Kapitel 17
 

Kapitel 17

 

 

 

 

Eine junge Gestalt näherte sich mit wackligen Beinen, und ein wenig schimpfend, einem stürmischen Ufer, nicht weit entfernt von der fröhlichen Jugendherberge, wo die Leute alle glücklich waren, dass die verschollenen Menschen lebten, dass es jenen wieder gut ging.

Aber der Jugendliche auf seinen dunklen Wegen konnte sich nicht daran erfreuen, denn für sein unsterbliches Ziel, für seinen Wunsch, seine große Bitte, die er an das Böse gerichtet hatte, war gerade der Erfolg von Link, dem großen Helden, hinderlich. Sein Ziel, welches auch nur der Verzweiflung eines vernachlässigten Jungen entsprach, war nun wieder weitentfernt, und das alles nur wegen Link, diesem verdammten Helden...

            Die Nacht legte sich düster nieder. Graue, gespenstige Wolken tummelten sich am Horizont und wühlten das Meer vor dem Jugendlichen auf.

            Etwas Unsichtbares, unberechenbar Kaltes, ähnlich einem Geist schlich über die grauen Vulkangesteine, auf denen der Junge Spuren hinterlassen hatte.

„Du hast versagt...“, zischte es.

„Ich weiß“, weinte der Jugendliche und setzte sich trübsinnig nieder, stützte seinen traurigen Schädel auf seine Arme.

„Deine Aufgabe war es den Helden zu beobachten, ihn auszuspionieren, ihm zuzureden, ihn in die Fallen hineinzulocken und was nun? Alles ist jämmerlich gescheitert! Du unsäglicher, trostloser Tropf“, zischte es erneut.

            Der Junge brach vor dem geisterhaften Wesen auf die Knie und klagte bitterlich: „Bitte gebt mir noch eine Chance, Lord.“

„Und warum sollte ich das tun?“, fauchte es angewidert.

„Bitte“, wimmerte der Jugendliche.

„Du bekommst noch eine Chance, versagst du erneut, dann bist du unserer Hilfe nicht würdig.“

            Seinen Stolz und seine Selbstachtung hatte der traurige Junge schon lange aufgegeben, doch nun verlor er sogar noch den letzten Funken Menschlichkeit mit der Dummheit, in den Lauf der Dinge eingreifen zu wollen, er verlor sich selbst durch einen ungerechtfertigten Wunsch, den aber nicht einmal das Böse ihm erfüllen würde...

 

Link und Sian befanden sich gerade im Bungalow. Der erschöpfte Held brauchte neben einer stärkenden Mahlzeit vermutlich noch zwei weitere Dinge: eine Dusche und frische Klamotten! Er befand sich gerade im Bad, betrachtete sich die blauen Flecke an seinem Oberkörper. Noch immer konnte er nicht glauben, was in der Höhle geschehen war...

,Ich habe einen Drachen besiegt’, dachte er. Als wäre der Heroe aus einem langen Traum erwacht, begriff er allmählich, was er mit seinen eigenen Händen getan hatte. Er hob seine Hände in die Höhe und sah sie sich an. Mit diesen Händen...

            Er sah in sein ernstes Spiegelbild, überzeugt, dass dieses Gesicht nicht sein wahres Ich preisgab.

„Komm schon, Link. Du hast es überlebt. Freu’ dich doch ein bisschen“, sagte er zu der Fratze, die ihn aus dem Spiegel anstarrte.

„Link, ich rede mit dir!“ Und er selbst zog eine dämliche Schnute.

„Schon besser“, meinte er und grinste ein wenig.

„Verrückt... jetzt fange ich schon an mit mir selbst zu reden...“ Erfrischend tauchte er sein Gesicht in kaltes Wasser.

Dann sah er erneut in den Spiegel. Doch dann veränderte sich sein Spiegelbild und das Gesicht eines kleinen Jungen erschien ihm darauf. Link rieb sich die Augen. Ob er nicht vielleicht doch eins zu viel abbekommen hatte? Aber das niedliche Gesicht kannte er doch.

            „Sag’ mal, was willst du nun schon wieder?“, sagte Link gereizt. Die Gestalt sprach zu ihm.

„Das hast du gut gemacht“, sagte das Kind und zwinkerte leicht. Das erste Mal, dass Link ein Lob bekam für das, was er getan hatte. „Das war alles, was ich dir sagen wollte. Du hast Mollys Seele erlöst. Sie ist dir dankbar und wird dir sicherlich irgendwann einmal helfen können...“

„Was? Wieso das denn? Sie ist tot. Und außerdem, woher weißt du das? Wer zum Kuckuck bist du eigentlich?“ Dann grinste der Knirps genauso, wie Link es vorhin getan hatte und plötzlich war wieder das wahres Spiegelbild vor ihm.

            Plötzlich klopfte jemand an die Tür ins Badezimmer.

„Link, führst du etwa Selbstgespräche? Beeil’ dich, wir wollen noch ins NiceInn“, meinte Sian. Der Angesprochene fackelte nicht lange, zog sich an und öffnete die Tür. Pat saß erbleicht in der Stube und schienen irgendwie kein Wort mit Link reden zu wollen. Nur zu verständlich, aber vielleicht war Links selbstlose Handlung nicht der wirkliche Grund für das nachdenkliche Gesicht von Patrick, nein, jener dachte wohl eher an das merkwürdige, verräterische Verhalten von Trolli, der sich im Moment nirgendwo finden ließ...

            Link und Sian machten sich dann auf in die nächste Ortschaft.

 

„Glaubst du eigentlich, dass es richtig ist zu laufen“, fragte Link, als sie dem Weg in das Nachbardorf folgten. Die Sonne stand nur noch knapp über den Bergen, als Link einen zaghaften Blick in Richtung des Waldes am Wegesrand warf.

„Warum nicht? Hast du ein Problem damit?“

„Nein... nicht wirklich. Aber...“

„Ach so, du meinst die Wölfe“, sagte Sian dann und beäugte Link ein wenig. „Du wirst mit diesen Viechern doch locker fertig, wenn du einen Drachen besiegen kannst, oder?“ Link blieb stehen und grinste schauspielerisch.

Dann meinte er: „Ja, sieht aus, als ob du Recht hättest. Aber ich übernehme keine Haftung für Dutzende Wolfsleichen auf der Straße...“ Dann fiel es ihm wieder ein. „Die Sache ist nur die, dass ich mein Schwert verloren habe.“

„Was? Das sagst du jetzt erst? Mensch, mein Vater kann dir sicherlich eins geben.“ Link lief weiter und schien überrascht zu sein.

„Dein Vater hat wohl eine Waffenkammer? Soso...“ Der blonde Heroe grinste. „Dann sind die Gerüchte wohl wahr, dass er irgendetwas in seinem Schlosskeller bunkert.“

„Mmh... ja, in gewisser Weise schon.“

            Sie folgten weiterhin dem Weg, bis sie in dem Dorf angekommen waren. Im NiceInn setzten sie sich in eine hinterste Ecke, um sich in aller Ruhe über die Dinge unterhalten zu können, ohne, dass fremde Ohren von Angelegenheiten Wind bekamen, die sie nichts angingen. Es war ganz schön was los in dem kleinen stickigen, dunklen Pub, wo der Rauch von Pfeifen in der Luft hing.

            Einige, vor allem ältere Kerle mit runden Bäuchen erzählten vergnügt am Stammtisch über unwichtige Sachen. Touristen und sogar Japaner saßen an weiteren Tischen und genossen irische Klänge einer Geige, einer Harfe und Flöte einer kleinen Musiktruppe. Anja NiceInn, die Besitzerin, stand an der Bar und kam dann, als sie Link und Sian entdeckte, vorbei.

            „Na ihr zwei, was darf es sein“, meinte sie mit einem leichten irischen Akzent, den sie sich unbewusst angeeignet hatte. 

„Wie immer“, sagte Sian.

„Und du, Link?“

„Ähm, ich glaube ich nehme das vom letzten Mal, als ich her war. Also: Irish Stew, bitte. “

„Alles klar.“ Dann ging sie wieder zur Bar zurück.

„Du kennst Anja schon.“

„Jep.“ Link lehnte sich zurück und begann zu gähnen. „Ich könnte auf der Stelle einschlafen.“

„Ach ja... Wie war der Kampf eigentlich?“

„Willst du das wirklich wissen?“ Link gähnte schon wieder herzhaft und riss sein Maul weit auf.

„Na sicher. Es gibt weitaus mehr Menschen, die etwas mit Hyrule zu tun haben, als du glaubst.“

Link stutzte: „Wie darf ich das verstehen?“

„So wie ich es gesagt habe.“

Neugierig verschränkte Sians Gegenüber die Arme. „Das machst du wohl sehr gerne, wie?“

„Was denn?“

„Leute veräppeln.“

„Das tue ich doch gar nicht.“

„Nein?“ Link grinste wieder.

            Sian schüttelte nur mit dem Kopf. Er hatte den Helden wohl ein wenig ernster eingeschätzt...

„Also, der Kampf war ziemlich anstrengend. Etwa zwanzig Moblins standen in dem unterirdischen Gewölbe und Molly, ich meine, das Kind Molly, saß in der Mitte des Raumes. Nachdem ich die Moblins ausgeschaltet hatte, mutierte sie. Ich zerschlug schleunigst die Fesseln der Menschen und dann ging der Kampf erst richtig los... Ach du Schreck, die Leute wissen alles. Verdammt“ Aufgelöst sprang der Held von seinem Platz auf.

„Link, setz’ dich wieder. Sie werden Schweigen bewahren. Ich habe mich schon darum gekümmert.“ Das dankende Grinsen im Gesicht, ließ sich der Held wieder in den Sessel sinken.

