6. Kapitel
 

Kapitel 6

 

 

Es war eine unvergleichliche Schande. Mehr noch. Es war wohl das Respektloseste, Erniedrigendeste, und Dümmste, was Link in seinem Leben jemals über sich hatte ergehen lassen müssen. Toiletten putzen... Link hörte sich selbst schon die geschmacklosesten und beleidigendsten Schimpfwörter über seine Lippen gleiten lassen. Und alles hatte er diesem Möchtegernritter mit Namen Viktor zu verdanken...

Noch nie in seinem heldenhaften Dasein hatte der junge gutmütige, einstige Kokiri solchen Abschaum wie es ihn in den alten, verdreckten Aborten der Ritterjungenschule gab, beseitigt. Bestückt mit einem Stahleimer, Besen und Unmengen von Lappen- wie eine Putzfrau sah der kleine Fünfzehnjährige aus- war er in das stinkende Dreckloch hineingestapft. Und das jener bekannte, häufig benutzte Ort nur ein Dreckloch war, hatte der junge Held auf bittere Art und Weise erfahren müssen.

Frohen Mutes und sich mit der Strafarbeit abfindend war er in das muffige Etwas, denn welcher Gott würde einen solchen verbotenen Ort noch als einen Raum bezeichnen, hineingetreten. Als der junge Held dann das aus den Toiletten sprudelnde gelbliche Wasser, die abgerissenen Papierstücher, die sich wie Kartoffelstückchen in einer Suppe in jener geblichen Brühe auf dem glänzenden Boden wogen, beäugte, den peinigenden, übelkeitserregenden Geruch vernahm, und das Stück Arbeit als folternd erkannte, verging ihm der frohe Mut wieder.

Aber Helden machen sich gerne die Finger schmutzig, nicht wahr? Das war der einzige Satz, der ihm eingefallen war, um die Wut in seinem Inneren ein wenig in Grenzen zu halten. Und so eine Gemeinheit früh morgens, an dem ersten Tag, den Link in der geachteten Ritterschule verbrachte. Das konnte ja heiter werden, dachte der baldige Schüler, und machte sich mit einem wütenden und gedemütigten Gesicht an die Arbeit...

 

Ab und an kamen einige Jugendliche hereinspaziert, ältere, wie auch jüngere Schüler, die ihm dann grinsende, lachende oder auch bemitleidenswerte Blicke zu warfen. Link hasste es. So oft in seinem jungen Leben wurde er von anderen verspottet, gedemütigt und aufs Übelste gehänselt. Und nun schien sich der Alptraum zu wiederholen. Erneut diese entehrenden Blicke. Erneut das Gaffen von fremden, unerwünschten Augen.

Link schruppte gerade genervt über eines der zehn beigefarbenen Waschbecken, als sich ein vorlauter Schüler einen Kommentar nicht verkneifen konnte. Ein komischer, junger Spund mit magerer, langer Gestalt und einer hässlichen, großen Hakennase im Gesicht, die sofort ins Auge sprang, sprach ihn an. „Schau mal einer an. Haben wir eine neue Putze für die Toiletten?“, lachte er und sorgte mit seinem Lachen für Aufsehen. „Guckt mal, Leute, wir haben eine neue Putze für unseren Dreck... haha...“ Weitere herablassende Augenpaare belustigten sich an dem jungen Helden der Zeit. „Macht es denn Spaß, die Latrinen zu reinigen, du armer Kerl?“ Links Zorn schien sich in dem Moment zu verselbständigen. Mit einem wütenden Blick drehte er sich zu der inzwischen lachenden Menge um. Es waren fünf, sechs Schüler einer höheren Jahrgangsstufe und alle hatten schwarze Schultuniken mit silbernen, aufgesetzten, kleinen Triforceabzeichnungen an der rechten Brust.  

„Es würde mir genau dann Spaß machen, wenn ich jeden von euren stinkenden Köpfen in das gelbe, ekelhafte Wasser tauche, das nur halb so dreckig ist wie euer Gefasel“, murrte Link.

Die Worte des Fünfzehnjährigen nicht für vollnehmend, trat der Unruhestifter näher und meinte erbost: „Wie war das?“

„Ich habe laut und deutlich genug geredet, wasch’ deine dreckigen Ohren, wenn du die Leute in deiner unmittelbaren Gegenwart nicht verstehen kannst“, muckte Link und starrte angewidert in ein dunkles, fast schwarzes Augenpaar. Dünne, aschblonde Haare, die bei einem genauen Blick ausfallen könnten, hingen in einem langgezogenen Gesicht und eine übertriebene Eitelkeit stach aus seinen schlitzigen Augen.

„Ich glaube, ich muss dir eine Lektion erteilen. So redet man nämlich nicht mit Schülern dieser bekannten Schule.“

Link grinste plötzlich und knackte mit seiner linken Faust. „Dann versuch’ es doch!“, zischte der junge Hylianer mit den tiefblauen Augen. Denn das beleidigende Gebrabbel dieses Schülers machte ihn nicht nur krank, sondern stachelte das Kämpferblut wallend in seinen Adern an...

„Lass gut sein, Ian“, sagte ein weiterer Schüler. „Hast du wirklich Lust, dir an so einer Ratte die Finger schmutzig zu machen?“ 

„Dieser kleine Mistkerl ist auf eine Tracht Prügel aus und hat es nicht anders verdient“, entgegnete Ian. Jener Schüler krallte sich einen der Besen, wirbelte ihn ungeschickt herum und rannte damit auf Link zu.

 

Inzwischen staute sich der gesamte stinkende Toilettenraum und viele neugierige Augenpaare sahen dem Geschehen zu. Einige pfiffen, andere sahen nur erstaunt zu, wohl, weil sich hier niemand gerne mit Ian anlegte. Denn jener Kerl war unter den jungen Leute an der Schule sehr respektiert. Viele harte Prüfungen hatte er schon bestanden, auch wenn man munkelte, dass Ian einige unehrenhafte Vorteile besaß. Einige behaupteten sogar, dass jener hochnäsige Schüler der uneheliche Sohn einer der Lehrkräfte war.

 

Wie angestochen schwang Ian den Stab gegen Link, aber der junge Held blieb unbeeindruckt stehen, entdeckte innerhalb von Sekundenbruchteilen die vielen Schwachpunkte an der Kampftechnik seines Gegners. Gewaltsam sauste der harte Besenstiel auf Link hinab und einige, vor allem jüngere Schüler hielten sich vorsorglich die Augen zu.

Aber der als Waffe umfunktionierte Besenstiel würde den jungen Hylianer niemals treffen. Mit einem Ruck umfasste Links starker Kämpferarm den Stiel und hielt diesen knapp vor seinem Gesicht still. Ian glotzte überrascht und versuchte mit aller Kraft gegen Links Zugriff zu drücken.

Unbeeindruckt ließ der Heroe seinen Kopf schief hängen und sah ermüdend drein. „War’ s das schon? Du bist nicht gerade talentiert, aber das weißt du bestimmt bereits.“, eiferte Link und setzte ein gerechtfertigtes, wenn auch überhebliches Grinsen auf. Ehe Ian reagieren konnte, kreiste der Besenstil in Links Hand und entzog dem überraschten Ian den Boden unter den Füßen. Sofort spürte der arrogante Schüler die Spitze des Stabes unter seinem Kinn. Ein nie da gewesener kleinlicher Laut entkam der Kehle Ians, während die harte Holzspitze an seine Kehle drückte.

 

Plötzlich brach die Menge auf und einige Schüler hetzten aus dem Raum.

