Kapitel 1.18
 
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Kapitel 18: „Ich bin nicht wirklich.“

 

 

Die nächsten Tage rannte Link stets nach dem Mittagessen in die Wälder und trainierte, ohne, dass eine Menschenseele wusste, dass er sich an dem Kampf mit dem Schwert probierte. Wenn ihn jemand beobachtete, hätte das vielleicht weitreichende Konsequenzen… Link blieb halbherzig grinsend auf dem vertrauten Waldweg stehen, schlug mit seinen Turnschuhen Steine auf dem Weg vorwärts und starrte ab und an in den märchenhaften Himmel. Was wohl passieren würde, wenn irgendjemand herausfand, was er tat? Würde man ihn für verrückt erklären und sofort in eine psychiatrische Anstalt stecken? Wie würden die Menschen ihn anstarren, hätte er ein Schwert in der Hand und würde damit durch die Straße laufen?

Die Dinge auf der Welt schienen sich für ihn nun zu verwandeln. Er sah die Welt mit anderen Augen, die Tiere, die Pflanzen, die Menschen, die eifrig ihrem Alltagsleben nachgingen. Link jedoch würde ein gewohntes Alltagsleben nicht mehr führen können und das wegen all dem, was er seit Anbeginn seines Daseins auf der Erde spürte, diese tiefe Sehnsucht danach etwas Größeres zu erreichen. Im Grunde genommen, und er selbst gestand es sich immer mehr ein: er wollte kein gewöhnliches Leben, das hatte er nie gewollt. Weiterhin starrte Link, während er dem kleinen moosigen Pfad folgte, in den Himmel. Was wäre wenn…

Er dachte an die Spielfigur auf dem Gamecube. Auch der Link im Spiel beherrschte das Schwert meisterlich, aber er führte es gegen das Böse. Gegen wen wollte Link denn mit dem Schwert kämpfen? Es gab keine Dämonen… oder doch?

Link kam an seinem vertrauten Übungsplatz an, kletterte begeistert und mit einem zufriedenen Gesicht in das kindliche Baumhaus, und nahm sich sein scharfes Übungsschwert. Es schien ihm wie eine Sucht, eine Droge, diese Waffe in den Händen zu halten. Er sprang gekonnt mit dem Schwert aus dem Baumhaus und drehte einen Salto in der Luft. Er fühlte sich so kräftig, dass er sich nicht vorstellen konnte, jemals in einem Krankenhaus gelegen zu haben. Er protzte vor Energie, so dass ein Salto für ihn eine leichte Übung war.

Er landete elegant auf seinen durchtrainierten Beinen, überrascht wie ihm das gelingen konnte und gleichzeitig überaus zufrieden mit sich selbst. Dann begann er mit seinen wilden Fechtkünsten, die tatsächlich aus der Sicht eines Beobachters immer besser, immer stärker und schneller wurden. Dann probierte er einige neue Attacken aus, die er sich letzte Nacht überlegt hatte. Neben einer besonders starken Stichattacke, einer weiteren Attacke, in welcher Link das Schwert mit beiden Händen umfasste, einem Angriff, in welcher er sich geschwind über den Boden rollte und sich hinter einem Gegner auftürmen würde, um ihm das Schwert in den Rücken zu bohren, war alles Mögliche seiner Vorstellungskraft entsprungen. Während Link gegen eingebildete Gegner kämpfte und dabei des Öfteren nicht anders konnte, als ein wildes Kampfgeschrei anzustimmen, klatschte hinter ihm jemand, der die ganze Zeit seine Bewegungen studiert hatte und beeindruckt schien.

Link drehte sich, von allen guten Geistern verlassen, um. Nein, nun war es trotzdem passiert. Jemand hatte ihn gesehen! Der Heroe spürte seinen Herzschlag bis in seiner Kehle. Aber als er sich umdrehte, stand lediglich ein Kind vor ihm, ein Kind, das ihm mehr als vertraut erschien, das Mädchen mit den blonden Zöpfen und den giftgrünen Augen. Ein bis zu den Knien reichendes babyblaues Kleidchen flatterte im Wind, während sie herum hüpfte.

„Was machst du denn hier“, sagte sie, „Übst wohl für das letzte Gefecht zwischen dir und dem Meister des Bösen?“ Das kleine Mädchen hielt geschwind die Luft an. Sie wollte ihm doch nichts darüber sagen und durfte es auch nicht. Sie konnte sich kaum in schicksalhafte Fügungen einmischen, und es war nicht ihre Aufgabe dem Helden klar zu machen, dass er das Böse hindern musste sich auf der Welt breit zu machen.

„Wen?“

„Ach nichts. Übrigens, du bist zwar gut, aber lässt deine Deckung zu weit offen.“

Link schnaubte: „Ich wüsste nicht, was dich das angeht.“

„Na ja, man muss dir doch irgendwelche Ratschläge geben, bei deinem Leichtsinn, Linky.“

Link drehte sich wütend zu ihr und meinte. „So, meine kleine Nervensäge. Ich habe hier eine sehr gefährliche Waffe. Und ich weiß nicht, was passiert, wenn du mich weiterhin störst und mir nicht endlich sagst, wer du bist. Ich will meine Ruhe, also verschwinde wieder. Du…“ Link konnte den Satz einfach nicht beenden, denn das kleine Mädchen mit den blonden Zöpfen lachte nur und tänzelte wieder um ihn herum. Link schüttelte mit dem Kopf. Kinder waren immer so unberechenbar… Sie reagierte keineswegs auf seine Drohungen - ganz im Gegenteil, sie kicherte darüber.

„Ich weiß, dass du niemanden mit gutem Herzen etwas zu leide tun kannst. Du bist doch schließlich Link.“

Wow, dass er so hieß, wusste er selbst. Der Angesprochene entschloss sich das Training zu beenden und setzte sich an einen alten Baumstamm. „So“, sagte Link, als sich die Kleine neben ihn setzte. „Sag’ schon, was willst du von mir!“

„Ich muss auf dich aufpassen, Linky.“

„Kannst du das bitte unterlassen.“

„Was?“

Link beugte sich über sie und betrachtete sich das kleine, rundliche Gesichtchen genau. Sie besaß eine außerordentlich spitze Nase und rote Wangenbäckchen. „Hör auf mich Linky zu nennen.“

„Ist gut, Linky.“

Er verdrehte die Augen. „Bist du so was wie ein Schutzengel?“

„Vielleicht.“ Sie stand auf und tanzte nun um den Baumstamm herum.

„Warum hast du keinen Namen? Hast du kein Zuhause, keine Eltern oder so?“

„Das war einmal vor langer, langer Zeit, vor vielen, vielen Jahren.“ Sie blieb stehen und seufzte: „Aber dieses Zuhause gibt es nicht mehr.“ Dann lief sie wieder um Link herum.

Der Kämpfer übte weiter, während das kleine Geschöpf ihm Ratschläge erteilte und Link, der es eigentlich nicht wahrhaben wollte, musste einsehen, dass dieses schlaue Wesen, wer immer sie auch war, ihm tatsächlich helfen konnte. Als der Abend kam, war die Kleine verschwunden, wie als wäre sie nie hier gewesen. Link ging zurück in die Stadt, folgte verträumt dem Weg und schickte seine Gedanken auf die Reise. Was wäre wenn…

 

Eine neue Woche begann und langsam sollte sich Link ernsthaft Gedanken um das Schulprojekt machen. Es wurde allmählich Zeit, Zelda deswegen anzusprechen. Sie redete ja nicht mit ihm und Link, total nervös und unzurechnungsfähig, wenn sie in der Nähe war, müsste langsam aber sicher etwas tun.

Inzwischen hatte er sich mit der beklemmenden Situation, wie jene zurzeit war, abgefunden. Wahrscheinlich hatte ihn der Umgang mit dem Schwert abgelenkt und verdeutlicht, dass es nichts brachte, Zelda zu bedrängen… Aber die Gefühle für sie waren eben da und Link konnte sie einfach nicht ignorieren… sein Herz sagte ihm, rede mit ihr, sein Verstand aber sträubte sich.

Link und die anderen Jungs versammelten sich gerade in den Umkleidekabinen. Sportunterricht war angesagt. Rick tippte Link auf die Schulter und musterte ihn verdutzt. „Du, sag’ mal. Wie machst du das?“, meinte er.

„Was?“

„Na, das.“ Rick packte Link am Arm und schleifte ihn zu einem Spiegel.

„Ja und? Soll ich jetzt dreimal in die Hände klatschen, weil mein Spiegelbild so gut aussieht.“

„Link, ich meine es ernst.“

Und der junge Held wusste, was Rick meinte. Während der letzten Wochen nervenaufreibendem Training in den Wäldern hatte Link einiges an Kraft und Muskelmasse zugelegt. Es fiel ihm jetzt erst einmal richtig auf. Sein Körper hatte sich ganz schön verändert. Kein Gramm Speck mehr. Link schien sportlicher und stärker zu sein als jemals zuvor, und er wusste, dass ihm diese Eigenschaften in naher Zukunft sehr nützlich sein würden. Er fühlte die Veränderung in sich selbst und den sich nähernden Sturm…

„Nun ja, ich habe die letzten Wochen ein wenig Sport getrieben, vielleicht ein wenig zu viel“, erklärte der blonde Held.

Rick stutzte: „Du bist ein Übermensch. Vor wenigen Wochen lagst du mit Rippenbrüchen und inneren Blutungen auf der Intensivstation und jetzt… du bist einfach unmöglich.“

Link fasste das als Kompliment auf. Dann gingen sie nach draußen.

Ines Schattener war neben ihrer Direktorenposition am Gymnasium Sportlehrerin und zu allem Überfluss auch noch unheimlich streng. Link hatte sie ebenso wie Zelda die letzten Wochen ignoriert. Sie wollte ihm Erklärungen geben. Erklärungen für alles. Alles. Aber Link glaubte nicht, dass jedwede Erklärung ausreichte. Es war einfach das Letzte, dieses dumme Versteckspiel von Seiten Zeldas.

Aber unterstütze die Direktorin das wirklich? Es mochte sein, dass Link nichts über die Absichten Ines Schatteners wusste, aber auf ihn hatte sie einen eher zugänglichen Eindruck gemacht. Und die Absichten jener Direktorin, die auch noch einen anderen Namen hatte, standen tatsächlich in großem Widerspruch zu denen Zeldas. Wohingegen die einstige Prinzessin Hyrules alles dafür tat, Link nicht zu nahe zukommen, um ihn von weiterer Gefahr fernzuhalten, ihn vor sich selbst zu beschützen und damit starke Gefühle der Einsamkeit ohne seine Nähe ertrug, so wollte Ines, dass er an den Ereignissen teilhaben konnte. Ines befürwortete ein Einmischen von Link, denn sie wusste, dass es einfach sein Schicksal war, an den näherkommenden Kämpfen teilzunehmen.

Die Schüler befanden sich auf einem riesigen Sportplatz. Auf der großen Wiese in der Mitte spielten die Mädchen gelassen Federball. Die Sonne schien und die brütende Hitze, die sie aussendete, wurde immer schlimmer.

Miss Schattener beauftragte die Jungs einige Runden zu laufen. Eine von Links leichtesten Übungen. Er überrundete einige und schien am Ende keineswegs außer Puste zu sein. Er hatte in den Wäldern ebenfalls seine Ausdauer und Kondition erfolgreich trainiert. Er wollte auf alles vorbereitet sein. Seit ihm dieser teuflische Schatten begegnet war, konnte Link nicht aufhören Kraft zu sammeln. Doch wofür? Was um Himmels Willen stachelte ihn an, seinen Körper in dem Maße zu beanspruchen? Er wusste nichts von einer anderen Welt, einer anderen Zeit, als eine seine Reinkarnationen dort Großes tat und er wusste nichts von seinem eigenen Schicksal…

Er machte es sich auf einem Zaun bequem und starrte in das herrliche Blau des Himmels. Plötzlich spürte der Jugendliche, dass er beobachtet wurde. Er schaute in alle Richtungen und erkannte am Eingang zur Turnhalle eine Person mit eng anliegender Lederkleidung. Sie zog seine Aufmerksamkeit auf sich, aber nicht wegen den blonden Haaren, die Zeldas Haaren an Länge ähnelten, sondern weil sie bei der Hitze diese unerträgliche schwarze Kleidung trug. Dennoch… mit dieser Dame stimmte etwas nicht. Die Hitze schien ihr nichts auszumachen und ein kalter Schatten schien sie nicht nur zu begleiten, sondern auch zu umhüllen.

Als Link in ihr Gesicht sah, wäre ihm beinahe das Herz stehen geblieben. Die sah Zelda erschreckend ähnlich! Wie konnte das sein? Hatte Zelda eine Zwillingsschwester? Sie sah Link in die Augen und leckte sich auf eine abscheuliche Art und Weise über ihre kahlen Vorderzähne. Entsetzt blickte Link weg und lief unbewusst auf Zelda zu, ließ dieses Biest aber nicht aus den Augen. Die seltsame Gestalt machte eine bedrohende Geste, während ihr Blick nichts als Kälte absonderte, und sie deutete auf Zelda, die gerade mit Sara Federball spielte. Ihre Augen, so gefährlich kalt und ohne Mitleid, Augen so unecht und doch lebendig.

Link blickte Zelda an. Sie trug eine kurze rosa Jeanshose und ein dunkelblaues Spaghettitop. Sie sah darin unheimlich begehrenswert aus… Wunderschön… Für einen kurzen Augenblick vergaß er diese Gestalt vor der Turnhalle und hatte nur noch Augen für diesen Engel. Wie konnte man nur so himmlisch aussehen, fragte er sich…

Als Link wieder zu der dunklen Gestalt sah, war sie verschwunden. Hatte Zelda jetzt einen bösen Doppelgänger? Hatte der Mistkerl in der Kirche dieses Biest geschickt? Irgendetwas plante dieses Ungeheuer doch. ,Wenn ich nur wüsste was‘, dachte Link. Während der gesamten Schulstunde hatte Link immer wieder darüber nachgedacht. Aber ihm fiel nichts ein, was er hätte tun können. Warum fühlte er sich so hilflos?

