38. Kapitel
 
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Kapitel 38: Das Training mit dem Fragment

 

 

Am Tempel der Destinia leuchtete ein kupferner Schimmer des Sonnengotts als erster Ruf des Lichtes, eine Welle wärmender Energie kündigte den Morgen an und schien besänftigend über das Schlachtfeld. Rauchwolken stiegen gen Himmel, rührten von den Feuern her, die die Ritterschüler entfacht hatten um die Überreste der Dämonen zu verbrennen. Schweigend verabschiedeten sich die Helden dieser Nacht von dem Schauplatz des Kampfes am Destiniatempel, ritten gemächlich und erschöpft zurück zur traditionsreichen Ritterschule, alle bis auf Nicholas Doomrent. Er vertraute Link der stolzen Gerudo Kramanzia an, der er von allen noch am meisten vertraute und blieb an diesem düsteren Ort um noch ein paar Nachforschungen anzustellen. Er hatte Kramanzia aufgetragen zunächst William Laundry und die Krankenschwester Eliza McDawn zu informieren, was die Gerudo ohne Umschweife tun würde. Mit dem bewusstlosen Link in ihrem Armen ritt die stolze Dame zurück zur alten Ritterschule.

Und dort in der Schule herrschte noch immer Aufregung und Tumult. Viele Schüler und auch die Mädchen der Benimmschule diskutierten lärmend im Schulinnenhof, und waren noch entgeisterter, als die Ritterschüler, zwar ohne Verluste, aber mit bitteren Verletzungen, und Link, der mit seiner in Blut getränkten Tunika aussah wie ein zerstückelter Fleischklumpen, zurückkehrten. Der junge Held wurde umgehend von Eliza McDawn versorgt und auch William Laundry wurde informiert. Als er seinen nunmehr besten Freund auf der Pritsche im Raum der Krankenschwester sah, stiegen ihm Tränen in die Augen, die er sich sofort wieder wegwischte. Er wollte nicht wie ein Jammerlappen wirken, wenn Link so viel ausgehalten hatte, wollte so standhaft und stark sein wie er. Und er hatte Schuldgefühle ihn im Angesicht der Gefahr zurückgelassen zu haben, und diese gemeinen Gewissensqualen wurden nicht besser… 

Auch der König wurde über die Umstände informiert, und der Rat der Ritter beschäftigte sich umgehend mit dem Vorfall. Es war nicht wegen dem Pflichtgefühl gegenüber Link, dem Helden der Stunde, dass die Herrschenden nun besorgt waren und Pläne schmiedeten. Nein, denn Links Rolle in den Ereignissen wurde erst einmal heruntergespielt, vielleicht auch deswegen, weil er darum bat, dass Zelda nichts von dem Kampf erfuhr. Aber Dämonen in so zahlreicher Art, die über die Steppe preschten und Unheil anrichteten, konnte keiner ignorieren, nicht einmal Viktor, der Schuldirektor. Und so kamen von Harkenia von Hyrule mehrere Anordnungen zum Schutz der Ritterschüler. Die Soldaten an der Schule wurden vervierfacht und ohne entsprechende Begleitung sollten die Schüler das Schulgelände nicht mehr verlassen. In einigen Tagen würde außerdem das Fest zu Ehren der Göttin Nayru gefeiert werden, und zu diesem Zweck sollte die Schule den Winter über erst einmal geschlossen werden. Des Weiteren wurden einige Friedenswachenden, zu denen auch Wills Vater gehörte, zu einer Mission über die Steppe geschickt… 

 

Im Haus der Laundrys verbreitete die Nachricht um die Mission, die der Ritter Laundry bestreiten musste, Aufregung und Sorge. Belle saß bekümmert in der warmen Küche, hatte ihrem Ehemann einige Mahlzeiten vorbereitet, die er in die Satteltaschen der alten Stute packen konnte. Noch immer hing ein angenehmes Aroma in der Luft, erinnerte an Kräuter und gekochtes Schweinefleisch. Sie stopfte mit Zwirn und Faden einige Löcher seiner Tunika, ersetzte das Leder seines Riemens, und flickte so gut es ging seine dicksten Strümpfe. Der Auftrag des königlichen Rates hatte angeordnet ihn auf die Jagd nach Moblins zu schicken, Dämonennester auszuhorchen, was Belle überhaupt nicht gefiel. Sie wusste ja, dass ein Ritter Hyrules gewisse Pflichten hatte, aber sie stand immer wieder Todesängste aus, bis sie wusste, dass es ihrem Ehemann gut ging. Sie wirkte übermüdet, war käsig in ihrem sanft gebräunten Gesicht und ihr dunkelrotes, langes Haar fiel ungekämmt über ihre von grünem Leinen bedeckten Schultern. Als sie schluchzte und ein paar Tränen über ihre Wange kullerten, trat plötzlich ihre kleine Tochter in die Küche. Sie lächelte und wirkte völlig frei und gut gelaunt in ihrem weißen Nachthemd. Sie hüpfte unverblümt zu ihrer Mutter auf den Schoß und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

„Lillyschatz, du weißt, dass Papa ein paar Tage verreisen wird, richtig?“, sprach Belle bekümmert und streichelte das weiche Haar ihrer Tochter.

„Jap, aber das ist nicht so schlimm… ihm wird es gut gehen, Mama“, entgegnete sie. Belle versuchte zu lächeln und gab dem Mädchen einen Stups auf die spitze Hylianernase.

„Weil du nichts Schlimmes siehst, ja?“, murmelte sie. Belle konnte sich immer noch nicht so recht damit anfreunden, dass Lillys Gefasel tatsächlich die Fähigkeit einer sehr begabten Magierin sein sollte.

„Papa wird sich am Arm weh tun, aber das heilt wieder“, sprach sie piepsend. „Mama… sei nicht so traurig.“ Die Angesprochene schniefte und drückte das Mädchen noch einmal an sich. Sie fragte sich nur, wohin das alles führen sollte… Wenn Lilly diese Begabung hatte, dann war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand diese Fähigkeit nutzen wollte…

Gerade da trat Lassario in den Raum, kampfbereit, mit Kettenhemd bekleidet. Nur der Riemen für sein Schwert fehlte noch und seine Ersatzkleidung, die Belle pünktlich genäht hatte. Er trat mit einem zögerlichen Grinsen näher und schenkte seiner Frau einen abwartenden Blick. Sie nickte, wusste sie doch, dass er Abschiede überhaupt nicht mochte. Und bisher hatten die Laundrys sich niemals Lebewohl gesagt, vor keiner Schlacht, an der Lassario teilnehmen musste. Und der breitschultrige, lebenserfahrene Mann hatte bereits einige Schlachten hinter sich…

Belle trat auf ihre Beine und umarmte ihren Gatten innig. Sie küsste seine trockenen Lippen, streichelte über die vielen Bartstoppeln an seinem Kinn und wirkte ein wenig missbilligend. Es gefiel ihr nicht, wenn er sich dabei keine Mühe gab. „Du hättest dich noch rasieren können, mein werter Ritter…“, sprach sie aufheiternd.

„Du weißt, dass ich das niemals mache vor einer Schlacht, es ist ein Glücksbringer.“

Sie drohte ihm spielerisch und schüttelte den Kopf. „Du und deine Ausreden… darin bist du genauso gut wie im Schwertschwingen, mein Liebster.“

„Zum Glück“, erwiderte er. Er hob seine Tochter auf den Arm und küsste ihre Stirn. „Mach’s gut, meine Kleine. Ich hoffe, dass ich vor dem Fest der Göttin Nayru wieder hier sein kann.“

Sie fasste mit beiden Händen an seinen Dreitagebart und grinste: „Mama hat recht… Bärte sind furchtbar“, erwiderte sie und lächelte.

„Na!“, erwiderte er spielerisch. „Bärte können toll sein.“

Sie zog eine beleidigte Schnute und schüttelte den Kopf. „Ich mag aber Bärte nicht. Ich will keinen Bart bekommen.“

Darauf lachten sowohl Belle als auch Lassario das erste Mal an diesem traurigen Morgen. Lilly war eben trotz ihrer Gabe nur ein kleines Kind. „Lillyschatz, das wirst du auch nicht“, meinte Belle erheitert. „Jetzt muss dein Papa aber los…“ Belle drückte ihm noch einen Kuss auf die Wange und murmelte etwas Liebevolles in sein Ohr.

Dann verabschiedeten sie sich gemeinsam. Das kleine wissende Mädchen saß winkend auf dem Arm ihrer Mutter. Und Belle lächelte angenehm, winkte ebenfalls, aber keiner sprach ein Lebewohl oder ein Wort des Abschieds… und es war dann, dass Lassario mit einem Satz auf sein Pferd sprang, noch einmal zurückblickte und schließlich in gemächlichem Galopp am Horizont verschwand.

„Mama… es wird dunkel in Hyrule…“, murmelte Lilly, obwohl Lassario der aufgehenden Morgensonne entgegen ritt.

