Kapitel 1.7
 
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Kapitel 7: Ein Name für alle Zeit

 

 

Als die Braverys mit ihrem Pflegekind in ihre Garage am Haus einfuhren, webte die glühende Abendsonne ein Gewand aus schimmerndem Rot, dass beflügelnd durch die silbergraue Nebeldecke drang. Zitternd trat das unbekannte Mädchen aus dem Auto und musterte die Braverys dankbar, auch wenn sie noch nicht begreifen konnte, was in den letzten Stunden geschehen war. Ein ihr fremder, und doch charmanter, herzensguter Junge hatte sie gefunden und darum gekämpft, dass sie vorerst eine sichere Bleibe hatte. Und nun war sie hier, vielleicht nicht so verloren wie vorhin, aber ungemein durcheinander. Sie tapste unsicher hinter Link her und versuchte sich an seinem Verhalten zu orientieren. Im Korridor des gemütlichen Einfamilienhauses entledigte er sich seiner Turnschuhe, worauf auch sie ihre Sandalen auszog. Noch ehe sie etwas sagen musste, stellte er ihr ein paar Hausschuhe vor die Nase und deutete an, dass sie diese jetzt die nächsten Tage tragen konnte. Und auch sonst ging alles sehr schnell seinen Lauf. Sie wusste nicht einmal mehr, was sie noch sagen sollte, als Meira sie in das Gästezimmer im obersten Stockwerk schob. Ein geräumiges Zimmer mit einem Ehebett, das die blonde Schönheit für sich alleine hatte, stand in der Mitte. Ein Schreibtisch, eine kleine Couch, sogar ein Fernseher und ein Radio. Und beruhigend war auch die Tatsache, dass Links Zimmer gleich neben diesem lag…

„Dieses Zimmer wirst du in der nächsten Zeit dein Eigen nennen dürfen. Wann immer du alleine sein willst, oder Ruhe brauchst, dann kannst du dich hier aufhalten“, sprach Meira funkelnd und zeigte der Fremden alles, was sie über diesen Raum, die elektronischen Geräte und so weiter wissen musste. Die Schöne befolgte alle Anweisungen und traute sich kaum etwas zu Meira zu sagen… alles war so neu… alles war so befremdend.

Gerade da kam Link in das Zimmer und hatte frisches Bettzeug auf seinen Armen. Er lächelte, hatte ohnehin das Gefühl, dass irgendwie alles in Ordnung war, dass auch seine vielen Grübeleien mit dem Erscheinen des Mädchens der Vergangenheit angehören würden.

„Mum, ich habe hier die Bettwäsche“, sprach er. Sofort nahm Meira ihm diese ab, grinste ihn verschlagen an, wohl, weil er sich sonst nie die Mühe machte, jemandem im Haushalt zur Hand zu gehen. Sie überzog in Windeseile das Bett, während das Mädchen nur seufzend daneben stand.

„So, junges Fräulein“, sprach Meira und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Du wirst nun erst einmal ein Teil unseres Haushalts sein, das heißt, dass du nur fragen musst, wenn es etwas gibt, was du brauchst, und dass du auch einige Aufgaben übernehmen wirst.“ Sie nickte augenblicklich und sprach langsam: „Das ist selbstverständlich.“ Es wirkte beinahe so, als suchte sie immer noch nach den richtigen Worten, als käme sie mit der Sprache nicht ganz zurecht. Meira schien sich von ihrem Tatendrang auch weiter leiten zu lassen, hetzte aus dem Raum und kam nur Augenbliche später mit einem Stapel Wäsche wieder. Sie reichte der Unbekannten die Kleidung. „Das sind einige Dinge, die dir vielleicht passen könnten, unter anderem ein Nachthemd, das einer meiner Fehlkäufe war, ein paar Strümpfe und so weiter.“ Dankbar nahm das Mädchen die Dinge an sich und war im Begriff vor Meira einen Knicks auszuführen, als sie sich aber stoppte. Irritiert sah sie eine überraschte Meira und einen geschockten Link an, der mehrmals zwinkerte. Sie spürte, dass sie verlegen wurde, ließ sich auf das Bett sinken und legte eine Hand über ihre Augen. Was, bei den Göttinnen, war eigentlich los mit ihr? Was war nur passiert, dass sie sich vorkam wie ein Überbleibsel einer anderen Zeit?

„Vielleicht solltest du erst einmal etwas Ruhe finden, ich kümmere mich derweil um das Essen“, meinte Meira und trat in ihre Küche hinab.

Sie dachte, dass auch Link ging, aber er stand sorgenvoll an der Tür und rührte sich nicht. Sie wendete ihren Blick ab, wollte sich nicht schon wieder vor ihm rechtfertigen müssen, und wünschte sich bloß, sie würde auf andere nicht so eigenartig wirken. Noch ehe sie die Situation verstand, saß Link schon neben ihr auf dem Bett und musterte sie. „Du bist ziemlich durch den Wind, hm?“, sprach er und wollte sie nur etwas aufheitern.

„Es ist… eine schwierige Situation… ich weiß nicht, wie ich mich Meira gegenüber verhalten soll… Sie ist so fürsorglich und… ich habe irgendwie ein schlechtes Gewissen, dass sie bereits jetzt schon so viel für mich tut. Auch Eric… und Sara… sind so wunderbare Menschen. Ich will einfach nicht, dass ich ihnen Umstände bereite…“

„Das machst du nicht“, sprach er streng. „Es war die Entscheidung meiner Eltern, dass du bleiben kannst.“

„Weil du sie überzeugt hast“, meinte sie und blickte ihn sinnlich an. Ihre Augen funkelten mit Dankbarkeit auch ihm gegenüber.

„Nun ja, ich habe… es dir versprochen… es wird alles gut…“, sprach er schüchtern und wurde ebenso verlegen. „Wer weiß, vielleicht kannst du dich ja bald an alles erinnern und dann machst du meiner Familie und mir bestimmt auch keine Umstände mehr.“

„Ja, das ist ein guter Gedanke…“

„Natürlich, der Gedanke kommt ja auch von mir“, brüstete er sich und grinste. Auch sie lächelte sanft und zumindest ein Teil ihrer Nervosität verflog. „Link… können wir uns nachher ein wenig unterhalten…“, bat sei inständig. Er nickte lediglich, wollte noch etwas sagen, als aber Sara in den Raum stürmte.

„Ich wollte nur schauen, dass ihr auch keine Dummheiten anstellt“, lachte sie. Link funkelte sie beleidigt an, nicht, weil sie gerade die angenehme Situation zwischen ihnen unterbrochen hatte, aber weil sie mit ihren Sätzen einige Unterstellungen anrichtete. „Und ich habe mir etwas überlegt, damit wir deinen Schützling nicht dauernd mit ,Hallo‘ oder ,Hey‘ anreden müssen. Sie braucht einen Namen. Kommt ihr mit rüber?“

Und es war dann, dass die drei Jugendlichen in Links Zimmer überlegten, wie man für die Fremde einen guten Namen finden könnte.

„Ich weiß“, sagte Sara und kramte nach vielen, vielen leeren Papierzetteln. „So Leute, lasst uns Namen auf diese Zettel schreiben und dann werfen wir sie in einen Beutel und du…“ Sie deutete zu der Fremden. „… du ziehst irgendeinen davon heraus. Und der Name, der auf dem Schnipsel steht, wird deiner sein.“

Link und das Mädchen stimmten dem Vorschlag zu und jeder schrieb irgendwelche Namen, die ihnen in den Sinn kamen, darauf.