 

Während die Jungs fleißig Kugelstoßen übten, nahm Ines Schattener Link beiseite und bat ihn um ein Ohr. Verdutzt willigte Link ein und folgte der Direktorin in das kleine Büro in der Turnhalle. Das kleine Fenster im Büro bot einen ordentlichen Blick auf die Grünfläche, sodass Ines ab und an hinaussehen konnte, um sich zu vergewissern, dass die Jugendlichen da draußen keinen Unfug anstellten.

„Setz’ dich, Link.“ Und er machte es sich auf dem Holzstuhl vor einem schwarzen Schreibtisch bequem. Ines Schattener holte zwei Gläser und eine Limonadenflasche aus einem kleinen Kühlschrank in jenem Büro. ,Sehr praktisch‘, dachte Link. Äußerst praktisch.

„Durst?“ Link nickte, sich fragend, womit er so viel Freundlichkeit von Seiten der Direktorin verdient hatte. Dann erinnerte er sich an die miese Szene im Krankenhaus, als er überreagiert hatte. Konnte es sein, dass Ines ihm jetzt die Erklärungen geben wollte, die er damals für unwichtig hielt.

„Ich will nicht um den heißen Brei herumreden, Link, und sicherlich ist dir auch einiges daran gelegen, dass ich dir so schnell wie möglich mitteile, was mitzuteilen ist.“

Erneut nickte er und nahm einen Schluck der kalten Limonade. „Hat Zelda dieses Gespräch eingefädelt?“

„Nein“, erwiderte Ines. Traurig blickte sie hinaus zu der Mädchentruppe und beobachtete ihren Schützling mit besorgtem Blick. „Sie hat mir eigentlich untersagt, mit dir zu reden…“ Und aufmerksam hörte Link zu, der den verzweifelten Ausdruck auf ihrem Gesicht sah, aber sich keinen Reim daraus machen konnte. „Sie leidet, Link. Auch, wenn sie es nicht wahrhaben will, auch wenn sie so tut, als wäre alles in bester Ordnung.“ Und Impa, ein anderer, vielleicht zutreffender Name für diese Persönlichkeit, dachte an einige Tage, einige Abende, die sie mit der einstigen Prinzessin Hyrules erlebt hatte. Damals wie heute, gab sich die Prinzessin des Schicksals an allem die Schuld. Damals wie heute ignorierte sie, dass sie sich geliebt fühlen wollte und ertrug lieber die Einsamkeit, die langen Abende und Nächte, in denen es niemanden gab, mit dem sie reden konnte. Nicht einmal ihr Kindermädchen aus alten Tagen ließ sie an sich ran. Und wann immer Impa nachfragte, nein, nachbohrte, ob sie reden wollte, ob etwas nicht stimmte, dann schüttelte Zelda mit dem hübschen Kopf und wich ihr aus. Das war die Wahrheit über jemanden, der in seinem Leben nie etwas anderes als das Wohl anderer, das Wohl eines ganzen Landes im Sinn hatte- die Wahrheit über ein verletztes Herz, wie es das Zeldas war…

„Das, was ich dir zu sagen habe, könnte Zelda vielleicht verletzen, weil ich entgegen ihres Wunsches handle. Aber du musst es einfach erfahren, du musst wissen, dass vielleicht sehr viel von deinem Erfolg abhängen könnte.“

Erfolg? Welchen Erfolg? Meine sie die Noten? Ja, er hatte die letzten Wochen herzlich wenig für die Schule getan, aber so schlecht stand er doch wirklich nicht da, oder? „Ich verstehe das alles einfach nicht. Wovon redest du, Ines?“

„Ich will dir nicht alles sagen, Link. Da ich finde, Zelda sollte dir erzählen, was geschehen ist, weshalb sie plötzlich hier ist, warum sie vorher niemand kannte, weshalb sie in dieser Welt so verloren ist und…“ Ines sah gedankenverloren hinaus zu dem blonden Mädchen, das so tat, als wäre es glücklich. „… und warum du sie finden konntest und in ihrem Leben immer eine Rolle spielen wirst.“

„Warum tut sie dann so, als würde sie mich nicht kennen. Warum, Ines? Warum?“, fauchte Link gekränkt und sprang von seinem Platz auf. Er breitete seine Arme aus und sagte aufbrausend: „Ich habe nichts getan, um sie zu verletzten, ich hätte alles für sie getan.“ Wütend brachte Link diesen Satz zu Ende und verzog sein Gesicht bei seiner eigenen Wortwahl. Wie konnte er nur so dumm sein, zu reden, ohne über die Worte in seinem Mund reiflich nachzudenken. Er ließ seinen Kopf hängen und drehte sich halb um, sodass er die Wärme in Impas Blick nicht sehen konnte.

„Ich weiß, Link.“ Und die Direktorin legte eine Hand auf seine Schulter. „Du musst ihr Zeit lassen. Glaub’ mir, sie geht dir nicht aus dem Weg um deine Gefühle zu verletzen. Sie tut es nicht aus Eigennutz.“ Ines Blick wanderte zu der Zimmerbeleuchtung. „Sie hat noch nie in ihrem Leben etwas aus Eigennutz getan. Und Zelda hat vieles getan… vieles, was ihr eigenes Glück aber im Gegenzug zerstörte.“ Und wieder sprach Ines in Rätseln. „Ich wollte dir mitteilen, dass du dich in Gefahr befindest, Link“, sagte sie dann und schenkte ihm noch ein Glas der Zitronenlimonade ein.

„Warum überhaupt?“

„Ich hatte gehofft, du könntest mir darüber etwas erzählen. Ich weiß zwar einige Geschichten von Naranda, aber mir fehlen noch einige Zusammenhänge.“ Link sah überrascht auf, setzte sich wieder und trank von dem kühlen Getränk, welches angenehm seine Kehle hinab lief.

„Ich wollte die ganze Zeit schon wissen, wie du sie gefunden hast, Link?“

„Hat Zelda dir darüber noch nichts erzählt?“ Ines schüttelte frustriert den Kopf. Wieder etwas, worüber Zelda lieber schwieg. Sie machte ein großes Geheimnis aus der Woche mit Link, ebenso über die Tatsache, wie er sie gefunden hatte.

„Nein, darum bitte ich dich, mir alles genau zu erzählen, Link.“

Der junge Oberschüler holte tief Luft und stand wieder auf. Auch er lief zum Fenster und sah hinaus, blickte verträumt zu Zelda und fühlte einmal mehr diese lähmende Angst um sie, sie könnte sich plötzlich in Luft auflösen. „Das heißt also indirekt, ich bin wirklich in alle Geschehnisse verwickelt, nicht wahr?“

„Nicht nur das, es geht vielleicht mehr um dich und deine Fähigkeiten als du ahnst. Du wirst eine Hauptfigur der nahen Ereignisse sein.“

Link entgegnete nichts darauf, schloss mit Bedenken seine Augen und stützte eine Hand an sein Kinn. „Zelda… sie hat nach mir gerufen. Ich meine, nicht so, wie man das auf normalen Weg tut, sondern… irgendwie telepathisch…“, meinte er stockend. Gott bewahre, hoffentlich hielt ihn die Direktorin jetzt nicht für verrückt. Denn, dass jenes Rufen verrückt klang, konnte Link nicht bestreiten.

„Verstehe“, sagte Ines mit klarer Stimme.

Und Link dachte, er hätte sich verhört. War sein Trommelfell kaputt? Unbewusst prüfend griff er sich an seine Ohren. „Sie sind nicht überrascht?“

„Nein, erzähl‘ ruhig weiter.“

„Sie ist dann am frühen Morgen aufgewacht und sagte etwas über einen Lichtweg in ihren Träumen. Sie war so verunsichert und wusste nicht, wohin sie gehen könnte. Ich konnte meine Eltern überzeugen, sie als Pflegekind bei uns wohnen zu lassen und so ist sie dann geblieben.“

Wiederrum nickte die stolze Direktorin. „Ich bin so froh, dass du sie gefunden hast, Link. Wir, das heißt Naranda, Dar und Richard waren schon lange in Sorge um sie, nun da…“

„… da was?“

„Ist dir jemals ein großer Mann begegnet, mit teuflischen Augen.“

Link nickte geistesgegenwärtig. „Ja, er ist mir begegnet, hält sich in der alten Kirche auf. Und ist mir sogar schon bevor ich Zelda fand über den Weg gelaufen, warum fragen Sie?“

„Gefahr geht von ihm aus. Ich erwarte von dir, dass du dich von ihm fernhältst. Versprich‘ mir das, Link.“

„Okay.“

„Gut“, meinte sie und wirkte im Moment alles andere als ruhig, obwohl Ines sonst immer eine sonderbare Ruhe ausstrahlte. Sie wirkte rätselhaft mit ihrer Besorgnis um Link und um die Prinzessin, von der niemand ahnte, wer sie wirklich war. „War denn eure gemeinsame Woche schön?“

Verlegen nickte Link und suchte nach den richtigen Worten. „Diese Woche war… Zelda, ich dachte immer, ich wäre ihr schon einmal begegnet. Gibt es so was denn? Ich habe das noch nie bei irgendjemand empfunden. Es war die beste Woche meines Lebens“, gab er ehrlich zu und schaute irritiert, mit roten Ohren auf den Boden. Ein brauner Teppich lag dort, ein sehr alter, abgenutzter Teppich. Was kümmerte Link denn im Moment der blöde Teppich?

Ines lachte vergnügt auf. „Oh Link, denk’ ja nicht, dass diese Woche die letzte mit Zelda gewesen ist. Sie braucht zwar ihre Zeit, um einzusehen, dass du nicht wegen ihr in Gefahr schwebst, oder sagen wir, nicht nur wegen ihr, aber in nächster Zeit wird sie dich brauchen. Hab ein wenig Mut, Link.“

Er sah auf und nickte mit seinem typischen Grinsen. Irgendwie fühlte er sich jetzt besser. So als hätte Ines ihm seine Sorgen ausgeredet oder sein Herz beruhigt.

„Manchmal gebe ich Zelda einen Wink, verstehst du, und wenn sie verstehen will, ignoriert sie diesen Wink nicht.“

„Einen Wink?“

„… damit sie einsieht, wie dringend sie jemanden braucht, mit den sie reden kann. Damit sie einsieht, dass sie einen Freund braucht und diesen in deiner Gestalt schon lange gefunden hat.“ Und mit jeder weiteren Silbe, die Ines sprach, erwachte ein übernatürlicher, fast manischer Optimismus in ihm. Ja, ihre Worte schenkten ihm Mut, Mut und Hoffnung, Zelda wieder in seinem Freundeskreis zu haben. „Gut, Link. Aber vielleicht solltest du jetzt wieder an den Übungen teilnehmen, nötig hast du diese ja bei Weitem nicht mehr, richtig?“

„Richtig.“ Ines wusste wohl davon, welche Dinge Naranda ihm zukommen ließ und bemerkte die Veränderungen an Link. Sie hatte ja immerhin zwei sehr scharfe und aufmerksame Augen im Kopf.

Link grinste und lief zu der Tür. Als er verschwinden wollte, fiel ihm aber noch etwas ein: „Noch etwas, Ines. In der letzten Zeit sind viele merkwürdige Sachen passiert, ich meine, unheimliche Sachen, und da wollte ich mal nachfragen, ob Zelda vielleicht einen Doppelgänger oder eine Zwillingsschwester hat.“

Die roten Augen der Direktorin veränderten sich von Wärme, die sie aussendeten, bis hin zu Besorgnis. „Nein“, meinte sie energisch. „Wie kommst du darauf?“

„Vorhin stand eine schlanke Gestalt, die Zelda ähnelte, an der Halle und winkte mir zu. Dann fiel ihr Blick auf Zelda und…“

Ines unterbrach ihn. „Vorhin, sagtest du? Gut, dass du das erwähnst. Ich hoffe nur, dass Zelda nicht schon wieder in Gefahr schwebt.“

„Ja, es ist nur, dass diese Gestalt sehr bedrohlich wirkte. Ich habe das Gefühl, ich müsste etwas dagegen tun… Auch der Mann in der Kirche, warum unternimmt keiner etwas gegen die Dinge, die er plant?“

Ines seufzte, so als wusste sie keine Antwort. „Link, vielleicht sollte jemand etwas gegen ihn unternehmen, aber ich wüsste keinen, der im Moment dazu in der Lage wäre. Du darfst dich nicht in die Kirche wagen und deinen Mut dort austesten. Du hast gegen diesen Kerl keine Chance. Das einzige, was wir tun können, ist Zelda vor ihm zu schützen…“

Link nickte, wusste nicht, was er von diesen Informationen halten sollte, aber er würde auf die Worte der Direktorin hören. „Passen Sie bitte gut auf Zelda auf.“

„Kein Thema, Link.“ Mit einem zufriedenen Nicken verließ er den Raum und nahm so wie die anderen am Weitsprung teil.

 

Die Sonne, die vor wenigen Stunden noch so hell geschienen hatte, mit solcher Stärke, wurde nun von dunkelgrauen Wolken bedeckt. Link rannte nach Hause, während die Dunkelheit stetig zunahm. Wenn jetzt ein Unwetter kam, hatte er keine Lust nass zu werden. Plötzlich hielt er inne. ,Verdammt, ich hab’ das Schulprojekt total vergessen‘, sagte sein viel zu vergessliches Gemüt. Er blickte in den Himmel und dann in Richtung des Hügels, wo das Anwesen Miss Schatteners stand.

Keine Ausflüchte. Kein Weglaufen. Kein Nein…

Er zwang sich Zelda zu besuchen. Entweder sie redete mit ihm, was gut war, oder sie tat es nicht, was unabänderlich war. Er konnte sie erneut konfrontieren, er könnte sogar gemein zu ihr sein, aber was brachte das… Link schüttelte den Kopf, während er die Einfahrt zu dem stolzen, alten Gebäude entlang rannte. Selbst wenn er wollte, er konnte zu Zelda nicht kalt und grausam sein. Er war einfach nicht in der Lage, ihr in irgendeiner Weise, auch wenn nur mit Worten, weh zu tun.