„Nein, denn es wird immer wieder die Sonne aufgehen… selbst in der dunkelsten Nacht und der grausamsten Stunde… dafür kämpfen die Ritter Hyrules“, ermutigte Belle. „Und wir sollten niemals daran zweifeln. Die Dunkelheit wird niemals siegen…“ Lilly lächelte überglücklich und sah ein weiteres Mal mit ihren großen, grünen Augen in Richtung des Sonnenaufgangs. Ja, das stimmte in der Tat. Die Sonne würde immer wieder aufgehen, weil es Helden gab…

 

In dem Augenblick schreckte William Laundry verstört aus dem Schlaf. Er war alleine in dem muffelnden Quartier, da Link noch immer von Eliza McDawn behandelt wurde. Mit einem herzzerreißenden Gähnen quälte er sich aus dem feuchtgeschwitzten Bett, zog sich in Windeseile an, aber hatte noch im Schlaf trunkenen Zustand seinen blassgelben Stoffanzug mit der Innenseite nach außen und verkehrt herum angezogen. Er wollte unbedingt nach seinem Kumpel schauen… und sich vor allem dafür entschuldigen, dass er feige weggeritten war, als die Moblins hinter ihnen her stürmten. ,Schuldgefühle waren etwas gemeines‘, dachte der junge Ritterschüler. Er kratzte sich an seinem Hintern, suchte mit tückischem Schlafsand in den Augen nach seinen Stiefeln, aber sah im dämmrigen Licht gerade einmal so viel um das Bett vom Tisch zu unterscheiden. Er bückte sich, kramte nach seinen Stiefeln mit der am Hintern geöffneten Hose, die er falsch herum angezogen hatte und die blöderweise sein käseweißes Hinterteil verschönernd preisgab. Plötzlich hörte er ein eindeutiges Türklappern, das ihm den Atem stocken ließ. Peinlich berührt hüpfte er auf seine Beine und sah ein bekanntes Gesicht mit einem Kerzenständer in den Händen in das Zimmer treten. Es war die Halbgerudo Midnehret, die er vor einigen Wochen kennen gelernt hatte. Sie hatte einen Besen in der Hand, einen Eimer mit Reinigungssubstanzen und schaute leicht errötet drein.

„Was, beim… Triforce…“, rülpste Will erschrocken, als sie ihn musterte. „Kannst du nicht klopfen?“

„Äh… ich habe dich bei… bei…“ Sie schluckte einmal kräftig und dachte beim Anblick von Will an eine Selbstverständlichkeit, die ihrer Meinung nach Männer einfach tun mussten und die sie Männern immer wieder bereitet hatte.

„Könntest du dich bitte umdrehen!“, schimpfte er aufgebracht, aber sie verzog nur ihre roten Augenbrauen und erinnerte sich mit einem fiesen Gedanken daran, dass dieser junge Ritterschüler es war, der sie immer wieder provoziert hatte, vor einigen Wochen, als sie einen Spiegel kaufen wollte. Nun aber saß sie am längeren Hebel. Sie kicherte. „Du solltest deinen Anzug erst einmal richtig herum anziehen“, meinte sie. Und es war dann, dass Wills Kopf rot anlief. Erst da begriff er seine Situation und die Tatsache, wie peinlich er aussehen musste. Er sah unbeholfen an sich hinunter, blickte zu der grinsenden, rotgelockten Dame und wieder an sich hinunter. Er drehte sich nervös herum, als ihm einfiel, dass sein Hinterteil durch einen Schlitz herausschauen musste, drückte seine Hände gegen den Po und winselte etwas. Beinah panisch torkelte er zu seinem Bett und setzte sich kurz.

„Du bist der erste naja… Mann, der es peinlich findet, sich vor mir auszuziehen…“, sprach sie verlegen.

„Was soll das heißen: ‚naja‘ Mann?“ Der Satz hatte Will noch mehr in seinem Stolz gekränkt, als die Tatsache, dass sie in das Zimmer eingetreten war, als er sich anziehen wollte.

„Äh… nun ja… Du bist nicht gerade reif, ich meine, das würde ich sagen“, meinte sie und lachte nervös.

„Ich wüsste nicht, weshalb wir jetzt darüber diskutieren sollten, wie reif ich bin!“ Mit hochrotem Kopf stapfte er in ihre Richtung und knallte verärgert die Tür vor ihrer Nase zu. Er brabbelte mehrere Schimpfwörter hinter der verschlossenen Tür und zog sich betreten seine Kleidung an, diesmal auf korrekte Weise. Erst dann öffnete er die Tür wieder und sah die Halbgerudo noch immer davor stehen. „Was willst du denn noch?“

„Ich muss heute die Zimmer putzen… nur kurz bitte… ich konnte gestern nicht fertig werden, weil so viel Tumult war…“, erklärte sie unsicher. 

Er seufzte und bat sie schließlich herein. „Wieso putzt du die Zimmer, ich dachte, du wärst bloß eine Hure“, meinte Will verärgert.

„Ich bin eben nicht bloß eine Hure…“, meinte sie, spannte einen Lappen an den Besen und wischte über den Boden. „Ich habe eine Stelle als Putzmädchen bekommen.“

„Wie schön, das heißt, anstatt Männern einen zu wedeln, wedelst du jetzt den Staub ab. Ist genauso ein dummer Dreck.“ Er war tierisch sauer, weil sie ihn beleidigt hatte, aber er wusste auch, dass er mit seinen Worten zu weit gegangen war.

„Du bist gemein…“

„Du warst doch vorhin gemein zu mir! Du hast dich über mich lustig gemacht!“

Sie grummelte etwas vor sich hin und putzte mit einem Lappen den Tisch, öffnete das Fenster und machte schließlich noch die Betten.

„Ich habe es einem Mädchen an der Morganiellschule zu verdanken, die Chance Zimmermädchen zu sein. Es ist eine gute Arbeit.“

„Das heißt, du bist raus aus deinem Job als Hure?“

„Noch nicht gänzlich… aber ich arbeite daran…“

„Das kann ich mir vorstellen“, meinte er frech.

Und es war das erste Mal, dass er das Feuer der Gerudos in ihrem Blick sehen und spüren konnte. Sie sah aus wie ein Raubtier, das ihn auf der Stelle zermalmen wollte. Er hob beschwichtigend seine Hände und grinste gutmütig. „Bist du nun fertig mit dem Putzen, ich muss hier weg“, sprach Will ernster. Seine tiefe Stimme hatte die Sachlichkeit wieder gewonnen, die sie normalerweise ausstrahlte. Sie nickte eingeschnappt und schenkte ihm einen weiteren bärbeißigen Blick. Wie ein wütender Stier stapfte sie aus dem Raum und knallte die Tür hinter sich zu. Seufzend stand Will in dem Raum und fragte sich mittlerweile, wie er in seinem Leben Frauen jemals verstehen sollte…

 

Da Viktor den Unterricht hatte ausfallen lassen, um seiner Meinung nach die Ritterschüler zu feiern, war kaum eine Seele unterwegs in den langen Gängen der Schule. Fast alle schliefen noch in ihren Betten und Will konnte es den Leuten nicht einmal verübeln. Hektisch rannte er in die Aula, dann in Richtung des großen, noch verschlossenen Eingangstors. Er nickte dem jungen Soldaten, der das Tor bewachte, kurz zu und erklärte, dass er nur zu Eliza McDawn schauen wollte, worauf der Soldat ihm die riesige Eichenpforte öffnete. Genauso hektisch hastete der junge Laundry in die Mädchenschule und stürmte ohne Anzuklopfen, obwohl er das von anderen verlangte, in das urige Krankenzimmer hinein. Aber die mit blutigen Lacken bespannte Pritsche, auf der Link versorgt wurde und wenige Stunden verbracht hatte, war leer.

Irritiert sah William um sich, bis er Eliza McDawn, die Verlobte Valiants von Hyrule, den Gang entlang tapsen sah. Sie wirkte erschöpft und musste eine lange Nacht mit dem Verbinden von Wunden hinter sich gebracht haben. Ihr kurzes, aschblondes Haar war leicht durchgeschwitzt und ihre großen, wissenden Augen blickten den jungen Laundry verwundert an.

„Nanu, brauchst du eine Medizin?“ Ohne eine Antwort zu geben, trat Will zur Seite und schüttelte den Kopf. Er hatte alle möglichen Wörter auf seinen Lippen, und wusste nicht, mit welchem er beginnen sollte. Doch da sah Eliza bereits, was los war. Sie hastete geschockt in den Raum und begriff, dass ihr Patient verschwunden war. Sie klang aufgeregt: „Wo ist er hin?“

„Das würde ich auch zu gerne wissen“, meinte Will und zwinkerte mit seinen grünen Augen. „Wie ging es ihm?“ Etwas niedergebeugt sah er zu Boden.

„Nun ja, seine Wunden haben sich bisher nur oberflächlich geschlossen… ich kann mir nicht vorstellen, dass er in seinem Zustand, mit einem verstauchten Bein, durch die Gegend humpelt.“

Will schüttelte nur seinen Kopf, sich fragend, wie Link so lebensmüde sein konnte. Erst rettete er die Schüler vor einem Angriff durch Dämonen und schließlich verschwand er mit heftigen Wunden und sagte keinem, wo er hinwollte. Verärgert deswegen marschierte Will zurück in die Ritterschule…

 

Beinahe gewaltvoll riss der alte Feuergott am Himmel mit lodernden Strahlen den trüben Himmel auseinander und die wärmenden Wogen Sonnenlicht glitten über Hyrules grüne Hügel. Wenige Meter humpelte, teilweise sehr schwerfällig, ein junger Kerl in Richtung des Glücksteichs, wurde von den feuerroten Farben der Sonne geblendet. Er hechelte, war völlig erschöpft und verbraucht, spürte Schmerzen in seinen Gelenken und einen matten Druck des roten Elixiers, das ihn in den Schlaf schicken wollte, aber quälte sich weiter. Sein stolzer Sturschädel hielt es nicht aus, dass sich andere um ihn kümmerten wie um ein hilfloses Baby…

Er sah makaber aus… Blut klebte in dem goldblonden, durchgeschwitzten Haar. Sein Gesicht übersät mit Schürfwunden und aufgedunsenen Hautstellen. Der weißbläuliche Stoffanzug, den er schon Ewigkeiten besaß, war teilweise zerrissen. An seinen Armen und an den Beinen hing das schützende Gewand nur noch an wenigen Fasern zusammen, dort, wo die Ketten des Chadarkna versucht hatten seinen Körper zu entstellen. Und überall, an Bauch, Brust, selbst am Kragen hatte getrocknetes Blut in der waldgrünen Tunika Spuren hinterlassen. Eigentlich sah er so aus, als könne er sich kaum auf den Beinen halten, aber sein Wille brachte ihn über alles hinaus… sein Wille… und diesen würde der junge Heroe sich von keinem dahergelaufenen Dämon brechen lassen…

Stoßweise trampelte er vorwärts, blinzelte und versuchte den Zwang wegzuschieben auf der Stelle in den Schlaf zu sinken. ,Nur noch ein bisschen‘, spornte er sich an, wollte sich in der Hütte am Glücksteich ausruhen, und alleine, ohne die nervenden Augen der vielen Ritterschüler über die Worte des Chadarkna nachdenken… und sich wenn nötig überlegen, wie er mit diesem Wissen weiterverfahren sollte.

