Kapitel 1.20
 

Kapitel 20: Gegner aus Knochen

 

 

Ein weiterer langweiliger, frustrierender Schultag ging für den jugendlichen Helden mit einer nervigen Musikstunde vorüber. Mit hängendem Kopf verließ Link das Klassenzimmer. Er folgte nachdenklich dem endlos scheinenden Gang in die Aula der Schule. Einige Male hatte er Zelda versucht in ein Gespräch zu verwickeln, aber sie ignorierte ihn weiterhin, wirkte fast schon ängstlich in seiner Gegenwart… und das nach dem Ereignis mit der Dämonenkriegerin und dem infernalischem Feuer. Er verstand es mittlerweile, er verstand, dass Zelda keine bösen Absichten hatte und ihre Distanz hatte sie nicht ohne Grund aufgebaut. Aber trotz all der Umstände, konnte sie nicht zumindest mit ihm reden, ihm alles erklären? Er würde dann auch Ruhe geben, würde ihr Zeit lassen…

„Ich bin so ein Dummkopf…“, murmelte er und blickte deprimiert hinaus an den Wolkenhimmel. Er wollte ihr Zeit lassen, offene Dinge mit sich selbst zu klären. Sicherlich, er wollte sie nicht drängen, aber, warum konnte sie ihn dann nicht einmal anlächeln, so wie früher…

Die Sonne stand weit am Horizont und obwohl es erst fünf Uhr nachmittags war, zog der Abend mit seinen geheimnisvollen Scharen herauf. Die Dunkelheit näherte sich…

Link tapste weiter, als ihm einfiel, etwas in dem Musikzimmer vergessen zu haben. Geschwind rannte er zurück und öffnete die Tür. Er achtete nicht auf die Person, die ebenso hinter einem alten Klavier im Raum stand, bemerkte nicht den unglücklichen Ausdruck in ein paar blauen Augen, die ihm auf Schritt und Tritt folgten. Langsam tapste Link zu seinem Platz und packte seine Federmappe, die er aus Schussligkeit vergessen hatte, in den Rucksack. Er stützte seine Hände auf der holzigen Schulbank ab, bis er plötzlich mit der linken Faust darauf einschlug und es aus ihm hervor platzte: „Verdammt. Verdammt!“ Immer wieder entkam dieses Wort seinen Lippen, bis er sich seufzend und geräuschvoll auf einem Stuhl niederließ. 

Das Mädchen hinter dem dunklen Klavier blickte zu Boden, wollte aus dem Raum gehen, aber wenn sie auch nur einen Schritt machte, würde Link sie sehen, er würde sich ihr in den Weg stellen und sie erneut um Antworten bitten. Sie konnte ihm jene Antworten aber nicht geben, um seiner selbst willen. Sie machte nur einen kleinen Schritt. Dumpfe Geräusche ihrer Schuhe auf dem grauen Teppichboden gaben ihre Anwesenheit preis.

Ruckartig wirbelte Link herum und sah sie neben dem großen Piano stehen. Ihr bekümmerter Blick wanderte zur Seite, in Richtung der hohen Fensterscheiben, wieder einmal floh sie vor ihm und ihren Gefühlen. Langsam lief er zu ihr, schaute ununterbrochen in ihr Gesicht, wollte ihre Stimme hören, ihr Lächeln sehen, aber nichts davon geschah, als hätte man ihr das Reden und Lächeln verboten.

Nur wenige Zentimeter war Link nun von ihr entfernt. Ihr Name entkam seinen Lippen fast flehend. „Zelda.“ Ein taubes Gefühl in ihren Beinen nahm zu, als wäre sie versteinert worden. Sie wünschte sich, ihm alles zu erklären, zu sagen, was ihr auf dem Herzen lag, aber welchen Preis würde sie dafür bezahlen? Erneute Schuldgefühle, Link in ein Heldendasein hineinzuzwängen?

Links tiefgehender Blick wanderte von Zeldas schwachrosa Wangen zu den Ohrringeln, die sie trug. Silberne Ohrstecker, rosenförmig mit einem nachgebildeten, hübschen, wenn auch billigen grünen Kristall in der Mitte. Es waren genau die Ohrringe, die er ihr geschenkt hatte, als sie noch nicht wusste, wer sie war. „Du trägst… sie immer noch?“ Er wollte die Ohrringe berühren, als ob er sich von deren Existenz überzeugen müsste. In dem Moment wich Zelda so schnell und beinahe furchtvoll  zurück, dass sie an der Wand lehnte. „Bin ich Gift für dich?“, sagte Link rau und sarkastisch. Mit einem unechten, fast gemeinen Lachen ging er auf sie zu und starrte sie eindringlich an. „Was willst du mit diesen Ohrringen, wenn ich doch Gift für dich bin?“, sagte er verletzt und ballte seine Hände zu Fäusten. „Hast du keine Angst, diese Ohrringe könnten dich vergiften?“

Aber erneut schwieg sie. Schon lange trug sie das Geschenk von Link in ihren Ohren, beinahe heilig waren ihr diese Ohrringel geworden. Sie erinnerte sich kurz an letzte Woche, in welcher sie einen der Stecker verloren hatte und dann drei geschlagene Tage die gesamte Villa auf den Kopf gestellt hatte, nur um dieses Stückchen billiges Silber wiederzufinden. An sich hatte jener Schmuck vielleicht keinen Wert. Aber es war Link, der sie ihr geschenkt hatte. Es war sein Wunsch, dass sie diese trug. Und es waren seine Hände, die diese Ohrringe gekauft hatten…

„Sag’ schon, welchen Grund hast du, diese dämlichen Ohrstecker zu tragen. Sind sie dir denn nicht zu billig, genauso wie ich zu billig für deine Freundschaft bin?“ Seine Anklage steigerte die ungebändigte Wut in seinem Herzen, die Zweifel und den Schmerz wegen Zelda. Er schüttelte mit dem Kopf und kniff seine Augen zusammen. „Was bin ich, he? Bin ich ein Krankheitserreger, so etwas wie Alkohol, das nach der berauschenden Wirkung sein wahres Gesicht zeigt oder wohl doch ein tödliches Gift?“ Seine Worte endeten in einer Gefühlswallung, er fieberte selbst mit den Worten, kämpfte mit der ungeheuren Wut in seinem Bauch und dem aufrichtigen Wunsch, Zelda nicht zu irgendetwas zwingen zu wollen.

Mit einem schwer zu unterbindendem Schluchzen führte sie ihre Hände an die Ohren und betäubte seine Worte auf diese Weise. „Hör‘ auf damit…“, winselte sie, ein Zeichen, wie weh ihr diese Worte taten.

„Sicher“, fing Link an und packte sie an ihren Oberarmen. „Aber nicht, bevor du mir die Worte aus deinem Mund gesagt hast, jene Worte, die ich in deinen Augen ablesen kann.“ Es verriet sie, der stille Wunsch, er würde es selbst sehen können, ohne dass sie es ihm erklären musste. Ihre Gefühle für ihn lagen manchmal vor dem kalten Schatten ihrer Augen. „Sag’ es endlich und schau’ mich an!“, fauchte er, ließ seinen Kopf hängen, aber hielt sie immer noch an den Armen fest. Aber sie schwieg, stieß ihn zurück und trat zu der blauen Eingangstür. „Ich brauche dich“, sagte Link leise. Doch Zelda drehte sich nicht um. Nur die langen blonden Haare konnte er sehen. Kein Lächeln. Nicht einmal ein Blick.

Nach wenigen Sekunden des Wartens, hetzte Zelda aus dem Raum und verließ einen auf sich selbst wütenden Link, der aus Frust und Zorn eine ganze Schulbank umwarf…

 

Verfolgt von ihrem eigenen Selbsthass hetzte die einstige Prinzessin Hyrules nach Hause, besann sich auf Links Worte, auf seinen letzten gefühlvollen Satz. Das leise: ,Ich brauche dich’, schallte in ihren Gedanken nach und doch tat es weh.

Sie führte langsam ihren Schlüssel in die hohe Eingangstür der alten Villa und erhielt sofort beim Eintreten einen aussagekräftigen Blick ihrer Ziehmutter. Impas rote Augen sahen mehr, als Zelda wollte, dass sie es taten. Sie las in ihrem Blick. „Wie war dein Schultag, Zelda?“, meinte sie und lief langsam in die Küche, wo das verspätete Mittagessen von ihr vorbereitet wurde. Stur und hoffend, Impa hätte in ihren Augen nicht gesehen, was es zu finden gab, folgte Zelda ihrer Zofe aus Kindertagen.

Schweigsam nahm Zelda am Küchentisch Platz und schaute in die Stielpfanne mit den Fünf- Minuten- Steaks, begutachtete die Kartoffeln, den Spargel, die Erbsen und Möhren in weiteren Töpfen. Mit einem Seufzen belud sie ihren Teller mit lediglich einer Kartoffel, ehe sie das Besteck wieder zur Seite legte.

„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet“, sagte Impa energischer.

„Entschuldige, der Schultag war so… wie immer.“

„Soso“, meinte sie und verschränkte ihre Arme, so wie Impa es immer tat. Eine ihrer Eigenheiten eben. „So wie immer.“ Impas Blick wandelte sich, wurde milder und weicher. „Hast du endlich mit Link geredet?“

Zelda wand ihren Blick zu dem Fenster. Jetzt hatte Impa wahrlich das Thema getroffen.

„Also nicht“, sagte Impa schroff und legte sich ebenfalls Kartoffeln auf den Teller. Ein gemeiner, enttäuschter Akzent lag in ihren Worten. „Hätte mich ja auch gewundert.“

Das blondhaarige Mädchen stocherte gedankenversunken in ihrer Kartoffel herum und seufzte wieder.      

