Kapitel 100
 
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5. „Ein neues Land… aber es wird nicht Hyrule sein...“ Teil 5

 

 

Im magischen Land Hyrulia war das große Wunder geschehen. Hunderte Menschen liefen mit Fackeln in ihren Händen über die weiten Wiesen. Mit Tränen in den Augen erfreuten sie sich an Freiheit, an dem blühenden Leben in ihrer Welt. Der Fluch war gebrochen. Der Schnee und das Eis geschmolzen. Dutzende Hyrulianer tauchten im Meer an der Küste auf, waren vor einigen Minuten erwacht aus ihrem starren Schlummer und schwammen träge, nicht wissend, was geschehen war, an Land. Und nicht nur dort, überall, wo Wesen dem Fluch des Eises verfallen waren, zersplitterte das Eis und die, die wieder atmen durften, wurden von ihren Liebsten sogleich in die Arme geschlossen. Es war angenehm warm in Hyrulia. Die Sonne strahlte herrlich…

Am See ohne Wiederkehr zogen gerade die letzten Krieger ab.  Die Insel mit dem gläsernen Haus war untergegangen. Der Held des Windes befand sich mit seiner Prinzessin und seinen Mitstreitern inzwischen im Schloss Hyrulias, wo die Menschen sie herzlich empfingen. Auch Navi und Klein- Link ging es gut. Sie befanden sich ebenfalls im Schloss, erfreuten sich zusammen mit den wiederaufgetauten Piraten an einer Tafel, aßen genüsslich hyrulianische Gerichte, lachten und erzählten viel.

Die Menschen wollten diese Tage feiern, und so sollte morgen zu Ehren der Prinzessin, die diese Welt erlöst hatte, ein großes Fest stattfinden. Nur bisher war Tetra nicht erwacht. Sie schlief in einem großen Schlafzimmer, welches für besondere Gäste im Schloss eingerichtet war. Zwei Heilerinnen saßen zusammen mit dem Held des Windes an ihrem Bett.

 

„Wann wird sie endlich aufwachen?“, meinte Link ungeduldig. Sie schlief jetzt seit acht Stunden und normalweise, selbst wenn Tetra erschöpft war, hatte sie keinen langen Schlaf.

„Das kann man nicht so genau sagen…“, sprach einer der Heilerinnen. „Sie atmet nur schwach… ihr Herzschlag ist sehr langsam…“

Beunruhigt blickte der Heroe die Heilerinnen an. Sein Blick war starr. Er wollte es nicht verstehen. „Was wollt Ihr damit sagen?“

„Sie hat einen großen Teil ihrer Energie für diese Welt geopfert…“, sagte die andere Heilerin, welche ebenso wie die andere in eine weiße lange Kutte gehüllt war.

„Wir werden alles versuchen. Aber so wie es jetzt ist…  wir können nicht sagen, ob sie jemals wieder erwacht. Durch die Zaubersprüche der Wächter hat sie mehrere innere Blutungen erlitten. Es tut uns leid“, sagte die Zweite und verbeugte sich vor dem Heroen.

„Ob sie jemals wieder erwacht? Was soll das heißen?“, rief Link und spürte seinen Herzschlag hetzen. Seine Hände verkrampften und er ließ sich in einen Sessel neben dem riesigen Bett sinken. Sein Blick fiel zu Tetra. Wunderschön, mit offenem, hellblonden Haar, und einem ebenmäßigen, blassen Gesicht, lag sie in jenem riesigen Bett. Sie wirkte so sanftmütig, so zufrieden.

Eine der Heilerinnen legte eine mitfühlende Hand auf Links rechte Schulter. „Noch ist nicht aller Tage Abend, Held der Legende. Aber die Prinzessin hat soviel Energie verloren, dass wir nicht sagen können, ob die übriggebliebene für sie selbst noch reicht…“

Der Heroe nickte nur, versuchte sich seine Sorge nicht anmerken zu lassen. Außerdem lag dort Tetra. Sie war so eine starke Frau. Sie würde durch so etwas nicht untergehen. Sie hatte doch bisher alles überstanden, warum auch nicht jetzt?

„Wir haben ihr verschiedene Kräutermittel und heilendes Serum verabreicht. Mehr können wir im Moment nicht tun…“, sagte eine der Kräuterfrauen.

„Danke. Ihr könnt jetzt gehen…“, meinte Link.

Sie nickten und deuteten dann zu einem hohen Gefäß mit heißem Wasser. „Wenn Ihr der Mann der Prinzessin seid, wascht sie bitte.“ Daraufhin waren die beiden Frauen aus dem Schlafgemach verschwunden. Link nickte, aber bekam sofort rote Wangen bei dem Gedanken. Tetras attraktiven Körper waschen? Er hätte sicherlich nichts dagegen, aber… Naja, egal…

 

Zaghaft nahm der Held Tetras Hände in seine. Sie waren so kalt. Er wollte sich schon zu ihr kuscheln, um sie etwas zu wärmen, aber was würde sie für ein Theater machen, wenn sie ausgerechnet dann erwachte? Oder was würde passieren, wenn er beispielsweise ihren Rücken waschen würde, und sie erwachte in dem Augenblick. Er bekäme eine saftige Ohrfeige und dann würde sie in den nächsten Tagen nur fiese Kommentare ihm gegenüber parat haben. Ja, genauso würde es sein. Genau wie früher. Sie würde ihn mehr als nur einmal das Deck schrubben lassen. Ein leichtes Lächeln huschte ihm über das Gesicht. Das war seine Tetra. Er wollte sie nicht verlieren… um keinen Preis. Und mit diesem Gedanken küsste er liebevoll ihre Hände.

Gerade in dem Augenblick klopfte es an der hohen Glastür, die einen Blick nach außen durch trübes Glas nicht zuließ. Link forderte die Person dahinter unvermittelt herein. Es war die Fee Navaeli, die inzwischen ein weißes Kleid mit violetten Stickereien trug. Ihr langes blondes Haar hatte sie zu einem großen Zopf zusammengeflochten.

„Wie geht es ihr?“, fragte sie.

„Nicht so gut“, war Links ehrlich Antwort.

„Ich möchte Euch um etwas bitten, Held.“ Er nickte, um sich ihre Geschichte anzuhören. Die große Fee nahm daraufhin ebenfalls in einem Sessel an jenem Bett Platz. „Ich würde gerne in diesem Schloss bleiben. Meine Gestalt, wie sie jetzt ist, werde ich ab und an wechseln, sodass ich als kleine Fee hier sicherlich keinen unnötigen Aufwand verursache. Und da ich in Eurer Schuld stehe, wäre ich Euch sehr verbunden, hier zu bleiben und zu helfen, womit ich auch immer helfen kann.“

Link schaute die Fee mit skeptischen Blicken an. „Ja, aber warum fragt Ihr mich das? Dieses Schloss gehört doch…“

„Es gehört der prophezeiten Prinzessin, die hier in diesem Bett schläft“, sagte sie. Link strich sich mehrmals über die Stirn. Dies war eine interessante Neuigkeit. Womöglich lagen hier in den Schlossverliesen teure Schätze, die es anzuschauen galt. Aber… und Link verschmähte den Gedanken gleich wieder. Es machte alles keinen Spaß… Schätze zu begutachten, Abenteuer zu bestreiten… all‘ dies machte ohne Tetra einfach keinen Sinn.

„Sicherlich könnt Ihr bleiben… nur…“

„Nur?“ Und die hübsche Fee erkannte endlich eine Sorgenfalte zu viel auf der Stirn des Kämpfers. „Niemand weiß, ob und wann Tetra wieder erwacht… Das haben mir die Heilerinnen gerade gesagt…“, sprach er wehleidig. Er fühlte sich so kläglich, dass er weinen wollte. Er erinnerte sich an die letzten Tränen, die er vergossen hatte. Als Dank für ein paar Tränen hatte er von Tetra eine schmerzende Ohrfeige bekommen. Sie konnte es nicht ertragen, wenn jemand weinte. Sie fand das kindisch und lächerlich…

„Das tut mir leid…“, murmelte die Fee und vergoss tatsächlich eine Träne. Eine blauschillernde Träne, die auf den Fußboden tropfte.

„Mir auch…“, sprach Link und trat ans Fenster. „Ich habe viele Fehler gemacht in den letzten Wochen… und nun, wo ich gehofft habe, alles könnte sich wieder einrenken, alles würde gut werden, jetzt wacht Tetra einfach nicht auf…“

 

In dem Augenblick kamen Klein-Link, Navi und die Piraten in den Innenraum geplatzt. Sie hatten alle so gute Laune, dass sie die Stimmung hier drin nicht sofort wahrnehmen konnten.

Navaeli schüttelte dann den Kopf, als die anderen nähertraten und sich nach Tetras Befinden erkundigen wollten.

„Heißt das, es geht ihr nicht so gut?“, fragte Klein- Link, der vorhin soviel gegessen hatte wie noch nie in seinem Leben. Es gefiel ihm in dieser Welt so sehr…

„Man weiß es nicht genau“, sagte Navaeli. „Im Moment kann man nichts tun.“

Auch Link stimmte zu und sprach stotternd. „Man weiß nicht… ob sie je wieder erwacht…“

Laut kreischend stürmte Gonzo näher und rüttelte die Prinzessin an ihren Schultern. „Miss Tetra. Hört Ihr nicht? Wacht auf. Eure Mannschaft braucht Euch doch. Gerade jetzt, wo wir diese wunderbare Welt gefunden haben. Das hier… es wird endlich das Zuhause, was wir immer gesucht haben. Wacht auf!“ Seine kräftige Stimme dröhnte umher. Aber nichts tat sich. Tetras Augen blieben geschlossen. Und jeder der Piraten, obwohl es Tetra ihnen immer untersagt hatte, begann zu weinen…

Sie nahmen alle anteilnehmend ihre Piratenmützen herunter und wimmerten leise.

