8. Kapitel
 

Kapitel 8

 

 

Als der junge Held der Zeit das Licht seine blauen Augen benetzen ließ, stand sein Zimmergenosse bereits an seinem Schrank und wühlte nervös darin herum. Nicht nur der Krach, den er mit seinem Gewühle fabrizierte, ließ auf seine Spannung und Aufgeregtheit hindeuten, nein, William schien so zerstreut zu sein, dass er sich zwei verschiedene Strümpfe angezogen hatte, seine schwarze Tunika verkehrt herum trug, der Gürtel an seiner Hüfte halb herunterbaumelte und sein hellbraunes Haar aufgewühlt und struppig in die Höhe stand.

Link ließ ein Murren aus seinem Mund erlauten und richtete sich auf.

„Morgen“, meinte William, der gerade Verbandszeug in seinen Händen hatte. Verdutzt beäugte der junge Held der Zeit die Bandagen. „Morgen. Was willst du denn damit?“

„Ähm... nichts weiter“, entgegnete der Schüler und knallte das Zeugs wieder in den Schrank. Aber Wills Nervosität schwand nicht. Zappelig nahm er einen Schluck Wasser aus einem Krug und verschüttete bei seinem unglücklichen Trinken die Hälfte. Link ließ sich faul in das Bett zurücksinken und starrte mit leerem Blick an die kratzige Decke. Erneut hatte er etwas Seltsames geträumt und wieder war diese Alte Frau mit den blauen Augen darin erschienen...

Seufzend meinte Link, um sich von dem Traum abzulenken: „Gibt es einen Grund für deine Nervosität?“

„Du bist ein guter Beobachter, nicht wahr?“ Link nickte. William trat näher und setzte sich auf einen runden Hocker vor dem Bett.

„Aber mich wundert es, dass du nicht nervös bist... Heute ist schließlich der Test.“ Link warf Will einen genervten Blick zu, gemischt mit sturer Langeweile.

„Ach so“, sagte der junge Held der Zeit unbeeindruckt. Warum sollte er vor diesem Test auch Angst haben? 

„Du bist nicht aufgeregt deswegen?“

„Nein, warum sollte ich?“, sagte Link und seufzte laut auf, schloss seine Augen kurz und dachte heimlich an einige Kämpfe aus der alternativen Zukunft oder die Kämpfe in Termina. Vor so etwas sollte man Angst haben, nicht vor einem billigen Test gegen einen gut ausgebildeten Kämpfer, wie Orson sagte.

Das schockierte Gesicht Wills ignorierend, sah Link nachdenklich aus dem Fenster zu seiner linken.

 

„Du sag’ mal. Du bist zwar mein Mitbewohner, aber ich weiß absolut noch überhaupt nichts über dich.“

„Ja und?“, sagte Link genervt, sprang aus dem Bett und hüpfte in ein paar Latschen. Sofort verstand der junge Laundry, dass Link ein Einmischen in seine Angelegenheit hasste. Und sofort unterband Will seine Fragen.

Link stand nur mit dem Rücken zu Will, fuhr sich durch die blonden Haarsträhnen und meinte leise, weicher als sonst: „Versteh’ das nicht falsch, aber es ist besser für dich und deine Familie, wenn du nicht zu viel über mich weißt.“

 

Damit verließ William verunsichert den Raum und Link machte sich bereit für den Test in wenigen Minuten...

 

Der Test fand in einem abgelegenen Teil des Parks statt. Nur Familienangehörige und einige Lehrer waren anwesend, sowie diejenigen Schüler, die sich der Prüfung unterziehen mussten. Zehn Jungspunde, einschließlich Link, standen aufgereiht vor dem Direktor, der gerade die Platzierung vorlas. Zu Links Bedauern war er der letzte, der an der Reihe war.

Einige Holzbänke waren vor der kleinen Arena aufgebaut. Der Kampfschauplatz war nicht besonders groß und doch breit genug, um ordentlich das eigene Können zu demonstrieren. Dem Weglaufen war hier kein gutes Kraut gewachsen, da die kleine Arena umzingelt mit einem hohen Holzzaun niemanden das Entkommen ermöglichen würde. Ja, in jener Hinsicht hatte dieser Test wahrlich etwas Beängstigendes. Aber weniger gefährlich war der Gegner...

Valiant von Hyrule stand inmitten der Szenerie. Es handelte sich bei dem gutausgebildeten Kämpfer also um keinen anderen als ihn, den Cousin Zeldas...

Und eine weitere Kleinigkeit zog Links Interesse auf sich. Ein großer Käfig ganz links, der von einem grauen Tuch abgedeckt wurde. Was sich darin wohl verbarg?

Zudem wurde jeder, der kein eigenes Schwert bei sich trug mit einem aus der Waffenkammer versorgt. In wenigen Minuten würde der erste Test eines Sitzenbleibers stattfinden. Die Jugendlichen trainierten aufgeregt und nervös mit ihren Vätern oder untereinander. Nur Link saß abseits auf der Holzbank und wartete auf das, was da kommen möge.