„Hast du etwas an dem Essen auszusetzen?“, sagte ihre Erziehungsberechtigte beinahe einfühlsam. Doch Zelda schüttelte bloß mit dem hübschen Kopf.

„Was ist es dann?“

„Es ist lediglich… der Geschmack. Alles ist so anders als in Hyrule. Ich kann mich einfach nicht daran gewöhnen.“

„Das musst du aber, Zelda.“ Verärgert sprang sie auf und brachte ihren Teller zur Spüle. Seit Tagen schon konnte man an einigen Fingern abzählen, was Zelda aß…

„Das weiß ich selbst sehr genau. Das brauchst du mir nicht immer wieder unter die Nase reiben.“ In den letzten Wochen schon war das Verhältnis von Zelda und der Direktorin so angespannt. Vor allem, da Impa mit Link geredet hatte. Nein, eigentlich war es sogar nur der einzige Grund für die Anspannungen.

Impa stand auf und legte dem siebzehnjährigen Mädchen eine Hand auf die Schulter. „Zelda, du musst etwas essen. Und hör‘ endlich auf, dich für alles Schlechte in der Welt verantwortlich zu machen.“ Zelda beließ es dabei darauf zu antworten und lehnte sich sachte an eine Küchentür. Es wurde kurz schwarz vor ihren Augen, worauf sie sich aus Angst noch schwächlicher zu wirken als ohnehin schon, setzte.

„Rede endlich mit ihm“, sagte Impa mit gefühlvollen Worten.

Zeldas Augen blitzten gefährlich auf. Sie begann zu schreien: „Und was soll ich ihm sagen. ,Tut mir leid, Link. Aber du bist eine Spielfigur!’ und ,Verzeih’ mir, Link, aber du hattest ein früheres Leben, an das du dich nicht erinnern kannst.’ Oder noch besser: ,Alles, was du durchmachen musstest, sowohl damals als auch heute, passiert nur wegen einer ignoranten, dummen, kindischen Prinzessin, die niemals zugeben wollte, was sie an dir hat?’“ Zeldas Augen wurden wässrig, bis sie zur Tür lief.                 „Ich kann ihm das nicht antun.“

„Aber er hat ein Recht es zu erfahren, Zelda, er wird es herausfinden, auch ohne deine Worte, auch ohne deine Hilfe. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Link weiß, bis er erkennt. Du kannst ihm sein wahres Ich nicht vorenthalten.“ Eine Pause entstand. Auch Impa hatte jetzt den Appetit verloren und warf das gesamte Essen mit einem Schlag in den Müll.

„Er liebt dich“, flüsterte sie.

Mit einem geschauspielerten Lachen drehte sich Zelda zu Ines, lachte angesichts dieser drei Worte und besonders angesichts des mittleren. „Liebe?“ Zelda lachte panisch auf. „Red’ nicht so einen Stuss, Impa.“ Blanker Wahnwitz lag in Zeldas Augen angesichts dieser Worte. Liebe. „Liebe?“ Zelda hörte nicht auf mit ihrer kalten, gehässigen Kicherei. „Bist du bescheuert, Impa?“, sagte sie gekränkt.

Aber die stolze Direktorin trat nur näher und hob grob Zeldas Kinn nach oben. „Ich war zwar immer nur deine Zofe, aber habe ganz gewiss nicht dieselben Gemeinheiten von deiner Seite verdient, wie du sie Link an den Kopf wirfst“, sagte sie streng, worauf Zelda ihre Hand wegschlug und sich umdrehte.

„Er will es doch nicht anders!“, schimpfte Zelda, erbost und vielleicht stur, weil sie sich nicht eingestehen konnte, dass es Menschen gab, die sie brauchten, die sie respektierten und achteten. „Er gibt einfach nicht auf, mich zu Rede stellen zu wollen. Kann er nicht endlich akzeptieren, dass eine Freundschaft zu mir das dümmste ist, was er sich antun kann?“

„Ja, er gibt nicht auf… er gibt nicht auf, dein Freund zu sein… ein Beweis mehr, dass er dich liebt“, sagte Impa und verschränkte ihre Arme. „Warum, glaubst du, ist ihm diese Freundschaft so wichtig? Warum glaubst du, kann er nicht aufgeben?“ Aber Zelda schwieg und ließ das Haupt sinken.

„Genau das ist es nämlich, was du nicht ertragen kannst. Die Tatsache, dass du geliebt wirst!“ Und Impas strenge, weise Stimme überschlug sich fast vor Wut. Zelda aber schlug die Hände an die Ohren und hetzte zu ihrem Zimmer. Wenn Verzweiflung in Kälte umschlug, in Selbsthass und Gefühllosigkeit, war vielleicht gerade Liebe das eine Heilmittel. 

 

In dem Moment klingelte Link an der Haustür zu seinem Cousin Rick. Er brauchte Gesellschaft, suchte nach Rat, vor allem nach dem, was vor wenigen Stunden im Musikzimmer geschehen ist. Er klingelte an der Haustür und überraschenderweise wurde diese sofort geöffnet, jedoch nicht von Rick, seinem Cousin, sondern einem Mädchen mit nussbraunen, schulterlangen Haaren.

„Link? Nanu? Wolltest du zu Rick?“

„Jep, ist der Gute denn daheim?“

„Ja, natürlich.“ Und Maron bat den jungen Oberstufenschüler hinein.

Rick saß gerade in der Stube vor dem Fernseher und sprang hastig auf, als Link hineintrat. „Hey, was machst du denn hier?“, meinte Rick überrascht.

Link hatte ein verschmitztes Grinsen auf dem Gesicht, sagte jedoch nichts dazu. Seine Augen wanderten zu dem langweiligen Fernsehprogramm und dann wieder zu Maron, die zu Rick hinüberlief und ihren Freund einen schnellen Kuss auf die Lippen gab.

Überrascht meinte Link: „Ihr seid jetzt also offiziell zusammen, was?“

Zwei einander liebäugelnde Augenpaare strahlten und nickten sich gegenseitig zu. „Jup“, sagte Rick und beobachtete Maron, als sie in der Küche verschwand.

„Wenn ich euch störe, verschwinde ich wieder“, sagte Link und beobachtete genau das tolle Funkeln in Ricks rehbraunen Augen.

„Quatsch, du störst doch nicht. Mach’s dir gemütlich.“ Ohne Widerrede ging Link dieser Aufforderung nach und ließ sich alle viere von sich gestreckt auf dem Sofa nieder.

„Also, du wirst nicht ohne Grund vorbeigekommen sein.“ Ricks wissender Blick sprach Bände. Tatsächlich hatte Rick eine sehr gute Beobachtungsgabe, er wusste vieles genau richtig zu deuten.

Wieder einmal lag Ernst in den Augen Links, Kühle, Verschwiegenheit und eine Spur Sehnsucht.

„Hast du mir ihr gesprochen?“, meinte Rick leise, der ganz genau wusste, was Link durch den Kopf ging.

Er schüttelte das Haupt und suchte nach Worten. „Ich hatte mir vorgenommen, es einfach dabei zu belassen. Sie will nichts mehr mit mir zu tun haben. Aber… heute…“ Rick lächelte schief.

„Habt ihr euch versöhnt?“

„Es wäre schön, wenn es so wäre. Sie macht aus allem ein großes Geheimnis, kann sie nicht endlich mit der Wahrheit herausrücken?“

„Sie ist ein merkwürdiger Mensch“, stimmte Rick zu. „Aber du musst ihr irgendwie helfen. Sieh sie dir doch mal an. Jeden Tag wird Zelda blasser im Gesicht, sie wird immer dürrer… ist dir das mal aufgefallen?“

Erschrocken sah Link auf. Auf diese Kleinigkeit hatte er nicht geachtet.

„Und wann immer man sie irgendwo trifft, egal ob in der Schule oder in der Stadt, selbst im Park, sie ist immer alleine. Ich kann nicht glauben, dass sie das so will.“ Wahre Anteilnahme und Besorgnis stand in Ricks braunen Augen, vielleicht, weil er wusste, wie viel Zelda seinem Cousin bedeutete. „Na sag’ schon, was war vorhin?“ Rick rutschte näher und musterte Links blaue Augen eindringlich.

In dem Moment kam Maron zurück und nahm neben ihrem Rick Platz, der sofort einen Arm um ihre Schulter legte.

„Wir haben uns mal wieder gezofft.“ Auch Maron verstand nun das Thema des Gespräches und bemühte sich ihrem Kumpel Link einen guten Rat zu geben. Links Blick wurde immer verletzlicher, wenn er daran dachte. Der leere Ausdruck in Zeldas Augen. Die Blässe in ihrem Gesicht. „Besser gesagt, ich habe mich mit ihr gestritten. Sie hat ja nicht mit mir geredet“, murrte Link. „Es ging um ein paar Ohrringe, die ich ihr irgendwann geschenkt habe. Du weißt schon, die billigen Dinger aus dem Modegeschäft.“

„Sag’ bloß, diese Ohrringe sind von dir?“, sagte Maron. „Zelda trägt doch nichts anderes. Sie hat sich sogar geweigert, diese Dinger im Sportunterricht herauszumachen. Wusstest du das?“

„Na und? Soll’ sie diese Ohrstecker doch behalten“, meinte Link gereizt. Maron sprang erheitert auf und gab Link einen schmerzhaften Klaps auf den Hinterkopf.

„Bist du so blöd, oder willst du das einfach nicht verstehen?“ Link zuckte mit den Schultern und spielte den naiven Helden, der von nichts eine Ahnung hatte.