Er klingelte an der riesigen Tür, überrascht über den Ton der Glocke, die wie eine alte Pendeluhr klang. Ines öffnete mit einem Hallo und wusste sofort, dass Link wegen dem Schulprojekt hier war. „Zelda wartet in der Wohnstube auf dich. Ich habe ihr bereits ein Thema vorgeschlagen. Na dann, du musst nichts weiter tun, als dir von ihr das Material geben zu lassen, das du ausarbeiten sollst. Falls ihr Probleme habt, ich bin in meinem Arbeitszimmer.“

Ines verschwand hinter einer Tür und Link musste erst einmal schlucken, als er sich den Innenraum betrachtete. Wo waren wir? Im Mittelalter? Als er sich umblickte, hatte er das Gefühl etwas zog ihn in andere Dimensionen, er durchschritt das Tor in eine weite ferne Welt. Das ganze Gebäude, die alten Kerzenständer, die eleganten Tische, die Teppiche, die roten Vorhänge erinnerten ihn an ein altes Schloss. War das denn wirklich?

„Link, nun geh’ schon. Das Wohnzimmer ist zu deiner rechten.“ Ines riss ihn aus seinen Gedanken.

Ehe sie sich versah, war Link verschwunden. Der junge Mann ging einen langen, dunklen Gang entlang und hörte aus dem Raum am anderen Ende keltische, nostalgische Musik. Eigenartig klangen die Töne für ihn- Flöte und Harfe, die aufeinander abgestimmt waren…

Link blieb vor der großen Holztür stehen und seufzte, bevor er klopfte. Ein einfaches Ja aus dem Mund seiner scheinbaren Seelenverwandten, machte ihm deutlich, dass er eintreten durfte. Mit einem Schlag fühlte er sich so nervös, dass er den Eindruck hatte, seine Beine würden ihn noch schneller irgendwohin tragen, als ihm lieb war. Der Raum war geschmackvoll in dunkelroten, warmen Farben gehalten. Es war nun so dunkel außerhalb, dass Zelda einige Kerzen angezündet hatte. Kerzen? Warum nutzte sie lieber Kerzen?

Mit einem traurigen Ausdruck im Gesicht suchte der junge Mann den Raum nach dem blonden Mädchen ab, das er in seinem Freundeskreis haben wollte. Er fand sich vor dem Kamin hocken, blickte sie einige Sekunden lang an, aber sie sah nicht auf. Sie schrieb  irgendetwas auf ein Stück Papier. Ein Stapel Bücher war neben ihr aufgetürmt. Das Feuer des Kamins warf undeutliche Schatten. Mit dem Licht des Feuers, flackernd und geheimnisvoll fühlte sich der junge Held beinahe in andere Zeiten versetzt. Es war vertraut im Licht des Feuers… so vertraut Zelda um Antworten zu bitten, so vertraut ihr hinterher zulaufen… Dieser Raum, Zelda und er, schienen irgendwie am Abseits der Realität, an der Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft zu existieren. Er kannte das Gefühl Zelda zu besuchen… in Räumlichkeiten wie diesen… Es schien ihm so alltäglich, so als hätte er es sein Leben lang getan.

Zelda hatte ihn bemerkt, drehte sich aber nicht um. „Hallo“, sagte sie, fast tonlos.

Link schluckte seine Anspannung und Aufregung herunter. „Hallo“, seine Stimme klang ihm so unwirklich. Zelda stand auf und tat nichts weiter, als ihm ein Buch zu reichen. Ohne ein Blick, ohne Lächeln, ohne jede Gefühlsregung.

Link nahm das Buch und sah zur Seite. „Das Thema…“

„Steht alles auf einem Zettel im Buch, auch was du… ausarbeiten sollst.“

„Also, dann.“ Link grübelte, aber konnte nicht einfach gehen ohne es erneut zu versuchen, erneute Enttäuschung, erneute Abweisung. Er hielt es einfach nicht mehr aus. „Zelda… kannst du mir nicht wenigstens sagen, was ich falsch gemacht habe.“ Link wünschte, er hätte irgendeinen Fehler begangen, um zu wissen, dass es einen Grund gab, weshalb Zelda ihn nicht einmal ansehen konnte. Aber er wusste, da war kein Fehler, kein Grund, für den er verantwortlich war… „Zelda, bitte.“ Link hätte sich am liebsten vor ihr niedergekniet, nur für eine aufrichtige Antwort, für ein Lächeln. Aber das gottesgleiche Wesen vor ihm drehte sich um und sah aus dem großen Balkonfenster zu ihrer rechten. Link bildete sich ein, sie schluchzen zu hören. Aber das schien ihm wohl wirklich nur Einbildung.

„Geh’ bitte.“

„Nein.“ Link verschränkte die Arme und blieb an Ort und Stelle stehen. „Selbst wenn du Ines rufst, wirst du mich hier nicht wegbekommen.“ Zelda setzte sich wieder vor den Kamin und schrieb einige Sätze aus dem Buch ab. „Du wirst mich nicht ewig ignorieren können.“ Link blieb hart, er wollte sofort wissen, was vor sich ging. Aber Zelda reagierte nicht auf ihn. Eine lange Pause entstand.

„Ich entschuldige mich“, sagte Link, um sie in ein Gespräch zu verwickeln.

„Wofür?“

„Für meine Dummheit, geglaubt zu haben, dich zu kennen. Für meine Torheit, geglaubt zu haben, du würdest mich kennen. Ich entschuldige mich dafür, dass ich mich in dein Leben eingemischt habe. Ich entschuldige mich dafür, dass…“ Link hörte Zelda nun wirklich weinen und stand sprachlos im Raum. Wieder entstand eine lange Pause…

„Warum weinst du, wenn du es nicht fertig bringst, mit mir zu reden?“

„Ich weine nicht“, sagte Zelda, als sie sich die Tränen aus dem Gesicht wischte.

„Soso. Dann sitzt wohl nicht Zelda vor dem Kamin, sondern eine Person, die mir wirklich nichts zu sagen hat, eine Person, die nicht wirklich ist.“

„Genau, das ist es… Ich bin nicht wirklich.“

Link glaubte nicht, was er da hörte. „Jetzt reiß’ dich, verdammt noch mal, zusammen, Zelda. Du bist nicht wirklich? Aber du atmest, du fühlst, du lebst. Du bist genauso wirklich wie ich und alle anderen Menschen.“

„Aber ich bin nicht, wie andere Menschen.“

Links Stimme wurde immer lauter: „Du bist selbst daran schuld, wenn du nicht aufwachst und langsam versuchst ein normales Leben zu leben, egal, wer du bist. Verflucht, es kann doch nicht so schwer sein, zu leben. Es gibt Menschen, denen es viel schlechter geht als dir, und dennoch, sie leben… ist das für dich so unbegreiflich?“

Zelda starrte schockiert in das Feuer und drehte sich zu Link um. Das erste Mal seit langem begegnete sie seinem Blick.

Links Gefühle gingen mit ihm durch. „Warum kannst du nicht wie andere Menschen sein, du gehörst doch ebenso zu den Menschen. Zelda… du bildest dir nur ein, nicht leben zu können.“

Die Prinzessin zweifelte langsam, ob Link nicht doch etwas von seiner Vergangenheit ahnte, so wie er redete, hatte er früher in gefährlichen oder verzweifelten Situationen geklungen.

„Tu’ mir das nicht an und begegne mir wie einem Fremden. Ich bin kein Fremder. Zelda, ich…“ Link hielt die ganze Situation nicht mehr aus und ging auf die Tür zu, legte eine Hand auf den Griff und öffnete sie. „Dann war’s das?“

„Ja, das war’s.“

„Gut.“

„Gut.“

Link verschwand hinter der Tür und rannte mit dem Buch in der Hand aus dem Haus.

 

Sara empfing ihn an der Haustür. Link war nun doch noch total durchgeweicht. „Lass mich raten, warst bei Zelda, hm?“, meinte Sara.

Link nickte mit einem elenden Gesichtsausdruck und ging dann in schweren Schritten auf sein Zimmer. Sara wollte ihn nicht weiter belästigen, aber… er sah so unglücklich aus, dass sie einfach mit ihm reden wollte. Als sie in Links Zimmer trat, musste sie allerdings feststellen, dass er bereits alle Lichter ausgeschaltet hatte und wie ein Toter auf seinem Bett lag. Link war allerdings noch wach und starrte an die Decke. „Das war’s“, seufzte er.

Sara stand noch in der Tür und hörte Link murmeln. „Link, wenn du mit mir reden willst, ich sitze in der Stube.“

„Ist gut, aber ich möchte schlafen… dann ist nichts mehr wirklich…“ Sara sah erschrocken in die Dunkelheit des Zimmers, ging aber dann. Link drehte sich um und ließ sich von der Göttin der Träume in die Arme schließen.

 

Als er in die Träume eintauchte, erkannte er sich selbst auf einer grünen, weiten Wiese stehen. Ein Mädchen mit langem, blondem Haar hockte ihre Arme um die Beine geschlungen auf jener Wiese, während die Sonne beinahe brütend vom Himmel stach. Der junge Mann wollte sich orientieren, aber weit und breit nur grüne Wiesen, einzigartig, beinahe magisch. Er trat näher und legte eine Hand auf die Schulter einer Person, die ihm in der Realität einfach nicht mehr der Freund sein wollte, den er brauchte. „Zelda?“

„Mmh?“, murmelte sie und blickte sehnsüchtig an das Himmelszelt.

„Habe ich einen Fehler gemacht?“, sagte er leise, platzierte sich hinter sie und drückte seinen zweifelnden Schädel an ihre Schulter.

„Nein…“, meinte sie leise, aber blickte immer noch entschieden in das lichte Himmelszelt.

„Dann ist es einfach nur Abneigung gegenüber mir?“

„Auch das nicht…“, meinte sie, nun strenger.

„Willst du mich vor dir beschützen?“

Damit drehte sie ihr überraschtes Gesichtsfeld zu ihm. Sie blinzelte, aber brachte keine Antwort fertig. Sie lächelte, ein irrsinniges Gefühl des Glücks raste in seinem Körper entlang angesichts dieser wunderschönen Geste. Ein Lächeln… Sie hüpfte auf die Beine und klopfte die Falten an ihrem roten Kleid mit den Stickereien zurecht. „Irgendwann wirst du verstehen… irgendwann werden wir beide verstehen“, flüsterte sie und löste sich vor seinen Augen in tausend schimmernder Lichtfunken auf. 

 

Am Nachmittag des nächsten, brütendheißen Tages, zog es den Jugendlichem mit dem grünen Basecap direkt nach dem kurzen Schultag hinaus in die Wildnis. Link kannte einige Teiche und Seen in den Wäldern, die so versteckt hinter engstehenden Eichen und hohen Gebüschen lagen, dass niemand überhaupt von ihrer Existenz wusste. Zumindest glaubte der junge Held das und folgte nachdenklich seinem Weg. Von weiten hörte Link aber dann frohes Gelächter und Freuderufe. Ob vielleicht doch jemand diesen Ort entdeckt hatte? „Schade“, murmelte er leise. Denn eigentlich hatte er gehofft bei einem kühlen Bad in der Einsamkeit, seine Gedanken neu ordnen zu können. Antworten zu finden, die mit dem Rätseln in seiner Seele zu tun hatten. Antworten bezüglich Zeldas Einstellung, dem Geheimnis hinter ihrer Existenz und dem großen Geheimnis hinter seinem Selbst. Es war notwendig, die Antworten riefen schon beinahe von selbst nach ihm und doch wollte niemand ihm diese geben…

Link erreichte den himmlischen Ort eines märchenhaften Waldteiches. Das Wasser klitterte in der Sonne silbern und lud einen Besucher ein, sich sofort in das kühle Nass hineinzustürzen. Link trampelte näher auf dem mit alten Nadeln belegten Waldboden herum und erkannte in etwa zehn Oberstufenschüler, die sich hier vergnügten. Seine tiefblauen Augen wanderten von Ilenas dürrer Gestalt, die mit einer Sonnenbrille lässig am Ufer des Sees lag zu ihren Freundinnen, die einigen Jungs in dem See zujubelten, welche sich ein Match mit einem Volleyball lieferten. Auch Rick, Sara und Mike waren unter ihnen und die beiden vorwitzigen Gestalten Josh und Hendrik. Ob die beiden die Story des Friedhofsmönches Drokon in ihre Zeitung eingearbeitet hatten? ,Hoffentlich nicht‘, dachte Link und marschierte zu einem kleinen Holzhäuschen, welches als Ablageplatz für die gesamten Rucksäcke diente. Link stellte seine Sachen dort ab, mitsamt den überflüssigen Klamotten, die er sich schnell und flink über den Körper streifte.

Plötzlich fühlte er eine Hand auf der nackten Haut seiner Schulter und drehte sich geschwind zu. Ein paar hübsche Augen starrten ihn an und einige schokoladenbraune Haarsträhnen fielen in das bekannte Gesicht.

„Hey“, sagte Link erfreut und stand mit Maron auf einer Höhe.

„Hallo“, sagte sie und fand sogar wieder ein Lächeln nach den schrecklichen Dingen, die über sie hereingebrochen waren.

„Wie geht es dir?“ Prüfend musterte Link die blassen Wangen des Mädchens und die Tatsache, dass Maron sicherlich fünf Kilo seit dem Erlebnis von ihrer schönen Figur eingebüßt hatte.

„So einigermaßen“, sagte sie schwach und begegnete dann dem Blick Links. „Ich bin hier, um mich zu amüsieren“, ergänzte sie. Sie warf ihren rosa Rucksack in eine Ecke.

„Ja, ich auch. So ist’s richtig.“ Sie nickte und zog sich ebenso schnell ihre Klamotten aus und trug einen dunkelblauen Badeanzug, bei dem Rick vielleicht die Augen herausfallen würden.

Sie liefen gemeinsam barfuß zu dem Ufer, wo Ilena und ihre Clique Unmengen von Decken ausgebreitet hatten, aus Angst man könnte nur einige Sekunden mit den sauberen Füßen den Dreck des Erdreiches berühren. Zum Glück gehörte Maron nicht in diese Kategorie eitler Damen.