Der junge, zukünftige Held verschwand für eine Weile aus dem Raum, als die Fremde Sara ansprach: „Sara, welchen Namen hast du im Sinn?“

„Das wirst du erfahren, wenn du einen bestimmten Zettel ziehst. Und wenn du diesen Zettel unbewusst auswählst, dann ist das entweder Zufall oder Schicksal.“

„Du bist geheimnisvoll, Sara.“

„Nö, ich bin bloß schlau und das sieht man nicht nur an meinen Schulnoten und ich bin nicht eingebildet.“

Der Gast der Braverys lächelte. „Das habe ich auch niemals angenommen. Aber irgendetwas verbirgt sich hinter dir.“

Sara sah die Fremde mit einem ernsten Blick an. Und das Gegenüber blickte ebenso in ihre Augen. „Du siehst viele Dinge, die niemand sehen kann, Sara, aber du hast Angst davor.“ Und die Situation zwischen Sara und dem fremden Mädchen wandelte sich von locker zu gehemmt und angespannt. Als würde das fremde Mädchen Dinge hinter den Augen eines Wesen erkennen, die das Wesen selbst nicht preisgeben wollte, als wüsste sie mehr als jeder andere. „Du siehst Dinge, bevor sie geschehen und doch hast du diese Fähigkeit noch nie als solche erkannt…“ Die junge Lady mit dem Blick einer weisen, mächtigen Persönlichkeit nahm Saras Hand und sagte leise: „Fürchte dich nicht vor dir selbst, Sara.“

„Aber ich…“, murmelte Sara und blickte verwirrt und eine Spur angsterfüllt weg. Die Fremde stand auf und wunderte sich wohl über sich selbst.

„Verzeih mir Sara, ich wollte nicht…“ Ein wenig schockiert legte sie eine Hand über ihre Lippen, verstand nicht, wusste nicht, was in sie gefahren war. Und da war es wieder. Irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Sie war anders als andere Menschen und gegenüber Sara hatte sie einen weiteren Beweis dafür.

„Du bist genauso verrückt wie Link, weißt du das?“, sagte Sara um die beklemmende Situation zu überspielen. „Apropos Link. Du wolltest vorhin wissen, was ich gemeint habe, als ich sagte: Held?“

Das Mädchen drehte sich langsam um und nickte lediglich verlegen mit dem Kopf.

Sara hüpfte zu Links Schreibtisch und blätterte in dem Spielberater von ,Ocarina of Time’ herum. „Siehst du, sein Name ist auch Link.“ Und Sara deutete vielversprechend auf die mit einer Tunika bekleidete Figur.

„Wirklich?“

„Ja, lustig, aber er mag es nicht, wenn man ihn nur wegen seines Namens mit einer Spielfigur vergleicht. Er hasst es sogar.“

„Aber ich würde mir dieses Spiel gerne einmal ansehen.“ Und sie strich mit ihren Fingerspitzen über eine Abbildung des Helden der Zeit, tupfte über dessen Gesicht als wäre er echt.

„Solltest du vielleicht“, entgegnete Sara.

In dem Augenblick kam Link zurück. Sofort bemerkte er, wie die beiden Mädchen über dem Spielberater gebeugt, amüsiert und grinsend darin herumblätterten.

„Und noch etwas… Link sieht der Spielfigur ähnlich. Krass, nicht wahr?“, sagte Sara, die noch nicht bemerkt hatte, dass Link in dem Zimmer stand. Die Schöne meinte nichts dazu, sondern dachte, wie demütigend es für ihn sein muss, stets damit verglichen zu werden. Eine Spielfigur war nun mal nicht wirklich, aber Link war es… Es musste ihn belasten, denn das Zeldaspiel war wohl in aller Munde…

„Ja, krass. Echt nett Sara. Und du hast nichts Besseres zu erzählen, als dass eine Spielfigur mir ähnlich sieht und noch genauso heißt wie ich. Danke… ich dachte immer, du wärst anders als die meisten. Aber ich habe mich wohl getäuscht.“ Link blickte Sara mit einem verächtlichen Blick an, wie er es noch nie getan hatte. 

„Entschuldige Link, das…“

„Ich habe es schon kapiert, da ich nicht so naiv und schweigsam wie eine grünbemützte Spielfigur bin. Danke für deine Verspottung…“, sagte Link und fuhr ihr mit seinen Worten über den Mund. Wütend lief er in die Mitte der beiden Leute zu dem Schreibtisch, nahm das schwarze Heft an sich und legte es in einen Schrank, bedacht, dass es nicht gesehen wurde, als wäre es eine Art Rettung für sich selbst, wenn es das Tageslicht nicht mehr sah. Ebenso wie ein Land gerettet werden könnte, wenn es nicht mehr existierte…

Sara sah reumütig weg und das fremde Mädchen sah sich die beiden Menschen genau an, wusste und verstand zu viel… sie sah Dinge in dem Herzen eines Menschen, ohne es zu wollen.

Eine lange unangenehme Pause entstand. Die Fremde ergriff die Initiative, nahm den Beutel mit den Namensschildchen zur Hand. Anstatt es einfach seinen Lauf nehmen zu lassen, hatten die Geschwister in diesem Haus eine Wissenschaft daraus gemacht, der Fremden einen Namen zu geben. Aber war dieser ganze Aufwand denn nötig? Fühlte sie nicht vielleicht doch schon, welcher ihr Name war? 

„Am besten du ziehst gleich den Schnipsel“, sagte Link. „Dann machst du die Sache nicht so spannend.“ Sie nickte und kramte in dem Beutel herum. Sie umfasste einen Zettel und öffnete das zusammengefaltete Stückchen Papier sehr vorsichtig. Ein wenig irritiert sah sie in Links tiefblaue Augen und ahnte, dass ihm dieser Name gar nicht gefallen würde. Sie sagte nichts, sondern reichte ihm den Zettel.

Entsetzt, aber wohlwissend, welche Schrift diese auf dem Stückchen Papier war, sah er seine kleine Schwester an: „Du willst mich wohl endgültig in die Klapsmühle bringen, was?“, sagte er verärgert.

Schnell sah Sara auf den Schnipsel und hätte auch vorher gewusst, welchen Zettel die unbekannte Schöne gezogen hatte. Aber Sara lächelte nur: „Also, dann nennen wir dich Zelda.“ Sie schmunzelte. Wie schön es sein konnte, wenn sich harmlose, aber wohlgemerkt gewisse interessante Vorahnungen bewahrheiteten. Sara wusste, dass jene Dame diesen Zettel an sich nehmen würde. Denn darauf stand ein Name für sie… ein Name für alle Ewigkeit…

Link ließ sich genervt in seinen Sessel sinken und schüttelte bloß mit dem Kopf. „Das hast du ja toll hinbekommen, Sara… fein… fein…“

„Gut, oder nicht. Zelda passt doch zu ihr.“ Und Sara deutete vielsagend zu der schweigenden Unbekannten.