„Ihr seid alle jämmerliche Waschlappen“, sprach Link dann zornig. „Tetra würde nicht wollen, dass ihr weint. Also hört auf damit. Sie wird aufwachen, ganz sicher…“ Und seine Worte wurden immer leiser.

„Ganz sicher…“, murmelte Link erneut und lief dann langsam aus dem Gemach hinaus.

„Lasst ihn“, meinte Navi, als die Piraten ihm hinterhergehen wollten.

„Ich mache das.“ Und damit war sie verschwunden.

 

Die anderen standen weiterhin anteilnehmend an Tetras Bett. „Schon einmal schlief eine Prinzessin Zelda…“, sprach Klein- Link. „Sie schlief einen ewigwährenden Schlaf… bis ein Held kam, der sie mit seinem Mut erwecken konnte. Es ist ein Bruchstück von Hyrules Geschichte, eine Zukunft oder Vergangenheit vielleicht, die Din, Nayru und Farore in ihrem großen, zeitlosen Haus schon lange gesehen haben…“ Auch er nahm die Mütze von seinem blonden Kopf. „Aber ich weiß… dass Tetra nicht diese Prinzessin ist. Sie muss erwachen, sonst stirbt das hylianische Königsgeschlecht in dieser Welt und diesem Zeitpfad aus.“

Nikos Hasenzähne zeigten sich, als er unter Tränen lächelte: „Dann muss sie einfach aufwachen, richtig?“ Klein- Link nickte. Ja, das würde sie, ganz sicher.

 

Navi fand den Heroen in einem sonnigen, kleinen Garten inmitten des Schlosses wieder. Verschiedene Glastüren führten in andere Bereiche des Schlosses oder in weitere Gartenabschnitte. Viele Rosen blühten hier, die er gerade musterte. Seine großen Hände strichen sachte über kirschfarbene Blütenblätter.

„Willst du Tetra ein paar Rosen in das Zimmer stellen?“, fragte sie. Er lächelte und strich sich seine schulterlangen Haare zurück. „Ja, ich habe daran gedacht.“

„Sollen sie Ausdruck von Freundschaft sein, oder von Hoffnung?“ Er zuckte mit den Schultern.

„Oder sogar von Liebe?“, fragte Navi und lachte dann. Der Held des Windes musterte sie fahl und ließ sich dann auf eine Treppenstufe sinken. Er beobachtete die Schmetterlinge, die ihren Weg zurück in dieses blühende Reich gefunden hatten.

„Lassen wir das am besten offen“, sagte er schmunzelnd und schloss die Augen. Er genoss die Sonne und lehnte sich zurück.

„Ich weiß, warum du hier bist“, sagte er und öffnete ein Auge.  „Du willst wissen, woher ich dich kenne.“ Navi nickte. Nun gut, es war nicht der einzige Grund.

 

„Die Geschichten Hyrules scheinen alle verwoben zu sein, wie sonst ist plötzlich ein Mädchen zusammen mit einem zukünftigen Link in meine Welt gelangt, in jene Welt, in der ich als Held existiere.“ Navi trat mit ihren Sandalen näher, produzierte raschelnde Geräusche damit und setzte sich dann zu dem Heroen ins Gras. Sie blickte in den Himmel, wo dicke, weiße Wolkenfetzen hafteten und ab und an blauen Himmel durchscheinen ließen.

„Es ist mehr als das, vermute ich“, sprach Navi. „Sie sind auch irgendwie voneinander abhängig. Es gibt immer einen Helden irgendwo, und doch braucht es das Böse um diesen Helden zu erwecken. Und genau das Böse, zumindest in Gestalt von Ganondorf, ist immer dasselbe.“

‚Doch braucht es das Böse um diesen Helden zu erwecken.‘ Wie Recht Navi hatte. In Hyrulia existierte das Böse, jedoch gespalten auf mehrere Wächter, von denen drei noch lebten. Aphidel und seine Männer bewachten jene derzeit.

„Klein- Link und ich… sind auf einer Reise, die… so weiß ich inzwischen, nicht so einfach ist, wie ich gehofft hatte. Jeder Link ist in irgendetwas verwickelt. Jeder Link ist anders. Und doch… ist das Ziel dieser großen Reise nur eines: Wir brauchen die Hilfe von jedem Link, den wir finden können. Nur deshalb bin ich hier…“

Der Held des Windes musterte sie eindringlicher. Er grinste und legte sich die Arme hinter den Kopf ins Gras. „Sag‘ bloß in der Welt, aus der du stammst, existiert ein Link, der zu schwach ist gegen das Böse anzutreten?“

Daraufhin gab Navi dem Heroen eine Nuss auf seinen Hinterkopf. Sie riss ihm dann noch die grüne Mütze herunter, die er ausnahmsweise trug. „Du hast ja keine Ahnung“, pfefferte sie ihm entgegen.

„Schon gut. Schon gut. Erklär es mir“, meinte er dann. Sie erzählte die Geschichte über den Erdenlink im Schnelldurchlauf.

 

„Wow…“, sagte der Heroe dann und war mehr als sprachlos. Konnte der Kampf gegen Ganondorf eigentlich noch aufregender werden als bisher?

„Und es ist wirklich wahr? Der wiedergeborene Held der Zeit existiert in einer Welt, in welcher die Legende von Zelda nur ein Spiel ist? Welcher Schwachkopf hat es sich ausgedacht darüber eine Geschichte zu erfinden…“, schimpfte der Held des Windes.

„Die Legende von Zelda soll nur ein Spiel sein…“ Die Nachricht schien ihn mehr zu schocken als Navi erwartet hatte. „Dann ist meine Geschichte vielleicht auch nur ein Spiel…“, sagte er dann.

„Nun, in der Welt, aus der ich komme, sicherlich…“ Daraufhin kratzte sich der Heroe an der Stirn. „Mmh, ich werde auf jeden Fall helfen“, sagte er. „Ich bin kein Krieger, der vor irgendeinem Bösen den Kürzeren zieht.“ Navis Augen funkelten daraufhin wie Smaragde.

„Wirst du uns wirklich helfen?“

„Aber ja.“

„Tatsächlich?“, fragte sie vergewissernd.

„Warum auch nicht? Ich habe immer Lust auf Abenteuer und auch Lust auf eine fette Belohnung.“ Er grinste und bekam von Navi auf diese Bemerkung die nächste Kopfnuss.

 

„Ihr beiden Links seid einfach total verschieden“, meinte sie schnippisch.

„Inwiefern?“ Der Held des Windes hob eine Augenbraue und lächelte die einstige Fee an.

„Du bist irgendwie etwas egoistischer, und wirkst nicht ganz so zurückgezogen wie der Held der Zeit. Du wirkst viel kühler auf mich. Der Held der Zeit ist irgendwie sanfter“, erklärte sie.

„Nun, das sind alles Eigenschaften auf die ich gerne verzichten kann“, lachte er, aber blickte dann sogleich in Richtung der blühenden Rosensträucher. Etwas Schwermut legte sich in seine meerblauen Augen. „Aber ich war nicht immer so wie jetzt.“ Er lächelte in den Himmel. „Ich war früher nicht so ein Egoist, und irgendwo sind mir diese materiellen Dinge auch nicht so wichtig. Nur während der langen Reise auf See habe ich nach etwas gesucht, um mich zu rechtfertigen, vielleicht besonders vor Tetra. Niemand in ihrer Welt tat irgendetwas aus Edelmut. Nach ihrer Meinung gibt es keine heldenhaften Männer, die selbstlos in die Schlacht zogen. Ich habe mich irgendwie angepasst. Und als ich mich verändert hatte, war ich sogar selbst etwas von dieser Veränderung verwundert.“

„Mmh, das klingt kompliziert“, murmelte Navi. „Aber ich weiß, worauf du hinauswillst. Das Leben entwickelt sich oft in komplizierte Richtungen… oft ist vieles anders, ehe man die Augen richtig öffnen kann.“ Der Held des Windes schloss beide Augen daraufhin und nickte.

 

Dann schaute das Mädchen ihn mit prüfendem Blick an. „Was willst du tun, wenn Tetra aufwacht?“ Er lachte: „Ich werde ihr sagen, dass ich sie gerettet habe und erwarte eine Belohnung dafür.“ Navi holte bereits zu einer weiteren Kopfnuss aus, aber der Heroe war schnell aufgesprungen und somit außer ihrer Reichweite.

„Ehrlich… ich weiß es nicht“, meinte er, und umfasste in seiner Hosentasche den Ring, den die Geister ihm hinterlassen hatten. Am liebsten würde er sie einfach nur umarmen wollen. Aber Tetra stand nun mal nicht auf Weichlinge. Solche Gesten waren nie ihr Niveau gewesen.

„Sicher nicht? Dabei wirkt es so, als hättest du schon einige Vorstellungen.“

Ja, die hatte er… er wollte einfach nur bei ihr sein. War das zu viel verlangt?

„Komm‘ her und setz dich wieder!“ Wie auf Geheiß schwang der Heroe der Meere seinen Hintern in Bewegung und ließ sich neben ihr ins duftende Gras sinken.

Erneut durchbohrte Navi ihn mit prüfendem Blick.

„Wenn du etwas erreichen willst, musst du sie überraschen“, sagte Navi. Dann fummelte sie in seinem dunkelblonden, schulterlangen Haar herum. „Du siehst außerdem unmöglich aus.“ Sie klaute eine blaue Schleife aus ihrem Haar und band die dicken Haare des jungen Mannes zu einem Zopf zusammen.

