Kapitel 28
 

Kapitel 28

 

 

 

 

„Zelda“, sagte jemand mit energischer Stimme. Sie befand sich mitten in ihren Träumen und wollte nicht aufstehen, doch dann wurde sie zusätzlich noch an ihren Schultern gerüttelt.

Es war sicherlich erst kurz vor Mitternacht. Gegen Sonnenuntergang hatten die beiden Hylianer sich entschlossen, kurz vor der Grenze zum Land im Westen Hyrules, Rast zu machen. Sie befanden sich nun direkt vor einer tiefen, großen Schlucht, die dieses Land von Hyrule abschirmte.

Dann wurde die Stimme, die sie als diejenige von Link erkannte, wieder lauter: „Zelda! Jetzt wach’ doch auf! Schnell’!“

            Sie öffnete verschlafen ihre Augen und erkannte Link vor ihr, der alles für die Weiterreise zusammengepackt hatte. Hastig schüttete er Wasser über die glühenden Kohlen des Feuers, welches ihnen eigentlich Wärme spenden sollte.

Zelda wischte sich Schlafsand aus den Augen und fluchte fast: „Link? Was soll’ das?“

Er ging auf sie zu und deutete mitten auf die Steppe. Zelda ging seiner Aufforderung nach und schaute durch die Dunkelheit. Sie konnte aber nichts erkennen.

„Was ist denn? Ich bin müde.“ Und sie wollte wieder in ihren Schlafsack kriechen.

Link packte sie an den Schultern und hievte sie ruckartig in die Höhe, sodass Zelda jetzt wacher war, als zuvor. „Das ist kein Scherz, Zelda. Ich habe Stimmen gehört und ich denke, du räumst so schnell es geht deine Sachen zusammen und wir verschwinden hinter dem kleinen Wald dort.“ Er meinte einige Bäume in Richtung Norden, die Schutz bieten würden.

„Jetzt beeil’ dich.“ Sie verstand und räumte zügigst ihren Kram zusammen.

            Auch Zelda hörte jetzt Stimmen und in Richtung Gerudo Canyon erkannte man darüber hinaus Lichter. Glücklicherweise spürte Link selbst im Schlaf die Gefahr...

Sie hetzten schnell und unerkannt in Richtung des kleinen Waldes und versteckten sich hinter einigen alten Bäumen. Sie beobachteten schweigend die Szenerie.

            Die Stimmen, wie auch die Lichter näherten sich. Es waren mehrere dunkle Gestalten, mit schweren Rüstungen, die bei jedem Schritt klapperten. Link erkannte die Gestalten als Skelettritter, Moblins und Eisenprinzen. Gegen Eisenprinzen hatte er bisher noch nicht gekämpft, zumindest ohne es zu wissen. Daher sah er diese Gegner als neue Herausforderung. Die Gestalten stapften in Link und Zeldas Richtung, hielten sich aber von den Bäumen fern. Sie entdeckten die Feuerstelle der beiden Hylianer.

Ein Eisenprinz rief eine Art Anführer mit einer Rüstung nach vorne, die gefährlicher und stärker aussah, als die der anderen, mit dem Namen: „Mortesk.“ Sofort erschien aus der gesamten Dämonenhorde ein kräftiggebauter Krieger mit Schwert und Schild.

            Link starrte Mortesk erschrocken an. Er hatte geahnt, dass sich Monster in Hyrule befanden, aber Mortesk? Er war doch ursprünglich auf der Erde und Link hätte ihn vernichten können, wäre die Kreatur aus Knochen nicht einfach wie ein Feigling weggelaufen...

Link begriff in dem Moment, dass Ganondorf tatsächlich einen Zugang nach Hyrule hatte, genau wie er selbst und Zelda. Das konnte heiter werden...

            Mortesk beugte sich zu der Feuerstelle und begutachtete diese äußerst sorgfältig, vielleicht zu sorgfältig. Ein Grinsen formte sich auf seinem knöchernen Gesicht, welches Zufriedenheit ausdrückte. Vermutlich hatte er den Hinweis gefunden, nachdem er lange gesucht hatte.

