9. Kapitel
 

Kapitel 9

 

 

Mit einer Hand auf ihrem Herz stand Prinzessin Zelda an einem hohen bunten Spitzbogenfenster in einem Empfangszimmer. Sie sah nachdenklich, fast mutlos hinaus in den Himmel, wo graue Wolken das strahlende Blau verbargen. Und je länger sie dem melancholischen, langsamen Ziehen der Wolkenschleier zu sah, umso erdrückender und stärker wurde ein einzelner Gedanke. Ein Gefühl. Eine Ahnung, die von einem Umbruch in ganz Hyrule erzählte. Die Zeiten waren in Gefahr. Das was geschehen ist, das was noch geschehen sollte, da das Schicksal als oberste Macht es so wollte, zerbrach an einem Ereignis der Vergangenheit. Etwas würde geschehen und das alte Kräftegleichgewicht würde sich wieder preisgeben, bewahrheiten und alles Leben vor eine große Prüfung stellen...

Trübsinnig hob die Prinzessin ihr edles Haupt und konnte es doch sehen, fühlen und erahnen. Die Zeit... das Schicksal... all dies würde sehr bald nicht mehr dasselbe sein... 

 

Ein Klopfen an der verzierten Eichenholztür riss sie aus den Gedanken, die das Wohl Ganz Hyrules im Sinn hatten. „Bitte...“, sagte sie laut und drehte sich vom Fenster weg, stolzierte mit ihrem schweren Gewand (Beim Triforce, wie sie diese Kluft hasste, vor allem die schweren goldenen Schulterplatten...) zu einem großen dunklen Schreibtisch und entzündete mit einem Hauch Magie einige Kerzen in der zunehmenden Dunkelheit. Ein Ritter trat in den Raum. Braunes, kurzes Haar. Undefinierbare Augen sahen gedemütigt zu Boden.

 

„Guten Abend. Warum ersucht Ihr Audienz, Newhead?“, meinte Zelda kühl und ahnte doch den triftigen Grund für das Erscheinen dieses Lehrers. Zelda selbst hatte vor wenigen Stunden abschreckende, schmerzhafte Gefühle bei einem Gedanken an ihren Seelenverwandten empfunden. Etwas stimmte nicht... als ob man den Daseinsgrund des einstigen Helden der Zeit auszulöschen versuchte.

„Verzeiht die späte Störung, Prinzessin...“, meinte der Lehrer des Allerlei- Trainings und blieb gebrandmarkt vor dem Schreibtisch der fünfzehnjährigen Prinzessin stehen. Er legte den Orden ab, welchen er vor wenigen Stunden von der Prinzessin erst erhalten hatte. Der Triforce- Orden. Eine Anerkennung für beispiellose Taten.

„Ich bin des Abzeichens des Triforce nicht würdig.“ Zelda lehnte sich zurück und blickte den jungen Mann verständnisvoll an.

„Newhead... vor wenigen Stunden habe ich Euch ins Vertrauen gezogen. Ich erzählte Euch von Link, dem Helden der Zeit, sowie vom alternativen Zeitpfad. Ich erzählte Euch von den Geschundenen der Macht, die Euch bereits ein Begriff sind. Und meine Entscheidungen verfehlen nicht den Sinn, den ich ihnen zumesse. Nehmt den Orden wieder an.“

 

Aber der Lehrer schüttelte trübsinnig den Kopf. „Ich konnte ihn nicht beschützen, Prinzessin, Ich habe versagt.“ Zelda blickte mit ihrer warmen Art auf das goldene Abzeichen, welches unbedeutend und nutzlos auf dem Schreibtisch ruhte. Sie nahm den kleinen Anhänger in ihre Hände, stand auf und trat nur wenige Zentimeter vor Newhead. Sie schaute mit ihren wissenden, blauen Augen in die undefinierbaren des gutmütigen Ritters. „Glaubt Ihr denn, dass es so ist?“, sagte sie sanft. Aber der Ritter schüttelte nur den Kopf und starrte in den flammenden Docht einer Kerze. „Ihr habt nicht versagt.“

„Aber er wurde ohne Vorwarnung in diesen Käfig mit einem Blutsmoblin gesteckt und ich war zu spät, um...“

„Um was zu verhindern? Zu verhindern, dass Viktor den jungen Helden der Zeit auf diese Weise herausfordert? Um zu verhindern, dass Link gegen einen Blutsmoblin kämpft?“, sagte Zelda energisch und lief aufgeregt zurück hinter den Schreibtisch.

„Nein... ich wäre beinahe zu spät gekommen, um zu verhindern, dass Link sich selbst aufgibt.“

 

Die Prinzessin führte eine Hand an ihre Stirn, kämpfte mit einem inneren Druck in sich, welches ihr zuflüsterte, wie schlecht es dem jungen Helden der Zeit im Moment ging. Es flüsterte und rief sie. Schon wieder. Immer wieder und es quälte allmählich...

„Ich weiß...“, flüsterte sie leise. Verzagtheit war es, was nun aus ihren Worten erklang. „Aber Ihr seid nicht zu spät gekommen“, sagte sie warmherzig und drehte sich um. Die Hoffnung persönlich strahlte aus den Augen der blonden Hylianerin. Hoffnung und Zuversicht.

„Und dennoch habe ich Euer Vertrauen, Eure Hilfe, ein neues Leben zu beginnen, nicht verdient. Es wird der Tag kommen, da ich zu spät sein werde.“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, dieser Tag wird nicht kommen, denn Link wird zu seinem wahren Ich zurückkehren, noch bevor Ihr ihm ein weiteres Mal zur Seite stehen müsst.“ Sir Newhead beugte schwerfällig das Haupt.

„Und auch für Euch wird der Tag kommen, da alles gut wird.“, meinte sie.

 

Eine Pause entstand, in welcher Zelda mit langsamen Schritten an das Fenster trat und erneut den rauchiggrauen Himmel besah, sich wünschte, er wäre nicht so vergänglich wie es die Wirklichkeit für ihn bereithielt.

 

„Verzeiht mir die Frage, aber wie könnt Ihr mir Vertrauen schenken, Prinzessin? Nach allem, was man mir vorwirft, mir, demjenigen, der nur ein verfluchter Schwindler ist.“

„Ich kenne Eure Geschichte und seid Euch gewiss, dass ich nicht nur sehe, was ich sehen will. Sondern die Wahrheit“, sagte Zelda entschlossen und spürte das Umschlagen des Wetters. Ein Gewitter näherte sich... und jener Sturm würde lange dauern, viel zu lange, als dass ein Gott ihn verhindern könnte. Denn jener Sturm beschwor die Geschichte Hyrules selbst. Jener Sturm war grausam stark...

„Ihr seid ein guter Mensch, auch wenn man Euch beschimpfte ein Schwindler zu sein. Es hat doch niemand Verdacht geschöpft?“

„Nein, meine wahre Identität ist weiterhin ein Geheimnis, nur Link wird es wahrscheinlich herausfinden.“

„Ja, das hoffe ich“, sagte Zelda erheitert. Denn Link brauchte Freunde und dieser Ritter mit der nebulösen Vergangenheit, mit den vielen Verlusten in seinem Leben, war dem jungen Link nicht einmal unähnlich.

