39. Kapitel
 

Kapitel 39: Helden im Kreuzfeuer

 

 

Wenige Tage verstrichen und das Ende des ersten Trimesters an der Ritterschule rückte näher. Link hatte versucht sich so unauffällig wie möglich zu verhalten und hatte nach wie vor kein Wort über den Angriff des Chadarkna verloren, obwohl einige Schüler ihn deswegen versucht hatten auszuquetschen. Der junge Held hoffte, dass die Vorkommnisse am Destiniatempel allmählich in Vergessenheit gerieten, immerhin wusste kaum einer, was wirklich geschehen war. Keiner vermutete, dass in verwinkelten, realitätsfernen Welten eine neue Gefahr drohte… niemand wusste diesen Umstand. Niemand außer Link… und jener musste sich erst klar werden, was er mit diesem Wissen in die Wege leiten sollte. Er konnte wohl kaum dem König davon berichten, ahnte er, dass er bei ihm auf keinem guten Zweig saß. Und warum auch sollte der König Hyrules ihm Glauben schenken? Und was Zelda anging… er wollte nicht einmal im Traum daran denken sie damit zu belasten…

Mit der meerblauen Okarina an den Lippen saß er gerade auf dem Dach der alten Ritterschule und musizierte eine erfundene Weise, die der aufgehenden Sonne huldigte. Die letzten Tage waren für ihn erfüllt gewesen von kurzen Nächten. Und er vermisste den Schlaf auch nicht. Und mit dem Schwert trainieren war in seinem gesundheitlichen Zustand keine Alternative, obwohl er dies seit dem Angriff des Chadarkna gerne tun würde…

Und so schallten die dumpfen Okarinaklänge über das alte Land Hyrule, wurden vom Wind hinfort geführt und vermischten sich mit Lauten der Natur…

Als er die Okarina absetzte und jene in seiner Hosentasche verschwinden ließ und zögerlich in Richtung einer Leiter an der schwarzgrauen Mauer trat, konnte Link für einen kurzen Augenblick in der düsteren Dämmerung in etwa drei, vier Schatten ausmachen, die hastig in Richtung eines heruntergekommenen Schuppens an der Rückseite der Schule traten. Im Schutze des Halbdunkels bewegten sich die Gestalten vorwärts, lautlos, auf schnellen Füßen in ein scheinbares Versteck hetzend. Die kleine Holzhütte, hinter welcher die wenigen Punkte wie Stecknadelköpfe in einer Stickerei wirkend, verschwanden, wurde kaum genutzt. Link wusste nur, dass dort Harken, Schaufeln und Besen für die Gartenarbeit untergebracht waren. Und es war höchst ungewöhnlich, dass jemand um diese Uhrzeit dort herumschlich. Nicht sicher, ob die wenigen Schatten tatsächlich Ritterschüler oder Mädchen der nahen Schule waren, kletterte Link die Mauer hinab und überlegte zögerlich, ob er dem auf den Grund gehen sollte.

Mit der zunehmenden Morgendämmerung, die wie ein goldener Morgen in einer kalten Welt der Tränen über das Land zog, tapste Link durch den Innenhof, schlich vorbei am Brunnen, trat im Schatten der Gebäude an den Soldaten vorbei, die über die morgendliche Kälte wetterten und huschte unauffällig in Richtung eines Hinterhofs, ganz nahe dem Bereich, wo die Außenduschen angebracht waren. Er fand die Hütte, deren morsche Holzbalken von der aufgehenden Sonne mit flammendem Rot bemalt wurden, völlig leer vor. Keine Seele schien hier anwesend zu sein. Kein trügerisches Geräusch zerstörte die Stille. Mit Engelsgeduld untersuchte der junge Held die Umgebung, fand kraklige, nicht von Menschenfüßen stammende Fußspuren im nassen Schneematsch und sah sorgenvoll auf. Es war, wie er vermutet hatte. Und er erinnerte sich an die Vorkommnisse vor wenigen Wochen, als ein Moblininsekt in seinem und Wills Zimmer herumgeschlichen war. Irgendwelche Kreaturen, die vielleicht einen grausigen Zweck verfolgten, spionierten in den Nächten die Schule aus und nutzen Pfade, die kaum einem Hylianer bekannt sein konnten. Die Kreaturen der Finsternis beobachteten genau, was an der Schule vor sich ging und vielleicht waren der Mord an dem Hausmeister Hopfdingen und der Angriff der Blutschatten auf der Steppe nicht die letzten erschreckenden Ereignisse im Umkreis der Schule.

 

In seine Gedanken versunken bemerkte der junge Heroe, dessen Hände und Nase mittlerweile rotgefroren waren, nicht die Gestalt, die sich durch den Matsch auf ihn zubewegte. Ihm blieb beinahe das Herz stehen, als sich eine in raue Lederhandschuhe gepackte Hand fest auf seine rechte Schulter legte. Eine unbekannte Stimme erklang belehrend: „Hey, Bürschchen. Es ist den Schülern untersagt ohne Aufsicht hier herum zu schleichen.“

Erschrocken wirbelte Link herum und amtete erleichtert auf, als er einen hylianischen Soldaten vor sich stehen sah. Es war ein kleiner Mann, sogar kleiner als der junge Heroe selbst, aber seine energische, kraftvolle Stimme hatte Link völlig aus dem Konzept gebracht. Er war in eine einfache Rüstung gesteckt worden. Aber weder der halb verbeulte Helm, noch das Gesicht des Mannes interessierten Link. Es war eher der Brustpanzer, der seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Das Wappen der hylianischen Königsfamilie, das auf seinem breiten, silberfunkelndem Brustpanzer aufgemalt war, schien den jungen mit einer eigenartigen Lebendigkeit anzustarren. Erst dann blickte Link dem Mann in die wachen Augen. Und als er dies tat, stieß jener seinen Speer, der in seiner rechten Hand wie Bronze funkelte, in den kalten Matsch.

„Junge“, sprach er warnend. „Deine Lehrer würden es nicht gut heißen, wenn du dich gegen die neue Hausordnung der Schule stellst und tust, was dir beliebt.“ Er klang ausgesprochen erfreut, dass er zumindest diese Befehlsgewalt besaß und deutete mit einer Hand zurück zu dem Schulgebäude. „Begib‘ dich in die Schule, Bursche. Beim nächsten Mal lass‘ ich Sir Viktor wissen, dass du gegen die Hausordnung verstößt.“

Und als Link verstand, dass jener Kerl wohl zu gerne auf das Wort des Direktors hörte, zuckte der Schüler kurz mit den Schultern und spielte das Spielchen mit. Es war nicht hilfreich, wenn er sich einmal mehr querstellte und seinem Hitzkopf freie Bahn ließ, obwohl er diesem Kasper nur zu gerne etwas Passendes entgegnet hätte. Aber Link bremste sich, hörte die warnende Stimme von Nicholas, die zu ihm sprach: ,Verhalte dich unauffällig…‘ Und er hatte Recht.

