Kapitel 1.19
 

Kapitel 19: Bürde der Vergangenheit

 

 

Als der junge Held am Morgen des nächsten Tages seine Augen öffnete, fühlte er sich wie gerädert. Sein gesamter Rücken tat weh und irgendwie hatte er sich seinen linken Arm verdreht. Link blinzelte angesichts des Sonnenlichtes, das sich in sein Zimmer bahnte und machte seine Augen wieder zu. Er lag heute ausnahmsweise einmal in seinem Bett und hatte nach der schrecklichen Nacht überraschenderweise keine Alpträume, die ihn todbringend und gefährlich heimsuchten. Er hatte gut geschlafen, etwas Angenehmes geträumt und wusste nur noch, dass Zelda ein Trauminhalt war… eine glückliche, lachende Zelda…

Er zog die weiche Decke vollständig über seinen stechenden Schädel und versuchte wieder Schlaf zu finden, wollte die Gedanken an Zeldas Nahtod wegschieben. Er spielte mit dem Gedanken vielleicht doch noch in die Schule zu gehen, beließ es aber bei einem Gedanken. Er war bis auf den Vorfall mit der seltsamen Bauchwunde vor einigen Wochen nie krank gewesen, also konnte er sich das doch einmal erlauben. Während er so vor sich hin träumte, ertappte er sich selbst dabei, dass Bilder von Zelda in seinen Gedankengängen immer häufiger wurden, zu häufig… und er spürte, dass ihm das gerade nicht gut tat…

Er blinzelte erneut und wagte einen Blick auf den Radiowecker neben seinem Bett. Überrascht über die fortgeschrittene Zeit richtete er sich auf und gähnte und streckte sich nach Liebeslaune. Seine Beine baumelten aus dem Bett, als er es sich anderes überlegte und sich wieder zurück in die Kissen sinken ließ. Es tat so himmlisch gut, zu faulenzen. Erst Recht, wenn das Leben so unregelmäßig verlief wie das von Link. Keine Alpträume die Nacht und Link war sich sicher, dass dies der perfekte Start in einen tollen Tag sein sollte.

Als er sich darauf besann, dass heute Mittwoch war, jawohl, Link benötigte eine Weile sich daran zu erinnern, rappelte er sich doch noch auf und stand halb nackt vor seinem Schreibtisch. Er fand eine Notiz darauf liegend. Sie war von Sara, die ihm ein ordentliches Frühstück in der Küche vorbereitet hatte und scherzhaft ,Gute Besserung’ wünschte. Ein Lächeln umspielte Links Lippen, Sara hatte wohl auch seiner Mutter Bescheid gegeben, dass er heute zuhause blieb… ja das war wirklich extrem nett von ihr…

Der junge Held kramte sein Lieblings- T-Shirt aus dem Kleiderschrank, ein waldgrüner Pulli aus leichtem Stoff für die heißen Tage eben, und heute schien wieder einmal ein warmer Tag zu werden. Eine verwaschene Jeanshose und das T-Shirt unter dem Arm verschwand Link in dem Badezimmer und begutachtete seit langer Zeit einmal wieder die Narben an seinem sonnengebräunten Bauch. Er fuhr leicht über die Hautfetzen, fand aber nicht, dass sie störten. Der Anblick von Narben war ihm irgendwie vertraut, so als hätte er in einem früheren Leben mehr als diese kleinen Narben davongetragen…

Der Kopfschmerz von vorhin verschwand mit der kühlen Morgendusche und der Vorfreude auf das Frühstück. Himmel, irgendwie liebte Link diesen neuen Tag. Kein Kopfzerbrechen. Keine Merkwürdigkeiten. Irgendwie war heute alles in Ordnung, alles an seinem vorhergesehen Platz. Link hüpfte vergnügt, mit dem Pfeifen eines fröhlichen Liedes in die Küche und entdeckte frische Semmeln, ein neues, ungeöffnetes Glas Nussnougatcreme und einen Krug voller lauwarmer Milch mit Honig, ein Ei, sein Lieblingsobst, dem Apfel auf einem dunkelblauen Teller, einer Schüssel frischen grünen Salat, eine Packung Cornflakes und frischgepressten Orangensaft auf seinem Platz. Sara war ein Schatz, sagte er zu sich selbst und schlug sich den Magen voll.

Link schaltete nach seinem wunderbaren Frühstück durch das Programm des Fernsehers. Erneut Berichte über einige Naturkatastrophen, Terroranschläge und Überfälle, die sich häuften, aber der junge Held konnte den Nachrichten kaum folgen, war mit seinen Gedanken ständig woanders. Er brachte seine blutbespritzte Kleidung von gestern in den Müll, lachte über die Selbstverständlichkeit eines solchen Handgriffs, als hätte er dies schon immer getan. Dann ging er auf sein Zimmer und schnallte sich vorsorgend seine Dolche um, da er auf alles vorbereitet sein wollte, als plötzlich das Telefon klingelte. Link sprang mit einem Satz die Treppe hinab und nahm das Gespräch entgegen.

„Wunderschönen Guten Morgen, Link Bravery am Apparat. Mit wem habe ich das Vergnügen?“, sagte er überschwänglich. Eine verunsicherte Stimme erklang am anderen Ende und als Link jene Stimme dann seinem Besitzer zuordnete, verschwand das Grinsen in seinem Gesicht wieder. Er stützte sich vor Schreck an der Wand ab und ließ sich auf den Boden sinken. „Zelda?“ Und er vergewisserte sich, dass sie wirklich anrief.

„Guten Morgen…“, sagte sie leise und Link erkannte die Unsicherheit in ihrer Stimme, die schwache Angst überhaupt mit ihm reden zu wollen. Denn sie wusste, wie sehr sie ihn mit ihrer kalten Abweisung verletzt hatte.

„Ich… wollte nur…“, sie fand nicht die Kraft weiterzureden und wünschte sich lediglich, seine Stimme zu hören, um zu wissen, dass es ihm gut ging nach der gestrigen Nacht. Aber die freudige Begrüßung zu Beginn sagte dies wohl schon aus.

„Wie geht es dir?“, sagte Link dann, machte sich Mut mit seinen Worten, wollte auch ihr helfen, einfache Worte zu finden. Ein kurzes Schluchzen am anderen Ende erklang, erstickt von dem Wunsch, etwas Vernünftiges hervorzubringen.

„Ganz gut… ich wünschte, du hättest das gestern nicht sehen müssen…“, murmelte sie schwach. Beim Heiligen Triforce, es ging gestern Nacht um Zeldas Leben und sie machte sich schon wieder Gedanken darüber, ob es Link belastete, dass er gestern ihren beinahe Tod gesehen und Zeldas abscheulichen Peiniger ermordet hatte? Konnte sie nicht einmal an sich denken?

„Zelda?“ Und Link wollte sich nach der langen Pause vergewissern, ob sie überhaupt noch an der Leitung war.

„Bitte bleib’ fern von mir…“, sagte sie mit zittriger Stimme. Aber Link schüttelte mit dem Kopf, wissend, dass das allein seine Entscheidung war. „Bis irgendwann…“, sagte sie und wollte gerade auflegen.

„Nein, bitte Zelda, rede mit mir. Nur einige Minuten.“ Aber sie würde es nicht tun, sie würde ihn und sein Verständnis, seine Zuneigung, abweisen. Mit geschlossenen Augen und geballter rechter Faust legte sie trotz ihres Wunsches nach seinen beruhigenden Worten den Hörer auf.

„Zelda?“, rief Link. Aber er konnte ihre Stimme am anderen Ende der Leitung nicht mehr hören. Tut. Tut. Er atmete tief ein, schüttelte seinen Kopf und sprang auf. Es brachte nichts, wegen Zelda erneut schlechte Laune zuhaben, nicht nach dem Anruf und der Tatsache, dass sie überhaupt versuchte hatte, mit ihm zu reden. Ein Anfang. Ja, für Link war das ein neuer Anfang, ein gutes Zeichen, dass ihre Freundschaft noch nicht erkaltet war und sie vielleicht doch irgendwann wieder so miteinander reden konnten, wie vor einigen Wochen…

Im Grunde genommen hatte Ines dazu beigetragen, Link die Augen zu öffnen und auf der anderen Seite, auf Zeldas Seite, einige Hebel in Bewegung gesetzt. ,Danke Ines‘, dachte Link, wissend, er würde auf Zelda warten, egal wie lange es dauerte. Und er würde ihr verzeihen… Entschlossen verschwand er einmal mehr in den Wäldern, um dort ein wenig zu trainieren…

 

Eine brütende Hitze stand in der Kleinstadt Schicksalshorts… und überall stiegen kleine Wärmewellen auf, von der geteerten Straße, von den Autos, den Parkbänken… Kein Mensch war unterwegs. Alles saßen sie erschöpft und müde vor ihren kalten Limonaden und verrenkten sich die Hälse als einen Versuch aus der Benommenheit dieser unsäglichen Hitze auszubrechen. Und nicht nur in Schicksalshort schien das Klima die Menschen zu bestrafen… auch an anderen Orten verschob sich das Gleichgewicht… Überall drehten die machtvollen Götter, vielleicht auch etwas anders Übermächtiges am alten, und doch empfindlichen Wesen der Naturkräfte.

Link, der gerade die Schulbank drückte, kam es so vor, als würde selbst der Puls der Zeit stehen bleiben. Warum konnte Link den erbärmlichen, mitleiderregenden Zustand der Natur fühlen, wo andere Menschen diese- seiner Meinung nach bescheiden gesagt- Umstände auf den Treibhauseffekt oder die unumgänglichen Klimaveränderungen schoben. Und sein sechster Sinn, sagte ihm, dass jene Zustände nichts mit dem Klima an sich zu tun hatten. Vielmehr gab es eine andere mächtige Hand hinter den Geschehnissen, die das Chaos heraufbeschwor und sich mit seinem kranken Herz und Hirn daran erfreute.

