Kapitel 31
 
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Kapitel 31

 

 

 

 

´Vergib’ mir, falls ich nicht zurückkehre... vergib’ mir, falls ich nicht... vergib’ mir...’, schallte es in Zeldas Gedanken. Eine Stimme von weiten.

Nur ein Ruf, nicht mehr. Eine Bitte, gesprochen von einer Stimme, die so sehnsüchtig in ihren Gedanken umherschallte. Ein Wunsch, getragen von den liebenvollsten Händen, die einen Brief schreiben konnten. Sehnsucht und Wahrheit.

            Zelda schlief nicht und hatte sich an die Außenseite der morschen Holzhütte gelehnt. Einige Stunden waren vergangen, aber sie hatte im Moment kein Gefühl für die Zeit. Ihre Gedanken befanden sich auf einem ihrer visionären Trips und sie musste sch zusammen reißen, sich nicht ganz in der Erinnerung zu verlieren, nicht sich in den Sphären von Damals zu versinken. Denn die Vergangenheit, nach der sie sich sehnte, zerrte mächtig und unhaltbar an ihrem seelischen Gleichgewicht.

            Warum hast du ihm das gesagt, du Idiot, fragte sie ihr Inneres. Worte, nichts als törichte Worte über eine Freundschaft, die immer schon mehr war, als eine bloße Freundschaft...

            Link kam kopfhängerisch aus der hölzernen Hütte und sagte nichts weiter als: „Wir müssen weiter.“

Kein Blick, kein Lächeln, nicht eine Gefühlsregung. Er schirmte jegliche Empfindungen ihr gegenüber ab. Er warf einen Blick auf die steilen Hänge des Canyon, entschieden und kühl. Dann wanderten seine tiefblauen Augen zu einem sehr schmalen, braunen Pfad zwischen den steilen Felshängen. Er schlug die abgenutzte Landkarte Hyrules auf und erkannte eine kleine Markierung, die sich über den nördlichen Bereich des Gebirges zog. Es musste sich einfach um den Pfad vor seinen Augen handeln. Er lief zügig vorneweg und blickte nicht zurück, ob Zelda nun folgte, oder nicht.

 

Sie waren während des gesamten Tages unterwegs. Nirgends waren Kreaturen Ganons oder andere Gefahren in Sicht. Ohne Unterbrechung legten sie ein großes Stück zurück und erreichten das Ende des Weges, der über den Canyon führte. Nichts als ein mattgelbes Meer aus Sand lag vor ihnen, weit und gefahrenvoll. Aber es gab kein Jammern oder Nörgeln, sie mussten diesen Weg nehmen, anders würden sie die Stätte des zweiten Weisen nicht erreichen.

            Nachdenklich stapften sie voran. Hängende, ernste Gesichter als Ausdruck von Beklommenheit und Zweifel. Die stumme Wüste schien den Hylianern ihre Handlungsweisen aufzuzwängen, denn keiner sagte etwas und sie benahmen sich schlichtweg, als hätten sie ihre Stimmen verloren. Was gab es jetzt noch zu sagen?

            Eine glühendheiße Nachmittagssonne stand am Horizont und machte den Weg nur noch beschwerlicher. Link lief schon mit freiem Oberkörper herum. Zelda hatte ihr langärmeliges Gewand abgelegt und trug nur eine bequeme, aber aufreizende Korsage. An einer kleinen Oase machten sie Rast und füllten ihre leeren Flaschen mit Wasser auf.

Link konnte nicht anders und starrte sie an, auch wenn sie es glücklicherweise nicht mitbekam. Die enge Bekleidung, scharf und figurbetont, saß perfekt und hob Zeldas schöne Figur hervor. Ihre Schultern, schön und zierlich, aber nicht zu dünn. Zeldas Taille... ein Traum, dachte Link. Und ihre Brust... Gerade in dem Augenblick sah er beherzt weg und ertappte sich gerade noch dabei, wie er gedankenlos ihr Dekollete bewunderte. Mit diesem Outfit verdrehte sie ihm erst Recht den Kopf, das Herz und den Körper.

            Er wollte es einfach nicht wahrhaben, konnte es nicht glauben. Sie waren nie mehr als nur Freunde, aber war das nicht vielleicht die Herausforderung an sich? Gab es nicht doch irgendwann einmal eine Chance für sie beide? Immerhin lebten sie nun in einer ganz anderen Zeit, einer anderen Welt und Hyrule war Vergangenheit. Er wollte nicht aufgeben, er wollte nicht einfach akzeptieren, dass sich ihre Wege trennen würden. Diesmal nicht, schwor er sich.

            „Sollten wir nicht endlich mal wieder miteinander reden?“ Fast einem Flüstern gleich entkam ihm dieser Satz, aber Zelda zuckte nur ratlos mit den Schultern.

Er startete seinen zweiten Anlauf und sagte: „Wie lange werden wir noch bis zum Tempel brauchen?“

„Woher soll’ ich das denn wissen?“ Zynisch klang ihre Stimme und sie machte ihm deutlich, dass es sie herzlich wenig kümmerte.

„Hätte ja sein können. Ich hoffe, die Prinzessin hat nicht vergessen, dass ich keine Erinnerungen an Hyrule habe...“, grummelte er.

„Keine Sorge“ erwiderte sie sarkastisch, „Das ist mir nicht fern geblieben, du Held!“ Er ging auf sie zu und erwiderte ihren Blick mit ebensoviel Kälte, wie sie.

„Wart Ihr, königliche Hoheit, damals schon so gemein zu mir? Wenn ja, dann kann ich verstehen, wieso... wir NUR“ Er betonte gekränkt das letzte Wort. „NUR FREUNDE WAREN.“ Seine Worte wandelten sich in ein Fauchen und sie konnte die Wut in seinen Augen sehen.