„Mensch, du bist ja spitze. Aber Pat und Trolli wissen wohl Bescheid?“  

„Wohl oder übel.“

            „Mist“, meinte Link und schlug mit der Faust auf den Tisch.

„Was ist denn so schlimm daran?“

„Kapierst du das denn nicht, Sian. Diese Kämpfe betreffen nur uns etwas, diejenigen, die mit Hyrule etwas zu tun haben. Wir können Unschuldige, wie Pat und Trolli, nicht damit hineinziehen.“ Sian nickte bloß, überrascht über Links Weitsicht und Rücksichtsnahme. Der Held Hyrules wurde ihm immer sympathischer, obwohl er sich eingebildet hatte, einige Dinge über ihn zu wissen. Nein, das was Sian wusste, entsprach nicht der vollen Wahrheit.

„Als sie schließlich zu diesem Etwas mutiert ist, hatte ich keine Wahl. Ich musste sie töten... Dann ist der Wasserspiegel gestiegen und ich flüchtete. So das war’s.“ Link sah zu der Musikgruppe und hörte den Klängen zu. Irische Musik hatte es bisher stets geschafft ihn irgendwie hinfort zutragen, wie auch jetzt. Sein Blick wandelte sich und die Spur Ernst lag nun wieder in seinen tiefblauen Augen.

            „Es ist einfach zu...“ Er suchte nach dem richtigen Wort, das es für all’ die Geschehnisse des letzten halben Jahres nicht gab. „...verrückt. Alles... restlos alles. Vor einigen Monaten wünschte ich mir doch tatsächlich anders zu sein. Ich wollte ein Abenteuer und nun, da ich es habe, bin ich mir nicht mehr sicher, den ganzen Dingen gewachsen zu sein...“ 

„Link. Ich bin mir sicher, du schaffst es. Egal, was auf dich zukommt. Wer sonst außer dir hätte den Mut gehabt, so zu kämpfen?“ Vertrottelt sahen die tiefblauen Augen Links auf.

„Nur du kannst verhindern, dass das Böse diese Welt beherrscht. Nur du, denn das Blut des Schicksals gerinnt nicht in den Händen der Zeit.“ Links Augen wurden für einen Moment so groß, dass sie beinahe herausgefallen wären...

            „Von welchem Bösen sprichst du eigentlich, Sian? Ich meine, ich habe gegen Moblins, Wölfe, Skelettritter und sogar schon gegen einen Drachen gekämpft, aber wer steckt dahinter?“

„Das weißt du nicht?“

„Nein, woher denn?“

„Link... zähl’ doch einfach eins und eins zusammen. Wenn es Zelda gibt, wenn es dich und die Weisen gibt, folgt daraus nicht die Existenz eines gewissen Schreckensfürsten?“ Link starrte, geschockt über Sians Worte und seine eigene Dummheit, nicht früher daran gedacht zu haben, in die roten Augen seines Gegenübers.

Ihm entkam ein simples: „Du meinst Ganondorf?“ Aber Sian hatte keine Gelegenheit zu antworten, denn Anja brachte bereits das Essen.

„Guten Appetit wünsche ich euch.“ Ihr Gesicht verriet einmal wieder Besorgnis.

„Alles okay, Anja“, sagte Link leise und gähnte erneut. Doch versunken in ihre Gedanken reagierte die Dame nicht auf Link und verschwand. In dem Augenblick kam Kevin, der Typ mit der komischen Frisur, herein und zog ein ärgerliches Gesicht. Er grüßte niemanden und verschwand dann hinter einer Tür. Anja folgte ihm unauffällig.

            Link und Sian stopften sich dann genüsslich das Essen in ihre Münder. Zumindest das hielt den blonden, ansehnlichen Helden noch ein wenig wach.

„Ähm, Sian. Jetzt mal ehrlich, was hast du mit Hyrule zu tun?“

„Eigentlich nicht viel. Ich existierte dort nur für sieben Jahre und ich bin der Sohn einer großartigen Persönlichkeit, die vermutlich neben Zelda die wichtigste Stellung in der alten Welt hatte.“

„Für sieben Jahre? Heißt das, du bist...“

„Ja genau. Verstehst du nun, weshalb ich einiges über dich und Zelda weiß?“

„Shiek? Das gibt’s nicht.“ Links Stimme wurde ein wenig laut, sodass sich einige Leute verwundert nach ihnen umblickten.

„Sorry“, flüsterte er, so leise, dass selbst Sian es nicht verstanden hatte.

„Ich teilte mit Zelda sozusagen eine Persönlichkeit. Ich war nicht mehr als ein Schatten. Doch nun, habe ich ein ganzes Leben vor mir und dafür bin ich dankbar. Natürlich habe ich keine Erinnerungen, keine wirklichen. Aber mein Vater hat mir alles erzählt. Verstehst du?“

„Unsinn, ich dachte immer, Zelda könnte sich, wann sie wollte in Shiek verwandeln. Jetzt verstehe ich endlich, weshalb sie im Spiel sich nicht verwandelte, als sie von Ganondorf entführt wurde... Wie sinnlos. Ich denke immer noch an Hyrule, als wäre es nur ein Spiel...“

„Zelda hatte wahrlich nur einmal die Chance sich als Shiek auszugeben, durch Impas Hilfe, die selbst ein Shiekah war. Irgendwie hat sie diese Hälfte wohl abgespalten. Sonst würde ich ja gar nicht existieren.“

„Mmh...“, meinte Link und aß weiter.

 

Einige Minuten vergingen. Die Uhr schlug schon zu später Stunde, als einige Touristen die Kneipe verließen. Kevin hatte vermutlich übelst schlechte Laune. Man hörte seine Stimme herumbrüllen vom zweiten Stockwerk aus.

„Der hat einen schlechten Tag, oder?“

„Wahrscheinlich.“ Link trank hastig sein Glas Cola leer und setzte ein nachdenkliches Gesicht auf.

„Sag mal, weißt du irgendetwas, von den Dingen, die Hyrule zugestoßen sind? Warum sind wir als Reinkarnationen hier? Was ich sagen will, ist folgendes: Wieso ist Zelda hier, die Weisen, du und ich? Wie kann das sein?“

„Link, ich weiß, du willst alles so schnell wie möglich wissen, aber sollte nicht vielleicht Zelda dir erzählen, was damals geschehen ist?“ Im ersten Augenblick war der Siebzehnjährige ein wenig enttäuscht, als aber Zeldas Name fiel und er sie in seinen Gedanken vor sich sah, war dieses Gefühl wieder verschwunden.

„Du hast Recht, Sian.“

„Wegen Zelda... du musst unbedingt mit ihr reden. Die Vergangenheit belastet sie immer noch.“

„Klar, mach’ ich. Kannst du mir denn wenigstens sagen, weshalb ich sie damals halb durchgefroren in den Wäldern gefunden habe.“

„Ich kann dir darauf keine Antwort geben. Aber ich kenne jemanden, der das könnte, Link.“ Der neue und alte Held grinste vergnügt. „Gut, vergiss aber nicht ihn mir vorzustellen.“

„Wird erledigt.“

            Sie erzählten noch ein wenig, bis die Uhr schon zehn schlug. Sie bezahlten und wollten gerade aus dem Gasthof treten, als Kevin die Treppen herunterstürzte und Anja ohrenbetäubend anfuhr: „Beeilst du dich endlich mal. Kaum zu glauben, dass ich mich darauf eingelassen habe, dich zur Frau zu nehmen. Du kriegst es ja nicht einmal hin, deinem Zukünftigen ein Guinness zu bringen.“

Anja blickte nervös zur Seite und lehnte sich verängstigt an die Wand. „Warum tust du mir das an, Kevin?“

            Der Typ, den Link nicht wieder erkannte, ging dann in schnellen Schritten auf seine Verlobte zu und hob eine Hand. Link griff ein und hielt ihn davon ab, Anja ein blaues Auge zu verpassen.

„Was ist bloß in dich gefahren, Kevin. Deine Freundin hat es nicht verdient, dass du sie so behandelst. Schämst du dich nicht?“ Doch Kevin schlug die Hand auf seinem Arm schmerzhaft weg.

„Verdammt noch mal, Kevin“, fauchte Link, nun ebenso ein wenig aufgebracht.

Anja ließ sich zitternd auf die Knie sinken. „Das geht dich nichts an, du Idiot. Wegen dir ist mein Wagen futsch. Und dieses Häufchen Elend...“, er zeigte mit einem Finger auf Anja, „... macht sich ständig lustig über mich. Wird Zeit, dass ich ihr beibringe, wie man sich benimmt.“

            Nun kochte Wut im Inneren von Link. Kevin holte aus und wollte dem Helden gewaltig eine verpassen, dieser jedoch wich gekonnt aus, stellte Kevin ein Bein, sodass dieser zu Boden krachte: „Wenn du nicht zur Besinnung kommst, kriegst du wirklich eine“, sagte Link erbost.

Kevin schüttelte benommen den Kopf, sah dann auf und wirkte irgendwie verändert.

„Anja...“, murmelte er fragend, als er sie mit Tränen in den Augen erblickte. Sie stand auf und sagte leise: „Ich gehe zu meiner Schwester...“

Sie rannte aus dem Gasthof und lief zügig in ein benachbartes Gebäude.

Link konnte nicht glauben, was soeben passiert war. Er hatte Kevin als freundlichen Menschen eingeschätzt. Was war hier los? Murrend stand der Zuwanderer auf und Link schüttelte ungläubig den Kopf und wollte gerade aus der Kneipe verschwinden.

Er hatte bereits eine Hand auf den Türengriff gelegt, als Sian meinte: „Hey, schau mal auf den Nacken von Kevin.“

            Der Kerl lief inzwischen mühsam die Treppen hinauf. Link sah sich eine auffällige Stelle dort ganz genau an. Kevin besaß an jener Stelle eine kleine, dreieckige Wunde, ebenso wie der Dieb, den Link mit der Handtasche erwischt hatte. Konnte es sein? Sian nahm Link die Worte aus dem Mund.