„Und was soll’ ich anderen Leuten erzählen, wenn sie mich fragen, was passiert ist? In etwa: ,Link findet Zelda’ Spitze, weiter so. Fehlen nur noch die sechs Weisen und der König von Hyrule…“, meinte er ironisch. Aus irgendeinem Grund störte ihn etwas. Nicht, dass der Name der Fremden nicht stehen würde, nein, aber vielleicht war es aus anderen Gründen nicht richtig.

„Wenn andere fragen, kannst du ihnen ruhig die Wahrheit erzählen.“ Link funkelte Sara eindringlich an, als wollte er sagen. ,Die Wahrheit? Soll ich anderen sagen, was ich träume, oder dass ihre Stimme nach mir gerufen hat?’ Er ärgerte sich maßlos über Sara und in dem Augenblick war ihm alles zu viel. Seine Wunde brannte und verärgert murrte er: „Du bist einfach nicht mehr bei Trost, Sara.“

„Du bist hier nicht mehr bei Trost“, sagte sie eingeschnappt.

„Mag sein, aber ich demütige andere Leute nicht noch mit geistreichen Erfindungen, die keinen interessieren. Diesmal hast du total danebengegriffen, Sara.“

Die Schöne mischte sich ein und begann mit einem: „Hey, beruhigt euch doch. Diese Sache ist doch kein Grund, sich aufzuregen, weil…“ Aber sie wurde unterbrochen von zwei griesgrämigen Gestalten, die sich wegen etwas so Stupiden, wie einem einfachen Namen, in den Haaren hatten. Link und Sara zankten sich so lange, bis Sara aus dem Raum rannte und die Tür hinter sich zu schlug. Jetzt würde sie wohl nicht mehr so leicht dem Frieden unter Geschwistern einwilligen. Beschämt über diese stumpfsinnige Demonstration eines läppischen Geschwisterstreits, suchte Link nach einem neuen Thema zur Ablenkung. Aber er verschwendete seine Zeit mit Überlegungen.

„Streitet ihr beide euch öfters“, fragte die junge Lady mit den blonden Haaren und setzte sich auf den Drehstuhl, welcher gegenüber von dem Schreibtisch stand.

„Ja… irgendwie immer wegen solchen Kleinigkeiten. Ich bin so hirnlos. Weißt du, eigentlich will ich Sara gar nicht anschreien, aber da ist diese Sache mit dem Spiel…“

„Du willst eben keine Spielfigur sein. Hey, wer will das schon?“, sagte die Fremde. Sie suchte seinen Blick und lächelte. „Sie ist dir bestimmt nicht böse. Ich glaube, jemandem wie dir vergibt man gerne den größten Fehler…“, setzte sie hinzu.

Link sah nur dumm aus der Wäsche. War das gerade ein Kompliment? Wie bescheuert. Er zeigte hier auf eine abfällige Art und Weise ein spätpubertäres Streitproblem mit seiner Schwester und die Fremde machte ihm noch Komplimente deswegen. Er setzte ein charmantes Grinsen auf und nickte bloß. „Aber wegen dem Namen…“, sagte er. „Ich finde…“

„Ja?“ Und das Mädchen ihm gegenüber rutschte einige Zentimeter näher an ihn heran.

„… er passt ausgesprochen gut zu dir… auch wenn ich es wohl nicht wahrhaben will.“

„Wirklich?“

Link nickte lächelnd und zeigte ein weiteres charmantes Grinsen. Gerade da riss Meira gut gelaunt die Holztür in Links Zimmer auf und sprang ohne weiteres hinein. Sie trug ihre Küchenschürze und musste mehr gekocht haben als sowohl das Mädchen, als auch Link essen konnten. „So, Kinder, das Essen ist fertig“, sprach sie. „Kommt dann bitte zu Tisch.“ Im nächsten Augenblick war sie auch schon wieder verschwunden.

„Ich kann immer noch nicht so recht glauben, dass ich tatsächlich erst einmal hier bleiben kann…“, murmelte die blonde Schönheit, die nun vorerst den Namen Zelda tragen würde. „Es ist alles so unwirklich…“ Sie rieb sich über ihre Arme und drehte sich zu Link um. Er seufzte und hoffte nur, dass sich die Ungewissheit seines Schützlings legen würde. Und er hoffte, dass bei all den verrückten Ereignissen der letzten Tage Zeldas Erscheinen, ihr Leben und ihr Aufenthalt bei ihm, keine bedenklichen Konsequenzen hatte. Vielleicht war es doch nur Zufall, dass er sie gefunden hatte… vielleicht war es nicht ihre Stimme, die ihn rief, und vielleicht war auch ihr Gedächtnisverlust nichts Ungewöhnliches…

„Das legt sich garantiert“, sprach Link. „Vielleicht machst du dir zu viele Gedanken.“

„Ja, vielleicht…“, entgegnete sie. Gemeinsam traten sie schließlich hinab in die Küche.

 

Aus der Küche drang die Nase verführend ein sehr starker, nach verschiedenen Gewürzen duftender Geruch und erfüllte das gesamte Haus. Zelda schnupperte das Aroma in der Luft, sich nicht sicher, ob sie jemals den Geruch dieser Gewürze in der Nase hatte und erstaunte. Wenn man den gesamten Tag kaum etwas gegessen hatte, schien ohnehin alles gut zu riechen. Als sie vorsichtig hinter Link in die Küche eintrat, saßen Sara, Eric und Meira bereits am bunt gedeckten Tisch. Dunkelblaue Teller, silberfarbiges Besteck und bunte Gläser waren auf eine farbenreiche Tischdecke gestellt worden. Eine riesige, pechschwarze Pfanne, die das gut gewürzte Essen warm hielt, stand verschönernd in der Mitte. Etwas misstrauisch musterte Zelda das Essen und blickte dann unsicher in die Runde. Link deutete auf den freien Platz, direkt neben ihm auf der Eckbank, worauf sich das Mädchen setzte. Sie wartete bis jeder sich bedient hatte und beäugte die Speise nicht mit Abscheu, aber Verwunderung. ,Welches Fleisch war dies‘, fragte sie sich. Und selbst einige der Gemüsesorten kamen ihr fremd vor.

„Du darfst dich ruhig bedienen“, meinte Meira, während sie schmatzte und sich eine Bandnudel in den Mund schob. Zelda nickte dankend und schien sich etwas unbeholfen anzustellen, als sie sich das Essen auf den Teller packte. Dann fragte sie sich für einen kurzen Augenblick, wo das restliche Besteck auf ihrem Platz war. Sie rieb sich über die Augen, wusste, dass es für sie gewöhnlich war, dass sie mindestens drei Gabeln, drei Messer und zwei Löffel an ihrem Platz hatte.

Link bemerkte ihr Zögern. „Stimmt etwas nicht?“, meinte er und sprach, während er kaute. Sie schüttelte den Kopf und blickte in die Runde der erwartungsfrohen Braverys. Besonders Meira schien darauf zu warten, dass sie endlich aß. Als Zelda einen ersten Bissen nahm, konnte sie kaum glauben, jemals etwas Besseres gegessen zu haben. Hastig aß sie weiter, erstaunt über die Erfahrung eines neuen Geschmacks in ihrem Mund.

„Schmeckt es denn, Kind?“, fragte Meira.