„Was ist da los?“, rief eine laute, befehlsgewaltige Stimme. Ein stattlicher, junger Mann betrat die Szenerie und bemerkte gerade noch, wie Ian aufstand und mit lautem Gezänke aus der Toilette verschwinden wollte. Doch der junge Mann packte den arroganten Schüler am Kragen und meinte kühl: „Schön hier bleiben. Was hast du nun schon wieder angestellt, Ian?“ Doch jener warf nur einen gemeinen Blick zu der als Putzfrau verkleideten Gestalt. „Der da hat angefangen.“ Links Temperament ging mit ihm durch: „Wie bitte? Du wolltest mir eine Tracht Prügel verpassen, du schmieriger, mieser Kerl!“ Der stattliche Herr, der ebenso eine Schultunika trug, diese aber mit einem dreifarbigen Triforceabzeichen beschmückt war, ließ Ian daraufhin los. Brummelnd und verächtlich zu Link blickend verließ er den Raum.

„Ihr da, verlasst sofort diese Räumlichkeit.“ Und der junge Herr deutete mit einem Pfiff an, dass jegliche andere Schüler auf der Stelle verschwinden sollten. Die Schüler gingen diesem Appell erstaunlich bereitwillig nach.

 

Genervt trat Link gegen den Stahleimer, sodass des Dreckwasser über den Rand schwappte, und grübelte nach Möglichkeiten, sich vor diesem jungen Spund rechtfertigen zu müssen. Eindringlich sah Link den Kerl nun an und plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Er hatte diesen jungen Kerl schon einmal gesehen. Vor einigen Tagen hatte er ihn beobachtet, wie er ein Gespräch mit Zelda und dem König persönlich führte. Das war also der neue Held an Zeldas Seite, dachte der Fünfzehnjährige. Trübsinnig und die innere Traurigkeit deswegen nicht begreifend sah Link zu Boden. Umständlich schluckte er die Spucke in seinem Mund herunter und versuchte das Gefühl der Eifersucht zu verdrängen. Doch warum war Link auf diesen Kerl eifersüchtig?

 

Erstaunlicherweise reichte der Typ dem jungen Helden die Hand. Überrascht sahen die tiefblauen Augen Links auf und erhielten ein prahlerisches Lächeln aus dem jungen Gesicht jenes Mannes.

„Hallo, mein Name ist Valiant von Hyrule. Ihr wisst es vielleicht nicht, aber ich habe schon sehr viel von Euch gehört, Link.“ Jener schüttelte schockiert die Hand des Kerls und konnte nicht glauben, was er da hörte.

„Valiant von Hyrule?“

“Ja, genau der bin ich“, sagte der Kerl erheitert, als er sich eitel eine dunkelblonde Haarsträhne aus den Augen wischte.

„Und Ihr seid ein Schüler an dieser Schule.“

„Richtig.“

„Sieht man an der Tunika. Habt Ihr die Eure denn noch nicht erhalten?“ Link schüttelte beinahe benommen den Kopf. Am liebsten würde er auf diesen Typen losgehen, da er anscheinend ein sehr enges Verhältnis zu Zelda hatte. Der neue Held, schwirrte es durch den jugendlichen, starrsinnigen Kopf des Fünfzehnjährigen. Valiant von Hyrule. War dieser Typ der Königsfamilie zugehörig? War er womöglich sogar mit Zelda inniger als es eine Freundschaft hergab. Kaum begreifend, was Link so anstachelte, sah er wieder zu Boden und verkrampfte seine Hände.

„Nein, ich habe noch keine Schuluniform.“

„Folgt mir bitte. Ich werde Euch ein wenig über die Dinge an der Schule aufklären“, sagte Valiant freundschaftlich. Aber Link wollte eine solch herzliche Anerkennung von diesem aufschneiderischen Adligen einfach nicht. Er murrte genervt: „Ich schaff’ das schon alleine...“

„Das sehe ich anders. Die Prinzessin meinte, Ihr könntet Hilfe gebrauchen.“ Link atmete laut aus und schaute zu Boden, verkniff sich eine bissige Bemerkung. 

 

„Wegen Ian“, meinte Valiant, als er aus dem Waschraum trat und Link eine Andeutung hinterließ, ihm zu folgen. „Lasst Euch von ihm nicht provozieren. Große Klappe. Wenig Köpfchen-Köpfchen und keine Spur eines Talentes.“

„Das habe ich schon gemerkt“, meinte Link trocken. Der junge Herr lächelte nach dieser Bemerkung und erwiderte: „Ihr müsst ja wahrlich Ahnung haben von Talenten und stumpfsinniger Schwerttechnik, nicht wahr?“

„Wie meint Ihr das?“, meinte Link und starrte dem aufgeplusterten Typen hinterher, als sie den Gang folgten.

„Ich wurde über alles unterrichtet, was Euch und die Zukunft angeht, die vergessen wurde.“ Link blieb ungläubig stehen. „Zelda?“

„Ja, genau, sie erzählte mir von Euren Taten.“ Link verdrehte die Augen: „Hängt es bitte nicht an die große Glocke und hört auf mich so höfisch anzureden. Das macht mich ganz wahnsinnig.“

„Okay“, sagte Valiant erheitert. „Der Held der Zeit darf auch mich duzen.“ Er zeigte es nicht, aber er wusste nun, was seine kleine Cousine so an Link schätzte. Es war seine Natürlichkeit, seine Bescheidenheit und vielleicht auch das unschuldige Gesicht, welches Link herumtrug. Valiant verstand bereits jetzt schon sehr gut, weshalb dieses Kind des Schicksals ein so außergewöhnlicher Held war.

 

Valiant führte den jungen Helden der Zeit vorbei an einer riesigen Waffenkammer, zeigte ihm die verschiedenen Unterrichtsräume, die Gemeinschaftsräume, den Speisesaal, mit der niederschmetternden Nachricht, dass Link durch seine Strafarbeit bereits Frühstück und Mittag verpasst hatte. Und schließlich gelangten sie in die märchenhaften, gutbeaufsichtigten Schlossgärten, wo die Mädchen der anderen Schule die bunten Blumen aller Sorte und Generation pflegten. Die Sonne strahlte am Himmel, ließ kaum etwas von dem gestrigen Sturm erahnen oder an die dunklen Kreaturen denken, die mit kranken Gelüsten im Innenhof umhergeschlichen waren.

Einige junge, hübsche Mädchen saßen auf weißen Bänken, lasen Bücher oder hatten Stickzeug in ihren Händen. Eine Schar Mädchen lief an ihnen vorbei. Auch die eigenwillige, stolze Ariana mit dem pechschwarzen Haar war unter ihnen. Sie lächelte und winkte Link verträumt zu.

„Du hast dich bei den Schönen dort anscheinend schon beliebt gemacht, was?“ Link sah verlegen zu Boden und wurde tiefrot im Gesicht. Zufrieden erkannte Valiant die Schwachstelle des Helden neben ihm und kicherte lauthals los.

 

„Na egal, schau’ mal da hinten“, sagte Valiant und deutete auf einen Stuhlkreis unter einem weißen, riesigen Pavillon. Die verschiedensten Hylianer saßen dort und unterhielten sich. Einige hatten Papierstöße in den Händen. Ein anderer stach aus der Gesellschaft heraus, da er rotzfrech ein Schwert in seinen Händen schärfte.

„Das ist unser Lehrpersonal. Sie haben gerade eine Besprechung bezüglich des Unterrichtes am Mittwoch.“

„Warum fängt der Unterricht eigentlich mitten in der Woche an?“, fragte Link dann, als sie beide näher an den Pavillon herantraten.