 

„Prinzessin, ich habe eine Bitte.“

„Und die wäre?“

„Setzt Viktor als Direktor ab. Er ist unehrenhaft, handelt unfair und nutzt seine Vorteile auf hinterhältigste Art und Weise aus.“ Zelda schloss traurig die Augen. „Verzeiht, aber das liegt nicht in meiner Macht. Noch nicht.“

Entsetzt breitete Newhead seine Arme auseinander. „Warum?“

„Ich kann ihn erst nach vier Wochen Tätigkeit und nach einem weiteren fatalen Fehler seines Amtes entlassen.“

Newhead wurde rasend vor Wut: „Aber wenn das so weiter geht, dann bringt Viktor den Kleinen noch um! Das kann Euch doch nicht egal sein!“

„Glaubt Ihr, es ist mir gleich?“, meinte Zelda leise und verzweifelt. In jenem Moment verriet die stolze Prinzessin erstmals Schwäche vor dem jungen Lehrer der Ritterschule. „Link ist mir das Teuerste und Wertvollste in meinem Leben. Ich würde mich hassen, wenn ihm etwas zustößt.“ Newhead neigte sein Haupt zum Boden und murmelte mitleidig: „Dann wird es Euch schmerzen, zu hören, dass Link nach dem Vorfall spurlos verschwunden ist...“ Newheads Stimme wurde leiser und leiser.

 

Doch das konnte Zelda nicht wissen. Diesen Umstand hatte sie nicht gefühlt. Erschrocken wand sie sich zu Newhead und taumelte einige Meter näher: „Wie meint Ihr?“

„Nach dem Kampf hat ihn niemand mehr gesehen. Ich habe überall nach ihm gesucht und doch scheint er wie vom Erdboden verschluckt.“

Zelda blickte uneins mit sich selbst zu dem deutlich erkennbaren Triforcemark auf ihrer Hand. „Aber ich kann seine Anwesenheit fühlen. Und ich fühle, dass er sich nicht in Lebensgefahr befindet“, sagte sie standhaft.

„Nun gut“, ergänzte sie und schaute entschlussfreudig zu einer Pendeluhr, die ihre Schläge in die Nacht hinausträllerte. Ohne weiteres zog sie sich einen grauen Umhang über, um nicht von jedermann erkannt zu werden. Sie wand ihr gottesgleiches Abbild dem jungen Ritter entgegen und meinte klar und entschieden: „Es ist bereits zwölf Uhr und doch... lasst uns aufbrechen.“

„Ihr möchtet in die Schule?“

„Genau das ist meine Absicht.“

„Aber Euer Vater würde...“

„Mein Vater hat keine Macht vorzuweisen, um mich festzuhalten oder mich daran zu hindern, einem Freund zu helfen. Außerdem sind es auf dem kürzesten Weg zu Pferde nur drei Stunden bis zur Schule“, sagte sie kühl und Newhead verlor schnell das Wort gegen die zukünftige Herrscherin. Zelda schnallte einen Gürtel mit ihrem Lieblingsschwert, ein Langschwert, um die Hüfte und zog eine graue Kapuze über. Fast zornig entkam es ihr: „Ich habe eine Mission und mit Sir Viktor ein großes Huhn zu rupfen. Auf geht’s, Nicholas.“ Der junge Ritter nickte lediglich, erstaunt über diese Prinzessin und ihre vielen, irrsinnigen und bemerkenswerten Gesichter.

 

In der Nacht um Drei, kein Mond leuchtete an düsteren Himmel auf, trabte Prinzessin Zelda in Begleitung Newheads mit ihrem treuen Ross Silberregen in den Innenhof der Ritterschule. Ein Stallbursche schien sehr irritiert, als er dem Lehrer und der Unbekannten die Pferde abnahm, grummelte während seines Weges. Wer bei den Göttern konnte es sich wagen, den armen Stallburschen um die Uhrzeit aus seinem Bett zu befördern? Brummerisch führte er die Pferde ab. In dem Moment, zog die weise Prinzessin des hylianischen Landes ihre graue Kapuze zurück und erweckte den Anschein sich das erste Mal hier zu befinden. Ihre durchdringenden, glühenden Augen schweiften zu den hohen Zinnen der Jungenschule, wanderten auf Suche und Vorahnung weiter, bis sie sich in der Nähe der hohen Laubbäume des dunklen Waldes manifestierten, dort verhaarten, als ob sie gefunden hatte, was sie suchte.

Ein angenehmes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. „Ich weiß, wo sich Link befindet...“, sagte sie. „Und er möchte allein sein.“ Newhead verfolgte nachdenklich ihren Blick, aber konnte sich daraus keinen Reim machen.

„Aber jetzt werde ich Viktor um seinen Schlaf bringen. Der wird nie wieder ruhig schlafen“, sagte sie überheblich und ballte ihre Fäuste. Die hilflose Lehrkraft stand nur daneben und fragte sich inständig, ob es eine richtige Lösung war, die Prinzessin in ihrem zügellosen Temperament auf Viktor loszulassen und ob es richtig wäre, nicht einzuschreiten...

 

„Folgt mir, Prinzessin“, meinte Nicholas und lief auf das hohe Eisentor der Jungenschule zu. Es dauerte nicht lange und die beiden Hylianer durchquerten mit Fackeln in den Händen einen langen Gang. „Nicholas, eine weitere Frage“, begann Zelda. „Wo war Valiant, als Link seinen Test meistern musste?“

„Er stand einfach nur daneben.“ Zelda schnaufte enttäuscht und eine ungewöhnliche Bitterkeit gegenüber ihrem Cousin stieg in ihr auf. Stets hatte sie Valiant Vertrauen geschenkt. Stets hatte er ihr zugehört. Warum war er nicht eingeschritten? Wollte er zu sehen, wie Link litt? Wollte er vielleicht nur wissen, wozu der Held aus den Legenden fähig war? Valiant, dachte sie, wie kannst du nur so grausam sein...

 

Während sie so dem Gang folgten, spürte jener Ritter, der ein neues Gesicht dank Prinzessin Zelda trug, ein paar Augen in der Dunkelheit. Überraschend und ohne Vorwarnung stürzte sich Nicholas zur Seite und packte einen Jungen am Kragen, der heimlich durch die Gänge stöberte und nach Hinweisen auf den Verbleib seines Zimmergenossen suchte. Kreischend laut klagte eine tiefe Knabenstimme auf, als er mit dem Kopf an die Wand gedrückt wurde. Erst als Newhead die Fackel zu dem Gesicht des Jungen führte, schwand dessen Misstrauen und er ließ das Schwert sinken.

 

„Beim Triforce, ich habe doch niemandem was getan?“, schimpfte der Fünfzehnjährige und riss sich aus dem Zugriff des Lehrers, während in den Gängen die Fackeln knackten. Prinzessin Zelda trat näher und gab ihr wunderschönes Abbild preis. Ihre liebreizenden Augen lasen eindringlich in den smaragdgrünen des Jungen.

„Was...“, murmelte der Knabe verwundert, als er die junge Schönheit bewunderte. Prinzessin Zelda kicherte und legte sich eine Hand über den Mund. Sie kniff die Augen zu und lachte. Will wurde feuerrot, und dachte schon, ihm wären Hörner gewachsen, seine Tunika wäre irgendwo zerrissen oder er hätte seine Strumpfhose verkehrt herum an. Denn er verstand nicht, warum er so belächelt wurde.

Auch Newhead fand ein Grinsen und meinte: „Was machst du denn noch so spät hier, Will?“

 

Er knurrte erbost und blickte die Dame ihm gegenüber bissig an. Wehe, du lachst weiter, sagte er sich. Vielleicht sollte jemand den Junge darüber aufklären, dass die Prinzessin des Schicksals ihm gegenüber stand.