Plötzlich fühlte er eine warme Hand auf der Schulter, und der junge Kerl fühlte sich am Rande der Geschehnisse, als ob das wilde Kampfgeschrei der Jungen mit ihren Vätern erloschen wäre. Trübsinnig blickte er auf und sah die schöne Belle Laundry, die Mutter von William, neben ihm sitzen.

„Hast du niemanden, der bei deinem Test beiwohnt?“ Link schüttelte kurz den schwermütigen Kopf und stützte diesen wieder in die Hände.

„Das macht doch nichts“, sagte Belle mit ihrer warmherzigen Art und deutete mit einem Arm auf die Wiese, wo ihr Sohn mit seinem Vater trainierte.

„Wenn du möchtest, dann beteilige dich an Williams kleinen Kampf gegen seinen Vater.“

„Dieser Mann dort ist Williams Vater?“, sagte Link überrascht. Es handelte sich um einen breitschultrigen Mann mit dunkelbraunem Haar. Und das Abzeichen der Farore haftete an der Ritterrüstung, Link hatte diesen Ritter bei seinem Schlossbesuch gesehen und... er ihn... Oh je, dachte Link. Hoffentlich erinnerte sich dieser Herr nicht daran, dass Link im Schloss herumgestiefelt war.

„Ja, das ist Lassario. Mein geliebter Mann“, meinte Belle und lachte. Eine Pause entstand.

 

„William hat uns schon erzählt, dass du mit ihm ein Zimmer teilst. Er hat sich richtig gefreut.“

„Wirklich?“ Das überraschte Link nun doch ein wenig. Wenn man die Abweisung und Gemeinheit, der er diesem William ins Gesicht geschmettert hatte, bedachte, ließ sich wohl kaum abstreiten, dass jener William ein ziemlich geduldiger Zeitgenosse war, der einen Sprung in der Schüssel haben musste, dachte Link...

 

Ihr Arm schwenkte und sie deutete zu einem Apfelbaum, wo ein Kind herumsprang, sich anscheinend hinter dem Baum vor sich selbst versteckte. Ein Kind, das genau dasselbe dunkelrote Haar besaß wie Belle Laundry. „Und dieses Mädchen dort“, erklärte sie. „Das ist Lilly. Meine Tochter.“ In dem Moment hüpfte das kleine Mädchen in einem dunkelgrünen Kleidchen mit grauer Schürze bekleidet näher und grinste zu Link, der sofort den Blick unterband.

Sie setzte sich auf den Schoß ihrer Mutter und strahlte Link mit genauso grünen Augen an, wie ihre Mutter. „Hallo, Linkelchen“, piepste Lilly und grinste neckisch. Ihre Mutter streifte mit bitterbösen Ausdruck die Lachfalten des Kegels. Es war schon verwunderlich, dass jenes Kind den Namen des Fünfzehnjährigen wusste. 

„Hallo“, murmelte der unerkannte Held.

„Also Link, wie wäre es, willst du nicht doch noch mit Will und Lassario trainieren?“

Doch der junge Held schüttelte den Kopf, wollte sich nicht beteiligen, da er das Training nicht nötig hatte und sich in das Verhältnis eines Vaters mit seinem Sohn nicht einmischen wollte.

„Mami, Mami“, sagte Lilly dann, während ihre durchdringenden, riesigen Glubschaugen beinahe aus den Höhlen fielen. „Das ist doch ein goldener Hylianer.“ Belle zog ihre Augenbrauen nach oben und meinte ernst: „Lilly, mein Schatz, jetzt fang’ nicht wieder mit deinem Hokuspokus an.“

„Aber unser Linkelchen ist vergessen worden“, sagte sie schmollend.

„Lilly!“, meinte Belle nachdrücklich und scharf.

„Du bist unwissend, Mami“, bockte die Kleine und steckte sich ihren Daumen in den Mund. Sie sabberte und sprach trotzdem weiter zu Link gewandt. „Da ist jemand ganz, ganz doll böse auf dich. So richtig böse böse. Und der sitzt im Nebel, in schwarzen Rauch. Mami, Mami, das ist ein ganz böser Ort. Mach’, dass der böse Mann dort nicht weggeht.“ Sie quengelte plötzlich und fing zu weinen an. Geschockt wanderten Links tiefblaue Augen zu dem Mädchen und er erkannte, dass sie mehr wusste, als man ihr zutrauen würde.

Sie rieb sich die Augen und schaute auf. „Der Mann hat niemanden lieb. Der ist dreckig, der ist hässlich und hat so einen bösen, bösen Blick.“ Beschämt sah der junge Held der Zeit zu Boden und wich einige Zentimeter nach hinten.

„Lilly, jetzt hör’ endlich auf mit deinem Unsinn!“ Sie entriss sich dem Zugriff ihrer Mutter und hüpfte auf die kleinen Kinderbeine. Sie streckte der Mutter schmollend die Zunge heraus und rief laut umher: „Und trotzdem hat Linkelchen die Zeit betrogen, genauso wie das andere Mädchen mit der blauen Okarina. Linkelchen war weg und ist wieder da.“ 

Mit einem lauten Gezanke stolzierte sie wieder zu dem Apfelbaum und versteckte sich vor sich selbst. Link sah dem kleinen Kind verwirrt hinterher. Woher wusste sie das alles? Dieses Kind wusste um den Betrug der Zeit. Sie wusste von Zelda und sie wusste vom Großmeister des Bösen. Entgeistert ließ sich Link wieder auf die Holzbank sinken und starrte zu seinen Füßen auf das frischgemähte, grüne Gras. Ein Kind wusste alles... Konnte es sein, dass auch andere über die vergessene Zukunft mehr wussten, als es das Schicksal erlauben wollte?