Der junge heroische Blondschopf trat wenige Schritte weiter, als er hinter sich einen sehr geschockten und zugleich belehrenden Ruf vernahm. „Link, hast du den Verstand verloren! Was, bei Destinia, machst du auf der Steppe!“ Der Angesprochene blieb stockend stehen und schloss seufzend die meerblauen, glasigen Augen. Es war Nicholas Doomrent hinter ihm, der wahrscheinlich von seiner Spurensuche am Destiniatempel zurückgekehrt war. Link hörte ein schnelles Galopp, aber drehte sich nicht um. Seine spitzen Ohren lasen in den Geräuschen, dem Knirschen des Leders und des Grases, dass der Lehrer mit aufgeregten Schritten auf ihn zustürmte. Er spürte eine große Hand auf seiner rechten Schulter, die ihn bestimmend und fest packte, aber daraufhin knirschte Link bitterlich mit den Zähnen. Selbst die Schulter tat weh…

„Link, geh‘ verdammt nochmal ins Krankenzimmer!“, sprach Nicholas erbost und stellte sich direkt vor ihn, sodass das Licht der Sonne von seiner langen Gestalt verdeckt wurde. Auch Nicholas sah erledigt aus. Seine graue Tunika war an der rechten Brusthälfte zerrissen. Rußige Flecken bedeckten sein kantiges Gesicht. Selbst in seinen braunen, kurzen Haaren hing Staub. „Hörst du nicht!“ Seine Stimme war energisch und voller Sorge.

Verwundert hoben sich Links Augenbrauen um Newhead deutlicher zu mustern, aber das Sonnenlicht in seinen Augen brannte brutal. Warum war der einstige Schwindler nur so besorgt um ihn? Als Link in dessen undefinierbaren Augen las, konnte er neben Enttäuschung vor allem Mitgefühl erkennen…

„Es geht schon“, murmelte er benommen und wischte sich über seine trockenen Lippen. Er befeuchtete die Lippen zwanghaft mit seiner Zunge und schmeckte doch nur Blut.

„Bist du dir sicher?“, meinte der einstige Schwindler. „Mir gefällt es nicht, wenn du mit deinen Verletzungen nichts Besseres zu tun hast als über die Steppe zu wandern.“

„Ich will… in die Hütte am Glücksteich… Ich will nur meine Ruhe“, sprach er benommen und hoffte, dass Nicholas das verstand.

Newhead griff sich ratlos an sein Kinn, aber nickte dann einsichtig. Er ahnte, was in dem Jungen vorging. „Unter einer Bedingung“, sprach er. „Ich begleite dich dorthin…“

„Wenn es… sein… muss“, hauchte Link über seine aufgeplatzten Lippen und torkelte etwas unbeholfen weiter. Er hatte nicht die Kraft und nicht die Lust mit Nicholas zu diskutieren.

Schweigend tapsten die beiden Kämpfer vorwärts. Nur das Knattern ihrer Lederschuhe und die Hufe des Pferdes im Steppengras waren hörbar. Schleppend bewegte Link seinen mitgenommenen Körper in Richtung des Waldes und freute sich nur noch auf das Bett in der alten Waldhütte… die blöde Pritsche in Elizas muffelndem Krankenraum war unangenehmer als der blanke Boden…

Zufrieden erreichte der vergessene Heroe die Hütte am Glücksteich. Es war kühl und frisch in der kleinen Behausung, aber die Stille verwöhnte Links spitze Ohren auffallend. Als er in der kleinen Stube stand, hechelnd und schwerfällig, spürte er eine Welle der Erleichterung über sich hereinbrechen, wissend, hier könnte er wahrhaft Ruhe finden… keine neugierigen Fragen… keine nervenden Gesichter. Er hatte vor lauter Benommenheit kaum mehr wahrgenommen, dass Nicholas überhaupt mit dabei war, quälte sich die ersten Stufen in das Obergeschoss hinauf, als der Lehrer ihn am Arm ruckartig zurückhielt. Er führte einen Zeigefinger an seine Lippen, hatte ein eigenwilliges Geräusch vernommen, das er zunächst nicht zuordnen konnte. Dann allerdings sprang eine Kreatur vom Dachboden in einem erstaunlichen Satz die gesamte Treppe hinab, knurrte beinahe teuflisch und fletschte ein bedrohliches Mundwerk. Nicholas zog sofort sein Schwert, bereit das riesige, wolfsähnliche Tier zu erledigen, als Link sich auf seine Knie sinken ließ und dem Raubtier eine Hand entgegenstreckte. „Wulf!“, freute sich der junge Heroe, worauf das gefährliche Tier, nun keineswegs mehr gefährlich wirkend, kurz erfreut aufheulte, mit einem weiteren Satz nähersprang und dem verletzten Jugendlichen mit der großen, schlabbrigen Zunge über das gesamte Gesicht schleckte.

„Das soll doch nicht etwa ein Hund sein!“, meinte Nicholas entgeistert und traute dem Spielchen nicht.

„Er ist… ein prima… Zeitgenosse…“, sprach Link, spürte die Müdigkeit unaufhaltsam werden und war dabei ohnmächtig zu werden, als Nicholas ihn an seinem rechten Arm auf die Beine zog. „Bist du dir wirklich sicher, dass du hier bleiben willst?“

Link nickte erschöpft.

„Mir ist klar, dass du dich hier erholen willst, aber du solltest wenigstens Will Bescheid geben“, meinte Newhead. 

„Wozu?“, entgegnete Link scharf. „Damit er noch mehr Schuldgefühle hat, weil ich mich aus dem Staub mache…“ Er seufzte, war überrascht, dass er für diese Aussage und einen sehr unangenehmen Ton dahinter noch die Kraft hatte. Dann schüttelte er den Kopf und atmete scharf ein. Selbst das Kopfschütteln verursachte Schmerzen.

„Und was ist mit diesem hübschen Mädchen aus der Schule… ah ja, dieser Ariana Blacksmith?“

„Sie hat Hausarrest… außerdem geht sie das nichts an“, brummte der verletzte Jugendliche. 

Newhead nickte, obwohl er innerlich den Kopf schüttelte.

„Gibt es noch etwas?“, meinte Link, dem langsam die Geduld versagte. Er wollte endlich Schlaf… und Ruhe.

„Ja, da wäre noch etwas“, begann Schwindler. Neugierig blickte er sich in dem Raum um, überwältigt von der Gemütlichkeit hier drin. „Es geht um das Training mit deinem Fragment. Ursprünglich hätten wir warten sollen damit, bis du wieder fit genug bist. Aber ich habe heute eine Sturmtaube erhalten, die mich anweist dein Training sobald wie möglich zu beginnen. Wie wäre es, dass du heute Abend bei mir vorbeischaust, natürlich nur, wenn es dir besser geht?“

Link verdrehte genervt die tiefblauen Augen, denn er war sich nicht einmal sicher das Fragment überhaupt auf diese intensive Weise trainieren zu wollen. Dann tapste er eine weitere Stufe hinauf. Seine Nerven lagen blank und er wollte jetzt nicht mit Nicholas darüber diskutieren. „Ja, okay…“ Er hoffte bloß, dass Nicholas diesmal nicht wieder weiblichen Besuch hatte und er deswegen so lange warten musste.

„Oh, und du hast die Bestnote für deinen Aufsatz über Arn Fearlesst bekommen, hätte ich nicht gedacht, du hast mich echt überrascht damit, dein Aufsatz hängt in der Aula.“

Aber auch diese Neuigkeit schien Link nicht zu beeindrucken. „War es das dann?“, murmelte er nörgelnd.

„Kleiner, du bist echt ein sturer Bock“, sprach Nicholas, dann leicht erheitert. Links Eigensinn war zwar grauenhaft, machte dem Schwindler jedoch deutlich, dass der Heroe im Augenblick genau wusste, was er wollte. Und Ruhe und Heilung finden an einem abgeschiedenen Ort, ohne die anstrengenden Mitschüler, war vielleicht die richtige Entscheidung.

„Pass‘ auf dich auf, Link…“, sprach Nicholas und trat mit einem Klappern seines Kettenhemds und den stählernen Schulterplatten in Richtung Eingangstür.