„Ferner solltest du dich rasieren, und ein Bad nehmen. Du stinkst ja wie der Teufel.“

Missbilligend drehte er seinen Schädel zu ihr. „Jetzt streite es nicht noch ab“, murrte sie. „Auch hier bist du anders als der Erdenlink, der ist viel eitler als du und romantischer. Dabei dachte ich am Anfang, du wärst eitler als er.“

„Na und? Meine Zelda braucht keinen eitlen Romantiker“, rechtfertigte er sich. Navi lachte daraufhin: „Und der Erdenlink wirkt viel reifer als du.“ Daraufhin schluckte der Held des Windes nur.

„Ja, okay, ich hab es verstanden.“

„Hoffentlich“, grinste Navi. „Und jetzt sagst du mir, woher du mich kennst.“ Sie blickte ihn erwartungsfroh an.

„Kennen ist eigentlich zu viel gesagt“, erklärte er und heftete seine Augen wieder in Richtung der Rosensträucher. „Aber ich habe dich schon einmal gesehen… nur war das nicht in der Welt des Meeres, auch nicht hier in Hyrulia. Nicht einmal… in einem anderen Hyrule.“

„Wo dann?“ Verwundert richtete das augenscheinliche kleine Mädchen seine giftgrünen Augen in das nachdenkliche Gesicht des Heroen. Es war sicherlich keine gute Antwort, die Navi erwarten würde.

 

„Vor einigen Monaten… trafen Tetra und ich auf eine große Insel, die weit abgeschirmt hinter einer Kette felsiger Abschnitte lag. Diese Insel schien das Herz jener Felsenlandschaft zu sein. Aufgeregt erforschten wir jene Insel. Wir fanden nichts Besonderes außer merkwürdigen Tieren und Insekten. Und als wir zurück an Bord waren, hatte ich schlagartig hohes Fieber. Ein Insekt hatte mich gestochen und mir sehr starkes Gift verabreicht. Ich war schon halbtot, als Tetra irgendetwas mit ihrer goldenen Macht anstellte, und mich zurück unter die Lebenden brachte. Ich war nicht wirklich tot, aber… es war fast so, als wäre ich in eine Welt danach eingetaucht.“ Navi nickte und ahnte schon, worauf das ganze hinauslief.

„Du hast mich in dieser Nachwelt gesehen?“, meinte sie zaghaft, zog ihre kindlichen Knie zu sich und umarmte diese, während sie auf der Wiese hockte.

„Ich weiß, es klingt idiotisch“, murrte er. „Du sitzt ja lebend vor mir. Aber ich war mir so sicher.“ Er kratzte sich an seinem Bart.

„Was habe ich dort gemacht?“

„Du hast Blumen gepflückt. Du erschienst mir so friedvoll… gerade deswegen kann ich mich ja an dich erinnern. Du warst das einzige Lebewesen, welches ich in dieser Welt gesehen habe. Sonst war alles weiß, und irgendwie warm.“

„Dann muss es irgendetwas mit diesem Körper zu tun haben, eigentlich bin ich das nicht.“

„Vielleicht.“

„Ja, vielleicht…“, sagte sie leise. Sicherlich, das war ein gruseliger Gedanke. Sie in einer Nachwelt? Nein, das konnte nicht sein. Sie lebte doch. Und damit war Navis Lächeln wieder zurückgekehrt. Plötzlich schoss ihr aber etwas anderes in den Kopf. Tetra… sie hatte doch so einen komischen rußigen Fleck auf der Schulter. Ob das auch mit dieser absonderlichen Insel zu tun gehabt hatte? 

„Hey, du Held“, sagte sie und hüpfte auf ihre Beine. „Du solltest Tetra mal… untersuchen. Die hat auf der Schulter so einen schwarzen, großen Fleck. Am besten noch, bevor sie aufwacht. Oh, und vergiss nicht ihr Rosen zu pflücken.“ Navi grinste, lief zufrieden zurück in das Schloss hinein und hoffte, dass alles gut werden würde. Sobald Tetra auf den Beinen war, würden sie und Klein- Link herausfinden, was sie tun mussten, um diesen Heroen am Rat der Helden teilnehmen zu lassen. Ob das Medaillon da noch eine Funktion hatte? Sie konnten den Helden des Windes, der ja genug anderes zu tun hatte, schlecht auf nächste Missionen mitnehmen. Noch mehr Links, die sich dann trafen? Ob diese Links sich eigentlich leiden konnten? Oder würde sich am großen Rat aus den Heroen ein Haufen von streitsüchtigen Schwertfechtern entwickeln. ,Noch ein gruseliger Gedanke‘, dachte sie und hüpfte weiter ihres Weges.

 

Der Held des Windes tapste mit einem Strauß bunter Rosen zurück ins Schloss, nahm ein Bad, und fand lediglich Klein- Link in Tetras Zimmer. Er saß an ihrem Bett und betrachtete sich die Zelda jener Welt ganz genau.

„Wenn Navi und ich weiterziehen, möchte ich Tetras Gesicht ganz genau in Erinnerung behalten“, meinte er. „Darf ich ihr einen Kuss geben?“, fragte das Götterkind den Helden des Windes, der die hohe Vase mit an die zwanzig bunten Rosen auf den Nachttisch stellte.

„Klar… wenn… wenn du möchtest“, sprach er und kam sich unbeholfen vor. Warum fragte dieses Kind ihn deswegen um Erlaubnis? Sollte er das etwa verhindern? Nicht, dass er eifersüchtig wäre. Worauf auch? Das war ein Kind, Tetra würde dieses Kind ihm doch nicht vorziehen, oder?

In dem Augenblick drückte das Götterkind seinen Mund gegen Tetras rechte Wange und verpasste ihr so eine kleine, schmatzende Geste der Zuneigung. 

„Ich frage mich, ob es irgendwann auch eine Zelda für mich gibt, nicht, dass ich mich jetzt schon für Mädchen interessieren würde“, lachte das Kind, hüpfte zufrieden von der Bettkante und wollte gerade aus dem Raum gehen.

 

„Ach ja“, murmelte der Held des Windes dann. „Ich habe in den Höhlen des Sees etwas gefunden, was vermutlich dir gehört“, und der Heroe packte einen schön verarbeiteten Dolch aus einem Tuch. „Du solltest umsichtiger mit deinen Waffen umgehen“, ergänzte er.

Nachdenklich musterte Klein- Link jene Waffe, an welcher noch etwas getrocknetes Blut jenes Moorwesens klebte. War das ein Wink des Schicksals, dass ausgerechnet ein Held ihm seine Waffe wiederbrachte. Jene Waffe, die er als Zeichen seines vergessenen Mutes in den Höhlen zurücklassen wollte. Denn auch sein Mut schien mit jenen Höhlen eingestürzt zu sein. Er konnte nicht noch einmal töten. Das konnte und wollte er nicht. Es fühlte sich so grausam an…

 „Es ist nicht einfach, ein Held zu sein…“, meinte der Kämpfer und drückte dem Bengel seinen Dolch in die Hand. „Man muss sich erst darüber im Klaren werden, wofür man lebt, ehe man sein Schicksal in Frage stellt…“ Das Götterkind schluckte auf diese Worte, heftete den Dolch an seinen Gürtel und verschwand.

 

Der Heroe seufzte und trat an eines der vielen Rundbogenfenster in jenem Gemach. Es fiel ein sanfter Schimmer rotes Licht herein. Jetzt, wo der Abend gekommen war. Er zündete eine Kerze an und blickte die schlafende Prinzessin nachdenklich an. So zerbrechlich lag sie dort, obwohl er nie den Eindruck gehabt hatte, Tetra jemals als zerbrechlich sehen zu können. Was würde in den nächsten Tagen geschehen? Würde das Piratenpack in dieser Welt bleiben, selbst wenn Tetra erwachte? Er jedenfalls verspürte den Wunsch, sesshaft zu werden. Und welche Welt wäre großartiger als ein neues Hyrule?

 

Er setzte sich wieder an die Bettkante, zog die Decke von Tetras Körper und begann sachte die Schnürung aufzumachen. Irgendjemand musste sie waschen, und vielleicht konnte er sich auch einmal den komischen Fleck anschauen, den dieses kleine Mädchen angesprochen hatte. Warum hatte Tetra ihm das nur verschwiegen?

Er hob Tetra sachte an, lehnte sie an seinen breiten Oberkörper und zog vorsichtig das violette, samtige Kleid von ihren Schultern. Seine Hände kribbelten ein wenig, als er ihre weiche Haut streifte und eher gegen seinen Willen, umarmte er sie dann innig. Halb nackt lag sie dann in seinen Armen und der Heroe traute sich irgendwie nicht sie loszulassen. So etwas ließ Tetra unter den seltensten Umständen zu. Also war es dann doch gut, es mal auszunutzen, dachte er still.

In dem Augenblick jedoch- und es kam überraschender als ohnehin schon- entkam den weinroten, vollen Lippen der starken Piratin ein Seufzen.

Das Seufzen an sich schreckte den Heroen noch nicht auf, aber ein leichtes Murren, gefolgt von leisen Worten: „Was, glaubst du, tust du hier…“

Link hatte die Situation in dem Augenblick noch nicht richtig verstanden. Sein Herz und diese angenehme Umarmung ließen ihn ihre warnenden Worten nicht korrekt verarbeiten. Er hörte ihre Stimme, aber registrierte nicht.

„Dich umarmen, meine Tetra…“, sprach der Held und riss dann sogleich seine Augen weit auf. Er ließ nicht gänzlich von ihr ab, aber drückte sie etwas zurück.