Seine kalte Stimme ertönte: „Sehr gut, sehr gut. Unser Meister wird erfreut sein, wenn ihm zu Ohren kommt, dass wir auf der Spur des Wesens sind. Sicherlich hat diese verfluchte Kreatur, nachdem sie entkommen ist, sich hier aufgehalten. Hey, du da!“ Und Mortesk zeigte auf einen kleinen Moblin mit Froschgesicht, welches ihn ausgesprochen harmlos erscheinen ließ.

„Was willst du von mir, Mortesk“, kam eine abfällige Frage aus dem Mund des Moblins.

„Du machst dich auf den Weg zurück auf die Erde und zwar über das tote Land. Hast du verstanden? Du erstattest Bericht an Lord Ganondorf, das wir die Spur seiner geliebten, verfluchten Verdammten gefunden haben. Nicht mehr lange und wir bringen sie ihm wieder.“

„Wie du meinst, Mortesk“, sagte der Moblin und ging in mühsamen Schritten davon. „Hey, warte! Vielleicht nimmst du noch ein paar Männer mit. Wir wollen ja nicht, das du verloren gehst.“ Daraufhin folgten drei weitere Moblins dem ersteren. Sie verschwanden in Richtung Westen.

            Mortesk blieb noch eine Weile stehen und schaute sich um. Seine glühenden Augen wanderten zu den Bäumen, dann aber in Richtung Osten, wo nichts als Steppe zu erkennen war. Ein weiterer komischer Geselle tauchte auf, eine Art Mischung aus Moblin und Eisenprinz. Wunderbar...

Ganon kreierte nun also schon Kreuzungen zwischen seinem Dämonenpack. Mal wieder was Neues...

„Wir könnten... äh konnten... das Feuer, ja Feuer nennt man das... äh... vor dem Canyon nicht löschen, löscht man Feuer mit Wasser? ja... glaubst du, die Gefangene hatte... äh so oder?... etwas mit dem Feuer zu suchen, zu leben, zu äh... richtig... tun, Mor- Mor- Mortesk?“ Hinsichtlich der fatalen Einbußen seines Verstandes muss bei der Kreuzung aber gewaltig was schief gelaufen sein...

„Weiß nicht, ob sie noch soviel Kraft hat, nachdem unser Meister ihr alles genommen hat... haha...“

Aha, dachte Link, dann kam das Feuer nicht von Ganon und glücklicherweise wusste der noch nichts davon, dass sie beide hier waren. Schwein gehabt...

„Aber... äh... unheimig, ja unheim, unheimlich ist es schon...“, rülpste der komische Mischling, als würde er sich fürchten. Dennoch war da etwas an diesem Typ, das ihn absonderlich, wenn nicht sogar gefährlich machte. Aber was war es? Möglicherweise seine Unberechenbarkeit...

„Macht nix, besser wir sagen dem Meister nichts davon.“

„Jo... hehe... Ganon würde das äh... bestimmt nicht witzhaftig, witzwitz finden... hehe.“ Mortesk fand die Situation wohl nicht so aufheiternd wie der Mischling und fixierte ihn mit blutrünstigen Augen, worauf der komische Moblin- Eisenprinz verstummte und in einer hinteren Reihe der Bande verschwand. 

 

Nach einigen Minuten waren die Kreaturen abgezogen. Link und Zelda standen immer noch in ihrem Versteck hinter den Bäumen und schauten sich sorgfältig um. Besser, man wartete noch eine Weile ab. Link setzte sich und lehnte sich an einen Baumstamm.

Er seufzte: „Puh... das war knapp. Um ein Haar hätten sie uns entdeckt.“

Zelda machte es sich neben ihm gemütlich und lehnte sich ebenfalls an den Baum. „Ja, nur gut, das du wach geworden bist... gähn...“

Link blickte sie durch die Dunkelheit an. „Du bist noch ganz schön müde, was?“

„Mmh... aber vielleicht sollten wir weiterziehen... gähn...“, sagte Zelda, oder besser: murmelte sie, als sie ihre Augen zumachte.