„Ja, es ist wundervoll…“, sprach sie, worauf Link mit dem Ellenbogen an Zeldas Schulter stupste. „Du musst nicht immer so höflich sein. Du kannst ruhig sagen, wenn es dir nicht mundet“, maulte Link. „Meine Mutter wird es überleben.“

Bitterböse funkelten Meiras rehbraune Augen in die tiefblauen ihres Sohnes. „Mein Essen hat bisher jedem geschmeckt“, sprach sie beleidigt.

„Ja, jedem, der nichts anderes kennt“, neckte er, aber auch da wurde Meira wütend und rot wie eine Kirsche im Gesicht. Sie schnaubte entrüstet. Link wollte eigentlich nur etwas heitere Stimmung an den Tisch bringen, weil er spürte, dass die Situation irgendwie unbequem war. Aber der Versuch war nicht der Beste… Er seufzte und entschärfte die Situation. „Obwohl ich dein Essen ohnehin sehr mag, Mum…“, meinte er dann.

„Das will ich auch gehofft haben“, brummte sie.

Aber die Befangenheit bei Tisch verging nicht… und auch Zelda spürte dies. Es war unangenehm zu wissen, dass sie das normale Familienleben der Braverys störte. Und sicherlich benahmen sich bei Tisch alle nur wegen ihr so ungewöhnlich und zurückhaltend.

„Also, junges Fräulein“, meinte Eric dann. Zweiter Versuch die miese Stimmung zu beseitigen. „Gibt es etwas, was du über unsere Familie wissen möchtest? Oder würdest du uns gerne irgendetwas erzählen? Natürlich wird dich keiner unter Druck setzen, aber du bist unser Gast und es wäre gut, dich etwas kennenzulernen.“

Überfordert huschten ihre himmelblauen Augen von einem zum anderen. Ja, sie würde gerne etwas erzählen, aber sie hatte nicht einen winzigen Faden, wo sie anfangen konnte. Und sie war so sehr mit ihren Zweifeln beschäftigt, dass sie nicht einmal wusste, welche Frage sie stellen sollte.

„Also, Paps, erst einmal brauchst du sie nicht mit ,junges Fräulein‘ ansprechen. Wir haben uns vorhin zu dritt einen passenden Namen überlegt. Ihr könnt sie mit Zelda ansprechen“, sprach Sara und rettete irgendwie die unangenehme Situation.

„Zelda, also?“, sprach Meira. „Habe ich den Namen nicht irgendwo gelesen letztens?“ Schmatzend beäugte sie ihren Sohnemann. „Nun ja, ist ja auch unwichtig. Viel wichtiger ist wohl, dass wir den Schlamassel erst einmal hinter uns haben.“

„Ja, zum Glück, es war nervenaufreibend in der blöden Polizei zu warten“, meinte Sara, worauf das blonde Mädchen das Essen stoppte. Es war ihr etwas peinlich und unangenehm, dass sie die Braverys damit überhaupt belastet hatte. 

„Ja, das war in der Tat ein Erlebnis“, sprach Eric aufheiternd.

„Und es hat uns den Samstag versaut“, murmelte Sara. Sie wünschte Zelda nichts Böses, aber hätte man diese Angelegenheit nicht auch anders regeln können?

Und es war dann, dass Zelda endgültig ihr Besteck zur Seite legte. Sara wusste es nicht, aber ihre Worte lösten bei der hübschen Unbekannten noch mehr Schuldgefühle aus. Sie erhob sich, blickte dann in die verwunderten Gesichter der Braverys und sprach klar: „Ich möchte mich in aller Form… für eure Gastfreundschaft bedanken… Sobald ich mich wieder erinnern kann, dann möchte ich, dass ihr dafür… belohnt werdet…“ Auf eine Antwort wartend sah sie wieder in die Runde und nahm vorsichtig Platz. Doch diese Aussage schockierte die Braverys mehr als alles bisher Geschehene. Link fiel der Löffel aus dem Mund. Sara zwinkerte. Meira und Eric warfen sich gespenstische Blicke zu. Und jeder dachte, was keiner aussprechen wollte. Zelda kam entweder wirklich von einem anderen Stern oder sie wusste einfach nicht, wie man sich ausdrückte…

„Ähm…“, murmelte Link, wollte irgendetwas sagen, um auch diese peinlichen Gefühle der Anwesenden zu verändern, aber er wusste sich keinen Rat. Normalerweise hatte er immer einen frechen Spruch parat, aber er musste wohl einsehen, dass er sich einfach zu müde fühlte.

„Nun ja, Mädchen, es ist ja soweit alles in Ordnung und du solltest keine Schuldgefühle wegen uns haben, zumal das unsere Entscheidung war dich einzuladen“, meinte Eric. „Du bist jetzt unser Pflegekind und hast damit auch das Recht uns um etwas zu bitten oder dich an Diskussionen zu beteiligen.“ Zelda nickte bekümmert. Sie wusste gar nicht, was sie darauf sagen sollte. Es war ihr fremd, dass jemand sich ihr gegenüber so bestimmt und herzlich verhielt.

„Nebenbei“, sprach Meira einfühlsam. „Wie fühlst du dich, Zelda? Ich meine, nach all dem Chaos?“ Und einmal mehr wirkte sie, als würde diese Anteilnahme sie überfordern. Sie blickte beschämt zu ihren verkrampften Händen. „Es geht mir… eigentlich… ganz gut.“ Sie warf einen zögerlichen Blick zu Link, der sich genüsslich das Essen in den Wanst stopfte.

„Freut mich“, sprach Meira und blickte das Mädchen mütterlich an.

„Es tut mir leid… dass ich nicht weiß, was ich erzählen soll… Ich habe einfach keine Idee…“, rechtfertigte sie sich.

„Aber das macht doch nichts, du wirst ja noch genug Zeit dafür haben“, entgegnete Meira. Und nicht nur so lächelte, auch der Rest der Familie tat es ihr gleich. ,Ja‘, dachte Zelda, und sie spürte es: sie war willkommen in diesem Hause, auch unbedacht der merkwürdigen Umstände…

Nach dem Essen beobachtete Zelda die Tätigkeiten von Meira, wie sie ihren Haushalt in Ordnung brachte, beobachtete Eric, der an seinem Laptop saß und sie war beinahe fasziniert von der modernen Technik. Sie beobachtete ganz genau die Abläufe und lernte schnell… Und so zeigte Meira ihr die Aufgaben, die sie in nächster Zeit übernehmen sollte wie Blumen gießen und den Geschirrspüler bedienen. Links Eltern schlossen die Dame sofort ins Herz und waren von ihr noch begeisterter als ihr Retter selbst…

 

Später am Abend waren Zelda und Link gemeinsam in sein Zimmer getrottet und unterhielten sich über den mehr als ungewöhnlichen Tag. Auch das Schmuckstück fiel Link wieder ein, welches hinter dem Nachttischschränkchen lag. Er stand auf und beugte sich zähneknirschend über den Schrank. Seine Wunde brannte stärker, wenn er unangemessene Bewegungen machte, aber vor diesem hübschen Gesicht würde er keine Schwäche zeigen, nicht heute, nicht morgen. Diesmal krallte er sich das kostbare Schmuckstück und reichte es dem verdutzt drein sehenden, hübschen Gesicht ihm gegenüber. „Du hast diese Tiara in deiner rechten Hand gehalten, als ich dich fand und nicht loslassen wollen. In der Nacht ist es dann unabsichtlich hinter dem Schrank gelandet. Es gehört dir und deshalb nimm’ es.“

Sie sah sich das edle Stück an und irgendwie war etwas Abstoßendes daran. Etwas haftete daran, das ihr nicht geheuer war, etwas so Unberechenbares, Kaltes. „Ich will dieses Ding nicht haben“, sagte sie und bezeichnete das Schmuckstück damit als etwas Unnützes, das keinen Wert hatte. Angewidert legte sie es auf den braunen, runden Tisch in der Zimmermitte. „Irgendwie macht es mich krank. Wenn du möchtest, kannst du es irgendwo verkaufen.“ Noch im selben Moment griff sie sich an den Ring, den sie an ihrer rechten Hand trug, ja auch dies war Schmuck, genauso wie die Tiara, aber daran haftete etwas Warmes, Vertrautes. Sie lief dann zum Fenster, was, so nahm Link an, ihre Lieblingsbeschäftigung war, und blickte mit verschränkten Armen hinaus.