Mit einem Nicken und wissend, er konnte dem Wachpersonal kaum von seiner Beobachtung erzählen, trat Link zurück in den Innenhof, wo die ersten Lichter der unzähligen Öllampen und Kerzen in den Fenstern Lichtspiele verursachten. Die beiden Schulen erwachten aus dem Schlaf und der Unterricht würde bald beginnen. Zielsicher tapste Link durch den Schneematsch im Innenhof, spürte eine unangenehme Brise eisiger Luft durch seine Glieder toben und stolperte zum Haupteingang…

 

Auch in der Aula der Schule waren bereits Dutzende Lichter entfacht, die wie ein leidenschaftliches, glimmendhelles Meer aus flüssigem Sonnenschein die vergilbten Säulen, die von hier aus ein Teil des Bauwerks stützten, anstrahlten. Und die tanzenden Lichtspiele schienen groteske Fratzen an die mit funkelnden Steinen besetzte Wände zu zimmern, die dann ihre Schatten über den Boden, zu dem Empfangsbereich, über den riesigen Kamin, bis zu den auseinanderlaufenden Treppen schickten. Der Ritterschüler steuerte in der noch leeren Aula die Treppenstufen an und wollte sich in sein Zimmer begeben, als er an einem großen Brett vorübertrat, wo Ankündigungen, wichtige Neuigkeiten und andere Dinge angeheftet waren. Auch sein Aufsatz über Arn Fearlesst war noch dort angebracht. Mit Melancholie las Link die Worte erneut.

Und das erste Mal, seitdem er diese Worte gefunden und niedergeschrieben hatte, klangen sie für ihn nach Abschied, als haftete der Tod an ihnen. „Er war ein Fearlesst, einer eines alten edelmütigen Geschlechts, das sich Ängsten und Dämonen stellte. Er war Arn Fearlesst, ein Familienvater, ein Ehemann, und ein Held.“ Es erschien dem vergessenen Heroen beinahe, als waren jene Worte in das Ewigengestein, so nannte man in Hyrule jenen feinen granitartigen Geröll, den man für die Gräber verwendete, eingemeißelt worden. Und die Gräber in Hyrule waren oft geformt wie ein Gegenstand, den der Verstorbene im Leben am meisten wertschätzte. Bei Rittern war die Form des Grabmals häufig ein Schwert. Ja, dachte Link. Diese Worte erinnerten ihn an das, was auf einem Grabstein stehen sollte…

Plötzlich nahm er ein paar schlürfende Schritte wahr und roch ein starkes, nach See riechendes Öl und blickte verwundert um sich. Ein Schüler der höheren Jahrgangsstufe mit dunklem Haar wie Rabenfedern, trat zu ihm heran und musterte ihn sehr eindringlich. Link kannte den jungen Mann kaum, wusste nur, dass er einige Jahr über ihm war und manchmal mit Ian herumhing. Er hatte Schlamm an seinen Stiefeln, was vermuten ließ, dass er sich ebenfalls außerhalb aufgehalten hatte, und er stank regelrecht nach seinem Parfum.

„Guten Morgen“, sprach er und knackte mit seinen Gelenken. Er schien seinen Nacken halb zu verdrehen, bis er Link mit seinen schmalen Augen musterte.

„Morgen“, brummte Link unbeholfen und wusste nicht, was jener Schüler von ihm wollte. Andererseits, so hatten ihn einige Mitstreiter wegen des Vorfalls am Destiniatempel versucht auszufragen. Vielleicht hatte dieser Ritterschüler ähnliche Absichten. Link blickte zu seinen Stiefeln und hoffte, der junge Ritter ließ ihn in Ruhe, aber jener heftete seine Augen ebenfalls an das große Verkündigungsbrett.

„Du hast diesen Aufsatz über Arn Fearlesst geschrieben, nicht wahr?“, fragte der junge Mann mit einer Stimme, die kaum geheimnisvoller sein konnte. Er lispelte ein wenig, sprach beinahe unsicher, was nicht zu seiner großen Statur passte. Erst jetzt bemerkte Link, dass sein Gegenüber einen Tick hatte und oft ungewollt mit dem Kopf zuckte.

„Ja, es ist mein Aufsatz“, sprach Link und wollte höflich bleiben, auch wenn er kein Interesse an diesem Gespräch und wenig Verlangen nach neuen Freundschaften hatte.

„Das heißt, du bist Link, der Junge, über den sich die ganze Schule das Maul zerreißt?“, sprach sein Gegenüber, worauf der vergessene Heroe ihn nun doch interessiert und neugierig musterte. Es war für ihn etwas verwunderlich, dass dieser Ritterschüler scheinbar noch nicht wusste, wer er war, wo doch die ganze Schule über ihn redete.

„Ich habe nicht darum gebeten in Farores Licht zu stehen…“, murmelte Link, worauf der andere Schüler lachte. „Das kann ich irgendwie nachvollziehen.“ Dann endlich reichte der junge Mann dem Heroen eine mit Narben übersäte Hand. „Mein Name ist Kieran von Irien.“ Link nahm die Hand entgegen, verwundert wie eiskalt diese war. „Du bist mir an der Schule noch gar nicht aufgefallen“, meinte Link dann eher zu sich selbst als zu dem Burschen.

„Ich halte mich eher im Hintergrund“, sprach Kieran leise und schien dafür vielleicht auch einen guten Grund zu haben. Dann lächelte er wie ein kleines Kind, als seine schmalen, glasigen Augen über den Aufsatz wanderten. Sein aus brauner, glänzender Haut bestehendes Gesicht wirkte mit einem Schlag anmutig und kindlich, als eine alte Freude in seinen Geist drang. „Das ist ein sehr schönes Stück Schriftkunst… es rührt Herzen zum Schmelzen…“, meinte er bewundernd und schien gefesselt.

„Warum interessierst du dich so sehr für diesen Aufsatz“, sprach Link, nun doch erpicht. Er strich sich sein blondes Haar von der Stirn, das ihn allmählich störte. Er würde es sich bald schneiden müssen. 

Kieran verschränkte die Arme. „Ich bin verwundert, dass jemand etwas über Arn Fearlesst schreibt, wo es doch schon lange her ist, dass er für den damaligen König gestorben ist.“

Sofort hatte Link irgendwie das Bedürfnis sich zu rechtfertigen. „Es war ein Auftrag in Newheads Unterricht und ich wusste nicht, über wen ich sonst schreiben sollte.“

„Du meinst, das ist alles, warum du diesen Aufsatz geschrieben hast und dann noch mit so viel Gefühl, fast so, als warst es nicht du, der den Aufsatz schreiben musste.“

„Was willst du damit andeuten?“ Skeptisch hob Link eine sandgelbe Augenbraue. Unterstellte ihm Kieran jetzt, dass er gemogelt und den Aufsatz nicht selbst verfasst hatte?

„Mmh“, seufzte er. „Nicht das, was du denkst.“ Und aus Nervosität zitterte Kierans Kopf etwas stärker. „Du solltest dich fragen, warum du diesen Aufsatz geschrieben hast.“

„Wozu? Arn Fearlesst ist ein Vorbild für viele Ritterschüler gewesen“, rechtfertigte sich Link und wusste nicht, warum er mit Kieran darüber diskutierte. Dieses Gespräch war eigenartig und dieser vielleicht siebzehn Jahre alte Bursche war noch eigenartiger. „Und mein Auftrag war es über berühmte Leute in Hyrule zu schreiben.“

„Warum hast du dann nicht den Helden der Zeit genommen, der ist noch berühmter als Arn Fearlesst“, entgegnete Kieran flach und konnte seine Augen noch immer nicht von dem Aufsatz abwenden. Er wirkte völlig rührselig und eine wundersame Form von Traurigkeit wuchs in seinen Augen mit schimmernden Tränen.