„Die Menschen mit dieser Wunde werden von einen auf den anderen Tag zu bösartigen Mistkerlen. Ob Kevin vielleicht dasselbe Schicksal zuteil wurde?“

Sie traten beide aus dem Gasthaus und standen auf dem Marktplatz. Der Mond strahlte vom dunklen Himmel herab.

„Was genau ist diese Wunde?“

„Wenn ich das wüsste, hätten wir Kevin sicherlich gleich helfen können.“ Sie konnten nichts tun, als diese Sache für eine Weile ruhen zu lassen.

Link blickte zum Himmel: „Schon spät, wir sollten zur Jugendherberge zurück und nochmals danke für die Einladung.“

Sian schloss ein wenig verlegen die Augen. „Gern geschehen.“ Dann gingen sie hinaus aus dem Dorf, folgten den Wegen, bis sie wohlbehütet in der Jugendherberge ankamen.

           

Link ging zaghaft, in langsamen Schritten auf den Bungalow zu. Pat und Trolli schienen darin auf den Heroen zu warten, denn das Licht brannte noch. Er stand vor der Tür und überlegte einige Minuten, ob er wirklich eintreten sollte. Doch dann wurde die Tür schon geöffnet. Trolli trat heraus mit einer Mülltüte in der Hand.

„Nanu? Bist du auch noch da“, sagte er leise und ging dann in Richtung Mülltonne. Schläfrig schritt er in die Stube und sah Pat vor dem Fernseher sitzen. Aber nicht alleine... sollte man korrekterweise sagen. Eng umschlungen hatte Pat wohl im Moment nichts besseres zu tun, als die angebliche Stalkerin Patrizia wild abzuknutschen.

            Link gaffte die beiden beinahe verschreckt an, da er ja zugegeben ein wenig scheu und ungeschickt war, wenn es um derartige Angelegenheiten ging und blickte verlegen drein.

„Ähm... guten Abend, ihr Zwei...“

Unbeholfen lösten sich die beiden voneinander, obwohl man vorher den Eindruck hatte, ihre Lippen wären miteinander verwachsen, da sie sich minutenlang nicht voneinander gelöst hatten.

„Hallo“, meinte die angebliche Stalkerin und blickte interessiert zu Link.

„Hey, Link“, sagte Patrick belustigt und hüpfte schlaksig auf die Beine.

            „Hattest du nicht gemeint, die nervt dich?“, flüsterte Link verwundert, als Pat neben ihm stand.

„Also...“ und der grünäugige Blonde schaute nur grinsend zu seiner angeblichen Stalkerin. „Wir haben uns ausgesprochen.“

„Aha, und das angebliche Hinterherschnüffeln dieser Stalkerin hat sich als harmloses Interesse an deiner Person herausgestellt, was?“ Patrick nickte zufrieden. „Das war ein Missverständnis, weil eigentlich... hab’ ich Patrizia doch ganz gerne.“

Link lachte: „Tja, Missverständnisse sind dazu da, aus dem Weg geräumt zu werden, nicht?“

Patrick nickte noch auffälliger als Patrizia, die mit einem verführerischen Augenzwinkern im Bad verschwand.

            „Hey, Link? Ich glaube, das würde dich sicherlich interessieren“, sagte Patrick dann, fast tonlos.

„Was denn“, fragte der Held ungläubig, doch Pat deutete nur auf den Fernseher. Link fläzte sich in den Sessel und sah sich mit Pat die Nachrichten an. Auf der Welt geschah Unmögliches, Tornados an Orten, an denen es sie noch nie gegeben hat, Vulkanausbrüche, Waldbrände, Terroranschläge...

„Sie sagen, es wird immer schlimmer...“, meinte Pat leise. Link schwieg, er hatte vor einigen Wochen schon das Gefühl auf der Welt wäre Schreckliches im Gange, als ob der Weltuntergang anstünde.

            „Ist es wahr“, sagte der Kerl mit den aschblonden Haaren dann und schaffte es irgendwie nicht ein flaues Gefühl zu verbergen.

„Was willst du jetzt von mir hören, Pat?“

„Lediglich, ob in der Höhle tatsächlich ein Drache gewesen ist.“

„Ja... das stimmt“, sagte Link leise und stand wieder auf. „Ich denke, es bringt nichts, dir das zu verschweigen, wo ich doch einige blaue Flecke und Kratzer sogar im Gesicht habe.“

„Und... bist du, ich meine... hast du ihn besiegt?“

„Ich lebe noch, also werde ich ihn wahrscheinlich besiegt haben...“, sagte Link ruhig und leise. Er drehte sich zu Pat um und bemerkte jetzt erst sein kreidebleiches Gesicht.

„Fühlst du dich jetzt besser, da du weißt, was für Kreaturen zur Zeit auf der Welt umherwandeln“, sagte Link, nun ein wenig lauter. „Es hat keinen Sinn darüber nachzugrübeln und sich zu wünschen, es wäre alles nur ein Traum... Monster sind Realität, Dämonen, Untiere. Du solltest das akzeptieren und jede Sekunde der Zeit, die du noch hast, genießen, Pat. Wer weiß, wann unsere Zeit um ist...“ Damit drehte sich Link in Richtung Tür.

            „Oh Mann, ich denke, ich gehe schlafen. Hoffentlich bekomme ich keine Alpträume.“

Pat schien es die Sprache verschlagen zu haben...

            Indes kam auch Trolli wieder zurück und verriegelte nervös die Tür. „Nur zur Sicherheit“, murmelte er vor sich hin.

Link ging nickend ins Schlafzimmer. Als er sich in sein Bett fallen ließ, fühlte er sich einfach nur selig. Er sagte noch einmal leise: „Ich hab’s tatsächlich geschafft.“ Und schlief dann ein.

 

In seinen Träumen sah er sich selbst auf einer weiten Wiese stehen. Vor seinen Augen lag ein wunderschönes Tal, umgeben von einer Kette niedriger Hügel. Weit im Hintergrund türmten drei stolze Berge nach oben, wobei aus dem Gipfel des mittleren Berges unaufhörlich Lava quoll. Langsamen Schrittes folgte Link einem abgelaufenen Fußweg in Richtung des Tales vor seinen Augen, sein Blick immer noch auf den hohen Berg gerichtet. Die Wolken zogen gemächlich über das Land. Erst jetzt erkannte Link einen Feuerring an jenem Gipfel, der sich wie eine Schlinge darum wand. Link blieb stehen und ließ seinen Blick schweifen. Ein Ort der Erinnerung. Ein Ort der Vergangenheit.

Erst jetzt realisierte er die Farben des Himmels, blutrot, fast schwarz... Link starrte gebannt an den Horizont, während die dunklen Wolken über das Land fegten. Sie nahmen an Geschwindigkeit zu... immer und immer schneller, bis die Sonne rasch mit einem glühenden, drohenden Funkeln im Westen aufging. Der Tag des jüngsten Gerichts, wenn die Sonne im Westen aufgeht... So schnell wie sie erschienen war, verschwand sie auch wieder. Und Link sah wie Tage innerhalb von Sekunden zerronnen. Er sah, wie Stürme über die Welt fegten, wie Jahre innerhalb Sekunden in Vergessenheit gerieten, als ob er sich am Rande der Geschehnisse befand, zwischen den Dingen, die nicht sein konnten, innerhalb der Dinge, wie der letzte Geist einer untoten Welt.

            Die Träume riefen ihn weiter zu sich… Wie der Geist jener untoten Welt wandelte Link mit Gedanken und Erinnerungen, ohne Körperliches, ohne Gefühl… wandelte über die grünen, weiten Wiesen, die er kennen und lieben sollte. Er flog beinahe wie ein mächtiger Adler über die Welt, überquerte tiefe Schluchten, kalkige Berge, verlassene, alte Städte und erkannte weit am Horizont einen Ort der Magie, einen Ort, der noch unwirklicher schien als die Welt zu seinen Füßen. Ein stolzes, riesiges Haus, gestützt durch überdimensionale Säulen hielt es die Grundfesten des gigantischen Eigentums. Schwebend, seine Fingerspitzen ab und an verbunden mit dem kalten Gestein der Feste, schwebend und beinahe tanzend flog er hinauf zu dem schwarzen Turm des Anwesens. Der einzige Turm hier oben. Vielleicht zehntausend Treppenstufen führten ihn hinauf in einen winzigen Raum, wo ein Weinen und Wimmern die Ruhe zerstörte. Auf der Suche nach Wissen, auf der Suche nach Wahrheit schaute der Heroe durch ein kleines Spitzbogenfenster und beobachtete ein magisches Treiben, ein Ritual, geschmiedet mit dem Zauber von Unsterblichen… Ein Baby, vielleicht nur wenige Wochen alt, ruhte kreischend auf einem steinernen Altar. Ein Kind des Schicksals. Ein Kind der Hoffnung…

Drei Wesen in grauen Gewändern flüsterten in dem Reigen von säuselndem Wind, flackerndem Feuer und beschwörendem Gesang die Formeln der Hoffnung. Ein Licht, silbern und erhaben, umfing das kleine Wesen, ließ den Körper wachsen, ließ den Verstand altern… bis die Drei zischend, das Ritual beendend, von einer dunklen, nur schemenhaft erkennbaren Gestalt an der Tür besucht wurden…

 

Link erwachte plötzlich und sah einmal wieder verwirrt um sich. Allmählich müsste er sich an derartige Träume doch gewöhnen. Im Schlafzimmer herrschte Dunkelheit, nur spärlich schien das Licht des Mondes in das Zimmer. Seine Augen gewöhnten sich gemächlich an die Finsternis, bis er Pat auf der Bettkante gegenüber hocken sah. Hinter seinem Rücken wälzte sich Patrizia schnurrend in dem Bett herum.