Link kramte zwei Decken aus seiner magischen Tasche. „Am besten wir bleiben einfach hier.“ Er reichte ihr eine der Decken.          „Was hältst du davon?“

Sie nickte zustimmend und legte ihren Kopf auf seine Schulter. Link brauchte einige Zeit um zu registrieren, dass Zelda sich an ihn gelehnt hatte. Er traute sich nicht, auch nur einen Zentimeter zu bewegen und stellte sich halbtot, während seine Wangen in der Dunkelheit zu glühen anfingen. Ihm wurde warm ums Herz, ein wenig zu warm, bis er das Gefühl nicht mehr ertrug. Es ist okay. Okay. O-okay, sagte er zu sich. Halb so wild. Sie macht dich eben zappelig und unruhig und unzurechnungsfähig. Er schluckte einmal kräftig den Knoten in seinem Hals herunterwürgend, sich innerlich wünschend, dass Zelda endlich schlief. Wie immer, schaffte Zeldas es seinen Puls in atmosphärische Höhen zujagen. Es ist alles okay. Gott, warum nur macht sie mich so nervös, fragte er sich... aber Zelda schlief nicht.  

            „Link“, nuschelte Zelda neben ihm. „Wie sollten reden.“ Inzwischen hatte er sich erfolgreich an Zeldas Nähe gewöhnt, und genoss ihre Anwesenheit ganz vorzüglich. Sich halb im Wachschlaf befindend und in Gedanken an das Geschöpf neben ihm schwebend, musste er zweimal überlegen, ob ihre Stimme zu einem Traum oder in die Wirklichkeit gehörte.

Er seufzte: „Mmh... lass uns reden. Hast du vorhin verstanden, was Mortesk, der Skelettritter, gesagt hat?“

„Du kennst Mortesk?“ Sie stellte ihm unhöflicherweise eine Gegenfrage und schloss ihre Augen wieder.

„Ja, ich habe vor einiger Zeit gegen fünf Skelettritter kämpfen müssen und Mortesk war einer von ihnen... das war zu dem Zeitpunkt, als du nichts mit mir zu tun haben wolltest“, meinte er, ein wenig verbittert, da die unschönen Erinnerungen ihn wieder einholten.

Nach der Bemerkung hob Zelda schnell ihren Kopf und rutschte einigen Platz von ihm weg. Dass die Ereignisse von vor einem halben Jahr ihm dennoch so zugesetzt hatten, stimmten sie traurig und schuldig. „Link... ich...“

Er schüttelte mit dem Kopf. „Vergiss’ was ich gesagte habe.“

„Nein, ich möchte dir die Dinge endlich erklären. Ich hätte das schon vor einem halben Jahr tun sollen.“ Eine Pause entstand.

            Dann begann Zelda zu erzählen: „Vielleicht sollte ich dort anfangen, wo Hyrules Geschichte vielleicht endete.“

Link spürte, dass es ihr keineswegs leicht fiel und sagte leise: „Du musst mir das nicht erzählen, Zelda. Quäl’ dich nicht unnötig.“

Sie blickte ihn durchdringend an. „Doch. Du hast ein Recht darauf alles zu erfahren.“ Er nickte schwach und schaute weg, da er begriff, wie wichtig es ihr war, dass Link die Wahrheit erfuhr.

„Es war an einem sonnigen Tag zur Zeit des zweiten Zeitpfades... wir lebten in einem neuen, alten Hyrule und doch...“

„...und doch existierte das Triforce und Ganondorf hat es irgendwie geschafft, irgendein Siegel zubrechen, das ihn bannte“, beendete er für sie.

            „Irgendetwas Unvorhersehbares geschah. Das Land, das die Götter einst erschufen, sollte zuletzt Ruhe finden, indem man es von der als Segen geltenden Macht des Triforce befreite. Wie das geschah und ob es geschah, wusste niemand, nicht einmal die Weisesten. Alle Geschöpfe verschwanden in einer anderen Welt und das Land begann zu verblassen. Warum und wieso verstanden wir nicht, verstand niemand. Und egal in welcher Zeit die Götter eingegriffen haben, immer sahen sie ein Grab für Hyrule vor...“ Ihre Stimme wurde leiser und sie suchte nach den richtigen Worten. Sie wagte sich wieder in Links Nähe und lehnte sich an ihn. In dem Augenblick ahnte er, dass sie ihm jetzt etwas Trauriges mitteilen wollte.

            „Ich bin als einzige geblieben...“

            Ein kurzer schmerzloser Satz. Aber Link hatte das Gefühl, man würde ihm einen gewaltigen Schlag versetzen, als würde sein Herz zerspringen, obwohl er sich nicht an Damals erinnerte.