„Verdammt, ich suche bloß was...“

„Tatsächlich?“, sagte Nicholas belustigt.

„Ich suche nur meinen Mitbewohner, der hat sich nämlich nicht mehr blicken lassen.“ In dem Moment mischte sich Prinzessin Zelda ein und reichte Will eine warme, mit einem Handschuh überzogene Hand. Doch der Junge beäugte das Gesicht der reizenden Lady lediglich, wusste nicht, dass es solche Schönheit überhaupt gab. Wer zum Teufel war sie? Ein Engel, geisterte es in seinem Kopf herum. Eine Fee?

„Du suchst nach Link?“, meinte sie mit ihrer warmen, beruhigenden Stimme und lächelte ihm freundlich zu. Doch Will musste sich zusammenreißen, nicht auf der Stelle vor diesem gottesgleichen Geschöpf auf die Knie zu fallen und versank in seiner Schamesröte. Er nickte verlegen.

 

„Man könnte meinen, du bist mit Link irgendwie verwandt. So ähnlich bist du ihm. In deinem Auftreten, deiner Art...“

„Wer... bist... du?“, sagte Will leise und langsam. Aber Zelda lächelte bloß und erwiderte: „Das wirst du früh genug herausfinden, William Laundry. Suche nicht nach Link, er ist an einem Ort, wo ihn niemand finden wird, denn er sucht die Einsamkeit...“ Ihre Stimme wurde trübsinniger mit jedem Wort, das sie sagte.

William sah die Dame unentwegt an und begann schon zu schwärmen. Himmel, dass es so was gibt, dachte er. Er hatte bisher nicht den Draht, nicht den Hang oder das Interesse an Mädchen verspürt. Aber das... dieses Mädchen. Sie war einfach... überwältigend.

 

„Geh’ zu Bett. Wenn Viktor dich erwischt, darfst du sonst Toiletten putzen gehen. Gute Nacht, William“, sagte Newhead und führte die junge Dame weiter des Weges.

 

Es dauerte nicht lange und Prinzessin Zelda stand mit fabulös entschlossenen, erhabenen Blick vor dem großen, luxuriösen Büro des Direktors. Der kann sich auf was gefasst machen, dachte sie und klopfte mit Unterstützung ihrer Magie ohrenbetäubend, einen schrillen, unechten Klang hinterlassend an die Eichenholztür des angeblichen Geschäftsraumes. Ein kratzender Schrei ertönte von innerhalb. Ein Murren und dann ein metallisches Knistern, so als ob Viktor seine Schwertklinge hatte fallen lassen, erweckten Zeldas Zufriedenheit und bescherten ihr Freude bei dem Gedanken, dass sie diesen Tyrannen Viktor tatsächlich aus seinen Träumen gerissen hatte. Die Prinzessin Hyrules lachte und schaute Newhead äußerst feixend in die undefinierbaren Augen, bis plötzlich mit aller Gewalt das Schloss geöffnet wurde und die Tür mit einem Schlag an eine Backsteinmauer knallte.

 

„WER ZUM TEUFEL MACHT SICH UM DIESE UHRZEIT WICHTIG?“, kreischte der Direktor, der nur mit einer Unterhose begleitet und ein scharfes Schwert in der Hand danach gierte, dem Störenfried die Kehle durchzuschneiden.

Verachtend musterte er die junge Schönheit und den neunmalklugen, neuen Lehrer für die unterschiedlichen Trainingsstunden.

„Sir Viktor. Es wird Zeit, Euch in jene Schranken zu weisen, die Ihr bisher nicht kanntet“, sagte Zelda stur. Nicht ein Funken Nervosität, keine Furcht vor dem miesen, brutalen Antlitz des Direktors ließ sie sich anmerken. Beinahe erstarrt stand Viktor nun vor seinem Büro und schaute ungläubig in Prinzessin Zeldas Antlitz.

„Gewährt Ihr uns Eintritt oder muss ich mir diesen mit anderen Mitteln verschaffen?“, sagte sie ruhig mit einem sarkastischen Unterton. Augenblicklich trat Viktor zur Seite und glotzte angewidert der jungen Schönheit hinterher, als sie in sein Arbeitszimmer schritt. Mit Stolz und Eleganz, die nur die Prinzessin des Schicksals auszeichnete. Murrend folgte Viktor und im Anschluss der neue Lehrer Newhead, dessen wahre Identität ein großes Geheimnis darstellte. Das Büro war ziemlich verwüstet, verschiedene Dinge lagen auf dem Boden und der Schreibtisch war vollkommen leergeräumt und zwischen drin, das Auffälligste, lagen teilweise zerfetzte Kleidungsstücke.

 

Ein bissiger, unbeherrschbarer Kommentar kam Newhead über die Lippen. „Hattet Ihr eine wilde Nacht, was?“, muckte er und sah Viktor streitsuchend in die Augen. Zelda schritt ein und meinte laut: „Newhead! Wir sind in einer dringenden Mission hier, ich habe keine Lust und Zeit Eure und Viktors Streitereien zu bekunden.“ Sofort schaute Newhead zu Boden und unterband den Hass, das Rachegefühl gegenüber dem Direktor.

 

Lachend und äußerst überheblich ließ sich Viktor in einen breiten Sessel sinken.

„Also, was führt Euch hierher?“, sagte der Vierzigjährige kollernd, wollte Zeldas Scharfsinn, ihre wunderbare Tugend und Stärke sowieso nicht als wahr erachten und setzte belustigt hinzu. „Sucht Ihr nach einem jungen, knackigen Kerl hier in der berühmten Ritterschule?“ Zeldas Blick wurde tosend, flüchesaugend. Ein einziges Wort aus ihrem Mund und der Direktor der Schule wäre Geschichte.

Newhead schlug mit der Faust auf den Tisch: „Wie redet Ihr eigentlich mit der Prinzessin?“

„Ach... Ich muss wohl übersehen haben, dass so eine weitsichtige und intelligente Person vor mit sitzt“, sagte er kalt, während seine schwarzen Augen dafür sorgten, die Kälte im Raum zu steigern.

„Wenn Ihr mich noch mehr anwidern würdet, könnte ich sehr schnell meine Manieren verlieren...“, sprach Newhead gelassener und setzte sich ebenfalls auf einen Holzstuhl.

 

Zelda führte nachdenklich eine Hand an ihr Kinn, funkelte Viktor an, als würde sie seine Lebensgeschichte aussaugen und drang mit ihren leuchtend blauen Augen zu den widerlichsten Seiten seiner Seele hervor.

„Eure Ansichten, Euer fehlendes Mitgefühl, der kranke Wahnsinn sich am Leid anderer zu erfreuen, führt mich hierher“, sagte sie selbstbewusst und unterband nicht den Blick in jene eisigen, selbstherrlichen Augen. Viktor lachte kratzend auf. „Haha... Redet Ihr von der Testung des armseligen Helden der Zeit?“ Zeldas Puls stieg an. Vor Wut kochten ihre Wangen und das Triforcefragment sendete leichte Schockwellen aus, die selbst Newhead schon bemerkte. Gerade dieser demütigende Satz brachte die Ruhe aus Zeldas Gemüt. Es war Link und das schlechte Gerede über ihren liebsten Freund, der dazuführte, dass Zelda ihre Selbstbeherrschung verlor.