„Am Mittwoch ist Tages-Nacht- Gleiche. Ein besonderer Tag, wusstest du das nicht?“

Link sah überrascht auf und nickte. „Hab’ ich glatt vergessen. An diesem Tag sollen magische Rituale hier in Hyrule besonders gut funktionieren.“

„Stimmt. Vielleicht erhofften sich die früheren Ritter, ihre Jungen würden bei der Einschulung an einem solchen Tag irgendwann zu ganz großen Taten fähig sein.“

„Wer’s glaubt“, schmunzelte Link und ließ sich zufrieden auf die grüne Wiese sinken.

 

Es war schon seltsam, dachte Link. Seit langer Zeit einmal wieder hatte er keine Zweifel und ansatzweise fühlte er sich irgendwie aufgehoben und erleichtert. Zelda kam ihm in den Sinn und ihre Worte von vor wenigen Tagen. Sie hatte einmal wieder Recht gehabt, wie sollte sie auch nicht mit ihrer wunderbaren Weisheit, dachte er. Sie hatte Recht gehabt, dass ein anderer Tagesablauf und andere Gewohnheiten ihm helfen würden, ein wenig abzuschalten, auch wenn die Fragen in seinem Kopf und die Zweifel geblieben waren...

 

Valiant leistete ihm Gesellschaft auf der Wiese und deutete wieder zu dem Stuhlkreis, wo das Lehrpersonal sich aufgeregt unterhielt. „Siehst du denjenigen, der ein wenig abseits sitzt.“ Und Link schaute zu einem erwachsenen Hylianer, der geduldig sein Schwert schärfte. Ohne den Lehrer aus den Augen zu lassen, fragte der Fünfzehnjährige: „Was ist mit dem?“

„Er ist ein neuer Lehrer für den Praxisunterricht oder einfach Training genannt. Der alte ist im Ruhestand.“

„Aha...“, murmelte Link während er neugierig zu dem Kerl hinüberschielte. Etwas lag in den Augen des Mannes, etwas Vertrautes, Vorwitziges. Und ein Lächeln zeigte sich auf dem makellosen Gesicht des Typen mit den dunklen, kurzgeschorenen Haaren. Undefinierbare Augen lasen genauso eindringlich in dem Blick Links, wie der junge Held ihn aussendete.

„Und was wird dort gelernt?“, meinte Link neugierig, die Augen des neuen Lehrers immer noch im Blickfeld.

„Vieles“, sagte Valiant mit einem Schmunzeln und der Schönling wischte sich wieder eine Strähne seines gepflegten, lockigen, dunkelblonden Haares aus dem ansehnlichen Prinzengesicht. „Es ist mehr eine Art Unterricht in allem möglichen und beginnt ab dem dritten Schuljahr.“

„Also ist das wenigstens ein Fach, in dem ich nichts nachholen muss...“, meinte Link nachdenklich, immer noch in die undefinierbaren Augen des neuen Lehrers starrend.

„Du beginnst ab dem dritten Jahr?“

„Ja, anders geht es wohl nicht.“

„Sei aber gewarnt, dass du deswegen viel extra Arbeit auf dem Leib hast.“

„Ich krieg’ das schon irgendwie hin...“, nuschelte Link vor sich hin, der mit den Gedanken wo ganz anders war. Plötzlich stand der neue Lehrer auf und ging seines Weges hinein in das gigantische Schloss der Ritterschule.

 

„Und dieser dort in dem rosafarbenen Anzug. Das ist Lius Lorraux. Ein sehr merkwürdiger Zeitgenosse, der Tanzunterricht gibt. Aber nur für das erste Schuljahr, danach ist es ein Wahlfach.“ Link bekam ein dummes Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, als er jenen Hylianer beäugte. Ganz in rosa gekleidet und irgendwie nicht von dieser Welt wirkte das Auftreten dieses Kerls, irgendwie schräg und verboten.

„Und was ist mit diesen Rängen?“ Eine Frage, die den jungen Link schon lange beschäftigte, seit Orson ihm etwas darüber erzählt hatte.

„Ach ja. Eine berechtigte Frage“, meinte Valiant. „Ab und an gibt es kleine Kämpfe hier in der Schule und am Ende des Jahres ein großes Turnier. Wenn man verschiedene Prüfungen und Kämpfe gut gemeistert hat, kann man sozusagen in den Genuss eines anderen Ranges kommen.“ Daraufhin deutete Valiant auf das dreifarbige, kleine Triforceabzeichen, welches er auf seinem Herzen trug. „Ich beispielsweise habe schon den höchsten Rang erreicht. Außerdem gibt es noch vier weitere, von weiß, zu bronze, silbern, golden und letztlich eben dreifarbig. Wenn man einen höheren Rang besitzt, dann hat man Vergünstigungen, muss an manchen Unterrichtstunden nicht mehr teilnehmen und besitzt nebenbei mehr Achtung unter den Schülern.“

„Verstehe“, sagte Link. Ein weiterer Ansporn für ihn, endlich aus seiner Irrfahrt der letzten Monate aufzuwachen. Ein schwermütiger Ausdruck trat auf das niedliche Gesicht des jungen Helden, als er an die letzten Wochen dachte, an die Einsamkeit, an die merkwürdigen Anfälle. Kurz überprüfte er den Inhalt seiner kleinen Ledertasche am Gürtel auf den Verbleib des Heilmittels von Zelda. Glücklicherweise befand es sich unbeschadet darin. Der Aufenthalt hier würde eine mittlere Katastrophe sein, wenn der junge Heroe jene Substanz nicht hätte. In seinem kränklichen Zustand hätte er keine Chance an dem durchaus harten Unterricht teilzunehmen. Er kramte das kleine Fläschchen heraus und betrachtete sich die silbrigschimmernde Substanz im Sonnenlicht.

„Aber das ist ja...“, meinte Valiant verblüfft.

„Ja, Zelda gab es mir.“ Wieder ein Gedanke an sie und wieder keimte in Link diese tosende Eifersucht auf. Ein komisches Gefühl sauste in seinem Magen herum, als er daran dachte, dass dieser Kerl Zelda einen Arm um ihre Schultern gelegt hatte.

„Dir ist aber schon klar, dass dieses Heilmittel so wertvoll ist wie zehntausend Rubine, und aus der Schatzkammer der königlichen Familie stammt?“ Links Augen wurden immer größer und ihm fiel vor plötzlicher Aufregung nicht ein vernünftiges Wort mehr ein. Baff musterte er den Inhalt der Flasche und konnte nicht begreifen, dass die Prinzessin Hyrules ihm so etwas Wertvolles geschenkt hatte.

Valiant sprang auf und reichte Link eine helfende Hand, die jener aber nicht annehmen wollte und alleine aufstand. Sie folgten zwischen Unmengen von Schülern einen kiesigen Weg hinein in das Schloss.

 

Kurze Zeit später stand Link vor einem kleinen Büro, aus dem Valiant mit einer schwarzen Tunika in Links Größe herauskam. Kein Abzeichen haftete daran, denn dies musste sich Link erst einmal ordentlich verdienen. „Danke, Valiant“, meinte Link und wollte gerade verschwinden.

„Warte, Link. Ich möchte noch, dass du eines weißt.“ Verwirrt blickte Link in die grauen Augen des Adligen. „Zelda sagte mir, dass du gut auf dich Acht geben sollst und sie möchte, dass ich dich warne.“

„Vor den Geschundenen der Macht. Ist gut, ich kann auf mich aufpassen“, sagte Link kühl. 