Bevor die Schüler der Oberstufe aber aus dem Schulgebäude stürmten, richtete die Direktorin über die Lautsprecher einige Worte an sie. „Werte Schüler. Versammelt euch bitte heute Abend gegen neun an der Schule. Für die, die Interesse haben, ist eine Nachtwanderung geplant, mit Lagerfeuer und so weiter, bis dahin schönen freien Tag.“

,Cool und überraschend‘, dachte Link, denn Nachtwanderungen, die er eigentlich alleine zu begehen vollzog, mochte er immer schon. Er fand die Nacht in den Wäldern aufregend, atemberaubend mit den vielen vertrauten Lauten, dem Hallen vergessener Geheimnisse, und genoss die Geräusche in der Dunkelheit auf seine Weise.

Wenn Ines Schattener diese Nachtwanderung plante, dann sicherlich nicht ohne Grund, und wenn, dann würde sie Zelda sicherlich nicht alleine in der Villa lassen. Ja, vielleicht  ergab sich auch die ein oder andere Gelegenheit, Zelda anzusprechen…

Plötzlich wurde der junge Held von jemandem angerempelt. Mike Kilhagen stand hinter ihm, jemand, den er seit der Grundschule auf dem Kieker hatte und so war es auch umgekehrt. ,Was wollte der denn jetzt‘, fragte sich der Oberstufenschüler. Link starrte ihn genervt an. Augen, wie zwei Schlitze sahen in seine tiefblauen. Lachsfarbene Haare bedeckten eine ziemlich ausgeprägte Stirn.

„Hast du Sara gesehen?“

„Nein, hab’ ich nicht. Was willst du denn von ihr?“

Mike grinste wie eine Speckschwarte. „Wir gehen heute zusammen Eis essen“, protzte er.

„Wirklich? Sara mit dir? Ist ja echt witzig! Sara braucht wohl langsam eine Brille.“ Mike glotze blöde drein. Es dauerte einige Zeit, bis er registriert hatte, was Link andeutete.

„Wieso?“

„Oh Mann, Mike, bist wohl nicht der Hellste. Na ja. Wünsch’ dir jedenfalls einen, ähm, schönen Tag mit Sara.“ Link lachte kurz auf, aber je länger er darüber nachdachte, umso mehr verging ihm das Grinsen. Hm, Eis essen gehen. Eine schöne Idee und ein wirklich angenehmer Gedanke. Er liebte Eis… und er würde es schön finden, wenn er sich dazu in entsprechender Gesellschaft befand. Link überlegte, ob er Zelda fragen sollte, ob sie nicht doch Lust hätte. Dann aber hielt er es für eine dumme Idee. Es war vielleicht zu früh dafür und nicht der richtige Zeitpunkt, sie um Rat und Antworten zu bitten. Sie brauchte Zeit, das wusste Link und er würde ihr so viel Zeit geben, wie sie für sich selbst benötigte, um zu klären, was ihr auf dem Herzen lag.

Die blonde Schönheit, an jene er dachte, stand plötzlich hinter ihm, hatte ihren Hals mit einem Schal bedeckt, wo sie noch eine Wunde von der schrecklichen Nacht hatte. Sie mied seine Nähe, schenkte ihm kein Lächeln, als er sich umdrehte. Sie sagte kein Wort und rannte trübsinnig weiter. Ja, das sollte so sein. Link schlug sich die Idee mit dem Eis essen wieder aus dem Kopf. Es wäre zu schön gewesen. Langsam tappte er nach Hause…

Link verkroch sich in seinem Zimmer, während andere Leute sich vergnügt im Schwimmbad amüsierten, Eisbecher und literweise Limonade hinunterwürgten. Er wusste, dass es elend war, bei diesem genialen Wetter zuhause herum zu hocken, aber er hatte schlichtweg keine Lust auf die falschen Gesichter…

Nach langer Zeit fiel Links Blick wieder zu seinem veralteten Gamecube, dachte an das Spiel: ,Legende von Zelda‘ und fackelte nicht lange. Er hatte lange nicht gespielt und hatte fast das Gefühl, er vermisste das Spiel. Also betätigte er den Powerschalter und ließ die heldenhafte Spielfigur durch Hyrule wandern. Nach einigen Minuten befand sich der Held der Zeit auf dem Weg in die Zitadelle der Zeit, um langersehnt jene zu treffen, die auf ihn wartete. Link stellte sich vor, er selbst würde an diesem Ort erscheinen, um Zelda zu treffen. Zelda… Prinzessin oder nicht, für ihn spielte das keine Rolle… das hatte nie eine Rolle für ihn gespielt… Und da war er wieder, der Gedanke, dass: ,The Legend of Zelda’ vielleicht mehr als nur ein Spiel sein könnte. Ein erschreckender Gedanke… und doch für Links junges Herz allmählich die Wahrheit flüsternd und nach den letzteren Ereignissen nicht mehr allzu unwahrscheinlich. Was, wenn Zelda die Prinzessin war und er Link, jener Held, der sie retten sollte? Link begann zu träumen, begann zu erinnern, noch ehe er verstand, was er tat… Der Controler fiel ihm aus der Hand, als er einmal mehr einnickte…

Er rannte, hetzte mit braunen Lederstiefeln an seinen Füßen über das leblose Pflastergestein einer toten Stadt, vorbei an eingefallenen Häusern, an denen der Zahn der Zeit nagte und doch war da diese wärmende Hoffnung in seinem jungen, gerade elf Jahre alten Herzen, ein stiller, immerwährender Funken Licht, der so viel erzählte von blühenden Städten, mit Menschen gefüllten Straßen und der scheinenden Sonne, die ihr Licht den Geschöpfen dieses Zeitalters in jener verlassenen, dem Erdboden gleichgemachten Hauptstadt nicht mehr schenken konnte. Er rannte und rannte weiter, fand sich selbst diesem Hoffnungsschimmer unterlegen, er würde in wenigen Sekunden das Licht in seiner Seele wiederzurückgewinnen. Antworten…

Am dunklen Himmel stand ein feuerroter Mond, der blutete, wenn man genau hinsah, ein Mond, der von dunklen Wolken, die ebenso ein rötlich- schimmerndes Gewand trugen, bedeckt wurde. Die Welt rief nach ihm, schrie nach einem Helden… und er wusste, dass jene Aufgabe ihm zuteilwerden würde.

Vor wenigen Stunden war er aufgebrochen, um an diesen Ort zu finden, aufgebrochen vom anderen Ende des Landes, wo er seine vorletzte Schlacht geschlagen hatte. Er trug noch die Wunden des Kampfes in seinem jungen Herzen, das von einem sieben Jahre älteren Körper behütet wurde, spürte noch das aufgeregte Schlagen seines Herzens, als er den vernichtenden Schlag ausführte und den letzten Tempel der sechs Weisen von seinem bitteren, quälenden Fluch befreite. Er war losgezogen, ohne geschlafen zu haben, rannte und rannte zu dem einzigen Ort, an welchem die letzte Hoffnung sich aufhielt. Sie musste es sein, sagte er zu sich. Sie musste sich ihm endlich preisgeben. 

Link erreichte den Ort, der vielleicht die letzte Festung gegen das schier übermächtige Böse darstellte und doch genauso der Vergänglichkeit unterlegen war, wie sein Verstand, sein Körper und  dieses Hyrule. Mühsam schob er die schweren Eichentore zur Seite, schloss diese wieder hinter sich, als er eintrat und nichts anderes als die aufwühlende Kälte in jenem heiligen Bauwerk fühlen konnte. Mit Nebelschwaden vor seinem Gesicht, die sich bei jedem schnellen Atemzug neu bildeten, ging Link einige Schritte vorwärts, trat näher an den reichlich verzierten Altar, an dem drei glühende, ein schwaches Licht aussendende Steine standen. Ein schwaches Licht, ein kleiner Trost in der Kälte und Dunkelheit des Gebäudes. Wer wusste, wie lange dieser kleine Trost noch wehrte?

Er sollte hier erscheinen. Hier sollte er jene treffen, die auf ihn wartete.

Sieben lange Jahre hatte sie gewartet, auf seine Rückkehr gehofft, gelitten, da man ihm sieben Jahre seines kostbaren Lebens gestohlen hatte- ein hinterhältiger Preis für die Rettung des Landes vor dem Bösen, das trotz allem die begehrenswerte, zerstörerische Macht errungen hatte, das trotz allem vernichtete ohne die Spur eines Gewissens zu zeigen.

Und so klammerte sie sich an jenen Hoffnungsschimmer, das Böse würde bestraft werden, würde zurückerhalten, was es jener einst so blühenden Welt angetan hatte…

Link warf einen Blick aus den mit farbigen Glasplatten gestalteten Fenstern und erkannte nichts als Tod in dem einst so blauen Himmel. Hier, in der unmittelbaren Nähe des Bösen rührte die Dunkelheit selbst die Farben zusammen, die dem Himmelsgewölbe diesen hässlichen Überzug verliehen hatten. So kalt, so düster und unheilbar war dieser Himmel über Hyrule, wo jedes Volk am eigenen Leib erfahren hatte, was es hieß, dem übermächtigen Bösen im Weg zu stehen. Links ernster Blick fiel zu den Fackeln an dem dunklen Mauerwerk und nur für ein bisschen Wärme und Licht lief er dorthin, rieb sich die Hände über dem Feuer und wartete. Es blieb ihm nicht mehr viel, außer das Warten. In Kürze würde der letzte Kampf beginnen, den er vielleicht nicht nur mit blauen Flecken und einigen Schnittwunden davontragen würde. Es könnte für immer, sein letzter Kampf sein…

„Link?“, und er kannte diese Stimme, das merkwürdige Säuseln, als würde diese Stimme weder männlich, noch weiblich sein. Jemand stand vor den drei Heiligen Steinen, der nur ein Schatten war. Jemand ohne und doch mit Gesicht… Rote Augen starrten ihn eindringlich an und funkelten so emphatisch, so verständnisvoll wie noch nie.