„Er hat’s doch überstanden, nicht?“, schmunzelte Viktor. „Oder schadet es Eurem hübschen Gesichtchen, dass er auf diese Weise getestet wurde. Habt Ihr Gefallen an diesem unschuldigen, dämlichen Jungen gefunden und bezeichnet ihn deshalb als einen Helden, der nicht real ist?“ Zeldas Blick wandelte sich und ihre Hände schwitzten. Ihre Augen blinzelten nur kurz, eine Druckwelle baute sich vor ihr auf und Viktor wurde grob und zielsicher von seinem bequemen Sessel gestoßen. Er fiel rücklings nieder und stieß einen quälenden Schrei aus. Sie stand auf und nun war es nicht mehr die liebliche Zelda, die Worte der Ernüchterung sprach. Es war beinahe gottesgleich und tyrannisch, wie sie sich darstellte. Ihre Stimme wurde tief und drohend: „Fordert mich nicht heraus, Viktor!“ Und der Kerl krabbelte angstverzerrt in Richtung des Fensters. „Ihr seid der billigste Abschaum unter den Rittern Hyrules. Es würde mir ein Vergnügen sein, dafür zu sorgen, Eurem kranken Wahnwitz ein Ende zu machen.“ Und diesmal schwieg Viktor.

 

In dem Moment wurde eine kleine Verbindungstür aufgerissen und eine mit Höschen und Korsett begleitete Halbgerudo trat in den Raum. Feurig langes, gekräuseltes Haar fiel ihre Schultern hinab und zwei unterschiedlich farbige Augen blickten beinahe besorgt zu dem niedergeschmetterten Direktor. Allein an ihrem Auftreten erkannte Zelda und auch Newhead, dass sie aus den niedersten Kreisen stammte und vermutlich von den Gerudo aufgrund ihrer Halbzugehörigkeit verstoßen wurde. Gerudoblut war gewöhnlicherweise äußerst dominant. Nur wenn zu viele Einflüsse von außerhalb vorlagen – denn irgendwo mussten sich Gerudos ja die notwenigen lebensspendenden Säfte beschaffen, um sich fortzupflanzen – dann machten sich jene hylianische Einflüsse im Aussehen der Kinder bemerkbar.

„Ich sagte, du sollst im Nebenraum bleiben, Weib!“, giftete Viktor, worauf die junge Halbgerudo wiederrufend und beinahe ängstlich in das Nebenzimmer hastete und die Tür verriegelte. „Keine Gehirnzellen, diese Schlampen...“, nuschelte Viktor dem noch jungen Mädchen hinterher. 

 

Erneut ein hitziger Kommentar aus Newheads Mund: „Soso, Ihr erfreut Euch anscheinend wieder an jungem Frischfleisch?“, giftete der unerkannte Nicholas. „Genügt es Euch nicht eine schöne Frau zuhause zu haben?“ Spott und Hass lagen in Newheads Worten und doch trumpfte Viktor nur lachend auf. „Nein, natürlich nicht. Zwei sind besser als eine.“ Viktor stand vom Boden auf. Prinzessin Zelda legte stolz und kopfschüttelnd ihre graue Kapuze über den blonden Schopf und wischte sich über die energiegeladene rechte Hand.

Mit langsamen Schritten wandelte sie zur Tür. Ohne sich umzudrehen sagte sie. „Sehr bald werdet Ihr nicht mehr lachen, den Ruf dieser Schule in den Schmutz ziehen und den Helden der Zeit schaden können. Doch heute noch habt Ihr eine Chance verdient, Euer verlogenes Ich in tiefste Kerker zu schließen. Wenn Ihr aus diesem Rat keinen Nutzen zieht, wird Euch das Schicksal einholen, welches für Euch vorgesehen ist.“ Mit diesen rätselhaften Worten endete Zelda, und öffnete ohne ihre Hände zu bewegen die Tür. Auch der unerkannte Nicholas verschwand aus dem Büro und verabschiedete die Prinzessin...

 

Als die feurigrote Morgensonne ihren wärmenden Schein über das Land senkte, ihre Ausläufer an die verborgendsten Orte Hyrules schickte, wachte William Laundry aus seinen Träumen auf. Er wusste nicht, was er träumte, denn Träume hatten für ihn nie einen Sinn gehabt. Einige Wochen war es her, ja, da hatte er einen furchterregenden Alptraum hinter sich, aber dieser blieb ihm nicht in der Erinnerung, wie jegliche anderen. Warum- weil jener Jugendliche mit beiden Beinen im Leben stand und nur in der Wirklichkeit Fuß fasste. Er gehörte zu der Sorte Mensch, die nicht viel auf Wunschvorstellungen und Visionen gaben. Den Glaube an das Märchen hatte er schon vor langer Zeit abgelegt. Auch wenn seine kleine Unsinn-prophezeiende Schwester stets und ständig babbelte, er werde seine Einstellung bereuen und um eine ganze Achse ändern.

 

Seine lange Nase in die Höhe streckend, herzhaft gähnend stand er aus seinem Bett auf, fühlte sich unausgeruht, wacklig, auch wenn er nicht wusste warum. Suchend wanderten seine Augen zu dem Bett Links. Nur spärlich gab es sich in dem noch trüben Dämmerlicht preis. Und doch konnte Will enttäuscht erkennen, dass sein merkwürdiger Mitbewohner nicht hier war. Der junge Laundry erinnerte kurz den gestrigen Tag, erinnerte die Kampfbereitschaft und diesen beispiellosen, schwachköpfigen Mut, den sein Zimmergenosse gezeigt hatte. Nicht auszuhalten war der Gedanke, dass er sich ohne mit der Wimper zuzucken, auf wenige Zentimeter diesem blutrünstigen, stinkenden Blutsmoblin genähert hatte. Das war nicht mehr mutig, dachte Will, das war lebensmüde und dumm. Und trotzdem empfand er Mitleid mit Link, wenn auch er den Grund dafür nicht kannte.

Mitleid. Das einzige, was Link kannte und aus logischer Konsequenz verabscheute.

Aber warum hatte Viktor diesem fremden, familienlosen Kauz nur so herausgefordert? Warum hatte er ihm so zugesetzt? War Link denn neben der nebulösen Aura um ihn herum noch aus anderen Gründen nicht ansatzweise so normal wie Will, wie Robin, Artus oder jeder andere Jugendliche in der alten Ritterschule?

 

Will fuhr sich nachdenkend über das Kinn und erinnerte die Worte seiner Eltern von vor wenigen Minuten, die ihm sagten, er solle mit niemandem über diesen Vorfall, wie sie es komischerweise nannten, reden. William sollte Schweigen über das Talent des Waisen, sollte darüber schweigen, sowohl in der Gegenwart Links, als auch in der Gegenwart anderer. Und er sollte schweigen über den Blutsmoblin, den Sir Viktor, der dreckige, unwürdige Direktor in diese Schule schleppte... 

 

Er wagte kurz einen Blick auf die kleine, lustige Kuckucksuhr an der Wand, die seine Mutter als Verschönerung ihm hinterlassen hatte und entschied sich dafür, seine Augen für eine weitere Runde faulen Schlummerns dichtzumachen...