Als Rick Link und Maron entdeckte, schwamm er fröhlich auf das Ufer zu und hüpfte schnell aus dem Wasser hinaus. Er gab Link einen Stups mit seinem nassen Ellenbogen und begrüßte Maron mehr als überschwänglich. Er packte Maron quietschvergnügt an ihren Händen und zerrte sie hinein in das kühle Nass. Sie fauchte laut, als das kalte Wasser ihre Haut traf, aber schließlich bereitete es ihr viel Heiterkeit Rick mit Wasser zu bespritzen und seinen Kopf aufheiternd unter die Wasseroberfläche zu drücken. Sie hatten viel Spaß zusammen, sodass Link sich zunehmend überflüssig fühlte und allmählich den Anflug von Neidgefühlen spürte. Ja, irgendwie war er neidisch auf die beiden… auf ihre Ausgelassenheit und Lebenslust.

Mit einem lauten, kläglichen Seufzer ließ Link sich auf den Waldboden sinken, lehnte sich an den Stamm eines alten Baumes und war mit seinen Gedanken wieder dort, wo er nicht sein sollte. Er wollte sich ablenken, hatte sich so fest vorgenommen, nicht an die Geschehnisse der letzten Tage zu denken, gehofft, er könnte sie aus seinen Gedanken vertreiben, gehofft, er könnte Zelda aus seinen Gedanken streichen. Aber es ging einfach nicht… Er wehrte sich gegen seine Gefühle, aber es brachte nichts.

Link ließ seinen Blick schweifen und sah Hendrik und Josh, die beiden ungleichen Zwillinge,  ihm zu winken. Auch Link grüßte die beiden und blickte dann mehr oder weniger ungewollt zu Ilena, die seinen Blick einfing, als könnte sie ihn verschlingen. Sie nahm ihre dunkle Sonnenbrille ab und blinzelte mit ihren unechten Augen zu ihm hinüber.

Sofort sah Link weg, hetzte auf und sprang per riskantem Kopfsprung in das kalte Wasser, tauchte einige Runden, in der stillen Hoffnung, Ilena würde vergessen, dass er überhaupt hier war, wenn er nur lange genug die Luft anhielt. Und Link schwamm gelassen am Grund des Sees herum, fand Unmengen von Plastikflaschen, Büchsen und anderen Kram dort unten, umlagert von Wasserpflanzen und weichem Moos. Kurz kam ihm der Gedanke eine Handvoll Pflanzen abzureißen und sie in das dämliche Gesicht Ilenas zuschmettern, aber dann erinnerte er sich daran, dass dies vielleicht keinen Nutzen hätte. Denn Ilena interpretierte alles so, wie sie es brauchte und würde diese Aktion für Spaß oder einen blöden Ausrutscher halten. Link schloss seine Augen und ließ sich entspannt am Grund entlang treiben, vergaß die Zeit und die Tatsache, dass er überhaupt Luft holen musste.

 

Schon wieder war etwas im Gange… als würde Link die Zeit manipulieren und seinen durchtrainierten Körper selbst nicht mehr unter Kontrolle haben. Es dauerte und es dauerte, bis er wieder auftauchte. Er ließ sich Zeit, unterdrückte vielleicht deren Existenz und verfälschte den Rhythmus, welche sie jedem Geschöpf vorgab. Er hatte Kontrolle und gleichzeitig keine… Er öffnete seine Augen und drehte elegant und anmutig, mit leichten Bewegungen am Grund seine Runden, sah wie die Sonnenstrahlen hier unten entlang wanderten, sah wie das Element das Wassers dem Licht einen Weg schuf und die sanften Sonnenstrahlen an vielen Stellen den See mit Licht erfüllten, sah leuchtende, verzauberte Punkte am Grund und fühlte sich so frei wie schon lange nicht mehr. Er vermisste das Gefühl der grenzenlosen Freiheit, des Nichtgebundensein an die Dinge, das Abenteuer. Eines, das ihn zu fremden Orten führen und, wo er die größten Gefahren überstehen könnte… nach all dem sehnte sich sein junges Herz.

 

Inzwischen war eine Viertelstunde verstrichen und Rick, wie auch Maron wunderten sich, wo Link blieb. Mit dem Anflug von Angst wollte Rick gerade nach seinem Cousin tauchen gehen, aber da schoss Links Kopf schnell und hastig aus dem Wasser heraus und er röchelte beinahe nach Luft. Er schaute auf seine Armbanduhr. Eine Viertelstunde? ,Wow, du bist gut, Link‘, sagte er zu sich selbst ohne die Spur von Hochmut.

Rick schwamm näher und sagte kopfschüttelnd: „Spinner!“

Link grinste schief und zuckte mit den Schultern. Vielleicht hatte er tatsächlich irgendwo eine lockere Schraube. Link war gerade dabei sich an das Ufer zu begeben, als ein stabiler Volleyball seinen harten Schädel traf. Fluchend drehte er sich um und pfefferte das Stück zu Josh und Hendrik, die ihn geworfen hatten zurück und nahm für einige Minuten an dem lustigen Spiel teil.

„Sagt mal, habt ihr Drokons geheime Aktionen in der Schülerzeitung veröffentlicht?“, wollte Link eifrig wissen, als er mit Josh und Hendrik bei den Rucksäcken in der Hütte herumkramte.

„Nein, entgegnete Josh mit einem ernsten Blick in den dunklen Augen.

„Ach nein? Wie kommt ihr denn zu der Einsicht?“, entkam es Link, der sich von seiner Selterwasserflasche bediente und die halbe Flasche mit einem Zug entleerte.    

„Wir wollten ursprünglich Photos entwickeln, nur…“, und Hendrik flüsterte fast und redete für seinen Bruder weiter. „… die Photos sind aus heiteren Himmel vor unseren Augen verbrannt.“

„Nicht wahr“, meinte Link fassungslos und ließ beinahe die Flasche in seiner Hand fallen. Müsste er sich an solche magischen Ereignisse nicht langsam gewöhnen?

„Doch!“, schnauzte Hendrik und schüttelte bestätigend mit seinem Kopf. „Und als wir uns das Video anschauen wollten, wir haben ja schließlich alles auf der Videokamera aufgenommen, da war Drokon einfach nicht drauf, als hätte man ihn aus dem Bild herausgeschnitten.“

„Schräg“, sagte Link und nahm sich ein Handtuch, um seine Haare wenigstens ansatzweise zu trocknen. „Und habt ihr Drokon noch mal irgendwann gesehen?“

Die Zwillinge schüttelten gleichzeitig mit ihren Köpfen und zogen sich ihre Straßenklamotten an.

„Wollt ihr schon los?“

„Ja, ist doch schon nach sechs. Du solltest vielleicht mal auf die Uhr schauen Link. Schönen Tag noch“, sagten die beiden und hüpften von dannen.

Ilena und ihre Clique waren verschwunden und glücklicherweise hatte Link sich diesen Abend nicht ein dummes Wort aus ihrem Mund gehört. Und weitere Stimmen entfernten sich von Link, und so verschwand mit Sara und Mike der letzte Rest aus den Wäldern. Und tatsächlich leerte sich der Ort allmählich, gerade jetzt wurde es aber für Link geradezu vertraut und magisch in den Wäldern. Wenn der Abend in dem wohl ältesten Ort der Welt anbrach, da überkam Link diese geheime Sehnsucht nach etwas Unwünschbaren. Die Sonne verschwand und die Wälder verdunkelten sich. Der mächtige Arm der Nacht legte sich über die alten Laubgeschöpfe mit ihren in die Höhe schießenden Stämmen, den schweren Zweigen mit den vielen, wildwachsenden grünen Blättern. Link ließ sich entspannend auf den weichen, warmen Waldboden nieder, atmete tief durch seine Nase ein und genoss den Duft des süßlichen Wassers, den Geruch der Kiefernadeln und vergötterte die angenehme Stille. Aber wo waren eigentlich Maron und Rick abgeblieben? ,Komisch‘, dachte Link. Sie hatten nicht einmal Tschüss gesagt. In dem Moment hörte er wildes Kichern von irgendwo hinter der Hütte. Dann ein Knacken im Unterholz und auch Ricks Stimme erklang. Was beim Kuckuck war denn so lustig? Link sprang auf und wollte nachsehen, folgte den Geräuschen, erreichte eine kleine Lichtung, die von dem orangefarbenen Schimmern der langen Gräser verschönert wurde. Und da rannten zwei durchgedrehte Jugendliche hintereinander her, jagten sich und lachten während ihres Weges. Link schmunzelte und freute sich irgendwie irrsinnig für die beiden…

Seinen Kopf neigend drehte er sich um und wollte die beiden bei ihrem unbefangenen Vergnügen keineswegs stören. Ihre Stimmen entfernten sich und Link war allein. Allein, auf seine ungewöhnliche Art und Weise. Auch wenn es verrückt klang, wenn man sein Leben lang allein gewesen war, wenn es niemanden gab, der die Seele in dem eigenen Antlitz verstehen konnte, dann, gerade dann lernte man den Wert der Einsamkeit durchaus zu schätzen. Das Alleinsein hatte eigentlich keine allzu verachtende Bedeutung mehr, wenn man mit den Konsequenzen einer so außergewöhnlichen Seele lebte und Link akzeptierte diese Verantwortung, welche auf seinen Schultern ruhte… 

Er beobachtete die weißen Wolkenfetzen am Horizont, die bereits eine fuchsrote Färbung genossen und phantasierte, sah Bilder in den Wolken, einmal ein gigantisches weißes Schloss mit vielen Zinnen, einer stolzen Flagge am höchsten schmalen Turm. Bilder über Bilder drängten sich ihm auf. Vorstellungen über Innenräume in alten Schlössern, alte Schränke, ein reichlich verzierter goldener Standspiegel mit einem Wappen an dessen oberster Kante, ein Balkon mit aus grauem Gestein bestehendem Geländer, eine Schlossmauer mit stabilen Kletterpflanzen, ein Brunnen, ein Schlossgarten mit weißen Rosensträuchern. Doch gerade als er mehr sehen wollte, als er diese Bilder festhalten wollte, legte sich eine hinterhältige Gewalt auf seine Gedanken und versiegelte die Erinnerungen wieder, versiegelte, was er nicht sehen durfte, da es nicht sein unumstrittenes Schicksal war, die Vergangenheit zu erinnern. Link ärgerte sich. Wieso konnte er sich nicht einfach daran erinnern, was er gerade seiner überquellenden Phantasie entlockt hatte? Warum durfte er das nicht? Es schien ein Verbot zu sein, als ob Götter für das Schweigen in seiner Seele sorgten.

Er hetzte auf und sprang erneut in das kühle Wasser, schwamm seine Runden und fühlte diese maßlose Wut, da er schon wieder an Zelda dachte. Er reagierte sich ab, schwamm und schwamm immer schneller, bis er entkräftet an das Ufer torkelte. Er stützte sich schwerfällig auf seinen Knien ab und sah bereits den Mond am Himmel aufsteigen. Mit einem erzwungenen Lächeln lief er zu der Hütte und suchte seine Sachen zusammen. Es war nicht zu ändern. Zelda wollte seine Freundschaft nicht. Sie hatte ihm gestern unmissverständlich klar gemacht, dass es vorbei war. Sie brauchte seine Nähe nicht, sie wollte seine Hilfe nicht.

Gegen Anbruch der Nacht kam Link zuhause an und ging ohne ein Wort auf sein Zimmer. Es war aus und nicht zu ändern. Er musste darüber hinwegkommen. Sara klopfte an seinem Zimmer und sagte etwas, dass Link jedoch nicht hören wollte. Es war ihm im Augenblick egal… er wollte etwas abschalten, aber schlief dann sehr schnell ein…

 

In der Traumwelt schien alles so schön zu sein, so friedvoll, keine Probleme, keine Ängste… Link stand in einem alten Schlossgemach, das ihm beinahe vertraut erschien. Es war ein runder Raum, ausgelegt mit pelzigem, rotem Teppich und Kerzen warfen grausige Schatten an die Wände. Die Vorhänge waren noch zugezogen, aber Link wusste, dass die Nacht vorüber war. Er wusste nicht, was er hier zu suchen hatte, aber er spürte, dass jemand auf ihn wartete, nur auf ihn. Ja, als hätte ihn jemand zu sich gerufen, war er hierher gelangt, fühlte eine alte Sehnsucht in sich brodeln und Wünsche, die er in sich verschlossen hatte. In dem Zimmer entdeckte Link schließlich eine Gestalt, die seelenruhig in einem wunderschönen, riesigen Himmelbett schlief. Eine Märchengestalt mit honigblondem Haar, das sich schlängelnd auf einer bestickten golden schimmernden Bettdecke wand. Link beugte sich zu ihr und gab dem Wesen einen zärtlichen Kuss auf die Wange. Sie musste bereits wach gewesen sein, blinzelte erwartungsvoll und sah ihn, noch ganz im Halbschlaf, liebevoll und verträumt aus ihren himmelblauen Augen an.