Der junge Held lief zu dem im Schein der drei Heiligen Steine glühenden Licht und sah dem Shiekah unentwegt in dessen verhülltes Gesicht, spürte Enttäuschung und Wut. Denn so sehr hatte er gehofft, sie hier zu sehen, sich gewünscht, das Mädchen wieder zusehen, welches sein Schicksal teilte. Doch sie gab sich nicht preis, sie versteckte sich vor ihm und vielleicht vor ihrer eigenen Hoffnung, dem stillen Wunsch, verstanden zu werden.

„Shiek? Was suchst du hier?“

„Ich muss dir Antworten geben.“

Verärgert drehte sich Link um und stützte sich an dem in weißem Gestein gefassten Altar ab. Die Gefahr gab der Prinzessin anscheinend genügend Grund, sich von Link fernzuhalten. „Ich will keine Antworten“, sagte das Kind in Links achtzehn Jahre altem Körper. Frustriert schlug er mit der Faust auf das blanke Gestein ein und empfand weder Schmerz noch etwas anderes in seiner linken Hand. Eine fremde Wahrnehmung, wie ein Stück Leben, das sich in der Hand verinnerlichte und langsam zu Fleisch und Blut, zu Herz und Verstand, vorarbeitete. Es rief und verlangte, jenes Gefühl in seiner Hand, an welches mehr als nur Magie gebunden war. „Für einen Moment habe ich geglaubt, ich könnte sie wiedersehen. Ich habe mir gewünscht, sie für nur einen kurzen Augenblick mit den Augen dieses erwachsenen Körpers sehen zu können.“, sagte Link leise. „Ich wünsche mir… so sehr… sie nur einmal… berühren zu dürfen.“ In seinem Herzen aber bestand dieser Wunsch schon lange aus Leere. Seit Shiek ihm den Weg zeigte, seit jeher schien Zelda so weit weg zu sein, als ob auch sie sieben Jahre schlief, als ob man ihr Bewusstsein in die unendliche Leere eines lebenden Schattens eingesperrt hatte.

Link drehte sich um und bemerkte den traurigen Ausdruck in Shieks Gesicht, welches verstand und doch leugnen konnte. Eine Träne tropfte aus den Augenwinkeln Shieks und nur das silberne Funkeln jener Träne genügte… Machtlos sank Shiek auf den kalten Boden und stütze sich mit den Händen auf dem fast eisigen Gestein ab. So spielte das Schicksal mit Link, dachte er- jener einsame Schatten, der sein wahres Gesicht nicht mehr zurückhalten konnte.

„Ich bin nicht…“, murmelte die zittrige Stimme Shieks, die ihren Klang nun fast vollständig geändert hatte- ein Klang, viel reiner als der eines Mannes, viel schöner und lieblicher in den spitzen Ohren Links.

Link kniete nieder, wollte Shiek eindringlich ansehen, ihn bitten, die Wahrheit nicht länger zu verschweigen, zu sagen, was gesagt werden musste. Und so flackerte das Feuer in der heiligen Zitadelle an den Wänden, während Link und Shiek auf die Preisgabe ihrer unbekannten Geheimnisse warteten. Vorsichtig zog Link den umhüllenden, weißen Mundschutz von dem immer echter, immer lebendiger und irgendwie mädchenhafter werdenden Gesicht einer Gestalt, die er nicht länger als Shiek ansehen wollte. Sie sah auf, und nun war das abweisende, fast kühle und beherrschte Rot jener Shiekahaugen dem Vergehen untertänig. Ein verträumtes Blau, so kostbar wie ein leuchtender Edelstein verbarg sich jetzt in diesem nach Zuneigung suchendem Blick, der Link so viel erzählen wollte. Und er kannte diese Augen, auf die er gewartet hatte, die er so oft in seinen Träumen gesehen hatte erneut. Er kannte und liebte diese Augen…

Erschrocken wich Link zurück und sah nur in dieses wunderschöne Blau, welches ihm schon einmal lange vor diesem zerstörten Hyrule begegnet war. Er stand mit wackligen Beinen auf und drehte sich um.

Ein fassungsloses „Nein…“, entkam seinen Lippen und eine verwundete, mit Schnitten übersäte linke Hand stützte den schmerzenden Kopf… Er atmete tief ein und fühlte machtvolle Energie in der Zitadelle, ein helles Licht hinter seinem Rücken und den Anflug von tiefen Gefühlen, die er unter Verschluss gehalten hatte.

„Ich bin nicht… was du glaubtest, das ich bin…“, sagte diese Stimme, die Link kannte und doch war es nicht mehr diese liebliche Mädchenstimme. Sie hatte sich gewandelt, war reifer und zurückhaltender. Er traute sich einfach nicht, sich umzudrehen.

Sein Herz begriff die Geschehnisse von wenigen Sekunden nur schwerfällig, es weigerte sich, diese Wahrheit zu sehen, denn so viel wusste Shiek über Links Gefühle, seine Gedanken um Zelda… und nun wusste Zelda, was Shiek wusste. Sie kannte das Herz in jenem Körper und seine tiefen Sehnsüchte. Shiek kannte Links Murmeln und Rufen nach Zelda in jenen Nächten, in welchem er verwundet in einer kleinen Holzhütte die Nacht herumbrachte und nur Shiek da war. Sie kannte seine Wünsche… denn nicht Shiek, nein, die Prinzessin, für die er so viel aufgab, hatte seine schmerzenden Wunden versorgt, sein junges, verletztes Herz geheilt, als sein Schicksal und das Leid, welches so stark daran geknüpft waren, so sehr an ihm nagten… Zelda war immer da gewesen und hatte das wenige Licht eines zerstörten Hyrules für ihn hergegeben…

Zelda… Kronprinzessin von Hyrule stand nun in der Zitadelle, direkt hinter ihm und obwohl er sich mehr als alles andere gewünscht hatte, sie wieder zu sehen, zu erkennen, wie sich ihre Gestalt verändert hatte, so brachte er es in dieser Minute nicht fertig, sie nur einmal anzusehen.

„Verzeih’ mir bitte…“, sagte sie leise. Aber ihre so ehrlichen, aufrichtigen Worte versiegelten doch nur das, was sie wirklich sagen wollte. Verzeihen? Link war nun, in diesem so bedeutungsvollen Moment des überfälligen Wiedersehens, nicht in der Stimmung, nicht daran interessiert, diesem Wunsch zu folgen… Es gab so viel mehr, als ein einfaches Verzeihen, was er dachte, was er empfand. Die Gefühle und das Stückchen Hoffnung entsagten die Bedeutung eines einfachen Verzeihens. Er drehte sich langsam zu ihr um, konnte mit Worten nicht beschreiben, was er vor sich sah… diese Schönheit, dieses wunderschöne Gesicht. War das wirklich Zelda?

Ihre gottesgleiche Gestalt und das samtene, königliche Gewand, das zart ihren fast zerbrechlichen Körper umrahmte…

Ihr stiller Blick, die Angst, lähmende Einsamkeit und selbstbeschmutzenden Zweifel in ihren Augen erzählten so viel von jenen grausamen sieben Jahren, die sie hatte durchstehen müssen, weil ein niederträchtiger, dem Leben nicht würdiger Dämon ihr Land zerstörte… Sie blickte weg, scheute so verletzlich seinen Blick und nur die Wellen der Zeit hatten Macht darüber, ob sie diesen Blick ablegte. Fast unwirklich entkam ihr Name seinen Lippen, gesprochen von der Stimme eines Mannes, obwohl ein Kind ihren Namen sagen wollte.

„Zelda?“ Sie schloss die Augen und tat nichts weiter als zu nicken, während kristallene Tränen an ihren so bleichen Wangen hinab liefen. Es tat weh, man selbst zu sein, wenn man verfolgt wurde, wenn man nicht sein durfte, was man wirklich war. Und die Schmerzen jener grausamen Fesseln ihres Daseins erschufen eine durchsichtige Schutzmauer vor ihren Gefühlen und Sehnsüchten…

„Ich bin es…“, murmelte sie und wischte sich blasse Tränen aus den Augen, die doch nur zahlreicher wurden, als ihr wahres Gesicht an ihrer Unschuld rüttelte. Tränen über Tränen benetzen ihre Wangen und sich dafür schämend wand sie ihr ohnehin schwaches, wahres Gesicht den Steinen am alten Altar zu. Sie wollte reden und ihm erklären, was über die Zeitalter jenes Landes hinausging, wollte die Worte finden, die sich vor ihm versteckten, um ihn nicht noch mehr zu verletzen. Aber sie konnte nicht reden, ihr Hals war wie zugeschnürt und die Kälte rief nach ihr, auf dass sie sich vor sich selbst und der Empfindung für ihren Seelenverwandten davon stahl.