 

„Vergiss’ Lillys Gefasel. Zu jedem sagt sie unheimliche Dinge. Nimm’ es nicht so ernst, Link.“

„Okay...“, meinte er lediglich und spazierte mit den Augen wieder zu Lilly, die ihm verspielt zu winkte.

„Wegen ihrem seltsamen Gerede waren wir bereits bei einer Heilerin, aber sie meinte, es sei für ein außergewöhnliches Kind wie Lilly kein Fluch, sondern eine Gabe. Manchmal erzählt sie Dinge, die sich tatsächlich bewahrheiten, manchmal tut sie so, als wüsste sie die Vergangenheit einiger Menschen um sie herum. Ihrem großen Bruder beispielsweise hat sie prophezeit, er werde der beste Freund des größten Helden Hyrules sein.“ Belle lachte auf, während Link sich verlegen am Kopf kratzte.

„Und wollt ihr deswegen nicht einmal bei einem Weisen Rat fragen. Immerhin hat Lilly schon eine seltsame, verantwortungsvolle Gabe erhalten“, meinte Link scharfsinnig.

„Bei einem Weisen, sagst du?“

„Ja, ihr könntet den Weisen Rauru in der Zitadelle der Zeit um Antworten fragen.“ Belle sah überrascht auf. „Meinst du, er würde seine Zeit für so etwas Minderes hergeben.“ Diesmal war es an Link, der dümmlich grinste und beinahe angefangen hätte zu lachen. 

„Zeit? Raurus wahre Gestalt befindet sich schon lange im Jenseits. Sein Geist, der in der Zitadelle wandelt, hat mehr als genug Zeit.“ Die Überraschung in Belles Gesicht stand ihr einfach nicht.

 

Damit lief Link zu Lilly hinüber, die unbedingt einen reifen roten Apfel von einem Ast haben wollte. Sie hüpfte mit aller Kraft und doch erreichte sie den Ast nicht.

„Möchtest du so einen Apfel?“, meinte Link und traute sich irgendwie nicht wirklich die Augen des wissenden, beinahe unheimlichen Kindes anzuschauen.

„Gerne“, quiekte sie und ihre roten Wangenbäckchen erweckten den Eindruck, als wären sie mit Speck eingerieben worden.

Gekonnt krallte Link sich einen Ast und zog sein gesamtes Körpergewicht hinauf. Er pflückte drei Äpfel, alle unterschiedlich gemustert und sprang flink den Baum herunter. „Hier, die anderen zwei kannst du mit heim nehmen.“

„Du bist ganz doll lieb, Linkelchen.“

„Ist gut, Lilly.“

„Der dumme Direktor hat schlimme Sachen mit dir vor. Du musst gleich ganz doll aufpassen. Da hinten in dem Käfig ist was Böses“, meinte sie. Link ging auf seine Knie und zwang sich dazu der Kleinen in die Augen zu sehen. „Wie meinst du das, Lilly.“

„Weiß nicht?“, druckste sie herum und zog ihre Unterlippe über die Oberlippe.  

„Wenn du siehst, Lilly. Wie siehst du die Dinge?“ Sie lächelte und hatte plötzlich unermessliche Freude in ihren smaragdgrünen Augen.

„Da ist überall Licht, was zeigt, wohin ich gehen soll.“

„Licht“, sagte Link nachdrücklich und versuchte zu lächeln, auch wenn es ihm einfach nicht gelingen wollte. „Das ist gut, Lilly. Licht ist wunderbar. Geh’ weiter deinem Weg in das Licht, ja?“

Sie nickte und biss genüsslich in einem reifen, knackigen Apfel.

 

In dem Moment ging ein schrilles Pfeifen durch die Luft, welches alle Anwesenden aufblicken ließ. Sir Viktor trampelte mit seinen lackierten Stiefeln und den übertrieben lobgepriesenen Orden und Abzeichen an seiner fettigen Ritterrüstung näher. 

„Der Test beginnt“, sagte seine kratzige Stimme und der erste Schüler wurde aufgerufen.

Ein Sitzenbleiber mit Namen Mondrik Heagen, der jedes Jahr diesen Test über sich ergehen lassen musste. Sicherlich besaß jener Junge eine ruhmreiche, traditionsbewusste Familie, und doch war er einfach nicht zum Ritter geboren. Durch sein gewichtiges Äußeres würde man ihn viel eher einer Mönchs- oder Bauernfamilie zu ordnen.

Langsamen, ängstlichen Schrittes wagte er sich in die Kampfarena und das hölzerne Tor hinter dem Jungen wurde abgesperrt. Der Kampf begann. Ein einfacher Kampf, in welchem Valiant behutsam und sicher den Gegner herausforderte und die Schwachstellen testete.