„Ich konnte euch durch die Schleier der Dimensionen beobachten und ich war so beruhigt, wie gut es euch allen ging. Ich konnte eure neue Welt sehen... sogar eure Sprache konnte ich verstehen... Ich konnte Hyrule nicht einfach verlassen... Ich konnte doch nicht so tun, als hätte ich für jene Welt keine Verantwortung gehabt und deswegen... habe ich mitangesehen, wie alles verblasst ist, genauso wie mein eigener Körper...“

Sie bemühte sich ihre Tränen zu unterdrücken, aber... Dann brüllte sie frei heraus: „Ich konnte Hyrule nicht einfach verlassen... ich konnte es einfach nicht...“

Link war sprachlos. Zelda kämpfte, sie kämpfte mit ihren Tränen und den Erinnerungen, aber diesen Kampf würde sie verlieren.

            Link legte ohne Worte seine Arme um sie und zog sie an sich. Sie ließ ihren Tränen nun freien Lauf und kämpfte nicht mehr dagegen an.

„Ich war so einsam...“, flüsterte sie, während Tränen die zartrosa Wangen hinabliefen. „Und dann irgendwann wurde alles wieder real... die Pflanzen und die Tiere begannen zu leben... für einige Augenblicke... und etwas rief mich.“ Link drückte sie noch mehr an sich und streichelte über ihren Rücken.

„Ich rannte auf einen großen Abhang zu, breitete die Arme aus und stürzte den Abhang hinab und dann... dann weiß ich nichts mehr. Als ich meine Augen wieder öffnete, befand ich mich in einem kleinen Haus und ein junger Mann saß neben dem Bett, in dem ich lag. Jemand, den ich nie vergessen wollte...“ Link war demzufolge ihr Schlüssel in die andere Welt gewesen...

„Ich wünschte, ich hätte dich auch nie vergessen, Zelda...“ Sie löste sich ein wenig von ihm und blickte durch ihre Tränen in seine tiefblauen Augen.

„Keine Sorge... das hast du nicht...“

            Sie schloss ihre Augen und schwieg einige Augenblicke. Link legte die Decke um sie beide und dachte schon, Zelda war eingeschlafen. Ihm war, zugegebenermaßen ein bisschen elend zumute, bei dem Gedanken, wie Zelda die letzten Jahrhunderte als Geist verbracht hatte. Wieso hatte er es nicht verhindert?

„Ach, Zelda“, seufzte er und küsste sie auf ihre Stirn. „Ich wünschte, ich hätte etwas tun können. Weißt du, ich wusste von Anfang an, dass wir Seelenverwandte waren.“ Zelda nickte fast unauffällig und kuschelte sich näher zu ihm heran.

„Als ich damals mein Gedächtnis wiederfand... als ich alles von meinem Leben in Hyrule wieder wusste, habe ich versucht zu vergessen. Ich habe verdrängt... was nicht der richtige Weg gewesen ist. Und dennoch stellte es für mich die beste Alternative dar, als mich mit all’ den Dingen, die ich wusste, all’ den Bildern, die ich gesehen habe und all’ den Menschen, die ich kannte, auseinander zu setzen. Und ich wollte dich, soweit es mir möglich war, aus den Ereignissen heraushalten. Ich wollte doch nur, dass du ein Leben führen kannst, ohne die Kämpfe, ohne das Böse... ohne mich...“

„Ich will aber gar nicht ohne dich leben, Zelda...“

„Verzeih’ mir bitte mein Versteckspiel… vor dir…“

„Pst… es ist in Ordnung und jetzt nicht mehr wichtig…“

            Er gab ihr noch einen Kuss, diesmal auf die Wange und fühlte ihre Erschöpfung beinahe. Sie brauchte jetzt unbedingt eine Mütze Schlaf. Tatsächlich hatte sie das bitter nötig. Link streichelte über ihre Wangen und fühlte, dass die Tränen allmählich verblassten. Auch er schloss seine Augen, mit der ganzen Wahrheit, die in seinen Gedanken herumkreiste. Er hätte wissen müssen, dass die blanke Wahrheit nichts für schwache Nerven war und hatte sich eingebildet, er hätte starke Nerven, aber das...