„Das übernimmt… Wulf…“, murmelte der Heroe schläfrig und tapste glückseelig die restlichen Stufen hinauf. Mit leichtem Kopfschmerz und einem Anflug von Übelkeit sank er in das Bett, lag dort wie ein Toter und schlief tief und fest. Der zottelige Wolfshund, schwarze und graue Fellflecken seinen muskelbepackten Körper umhüllend, saß beobachtend neben dem Bett, heulte einen klagenden Gesang und würde den jungen Heroen mit seinen gelben Augen bewachen, bis der Schlaf ihn zurückgab…

 

Und kaum war der vergessene Held der Zeit in den Schlaf gesunken, sein Brustkorb sich unregelmäßig, beinahe ängstlich hebend und senkend, wandelte dort in dem Häuschen jener mildtätige Geist, der Link bereits einmal auf unsichtbaren Pfaden geholfen hatte. Ein Geist, rein und erhaben, und doch traurig, legte eine weißschimmernde Hand auf den Brustkorb des jungen Heroen, bis er kurz zuckte, aber dann ruhig und friedvoll in einen besseren Schlaf sank. Ein Geist, kaum erkennbar, der ihm geholfen hatte eine Feder zu führen… Auch Wulf schlief, schien durch die Anwesenheit einer sanften Brise Hoffnung nicht gestört. Kein Raunen aus seiner Raubtierkehle, kein Kläffen. Und auch Links Schlaf wurde erfüllend, reich und belohnend.

Er schlief, verführt von liebevollem Gesang, umschmeichelt von all dem, was er vermisste und dem, was er sich aus tiefstem Herzen wünschte. In der Allmacht großartiger Gesetzt, berieselt von seinen Wünschen, Wärme und der Unvergänglichkeit seiner Ideale, träumte er. Und es sollte sein, dass er dort in einer Zwischenwelt, einem Pfad zu dem gehüteten Platz in seinem Herzen Liebe fand. Tiefe Zärtlichkeit und Reinheit. An einem Platz, den er nicht kannte, spürte er die Anwesenheit einer wärmenden Seele, berührt und innig umarmt. Er fühlte sich sicher, geborgen und beschützt. Von Händen, die so zart und liebevoll waren wie in einem Märchen. Von einer Stimme, geschmeidig und weich, die zu ihm sprach. Von einer körperlichen Wärme, die seinen eigenen Zauber erweckte. Alles, was er wahrnehmen konnte, dort in einem Traum war das Gefühl eine Zuflucht gefunden zu haben, Nähe und etwas, wo er sich anlehnen konnte. Er sah keine anhaltenden Bilder zu den Gefühlen, erblickte nur ein sicheres Gemach für Sekundenbruchteile. Ein mit vielen Decken und Kissen beladenes Bett, in dem jemand ruhte, der summte, fein und andächtig, mit einer Stimme, nach der sich sein Körper verzehrte. Dann ein Spiegel, eigensinnig geformt, wellenförmig, mit seltsamen Schriftzeichen, auf die er sich nicht konzentrieren konnte. Er spürte und genoss. Er schwebte innerlich angesichts der Wonne eines angenehmen Morgens, der weiße, reinigende Lichtstrahlen in das Gemach schickte. Die Lichtstrahlen fielen auf sein Spiegelbild und er sah sich, stark und lächelnd, als der junge Held, der er doch war, dort in dem eigenwillig geformten Standspiegel. Heroisch und mutig blickte er hinein, konnte für Sekundenbruchteile entdecken, was Reife bedeutete, was Glück bedeutete und erinnerte, wer er war. Er war auserwählt zu kämpfen, mit allem, was er hatte und für alles, was er liebte. Sein Lächeln spiegelte sich auf der glatten Oberfläche des Materials, reflektierte das Bewusstsein für alles das, was noch kam. Er sah sich selbst, wie er einen Zeigefinger erst zu seinen Lippen führte, darum bat zu schweigen, und diesen linken Zeigefinger dann auffordernd in seine Richtung streckte. Er deutete an, er selbst zu sein, deutete an, was es hieß sich seine Bestimmung zu wählen und vielleicht war da noch mehr, was sich erst in der Zukunft entscheiden sollte. Ein Spiegelbild verheimlichte die Wahrheit… Ein Spiegel schenkte ihm Antworten und gab preis, wonach er sich sehnte… und vielleicht war dort in den Spiegeln der Weg zu seinem verlorenen Glauben und einer aufgezwungenen Bitterkeit zu finden…

 

Als Link spät am Nachmittag, in spürbarer, wenn auch nicht vollständiger Heilung seiner Wunden, und mit dem Gespür seiner selbst beraubt worden zu sein, erwachte, fühlte er gerade noch, dass eine Träne seine Wange hinab getropft war, spürte einen reinigenden Nachklang der Wonne, die ihm geschenkt wurde, dort, wo nicht viele Seelen hinfanden und viele Seelen nicht sehen konnten. Gereift in nur wenigen Stunden lag der Held der Zeit in seinem selbstgewählten Ruheort, der Hütte am Glücksteich, besonnen, und er realisierte, dass jenes Ereignis, wo er sich selbst wieder spüren konnte, wo er wusste, was seine Bestimmung war, wo er sich vollständig fühlte, doch nur in grausamen Kämpfen zu finden war.

Er hob seine leicht beschmutzten Hände in die Höhe. Sie waren weiß, leicht abgemagert. Unter den grob gewachsenen Fingernägeln hing getrocknetes Blut. Das Triforcefragment des Mutes leuchtete schwach, pulsierte heftige Energiewellen in seine Blutadern, bis er die Fäuste ballte. Er knirschte mit den Zähnen, zog sich kraftsuchend aus dem Bett und hielt Ausschau nach Wills Wolfshund, der jedoch nicht mehr in der Hütte zu sein schien. Mit einem entschlossenen Gedanken trat Link ins Erdgeschoss hinab, dachte an die Dinge, die sein neuer Feind ihm mitgeteilt hatte und wusste, er würde vor dieser Herausforderung nicht weglaufen. Er würde niemals feige davon rennen, nicht einmal mit dem Fluch eines elenden, kränklichen Körpers, welcher von den kalten Lippen des Chadarkna ausgesprochen worden sein musste.

Der vergessene Heroe trat schwerfällig, aber mit einem neuen Gefühl der Stärke hinaus in die Kälte. Es war trüb außerhalb, und vom grauen Himmel tanzten Schneeflocken, die wie Puderzucker die kahlen Laubbäume um ihn herum und den duftenden, moosigen Waldboden bedeckten. Seine tiefblauen Augen verloren sich auf der klaren Wasseroberfläche, die von den sanften Schneeflocken benetzt wurde. Und er sah… Bilder aus lang vergessenen Träumen, Visionen der alternativen Zeit. Sie hauchten Leben und Kampfgeist in seine Gedanken, stachelten das Leben und die Macht an, die einst seinem Herzen erwuchs. Und er wusste, er würde kämpfen, bis zum bitteren Ende. Für die Seelen, die Hyrule zusammenhielten. Er würde kämpfen, mit allem, was er hatte.

Sein nur mehr leicht verwundetes Gesicht erhob sich in Richtung des Himmels, der magischen, lebendigen Welt, und seine Augen, in denen endlich ein verlorener, kleiner Funke Mut wiederkehrte, sendeten einen stillen Ausruf an alle, die teuflische Absichten in ihren Herzen trugen. Selbst als Krüppel, selbst als verspotteter Dummkopf, und selbst als Gefallener würde der wahre Held Hyrules kämpfen…

Mit einem zitternden linken Arm, kaum kräftig genug für sein Schwert, aber entschlossen, hob er die Klinge von Arn Fearlesst in die Höhe, schwor sich, den Weg zu finden aus seiner Lethargie, auch wenn es noch Rückschläge geben sollte, auch wenn sein Körper brechen würde, er würde sich nicht noch einmal von dem Chadarkna erniedrigen lassen. Das war seine Energie, gefüttert aus dem Willen einer alten Seele. Stählern und unzerstörbar…

 

Als Link in die Ritterschule zurückkehrte, unterließen die Mädchen und Jungen im Schulinnenhof sofort ihre momentanen Tätigkeiten wie das Wäscheaufhängen oder die Fechtübungen. Sie musterten den jungen Kämpfer, der mit einem kühlen, ernüchterten Gesichtsausdruck direkt zu dem Haupteingang der Ritterschule steuerte. Einige machten ihm bereitwillig Platz, manche zogen ihre Kapuzen bewundernd hinab. Eine unangenehme, plötzliche Stille breitete sich im Hof aus, sodass die Schneeflocken hörbar waren, wie sie niederrieselten.

Mit wachen Augen fokussierte der junge Heroe das große, alte Eichentor und hatte nur das Ziel etwas zu essen und anschließend sofort mit Nicholas über das mögliche Training zu sprechen. Er beachtete die Schüler nicht weiter. Aber sie musterten ihn fortwährend, und sie taten dies aus einem besonderen Grund. Er sah etwas verändert aus, seine ansehnlichen Gesichtszüge waren frisch und erholt. Und trotz der in Blut getränkten Tunika bewegte er sich völlig normal über den Innenhof.