„Ja, und bewahre bitte Schweigen über dieses Bündnis.“

„Gut.“

„Noch etwas.“

„Ja?“, meinte der Heroe genervt. Sicherlich war er über die Hilfe des jungen Adligen ihm gegenüber dankbar und erfreut, aber die enge Vertrautheit dieses Kerls mit Zelda schlug dem Helden der Zeit... irgendwie... auf den Magen.

„Meine Cousine macht sich Sorgen um dich...“, sagte Valiant leise. Mit überrascht- verzerrten Gesichtszügen drehte sich Link um, knickte beinahe um und vergewisserte sich, den Satz richtig verstanden zu haben. „Cou- Cousine?“

„Ja, Zelda ist meine Cousine. Wusstest du das nicht?“ Link schüttelte, überwältigt von seiner Dummheit, banal den Schädel. Valiant war Zeldas älterer Cousin, nicht ihr neuer Held. Link griff sich mit einer Hand an den Kopf und babbelte: „Wirklich?“

Valiant grinste und nickte mit seinem hübschen, ein wenig hochnäsigen Kopf.

„Cousine...“, wiederholte Link, als ob er es immer noch nicht verstanden hatte.

„Ja, meine kleine Cousine, drei Jahre jünger als ich es bin.“ Ein dümmliches Kichern entkam dem Mund des Helden der Zeit. Verlegen kratze er sich am Kopf und schabte mit einem Stiefel auf dem Boden herum. Aus Angst, Valiant könnte die täppische, verräterische Röte in seinem Gesicht sehen, blickte Link zu seinen braunen Lederstiefeln.

„Bei den Göttinnen, was dachtest du denn?“, schmunzelte Valiant, der diese auffällige Verlegenheit sofort seiner hübschen Cousine unter die Nase reiben würde. Der adlige Mann klopfte mit einer Hand auf des Heroen Schulter und sagte: „Also, Link, man sieht sich. Spätestens bei dem Test am Montag, den du doch mit Bravur bestehen wirst.“

„Jahaha...“, stotterte der Blondschopf. „Bis dann, Valiant.“

 

Als dieser außer Reichweite war, ließ Link erleichtert seine Schultern hängen und sah hinauf an das strahlende Himmelszelt. Valiant war Zeldas Cousin, nicht ihr neuer Beschützer. Warum nur war Link so schwachköpfig gewesen sich einzubilden, sie hätte einen neuen Helden an ihrer Seite. Er war es, der die ganze gemeinsame Zeit vergessen und als etwas Nutzloses heruntergespielt hatte- Zelda aber hütete die vielen glücklichen, oder auch weniger glücklichen Momente ihrer Zeit mit Link wie einen wertvollen Schatz. Melancholie und eine fremde Form der Nostalgie legte sich in den Blick des jungen Heroen nieder, als er an Zelda dachte. Gedanken an die gemeinsame Zeit streifte wie ein warmer Luftzug seine Sinne. Und er wusste, sie würde ihn auch jetzt noch als den Freund akzeptieren, der er einst für sie gewesen war. Ein „Es tut mir leid, Zelda...“, entkam seinen Lippen. Eine Entschuldigung für sein abweisendes Verhalten, auch wenn er dieses ihr gegenüber nicht erklären konnte. Auch, wenn er sich bei einem Blick in ihre Augen der Entschuldigung schämte...

 

Trübsinnig und mit einem leichten, kränkelnden Gefühl in seinen Gliedern, denn die Anfälle wollten nicht aufhören, tapste Link hinauf in sein Zimmer, wo William bereits fleißig an seinem Stundenplan herumbastelte.

 

Als Link in sein Quartier trat, befand sich William Laundry im Schneidersitz auf seinem Bett, hatte eine verkorkste Feder in der Hand und ein großes Blatt vor sich liegen. Ringsherum stapelten sich Papierstöße. Aber kein Anzeichen von Wulf, dem Wolfshund.

„Ist Wulf immer noch nicht zurück?“

Trübsinnig sah Will auf und schüttelte mit dem Schädel, sodass sein schulterlanges, hellbraunes Haar hin und her pendelte.

„Seit gestern Abend ist er nicht wieder gekommen.“

„Das heißt nach dem Vorfall mit dem komischen Geschöpf in unserem Zimmer.“, meinte Link und ließ sich mit brummenden, ohrenbetäubend knurrendem Magen auf die zerflederte rote Couch vor dem Kamin sinken. Ausführlich hatte der junge Held der Zeit früh mit seinem Zimmergenossen über das merkwürdige Vieh unter dem Bett diskutiert.

„Genau.“ Will stopfte die Feder wieder in das schwarze Tintenfass. „Aber er kommt sicherlich bald wieder...“

„Ja, hoffentlich“, sagte Link und hielt sich die Hände an seinen teuflisch knurrenden Magen.

„Ich frage mich nur die ganze Zeit, welche Kreaturen es so spät in diese Schule verschlägt?“

„Keine Ahnung.“, murmelte Link und tat so als hätte er keinen Schimmer von irgendwelchen dunklen Kreaturen.

„Aber sollten wir dieser Sache nicht auf den Grund gehen?“

Gelangweilt wanderten Links blaue Augen zu Will, der sich wunderte, weshalb der fremde, komische Kauz hier, ihm erstmalig in die Augen blickte. Wenn, auch nicht lange.

„Ich wüsste nicht, was uns das angeht.“, schnaufte Link. 

Er machte kurz die Augen zu und hatte dann eine schöne Idee. Vergnügt sprang er auf seine Beine und begann in seinen Sachen herumzukramen. Es dauerte nicht lange und Link hatte seine geliebte Okarina in den Händen.

„Wo willst du denn hin?“, sagte William, als Link schon auf dem Sprint zur Tür war.

Ohne sich umzudrehen, öffnete Link die Holztür. „Nachdenken und ein wenig die Gegend erkunden.“

„Solltest du nicht langsam deinen Stundenplan anfertigen?“, bemerkte er.

„Keinen Bock. Bis später.“ Damit war der junge Held der Zeit verschwunden und Will schüttelte nur den Kopf, mit der guten Gewissheit, dass Links Stundenplan absolut nicht sein Problem war...

 

Mit der Okarina an den Lippen und ab und an ein altes Lied aus seinen Erinnerungen herunterträllernd watschelte Link durch die dichtgewachsenen, moosigen Wälder in der Nähe  der Ritterschule. Über Stock und Stein marschierte er dahin, verlor sich in traumhaften, alten Wäldern, wo das Sonnenlicht beruhigend durch hohe Kronen strahlte. Ein vertrauter Ort. Ein Ort der Entspannung. Genau das Richtige, um einige Gedanken zu sortieren und die vielen bedeutsamen Ereignisse der letzten Tage Revue passieren zu lassen.

Da waren zum Beispiel Links seltsame Anfälle. Und er wusste, dass etwas aus der Vergangenheit es war, was ihn auf diese Weise quälte und merklich zusetzte. Doch was war es nur, das Link erfahren musste? Was war geschehen in dem Land ohne Namen, was sich den Erinnerungen des Helden der Zeit entzog?

Genau so ein Rätsel waren die Geschundenen der Macht und ihre heimlichen Machenschaften. Denn, wenn der junge Held sich nicht einbildete, dass wirklich die Farm grässlichem Feuer unterlag, dann war die einzigste logische Konsequenz, dass jenes teuflisches Bündnis eine unmessbare Macht besaß. Eine Macht, die Wirklichkeit zu betrügen oder für die meisten Augen zu verschleiern. Woher hatten diese Teufelsdiener jene Macht?