 

„Tetra!“, rief er, und sein Herz machte Freudensprünge. „Du bist aufgewacht!“ In dem Augenblick rutschte das violett schillernde Kleid über Tetras Brust und ließ Einblicke zu, die keiner anständigen Frau wirklich Spaß machten. Link blickte natürlich genau dort hin, wo sich ein aufregender, unheimlich schöner Einblick zeigte, aber genau das hätte er lieber unterlassen sollen. Seine Augen wanderten entschuldigend zu ihren und was er jetzt darin sah, würde er vielleicht nicht überleben.

In ihren Augen loderte es. Diese Hitze und Wut hatte er darin lange nicht mehr so deutlich gesehen.

„Ich sagte, was glaubst du, tust du hier! Scher‘ dich hier heraus!“, brüllte sie, krallte sich in das Oberteil und verpasste dem Heroen einen Kinnhaken, der ihn sogleich zu Boden haute. Link flog mehr als einen Meter zurück, streichelte sein schmerzendes Kinn und blickte Tetra dennoch glücklich an.

„Glotz nicht so, oder du bekommst gleich noch eine! Wehe du wagst es nochmal mich im Schlaf einfach auszuziehen!“ Sie kochte vor Wut. Und wie anziehend es doch auf ihn wirkte, wenn sie so sauer war. Er lächelte, stand auf, krallte sich mit je einer Hand ihre Handgelenke und drückte sie mit seinem Körpergewicht zurück aufs Bett. Er lächelte weiterhin. Sogar eine Spur von Tränen stand in seinen Augen.

„Was bildest du dir eigentlich ein“, kreischte sie und zappelte unter ihm herum. Aber durch ihre Erschöpfung, und sicherlich auch durch Links starken Körper war es für sie fast unmöglich aus dieser Situation herauszukommen. Ihre Wangen glühten rot, bedachte man die Tatsache, wie dieses Bild für jemanden aussehen konnte. Sie lag mit offenem Dekolleté unter ihm. Das Kleid war halb zurückgeschoben. Selbst das lange Rockteil war durch ihre ausrudernden Bewegungen nach vorne gerutscht und zeigte deutlich ihre Oberschenkel.

„Link, geh‘ endlich von mir runter!“ Und ihre Stimme konnte in dem Augenblick nicht schriller sein. Sie fühlte sich hilflos, und das passte der starken Piratin ganz und gar nicht. 

„Wenn du nicht endlich von mir runtergehst, werde ich das nächste Mal sehr fies sein, wenn du schläfst!“, sagte sie, diesmal etwas leiser.

Frech grinsend knabberte der Heroe dann an ihrem zarten Hals, wanderte mit seinen Lippen zu ihrem rechten Ohr und hauchte: „Du weißt genau, dass du mir damit nicht drohen kannst.“ Dann endlich ließ er Tetra los, setzte sich an die Bettkante und half ihr das Kleid wieder richtig zu rücken. Verwundert und ziemlich nervös blickte Tetra ihn dann an. War das schon alles? Er hatte tatsächlich von ihr abgelassen? Sie dachte schon… sie bekäme wenigstens… einen Kuss… Sie hatte sich sogar eingebildet, irgendjemand hätte sie geküsst… Und dieser Kuss hatte ihr einen ziemlichen Energiestoß geschickt. Wer das wohl gewesen sein mag?

 

„Ob es dir gefällt oder nicht…“, sprach er leise. „Ich bin mehr als dankbar, dass du endlich wach bist“, meinte er und schnürte das Kleid an ihrem Rücken wieder zusammen, als ihm endlich der rußige Fleck auffiel.

„Ich wollte dich nur waschen. Wie geht es dir…“, sprach er leise.

„Wie schon“, murrte sie. „Ich bin erschöpft… du neunmalkluger Dummkopf. Ich habe dieser Welt einen großen Teil meiner Kraft überlassen. Natürlich geht es einem da nicht so gut.“

„Ähm… ich wollte bloß mal fragen.“

„Ja, aber wer blöd fragt, bekommt eine blöde Antwort“, murrte sie.

Link lächelte weiterhin. Ja, genau das war seine Tetra. Er war so dankbar, dass sie endlich wach war.

„Jetzt hör auf so zu grinsen. Du siehst aus, als wärst du in einen Topf mit Göttersalbei hineingefallen.“ Sie blickte ihn erschöpft an, krabbelte wieder ins Bett und zog sich die Decke über den Kopf. Nur wenige ihrer langen, blonden, und ausnahmsweise offenen Haarsträhnen waren noch sichtbar.   

 

„Wir sind im Schloss von Hyrulia, richtig?“, murmelte sie unter der Decke. Link antwortete ihr mit einem deutlichen Ja.

„Du hast Eridés vernichtet?“

Auch darauf antwortete er klar und wahrheitsgemäß.

„Gut gemacht“, meinte sie leise und zog sich die Decke soweit hinab, dass ihre Augen geradeso heraus linsen konnten. „Und die anderen Wächter?“

„Einige wurden getötet, andere sind am Leben und stehen unter Arrest“, erklärte er. Sie richtete sich wieder auf, rieb sich die Augen und sagte leise: „Ich finde es nicht gut, dass sie am Leben sind. Es sind alles Teile von…“

„… von Ganondorf, ich weiß.“ Link schloss daraufhin die Augen. Er näherte sich ihr ungeniert, stützte sich mit den Händen auf die Bettdecke, sodass er ihrem Gesicht sehr nahe war. Zu nahe…

Verwirrt zuckte die junge Prinzessin zurück. „Warum musstest du das tun, Zelda?“ Die Tatsache, dass er sie plötzlich mit ihrem wahren Namen ansprach, machte ihr Angst. Es brachte einen ungewohnten Ernst in ihre Unterhaltung.

„Du hast dich beinahe geopfert. Du hättest sterben können! Alles für eine Welt, die uns total fremd ist.“ Energisch packte er sie an ihren Armen. Sie zitterten. Sie war mehr als irritiert, dass er sich so verhielt. Dies war nicht die erste Situation, in welcher sie beide mit dem Leben rangen.

„Ich verstehe nicht, warum du daraus so ein Theater machst!“ Sie drehte ihr hübsches Gesicht weg von ihm. Sie wollte aufstehen, um ihren müden Körper wieder in Schwung zu bringen, aber als sie aufstehen wollte, hatte sie fast das Gefühl, noch nie gelaufen zu sein. Ihre Beine fühlten sich an wie Wackelpudding.

„Ich habe diese Wächter gleich durchschaut, nachdem ich in dieses Schloss gekommen bin. Ein genauer Blick in Eridés‘ Augen war genug. Ja, ich hätte sterben können, aber ich bin nicht tot, also was willst du von mir“, meckerte sie. „Und die Bemerkung in der Höhle hättest du dir sparen können“, schimpfte sie und hatte erneut verräterische pinkfarbene Wangen.

„Was meinst du?“

„Jetzt tu nicht so unschuldig!“ Sie wollte ihm eine pfeffern, aber der Heroe fing ihre Hand ab und umfasste fest ihr Handgelenk. „Ach so“, lachte er. „Weil ich gesagt habe, ich muss wissen, dass du keine Jungfrau mehr bist?“

Ihr zum Sterben schöner Blick, gemischt mit einer bergeversetzenden Wut, ließ ihn wieder selbstsicherer werden. „Zelda…“, sagte er sanft. „Warum ein Geheimnis daraus machen?“

„Das hat damit nichts zu tun“, zankte sie, und wollte ihm mit der anderen Hand eine Ohrfeige geben, aber auch diese Hand packte er.

„Ob und wann wir miteinander schlafen, geht niemanden etwas an.“

Diesmal grinste sie, was ihn in dem Augenblick verwirrte. Er hatte es noch nicht begriffen, als sie ihm mit dem Knie den nächsten Kinnhaken verpasste. Sie war vielleicht schwach, aber ihr Bein konnte sie immer noch anheben. Dieser Stoß brachte ihn ins Wanken.

 

„Das war fies“, maulte er und ließ von ihr ab. Endlich lachte Tetra, was ihn mehr als genug beruhigte. Er ertrug gerne das schmerzende Kinn, wenn er wusste, dass es ihr gut ging.

Trotz ihrer feindlichen Angriffe ihm gegenüber setzte er sich wieder zu ihr. „Komm‘ her“, sagte er und begann ihre Schultern zu massieren. Überrascht ließ sie ihn einfach tun, was er tun wollte. Sie wusste gar nicht, dass er so sein konnte. Es war irgendwie eine Seite an ihm, die sie nie kennen wollte. Und die sie vielleicht auch unterschätzte.

„Das kleine Mädchen ist dafür verantwortlich, was?“, fragte Tetra leise und ließ die Massage gerne über sich ergehen.

„Was meinst du?“

„Denkst du, ich habe keine Augen im Kopf. Der Zopf…“, erklärte sie. „Du siehst… gut aus mit diesem Zopf. Und du warst baden… du riechst gut. Und die Rosen…“ Tatsächlich war ihr alles aufgefallen. Und sie wusste auch ganz genau, wer für diese Dinge verantwortlich war. Seine Arme wanderten dann um ihren Bauch. Er zog sie an sich, obwohl die junge Dame erneut herum zappeln wollte. „Okay, ich geb es ja zu“, eiferte er und grinste wieder.

„Du riechst auch gut… immer…“, meinte er. Aber Tetra konnte mit solcher Art von Komplimenten überhaupt nichts anfangen. Sie fand das einfach zu schnulzig.

 

„Wie spät ist es“, lenkte sie ab und wand sich aus seiner Umarmung.

„So neun Uhr“, vermutete er und seufzte. Er war irgendwie etwas enttäuscht und das zeigte sich sehr deutlich an seiner Mimik.