 

Währenddessen streckten Lassario und sein Sohnemann beide ihre Glieder in alle Himmelsrichtungen und machten sich auf der Holzbank breit, wo Link saß und dem Geschehen zu sah. Mehr und mehr erwuchs in ihm das Gefühl, nicht einen Hauch seiner Kampfkünste hier preisgeben zu müssen. Denn Mondrik Heagen beispielsweise hatte fast gar nichts an Technik, die er sauber ausführen konnte.

 

„Du bist also Link“, sagte Lassario und wollte mit dem Jungen anscheinend ins Gespräch kommen. Er hatte eine freundliche Stimme, die sehr klar war. Der unerkannte Held nickte lediglich und sah zu Boden, aus Angst dieser Mann könnte etwas fragen, was für ihn selbst peinlich war, wie die Tatsache...

„Und hast du keinen Nachnamen?“ Genau das hatte Link kommen sehen. Er besaß keinen Nachnamen, denn den wusste er nicht. Kokiris hatten keine Nachnamen wie es in der Außenwelt Gang und Gebe war. In Kokiri waren Nachnamen nicht nötig...

„Entschuldigung“, sagte er und lief aus dem Park hinaus in einen menschenleeren Winkel. Er lehnte sich mit dem Kopf vornüber in einen kleinen Brunnen und beobachtete sein trauriges Spiegelbild. Konnten die Menschen in seiner Umgebung es nicht selbst sehen? Musste er jedem erklären, was mit ihm nicht stimmte?!

Wütend schlug er mit der Faust auf das Gestein des Brunnens auf und kniff verzweifelt die Augen zu.

 

„Hab ich etwas falsches gesagt?“, meinte Lassario, als er Belles schimpfenden, beißenden Blick sah. „Ja, das hast du, werter Ritter!“

„Und was habe ich in meiner geachteten Position nicht bedacht?“, sagte er neckisch, denn er wusste genau, wie er sich mit seiner Frau unterhalten musste, damit sie ihm für seine grobe Art vergab.

„Hast du bemerkt, dass es niemanden gibt, der diesem Jungen  beiwohnt. Zum Teufel, ich habe dir das schon mal gesagt, werter Herr. Hast du unser Gespräch von neulich vergessen, Liebster? Ich vermute mal, Link ist wirklich ein Waisenkind“, sagte sie. Ein erstaunter Blick ging aus Williams Gesicht, welches im Augenblick die gleichen Züge aufwies wie das seines voreiligen Vaters.

„Und vielleicht kennt er seinen Nachnamen nicht einmal.“

„Oh...“, meinte Lassario widerruflich. „Das kann ja niemand vorhersehen...“

„Meinst du, das ist der Grund für Links merkwürdiges, abweisendes Verhalten?“, setzte Will hinzu. Belle nickte. „Bestimmt, mein Sohn.“ Und auch William sah trübsinnig drein. Er dachte für einen Moment daran, seine Eltern nicht zu haben, dachte daran, auf der weiten Welt ganz und gar alleine zu sein. Wenn man niemanden hatte, dann war Abweisung und Distanz vielleicht ein Weg mit sich selbst klar zu kommen... 

 

Sodann erfolgten lange Kämpfe, jeweils eine halbe Stunde für einen Schüler.

Im Nu waren drei Stunden verstrichen und William Laundry wurde aufgerufen.

„Hals- und Beinbruch, Junge“, sagte Lassario, während in Wills Magen die Hölle umherging.

„Du schaffst das“, meinte Belle anspornend. Und William wagte sich in die Höhle des Löwen.

 

Auch Link kam derweil wieder von einem kleinen Trip rings um das Anwesen. Es linderte den Hass auf sich selbst und kühlte seinen Ärger ab. Trübsinnig setzte er sich wieder auf eine Holzbank und beobachtete mit seinen scharfen, tiefblauen Augen den Kampf. William war nicht einmal schlecht, dachte Link. Und mit ein wenig Übung und einer ordentlichen Portion Fleiß könnte William seinem starken Vater sicherlich Konkurrenz machen.

Nach einer halben Stunde war der Test gelaufen und Valiant gab ein zufriedenes, positives  Daumenzeichen. Der junge Laundry hatte den Test mit Bravur bestanden.

Erleichtert und bis an beide Spitzohren grinsend rannte William zurück zu seiner Familie. Ihre Mutter drückte ihn und ihr Vater gab ihm einen Klaps auf den Schädel. Nur Lilly sah traurig blickend zu Link, der das familienidyllische Geschehen neidisch beobachtete.

 

Der Schauplatz leerte sich mit jedem weiteren Kampf. Der vorletzte Schüler war dran und sein Test würde sich in wenigen Minuten entschieden haben. Nur Viktor, vier ältere Schüler, Valiant und die kleine Familie von Will waren noch anwesend. 

Auch die Laundrys wollten sich auf den Weg machen, an einem anderen Ort ein Mittagessen zu sich zunehmen. Doch Lilly schmollte. „Können wir Linkelchens Kampf nicht mit ansehen?“, bat sie inständig.

„Linkelchen?“, lachte Will und blickte seine kleine Schwester dümmlich an.

„Ja, unser Linkelchen!“, zürnte Lilly und ging mit den Fäusten auf ihren Bruder los, auch wenn sie bloß bis zu seinen Knien reichte.