Und so sah Link das Mädchen aus seinen Erinnerungen immer mehr verblassen, es sei denn, er könnte sie festhalten, könnte zurückrufen, was in dieses junge, einst so glückliche Herz gehörte… Auch aus seinen tiefblauen Augen fiel eine warme Träne hinab, die er mit seiner linken Handinnenfläche auffing. Noch nie hatte er eine Träne vergossen, noch nie war ihm diese Empfindung vergönnt gewesen und er erkannte diese als etwas so kostbares, etwas, was nur Zelda galt…

Sie umarmte sich selbst ein wenig und ließ die Tränen ohne Gegenwehr hinab rollen. Der Schmerz, die Angst der letzten grausamen, in Blut getränkten Jahre kamen mit einem Mal zum Vorschein und riefen zurück, was die junge Prinzessin des hylianischen Reiches in so kurzer Zeit hatte lernen müssen. Sie musste lernen, wie erbarmungslos das Leben verlaufen konnte, wie einsam und entseelt man sich fühlen konnte, wenn man niemanden mehr hatte… und Zelda, ja, sie hatte niemanden mehr, auch wenn sie schon vor Ganons Machtübernahme viele einsame Stunden erleben musste. Auch sie war innerlich noch ein Kind, das aus den heilen Kindertagen heraus befördert wurde, ohne die Überbleibsel jenes Kindseins vergessen zu können. Es war ihr nicht vergönnt. Es war ihnen beiden nicht vergönnt.

„Ich…“, fing sie an. Doch ihre Worte wurden unterbrochen von zwei schützenden Armen, die sich fest um ihre Schultern legten.

„Still…“, murmelte Link leise hinter ihr, legte sein Kinn an ihren Hinterkopf und hielt sie einfach nur fest, solange, bis sich die angsterfüllte Prinzessin zu ihm umdrehte und endgültig in seiner Umarmung versank, suchte, was sie seit vielen Jahren nicht hatte haben dürfen- eine Schulter, an der sie ihr Leid anklagen konnte, eine Schulter, an der sie sich ausweinen konnte. Sie krallte sich leise weinend an seiner grünen Tunika fest, lehnte ihren Kopf an seine starke Brust und folgte dem beruhigenden und doch aufgeregten Schlag seines Herzens. Endlich hatte sie gefunden, was ihr sieben lange Jahre verwehrt geblieben war- endlich hatte sie Link gefunden…

„Ich habe dich so sehr vermisst…“, murmelte Link leise und drückte ihren zierlichen Körper ein wenig näher an seinen. Doch Zelda erwiderte nichts darauf. Wozu Worte, wenn sie doch nur störten. Sie blickte mit einem aussagekräftigen Lächeln seit langer, langer Zeit zu ihm auf und blickte in das tiefe Blau seiner Augen, nur um in seinem Gesicht ebenfalls ein Lächeln zusehen… Ein Lächeln Links und eines von Zelda, das selbst die Hürden der Zeit überwinden konnte, ein Lächeln an das sich Link auch dann erinnern würde, wenn seine Erinnerungen versiegelt wären und ihren Träger zu unüberwindbaren Mauern führen sollte. Ein Lächeln. Nur ein leises, empfindungsvolles, geheimes Lächeln seiner vergessenen Liebe…

 

Link wurde plötzlich aus seinen Träumereien gerissen und vergaß den Traum wieder, als Sara im Raum stand. „Link, ich gehe kurz fort, ja.“

„Weiß schon Bescheid, viel Spaß beim Eis essen“, meinte er, schaltete deprimiert den Gamecube aus und trat ans Fenster. 

Sara lugte halb hinter der Tür hervor. „Frag’ doch Zelda, ob sie nicht Lust hat mit zu kommen. Ich sehe dir doch an der Nasenspitze an, dass du gerne etwas Zeit mit ihr verbringen möchtest. Vielleicht reagiert sie anders, als du vermutest… und vielleicht lässt sie sich überzeugen.“

„Ich weiß nicht recht. Das geht nicht“, war Links trübsinnige Antwort. Er warf sich auf sein Bett und wand Sara seine entzückende Rückenansicht zu. 

Sara atmete einmal kräftig aus, schüttelte ihren verschlagenen Kopf, und ging dann aus dem Raum. ,Ich habe geschworen, dafür zu sorgen, dass ihr beide zusammenkommt und, mein liebes Brüderchen, ich halte meine Versprechen.‘ Sara kratzte sich an ihrem Kinn, wusste, sie würde schon noch irgendetwas anstellen um Link und Zelda zu ihrem Glück zu zwingen und kicherte in sich hinein…

Link lag wie ein Toter auf seinem Bett, blickte schwermütig in das märchenhafte Blau des Himmels und schloss langsam seine Augen. Ob es wohl doch existierte… Hyrule…

„Hyrule…“, murmelte Link mit seiner angenehmen Stimme. „Hyrule…“

Erst jetzt fiel ihm auf, was Zelda meinte, als sie sagte, das Wort klänge so schön. Und es klang wirklich einmalig, fast magisch, rufend und doch machtvoll. Ein Wort, das betäubte und erfüllte, wenn es auf der Zunge lag. Ein so wunderschöner Begriff, der die Stimmbänder in neue, wohlige Schwingungen versetzte. Link seufzte erneut: „Hyrule.“ Den Namen jenes Landes auszusprechen klang so traurig und stolz… Hyrule… Verlassenes Königreich…

Von einem auf den anderen Moment erwachte eine beißende Unruhe in Link. Er hielt die langweilige Situation nicht mehr aus, hüpfte aus dem Bett, trat gegen seinen Schreibtisch, verfluchte den Tag und besonders die Hitze. Mit einem Satz sprang er zur Tür, schlug diese genervt zu, hetzte die Treppenstufen hinab, verfehlte nur leider Gottes eine, flog auf seine Nase und rutschte die letzten Treppenstufen hinab. Er lag wie ein Toter am Ende der Treppe und murmelte: „Immer ich“, dennoch sprang er auf, ärgerte sich über seine soeben ergatterten Kreuzschmerzen und rannte aus dem Haus.

 

Wenige Minuten später stand er vor der Villa von Ines. Er klingelte. Niemand öffnete. Er klingelte noch einmal, wieder reagierte niemand. Dann klingelte er immer und immer wieder, bis eine Stimme aus dem Haus schallte: „Ich komm’ ja schon.“ Link erkannte die Stimme als diejenige von Zelda, bis sie schließlich die Tür öffnete. Link starrte sie von unten bis oben an. Sie trug eine kurze, schwarze Hose und ein weinrotes Top, und ihr Hals war noch immer durch einen Schal verdeckt.

„Link… Was… was willst du hier?“, stotterte sie. Sie scheute seinen Blick, konnte nicht glauben, dass er vor ihr stand, sie besuchen wollte. Hatte er immer noch nicht verstanden, dass sie ihn in Gefahr brachte?

,Was für eine wunderbare Begrüßung‘, dachte Link. „Zelda… hast du vielleicht… nun ja… Lust auf ein Eis“, sagte er, aber sah sie nicht an. Er wusste nicht wirklich, was ihn dazu brachte, sie nun doch zu fragen, obwohl er wusste, dass sie abweisend reagieren würde.

„Es geht mir nicht darum… über das zu reden, was passiert ist. Ich will dich auch nicht drängen, dass du mir irgendetwas erklärst, aber… ich dachte…“ Er verhaspelte sich und schloss nervös seine tiefblauen Augen. „Ich wollte nur… Zeit mit dir verbringen“, brachte er dann endlich hervor.

Sie sagte zuerst nichts und schien über seine soeben gesagten Worte nachzudenken. „Link… bitte… ich kann nicht“, war die kurze, schmerzlose Antwort.

Link hatte nichts anderes erwartet, aber ärgerte sich trotzdem darüber, dass er einen winzigen Hoffnungsschimmer hatte. Er traute sich nicht mehr sie anzusehen und drehte sich halb um. „Dann… dann gehe ich wohl besser…“ Er schloss seine Augen mit einem Seufzen. „Also… selbst nach der ganzen Geschichte…“ Und er deutete zu dem Schal, den sie trug um ihre Wunde zu verdecken. „Du willst dich immer noch von mir fernhalten… du willst nichts mehr mit mir zu tun haben?“ Man hörte die Traurigkeit an seiner Stimme.

„Das…“

„Warum? Zelda, sag’ mir bitte, warum? Ist das der Dank dafür, dass ich dich gefunden habe? Der Dank für alles?“

„Es tut mir leid“, sprach sie zittrig.

Aber der junge Held wusste, dass sie log. Er schüttelte den Kopf, grinste mitleiderregend. „Ja… mir auch…“

Link lief langsam die Einfahrt hinunter, als Zelda noch hauchte, wissend, der junge Mann würde sie nicht hören: „Wegen neulich… danke, mein… Held…“ Dann schloss Zelda die Tür und lehnte sich dagegen, mit einem Gesichtsausdruck, der zu viel verriet.

Ines hatte jedes einzelne Wort von einem Nebenzimmer mit angehört und schüttelte betrübt den Kopf… Besorgt über die Stille in dem Raum, öffnete die stolze Direktorin die Tür zu ihrem Arbeitszimmer und sah Zelda gelähmt auf dem Boden vor der Eingangstür sitzen. Ihren Kopf in ihren Armen verborgen, liefen zügellos Tränen ihre Wangen hinab. Nur ein Schluchzen aus ihrem Mund verriet sie, erzählte von dem bitteren Kampf mit der Erinnerung an schöne Augenblicke mit ihrem besten Freund Link. Impa kniete nieder und legte eine warme Hand auf Zeldas blonden Schopf, wollte sie trösten, wollte ihr Mut machen.

„Zelda…“, murmelte Impa. „Das geht so nicht weiter. Du machst dich kaputt damit!“

„Und was interessiert dich das!“, kreischte die Prinzessin. Ihre blauen Augen blitzten wütend auf.

