zu überwinden. An Seilen mussten sich die Jungs an Wänden hinaufziehen, mussten über eine tiefe Schlucht und wackelnde Brücke hetzten und sie wanderten zu einem gigantischen Turm in der Nähe Lyriellens, der nahe gelegenen Stadt. Selbst der Magieunterricht bereicherte den einstigen Helden und tatsächlich konnte er unauffällig, mit sanfter Kontrolle, Fortschritte im Kontrollieren seines Fragments erreichen, auch wenn er noch weit davon entfernt war die goldene Macht in seinem Körper zu beherrschen. Manchmal konnte er Ariana im Hof sehen, die ihm ein leichtes Lächeln schenkte. Und nach wie vor behandelten ihn die meisten Ritterschüler bis auf Ian und seine Gang mit Respekt und Achtung. Sir Viktor versuchte natürlich weiterhin mit Provokation und Beleidigung gegen Link vorzugehen, aber auch seine Gemeinheiten lernte Link wegzustecken. Und so verflog die Zeit, bis vom entfernten Firmament ein alter Gott Hyrules den Winter ankündigte. Und rein und erhaben fielen Schneekristalle, glitten sanft zu Boden und erinnerten an den Lauf des Lebens…

 

 
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