6.Kapitel
 

„Danke...“, sagte sie sanft und löste sich von ihm. „Danke für deine Worte und deine Nähe“, sagte sie fester und blickte aufrichtig in sein markantes Grinsen, wo sich ein Ausdruck voller Mut spiegelte.

         „Ich helfe gern...“, flüsterte er direkt in ihr Ohr und drückte sie entgegen ihres Willens noch einmal an sich. „Zudem bin ich dir etwas schuldig. Du hast meine Wunden gepflegt.“ Sie ließ die Umarmung über sich ergehen und genoss mehr und mehr jedes Stückchen davon.

„Und außerdem...“ Er schmunzelte: „Welcher Held möchte nicht einer Prinzessin ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürfen?“

„Du bist berechnend...“, sagte sie leise und schloss die müden Augen.

„Ja, Midna meint zwar immer, ich bin nur ein Tölpel, aber dafür ein schurkischer Tölpel“, lachte er, worauf sie erneut zu einem Lächeln verführt wurde.

         Er entließ sie aus der wärmenden Nähe und nahm das bildhübsche Gesicht in seine Hände. Ganz sanft und einfühlsam.

         „Lächle noch einmal...“, meinte er. Sie erfüllte ihm den Wunsch.

„Und noch einmal!“ Sie grinste und lachte daraufhin.

„So ist’s gut. Es ist wunderbar, wenn du lächelst.“

         Sie wischte sich selbst die restlichen Tränen aus den Augen und blieb noch einige weitere Sekunden in seiner warmen Umarmung. ,Er war wahrlich ein Held, der ein trauriges Gemüt zum Lachen bringen konnte’, dachte sie.

         „Weißt du, du bist vollkommen ein Held...“, flüsterte sie, legte ihre Hände auf seine feste Brust und stieß ihn endlich sanft von sich weg.

„Ein wundervoller Held, Zelda.“

„Ja...“, sagte sie scheu und faltete ihre Hände vor der Brust.

„Und raffiniert!“, protzte er, worauf sie grinsend aufsah.

„Aber auch hundsgemein“, neckte er. Sie lachte über dieses Wort. Es entsprach mehr seiner Art, als er sich selbst im klaren war. Und wie hundsähnlich, vielleicht auch hundsgemein, er sein konnte.

         Sie ließ sich wieder auf die Bettkante sinken und strich sachte über das staubige Laken und die zurückgeschobene Bettdecke.

„Du kennst den Grund, der dich hierher geführt hat, nicht wahr?“, hauchte sie über ihre schönen Lippen, traute sich aber nicht mehr in seinen hypnotisierenden Augen zu schwimmen. Seine Beine bewegten sich fast von selbst zu der jungen Lady hinüber. Sie zog ihn wie magisch an und wusste es womöglich...

         Erneut saßen sie zusammen auf der zerschlissenen Bettkante, aber scheuten ihre Blicke und scheuten sich noch mehr vor der Wahrheit.

         „Wir sind verbunden über das Schicksal...“, meinte sie leise und lehnte sich haltsuchend an seine Seite, legte ihren müden Kopf an seine Schulter. Rein intuitiv, und weil er wusste, dass es richtig war, dass es seine Bewandtnis und seinen Sinn hatte, ihr nahe zu sein, ließ er seinen rechten Arm um ihre schmalen Schultern wandern.

„Du hast Recht, Zelda... ich kenne den Grund, der mich hier her geführt hat.“ Diese Worte kamen beinahe kriechend von seinen Lippen. Denn es war nicht einfach und es ergab keinen Sinn, bedachte man die wenige Zeit, die sie miteinander verbracht hatten und den schmalen Grad auf dem er sich bewegte. Er kannte sie nicht und kannte im gleichen Moment jede Seite von ihr...

         „Der Grund warst nur du...“

         Danach Stille der Worte...

         Nur der Regen trällerte sein Lied an die rußigen Scheiben des schwarzverzierten Fensters und mischte sich mit den kreischenden Rufen der verhexten drachenartigen Wachen am teuflischen abendrotgefärbten Himmel.

Und im Hintergrund hörte man das leise Flattern der Flügel des goldenen Schmetterlings, der in das Kämmerchen reines Licht zurückbrachte.

„Ich brauche dich in diesem Kampf...“, meinte er leise, worauf er sie noch ein Stückchen mehr in seine Arme zog. Sie drückte ihn sanft von sich weg, obwohl seine Nähe gut tat. Er wirkte ein wenig verletzt und starrte betreten zu ihrem goldbraunen Hinterkopf. War er zu aufdringlich?

„Entschuldige...“

„Das brauchst nicht... dich zu entschuldigen...“ Er nickte bloß und blickte auf die Bettkante.

         Vorsichtig lehnte er seinen starken Rücken an die hinter ihm liegende Wand und seufzte ein wenig angesichts der Wunde.

         „Brauchst du mich nur in diesem Kampf?“, fragte sie neugierig und krabbelte über das zerwühlte Bett zu ihm. Und obwohl er eigentlich nur ein Fremder war, suchte sie wieder seine Nähe. Sie mochte jene, und sie mochte seinen Beschützerinstinkt...

Er schüttelte den Kopf und lächelte. Sein Grinsen war magisch und zauberte ihr ebenso eines.

„Du durchschaust mich viel zu leicht, Zelda.“ Seine Worte waren sanft und sinnlich. Seine blauen Augen durchdringend. Und seine warme Hand wanderte zu den goldbraunen Strähnen der neben ihm hockenden Prinzessin.

„Das ist doch meine Aufgabe...“

„Hylianer zu durchschauen?“ Sie nickte mehrmals und schloss dann ihre Augen. Das überfällige, unterdrückte Gähnen entfuhr ihr. Sie wusste nicht einmal, wie lange sie schon wach war. Es könnten Tage sein, in denen sie nun schon keinen Schlaf gefunden hatte.

         „Bist du müde?“, meinte er leise.

„Ich schlafe nicht besonders gut, hier in diesem Turm...“ Er konnte ihr geradezu ansehen, woran es lag. Es war diese ständige Angst vor dem Vieh des Zwielichts, den Dämonen...

„Möchtest du ein wenig schlafen, ich wache über dich.“

Ihr Gesichtsausdruck erhellte sich. „Du würdest das tun?“

„Sicher.“

„Aber wenn die Wachen kommen...“

„Dann verstecke ich mich unter dem Bett“, lachte er. „In Ordnung? Ich pass’ auf dich auf.“

Sie reichte ihm die Hand, worauf er jene ehrerbietend küsste.

„Danke“, murmelte sie, lehnte sich ein wenig unbeholfen und unsicher in seine Arme und schloss die Augen. Innerhalb weniger Minuten war die Prinzessin Hyrules in den innigen Armen des Helden eingeschlafen.

         Er hatte nichts dagegen, war sogar noch verblüfft und angetan von ihrer plötzlichen Offenheit ihm gegenüber. Etwas so Schönes hielt er bisher noch nie in den Armen und er würde dieses neue Gefühl, dieses Erleben von Nähe und Vertrauen, auf ewig aufbewahren.

 
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