Maron grinste überschwänglich: „Sie trägt diese billigen Ohrringe doch nur, weil sie von dir sind. Verstehst du?“ Links Blick wurde nachdenklicher. „Mensch Rick, dein Cousin hat wohl, wenn es um das Thema Mädchen geht, nicht den blassen Dunst einer Ahnung, was?“ Dem konnte Rick nicht widersprechen und vielsagend wippte er mit seinem klugen Kopf auf und ab.

„Wollt ihr mir helfen, oder mich beleidigen?“, meinte Link enttäuscht, mit roten Ohren im Übrigen, die man glücklicherweise nicht sofort bemerkte.

„Link, was Maron sagen will, ist doch nur, dass Zelda an diesen Ohrringen hängt, was indirekt bedeutet, dass sie sehr an dir hängt. Kapiert?“

„Ist das nicht zu weit hergeholt?“, sagte Link leise und fuhr einmal schnell mit seiner linken Hand durch seine blonden, ihm ins Gesicht ragenden Haarsträhnen.

„Sieh es, wie du willst. Aber ich bin ja schließlich ein Mädchen und ich nehme an, dass ich dies genauso machen würde, wenn mir jemand am Herzen liegt. Ich würde auch ständig etwas von Rick bei mir haben wollen, wenn er nicht da ist.“ Sie schenkte ihrem Freund ein bezauberndes Lächeln. Link kratzte sich am Kopf und sah höflicherweise nicht hin, als die beiden beinahe übereinander herfielen. ,Verliebt muss man sein’, dachte Link.

Link blieb nicht mehr sehr lange bei seinem Kumpel und verabschiedete sich mit einem: „Bis morgen in der Schule.“ Er tapste nach Hause, überlegte es sich anders und rannte, um sich Abzureagieren hinein in den märchenhaften Wald, der in den Farben des Sonnenuntergangs erstrahlte.

 

Ein verräterischer, feiger Diener kniete zu jener Stunde vor seinem Meister in der dunklen Kathedrale Schicksalshorts. Ein gefährliches Glühen kam aus einem knochigen, sehr scharf kantigen Gesicht. Er hatte Absichten, verdorbene Wünsche und sein erfrorenes Herz tickte.  „Das Gefängnis der Finsternis ist nun fertig gestellt. Sagt mir, mein Lord, welche Aufgabe wird dieses Teufelsinstrument haben?“

„Es ist ein Seelenfänger“, lachte der Hüne und spielte mit blutroten Energiebällen, die in seinen Händen hin und her wanderten. „Die Prinzessin der alten Welt wird, selbst wenn sie gestorben ist, ihre Seele niemals von der des Heroen lösen können. Sie beschützt ihn einerseits, wie er sie wohl immer beschützen wollte. Deshalb muss diese Seele noch in dieser Welt verweilen… und wenn ich einmal ihre Seele habe, habe ich auch ihre alte Macht. Ein guter Nebeneffekt scheint, dass sie dann ihren hilflosen Zwergheld nicht mehr bewachen kann.“

„Ihr seid fabulös, mein Meister.“ Und der Diener wusste, dass sein Herr nur auf Komplimente reagierte. Kritik konnte er nicht leiden, bestrafte er lieber sehr hart…

Doch der Schreckensfürst zog bloß verächtlich die Augenbrauen nach oben. „Mortesk, du jämmerliches Häufchen Dreck, geh’ in die Wälder zusammen mit deinen vier Brüdern und quäle den einstigen Helden. Er wird dort sein. Ich weiß, dass er sich dort aufhält. Er war früher schon ein Kind des Waldes. Kein Wunder, dass es ihn dorthin zieht - in diese Öde mit dem krächzenden Vogelgezwitscher und dem ätzenden Rauschen des Windes. Diesmal vernichte ihn.“

Der breitschultrige Kerl mit rabenschwarzem Haar knirschte mit den Zähnen und hob den Kopf, um seinen dunklen Meister zu mustern. „Ja, Sir, wie Ihr befiehlt. Sagt’, wo ist eigentlich Zarna?“

Sein Herr begann auf eine selbstherrliche Art und Weise zu lachen. „Willst du wirklich wissen, was mit ihr geschehen ist?“ Die roten Augen in dem Antlitz Mortesks blitzten auf. „Sie hat ihre Strafe für ihren jämmerlichen Fehler erhalten… ha… ha. Wenn sie Zelda nicht getötet hätte, wäre ich gnädig gewesen. Aber selbst dann hätte sie nicht überlebt. Der dumme grünbemützte Gartenzwerg hat ihr zu viele Wunden zugefügt.“

Mortesk erhob sich mit zusammengeballten Fäusten und schritt wie ein unzurechnungsfähiger, gesteuerter Sklave aus dem Gebäude, rachedurstig und bereit zu Töten.

 

Link lag inzwischen tatsächlich im Wald, außer Puste, aber mit tiefen, gleichmäßigen Atemzügen, galant und genüsslich, da er schon wieder mehr als eine Stunde mit dem Schwert geübt hatte, die Seele des Kampfes in seinen Adern pulsieren spürte. Und die Welt um ihn herum wandelte sich in ihrer eigenen Vergänglichkeit und Schwäche… die Welt zeigte ihm das wahre Gesicht von Bestimmung und Wahrheit…

Als er im Gras ruhte und verträumt den schwachrosa Wolken am Himmel zu sah, spürte er die ungebändigte Kraft in seinen Venen stärker werden, pochen, rauschen, so gewaltvoll und stürmisch wie das Meer. Mit jedem Hieb des Schwertes fühlte Link eine innere Kraft anwachsen, begann wahre Stärke wahrzunehmen, so, dass alles, was so klein und dumm erschien nicht mehr zählte. Wahre Stärke erwuchs seinem Herzen, so gigantisch und ungreifbar wie magische Ströme im Wind. Und er wusste diese Macht nun einzusetzen. Der Kampf, seine Kondition, sein Wille und sein Ehrgeiz bereiteten ihn vor auf das, was noch kommen würde. Und seine Stärke besaß nun viele Gesichter. Er war in der Lage seine Muskeln balanciert in dem Schwertkampf spielen zu lassen, war in der Lage mit kühnen Sprüngen und Kombinationen seiner Klinge zu vernichten, was notwendig war. Alles unterlag diesem Gesetz von Hoffnung, Einsatzbereitschaft und Leistung… und er würde den Willen für das aufbringen, wenn kein anderer es konnte…

Die Abendsonne, flammend am westlichen Horizont, tauchte den Wald bereits in rötliche Farben. Der Wald warf riesige dunkle Schatten und der junge Kämpfer wollte seine Waffen im Baumhaus einschließen und sich dann auf den Weg nach Hause machen. Seine tapferen Gedanken, seine Entschlossenheit waren in seiner Aura fühlbar, als er sich erhob wie der letzte Krieger seiner Art und sich zu seinem Baumhaus bewegte. Geistesgegenwärtig genoss der Träger des Mutes die Ruhe der Wälder, das beruhigende Rauschen des Windes, die Klänge einer alten Eule, das Plätschern eines nahen Baches… das Tapsen der Tiere durch das Gras.

Der grünbemützte Jugendliche wollte gerade die Leiter zu dem Baumhaus hinauf klettern, als seine Bestimmung ihn belehrte, als seine Instinkte getestet wurden und das, was ihn erwartete einen Weg fand. Das Böse erwachte irgendwo und doch nur dort, wo das Gute sich ein Nest baute…

Lauter wurde das Tapsen hinter dem jungen Krieger, der ein neues Gesicht der Stärke für sich beanspruchte. Fester umklammerte er den robusten Griff des Schwertes, hörte das Leder schreiend nach einem Kampf knirschen und roch die Gefahr. Das Tapsen, billig und zerstörerisch, ging es nieder in der werdenden Nacht, verriet die Nähe von mehreren Personen. Abwartend und geheimnisvoll näherten sie sich, durstend nach dem, was die Welt auseinander stückelte, dann, wenn die Helden fielen. Das Tapsen veränderte sich, formierte sich zu dumpfen Schritten, und dann klang es wie das Klappern von schlottrigem Metall gegen Metall.

Der Kämpfer nutzte seine Sinne, schärfte sie mit seinem Mut und fütterte sie mit der Erwartung eines wühlenden Augenblicks. Und seine Sinne erzählten ihm, dass er nun nicht mehr als einziger Streiter in den Wäldern stand, seine Klinge fest umschlossen in der Hand. Er war nun nicht mehr allein und spürte die Herzen, kalt, beinahe trostlos von fünf Wesen, die dunkle Gelüste befürworteten.

Der Held hielt sich gelassen mit dem Rücken zu ihnen und gab seinen Angreifern nicht den Hauch von Überraschung oder Angst. Gefahr brannte nun in den Wäldern wie Gift in den Adern eines Menschen. Spannung zerriss die Luft, welche jedoch keinen Keim in Links Herzen nisten konnte. Er war bereit, er war mutig und er war derjenige, der kämpfen konnte wie niemand sonst.