            „Oh ja.“ Dann lachte sie, aber er wusste, dass es ihr weh tat. „Ja, genau, du hast es erfasst. Ich hatte nie etwas für einen Helden übrig, der unter Bäumen schlief, der sich im Dreck herumwälzte und der ständig Blut an seinen Händen hatte. Ich habe ihn nur ausgenutzt!“ Tränen standen in ihren Augen. „Ich hatte nie etwas für einen Helden übrig, der mich besucht hat, da ich einsam war, der mich beschützt hat, ohne irgendetwas dafür zu verlangen, der soviel aufgegeben hat, nur um mir zu helfen. MIR, DER DUMMEN PRINZESSIN VON HYRULE.“ Dann schrie sie ebenso und ballte ihre Fäuste. 

            Link versuchte sich zu beruhigen und drehte sich um. Irgendwie hatte es keinen Sinn. Sobald er versuchte zu ihr durchzudringen, versagte ihre Kommunikation. Es tat weh, aber es ging so nicht weiter. Er musste sich etwas einfallen lassen, etwas, wie er Zelda überzeugen konnte, dass sie es doch, wenn auch nicht für ewig, zulassen konnten. Er wollte ihr klar machen, dass auch sie ein Stück vom Glück verdient hatte, vielleicht sogar mehr als jeder andere Mensch. Ja, er würde sich etwas einfallen lassen.

            Sie setzten gekränkt ihren Weg fort und taten unaufhörlich wie Stumme. 

 

Gegen Abend erreichten sie die Stätte des Weisen der Geister am Rande der Wüste, welche um einiges entfernt von dem Geistertempel lag.

            Denkwürdig lag ein altes, gigantisches Bauwerk vor ihnen. Der Anblick war überwältigend. Es schien als stände diese Stätte schon seit Urzeiten auf seinem heiligen Grund. Link blickte erstaunt an den Wänden hinauf, die weit in den Himmel reichten, sicherlich zehn Stockwerke, dachte er. Alle möglichen Schlangen-, Skorpion- und Frauenstatuen standen wie Wachposten um das Labyrinth. Sein rissiges Gestein teilte Link mit, dass viele Jahrhunderte seit seiner Erschaffung vergangen sein mussten.

Einige Palmen standen um den Ort und ein kleiner See lag ein Stück abseits. Ein kühler sandiger Sturm kam auf, also gingen die beiden Hylianer einfach schon mal in das heilige Gebäude hinein.

Sie betraten als erstes eine Halle, in der ebenso Statuen standen. An die fünfzig merkwürdige Steintafeln mit hylianischer Schrift hingen an den sonst kahlen Wänden. Menschengroße Kerzenständer erhellten den ganzen Raum und schufen eine beunruhigende, gespenstische Atmosphäre. Einige schmale Gänge führten aus dem Raum, tiefer in das fantastische Labyrinth hinein. Auf dem Boden des Raumes lag Staub. Dennoch war eine Sache äußerst merkwürdig. Vom Eingang bis hin zum mittleren Gang führten ziemlich große Fußspuren, die nur sichtbar waren, da zuviel Staub lag.

Link besah sich diese Abdrücke genau: „Scheint, als wäre bereits jemand hier gewesen.“

„Oder dieser jemand ist noch hier“, setzte Zelda hinzu.

            Nach langem Hin und Her entschieden sich die Zwei für einen etwas einladenderen Weg ganz rechts.

„Ich gehe vorneweg“, sagte Link und öffnete eine alte, morsche Tür, die grell quietschte. Er warf vorsichtig einen Blick dahinter und nahm sich eine Fackel, die er sofort entfachte. Der Gang hatte eine erstaunliche Höhe, trotz seiner geringen Breite. Aber stockduster war es hier und das Licht der Fackel brachte fast nichts. Ein Glück, dass Link kein Angsthase war. Aber furchteinflößend war die Situation trotzdem. Was, wenn sie sich verlaufen sollten? 

            Diesmal wagte der Heroe ab und zu einen Blick zurück, nur um sicher zugehen, dass Zelda hinter ihm lief. Dann blieb jener überraschend stehen. Er hatte für einen Augenblick das Gefühl gehabt, ein Geräusch vernommen zu haben. Ein Schlürfen auf dem Boden, dass er sich auch eingebildet haben konnte, ein reißendes Kratzen...

Sie folgten ihrem Weg und standen abermals vor einer Tür, die jedoch verschlossen war.

„Moment. An so was habe ich gedacht.“ Zelda kramte in ihrer Tasche herum und holte einen riesigen Schlüsselbund mit Unmengen von Schlüsseln hervor. Irgendeiner würde schon passen. Link sah nur mit großen Augen zu und fragte sich geistesgegenwärtig, welche Gegenstände Zelda noch mit sich herumschleppte. Nicht, dass er sich beschwerte...

            Die Tür sprang mit einem Knacken auf und sie erreichten einen kleinen Raum mit vielen Spiegeln, die mal das wahre Abbild ihrer Betrachter zeigten, mal magere Gestalten, mal dicke oder mal überhaupt nichts wiederspiegelten. Aber irgendwie hatte der Raum keinen weiteren Ein- beziehungsweise Ausgang. Link trat vor die Spiegel und zog immer mal eine doofe Schnute, um sich aufzuheitern.

„Zelda. Guck’ mal, sieht das nicht toll aus?“ Ja, er wollte auch sie ein wenig aufheitern und zerrte die Enden seines Mundes beinahe bis hin zu seinen spitzen Ohren.

            Doch Zelda hielt offenbar nichts von seiner Aktion. Stattdessen entdeckte sie an der Wand einen kleinen Hebel, den sie einfach umlegte. Allerdings handelte es sich nicht um den Richtigen und im gesamten Raum taten sich plötzlich Löcher auf. Link handelte schnell und hüpfte auf einen der Spiegel. Zelda blieb stehen und überblickte die Lage. Die Löcher bildeten auf dem Boden ein Muster, das sie schnell identifizierte und sie guten Gewissens stehen bleiben konnte.

            Link sprang von dem Spiegel, an den er sich geklammert hatte und versuchte sein Glück mit einem weiteren kleinen Hebel, der sehr leicht zu übersehen war. Ein schriller Ton drang an die Ohren der beiden und sie hielten sich diese krampfhaft zu. Sie rannten in eine hintere Ecke und sahen zu, was dann passierte. Die Spiegel überlebten das Geräusch nicht und überall zerflogen die Scheiben. Klirr. Klirr. Klirr. Einzelne Lichtstrahlen kamen aus dem Nichts und sammelten sich in den Splittern, die auf dem Boden lagen und nicht durch die Abgründe gefallen waren. Auch die Splitter bildeten eine Art Symbol und der ganze Raum funkelte in einem Spektakel aus Licht und Glanz.