 

Wenige Minuten später öffnete jemand mit sanften Bewegungen die Tür und trat unbefugt hier ein. Nicht einmal ein Klappern hinterließen die Schuhe der Gestalt, die doch wusste, wie man sich unauffällig fortbewegte. Sie wusste, wie man sich die Geheimnisse in den Schatten zu nutze machte. Schatten waren dem Licht nicht einmal so unähnlich, wenn man selbst für viele Jahre im Schatten lebte und die Vorzüge der dunklen Eigenheit lernte. Denn Schatten und Licht, so dachte sie still, entsprangen hier in Hyrule aus der selben Quelle. Manche Schatten folgten nicht mehr ihrem Besitzer. Manche Schatten erkannten mit den grausamen Jahrhunderten Hyrules blutiger Geschichte ihre Unabhängigkeit oder waren aus den Reihen ihrer Meister ausgestoßen worden.

 

Noch immer lag ein trüber Morgenmantel in dem Zimmer. Heiße rote Lichtstrahlen verloren sich auf Links Bett und hinterließen nicht die Wärme, die sie vorsahen. Denn sein Bett war leer. Und sie wusste es, wusste doch, wie unnötig er Gesellschaft ansah, wenn er innerlich, als auch äußerlich blutete...

Sachte zog die Gestalt ihre graue Kapuze zurück und besann sich auf das mit Schatten überzogene Herz ihres Seelenverwandten. Demjenigen, der genauso wie sie ein gesegnetes Abzeichen der uralten Götter trug. Denjenigen, der schon immer so gewesen war, wie er nun mal sein musste.

 

Zu stolz, um schwach zu sein.

Zu eitel, um Hilfe anzunehmen.

Zu traurig, um aus tiefstem Herzen zu lachen.

 

Es war das Schicksal, wusste sie. Sein einzigartiges Schicksal, was ihn nun so belastete, das Schicksal, welches er nicht mehr erfüllen wollte.

 

Blonde Strähnen, teilweise gelockt, fielen aus der Kapuze heraus. Das goldene Haar war ein wenig zerzaust, ein wenig struppig und doch tat es dem Abbild der Prinzessin keinen Harm. Ihre kräftigen blauen Augen, strahlend und leuchtend, wenn sie es wollte, schweiften zu dem einfachen Holzschrank neben dem ungenutzten Knabenbett, wo die Sachen und der unnötige Krempel des Helden der Zeit versteckt dem Staub der Vergessenheit verfiel.

 

Zelda lief langsam zu einem klapprigen, mahagonibraunen Schrank, bedacht, den jungen Laundry nicht aufzuwecken. Ein kleines quietschendes Geräusch zerstörte die Ruhe, als sie eine Schranktür öffnete und sich Zugang zu der Privatsphäre des unerkannten Helden verschaffte. Zwei drei Hemden hingen darin, weiß, mitgenommen mit vielen Nähten. Ein Kompass, dessen Glas in der Mitte zersprungen war und der nicht mehr funktionierte. Ein altes Teleskop, jenes, das der junge Held sich in Termina gekauft hatte, um in den Sternen vielleicht so etwas wie seine Familie zu sehen. Einige vergilbte Karten und andere Gegenstände lagen unnütz auf dem Boden des Schrankes. Zeldas Augen wanderten, suchend nach der Okarina der Zeit. Sie schillerte, dachte sie. Selbst in der dunkelsten Nacht schillerte die rätselhafte Okarina aus dem Besitz der Königsfamilie, da sie Macht in sich trug, da sie ansatzweise eine Seele in sich trug...

Doch die Okarina war nicht hier...

 

In einem Fach lag ordentlich zusammengelegt die waldgrüne Tunika Links. Schwankend und Ruhe findend sank die Prinzessin mit dem Stückchen Stoff auf das weiche, knarrende Bettchen, fuhr verträumt darüber und doch kam in dem Augenblick die Traurigkeit wieder hoch. Die Angst und marternde Sorge um Link, dem jemand Teuflisches angetan hatte...

 

Sein Geruch haftete an dem einfachen Leinenstoff und vielleicht etwas Wärme, die er doch nicht mehr zeigen wollte. Sie erinnerte, als eine kleine Träne ihre schwachrosa Wange hinabtropfte. Sie erinnerte sich an die alternative Zukunft...

 

Es war einst in der Nähe des Hylia-Sees. Früh am Morgen, wo ein kühler Nebelschwaden sich verräterisch, anschleichend, über einen kleinen Laubwald zog, erklangen erbarmungslose Stimmen, kämpfend, schreiend, bis jene Stimmen von Vieh, von Dämon und Hylianern verstummten. Eine Krähe wetterte ihren kläglichen, kratzenden Reigen hinaus, sang ein Lied zu dem ekelhaften Nieselregen, der vom Himmel rückte.

Nicht weit am Ufer des Sees, nicht weit von einem erbarmungslosen Schlachtfeld gegen Kreaturen der Dunkelheit, Moblins, Skelettritter und andere teuflische Brut, vermischte sich das klare, gereinigte Wasser, welches kristallen schimmerte, mit hylianischem Blut...

Kostbar und einzigartig perlten sich kleine Blutstropfen hinab, tropften von einem aufgerissenen Mundwinkel und verschwanden, wurden unsichtbar, als sie das Wasser berührten. Kniend und seinen Atem aufgrund eines gewaltigen Schmerzes in der rechten Schulter anhaltend, hockte ein junger Hylianer vor dem flachen Wasser, hatte die Augen zusammen gekniffen und wartete, wartete auf einen günstigen Moment. Er schöpfte ein wenig Wasser und spritzte es sich in das Gesicht, hoffend, es könnte sein verschwommenes Gesichtsfeld normalisieren...

Er krächzte, fühlte sich elend, auch wenn er gerade einen mörderischen Kampf dank seiner Talente, seines edlen Mutes und der hitzköpfigen Entschlossenheit lebend gemeistert hatte. Auf der Jagd waren jene Moblins, jener Abschaum des Schreckensfürsten. Auf der Jagd nach Link, der dafür mehr als nur die Erklärung ersann, der Held der Zeit zu sein. Es musste einen weiteren Grund geben, weshalb der Gebieter des Teufelsturms ihn ständig versuchte auszumerzen.

Ein kurzes, flaches Atmen entkam seinen Mund und die linke Hand des Helden hob sich träge, umgriff einen dickstämmigen Pfeil, der durch seine Schulter gebohrt wurde. Aber er lebte, sagte sich immer wieder, so leicht mach’ ich es dir nicht, Ganon...

 

Ein schriller, herzzerreißender Schrei entkam seiner trockenen Kehle, als er sich mit einem heftigen Ruck den Pfeil aus der Schulter zog, atmete schmerzhaft ein und aus, hatte das Gefühl zu ersticken. Mit einem Schlag landete der Pfeil im Wasser und der junge Held presste eine Hand zähneknirschend auf die blutende Wunde, hustete und lehnte sich im selben Augenblick an alte, morsche Rinde eines Laubbaumes. Kleine Regentropfen seilten sich am kalten Baumstamm entlang, benetzten die grüne Mütze des Heroen, bedeckten zerkratztes Gesicht und blonde Haare. Lethargisch und den Regen irgendwie bewundernd, hob er eine Hand, fühlte den kühlen Regen auf seiner Haut, als wäre es das erste Mal.

Etwas so kleines. Etwas so schönes... Auch der Regen schien eine Seele zu besitzen, hier in der magischen alten Welt Hyrules. Eine Seele, dachte Link und wusste, dass er seine eigene Seele mit jedem Kampf, mit jedem Mord belastete. Hatte er denn noch so etwas wie eine Seele, ein warmes Etwas, direkt im verborgenen Teil seines jämmerlichen Herzen?