Und als sich der grünbemützte Jugendliche umdrehte, erkannte er seine Angreifer von vor einigen Wochen wieder. Jene Kerle, mit dunklen Haaren, einer durchtrainierter als der andere. Bis zu den Knien reichende Mäntel aus altem, rauem Stoff an ihren Körpern ließen die Kerle bedrohlich wirken. Aber es waren nicht die Kleidung, grau bis schwarz, und die erschreckend fahlen Gesichter, die den Helden sein Schwert zücken ließen, denn alle fünf Kerle besaßen gefährliche Waffen. Einer hielt einen langen Stab in seinen Händen, der andere schwang erbarmungslos einen riesigen, mit spitzen Stacheln besetzten Morgenstern, der nächste hielt eine Axt in seinen Händen und ein weiterer besaß eine Armbrust, auf der spitze Pfeile glänzten. Link schwang sein Schwert und hielt es langgestreckt von sich. Er wusste, dass er keine Chance hatte als sich diesen Kerlen zu stellen, und er wusste, dass jene nicht umsonst ihre zerfleischenden Waffen bei sich trugen. Es war nun Zeit dem vorherbestimmten Schicksal Folge zu leisten, zu kämpfen, ohne Fragen zu stellen, zu leiden, wie es sein musste und zu überleben. Link zuckte nicht mit den Wimpern, seine tiefblauen Augen waren scharf und sicher. Und dann hielt er seine Klinge in die Höhe, zielte jene genau auf einen Kerl mit rabenschwarzen Haaren, welcher als einziger unbewaffnet zu sein schien.

„Dieses Mal werdet ihr mich nicht umzingeln“, sprach Link mutig. Seine Mundwinkel zogen sich beinahe verräterisch in die Breite.

„Genau, dieses Mal werden wir dich töten, Held der alten Welt“, zischte der unbewaffnete Angreifer. Ein breitschultriger, langer Kerl, fettig grinsend, verbraucht und kränklich aussehend. 

Links Mundwinkel bebten, ließen seine anmutigen Gesichtszüge zu einem entschlossenen, kampfbereiten Lächeln wachsen. „Dann versucht es… Ihr habt es beim ersten Mal nicht geschafft und dieses Mal bin ich vorbereitet!“

Der Kerl mit den rotglühenden Augen, in denen Verachtung, Hass und krankhafte Zuversicht an die eigene Überlegenheit tobten, begann zu lachen. „Wir sind die Diener eines gewaltigen Meisters, der deinen Tod will, ebenso wie du seinen Tod willst. Du bist ein jämmerlicher, nichts wissender Schwächling.“

Link antwortete nicht darauf, aber seine Entschlossenheit wuchs. Er wusste nicht, wovon die Fünf sprachen, aber er vermutete, dass der Hüne in der Kirche dahinter steckte.

„Denkst du wirklich, du hättest gegen uns eine Chance?“

Link grinste überlegen: „Mit Gesindel wie euch werde ich leicht fertig.“

Die fünf Kerle reagierten gar nicht und starrten den Jugendlichen nur an, warteten auf die entscheidende Sekunde, warteten auf die Sekunde der Genugtuung, auf die Chance im rechten Zeitpunkt anzugreifen. Ruhe bewahrend blieben die tiefblauen Augen des Heroen auf dem unbewaffneten Angreifer haften, während Blätter im Hintergrund tanzten, während die Zeit reifte.

Und plötzlich, so gnadenlos wie ein durch Fleisch donnerndes Schwert stürzten sich die fünf Widersacher auf ihn. Des Helden Mundwinkel zogen sich jedoch unverschämt nach oben. Kräftig stieß er sich mit seinen beiden Beinen ab und sprang. Seine Angreifer wussten nicht, was er bezweckte, und glotzten ihm auf eine merkwürdige Art und Weise hinterher. Gewandt drehte er in der Luft eine Rolle, landete mit seinen Beinen an dem Stamm des Baumes, stieß sich wieder ab und sprang über die Köpfe seiner verdutzten Gegner hinweg. Link stand nun hinter den fünf Vasallen des Bösen und ließ sich von ihnen nicht beeindrucken. Er biss sich auf die Unterlippe, wusste, er würde nun die Fähigkeiten aktivieren, die in ihm verborgen nur darauf warteten genutzt zu werden. Er würde kämpfen, er würde tun, was er konnte, sich wehren bis zum Ende. Selbst die Zweifel, diese Kerle zu erledigen und zu verletzen, selbst wenn sie bösartig waren, versuchte Link nun wegzuschieben. Es würde nicht dazukommen, dass er diese Kerle mit seinem Schwert abschlachtete, nicht wie Zeldas Doppelgängerin, die er abgeschlachtet und deswegen massive Gewissensbisse hatte. Denn er wüde kämpfen, ehrvoll und gerecht!

Plötzlich sprang der Gegner mit dem Stab auf ihn zu und attackierte mit heftigen Schlägen. Link wehrte die Attacken gekonnt mit seinem Schwert ab, und es schien ihm als könne er die Angriffe des Kerls voraussehen, als hätte er etliche Kämpfe hinter sich und Unmengen von Schlachten geschlagen. Der junge Mann ahnte mit jedem Schlag, welcher der nächste sein würde… Mit der Wucht jedes Schlages spürte Link die Klinge in seinen Händen vibrieren… Es war vertraut… gespenstisch genial und vertraut… 

Gerade als sein Gegenüber zu einem nächsten Schlag ausholen wollte, rollte sich der junge Held geschickt über den Boden und ließ das Schwert dabei knapp über die Erde sausen. Der Kerl verlor brüllend das Gleichgewicht und stürzte mit seinem wuchtigen Körper krachend zu Boden. Link stand in Sekundenschnelle über ihm und hielt ihm die scharfe Waffe an die Kehle, bereit weiter zu gehen, wenn dieser Kampf es so wollte, bereit alles zu tun, was das Schwert verlangte.

Nach Atem ringend erhob sich Link vor seinem Opfer, starrte mitleidlos in die Augen des Mannes und roch Verrat, spürte etwas an dem Kerl, das fernab von jeder Menschlichkeit entsprang. Aber Link konnte sich aus diesem Gefühl noch keinen Reim machen. Hochkonzentriert verfolgten seine Sinne die Umgebung und er war vorbereitet auf jede noch so kleine Gefahr. Und als der am Boden liegende Kraftprotz höhnisch lachte, schnellte der Heroe im letzten Augenblick zur Seite. Denn gerade da sauste eine Axt nieder, geschwungen von einem weiteren Krieger, metzelte sich leidenschaftlich durch das knöchelhohe Gras und ließ die Erde vibrieren.

Link vollführte einige Saltos, schwang sich elegant mit seiner Waffe in der Hand zurück und überblickte die Angreifer. Er atmete heftig, spürte Schweißperlen an seiner Stirn hinab wandern und genoss die ermutigende kühle Brise des Windes. Einmal mehr streckte er die Klinge in die Höhe. Und dort stand er, derjenige, der als der eine wahre Held erwachen könnte, dort stand er fest und sicher, mutig und bereit. Sein Herz schlug tosend mit der Grausamkeit, die in dieser Nacht noch geschehen musste.

„Was bringt es euch Schwachköpfen gegen mich zu kämpfen?“, rief Link donnernd über die Lichtung. Seine starke Stimme schallte über die Szenerie wie einst über Schlachtfelder.

„Es bringt uns Genugtuung… weil es unsere Aufgabe ist und weil du Zarna getötet hast…“, rief der unbewaffnete Krieger, der an einem Baum lehnte und seine Arme verschränkt hatte.

„Zarna?“, rief Link fragend.

„Unsere Geliebte, blond war sie, wunderschön und edel… schlank, atemberaubend und so kühl und grausam, dass sie Blut gefrieren ließ. Du hast sie abgeschlachtet, Held. Abgeschlachtet wie Vieh!“, schnalzte der unbewaffnete Krieger aus der Ferne, zeigte Bedauern und Wut.

In Links tiefblauen Augen keimte die Erinnerung, wuchs das Wissen und er verstand schlagartig. Das dämonische Miststück, welches Zelda in einer regenverhangenen Nacht heimgesucht hatte, welches Zelda beinahe erwürgt hatte, diese Dämonenkriegerin… hörte auf den Namen Zarna. Und sie war eine genauso scheußliche Kreatur des Wahnsinns wie diese fünf Kerle mit ihren schweren Waffen.

„Lasst mich raten, ihr wollt euch nun dafür rächen!“, sprach Link mit geballten Fäusten und spuckte angewidert vor die Füße der Kämpfer. Amüsiert stützte er sich auf sein Schwert. „Erbärmlich“, rief er verspottend. Er spürte das Blut kochen in sich, als die Erinnerungen an den Abend hochkamen, als dieser widerwärtige Abschaum, sich an Zelda zu schaffen gemacht hatte, sie gequält und verletzt hatte.

Erneut hob der Heroe sein Schwert in die Höhe. Er wirkte wie ein Richter, der das Unheil der Kreaturen nicht duldete. Er bewegte sich in Angriffsstellung, wusste nicht mehr, wie weit er gehen würde, um diesen Kampf zu gewinnen, aber auch er hatte Rachegefühle, menschliche, verständliche Rachegefühle… und alles nur wegen Zelda.

Er schob seine Zweifel zur Seite, wusste, wenn er nicht den ersten Schritt wagte in diesem mörderischen Kampf würde es sein Gegner tun und keiner von denen kämpfte fair. Also spitzte er seine Ohren, machte sich bereit für die nächste Attacke und hielt seine Klinge erbarmungslos in der linken Hand. Dann endlich bewegte der Heroe sich vorwärts in Begleitung des einen Mutes, der ihm diese Schlacht ermöglichte. Er rannte blitzschnell auf den Kerl mit der Axt zu, der vor Schreck das Beil in die Höhe riss. Ungebändigt ließ Link das Schwert auf die Axt zu rasen, vollführte meisterhafte Schwertstreiche und zerschlug dessen Griff mit einer starken Attacke. In hohem Bogen flog die Axt zur Seite und blieb kurz vor den Füßen des unbewaffneten Kriegers stecken. Der junge Held fasste in dem Augenblick noch mehr Mut und Entschlossenheit, grinste überlegen, hetzte über den Schauplatz des Kampfes… Plötzlich zischten Pfeile über Link hinweg, einer verfehlte knapp sein rechtes Ohr und bohrte sich mörderisch hinein in das Unterholz. Gelassen lief der grünbemützte Jugendliche in die Richtung, aus der die Geschosse kamen und wich den Pfeilen aus. Und er war wahrhaft schnell, rauschte wie der Wind von dannen, kämpfte genial und leidenschaftlich.