Und noch einen zermürbenden Gedanken wert, war das kleine Biest von gestern, was wohl irgendwie den jungen Link beobachtet hatte. Als wollte es ihn ausspionieren...

 

In seine Gedanken versunken bemerkte Link zunächst nicht das Paar hohe dunkle Stiefel, welches hinter ihm herschlich.

 

Verträumt flötete der junge Hylianer auf seiner Okarina, ließ die Fingerspitzen sanft über die vielen in den Ton eingebrannten Löcher gleiten und spielte nichts Fassbares, formte mit seinen Gedanken eine neue Melodie. Der moosige Pfad führte vorbei an einem kleinen Brunnen mit vielen großartigen Steinfiguren ringsherum, an denen der Zahn der Zeit nagte. Das kristallene Wasser der Quelle führte steil bergabwärts und das lustige Plätschern drang noch von weit her an die spitzen Ohren des Helden.

Neugierig, ob das Wasser sich irgendwann in einem Teich oder See fangen würde, folgte Link dem Bachlauf, flötete wieder dumpfe Töne in die Luft und horchte auf das Pfeifen vieler Singvögel, die ihn auf sein Spiel eine Antwort gaben.

 

Nur wenige Minuten später erreichte Link einen steilen Wasserfall, wo das eher wenige Wasser des Baches hinunterrauschte. Achtsam näherte sich der junge Hylianer dem Abgrund und schielte mit seinen tiefblauen Augen hinab. Eine beträchtliche Höhe, dachte er und besah sich genau das genügend große Auffangbecken unten. Es war ein Teich mit klarem Wasser und selbst von hier oben konnte Link den Grund des Beckens ausmachen.

Mühevoll kletterte der erfahrene Todesbergbesteiger an der rauen Felswand hinab, bis er gedankenvoll in das reine Wasser des Teiches blickte. Zum Baden nicht einmal schlecht, dachte Link. Denn das Wasser war mindestens einen Meter tief, vielleicht an manchen Stellen sogar so tief, dass Link ein wenig schwimmen gehen könnte.

Weiter blickte er um sich und entdeckte am Rande des Teiches eine alte, halbzerfallene, mit Bäumen umwuchernde Holzhütte mit einem Stockwerk und dem Dachboden darüber. Nanu? Ob diese bewohnt war? Neugierig trat Link näher und stieg über drei steinerne Treppenstufen, wobei die unterste noch vom Wasser berührt wurde, auf eine Art Vorbau. Ein klappriger, abgenutzter Schaukelstuhl mit gespaltenen kaputten Balken stand zu Links rechter Hand. Zwei milchigglasige Fensterscheiben ließen keinen Blick in das Innere vermuten.

Wissbegierig pochte Link an eine robuste Holztür, wo eine verrostete Eisenklinke hing. Doch niemand öffnete ihm. Auch nicht, als er ein weiteres Mal an die Tür klopfte.

„Hallo? Ist da jemand?“, rief der junge Held, öffnete die Tür an der Klinke und stieß jene seiner Größe entsprechende Pforte langsam in den Innenraum.

„Hallo?“, wiederholte Link vorsichtig und setzte einen Fuß in das kleine, gemütliche Häuschen.

 

Er schloss die Tür hinter sich und roch sofort einen morbiden Duft, so als ob schon seit Jahrzehnten niemand diesen Raum mehr betreten hatte. Das helle Tageslicht fiel nur schwach durch die beschlagenen, rauen Fenster und doch reichte ihr Licht für ein wenig Sicht. Link schlich gemächlich in den Innenraum der Hütte und hinterließ seine Fußspuren im flockigen Staub. 

Ein Schreibtisch mit allerlei unnötigen Kram, wie eine Karte, ein Globus, eine abgebrannte Kerze stand seitlich direkt an eine Wand geschoben. Ein kleiner Kamin gegenüber könnte für Wärme sorgen. Ein verdrecktes Tierfell lag genau vor der Wärmequelle. Ein Esstisch. Eine kleine Sitzgelegenheit mit üppigen Handtüchern und eine alte Liege, wo viele Decken darauf gestapelt waren. Alles in allem ein gemütliches Fleckchen, welches man mit ein wenig Arbeit wieder zu einem beschaulichen Häuschen herrichten könnte.

Link besah sich dann eine kleine Falltür, die er mit einem schweren Ruck umlegte. Ein paar glitschige Steinstufen luden ihn ein, sich den Keller genauer anzusehen. Es handelte sich um eine Vorratskammer, und sogar alte verrostete Waffen hingen schräg und unordentlich an den Wänden oder lagen nutzlos herum. Ein vergilbtes Portrait einer jungen, sehr hübschen Frau stand an der feuchten Wand angelehnt neben einem eingerissenen Schwert.

 

Wie hypnotisiert, wie magisch angezogen nahm Link das Abbild dieser Frau in die Hände und pustete den Staub von der Leinwand. Sein Blick versank auf dem Bild, als wollte es ihn in einer andere Dimension zerren. Sie hatte starke Gesichtszüge und etwas Tiefsinniges, Entschlossenes trat aus ihren blauen Augen. Hellblondes Haar war geflochten an ihrem Kopf hochgesteckt und betonte des Gesicht dieser Lady. Ein sanftmütiges Gesicht, kleines Kinn und auffällig perfekt zueinanderstehende Augen. So schön, dachte er. Ob diese Dame auch in der Wirklichkeit und nicht nur auf einem Blatt so wunderschön aussah?

Neugierig drehte er das Portrait einige Male und fand auf der Rückseite eine Aufschrift.

,Die schöne Medilia’ Toller Titel, dachte Link. Dass jene Dame unleugbar hübsch aussah, brauchte man ja eigentlich nicht noch auf der Rückseite vermerken. So ein Unsinn.

Vorsichtig stellte Link das Bild auf einem klapprigen Tisch ab. Viel zu schade, um auf dem Boden zu liegen, dachte er und trampelte aus dem Keller heraus.

 

Schließlich blieb nur noch der Dachboden. Sachte ging Link knarrende, teilweise kaputte Holzstufen hinauf und stand vor einem kleinen Raum mit derselben Größe und Höhe wie der Wohnraum im Erdgeschoss. Ein zerwühltes Bett stand vor einem dreieckigen Fenster und ein kleiner Schrank knapp neben der Treppe.

,Hier könnte es sich doch aushalten lassen’, dachte Link und er streckte genüsslich gähnend seine Arme in die Höhe. Und wenn dieses Häuschen niemandem gehörte, da könnte Link hier ab und an seine Ruhe finden, immer dann, wenn er diese benötigen würde.

 

Link ging langsamen Schrittes hinaus an die frische Luft und setzte sich beinbaumelnd auf einen kleinen Felsen am Rande des Teiches. Erneut schallten für wenige Minuten angenehme Okarinaklänge durch die Lüfte.

 

Abrupt stoppte Link das Musizieren und er sah mit entschlossenem Blick auf. Still und ohne weitere Bewegungen schwankten seine tiefblauen Augen nach rechts. Denn Link spürte, dass er alles andere als alleine an diesem Ort war. Vorhin schon war ihm ein leises, wenn auch gut getarntes Stiefelgeräusch nicht entgangen. Ruhig und doch herausfordernd blieb Link sitzen und konzentrierte sich auf die Aura hinter ihm. Eine Gestalt lauerte dort, umhüllt mit einem grauen Mantel verbarg sie sich im Schatten eines Baumes. Nur kurz schaute die umhüllte Person nach hinten, vergewisserte sich keiner weiteren Gestalt hier in den Wäldern.