Link packte das Schmuckstück in eine Schachtel und steckte diese in den erstbesten Kasten. Er trat neben sie und nahm an ihrem Ausblick teil. „Das ist eine seltsame Welt da draußen…“, sagte Link gedämpft, den aufkommenden Schmerz unterdrückend.

„Ja… jeder lebt ohne richtig den Sinn erkennen zu wollen…“, antwortete sie. „Aber warum ist dir diese Welt fremd? Du hast eine sorgende Familie und du führst ein normales Leben…“, sagte sie.

„So normal ist mein Leben nur leider nicht“, entgegnete er. Sie sah ihn von der Seite an und fürchtete sich fast davor, einen Blick hinter seine Fassade zu werfen. Er war so unbeschreiblich anziehend, so rätselhaft… Tiefe Geheimnisse lagen in seiner Seele und belasteten ihn. Das fühlte sie…

Er drehte seinen Kopf zu ihr und versuchte es mit einem seines sanften, charmanten Lächelns. „Also… Zelda…“, murmelte er, überrascht, wie schön der Name doch klang, wenn man ihn richtig aussprach.

„Also, Link“, sagte sie.

„Was möchtest du jetzt noch tun? Ich würde dir ja gerne einmal die Stelle zeigen, wo ich dich fand, aber es ist so neblig draußen und nieselt. In den Wäldern ist es unangenehm, wenn solches, schmieriges Wetter ist.“

„Da stimme ich dir zu. Bist du denn häufig dort unterwegs?“

Link nickte nur. „Es ist, als ob mich etwas schon immer dort hingezogen hätte…“

„Als ob du früher dort gelebt hättest…“

„Ja, genau.“

Sie erwiderte seinen nachdenklichen Blick. Unmöglich… sie verstand ihn, kannte seine Gedanken. Und es war das erste Mal in Links Leben, dass ihn jemand auf diese Art und Weise verstehen wollte. Das erste Mal, dass er sich so mit einer Menschenseele unterhalten konnte. „Ich danke dir, Zelda“, meinte er.

„Wofür?“ Überraschung stand in ihren Augen.

„Ach, einfach nur so.“

Sie blickten sich erneut so lange an wie möglich, bis einer von beiden mit den Wimpern zuckte. „Du gibst mir Mut, auch wenn ich nicht verstehen wieso…“, sagte sie, „Ich fühle mich irgendwie so sicher hier, aufgehoben und äußerst wohl. Wie kann ich dir nur danken, dass ich hier bleiben kann?“

„Mir fällt später bestimmt was ein…“, sagte er grinsend, verkniff sich aber besagtes Grinsen wieder, als seine Wunde sich bösartig einmischte. Er atmete tief ein und stützte sich leicht auf der inneren Fensterbank ab.

Plötzlich fühlte er eine warme sanfte Hand auf seiner Stirn. Seine Augen begegneten ihren, die sichtbar besorgt dreinblickten. „Du brauchst mir nicht die heile Welt vorspielen, die es für niemanden gibt… und dir brauchst du diese auch nicht vorspielen…“, murmelte sie ein wenig unsicher. Sie wusste, ihm ging es nicht gut. Sie fühlte sein Fieber beinahe, als wäre es ihr eigenes.

Er sagte nichts auf ihre Worte, nahm ihr Handgelenk und führte jene warme Hand, trotz des durchaus angenehmen Gefühls ihrer Haut auf seiner Stirn davon weg. Link lief einige Runden im Raum hin und her, beachtete Zeldas ernsten Blick nicht und lief zur Zimmertür. Verdammt, er wollte vom Thema ablenken, und hatte keine Ahnung wie. Sie hatte ihn durchschaut, sie wusste zu viel…

„Warte, Link. Könntest du mir dieses Spiel… du weißt… die Legende von Zelda, denn einmal zeigen?“

Er schüttelte mit dem Kopf. „Ich habe Sara versprochen, es nicht anzurühren… frag’ sie deswegen.“ Und er legte eine Hand auf den Türgriff.

„Link, ähm…“ Sie wollte zu ihm durchdringen. Das schien aber eine Lebensaufgabe zu sein. Er verheimlichte so vieles, nicht nur vor anderen, sondern auch vor sich selbst…

„Ja“, fragte er ohne sich umzudrehen.

„Bitte rede mit mir. Erzähl’ mir etwas von dieser Welt, Link.“

Er öffnete die Tür. „Später…“, murmelte er und ging aus dem Raum. Sie folgte ihm, wollte wissen, wie es mit seiner Verletzung stand, ihm helfen, da er ihr geholfen hatte. Sie schritt ebenso aus dem Raum und wunderte sich zunächst, wo Link so schnell abgeblieben war. Zelda lief in die Stube und sah Links Eltern dort vor dem Fernseher sitzen. Genüsslich schaufelten sie sich ein paar Chips in den Mund und lachten über eine stupide Videoaufzeichnung.

„Suchst du Link?“, fragte Meira in einem Moment, als sie ihr schrilles Lachen unterbinden konnte.

„Ja, das tue ich.“

„Er hat seine Jacke angezogen und ist ohne ein Wort abgerauscht. Komm’ ja nicht auf den Dreh ihm hinterher zu rennen. Du holst ihn sowieso nicht ein.“

„Warum denn nicht?“

„Weil er zu schnell ist und seine Geheimverstecke kennt.“

„Und wo ist Sara?“

„Die ist bei Mike, einem Freund.“

Zelda lief zu der Couch, wo das Ehepaar gemütlich saß und auf einen neuen Flachbildfernseher schaute.

Meira stand auf und beäugte das Mädchen wieder. „Aber egal, du weißt nicht, was du tun könntest, oder?“

„Ja, ich brauche wohl einfach nur eine Beschäftigung.“

„Das kann ich gut verstehen. Möchtest du vielleicht ein wenig lesen? Ich habe einige Phantasieromane, Horrorgeschichten und Krimis, wenn du magst. Da fällt mir ein, du kannst auch gerne irgendeine DVD aus der Sammlung meines Mannes schauen.“ Und Links Vater sah das Mädchen grinsend an.

