7.Kapitel
 
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Zelda schlief ruhig und friedlich. Ihr hübsches Gesicht ruhte auf seiner Brust und er hatte irgendwie so eine Unruhe, seine Atmung, das schwache Auf und Ab seiner Brust, würde sie wieder aufwecken.      Erfüllt von diesem unsinnigen Gedanken atmete er gehemmt und in kleinen Abständen.

In dem Augenblick wanderte ihr Rechte neben ihr Gesicht und lag ebenfalls streichelnd und verwöhnend auf seinem Oberkörper. Es raste in seinem Herzen. Ein Gefühl unglaublicher Zuneigung schürte sich in seinem Magen. Er rollte seine tiefblauen Augen und blickte dann verzaubert erneut in das blasse Antlitz des einflussreichsten Wesens Hyrules.

         Gefühle der Angst schlichen sich in sein Gemüt. Wie konnte er sie nur jemals hier in diesem Kerker lassen? Sie musste endlich fliehen. Er würde nicht länger mit ansehen, dass sie hier ihrer Trauer verfiel.

Er wollte sie doch nur beschützen. Vor den Dämonen und vor dieser Einsamkeit...

         Link begann ihren Rücken zu streicheln, überwältigt von dem feinen, dünnen Material aus dem ihr Gewand genäht war und er selbst ruhte ebenso, ließ die Zeit seine eigenen Wunden heilen...

         Sie schlief bereits eine halbe Ewigkeit, als Link ihren zarten Körper auf das knarrende Bett sinken ließ, sie sachte zudeckte und auf seine Beine hüpfte.

         Es war seltsam hier zu sein, Zelda um wenige Worte zu bitten, sie um ihre Nähe zu bitten. Es war beinahe vertraut und es fühlte sich an wie ein milder Wind in der eigenen Seele, der ihm Kunde aus einer weitzurückliegenden Vergangenheit brachte.

         Denn er kannte sie, vertraute jener Hylianerin als hätte er in einem weitzurückliegenden Leben einmal mehr als Friedensliebe mit ihr geteilt.

Er war sogar ihrem Ruf gefolgt durch ein altes mächtiges Band zwischen auserwählten Triforceträgern.

         Er beugte sich näher und streichelte ihre schwachrosa Wangen, verzaubert und erfüllt von einer nie erlebten Wonne. Sie war mehr als die reine, weise Prinzessin, die ihr Land beschützte. Sie war mehr als eine wunderschöne Hylianerin mit edlen Idealen. Sie war ein unvergängliches Licht, das sich nach Liebe sehnte.

Sie war sein Licht.

Und sie war ihm.

         In dem Augenblick realisierte Link, dass er sie nicht nur brauchte... er begehrte sie.

Wenn er sie doch nur bis zum Ende aller Tage wärmen könnte! Wenn er sie doch nur küssen könnte...

Er würde alles dafür tun. Bloß ein Kuss. Nur ein einziger...

Aber er wollte ebenso ihr Vertrauen nicht enttäuschen. Er wollte ebenso, dass sie erwiderte.

         Gerade da öffneten sich ihre himmelblauen, traurigen Augen langsam und Link sah Frieden darin und Sehnsucht. Sei seufzte und lächelte, als sie ihn erblickte. Er näherte sich ihr, sank auf die Bettkante und nahm ihre rechte Hand in seine beiden.

„Nanu, du bist schon wieder wach?“ Sie lächelte, anstatt zu antworten. Er konnte sich nicht helfen, als sie einfach zu berühren, zu küssen... und so wollten seine Lippen ihre Stirn für mehrere Sekunden bedecken. Noch ehe die junge Prinzessin wusste, was er vorhatte, beugte er sich näher und setzte sein Begehr in die Tat um. Sie war milde überrascht, aber nicht verärgert über diese Geste und sah eine Spur Scham in seinem Blick, der sie zum Lächeln brachte.