Patrick aber starrte nostalgisch aus dem Fenster. Als er bemerkte, dass Link aufgewacht war, sah er durch die Dunkelheit in seine Richtung. Trolli begann zu schnarchen und murmelte vor sich hin.

            Link setzte sich aufrecht und gähnte.

Indes klopfte bei Trolli schon wieder der Specht an das Fenster. „Mami, mach’ das der Specht aufhört.“ Link schmunzelte.

„Link, wusstest du, dass du im Schlaf redest“, sagte Pat im Flüsterton.

„Wie bitte? Ich?“ Der Held glaubte, er hätte sich verhört.

„Ja, du... und sei ein wenig leiser. Patrizia und der Zwerg dort wollen schließlich schlafen.“ Eine Pause entstand.

            Dann meinte Pat: „In welcher Sprache redest du eigentlich, wenn du schläfst?“ Jetzt hatte er sich aber wirklich verhört.

„Was soll das heißen, in welcher Sprache?“

„Du redest in einer fremden Sprache. In etwa... ach’ vergiss es, das kann ich echt nicht nachmachen.“ Das war zuviel des Guten.

„Wenn das jetzt ein Scherz sein soll, dann hat er seinen Zweck erfüllt.“

„Nach dem heutigen Tag, ist mir wirklich nicht nach Scherzen zumute, Link.“

            Stille kroch im Zimmer herum, aber der Held und Pat schliefen beide nicht. Link fragte sich, ob die fremde Sprache nicht vielleicht...

„Du sprichst Hylianisch, nicht wahr“, sagte Pat zaghaft.

„Nein, das kann nicht sein. Hyrule und die Legende von Zelda sind nichts weiter als ein Spiel, ein Spiel, kapiert!“ Links Stimme wurde nun so laut, dass Trolli in seinem Bett herumzuwühlen begann.

„Sorry...“, sagte Pat, stand auf und lief in Richtung Tür. „Es tut mir leid, Link.“ Damit ging er aus dem Raum.

            Trübsinnig setzte sich Link auf die raue Fensterbank, öffnete für frische, reine Luft das Fenster und lehnte sich gegen den Rahmen. So ruhig war die Nacht, so märchenhaft schön. Keinen Funken Gefahr ließ die stille Nacht hindurch. Keine Spur von Alptraum, Schicksal oder dem Verhängnis des Bösen...

            Link wusste nun endlich, dass der abscheuliche Schrecken in der Kathedrale seines Heimatortes Ganondorf war. Und doch wollte er es niemals glauben...

Irgendwann käme die Zeit, da er ihm gegenüber stehen würde, mit nichts als einem Schwert in der Hand und seiner Furchtlosigkeit, an der er langsam zweifelte. Selbst wenn er einmal ein exzellenter Kämpfer gewesen war, Ganondorf könnte er sicherlich nicht besiegen, nicht hier, nicht in Schicksalshort. ,Ich kann diesen Kampf nicht gewinnen’, sagte eine Stimme in seinem Kopf. Wie auch...

Er stützte trübsinnig eine Hand an seinem Kopf ab. Wie leicht es doch wäre, einfach wegzulaufen. Aber die Wahl diesen Weg zu gehen, hatte er seit langem verspielt. Gab es überhaupt eine Wahl für Link? Er kniff seine Augen zusammen und seufzte leicht. Wie sollte er das nur schaffen? Wenn er sich doch bloß erinnern könnte! Vielleicht hätte er dann eine Chance gegen Ganon zu bestehen.

,Gib mir Mut, gib mir Zuversicht und Hoffnung, Farore... Zeig’ mir die Grausamkeit der Erinnerung. Zeig’ mir meine eigenen Schatten...’, sagte es ruhig und beherrscht hinaus in die Nacht, das gewisse Etwas in Links Seele, was gespeist wurde von seiner starken Persönlichkeit.

            Inzwischen kam Pat wieder in das Zimmer und setzte sich auf das Bett. „Link?“

„Ja, was ist denn?“

„Weißt du eigentlich, was mit Kevin los ist. Ich habe den Typen heute getroffen und er wirkte irgendwie so kalt, gemein und unberechenbar.“

„Er hat sich verändert. Du solltest ihm aus dem Weg gehen.“

„Wieso denn?“

„Ganz einfach, weil er in seinem Zustand in der Lage ist zu töten.“ Pat musste bei Links Worten einmal kräftig schlucken und nickte bloß. Dann schliefen sie wieder ein.

 

Ein neuer Tag brach an. Vögel zwitscherten hier in der sonnigen Jugendherberge und Trolli war es, der als erster seine Augen aufschlug. Sofort blinzelte er hinüber zu dem schlafenden Link, auf dessen Lippen der Name seiner Prinzessin lag. Er seufzte und drehte sich mit einem weiteren unverständlichen Wort gen Wand.

Leise und vorsichtig stieg der wache Jugendliche aus dem knarrenden Bett und watschelte benommen zu dem ruhenden Link. Einige Sekunden blieb er davor stehen, füllte seine Zunge mit Hass und Schimpfwörtern, weil der Held der Erfüllung seines Wunsches im Weg stand.

„Es ist deine Schuld“, wimmerte Tommy beinahe, wand sich ab, nahm Kleidung unter seinen Arm und hastete aus dem Raum hinaus.

 

Wenig später am Frühstückstisch in der Cafeteria. Patrizia erzählte freudig über ihre Cousinen Mitrette und Marla, während Patrick aufmerksam zuhörte. Link, der gefräßige Heroe, schaufelte sich Eierkuchen, Salate, Brötchen und allerlei anderen Kram in den Wanst und hörte nur auf die Stimme seines duftenden Essens. Trolli saß schweigend am anderen Ende der Tafel, hin und hergerissen zwischen der sehnsüchtigen Erfüllung eines Wunsches und dem Opfer eines Mords, welches er bringen sollte.

            ,Töte und du bist ein Verbrecher...’, sagte Trolli zu sich. ,Lässt du den Helden am Leben... ist das Leben deines Vaters verbirgt.’ Ein Wunsch war es, den Trolli antrieb. Eine kleine Bitte, geäußert von einer unschuldigen Seele an die falsche Seite der Macht. Seufzend stand der Jugendliche auf und murmelte: „Möchtet ihr einen Kakao, Leute? Ich gebe eine Runde aus.“

Zufrieden nickten sie alle, auch Link.

            Unsicher und mit zittrigen Händen überprüfte der Junge den Inhalt seiner rechten Hosentasche, wo sich eingehüllt in einem schwarzes Stofftuch eine violette Perle verbarg, die, so wie man ihm sagte, so viel Abschaum, Gift und Tod in sich trug, um ein ganzes Heer in den Tod zu schicken.

Wohlbehütet ruhte die magische Waffe in seiner rechten Hand, während er vier Kakaotassen vom Automaten voll laufen ließ. ,Es würde ganz schnell gehen’, dachte Tommy. Er müsste nur die Perle in eine Kakaotasse gleiten lassen und dafür Sorgen, dass Link diese Tasse bekam. Es würde niemand Verdacht schöpfen, weil die Perle sich auflösen und später die Substanz im Körper nicht nachweisbar wäre.

Der Heroe würde schnell und schmerzlos sterben und niemand würde sich wundern, denn alles würde so aussehen, als ob er eines natürlichen Todes gestorben wäre.

Link wäre tot, und Tommys Vater würde leben...

            Langsam und doch brühend heiß tropfte das schokoladige Getränk in die einfachen, weißen Tassen. Zwei könnte Trolli in einer Hand tragen und in die ganz linke würde er die Perle sinken lassen.

Unauffällig wanderten seine Augen hin und her, bedacht, dass niemand seinem Spiel zusehen konnte. Mit einem Zischen verschwand die violette Todesperle in der Tasse ganz links und nichts deutete daraufhin, dass jenes Getränk vergiftet war.

            Nervös trat der Oberstufenschüler zurück zu dem Tisch, wo Link gerade lachend dem neckischen Gezänke von Pat und seiner Stalkerin zuhörte. Er würde gleich nicht mehr lachen, so wie Tommy niemals mehr lachen könnte, wenn sein Vater nicht lebte. Mit einem schnellen Herzpochen und einigen nervösen Schweißtropfen reichte Tommy dem Heroen die Tasse, der diese sogar noch grinsend annahm. Es könnte sein letzter Zug sein... sein letzter Augenblick...

            Zuerst beachtete Link das Getränk in keiner Weise. Mittlerweile war der Kakao erkaltet und Pat und Patrizia hatten ihre Tassen bereits geleert. Nur Tommy hatte seine Tasse noch vollgefüllt vor sich stehen und wartete verbissen darauf, dass Link endlich trank. Aber immer noch ließ er sich Zeit bei seinem Festmahl, hatte zu viel Geduld und lauschte grinsend dem Gespräch des ungleichen Paares am Tisch.

Immer unruhiger wurde Tommy, wackelte mit dem Stuhl, rutschte auf dem Stuhl hin und her und war mehr und mehr uneins mit sich selbst. ,Was tust du hier nur?’, dachte er. Rechtfertigte ein Mord einen Wunsch aus einem siebzehnjährigen Herzen?

            In dem Augenblick geschah es und Link nahm die Tasse am Henkel und meinte an Tommy gerichtet: „Danke für den Kakao. Lass’ uns anstoßen, sagen wir, auf das Leben!“ Gerade als Link die Tasse an seine Lippen setzten wollte, sprang Tommy auf, griff hastig im letzten Moment nach der Tasse, sodass diese zu Boden krachte und der cremige Kakao sich auf dem Boden wiederfand.

