5.Kapitel
 

Link trat wieder näher und richtete sein gesamtes Aufmerksamkeitsfeld auf die schwere              Trauer in Zeldas himmelblauen Augen.

„Prinzessin?“

„Ja?“

„Würdet Ihr mir einen Gefallen tun?“ Sie blickte überrascht auf und streifte diese verbotene Zuversicht und Freude in seinen Augen.

„Was wünscht Ihr?“

„Darf ich Euch bei Eurem Vornamen nennen?“, meinte er scheu. „Darf’ ich ,du’ sagen? Darf ich Euch ,Zelda’ nennen?“

Die junge Lady zwinkerte zunächst und wusste nicht so recht, was er sich davon versprach. Noch nie hatte jemand so direkt darum gebeten, sie duzen zu dürfen. Aber was sprach dagegen?

„Zelda ist so ein schöner Name. Es fühlt sich angenehm an, wenn man ihn ausspricht...“, meinte er leicht verlegen.

         Er suchte ihren Blick, las Verwirrung und eine leichte Hilflosigkeit.

„Was meint Ihr? Könnt Ihr es verantworten, dass ein junger Bauerntrampel wie ich...“ und er deutete auf sein vielsagendes, unverschämt grinsendes Bubengesicht. „... Euch bei Eurem Namen nennen darf?“ Sie antwortete zunächst nicht und suchte nach Gründen für seine Aufwartung.

         „Keine Sorge, ich verrate es auch niemandem!“, meinte er verschmitzt und grinste umso breiter.

         Ein sanftes Lächeln, das erste ehrliche, bildete sich auf dem ebenmäßigen Gesicht der jungen Prinzessin. Sie nickte und reichte ihm standesgemäß die Hand.

         „Ich wusste, dass du lächeln kannst, Zelda“, meinte er und lächelte ebenso. Er nahm ihre Hand wieder in seine beiden und schien verlegener mit jeder Minute.

„Du solltest das öfter tun...“, sagte er aufrichtig. Und ihre himmelblauen Augen spiegelten den Ausdruck von Mut und Zuversicht, den er schickte. Er trat noch einen Schritt näher, verstand nicht den Grund dafür, aber eine Anziehungskraft wirkte von ihrer Schönheit aus, die er nicht definieren konnte.

„Ich versuche es, Link...“, meinte sie leise und jegliche Distanz der beiden Hylianer löste sich in alle Winde auf.

         Zelda schmiegte sich an seine warme Hand, die er über ihre linke blütenweiche Wange wandern ließ. Es war ihre Sehnsucht nach Wärme und Licht, welches sie zu Nähe und Vertrauen bewegte. Diese raue Kämpferhand... sie war so warm...

Und es geschah in dem Augenblick, dass von den unschuldigen Augenwinkeln der Prinzessin eine einzelne kristallene Träne tropfte, die an Links Fingerspitzen hinablief.

         „Du musst nicht so traurig sein... Zelda...“, sagte er leise. „Etwas so schönes hat es nicht verdient so traurig sein zu müssen...“ Er trat noch einen Schritt näher und zog sie in seine innige Umarmung, fühlte sich selbst plötzlich geborgen und aufgehoben. Nirgends hatte er je so empfunden. Nicht in Ilyas Nähe und auch nicht in der Gesellschaft Midnas.

         Ihr Körper war ein wenig kalt und er fühlte ihre Erschöpfung beinahe, als sie sich an ihn lehnte, so vollkommen wehrlos versank sie in seiner Umarmung. Sie roch nach einem süßen Parfum, welches er nicht kannte. Es war ein angenehmer, verwöhnender Duft, aber seine Nase hatte diesen bisher noch nicht erfahren dürfen. Rosenholz, Kakao, Jasmin, Mandelduft oder Kirschblüte...

Ein Duft wie im süßesten Frühlingsregen...

         Seine groben Kämpferhände umzirkelten ihren schmalen Rücken und legten sich streichelnd auf das lange, goldbraune Haar. ,Es war weich und wunderschön’, dachte Link.

         „Es ist okay, du darfst ruhig weinen...“, sagte er und fühlte, wie sie schlapp wurde und ihre königliche Würde in den Schatten stellte. Leise Tränen tropften von ihren himmelblauen Augen und versanken in dem grünen Stoff seiner teilweise zerfetzten Leinentunika.

         „Es ist okay...“, hörte sie ihn flüstern und schloss die Augen. 

         Und Link verstand in dem Augenblick, was der Grund gewesen war, der ihn hierher führte. Es war das Band zwischen ihnen, das sich einmischte, weil sie Beistand brauchte in ihren einsamen Stunden. Es war reinste Sehnsucht nach Licht und einem Halt in dem trübsinnigen Zwielicht. Und sie hatte ihn einfach gerufen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Er war dem Ruf gefolgt, würde ihn immer befolgen, egal in welchem Leben und in welcher Gestalt...

         Schweigend standen die beiden Triforceträger in dem dunklen Turmzimmer, während sich der Regen mit dem leisen Schluchzen Zeldas vermischte.

 
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