            „Das ist wunderschön“, meinte Zelda leise.

            Nach einigen Minuten entstand in der Mitte des Raumes eine kleine Lichtsäule, die nur darauf wartete einen Gast mitzunehmen. Schweigend betraten sie die Säule und standen sich gegenüber. Wieder ignorierten sie sich gegenseitig und achteten darauf, sich keinesfalls zu berühren. Sie wurden hinfort getragen und gelangten in einen anderen Bereich des Bauwerkes, einen hohen Raum, bei dem es sich um eine Art Kerker handelte. Ringsherum waren nur Wände oder dicke Eisenstäbe. Sie blickten sich um und erkannten schockiert, dass sie in der Falle saßen. Link hielt erneut seine Fackel in die Luft und leuchtete umher. Außerhalb der Zelle führte ein langer Gang weg, aber wie sollten sie aus der Zelle herausgelangen?

            Genervt tastete der Heroe die Wände ab. Zelda allerdings verlor sofort die Geduld, startete vor Groll eine magische Attacke und das Gitter flog mit einem lauten Schlag aus seinen Halterungen. Stolz lief sie weiter und Link ihr hinterher, der sich wieder fragte, ob er dieses Mädchen wirklich kannte... Verdammt, was war nur los mit ihr? Nutzte sie ihre Kräfte, weil es Spaß machte, oder tat sie es aus Verzweiflung, um vor Link ja nicht schwach zu wirken? Vielleicht war sie wirklich davon überzeugt, er sähe sie als beschützungswürdiges, hilfloses Prinzeschen, das nichts alleine schafft. Link blickte ihr lange hinterher, bevor die Realität sich wieder einmischte und ihn aus seinem Gedankenspaziergang herausbeförderte.

             „Zelda. Wieso sehen die Tempel eigentlich nicht so aus wie im Spiel? Ich meine, im Spiel sind die Dinge so verschieden.“

Gelangweilt entgegnete sie: „Das muss wohl daran liegen, dass Hyrule für uns kein Spiel ist. Und jetzt hör’ auf mit deinen sinnlosen Fragen. Ich muss nachdenken.“

„Ist ja schon gut. Am besten ich nähe mir den Mund zu...“

„Dann würdest du endlich mal was sinnvolles tun.“ Nun lag sogar schon Verachtung in ihren Worten. Link hätte ihr spielend über den Mund fahren können, aber er hielt sich zurück. Wenn sie ihn schon verletzte, dann wollte er nicht noch mitmachen. Er schüttelte seinen Kopf, verkrampfte seine linke Hand, aber sagte nichts. Friss’ ruhig alles in dich hinein, dachte er...

            Die beiden Hylianer standen vor einer rissigen Leiter und Link überließ Zelda den Vortritt. Die Leiter schien gar kein Ende zunehmen, denn es dauerte ewig bis sie in einem weiteren Stockwerk ankamen. Schon wieder hörte der Heroe ein Geräusch, das von irgendwo tief in dem Tempel herschallte. Ein dumpfer Ton. Ein widerliches Gemurmel, wenn man genauer hinhörte. Sie folgten weiteren Gängen, kletterten Wände und Leitern hinauf, durchkämmten zahlreiche Räume, auf der Suche nach Hinweisen, nach dem passenden Weg. Über fünf Stunden verstrichen wie im Flug und noch hatten sie das Elixier nicht gefunden.

            Zu guter Letzt erreichten sie ein eindrucksvolles Gewölbe, mit vielen gewaltigen Säulen, vielen Fackeln an den Wänden, dicken Statuen mit Schwert und Schild, glänzenden Bodenplatten, in denen sich die beiden spiegeln konnten. Wieder bemerkte Link ein Geräusch, dass nun sehr nah erschien. Zelda jedoch wollte es nicht hören. Sie tat ohnehin so, als ob Link Luft wäre und ignorierte vieles um sich herum.

            Der Held mit dem grünen Basecape wurde in dem Augenblick von einem Podest aus weißen Gestein angezogen. Glattpoliertes, teures Marmor. Darauf entdeckte er eine runde Einkerbung mit einem vertrauten Zeichen, wusste jedoch nicht, woher oder warum er es kannte. Zelda rannte aufgebracht in seine Richtung und schimpfte: „Din, verflucht, das Elixier ist weg. Es hätte eigentlich an diesem Platz sein müssen.“

            „Eigentlich schon, Prinzessin Zelda. Aber nicht, wenn mein Meister mir die Aufgabe übertragen hat, ein Elixier nach dem anderen zu beschaffen.“ Eine bekannte Stimme zischte in dem Gewölbe umher. Reflexartig zog der Heroe sein Schwert aus der Scheide. Dann schaute er sich entsetzt, aber nicht mutlos um. Hinter einer der Säulen kam ein schlanker Kerl mit einem dunklen Umhang zum Vorschein. Er trat näher und legte seine schwarze Kapuze zurück. Giftige, dunkle Augen mit nun einem roten Schimmer schauten aus einem jugendlichen Gesicht hervor. Sowohl Zelda, als auch Link kannten dieses Gesicht. Schwarze Haare hingen darin. Eine böse, barbarische Aura ging nun von einem Menschen aus, der einmal nicht zu der bösen Seite gehörte. Sein Name war einst Preston, doch nun würde ihn niemand mehr mit seinem wahren Namen nennen wollen.

            „Du“, sagte Link, der es gar nicht fassen konnte.

„Ja genau. Ich war vielleicht mal ein Schwächling, aber nun verdanke ich Lord Ganon viele nette Fähigkeiten, du Waschlappen.“ Preston trat näher und sammelte Energie in seiner Handfläche. Ein kleiner Energieball bildete sich und er schmetterte diesen nur kurz neben Link in die Dunkelheit.