„Das war sehr lieb von dir...“, murmelte sie. Er lief rot um die Wangenknochen an und babbelte: „Du bist nicht verärgert deswegen...“

„Nein, es zeigt mir deine Achtung und deine Zuneigung. Danke dafür“, sagte sie sanft. 

         „Hast du gut schlafen können?“, wollte er wissen, wohl eher um sich von dem eben geschehenen abzulenken.

„Sehr gut, Link. Ich hatte einen wunderbaren Traum...“ Sie richtete sich auf, drückte sich eng an seinen Rücken und schlang ihre Arme um seinen Bauch. Link atmete scharf ein und konnte nicht einmal begreifen, was hier geschah. Sie umarmte ihn einfach. Aus heiterem Himmel streichelte sie die ohnehin empfindlichen Partien an seinem Bauchbereich. Aber er genoss das Gefühl und legte seine Hände auf ihre.

         „Wovon hast du geträumt, Zelda.“

„Von blühenden Wiesen... und einem Hyrule in Frieden.“

„Du wirst sehen“, sprach er ermutigend. „Träume werden wahr, wenn man fest an sie glaubt. Sehr bald ist das Volk Hyrules wieder frei.“

„Ja, ich glaube daran, weil du da bist...“

„Ich werde das Dämmerlicht stoppen. Das verspreche ich dir, Zelda...“

„Das brauchst du nicht versprechen“, meinte sie, löste sich von ihm und sie traten gemeinsam auf die Beine, standen direkt voreinander.

„Ich weiß, dass du es schaffst.“ Er lächelte.

„...weil ich ein Tölpel bin?“

„Nein, weil du ein schurkischer Held bist“, erwiderte sie und lächelte ebenso. Er lachte und umarmte sie fest, atmete ihren Geruch noch ein wenig ein.

         „Ich werde mich langsam auf den Weg machen müssen“, murmelte er, aber es schien als hätte er noch eine Bitte, als hätte er noch etwas zu erledigen. Sie hörte seinen Worten aufmerksam zu und spürte eine Unruhe von ihm ausgehen.

„Aber ich will und kann dich nicht länger hier lassen.“ Er rückte wenige Zentimeter weg und streichelte die blassen Wangen seiner Prinzessin. Er hatte Zweifel über das eben Gesagte in seinen tiefblauen Augen, den Augen des Wolfes.

„Und ich kann nicht gehen. Wie lange werde ich mich wohl verstecken können, bevor man mich findet?“, sprach sie ängstlich, worauf er den intensiven, eindringlichen Blick verwehrte.

„Aber ich habe Angst um dich, Zelda.“ Sie schloss ihre Augen, und küsste ihn auf die rechte Wange, blieb aber innig in seinen Armen. Der Kuss war so kurz, dass er ihn nicht einmal realisieren konnte.

         „Du musst gehen, Link. Ich will nicht, dass dich die Wärter hier finden...“ Aber tief in ihren Augen sah er ein Betteln nach seiner Anwesenheit und sie wusste ebenso, dass ihre Augen sie verrieten.

         „Ich komme wieder...“, sagte er lauter.

Sie nickte: „Und ich warte auf dich.“

         Sie löste sich von ihm und trat zu dem Fenster. Neben dem Stuhl lag der magische Umhang, der Link wieder in die Bestie des Guten verwandeln würde. Und dann wäre er wieder nichts mehr als ein Wolf. Nur ein Getier mit heiligen Engelsaugen.

         Innerhalb von Sekundenbruchteilen stand sie erneut an dem rußigen Fenster mit dem schwarzbemalten Gitter und blickte trübsinnig zu dem Umhang. Sie wollte ihn gerade vom Boden aufheben, als Link sie mit den starken Armen umschlang, die vor wenigen Tagen und Wochen das Schwert führten und sich dem Blut dämonischer Opfer schuldig machten.