Er hörte sich selbst reden: „Willst du nicht bald aufstehen, hm? Es ist Mittag, in wenigen Minuten… und dein Vater möchte dich sprechen. Du weißt, wegen unserer bevorstehenden Feier…“ Sie lächelte, streichelte seine Hände. Sie blinzelte, schnappte dann nach Luft und schickte ihm einen flehenden Ausdruck in schönen himmelblauen Augen entgegen.  Plötzlich quoll Blut aus ihren Augen und Link, entsetzt über das, was geschah, was er tat, sah seine eigenen Hände, die zu ihrem Hals wanderten, diesen zarten Hals umfassten und schließlich zudrückten. Er würgte sie, erbarmungslos, mörderisch. Er umgriff ihren Hals fester und drückte ihre Kehle gewaltvoll zu, ließ ihr keine Luft zum Atmen, ließ ihr keine Chance… 

,Nein, das bin ich nicht‘, rief Link in die Stille der Nacht und seine Stimme überwand die Traumwelt. ,Hör’ auf damit, das bin ich nicht!‘, kreischte er. ,Ich würde das niemals tun, ich würde sie nicht verletzen!‘ Aber so sehr er auch kämpfte gegen den Traum und gegen diese Grausamkeit, er sah seine eigenen Hände, an denen Blut klebte. Er drückte immer fester zu, wie von Sinnen, als hätte er keine Kontrolle mehr über seinen eigenen Körper und als hätte der Schmerz über Zeldas Abweisung sich in bitteren Hass und Mordgier verwandelt. Die Prinzessin sah ihn mit Tränen in den Augen an. Aber sie wehrte sich nicht, entsetzt über das, was er tat. Ihr Hals, nun übersät von Blutergüssen, machte eine Luftzufuhr nicht mehr möglich. Mit einer letzten Träne, die ihre zartrosa Wange herunterfiel, hörte sie auf zu atmen und ihr Herz schlug nicht mehr. Ihre himmelblauen, mit Schatten belegten Augen erzählten ihm eine Geschichte über Schuld und verleugnete Bedürfnisse, über Angst und Einsamkeit… bis ihre Augen vom nebligen Gewand des Traumes bedeckt wurden…

 

„Zelda“, schrie Link in die Dunkelheit seines Schlafzimmers. Begleitet von unheimlichen Herzrasen und der Angst im Nacken, wachte er auf, fiel aus dem Bett und hatte das Gefühl, seine Atmung setzte aus. ,Nein, das war ich nicht‘, sprach er aufgeregt in Gedanken, erinnerte den Traum mit allen Details, und spürte eine Angst in sich hochkochen, die er noch nie gespürt hatte, nicht einmal als er von den fünf Schlägertypen überfallen wurde. Leise wimmernd hockte er in der Nacht, lehnte sich kurz an sein Bett und blickte benommen in die Dunkelheit seines Schlafzimmers. Zunächst war er sich nicht sicher, ob er sich es einbildete, aber in der Dunkelheit seines Zimmers, beleuchtet von der Anzeige des DVD-Players, konnte er die Umrisse einer kleinen Gestalt ausmachen, die sich plötzlich auf ihn zubewegte. Tatsächlich. Da war doch jemand. Außer Sinnen, und durcheinander wegen seines Traumes, stolperte Link zu dem Lichtschalter und blickte hechelnd zu dem Wesen in seinem Zimmer. Es war das kleine Mädchen mit den wissenden, grünen Augen, das ihn beim Schwerttraining unterwiesen hatte.

„Linky, du musst dich beeilen, Zelda ist in Gefahr. Und nimm’ deine Dolche mit.“ Das Geschöpf mit dem frechen, kleinen Kindergesicht winkte ihm zu und verschwand dann in einem Reigen buntleuchtender Splitter. Link stand irritiert in seinem Zimmer, fuhr sich durch sein blondes, wildes Haar und zog sich schließlich rasend an. Er fackelte nicht lange und hetzte aus dem Haus, rannte entschlossen zu der alten Villa, während Donner und Blitze ihn auf seinem Weg begleiteten. Er rannte bis zur Erschöpfung, rannte so aufgeregt wie noch nie in seinem Leben. Verzweiflung packte ihn, weil er spürte, dass etwas nicht stimmte. Link kam in Windeseile an dem Gebäude an, hoffend, dass es nicht zu spät war…

 

In diesem Moment wachte Zelda in ihrem Zimmer aus leidvollen Träumen, Träumen über Hyrule, die ihre Seele folterten. Sie wusste zunächst nicht, was sie geweckt hatte, als sie aber jemanden zischend flüstern hörte. Ein wahnsinniges Wimmern und Betteln, dann lauter und befehlend. Eine kalte, weibliche Stimme sprach zu ihr, in Art und Weise wie ihre eigene, derselbe Klang, derselbe merkwürdige Dialekt und die Unsicherheit diese Erdensprache zu benutzen. Sie blickte um sich, konnte aber in der Dunkelheit niemanden erkennen, da ihre Augen sich noch nicht daran gewöhnt hatten. Sie blinzelte, rieb sich ihre Augen.

„Was willst du“, sagte Zelda, suchte in ihrer Aufregung nach einem Messer, das sie in ihrem Nachttischschränkchen versteckt hatte. Sie fand es nicht sofort, wurde unruhig, fiebrig. Ihr lag Furcht auf der Zunge, aber sie würde diese nicht zeigen, nicht gegenüber einem Vasallen des dunklen Fürsten… 

„Ich will das gleiche wie du…“, bohrte sich die weibliche Stimme durch die nächtliche Stille.

„Ich verstehe nicht“, entgegnete Zelda kühl, versuchte Zeit zu schinden und ahnte, dass sie ohne Hilfe diese Nacht nicht überstehen würde.

„Ich bin du“, antwortete es, und es war dann, dass in der Nacht rotglühende Augen aufblitzen und der Prinzessin verdeutlichten, dass sie nicht mehr in ihrer Traumwelt und nicht alleine war. Zelda griff vorsichtig an den Schalter ihrer Lampe.

„Wenn du jetzt das Licht einschaltest, wird dir das nicht bekommen.“

Zelda verstand die Warnung und versuchte in der Dunkelheit die Kreatur zu erkennen, wahrzunehmen, wer sie war, und wie sie überhaupt hier erscheinen konnte. Wie konnte sie an Impa vorbeischleichen?

„Deine ach so treue Hofdame, wird dich nicht hören, ich habe ihr einen Schlaftrank gemischt… haha.“

Zelda begriff nun langsam, dass diese Kreatur, genau wusste, was sie dachte, was sie fühlte. Dennoch fragte die Prinzessin noch einmal ganz ruhig, bemüht die Lage zu begreifen, bemüht, sich in aller Ruhe zu überlegen, wie sie vorgehen sollte: „Was willst du von mir?“

„Ich will dein Leben, ich will das, was Link für dich fühlt.“

Zelda blieb auf diese Aussage fast die Luft weg: „…Was Link für mich fühlt?“

„Ich habe dich und den Helden beobachtet… So ein wunderbarer Kämpfer und du bist unfähig, auf seine Gefühle zu antworten. Du behandelst ihn wie Dreck, lässt ihn wie ein Schoßhündchen hinter dir her kriechen… Ha… du bist ein unwürdiges, dummes Mädchen, genau wie mein Meister sagte.“

Zeldas Augen wurden schlitzartig in der Finsternis. Kampfbereit richtete sie sich etwas auf. „Und du bist eine lächerliche, gezüchtete Kreatur, die nach der Pfeife des Dämonenlords tanzt. Du verstehst keine meiner Handlungen! Glaubst du wirklich, ich hätte Angst vor dir und seinen anderen Ablegern!“, zischte die Prinzessin.

„Du solltest Angst vor mir haben… und Angst um deinen Helden…“, murrte die blonde Dämonin. Blitze erhellten kurzzeitig das Zimmer und Zelda konnte gerade so die Gestalt ausmachen, konnte angeekelt zusehen, wie sich ihr Angreifer mit einer langen Zunge über volle Lippen leckte.

Es war dann, dass Zelda nicht mehr zögerte. Kreischend stürzte sie sich aus dem Bett, hastete mit ihrem kurzen, roten Nachtkleid in die andere Ecke des Zimmers, aber konnte in der Dunkelheit ihren Feind kaum ausmachen. Sie krallte sich ihre Schreibtischlampe, die aus zwei langen Stahlrohren und einem aufgesetzten Lampenkopf bestand und hoffte, sich damit verteidigen zu können. Dann endlich griff Zarna die vergessene Prinzessin des Schicksals an, stürzte sich zähnefletschend auf sie, schlug, trat und kratzte. Und die Prinzessin tat es ihr gleich. Gegenstände wurden umgeworfen. Schreie zerrissen die Stille.

In dem Moment hatte Link die Tür in die große untere Halle aufgebrochen. Mit schnellen, entschlossenen Schritten raste der junge Held die Treppen hinauf, rief den Namen seiner Seelenverwandten so verzweifelt wie noch nie: „Zelda, wo bist du? Zelda!“ Link lauschte durch die Stille, vernahm Geräusche am Ende des Ganges, hörte Zeldas Schreie.

Energisch trat er die Tür in Zeldas Schlafzimmer ein, sah zunächst nichts in der Dunkelheit, als aber das Licht der Deckenlampe aufflackerte. Was er dann sah, versetzte ihm einen gewaltigen Stich ins Herz. Das in Leder gekleidete Biest, das er vor einigen Tagen beim Sportunterricht gesehen hatte, hielt Zelda wie eine Puppe an den Haaren in der Luft. Jene schrie verzweifelt auf, als die Dämonin mit ihrer rechten Hand das Mädchen an der Kehle packte, sodass Zelda einige Zentimeter über dem Boden schwebte.

„Lass sie sofort los“, fauchte Link, stellte sich in Angriffshaltung und zog seinen Dolch. Bereit für den ersten Kampf mit diesen Waffen wuchs sein Vernichtungswille. 

„Oder was dann? Glaube nicht, dass du hier die Befehle geben kannst. Ich sage, was getan wird!“, raunte die Feindin. Ihre weißen Glaskörper funkelten, schillerten, bis sie rot glühten.  Sie drückte Zelda noch fester die Kehle zu, lachte wahnsinnig.

Zelda kämpfte, und obwohl sie einst kämpfen gelernt hatte, so war ihr Körper in den letzten Tagen schwach und kränklich geworden, wohl, weil sie sich an das Essen hier in der Erdenwelt kaum gewöhnen konnte und weil sie seelisch litt… Sie war schwach geworden, konnte sich kaum aus dem Griff der Gegnerin befreien und umfasste hilflos und zittrig die eisige Hand der Dämonenkriegerin und hustete allmählich. Klägliche, saugende Atemlaute entkamen ihrem hübschen Mund…

Link hatte geglaubt, es gab nichts, was er in letzter Zeit nicht hätte überstehen können, aber jetzt erlag er der Machtlosigkeit. Hilflos sah er zu der Dämonenkriegerin, die eine Waffe in ihrer Hand hielt und in der anderen Zeldas Kehle zerquetschte. Seine tiefblauen Augen schillerten mit Gewissheit, mit Angst, und mit Unterwürfigkeit…

Gelähmt ließ er sich auf den Boden sinken und sprach bettelnd: „Was soll’ ich tun, dass du sie am Leben lässt?“ Er schämte sich dafür, dass er Zelda nicht anders helfen konnte. Aber er wusste nicht wie…

Die vergessene Prinzessin versuchte mit dem Kopf zu schütteln, hauchte den Namen ihres Helden und keuchte mehr und mehr. Als Tränen aus ihren Augen quollen, konnte Link diese  nicht sehen, er starrte nur zu Boden, verletzlich weich…

„Du trägst doch zwei Dolche mit dir“, sprach die Kriegerin interessiert, ließ Zelda nur wenig Luft zum Atmen und lachte wieder. 

Wie auf Befehl nahm Link auch den anderen Dolch, der an seiner linken Wade versteckt war. Fest umfasste er das Leder, hörte es knirschen und reißen. 

„Nimm’ diesen einen Dolch und setz ihn dir ans Herz“, befahl Zarna. „Ich will sehen, wie du dich erniedrigst… für das Wohl deiner Zelda… ich will dich leiden sehen, spüren, wie dir ihre Gefühle das Herz bluten lassen… Ihr Schmerz und deiner bereichern den dunklen Lord…“

Mit messerscharfem Blick sah Link auf, wissend, er würde alles für seine Prinzessin tun, alles, für den Menschen, den er gefunden hatte. Zelda begann zu weinen, als Link tat, was die Dämonin verlangte. Skrupellos setzte sich Link einen Dolch an sein Herz, sein gesundes, kräftiges Herz, das tosend schlug.

„Würdest du sterben, wenn ich ihr die Luftzufuhr abschneide? Würdest du für deine Prinzessin in die Hölle fahren?“

Link Blick war mitleidlos und eisig. Er überlegte nicht, handelte ohne zu realisieren, umfasste den Dolch energisch und kalt. Er konnte nicht anders, suchte nach Alternativen einer möglichen Rettung Zeldas, aber er wusste auch, dass es diese nicht gab. Er war derjenige, der handeln musste, der sich entscheiden musste. Und für das, was richtig war in der Welt, für das, was er liebte, würde er sich ohne die Wimper zu zucken bereitwillig opfern.

„Stich zu, wenn dir ihr Leben am Herzen liegt“, summte die blonde Kämpferin, grinste makaber und ihre Augen funkelten tiefrot und bedrohlich mit jedem Wort, das sie sprach.

„Nein…“, keuchte Zelda dann, kämpfte erbarmungslos gegen die Kräfte ihres Peinigers. Sie röchelte. „Tu‘ das… nicht, Link… bitte nicht… bitte.“ Sie schickte ihm einen flehenden Blick zu, einen, der ihn schockierte… da lagen Empfindungen in ihren Augen, die allem widersprachen, was sie in den letzten Wochen gezeigt hatte. Wärme und Sorge… und in ihren Augen war der Wunsch, dass es ihm gut ging. Tränen tropften von Zeldas Augen, die ihn noch weiter darin bestärkten, dass es richtig war, sich für sie einzusetzen, dass es richtig sein würde, sie zu retten…

„Link… mein Link…“, röchelte sie, mobilisierte noch einmal alle Kräfte und kämpfte gegen Zarnas Zugriff. 

„Sei still, dumme Göre“, raunte die dunkle Kriegerin schließlich, ließ ihren Dolch fallen und umgriff auch mit ihrer anderen Hand Zeldas Kehle. Die Prinzessin wurde dann so fahl im Gesicht wie noch nie. Feine Äderchen platzten in ihren Augen, schwache Blutungen unter ihrer Haut verrieten ihren Todeskampf. Und Zarna drückte weiter zu.

„Hör‘ auf damit!“, kreischte Link. „Ich warne dich, wenn Zelda etwas zustößt, bring‘ ich dich um! Ich tue, was du willst, aber lass‘ Zelda gehen…“, sagte Link, als er sich den Dolch immer noch ans Herz hielt und dessen Griff mit zitternder Hand fester umfasste.

Zelda verlor in dem Augenblick das Bewusstsein. Ein letztes Röcheln entkam ihrer Kehle, bevor die Bewusstlosigkeit sie übermannte. Die Dämonin lachte teuflisch auf, begutachtete ihre Tat und warf den wehrlosen Körper Zeldas einfach in eine Ecke. Regungslos lag die Prinzessin dort, verwundet, geschändet und am Rande in eine andere Welt.