„Was willst du, Preston?“ Zeldas Stimme erklang und sie mischte sich nun in das Gespräch ein.

„Na, was wohl. Macht und dich, Puppe.“ Dann begann er zu lachen. Er holte eine kleine Tasche hervor und schüttelte diese.

„Darin befindet sich das Elixier, welches ihr sucht. Holt es euch doch... haha.“ In seiner anderen Hand glühte ein stärkerer Energieball als vorher und er durchbohrte damit den Boden, worauf er den Beutel einfach in die Öffnung warf.

„Nein“, fauchte Link und rannte zu der Öffnung. Sie brauchten das Elixier unbedingt, koste es, was es wolle. Was nun?

„Wenn ich du wäre, würde ich nicht darunter springen. Dort unten liegt noch eine größere Gefahr, als ich es bin... haha.“ Preston fand die Situation wohl total witzig, obwohl es keinen Grund für sein übertriebenes, absurdes Gelächter gab. Wer weiß, was Ganondorf mit ihm angestellt hat, dass er zu einer solch grausamen Kreatur mutierte. 

            Von unten drang derweil ein gefährlich klingendes Geräusch an Links Ohren- dasselbe Geräusch, welches er schon die ganze Zeit ab und an gehört hatte. Also war dies doch nicht nur Einbildung.

„Link, traust du dir zu, darunter zu springen“, sagte Zelda leise. Das erste Mal, dass sie ihn wieder anredete.

„Ja, aber wirst du mit Preston denn fertig?“

Sie lächelte schwach und nickte: „Auch ich habe einige Waffen, von denen er nichts weiß.“

„Gut.“

„Gut.“

Damit sprang Link, zur Überraschung Prestons einfach in die Öffnung. Die Göttinnen hatten Link wohl doch ein wenig zu viel Mut mit auf den Weg gegeben...

            Zelda zog ihr Schwert und war bereit für ein Duell mit Preston. Er hatte ja keine Ahnung, dass Zelda tatsächlich sehr gut mit einem Schwert umgehen konnte. Nein, er wusste nicht wirklich, worauf er sich einließ. Dem zeig’ ich, was eine Prinzessin kann, sagte sie zu sich selbst, um sich Mut zu machen. Sie stellte sich Preston kampfbereit entgegen und hatte einen entschlossenen Blick auf dem edlen Gesicht.

„Wollen wir wirklich kämpfen? Ich dachte, die Sache würde sich anders regeln lassen, Schätzchen. Willst du nicht deinen Link sausen lassen und kommst stattdessen mit mir?“ In Zelda kochte nun Wut. Was zum Teufel bildete sich dieser schmierige Typ überhaupt ein?

„Zu deiner Information: Link und ich sind nur Freunde. Und niemals würde ich mich einem Ekel wie dir um den Hals werfen. Mir wird schon übel von deinem Anblick, Mistkerl!“

            Nach dieser Bemerkung schmetterte Preston einen Energieball nach dem anderen nach Zelda. Ihm platzte der Kragen, aber vor Rasche schaffte er es nicht wirklich einen Treffer zu landen. Preston war einfach zu unkonzentriert, oder es gab einen anderen Grund, weshalb er Zelda nicht treffen wollte? Er benutzte dann beide Hände, hatte in jeder einen Energieball und führte seine Attacken fort. Zelda rannte in dem Gewölbe hin und her, versteckte sich hinter Säulen, ging in die Hocke und hüpfte gelegentlich. Dann schleuderte er statt den Energiebällen plötzlich Kugeln aus Feuer nach ihr. Wieder wich Zelda aus und kam allmählich aus der Puste.

 

Link landete währenddessen auf weichem, warmen Sand. Ein Blick und er erkannte eine gigantische Höhle, in die viele Lichtstrahlen fielen. Wenigstens hatte er eine ordentliche Sicht, wenn hier schon eine große Gefahr lauern sollte. Er hüpfte Beinen und wischte sich erst einmal den Sand weg. Gelassen blieb er stehen, schloss seine Augen, konzentrierte sich und versuchte die näherkommende Gefahr wahrzunehmen, zu spüren, sie zu einem Teil seiner Stärke zu machen. Geschmeidig zog er sein Schwert und bereitete sich auf seinen Gegner vor, den er spürte, aber nicht sehen konnte. Link öffnete seine Augen und schaute sich erneut um. Nirgendwo lag der Beutel mit dem Elixier. Wo war dieser Beutel bloß hin, fragte er sich. Dann begann der Boden zu beben und überall im Sand taten sich gefährliche Löcher auf. Link handelte fix, nahm sich das Seil aus seiner Tasche und warf es nach oben. Er erwischte einen kleinen Felsen und das Seil wand sich darum. Er probierte, ob er Halt fand und hängte sich an das Seil, während weiterhin der Boden aufbrach.

            Ein dumpfes Geräusch aus der Tiefe, ein Rauschen, dann ein Ton, wie eine klappernde Schlange. Und Link wusste, sein Feind näherte sich. Er schwang sein Gewicht durch die Luft, bis er an der nächsten Wand ankam, hielt sich fest und überblickte von da aus seine Lage.

            Jäh stieß ein Kopf mit hässlichen, riesigen Zangen aus dem Boden heraus, der fünfzig mal so groß war wie der von Link, gefolgt von einem schlangenähnlichen Körper, den Link in seiner Größe nicht beschreiben wollte. Es war gigantisch, dieses Vieh, nein mordsmäßig voluminös... und Link hatte keinen Schimmer, wie er dieses Monster besiegen sollte. Als es sich ganz aus dem Sand gebuddelt hatte, wusste Link auch, dass es sich um eine Art Riesenwurm handeln musste, einen Riesenwurm, von dem er die Schwachstelle nicht kannte. Göttin Farore, steh’ mir bei... 

 

Währenddessen hatte Preston seine Attacken auf Zelda beendet. Aus irgendeinem Grund traf er sie nicht. Wenn sie etwas konnte, dann wohl gefährlichen Angriffen entgehen. Ja, auch Zelda war stärker und schneller als es ihr Erscheinungsbild verriet. Außer Puste kam sie zum Stehen und schnappte heftig nach Luft. An Kondition konnte sie mit Link nicht mithalten, das sah sie ein...