„Lilly!“, warnte ihre Mutter. Sie kniete zu ihr und sagte mit Nachdruck: „Link wird den Test gut bestehen. William meinte, er ist ein guter Kämpfer, nicht wahr, Schatz?“ Der Fünfzehnjährige nickte erheitert. Immer noch amüsierte er sich über das seltsame Wort: ,Linkelchen’. Tz... tz... Linkelchen...

„Nein.“, bockte sie und deutete auf den Käfig, den vier ältere Schüler auf Geheiß des Direktor näher an den Schauplatz beförderten. 

„Lilly, wir gehen jetzt und Schluss!“ Diesmal war es die Stimme ihres Vaters, der sauer wurde. Doch das kleine Mädchen begann zu weinen und quengelte: „Aber sie tun ihm doch weh.“ Ihr kleines Gesichtchen war rot und verweint und immer noch bockte sie. Sich den Anweisungen ihres Vaters hatte sich das Kind noch nie widersetzt, doch diesmal war es anders. Sie lief heulend einige Meter zurück und legte sich breit wie sie war auf die Wiese, aus Trotz, dass sie jemand mitnehmen wollte.

„Lilly!“, schimpfte Lassario.

 

In dem Augenblick war der Test zu Ende und Link an der Reihe. Langsam lief er auf das Eingangstor zu, zog sein Schwert und wollte gerade zu Valiant in die Arena eintreten, als Viktor aber krankhaft amüsiert rief: „Für dich ist heute die Testung vorbei. Du kannst gehen, Valiant.“ Verwundert trat der Adlige aus dem Trainingsgrund aus und klopfte bloß mit einer Hand auf Links Schulter. „Tut mir leid, Link“, sagte er und lehnte sich dem Geschehen zusehend an eine graue Felswand.

 

Vier ältere Schüler schoben jenen großen rechteckigen Kasten, der mit einer Decke verborgen hielt, was in ihm schlummerte, in die Arena hinein. Ein weiterer Schüler mit einem bedauerlichen, mitleidigen Gesichtsausdruck untersuchte Link, ob er noch andere Waffen als das Schwert bei sich trug. Da dies der Fall war, nahm man ihm seine Dolche und zusätzlich die kleiner Ledertasche mit dem Heilmittel von Zelda ab.

„Was wird das?“, sagte Link entrüstet.

„Dein Test“, höhnte Viktor von außerhalb und machte sich auf einem extra für ihn vorbereiteten Stuhl breit. „Ihr da.“ Und der Direktor deutete auf die jungen Kerle, die seinem Befehl nachgingen. „Verschwindet jetzt!“

Link zögerte und trat nicht in die Arena ein. Stattdessen warf er einen misstrauischen, bissigen Blick zu Sir Viktor.

„Was ist? Willst du deinen Test nicht bestehen? Wenn nicht, dann fliegst du... haha...“ Und der schmierige Kerl lachte nur selbstherrlich und gebieterisch. „Geh schon, wir wollen doch, dass der nutzlose Held seinen Test übersteht, nicht wahr? Oder Prinzessin Zelda wird gar nicht von ihm begeistert sein.“ Wütend und das Kämpferblut in seinen Venen nicht unter Kontrolle trat Link in die Mitte der Arena, hörte wie sich hinter ihm das robuste Tor schloss und schaute entschlossen zu dem Käfig, wo sich sein wahrer Gegner verbarg. Stur und eigenwillig ging Link in Kampfstellung, würde niemals vor einem Gegner davon laufen und diesem verdammten Viktor endgültig zeigen, was in ihm steckte.

 

Belle sah kurz zu Link, der eingekesselt in einer Zelle stand und dann wanderte sie mit ihren warmen Augen zu Valiant, der mit ernstem Blick an einer Mauer lehnte. Sie stoppte ihren Ehemann, als er versuchte Lilly auf seine Schulter zu nehmen und sagte mit bangem Blick. „Dort stimmt etwas nicht.“ Ihr Zeigefinger ging zu dem jungen Helden der Zeit, der nur mit einem Schwert in der Hand auf einen übermenschlichen Gegner wartete. Lassarios Gesicht verzog sich, als er den jungen Schüler in dem Gefängnis sah und plötzlich das Tuch über dem Käfig hinabgezogen wurde. Das abscheuliche Abbild eines Blutsmoblins gab sich preis. Die bestialischste, gefährlichste und mordlüsternste Sorte der Moblins. An Höhe zweimal so groß wie ein normaler Moblin, muskelbepackt bis zu seinem verkrüppelten Kopf war ein solcher Gegner dem einstigen Großmeister des Bösen fast ebenwürdig. Dunkle Haut stach an manchen Ecken seiner mit Stacheln besetzen, schweren Rüstung hervor. Schleim und Blut  tropften an seinen vernarbten Mundwinkeln hinab. Ein stechendes, böses Glühen kam aus seinen Augen, bereit seinen Gegner gnadenlos niederzumetzeln. Und wie jener Blutsmoblin töten konnte. Zwei Klingen hatte er in je einer Hand und viele zusätzliche Dolche um seinen stinkenden Pelz geschnallt. Von außen wurde quietschend, laut lärmend das eiserne Gittertor hinaufgeschraubt, bis der Dämon brüllend, zischend seine Hände gegen den Käfig stemmte und das harte, verrostete Eisen mit bloßen Krallen auseinander riss.