Link schnaubte entrüstet. Dieses Gespräch war irgendwie ermüdend. Er konnte Kieran ja wohl kaum erzählen, dass er keine Lust hatte über sich selbst zu schreiben. Erneut musterte der blonde Heroe sein Gegenüber und erst dann, wo er deutlich wahrnehmen konnte, das Kieran in Trauer war, kam ihm ein weiterer Gedanke. Hatte Kieran vielleicht Arn Fearlesst als Vorbild?

Zum zweiten Mal stellte der Held folgende Frage: „Sag‘ mir, warum interessiert dich dieser Aufsatz so brennend?“

Aber Kieran lächelte nur wieder. „Wusstest du, dass Arn Fearlesst sich um Waisenkinder gekümmert hat, er hat einige Kinder finanziert und unterstützt.“

„Ja, das hatte ich irgendwo gelesen“, erwiderte Link mit einem enttäuschten Seufzen. „Das beantwortet aber nicht meine Frage.“

„Nicht direkt, was?“, lachte Kieran amüsiert. Aber dann verstummte er wieder schlagartig, als habe man ihm das Lachen verboten. „Wusstest du, dass Arn die Meditation der Farore besser beherrschte als irgendjemand in Hyrules Geschichte.“

Aber auch das beantwortete Links Frage kaum. Mittlerweile war er von dem Gespräch genervt und blickte wieder zu Boden. Erneut fielen ihm die mit Schneematsch besudelten Stiefel seines Gegenübers auf, aber diesmal fragte er sich, was Kieran in der Früh draußen gemacht haben könnte.

„Warum erzählst du mir das überhaupt?“, brummte Link und bemühte sich nicht zu gähnen. Es langweilte ihn mittlerweile dem rabenschwarzhaarigen Schüler an den Lippen zu kleben.

„Tja, warum wohl…“, sprach er kühn. Und mit seinen Worten strich er seinen rabenschwarzen Haaransatz zur Seite und deutete auf eine große Fläche narbiger Haut auf seiner Stirn. „Ich habe viele Gründe, dir das zu erzählen…“

Irritiert betrachtete sich Link die vernarbte Haut und endlich schien es Kieran geschafft zu haben seine Neugier zu wecken. „Was hast du dort gemacht?“, erwiderte er mit Mitgefühl.

„Das ist eine lange Geschichte… du solltest wissen… dass Arn Fearlesst einen Chadarkna getötet haben soll… Er war wohl der einzige, der wusste, wie man diese Biester zur Strecke bringt…“, sprach Kieran mitleidig und wand sich um seine Achse.

Doch diese Worte musste Link erst einmal verkraften. Geschockt brachte er zunächst kein Wort über seine blassrosa Lippen. Er wusste noch nicht, was er sagen wollte, als er Kieran eine Hand auf die knochige Schulter legte. „Warte!“, sprach Link laut und eindringlich. „Nochmal… Wozu erzählst du mir das?“ Mehr als diese Frage brachte Link vor Erstaunen und plötzlicher Nervosität nicht aus dem Mund.

„Ja, wozu wohl…“, sprach Kieran geheimnistuerisch.

„Lass‘ dieses Theater“, warnte Link dann. Seine Stimme schwoll an, genauso wie er sie gegenüber einem Feind erheben würde. „Ich halte nichts von solchen Spielchen. Wenn du mir etwas zu sagen hast, dann sag‘ es mir frei ins Gesicht.“

„Nein, wohl kaum…“, murmelte Kieran leise. Gerade da waren Schritte hörbar und die ersten wachen Ritterschüler traten von den Stockwerken hinab in Richtung der Aula, um schließlich im Speisesaal zu verschwinden.

„Aber…“ Und mit einem Grinsen, verschlagen, beinah unecht und gekünstelt, als wäre der junge Bursche nur eine Puppe, drehte er sich wieder um. Dennoch leuchtete in seinen gelben Augen eine Welle der Hoffnung. „… ich möchte dir noch sagen, dass Arn Fearlesst sehr wohl ein wunderbarer Mann war. Ich habe nicht wirklich etwas mit den Fearlesst zu tun, aber ich wurde für einige Wochen von ihm aufgenommen, als meine Eltern ermordet wurden. Ich kann mich nicht wirklich erinnern, dennoch bin ich ihm sehr dankbar…“  

Link verstummte daraufhin und sah Kieran von Irien mit seinen schlammbesudelten Schuhen die Treppen hinauf stapfen.

Für einen kurzen Augenblick, eine irritierende Erschöpfung spürend, lehnte sich der vergessene Heroe mit dem Rücken an die Wand. Er fühlte sich plötzlich äußerst unwohl in seiner Haut, ahnte, dass viel mehr Wesen in das verwickelt waren, was in Hyrule vor sich ging, als er es sich vorstellen konnte. Und die Informationen von Kieran brannten ihm ein wenig auf der Seele. Denn das alles bedeutete wahrhaft nichts Gutes…

 

Wenig später befand sich Link mit seinem Zimmergenossen, den anderen Drittklässlern und sowohl jüngeren als auch älteren Ritteranwärtern im Speisesaal, wo ein wildes Durcheinander von lärmenden Diskussionen und lästiges Getratsche herrschte. Sonnenstrahlen funkelten in dem Speisesaal von außerhalb herein und erhellten den Raum zusätzlich zu den Dutzenden glimmenden großen Öllampen, die an den Wänden angebracht waren. Die stramme Köchin der Schule mit ihrer weißen Kochhaube auf dem runden Kopf brachte immer wieder dampfende Quarkröllchen, Triforceplätzchen und süße Aufläufe herein, wovon die Jugendlichen kaum genug bekommen konnten. Das Fest zu Ehren der Göttin Nayru rückte näher und da war es Tradition, dass leckere, süße Speisen serviert wurden. Und heute war einer der letzten Tage, bevor die Schule für die kälteste und schneereichste Zeit des Jahres geschlossen wurde.

Mit einem unguten Gefühl und irgendwie ohne Appetit saß Link auf seinem Platz an der Tafel neben William Laundry und kaute freudlos auf einem Zoralakritzentaler herum. Er starrte ins Nirgendwo, zumindest wirkte es so, denn seine meerblauen Augen hafteten seit mehreren Minuten auf der mit frischen Flecken betünchten Tischdecke. Er seufzte und stützte schließlich seinen Kopf an einer Hand ab.

„Irgendwie komisch, dass du keinen Appetit hast“, sprach Will mit seiner tiefen Laundrystimme und schaute den einstigen Helden der Zeit überprüfend an. „Du wirst nicht schon wieder krank, oder?“

Link zwinkerte darauf. Erneut überfiel ihn sein nunmehr bester Kumpel mit seiner Fürsorge. Der blonde Heroe wollte zunächst schnippisch darauf antworten, aber auch hier bremste er sich, wollte nicht aus der Haut fahren, zumal er Will einige Antworten bezüglich des Dämonenangriffs schuldete und weil es der Laundry garantiert nicht böse meinte.

„Nein“, sprach Link klar und richtete sich auf. „Ich habe schlichtweg keinen Hunger.“

„Dass ich das noch erlebe“, lachte Will, worauf weitere Schüler an der Tafel aufsahen. Sein Lachen war herzlich und fröhlich. Es tat gut und steckte an. „Ausgerechnet Link, einer der größten Vielfraße im Umkreis, hat keinen Hunger.“ Weitere Schüler sahen auf. Mittlerweile war es an der Schule Gang und Gebe, dass, wenn der Name Link fiel, alle von ihren momentanen Tätigkeiten abließen. Nur die wenigsten schienen kein Interesse an dem zu haben, was der ansehnliche Kämpfer trieb. Und sofort ruhten Dutzende Augen auf ihm.