„Jetzt ist es aus!“, kreischte Zarna, „Ich hab‘ sie umgebracht“, brüllte sie. „Die Prinzessin ist tot, tot… Und der Held, dumm und handlungsunfähig, hockt er dort, lässt sich von seinen Feinden einschüchtern, ist feige und unerträglich dumm… will sich opfern für eine kleine Schlampe, die ihn nur ausnutzt, sowohl hier als auch in anderen Leben!“

Link stiegen in dem Augenblick Tränen in die Augen. Ein letzter Blick, bevor ihn ein unerwünschter Trieb nach Rache überwältigte, glitt zu Zelda, die mit ihrem kurzen Nachtkleidchen dort lag, und vielleicht nicht mehr atmete. Ein Feuer der Brutalität erwachte in Link, eine alte, starke Natur forderte den Kampf und forderte Blut. Mit einer kaltblütigen Verzweiflungstat stürzte er sich auf das Monster, riss sie brüllend zu Boden, und stach mit beiden Dolchen in den schlanken, von Leder umgarnten Körper. Gnadenlos stach Link zu, immer und immer wieder, wollte töten, wollte Rache. Doch das Biest lachte nur und fand Gefallen an dem Schmerz, den Link ihr zu fügte. Sie lachte, bis ihr die Luft wegblieb… bis das violette Blut spritzte und sie ihn mit leeren Augen musterte. Ein letzter, piepsiger Ton entkam den feuerroten Lippen der Kriegerin, bis sie sich nicht mehr rührte… 

Dann hetzte Link, mit Tränen in den tiefblauen Augen, mit blutbeschmierten Händen auf Zeldas bewusstlosen Körper zu. Er nahm sie in seine Arme, liebevoll und zärtlich wie damals, als er sie in den Wäldern gefunden hatte… aber diesmal atmete sie nicht mehr, kein Lebenszeichen. Er suchte nach einem Puls an ihrem mit roten Striemen übersäten Hals, suchte nach einem Lebenszeichen. „Zelda!“, rief er quälerisch, bereit alles zu tun, dass sie diese schreckliche Nacht überlebte. Tausende Gedanken schossen in seinen jugendlichen Kopf. Ines um Hilfe bitten. Dar anrufen. Einen Krankenwagen holen. Aber er wusste auch, dass Zelda diese Zeit nicht hatte. Wie in Trance legte Link ihren bewusstlosen Körper auf den Boden, beugte sich über sie und berührte ihre Brust, diesen Körper, der nur von einem dünnen, roten Stoff bedeckt war, zählte die Rippen von unten aufwärts. Als weitere Tränen aus seinen Augen schossen, versuchte er es verzweifelt mit einer Herzdruckmassage.

„Komm’ schon, atme…“, hauchte er, massierte ihr Herz, befahl diesem starken Muskel zu arbeiten. Aber Zelda rührte sich nicht. Sie blieb stumm, so verletzlich, so leblos.

„Zelda, bitte…“, schrie Link selbstquälerisch. Noch nie hatte Link in seinem ganzem Leben für irgendjemanden, für irgendetwas Tränen vergossen. Aber nun wollten sie einfach nicht vergehen. Link probierte es mit einer Mund-zu-Mund- Beatmung, berührte Zeldas Lippen, hielt ihr die Nase zu… Und doch gab sie immer noch kein Lebenszeichen von sich.

„Zelda!“, Link rief ihren Namen folternd in die Nacht, wusste, er würde nicht aufgeben. Er würde sie nicht gehen lassen, niemals. Er würde sie zum Atmen bringen… Er konnte sie nicht gehen lassen, nicht heute und hier. Er würde sein Herz für sie hergeben, wenn sie doch nur lebte… Wieder probierte er Herzmassagen und versuchte Luft in ihre Lungen hineinzudrücken. Sekunden kamen ihm vor wie Minuten und Minuten wie Stunden.

„Zelda, lebe…“, winselte Link, den seine engsten Bekannten nicht wieder erkannt hätten. Er war wie verwandelt, gefangen in Angst und Hoffnungslosigkeit. Er machte sich Vorwürfe, hatte Schuldgefühle, sie alleine gelassen zu haben… Links Gedanken schweiften ab, er sah Zelda vor sich, das Mädchen aus der Vergangenheit, das Mädchen aus seinen Träumen… Er kannte sie, wollte sie beschützen und nun hatte er jämmerlich versagt. Versagt wie in all der Zeit auf diesem Planeten… jämmerlich…

„Verzeih‘ mir, Zelda…“, wimmerte er, streichelte ihre Wangen, dann ihren mit hässlichen Malen übersäten Hals. Noch einmal presste Link Luft in ihre Lungen, spürte seine Tränen auf ihr Gesicht tropfen und betete…

Auf einmal spürte der junge Mann einen leichten Druck aus Zeldas Innerem. Sie kämpfte…  Er ließ von ihr ab, musterte sie, dieses wunderschöne Gesicht, ihre Eleganz… Ihre Hände zitterten, ihr Körper bewegte sich unruhig und dann begann sie plötzlich zu hüsteln. Sie hustete, als ob sie noch nie gehustet hätte, röchelte, kämpfte um ihr Leben…

Zeldas erschöpfte, rotgefärbte Augen blinzelten plötzlich, ihre Brust begann sich wieder zu heben und zu senken, knirschend, pulsierend, unter Zwang. Link starrte wie eine Statue in ihre Augen, als immer noch Tränen an seinen Wangen hinab tropften. Er berührte ihre rechte Hand, vorsichtig, als hatte er Angst vor jedem bisschen zu viel Druck, den er ihr zufügen konnte. Er küsste die Hand, hielt sich diese an seine rechte Wange. Sie blickte ihn durch ihre rotgefärben Augen an, schluchzte dann und fühlte seine heißen Tränen auf ihrer Haut.

„Ich will leben…“, wimmerte sie. „Link…“ Das Atmen fiel ihr schwer und sie wusste nicht mehr genau, was geschehen war. Aber der Ausdruck in Links Augen, sein schmerzerfülltes Gesicht, sagten ihr mehr, als sie wissen wollte. Sie fühlte sich schwer, nicht sicher, ob ihr Körper noch mitspielte und hatte Sorge bewusstlos zu werden.

Link nahm sie plötzlich in seine Arme und trug sie schweigsam auf das Bett. Wie in Trance deckte er sie zu, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Zelda sah ihm genau in die Augen und wusste nicht, wie sie seinen Blick deuten sollte. Er schien nicht anwesend zu sein, wirkte, als träumte er, als war etwas in ihm erwacht, vor dem er sich fürchtete.

„Link“, flüsterte Zelda. „Ich… es tut mir…“ Sie redete nicht weiter, als er sich zu ihr setzte, einen Zeigefinger auf ihre Lippen legte und dann ihren verwundeten Hals streichelte.

„Zelda… nicht reden“, bat er. „Du brauchst sofort medizinische Hilfe…“ Seine Stimme klang schwach und benommen.

Sie versuchte sich aufzurichten, stützte sich auf ihre wackelnden Arme und konnte einen Blick zu dem Fußboden erhaschen. Als sie das violette Blut dort entdeckte, das teilweise auch an Link klebte und an die Wände gespritzt war, kamen ihre Erinnerungen zurück. Mit Angst in den Augen prüfte sie Link und ahnte, was er getan haben musste.

Auch er sah erschrocken um sich, beachtete das Blut weniger, aber ihm fiel sofort auf, dass die Leiche der schwarzen Zelda verschwunden war. Erst dann sackte der junge Held in sich zusammen, hockte auf der Bettkante und realisierte, was geschehen war. Besorgt musterte er seine Prinzessin, kramte sein Handy aus der Hosentasche und rief sofort die Notrufnummer. Aber da berührte Zelda ihn an seinem Arm und schüttelte zitternd ihren Kopf. „Nicht… ich kann… ich kann nicht…“

Bestürzt sah er das verwundete Mädchen an, nicht fähig irgendwie zu reagieren, nicht sicher, was sie von ihm wollte. „Du brauchst einen Arzt… Zelda… du warst…“

 

Plötzlich schlug jemand die Tür in Zeldas Zimmer auf, und Ines Schattener eilte aufgeregt herein. Sie orientierte sich, wirkte lethargisch, kaum wach genug um sich auf den Beinen zu halten. Sie sah Link todesbleich an Zeldas Bett stehen, hielt sich schläfrig an der Tür fest. Ein Blick auf Zelda und zu dem Blut in ihrem Zimmer genügte und sie wusste, dass etwas Entsetzliches geschehen sein musste. Zeldas Hals war übersät mit roten, bläulichen Flecken und ihr Gesicht war käseweiß, übersät mit Punktblutungen.

Link warf Ines in dem Augenblick einen zornigen Blick entgegen und schüttelte enttäuscht mit dem Kopf. Ines sah die Tränen in seinen tiefblauen Augen.

„Was willst du sein?“, Links Stimme dröhnte durch den Raum. „Ihre Erziehungsberechtigte… und du kriegst es nicht einmal fertig darauf Acht zu geben, wer in diesem Haus ein und aus geht!“ Der junge Mann brüllte so laut, dass es auf die Straße schallte. 

„Link… bitte…“, begann Zelda zögerlich, spürte ihren Hals unerträglich schlitzen und bekam kein weiteres Wort aus ihrem Mund. 

„Zelda wäre beinahe tot gewesen und du… du schläfst seelenruhig in deinem Arbeitszimmer. Du bist unfähig, du bist einfach hilflos… du schaffst es nicht, sie zu beschützen.“

Fassungslos sah die einstige Shiekah in das wütende Gesicht des vergessenen Heroen. Sie hatte ihn noch nie so verzweifelt gesehen. Und obwohl Link nicht alles erklärt hatte, wusste Impa sehr genau, was sie von Zeldas Zustand halten musste. Sie hatte versagt… versagt, die Prinzessin vor den Vasallen des Dämonenlords zu beschützen.

„Zelda braucht dringend einen Arzt!“, donnerte Links laute Stimme durch den Raum. „Erledige deine Pflichten…“, setzte er hinzu, blickte mit Tränen in den Augen zu Zelda und fragte sich, ob sie auch jetzt daran festhielt ihn nicht mehr sehen zu wollen. Aber da sackte sie in den Schlaf, ihr Körper hatte keine Kraft mehr, und ihr Geist erzwang Ruhe und Erholung.

Erschrocken wirbelte der jugendliche Retter zu seiner Seelenverwandten, begriff aber sehr schnell, dass sie nur erschöpft war. Ihr Brustkorb hob und senkte sich wieder. Sie lebte… bei all den guten Geistern in dieser Welt… er war so dankbar, dass sie lebte…

 

Link hockte weiterhin auf der Bettkante, orientierungslos und erschöpft, als Ines sich um Zeldas Versorgung kümmerte. Dr. Dar Gordon kam nur Minuten später aufgelöst in der Villa an und untersuchte Zelda so gut er es konnte. Ihm war nicht wohl dabei zu wissen, dass ein wiederbelebter Mensch ohne entsprechende medizinische Versorgung behandelt wurde und er wusste, dass sie eigentlich überwacht werden müsste. Aber… es gab leider auch dringende Gründe, sie hier zu behalten. Erst einmal konnte sich keiner sicher sein, dass in der Stadt Schicksalshort nicht noch andere Gefahren auf Zelda warteten… und zweitens würde es schwierig werden die Sachlage zu erklären. Dar entschied sich dann diese Nacht in der Villa zu bleiben, Zelda zu versorgen und auch Heilmittel zu nutzen, die auf der Erdenwelt nicht unbedingt üblich waren. 

Link wich kaum von Zeldas Seite, wollte sich mit Ines über den Vorfall unterhalten, aber er konnte einfach nicht. Da war ein Chaos in seinen Gedanken, das er nicht in den Griff bekam. Der scheinbare Tod der Dämonenkriegerin. Zeldas lebloser Körper und seine Versuche sie wieder zu beleben. Die Tatsache, dass er etwas unternehmen müsste… Er hatte getötet, er hatte einem Geschöpf, das böse war, den Tod gebracht… Und er hätte sich für Zelda beinahe selbst umgebracht… Fertig mit den Nerven war es, dass der junge Held genug hatte von Kämpfen und genug von Angst und der Unkontrollierbarkeit des Lebens. Er hatte einen Punkt erreicht, wo selbst er nicht mehr konnte, und hatte weder Dar und Ines die Geschehnisse in Zeldas Zimmer ausführlich geschildert. Und dann irgendwann in der Nacht war der junge Held im Wohnzimmer bei den Schatteners eingeschlafen…

 

Als Link tief in der Nacht, nur eine Stunde vor dem Sonnenaufgang aufschreckte, beinahe panisch, und mit einem unterdrückten Schrei sofort auf seinen Beinen stand, hastete er sogleich aus dem Wohnzimmer. Er sah aus wie ein Gespenst nach der Nacht, sein grünes T-Shirt noch immer voller Blut, und er erblickte gerade Ines Schattener mit einem Tablett aus der Küche treten. Sie hatte Tee und Hühnersuppe gekocht und warf Link einen erschöpften, aber auch erleichterten Blick zu.

„Link…“, murmelte sie. „Bist du schon…“

Aber der junge Mann unterbrach sie streng: „Ich will sofort zu Zelda!“ Er war dabei die Treppe hinauf zu hasten, als sie ihn zurückhielt. „Warte bitte.“

Er seufzte, drehte sich seitwärts und fuhr sich durch das durchgeschwitzte, blonde Haar. Ihm war mulmig, selbst der Geruch der Suppe erschien ihm unerträglich. „Was ist?“ Jedes Wort von Ines war ihm im Augenblick zu viel. Er fühlte neben dem Chaos über das, was diese Nacht geschehen war, Ärger vor allem gegenüber Ines. Er hatte erwartet, dass die Direktorin besser für Zeldas Sicherheit garantieren konnte.