 

Benommen taumelte Link einige Schritte rückwärts. Seine Augen weit aufgerissen sah er zu Valiant, der ihm nicht in die Augen sehen konnte. Immer weiter trat der junge Held der Zeit rückwärts, spürte das Ende der Arena mit jedem Schritt an seinen Rücken aufprallen. Ein Schrei der kleinen Lilly hallte umher, die sich aus dem Griff ihrer entsetzten Eltern losreißen wollte. Noch ein Aufschrei und wieder ein heller, markerschüttender Klageton.

„Besondere Gäste verdienen besondere Tests“, jauchzte Viktor außerhalb und lachte polternd.  

In blankem Überlebenswillen gefangen, sah Link um sich, hastete zu dem Holztor, trat und schlug so kräftig dagegen, wie es nur ging und doch gab es keinen Weg hinaus, aus diesem Schlachtfeld, diesem gigantischen Alptraum. 

 

Aufgeregt und schockiert hetzte Lassario näher und packte Sir Viktor energisch am Kragen. Seine tiefe Stimme schallte umher, sodass die Vögel in den Bäumen ihre Schlumpfnester verließen. „Holt ihn sofort dort raus!“, brüllte er.

Doch der Direktor lachte nur und sagte: „Der Kleine dort hat mehr drauf, als die gesamten jämmerlichen Schüler hier. Er wird’s schon überstehen.“ In seinen dunklen Augen glimmte nichts anderes als blanker Wahnsinn hervor. Erbost stieß er Lassario zurück und sagte: „Wenn Ihr unbedingt wollt, dann helft ihm doch. Euren zum Töten unfähigen Sohn könnt Ihr gleich mitnehmen.“

 

Gerade da begann der blutrünstige, mörderische Kampf des jungen Link gegen eine der verderbendrohendesten Kreaturen ganz Hyrules. Mit lautem Brüllen, groben Stapfen seiner mit Eisen bestückten, kantigen Stiefeln preschte das Ungeheuer näher, hatte mit einem Schwung lange, scharfe Schwerter in jeweils einer verkrüppelten, hässlichen Hand. Moblins... der größte Abschaum Hyrules, unfähig Liebe zu zeigen... Sie töteten und mordeten, denn etwas anderes kannten sie nicht. Unzählige Geschlechter jener Rasse des Bösen existierte in Hyrule, unzählige mutierte, widerliche Bestien, die ihre wahren Gesichter vor allem bei Nacht zeigten. Moblins... eine teuflische Brut, perfekt, nur dann, wenn sie auf der Seite des Bösen stehen konnten.

Näher und näher hetzte die Brut des Bösen, während der Boden mit jedem Schritt des Blutsmoblins erschütterte. Hass und Mordlust waren wie Schrauben in die schwarzen Augen des Dämons eingedreht worden, begleitet von dem unheimlichen Stechen und Glimmen der Finsternis. 

 

Belle schrie im Hintergrund laut auf, gefolgt von dem Wimmern der kleinen Lilly. William stand geschockt und den Mund sperrangelweit aufgerissen einfach nur neben seiner Familie. Noch nie hatte er einen der gefährlichsten Moblins beim Kampf beobachtet, geschweige denn überhaupt einen lebendigen Moblin gesehen. Das Einzigste, was er je hatte erblicken dürfen, waren einige abgeschlagene Moblinköpfe auf einem Friedhof und einige Pelze von Moblins, die sein Vater von einer Schlacht mitgebracht hatte. Wills Knie zitterten und seine Hände wurden feucht, obwohl er nicht einmal in der Arena stand. Link war es, der hier einen grausamen Kampf hinter sich bringen musste. Doch warum, fragte sich Will? Warum musste der junge fremde Kerl eine solch scheußliche Prüfung hinter sich bringen? Schockiert blickte der junge Schüler zu seinem Vater, der sich lautschnaufend gegen Viktor behauptete und mit jedem weiteren Wort aus Viktors stinkender Kehle, wütender wurde. Und dann wanderte Wills Kopf erneut mit Entsetzen zu dem Kampfgeschehen.

 

Gespenstisch und hart schlugen die Teufelsklingen auf Link nieder, der nur das einfache Schwert als Waffe und Schutzschild einsetzen konnte. Der junge Kämpfer handelte instinktiv, rollte sich geschickt über den Boden und ließ seine Klinge an der dreckigen, rauchfarbenen Wade des Dämons entlang sausen. Aber kein Schmerzschrei erklang, stattdessen wurde das Vieh aufmerksamer, schneller und attackierte mit mehr und mehr Kraft. Mit allem Mut, allem Willen trotzte Link mit seinem Schwert den Angriffen, wehrte die Hiebe ab, achtete auf seine Deckung und doch fühlte er viel zu schnell seine Kräfte schwinden. Der Schweiß triefte von seiner Stirn und lief ihm schmerzhaft in die Augen. Sein Puls beschleunigte sich heftig, sodass das wilde Schlagen und Pochen in seinen Gliedern schon weh tat.