Mit einem scharfen und sarkastischen Blick, der seinen Zweck erfüllte, dankte Link seinem Kumpel auf ironische Weise für die Aufmerksamkeit und bedeckte sein rot anlaufendes Gesicht mit einer Hand.

„Bei Farore, Link, seit Tagen versuchen wir Infos über den Angriff aus dir herauszuquetschen und immer sind wir bei dir auf Granit gestoßen“, begann Artus McDawn, der schräg gegenüber saß, und strich seine goldenen Locken nach hinten, die verspielt über seine schmale Brust fielen. Er sah frisch und gesund aus, bekleidet mit einer samtenen schwarzen Tunika über einem neuen kupferfarbenen Kettenhemd. „Es ist doch kein Wunder, dass die Leute dich neugierig mustern, wenn du keinem mitteilst, was passiert ist.“

Auch der beinah kahl geschorene Robin Sorman, der neben Will saß, stimmte mit ein: „Ja, das Problem ist nämlich, wenn du nichts erklärst, wird keiner aufhören dir misstrauisch oder tuschelnd zu begegnen, und die Leute werden dir noch mehr unterstellen.“

Link schluckte verdattert die Spucke in seinem Hals herunter und bekam einen roten Kopf. Er verstand die Logik dahinter. Aber so einfach war es schließlich nicht. „Und was bitte schön wird mir unterstellt?“ Er versuchte sich herauszureden, was nicht funktionierte. In menschlicher Kommunikation war er nie wirklich gut gewesen. Schon damals in Kokiri nicht. Nur in der alternativen Zeit hatte er gelernt zu argumentieren, aber auch nicht so, wie es ihm in vielen Situationen von Nutzen wäre. „Ihr tut gerade so, als wäre das, was ich getan habe, frevelhaft und furchtbar…“, ergänzte er mürrisch. 

„Ganz im Gegenteil. Deine selbstlose Tat alleine und auf eigene Faust Dämonen von der Schule wegzulocken, ist gigantisch, und wirft gerade aus diesem Grund einige Fragen auf…“, meinte Artus erneut. Mehrere Drittklässler am Tisch begannen sich an der Diskussion zu beteiligen, lauschten gespannt.

„Welche Fragen?“, meinte Link stur und schaute dann von einem zum anderen. Neben Artus und Robin saßen noch andere Schüler, mit denen Link einige Fächer besuchte. Darunter waren Deyan Boldar, ein dicker kleinwüchsiger Hylianer, dessen Familie viele Ländereien besaß und der immer mit dem anderen Zwerg Sepreain Gmeindal, dessen Schwester den älteren Bruder Deyans ehelichte, herumhing. Diese beiden Familien hatten immer wieder in die andere eingeheiratet und beinahe könnte man sagen, dass sich Sepreain und Deyan wie ein Ei dem anderen glichen. Beide hatten sie Augen, die dicht in den Höhlen lagen, beide besaßen gekräuselte braune Locken. Und auch diese beiden hatten seit einigen Tagen unangenehme Fragen gestellt.

Artus schüttelte mit dem hübschen Kopf, sodass seine blonden Locken an ihm baumelten wie goldene Blätter an einem Baum im Sturm. „Link, glaubst du wirklich, ich kaufe dir deine schauspielerische Leistung ab, als ob du nicht ganz genau wüsstest, welche Fragen dein Verhalten aufwirft“, lachte der McDawn und trank von seinem Kelch frisches Wasser, spülte seine Worte herunter.

„Nun rück‘ halt endlich raus damit, was am Tempel passiert ist. Irgendwann weiß es eh jeder an der Schule“, murrte Robin Sorman und lehnte sich zufrieden über seinen gefüllten Magen zurück. Er streichelte über sein dunkles Wams und hielt sich den Bauch. „Mann, ich habe zu viele von diesen Triforceplätzchen verschlungen.“

Link biss sich auf die Lippen, spürte weitere Blicke in seinem Nacken und verkrampfte sich auf seinem Sitz. Er ahnte, was nun kam, man würde ihn fragen, woher er den Mut nahm sich einer solchen Gefahr zu stellen. Man würde ihm weitere unangenehme Fragen stellen, seinen Kopf ausweiden, als wären darin Rubine versteckt. Und vielleicht würde ihn am Ende jemand darauf ansprechen, ob er der Held der Zeit war…

„Ich werde zu den Vorfällen am Tempel nichts sagen“, sprach Link nach einer Pause der Stille. Seine Aussage mochte kühl und leer klingen, aber etwas anderes würde seine Lippen kaum verlassen.

„Du bist vielleicht ein Sturkopf“, brummte Robin. „Was ist denn überhaupt dein Problem? Wir sind eine Gemeinschaft von Ritterschülern, wir zählen aufeinander und die meisten von uns würden dem anderen unser Leben anvertrauen. Schließlich sind wir nicht umsonst an einer Ritterschule.“

„Gut gesprochen, Robin“, sprach Deyan, der Hylianer, der doch aussah wie ein Zwerg, und mischte sich in die Diskussion ein.

„Das will ich doch gehofft haben“, lachte der Frauenheld Sorman und wischte sich mit einer Serviette Essensreste von seinem breiten Mund. Er hatte volle Lippen, vielleicht war es das, was die Mädchen beim Küssen an ihm so toll fanden…

„Jedenfalls bedeutet dein Schweigen, dass du etwas zu verbergen hast, Link“, meinte Artus erneut und fuchtelte belehrend mit seinem rechten Zeigefinger. „Und darüber zerreißen sich die Jungs alle die Mäuler.“

„Was sollte ich zu verbergen haben“, murrte Link und ließ es nun darauf ankommen. Er warf seinen Mitschülern herausfordernde Blicke zu. In seinen tiefblauen Augen schien ein reißendes, starkes Meer mit gewaltiger Strömung eine Küste wegzureißen. Sein Verstand war scharf und vorbereitet.

„Nun“, meinte Sepreain mit einer hellen, zerbrechlich wirkenden Stimme, die kaum zu seinem Erscheinungsbild passte. „Es gibt da einige Leute, die behaupten, dein Kampf gegen die Moblins wäre bloß eine Lügengeschichte. Das ist für manche ein Grund dir zu misstrauen und über dich herzuziehen.“

William schüttelte auf diese Worte den Kopf und brachte aufgeregt hervor: „Das ist jawohl eine Frechheit.“ Er war sichtlich verärgert wegen dieser Anschuldigung. Seine grünen Augen funkelten wie Gift. „Soll sich Link selbst so zugerichtet haben, dass er beinahe gestorben wäre?“

„Tja“, gluckste Sepreain, zermalmte Mürbeteig mit seinen schiefen, gelben Zähnen. „Das mag ein Argument sein, aber solange Link ein Geheimnis aus dieser Geschichte macht, wird es auch fiese Lästereien geben.“

„Und was sollte ich davon haben mir eine derartige Geschichte auszudenken?“, begann Link sich zu rechtfertigen.