„Was war das denn?“, sagte Link verwundert und blickte den Jugendlichen irritiert an. Aber Tommy antwortete nicht, ließ den Kopf hängen und hetzte aus dem Raum hinaus.

            „Habe ich was falsches gesagt?“ Und Link erinnerte seinen Satz gedankenvoll. Auf das Leben... war das ein Grund für das komische Verhalten des jungen Spundes?

Pat schüttelte mit dem Kopf. „Weiß nicht... ich habe keine Ahnung, was in ihn gefahren ist. Aber ich habe ja schon gemeint, dass Tommy komisch ist. Schon die ganze Zeit.“

Link rieb sich nachdenklich über das Kinn und blickte gen Tür, dorthin, wo der Jugendliche wie auf der Flucht hinaus gestolpert war.

 

Als der einstige Hylianer gedankenverloren in den Bungalow trat, war der merkwürdige Jugendliche nicht zugegen. Zufrieden ließ sich Link in der Wohnstube auf dem Sofa nieder, machte kurz die Augen zu und dachte... schon wieder an Zelda. Er wünschte sich beinahe unendlich jetzt ihre Anwesenheit, wünschte sich, sie hätte ihm alles erzählt und würde ihre Geheimnisse bezüglich Hyrule endlich mit ihm teilen. Reden... mehr verlangte er nicht von ihr. Nur reden... Wenige Minuten später war Link auf dem Sofa eingeschlafen.

            Link wurde hastig an seinen Schultern gerüttelt, bis ihn jemand ein Glas Wasser ins Gesicht kippte. Er blinzelte und erkannte zunächst Patrick und Patrizia vor sich, die lachten und dann erkannte er leicht verärgert über seine tückische Schlafsucht, dass außerhalb bereits die Straßenlichter brannten. ,Na Prima’, dachte er. ,Echt toll, du angeblicher Held. Wenn du schon dabei bist, kannst du ja auch den Rest deines Lebens verschlafen. Trottel…’

Link richtete sich auf und bezeichnete sich als unverbesserlichen Träumer, bis ihm eine grinsende Marla und deren ebenso grinsende Schwester Mitrette auffielen, die neben dem Sofa saßen.

            Einige Dosen Guinness standen einladend auf dem rissigen Tisch. Zwei Flaschen Wein und einige Chips- Packungen waren aufgetafelt. Und Link verstand. Heute war bei den Jugendlichen wohl Partystimmung angesagt. Seufzend schaute Link in die Runde und auch der merkwürdige Tommy trat von einem Nebenraum hinein. Er hatte sechs Weingläser in der Hand und platzierte diese auf dem Tisch.

„Ähm, Tommy, habe ich vorhin was falsches gesagt?“, meinte Link. Doch jener schüttelte bloß den Kopf und bediente sich von der Chipspackung.

 

Alsdann feierten die Jugendlichen ihre eigene, kleine Party. Marla und Mitrette zwangen Link immer wieder ein Gespräch auf und saßen immer unabsichtlich neben ihm, bis es dem Helden einfach zu viel wurde. Die beiden Damen waren ja eigentlich ganz nett, aber er wollte einfach nichts von ihnen, weil er entweder sich nicht binden konnte, oder wollte… oder weil er sein Herz bereits auf ewig verschenkt hatte…

 

Der junge Held verabschiedete sich frühzeitig von der gemütlichen Runde, schnappte sich seine Okarina und spielte am ruhigen See ein Lied aus seiner Erinnerung, spürte Zelda Anwesenheit mit dem Musikstück und träumte vor sich hin…

            Als die dumpfen Okarinaklänge das sehnsuchtsvolle Lied beendeten und Links Augen schillernd zu dem dunklen See wanderten, legte sich erneut so ein angenehmes Gefühl über seine Gedanken, über sein Herz, welches jegliche Gesetzmäßigkeit des Verstandes in den Schatten stellte.

Er dachte an Zelda, unentwegt, immer wieder... und er verstand einfach nicht den Grund...

Hatte er nicht den Entschluss gefasst in dem Camp abzuschalten, sein Leben zu genießen und einfach mal nicht an Zelda zu denken? Hatte er sich nicht vorgenommen, nur für sich, für Freizeit, nach Irland zu fahren? Und was war der Endeffekt? Link grübelte ständig über das wunderbare Lächeln seiner Prinzessin nach, malte sich aus, wie es sein würde, wenn sie seinen Brief erhielt, träumte davon, sie wiederzusehen und das nach nicht einmal drei Wochen.

Zum Verrücktwerden, dachte er. Nur zwei, drei Wochen. Nur wenige Kilometer trennten ihn von ihr, und was war das erschlagende Resultat? Er wollte einfach nur bei ihr sein.

            Genervt wuselte er in seinen blonden Haaren herum, trug ausnahmsweise keinen Hut heute und fühlte sich irgendwie... krank...

Krank vor Sehnsucht nach Zelda...

            Plötzlich hörte er Schritte aus der Dunkelheit und Link sah die stolze, eigensinnige Patrizia mit ihren kurzen, schwarzen Haaren wenige Meter hinter ihm stehen.

„Der See ist wunderschön, nicht?“, sagte sie.

Link nickte und wand sich dann wieder um.

„Darf’ ich dir Gesellschaft leisten?“, meinte sie.

„Ja, warum nicht?“, entgegnete Link und wusste, dass absolut nichts dabei war.

            Patrizia tänzelte näher und setzte sich beinbaumelnd neben den Heroen an den See.

„Pat und die anderen sind mir ein wenig zu...“ Sie suchte nach dem richtigen Begriff. „... nun ja... durchgedreht“, meinte sie.

Link lachte auf. „Ach du meinst die unnötige Sauforgie, die er, Tommy und die anderen zwei Mädchen durchführen mussten?“

Auch Patrizia lachte dann. „Stimmt genau!“

„Nimm’ es denen doch nicht übel. Man muss im Leben auch mal Spaß haben dürfen“, sagte der Heroe und hatte sofort etwas melancholisches auf seinem Gesicht.

„Darf’ ich fragen, wie du das meinst?“

Überrascht blickte Link zu der neugierigen Dame, die nur ratlos drein sah. „Es klingt fast so, als ob du keinen Spaß in deinem Leben hättest.“

Link schüttelte den Kopf. „Das ist es nicht... aber es gibt genug Verpflichtungen, die man eingeht, sobald man in diese Welt geboren wird. Und egal was man tut, vor einigen Verpflichtungen kann man niemals weglaufen. Deshalb ist es wichtig, zu leben, das zu tun, was einem Freude bereitet und eben auch manchmal Dinge zu tun, die andere nicht verstehen würden. Also... lass’ Pat und den anderen doch ihren Spaß.“

            Neugierig und ein wenig überfordert angesichts dieser Worte schaute sich Patrizia den jungen Mann neben ihr genauer an. Aber sie konnte sich aus dem, was in seinen Augen lag, einfach keinen Reim machen. Sein Blick war so unfassbar für irgendjemanden. Und vielleicht verstand nicht einmal jene, der dieser Blick galt, den Sinn dahinter.

            „Du bist verliebt“, stellte die junge Dame fest und grinste dann. Ihr Grinsen wurde ausgefeilter, als Link entsetzt und verwirrt die Augenbrauen hochzog, blinzelte und sein Mund sprachlos offen stand.

„Wie bitte?“, sagte er.

Patrizia fuchtelte abtuend mit den Händen. „Ich habe bloß geraten, denn dein Blick ist so... verständnisvoll... so verträumt. Das kann bloß die Liebe sein, habe ich gedacht.“

„So ist das aber nicht“, rechtfertigte sich der junge Held und kratzte sich am Pony.

„Du meinst, so einfach ist das nicht“, entgegnete sie. Und ihre Korrektur hatte keine zweite Prüfung nötig...

            Link schwieg, während er das Gefühl hatte, er müsste seine Schamesröte in dem See ertränken.

Patrizia aber zog ihre Beine zu sich heran und erzählte: „Weißt du, in Sachen Liebe habe ich einen großen Fehler gemacht. Ich habe nie die Wahrheit gesagt, wann ich sie hätte sagen müssen. Und dann irgendwann kamen Missverständnisse zwischen mir und Patrick auf. Durch diese dummen Ereignisse, an denen ich schuld war, ist zuerst unsere Freundschaft zerbrochen und dann habe ich endgültig sein Vertrauen enttäuscht.“

„Bis zu dem Tag, wo du ihm nachgereist bist und ihr beide euch ausgesprochen habt, nicht wahr?“

„Stimmt genau. Was ich damit sagen will, ist dass du deine Gefühle nicht verstecken solltest. Denn irgendwann kommt dann vielleicht der Tag, an dem alles zu spät ist.“ Link wand seinen mittlerweile sehr ernsten Blick zu dem See und seufzte.

„Aber ich bin nicht verliebt“, bestritt er und fragte sich, warum er mit einer fremden Person wie Patrizia über dieses Thema redete.

Sie aber lachte feixend auf. „Sicher? Dabei verhältst du dich so, als wärst du in den wunderbarsten Menschen deiner Welt verliebt.“

Wiederrum kratzte sich der Held am Kopf. „Und wie zum Teufel kommst du darauf?“

„Das ist ganz einfach.“ Sie zuckte mit den Schultern: „Man sieht das an deinem Blick!“

„Aber daran kann man doch so eine Behauptung gar nicht festmachen!“, argumentierte Link, der sich unter allen Umständen verbot für Zelda Gefühle der Liebe zu entwickeln. Sie waren Freunde, nicht mehr und nicht weniger. Nun gut, dachte Link. Immerhin waren sie Seelenverwandte und sie teilten sich ein Schicksal. Ein großes Schicksal. Da waren Gefühle der Zuneigung ganz natürlich, oder nicht?