Ob man von den zwei Möglichkeiten Wahrheit oder Lüge nicht doch die letztere nehmen sollte, wenn die Wahrheit schmerzt? Und diese Wahrheit schmerzte auf eine gemeine Art und Weise...

 

Link wurde am Morgen durch das Licht einiger Sonnenstrahlen geweckt, die in sein Gesicht schienen. Er öffnete die Augen und stellte fest, dass Zelda immer noch in seinen Armen schlief. Sie schlief so ruhig, so friedlich, dass er sie einfach nicht wecken wollte, erst Recht nicht, nachdem er wusste, was sie durchgemacht hatte. Er blieb einfach liegen und hörte dem Zwitschern der Vögel zu, erfreute sich an dem blauen Himmel und versuchte sich zu entspannen.

Der vierte Tag in Hyrule brach nun an, und sie hatten bisher nur ein Elixier der Weisen gefunden und einen Splitter Gossipgestein, mit dem sie nichts anzufangen wussten.

            Link öffnete wieder seine Augen und sah einen kleinen Fuchs in jenem Wald, der sich in der Nähe der beiden aufhielt. Er schlich näher und beschnupperte Link an einem spitzen Ohr. Dann rannte er wieder davon. Selbst wenn Hyrule nicht wirklich war, wenn es nur eine verblasste Erinnerung war, auch hier hatte das Leben einen unermesslichen Wert, den Link zuschätzen wusste.

Dann überkamen ihn Gedanken an die Erde, auf der es wie in einer der tiefsten Höllen zuging... Er musste es schaffen, nein, er würde es schaffen, Ganondorf zu besiegen, für Zelda, für seine Familie, seine Freunde und den Rest der Menschheit...

            Zelda murmelte irgendetwas im Schlaf, aber öffnete nicht ihre Augen.

Inzwischen verspürte Link dennoch den Wunsch aufzustehen, sich zu strecken und vor allem etwas zu essen. Er bewegte sich langsam und schaffte es, Zelda, ohne zu wecken auf die andere Decke zu legen. Er deckte sie wieder zu und fühlte sich selig, da er sich endlich strecken konnte. Er kramte nach etwas Essbaren in seiner Tasche und suchte alles für ein ordentliches Frühstück zusammen. Er machte ein kleines Feuer, machte Spiegelei in einer Pfanne, röstete das restliche Weißbrot über dem Feuer und kochte einen Tee.

            Währenddessen wurde Zelda von dem Geruch des starken Tees aufgeweckt. Schläfrig blieb sie liegen und beobachtete Link, der mit dem Pfeifen anfing. Ein fröhliches Lied, das sie kannte. Es tat so gut, zu wissen, dass er hier war. Blöderweise hatte er einen sechsten Sinn, wenn es um Zelda ging und wusste irgendwie, dass sie wach war. Er ging zu ihr herüber und stellte ein Brett mit dem Frühstück vor ihr ab.

„Guten Morgen, die Lady“, sagte er mit einem aufheiternden Lächeln.

„Morgen...“

„Hast du Hunger, meine Liebe?“ Zelda nickte und lächelte ihn dankend an. Er reichte ihr dann eine Tasse Tee. Er setzte sich zu ihr, schaute in das Laubdach der Bäume und dachte nach.

            Sie schwiegen. Link wusste nicht, was er sagen sollte. Die gestrige Nacht hatte einiges zwischen ihnen verändert. Auch Zelda überlegte hin und her. Sie fühlte sich inzwischen ein wenig verunsichert und beschämt, da sie Link gestern ihr ganzes Herz ausgeschüttet hatte. Sie wollte nicht als schwach und weinerlich dastehen. Selbstverständlicherweise teilte Link diese Ansicht nicht...

            „Wegen gestern, ich meine, die Sache mit Mortesk, was hältst du davon?“ Link bemühte sich den Anfang zu machen.

„Nun ja, was soll’ ich davon halten? Jedenfalls hat er unser Lagerfeuer mit dem einer anderen Person verwechselt. Wie es aussieht, weiß Ganon nichts von unseren Plänen. Auch das Feuer stammte nicht von ihm. Und allem Anschein nach hat er hier in Hyrule irgendwelche Gefangenen.“ Sie blickte auf und erkannte, dass Link total in Gedanken versunken war. Er blickte hinaus auf die Steppe und hatte einen sehr besorgten Blick in seinen Augen. Er war wohl abwesend...