„Ganz einfach, du willst im Rampenlicht stehen, deshalb hast du auch vor einigen Wochen Viktor fertig gemacht.“

Daraufhin schlug Link mit seinem Schwertarm auf den Tisch, sodass es krachte, die Teller und Schüsseln darauf wackelten und selbst am Ende der Tafel einige Gläser umfielen. „Das ist ja ungeheuerlich!“, schimpfte der vergessene Heroe. „Als ob es so schwer ist Viktor vorzuführen! Hätte nur einer von euch mal den Mund aufgemacht und Viktor gezeigt, was er für ein lahmer Schwertkämpfer ist, hätte ich es nicht tun müssen!“

Alle bei Tisch wichen plötzlich zurück und warfen erneut misstrauische Blicke in Links Richtung. Und für jenen wurde diese Situation immer unerträglicher. Er fühlte sich wie im Kreuzfeuer oder auf einer Anklagebank. Gerade das hatte er versucht zu vermeiden. Er konnte sich kaum erheben und klarstellen, dass er der Held der Zeit war. Wer sollte ihm das in seinem erbärmlich schwachen Zustand abkaufen? Sollte er sein Triforcefragment des Mutes in die Höhe recken, seinen goldenen Schein wie einen Schirm über die ungläubigen Schüler spannen, würde man vielleicht noch denken, er habe es sich erschlichen oder gestohlen.

„Das ist der nächste Punkt, den einige von uns nicht verstehen“, sprach nun Deyan mit einer Stimme wie ein Brummbär. „Da fängt das dritte Jahr für einige von uns an der Schule an und ein neuer Ritterschüler, von dem niemand vorher etwas gehört hat, kommt hierher, kämpft mit einem Talent, das kein anderer vorweisen kann, hat keinen bedeutenden Namen und beweist uns allen, was wir für Feiglinge sind. Wer soll da nicht misstrauisch werden?“ Und auf diese Worte hin brabbelten plötzlich alle am Tisch zustimmend. Ein wildes Diskutieren brach los und alle stimmten dem Boldarjungen zu.

Link spürte, wie sein Puls in die Höhe schoss und er anfing zu schwitzen. ,Toll‘, du Held, tadelte er sich in Gedanken. Wollte er nicht eigentlich unauffällig bleiben? Und nun sah er ein, dass seine Handlungen schreckliche Konsequenzen hatten. Gerade davor hatte Nicholas ihn gewarnt. Auch Orson hatte ihm dazu geraten, seine Fähigkeiten zu verbergen und was war passiert? Er hatte mit seiner Anwesenheit die gesamte Ritterschule auf den Kopf gestellt.

„Hinzu kommt, dass dann ausgerechnet dieser Kerl mutig genug ist ein halbes Dämonenheer von der Schule wegzulocken und ihm diese ganzen Biester, ausgerüstet mit tödlichen Waffen und vernichtenden Zaubersprüchen, folgen!“, schallte die klare Stimme von Artus durch die mittlerweile tobende Menge. „Ich will dich nicht angreifen mit meinen Worten, Link, und ich bin dir für diese Tat unendlich dankbar, auch weil du damit die Damen an der Benimmschule geschützt hast. Aber wer soll glauben, dass diese fünfzig Mann starke Brut des Bösen hinter einem einzelnen Schüler her donnert, als ob zehn von denen nicht genug sind um jenen zu töten? Es muss einen Grund geben, warum die Moblins dich unter der Erde wissen wollen!“

„Dann wisst ihr doch eh schon, was passiert ist“, pflaumte Link grantig umher und versuchte von dieser Frage abzulenken. „Seid ihr dann fertig mit dieser sinnlosen, nervtötenden Leier?“ Er wollte sich nicht länger in den Mittelpunkt dieser entehrenden Diskussion rücken lassen, wollte nur seine Ruhe. In Gedanken betete er zu seiner Schutzgöttin, sie möge irgendetwas passieren lassen, dass die Schüler Ruhe gaben. 

Hilflos blickte er in Wills smaragdgrüne Augen und hoffte, der Laundry würde ihm helfen sich hier herauszureden. Aber Will schüttelte bloß den Kopf, was ihm unwillkürlich klar machte, dass auch er auf entsprechende Erklärungen wartete.

Jetzt saß Link in der Falle…

Und während die Leute lautstark über den mutigen jungen Mann redeten, der sich seiner Fehler bewusst wurde, hatte er für einen Moment das Gefühl, sein Versteckspiel war nun endgültig vorbei. Und es kam in seinen Gehirnwindungen noch schlimmer. Was wäre, wenn dadurch, dass sein wahrer Titel ,Held der Zeit‘ ans Licht kam, es ihm nicht mehr gestattet war, hier zu lernen? Weitere unsinnige Gedanken erschufen sich in seinem Kopf. Wie würde Zelda, die ohnehin von ihm enttäuscht war, darauf reagieren?

 

Und es war dann, dass sich der vergessene Held erhob. Und auf welche elegante Weise er sich aufrichtete. Edel wie ein König ragte seine Entschlossenheit über die Köpfe der Schüler hinweg. Mit einem scharfen Blick kam er auf seine Beine und plötzlich schwiegen alle. Selbst diejenigen, die aßen, trauten sich nicht mehr zu kauen. Und dann begann Link zu reden und schien mit seinen Worten zu wachsen. „Hat einer von euch jemals soweit gedacht, dass ich schlichtweg niemandem sagen kann, was am Destiniatempel passiert ist?“, rief er in die Menge. „Glaubt ihr, das würde euch irgendetwas einbringen oder nützen?“ Er machte eine kurze Pause und seine tiefblauen Augen funkelten eindringlich in das Gesicht von jedem Ritterschüler, der ihn musterte. „Wer von euch war jemals einer wirklichen Gefahr ausgesetzt? Wer von euch hat schon einmal gegen Dämonen gekämpft?“

Als sich keiner traute etwas zu sagen, sprach der einstige Held der Zeit einige an. „Was ist mit dir, Artus!“ Doch jener schüttelte den Kopf. „Und du, Robin?“ Und wieder kam nichts weiter als ein Kopfschütteln.

„Kaum einer von euch weiß, wie es ist einem Dämon den Kopf abzuschlagen oder verfilzte Gedärme aus dem Bauch zu reißen!“, sprach er donnernd und der gesamte Saal schwieg. Man hätte die Zeit persönlich ticken hören können, wenn man sich bemühte. „Und da glaubt ihr ein Mann, der das erlebt, hat Lust darüber zu reden?“ Links Stimme wurde immer energischer und er stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch. „Hat von euch denn keiner so viel Verständnis und Einsicht, dass es besser für euer Leben ist, wenn ihr nicht alles wisst! Dämonen kennen keine Gnade. Dämonen räuchern jedes kleine Nest nach Informationen aus um Hylianer bluten zu lassen. Wenn ihr zu viel wisst, bringt euch das mit jedem Schritt näher zu eurem Grab.“ Link nahm einen tiefen, heftigen Atemzug, schloss sinnierend die Augen und konnte kaum glauben, dass er das tat. Aber eine andere Wahl als laut zu sprechen hatte er nicht. Geräuschvoll ließ er sich wieder auf seinen Platz sinken und vergrub das Gesicht in beiden Händen. Warum konnten die Leute nicht verstehen, dass er nichts Abartiges im Sinn hatte, er wollte diese ehrvollen Hylianer, und die meisten hier waren gute Seelen, doch nur schützen.