Doch diese Sekunde schon war genug und Link schien aus ihrem Gesichtsfeld verschwunden zu sein. Der mürrische, trübsinnige Hylianer saß nicht mehr am Rande des kleinen Gewässers, schaute nicht mehr auf die Wasseroberfläche und pendelte nicht mehr mit den Beinen. Die graue Gestalt gab sich aus dem Schatten der Wälder preis und stand nun ebenso am Rande des Sees. Sie blickte um sich, aber nirgendwo ein Zeichen von Link. Hasste er die Anwesenheit anderer Seelen inzwischen so sehr? Ertrug er Gesellschaft so wenig, oder warum war er plötzlich weg?

 

Mit einem Schlag streifte ein kleiner Luftzug die Person und eine scharfe Schwertklinge saß an der mit einem Kragen zugeschnürten Kehle. Grob packte eine andere Hand beide der Person und hielt diese feste am Rücken zusammen. Erschrocken kreischte die Gestalt auf. Eine helle Mädchenstimme zerstörte die Ruhe in den Wäldern.

„Was schnüffelst du mir nach?“,  fauchte Link. „Mach’ schon. Antworte!“ Der gewandte Kämpfer kam in dem Augenblick zum Vorschein. Da nicht prompt eine entsprechende Antwort kam, drückte er die Klinge fester an die Kehle.

Doch mit allem hatte Link gerechnet, nur nicht damit, dass er plötzlich einen harten Tritt an sein Schienbein erhielt und sich die eher zierlichen Hände flink aus seinem festen Zugriff lösten. Hastig hetzte die Person aus seiner Reichweite und zog die Kapuze hinab. Pechschwarzes Haar fiel aus der Kapuze heraus. Und bernsteinfarbene Augen sahen vorwitzig in die des jungen Helden. Link kannte dieses Mädchen von gestern. Er hatte ja ganz nach Gentlemanmanie einen ihrer gewichtigen Koffer geschleppt. Ariana war ihr Name, dachte Link.

„Und ich dachte schon, du bemerkst nie, dass ich dir folge“, meinte sie schmunzelnd.

Link ließ leicht grinsend die Schwertspitze sinken und ließ sich auf das Spielchen ein. „Und ich dachte nicht, dass du glaubtest, ich hätte dich nicht bemerkt.“ Ariana schmunzelte und trat näher zu ihm heran.

„Aber jetzt mal ernsthaft, du bist nicht mal schlecht“, meinte sie und ihr Blick verweilte durchdringend in denen des Schülers der Ritterschule.

„Und trotzdem...“, fing sie an. „... nicht gut genug.“ Unauffällig und hinterlistig entriss sie Link mit einer ungewöhnlichen Bewegung das Schwertheft, machte einen Handstand nach hinten und hielt die Waffe langgestreckt vor sich.

Verdutzt beäugte Link das Schauspiel. Sicherlich, er wusste um die Kampfbereitschaft und die Schnelligkeit der Shiekah und ebenso kannte er den feurigen Kampfstil der Gerudo, aber vonseiten einer Hylianerin hatte er mit einem solchen Angriff nicht gerechnet.

Sie verdrehte grinsend den Kopf und lud Link mit einer Handbewegung ein, sie anzugreifen.

Im Sprint griff Link an den Bund seiner Stiefel und hatte in Handumdrehen einen schönen, langen Dolch in seinen Händen. Knallend prallten Dolch und Schwert aufeinander und beide Kämpfer rangen grinsend miteinander. Das Mädchen presste die Lippen zusammen, denn Link war viel zu stark für sie, das wusste sie und das spürte sie im Augenblick. All ihre Kraft legte sie in das Schwert und doch rang Link es mit dem Dolch nieder, sodass es auf dem Boden aufschlug. Diesmal war der junge Held derjenige, der das Heft des Schwertes geschickt aus der Hand des Mädchens lösen konnte.

„Du kämpfst unfair!“, sagte sie laut und rannte wehrlos, ohne jegliche Waffe hinüber an den See. „Und du kämpfst eben wie ein Mädchen“, meinte Link und wollte kapitulierend dem Mädchen Gesellschaft leisten. Aber sie entgegnete eifernd: „Aber noch hast du nicht gewonnen, du dussliger Held.“ Irritiert blieb Link stehen und sah sich das Gesichtchen der Dame ihm gegenüber nur an. Warum nahm selbst sie jetzt das Wort Held in den Mund? Verdammt, Link wollte endlich raus aus diesem Heldendasein. Er hatte genug davon und wollte nicht ständig daran erinnert werden. Doch dieses Mädchen hatte jenes Wort wohl eher unabsichtlich verwendet.

Sie sagte lächelnd: „Du hast erst gewonnen, wenn du mich fängst.“

Link sah so drein, als müsste er sich diesen Vorschlag reiflich überlegen, aber diese freche, handgreifliche Dame hatte so ein erstaunliches Feixen in ihrem schönen Gesicht, dass der kleine Frauenheld Link keineswegs wiederstehen konnte. Mit einem Nicken raste er hinter ihr her und musste sich eingestehen, dass sie durchaus sehr gut weglaufen konnte und ziemlich fix zu Fuß war. Mit großen, schnellen Schritten eilte die Verfolgte laut lachend davon, versteckte sich hinter dicken Baumstämmen und streckte dem gedemütigten Fünfzehnjährigen ihre vorlaute Zunge heraus.

Dies schien Link erst Recht auf die Palme zu bringen. Mit ratloser Miene und einem erstaunten offenen Mund sah er die Dame an und verstand den Sinn dieser Aktion einfach nicht. „Wie konntest du mir eigentlich folgen?“

„Ich bin deiner Flöte gefolgt, weißt du, ich liebe die Okarina“, meinte sie und streckte ihm wieder die Zunge heraus.

„Übringens, du bist ziemlich lahmarschig, so wird das heute nichts mehr.“ Sie lachte und stemmte ihre Hände in die Hüften: „Du hast verloren. Verloren.“ Sie neckte und reizte ihn damit, als wüsste sie sehr genau, wie man das Blut in Links Adern zum Kochen brachte. Sie wiederholte lauter: „Verloren.“

Entnervt ballte Link seine Hände zu Fäusten und rannte so schnell wie ihn die Beine seines angeschlagenen Körpers tragen konnten näher. Überrascht wich die Schöne nach hinten aus und sauste davon. Mühevoll versteckte sie ihr Abbild hinter einem dichten Himbeerstrauch und lugte nur kurz mit ihren bernsteinfarbenen Augen daraus hervor. Dann spürte sie ein leichtes Handtippen auf ihrer Schulter und eine junge Kämpferstimme meinte schon fast erheitert: „Du bist dran.“ Wortlos wand sie sich zu ihm und grinste hämisch. Wie ein kleiner, unreifer Knilch rannte der Held der Zeit davon und kannte dieses Versteckspiel von früher sehr gut. Wie oft hatte er mit Zelda Fangen gespielt und war diesem Spiel mit ihr doch nie müde geworden.

Beinahe hätte er das erste ehrliche Lächeln dieser Tage hinbekommen, aber es war nur ein kleines Grinsen, das um seine Lippen spielte.

Und nun hetzte Link vor ihr davon, streckte die Arme in die Höhe und tat so, als würde er Angst haben. In gewisser Weise hatte der einstige grünbemützte Held ja tatsächlich Angst und unverbesserliche Scham vor den merkwürdigen Geschöpfen, die sich Mädchen nannten. Nur bei Saria war das immer etwas anderes gewesen.