Das Ungetüm mit der Armbrust in der Hand wurde langsam nervös, wollte noch einen Pfeil aufspannen, aber ihm würde die Zeit dafür nicht reichen. Denn Link war nun keine drei Meter von ihm entfernt. Der Heroe sprang und umgriff das Schwert mit beiden Händen. Mit einem kräftigen Hieb schlug er die Waffe aus den Händen des Gegners, der sich kurz umsah, erschrocken auf Link blickte und dann die Flucht ergriff.

Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit, nur ein kurzer Augenblick, wo der Held nach Luft schnappte, sich seiner Selbst und der edlen Kämpfernatur bewusst wurde, die in ihm lebte, und er hätte beinahe die Blümchen von unten angesehen. Ein mit Stacheln besetztes Seil schoss zischend durch die Luft und umklammerte Link fest und erbarmungslos an seinen Oberarmen, sodass er sich nicht mehr rühren konnte. Gewaltvoll riss das Seil an seinen Armen, schlitzte durch den grünen Stoff und rieb an seiner Haut.

„Mist“, fauchte er krampfartig, da er nicht wusste, wie er sich aus dieser misslichen Lage befreien sollte. Er rüttelte kräftig, beobachtete dann den Kerl, der das Seil geschwungen hatte angewidert, aber auch gelassen. 

„Wir haben alle mehr als eine Waffe, hattest du wahrlich geglaubt, du könntest uns besiegen“, sprach der Kerl, welcher an einen Baum angelehnt, seinen vier Brüdern erfreut zu sah. „Ich bin Mortesk, erster der fünf Vasallen der Leibgarde des Meisters. Und du wirst hier dein Grab finden, auserwähltes, armseliges Häufchen Dreck.“

Link spürte wie die eisernen Stacheln an dem Seil sich immer mehr in seiner Haut vergruben. ,Was soll ich nur tun‘, dachte Link, blickte hetzend umher, glühte innerlich vor Anspannung und Aufregung. ,Wenn mir nicht schnell etwas einfällt, bin ich des Todes‘. Und erst in dem Moment schien ihm klar zu sein, was hier passierte. Fünf Vasallen einer namenlosen Gefahr, einer Brutalität, die auf der Erde noch nie als real beschrieben wurde, kämpfte gegen ihn, versuchte ihn zu foltern und zu töten. Er glaubte zu träumen, wurde aber durch das mit Stacheln besetzte Seil sofort wieder daran erinnert, dass dies keiner seiner Träume war, dieser Kampf war Wirklichkeit, war so real wie nichts anderes auf der Welt.

Link orientierte sich, blickte muterfüllt auf die Gestalt, welche zuvor noch die gefährliche Axt schwang und ihn nun mit dem Seil in der Mangel hielt. Der Kerl zerrte am Seil und Link fiel hart und kreischend zu Boden, spürte altes Laub und Dreck in seinem Gesicht. Ein wahnsinniges Gelächter schallte umher, krank, arrogant und dumm. Der junge Held sah auf, hörte nur das schrille, eisige Lachen seiner Gegner und es widerte ihn an. Noch immer hatte Link sein Schwert in der Hand und umklammerte dessen Griff so fest wie er konnte. Noch hatte er nicht verloren…

Der Jugendliche rappelte sich auf und griff mit der rechten Hand an das Seil, selbst wenn er sich dabei seine Finger aufschlitzte und zog, ebenso wie der Kerl am anderen Ende. Es war ein eigenartiges Gefühl dieses Spielchen zu führen, seinen verbliebenen Vorteil zu nutzen. Er zog und zog, machte sich die Stärke zu Nutze, die er in den letzten Wochen angesammelt hatte und es wirkte. Link lachte beinahe, als er realisierte, wie kraftvoll seine Attacken waren und welche Stärke in ihm schlummerte. Er brüllte überlegen und brachte seinen vermeintlichen Vernichter zu Fall. Schnell befreite er sich aus dem Seil, atmete tief durch, genoss das freie Gefühl an seinen Oberarmen, suchte nach etwas um sich zu schützen.

Schmierig lag der Angreifer am Boden, grinste verschlagen, blieb gelassen hocken… und auch diese Geste gab dem Heroen Antwort… 

Gerade da kam der Morgensternkämpfer auf den Jugendlichen zu, schwang wie wild geworden seine tödliche Waffe - ein Treffer, der Knochen brechen konnte. Ein Treffer und der Kampf wäre entschieden. Das Ungetüm holte kräftig aus, schnalzte mit der Zunge, als das heftige Metallgehäuse durch die Luft knallte. Mit einem lauten Knacken landete es im Boden und Grasfetzen wurden aufgewirbelt.

Link hüpfte schräg zur Seite, landete auf seinen Knien und suchte verbittert nach etwas zum Verteidigen, als er realisierte, was er vermisste. Er brauchte einen Schild! Ein leeres Gefühl breitete sich in seinem rechten Arm aus, dort, wo er einen Schutzpanzer hätte haben sollen, dort, wo er hingehörte.

Gerade da setzte der Angreifer seine brutalen Angriffe fort und schleuderte den mit scharfen Spitzen besetzten Morgenstern nach ihm. Überrascht stolperte der Heroe nach hinten und sah wie der Morgenstern einige seiner blonden Haarspitzen abriss. Erhaben, aber durchgeschwitzt, hüpfte der Heroe auf seine Beine und vollführte einige Saltos nach hinten, sodass er geschwind am Rande der Bäume stand und einen genauen Blick auf die Lichtung werfen konnte, wo sich seine mit schweren Waffen bestückten Feinde auftürmten.

Die Sonne versank mit einem letzten warnenden Glühen über den Wipfeln der Welt, und der Mond, kühl und überdauernd, begann seine Runden zu drehen. Und mit dem weißen Licht des Trabanten krochen Schatten, vergessen und versiegelt in den Tiefen der Welt,  hervor und ließen den einsamen Streiter die Anbahnung einer gewaltigen Gefahr spüren, die er bis jetzt maßlos unterschätzt hatte.

Die fünf Gestalten stapften nun immer wieder mit ihren schweren Beinen auf den Boden und versammelten sich in einer Reihe, als würden sie eine Art Todesmarsch einleiten, als riefen sie nach ihrer verruchten Bestimmung…

Fassungslos starrte Link auf die schattenlosen Angreifer, spürte die Kälte der Hölle ihrer Körper, roch ein Gemisch aus Schwefel und Verwesungsgestank, spürte eine Gänsehaut über seinen Rücken wandern und beobachtete die Geburt des Grauens, beobachtete sein eigenes Verhängnis…

Die Kerle stapften mittlerweile rhythmisch mit ihren Füßen in unschuldigen Boden, trommelten das Leben aus der Erde. Dann bewegten sie sich auf den jungen Helden zu. Ihre Körper schienen sich zu verändern, zu verwandeln, als würde die Dunkelheit ihre wahren Gestalten preisgeben. Mit jedem Schritt ihrer Eisen beschlagenen Stiefel, leuchteten ihre roten Augen stärker als zuvor. Mit jedem donnernden Stapfen gruben sich alte Grausamkeiten und Flüche in ihre hässlichen Fratzen.

Mortesk Stimmbänder begannen zu vibrieren und Link war entsetzt wie ausdruckslos, kalt und tief diese Stimme plötzlich klang.

„Was seid ihr wirklich?“, sprach Link, noch ehe er sich sicher war, überhaupt zu fragen.

„Wir sind ohne Seele, ohne Gefühl, wir sind Verbündete der Finsternis; wir sind der Schrecken einer alten Welt, kommen und gehen, da wir schon tot sind, wählen keinen Weg, da für uns alle Pfade geöffnet sind.“ Mortesk beendete sein grausiges Zischen und blieb wie angewurzelt stehen, als sich der gleißend leuchtende Mond ein weiteres Mal zeigte und das fahle Licht Schatten lebendig werden ließ.

Die fünf Kerle gaben plötzlich unerträgliche, zischende Laute von sich, als würden sie gefoltert. Und ihr reißendes Gekrächzte vertriebe jedes Tier, welches sich nahe der Lichtung aufhielt. Das klägliche Schreien der Gegner zerriss die Luft, als ob sie von einer schier übermächtigen Macht gepeinigt wurden.

Atemlos beobachtete Link das Ereignis, dem er doch nicht gewachsen war, bis seine Augen auf dem Anführer Mortesk haften blieben. Und dessen längliches, bleiches Gesicht  veränderte sich, je ruheloser die Zeit tickte und je mehr Wolken sich vor das tröstliche Licht des Mondes schoben. Die Wangen des Angreifers fielen ein. Die blasse Haut wurde innerhalb weniger Sekunden älter, Würmer krochen darin herum, bis sie die Haut zerfressen hatten und ein wenig schwarzes Fleisch herausquoll, bis hin zu den Knochen. Link musste zweimal hinsehen um zu begreifen, dass dies wirklich passierte, dass dies kein Traum war und keine Phantasie. Die fünf Kerle, die ihn herausgefordert hatten, veränderten sich, wurden lebendig tot, verwandelten sich in etwas, das der junge Held in dieser Form und mit den jetzigen menschlichen Augen doch noch nie erblickt hatte. Dem grünbemützten Jugendlichen gefror vor Schreck das Blut in den Adern, als er dem Geschehnis folgte, sah, wie aus den scheinbar menschlichen Gestalten, Wesen der Finsternis geboren wurden. Dunkle Lederkleidung zerfiel zu Staub, Haut und Fleisch zerfielen zu Staub und alles was blieb waren grausame, dämonische Gelüste und Triebe…

Nach wenigen Sekunden bestanden diese Geschöpfe der Hölle nur noch aus Knochen an denen einige Hautfetzen hingen. Eine schwere Rüstung umhüllte die Angreifer… und Link noch immer erstarrt, mit Tausenden Zweifeln in seinen leuchtenden blauen Augen hatte in dem Augenblick alles vergessen, was er in dieser Realität für selbstverständlich hielt. Ihn packte die Angst und er lief in langsamen Schritten nach hinten, hörte seine Turnschuhe Zweige zertreten.