„Na, du bist aber ganz schön außer Puste, kleines Prinzeschen. Denkst du an deinen Link? Betest du, er möge kommen und dich beschützen, ja?“ Zelda blickte auf und wurde wütend.

„Halt den Mund“, fauchte sie, „Ich komme auch gut alleine klar. Ich brauche Link nicht, um mich gegen das Böse zu wehren.“ Dann lag etwas in ihrem Blick, was Preston die Wahrheit sagte.

„Dazu vielleicht nicht... aber du brauchst ihn. Das sieht man in deinen Augen und auch Link würde es sehen, wenn er dich lieben würde. Ja, er liebt dich, aber du bist zu stolz um es zuzulassen. Du hast Angst es zuzulassen, nicht wahr?“

Zelda verlor jede Beherrschung und schleuderte Preston mit einer Handbewegung durch das Gewölbe, sodass er an einer Säule aufschlug. „Haha... Ich bin doch nicht blöd, Zelda.“, lachte er und es schien, als machte ihm der harte Aufprall nichts aus. 

            Zelda kämpfte weiterhin mit ihren unsichtbaren magischen Attacken und schleuderte ihren Gegner durch die Halle. Preston nahm es einfach hin und erfreute sich wohl noch daran. Dann fesselte Zelda ihn mit kristallenen, selbsterschaffenden Schellen an eine Säule. Sie ging auf ihn zu und setzte ihm das Schwert an seine Kehle. „Was hat Ganon mit dir gemacht? Antworte!“

„Nichts. Ich bin freiwillig zu ihm gekommen, Puppe. Ein Dienst im Bösen ist tausendmal besser, als tot oder eine willenlose Kreatur zu sein“, sagte er und erfreute sich an Zeldas entsetztem Gesicht. Dann grinste er sie schmierig, fast besessen an. Es verlangte ihm nach ihr und er genoss den nach Rosen duftenden Geruch ihres Körpers. Seine Zunge flatterte über seine aufgepatzte Oberlippe, aber Zelda ließ sich nicht beeindrucken und blieb standhaft. Angewidert starrte sie in seine kranken Augen, in denen nichts als Abscheu lag.

„Du bist eine Bestie und das warst du schon, bevor du zu Ganons Truppen gestoßen bist. Weiß Ganon, dass Link und ich hier sind?“

„Nein, noch nicht, Schätzchen. Er weiß auch nicht, dass du noch lebst... Wenn du mir einen Kuss gibst, dann verrate ich es ihm auch nicht. Aber einen richtigen Zungenkuss... hehe.“

Stattdessen verpasste sie ihm eine gewaltige Ohrfeige, die in der Halle umherschallte und brüllte: „Lieber sterbe ich, du Widerling. Es gibt nur einen, den ich...“ Dann hielt sie schnell eine Hand vor ihren Mund, geschockt über das, was sie gerade sagen wollte.

„Hahahaha... ich wusste es“, jauchzte er. Plötzlich riss er sich aus Zeldas Fesseln los...

 

Link sah sich zu dem Zeitpunkt konfrontiert mit einer von Ganons Riesenbestien und hing immer noch an dem Seil. Das Monster hatte ihn bereits im Visier, auch wenn es lediglich ein Auge besaß, welches auf der Stirn angebracht war.

Es schnellte in seine Richtung, worauf Link sich kräftig mit den Beinen an der Wand abstieß und durch den Raum pendelte. Er ergriff einen kleinen Vorsprung an der gegenüberliegenden Wand und hielt sich wieder fest.

Auch das Ungetüm hatte seine Bewegungen verfolgt und jagte hinterher. Wieder stieß Link sich an der Wand ab, doch ewig konnte es so nicht weitergehen. Er musste es so schnell es ging besiegen. Er sprang von dem Seil, hatte erstaunlicherweise Halt in dem Sand und zog seinen Bogen.

Er sah die Kreatur, wie sie sich durch den Sand auf ihn zu bewegte und spannte einen Pfeil. Links Augen wanderten zu jeder Einzelheit des Körpers der Alptraumkreatur und er wusste nicht, worauf der zielen sollte...

 

Preston griff, noch ehe Zelda sich wehren konnte, an ihre Kehle und schleuderte sie dann durch das Gewölbe.

Ein Schrei zeriss die Luft und Zelda landete unglücklich an einer hinteren Wand. Als sie sich aufrichten wollte, bemerkte sie, dass ihr Knöchel wahnsinnig schmerzte. Vermutlich war er verstaucht. Sie konnte sich jetzt nur noch humpelnd durch die Gegend bewegen. Nayru, bitte lass’ mich nicht im Stich, sagte sie zu sich selbst und zog unter Aufbietung ihrer Kräfte erneut ihr Schwert. Auch Preston hatte nun ein Schwert in der Hand.

„Lass uns den Kampf jetzt richtig beginnen, Puppe. Wenn du verlierst, gehörst du mir und ich mache mit dir, was ich will.“ Zelda umkrallte ihr Schwert stärker und versuchte sich nicht einschüchtern zu lassen, was nicht einfach war. Sollte Preston tatsächlich gewinnen, könnte sie sich auf etwas gefasst machen. Sie stellte sich vor, von seinen dreckigen Pfoten berührt zu werden, fürchtete sich vor dem Gedanken, er hätte sie in seiner Gewalt. Nein, sie würde niemals sein Spielzeug sein. Unbewusst dachte sie in diesem Moment wahrhaftig an Link...

            Preston begann mit einigen kräftigen Hieben, denen Zelda auswich oder die sie mit ihrem Schwert konterte. Ein Glück, dass Impa ihr beigebracht hatte, wie man mit einem Schwert umgeht. Dennoch, mit jeder Minute, die verging, fühlte sie ihre Kräfte schwinden. Wie sollte sie gegen Preston nur lange genug bestehen? Er hatte, als einer von Ganons Vasallen, erstaunliche Kräfte und irgendwie verlor er weder seine Konzentration, noch seine Kraft... beängstigend.