Gerade in dem Augenblick wurde er von zwei warmen, in kirschrotes Leinen gepackten Armen umschlossen. Ein Paar Mädchenarme hielten ihn fest, umschmeichelten die verbliebenen Wunden. Noch ehe er sich umdrehte, hörte er jemanden schluchzen und spürte eine zarte Gestalt, die sich an seinen Rücken schmiegte. Er schloss seine tiefblauen Augen, spürte eine weitere Last von sich abfallen, genoss, seufzte, spürte seinen Körper schwer werden. Ein Kribbeln, wohlvertraut, heilend, schlängelte sich durch seine Adern. Erst als die warmen Hände sich langsam von seinem Bauch lösten, drehte er sich um und blickte in ein Paar bernsteinfarbene Augen. Traurig waren sie, gläsern, aber mit dem vollsten Mitgefühl für alles, was ihm wiederfahren war. Es war Ariana, die, obwohl sie Hausarrest hatte, seine Nähe suchte. Sie hatte die Neuigkeiten vernommen und die gesamte Zeit vor dem Fenster gewartet, bis Link zurückkehrte. Als sie ihn in dem Hof entdeckte, war sie so schnell sie konnte hinausgeeilt. Sie hatte sich nicht einmal einen Umhang umgeworfen in der Eiseskälte, und auch ihr pechschwarzes, langes Haar war offen und ungepflegt. Sie wollte nichts von ihm erfahren, sie wollte ihn nicht überfordern, alles, was sie wollte, war ihm zu zeigen, dass sie hinter ihm stand, für jetzt und für das, was kam. Sie legte ihre Hände auf seine Wangen, musterte seine Seelenspiegel.

„Ich werde nicht darüber diskutieren“, sprach er, bevor Ariana das Wort erhoben hatte. „Das betrifft nur mich etwas… und geht niemand anderen etwas an.“ Seine Worte erklangen schärfer als er es beabsichtigt hatte. So scharf und abwehrend, dass auch das Mädchen ihm gegenüber zurückwich. Sie blickte bedauernd zu Boden, nickte zweifelhaft. Ohne einen erneuten Blick in ihr hübsches Gesicht trat er vorwärts, wollte sie in diesen Kampf nicht mit hineinziehen. Wozu auch? Und wozu sollte er Ariana, Will oder Zelda noch weiter mit seiner Gebrechlichkeit belasten! Es war sein Weg, sein Schicksal und sein Kampf… Egal, was auch immer hinter den letzten Ereignissen steckte, mit welchen teuflischen Spielchen Link zu kämpfen hatte, eine andere Wahl als sich der Bedrohung zu stellen, im vollen Bewusstsein für den Schutz seiner Freunde, hatte er nicht…

Als das große Tor den heldenhaften Jungen verschluckte, stand Ariana noch immer mit ihren Hausschuhen und einem einfachen Leinenkleid außerhalb, wo ein stürmischer Wind aufkam. „Link…“, sprach sie traurig. „Du bist nicht allein… ich werde dir immer beistehen.“ Sie drückte ihre Hände gegen die Brust, spürend, wie der Schnee ihr pechschwarzes Haar befeuchtete, spürend wie die Kälte des Winters in ihren Gliedern tobte. Eine warme Träne tropfte von ihrer blütenweichen Wange, sank hinein in das Schneegewand, das den Kiesboden bedeckte, und erstarrte zu feinem opalartigem Kristall…

 

Auch im Gebäude verhielten sich die Hylianer um Link herum wie ausgewechselt. Kein Tuscheln, das sonst seine spitzen Ohren benetzte, drang durch die hallende, mit Kerzen beleuchtete Aula. Kein Schimpfen, kein unangenehmes Wort, und auch keine Bewunderung. Und es war sehr schnell, dass die Schüler versuchten dem jungen Helden auszuweichen. Auch Artus und Robin standen kaum drei Meter weiter und musterten ihn irgendwie durcheinander. Sie versuchten ihm mit ihrer Gestik und Mimik zu zeigen, dass sie ihn bewunderten für das, was er getan hatte und nickten ihm zu. Aber dafür hatte Link gerade keinen Nerv. Mit schweren Schritten marschierte Link in Richtung seines Zimmers, überlegte, wie er auf Will reagieren sollte, und fragte sich, ob jener nur ansatzweise verstehen konnte, was mit ihm los war…

Als er die Tür öffnen wollte, seinen mit Blutflecken benetzten Kopf dagegen lehnte und kurz tief einatmete, wusste er, dass er, auch um den jungen Laundry zu schützen, keine andere Wahl hatte, als sich einmal mehr abweisend zu verhalten. Mit einem weiteren, ermutigenden Atemzug, öffnete er die Tür und trat schwerfällig über die Schwelle. Er hatte die klappernde Holztür noch nicht geschlossen, als Will bereits mit einem fragenden und deutlich besorgten Gesicht vor ihm stand. Hilflosigkeit stach aus seinen sonst so vorwitzigen Gesichtszügen. Benommenheit und Schuldgefühle, die sich in einige Stirnfalten gruben… Will smaragdgrüne Augen leuchteten schwermütig, auch dann, als Link sprachlos an ihm vorüber trat. Er marschierte mit nur halb geöffneten Augen zu seinem Bett, wo ein neues Gewand lag. Ein silbergrauer, flauschiger Anzug, der das Kettenhemd beinahe unnötig machte. Er war hergestellt aus einem weichen Metall, das sich wunderbar in Fasern wie Leinen oder Wolle einnähen ließ. Und er schützte noch besser als so manche Rüstung, Link erinnerte sich, dass er in der alternativen Zukunft einen ähnlichen Anzug besessen hatte. Und neben dem Anzug lag frisch und ordentlich zusammengefaltet eine neue waldgrüne Tunika, die jedoch viel edler war als seine bisherige, so edel, dass man sie eigentlich auf einem Fest tragen könnte. Da waren goldene Saumen angenäht, und der Stoff musste vom königlichen Schneidermeister hergestellt worden sein, denn an der Innenseite der Tunika war das Symbol der Königsfamilie mit dunkelgrünem Faden aufgestickt.

„Da war ein Bote, der dir das gebracht hat, ich schätze, es kommt von der Prinzessin oder so…“, sprach Will seufzend. Seine tiefe Stimme war leise und unsicher. Inzwischen lehnte er an der Tür und hatte die Arme verschränkt.

Link nickte wortlos, hoffte sehr, dass sein Zustand der Prinzessin verschwiegen wurde, ließ sich auf das Bett sinken und sah kurz in den Spiegel schräg gegenüber. Himmel, er sah aus wie ein Zombie, der gerade vom Grab auferstanden war…

„Du siehst furchtbar aus… du solltest ein Bad nehmen“, meinte Will, nun etwas deutlicher. Link nickte abermals, räumte die neue Kleidung in den Schrank und stand betreten davor.

„Warum bist du einfach verschwunden? Eliza McDawn war außer sich“, fing der Laundry an. Aber eigentlich war er selbst derjenige, der außer sich war. Er hatte sich Sorgen gemacht, und er war derjenige, der sich feige fühlte.

„Es ist meine Sache, wohin ich gehe“, meinte Link frostig, ließ die Worte ohne Nachzudenken über seine Lippen gleiten. Er rollte mit den Augen und setzte ein „Sorry“ hinterher.

„Nein… eigentlich tut es mir leid“, sprach Will dann und trat zu seinem Kumpel hinüber. „Ich… bedauere, dass ich wie ein Feigling geflüchtet bin, als die Dämonen hinter uns her waren. Ich hätte dir beistehen müssen.“

Link blickte mit seinen tiefblauen Augen leicht erzürnt auf: „Und wie hättest du das tun wollen, Will? Mit deiner ausgefeilten Schwerttechnik?“ Erneut kamen die Worte unüberlegt aus dem blassen Mund des vergessenen Heroen. Und sie waren giftig und ironisch.

Will fiel die Kinnlade herunter und er bekam einen roten Kopf. Er schluckte den Knoten in seinem Hals herunter, wusste nicht, was er darauf sagen sollte und wand sich um seine eigene Achse.

„Will… entschuldige…“, meinte Link ruhiger, griff sich an seine Schläfen und versuchte sein vorlautes Mundwerk zu bremsen. „Es ist nur, dass diese Sache niemanden etwas angeht, auch dich nicht. Ich werde nicht darüber diskutieren und ich will nicht, dass du dich da einmischst.“

Betreten tapste der junge Laundry zur Tür, nickte bloß und verließ das Zimmer eingeschüchtert.

Link ließ sich seufzend auf sein Bett sinken, schlug sich gegen seine lädierte Stirn und fragte sich, ob er nicht doch zu weit gegangen war…

 

Am späten Abend, als die meisten Schüler nach einem genüsslichen Mahl in ihren Zimmern ruhten, war Link der letzte, der sich im Speisesaal aufhielt. Er wollte den Leuten aus dem Weg gehen und hatte ein Bad genommen und dann gewartet, bis der große Ansturm vorbei war. Er konnte Getuschel und die vielen neugierigen Fragen von Will, Artus, Robin und den anderen gerade nicht ertragen. In seine Gedanken versunken aß er eine hylianische Nudelpfanne mit Hähnchenfleisch und Herzbeerensoße, als die Küchenfrau gerade das Buffet abräumte. „Jungchen, ich muss gleich den Raum abschließen, nimm‘ das Essen mit in dein Zimmer.“ Einsichtig tapste Link, nun bekleidet mit seiner schwarzen Tunika, aus dem Saal und wusste aber, dass er jetzt garantiert nicht in sein Zimmer gehen wollte. Er hatte Will vorhin unfair zusammengestaucht, obwohl es sicherlich unnötig war. Mit dem Abendessen in seinen Händen marschierte Link zu dem Lehrer Nicholas…

Als Link den schmalen Gang erreichte, wo der einstige Schwindler sein spärlich eingerichtetes Büro hatte, duftete die Nudelpfanne noch immer dampfend vor seiner Nase. Und das Essen lenkte ihn zum Glück ein wenig von seinen verbliebenen Schmerzen ab. Der Fünfzehnjährige hörte plötzlich ein brummendes Geräusch aus dem Raum vor sich, ein Geräusch, das er sofort als ein sehr eigenwilliges Schnarchen erkannte, zerreißend, als sägte Nicholas Bäume, drang der Laut durch die Holztür zu seinem Büro und endete erstickend in dem hallenden Gang. Der vergessene Heroe schüttelte seinen Schädel, hatte ein dümmliches Grinsen im Gesicht und trat einfach in den Raum.