Der Blutsmoblin lachte und trat in einem Moment der Unachtsamkeit nach dem jungen Helden, der nur einen Bruchteil jener einstigen Macht des Helden der Zeit besaß. Sein Körper konnte gegen diesen Gegner im Moment nicht bestehen. Er war zu mitgenommen von den rätselhaften Anfällen und auch Links Herz, seine Tapferkeit und Kämpfergewandtheit von einst waren lange aufgebraucht. Markerschütternder Schrei hallte umher, als Link knackend an einer Wand aufschlug. Regungslos blieb er liegen, während dickes Blut aus einer Platzwunde seines Kopfes sickerte.

 

Sir Viktor lachte bellend auf, genoss seinen Triumph, denn er wollte mit allen Mitteln beweisen, dass der angebliche Held der Zeit nichts weiter als eine große, große Lüge war. Mit allen Mitteln wohlgemerkt, auch mit unfairem Treiben und verachtungsvollen Ansichten. Kräftig höhnend warf sich Viktor in seinem breiten Stuhl hin und her und schien vor Freude am Morden des Moblins zu ersticken.

Lassario blickte mit Entsetzen zu dem Kampfschauplatz, fühlte mehr als nur Mitleid für den Jungen, der regungslos am Boden lag. Seinen Zorn nicht mehr unter Kontrolle packte Lassario den Direktor gewaltsam am Kragen, beförderte ihn mit einem schmerzlichen Schlag von dem Stuhl und setzte ihm ein Schwert an die Kehle. „Schließt endlich die Tür auf! Oder ich verliere den letzten Funken Anstand, Viktor!“, drohte Wills Vater. Doch Viktor schäkerte erneut, ließ nicht mit sich reden und lachte kollernd. 

 

Belle hetzte mit ihren Sandalen näher und näher: „So tut doch was!“, schrie sie. Und ihre warme helle Stimme wurde energisch und beißend. „Helft ihm endlich!“ Ihr verzweifelter Blick wanderte vom bewusstlosen Link, der gefährlich nah vom Moblin umzingelt schien zu Valiant, der ebenso fassungslos zu sah, sich nicht rührte und dessen kreidebleiches Gesicht sich kaum vom Mauerwerk abhob.

„Ihr dort, Valiant.“, rief Belle aufgeregt, während Will vergeblich versuchte seine kleine, weinende Schwester zu beruhigen. „Tut etwas! Warum tut denn niemand etwas?“

 

In dem Augenblick bewegten sich Link in Dreck gefärbte Hände, wanderten nach vorne und die linke zu dem Heft seines Schwertes. Er schnappte erbarmungslos nach Luft, wie ein ertrinkendes Lamm, welches sich nicht retten konnte. Link kämpfte, auch wenn seine Beine und Arme zitterten. Mühsam zerrte er sich an dem Schwert nach oben, stützte sich einige Sekunden darauf ab, fütterte seinen Lebenswillen mit Gedanken an die alternative Zukunft, besann sich, wollte sich an sich selbst und seine Stärke erinnern. Blut rann über seine Stirn, tropfte an der rechten Augenbraue hinab und perlte sich wie ein kostbares Gut an seiner Wange, bis es trocknend auf den staubigen Boden fiel. Taumelnd bewegte er sich vorwärts, Stück um Stück näherte er sich dem widerlichen Ungeheuer, dessen teuflischer Gestank nach Hölle und Blut durch die Luft gierte. Ein kurzer verächtlicher Blick aus Links Augen sendete eine Schockwelle zu Viktor, der nicht einmal den Sinn des Blickes verstand.

Verfolgt und erneut gefangen in den Kämpfen gegen das Böse trat Link auf seinen bleischweren Beinen näher, griff das Ungeheuer ohne mit der Wimper zu zucken an. Denn er musste kämpfen, nicht nur, um seine Haut zu retten, sondern vielleicht um damit seine Seele zu heilen. Er musste kämpfen, eine Wahl hatte er nicht. 

 

Der  Überlebenskampf näherte sich einer zweiten Runde und Link hetzte todesmutig näher, wich den scharfen Klingen der Kreatur geschickt aus und vergrub das Schwert mit einem wilden Kampfschrei in der Brust des Monsters. Einige lange Sekunden voller Stille raubten dem Wind seine Fähigkeiten. Kein Blatt raschelte. Der staubige Boden wurde nicht mehr aufgewirbelt. Das Ungetüm zischte, warf sich zurück, schickte seine Schwerter in einem zügellosen Reigen umher und schoss jene Teufelsklingen in die hölzernen, robusten Wände. Aber kein schwarzes, unheilvolles Blut spitzte und kein Schmerzenschrei des Dämons war zu vernehmen. Es war dem Sterben zu müde und der Welt des Bösen zu schade, als dass es gehen sollte.

Ein heftiger, brutaler Kampf, verfolgt von vielen entsetzten Augen, näherte sich dem Höhepunkt. Im Hintergrund das durchbohrende, amüsierte Lachen Viktors, das geängstigte Wimmern und Weinen der kleinen Lilly und das hilflose Geschrei Belles.