            „Kann es sein, dass Mortesk mit der Gefangenen das merkwürdige Wesen meint, welches wir in der Zitadelle gesehen haben“, sagte Link dann.

„Ja, das ist möglich.“

„Und diese Moblins sind also auf dem Weg zur Erde, wie? Ich denke, da sie ohnehin auf unserem Weg sind, schalten wir sie einfach aus“, sagte Link voller Tatendrang. „Das Wesen ist uns für den Gefallen sicher dankbar. Und ich finde, dass uns das weiterhelfen könnte.“ Ein stolzes Grinsen formte sich auf seinem Gesicht und dann sprang er auf. „Komm’, Zelda, wir haben ein Ziel, oder nicht?“ Er packte sie an ihren Händen und zerrte sie auf ihre Beine. „Lass’ uns gehen.“     

 

Sie reisten weiter und innerhalb einer Stunde war die große Schlucht in Sicht. Zielstrebig liefen Link und Zelda darauf zu. Aber noch keine Spur der Moblins. Zelda warf kurz einen Blick auf das Medaillon. Es war gerade einmal kurz vor Zwölf. Nebel kam auf und der Himmel wurde dunkler. Im toten Land war es ohnehin immer dunkel und nur wenige Lichtstrahlen beleuchteten es. Ein trockener Wind wehte dort, der ein Leben in jenem Land fast nicht möglich machte. Sie befanden sich währenddessen auf einer kleinen Erhebung, die einen guten Überblick bot. Link konnte in Richtung Westen die Moblins schon ausmachen. Die Monster rasteten vor der Überquerung über die tiefe, breite Schlucht. Wenn sich die Hylianer also beeilen würden, hätten sie diese eingeholt. Daraufhin rannten die beiden in Richtung der Schlucht.

            Tatsächlich waren Link und Zelda schneller zu Fuß als die blöden, hirnlosen Moblins und waren von der kleinen Dämonenbande nicht mehr weit entfernt. Rasch versteckten sie sich hinter einigen Felsen auf einem Hügel. Link nahm seinen Bogen zur Hand.

Zelda folgte seinem Beispiel und flüsterte: „Welchen nimmst du? Ich nehme den ganz links.“

„Gut, ich den ganz rechts.“ Sie spannten ihre Bögen und zwei Pfeile sausten durch die Luft, die ihre Ziele nicht verfehlten. Zwei der Moblins lösten sich in Luft auf. Nach einer Weile, ja, die restlichen Moblins brauchten einige Zeit, bevor sie schnallten, das sich zwei ihre Mitstreiter im Jenseits befanden, grunzten sie merkwürdig. Mit einem weiteren Grunzen drehten sie sich in die Richtung, aus der die Pfeile kamen, taten aber dennoch nicht wirklich beunruhigt. Ganz im Gegenteil. Ihre mangelnden Gehirnzellen schafften es wohl nicht, sie die Situation als gefährlich erkennen zu lassen...

„Sind die so blöd, oder tun die nur so“, meinte Link.

„Moblins, sind nun mal Moblins. Außer ihrem Killerinstinkt haben sie nicht viel im Kasten.“ 

            Dann aber stapften die restlichen Moblins in die Richtung von Zelda und Link. Link musste zweimal hinsehen, bevor er verstand, was dort vor sich ging. Plötzlich waren dort nicht nur zwei Moblins, sondern erneut vier. Häh? Wie konnte das sein? Sie hatten doch zwei vernichtet, oder nicht?

„Zelda? Was bedeutet das?“

„Die Pfeile erzielten aus irgendeinem Grund nicht ihre erwartete Wirkung oder die Moblins können sich vervielfältigen.“ Dann blieb wohl nichts anderes als ein Nahkampf übrig.

            Link und Zelda zogen beide ihre Schwerter und man beachte: Auch eine bei einigen Leuten als stumpfsinnig betrachtete Prinzessin, die Links Zuneigung nicht verdient hat, von denen es ja traurigerweise genug gibt, konnte kämpfen und besser als mancher Krieger mit einem Schwert umgehen... Link besiegte mit einem Schlag zwei der Moblins, worauf diese jetzt wirklich in Asche aufgingen. Dann wollte er sich eigentlich den anderen beiden widmen, aber als er Zelda kämpfen sah, stand er einfach nur da und erstaunte über ihre ausgefuchste Schlagkraft. Manchmal fragte er sich, ob Impa ihre Erziehung nicht doch zu genau nahm...