„Danke, aber ich würde gerne irgendetwas Nützlicheres tun…“

„Nützlicheres gibt es bei uns am Wochenende nur leider nicht, nur Entspannendes… da hätte dich unser Sohn früher finden müssen.“

Und Zelda lächelte. „Wegen Link…“, fing Zelda an. Sie setzte sich auf einen großen, cremefarbenen Hocker mit weichem Bezug. „Gibt es denn nichts, was ich für ihn tun könnte, wie ich mich bei ihm revanchieren könnte.“

„Du möchtest aus der Situation, so wie sie ist, eben das Beste machen. Das ist uns klar“, sagte Links Vater und Zelda sah sich diesen ein weiteres Mal genau an. Er hatte graublaue Augen, so wie Sara, trug einen Dreitagebart und war eigentlich sehr schlank, vielleicht sogar ein bisschen zu mager. Das auffälligste an ihm war eine große Narbe an seiner rechten Wange und die Brille auf der Nase.

„Ich würde dich ja gerne damit beauftragen, Links Schränke auf Unrat zu sortieren, aber du könntest wahnsinnig werden bei dem ganzen Kram, den er aufbewahrt und zweitens mag er es nicht, wenn jemand in seinen Sachen herumschnüffelt.“

„Vielleicht lese ich doch ein Buch…“, sagte Zelda dann.

Meira führte sie dann in ihre persönliche kleine Bibliothek, die aus einem großen Regal in ihrem Schlafzimmer bestand. „Was möchtest du? Harry Potter? Oder eher etwas von Wolfgang Hohlbein? Dean Koontz ist auch nicht schlecht oder… Marion Zimmer Bradley lesen auch viele.“

„Ja, also? Wenn ich ehrlich bin, sagt mir keines der Bücher irgendetwas…“

„Tja… das muss wohl an deinem Gedächtnisschwund liegen.“

„Nein, da steckt mehr dahinter“, seufzte Zelda, während sie die Bücher durchkämmte.

Meira sah verwirrt drein und legte eine Hand auf die Schulter des Mädchens. „Wie auch immer, genieße deine Zeit hier doch einfach.“

Zelda nickte und entschied sich für ein Buch der Donovan- Saga.

Meira schmunzelte. „Aber ich warne dich. Diese Bücher sind immer ein wenig… nun ja… romantisch…“

Zelda tat diese Tatsache ab und nahm an, dass sie dies selbst herausfinden würde. Wenn es dann zu romantisch werden sollte und ihr das Lesen keinen Spaß machen würde, könnte sie das Buch auch wieder zu klappen.

Meira folgte dem Mädchen in das Gästezimmer.

„Fühl’ dich ruhig wie zuhause.“

Was Zelda natürlich tun würde. Sie setzte sich vor den Schreibtisch und hatte spontan einen weiteren Gedanken. „Ähm, Meira, könntest du mir noch einen Gefallen tun?“

„Ja, was möchtest du?“

„Ich hätte gerne ein paar Blätter Pergament und eine Feder.“ Meira begann herzlich zu lachen und kugelte sich schon. Ihren Atem kontrollierend lehnte sie sich an die Wand. Seit wann benutzte man in der modernen Welt Federn zum Schreiben?

„Habe ich etwas Falsches gesagt?“, meinte Zelda leise und erneut verlegen.

„In unserer Welt benutzt man keine Federn mehr, zumindest nicht unbedingt für den Alltag, armes Kind.“

„Oh…“, sagte Zelda, „entschuldige bitte…“

Meira lief hastig auf sie zu. „Nana… dafür brauchst du dich doch nicht zu entschuldigen. Es klang nur so witzig. Ich müsste mich für mein Gelächter entschuldigen… Warte ich hole dir Schreibzeug und ein Notizbuch.“  

Zelda ließ sich beschämt mit dem Rücken auf das Bett fallen und hielt das Buch schützend vor ihren rotglühenden Kopf. Wie peinlich… wie demütigend… Sie wusste einfach nichts, kannte sich in dieser Welt nicht aus und kam sich mit ihrer stumpfsinnigen, alten Art ziemlich unpässlich vor. Alles war befremdend… die Gegenstände… die Menschen… Da war wieder dieses Gefühl etwas wissen zu müssen, was sie nicht wusste, was sie nicht erinnerte und doch war es von Bedeutung, nicht nur für sie- irgendwann vielleicht für diese ganze, moderne Welt. Während sie so dalag, wendete sie ihren Kopf zu der Fensterscheibe, sah Regen, der beinahe wütend vom nebulösen Himmel niederfiel. Etwas wartete da draußen. Jemand suchte nach ihr. Das ahnte sie, fühlte sie. Eine ihrer wunderbaren Fähigkeiten, mit denen sie nichts anzufangen wusste. Etwas Bösartiges, unmenschlich Finsteres, lauerte da draußen und wartete, begehrte Macht, verlangte nach Rache…

Meira kam frohen Mutes in das Zimmer gestolpert und brachte die aus den Gedanken gerissene Zelda total aus dem Konzept. Dies schien wohl ihre beste Fähigkeit zu sein: Leute, besonders ihren Sohn, aus dem Konzept bringen wollend. Sie hatte einen A4- Block unter dem Arm und eine Federmappe in der Hand. „Bitte sehr. Darf’ ich auch fragen, wozu du diese Dinge benötigst.“

Zelda sprang vom Bett auf und nahm Meira die Sachen ab. „Ich möchte meine Gedanken notieren und vielleicht einige Träume aufschreiben, um festzuhalten, was wichtig ist…“

„Na, da scheint unser Junge ja tatsächlich eine Prinzessin gefunden zu haben“, sagte Meira kichernd und pflanzte sich in einen Sessel neben dem Schreibtisch.

„Ich danke dir sehr, Meira. Ich wäre verloren, wenn Link mich nicht gefunden hätte und ich nicht hier wohnen dürfte.“

„Er hat ja auch lange dafür argumentiert, dass du bleiben kannst.“ Zelda lächelte. „Und ich denke, ihn hat es irgendwie erwischt, als er dich sah. Du bist wirklich sehr hübsch. Das muss dir einfach mal jemand sagen.“

Zelda sah verlegen zu Boden und ihre Wangen färbten sich schwach rosa. „Danke für das Kompliment.“

„Nicht der Rede wert.“ Nach einer Pause ergänzte Meira noch: „Ehe ich es vergesse, Eric und ich fahren morgen vielleicht ein paar Tage weg und Sara hat uns bereits darum gebeten, ob sie mitkommen kann. Ich schätze, das müsste eigentlich auch nach dem Betreuungsgesetz unseres Landes in Ordnung sein. Eric, Sara und ich sind nicht zu weit weg, sodass wir schnellst möglich hier sein können, wenn irgendetwas nicht okay sein sollte. Meine Schwester Lydia und ihr Ehemann Jonas werden ab und an mal vorbeischauen. Jonas kennst du vom Polizeipräsidium. Nichtsdestotrotz heißt das, du bist mit Link einige Tage allein in diesem großen Haus. Spätestens Ende nächster Woche sind wir dann wieder da. Nur, dass du Bescheid weißt.“ Zelda nickte. „Okay und nun tu’ das, was dir Spaß macht, Zelda.“

Und das Mädchen breitete sich wieder auf dem Bett aus, nahm sich das Buch und begann zu lesen.