Sie kämpften weiter. Schwerte rieben aneinander. Kampfgeschrei schallte durch die Luft.   

 

Links Pfeil sauste durch die Luft, doch ehe er die Kreatur treffen konnte, versank diese im Boden und dieser begann zu beben. Link verlor das Gleichgewicht und fiel. Er hatte seinen Bogen noch in der Hand. Lautlose Bewegungen unter ihm, spürbar für den Heroen, während er mit dem Rücken einfach auf dem Sand lag und einzelne Lichtstrahlen in der Höhle herumtanzen sah. Dann dachte er kurz an Zelda und hoffte inständig, dass es ihr gut ging.

Wieder fühlte er eine Bewegung unter ihm und schnell rollte sich Link durch den Sand. Einige Klauen der Kreatur schossen wie spitze Fallen aus dem Sand. Überall, wo sich der Heroe kurz aufhielt, stießen messerscharfe Zähne aus dem Boden. Schnell hetzte an eine der Wände. Er lehnte sich mit dem Rücken dagegen und spannte erneut seinen Bogen. Wie in Trance verfolgte er das Geräusch und verließ sich zum Teil auf seine Intuition.

Der Riesenwurm kroch erneut aus dem Sand und schnellte in Links Richtung. So schnell er konnte, feuerte Link seinen Pfeil ab und sah dem Geschoss geistesgegenwärtig hinterher. Diesmal hatte der Lanmolas nicht die Gelegenheit abzutauchen und der Pfeil traf ihn mitten in dem Auge auf der Stirn...

 

Zelda verlor immer mehr ihre Schlagkraft und allmählich stieg Angst in ihr auf. Sie kämpfte, kämpfte mit allem, was sie an Energie noch besaß und schlug auf Preston ein, der nur hämisch grinste. Und doch sah sie ihre Schwäche ein, erkannte ihre Tücken. Sie hatte keine Chance und erkannte in dem Augenblick, wie hilflos sie war, wie schwach...

Ja, sie war dumm, nichtswürdig und unnütz. Immer mehr zweifelte sie an ihrer eigenen Kraft, an ihrer Hoffnung. Warum nur bist du so armselig?

Reiß dich zusammen, Zelda, sagte sie zu sich selbst.

Sie versuchte durchzuhalten und schlug weiter auf ihren Widersacher ein, der jedoch bemerkte, dass Zeldas Angriffe langsamer kamen und mehr Schwäche zeigten.

 

Die Bestie wand sich in der Höhle hin und her, schlug mit dem langen Schwanz alles klein, was sich in der Nähe befand, aber hatte für Link wohl kein Gefühl mehr. Er ergriff das Seil, welches noch von der Decke baumelte und schwang sich damit auf den Kopf des Ungetüms.

Er stach sein Schwert einige Male in den Kopf des Lanmolas und krallte sich dann wieder sein Seil. Siegessicher, aber zu leichtsinnig landete Link neben ihm auf dem Boden und hörte es pfeifend atmen. Doch dann hatte er mit einer weiteren Überraschung zu kämpfen.

Er hörte neben der Atmung des Lanmolas ein weiteres Geräusch. In einer hinteren Ecke lief durch einige reichliche Öffnungen Sand in die Höhle. Auch das noch, dachte Link und machte kurzen Prozess. Er sprang mit dem Schwert auf den Kopf des Monsters und gab ihm den Todesstoß. Es löste sich in Luft auf und hinterließ den Beutel mit dem Elixier.

Beruhigt nahm der gewandte Kämpfer es an sich, verstaute es in seiner Tasche. Doch was jetzt? Hastig überblickte er seine Lage, doch nirgends war eine Tür. Vielleicht an dem Seil hinaufklettern? Nein, es war eindeutig zu kurz.

„Verdammt“, brüllte er und bemerkte nun, wie erschöpft er sich doch fühlte. Er stützte sich kurz auf seine Knie, wischte sich den Schweiß von der Stirn und schnappte nach Luft. Er sah keinen Weg hier lebend herauszukommen... 

 

Preston startete in einem Augenblick von Zeldas Unachtsamkeit eine weitere magische Attacke, sammelte einen Energieball und traf Zelda damit, worauf sie ein weiteres Mal durch das Gewölbe befördert wurde. Dann rannte er mit dem Schwert in der Hand auf sie zu und schwang es hastig. Zelda wich gerade noch nach hinten aus, landete auf dem Boden, aber Prestons Waffe hinterließ eine breite Blutspur an Zeldas linker Wange. In dem Augenblick erkannte sie, dass sie unmöglich gewinnen konnte. Ganons Untergebener hatte zuviel Kraft und Schnelligkeit.

Die Prinzessin startete eine magische Attacke mit letzter Kraft gegen ihn. Alles legte sie in diesen Angriff und hoffte, es würde ihr genug Zeit verschaffen. Zelda sah, wie ihr Feind durch das ganze Gewölbe geschmettert wurde und an der Decke landete.

Die junge Hylianerin stand auf und rannte, so schnell sie konnte, mit aller noch verbliebenen Kraft auf die Öffnung im Boden zu und sprang.

            Preston landete auf den Beinen und sagte zu sich selbst: „Wie du meinst, Puppe, dann sehen wir uns im nächsten Verlies wieder.“ Er schnippte mit seinen Fingern und wurde unsichtbar.

 

Derweil hatte Link wieder Luft getankt und betastete die Wände. Der Spiegel des Sandes stieg unaufhörlich. Sein Blick wanderte zu einer großen Öffnung in dem stabilen Felsengestein, wo viele Lichtstrahlen von draußen hereindrangen.

Plötzlich hörte er einen dumpfen Schlag und blickte schnell in die Mitte der Höhle. Zelda saß kopfschüttelnd mit ihrem Hintern auf einem Haufen Sand. Er rannte zu ihr und bemerkte als erstes die blutige Stelle an ihrer Wange. Er half ihr aufstehen, fragte aber nicht, was passiert war, da ihre Augen ihm mitteilten, wie sehr sie doch genug hatte. Sie brauchte Schlaf, sie brauchte etwas in ihrem Magen und ein Bad.