„Es geht jeden von uns etwas an… wir müssen uns endlich um den dunklen Lord kümmern. Wer weiß, was er in der Kirche plant! Und Link muss eingeweiht werden!“

„Denkst du, das weiß ich nicht?“, zischte Zelda verzweifelt. „Ich denke die gesamte Zeit an nichts anderes…“ Beschämt über ihren Gefühlsausbruch schlug sie die warme Hand von Impa weg. „Aber das geht nicht so einfach, wie du dir das vorstellst, Impa. Link ist nicht mehr derselbe. Glaubst du allen ernstes er hat den Hauch einer Chance gegen den dunklen Lord!“ Tränen perlten sich über Zeldas bleichen Wangen. „Er würde Link mit einem Fingerschnippen foltern und zerfetzen… Ich kann das nicht zulassen, lieber gehe ich alleine zur Kirche, wo er haust und gebe ihm, was er verlangt…“

In all der Zeit konnte die Prinzessin das erste Mal Angst und Entsetzen in den blutroten Augen ihrer einstigen Zofe erkennen. Sie war fassungslos und schüttelte den Kopf. „Das wiederrum…“, murmelte sie leise. „Würden die Weisen, ich und Link ebenfalls nicht zulassen. Wenn du soweit gehst, Prinzessin, werde ich nicht mit der Wimper zucken, Link alles zu erklären.“

Das blonde Mädchen erhob sich traurig und schluchzte um die letzten Tränen in den Griff zu bekommen. „Er sucht doch nur nach mir, Impa…“

„Ja, vielleicht tat er das… Nur ist dies nicht mehr ganz richtig… wir können annehmen, dass die Dämonenkriegerin von neulich ihm ausgerichtet hat, dass du den Angriff nicht überlebt hast. Der dunkle Lord könnte denken, dass du nicht mehr lebst.“

Zelda nickte einsichtig, ja auch mit dem Gedanken hatte sie gespielt. 

„Das bedeutet auch, dass du versuchen musst unauffällig zu bleiben.“

„Ich weiß… und deshalb werde ich Link weiterhin aus dem Weg gehen.“

Impa seufzte ernüchternd. „Weil du glaubst, dass du ihn damit beschützen kannst? Das ist dummes Geschwätz, Zelda, das weißt du besser als ich.“

Mit einem bissigen Blick sah Zelda auf.

„Ich weiß einiges, was damals war, auch zwischen dir und dem Helden. Jeder hat es gesehen und du glaubst immer noch, dass du deine Gefühle verheimlichen kannst. Es mag sein, dass du verletzt wurdest, Zelda. Es mag sein, dass auch dein Vater damals viele Fehler gemacht hat, aber“ - „Hör‘ auf über meinen Vater zu reden. Das geht dich, bei Din, nun wahrlich nichts an!“, zickte die Königstochter und war zugleich bleich im Gesicht. „Niemand belehrt mich über die Vergangenheit, weder du noch mein Vater!“ Damit rannte die Prinzessin panisch und verärgert hinauf in ihre Zimmer, verriegelte die Tür und bestrafte sich einmal mehr mit quälender Einsamkeit…

 

Die Schüler, längst nicht alle, versammelten sich am Haupteingang. Manche hatten keine Lust, andere hatten es einfach in den Wind geschlagen. Auch Link nahm an der Nachtwanderung teil und war überrascht darüber, wen er hier vorfand. Neben den wenigen Schülern hielten sich Naranda Leader, Dar Gordon und Richard Raunhold hier auf. Was wollten denn Naranda und Dar hier? Ihm war klar, dass Naranda irgendeine Beziehung zu der Direktorin hatte. Und die Lady mit den feuerroten Haaren verbarg genauso ungelöste Rätsel wie Ines und Zelda… Aber was hatte diese Dame auf einer Nachtwanderung zu suchen?

Link war zu neugierig und fragte Ines bezüglich dieser Sache. Er lief langsam hinüber zu der stolzen Direktorin, die irgendetwas mit Zelda diskutierte. Und das blonde Mädchen mit dem hübschen Gesicht schien wegen irgendetwas verärgert zu sein. Sie hielt Ines ihren Zeigefinder unter die Nase und fauchte gekränkt zischende Worte, die Link nur ansatzweise verstanden hatte. Und sie war wütend, denn ihre sonst so kühle Stimme nahm ungemeine Lautstärke an. Link schlich näher und hörte kurz seinen Namen aus dem Gespräch. Hatte Ines sich ihren Mund verbrannt, weil sie doch mit Link einige Dinge diskutiert hatte. Und hatte die stolze Direktorin ihm etwa Dinge anvertraut, die er nicht wissen sollte? Das musste einmal mehr Zeldas Problem sein… und ihm war klar, dass selbst Ines es nicht geschafft hatte die blonde Schönheit zu überzeugen.

Der junge Oberstufenschüler trat näher und als Zelda ihn bemerkte, senkte sie ihr Haupt und lief ein wenig abseits von der Menge in die Nähe einer Bank. Kopfhängerisch und mit einem äußerst traurigen Blick ließ sie sich darauf nieder. Sie tat so, als hörte sie einen Mp3-Player, aber Link ahnte, dass sie sich nicht einmal auf die Musik konzentrieren konnte. Sein Blick blieb auf ihr haften, bis sie dies bemerkte. Sofort stolperte sie auf ihre Beine und lief ein paar Schritte.

„Glaubt sie denn immer noch, dass sie mich damit beschützen kann… Warum tut sie das nur?“, murmelte Link leise und wünschte sich im Moment nichts sehnlicher, als sie zu trösten.

„Ich habe es dir gesagt, Link. Sie gibt sich an sehr vielen Dingen die Schuld. Auch an deinem Krankenhausaufenthalt“, entgegnete Ines und schien dann sehr beschäftigt die restlichen Vorbereitungen für die Nachtwanderung zu treffen.

„Ach… Zelda.“ Warum war sie so verbittert geworden? Was war da in ihrer Vergangenheit, das sie zwang sich in letzter Instanz vor ihren eigenen Wünschen und Sehnsüchten zu verstecken? „Und was machen eigentlich Dar und Naranda hier?“, fragte Link neugierig.

„Nun ja, sie sind gute Bekannte von mir und hatten einfach Lust und Zeit mitzukommen.“

„Ach wirklich?“, raunte Link und funkelte Ines hinterhältig an. Er wusste, dass mehr dahinter steckte. Dar Gordon und Naranda Leader schienen irgendetwas mit der Direktorin zu tun zu haben, es wirkte beinahe so, als verheimlichten sie etwas. „Bei all den Dingen in der letzten Zeit bezweifle ich, dass dies der einzige Grund ist. Ines, glaubst du denn wirklich, ich ahne nicht, dass ihr etwas vor mir verheimlicht?“ Link schüttelte entnervt den Kopf.

„Link“, sprach die Rotäugige dann. „Es stimmt… das verleugne ich nicht. Es gibt einige Fügungen, die ich dir nicht mitteilen kann, weil ich nicht zu vorschnell handeln will. Aber du kannst mir glauben, dass es im Augenblick wohl nicht anders geht. Du wirst es bald verstehen…“

Der junge Mann seufzte, aber gab sich einmal mehr damit zufrieden.

 

Gerade in diesem Augenblick bemerkte Link eine weitere Gestalt, die sich in der Nähe von Naranda aufhielt und mit ihr plauderte. Sie fasste Link in ihr Gesichtsfeld und sah ihm interessiert in die sturmblauen Augen. Irgendwo hatte der Schüler diese hochgewachsene, und sportliche Dame doch schon einmal gesehen… aber er konnte sich gerade keinen Reim daraus machen. Sie hatte einen blauen Schimmer in den dunklen zu einem Pferdeschwanz verbundenen Haaren und trug ein hellblaues, sicherlich teures Sommerkleid. Eine lange Kette aus Brillanten hing an ihrem Hals und wirkte übertrieben groß und unecht.

Link fiel es in dem Moment wie Schuppen von den Augen. Das war doch eine Schülerin von Ines: Rutara von Wasserstein. Sie war adliger Herkunft und machte eine Karriere als Eiskunstläuferin. Wasser schien geradeso ihr Element zu sein. Denn bei den Schwimmmeisterschaften der Schule hatte sie stets den ersten Platz gemacht. Sie hielt dem durchdringenden Blick Links stand und ging in langsamen Schritten auf ihn zu. Erst mit einem ernsten Ausdruck auf dem geschminktem Gesicht, dann mit einem ungewöhnlichen Lächeln.

„Guten Tag, du hast also Zelda gefunden, aha. Sehr interessant, wirklich sehr interessant.“ Sie reichte ihm eine kühle, leicht feuchte Hand, wovor Link am liebsten geflüchtet wäre. „Ich hoffe, wir können uns im Laufe des Abends noch ein wenig unterhalten. Aber nur ein bisschen. Also, dann.“ Link nahm die kalte Hand und schüttelte diese kräftig, versuchte es weiterhin mit einem selbstgefälligen Grinsen. Dann verschwand sie wieder… nicht unbedingt zu Links Unbehagen. Er hatte keine Lust aufs Flirten… nicht in der jetzigen Situation…

Nach wenigen Minuten machten sich die Schüler auf den Weg in die Wälder. Rick und Maron, die jetzt zusammen waren, liefen Hand in Hand an Link vorbei, der die gesamte Zeit seinen Grübeleien nachhing und schwieg. Rick warf Link einen überglücklichen Blick zu, einen Blick, der Bände sprach. ,Freut mich für dich, Rick, endlich hast du, was du wolltest‘, dachte Link. Ein Beobachter konnte die stumme Ungewissheit in seinen tiefblauen Augen sehen, denn Link würde vielleicht niemals das haben können, was er wollte. Und er suchte nach nichts anderem als der Wahrheit, die man vor ihm versteckte.