Immer verschwommener wurde der Regen vor seinem Antlitz, immer düsterer und schwächer wurde alles um Link herum, bis er angelehnt an jenem Baum in eine tiefe Bewusstlosigkeit fiel...

 

Aber sein Schlaf währte nicht sehr lange. Irgendetwas war da draußen, hier am Hylia-See und beobachtete alles, beobachtete die Wahrheit, das Ziehen und Spannen in der zerfetzten Schulter des Helden der Zeit.

 

Link wusste zu dem Zeitpunkt nicht, ob er schlief, ob er träumte, in einer Zwischenwelt schwebte oder einfach nur halluzinierte. Es war ihm gleich, solange das, was geschah, ihm half, seine Schmerzen linderte und sein trübsinniges Gemüt stärkte.

Er dachte zu blinzeln, und fühlte zwei warme Hände, die zuerst seine Schnüre am Kragen des zerrissenen Hemdes öffneten. Zwei angenehme Hände, so weich, eine einzigartige Empfindung, die, so nahm der junge Held an, nicht real sein konnte. Er blinzelte wieder, spürte einen heftigen Ruck, als seine eisblaue, verrissene Tunika, die er im Moment trug, mit einem Messer oder ähnlichem auseinander geschnitten wurde.

Seine tiefblauen Augen öffneten sich, in einem bedeutungsvollen Moment, wo nichts als Licht neben seinem mitgenommenen Körper leuchtete. Licht, so warm, vertraut und angenehm. Der Nebel in jenem kleinen Laubwald wich vor dem Licht zurück, der Regen verbrannte, überall dort, wo jenes Licht wandelte. Die Sonne kam am einst so düsteren Himmel zum Vorschein, entlockte dem jungen Heroen ein kleines Lächeln.

Eine Gestalt hob sich von dem wärmenden Schein ab und langes Haar lief weich und wunderschön an einem strahlenden, feinen Gesicht ab.

Link blinzelte wieder, nicht sicher, wo er war, warum er hier war und ob nur irgendetwas dieses Ereignisses Sinn ergab. 

Und das Licht blendete, nur schwerlich erkannte Link die Umrisse einer so vertrauten Gestalt, nach der sich sein Herz sehnte.

 

Erneut spürte er diese zarten Hände, die mit Mullbinden und einem kräuterartigen Wundmittel an der Pfeilverletzung hantierten. Nur schwach erklang seine Stimme und doch verständlich: „Wer... bist du?“, sagte er leise und packte schwerfällig eine jener angenehmen Hände. Doch zugleich legte sich ein schmaler Zeigefinger auf seine spröden Lippen.

„Sch... du bist verwundet. Rede nicht. Nicht jetzt...“ Diese Stimme, hell und beruhigend. Konnte es sein?

 

Er versuchte sich aufzurichten, wollte dieses Licht als das erkennen, was er sich wünschte. Doch verbietend drückten ihn zwei starke Hände wieder nieder, besiegelten seine überflüssigen Bewegungen mit einem straffen Verbot.

„Steh’ nicht auf, Link. Bleib’ liegen!“ Er ließ sich leicht überzeugen und doch verwunderte ihn dieses Licht, welches jener Gestalt kein Gesicht geben wollte. Er führte seine linke Hand hinein in diese Silhouette aus märchenhaftem Licht, tastete nach einem Gesicht, tastete nach Lebendigkeit und Wahrheit. Er fühlte reine, satinartige Haut unter der rauen Kämpferhand. Eine warme Wange, die vor seiner Berührung nur kurz zurückzuckte, aber dann eine dieser Hände auf seine eigene legte.

„Ruhig... ich bin da...“

„Bist du...?“ Aber wieder war ein Zeigefinger auf seinen aufgerissenen Lippen, die zum Schweigen gebracht wurden. Link sank erschöpft zurück, schloss träge die Augen und schien zu verzaubert, als dass er sich gegen jene Gestalt wehren könnte. Verzaubert tief in seinem Herzen. Einfach verhext von einer lieblichen Stimme und zwei wundervollen Händen, die ihm einen Verband um die Schulter wickelten...

 

Kurze, nichtssagende Augenblicke zogen an seinen Sinnen vorbei und allmählich klang der bissige Schmerz ab. Link hob eine Hand gegen seine Augen, wünschte sich die Gestalt hinter dem Licht zu sehen. Aber sie versteckte sich vor ihm, und vielleicht zum Teil auch vor sich selbst...

„Verzeih... aber ich sollte nicht hier sein“, meinte sie leise, so sanft. Das Licht wollte vergehen, wollte sich zurückziehen und doch würde der junge Held dieses Davonschleichen nicht schon wieder akzeptieren.

„Nein... bitte bleib“, sagte er und hielt das rechte Handgelenk der warmherzigen Gestalt fest in seiner linken Hand. Sie beugte sich kurz näher, und das glimmende, reine Licht schenkte ihm mit einer sinnlichen Berührung, die eigentlich nicht sein konnte, einen Kuss auf die schwitzende Stirn. Links Augen tränten, da er verbissen versuchte, das Licht zu umgehen, die Wahrheit zu sehen. Doch jenes sich Erkennen, sich Preisgeben war noch nicht Schicksal. Es war nicht der angemessene, vorbestimmte Zeitpunkt, dass erkannte und wusste Link. Das Schicksal würde sich nicht so wie die Zeit betrügen lassen...

„Zelda...“, flüsterte Link und wünschte sich, er wäre nicht so dumm, zu glauben, dass sie es wirklich war. Er streckte eine Hand nach ihr aus und doch versank das reine Licht mit jeder Sekunde mehr und mehr in einem dichten Gewächs aus Schatten...

„Zelda? Geh nicht...“, sagte er fiebrig und verfiel endgültig der Macht des Schlafes...

 

Als der blonde Hylianer seine Augen öffnete, zwitscherten Vögel von den Laubbäumen herab. Die Sonne schien und blendete ihn fordernd. Verwundert blickte Link auf den Verband und fühlte sich irgendwie... so kräftig... so seltsam stark, selbst mit der tiefen Wunde und der zerfetzten Schulter...

Sein müder Blick wanderte umher und verweilte auf einem blauen Punkt, direkt am Rande des Sees.

„Shiek?“, sagte Link heiser und doch hörte der Shiekah ihn im Augenblick nicht. Nachdenklich blickten scharlachrote Augen hinaus auf den See, bis er schließlich in einer Schale Wasser schöpfte. Als der eigensinnige, geheimnisumwitterte Kerl näher trat und zunächst überrascht schien, dass sich der junge Held wieder bei vollem Bewusstsein befand, konnte Link nicht anders als dämlich zu grinsen.

Kopfschüttelnd kniete Shiek neben Link und sah ihm eindringlich in die vorwitzigen Heldenaugen. „Wenn du in deinem Zustand noch grinsen kannst, scheint die Wunde ja nicht allzu schlimm zu sein.“

„Hallo Shiek. Herzlich willkommen“, kam es beinahe lachend aus Links Kehle. Dennoch klang seine Stimme trocken und kraftlos. Sofort reichte Shiek ihm eine Schale Wasser.

„Danke. Was für ein Service“, meinte Link und blickte immer noch lächelnd- bei Nayru, er bekam das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht- zu dem gigantischen Hylia- See.