            „Dann sag’ mir doch mal, worüber du vorhin nachgedacht hast. Natürlich nur, wenn du es mir erzählen möchtest.“

„Vorhin, das ist ganz einfach, ich habe an...“ Ertappt... Link verleierte die Augen. Patrizia lachte erheitert und rechthaberisch auf.

„Du bist echt aufgeschmissen.“

„Das war Zufall, dass ich an sie gedacht habe.“

„Okay, der zweite Versuch. Gibt es irgendetwas, was du nicht bereit bist für sie zu tun?“

„Was soll’ diese Frage denn?“

„Sag’ schon. Würdest du für sie durch die Hölle gehen?“ Link wurde nervös und er schluckte den Knoten in seinem Hals herunter. Ja, verdammt, er würde für Zelda durch die Hölle gehen. Er würde für sie Hunderte Ozeane überqueren, wenn es sein müsste. Er würde... sogar... für sie... sterben...

„Na und? Ja, ich würde für sie durch die tiefste aller Höllen gehen. Aber doch nur, weil sie... und ich...“ Link brach ab und verstand langsam. Redete er sich aus Selbstschutz vielleicht nur ein, dass seine Gefühle der Seelenverwandtschaft folgten? War da tatsächlich mehr, was er wollte, begehrte?

            „Du bist verliebt, akzeptiere es oder nicht“, sagte Patrizia und stand auf. „Du solltest sie auf deine Gefühle ansprechen.“

Link schüttelte den Kopf und schwor sich den Rest des Urlaubs nicht an Zelda zu denken, um sich und vielleicht auch dieser Patrizia zu beweisen, dass seine Gefühle nicht Ausdruck von Liebe sein konnten und durften. Er konnte sich nicht in die Prinzessin Hyrules verlieben. Irgendetwas war da, was ihm ein Verbot aussprach. Es konnte aber auch nur eine Spur Angst vor der Vergangenheit sein, die er nicht erinnerte, oder aber die Angst vor der Wahrheit zwischen Zelda und ihm...

 

Als die Jugendlichen, Link eingeschlossen, in dem dunklen Zimmer lagen, gab es dennoch einen, der nach der erheiterten Feier nicht den Funken gute Laune ausstrahlte. Sein Herz und seine Gedanken waren zerfressen von dem Hass des Bösen, welches seinen Gegenspieler ausmerzen musste. Und jener Jugendliche war nun der Arm des Bösen, weil er einen tiefen Wunsch in seinem Herzen trug, den ihm die gewöhnliche Welt mit ihrem Fortschritt, ihrer Modernität und Neugierde nicht erfüllen konnte. Das Böse aber, welches verführte und Seelen raubte, es konnte jene Wünsche erfüllen...

            Wieder rang Tommy mit diesem Wunsch und auf der anderen Seite der Tatsache, einen Menschen töten zu müssen. Sich die Augen reibend, stand der Junge auf, holte einen giftigen Dolch mit smaragdgrünen, dunklen Ledergriff unter seinem Bett hervor.

Zielsicher und mit gezückter Klinge stand ein richtender Tommy vor dem Bett.

„Dein Leben für das meines Vaters“, murmelte er.

            Überraschend drehte sich Link im Schlaf auf seinen Bauch und ein zufriedenes: ,Zelda...“, entkam seinem Mund.

            Aber der Jugendliche hatte sein Ziel nun gefasst. Heute und hier, würde er nicht weglaufen. Er würde diese Sache zu Ende bringen und den Helden ermorden. Damit sein Vater leben konnte. Vor dem Schicksal würde er nichts ungerechtes tun, er würde ein Leben retten und eines zerstören. Im Endeffekt würden die Waagschalen gleich stehen. Ein gerettetes und ein getötetes Leben.

            Die Klinge blitzte im Mondlicht auf, als Zeldas Name ein weiteres Mal den Lippen Links entkam. Sogar in seinen Träumen konnte er nicht aufhören an sie zu denken...

Aber ihr Name würde ihm im Augenblick auch nichts nützen, dachte Tommy. Denn in wenigen Minuten wäre der Held der Zeit Geschichte.

            Zitternd umfasste der Junge die scharfe Waffe, kniff die kindlichen Augen zu und hoffte auf das Wunder.

            Als sich die Klinge bereits auf dem Weg befand, das junge, verliebte Herz des Heroen zu durchstoßen, klirrte die Scheibe an seinem Fenster und eine schattenhafte Gestalt hechtete mit zwei gezückten Dolchen auf Tommy zu. Lautes Gekreische brach los. Patrick und Patrizia wachten aus ihrem Schlummer und Licht breitete sich in dem Zimmer aus.

            Auch Link hetzte auf und erstarrte beinahe, als Sian mit feindlichem Blick und geschärften Waffen einen winselnden Tommy bedrohte.

„Sag’ mal, tickst du noch ganz richtig?“, murrte Patrick, der zuerst die Stille brach.

„Sian?“, drohte Link. „Was soll das?“ Der Rotäugige wand sich unbeeindruckt zu dem Helden und ließ die Waffen sinken.

„Du schussliger Held solltest lieber darauf achten, mit wem du hier ein Zimmer teilst. Dieser Zwerg dort hatte gerade nichts anderes vor, als dich zum Schweigen für immer zu bringen.“

Entsetzt blickte Link zu Tommy, der schmollend zu Boden sah.

„Ist das wahr?“, fauchte Link und sah dann als Beweis eine Klinge mit giftgrünem Griff in der Hand des angeblich ängstlichen Tommy. Wütend trat der Heroe auf die Waffe, welche sich immer noch in der Hand des Jungen befand.

„Was, beim Triforce, habe ich dir getan?“, brüllte Link, der noch gar nicht fassen konnte, dass er sein Vertrauen an jemanden verschenkt hatte, der ihn umbringen wollte.

Doch Tommy schmollte weiterhin. Link packte den Knirps an seinen Oberarmen und sah dann ein paar Tränen in seinen Augen.

            „Ich kann mir denken, warum“, meinte Sian dann und trat näher. „Es gibt einen Grund, etwas, was nur das Böse ihm erfüllen könnte und daher versucht er nun alles, um dich zum Schweigen zu bringen.“

Kopfschüttelnd rüttelte Link an den Armen des Winzlings. „Ist dir klar, was du damit anstellst? Wie dumm bist du, um dem Bösen zu vertrauen! Schau’ mich endlich an, Tommy!“ Links Stimme dröhnte wie ein Sturmgewitter durch den Raum.

            Patrick und Patrizia standen nur sprachlos im Raum, besonders Pat, der die Sätze um das Böse... nicht begreifen wollte. Link und Sian redeten vom Bösen? Und was hatte Tommy damit zu tun?

            „Wer hat dich beauftragt mich umzubringen? Ganondorf?“, fauchte der Heroe und war außer sich vor Zorn. Patrick stand ergriffen daneben und hatte das Gefühl seine Beine würden plötzlich zu Butter zerschmelzen...

„JA!“, brüllte Tommy. Und endlich sagte er etwas zu den Anklagen im Raum.

„Warum?“, sagte Sian mit Nachdruck.

„Ich hatte einen Handel...“, wimmerte er. „Das Leben meines Vaters für deines.“

Link wich zurück, wand den Rücken zu Tommy, der aufstand und weinend erklärte: „Mein Vater ist unheilbar krank. Und wenn ich dich aus dem Weg räume, dann hat man mir versprochen, meinen Vater mit Magie zu heilen.“

            Nicht mehr in der Lage seine maßlose Wut zu schüren, hastete Link zu Tommy, stieß ihn kraftvoll zurück, sodass jener an der harten Wand aufschlug: „Und du bist so dumm, das zu glauben? Das Böse erfüllt keine Wünsche ohne Bedingung. Dein Vater würde niemals wieder derselbe sein, wenn man ihn von schwarzer Magie ernähren oder ihn damit heilen würde. Und für so etwas billiges, versuchst du einen Menschen umzubringen!“ Lauter und lauter wurde Links Stimme, der das Kämpferblut in sich nicht mehr unter Kontrolle brachte.

„Du bist der mieseste Feigling, der mir jemals begegnet ist, pack’ deine Sachen, oder ich vergesse mich!“ Damit hetzte Link in die Schwärze der Nacht und trainierte mit den Dolchen seinen ungehaltenen Groll ab.

            Sian stand kopfschüttelnd vor Tommy und konnte seine Handlung dennoch in gewisser Weise sehr gut nachvollziehen.

„Es ist besser du reist sofort ab, Tommy“, meinte Sian, packte seine eigenen Waffen und erkundigte sich nach dem Befinden Links.

            In den nächsten Stunden packte Tommy, dessen Handel mit dem Bösen nun ausgehandelt schien.

Als er aus dem Bungalow trat, warf er Link einen mitleidigen, traurigen Blick zu und marschierte dann wortlos zu dem Anmeldungsbüro. Keine Entschuldigung kam über seine Lippen an Link gerichtet. Kein Bedauern. Denn Tommy wusste, dass er in selber Weise wieder gehandelt hätte... um seinen Vater zu retten...

 

Als Link deprimiert und genervt zurück in den Bungalow trat, schliefen Patrick und Patrizia immer noch eng umschlungen, obwohl es bereits früh morgens war.

Genervt krabbelte der Held in das kalte Bett, konnte immer noch nicht fassen, was die letzten Minuten geschehen war und würde in Zukunft mehr darauf achten, wer sich in seiner Gegenwart aufhielt...

 

Link befand sich wieder in dem Land seiner Träume, doch nun stand er vor einem geheimnisvollen Schlossgemach. Es war Nacht, lediglich einige Kerzen spendeten Licht, Licht und Wärme durch Feuer, welches seine Schatten in dem Zimmer tanzen ließ. Er trat über eine gläserne Balkontür ein und schloss diese wieder. Jemand saß im Schein der Kerzen an einer kleinen Kommode, blickte in den großen verzierten goldenen Spiegel, der darauf stand und kämmte sich die langen, seidigen Haare.