Eine unangenehme Stille schlich sich durch den Raum, wirkte beinahe gespenstisch. Und zumindest einige Schüler waren durch Links ehrenvolle Worte mildtätig und geduldig gestimmt worden. Es schien wie, als hätten Links einschneidenden Worte die Menge geteilt. Einige schwiegen, fühlten sich beschämt. So wie der McDawn, der ein leises ,Sorry‘ über seine Lippen gleiten ließ; oder auch Will, der betreten zu seinem halbgefüllten Teller schaute und den Appetit verloren hatte.

Aber ein anderer Teil der Menge war mit Links Aussage nicht zufrieden. Für Sepreain und Deyan waren Links Worte nur noch ein weiterer Stachel, der sie energischer und neugieriger werden ließ und antrieb. Sie begannen wiederrum rumorend zu diskutieren und steckten andere Schüler mit ihren Argumenten an. Auch Ian am anderen Tisch erhob sich und die Mitglieder seiner Gang taten es ihm gleich.

Zornig, mit Rachedurst Link etwas heimzuzahlen, begann Ian mit den weißen Zähnen zu knirschen. Sein weißblondes Haar zurückstreichend schickte er ein heftiges Gelächter in den Raum. „Lasst euch doch nicht für dumm verkaufen“, brüllte er. „Glaubt ihr wirklich, dieser Kerl dort, der nichts hat außer ein wenig Talent im Schwertfechten, ist der Edelmut in Person? Seid ihr Ritter oder Schwachköpfe?“

„Halt‘ deinen gehässigen, lügnerischen Schnabel, Ian!“, muckte Robin Sorman auf. Auch er verteidigte Link. 

„Ich lüge nicht, ich sage euch, wer dort sitzt! Ein Narr, der viele Geheimnisse hat. Selbst einige Ritter des königlichen Rates behaupten, er wäre ein Sonderling, der sich Respekt und Achtung in Hyrule mit Heucheleien erkaufen will. Ich habe die Ritter belauscht, die neu an der Schule zugeteilt worden sind. Und keiner von denen hat Achtung vor diesem zugelaufenen Kerl, der nicht einmal einen Nachnamen hat!“

Link biss sich auf  seine Lippen angesichts jener Demütigung. Er versuchte ruhig zu bleiben, sich nicht reizen zu lassen, aber die Macht in sich ließ sich kaum zügeln. Sein Triforcefragment begann zu pochen, so heftig, dass ihm seine linke Hand brannte wie Feuer… Er atmete fiebrig, schloss die Augen und drückte die rechte Hand auf die schmerzende Linke.

„Beweisen seine Worte nicht, dass er uns alle zum Narren hält? Bei den Göttinnen Hyrules, ihr könnt doch nicht einem dahergelaufenem Bastard Vertrauen schenken! Ihr seid die Söhne von ehrenwerten Rittern, die ihr Leben für Hyrule riskieren würden. Ihnen solltet ihr glauben, nicht einem Burschen, der angeblich mehr als zwei Dutzend Moblins besiegt haben soll und das im Alleingang!“ Ian schien in Fahrt zu kommen und ließ seine ganze Missgunst Link gegenüber heraus. Und seine Worte hetzten die Menge nur noch mehr auf.

Ein weiterer, älterer Schüler erhob sich. Ein langer, kräftiger Kerl, mit dem Namen Elyon Levias, der eine breite Narbe in einem hellen Gesicht trug. Er hatte silbernes Haar, wie flüssiges Metall umspielte es sein Gesicht. Und man sagte, seine Familie wäre geboren in dem Maul eines Fisches, da die mit dem Nachnamen Levias die besten Schwimmer Hyrules waren. Er war einer derjenigen, die am Destiniatempel die letzten Dämonen unschädlich gemacht hatten. Angriffslustig mischte er sich in die Diskussion ein: „Ich war dabei! Dort am Tempel der Destinia“, rief er dröhnend. „Ich habe gesehen, was Link erduldet hat und ich schwöre euch. Er ist kein Narr, kein Lügner und erst recht kein Feigling. Er ist ein Held!“

,Er ist ein Held‘, sauste der Ruf der Wahrheit durch den Saal, trank an dem Übermut der lachenden Ritterschüler. Allesamt wollten sie den einen Helden sehen, alle wollten sie den Helden der Zeit in ihren Reihen erkennen.

Ja, endlich waren die Würfel gefallen. Das Wort ,Held‘ sauste wie ein Feuerwerkskörper durch den Saal, stachelte weitere Diskussionen an und veränderte den Tag. Alle Schüler erhoben sich. Ein Kreis bildete sich um Link und die wenigen Freunde, die bei ihm am Tisch saßen.

„Schon lange wurde gemunkelt, der Held der Zeit sei an dieser Schule, trinke genauso wie die Schüler aus den Kelchen, speise mit ihnen und kämpfe mit ihnen“, sprach ein weiterer Schüler mit einer bekannten Stimme. Es war Kieran von Irien, der kurz zuvor mit Link gesprochen hatte: „Wenn Link ein Held ist, dann kann er nur der eine Held sein!“

Weitere Stimmen dröhnten und forderten aufbrausend: „Er soll seinen Handrücken zeigen!“

Eine riesige Welle von jubelnden, kreischenden Stimmen brach in dem Saal los. Schüler erhoben sich, donnerten mit ihren Fäusten Lärm produzierend auf die Tische, stapften mit ihren Füßen über den glattpolierten Boden und ließen eine Welle der Euphorie durch das alte Gemäuer toben. Und alles, was in dieser Schule lebte und auch das, was sich an Geistern und Schatten in den Wänden versteckte, wurde in diesen Sekunden aufgescheucht, wurde in dem Strom der Menge zu einem kleinen Funken, der die Wahrheit herausforderte.

Link schlug in dem Augenblick das Herz bis in der Kehle. Er sah bleich und verwundbar aus, spürte Übelkeit in seinem Magen schlitzen. Was sollte er jetzt tun? Diese Situation war ausweglos. Würde er sich weigern, wussten die Schüler, dass er etwas verbarg. Willigte er ein, sahen die Anwesenden allesamt das Fragment des Mutes. Er gab sich geschlagen und wusste, aus diesem Irrweg fand er nicht mehr heraus.

Und die Menge brüllte und tobte: „Er soll uns seinen Handrücken zeigen. Weg mit dem Lederhandschuh! Weg mit den Lügen und Geheimnissen!“

„Ist es wahr, Link?“, sprach Robin und stand mit einem entsetzen Ausdruck vor ihm. Er begann vor Anspannung an seinen Fingernägeln zu kauen, was der Frauenschwarm sonst nie tat. Aber Link antwortete nicht. Auch Artus wirkte überfordert. Er saß dort zusammengesackt auf dem Sessel, kam kaum auf die Beine und starrte wie alle anderen zu dem einst grünbemützten Waldbewohner.

Will stand neben ihm, legte ihm eine Hand auf die Schulter und murmelte leise, so, dass es niemand hörte: „Keiner kann dich zwingen… und ich glaube, die meisten achten nicht darauf, dass du Linkshänder bist.“ Geschockt und mit offenem Mund sah Link in die vorwitzigen Augen des Laundry und spürte eine Woge der Erleichterung und Dankbarkeit für den gutgemeinten Hinweis in sich aufsteigen. Will war tatsächlich unverbesserlich, schlau und gewitzt, und vielleicht auch der beste Freund, den man sich wünschen konnte.