„Nanu? So gut gelaunt?“, meinte Shiek mit seiner untypischen Männerstimme und setzte sich im Schneidersitz neben Link, der gierig das Wasser herunterwürgte.

„Ja... besser könnte es gar nicht sein.“

„Und womit hängt dein fröhliches Gemüt zusammen? Ich kann nicht glauben, dass es die Wunde ist, worüber du dich so extrem freuen kannst, Held der Zeit.“ Links Blick wurde weicher, richtig mild und angenehm. Irgendwie nicht normal, nicht zum Begreifen geeignet war dieser Blick.

„Zelda war hier“, sagte er gefühlvoll und sah fröhlich, entspannt und frei in den blauen Himmel, wo einige Schwalben ihre Runden drehten. Shieks rätselhafte Miene sprach viele Kapitel eines Shiekahredewendungenbuches. Denn nichts davon würde irgendjemand, der die Schatten nicht so verstand wie jenes ungewöhnliche Volk, überhaupt lesen können.

„Bist du dir sicher?“

„Jep, ganz sicher“, lachte er und stützte sich mit den Handflächen auf dem Gras ab. Shiek zuckte kurz mit den Schultern. Denn der Rotäugige wusste doch, wie sehr Link Zeldas Anwesenheit benötigte, um die kommenden Kämpfe zu überstehen. Shiek wusste doch genau das, was Zelda wusste. Bekanntermaßen resultierte Shieks Dasein wohl nur aus dem Schutze Zeldas...

„Wie auch immer, du dussliger Held. Kannst du aufstehen?“ Link grinste schief und ließ sich von dem jungen Shiekah aufhelfen. „Dort drüben, in Richtung Westen, keine fünf Meter entfernt befindet sich ein altes Gasthaus. Dort könntest du etwas zu dir nehmen, wenn es dein Wunsch ist.“ Link nickte und trampelte vorsichtig mit Shieks Unterstützung weiter des Weges... 

 

Plötzlich schrillte ein entsetzliches, aufweckendes Kuck- Kuck durch das Quartier. Und ein ausgestopfter, verunglückter Vogel platzte aus dem Inneren der Uhr hervor, machte seinem hässlichen Gesang alle Ehre und beförderte die halbe Ritterschule aus ihrem Schlummer.

Zelda quiekte laut auf, zunächst überfordert und nicht in der Lage das Geräusch als von einer Kuckucksuhr stammend zu identifizieren und fiel mitsamt Links Tunika in ihren Händen von der Bettkante. Hastig und laute Geräusche produzierend stand sie auf und blickte schockiert und dann beruhigt zu dem unsäglichen Mordinstrument für spitze, empfindliche Hylianerohren.

 

„Bei allen Göttern. Du verdammtes, dämliches Stück Holz. Mach’ die Klappe wieder zu!“, brüllte Will und schmetterte mit einem gewaltvollen Schlag ein Kissen gegen Belles herzliche, lustige Kuckucksuhr, die sie selbstverständlicherweise nur angebracht hatte, um Will um den jugendlichen Verstand zu bringen. Schnaufend stand er auf und lugte ungläubig, begleitet mit einem hässlichen schilffarbigen Nachthemd zu der nervtötenden Uhr, die kichernd an der Wand hing.

„Na warte!“, sagte Will nachdrücklich, mit einem geschauspielerten Unterton und hüpfte zu der Uhr.

In dem Augenblick aber sah er etwas aus seinem Augenwinkel und fuhr aufgeregt herum. Er dachte schon, Link wäre zurück. Doch der Anblick einer attraktiven, bildhübschen Hylianerin, und das musste Will einsehen, war weitaus interessanter. Unschuldig grinsend sah er zu ihr, zu dem wunderschönen Geschöpf, das mit Links Tunika in den Händen auf dem Boden hockte und mit großen, fragenden Augen zu der verdammten Kuckucksuhr lugte.

 

„Ja, spinn ich denn? Was machst du denn hier?“, sagte William erschrocken und hüpfte, ein wenig unwohl diesem hübschen Gesicht mit einem fransenden, zum Erschrecken hässlichen Nachthemd gegenüberzutreten, wieder zu seinem Bett und verkroch sich schnaufend in seiner Decke.

„Verzeih’, ich wollte dich nicht erschrecken oder deinen Schlaf stehlen, William Laundry.“, sagte sie klar und ihre Ruhe wiederfindend. Mit Links waldgrüner Tunika in den Händen stand sie auf und ließ sich erneut auf der Bettkante nieder. Da erkannte der Schüler die junge Lady von vorhin wieder und konnte lediglich ihre strahlend blauen Augen bewundern, die leuchtend aus der grauen Kapuze lugten. Wie zwei Kristalle funkelten sie, als sie in Wills Blick gleich in einem Buch blätterte. 

 

„Du bist doch... ähm... ach ja... das Mädchen von vorhin“, quasselte Will wie ein Wasserfall,  hin- und hergezerrt von einer unheimlichen Nervosität. Die unerkannte Prinzessin nickte nur und kicherte kurz. Sachte zog sie die Kapuze vollständig von ihrem bildhübschen Kopf und legte den grauen Umhang ab. Zugegeben, Zelda trug ihre aufwändige Tiara nicht, war nicht in ihrem teuersten Kostüm begleitet und doch war ihr außergewöhnliches weiß-violettes Kleid, versehen mit zahlreichen Stickereien, und dem königlichen Falken auf der Schürze, Hinweis genug für ihr wahres Gesicht. Will blieb jegliche Spucke im Hals stecken, als er das prachtvolle Kleid, welches sich schlängelnd um die tolle Figur des Mädchens wand, anstarrte.

„Ja, das bin ich... und noch einiges mehr“, sagte Zelda leise und legte Links warme, gefütterte Tunika zurück in den alten Schrank neben dem Bett.

„Bist du ein Freund Links?“, meinte Will und sah das hübsche Mädchen verlegen an. „Oder bist du vielleicht...“ Aber Zelda unterbrach ihn und winkte mit ihrer rechten Hand ab. „Diese Frage kann dir nur Link beantworten.“

„Weißt du, wo er steckt? Ich wollte unbedingt mit ihm reden. Du kannst dir gar nicht vorstellen, was dieser verdammte Hurensohn Viktor mit ihm angestellt hat.“

„Oh doch, das kann ich sehr gut. Ich weiß, was geschah.“ Und William richtete sich auf, blickte die Dame verwirrt an. „Wie kannst du das, du warst doch gar nicht dabei!“ Zeldas blaue Augen wanderten belustigt in die Nähe des Fensters und ein sanftmütiger Blick ging hinaus aus zu dem trüben Morgenhimmel, wo gleißende Sonnenstrahlen durch Nebel und letzte Nachtspuren drangen. „Man muss nicht immer mit den Augen sehen, William. Es gibt andere Wege, weniger versperrte und weniger gefährliche Wege, als einfach nur mit den Augen die Wirklichkeit zu lesen.“ Wills Mund klappte auf und er erstarrte vor Ehrfurcht.

 

„Ich kenne Link schon sehr lange, viel zu lange, um nicht zu wissen, was geschehen ist.“ Damit wand sie sich zu William und ihr blondes Haar fiel an einzelnen Strähnen, die nicht in einem Zopf gebunden waren, über das edle Gesichtchen.