„Es tut mir leid“, sprach sie und blickte ihn aufmunternd an. „Und gleichzeitig bin unheimlich dankbar, dass du hier warst als…“

Link schüttelte dann nur noch den Kopf. „Sorry, dass ich so ausgetickt bin…“ Er wusste, dass er überreagiert hatte, aber Zeldas Wohl war das Wichtigste für ihn.

„Nun ja, du hattest Recht mit jedem Wort, dass du gesagt hast“, meinte Ines sachlich und ihre rotbraunen Augen leuchteten mit Selbstdemütigung. „Ich habe nicht aufgepasst… nicht genug.“

Link sagte nichts dazu, rieb sich seine müden Augen und hatte nur noch den Wunsch nach seiner Prinzessin zu schauen.

„Würdest du mir noch erklären, was geschehen ist?“, bat die Direktorin dann, aber auch hierzu blieb Link schweigsam. Er war dem Reden so überdrüssig. Als er den Kopf schüttelte, entgegnete Ines mit einem enttäuschten, aber einsichtigen „Okay.“

 

Gemeinsam traten Link und Ines in das Zimmer der verwundeten Prinzessin ein. Ein warmer Strom Energie schoss den beiden entgegen, als sie die Tür schlossen. Verwundert musterte Link den Innenraum und fragte sich nur, was der Arzt hier angestellt hatte. Der Kamin brannte, schickte ein gellendes, fast weißlich leuchtendes Feuer umher. Irgendwelche eigentümlichen Duftsäckchen hingen am Kamin und über dem Bett. Und auf dem weißen Schreibtisch waren mehrere Gefäße und Reagenzgläser aufgestellt, teilweise mit merkwürdig aussehender Flüssigkeit. Dr. Gordon saß am Bett des blonden Mädchens und wirkte übereifrig und beschäftigt. Dann fiel Links Blick zu Zelda, die ruhend in dem Bett lag, gleichmäßig und tief atmete und blinzelte. Ihr goldenes Haar war zerzaust… ihr Gesicht aschfahl und übersät mit den Punktblutungen, die noch mehr sichtbar waren als vorher. Der Arzt hatte ihr sogar eine Infusion angehängt. Link stiegen Tränen in die Augen, als er sie sah… weil sie so verwundbar wirkte, so schwach und verletzlich…

Zeldas himmelblaue Augen wanderten benommen zu ihm. Sie schluchzte und legte sich ihre zitternden Hände über das Gesicht. Es war so einfach aus ihrer Gestik abzulesen, dass sie sich schämte. Für ihre Schwäche und das, was Link erlebt hatte… gerade davor hatte sie ihn bewahren wollen…

„Ich weiß nicht, wie es dir geht, Ines, aber ich habe Hunger!“, meinte Dar, klatschte in die Hände, handelte schnell und nahm Ines das Tablett ab, das sie brachte. Er stellte es auf den Schreibtisch, zwinkerte ziemlich auffällig dem jungen Helden zu und ging in Richtung Tür. Er räusperte sich mit einem lauten „Ähäm“ und warf Ines eindeutige Blicke zu.

„Oh… jaja, ich bin schon unterwegs“, entgegnete sie und hetzte mit dem Arzt aus dem Raum.

 

Link schluckte den Knoten in seinem Hals herunter, als er realisierte, dass er mit Zelda alleine war… seiner Zelda… Wie versteinert stand er neben der Tür, hatte Unmengen von Wörtern auf den Lippen, aber keines wurde gesprochen. Er traute sich nicht einmal näher zu treten nach der Abweisung der letzten Tage. Es kam ihm beinahe so vor, als hätte das Schicksal diese Situation eingefädelt, das Schicksal, das Zelda zwang sich mit ihm auseinanderzusetzen. Warum sonst sollte er diesen Traum gehabt haben, den Traum, der ihn dazu brachte überhaupt hier zu erscheinen um sie zu retten?

Er wollte die Stille brechen, aber erneut kam kein Wort aus seinem Mund. Alles, was er sagen wollte, erschien ihm dumm und falsch. Mit einem erstickten Seufzen trottete der jugendliche Retter zu dem Tablett, schenkte mit zitternden Händen den Tee ein und tapste nervös mit dem Tee in der Hand zu seiner Seelenverwandten. Er war froh, dass er nicht mehr als die Hälfte des heißen Getränks verschüttet hatte, als er an ihrem Bett stand.

Sie schluchzte, traute sich nicht ihn anzusehen, auch dann nicht, als er sich auf die Bettkante setzte.

„Zelda… Hier… dein Tee…“, sprach er benommen.

Sie reagierte nicht darauf, ballte ihre Hände zu Fäusten. Diese zarten Hände, die beinahe erkaltet wären.

Link atmete frustriert aus, stellte die Tasse auf den Nachttisch. Er wollte einen Anfang machen, aber ahnte, dass die blonde Schönheit kaum mit ihm reden wollte.

„Wie fühlst du dich…“, fiel ihm spontan ein, aber auch darauf reagierte sie kaum. Noch immer bedeckte sie ihr Gesicht mit beiden Händen, vielleicht aus Scham.

Link sah schnell ein, dass es nichts brachte, ihr ein Gespräch aufzwingen zu wollen, aber er wollte nicht ohne einen Versuch wieder verschwinden. Er biss sich auf die Lippe und traute sich etwas, wofür Zelda ihm unter anderen Umständen vielleicht eine Ohrfeige gegeben hätte. Aber so würde sie vielleicht endlich mit ihm reden. Er krabbelte auf das Bett und alleine dies ließ die Schönheit aufschrecken, dann stützte er seine Hände neben ihrem Gesicht ab. Erst dann glitten ihre kühlen Hände von ihrem Gesicht und Link konnte sie eindringlich mustern. Jegliche bitteren Gefühle waren aus ihrem Gesicht gewichen. Ihr schöner, begehrenswerter Mund stand weit offen und drückte Überraschung aus. Ihre Lippen formten seinen Namen, aber sie sprach ihn nicht aus. Sie war so wunderschön, selbst mit den Verletzungen…

„Verdammt, Zelda, rede endlich mit mir…“, klagte er.

Sie tauchte ein in seine tiefblauen Augen, als segelte sie auf einem riesigen Meer, genoss den Moment der Nähe, und ließ sich von der Aufrichtigkeit seines Blickes hypnotisieren.

„Kannst du reden?“, murmelte er dann, nicht sicher, ob ihre inneren Verletzungen am Hals das Sprechen beeinträchtigten.

Sie nickte bloß und sträubte sich schließlich gegen seine Nähe. Sie drehte sich seitwärts und krümmte sich etwas zusammen. Auch Link wich dann zurück, enttäuscht und genauso vergebens wie vorher. Er hüpfte auf seine Beine, blickte hinaus, wo allmählich die Sonne aufging. „Du machst… dieses Versteckspiel nicht, um mir weh zu tun… oder weil du mich nicht leiden kannst… richtig?“

Sie schien sich auf diese Worte noch mehr zu krümmen. Ja, er hatte einen sehr wunden Punkt mit diesen Wörtern getroffen.

 „Zelda, was soll ich noch sagen oder tun, dass du endlich mit mir redest. Ich kann verstehen, dass es dir schlecht geht im Moment, aber du kannst mich nicht schon wieder einfach so stehen lassen. Ich habe dir das Leben gerettet…“ Er wollte ihre keinen Druck machen, und es lag ihm fern für seine Aufopferung irgendetwas zu verlangen, aber zumindest eine Erklärung erwartete er.

Sie schluchzte und da wusste der junge Heroe, dass sie schon wieder weinte. „Link… versteh‘ mich bitte… ich will dich nicht in Gefahr bringen… ich will nicht, dass du wegen mir leidest…“, sprach sie endlich, stockend. Ihre Stimme war rau und belegt.

„Und was ist mit dir… soll ich zusehen, wie du zerbrichst… an diesem ganzen Mist, den du durchmachst…“, sprach er aufgeregt und musterte sie wieder.

„Es ist meine Entscheidung… bitte geh‘ jetzt“, hauchte sie schwach.

„Es ist eben nicht nur deine Entscheidung…“, argumentierte er. „Ich konnte dich nur retten, weil mir ein Traum gesagt hat, was passieren wird… Ich werde in diesen Mist verwickelt, egal ob ich will oder nicht. Du kannst mich nicht schützen.“ Er versuchte ruhig und sachlich zu bleiben, aber den Gefühlwirrwarr in seinem Herzen hielt er kaum noch aus. „Zelda, ich verstehe das nicht… Warum wurdest du angegriffen? Was bedeutet das alles…“, meinte er.

„Link…“, flüsterte sie schließlich schwach. „Ich kann… jetzt nicht mehr… Bitte geh‘ nach Hause…“

Einsichtig, dass es ihr nicht gut ging und sie vielleicht auch nicht die Kraft hatte sich mit seinen Zweifeln auseinanderzusetzen, nickte er bloß. Mit noch mehr Fragen in seinem Kopf trat er aus dem Zimmer, verabschiedete sich von einer erschöpften Direktorin und einem traurig dreinblickenden Dr. Dar Gordon. Als Link die Einfahrt auf dem Grundstück hinunterlief, setzten sich seine Beine noch schneller in Bewegung. Er kniff seine Augen zusammen und lief hetzend durch den strömenden Regen…

 

Als Link sich auf den Weg nach Hause machte, lag die einstige Prinzessin Hyrules wachend in ihrem Bett, fühlte sich kläglich und verausgabt. Ihr Hals tat schrecklich weh, aber der Schmerz war auszuhalten… sie war es gewöhnt Schmerzen auszuhalten… Sie erklärte Ines und Dar kurz und bruchstückhaft die Ereignisse, worauf sich Dar verabschiedete. Zelda war außer Lebensgefahr und damit war sein Job beendet.

Die einstige Shiekah saß derweil besorgt an Zeldas Bettkante. „Also schickt er tatsächlich seine dunklen Diener. Ich frage mich, wie er es geschafft hat, in diese Welt zu gelangen“, meinte sie nachdenklich. Zelda seufzte kurz und berührte dann ihre Schwellungen am Hals. Sie spürte eine leichte Übelkeit und ein sehr unangenehmes Zittern in ihren Gliedern.

Ines dachte außerdem über das nach, was Link gesagt hatte. War sie tatsächlich nicht in der Lage für Zeldas Schutz zu sorgen?

„Impa, warst du jemals an der Schwelle zum Tod?“, meinte die vergessene Prinzessin Hyrules schläfrig. Die Direktorin schüttelte ihren Kopf. „Schwer verwundet im Zeitkrieg… aber ich war nie soweit…“

„Bevor Link mich wiederbelebte… ich habe…“, begann sie und fragte sich, ob sie dies für sich behalten sollte.

„Was hast du gesehen, Zelda?“

„Wärme… Geborgenheit… und Hyrule…“, gab sie preis. Aber dies war nicht alles. In diesen zerrütteten Sekunden, wo sie Link spüren konnte, wo seine gesamte Energie auf sie gerichtet war, seine Besorgnis, seine gesamte Konzentration und alles, was seine Seele ausmachte. In diesen wenigen Sekunden, wo sie ihn von oben herab an ihrem Körper Wiederbelebungsversuche durchführen beobachten konnte, sah sie im nächsten Augenblick zwei Kinder auf den Wiesen Hyrules. Ein Junge, vielleicht sieben Jahre alt, mit himmelblauen Augen und einer grünen, aber prachtvollen Tunika und einem weißen Gürtel um die Hüfte. Er rief nach seiner Schwester, einem süßen, tollpatschigen Mädchen mit rosa Kleidchen. Sie hatte seidiges, gelocktes Haar, hellblond, und sie stolperte fröhlich hinter ihm her. Alles, was Zelda in dem Augenblick noch spüren konnte, war Wärme und das Gefühl, dass diese Kinder sie brauchten…

Impa legte plötzlich fürsorglich eine Hand über Zeldas Stirn und sah dann die Blässe in ihrem Gesicht. „Es tut mir leid, Zelda… Möchtest du vielleicht doch noch ins Krankenhaus… Ich sollte Richard Raunhold anrufen, er kennt sich mit Nahtoderfahrungen aus…“

Doch Zelda schüttelte mit dem Kopf: „Nein, es war… es war nicht belastend…“ Eine Träne tropfte von ihren Augenwinkeln, als sie die Bilder der beiden Kinder in ihr Gedächtnis rief. Es gab ihr Mut…

Nachdenklich lag Zelda in ihrem gemütlichen Bett, kuschelte sich in die Kissen und erinnerte sich an den Ausdruck der Angst in Links Augen. Sie konnte sich nicht erinnern damals in Hyrule diesen Ausdruck gesehen zu haben. So viel Wärme und Mitgefühl in seinem Blick. War es möglich, dass sie jenen Blick in der Vergangenheit nie hatte sehen wollen? Zelda schloss langsam ihre Augen für einen Moment und zog die Decke zu sich heran. Insgeheim wünschte sie sich, Link wäre jetzt hier. Warum war sie so stur ihn wegzuschicken… er hielt trotz der harten Worte immer noch zu ihr…

„Wie fühlst du dich jetzt?“, murmelte Impa und riss sie aus ihren Gedanken.

„Kläglich…“, sagte Zelda ehrlich. „Ich brauche… Schlaf.“

„Bist du sicher, dass du nicht etwas anderes brauchst?“ Und Impas wissender Blick setzte Zelda vielleicht noch mehr zu als das Ereignis vor wenigen Minuten. Impa wusste genau, was Zelda in Wahrheit brauchte, um mit dem Schockgefühl fertig zu werden und es war weitaus mehr als Schlaf.

„Link… er…“, fing Zelda an. Impa reichte ihr den mittlerweile lauwarmen Tee in einer Tasse mit der Aufschrift ,Für unpassende Ereignisse’.

„Ich… was ist nur los mit ihm… Er sollte keine Erinnerungen an Hyrule haben… warum kämpft er so darum, dass ich ihm das alles erkläre. Ich kann ihm nicht von Hyrule erzählen… er soll dieses Leben endlich genießen… Warum geht er so weit, sich für mich opfern zu wollen…“ Zelda stützte eine Hand an ihren Kopf, sich wünschend, Ines hätte diese Worte nicht gehört. Sie hieß dies ohnehin nicht gut. Impa würde Link am liebsten in alles einweihen.