Link grinste und schloss genügsam die Augen. Mit einem neuen Selbstbewusstsein erhob er einmal mehr seine klare, schöne Stimme. Respektwürdig war sie, ernst im Angesicht des Todes, zart und liebevoll in emotionalen Momenten. „Ich bin nicht der Held der Zeit“, sprach Link, mehr zu sich selbst als zu den anderen. Innerlich lachte er über diesen Wahnwitz, den er sich schon so oft gewünscht hatte. In so vielen Nächten hatte er sich gewünscht, er würde aufwachen und erkennen, dass die Legende der Helden wirklich nur ein Märchen war.

Seine ansehnlichen Gesichtszüge lösten sich von der Anspannung, die er vorhin noch gespürt hatte. „Ich bin kein Feigling, aber ich bin nicht der legendäre Held.“ Es war so einfach diese Lüge über die Lippen zu bringen und es sich irgendwo auch selbst einzureden. „Ihr alle sucht nur nach einem Helden, hinter dem ihr euch verstecken könnt!“, brüllte er. „Ihr seid alle Feiglinge, die lieber andere mutig sein lassen!“ Und mit dieser Aussage riss er sich selbst den rechten Handschuh herunter, spannte die Faust und zeigte in jede Richtung, damit die Welt es sehen konnte. Nichts war dort. Kein Symbol der Macht. Kein Beweis für eine legendäre Seele.

Ungläubig musterten die meisten den rechten Handrücken und es schien als sackte die Menge zusammen. Und die Hoffnung auf eine Erklärung, die doch keine war, versank in Verrat und dummen Schlussfolgerungen.

„Habt ihr jetzt genug?“, donnerte Links Stimme nieder wie ein Richter, der über das kindische Verhalten aller entschied. „Hört auf euch hinter Helden oder euren Vätern zu verstecken und beweist selbst euren Mut!“, fauchte er. Damit brach die Menge auf, und noch ehe jemand ihn fragen konnte, ob er das Fragment auf dem anderen Handrücken trug, erschienen endlich einige Lehrer, die von der Köchin bezüglich des Lärms alarmiert wurden. Als sie jedoch den Saal betraten, war das Kreuzfeuer, das Helden entlarven wollte, verstummt. Denn die Zeit hatte noch weitreichendere und reifere Absichten. Und dann, wenn die rechte Zeit kam, war auch Hyrule vorbereitet…

 

Wenig später tapsten Link und Will gemeinsam durch die winterlich geschmückten Gänge in Richtung des Vorlesungssaals, wo Lord Aschwheel eine der letzten Unterrichtsstunden gab. Es hieß, er würde heute über Dämonen sprechen und die Themen für das nächste Trimester ankündigen. Die vielen runden Fenster hier waren beschlagen und Reif haftete außerhalb und ließ spärlich Licht in den frisch geeinigten Gang fallen, wo neue Teppiche aus der begnadeten Arbeit der Gerudo lagen. Nachdenklich musterte der einstige Held der Zeit seinen Zimmergenossen William Laundry und bemerkte erstmals eine tadellose Reife in seinen frischen, jugendlichen Gesichtszügen und eine Verschlagenheit, die ihn an jemanden erinnerte. Will trottete mit geschwollener Brust und einem stolzen Grinsen vorwärts, hatte seit der heftigen Auseinandersetzung mit scharfen Wörtern im Speisesaal nichts mehr über seine blassen, schmalen Lippen gleiten lassen, sondern lächelte eigenwillig. Link war sich nicht völlig sicher, ob der Laundry sein Geheimnis tatsächlich gelüftet hatte. Aber der lange, gerissene Bursche sagte auch nichts diesbezüglich. Er verhielt sich völlig normal ihm gegenüber, grinste in sich hinein und schien äußerst zufrieden mit sich. Und so hoffte Link, die Geschichte im Speisesaal könnte mit dem Beweis eines fehlenden Fragments genauso ruhen wie ein Scharlatan, dem man Zunge, Augen und Ohren abgeschnitten hatte, damit er seine giftigen Lügen nicht weiter verbreiten konnte.

Link hatte irgendwie Mühe mit den schnellen Schritten von Will mitzuhalten und schob das auf seinen kränkelnden Zustand und seine ermüdeten Muskeln. Seit seiner unerklärlichen Krankheit, naja, murrte er in Gedanken und dachte dabei an die hässliche Fratze des Chadarkna, seit Dinge geschehen waren, die er nicht erinnerte, mussten sich seine einst so straffen Muskeln in Göttergrütze verwandelt haben. Schnaufend blieb Link stehen und stützte sich auf seine knochigen Knie.

Erst dann bremste Will sein Schritttempo und musterte seinen Kumpel. „Geht es dir gut?“

„Ja“, sprach Link grinsend und musste plötzlich lachen. Er war so erleichtert, dass die Gerüchteküche, die gebrodelt hatte wie ein gut gewürzter, heißer Hammelfleischeintopf, nun endlich aufgeräumt war. Und einen großen Teil der Entlastung des Helden war Will mit seiner Gerissenheit zuzuschreiben.

„Danke, Will…“, meinte Link leise, schaute zu seinen Füßen. 

„Wofür?“, sprach jener schelmisch, wusste ganz genau, wovon Link redete. „Es gibt doch nichts, was du verheimlichst, oder?“ Er grinste beinahe teuflisch.

„Nein, es gibt nichts“, stimmte Link zu und erwiderte das hinterhältige Lächeln. Nach der ganzen Katastrophe am Tempel konnte der Tag kaum besser werden, entspannte sich Link. Es schien, als hätten die Ereignisse dort, die Folter und das Morden der Bestien, mit all der Grausamkeit und dem Blut, das doch vergossen wurde, eine eher unheimliche Konsequenz gehabt. Endlich konnte sich Link an der Schule frei bewegen, er selbst sein, und es würde sicherlich niemand mehr über seine Fechtkünste oder sein Wissen tratschen.

 

Und so saßen die Ritterschüler der dritten Jahrgangsstufe ruhig beisammen und lauschten den Worten des humpelnden Lehrers Lord Aschwheel. Der Vorlesungssaal war frostig wie immer und die Schüler saßen teilweise schlotternd auf ihren Plätzen. Die wenigsten klebten neugierig und aufmerksam an Aschwheels Lippen. Der alte Mann sprach heute über verschiedene Moblinrassen und deren Entstehungsgeschichten. Man teilte Moblins, die häufigsten Kreaturen der Finsternis in Hyrule, mittlerweile in mehrere Grade ein, wobei ein Moblin des ersten Grades kaum noch in Hyrule gesichtet wurde. Die fahlen Dämonengesichter, die den ersten Grad trugen waren ausgesprochen gefährlich, waren intelligent und ungeheuer hungrig nach Blut. Ein Moblin des ersten Grades, auch Blutmoblin genannt, unterschied sich deutlich von einem höheren Grad und war dementsprechend besser ausgerüstet und konnte von einem weniger gut ausgebildeten Kämpfer kaum so leicht niedergerungen werden.