Link verlangte keine Antworten, nicht, wenn sie aus dem falschen Munde stammten und dennoch es beschäftigte ihn. Alles. Restlos alles. Die letzten Wochen waren nicht das, was man normal nennen konnte. Die Begegnung mit Zeldas einzigartigem Wesen, die Verletzung, während er ein Spiel spielte, Marons Besessenheit, der unheimliche Priester auf dem Friedhof, Zeldas Nahtod und zu guter Letzt der grausame Schatten, der in der Kirche seine dunklen Pläne schmiedete. Und in jedes Ereignis war Link verwickelt. Sein Schicksal war es, mittendrin in dem näherkommenden Sturm zu bestehen oder unterzugehen…

 

Die Schüler und einige Lehrer erreichten ihren Zielplatz: eine riesengroße Wiese, mit vielen Sitzgelegenheiten und einem großen Platz für ein Lagerfeuer. Die Schüler verstreuten sich auf dem riesigen Platz. Einige Schüler suchten währenddessen Äste für das Feuer zusammen. Manche breiteten Decken aus und pflanzten sich auf die grüne Wiese im Schein der Abendsonne. Rick präsentierte seinem Cousin Link stolz sein neues Radio, welches er mit Batterien gefüttert hatte und sofort auf volle Lautstärke stellte… die Musik zerstörte die Ruhe der Wälder, aber dies schien niemandem außer Link etwas auszumachen. Er seufzte und entschied sich ebenfalls nach ein paar Zweigen und Ästen zu suchen.

Als die Sonne am Horizont versank, märchenhaft, den Wald in warme Farben tauchend, tapste der junge Held vorwärts, aß ein paar Waldhimbeeren und suchte nach etwas Brennbarem. Ein leichtes Lächeln glitt ihm über das Gesicht bei dem Gedanken daran, wie wohl er sich in den Wäldern fühlte. Und es war ein erschreckender Gedanke, dass er oft den Eindruck hatte, irgendwann einmal hier gelebt zu haben. Er kletterte an einem hohen Tannenbaum hinauf, ließ sich gedankenverloren darauf nieder und schloss die Augen. Er pfiff ein bekanntes Lied, das Lied, das Zelda ihm beigebracht hatte, als noch einigermaßen alles okay war. Andererseits… schon als er sie damals in den Wäldern fand und sie bei ihm gewohnt hatte, war nichts okay… Sie war oft genug traurig gewesen, selbst ohne ihre Erinnerungen. Aber hatte er sie nicht zumindest einige Male zum Lachen bringen können? Selbst, als sie in diesen gefährlichen Situationen feststeckten, selbst da… hatte er es geschafft ihr Mut zu machen. War das nicht Grund genug, dass sie ihr Versteckspiel endlich beendete?

Er öffnete seine tiefblauen Augen, hüpfte vom Baum und nahm die Äste und Zweige auf seine Arme, die er zusammengesucht hatte. Er lief einige Meter, als er aus der Dunkelheit neben den Geräuschen von Ricks Radio und dem Gelächter der Jugendlichen noch etwas anderes hörte. Bekannte Stimmen, die lautstark diskutierten, drangen an seine Ohren. Vorsichtig und bemüht keine Geräusche zu produzieren trat Link vorwärts und fand den Ursprung des Geräuschs in einer heftigen Auseinandersetzung von Zelda, Sara und Maron.

Sachte versteckte er sich hinter einigen Sträuchern und lauschte dem Streitgespräch. Es ging teilweise um ihn; und Sara und Maron schienen sehr verärgert zu sein.

„Du hast keine Ahnung, was du Link seit einigen Wochen zumutest“, meinte Maron sauer. „Rick hat mir einiges erzählt… und ich finde es eine Frechheit von dir, wie du mit seinen Gefühlen umgehst. Er hat schließlich alles getan, damit es dir bei den Braverys gut ging. Ich meine, ich will bestimmt nicht unverschämt sein und mich einmischen, aber ich kann das nicht gut heißen, Link ist einer meiner besten Freunde und er ist der beste Mensch weit und breit.“

Zelda stand an einen Baum gedrängt vor den beiden Jugendlichen und hörte sich die Vorwürfe an. Sie ließ ihr Haupt erneut hängen.

„Zelda… auch ich will dir keine Vorwürfe machen, aber ich ertrage das langsam nicht mehr. Du hast keine Vorstellung davon, wie es ihn fertig macht… Er ist mein Bruder und ich sehe nicht länger mit an, wie ihr euch beide mit diesem Theater ruiniert.“

Link war schlichtweg baff, dass sich Sara und Maron dermaßen ins Zeug legten, nur um Zelda dazu zubringen mit ihm zu reden. Und er war etwas besorgt, dass sie Zelda damit überforderten… denn die beiden wussten schließlich nicht alles…

„Ich habe euch beiden nichts zu sagen“, sprach die blonde Lady stur.

„Ja, uns beiden vielleicht nicht, aber Link“, murmelte Sara leiser. „Glaubst du wirklich, du tust ihm damit einen Gefallen?“

„Ja, das tue ich“, entgegnete die Schöne. „Ihr habt überhaupt keine Ahnung!“ Energisch breitete Zelda ihre Arme auseinander und brüllte so laut wie sie mit ihrer teilweise belegten Kehle konnte. „Gerade weil er ein wundervoller Mensch ist, ist es besser, er sucht sich Freunde, die ihn für das wertschätzen können, was er ist… solche Freunde wie euch…“ Sie hustete etwas und lehnte sich gegen den Stamm der Kiefer.

Maron seufzte nur und konnte diese Sturheit nicht verstehen. „Ich gebe auf… Rick hatte recht, er hat gemeint, dass du stur bist und es nicht verstehen willst.“ Kopfschüttelnd hastete Maron wieder zu den anderen Leuten.

Sara warf der blonden Lady ebenfalls nur einen enttäuschten Blick zu. „Auch ich scheine dich nicht überzeugen zu können, aber ich will dir zumindest noch eine Sache sagen. Ich weiß es“, sagte sie belehrend. „Ich weiß, warum du dich so verhältst, Prinzessin. Du kommst einfach nicht raus aus deinen emotionalen Problemen, schon damals nicht. Dabei wäre es so einfach für dich und Link, wenn du ihn nur mal an dich ranlassen würdest. Er ist wie geschaffen für dich. Und außerdem passt ihr einfach gut zusammen.“

Daraufhin hielt sich Zelda kindisch die Ohren zu. „Hör‘ auf damit, Sara. Ich kann das nicht hören.“

„Nein, du willst es nicht hören. Das ist das ganze Problem… Wir werden sehen, Zelda. Ich schwöre dir, Link lässt nicht locker und irgendwann bringt er dich dazu, dass du dich ihm öffnest. Vergiss‘ nicht, wie tapfer und entschlossen seine Seele ist. Und ich werde dafür sorgen, dass ihr euch aussprecht, egal wie.“ Damit trat auch Sara murrend und unzufrieden außer Reichweite und Link stand perplex und so rot im Gesicht, dass es in der Dunkelheit leuchtete, hinter den Sträuchern. Er trat nur einen Schritt zurück, unbeholfen und peinlich aufgeregt, sodass seine Turnschuhe unabsichtlich ein Knacken verursachten, dass die Prinzessin des hylianischen Reiches gehört hatte.

Sie blickte angestrengt durch die Dunkelheit, wurde leicht panisch und blickte angestrengt in seine Richtung. Sie sah so durcheinander aus nachdem sie von den beiden Mädchen bedrängt wurde. „Wer ist da!“, rief sie. „Gib dich zu erkennen!“

In dem Moment tapste Link mit geschlossenen Augen aus seinem Versteck heraus, blickte sie enttäuscht an, so wie immer in den letzten Wochen. „In der Dunkelheit war nur ich… ich habe Äste gesucht… für das Feuer…“, sagte er zögerlich. „Es ist kein Feind in der Nähe… schätze ich…“ Außerdem war er ja hier, und nun, da er mit einem Schwert kämpfen konnte, wäre er auch in der Lage andere zu beschützen.

Sie nickte schwach und zog die Nase hoch. „Du hast alles mit angehört, nicht wahr?“, wollte sie wissen.

„Na sowas, du stellst mir sogar noch einmal eine Frage, nachdem ich dich immer wieder mit Fragen bombardiert habe und du auf nichts reagiert hast. Und jetzt auf einmal willst du mit mir reden?“

Sie ballte die Fäuste und schluchzte. „Nein, ich denke immer noch, dass es besser so ist wie im Augenblick“, erklärte sie. „Egal, was Sara, Maron oder Rick davon halten. Es ist besser für dich und das Leben, dass du hast, wenn du dich von mir fernhältst.“

In dem Augenblick ließ Link die Äste und Zweige auf seinen Armen fallen, trat mit großzügigen Schritten näher und presste sie gegen den Baumstamm, er bedrängte sie noch mehr als die Mädchen vorher: „Zelda… bitte, ich kann das nicht mehr… Erklär‘ es mir endlich.“ Er packte sie an beiden Oberarmen, hielt sie fest, aber zugleich zärtlich. Die schwachen Lichter einiger Taschenlampen und des entfachten Lagerfeuers fielen auf die beiden Jugendlichen, besonders auf das bekümmerte Gesicht der Prinzessin. „Ich weiß, dass du ein wunderbarer Mensch bist… selbst mit diesen miesen Streitereien und deiner Abweisung… ich weiß, dass du das alles tust um mich zu beschützen. Aber sag‘ mir doch bitte wovor…“

Sie verkniff sich die Tränen, schloss die Augen und schüttelte den Kopf. „Du würdest es nicht verstehen“, meinte sie träge.

„Und das, was hier passiert, soll ich das verstehen? Ich habe unsere gemeinsame Woche nicht vergessen… Ich habe nicht vergessen, wie gut es tat, dass du da warst. Und ich habe nicht vergessen, wie nah wir uns waren…“, säuselte seine Stimme in der Nacht. Und weil seine Worte vielleicht zu weit gingen, ließ er von ihr ab, spürte eine ungewohnte Nervosität aufsteigen und fragte sich nur noch, warum sein Puls so raste…

„Ich hätte dich beschützt bis zum Ende…“, sprach er bedauernd, als ob er das Ende der Freundschaft zu ihr doch allmählich akzeptierte.

