Kapitel 27
 

Kapitel 27

 

 

 

 

„Also, wie geht’s dir so? Was hast du die letzten drei Jahre, seit meiner Abreise gemacht?“

„Deine Neugier hat sich wohl nicht verändert, wie“, entgegnete Zelda mit einem freundlichen Blick in den Augen.

Sie liefen gemeinsam zu einem der runden Tische inmitten der Bibliothek, wo noch einige Kerzen entfacht waren. Sie setzten sich gegenüber und strahlten sich wieder an.

„Ich habe mich viel mit den Geheimnissen Hyrules beschäftigt, vor allem mit alter Magie, Mythen und einigen aufheiternden philosophischen Texten. Im Grunde genommen nichts von Bedeutung... Wie steht’s mit dir? Hast du irgendetwas Sinnvolles vollbracht?“

Nun ja... Link erinnerte sich an seine Abenteuer, an die Orte, die er bereist hatte und diverse Kreaturen, gegen die er gekämpft hatte. Abenteuer hatte er erlebt, aber nicht das gefunden, wonach er gesucht hatte...

            „Ich... nein, nichts Sinnvolles“, log er. Selbstverständlich hatte er Sinnvolles vollbracht und einige Menschen vor dem Tod gerettet. Aber in letzter Zeit wollte er sich nicht daran erinnern. Er fühlte sich müde... müde vom Kämpfen und von seinen Abenteuern. Das war wohl auch der Grund, weshalb er nun heimgekehrt war- in ein Land, in dem er kein wirkliches Zuhause hatte. Durch den Schein der Kerzen konnte Zelda direkt in seine tiefblauen Augen sehen, die noch dunkler wirkten als ohnehin schon. Melancholie und eine Spur Mutlosigkeit lagen in seinem Blick, aber er war nicht bereit diese nach außen zulassen oder zuzugeben.

„Link“, sagte Zelda leise. Es tat so gut, ihre Stimme zu hören. „Bedrückt sich irgendetwas?“

Schnell hob er seine Hände in die Höhe, kniff seine Augen zusammen, lachte ein wenig unecht und schüttelte seinen Kopf und sagte laut, fast aufbrausend: „Mich? Nein, wieso sollte es! Mir geht’s bestens.“

Zelda erwiderte nichts, aber sie kannte Link wohl doch zu gut...

            „Hast du eigentlich Saria schon besucht?“ Links Blick wurde wieder ernster und er schüttelte mit dem Kopf.

„Und warst du vielleicht schon bei Darunia? Oder hast den Zoras einen Besuch abgestattet“, fragte sie wissbegierig.

Erneut schüttelte er mit dem Kopf, was Zelda ein wenig missmutig stimmte. Musste man ihm alles aus der Nase ziehen?

„Heißt das, dein erster Weg war hierher, Link?“ Er sollte es sich wagen, schon wieder mit dem Kopf zu schütteln...

Erstaunlicherweise nickte er, was zwar eine andere Reaktionsmöglichkeit darstellte, und trotzdem nur eine Bewegung mit seinem Kopf sein sollte. Zelda klapperte mit ihren Fingernägeln auf dem Holz des Tisches herum, während Link nervös vor sich hin brütete.

            „Ich bin vor einigen Stunden in Hyrule angekommen und habe mich dann gleich auf den Weg ins Schloss begeben...“

Zelda biss sich auf die Lippe. „Wieso?“

„Ich kann nicht mehr in die Kokiriwälder zurück, Zelda. Ich bin um einiges größer als die Kokiri und außerdem fühle ich mich dort einfach nicht mehr dazugehörig. Deshalb wollte ich dich besuchen und mir dann irgendeine Unterkunft beschaffen. Ich habe eigentlich keine Idee, wie es weiter gehen soll...“

Zelda sprang auf und stützte ihre Hände auf dem Tisch ab. „Das heißt, du hast keinen Platz hier in Hyrule?“ Er wirkte ein wenig verletzt, im nächsten Augenblick aber einsichtig. Zelda hatte vollkommen Recht.

„Warum bleibst du dann nicht eine Weile im Schloss? Der Held der Zeit verdient sicherlich die Ehre einige Nächte den Luxus von Schloss Hyrule zu genießen, oder nicht?“ Sie zwinkerte.

„Meinst du das ernst? Ich habe nicht einmal einen Titel, Zelda.“

„Soso, dann ist: ,Held der Zeit’, wohl kein Titel?“ Erneut ein miserabler Blick von Link.

„Und selbst wenn du keinen hättest, ich finde, du hast nach allem, was du für Hyrule getan hast, mehr als nur einen Titel verdient. Du hast so viele Dinge verdient, die dich aber...“

„... die mich aber nie interessiert haben.“ Stille.

            Es war inzwischen weit nach Mitternacht. Die Zeiger der großen Uhr in der Bibliothek schienen sich immer langsamer zu bewegen, als ob die Geister des Schlosses daran herummanipuliert hätten. Zelda setzte sich und begriff allmählich die Situation, in der sich Link befand.

Um vom Thema abzulenken, meinte Link schließlich: „Was genau hast du eigentlich zu so später Stunde noch in der Bibliothek zu suchen?“

Heilige Nayru, dieser Junge brachte Zelda total aus dem Konzept. Warum konnte man mit ihm nur nicht über seine Probleme reden?