 

Knapp am kleinen See blieb Link stehen und zwinkerte der Dame unaufgefordert zu, sie möge ihren Hintern ein wenig schneller in seine Richtung befördern. Sie ließ sich nicht zweimal bitten und Link sah es schon kommen, dass sie durch ihr schnelles Tempo und ohne auf das Gewässer hinter ihm achtend, losstürmen würde. Und vielleicht war sie dann als Folge eines Wegrutschens am Teichrand so durchgeweicht, dass er gewonnen hatte.

Link sah sie rasend auf ihn zu eilen, wollte schon einen Schritt zur Seite gehen, um den Weg in das nasse Paradies freizugeben, aber da geschah etwas, was selbst ein Hellseher vielleicht nicht hatte erahnen können. 

Das Mädchen stolperte schreiend über eine fette, mit Knubbeln versehene Wurzel, ruderte wie wildgeworden mit ihren Armen in der Luft herum und doch tat es nichts zur Abhilfe. Es gab einen lauten Schlag durch einen Zusammenstoß, gefolgt von einem entgeisterten Schrei Links, der mitsamt der Dame, die ihn buchstäblich umhaute, in einer flachen Wasserstelle des Gewässers aufschlug. Wasserperlen wirbelten in der Luft herum, während die durchdringenden, überraschten Schreie der Dame verstummten.

Total durchnässt und mit einem schmerzendem Rückrat sah Link das Mädchen über ihm an, das mit roten Ohren und in Blut getränkten Wangen seinen Blick erwiderte.

Hastig und sich aus seinen Armen lösend stand die Schöne auf und rang sich die pechschwarzen Haare aus.

„Du könntest mir wenigstens aufstehen helfen, wenn du mich schon umhaust“, muckte Link, der sich diesen hitzigen Kommentar nicht verkneifen konnte.

„Ich sorge gleich dafür, dass du dort liegen bleibst, wenn du solche hohen Ansprüche stellst“, gab sie bissig zurück. Genervt schlug Link mit seinen Händen in dem Wasser herum und richtete seinen Oberkörper auf. „Aber du bist an dieser Situation schuld. Du bist schließlich gestolpert.“

„Aber was kann ich denn dafür, dass du mir direkt im Weg stehen musstest.“

„Wieso ich. Sei doch froh, dass ich dich aufgefangen habe, du undankbare Schnepfe, sonst wäre auch noch der Rest von dir durchgeweicht.“

Sie rümpfte die Nase und gab schließlich nach. Sie wollte Link eine helfende Hand reichen, die er aber wegschlug. „Vielen Dank, den Rest schaffe ich jetzt auch alleine“, meinte er mürrisch und sprang auf seine Beine. „Dann kann ich mir das ja für das nächste Mal merken“, murrte sie und lief laut davon stapfend in das kleine Häuschen, wo genug unbenutzte Handtücher auf einem Stapel lagen.

 

Link ging der hübschen Dame unvermittelt hinterher und wollte gerade nach einem Handtuch greifen, als aber schon wieder Gezänke zwischen den Beiden losging. Denn das Mädchen hatte sich bereits alle der Handtücher gekrallt.

„Hey, so geht das aber nicht!“, zürnte Link.

„Was geht so nicht?“

„Gib’ mir gefälligst auch ein Handtuch!“, sagte er erbost.

Sie zischte sofort zurück, während ihre bernsteinfarbenen Augen glühten: „Du bist aber nicht gerade ein Gentleman, ganz und gar nicht ehrenhaft.“

„Ich wollte nie ehrenhaft sein.“ Und die junge Lady sah beleidigt zu Boden, als hätte ihr dieser Kommentar mehr als nur das Wort genommen. Ohne weitere Diskussionen reichte sie ihm zwei Handtücher und trocknete sich selbst mit zwei weiteren, die sie besaß.

 

Einige Minuten der Stille liefen vorüber und Link schaute vorsichtshalber nach der Okarina der Zeit, die doch hoffentlich nicht durch den Sturz vorhin im Eimer war. Zelda würde ihn dann Köpfen, Vierteilen, Verfluchen und die gesamte Palette an möglichen Foltermethoden gegen ihn einsetzen, wenn er jenen teuren Schatz so unliebsam behandelt hätte.

„Das ist ein schönes Musikinstrument, Link“, fing das Mädchen an.

„Du hast dir meinen Namen gemerkt?“ Erstaunt drehte sich der Schüler um, denn die gesamte Zeit über hatte Ariana, der Name dieses Mädchens, ihn nicht so angesprochen.

„Du meinen doch auch, oder?“ 

Er nickte bloß, ein wenig verlegen, ein wenig bußfertig, da er diese Dame vorhin auf gemeine Art und Weise angefahren hatte.

„Ariana, nicht wahr?“

„Genau der“, sagte sie und band ihre glänzenden Haare zu einem langen Zopf zusammen. „Ist das eigentlich erlaubt, hier einfach einzutreten.“

„Nein, aber anscheinend gehört diese Hütte niemandem“, sagte Link und lief wieder hinaus an die frische Luft, wo die Sonne lachte.

 

Er streckte sich und gähnte herzhaft. Kurze Zeit später stand Ariana wieder hinter ihm. Eine Spur genervt, dass sie immer noch hier war, drehte sich Link um und wollte gerade fragen, was sie sich von seiner Anwesenheit erhoffte, als sie ihn freudig anlächelte und mit einem genauen Blick in seine Augen meinte: „Und hast du dich in der Ritterschule schon eingelebt?“

Sofort wich Link ihren Augen aus, wollte nicht und konnte niemanden in die Augen sehen, der hinter seine Fassade blickte.

„Wie soll’ das denn so schnell gehen, ich bin doch erst einen Tag dort.“, murrte er. Er schnappte sich einen Stein und warf diesen geschickt über die Wasseroberfläche, dass das Steinchen tanzte. Ariana gab ihm einen Klaps an seinen Hinterkopf und erwiderte belehrend: „Wenn du so unfreundlich bist, brauchst du dich nicht wundern, wenn du dich niemals einleben wirst. Egal, was du in deinem Leben durchgemacht hast, hör’ auf so gemein zu anderen zu sein!“

Fuchsteufelswild, sodass das Kämpferblut in seinen Adern zu wirken begann, wand er sich zu ihr und meinte: „Du bildest dir wohl ein, du würdest mich kennen, was?“

„Oh, vielleicht kenne ich dich ja besser, als es dir lieb ist.“

„Das bezweifle ich“, sagte er kalt und schob die Dame seitwärts. Seinen Weg durch den Wald fortsetzend, ignorierte Link, dass Ariana ihm geduldig hinterherlief.

 

Schweigsam erreichte Link einen kleinen abgetrampelten Waldweg, der nur wenige Meter von besagtem Haus und Teich entfernt lag. Während des Weges versuchte Ariana häufig den mürrischen Jugendlichen, der verbittert auf sein eigenes Schicksal, keine Lust hatte, mit irgendjemanden darüber zu reden, in ein Gespräch zu verwickeln. Aber Link tat entweder so, als hätte er sie nicht gehört, oder als hätte er sie einfach nicht verstanden.

„Zum zehnten Mal“, fing sie an, schon aus Wut ihre Kräfte nicht mehr unter Kontrolle. „Hast du gestern auch diese Kreaturen im Schlossinnenhof gesehen?“

Aber das überraschte Link dann doch noch und er drehte sich nickend zu ihr um.