„Ah, und sag‘ mal… hast du mich vorhin geküsst? Hier auf der Wange?“, fragte sie. Der Heroe schüttelte den Kopf und trat stillschweigend ans Fenster. Was hatte er auch erwartet? Dass Tetra zeigen würde, wie gern sie ihn hatte. Das war ein Wunschtraum.

„Komisch… hat mich sonst jemand geküsst?“

Der Held des Windes nickte. „Ja, der kleine Bengel aus der anderen Welt, der wohl auch ein legendärer Held werden wird.“ Dann ließ sich der Heroe in den Sessel sinken und schloss die Augen.

„Das bedeutet ja…“ Tetras Augen wurden riesig. „Dieser Knirps hat mir im wahrsten Sinn des Wortes einen Strom an Energie geschickt.“

„Ach ja…“, sprach der Heroe, und wusste nicht warum, aber in ihm keimte tatsächlich so etwas wie Eifersucht auf. Ja, die Taten dieses Winzlings hatten eine Bedeutung für sie. Und was war mit ihm? Hatte er dafür, dass er sie aus dieser Höhle befreit und Eridés besiegt hatte, etwa keine Belohnung verdient?

„Das ist ja unglaublich“, lachte Tetra. „Er hat mich gerettet.“

„Wie schön, Zelda…“, murrte Link. „Dann nimm‘ ihn doch mit, wenn du wieder weg segelst, und ich bleibe hier.“ Der Held stapfte beleidigt aus dem Zimmer und knallte die Tür zu.

,Was war das denn?‘, fragte sich die Prinzessin und kuschelte sich wieder in das weiche Bett. Sie konnte mit seinem Verhalten einfach nichts anfangen. Wie auch? Sie wollte ja schließlich nicht begreifen, was durch Links Kopf ging…

 

Link informierte derweil alle, dass Tetra aufgewacht war. Jeder freute sich riesig, vor allem das Piratenpack. Sie stürmten glücklich in das königliche Schlafzimmer und erkundigten sich nach Tetras Befinden. Tatsächlich war sie sehr zufrieden. Auch die Kunde, dass jenes gigantische Schloss eigentlich ihr gehörte, und sich die Prophezeiung um die Königin erfüllt hatte, störte sie nicht weiter. Sie hatte nur ein Ziel, so schnell wie möglich wieder auf den Beinen sein, und dann dieses Land verlassen. Sie hatte ihre Aufgabe erfüllt, was mit den Menschen und der Regierung Hyrulias werden würde, kümmerte sie herzlich wenig. Was Navi und Klein- Link anging, so mussten die beiden schon selbst herausfinden, wie sie mit dem Medaillon arbeiten mussten. Eine Möglichkeit musste es geben, um die Links am großen Rat teilhaben zu lassen. Und dies galt es nun noch herauszufinden.

 

Inzwischen war der nächste Morgen gekommen. Mit mieser Laune saß der Heroe zusammen mit den Kindern und den Piraten in einem Saal an einem Frühstückstisch. Tetra schlief noch tief und fest, aber sie schlief einen gesunden Schlaf. Die Heilerinnen hatten in der Nacht noch einmal nach ihr geschaut, und betont, dass sie, auch wenn sie sich gut fühle, noch viel Ruhe benötigte. Es war ein Wunder für jene Heilerinnen, dass sie plötzlich wieder so eine große Menge an Energie besaß. Klein- Links Einfluss diesbezüglich hatten aber sowohl der Heroe, als auch Tetra bewusst verschwiegen.

 

„Heute steht das große Fest an“, sagte der kleine Niko freudestrahlend und biss herzhaft in ein großes Brötchen mit Marmelade. Die Piraten nickten daraufhin. Kaum einer von ihnen konnte eine wunderbare Freude diesbezüglich unterdrücken. Sie alle fühlten sich wohl hier.

„Ich werde in dieser Welt bleiben“, sagte Gonzales und grinste die rundliche Hofdame an, die ihnen gerade frische Milch servierte. Die gute Frau lächelte.

„Verstehe, da hast du die Nacht verbracht“, sprach Seneca und klopfte ihm auf die Schulter. „Nun ja, ich hab auch etwas gefunden, was mich damit ringen lässt hier zu bleiben.“ Man musste wissen, dass der gute Seneca eine ausgesprochen künstlerische Ader besaß.

„Am Marktplatz gibt ein Atelier, wo ich meine Werke präsentieren könnte.“ Auch Niko lächelte. „Ich möchte ebenfalls hier bleiben.“

Link schloss nur die Augen und sprach: „Dann seht, wie ihr das Tetra beibringt.“

Gonzales schlug auf den Tisch. „Als ob dich das interessieren würde. Sie hat ja ohnehin gesagt, dass sie dich an Bord nicht mehr haben will.“ Link konnte es nicht abstreiten. „Ja, aber die Dinge liegen nun etwas anders. Denkst du, ich weiß nicht, dass ich einige Fehler gemacht habe…“

 

Gonzales schaute zwar skeptisch drein, aber zuckte dann mit den Schultern. „Na gut. Es mag sein, dass Tetra weitersegeln möchte, dennoch sind wir der Meinung, dass diese Welt ideal wäre, für einen Neuanfang, für uns alle.“ Link nickte. „Auch ich möchte hier etwas aufbauen.“

„Dann sind zumindest wir uns einig“, meinte Gonzo. „Wirst du mit der Prinzessin reden, Link?“ Gonzo hob seine dunklen Augenbrauen und musterte ihn nachdenklich.

„Ja, ich werde es versuchen…“, murmelte er. Ob das so eine gute Idee war? Er hatte ja am Abend zuvor auch nicht wirklich etwas erreichen können. Die Prinzessin hatte nun mal einen starken Willen. Und wenn es nicht nach ihrer Nase ging, konnte sie sehr ungemütlich werden.

„Übrigens… wir Piraten sind froh, dass du wieder du selbst bist“, freute sich Niko und klopfte dem Heroen auf die Schulter.

„Danke“, lächelte er. Dann ging sein Kopf zu Navi und Klein- Link, die bisher schweigend in der Runde saßen. „Und was ist mit euch beiden? Wie kann ich euch nun helfen, und wie findet ihr zurück?“ Die Piraten, die inzwischen gut gespeist hatten, verabschiedeten sich dann von der Tafel und gingen ihren Tätigkeiten nach.

 

Klein- Link spielte nervös mit seinen Händen. „Also… es gab in dem Hyrule, aus welchem der Held der Zeit stammt, eine Prophezeiung, geschrieben in einem alten Buch. Sie lautete wie folgt…“ Und der Knirps teilte dem Helden des Windes auch die Prophezeiung mit.

 

,Ein Held, mit der Gewalt aller Helden, die das Schicksal ernannte.

Ein Gesetz, das umgeschrieben wurde.

Eine Melodie, die die Zeit der Welt einfrieren kann.

Was mögen die Helden tun, wenn sie nicht mehr der eine Held, sondern viele Helden sein könnten? Was mögen sie gewinnen? Was mögen sie entstehen lassen?

Ein Weg. Eine Gunst. Eine Gnade…

Ruft den Rat der Helden…

Das Masterschwert als Schlüssel.

Die Okarina der Zeit als Weg.

Die Helden Hyrules als Waffe…

Das Medaillon der Mächtigen als Bote…‘

 

Klein- Link seufzte und legte dann das alte, runde Medaillon der Mächtigen auf den Tisch.

„Im großen Kampf auf der Erde hat sich ein Teil der Prophezeiung schon erfüllt. Mit Hilfe der Okarina der Zeit wurde die Zeit angehalten.  Die Helden Hyrules, viele Helden, mehr als wir vermutlich kennen können, sollen an einem großen Rat teilnehmen, um Ganondorf, da er mächtiger ist als jede seiner Gestalten vorher, zu vernichten. Dies soll mithilfe des Masterschwertes irgendwie bewerkstelligt werden. Und wir… haben jetzt nur dieses Medaillon um dich irgendwie mitzunehmen oder so… ich weiß es nicht…“ Klein- Link seufzte. Wenn man bedachte, wie wenig Ahnung Navi und er von dieser Mission hatten, und wenn man bedachte, dass sie nicht wussten, wie sie diesen Heroen irgendwie auf jenen Rat schicken konnten, war seine Frustration nur allzu verständlich.

„Du bist der erste andere Link, den wir treffen…“, murmelte Navi. „Nur deshalb sind wir so ratlos… noch…“ Der Held des Windes schaute gelangweilt drein.

„Mann, Leute…“ Er schnaubte, als würde er seine Meinung bezüglich des Hilfeangebots wieder ändern.

„Aber wie habt ihr es geschafft hierher zu finden? Ihr wurdet teleportiert, jedoch frage ich mich wie.“

Klein- Link meldete sich gleich zu Wort: „Das war einfach, ich habe etwas von meinem Blut auf das Medaillon geträufelt. Es hat irgendwie einen eigenen Willen, und passt sich den Wünschen an, die ihm Blut liegen.“ Er klappte das alte Medaillon auf, betrachtete sich den heiligen Baum in der Mitte. Und auch die Zeit lief weiter. In einem Ring drehte die Sonne gerade ihre Runde.

„Wenn du dein Blut darauf geträufelt hast, sollte ich das vielleicht auch tun“, sprach der Held des Windes, schnappte sich das Medaillon, schnitt mit einem Kuchenmesser in seine rechte Hand und ließ dickes, warmes Blut auf den strahlenden Lebensbaum in der Mitte des alten Reliktes tropfen. Alle drei Köpfe rutschten daraufhin näher und hofften, dass etwas interessantes passierte. Tatsächlich bewegten sich plötzlich die Zeiger der Uhr, die Sonne hetzte mehrmals in ihrem Ring und löste rasch den Mond ab. Genauso verlor der Lebensbaum seine Blätter, es wuchsen rasch welche neu und bunte Früchte keimten unübersehbar. Gleichzeitig leuchteten auch die roten, grünen und blauen Steine, die das Medaillon trug. Eine freudige Melodie erklang aus dem Inneren des Reliktes. Sie war schnell und fiel besonders durch eine Fröhlichkeit auf, die sie in die Umgebung schickte.