Gerade mal zwei Minuten später kam Meira wieder herein und ergänzte: „Und wenn du Hunger oder Durst hast, sag’ einfach Bescheid, ja?“

„Ja, danke…“ Wie herzlich diese Menschen doch waren, bei denen sie gelandet war. Ob wohl viele Leute in dieser modernen Welt so freundlich gesinnt waren und so viel Verständnis zeigten? Zelda las mit Bedacht und Bewunderung jenes Buch und vergaß darüber hinaus, wie die Zeit davonrannte.

 

Spät abends wurde Zelda aus ihrer Lektüre herausgerissen. Es läutete an der Haustür. Sie sprang auf und lief aus dem Raum hinaus. Auf der Treppe klingelte es erneut. Nanu? Warum öffnete denn niemand die Tür? Wo waren denn Meira und Eric? Wieder drang das Klingelgeräusch an ihre Ohren. Schnell hastete sie zur Tür und blickte durch den Späher. Link stand davor, total durchnässt, mit triefenden Haaren.

Zelda öffnete ihm mit einem: „Hey.“

Er trat wortlos ein und hielt sich nach Luft schnappend am Türrahmen fest. In dem Augenblick wusste das unbekannte Mädchen, dass es ihm alles andere als gut ging.

„Ich habe wohl meinen Schlüssel vergessen…“, sagte er leise, worauf Zelda vorsichtig lächelte. „Alles in Ordnung mit dir?“, fragte sie.

Aber Link sagte nichts darauf. Langsam stolperte er hinauf zu seinem Zimmer und Zelda entschlossen hinter ihm her. ,Soll er doch schweigen wie ein Grab, sie würde schon herausfinden, wie es um seine Verletzung stand‘, dachte sie. Sie wollte sich für seine Hilfe, sein Mitgefühl, irgendwie bedanken und hatte diesbezüglich schon eine Idee.

In seiner riesigen Stube angekommen, wunderte sich Link zunächst über die fremde Schönheit, da sie ohne die Spur von Zurückhaltung hinter ihm hergeschlichen war. Merkte sie denn nicht, dass er seine Ruhe haben wollte? Er betätigte den Schalter seiner Schreibtischlampe, riss sich sein vom kalten Regen durchgeweichtes Basecap vom Kopf und legte es neben den Ölofen. Es war düster draußen, viel zu düster… Erschöpft von seinem kleinen Spaziergang machte sich Link auf seiner Couch breit. Er war bis auf die Knochen durchgeweicht, aber es interessierte ihn nicht. Weiterhin tat er so, als ob Zelda nicht im Raum wäre und schaltete seinen Fernseher ein, beobachtete stupide Figuren des Samstagabendprogramms.

„Ich… störe, nicht wahr?“, meinte sie leise. Dabei hatte sie gehofft, Link könnte ihr einige Dinge über diese Welt erzählen.

Seine Augen begegneten ihren für einen kurzen, unbedeutenden Augenblick und doch konnte Link darin die Sorgen sehen, die Hilflosigkeit und sogar eine Spur Angst. „Wenn du möchtest, dann setz’ dich doch…“, erwiderte er, inzwischen verdutzt über die Worte aus seinem eigenen Mund. Hatte er sich vorhin nicht gewünscht, seine Ruhe haben zu können? Sicherlich wollte er das, andererseits mochte er ihre Anwesenheit und genoss es, wenn sie blieb. „Weißt du, wo meine Eltern sind“, sagte Link, um einen Anfang zu machen.

Zeldas Augen funkelten kurz in einem fast unnatürlichen Licht auf und dann setzte sie sich neben ihn auf die Couch. Auch sie machte es sich gemütlich und legte ihre Beine hoch. „Wahrscheinlich packen sie ihre Taschen für morgen, weil sie ja eventuell verreisen möchten, und Sara ist bei einem Freund…“

„Aha, bei Mike, nehme ich an“, meinte Link und sein Blick wanderte zu ihr. Heute früh noch wirkte sie auf ihn so zerbrechlich, so unnahbar und irgendwie nicht von dieser Welt. Aber seit Zelda die Jeans und die Bluse trug, schien sie wie ausgewechselt zu sein, wirkte in seinen Augen wie ein gewöhnlicher Mensch mit einem unbeschreiblichen Lächeln.

„Ja, Mike hieß er, soweit ich mich erinnern kann.“

„Sie tut immer so als wäre er nur ein Freund, aber ich habe sie durchschaut…“, sagte Link und schmunzelte leicht. Er legte eine Hand auf den Verband unter seinem grünen T-Shirt, unterdrückte das Brennen.

„Du meinst, Mike ist ihr Freund?“

„Jep“, beendete Link. Wieder schaltete er durch das Programm und suchte nach lohnenswerten Sendungen.

„Eigentlich bin ich gar kein Freund davon seinen Tag mit dem Fernseher zuzubringen, aber bei dem Wetter da draußen, gibt es wohl nichts sinnvolles, was man tun könnte.“

„Ich wünschte, ich wüsste, was ich bei solchem Wetter getan habe…“, sagte sie trübsinnig und starrte auf den Bildschirm.

Link rutschte ein wenig näher zu ihr und murmelte leise: „Hab’ ein wenig Vertrauen… so schnell geht das nicht mit den Erinnerungen.“

Zelda wich seinem Blick aus und verkrampfte sich kurz aufgrund seiner unmittelbaren Nähe. „Ich mache mir einfach nur Sorgen… wer weiß, was ich jetzt hätte tun müssen…“

Er versuchte zu grinsen, das war aber wegen seines eher jämmerlichen Zustandes nicht so einfach. „Richtig, wer weiß. Also, mach’ doch das Beste draus, dass du hier bist.“

Daraufhin lief Zelda ans Fenster, schaute hinauf in den Himmel, wo sich die Regenwolken langsam zurückzogen. Was sich in dieser Welt wohl dort oben verbarg, hinter den Wolken, hinter dem so alltäglich gewordenen Sonnenuntergang?

„Ich habe vorhin ein interessantes Buch gelesen“, meinte sie und sah einen Bussard über den abendlichen Wäldern im Süden verschwinden.

„Einen Roman von meiner Mutter, nehme ich an.“

„Es gibt so viele Dinge, die ich darin einfach nicht verstanden habe, so viele Dinge, Begriffe, von denen ich noch nie hörte.“ Sie stütze eine Hand an ihren viel zu schweren Kopf, wo etliche erdrückende Gedanken herum kreisten. Sich fragend wieso, sich fragend warum ihr alles so unvertraut war, begann sie an ihrer eigenen Existenz zu zweifeln. Sie blickte sehnsüchtig in das weite Himmelszelt, wissend, es gab so viel mehr als diese Welt und doch verstand sie ihr eigenes Wissen nicht. Der Mond gab sich preis und durchbrach den dunklen Schleier jener Wolken, die sein Licht zu versiegeln versuchten.

„Ich…“, fing Zelda an, wusste aber doch, wie dumm das, was sie sagen wollte, klang. 

Link stand plötzlich neben ihr und schaute hinauf ans Himmelszelt. „Du… liebst den Himmel…“, sagte er, erstaunt, woher er doch wissen konnte, was ihr auf der Zunge lag.

Sie drehte sich zu ihm um und lächelte kurz. „Du kannst meine Gedanken lesen. Hast du das irgendwo gelernt?“

„Nein. Das funktioniert nur bei dir…“, erwiderte er ehrlich.

„Da muss ich demnächst ja vorsichtig sein.“

„Hast du Angst, etwas Falsches zu denken?“ Und eine Spur Heiterkeit stach aus seiner Stimme heraus.