„Was waren das für Dinger?“

„Ich vermute mal... Moblins... oder vielleicht Petiblins des fünften Grades. Es könnten aber auch einige Ratten gewesen sein, die häufig in Dämonennestern herumkriechen und somit von deren Pest des Bösen angesteckt worden sind.“ Link führte eine Hand an seine schmerzende Stirn und überlegte weiter: „Allerdings gab es Kreuzungen zwischen den unterschiedlichsten Dämonengeschlechtern, wobei...“ Link brach ab und sah irritiert auf. 

„Warum erzähle ich das dir überhaupt?“

„Keine Ahnung, musst du doch wissen warum. Ich sehe nur, dass du ein sehr komischer aber interessanter Vogel bist, Link.“ Er drehte sich wieder um und lief seines Weges. Ariana folgte inzwischen neben ihm und schielte zu den tiefblauen Augen des vergessenen Helden Hyrules.

„Woher weißt du soviel über Dämonen? Ich meine, mir ist schon klar, dass es in der Ritterschule ein spezielles Fach dafür gibt, aber du hast doch erzählt, es wäre dein erstes Jahr dort.“

„Nun...“, meinte Link leise und sorgfältig. Was sollte er denn auch sagen? Sollte er sagen: ,Hey, Ariana, wusstest du das noch nicht? Ich bin der Held der Zeit, jawohl, der Held des kleinen Ammenmärchens, welches alte Weiber ihren Kindern als Gute-Nacht-Geschichte erzählten.’ oder vielleicht: ,Ich habe schon etliche von derartigen Dämonen getötet, weil sie mir nach dem Leben trachteten, daher muss ich über alles Bescheid wissen...’. Link schüttelte mit dem Kopf. 

Und erneut entschied sich Link für die Unbedeutsamkeit seiner Selbst. Und belog sich doch nur mit seiner Verharmlosung der Geschehnisse. Wie oft hatte er folgenden Satz schon gesagt, wenn jemand nach ihm fragen wollte. Wie oft hatte er diesen dummen Satz gesagt, der doch keine Aussage hatte, die keinen großen Sinn ergab.

„... ich habe einige Dinge... hinter mir“, murmelte er gedämpft und kniff die Augen zu bei dem absurden Gedanken, er könnte Ariana über die vielen unwirklichen Ereignisse wissen lassen. Überraschend legte sie eine Hand auf seine Schulter und sagte ruhig: „Musst du dich eigentlich immer selbst belügen, Link.“ Ihre Stimme klang plötzlich so anders, irgendwie noch vertrauter als vorher, noch angenehmer. Der junge Held wollte schon etwas sagen, wollte Ariana bitten, was ihr Wissen verbarg, was dahinter steckte.

 

Aber plötzlich humpelte ein alter, kleiner Greis an ihnen vorbei. Eine Glatze mit einem Büschel Stroh oder so war alles, was von seinem braunen Haar geblieben war. Und ein hässlicher Sonnenbrand schmückte gerade das, was nicht von dünnem, grauen Haar bedeckt wurde. Er trug eine braune Kutte und ein lumpiger Krückstock half ihm über den abgetrampelten Pfad mit den knorrigen Wurzeln.

„Hallo, die Jugend.“, piepste er und schaute aus seinem faltenreichen Gesicht hinauf in zwei Gesichter, die nicht wussten, was sie von seiner in die Jahre gekommenen Gestalt halten sollten.

„Guten Tag, werter Herr“, meinte Ariana und reichte ihm die Hand, ähnlich einer Lady eben. Sie versuchte ihr bestes, eine etwas gehobenere Sprache und Haltung anzunehmen.

„Ihr beide habt die alte Hütte am kleinen Glücksteich entdeckt?“, sagte der Alte und setze ein Lächeln auf, wobei man seine mit Lücken übersäten Zahnreihen nicht übersehenen konnte.

„Glücksteich?“, meinte Ariana, während Link sich stumm zurückhielt und kein Wort für sinnvoll hielt. Er schwieg, so wie immer...

„Ja, man erzählt sich jemand mit einer herben Zeit hinter sich, soll hier an diesem Ort die wahre Liebe erfahren und das Glück soll ihn nie wieder verlassen haben. Daher nennt man diesen kleinen See schon seit Hunderten Jahren Glücksteich.“ Grinsend wand sich Ariana zu Link und meinte: „Glückspilz findet einen Glücksteich. Vielleicht findest auch du dort dein Glück, du dussliger Held.“

Er äffte sie verärgert nach und sah genervt in Richtung des Pfades.

„Jaja, die Helden. Sie werden zu Helden gemacht in der Ritterschule“, meinte der Alte.

„Arbeitet Ihr dort?“, meinte Ariana.

„Ja, mein Kind. Der Hausmeister bin ich dort.“ Interessiert wanderten seine  lebenserfahrenen Augen zu denen des jungen Schülers.

„Und du scheinst einer der Ritteranwärter zu sein. Nein... nein...“, sagte er, tapste näher an Link heran und streckte sich mit seiner kleinen Gestalt, sodass er in den Augen Links lesen konnte. „Ich kannte dich doch schon einmal. Aber ja... du bist bereits mehr als man sieht... Da war jemand, der dein Gesicht trug. Jaja... die Vergangenheit.“ Der Fünfzehnjährige sah gedemütigt zu Boden. Die vergessene Zukunft schien sich bei vielen bereits ohne Links Einverständnis herumgesprochen zu haben. Die grausame Zukunft, in welcher er so oft, so nah dem Tode gewesen war.

Oder ahnte der Alte etwas, was nicht der Vergessenheit, sondern einfach nur der Vergangenheit zugehörig war?

„Ich kannte ihn, Arn Fearlesst, ein bemerkenswerter Mann.“ Link erinnerte sich grob. Schwindler hatte in der Gefängniszelle von diesem Typen gesprochen. Vermutlich hatte jener Ritter hier gelehrt...

 

Ariana aber schien ein wenig geschockt zu sein. Sie packte den Alten am Arm und meinte: „Arn Fearlesst? Bitte erzählt mir mehr von ihm!“ Sie flehte fast und sah den Mann eindringlich an. 

„Gerne Kindchen“, sagte der alte Mann und humpelte wenige Meter weiter. „Aber möchtet ihr beiden nicht lieber eine andere Geschichte hören. Sagt, kennt ihr die alte Legende der Helden Hyrules?“ Ariana nickte und blickte vorsichtig in das schwermütige Gesicht des jungen Burschen neben ihr. Doch der Blondschopf ließ einfach nur sein Haupt hängen, als ignorierte er diese Geschichte, von der er ein Puzzleteilchen war.

„Die Geschichte des Helden der Zeit ist nur ein Abschnitt von jener gigantischen Legende“, erklärte Ariana. So als wüsste sie, dass der Held der Zeit neben ihr stand, suchte sie den Blick Links. Etwas Trauriges verbarg sich plötzlich in den bernsteinfarbenen Augen Arianas. Aber es war kein Mitleid, eher Zuneigung und Verbundenheit.

 

Sie trat zu ihm und legte eine warme Hand auf seine rechte Wange.

„Geh zurück zu der Hütte, die niemandem gehört. Vielleicht findest du dort die Ruhe, die Zeit, um nachzudenken.“ Sie blickte zu Boden und lief zusammen mit dem alten Mann aus den Wäldern hinaus. „Bis irgendwann.“, meinte sie und schien aus Links Blickwinkel schneller zu verschwinden als eine gewöhnliche Hylianerin...

 
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