„Ich dich auch…“, erwiderte sie schluchzend und hetzte an ihm vorbei in Richtung der anderen, dort, wo das Lagerfeuer in den Himmel schlug…

 

Und erneut kochte in ihm dieses verdammte Gefühl hoch, dass er in seinem Leben bisher selten erfahren hatte. Warum nur setzte es ihm so zu, dass Zelda und er sich zerstritten? Er lehnte sich mit der Stirn an den Baumstamm, schlug mit der Faust mehrmals dagegen und verstand sein eigenes Gehirn nicht mehr. Konnte er es nicht endlich akzeptieren? Zelda hatte ihre Gründe… und sie tat es um ihn zu schützen… warum tat es dann so weh, dass sie sich so abweisend verhielt?

Plötzlich hörte er ein leises Knistern hinter sich, wirbelte herum und sah im fahlen Licht Rutara von Wasserstein vor sich stehen. „Hey“, meinte sie. „Ist alles in Ordnung? Ich habe gerade Zelda panisch weglaufen sehen.“

Irritiert sendete Link der Dame einen skeptischen Blick. Wusste Rutara etwa auch von Zeldas Problemen? „Ich wüsste nicht, was es dich angeht…“, erwiderte er.

Darauf kicherte sie lediglich, trat näher und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Nun ja“, hauchte sie mit einer umschmeichelnden Stimme. „Du wirst sie nicht verletzt haben, was? Ich bin nur verwundert, dass es zwischen euch beiden kriselt. Ines erzählte mir, dass du Zelda gefunden hast und dass ihr euch sehr nahesteht.“ 

„Das war einmal“, verblabberte sich Link und trat abtuend weiter.

„Oh, und ich dachte schon, Zelda hätte dir alles erzählt“, sprach sie dann. Sie wusste ohnehin, wie sie die Aufmerksamkeit des Helden gewinnen konnte.

Mit offenem Mund drehte er sich wieder zu ihr und fixierte sie mit einem messerscharfen Blick. „Das bedeutet, du weißt mehr darüber?“

Sie nickte hinterhältig, spielte mit ihrem Pferdeschwanz und lachte. „Na, sag’ schon, was willst du wissen? Ich respektiere Zeldas Wunsch nicht dir wichtige Informationen zu verheimlichen.“

Link reagierte ein wenig verwundert. „Was soll das heißen, wichtige Informationen?“

„Nun, die Informationen, die sich auf die Angriffe beziehen, auf Zeldas plötzliches Erscheinen in Schicksalshort, auf das Ungetüm in der Kirche und so weiter. Und da du absolut nichts weißt, also tatsächlich überhaupt nichts, weil Zelda sich aufführt wie ein dummes, depressives Häufchen Elend… “

Dann unterbrach Link die Dame scharf: „Rede nicht so über sie! Du weißt nicht, was sie scheinbar durchmacht.“

Und nun war die ehemalige Schülerin von Ines irritiert. Er verteidigte sie immer noch, obwohl sie sich so furchtbar ihm gegenüber verhielt?

„Was immer es ist, es gibt sicherlich einen Grund, dass ich es nicht weiß…“, sprach Link sachlich. Rutara verzog ihr Gesicht. „Und Zelda geht es nicht gut, sie hat ihre Gründe. Ich glaube nicht mehr, dass sie mich irgendwie verabscheut…“, setzte er hinzu.

Rutara lief hinter Link in Richtung des Lagerfeuers, blickte leicht entgeistert zu Zelda, die sich gerade von ihrem Rucksack mit Waffeln bediente und sich auf einen Baumstumpf setzte, um den Flammen des Lagerfeuers zuzusehen. „Das ist wahr… sie verabscheut deine Nähe nicht… Es ist nur nicht leicht für sie, hier in dieser Welt zu sein“, sagte Rutara schwach. In dem Moment wand sich Link wieder zu ihr und fand Rutaras Anwesenheit nun keinesfalls mehr nervend. Auch sie verheimlichte etwas… und schien sehr verwundbar zu sein.

„Zelda ist nicht hier zuhause, denn ihr Herz hängt noch in der alten Heimat… niemand könnte ihr das nachempfinden.“, meinte sie leise.

„In ihrer alten Heimat?“, fragte Link und sah in die hellen, fast grünlichen Augen der nur zwei Jahre älteren Rutara von Wasserstein. „Wo ist das?“, sprach Link.

„Weit weg, dort, wo niemand mehr leben könnte, wo die Zeit still steht und Schreckliches geschehen ist…“ Link sah stumm zu, wie Rutara mit einem Satz wieder verschwand. Diese traurigen, melancholischen Worte. Konnte es sein, dass jene Person selbst, eine andere Welt vermisste? Link begriff den Sinn dieser Worte nur schwerfällig. Wie sollte er auch, denn den einfachsten Gedanken, den es gab, den einfachsten Hinweis sah er nicht, oder wollte ihn nicht sehen…

Plötzlich musste Link anfangen zu lachen. Er sah auf die Wiese, wo sich einige Schüler versammelt hatten und zu einem neuen coolen Song des Radios tanzten. Inmitten der Masse drehte Dar Gordon einige heiße Rhythmen. Er überschlug sich fast, als er sich wie ein Irrer drehte. Seine schweren Füße wollten wohl nicht das, was sein restlicher Körper wollte. Link hielt sich vor Lachen den Bauch fest. „Vielleicht ein leidenschaftlicher Tänzer, aber ein begnadeter auf keinem Fall“, sagte er laut vor sich hin. Auch die Menge tobte und lachte…

 

Alle versammelten sich wenig später um das große Feuer. Einige hielten Marschmelos hinein, andere spannten Brotstücke auf Stöcke und andere wiederum schauten sich einfach nur die Flammen an, die nach oben schlugen. Link saß auf einem großen, umgefallenen Baum und starrte nostalgisch in das Feuer. Eines der ältesten Dinge auf der Welt. Und… das Feuer würde man wohl niemals in Frage stellen, die Vergangenheit schon. Und je höher die Flammen schlugen, umso weiter entfernte sich die Realität für Link. Er lebte und war sich nicht mehr sicher, ob er vielleicht nur halluzinierte. Die Angriffe von dämonischen Kreaturen, die Wunden, der Kampf mit dem Schwert- wie konnten diese Dinge Wirklichkeit sein?

Dann schaute er wieder in das Feuer und beobachtete dessen hungrige Flammen, die den Eindruck erweckten etwas in sich hineinziehen zu wollen- als ob es eine Falle für verlorene Seelen wäre. Link erschienen die Flammen immer unnatürlicher, als würden sie von einer fernen Macht gesteuert. Er konnte nicht anders und stand auf, um einige Schritte auf jene zu zulaufen. Wie in Trance ließ sich der junge Held an die Flammen heranziehen, ließ sich hypnotisieren… Als er dem Feuer so nah war, dass kleine Funken in sein Gesicht sprühten, dass Schweißperlen in seinem Gesicht schimmerten und es für ihn gefährlich wurde, bemerkte auch Zelda, die weit abseits war, dass etwas nicht stimmte.

„Link, was ist?“, sagte sie, entgegen ihres Willens, da sie sich geschworen hatte, sich nicht mehr in sein Leben einzumischen. Und der Schmerz deswegen, so wusste sie, würde mit der Zeit vergehen. Die Schuldgefühle würden vergehen…

Und nun handelte Zelda entgegen ihres Schwures, Sorgen umspannten ihre alte Seele, Böses suchte sie heim und ihr Magen krampfte sich schlagartig zusammen.

Link war den Flammen so nah, dass es auch andere Beobachter schockierte. Angespannt schaute der Schüler in sie hinein, spürte etwas in dem Meer aus Feuer warten, pulsieren und wüten… Höher und höher schlugen die Gebilde des Feuers, rot löste sich zu gefahrvollem Gelb. Formen bildeten sich in dem Feuermeer, Figuren und andere Gebilde, die immer bessere Konturen besaßen, Gestalten des Leides und Kampfes, die aus dem Feuer zu fliehen begehrten. Und schließlich beruhigten sich die Gebilde, die ihre quälenden Entsetzensschreie in das Feuer schickten, um ihre Peiniger zu rufen. Und die Unschuld einer einsamen Feuerquelle wurde zerstört von Schatten, die sich einnisteten, wo Licht ewig vorherrschen sollte. Dunkle, violette Flecken in dem sonst so Wärme erfüllendem Rot. Schändliche Flecken, die mehr und mehr zu sehen begannen. Ein widerliches Augenpaar starrte ihn machthungrig an.

Link stolperte nach hinten und rief den Schülern zu, sie sollten sich sofort von den Flammen entfernen. Link brüllte noch einmal laut, es drohte Gefahr. Etwas kam näher… und wurde doch nicht gehört. Er hatte seinen Satz kaum ausgesprochen, als er von einer gewaltigen Stichflamme getroffen und nach hinten geschleudert wurde. Sein markerschütternder Schrei hallte durch die Luft, ließ noch mehr Anwesende aufschrecken.

Benommen lag er auf seinem Rücken, schüttelte er den Kopf, richtete sich etwas auf. Die Flammen schlugen immer höher und umzingelten ihn. Im Hintergrund schrien die Anwesenden endlich verzweifelt auf. Schüler rannten wild durcheinander. Link konnte Zelda noch sehen, die sich gerade von Ines losriss. Mit einem flehenden Ausdruck in dem wunderschönen Gesicht stürzte seine Seelenverwandte auf ihn zu.