„Ist das normal?“, meinte der Held des Windes.

„Ja, ich denke schon“, sprach das Götterkind. „Ich habe meinen Papa damit wieder ins Leben zurückgeholt, da hat es auch eine Melodie gespielt.“ Der Erwachsene kratzte sich daraufhin am Kopf und kramte aus seiner Tasche den Taktstock des Windes. Er folgte der Melodie damit. „Es ist eine schöne Melodie, und ich bilde mir irgendwie ein, ich habe sie schon einmal gehört… vor langer Zeit.“ Vielleicht war es nur eine Erinnerung, die in seiner Seele schlummerte. Auch Klein- Link kannte diese unvergängliche Melodie. Es war jenes wundervolle Musikstück, welcher man nur mit hylianischen Ohren lauschen konnte… und nur dann… wenn man über Hyrules grüne Wiesen ging. Plötzlich schoss ein in allen Farben funkelnder Lichtstrahl, aufbrausend und erschütternd aus dem Medaillon, über die Köpfe von Klein- Link und Navi hinweg. Es zischte. Es knallte.

 

Und blitzartig rauschte ein weiterer Gegenstand über die drei Köpfe hinweg und landete direkt neben dem Medaillon. Glänzend, und ebenso die Melodie von Hyrule lobpreisend, war es ein zweites Medaillon der Mächtigen, jedoch in weißer Farbe. Wie Porzellan fühlte es sich an. Auch es besaß einen Lebensbaum und viele violette Verzierungen.

„Ha“, lachte das Götterkind. „Einfach genial.“ Er freute sich. Konnte es sein, dass diese Medaillons in Verbindung standen. Jenes Medaillon, welches der Held des Windes mit seinem Blut gerufen hatte, musste aus diesem Hyrule stammen. Und das von ihm aus dem anderen Hyrule, wo der Erdenlink einst als Held der Zeit lebte. Es war zwar kompliziert, aber vielleicht würden sich die Dinge doch irgendwie zu einem großen Ganzen zusammenfügen lassen. 

Der erwachsene Heroe klappte das edle weiße Relikt auf. Ebenso wie das goldene Medaillon der Mächtigen besaß es ein Uhrwerk, und den Kreis von Sonne und Mond. Die Melodie wurde dann leiser, und anstatt der Melodie konnte man nun eine Stimme hören. Es war eine scheinbar göttliche Stimme, die Klein- Link schon oft gehört hatte. Energisch stützte er sich auf den Tisch und staunte: „Um Himmels Willen, das ist Zeruda. Das ist die Stimme von Zeruda, vielleicht der ersten Zelda überhaupt.“ Er würde diese Stimme immer wieder erkennen. Sie sang von großen Schlachten, von einer Zeit, die mehr als einen Helden benötigen würde. Sie kannte vielleicht sogar die Zukunft, und hatte aus diesem Grund das mächtige Relikt mit ihrer starken Magie erschaffen. Sie sang weiterhin, versprach den Heroen eine Teleportation an den einen Ort, wo man den Rat der Helden erschaffen könnte. Und während sie sang, leuchtete bei beiden Medaillons ein winziges Stückchen der feinen Linie, wo sich Sonne und Mond abwechselten. Sie redete davon, dass dieses Leuchten in allen Farben der Welt dann vervollständigt sein würde, wenn alle Helden, die in Zeit und Dimension existieren und welche am Rat teilnehmen wollten, gerufen sind. Dann verebbte ihre Stimme und die Melodie der Wiesen Hyrules trat erneut an ihre Stelle.

 

„Okay…“, sagte das Götterkind und seufzte. Was sollten sie jetzt damit anfangen?

„Mmh“, murmelte die einstige Fee neben ihm. „So wie es aussieht, sollte dieses andere Medaillon in die Obhut des Helden des Windes gelangen. Ich hab das so verstanden, dass diese kreisförmige Linie darauf dann vollkommen leuchtet, wenn wir alle Links eingesammelt haben. Und wenn das so ist, so werden diese teleportiert.“ Sowohl Klein- Link, als auch der Held des Windes kratzten sich dann im gleichen Rhythmus und auf die gleiche Art und Weise an der Wange. Sie blickten sich betroffen an, sahen aber dann wieder verlegen weg.

„Das heißt wir können jetzt nichts weiter tun, als abwarten?“, murmelte das Götterkind enttäuscht. Sie hatten keine Lösung gefunden? „Ehe wir nicht alle Links gerufen haben, werden wir nicht herausfinden, ob das alles funktioniert?“, sprach er weiter. Es war nicht nur enttäuschend, sondern es ängstigte ihn. „Bei Nayru… was machen wir denn, wenn das alles nicht funktioniert? Angenommen wir finden jeden Link und kehren dann irgendwie auf die Erde zurück, oder in das Hyrule, wo der große Kampf gerade angehalten wurde. Und angenommen diese Linie ist vervollständigt. Sollen wir dann die Zeit wieder laufen lassen, nicht wissend, ob die Links tatsächlich durch Zerudas Teleportation in unsere Welt finden werden?“ Navi zuckte mit den Schultern. Und Klein- Link versank beinahe auf seinem Platz. Das war alles so unsicher…

Die ganze Reise.

Dann die Tatsache, dass Klein- Link selbst lernen musste, zu töten…

Und zusätzlich noch diese Unsicherheit…

Er zweifelte. Ja, er hatte maßlose Zweifel über ein Gelingen dieser schwierigen Mission.

„Jetzt hört doch mal, ihr zwei“, mischte sich der erwachsene Heroe ein. „Wenn etwas nicht funktioniert, dann nutzt einfach das Medaillon und kehrt hierher zurück. Ich werde hier bleiben, in diesem Land. Und wenn ihr mich braucht, steh ich euch gerne zur Seite.“ Ein stolzes Grinsen legte sich auf das jugendliche, ansehnliche Gesicht des Heroen der Meere. „Auch ich bin ein Held Hyrules… und ich werde hier in Hyrulia etwas Eigenes aufbauen.“

 

Gerade da ging die Tür und Tetra trat mit bleichem Gesicht herein. Sie musste die Unterhaltung mit angehört haben. Sie war auf den Beinen, aber man sah ihr deutlich an, dass es Kraft kostete.

„Was bedeutet das, du willst hier bleiben?“        

„Tetra“, sprach Link fragend und las in ihren Augen eine Verzweiflung und Sorge, die er noch nie darin erblickt hatte. Er schluckte und fürchtete sich fast davor es ihr zu erklären.

„Äh, wir wissen ja jetzt, was wir tun müssen, wir haben noch etwas zu erledigen“, sprach Navi und schob das ratlose Götterkind mit einem teuflischen Grinsen nach draußen. „Macht Euch keine Umstände, wir kommen schon klar“, ergänzte sie noch. Klein- Link wollte schon herum zappeln, aber verstand die Situation dann.

 

Tetra jedoch stand einfach nur vor ihrem Heroen. Mit einer Skepsis und einem Argwohn durchbohrte sie ihn, was ihn beinahe schwindelig machte. Sie klapperte mit ihrem Schuhen und stemmte die Hände in die Hüften. Noch immer war ihr langes blondes Haar offen und verlieh ihr eine Schönheit, die sie sonst versteckte.

„Zelda…“ Und wieder sprach er sie mit ihrem richtigen Namen an, wodurch sie ahnte, dass etwas faul sein musste.

Bestürzt sah er weg.

„Link, sag‘ mir, was los ist.“ Ihr Ton war stark, dennoch spürte man noch immer ihre Kraftlosigkeit darin. Er trat an eines der Fenster und setzte ein halbherziges Grinsen auf. Die Welt Hyrulia, jetzt, da der Schnee geschmolzen war, ließ viele unberührte Flecke erahnen. Weite Wiesen lagen vor Links Nase, verzauberten ihn zunehmend.

Tetra stand plötzlich hinter ihm. Noch immer war sie in das violette, glitzernde Kleid eingehüllt, welches sie bei dem verhängnisvollen Ritual getragen hatte.

„Du wirst in Hyrulia bleiben?“, fragte sie mit belegter Stimme. „Du lässt mich im Stich…“

„Das war es doch… was du wollest…“, murmelte er. „Außerdem...“ Er drehte sich um, lehnte sich an das Fensterbrett und lächelte traurig.

„Außerdem, was?“, murrte sie. 

„Du hast selbst gesagt… unser kleines Interludium hatte keine Bedeutung für dich… und es wird nicht wieder vorkommen…“ Er blickte zu Boden und dachte daran, dass er wie immer den Kürzeren ziehen würde. Egal, wie Tetra auf seine Worte reagierte, sie würde niemals zugeben, dass er Recht hatte. Möglicherweise liebte er sie, und sie liebte ihn, dennoch würde es keine Zukunft für sie beide geben. Das ließ Tetra in ihrem Stolz und ihrer Ignoranz gar nicht zu.

 

„Denkst du, ich habe Lust immer… immer nach deiner Pfeife zu tanzen, nur bei dir zu sein, wann es dir in den Kram passt?“ Er trat näher an sie heran, sodass sie augenblicklich zurückschwankte. Er hielt ihr einen drohenden Zeigefinger direkt ins Gesicht.