„Du musst diesen Weg nicht gehen, Link. Noch ist Zeit zum Umkehren“, sagte sie mit gedämpfter Stimme. Er bewegte sich auf sie zu, als würde er allein von ihrer Anmut und Grazie gesteuert. Langsam legte er seine vom Kampf gezeichneten Hände auf ihre entblößten Schultern und sah im Spiegel ihre saphirblauen Augen. Selbst wenn das nur ein Traum war, Link fühlte deutlich die Wärme ihrer Haut unter seinen Händen.

„Du irrst dich, Zelda. Ein Umkehren hat es nie gegeben und wird es auch in Zukunft nicht geben. Ich will diesen Weg gehen...“

„Aber es könnte deinen Tod bedeuten“, meinte sie leise und drehte sich zu ihm um. So viel schwere Traurigkeit stand in ihrem Blick.

„Keine Sorge. Ich werde diesen Kampf überstehen. Vertrau’ mir einfach.“ Link lächelte leicht, worauf Zelda nickte. War dies denn wirklich noch ein Traum? Link hatte das Gefühl, man spielte ihm einen Streich. War vielleicht seine Realität nur Einbildung und eigentlich befand er sich in Hyrule?

Zelda stand auf und setzte sich an den dunkelbraunen Tisch, sie mischte die Karten darauf. Link setzte sich ebenso und sah auf das Spielfeld: eine runde Platte, mit sieben Farben- mit jeweils drei Steinen. Was war das für ein Spiel?

„Dieses Spiel können wir steuern, das Schicksal leider nicht...“, sagte Zelda leise, als sie ihm einen Stapel Karten reichte.

„Ich wünschte, ich könnte dir irgendwie helfen, den Kampf gegen Ganondorf zu bestehen, Link.“ Er legte eine warme Hand auf ihre.

„Zelda, das tust du bereits. Glaubst du denn nicht an mich?“

„Doch...“

„Na also. Mehr brauche ich nicht. Ich schaffe das.“ 

„Aber du bist nicht mehr, was du einmal glaubtest zu sein. Deine Erinnerungen...“ Er unterbrach sie.

„Stimmt. Ich weiß nichts von damals, aber wenn du damit beginnst mir dieses Spiel zu erklären, kommt zumindest ein Teil davon zurück und wer weiß... möglicherweise erinnere ich mich an mehr als das.“

„Wir sind nicht mehr dieselben, das sind wir nie... Genauso wie Hyrule niemals dasselbe ist, genauso sind unsere Reinkarnationen nicht dieselben. Wir werden immer unsere Aufgabe haben und über das Schicksal verbunden sein... in jedem Spiel...“

            Zelda wich seinem Blick aus und stellte die Spielfiguren auf die runde Platte. Link betrachtete sich das Spielfeld nun genau. Irgendwie wirkte es magisch. Am Rande war eine komische Uhr angebracht. Und in der Mitte zeigten sich viele kleine Felder mit den Farben, die die Steine hatten. „Man nennt es das Spiel der Sieben Weisen. Es ist lediglich für zwei Spieler gedacht. Suche dir drei Farben aus.“

„Bin schon dabei. Egal welche?“

„Ja, ist völlig egal.“ Link entschied sich für grün, rot und gelb. Zelda nahm drei der übrigen: orange, blau und violett. Sie erklärte: „Der farblose Stein bleibt übrig. Er stellt den siebten Weisen dar. Wenn die Hälfte der Zeit um ist, gelangt er in die Hände desjenigen, der am weitesten ist.“

„Und was ist nun das Ziel des Spiels“, meinte Link mit einem sanften Blick in seinen Augen.

„Jede Farbe besitzt drei Steine. Du musst diese Steine zusammenbringen, wenn sie auf dem Spielfeld verteilt sind. Pro Zug kannst du einen Schritt machen. Jedoch kannst du nur die gebrochenen Steine bewegen, hast du den Weisen einmal komplettiert, gibt es kein Zurück.“

„Aha, das klingt doch sehr einfach.“ Zelda lächelte und Link konnte ihrem Blick deutlich entnehmen, das sie etwas verbarg.

„Zusätzlich hast du noch die Karten, mit deren Hilfe du gelegentlich Vorteile hast. Du musst sie nur geschickt einsetzten.“

            Zelda stand auf, holte zwei Gläser und eine Flasche Wein oder ähnliches von einer kleinen Bar. Link folgte mit seinen Augen jeden ihrer Schritte. Erst jetzt fiel ihm auf, wie wunderschön sie doch aussah, gekleidet in samten dunkelrot. Ihre Haare trug sie offen, ohne Spangen, ohne ihre Krone und jedwedes königliches Abzeichen. Link fragte sich, ob ihr nicht kalt war in ihrer ärmellosen Nachtgewandung. Sie stelle die Gläser auf den Tisch und rieb sich die Hände. „Soll ich den Kamin anzünden? Auch wenn ich mich nicht erinnern kann, das schaffe ich bestimmt.“ Er grinste und schien Zelda ihre Wünsche von den Lippen abzulesen.

Demnach entfachte er Feuer in dem Kamin. Einige Minuten vergingen. Für Link war dieser Traum schöner als alles andere. Sein Zeitgefühl allerdings hatte er längst verloren.

            Als sie wieder am Tisch saßen, sagte sie ruhig: „Ach, ehe ich es vergesse. Die Zeit am Rande der Platte läuft während wir spielen, das heißt, das Spiel wird nicht ewig gehen. Und die farbigen Felder ändern sich mit jedem zweiten Zug.“

„So einfach wie ich anfangs dachte, ist das Spiel wohl doch nicht.“ Sie grinste angesichts seiner nachdenklichen, verwirrten Miene. Er betrachtete sich die roten Karten in seiner Hand. Sie hatten goldene Verzierungen und verschiedene hylianische Schriftzeichen mit einer Farbe, die Link noch nie gesehen hatte, so schön sahen sie aus. Das verrückteste war jedoch, dass er sie lesen konnte...

            Zelda schenkte in der Zwischenzeit die Gläser ein.

„Was ist das eigentlich für ein Zeug“ Und Link deutete auf die Flasche.

„Bester hylianischer Rotwein aus dem Schlosskeller. Mein Vater fragt sich schon, wo die ganzen Flaschen hin sind.“ Wiederrum lächelte sie. Link sah sie mit fragendem Blick an.

„Link, immer wenn du mich besuchen kamst, haben wir eine Flasche davon geöffnet.“

„Oh Mann. Und das erzählst du mir? Das hätte ich lieber nicht wissen dürfen...“ Er grinste.

„Wieso denn nicht?“

„Ach, nur so...“

Link probierte daraufhin den Wein, überrascht über den Geschmack und die Tatsache, dass er im Traum die Süße eines Weines wahrnehmen konnte. „Das schmeckt echt lecker.“

Zelda schloss ihre Augen und lächelte. „Komisch, dass wir hier sind, oder? Ich meine, zusammen in diesem Traum“, sagte sie.

„Mmh... echt verrückt und doch...“, beinahe hätte sich Link seine Zunge verbrannt. Sie ahnte, was er sagen wollte und blickte nervös zur Seite.

            Sie begannen zu spielen. Für Link waren diese Minuten die schönsten seit langem, ebenso für Zelda. Wäre ich doch nur daheim geblieben, sagte Link zu sich. Da er Zelda so lebendig vor sich sah, packte ihn einfach nur die Sehnsucht. Sie war am Zug und Link blickte wie hypnotisiert in ihre Augen, die konzentriert auf dem Spielfeld ruhten.

„Ähm, Zelda? Darf ich dir eine Frage stellen?“

 Überrascht sah sie auf. „Natürlich, worum geht’s?“

„Wer hat damals bei diesem Spiel eigentlich öfter gewonnen, du oder ich?“

„Keiner von uns beiden...“

„Was?“

„Das Schicksal hat immer gewonnen. Wir haben beide immer verloren, bevor wir das Spiel beenden konnten, da die Zeit ablief.“ Sie stand auf und lehnte sich an die gläserne Balkontür.

„Heißt das für uns beide, dass wir, egal, was wir auch vollbringen, niemals gewinnen werden?“

Sie antwortete nicht und drehte sich mit traurigem Blick um. Die Art und Weise, wie sie ihn nun ansah, machte ihm einmal mehr deutlich, dass diese Stunden mit ihr, keineswegs mehr als ein schöner Traum war.

            „Wenn wir den Ausgang des Spieles kennen, warum spielen wir dann überhaupt noch“, meinte Link mit geschlossenen Augen und freudloser Stimme.

„Vielleicht, weil wir daran glauben, dass wir beide irgendwann einmal gewinnen werden...“ Link ging auf sie zu und stand nun direkt vor ihr.

„Wollen wir das Spiel trotzdem für heute beenden und...“

„... die Zeit mit anderen Dingen verbringen.“

„Ja... wir könnten...“ Sie suchten verzweifelt nach einer anderen Beschäftigungsmöglichkeit. „Wir könnten uns einfach nur unterhalten, Zelda.“ Sie ging auf den Tisch zu, nahm ihr Weinglas und nippte kurz daran.

„Ich vermisse Hyrule...“, meinte sie sachte. Link überlegte krampfhaft, was er darauf sagen sollte, aber ihm fiel einfach nichts ein. Er wollte sie aufheitern, sie sollte jetzt nicht trübsinnig der Vergangenheit hinterher sehen.