Das waren keine Menschen mehr- gegen diese Kreaturen hatte er keine Chance. Wie sollte er etwas besiegen, was schon tot war und nur noch aus Knochen bestand? Link zweifelte an der Kraft, die er sich in den letzten Wochen angeeignet hatte und er wusste nicht mehr, was er noch glauben sollte. Dämonen aus Knochen standen vor ihm! Fünf Gegner mit scharfen Waffen, genährt von einem bösen Willen wollten sie ihre Klauen in sein Fleisch senken und ihn erniedrigen.

„Schnappt ihn“, fauchte plötzlich eine tiefe Stimme, dröhnte durch den nächtlichen Wald auf der Suche nach frischem Blut. Mortesks knöcherne Hand schnellte nach vorne und zeigte auf den geschockten Link. Von einer Sekunde auf die andere stürzten sie sich auf ihn, brüllend und gnadenlos, wie barbarisches Getier, das zerfetzen und zerreißen wollte.

Mit anbahnender Nervosität in seinen Gliedern umklammerte Link das Schwert in seiner Hand immer fester, zuckte ängstlich mit den Muskeln in seinem Gesicht und spürte, dass die Vorstellung und barbarische Aura jener Geschöpfe seinen Geist lähmte und jeden noch so kleinen Funken Mut in ihm sprengen wollte. Und als die Kreaturen der Hölle, die Wesen aus einer anderen Zeit näher donnerten, ihre reißenden Waffen glühend in die Höhe streckend, war alles, was Link noch auf den Lippen hatte ein Gebet. Ein Gebet, dass er diese Nacht überstand und eine Hoffnung, dass er in der Lage sein würde, zu kämpfen und sie zu besiegen, um nur noch einmal… und wenn es ein letztes Mal wäre… Zelda himmelblaue Augen zu sehen…

Und vielleicht war der Gedanke an die Prinzessin das einzige Überlebenselixier, das er besaß um sich aus der Lähmung nur zuzuschauen zu lösen. Er musste kämpfen, er hatte keine andere Wahl. Er hatte nur diese eine Möglichkeit, um derjenige zu sein, der er sein musste. Entweder er stellte sich dieser Gefahr oder das wären seine letzten Atemzüge! Und niemand, so entschied ein verlorener Teil in seiner Seele hatte jemals darüber entschieden, wann er seinen letzten Atemzug nahm! Er war nicht geboren um zu fallen!

Er stellte sich in Angriffsposition, warf die Ängste über Bord, und hielt das Schwert langgestreckt nach vorne. Und es war dann, dass seine Feinde in Begleitung des rauschenden Windes, der geheimnisvoll durch die Baumkronen schlüpfte, näher donnerten. Ihre schmierigen Häupter grinsend, ihre verruchten Seelen brüllend und vorbereitet auf ein Gemetzel, das erst jetzt in die heiße Phase ging. Und als die Zeit stillstand, einen ehrvollen Atemzug nahm, attackierten die fünf Gegner den jungen Mann mit dem heiligen Mut von allen Himmelsrichtungen. Fiebrig gingen ihre gewaltigen Klingen nieder, lustvoll nach jungem Fleisch und edlem, süßen Blut.

Link drehte sich gewandt und führte das Schwert reflexartig mit sich. Erbarmungslos krachte die stählerne Klinge gegen die Rüstungen der Gegner, zerriss Eisen, schickte Zorn und Stärke denen entgegen, die grausam morden wollten. Mit einem lauten Getöse wurden alle Angreifer mit der kräftigen Attacke zurückgeschlagen, kreischten die Stille und Ruhe aus den Wäldern. Und alle Wesen aus Knochen kamen wenige Meter weiter auf ihren Beinen auf, grunzten gehässig.

Überrascht über seine Fähigkeit im Kampf starrte Link auf das Schwert, knirschte mit dem Leder und wischte sich mit der anderen Hand über seine Mundwinkel. Diese Attacke gab ihm Zeit… und belehrte ihn gleichzeitig darüber, dass er kämpfen könnte bis zum Ende, dass er tatsächlich in der Lage war zu bestehen. Als einziger Streiter des Guten sollte er diese Nacht alles geben, was ihm das Schwert beigebracht hatte. ,Ja, du kannst sie besiegen‘, flüsterte das Schwert in seiner Hand. Und wenn er sie jetzt nicht besiegte, würden sie an einem anderen Tag wieder auf ihn lauern… oder sie würden Menschen in Gefahr bringen, die ihm wichtig waren. Und das reine Herz in Links Brust duldete diese Möglichkeit nicht. Nicht jetzt und nicht in dieser grausamen Stunde, wo er wusste, was es hieß, ein Held zu sein!

Mortesk richtete sich grunzend auf. Seine glühenden Augen leuchteten verächtlich, machten deutlich, dass ihm das Spielchen des Heroen nicht gefiel. Gehässig richtete er seinen Blick auf den grünbemützten Link, der seinen entschlossenen Blick zurückgewonnen hatte. Ein morbider Drohruf entlockt aus seiner staubigen Kehle, schief, aber durchdringend zerstörte die nächtliche Stille. „Tötet ihn!“

Und sein Ruf war kaum verklungen, da stürzte sich die Brut aus Knochen erneut auf den grünbemützten Helden, der jedoch wie ausgewechselt schien. Jede Attacke schenkte ihm neuen Mut und jeder Streich seines Schwertes saß und verdammte.

Als erstes nahm sich Link den Widersacher mit dem Morgenstern vor, der diesen bedrohlich schwang. Er war vielleicht derjenige mit der gefährlichsten Waffe und der, den Link als erstes außer Gefecht wissen wollte. Ein mörderischer Kampf entbrannte, ließ die Welt erstaunen, als Schwert und Morgenstern miteinander rangen. Immer wieder donnerten die Klingen nieder. Immer wieder wich Link den Hieben aus. In einer ausgefeilten, raffinierten Art und Weise hüpfte der junge Kämpfer so hoch ihn seine durchtrainierten Beine es ermöglichten, krallte sich an den Ast eines Baumes fest, wo er eine Rolle drehte. Tapfer, und wissend, dies war sein vorherbestimmter Weg, sprang Link direkt mit dem Schwert nach unten gerichtet auf den Kopf der Kreatur zu. Ohne Zweifel. Ohne Ängste… Und als sein scharfes Schwert zischend den Kopf des Ungetüms durchbohrte, er das letzte Hecheln der Bestie vernahm und die Welt sein Bewusstsein bereicherte, hörte er die neue Wahrheit rufen. Es rief dort draußen in der Welt nach dem Helden und die Zeichen erstarkten. An den anderen Ufern des Schicksals, vergessen, vernahm das Böse den Ruf des einen Helden. Sein Mut lebte und er lebte mit einer gigantischen Stärke. Und jener Mut würde diese Nacht entscheiden.

Wie der Richter über das Unheil und die Grausamkeit der Dämonen landete Link auf seinen Beinen, blickte mitleidlos zu jener Kreatur mit dem gespaltenen Schädel. Am Boden brach das Ungetüm zusammen, kreischte markerschütternd noch einmal, bis seine entstellten Lippen schwiegen und er sich in Asche auflöste…

Ein Widersacher war gefallen… und er fiel gnadenlos zu den Füßen des grünbemützten Schwertfechters.

Erleichtert atmete Link aus und schnaubte nach Luft. Seine tiefblauen Augen glühten in einem Spektakel aus Überraschung und Überlegenheit. Etwas ungläubig richtete er seinen Blick auf seine Waffe und schließlich zu den Monstern, die noch übrig waren. Ja, das war, was er sein wollte. Ein Kämpfer, der über das triumphierte, was herrschsüchtig und dumm war. Und er würde diese Nacht in seinem Leben nicht mehr vergessen, denn sie ließ ihn sein, was er sein wollte. Und er würde in dieser Nacht nicht aufgeben! 

Gespannt blickte er um sich, stellte sich erneut in Kampfposition und seine Mundwinkel zogen sich herausfordernd in die Breite. Mit einer auffordernden Handbewegung lud er die Gegner ein, war völlig in Trance, realisierte nicht mehr, aber ließ sich von dem Rausch der Gefahr gefangen nehmen…

Mortesk, der sich zuvor noch gelassen zurückhielt, schnippte nun mit den Fingern und trug plötzlich Schild und Schwert in den Händen, aber griff dennoch nicht in das Geschehen ein, während Link begann sich mit den anderen drei Gegnern zu duellieren. Als die Nacht dunkler und dichter wurde, flitzte das stachlige Seil erneut über Link hinweg, der sich geschickt bückte und über den Boden rollte. Er kämpfe leidenschaftlich, mit allem, was er hatte, hüpfte mit gehässigem Blicken hin und her, bis er auf dem Seil des Ungetüms stand. Erstaunt sah der Gegner auf, bereit kräftig an dem Seil zuziehen, um Link zu Fall zu bringen.