            Sie stieß ihre Klinge dem einen Moblin in den Magen, worauf dieser sich auflöste. Dann griff sie den letzten an, der versuchte wegzulaufen. Sie rannte wild geworden hinter ihm her und schleuderte einen Dolch nach ihm, worauf dieser einen Oberschenkel des Monsters durchbohrte. Er fiel und krümmte sich vor Schmerzen. Zelda setzte ihm das Schwert an die Kehle.

„Wen verfolgt ihr? Antworte, du Abschaum“, sagte sie. Link wurde immer mulmiger zumute. Er hatte Zelda noch nie so erzürnt reden hören. Sie konnte richtig gefährlich werden, wenn sie wollte. Der Moblin schien die Gefahr nicht zuerkennen und streckte der Hylianerin die Zunge heraus. Daraufhin wurde Zelda erst richtig sauer. Der Moblin hatte zuviel gewagt. Noch nie hatte jemand der Prinzessin von Hyrule die Zunge herausgestreckt. Und das sollte auch in Zukunft so bleiben. Sie stieß ihm die Klinge auch noch in den anderen Oberschenkel.

Der Moblin grunzte vor Schmerzen und lachte dann: „Irgendwann wird unser Meister herausfinden, dass du noch lebst, Prinzeschen und, dass du mit deinem dämlichen Helden hier bist.“ Dann würgte der Moblin. „Ich würde lieber sterben, als dir zusagen, dass wir eine Gottheit verfolgen.“

Zeldas Lippen zogen sich nach oben. Der blöde Trottel hatte sich doch tatsächlich verplappert. Dummes Viehzeug eben. Dumm und hirnlos, wie jeder von Ganons Dämonenpack. „Danke für die Information und das mit dem Sterben, kannst du gerne haben.“

            Und wieder fragte sich Link, ob das noch seine Zelda war. Sie wirkte wie eine gefährliche Rachgöttin, wie ein Tyrann und sie kannte im Augenblick keine Gnade. Link sah einfach nur zu, als sie dem inzwischen wehrlosen Moblin die Klinge einige Male in den Wanst rammte. Sie stach immer wieder zu, aber nicht, weil es ihr Spaß machte, sondern weil sie wusste, dass dieses Gesindel ebenso keine Gnade kannte. Sie tötete aus Verzweiflung...

„Zelda. Er ist erledigt. Hör’ auf.“ Sie stoppte ihre Angriffe, ein wenig geschockt über sich selbst. Sie hatte vollkommen die Beherrschung verloren. Sie führte die blutige Klinge zurück in dessen Schwertscheide und stand vor dem Häufchen Asche. Sie blickte verwirrt auf ihre Hände, sich innerlich fragend, was sie gerade getan hatte. Soviel Hass, Grausamkeit und Kälte steckten in ihr? Schockiert über sich selbst drehte sie sich zu Link um, der noch gar nicht fassen konnte, dass Zelda über so wenig Mitleid verfügte. Sie traute sich nicht ihn anzusehen, sonst würde sie in seinen Augen nur Anklagen sehen...

            Wortlos gingen sie weiter, mit der Gewissheit, dass Ganon irgendeine Gottheit gefangen hatte. War es möglich, dass er neben den Kräften des Triforce andere Götter Hyrules der Kraft beraubt hatte? War ihm seine bisherige Macht immer noch nicht genug?

            Einige Minuten später standen Link und Zelda vor einer gewaltigen Schlucht, die eine außerordentliche Breite besaß. Eine stabile, steinerne Brücke über die früher Kutschen passieren konnten, wie auch Händler mit ihren Karren, stellte eine mögliche Überquerung dar.

Link war überwältigt von soviel Gefahr. Nicht einmal in seinen schlimmsten Träumen, und er hatte ja genug davon, hatte er einen solchen Ort erblickt. Der blanke Wahnsinn. Doch bevor sie in das tote Land dahinter eintraten, genehmigten sie sich ein ordentliches, aber einfaches Mittagessen.

 
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