Er zog sie an sich, und sein Schädel mit den durchgeschwitzten Haarsträhnen legte sich auf ihre rechte Schulter. Sie fühlte seinen warmen Atem mit einem unerträglichen Zittern an ihrem Hals, spürte einen leichten Druck ausgehend von seinen Händen, die auf ihrem Bauch spielten. Und sie genoss es unmanierlich. Noch nie hatte ein Mann sie auf diese Weise umarmt, sie mit derartigen Berührungen gestillt, nach denen sie durstete...

         Seine Nähe war angenehm und sein warmer Körper an ihren Rücken angelehnt saugte die restliche Kälte und Trauer aus ihrer Seele, die tief in dem unschuldigen Prinzessinnenkörper wurzelte.

         „Bitte, pass’ auf dich auf, okay?“, sagte er leise. „Bitte nutze deine Kräfte, wenn du musst. Und bitte denk’ auch einmal an dich... Ich weiß, Hyrule braucht dich, aber für Hyrules Sicherheit bin jetzt ich zuständig. Ich möchte, dass du dich nicht opferst...“

         Sie schwieg auf seine Worte, blickte mit ungewissem Ausdruck in ihren Augen seitlich. Sie konnte diese Bitte nicht eingehen, Link wusste es und er würde es akzeptieren. Die Liebe zu ihrem Land würde soweit gehen, dass sie mehr opferte als sie besaß...

         Link ließ von ihr ab, neigte sein Haupt und wusste es doch. In jedem Leben, das sie nun schon lebten, würde sich ihr Schicksal niemals erfüllen... Er wusste um die Vergangenheit, nun noch eindringlicher als vorher, und er wusste um die grausame Zukunft, die ihnen noch bevorstand. Einst sagte ein Geschöpft von niederster Gesinnung: „Die Geschichte von Licht und Schatten ist in Blut geschrieben.“ Er hatte Recht, Link verstand es. Und es würde die Zeit kommen, wenn er diesen Satz wieder hören würde.

         Zaghaft hob Zelda den magischen Mantel vom Boden auf und reichte ihm das Kleidungsstück mit einem verträumten, sehnsüchtigen Blick, den nur seine Prinzessin aussenden konnte.

         Er erwiderte das Lächeln, nahm ohne Worte den Umhang und versank in jenem, wurde kleiner und unter dem Umhang wuchs die Form und Einzigartigkeit des Wolfes heran, bis sie ein Heulen und Hecheln aus seiner Kehle vernahm. Seine Verwandlung in die blauäugige Bestie, die das Zwielicht bekämpfte, war abgeschlossen. Und als der Mantel zu Boden krachte, leuchteten erneut diese Augen aus der Wolfsfratze, die sie ein Leben lang in ihren Träumen begleitet hatte. 

         Er war nun wieder nichts weiter als ein Wolf.

         Eine Kreatur der Nacht... nicht mehr...

         Sie kniete nieder und der Wolf schleckte ihr über die rechte Wange.

Sie flüsterte: „Sei tapfer, mein Heroe.“ Der Wolf heulte und hetzte mit einem letzten, zweifelnden Blick aus dem Raum, bis seine leisen Pfoten stillschweigend in der Stille untergingen...

         Sein letzter Blick würde sie verfolgen, das wusste sie. Und sein Blick sprach nachsinnend zu ihr.

         „Irgendwann werde ich mit dir über Hyrules saftige Wiesen wandern. Irgendwann bist du frei. Für Hyrule und für mich...“

         Sie nahm den Umhang wieder an sich, schaute mit zum Leben erweckter Hoffnung in den blutroten Himmel mit seinen grauen Wogen. Erneut hörte sie den bitteren Wind rauschen, aber er erweckte nun nicht mehr die Trauer und das Erinnern an stille Kindermärchen. Er war nun ihr Freund und ihr Bote der Hoffnung. Ein warmer Luftzug, der die Sinne streifte, erschaffen von den glühenden Winden.

         Und er flüsterte ihr leise zu: „Irgendwann...“

         „Irgendwann...“

 

 
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