„Ich habe Bücher studiert. Nur leider konnte ich ein bestimmtes Buch hier nicht mehr finden...“ Diese Worte weckten sein Interesse.

„Welches Buch? Ich könnte dir beim Suchen helfen.“ Das war mal wieder typisch Link. Hauptsache er konnte seinen Beitrag leisten. Es war wohl Zeit, dass Zelda mit der Wahrheit rausrückte... Sie kramte eines der staubigen Bücher hervor und schlug mit einem Mal die Seite auf, die sie haben wollte. Auf der abgenutzten, alten Seite war ein merkwürdiges goldenes Medaillon abgebildet. Es war rund, mit einem aufgesetzten Triforcesymbol.

„Was ist das?“

„Man nennt es Medaillon der Mächtigen. Vor einigen Wochen träumte ich davon und nun lässt es mich einfach nicht mehr los. Es könnte für Hyrule einmal eine große Bedeutung haben, das spüre ich.“

„Verstehe“, sagte er mit einem Grinsen. „Eine deiner Prophezeiungen, nicht wahr?“ Sie nickte zustimmend.

„Was genau hat es denn für eine Bewandtnis und wo können wir es finden?“

„Genau das ist das Problem.“ Zelda stand auf, nahm einen Stapel Bücher und stellte diese in die Regale zurück. „Seit Wochen suche ich nach Hinweisen, aber ich finde nicht die geringsten. Vermutlich ist das Medaillon einfach zu alt, als das noch Wissen darüber überliefert wurde. Sowohl seine mysteriöse Macht, als auch seinen Aufenthalt konnte ich nicht herausfinden...“

Link nahm ebenso einen Stapel und lief zu Zelda herüber. Er stellte einige davon in die dafür vorhergesehenen Regale. „Ich glaube, ich habe eine neue Aufgabe“, sagte er lächelnd. Seine Prinzessin funkelte ihn mit ihren kristallblauen Augen an und wusste in dem Moment nicht, wie sie ihm danken sollte.

            Sie begaben sich wieder zu dem Tisch und setzten sich. „Hast du deinem Vater schon etwas davon erzählt?“

„Nein.“ Trübsinn beschattete ihre glockenhelle Stimme. „Er würde mir nicht glauben und vielleicht ist es besser niemand erfährt von dieser Sache.“ Auch das verstand Link nur zu gut. Sie schwiegen eine Weile und schlugen einige Kapitel irgendwelcher Bücher auf, wo hoffentlich noch Hinweise bezüglich des Medaillons standen. Link las sich aufmerksam die Seiten durch, während Zelda ab und zu in Richtung der Tür schaute. Sie studierten und studierten, grübelten über verworrenem Inhalt, welcher den Verstand verzweifeln lies, besahen sich alte Schriftzeichen, entdeckten Hinweise, die sich später als überflüssig herausstellten und gähnten gelegentlich.

            Zelda blickte ihren Helden stillschweigend an, wissend, dass er zu tief in den Büchern versunken war, als ihren durchdringenden Blick zu bemerken.

„Vertraust du mir, Link“ Zeldas Worte hallten in der riesigen Bibliothek. Er sah sie fragend durch den Schein der Kerze an.

„Zelda, natürlich tue ich das. Was soll’ die Frage?“

„Ich habe einfach nur das Gefühl, dass du mir etwas verschweigst...“ Er stand auf und kramte seine Okarina hervor, die Okarina der Zeit, die sich noch in seinem Besitz befand. Auch Zelda war von ihrem Platz aufgesprungen und stand direkt hinter ihm. Sie legte eine Hand auf seine Schulter.

„Ist wirklich alles okay mit dir?“

Er drehte sich um und murmelte: „Wer hat dir nur deinen sechsten Sinn gegeben, Prinzessin von Hyrule?“

„Ich glaube, dass habe ich dem Wildfang in mir zu verdanken, zu dem du beigetragen hast, mein Held.“

„Ich fühle mich schuldig, aber nicht verantwortlich genug, um dafür Rechenschaft abzulegen.“

„Das brauchst du auch nicht, ich bin froh, über diesen Wildfang in mir.“

„Tatsächlich...“

„Tatsächlich“, erwiderte sie heimtückisch. Dann gähnte sie. Warum nur wich Link ihrer Frage aus? Irgendetwas beschäftigte ihn, aber was? Sie konnte wie kein anderer in dem Blick eines Wesens erkennen, dass etwas nicht stimmte und Links Blick verriet darüber hinaus noch etwas anderes als die Spur von Problemen, eine Art Zweifel...

            „Ich... ich möchte nicht darüber reden, Zelda“, brachte er dann hervor, was sie selbstverständlich respektierte.

„Es ist okay“, meinte sie. Er hatte sicherlich seine Gründe, ihr nichts näheres mitzuteilen. Zelda durchkämmte weiterhin Bücher auf der Suche nach Antworten, die ihr vielleicht niemand geben konnte. Link holte seine Okarina hervor und flötete eine sanfte Melodie in die Nacht hinaus. Eine wunderbare Melodie, die Zelda erst Recht in Einschlafstimmung versetzte. Sie gähnte herzlich, bis ihr Blickfeld verschwamm.

„Schlaft gut, Prinzessin Zelda von Hyrule...“, flüsterte eine sanfte Stimme. 

 
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