„Auch ich habe Gefühle, Tetra, ob es dir passt oder nicht… und auch ich habe Ziele im Leben, Wünsche. Und ich werde mein Leben nicht damit zu bringen, nur deine Befehle auszuführen.“ Endlich war alles aus ihm herausgeplatzt. Das hatte gut getan. Endlich fühlte er sich besser. „Ich bin sogar egoistisch geworden, nur weil ich dachte, ich müsste mich dir anpassen. Denn du… du bist weitaus egoistischer als ich.“ Und auch das hatte gut getan. Es war alles gesagt, was er sagen wollte.

„Ja, ich werde hier bleiben, in Hyrulia. Genauso wie deine ach so geliebten Piraten. Jeder von ihnen hat das Reisen satt, jeder von ihnen strebt nach mehr im Leben als einem ungemütlichen Platz auf deinem Schiff.“

Das war hart und gemein. Und dieser Satz hatte noch mehr Wirkung erzielt als die letzten. Tetra war mucksmäuschenstill und stand wie zu Eis erstarrt vor ihm.

Sie schwankte und ließ sich dann auf einen Sessel sinken. „Ich verstehe… jetzt endlich verstehe ich dich, Link.“ Sie stützte ihren Kopf mit einer Hand.

Ja, er hatte alles gesagt, schämte sich aber schon fast wieder dafür. Er wollte sie nicht verletzen, aber diese Dinge wollten endlich aus ihm heraus.

„Du hast doch nur mit mir geschlafen, weil du geahnt hattest, dass du Schwierigkeiten bekommst, wenn du noch länger Jungfrau bist“, sagte er dann und ballte die Fäuste. Erschrocken hob sie ihren Kopf und blickte ihn mit ihren blauen Augen an. „In deiner Welt erfolgt alles nach Plan. Ich war nur Mittel zum Zweck.“ Er seufzte. „Ich weiß einfach nicht mehr, was ich glauben soll, und ob ich dir überhaupt etwas bedeute.“

 

Tetra hörte sich seine Klage aufmerksam an. Und sie war gleichzeitig so erschrocken davon, wie Link sich fühlte, dass sie kein Wort herausbrachte. Sie war den Tränen nahe. Das erste Mal seit Ewigkeiten war sie, wo sie eine stolze, starke Frau war, den Tränen nahe.

 

Hinter dem großen Tor in diesen Speisesaal, lauschten Navi und Klein-Link fassungslos der Unterhaltung. Die Worte jenes Helden waren unglaublich. Aber gleichzeitig war vieles darin eine Erklärung dafür, wie er sich verhielt.

„Sollen wir irgendwas tun?“, meinte der Junge. Die einstige Fee schüttelte den Kopf.

„Lass‘ sie lieber. Es ist Tetras Aufgabe etwas gerade zu rücken.“

„Mmh, vielleicht hast du wirklich Recht.“

„Ich habe immer Recht“, murrte sie, packte den Bengel am Kragen und schleifte ihn in den Schlossgarten.

 

Der Heroe des Windes nahm derweil erneut an der Tafel Platz, blickte östlich, wo sich die stolze Sonne Hyrulias erhob. Er fragte sich beschämt, ob es richtig gewesen war, Tetra das alles zu sagen. Jetzt würde sie ihn erst Recht für einen Waschlappen halten. Er seufzte und traute sich nicht die Prinzessin jetzt nur kurz anzuschauen. Es tat ihm leid… und es tat ihm auch leid, dass sie nun vielleicht gezwungen war, alleine auf das offene Meer hinaus zu segeln. Konnte er das überhaupt verantworten, dass Tetra ihren Willen wie immer durchsetzte und alleine wegsegelte? 

„Wie…“, sie sprach leise und stockend. „Also… was möchtest du denn hier in Hyrulia tun?“ Sie schaute zu Boden und spielte unruhig mit ihren Händen.

„Das interessiert dich doch eh nicht“, pfiff er abtuend, und schon war Tetras Bemühung den ersten Schritt zu machen auf harten Fels gestoßen. Sie seufzte und biss sich auf die Lippe, um sich nicht noch weiter mit ihm zu streiten. Sie war eigentlich zu müde, um sich mit ihm zu streiten, und wollte eigentlich nur, dass sie beide eine Lösung fanden. Nur… gab es diese überhaupt? Wenn Link und auch die Piraten hier bleiben wollten, welche Wahl hatte sie dann?

Sie schloss die Augen und erhob sich. Ihre Beine zitterten noch ein wenig von dem Kraftverlust. Und auch sonst war sie erschöpft, aber sie wollte Link nicht verlieren, und sie wollte ihm irgendwie beweisen, dass sie ihn nicht nur als Mittel zum Zweck missbraucht hatte. Noch ehe Tetra selbst wusste, was sie tat, stand sie hinter seinem Sitzplatz und legte ihm ihre kalten Hände auf die Schultern. Link riss daraufhin erschrocken die Augen auf, hüpfte vom Stuhl und blickte sie durchdringend an.

Die Wangen der Prinzessin färbten sich etwas rot, als sie murmelte: „Du kannst… ja… wenn du möchtest mit mir kommen…“ Nervös zupfte sie an ihrem Rock. „Auch in das Bett…“ Link bekam auf diese Worte beinahe einen Herzkasper. Das war zwar genau das, was er wollte, aber er fühlte sich dennoch wie vor den Kopf gestoßen. Hatte Tetra gerade gesagt, er solle mit ihr ins Bett steigen? Hatte sie gerade wirklich seine Nähe gesucht. Wollte sie sich jetzt nur einschmeicheln, oder meinte sie es ehrlich.

„Ich möchte, dass du weißt, dass ich…“, fing sie an. „… ich hatte nie im Sinn dich irgendwie zu verletzen. Ich kann wohl manchmal ein ziemliches Trampel sein.“ Sie meinte es ehrlich, und doch fragte sich der Heroe, ob das noch die Tetra war, die er kannte. Jetzt auf einmal entschuldigte sie sich. Sie blickte auf und suchte seinen Blick. Selbst in ihren blauen Augen war eine ehrliche Entschuldigung lesbar. Wer wäre Link, dass er ihr nicht verzeihen konnte?

 

Er trat näher und grinste: „Ich verzeihe dir, aber… unter einer Bedingung.“ Er hob mit seiner Rechten ihr stolzes, spitzes Kinn nach oben. Sie musste ihn nun noch deutlicher anblicken. Sie lächelte dann vorsichtig, legte ihren Kopf schief und wartete auf seine Bedingung.

„Link, nun rück‘ endlich damit raus. Was willst du?“ 

„Ich erwarte, dass du mich nicht mehr so herumkommandierst und…“ Gerade nach dem Wörtchen ,und‘ legte Tetra ihm ihre volle, rechte Hand auf den Mund. Sie unterbrach ihn aus gutem Grund.

„Du hast von einer Bedingung geredet. Mehr als eine gilt nicht.“ Daraufhin packte der Held des Windes die Prinzessin unter ihrer Hüfte, hob sie auf den Tisch und drückte ihren Oberkörper nieder.

„Was?“ Ehe Tetra sich der Situation vollkommen bewusst werden konnte, hatte Link ihre Hände beide mit seiner relativ großen rechten Hand fest im Griff. Sie schaute ihn verwirrt und dann mit mulmigem Gefühl im Magen an. „Was soll das?“, giftete sie. Ihre Wangen waren deutlich errötet. Sie spürte Hitze in sich aufsteigen, konnte aber nicht genau definieren, ob sie das Gefühl als angenehm empfand oder ob sie es los werden wollte. 

„Ich zeig‘ dir, dass ich Gefühle habe“, sprach er finster, lehnte sich näher und drückte seine Lippen auf ihre. Tetra rührte sich nicht weiter, murmelte irgendetwas und behielt ihre Augen offen. Dann streichelte er mit seiner freien Hand über ihren Hals, umfasste ihre rechte Brust und wanderte dann zu ihrem Bauch.

Sie seufzte.

Sie zitterte.

Sie wusste nicht mehr, was sie denken sollte.

 

Link schien das zu spüren und ließ von ihr ab. Tiefsinnig suchte er nach Antworten in ihren blauen Augen. „Ist es denn so schwer für dich, deinen Stolz mal eine Minute zu vergessen?“, fragte er. „Tetra… ich möchte wirklich, dass du hier bleibst in dieser Welt, weil ich weiß, dass dieses Land wie für dich gemacht ist. Selbst Daphnos…“ Auf dieses Wort hin, riss sie sich los und stand miesgelaunt vor ihm.

„Was ist mit diesem königlichen Kasper?“, sprach sie zänkisch.

„Ich habe ihn vor einigen Stunden als Geist in Hyrulia getroffen.“

Sie schluckte: „Du hast diesen verdammten König getroffen, der es gewagt hat, sich in mein Leben einzumischen, und dann tust du noch so, als müsstest du auf ihn hören? Du willst ja bloß hierbleiben, weil er dir diesen Floh ins Ohr gesetzt hat. Ich werde ganz gewiss nicht nach seiner Pfeife tanzen.“

„Ja, weil alle immer nur nach deiner Pfeife tanzen sollen“, erwiderte er und verschränkte die Arme. Sie wollte daraufhin aus dem Raum stürmen, aber der Heroe packte sie mit Leichtigkeit. Sie zappelte wild herum, saß dann aber erneut vor ihm auf dem Tisch. Er nahm ihr Gesicht in beide Hände.

„Genau das war meine Bedingung…“, meinte er und warf ihr einen ernsten Blick entgegen. Sie wusste, was er meinte. Sie sollte ihn nicht wieder herumkommandieren.

„Ja, okay.“ Ihr Augenrollen sagte ihm, wie entnervt sie war. Vielleicht konnte er es sogar verstehen. Sie war eine Ahnin von Daphnos. Wie ein Fluch musste dieser königliche Titel über ihr schweben und sie tat wirklich alles, um nicht durchblicken zu lassen, dass sie eine Adlige war.