„Zelda, ich will mich nicht schon wieder mit dir streiten… erst recht nicht jetzt…“, platzte es aus ihr hervor. „Aber Link empfindet so viel für dich, es ist kein Wunder, dass er dich retten will…“

„Das ist nicht alles“, murmelte die Prinzessin leise, dann gähnte sie. „Er hätte… sich seine Dolche ins Herz gerammt, wenn es die dunkle Kreatur verlangt hätte…“ Doch diesen Umstand hatte Impa noch nicht gewusst, sie torkelte ein wenig und fiel darüber aus allen Wolken. „Link hätte… er hätte sich für dich geopfert?“ Sie schüttelte entgeistert ihren Kopf. Aber dadurch war für sie eine Sache klar, die Zelda nicht ertrug… Link hatte keine Erinnerungen an Hyrule, aber alles, was ihn ausmachte, auch seine Gefühle der Prinzessin gegenüber waren dieselben.

„Dann weiß ich nicht mehr, was geschehen ist. Ich vermute…“, Zelda warf einen angeekelten Blick auf die getrockneten Blutspuren an Wand und Schrank. „… Link hat diese Kreatur umgebracht.“

„Wozu ich nicht fähig war.“

„Du brauchst dir keine Vorwürfe zu machen, Impa.“

„Doch, das muss ich und Link hat vollkommen Recht behalten.“

„Wie auch immer, ich muss mich jetzt… ich muss das versuchen zu vergessen…“ Trübsinnig streichelte sie den grünen Ring an ihrem Finger und dachte an die beiden Kinder in ihrer Vision. Es war so angenehm jene zu sehen, jene zu spüren, auch wenn sie nicht wusste, wer sie waren…

Impa setzte sich an den Rand des Bettes und meinte beunruhigt: „Das ist richtig… du solltest versuchen zu schlafen… Wenn es dir besser geht, reden wir über das, was geschehen ist.“

Aber Zelda hielt Impa an einer Hand zurück: „Impa… du meinst, wir sollten uns einen Plan überlegen unseren Feind auszuschalten, ist es das?“

Die einstige Shiekah nickte beschwörend. „Wir haben keine andere Wahl. Wenn das so weiter geht, bringt er einen von uns um…“

Zelda zog die Decke zu sich und bekam erneut wässrige Augen. „Wenn das so weitergeht, wird Link noch mehr verletzt… oder getötet… wenn wir Link einweihen, wird er sich ihm entgegen stellen wollen… Er wird seinem Pflichtgefühl nachgehen…“, sprach sie bekümmert. Sie verkrampfte sich und grub ihre Fingernägel in die Bettdecke.

„Aber dazu wird es auch kommen ohne dass wir ihn über alles unterrichten…“, argumentierte Ines. „Deine Abweisung ist für ihn noch schlimmer als alle Wunden vorher. Du kannst ihn nicht vor dem Kampf gegen seinen Erzfeind beschützen, Zelda. Hör‘ auf dich für deine Fehler aus der Vergangenheit zu bestrafen…“

„Lass‘ mich allein, Impa“, sprach die Prinzessin dann bissig. Ihre Vertraute hatte nun doch noch zu viel gesagt und sich den Mund verbrannt. Und wenn es etwas gab, das Zelda bezüglich ihrem Helden nicht hören wollte, dann war es die Wahrheit…

 

Ein dunkler Schatten breitete sich in der alten Kathedrale aus, während düstere Töne einer Orgel erklangen. Das Blut der Erde tropfte leise an den Wänden herunter, erzeugte klirrende Töne, die in der endenden Nacht untergingen. Die Gestalt der Dämonenkriegerin humpelte ziellos durch die Reihen der alten Holzbänke. Sie ächzte, lachte närrisch, während sie sich mit ihren blutbefleckten Händen den Brustkorb zuhielt. Dickes Blut rann aus den Stichwunden des Helden und sie wusste, sie würde daran verenden… aber einen süßeren Tod würde es für sie niemals geben. Es war der Held, der ihr das Leben nahm, allein dies war Genugtuung für sie. Ihre Schritte wurden immer schwerer. Sie wusste, dass sie für ihr Handeln bestraft werden würde, von ihrem Meister, aber was hatte sie noch zu befürchten. Sie würde ohnehin sterben, und sie starb mit dem süßesten Gefühl überhaupt… Der Held hatte sie berührt… und gequält… Sie hatte Zelda aus Eifersucht umgebracht. Nur das zählte… die einstige Prinzessin aus Hyrule war tot, Vergangenheit. Besessen von ihren abscheulichen Gedanken kroch sie in Richtung Altar, wo ihr Herr wartete. Sie kniete nieder, während schwarzes Blut aus vielen Stichen an ihrem Körper tropfte.

„Was hast du mir zu sagen, Zarna?“

„Lord, ich…“ Zarna leckte sich wieder auf ihre widerwärtige Weise über die Zähne. „Des Helden Herz ist gebrochen. Sie ist tot… tot…“

Der monströse Kerl wand sich kopfschüttelnd zu dem verletzten Untertan. „Du hast alles vermasselt, dumme, niedere Mistgeburt. Jetzt da die Prinzessin tot ist, werde ich niemals wahre Gestalt annehmen können. Du bist ebenso des Todes. Nenn’ mir einen Grund, dich am Leben zu lassen.“

Zarna wischte sich das Blut von ihren Mundwinkeln und grinste. Dann lachte sie wieder frei heraus. Ihr kaltes, wahnsinniges Herz, zerfressen von Neid und Missgunst für Zelda hatte ihr die Fähigkeit genommen Schmerzen zu fühlen. Sie genoss es auf eine abartige Weise zu leiden. „Herr, ob ihr mich nun tötet oder nicht, ist für mich nicht von Interesse.“

„Aber, ob du in der Hölle schmorst oder nicht, sollte für dich von Interesse sein, nutzloses Weib.“ Der riesige Abschaum breitete seine Arme aus und brüllte plötzlich, dass die Wände bebten. „Du Miststück, wegen dir habe ich die einzige Möglichkeit verloren, Zeldas Kraft zu bekommen. Ich bin tot. Ich bin lebendig. Ich bin alles…“

Er lief einschüchternd auf Zarna zu, während sie langsam nach hinten kroch und ihren Meister nicht aus den Augen ließ. Er holte aus und hatte plötzlich ein Schwert in der Hand. „Dich mit einem Schwert zu töten, ist viel zu einfach… Er schwang seine Faust und ließ sie wieder herabsinken. Plötzlich zersprang der Körper Zarnas in scharenweise kleine blutbefleckte Splitter, die sich in alle Himmelsrichtungen zerstreuten. Die Splitter flogen dann aus den zerbrochenen Fenstern der Kirche.

„Zerstreut euch und ergreift Besitz williger Sklaven, für die Rache, für den Tod, für die Verseuchung und mein Leben…“ Mit einem unheimlichen, roten Glühen in den Augen stolzierte das Monster, dessen Schatten immer größer wurde, in Richtung Altar…

 

Währenddessen führte Link kurz vor dem Sonnenaufgang seinen Schlüssel in das Schlüsselloch an der Tür seines Elternhauses, doch die Tür wurde überraschenderweise von seiner Schwester aufgezerrt. Sara sah ihn argwöhnisch, besorgt und schlecht gelaunt an. „Wo warst du?“ Sie wollte ihm eigentlich eine Standpauke halten, als sie aber sein vergrämtes, bleiches Gesicht sah und die getrockneten Blutspuren auf seiner Kleidung, verging der Ärger und Sara blickte ihn mitfühlend an.

Link antwortete nicht, seufzte und wimmerte etwas, wich ihrem wissenden Blick aus und rannte beinahe panisch auf sein Zimmer. Doch Sara würde jetzt nicht locker lassen. Aufgeregt sprang sie hinter einem erschöpft aussehenden Link hinterher.

„Was ist los, Brüderchen?“ Sie pflanzte sich auf die Couch in Links Zimmer, während jener kopfhängerisch vor seinem Schreibtisch stand und sich über seine Stirn rieb. Er hatte ein Stechen in seinem Kopf und brauchte Schlaf. Mit dem Gedanken spielend, seine kleine Schwester anzulügen und eine plausible Ausrede zu erfinden, stützte er sein Körpergewicht auf dem hölzernen Tisch ab. Andauernd hatte er Zeldas leblosen Körper in seinen Gedanken und andauernd erinnerte er sich an den Geschmack und den Geruch des Todes…

„Es ist nichts“, murmelte er, wollte das, was geschah verheimlichen und fühlte sich inzwischen leicht beschämt, da er sich beinahe selbst aufgegeben hatte. Doch was sollte falsch an seiner Selbstlosigkeit sein? Warum stärkte er sich nicht an dem Gedanken, wie edelmütig er doch war und wie groß seine Bereitschaft zu helfen, ohne an den Preis seines Lebens zu denken, den er irgendwann bezahlen würde.

„Lügner“, sagte Sara ruhig. Aber sie machte ihm keinen Vorwurf. Sie stand auf und legte eine Hand über seine Schulter. Daraufhin drehte sich Link um und Sara schaute in das klare dunkelblau seiner ernsten Augen.

„Ich“, brachte er hervor. Tief einatmend setzte er sich auf sein Bett.

„Du musst mit jemandem reden…“, meinte sie. „Du siehst aus, als hättest du diese Nacht die Hölle durchgemacht…“, sprach sie. „Und vielleicht solltest du eine heiße Dusche nehmen und deine Kleidung in den Müll werfen“, setzte sie aufmunternd hinzu. „Wenn Mum dich so sieht, glaubt sie, du hättest jemanden umgebracht.“ Sara hatte ihre Aussage sicherlich scherzhaft gemeint, aber ahnte nicht, dass sie den Pfeil ins Schwarze getroffen hatte. Als Link daraufhin noch fahler im Gesicht wurde, verstand seine kleine Schwester etwas, das sie nicht völlig zugeben würde.

„Link“, sprach sie besorgt und lief zu ihm hinüber. Sie umarmte ihn und wollte ihn trösten. Sie spürte, dass mehr geschehen war, als er überhaupt verstand. Er war kalt in der Umarmung und zitterte. „Du weißt, dass du mit mir reden kannst und ich kann schweigen wie ein Grab.“

„Ich weiß, danke, Schwesterchen.“ Er löste sich aus der Umarmung und lehnte sich an das Bettende. Grüblerisch, ob er Sara damit belasten sollte, fuhr er sich durch sein blondes Haar. „Wenn ich… angenommen, ich hätte etwas getan, das brutal und grausam wäre, würdest du dich von mir abwenden?“ Er gähnte, fühlte sich hundemüde, aber wollte Sara mit ihrer Besorgnis nicht einfach wegschicken.

„Du bist mein Bruder, selbst, wenn du ein Mörder wärst, würde ich zu dir halten“, meinte sie und lächelte mitfühlend. Ihre neckischen graublauen Augen wach und bereit ihm seinen Alptraum abzunehmen.

„Ich bin ein Mörder…“, sagte er gefasster.

Aber anstatt überrascht zu sein, setzte sich die Fünfzehnjährige zu ihrem Bruder auf das Bett und musterte ihn neugierig. „Was ist passiert, Link?“

„Ich… ich war gerade eben bei Zelda. Eine unheimliche Person, wie Zeldas böses Ich, stand in ihrem Zimmer. Ich konnte nur zusehen, wie sie Zelda… Ich konnte nur zusehen, wie sie… Sie hat Zelda…“, sagte er schwankend. Sara bekam wässrige Augen, auch, weil seine Worte mehr in ihrem eigenen Seelenleben verursachten, als Link ahnte.

„Sie sagte, sie würde Zelda am Leben lassen, wenn ich mich für sie… Einige Sekunden länger und ich hätte mich selbst getötet.“ Eine Träne rollte über Saras Wange. Denn sie wusste Fügungen, Zusammenhänge und hatte Vorahnungen… sie wusste mehr als sie zeigen konnte. Und bald würde sich ihre Rolle in den Ereignissen offenbaren.

„Sara?“

„Link, du musst jetzt sehr vorsichtig sein und pass gut auf deine Zelda auf.“ Sara umarmte ihn noch einmal wie es eine kleine Schwester tun würde und sagte. „Irgendetwas Böses wartet auf euch beide und das, was in letzter Instanz immer auf euch warten würde, ist nun so nah, dass du es nicht mehr ignorieren kannst. Ich glaube, das Schicksal will es so… Vieles, was wir vielleicht nicht als Bestimmung erkennen, kehrt doch irgendwann wieder. Link, gesteh’ es dir ein. Du bist nicht, was du glaubtest zu sein.“

„Das weiß ich, Sara.“

„Du hast die falsche Zelda getötet, oder?“

„Ja.“

„Deswegen brauchst du keine Schuldgefühle zu haben. Dieses Etwas hatte sicherlich kein Herz. Ich glaube, dir blieb keine andere Wahl.“

Link stand auf und sein Weg endete an der Nintendokonsole. Seufzend sagte er: „Das mag sein. Aber es ändert nichts daran, dass ich getötet habe.“

„Link.“ Sara machte eine mitfühlende Geste.

„Es ist schon gut. Danke für deine Anteilnahme, Sara.“ Es war nur noch eine Frage der Zeit, wenn sich sein Weg vor ihm auftun würde. Eine Frage der Zeit, bis er endgültig wusste, was Zelda verschwieg und was es mit Hyrule auf sich hatte. Allmählich begann er an das zu glauben, was nicht wirklich sein durfte. 

„Kann ich dich alleine lassen, Brüderchen?“

„Ja, wenn ich ehrlich bin, hätte ich gerne ein wenig Zeit für mich…“ Sara lächelte sachte und ging aus seinem Zimmer.

Auch Link meldete sich krank und ging nicht mehr zur Schule. Er legte sich auf sein Bett, starrte gedankenversunken an die Decke, schloss seine Augen und wollte sich für seine Niedergeschlagenheit am liebsten ohrfeigen. Es gab keinen Grund sich schwach oder depressiv zu fühlen, er hatte Zelda gerettet… er hatte getan, was er tun musste.

 
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