Tatsächlich schien Nicholas beschäftigt. Beschäftigt mit einer Tätigkeit, der auch Link gerne nachging. Nicholas Doomrent lag lässig auf einer kleinen Metallpritsche, hatte ein Buch auf seinem Brustkorb aufgeschlagen, schnarchte, sodass sich die Balken bogen und hatte einen Zahnstocher in seinem Mund, auf dem er im Schlaf herum kaute. Noch immer war der Lehrer verdreckt, hatte nicht einmal seine graue Tunika gewechselt, an der noch Staub und Schmutz hing. Sein dunkelbraunes Haar war unordentlich und struppig.

„Nicholas?“, brummte Link genervt, trat mit seiner Mahlzeit ein, aber der Lehrer ließ sich nicht wecken. Kopfschüttelnd machte es sich der Schüler vor dem Schreibtisch bequem und ließ seine wachen, tiefblauen Augen durch den Raum wandern. Es sah unordentlich aus, so als ob Nicholas nicht die Zeit hatte sich um Ordnung in diesem Raum zu kümmern. Auf dem Bücherregal lag meterhoher Staub. Über dem Bürosessel hing alte, unsauber gefaltete Kleidung. Und auf dem Büro, neben einer Wachs triefenden großen Kerze lagen Pergamentblätter durcheinander. Es war schmuddelig hier drin, roch nach Zigarren und abgestandener, sauerstoffarmen Luft.

Erneut trat der junge Heroe vor den Ritter Newhead, stemmte seine Hände in die noch leicht schmerzenden Seiten und sprach laut und eindringlich Schwindlers Namen. Aber erneut reagierte er nicht, brummte, biss den Zahnstocher ab und spuckte die Teile aus seinem von einem Dreitagebart umschmeichelnden Mund. Link zwinkerte verdattert, brüllte dann den Namen des Lehrers, worauf dieser fluchend aufsprang, vor Schreck die Pritschte umwarf und den Heroen gähnend und grinsend beäugte. „Oh, hallo… Link, nanu, bist du schon hier… Ist es denn so spät?”

„Es ist bereits nach acht abends, du wolltest, dass ich vorbeischaue“, murmelte der Heroe und ließ sich wieder auf den Holzstuhl vor dem Schreibtisch sinken. Genüsslich aß er seine Nudeln und sein Hähnchenfleisch.

„Ja, richtig“, sagte Nicholas, sprang hinüber zu seinem Schreibtisch und kramte zwischen den vielen Zetteln herum. Das Licht der wenigen Kerzen im Zimmer flackerte unruhig, bis der Lehrer eine lange Rolle mit einem eigenwilligen Magierzeichen fand. Ein Wachssiegel mit einem Kreis und einem Raben in der Mitte. „Es geht um das Training deines Fragmentes“, sprach Newhead mit ernster Stimme. 

Etwas zweifelnd sah Link auf, während ein langes, mit roter Soße bedecktes Nudelstück von seinen Lippen hing und er es schlürfend in den Mund zog. Es wunderte ihn, dass der Lehrer sofort zum Thema kommen wollte und ihm nicht erneut eine Predigt wegen des Vorfalls am Destiniatempel hielt. Irgendwie verhielt sich Nicholas etwas merkwürdig, so untypisch, seit der brutalen Attacke des Chadarkna. Schon vor einigen Stunden, als er ihn auf der Steppe angetroffen hatte, war dem Heroen das aufgefallen. Nicholas wirkte beinahe besorgt und stellte komischerweise keine Fragen. Aufmerksam beobachtete Link das widersprüchliche Verhalten seines Lehrers und hatte das Gefühl, er verschwieg ihm etwas, und verhielt sich irgendwie nicht wie der sonst so gelassene, lebensbejahende Hylianer, der in diesem Körper steckte. 

„Ehrlich gesagt… habe ich mir noch nie Gedanken darum gemacht das Fragment des Mutes irgendwie zu trainieren“, meinte Link und leerte seinen Teller. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich es irgendwie nutzen und einsetzen kann.“ Und da war noch mehr in Links Gedankengängen. Manchmal hatte er den Eindruck das Fragment tat Dinge gegen seinen Willen.

„Deswegen bist du ja hier, damit wir das herausfinden können“, murmelte Nicholas und ließ sich kaum von dem Schriftstück vor seiner breiten Nase ablenken. Interessiert las er weiter, blickte prüfend in Links tiefblaue Augen und wieder auf das Schreiben.

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich das überhaupt herausfinden will“, sprach Link dann seufzend. Er schloss seine tiefblauen Augen und runzelte die Stirn. Das schummrige Kerzenlicht beleuchtete die Zweifel in seinen feinen Gesichtszügen.

„Du hast aber keine andere Wahl“, argumentierte Nicholas scharf. „Ich kann durchaus verstehen, dass du Bedenken über die Verwendung des Triforce hast, gab es in Hyrules Geschichte doch genug Beispiele, wo Hylianer und andere es frevelhaft eingesetzt haben, aber wie willst du dich in deinem Zustand demnächst verteidigen?“

„Wer redet von demnächst?“

„Du glaubst jawohl nicht, dass die Dämonen dich in Ruhe lassen, oder?“ Nicholas zwinkerte und zupfte sich an seinem Kinn. „Du bist schließlich der Held der Zeit.“

„Was hat das damit zu tun“, murrte Link, hüpfte auf die Beine und trat energisch im Zimmer auf und ab. „Du hast ja keine Ahnung!“

Die angespannten Schultern sinken lassend, lehnte sich der Lehrer in seinen breiten Sessel und musterte den blonden Jungen vor sich, der ihm mittlerweile ans Herz gewachsen war. „Ja, das ist leider richtig“, hauchte der Ritter bedauernd. Er faltete die Hände und stemmte sein kantiges, ungewaschenes Gesicht darauf ab. „Ich weiß nicht, was am Destiniatempel vor sich ging. Und ich kann wohl kaum damit rechnen, dass du vorschnell irgendwem an der Schule mitteilst, was passiert ist, aber ich weiß, dass du beinahe wie ein Stück Fleisch zerhackt wurdest. Kannst du deinen unsäglichen Sturschädel nicht zur Seite schieben und dich zumindest einmal von mir überzeugen lassen, Kleiner?“ Nicholas grinste dann, vielleicht aus Hilflosigkeit.

Link schwieg und stemmte seine Hände gegen die Wand. Er ließ den blonden Kopf hängen, seine tiefblauen Augen schillerten trübsinnig.

„Außerdem… deine Prinzessin nutzt die Macht ihres Fragments ebenfalls. Sie schenkte mir damit ein neues Gesicht, hat sogar die Finger an meiner Hand wiederhergestellt. Und sie kann es scheinbar kontrollieren. Sollte dich das nicht darin bestärken, dass es dir gelingen kann?“

„Ich weiß nicht…“

„Vielleicht ist deine Sturheit das einzige Problem.“

„Das weiß ich auch nicht…“

„Das heißt, du bist nicht einmal mutig genug um es zu versuchen?“, meinte Schwindler belustigt, kratzte mit einem weiteren Zahnstocher den Belag von seinen gelben Zähnen. „Dass du so eine Memme bist, hätte ich wahrlich nicht gedacht. Und sogar ein Mädchen, nämlich deine Prinzessin, ist mutiger darin Magie zu nutzen.“

Mit einem Murren und großen, stapfenden Schritten trat Link direkt vor den Schreibtisch, funkelte Nicholas böse und eindringlich an und stützte seine schmerzenden Arme geräuschvoll auf dem Pult ab, sodass die Kerzen und eine Teekanne darauf wackelten. „Ich bin keine Memme!“ Er war sauer, unglaublich sauer…

„Dann beweis‘ es!“, sprach Nicholas lachend, lehnte sich näher und grinste mit einem gemeinen Schabernack in seinen undefinierbaren Augen. Die Falten um seine lebenserfahrenen Augen verschwanden, als sich auch der Rest seines braungebrannten Gesichts entspannte. Er wusste, was den Jungen auf die Palme brachte und er wusste, wie er es schaffen konnte ihn herauszufordern.

Er hüpfte auf die Beine und hielt dem miesgelaunten Link das Schreiben der Magierin unter die Nase. Jener Magierin, deren Zeichen ein schwarzer Rabe war.

„Erinnerst du dich an Undora, die verrückte Magierin, die dich am Fest der neuen Ritter begutachtet hatte?“ Link zwinkerte, schluckte dann einen Knoten in seinem Hals herunter und wusste nicht mehr, wo ihm der Kopf stand. Das ging ihm zu schnell. Er war sich noch nicht einmal sicher, das Fragment tatsächlich trainieren zu wollen, auch wenn er es bereits verwendet hatte. Aber Nicholas war schon einen Schritt weiter. „Undora hat mir dieses lange Schreiben geschickt, in welchem sie mir ausführlich erklärt, wie wir das mit dem Training der Macht des Mutes am besten bewerkstelligen.“

„Aber…“, begann Link, doch der Lehrer hörte ihm gar nicht zu.