„K-Könntest du mir dann sagen, warum Link so ist, wie er ist? Warum benimmt er sich so freudlos, handelt so mürrisch und weigert sich länger als zwei drei Sätze mit jemandem auszutauschen. Wenn das so weiter geht, frage ich, ob ich ein anderes Zimmer haben kann.“, sagte er eingeschnappt und starrte zur Decke.

Zelda sah einsichtig und nachsinnend zu Boden: „Tu’ das, was du für richtig hältst, William.“, sagte sie gedämpft mit unglaublicher Ruhe und Andacht. Anmutig lief sie hinüber zu dem fünfzehnjährigen Laundryjungen. Erneut las Zelda in seinen grünen, vorwitzigen Augen.

„Denn das ist stets das einzige, was man mit seinem Gewissen vereinbaren kann...“, endete sie. Und dachte still und heimlich an ihre vielen, unerwünschten Entscheidungen, die sie im Leben treffen musste. Entscheidungen zum Wohle Hyrules- zum Nachteil eines Freundes...

 

„Kennst du die Legende vom Helden der Zeit?“, fragte Zelda unschuldig klingend und setzte sich graziös auf die nahe kaminrote Couch.

William Laundry fixierte mit seinen dreisten Augenglimmen die junge Lady, besah sie sich ganz genau und jede Eigenheit ihres makellosen Gesichtchen. Reine, ungeschundene Haut, zartrosa Wangenbäckchen und ein verführerischer, teuflischer, roter Mund. Rotwerdend blickte William weg und murmelte: „Mein Vater erzählte sie mir einst.“

„Dein Vater ist ein rechtschaffener Ritter, William.“

„Ach bitte, nenn’ mich Will. William klingt so abgedroschen und anständig.“

„Heißt das, du bist nicht anständig, Will?“ Auf frischer Tat erwischt und knallrot im Gesicht, wurde ihm heiß. Er fühlte geradezu, wie kochendes Blut in seine Wangen stieg.

„Wie auch immer. Was hältst du von der Legende?“

„Ist Blödsinn. Ich glaube nicht an Märchen“, meinte er kaltschnäuzig. „Auch wenn mein Vater und Lilly ständig meinen, der Junge würde irgendwo in Hyrule tatsächlich existieren...“

„Lilly?“

„Meine verrückte, durchgeknallte Schwester. Stell’ dir vor, sie hat Link als einen goldenen Hylianer bezeichnet und gemeint, er hätte die Zeit betrogen. So ein Quark.“ Anscheinend fand William diese Tatsache ausgesprochen amüsant. Denn er kicherte bei dem Gedanken.

 

„Du bist ignorant und eigensinnig, wenn du annimmst, in Hyrules wäre kein Platz für Märchen.“ Will schaute teilweise erbost, teilweise überrascht auf.

„Warum sollte hier, in einer magischen Welt wie Hyrule, wo viele zaubernde Wesen wie Feen, seltsame Geschöpfe wie Kokiri, Shiekah, Goronen und Zoras existieren. Warum sollte hier kein Platz für Magie und Legenden sein?“

„Also...“, fing Will an, wanderte mit seinen grünen Augen an die Decke und trotzdem fiel ihm kein Sinnvolles Argument ein.

„Es sind nicht die Kinder, die die Welt der Erwachsenen ins Lächerliche ziehen, nein, es sind wohl die Erwachsenen, in deren Herzen kein Platz mehr für Legenden ist.“, sagte Zelda standhaft. „Es gibt sie noch, die alten Märchen, die einzigartigen Legenden.“ Und Zeldas Lächeln, so angenehm und schön schien auszureichen, dass Will begann über seine eingefahrene Einstellung kräftig nachzudenken. Mit einem Funkeln in ihren schönen Augen stand Zelda auf und lief wieder zu dem ungenutzten Bett ihres besten Freundes, dem einstigen Kind des Waldes.

„Und irgendwo gibt es den Helden der Zeit, William. Irgendwo schlägt sein Herz, genauso tosend und lebendig wie deines. Irgendwo lacht er, empfindet Glück und irgendwo wird er sich selbst wieder finden.“ Sie machte eine kleine Pause. Ein kurzer Gedanke an Links tiefblaue Augen. Seinen damaligen Charme. Seinen wahren Mut, die Kampfgewandtheit, die in ihm schlummerte. All diese Dinge kamen ihr in den Sinn und sie vermisste es. Sie vermisste ihn...

„Du solltest dir ihn als Vorbild nehmen.“ William drehte seinen eigenwilligen Kopf in Richtung der Wand und schwieg einige Minuten.

 

Die Zeit rannte davon, als der Kuckuck erneut aus seinem Schlupfloch kam und sich an der vollen Stunde mit grellem Gebrüll erfreute. Zelda wühlte ein weiteres Mal in den Sachen Links herum, mit der Hoffnung, einen Hinweis darauf zu finden, was mit ihm nicht stimmte, was geschehen war in dem Land ohne Namen, hinter der westlichen Grenze Hyrules...

Will zog sich währenddessen einen Pelz über und trat zu der hübschen Lady heran. Er lugte über ihren Kopf, denn sie war bestimmt einen Kopf kleiner als er und konnte nur mit dem Schädel wackeln. Was erlaubte sie sich hier? Schnüffelte einfach in Links Sachen herum, als ob es eine Selbstverständlichkeit für sie wäre...

„Sag’ mal, was tust du denn da?“, sagte Will und musterte die Dame eindringlich. „Nichts, was dich interessieren sollte... noch nicht.“

„Aber du kannst nicht einfach in Links Privatsphäre herumstöbern. Schon mal dran gedacht, dass er das nicht leiden könnte?“ Sie lachte laut auf. „Wenn du wüsstest, wie oft ich schon bei ihm herumgeschnüffelt bin, ohne dass er es gemerkt hat.“ Shieks Erinnerungen erheiterten ihren Geist mit zunehmender Freude...

 

„Du kennst ihn gut, oder?“ Zelda drehte sich den Kopf schief hängend zu Will und meinte leise: „Besser als jeder andere... wir haben einige Dinge zusammen durchgestanden“, setzte sie hinzu. William verschränkte seine Arme und sah grüblerisch drein.

„Wenn dem so ist, dann verrate mir eines.“

„Das wäre?“

„Aus welchem Grund hat man Link diesen grausamen Test unterzogen?“ Trübsinnig blickte Zelda zur rechten Seite, legte eine Hand auf ihr Herz und neigte ihr Haupt ein wenig.

„Warum ist Link so mürrisch und lacht nie?“ Erneut schwieg die unerkannte Prinzessin des Schicksals.

„Weshalb kann er so gut mit einem Schwert umgehen? Man könnte meinen, er hätte ein Leben lang Training. Was...“ Doch William unterbrach seine neugierigen Fragen, als Zelda ihm den Rücken zu drehte und ihren bleiernen, unauffälligen Mantel an sich nahm. Sie zog die Kapuze vollständig über ihren Kopf und verband graue Schnüre am Kragen.

„Es wäre eine Fehlhandlung von mir, dich über die Dinge wissen zu lassen und doch...

William, bitte kümmere dich um ihn. Er ist nicht so hart und kalt, wie sich gibt. Er ist der sanftmütigste, warmherzigste und wundervollste Hylianer, den es gibt. Bitte hilf ihm...“

 

Noch ehe Will etwas darauf sagen konnte, war die unbekannte Schöne verschwunden und die holzige kleine Tür fiel hinter ihrem Rücken klappernd ins Schloss...

 
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