Aber gerade im letzten Moment stellte sich Link mit einem hinterhältigen Grinsen neben es. Der schmierige Kerl zog und flog mit einem Knacken seiner schweren Rüstung nach hinten. Link rannte auf ihn zu, die anderen Widersacher immer im Auge, und setzte dem Kerl aus Knochen die Waffe an die Kehle. „Wer schickt euch“, fauchte der Jugendliche. Doch das Monstrum antwortete nicht, auch dann nicht, als Links Klinge näher an dessen knöcherner, mit Hautfetzen behangener Kehle entlang fuhr. Er war bereit ihm den Gar aus zu machen, blickte ihm zornig entgegen. Plötzlich hatte der am Boden liegende Knochengegner einen Dolch in den Händen und stieß ihn nach seinem Feind. Dieser wich knapp aus und ließ die Klinge nun die Kehle des Unholds durchstoßen. Mit einem Winseln sprang die dämonische Kreatur auf, fasste sich mit den Händen an den Hals und zersprang in einem unheimlichen Ascheregen… und erneut fiel ein Gegner zu Staub und fütterte den Überlebenswillen des einen Helden…

„Wollt auch ihr sterben wie eure beiden Brüder!“, kreischte Links Stimme durch die Nacht. Er schwang seine Waffe auf eine elegante Weise, blickte eiskalt in die Antlitze zwei weiterer furchteinflößender Ritter, die nur aus Knochen bestanden.

„Wollt auch ihr die Klinge kosten?“, brüllte Link hetzend. „Ritter aus Knochen, billiger Abschaum, kämpft oder flieht! Aber ich, so wahr ich hier stehe, werde mich nicht besiegen und nicht erniedrigen lassen, nicht von Rittern aus Knochen wie euch!“

Ja, Ritter aus Knochen… Skelettritter, wie sie ein vergessener Teil seiner Seele nannte. Der Gedanke war genauso wahnwitzig wie doch unerschütterlich. Er stand hier im Angesicht von Feinden, die genauso aussahen wie die mordlüsternen Streiter aus Knochen, die doch nur in einer Phantasiewelt existieren konnten.

Link hatte keine Zeit für weitere seiner Überlegungen und doch wusste er es. Er kämpfte erbarmungslos mit der Macht seiner Tapferkeit gegen Wesen, die in einer anderen Dimension existieren sollten. Er kämpfte wie in der Legende von Zelda… und noch war das Gefecht nicht vorüber. Die Welt entließ Link noch nicht aus seiner Pflicht…

Erneut fand sich der grünbemützte Jugendliche umgeben von der Grausamkeit seiner eigenen Erwartung. Noch drei Gegner hielten sich mit mörderischen Waffen hier auf und alle drei waren nun weitaus vorsichtiger, wussten um die Fähigkeiten, die sich der junge Mann angeeignet hatte. Einer der verbliebenen Widersacher, derjenige, der gerade seine Armbrust mit mehreren Geschossen aus Metall fütterte, rückte in Links Visier. Mit einem Grunzen spannte der Skelettritter seine Waffe und ließ in dem Augenblick, als sich der Mond ein weiteres Mal am nachtschwarzen Himmel zeigte, seine gefährlichen, dickstämmigen Geschosse los. Zischend donnerten die Pfeile über die Lichtung, zerrissen Blätter und Zweige, aber keiner der Pfeile war direkt auf den jugendlichen Kämpfer gespannt. Hochkonzentriert, aber erstaunt beobachtete Link die Geschosse, sah jene vorbeirasen und erkannte im letzten Augenblick etwas funkelndes, violettes, das an den Eisenspitzen der Pfeile klebte. Etwas Schleimiges verlieh den Geschossen Schnelligkeit und Intelligenz, verlieh jenen den Willen zu töten.

Ohne weiteres Überlegen rannte Link in die Dunkelheit der Wälder und spürte die selbstständig denkenden Pfeile immer näher kommen, fühlte ihren Vernichtungswillen, gefüttert von einem Geist, der die Geschosse durch den Wald lenkte. Der Streiter des Guten drehte einige Runden, hetzte zur Seite und sah, wie eines der eigentümliche Geschosse nach vorne schnellte, sich bizarr in den Lüften drehte und einmal mehr auf ihn zusteuerte. Link duckte sich hetzend und hörte ihn über sich hinweg rasen. Mit einem weiteren Adrenalinstoß, der ihm ins Mark fuhr, rannte der junge Held weiter, hüpfte über einen Bach, hörte seine Schuhe Laub und Zweige zertreten, hörte im Hintergrund, wie die Pfeile den Wind teilten und blickte ab und an mit seinen scharfen, tiefblauen Augen zurück.

Ruckartig blieb er schließlich stehen, wischte sich Dreck und Schweiß von der Stirn und entschied sich nicht länger wegzulaufen. Er war nicht geboren worden um wegzulaufen und er wusste, dass die Geschosse, genährt von dem übernatürlichen Schleim auf ewig hinter ihm her donnern würden, wenn er sie nicht stoppte. Und er konnte sie stoppen!

Mit geschlossenen Augen, in einer edlen Haltung, das Schwert vertikal nahe seinem Körper, stand Link inmitten der Dunkelheit und fokussierte. Seine Konzentration wuchs, seine Sinne schärften sich im Angesicht der Stille der Nacht, und der Stunde, wo das Leben auf der Erde schlief. Kein Laut drang durch die Finsternis, nur das sanfte Plätschern des Baches, ein Raunen einer alten Eule, Gesänge der Wildnis… und ganz leise, aber unverkennbar röhrte etwas Gefährliches durch die Winde. Mehr und mehr konzentrierte sich der Kämpfer auf das eigenwillige Geräusch der Geschosse, die zischend näher hasteten und die Luft vibrieren ließen. 

Gerade als sich seine tiefblauen Augen öffneten und das mutige Leuchten jener durch die Dunkelheit drangen, konnte er die Pfeile in der Dunkelheit aufblitzen sehen, erkannte auch den funkelnden Schleim an den metallischen Objekten und entschied sich weiterhin zu verweilen, sich bereit zu machen. Tapfer hielt Link sein Schwert gestreckt dicht an seinem Körper und wartete geduldig auf das erste Zeichen der Zeit…

Langsam bewegte er seine Waffe nach links, konnte die mörderischen Geschosse schneller werden hören. Sie näherten sich verbittert und entseelt, näherten sich mit der Sucht nach zerrupftem Fleisch, donnerten gnadenlos vorwärts. Und sie waren nah, so nah, das Link die Windgeister heulen hören konnte, und spürte, wie sie jene unschuldigen Geister zerfetzten. Doch er blieb gelassen, wo er war, bereit auf seine Fähigkeiten zu vertrauen und bereit für einen neuen Weg.

Und als sich die todbringenden, dickstämmigen Pfeile näherten, lebendig und zielgerichtet, biss sich der junge Heroe auf die Lippen, schluckte trockenen Speichel in seinem Hals herunter, umfasste seine schutzbringende Waffe energisch. Nur noch wenige Meter trennten ihn von den Geschossen und es war dann, dass Link sich einmal mehr auf seine Kämpfersinne verließ. Als hatte sich die Zeit mit ihm verbündet, schloss er seine Augen in dieser Sekunde des Wahnsinns, führte seine Waffe elegant und mit einer satten, geschmeidigen Bewegung ließ er die Klinge tanzen. Kurz davor mit einem erstickten Laut in seinen Körper einzudringen, erstarben die Pfeile vor seinem Körper. Alle drei hatte der gewandte Kämpfer mit seinem Schwert zerteilt und die zerstückelten Teile der Pfeile landeten zu seinen Füßen.

Link trat geistesgegenwärtig auf den lila Schleim, der sich von den Pfeilen absonderte, davon kriechen wollte. Dieser übernatürliche Schleim, von dem der junge Mann ahnte, dass er gefährlicher war als so mancher Gegner, würde auch durch seine Hand gerichtet werden. Ohne Mitleid, und wissend, dass es richtig war, stieß der grünbemützte Kämpfer die Klinge mehrfach in die Substanz, bis auch diese sich auflöste und wie Rauch zum Himmel emporstieg.

Mit einem leichten Seufzen, nach einer kurzen Verschnaufpause, wo sich der Jugendliche kurz am Wasser das Baches erfrischte, rannte er weiter und konnte ein erneutes, gefährliches Knacken im Wald vernehmen. Noch waren da draußen drei Gegner, die sein Blut wollten und noch waren die Nacht und der Kampf nicht vorbei.

Ruhiger werdend und vorbereitet huschte der jugendliche Schwertfechter durch das Unterholz, bemüht wenige Geräusche zu verursachen und sich weiterhin geschickt in der Dunkelheit zu halten, einen Vorteil zu haben. Aber Link ahnte auch, dass seine Feinde sich viel leichter mit der Finsternis verbünden konnten als er. Ein vergessener Teil seiner selbst belehrte ihn darüber, dass Kreaturen des Bösen schärfere Sinne für die Finsternis besaßen als ein Wesen der Lichtwelt… Und in der Schwärze stapften seine Feinde vorwärts, suchend nach ihm, dürstend nach Rache für die Abschlachterei von zwei ihrer Sorte.

Link lauschte gespannt durch die Nacht, fühlte eine einschleichende Erschöpfung in seinen Gliedern und kostete von seinen Sinnen, spürend, dass einer der Angreifer sehr nah war. Dann plötzlich ein Knacken, das Klappern von Metall. Dann Schritte, die ihm erneut einen Adrenalinschub verpassten. Und nur wenige Meter weiter entdeckte der gewandte Streiter des Guten ein bedrohliches Funkeln, rötlich, von zwei kranken Augen, die nach ihm Ausschau hielten. Einer der Gegner näherte sich, rieb seinen Kampfstab an den Baumrinden, schlug dann mehrfach gegen Äste und Zweige und rief nach dem einen Helden.