„Der Auftrag kommt vom König persönlich, und du kannst dich nicht gegen das Wort von Harkenia erheben, Kleiner.“

Aufgeregt spannte Link seine Arme auseinander. „Das Wort des verfluchten Königs interessiert mich nicht die Wundererbse. Was soll dieser Mist!?“ Wutgeladen kamen die Sätze über seine blassen Lippen und er zügelte seinen Unmut nicht. Er hasste es wie die Pest, wenn irgendjemand über ihn bestimmen wollte. Er konnte es nicht ertragen, es widerte ihn an! „Ich werde diesen Scheiß nicht tun!“, brüllte Link und war so aufgeladen, dass er nicht merkte, wie diese Wut sich verselbstständigte.

„Oh doch, das wirst du“, sprach Nicholas dreist und grinste. Völlig gelassen pflanzte er sich wieder in seinen Sessel und beobachtete das Schauspiel. Link war so leicht aus der Fassung zu bringen, vor allem auf diese Weise. Nicholas schmunzelte verräterisch.

„Was ist daran so lustig!“, brüllte der junge Mann. Und es war dann, dass sein Fragment ganz sanft, in gleichmäßigem Takt, ahnend und prophetisch, zu pochen begann.

„Lustig daran ist, dass du dich benimmst wie ein unglaublicher, kleiner Trotzkopf“, erwiderte Nicholas amüsiert.

Links Lippen bebten daraufhin. Seine Fäuste waren angespannt und sein Gesicht rot wie das eines Stieres. Er wusste schon gar nicht mehr, was er noch sagen sollte.

„Wer hätte gedacht, dass der kühne Held der Zeit, den Dämonen fürchten, so ein quengelndes Baby ist.“

Und noch ehe die letzten Wörter des Satzes von Nicholas blassen, spröden Lippen kamen, schlug Link mit einem sich Luft machenden Schrei auf den Schreibtisch ein. Seine linke Hand donnerte gewaltvoll nieder vor lauter Frust und Ärger. Und gerade in dem Augenblick sprühten giftgrüne, schaurige Funken aus seiner Hand, tanzten erschreckend schnell in der Luft und spalteten mit einem monströsen Dröhnen das Möbelstück. Wie ein beißendes Schwert, das durch Knochen glitt und feine Ränder hinterließ, hatte Links unvorhersehbare, magische Attacke den Sekretär auseinandergerissen.

 

Dümmlich und mit den Augenbrauen ängstlich zuckend hockte Nicholas in seinem Sessel, hatte gerade so seine Beine wegziehen können, aber seine Hosenbeine waren an einigen Stellen mit kleinen Löchern geschmückt. Der Lehrer grinste und sprach nervös: „Ich frage mich gerade, wie ich das der Putzfrau erklären soll…“

Irritiert führte der Fünfzehnjährige seine linke Hand vor sein Gesicht und betrachtete sich das pochende Fragment des Mutes. Er wusste, dass es manchmal auf seine Stimmung reagierte, aber eine solche Attacke hatte er damit noch nie heraufbeschwören können. Geräuschvoll ließ sich Link wieder auf den Holzstuhl sinken und schaute betreten und entschuldigend zu dem zerfetzten Schreibtisch.

Nicholas hielt sich dann seine großen, leicht haarigen Hände an den Wanst und begann herzhaft zu lachen, erfreute sich an der geschockten Miene des Jungen und wusste nicht, ob er jemals ein dümmeres Gesicht als das von Link gerade eben gesehen hatte.

„Du hast das alles provoziert, nicht wahr?“, murmelte Link beschämt.

Dämlich dreinblickend wippte der Lehrer mit dem Kopf auf und ab und wischte sich sein dunkelbraunes Haar von den Augen. „Jap, das war ein Test von Undora… und anders kriege ich dich ja nicht zur Mitarbeit.“

„Wie willst du mich, bitte schön, mit Provokationen zur Mitarbeit bringen?“ Link verschränkte genervt und skeptisch seine Arme. „Ich habe vor lauter Wut dein Mobiliar zerfetzt…“ Nicholas schien deswegen jedoch nicht gerade bestürzt. Es schien, als interessierte ihn die magische Attacke kaum mehr. „Nun, das Triforce reagiert deutlich auf deine Gefühle, wie wir gerade gesehen haben. Die Magierin Undora meinte, ein Test diesbezüglich könnte dich zur Antwort bringen…“ Und Nicholas hatte noch ein As im Ärmel, er wusste, dass es ein Wesen in Hyrule gab, für das Link tiefe Empfindungen hegte und vielleicht war sie der Schlüssel, damit der Junge seine goldene Macht annahm.

„Ich habe immer noch nicht gesagt, dass ich das Fragment überhaupt auf diese Weise trainieren will“, entgegnete der junge Mann widerspenstig. „Ich weiß nicht, ob ich diese Zeit dafür investieren will.“

„Ach nein?“

„Nein.“

„Nun…“ Nicholas grübelte, bis er einmal mehr verräterisch grinste. „Kann ich dich vielleicht mit einem Gedanken an deine Prinzessin überzeugen? Wenn du nicht in der Lage bist das Schwert zu führen wie einst um ihr zur Seite zu stehen, wäre es nicht eine Gunst, löblich und erfüllend, für dich zu wissen, dass du sie in Zukunft mit deinem Fragment beschützen könntest, mit solchen Attacken wie gerade eben?“

Erst da fiel dem Jungen die Kinnlade herunter und er schaute belämmert drein. Das war, so musste der vergessene Heroe zugeben, ein Gedanke, der ihn nicht nur überzeugte, sondern beeindruckte. Seine tiefblauen Augen spazierten hinauf zur fleckenübersäten Decke und dann wieder in die grünlichgrau leuchtenden Augen seines Lehrers. Wenn er stark genug wäre Kräfte zu aktivieren, die nicht einmal Zelda mit ihrem Fragment hervorbringen konnte, dann… dann… Hätte Nicholas das nicht gleich sagen können?

„Gut, was soll ich tun?“, war Links kurze, schmerzlose Antwort. Und er hinterfragte nichts mehr.

Vor lauter Überraschung wäre Schwindler beinahe vom Stuhl gerutscht. „Nanu, das ging aber plötzlich schnell“, lachte er. Und dies bewies nicht nur Links plötzliche Einsatzbereitschaft. Die Tatsache, dass er sich auf einmal überzeugen ließ, machte deutlich, dass in ihm noch immer der Wunsch steckte Zelda zu beschützen…

Nicholas bat Link daraufhin sich im Schneidersitz auf den Boden zu setzen, außer Reichweite von weiteren Möbelstücken, die der junge Heroe sonst in Stücke hauen könnte. Auf einem rauen Bärenfell machte es Link sich bequem und wartete auf Anweisungen von Nicholas, der mit genug Sicherheitsabstand vor ihm saß.

Und diese Lektion, die Macht, die der junge Heroe nun in sich spüren und irgendwann auch verwenden können würde, war eine Lehre, die er niemals wieder verschmähen würde. Er würde reifen und wachsen an dem Wissen, das ihm der heilige Mut bereit war zu schenken. Eine Lektion für sein Leben.

Nicholas durchdringende, grünlich schillernde Augen blickten beschwichtigend in das stürmische Blau von Links mutigen Augen. Und aus dem Schreiben der Magierin zog jener eine Aufgabe, die auch ihn bereichern konnte. Macht war ein verteufeltes Werkzeug und es war dennoch besser als der Tod…

„Undora weist in dem Schreiben mehrere Aufgaben an, die dich dazu führen werden den heiligen Mut zu beherrschen, aber es mag ein sehr beschwerlicher Weg dorthin werden.“

Dass Einsatz von Magie keine Spielerei und möglicherweise gefährlich ist, wusste Link schon lange. Etwas ungeduldig wackelte er auf dem Pelz hin und her.

„Die Magierin sprach von drei Fähigkeiten, erst brauchst du diese, danach kannst du das Fragment wahrlich meistern.“

Link wedelte abtuend mit den Fingern. „Nun sag‘ schon, welche drei Fähigkeiten meint die Hexe?“

„Zügle deinen Tatendrang, Kleiner“, meinte der Lehrer. „Sonst machst du noch die Schule dem Erdboden gleich, und soweit wollen wir es ja nicht kommen lassen, oder?“ Nicholas lachte, trank genüsslich von einem Krug seinen Hylanortrank und wischte sich das Getränk mit einem Ärmel von den Lippen.

Link seufzte und meinte gelangweilt, aber einverstanden: „Na gut…“

Sorgfältig las der Lehrer noch einmal das Schriftstück von Undora und sah dann freudig erregt auf: „Also, hier steht es ja. Zunächst musst du mit dem Fragment Kontakt aufnehmen…“ Er erklärte die Worte langsam und zerfahren. „Zuerst musst du deine Sinne und deine Wahrnehmung schulen…“

„Meine Wahrnehmung schulen, für das Fragment, meinst du?“

Nicholas nickte zufrieden. „Ich vermute, du spürst die goldene Macht oft gar nicht, was?“

Einsichtig sah Link zu seinen im Schneidersitz verdrehten Beinen. Das war leider richtig. Es war sehr oft, dass der junge Held das Fragment kaum wahrnahm. Manchmal funkelte es, manchmal vibrierte es in der Hand, aber es gab auch Tage, wo er es völlig vergaß. Es erschien ihm oft, als hätte es einen eigenen Willen.

„Undora spricht von Schlüsselwörtern, die du brauchst um einen Zugang zu der Macht in dir freizulegen. Stell‘ es dir vor, wie eine Tür, durch die du gehen musst und dafür benötigst du einen Schlüssel.“

„Ein Schlüsselwort? Welches soll das sein?“, meinte Link widerwillig. Es war ja schön und gut, dass er mit dem Fragment eine Chance hatte Zelda erneut zu beschützen, aber wozu war das alles so kompliziert?