Ein Moblin des ersten Grades, eine gewalttätige und grausame Schöpfung, so erzählte man sich wäre geboren worden durch den Leib eines lebenden Sumpfes, der von einer Göttin durch dunkles Licht auseinandergerissen worden wäre. Und als die Gottheit als eine Tat der Gnade jenen finsteren Ort begraben und in die Tiefe der Erde schicken wollte, habe er noch einmal seine niederträchtigen Arme, bestehend aus Morast und Leichen, aus Gier und Verderben, erhoben und dem unsterblichen Wesen ein Bein entrissen. Mit den Knochen, den Sehnen und Muskeln und dem Blut der Gottheit, habe sich das verfluchte Moor einer menschlichen Form bedient und jene Rasse der stärksten Moblins erschaffen. Seitdem lebte jener böse Wille. Und Moblins des ersten Grades waren diejenigen, die sich mit scharfen Schwertern bestückten, mit schweren, dicken Rüstungen und Helmen wenig Schwachpunkte boten und sie kannten keinen Schmerz…

Etwas nachdenklich schlug Link seine vielen Aufzeichnungen und Entwürfe über die Dämonen auf, die er in seinen Abenteuern gesehen und zum Großteil in epischen Schlachten vernichtet hatte. Der Gedanke an das Feuer der Tapferkeit, das damals durch seinen Körper geschossen war, der Rausch dieser genialen Kämpfe und sein verbitterter Wille selbst mit Wunden zu bestehen und seinen Gegner in die ewige Verdammnis zu schicken, ließ ihn unruhig werden. Manchmal vermisste er es sogar ein wenig…

Auch er hatte Zeichnungen über Moblins des ersten Grades in seiner Sammlung und hatte viele interessante Aspekte dazugeschrieben. Fast jeden Dämon hatte er in seinem Buch festgehalten, aber einen solchen Gegner wie den Chadarkna hatte er vorher niemals angetroffen. Link erinnerte sich mit einem mulmigen Gefühl in seiner Kehle, fast so, als schnitten erneut die reißenden Ketten tief in sein Fleisch, an jene Kreatur des Wahnsinns.

Etwas nachdenklich sah er auf und sah Lord Aschwheel humpelnd durch den Raum tapsen. Sein Gehstock schabte pfeifend wie auf Schiefer über den Boden. Wenn jener Dozent sich in dem Wissen über Dämonen auskannte, konnte er vielleicht auch etwas über den Chadarkna wissen. Und dunkel erinnerte sich Link, dass Lord Aschwheel am Anfang des Schuljahres schon einmal sehr spärlich über diese Dämonen gesprochen hatte.

Es war am Ende der Vorlesung, das Link seine Neugier nicht mehr bremsen konnte und er den Arm hob.

„Ja, Link, du hast Fragen?“, sprach der alte Humpelnde erstaunt. Die meisten Jugendlichen brachten die Vorlesungen schließlich ohne allzu großes Interesse hinter sich.

„Ja, ich habe eine Frage, aber nicht zu den Moblins“, sprach Link klar. „Könntet Ihr etwas über die Chadarkna erzählen?“

Der alte Mann schob die Brille von seiner Nase und runzelte die Stirn. „Man erzählt sich jenes Geschlecht wäre schon lange ausgestorben. Ein Held soll den letzten jener Kreaturen ausgelöscht haben. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ Er wirkte etwas unwirsch, sah dann nervös um sich und klatschte in die Hände. „Gut, damit ist die Stunde beendet. Im nächsten Trimester erzähle ich euch etwas über die Göttin Hylia.“

Etwas enttäuscht, dass Aschwheel ihn so leicht abfertigte, verharrte Link einige Augenblicke auf seinem Platz. Als er seine Schulsachen zusammenräumte und alles in seinen alten, zerlumpten Rucksack steckte, stand Aschwheel mit einer Pergamentrolle vor ihm. Er hielt den Jungen am Arm zurück und musterte ihn mitleidig. „Du hast nicht ohne Grund nach dem Chadarkna gefragt, nicht wahr?“ Überfordert blickte Link in das alte, faltige Gesicht des Mannes. Er sah in dem Moment aus seinen Augenwinkeln Will und die anderen aus dem Saal heraustreten.

„Nein, nicht ohne Grund, sonst hätte ich wohl kaum gefragt“, sprach Link und wand sich ab. „Aber ich wüsste nicht, was Euch das angeht“, setzte er schnippisch hinzu.

„Mich vielleicht nicht… aber den Rat des Königs…“, erwiderte Aschwheel mit einem leichten Groll in seiner sturen Stimme. Und er hielt dem vergessenen Heroen das Schreiben unter die Nase. „Das ist eine Anordnung vom Rat des Königs, der mich anweist, dich über eine Befragung zu informieren, an welcher deine Teilnahme erwünscht ist.“

„Eine Anordnung?“ Link klang verdutzt.

„Dachtest du wahrlich, dein Kampf am Destiniatempel hätte keine Konsequenzen?“, murmelte der Alte beschwichtigend. „Du bist blutjung und zu grün hinter den Ohren als zu erahnen, welche Verantwortung du gegenüber Hyrule hast. Dein König erwartet deine Stellungnahme eine Woche nach Nayrus Fest. Solltest du nicht erscheinen, hat auch das Konsequenzen für dein Leben an der Schule.“

Mit einem bissigen Ausdruck in seinem ansehnlichen Gesicht, so gefährlich wie der Wolfshund, der in Nähe der Glücksteichhütte auf Beutejagd ging, ließ sich Link belehren und bremste erneut seinen Hitzkopf. Er war verpflichtet einem Streitgespräch beizuwohnen? Die Frage war nur, ob man es wirklich so nennen konnte. War dieses Treffen nicht vielleicht eher ein Verhör?

„Ich habe verstanden“, sprach Link frustriert und krallte sich das Schreiben.

,Na prima…‘, dachte der einst grünbemützte Abenteurer. Er hatte heute eine halbe Katastrophe mit Wills Hilfe abwenden können. Ein Verhör vom Rat der Ritter bezüglich der Dämonenarmee war jedoch eine ganz andere Geschichte… Und Link wusste, dass er bei einigen Rittern kein gutes Ansehen genoss. ,Das würde heikel werden‘, dachte der Heroe. Er hatte genug Sorgen, was die Drohungen des Chadarkna anging, sorgte sich um die Zukunft Hyrules und fühlte sich hilflos angesichts der Ereignisse, die Kampfbereitschaft forderten. Er hatte genügend Ängste auszuhalten, musste er nun noch den Rittern klar machen, dass ein altes Dämonengeschlecht Hyrule entstellen wollte? Sie würden ihm ja ohnehin kaum Glauben schenken.

Er wollte mit seinem griesgrämigen Gesicht aus dem Saal trotten, als Aschwheel ihn mit einem aufrichtigen Blick zurückhielt. „Vielleicht ist es nicht meine Aufgabe dich über irgendetwas zu belehren, Link. Mir ist durchaus klar, dass der eine Held Hyrules niemals leichtfertig mit einer Gefahr in dem alten Land umgehen würde. Warte kurz…“ Er stützte sich schwerfällig auf seinen Gehstock und holte einen verstaubten Wälzer aus einem Fach seines Vorlesungspults. „Lies‘ es mit Sorgfalt, am besten in den Winterferien…“ Verblüfft nahm der vergessene Heroe das schwere Buch an sich, staunte über den zerschlissenen Umschlag, ein Material, das sich anfühlte wie Wachs. Es war ein Buch über Dämonen in Hyrule. „Möglicherweise findest du darin Antworten auf deine Fragen.“

Link bedankte sich und sah eine sonderbare Aufregung in Aschwheels faltigen Gesichtszügen. Seufzend stapfte der Ritterschüler aus dem Raum und traf sich mit den anderen Burschen, die ihn mittlerweile so normal wie vorher behandelten, zum Schwerttraining… 

 
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