„Komm‘ raus, Held der alten Welt. Narr, der du bist, zeig‘ dich! Du kannst nicht gewinnen, keiner kann das… keiner kann uns bezwingen auf ewig!“ Der Dämon brüllte mit seiner staubbelegten Kehle, zerstörte die Ruhe in den Wäldern. Und noch war Link im Vorteil. Er zögerte nur kurz, entschied sich dann seine Anwesenheit preis zu geben. Gelassen, in geschmeidigen Schritten näher tretend, würde er sich auf den nächsten Kampf einlassen. Und während er in den Kampf zog, wurden seine Schritte schneller und fester. Furcht bekämpfte ihn nicht… Furcht hatte keine Chance sich breit zu machen in dem Herzen des wahren Helden. Mit einer saftigen Sprungattacke gab Link seine Anwesenheit preis, donnerte mit aller Kraft gegen seinen Widersacher und das Schwert und der lange Kampfstab prallten erbarmungslos aufeinander.

Wie in Trance ließ sich Links starker Körper von der Macht des Kampfes benutzen. Die Energie einer Schlacht verwandelte ihn in eine Maschine, die nur geboren schien zu vernichten. Er umgriff das Schwert mit beiden Händen, schlug so kraftvoll auf den Kerl ein wie er es konnte, spürte seine Muskeln vibrieren. Schwert und Kampfstab rangen miteinander, während sich die Kontrahenten angeekelt in die Augen starrten. Link drückte das Schwert gegen den Stab und presste die Zähne zusammen, legte alle Kraft des Guten in die Klinge, bereit alles zu geben, was er hatte. Brüllend riss Link das Schwert nach rechts, wissend, welche Attacke zum Sieg führen würde, aber es reichte nicht. Und erneut kämpften die Gegner, als würde die Welt um sie herum versinken.

Gerade in einem unbedeutenden Augenblick tauchten zwei weitere Augen in der Dunkelheit auf. Während Link seinem Gegner immer mehr die Kraft raubte, wurde die Armbrust direkt auf ihn gespannt. Die Bestie im Hintergrund war sich ihres Sieges schon sicher und verfolgte den Heroen zähneknirschend mit der gefährlichen Waffe. Triumphierend hatte der Widersacher Links Herz im Visier, wissend, er brauchte nur noch abdrücken, brauchte nur noch wenige Sekunden und dann wäre diese Welt befreit von dem einen Helden und dann wäre diese Welt bereit für das, was der Meister mit ihr vorhatte.

Doch gerade in diesem Augenblick spürte Link ein Paar Augen im Nacken, stürzte nach vorne, direkt auf seinen Gegner zu, wissend, was der Kampf nun forderte, wissend, dass nun die Zeit gekommen war erneut zu morden. Ein Pfeil zischte durch die Luft, todbringend, glühend und gnadenlos. Link duckte sich blitzartig und rollte sich geschickt durch die Beine seines Kontrahenten. Der Pfeil rauschte, durchbohrte die Rüstung des knöchernen Wesens und tötete Böses mit Bösem. In einem glühenden Ascheregen zerplatzte die Kreatur der Finsternis… und erneut fiel ein Dämon zu Links Füßen.

Der junge Mann versteckte sich wenige Minuten später hinter einem Baum, stützte seine Arme auf die zitternden Beine und schnaubte heftig. Die Müdigkeit legte sich nun unberechenbar stark und fordernd über seine Glieder und seinen Kämpfergeist. Ja, er war erschöpft, spürend, wie ihm seine Kräfte schwanden… aber noch war es nicht vorbei. Und Link würde eine Niederlage niemals selbst wählen… Link spitzte seine Ohren und lauschte angespannt durch die Dunkelheit der Nacht. Er umfasste den Griff des Schwertes wieder fester, weil dort draußen in der nächtlichen Dämmerung, dort draußen, wo die Gefahr lebte, noch immer zwei Widersacher warteten. Zwei, die seinen Tod forderten mit jeder Faser böser Energie, die in den zusammengewürfelten Knochen lauerte. Dann erneut ein morbides Knacken im Unterholz, näher und näher. Der junge Held konzentrierte sich auf das Atmen der Kreatur des Bösen in der Ferne, konnte sie hecheln hören und wusste, dass es auch jetzt kein Entrinnen gab. Es gab keine Fragen mehr, die er sich stellen konnte und es gab kein Weglaufen. Die Tage, an welchem er vor bösem Abschaum Angst hatte, waren vorbei. Und seine Furcht war mit dieser Nacht gestorben wie seine Unschuld im Kampf… Er würde sich ab diesem Tage niemals mehr entmutigen lassen, nie wieder weglaufen und dem Kämpferblut in sich treu bleiben. Denn sein legendärer, heiliger Mut war zum Leben erwacht…

Noch einmal lehnte sich der Streiter des Guten konzentriert an einen morschen Baum, lauschte gespannt durch die Nacht. Und es war dann, dass Link sein Schwert rufend schwang, und jenes, während er mit dem Rücken zum Baum gelehnt dastand, einfach nach hinten stieß. Ein trostloser Aufschrei zerriss die Stille. Ein leises Röcheln. Ein dumpfer Ton und auch das vierte Monster zerplatzte in schimmernde, rotglühende Funken… und seine Existenz endete im vorherbestimmten Jenseits…

Nach einer kurzen Atempause und einer zunehmenden Erschöpfung, die sich heimtückisch über seinen ermüdeten Körper legen wollte, lief Link wachsam durch den düsteren Wald und wusste, er müsste die Lichtung überqueren, andernfalls würde er nicht nach Hause gelangen. Mortesk wartete bestimmt auf ihn, würde es genießen sich ihm im Kampf entgegen zu stellen. Link spürte seine Verderben bringenden Kräfte, roch in der Luft noch immer den schwefligen Gestank, der von den zerfetzten Skelettrittern geblieben war.

Link blieb plötzlich verausgabt stehen und holte kräftig Luft. Erst jetzt schien er vollkommen zu realisieren, was er getan hatte, wer er war und was in ihm zu pulsieren begann. Er kämpfte mit Würde und Leidenschaft, gerade so als wäre es sein Ruf, seine Bestimmung. Und in seinem Herzen führte Link ebenso einen Kampf- er trat gegen sich selbst an, gegen das menschliche Abbild seiner selbst, gegen eine Unschuld, die er diese Nacht in den Wäldern begraben hatte. Und diese Unschuld hatte er geopfert für das tosend schlagende Herz eines Kämpfers, der wie kein anderer mit einem Schwert umgehen konnte. Ja, er wusste, seit dem Tag, an dem er Zelda gefunden hatte, war etwas in ihm erwacht… etwas, dass er niemals hatte vergessen wollen, etwas Wertvolles und Legendäres… 

Nach mehreren Minuten stolperte der Jugendliche auf die vom Mond beleuchtete Lichtung zu, blickte sich um, aber er ahnte, dass Mortesk verschwunden war… Feige war er davon gelaufen, hatte seine Brüder geopfert und konnte sich an einer Niederlage des Heroen nicht ergötzen. Ja, das Gute hatte in dieser Nacht eine Schlacht gewonnen und das Gute würde nun nicht mehr so leicht zu besiegen sein… Der grünbemützte Schwertfechter gähnte, streichelte das Schwert dankbar in seiner Hand, wissend ohne es hätte er diese Nacht nicht überlebt. Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr und starrte auf die Zeiger… sie waren genau um Mitternacht stehen geblieben.

 

Sara saß zu dem Zeitpunkt am Telefonhörer und schaute geistesgegenwärtig darauf. Sie machte sich Sorgen um ihren großen Bruder, spürte nahezu, dass etwas nicht stimmte. Mitternacht war schon lange vorbei und Link hatte sich auch sonst nicht mehr gemeldet. ,Irgendetwas war da faul‘, dachte sie. Sara hatte ein sehr ungutes Gefühl. Sie ergriff den Telefonhörer und wählte eine vertraute Nummer. Am anderen Ende der Leitung ertönte dann die schläfrige Stimme der Direktorin. „Ja, hallo, bei Schatteners. Mit wem spreche ich?“

„Ähm, Sorry für die späte Störung. Hier ist Sara Bravery.“

„Ach, Sara, worum geht’s?“ Miss Schattener klang ruhig und sachlich.

„Also, Link ist noch nicht nach Hause gekommen. Ist er vielleicht bei Zelda?“

„Nein, ist er nicht. Und er hat sich sonst nicht mehr gemeldet?“

„Nein.“ Sara war enttäuscht, sie hatte gehofft Ines Schattener könnte ihr helfen, das war aber ein Irrtum.

Trotzdem klang die Direktorin unheimlich besorgt. „Hast du eine Ahnung, wo er hin wollte?“

„Nein, das heißt, er ist vielleicht in den Wäldern und…“ Plötzlich wurde im Hause der Braverys die Tür geöffnet und Link trat mit erschöpftem Blick hinein. „Link ist gerade gekommen. Hat sich erledigt, entschuldigen Sie nochmals die Störung bitte. Gute Nacht.“ Damit legte Sara den Hörer auf und starrte Link an, der einige Kratzer im Gesicht hatte und dessen Kleidung total zerrissen war. Sara wollte sofort wissen, was passiert war. Link jedoch winkte ab, ging auf sein Zimmer und ließ sich hundemüde in sein Bett fallen. ,Ich habe vier Menschen mit einem Schwert getötet… vier Menschen, die zu Monstern mutierten‘, dachte er erschöpft. ,Ich bin… nicht mehr, was ich glaubte zu sein…‘

 

 
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