„Aber warum, Link? Warum willst du dem Vorschlag des Leuenkönigs nachgehen? Er drängt uns eine Rolle anzunehmen, die niemals für uns gemacht ist. Link, du bist kein Ritter, und ich bin keine Königin.“ Er senkte den Blick.

„Das bildest du dir alles ein. Du wehrst dich ja schon seit Ewigkeiten gegen das, was du bist.“ Und auch dieser Satz von dem Helden hatte gesessen.

„Ich möchte, dass du hier bleibst… bei mir… nicht, weil es Daphnos gesagt hat“, sprach er. „Spürst du nicht, dass das Segeln über alle möglichen Ozeane nur eine Suche ist nach etwas, was du selbst nicht einmal definieren kannst?“ Verwundert hafteten ihre Augen an seinen.

„Aber es bedeutet, ich muss mein Piratenleben aufgeben…“ Sie wand sich ab und trat zu dem großen Rundbogenfenster, ließ ihren Blick über diesem neuen Hyrule schweifen.

„Für alles neue, muss man etwas Altes aufgeben. Kommt es nicht vielmehr darauf an, mit wem man zusammen ist, nicht darauf, wo man lebt?“, sagte Link und legte ihr sanft die Hände über ihren Bauch. Sie lächelten beide, während sich die Sonnenstrahlen über grüne Wiesen legten und die wippenden Gräser leuchteten.

„Ja, vielleicht hast du Recht“, sprach sie leise, blickte sehnsüchtig in Richtung des Hafens, wo ihr Schiff noch immer im Hafen lag.

„Lass‘ uns versuchen hier zu bleiben, wenn es dir nicht gefällt, können wir in einigen Monaten immer noch weitersegeln.“

,Das war ein guter Kompromiss‘, dachte sie still. Er begann daraufhin langsam ihren Hals zu liebkosen. Seine rauen Lippen fühlten sich wohltuend auf ihrer Haut an. Dann streifte er vorsichtig an ihrer rechten Schulter das violette Kleid etwas hinab.

„Als ich wissen wollte, wie es dir geht… als du aufgewacht bist, habe ich auch diesen Fleck gemeint.“ Sie griff sich gleich an jene Stelle auf ihrer Schulter.

„Seit wann hast du das?“ Sie drehte sich zaghaft um, seufzte und blies einen gelangweilten Luftstrom aus ihren Lungen. „Was interessiert dich das überhaupt?“, murrte sie. Streitlustig hob der Heroe sie dann in die Luft und setzte sie auf das Fensterbrett. Er küsste sie wieder, und diesmal ließ Tetra es sich gefallen.

„Du weißt, dass es mich interessiert“, sprach er, während des Kusses. Nach der liebevollen Geste legte sie ihren Kopf auf seine Schulter. „Seit wir diese Insel erkundet haben… als du das Fieber hattest, seitdem hab ich das. Ich hab schon alles versucht, es geht nicht weg. Ich hab sogar die Heilerinnen diese Nacht gefragt. Diese meinten, es würde wie ein Muttermal bleiben, aber sie haben mir eine Creme gegeben, um das Zwicken zu beseitigen. Es ist nichts Schlimmes… es kommt nur davon, dass ich zu oft meine Macht zum Heilen benutzt habe.“ Er legte eine Hand auf ihre rechte Wange und küsste Tetra wieder. „Ich bin beruhigt deswegen. Versöhnen wir uns jetzt?“ Er grinste verschmitzt.

Sie grinste ebenso, ein wenig rebellisch, ein wenig hinterhältig, wie es ihre Art war.

Und ihre Blicke sagten deutlich, dass sie die gleiche Vorstellung von einer Versöhnung hatten. Tetra legte ihre Hände auf seinen glatten durchtrainierten Oberkörper und umschlang ihn mit ihren Beinen.

„Wie wäre es, wenn wir die Tür dort abschließen?“, meinte er.

„Gute Idee“, sagte sie leise und kam seinem jugendlichen, frischen Gesicht mit ihren Lippen näher. Sie lächelten beide, während sie einander verwöhnten. Es war eine angenehme Stunde gegenseitigen Verständnisses und Einfühlungsvermögens. Die neue Welt wurde nebensächlich für sie beide, aber ihre beiden Gefühle hatten sie erst finden lassen. Hyrulia war ihr Schicksal… 

 

Wenige Tage verstrichen hier im Frühling von Hyrulia. Die an jenem Tag gekrönte Königin Zelda stand mit freundlichen Hofleuten, ihrem Ritter Link, Navaeli, und den treuen Piraten am Hafen und würde die beiden Gäste Navi und Link verabschieden.

Und wie es sich für eine Königin gehörte, war Tetra in feinste Gewänder in den Farben violett und weiß gehüllt. Ihr blondes, volles Haar war hochgesteckt und nur wenige Strähnen fielen geschmeidig an ihren Elfenohren hinab. Eine Krone aus Weißgold verzierte ihre Stirn. Und wenn man genau hinschaute, sah man ein kleines Detail an ihrem rechten, weißen Handschuh. Dort funkelte ein zierlicher Ring mit drei lilafarbenen Edelsteinen.

Auch der Held des Windes war kaum wiederzuerkennen. Er trug eine weiße Tunika mit einigen Abzeichen für Tapferkeit und erstaunliche Heldentaten. Ein langer violetter Umhang schmückte seinen Rücken. Das Schwert der Legende trug er an seinem Gürtel. Mit der rechten Hand hatte er Tetras linke Hand umfasst.

„Wir wünschen euch beiden alles Glück Hyrules für eure schwierige Reise“, sprach Tetra und lächelte. „Ihr beide packt das schon.“ Sie konnte nicht wiederstehen und kniff sowohl Navi als auch Klein- Link in ihre rechten Wangen.

Sie zankten beide, nickten aber dann lächelnd, als Tetra sie schließlich umarmte. „Normalerweise stehe ich nicht auf solche Gesten, aber ihr beide habt mir echt geholfen“, sagte sie. Das Götterkind gab der Zelda jener Welt noch ein Küsschen auf eine Wange und umfasste dann das Medaillon der Mächtigen mit der linken.

„Danke für eure Hilfe“, meinte Navi und verabschiedete sich mit einer Umarmung von ihrem Ebenbild, der erwachsenen Fee Navaeli. „Es ist schön, dass wir uns getroffen haben“, meinte sie zu der größeren. „Ich bin auch dankbar dafür, und denk‘ an die Feder, Navi“, meinte sie.

Dann verabschiedeten sich einige Hofleute und die Piraten von den beiden. Nur der Held des Windes war noch an der Reihe. Navi gab ihm einen gutgemeinten Stoß in die Rippengegend und sah dann zu ihm auf. „Deine Großmutter und deine Schwester wären sehr stolz auf dich, Link.“, sagte sie. „Und wir sind es auch.“ Navi lächelte glücklich und auch der Heroe grinste zufrieden. „Irgendwo sind sich die Helden der großartigen Legende alle ähnlich, und doch ist es gut, dass sie nicht alle gleich sind“, lachte die einstige Fee.

„Der Meinung bin ich auch“, murmelte der Heroe, kniete nieder und blickte Navi und das Götterkind grinsend an. „Ich denke auch, dass ihr diese Mission packt. Aber passt auf euch auf, besonders du, Navi.“ Und sein Fiebertraum kam ihm wieder in den Sinn.

„Keine Sorge, ich kann auch auf sie aufpassen, denn schließlich wird aus mir ebenso ein Held der Legende, wenn nicht sogar der beste!“

„Das werden wir noch sehen“, lachte der Held des Windes, nahm den Bengel in den Schwitzkasten und rubbelte ihm über den blonden Schopf. Das Götterkind quietschte, aber lachte auch.

„Okay“, meinte Navi. „Wir sollten dann loslegen.“ Sie nahm den jungen Link an einer Hand und schleifte ihn einige Meter weiter.

„Macht es gut, Leute. Wir werden euch sicherlich irgendwann besuchen“, sprach Klein- Link, schnitt sich mit der Spitze seines Dolches in den rechten Zeigefinger und ließ das Blut auf das Medaillon rinnen.

„Wir werden dich rufen“, sprach Navi, während sich die Macht des Medaillons langsam steigerte. Der Held des Windes nickte.

Allmählich wurden ihre Gestalten blasser, das Medaillon arbeitete rasch, umhüllte beide Kinder mit Bändern aus allen existierenden Farben…

Und von einer Sekunde auf die andere waren sie beide verschwunden. Sie würden ihre Reise forstsetzen und in eine weitere Welt eintauchen.

Hier in Hyrulia jedoch herrschte der Frieden. Das Leben hier konnte endlich beginnen.

Und die Prophezeiung hatte sich erfüllt.

 

„Zeit und Wind dienen als Vorboten für frevelhaftes Schicksal. Da das Verderben uns heimsucht, wandeln wir auf seidenen Pfaden… die Kräfte eines neuen Gleichgewichtes der Macht erfüllen unsere Welt im Schimmer von Eis und Kristallen… Ein Hyrule, geschöpft aus Hoffnung und Magie. Eine Welt, die sucht nach seiner Königin. Unsterblich soll sie sein. Ihr Name ward ewig. Ihr Lächeln überwand den Tod…“    

 

Die Königin dieser Welt tanzte im Rhythmus mit den alten Legenden, mit ihren Landsleuten und ihrem Schicksal. Sie würde einen ewigen Namen tragen und ihr Lächeln hatte dem Tod einen Streich gespielt. Ein neues Hyrule wurde erlöst von seinem Fluch. Und anstatt von Flocken und Kristallen fielen geräuschvoll wie Noten bunte Blütenblätter im Frühling…

 

 
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