„Zelda, wir haben ein Problem. Der Sand steigt unaufhörlich und hier führt kein Weg heraus.“ Sie folgte ihm zu der größeren Öffnung in der Wand. Link stand davor und wirkte fertig mit den Nerven. Der Kampf vor wenigen Minuten hatte ihm doch mehr Kraft gekostet als er gedacht hatte.

„Geh’ einen Schritt zurück. Ich versuche mich darauf zu konzentrieren.“ Link tat wie ihm geheißen und sah nur zu. Zelda stand vor der verhältnismäßig kleinen Öffnung und starrte Löcher in die Wände. Das Starren allein nützte aber nicht wirklich was...

Dann schloss sie ihre Augen und hob beide ihrer Arme in die Luft. Das Gestein bekam Risse, aber zu mehr brachte Zelda es nicht mehr. Sie fühlte sich einfach ausgepowert. Sie konnte ihre Konzentration nicht mehr halten und brach auf ihre Knie.

            Immer mehr Sand füllte die Höhle aus und ein Ausgang war nicht in Sicht. Zelda kramte nach dem roten Steinchen in ihrer Tasche und konzentrierte die Kräfte erneut auf die Wand, doch auch diesmal splitterte das Felsengestein nur ein wenig.

„Zelda. Hör’ auf. Das bringt nichts.“ 

„Ich versuche wenigstens unsere Hälse zu retten und stehe nicht bloß sinnlos in der Gegend herum“, schimpfte sie.

Schon wieder fing die Streiterei an.

„Zelda, bitte, ich will mich nicht schon wieder mit dir streiten. Sag’ mir lieber, wie ich dir helfen kann.“

Er kniete zu ihr nieder, sagte aber nichts weiter und blickte ein wenig mutlos zu der kleinen Öffnung. Nach einer Weile hatte Zelda eine Idee.

Sie blickte Link an und sagte leise: „Leihst du mir deine Kraft?“ Der Angesprochene wusste im ersten Moment nichts mit ihren Worten anzufangen und schaute ratlos in Zeldas erschöpftes Gesicht.

„Ich brauche einfach nur deine Kraft, um einen Weg frei zulegen. Oder willst du, dass der Sand uns unter sich vergräbt?“

„Natürlich nicht. Was willst du, dass ich tun soll?“

„Nimm’ meine Hand und versuche deine ganze Kraft gegen die Wand zu lehnen.“ Das tat er ohne Umschweife und stellte sich vor, seine ganze Energie gegen die Wand zu stemmen. Es knisterte, raschelte und viele, viele Risse bildeten sich in der Öffnung. Link schloss seine Augen und fühlte wie innerlich Energie aus seinem Körper herausgezogen wurde. Zunächst war es gewöhnungsbedürftig, dann schon unangenehm und schließlich kostete es neben Überwindung auch Ausdauer und Luft.

            Dann zersprang die Wand vor seinen Augen und er stand auf, überrascht, dass seine Energiereserven wohl groß genug waren. Er lief zur Öffnung und trat hinaus. Befreit atmete er tief ein, füllte seine Lungen mit frischer Luft und drehte sich dann um.

Wo blieb seine Prinzessin denn? Als er zurück blickte, saß sie immer noch dort und Sandhaufen bildeten sich um sie herum. Sie starrte ihn an und der Held begriff nicht, worauf sie wartete.

„Zelda“, sagte er und lief zu ihr. Als er näher trat, schloss sie plötzlich ihre Augen und brach endgültig zusammen. Er zerrte sie aus dem Sand heraus und nahm sie auf seine Arme. Er lief hinaus zu der kleinen Oase und legte Zelda auf eine Decke.

            Die Sonne schien. Dies würde wieder ein heißer Tag in der Wüste werden. Links Augen wanderten zu dem blauen Himmel und dann erneut zu Zelda. Er schöpfte Wasser in eine Schale, befeuchtete ein Tuch und tupfte damit vorsichtig über ihre Stirn.

„Du Dummerchen“, sagte Link. Zelda musste bis zur Erschöpfung gekämpft haben. Dann kümmerte er sich um die Wunde an ihrer Wange und legte ein großes Pflaster darüber. Augenblicklich fiel ihm das Elixier wieder ein und er überprüfte erst einmal den Inhalt der Tasche.

Apropos Preston... ob Zelda ihn besiegt hatte? Er öffnete die Schnürchen an der Tasche und fand das orangefarbene Elixier des Weisen wohlbehütete darin... zum Glück...

Er lehnte sich an eine Palme, direkt neben der Oase und versuchte sich wach zu halten. Wenn Zelda ihre Augen öffnete, müssten sie so schnell wie möglich weg von hier. Wer weiß, welche Gefahren die Wüste noch beherbergte. Sicher ist sicher, dachte Link und schaute noch mal nach der blonden, anmutigen Hylianerin, die erschöpft und tief schlummernd auf der Decke lag. Hoffentlich war sie okay.

 

Nach über einer Stunde hatte sie ihre Augen immer noch nicht geöffnet. Allmählich machte er sich Sorgen und überprüfte ihren Puls. Er legte sanft einige Fingerspitzen an ihren Hals und fühlte ihren Puls deutlich. Verursacht durch Links Berührung zwinkerte sie kurz und öffnete die Augen. Sie setzte sich aufrecht und griff sich an die Stirn. Ihr Kopf schmerzte tückisch.

„Ich bin total am Ende“, sagte sie mit einem komischen Unterton, worauf ihre Worte nur lächerlich klangen. Link setzte sich grinsend neben sie und meinte: „Ich auch. Irgendwie hab’ ich genug von Sand und Monstern...“

„Hast du das Elixier, Link?“

Sein Blick verweilte auf ihr. „Ja, ich hatte zwar eine Menge Ärger mit einem Riesenwurm, aber jetzt hab’ ich es.“

„Das ist schön zu wissen.“ Zeldas Fingerspitzen wanderten zu ihrer Wange und erst jetzt bemerkte sie das Pflaster.

Auch eine Hand von Link wanderte zu dem Pflaster und er sagte leise: „Darf’ ich dich fragen, wie das passiert ist?“

„Das war Preston, dieses Scheusal“, entgegnete sie leicht verdrießlich.