 

Ein die Haut aufreißender, sich in die Unschuld einer Seele grabender Morgenstern, vorher befestigt am Rückrat des Giganten, war nun die mörderische Waffe gegen die Link alles geben musste. Er sprang zur Seite, fühlte den Boden vibrieren, als sich der Morgenstern in den Sand hineinfraß. Und doch schwanden Links Kräfte zusehends. Er schwitzte, fühlte sich am Ende, und doch hielt ihn seine eigene Sturheit davon ab, den Versuch zu wagen, an der Holzwand hinaufzuklettern. Ich laufe nicht weg, sagte sein jugendlicher Hochmut und dennoch, so erkannte er, würde er jenen Kampf nicht überstehen.

Denn mit jedem Hieb, mit jeder Attacke des Bösen begannen Links Arme mehr und mehr zu zittern, etwas, was ihm noch nie geschehen war. Zittern... das dümmste und kläglichste, was einem Heroen in Kämpfen gegen das Böse passieren konnte. Der Held der Zeit zitterte und fühlte sich schwach. Der Held der Zeit wurde zum Schwächling, manifestierte es sich in Links Gedankengängen. Ich bin nicht mehr der Held der Zeit, sagte eine kindische Stimme in ihm, die flehte, die aufgeben wollte...

 

Link blieb plötzlich stehen und auch der Moblin stoppte seine Attacken, aus Unverständnis, aus mangelnder Notiz, dass sein Gegner nicht fähig war zum Töten und nicht fähig war, überhaupt zu kämpfen...

Der Moblin schmetterte seinen mit Stacheln besetzen Morgenstern nach ihm und wirbelte jenen durch die Luft, doch Link kapitulierte und blieb stehen. Irgendetwas stimmte nicht mehr. War er denn jemals der Held der Zeit gewesen? Link begann wahnsinnig zu lachen, zog sein blutüberströmtes Haupt in die Höhe und lachte lauter und schriller als Viktor es tat.

Erschüttert verstummte der Direktor, die Laundrys und auch Valiant, der trotz allem beeindruckt zu sah, den Gedanken hegte, dass noch nie jemand sich alleine einem Blutsmoblin auf weniger als zwanzig Meter genähert hatte. Und Link lachte, ließ sein Schwert fallen und fauchte: „Töte mich ruhig, ich bin ein besseres Monster als du!“

Aufgebracht, wütend, wie eine Wildsau, raste das Ungetüm auf den Helden zu, der die Arme in die Breite gezogen seine Augen schloss und vielleicht auf ein Wunder hoffte.

 

Dann ging alles viel zu schnell. Ein riesiger Schreckensschrei hallte durch die Luft und kam doch nicht von innen der Arena, ließ den Moblin und auch Link in seinem Tun blenden. Sir Newhead rannte angestochen näher, winkte Lassario und Valiant zu und fauchte: „Worauf wartet Ihr?“ Hastig kletterte er eine Holzleiter hinauf, sprang mit Schwert und Schild bewaffnet auf die Kampffläche und versetzte einige harte, schmerzliche Hiebe dem teuflischen Gegner. Valiant, der sich endlich gegen das Wort des Direktors behauptete, folgte zusammen mit Lassario. Drei Schwerter, verbunden im Team, zwangen den Blutsmoblin nieder und versetzten der Brut des Bösen den finalen Stoß.

 

Stille herrschte nun in dem kleinen Schlossgarten, überschattet lediglich vom Rauschen des Windes und dem pfeifenden Atmen Links, der ungläubig vom toten Boden aus zu den drei Kämpfern blickte. In sich gekehrt und leblos wanderten seine tiefblauen Augen hinab, er ignorierte das Flüstern Wills, der seiner Mutter etwas wissen ließ. Sir Newheads Stiefel kamen näher, denn mehr sah Link nicht. Er registrierte noch eine helfende Hand vor sich, die er aber beleidigt und enttäuscht von sich selbst, den Kampf nicht alleine gemeistert zu haben, schmerzhaft wegschlug. Zu stolz, zu eitel und zu kindisch um Hilfe anzunehmen... Benommen und taumelnd trat Link auf seine zitternden Beine, versuchte sich zu dem verschwommenen Holztor zu bewegen. Er ignorierte den entschuldigenden Blick Valiants und den mitleidigen Lassarios. Es machte keinen Sinn für ihn. Konnten diese drei ihm denn mit Blicken etwas geben, was er brauchte, nein...

 

Als das Tor geöffnet wurde, standen alle außer Link starr. Alle blickten reumütig, Verstand und Herz noch im Kampf mit den Ereignissen. Nur Link setzte langsam einen Fuß vor den anderen, nahm die Gürteltasche mit Zeldas Heilmittel an sich und folgte mit leerem Blick, stur und teilnahmslos dem Weg, verabscheute einen Blick in Viktors selbstgerechtes Gesicht, wo neben Verachtung Hass heraustrat und lief, lief weiter vor sich selbst und seiner grausamen Vergangenheit davon.

 

Es war nur wenige Meter weiter, dass Link ungesehen von anderen Augen, überwältigt von dem Blutverlust, dem ohnehin schwachen Gefühl in seinen Gliedern und der merkwürdigen Krankheit, die langsam seine Venen zerfraß, auf die Knie brach...   

 
  Insgesamt waren schon 112774 Besucher (404713 Hits) hier!