„Nein, ich habe eher Sorge das Richtige zu denken…“ und ihr Kopf drehte sich wieder zu dem in grauen Farben versinkendem Abendhimmel.

„Nur so als Hinweis… ich bin gewappnet für jeden von deinen Gedanken.“

„Bei manchen Gedanken bricht selbst der stärkste Schutzwall“, meinte sie und grinste dann. 

„Du siehst aber ehrlich gesagt so unschuldig aus, dass deine Gedanken nicht so gefährlich und todbringend sein könnten.“

„Das Äußere kann trügen“, erwiderte sie und ihr Lächeln verschwand. „Ich glaube, ich bin nicht so harmlos wie ich auf andere wirke, wie ich vielleicht auf dich wirke.“

„Du hast Angst vor dir selbst, Zelda…“, murmelte er. „Glaub’ mir, ich kenne dieses Gefühl nur zu gut.“ Sie nickte vielsagend. Link wusste, wovon er redete. An manchen Tagen fühlte er sich tatsächlich zu mehr imstande, als er tun sollte. Sein Erscheinungsbild mochte das eines Jugendlichen sein, doch innerlich verbarg sich ein Mensch, der schon vielmehr Tod und Leid gesehen hatte als jeder andere.

„Gelegentlich, wenn ich in das Blau des Himmels sehe, überkommt mich so ein… beunruhigendes Gefühl“, meinte sie, „So als…“, sie suchte nach richtigen Worten…

„Als ob es nicht ewig halten könnte…“, sagte er für sie.

„Wenn du dich weiterhin in meinen Kopf einschleichst, endete das noch böse“, erwiderte sie kichernd.

„Alles wird gut“, meinte er spöttisch und schmunzelte.

Nach einer Weile andächtigem Bestaunens des Abendhimmels, fragte Zelda: „Meinst du, er hält ewig, meinst du, das Blau des Himmels wird immer bleiben?“

„Ich denke, es wird immer jemanden geben, der dafür sorgt, dass es bestehen bleibt.“

„Das ist eine zuversichtliche Sichtweise.“

„Ja, und wenn nicht, übernehme ich den Job.“

„Job?“ Sie lachte über diesen Gedanken. Wie könnte ein Siebzehnjähriger schon dafür sorgen, dass die Sonne am Himmel scheinen würde, besonders einer, der die Rettung des Himmels als Job ansah. Sie schüttelte über ihren kleinen Gedankenspaziergang den Kopf. Warum machten sie sich jetzt Gedanken um das Ende der Welt? Als ob der Teufel von der Hölle aufgestiegen wäre. Wie weit die beiden Jugendlichen vom Thema abgekommen waren, bemerkte das fremde Mädchen nun und wunderte sich ein bisschen.

„Jep. Nächste Woche sind Schulferien, also habe ich Zeit für das ein oder andere Abenteuer.“

Sie grinste ihn an. „Ich bin also bei einem Abenteurer gelandet.“

„Erstens hätte dich ein Langweiler niemals gefunden und zweitens erlebst du in der Gesellschaft eines Abenteurers mehr.“

„Da bin ich aber froh, Link“, sagte sie grinsend.

„Und ich erst…“, murmelte er, nicht sicher, wie genau er das meinte. Er war froh, dass sie hier war, obwohl er sie nicht kannte. Ja, in der Tat, aber war das die volle Wahrheit? Link tapste zu dem Schreibtisch und knipste gleichzeitig seinen Fernseher aus. „Ich habe eine Idee. Sara hat mir zwar verboten, den Gamecube anzurühren, aber ich könnte dir ein Nintendo DS- Spiel zeigen, welches sich um Zelda dreht. Und du wolltest doch etwas darüber wissen, nicht?“

„Doch“, sagte sie und hüpfte ebenso von der Couch. Link erklärte ihr daraufhin einige Dinge über ein wissenswertes Spiel mit dem Namen: ,Minish Cap’. Zelda zeigte Begeisterung und verliebte sich sofort in das Spiel. Es besaß etwas, das sie erinnern wollte. Etwas rüttelte an ihr, als sie den Sinn des Spiels verstand…

Nach einer Weile schaltete Link das Spiel aus und ließ sich auf sein Bett sinken. Fast automatisch fielen ihm die Augenlider zu. „Zelda“, sagte er, bemüht seinen Zustand zu verheimlichen. Sie kniete vor ihm nieder, so wie er es getan hatte, als sie aufwachte.

„Mmh?“

„Ich weiß, ich wollte dir etwas über diese Welt erzählen, aber…“

„… es geht dir nicht gut“, beendete sie für ihn. „Ist es die Wunde?“

Er sah sie wieder an, erkannte so etwas wie Gewissheit in ihren Augen und Verständnis. Er nickte bloß. 

„Soll ich dich alleine lassen?“

„Bitte…“, meinte er.

Nun gut, sie respektierte das. Wenn er sie darum bat zu gehen, dann hatte er sicherlich seine Gründe. Sie legte kurz eine Hand auf seine Wange und murmelte noch: „Danke noch einmal, Link, und schlaf’ schön, damit es dir bald besser geht.“

Link sah ihr hinterher, als sie das Zimmer verließ und für einige Sekunden erneut einen Blick zu ihm wagte. „Gute Nacht“, sagte Link schwach. Dann war sie verschwunden, würde sich vermutlich mit seinen Eltern und Sara noch etwas unterhalten, um jene kennenzulernen und Link war allein mit seinen Problemen, so allein wie eh und je. Aber vielleicht wusste Zelda schon lange, was nicht stimmte… vielleicht konnte sie irgendwann zu ihm durchdringen und ihm helfen, so wie er ihr geholfen hatte.

Link krabbelte erschöpft unter seine Decke und machte ohne weitere Bewegungen oder Gedanken die Augen zu. Noch ganz in seiner Bekleidung schlief er ein, wünschte sich, es gäbe diese Nacht keine Träume in seiner Welt… keine Monster… keine fremden Gesichter. Niemand durfte jemals Zutritt zu dem Link haben, der er in diesen Momenten war, niemand durfte jemals sehen, was sich hinter dem jugendlichen Gesicht Links verbarg. Nicht seine Eltern. Nicht Sara oder seine Freunde. Auch nicht Zelda… Sie durften niemals herausfinden, was in ihm vorging. All die gespenstischen Dinge, die Begegnungen mit dem Bösen in seinen Träumen, die unheimlichen Wunden, würden sie vergessen lassen, dass immer noch Link- ihr Sohn vor ihnen stand. Denn… vielleicht war tatsächlich mehr hinter seinem Gesicht als er sich selbst bewusst war. Und gerade deshalb wollte er nicht zugeben, wie schlecht es ihm ging, wollte nicht wie ein Jammerlappen auf andere wirken. Es war machbar mit den Schmerzen fertig zu werden… doch, das würde schon irgendwie funktionieren.

Von Kindesbeinen an redete sich Link ein, er wäre der einzige der in der Lage war zu bestehen, wenn andere aufgaben. Er bezahlte den Preis für die Wanderung an die Grenzen seiner eigenen Kräfte. Doch wofür? Wofür ging er denn die ganze Zeit durch die Hölle? Er war sich selbst eine Erklärung schuldig…

 
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