            Dann sagte sie lauter: „Wir sollten dennoch weiterspielen. Vielleicht ist heute der Tag, an dem wir beide gewinnen werden“, und wischte ihre Zerrissenheit augenscheinlich mit einer einfachen Handbewegung fort. Aber Link wusste es besser. Sie fühlte sich kläglich, auch wenn sie es überspielen konnte. Link stand mit dem Rücken zu ihr und hob eine Hand, wollte sie berühren, doch dann... abermals versagte der Mut, sie einfach nur zu berühren und in seine Arme zu nehmen. Sie erschien ihm fern, wie als wäre eine dicke Mauer zwischen ihnen, oder ein großer See, den sie nicht überqueren konnten.

Seine Hand sank wieder zurück und er setzte sich. Sie spielten erneut. Die Hälfte der Zeit war um und Link befand sich im Rückstand. Zelda hatte einen Weisen komplettiert, Link keinen, was bedeutete, dass sie den farblosen zusätzlichen Stein erhielt. Zelda hatte damit ebenso viele Steine zu vervollständigen wie Link und die Zeit rannte unaufhörlich weiter. Sie spielten und spielten, obwohl in ihrem Leben doch nichts einem Spiel entsprach...

Bei beiden Spielern war ein einzelner Stein übrig. Und die letzte Minute auf der Uhr des Schicksals brach an. Zelda gab auf, auch dieses Spiel würden sie beide verlieren...

            Link war am Zug und es sollte sein letzter sein. In seiner Hand besaß er immer noch eine Karte. Er sah auf das Spielfeld, sah wie sich die Farben wandelten und es keinen Weg seines letzten Steins zu den anderen seiner Sorte gab. Ebenso blickte er zu Zeldas farblosen Stein, der übrig geblieben war. Dennoch, irgendetwas an seinem Blick machte Zelda stutzig. Er grinste, einfach nur hinterhältig und unverschämt. „Zelda, ich habe eine Überraschung für dich“, sagte er und schaute auf die Karte in seiner linken Hand. Er legte sie mitten auf das Spielfeld.

Verwundert sah Zelda die Karte an. „Das ist ja...“

„Mmh. Die Karte des gemeinsamen Schicksals. Wird sie ausgespielt, heißt das, beide Spieler haben die Möglichkeit einen Stein zu den anderen hinzuzufügen, egal, wo sich die drei Teile befinden. Das bedeutet: Wir haben beide gewonnen.“

            Zelda beobachtete ungläubig, wie sich die Steine zusammensetzten, bevor die Zeit ablief. Sie zwinkerte kurz und Link sah eine Träne an ihrer rechten Wange entlang laufen. „Danke...“, sagte sie leise. Es bedeutete ihr viel, einmal, auch wenn nur im Traum ein anderes Schicksal prophezeit zu bekommen. Sie stand auf und setzte sich vor den Kamin.

„Entschuldige, Link. Ich bin wirklich ein kleiner Jammerlappen“, flüsterte sie.

Noch ehe sie ihm ausweichen konnte, setzte sich der Held zu ihr und umarmte sie. Er zog sie fest an sich. Dann schloss sie ihre Augen und legte den Kopf auf seine Schulter. War es so schwer, zuzugeben, dass sie ihn brauchte?

„Link“, murmelte sie, doch jener entgegnete nur mit einem leisen: „Pst“, und streichelte mit einer Hand über ihren Rücken.

            Sie schwiegen für eine Weile und beobachteten das unruhige Feuer im Kamin.

„So lange ich noch träume, möchte ich einfach nur bei dir sein...“, sagte Link gefühlvoll, „Die Realität holt uns früh genug wieder ein.“ Zelda richtete sich auf, schaute in seine tiefblauen Augen, blieb aber in seiner Umarmung. Noch immer zierten Tränen ihr Gesicht. Er streichelte ihre Wangen und wischte die Tränen weg. „Ich will keine Tränen mehr sehen, mein kleiner Jammerlappen“, sagte er leise. Sie lächelte schwach auf seine Bemerkung hin.

            Er sah sie immer noch an, dabei zu realisieren, dass sie sich in seinen Armen befand. Selbst wenn nur im Traum, das Gefühl war unbeschreiblich. Links Empfindungen für Zelda überwältigten ihn in diesem Augenblick. Er näherte sich ihr, sodass er ihren Atem in seinem Gesicht fühlen konnte. Immer noch blickte er in ihre Augen, berührte mit seiner Hand ihre Wangen, dann ihre roten Lippen.

„Link... wir...“

„Sch... sch...“, murmelte er und streichelte weiterhin über ihre sanfte Haut. „Bitte sag’ es nicht…“, ergänzte er, wissend, dass sie das, was dabei war zu geschehen, nicht zulassen konnten. Seine Fingerspitzen wanderten über ihr Kinn und dann wieder liebevoll über ihre Lippen.

            Er schloss seine Augen langsam, näherte sich ihrem Gesicht, wollte verwöhnen, wollte so nah wie noch nie bei ihr sein. Sanft begann er mit seinen Lippen die ihren zu liebkosen. Eine Empfindung ohnegleichen, als wäre diese Berührung schon einmal vor langer Zeit geschehen, und doch vergänglich. Ein erster Kuss und vielleicht der letzte. Zelda wich im ersten Augenblick leicht zurück, erwiderte aber dann hingerissen und entzückt, schlang streichelnd ihre Arme um seinen Hals. Link ließ seine Hände fordernder über ihren Rücken wandern, legte alles in die Liebkosung, schenkte ihr Vertrauen und zügellose Leidenschaft. Der Kuss nahm an Tiefe zu, wurde inniger, zärtlicher. Doch sie konnten den Kuss nicht beenden...

 

Link wachte auf und befand sich in dem Bungalow des Camps. Benommen schreckte er hoch. Es fiel ihm schwer zu begreifen, wo er sich befand. Er rieb sich die Augen und erkannte, dass es spät am Nachmittag sein musste. Die Sonne stand weit am Horizont und tauchte das Zimmer in rote Farben. Er wollte aufstehen, entschied sich im selben Augenblick aber, es zu unterlassen. Er dachte an seinen Traum und erinnerte sich an jede Einzelheit. Schmachtend fuhr sich der junge Held mit einer Hand über die Lippen und hatte sogar noch Zeldas Geschmack im Mund... süß wie Honig...

            Ob sie tatsächlich denselben Traum hatte? Wenn ja, wusste Link nicht, wie er ihr begegnen sollte, wie er ihr bei den Göttern Hyrules in die Augen sehen sollte, wenn er wieder zuhause war...

            „Das war schöner, als ich mir es jemals vorgestellt hätte...“, murmelte der Verliebte, dabei, seine Augen wieder zuschließen. „Verdammt, ich will zurück...“ Er drehte sich in Richtung Wand und dachte fortwährend an Zelda. Hatte sich der dusslige Held nicht eingeredet, er könnte die nächsten Tage sich Selbst das Verbot aussprechen, an sie zu denken? Hatte er nicht immer wieder betont, dass seine Gefühle nichts mit Liebe zu tun hatten?

Und nun lag er da... schwelgte in den Gedankenssphären der Wolke Sieben, wünschte sich, bei seiner Prinzessin zu sein, sie festzuhalten, sie zu wärmen, bis hin zu dem Wunsch neben ihr einzuschlafen...

            In dem Moment wurde die Tür geöffnet. Link tat so, als würde er schlafen und erkannte zwei Stimmen. Es waren Pat und Sian. Was wollte der den schon wieder? Sie flüsterten, aber Link konnte sie verstehen. „Er schläft jetzt schon seit zwei Tagen und ich weiß einfach nicht, wie ich ihn wecken soll. Das ist doch nicht normal“, meinte Pat.

„Echt komisch. Aber bei Link ist das nicht verwunderlich“, sagte Sian darauf.

„Ich habe einige Male versucht ihn zu wecken. Aber er fauchte dann mit geschlossenen Augen so etwas wie: ,Verdammt, lasst mich schlafen’ und deshalb habe ich aufgegeben.“

            „Ich hab’ gleich gedacht, als ich Link das erste Mal gesehen habe, mit dem stimmt was nicht. Aber dass er so ein merkwürdiger Kerl ist, hätte ich nicht gedacht. Der Held der Zeit hat wahrscheinlich eine kleine Macke.“ Sian grinste leicht.

„Vielleicht solltest du nicht schlecht über ihn reden, sonst wacht er noch auf.“ Aber Pat ließ sich nicht mehr zügeln.

„Soll er doch aufwachen. Spinner bleibt Spinner. Er hat doch tatsächlich behauptet gegen einen Drachen gekämpft zu haben. Hat er dir davon erzählt?“ Warum er Sian diese Frage gestellt hat, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben, denn er plapperte munter weiter.

„In die Irrenanstalt gehört der, so wie der drauf ist. Und seine Zelda, von der er nachts immer redet, die kann er gleich mitnehmen.“

Das war zuviel des Guten. Link sprang auf und sah Pat mit kühlem Blick an.

„Na, wer sagt’s denn! Wenn man schlecht über Zelda redet, ist er plötzlich wach“, meinte Pat dreist. Gute Inszenierung sein Wortspiel... gute Inszenierung...

            „Morgen Link“, sagte Sian mit ernster Miene. „Alles in Ordnung bei dir, wir dachten schon, du wachst gar nicht mehr auf.“

            „Ich fühle mich gut... habe nur... geträumt“, sagte er leise und schaute aus dem Fenster.

„Du bist lustig, hast nur geträumt. Wir dachten, du wärst ins Koma gefallen.“

Link atmete tief aus und seufzte: „Ich habe einfach nur einen schönen Traum gehabt, das ist alles.“

Seufzend ging der Heroe aus dem Raum, dachte weiterhin an seinen Traum, fühlte sich fast ein wenig beschämt und gleichzeitig so unhaltbar glücklich... Beinahe auf seinen Füßen schwebend wandelte der einstige Held der Zeit aus dem Schlafzimmer...

 
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