Er fauchte so laut er konnte: „Bleib’ dort, wo du bist. Lauf weg, Zelda.“ Link sah kurz ihr Antlitz als würde die Zeit stehen bleiben. Ihr vertrautes Gesicht war angespannt und voller Sorge. Ihre Schönheit war das letzte, was er sah, bevor er von einem Ring aus Feuer eingeschlossen wurde.

Fassungslos orientierte sich der junge Heroe, als die Hitze unerträglich wurde. Was jetzt? Seine Dolche würden hier nichts nützen. Das war’s wohl. Link wusste nicht, wie er sich hier herauswinden sollte. Der Feuerring wurde lebendig, tanzte um ihn herum, um den Ring kleiner werden zu lassen, um sich zu schließen. Eine kalte Stimme sprach zu ihm, er kannte dieses selbstherrliche, komische Gelächter nicht, es war eine neue Stimme, die zu ihm sprach. Ein Zischen, ein widerliches, abstoßendes Gemurmel in einer anderen Sprache. Es klang wie eine Art Fluch, die das Zischen befehligte, geführt von Zorn und Hass.

„Stirb’“, war das einzige, was Link verstand. Er spürte die Hitze auf seiner Haut, den Rauch in seinen Lungen, der entsetzlich brannte.

Dann stürzte sich jemand durch die Flammen. Link sah, wie eine Gestalt mit langem blondem Haar, umhüllt mit einer Decke auf ihn zu stürzte. Er war außer Sinnen, als er verstand. Es war Zelda, die sich durch die Flammen wagte um ihm beizustehen. Sie war einfach unglaublich. Link hätte niemals gedacht, dass so viel Mut in ihr steckte. Zelda zwang sich zu einem kurzen Lächeln, auch wenn ihr das Feuer mehr auszumachen schien als Link. Sie reichte ihm ihre zitternde, in Angst gebadete Hand und zog Link schnell unter die dunkle, dicke Decke. Gemeinsam stürzten sie aus dem Ring aus Feuer, auch wenn es fürchterlich auf der Haut im Gesicht brannte, auch wenn es unheimlich an den Kräften zehrte.

Der Feuerring löste sich auf, als beide ihm entkommen konnten. Geistesgegenwärtig riss Link Zelda zu Boden, legte sich schützend über sie und spürte, wie die Flammen mit einem letzten bösen Willen über seinem Rücken hinweg rasten. Link blieb erschöpft liegen und versuchte zu atmen. Zelda hatte nichts abbekommen, es ging ihr gut. Sie lag mit dem Gesicht auf dem Boden und versuchte sich umzudrehen.

Eine starke Hand hievte den hechelnden Link auf die wackelnden Beine. Ines sah ihn geschockt an. Link kniff ein Auge zusammen und spürte erst jetzt, dass sein Rücken mehr abbekommen hatte, als er dachte. Sein dunkelgrünes T-Shirt war am Rücken fast vollständig abgebrannt und Wunden zierten seine Haut. Das Atmen fiel ihm irgendwie immer schwerer.

„Hoffentlich hast du keine Rauchvergiftung“, sagte Ines, dann wurde es schwarz vor Links Augen… Das übernatürliche Feuer jedoch war gänzlich verschwunden und hinterließ keine Brandspuren auf dem Waldboden…

 

Als der junge Held zu sich kam, lag er auf dem Bauch in dem weichen, gemütlichen Bett in Zeldas Zimmer. Er seufzte, drückte sein ansehnliches Heldengesicht gegen das Kissen und genoss noch im Halbschlaf das Faulenzen im Bett. Erst als er blinzelte, begriff er, dass es nicht sein Bett, und erst recht nicht seine Kissen waren, die ihm gerade so angenehm erschienen. ,Oh Mann, wie bin ich denn hier gelandet‘, dachte er und wusste, dass es Zeldas Zimmer war. Die Sonne schien und Link, noch ganz benommen, blinkerte in Richtung Fenster, beobachtete die weißen Strahlen des Lichts, die fast beruhigend in den Raum drangen. Er hatte wunderbar geschlafen, eine Nacht ohne Alpträume… und das nach dem Ereignis von gestern. Seine Beine, umhüllt von der blassen Jeans, die er trug, baumelten aus dem Bett. Er schloss sinnierend die Augen, erinnerte den Geruch in dem Zimmer. Überall im Raum duftete es nach Blumen, besonders nach Rosen, nach dem Duft, der Zelda immer umhüllte… Er sah um sich und konnte eine gläserne Vase mit einigen weißen Rosen auf dem Schreibtisch stehen sehen. Eine elegante, leicht schimmernde Blume, langstielig, fast herzförmige Anordnung der schneeweißen Blütenblätter.

Erst als Link aufstand, und diese eigenwillige Rose weiter bewundern wollte, bemerkte er, dass er gar kein T-Shirt trug. Ja richtig, das Feuer… seine Erinnerungen an gestern wurden deutlicher, besonders in dem Augenblick, als er sich vorsichtig über die Brandwunden am Rücken strich. Link seufzte, verdrängte den Gedanken an die infernalischen Augen im Feuer mit dem Gedanken an ein gesegnetes Frühstück und hoffte, er müsste sich nicht schon wieder mit Zelda auseinandersetzen… Er war schließlich hier in der Villa. Er hatte sogar in Zeldas Bett geschlafen…

,Aber immerhin hatte er sich nicht in ihr Bett verlaufen‘, dachte er albern. Irgendjemand musste seinen Aufenthalt hier gewollt haben…

Auf dem Nachttisch lag ein blassblaues T-Shirt aus einem weichen Material, das er nicht kannte. Vermutlich hatten es Zelda oder Ines ihm zu Recht gelegt. Link zog es mit einem Lächeln an. Es fühlte sich an wie reinste Seide und es war angenehm auf den Brandwunden, beinahe heilsam… 

Plötzlich hörte er zögerliche Schritte, die von dem Gang außerhalb stammten. Klopfgeräusche erzählten von dem Wunsch zu ihm zu gelangen, Klopfgeräusche produziert von sanften, kühlen Händen. „Link… bist du wach…“, murmelte es leise außerhalb. Es war Zelda, die sehr scheu klang.

Noch immer benommen, dass er in Zeldas Bett geschlafen hatte, wusste Link zunächst nicht zu antworten. Verlegen sprach er: „Jaja… doch… ja, ich bin wach…“ Er war vielleicht noch verlegener als sein Gastgeber…

Dann trat Zelda vorsichtig ein. Sie versuchte ihre lila Augenringel zu kaschieren, versuchte einmal mehr stark zu sein und sah aber unheimlich erschöpft aus. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn und ihr goldenes Haar, in einem einfachen Zopf über ihrer Schulter liegend, war ungekämmt. Sie hatte ein Tablett auf ihren zitternden Armen, mit selbstgebackenen Waffeln, herzhaftem Frühstücksspeck und seinem Lieblingsgetränk Milch. Sie stellte das Tablett vorsichtig auf ihren Schreibtisch, wirkte noch nervöser und unpässlich. Sie umarmte sich dann, umgriff ihre schmale Taille, die von einem weißen Top umschmeichelt wurde. 

,War das ein Versöhnungsversuch?‘, dachte der junge Held. Oder womit hatte er diese Aufmerksamkeit von ihr verdient? Und warum schickte sie ihn nicht sofort weg?

„Guten Morgen… Wie… wie geht es dir“, fragte sie leise, auch wenn sie sich nicht zu ihm umdrehen konnte, aus Angst, er würde in ihren Augen lesen, was sie wirklich dachte.

„Ging mir nie besser“, sprach er.

Zelda lächelte leicht, ließ sich kurz auf den Rand des Bettes sinken, aber hüpfte dann wieder auf ihre langen Beine. Sie war barfuß… und überhaupt war alles an ihr anziehend, vor allem diese knappe Jeanshose. „Das ist gut…“, stotterte sie.

Link beobachtete ihr Verhalten mit einem Seufzen. „Ja… gut…“, meinte er leise. „Es geht mir gut…“

„Das ist schön zuhören…“, meinte sie.

„Ja, sehr schön…“, entgegnete er frustriert. Er wusste nicht wirklich, wie er noch mit ihr reden sollte nach den vielen belastenden Diskussionen.

„Du hast zum Glück keine Rauchvergiftung“, murmelte sie dann.

Er nickte schwach, überlegte kurz, ob er noch länger bleiben sollte. Es war angenehm, dass Zelda sich bemühte, aber es ging ihm dann doch zu schnell. Die Tatsache, dass sie nun mit ihm reden wollte, erweckte in ihm einen leichten Groll und das Gefühl verarscht zu werden…

„Ja, zum Glück keine Rauchvergiftung“, wiederholte er, tapste zu dem Tablett mit dem Frühstück, direkt an ihr vorbei und spürte, dass ihm der Appetit vergangen war.

„Rick, Sara und deine Eltern wissen nur teilweise Bescheid. Wir haben ihnen erzählt, die ganze Sache war nur ein Unfall. Deine Mutter wartet im Empfangssaal… Niemand außer uns beiden hat diese Augen gesehen. Ich… hab’ mir Sorgen um dich gemacht“, ergänzte sie schwermütig. Sie ließ sich auf ihr Bett sinken, umarmte sich und wirkte noch hilfloser als in den letzten Wochen.

Link musterte sie, hätte unter anderen Umständen erneut versucht sie zu einem Gespräch zu zwingen, aber im Augenblick war er nicht in Stimmung dafür. Er fühlte sich veralbert, und auch er hatte seinen Stolz.

„Danke… für… also… Ich gehe jetzt besser“, seufzte Link freudlos und ging aus dem Zimmer.

Zelda wimmerte etwas, ließ sich auf die Matratze fallen und stürzte ihren Kopf in ihre Arme. Warum nur war alles so schwer?

 

 
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