„Das Schlüsselwort musst du selbst finden, etwas, was dich das Fragment spüren lässt… etwas, das mit Mut verbunden ist, etwas, auf das du emotional reagierst, deshalb der Test vorhin.“

Link setzte seinen rechten Zeigefinger an das Kinn und starrte auf das blasse Fragment auf seinem linken Handrücken. Das war gar nicht so einfach herauszufinden, was ihm helfen könnte das Fragment besser wahrzunehmen.

„Denk‘ nach, Kleiner. Was ist Farores Macht? Und was ist verborgen in dem Fragment auf deiner Hand?“

Und in Links tiefblauen Augen konnte man sehen, dass er sich deutlich mit der Frage zu beschäftigen begann. Farores Macht… Ja, was war die Macht der Göttin des Mutes?

„Nayrus Macht… ist die Macht über die Gesetzte, symbolisiert Besonnenheit, Weisheit, das, was unsere Welt in Gestalt zusammenhält. Din… ihre Macht ist die Kraft der Zerstörung“, erklärte Link leise. „Und Farore… sie stellt das Leben dar, in völliger Harmonie, aber ihre Macht ist auch der Mut zum Wachstum… Reifung…“

„Ja, das ist es… weiter, Link… was verbindest du noch damit“, sprach Nicholas ruhiger und eine schleichende Faszination keimte in ihm. „Geh‘ tief in dich hinein, lass‘ dich führen… Was kannst du sehen? Was ist Farores Macht…“ Nicholas‘ tiefgefärbte Stimme schallte umher, flüsternd und hypnotisierend, als der tapfere Schüler seine Augen schloss.

„Farore… zeig‘ dem auserwählten Kind, das dein Behälter ist, was du ihm an Macht versprochen hast“, hauchte Nicholas, erschuf mit seinen Händen ein merkwürdiges Zeichen, grünlich leuchtend in der Luft, die einzige Magie, die er selbst anwenden konnte. Das Symbol eines Dreiecks tanzte in den Lüften, legte sich auf die Stirn des konzentrierten Jugendlichen und führte ihn in sein eigenes Verhängnis. Fasziniert beobachtete Nicholas, wie der Junge ihm gegenüber auf das Symbol reagierte, beobachtete wie er seinen Geist in die Hände der Schutzgöttin Farore legte.

Die Sekunden tickten zögerlich über das Ziffernblatt von Nicholas Wanduhr. Das Trommeln und tückische Klacken eines Minutenzeigers ließ die Welt stocken. Es tickte, hypnotisierend, es tickte, leise und bannend, es tickte, wie seit Jahrhunderten… Tick… Tack…

„Was kannst du sehen, Link?“

Und ganz schwach öffneten sich die blassrosa Lippen des Jungen für Worte, die er kaum wahrnahm. Seine Heldenstimme erklang zögerlich, aber auch bestimmend. „Dort ist das Entstehen… Reinheit… ein Wald am Anbeginn der Welt… Wörter in Holz geschnitzt…“

„Welche Worte stehen dort?“, fragte Nicholas und ahnte, dass der Junge eine Schwelle überschritten hatte, die er gehen musste um seine Antwort zu finden. 

„Ich kann sie nicht lesen… da sind Symbole… in vergessenem Hylianisch…“

„Was ist dort noch, in diesem Wald?“

„Dort ist das Wachstum von Blättern und Zweigen… Licht, das durch Baumkronen funkelt… opalartiges Gestein, schimmernd… eine Brücke aus diesem Gestein…“

„Und wo führt dich diese Brücke hin?“, murmelte Nicholas und war vielleicht noch verzauberter als Link selbst. Das mussten Erinnerungen sein, die irgendwo in einem Leben zuvor entstanden waren. Und vielleicht waren Gefühle an diese Bilder geknüpft mit denen der Held der Zeit einen Schlüssel zu seinem Fragment formen konnte.

„Ich weiß es nicht…“

„Konzentriere dich, wohin führt die Brücke? Wie sieht jene aus?“

Dem Schüler tropfte in dem Augenblick eine Schweißperle von der Stirn, und sein Körper schien sich gegen die Bilder zu wehren. Er zuckte mit Muskeln in seinem Gesicht. Seine Atmung ging tief.

„Es ist… eine kleine Brücke, gläsern wirkend… über einen Bach… dahinter ist etwas Vertrautes…“

„Geh‘ hinüber…“, sprach Schwindler sanft.

„Ich kann nicht…“, sprach Link und seine Stimme wurde weich und zittrig.

„Was hindert dich?“

„Etwas wartet dort… verlockend…“

„Was kann dir helfen über diese Brücke?“

Und gerade als Link die letzten Formeln aus dem neugierigen Mund seines Lehrers vernahm, er sich spürte, dort wo die Zeiten anders waren und die Welt uralt, dort wachte etwas, dort verweilte etwas, das sich anfühlte wie ein Heilzauber in seiner Seele. Dort war jemand, der ihn über diese Brücke begleiten konnte…

Gerade, als er sich traute, als er weiter gehen wollte in seinen eigenen Geist, platzte irgendwo in ihm der Faden. Mit einem Dröhnen fiel die Brücke in sich zusammen, begrub den Weg zu seinem Schicksal und die Welt in seinem Bewusstsein, mutig und rein, die Blätter und Zweige, die Schönheit der Natur, zerfielen zu Staub.

Erschrocken riss Link die Augen auf, atmete heftig und blinzelte mehrmals, suchend nach einer Erklärung für das, was er gerade gesehen hatte, spürte aber auch, dass da etwas war, was ihn blockierte. Orientierungslos sah er dem Lehrer Newhead in die undefinierbaren Augen.

„Ist alles in Ordnung, Kleiner?“, sprach Nicholas. „Zum Glück hast du nicht wieder irgendetwas in alle Einzelteile zerlegt.“ Er wirkte belustig und so gut gelaunt wie eh und je.

„Ich verstehe das nicht, was war das gerade eben?“

„Nun, das ist in etwa die Meditation der Farore, das, was im nächsten Semester gelehrt wird. Es ist die Suche nach dem eigenen Mut und das Entdecken der eigenen Ängste“, entgegnete Schwindler. „Jeder angehende Ritter muss diese Meditation meistern. Und da es sich gut eignet zum Training deines Fragments wäre das wohl deine erste Aufgabe. Du musst in deinem Bewusstsein etwas finden, dass dir helfen kann, Kontakt mit dem Fragment herzustellen. Und du solltest das in nächster Zeit des Öfteren trainieren.“

„Mehr nicht?“, murrte Link ungeduldig. „Das ist ja wohl nicht dein Ernst. Ich soll mich hinsetzen und in Trance gehen? Das soll mutig sein?“

Nicholas schaute dümmlich an die Decke, dann in Links erwartende Augen und schließlich nickte er mehrfach.

„Das kann’s ja wohl nicht sein.“

„Doch, das ist es, was Undora von dir erwartet. Erst musst du Kontakt herstellen.“

Verstört hüpfte Link auf seine zitternden Beine, erinnerte diese seltsamen Bilder und konnte sich aber überhaupt keinen Reim daraus machen. Irgendwie reichte ihm das nicht. „Angenommen ich schaffe den ersten Schritt und bin in der Lage das Fragment in mir zu spüren, was dann?“ Der Held der Zeit machte keine halben Sachen. Jetzt, da er damit begonnen hatte, würde er auch die restlichen Schritte schaffen wollen.

„Im nächsten Schritt musst du das Fragment sozusagen anzapfen, wie ein Fass, das man aufmacht. Und die Energielenkung lernen… aber das ist nicht einfach, sagte die Magierin. Und erst zuletzt erreichst du die Techniken, die das Fragment in sich birgt. Aber das erst später, ich denke, für heute ist es genug.“ Auch Nicholas trat auf die Beine, streckte sich und war verwundert über die fortgeschrittene Zeit. Gähnend und schläfrig schaute er auf seine Wanduhr.

„Nicholas… sag‘ mir, was hast du davon, dass ich lerne mit dem Fragment umzugehen?“

Der Lehrer leckte sich über seine trockenen Lippen und grinste tückisch. „Du wirst mir gegenüber doch nicht misstrauisch, oder?“ Er strich sich mit einer Hand über seine Brust.

Link zögerte kurz und schüttelte dann seinen Kopf. Nicholas war einer der wenigen, denen er vertraute. Und warum sollte Nicholas auch lügen?

„Link… du bist mittlerweile wie ein Sohn für mich, kurier‘ deine Wunden in den nächsten Tagen aus und übertreibe das Training nicht…“, meinte der Lehrer und seine undefinierbaren Augen funkelten eindringlich. „Sei‘ demnächst außerdem sehr vorsichtig. Und pass‘ auf, wem du vertraust.“ Noch ehe Link irgendwie auf diesen Satz reagieren konnte, schob der edelmütige Schwindler den Jungen aus dem Raum, schob die Holztür vor seiner Nase zu und ärgerte sich über seine eigene Rührseligkeit. Ja, er war mittlerweile im besten Alter um einen Sohn in die Welt zu setzen, eine Familie zu gründen. Und er musste einsehen, dass der Unterricht der jungen Ritter ihn auf dieses Bedürfnis hinwies. Es war eine Ehre für Nicholas hier zu arbeiten, die zukünftigen Kämpfer Hyrules auszubilden und wachsen zu sehen. Und manchmal dachte er daran, wie es wäre seinem eigenen Sohn das Fechten beizubringen. Nicholas Doomrent wollte Familie… und wollte diese gemeinsam mit der Frau, die das Bett mit seinem Todfeind Viktor teilte…

 
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