In Links Augen funkelte dann eine Spur Wut, nicht auf Zelda oder Preston, sondern auf sich selbst, weil er zu lassen konnte, dass Zelda verletzt wurde, wenn auch nur leicht. 

            „Danke, Link... für das Pflaster. Ich wusste gar nicht, dass du an so was gedacht hast...“ Er sagte nichts darauf und spürte immer noch einen leichten Groll auf sich selbst.

„Hast du Preston besiegen können“, wollte er dann wissen, worauf sie nur mit dem Kopf schüttelte und dann verlegen drein sah. Da war es wieder... das Gefühl schwach und immer auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Link packte sie sanft an den Schultern und zwang sie dazu in seine Augen zu sehen.

„Ich verspreche dir, dass er dafür schmerzhaft bezahlen wird, Zelda.“ Sie riss sich los und stand auf, wohl zu schnell, denn sie fühlte, wie es schwarz vor ihren Augen wurde. Auch der Schmerz in ihrem Knöchel kam wieder. Aber sie kämpfte dagegen an und hielt sich auf den Beinen.

„Glaubst du, ich könnte ihn nicht alleine besiegen? Denkst du, ich bin schwach und hilflos? Zelda, die kleine Prinzessin muss ja immer beschützt werden, weil sie so hilflos ist. Pass bloß auf, Link, dass ihr niemand ein Haar krümmt... Ist es das, was du denkst?“

            Voller Entrüstung sprang Link ebenso auf und rechtfertigte sich sogleich. „Zelda, jetzt hör mir mal zu!“

„Ich glaube, diese Diskussion hat keinen Sinn.“ Sie macht wieder dicht, aber diesmal ließ er sie nicht einfach entkommen. Er ging auf sie zu und drückte sie sanft gegen eine Palme. Ohne weiteres musste sie ihm jetzt zuhören.

„Zelda... hast du wirklich gedacht, ich hätte dich auch nur für eine Sekunde in meinem Leben für schwach gehalten? Sei ehrlich zu dir selbst, Zelda. Du bist nicht schwach, ganz im Gegenteil. Du bist das stärkste Mädchen, und natürlich die stärkste Prinzessin, die mir je begegnet ist und... gerade das...“ Er flüsterte nun fast. Der Ausdruck in seinen Augen bedeutete, dass er aufrichtig meinte, was er sagte. „... gerade das macht dich einzigartig, gerade deswegen... es ist einer der Gründe warum...“ Er wurde sichtlich nervös und blickte verlegen zur Seite. „... einer der Gründe, warum ich dich brauche...“ Damit ließ er sie los und drehte sich um.

„Du bist nicht schwach, Zelda. Hast du wirklich angenommen, ich würde das von dir denken?“ Das war hart für ihn. Dabei war er so überzeugt gewesen, dass Zelda um seine Gefühle und Gedanken ihr gegenüber Bescheid wusste... Er dachte, sie würde ihn kennen. Wieder kam sie ihm, wie das fremde Mädchen vor, das er niemals festhalten konnte. Sie würde eines Tages wieder ihren Weg gehen und er seinen.

            „Wir sollten weiterziehen.“ Der Satz aus seinem Mund passte zwar nicht zur Situation, aber machte ihr klar, dass er genug hatte von den dummen, nutzlosen, belastenden Diskussionen zwischen ihnen.

            Zelda blickte zu ihm und sah nur die blonden Haarsträhnen am Hinterkopf. Was war nur los zischen ihnen? Warum tat es weh... die Gefühle zu ihm zuzulassen. Es ging nicht um ihren Stolz, oder um ihre Eitelkeit. Zelda wusste nun, warum sie ihm immer wieder auswich. Der Kampf gegen Preston hatte ihr einiges klar gemacht. Nun verstand sie es. Es lag an ihrer eigenen Angst, verlassen zu werden, an ihrer Angst sich aufrichtig zu verlieben. Sie beobachtete ihn weiterhin und irgendwie war er in seinen Gedanken. Ein Hauch Zorn ging von ihm aus. Dann ballte er seine Hände.

            Sie trat leise an ihn heran und lehnte sich an ihn. Link war so geschockt über ihre Reaktion, dass er wie versteinert dastand und sich nicht zu rühren wusste. Sie flüsterte in sein Ohr: „Warum hast du mich denn nicht gebremst?“

Jener konnte nicht mehr klar denken, wusste nicht, wie er reagieren sollte, und fühlte lediglich den schneller werdenden Rhythmus seines Herzens. Was wollte sie? Wovon redete sie? Hab ich was verpasst? Im Augenblick wusste er nur noch, wie man Fragen stellte, aber nicht, wie man darauf antwortete. Gott, schon wieder bringt sie dich lediglich mit ihrer Anwesenheit um Kopf und Kragen. Wie schaffte sie es nur, ihn immer wieder auf diese Art zappeln zu lassen? Verfügte sie vielleicht über so eine Fähigkeit, die Männerherzen zwang alles für sie zu tun, die sie zu hoffnungslosen Trotteln werden ließ? Verdammt, Link, so heißt du doch, oder, beruhig’ dich endlich, sagte er zu sich selbst.  

            „Du hast doch gesagt, du lässt dir etwas einfallen, sollte ich wieder fies dir gegenüber sein“, murmelte sie in den grünen Stoff seines T-Shirts. Es tat gut, seine Wärme zu spüren.

Dann drehte er sich zu ihr um und sagte leise, bemüht nicht zu stottern: „Ich hab’ vergessen, mir etwas zu überlegen.“ Daraufhin lachte sie und lächelte ihn an. „Dann lass’ dir schnell was einfallen, mein Held.“ Auch er rang sich zu einem Lächeln.

„Fühlst du dich fit genug, um den Weg fortzusetzen?“

„Ja, es ist nur...“

„Mmh?“

„Ach nichts...“, sagte sie dann und verschwieg ihm den verstauchten Knöchel.

            Link schlug die Karte auf und nahm      sich seinen Kompass. „Zelda, wollen wir versuchen, die nächste kleinere Ortschaft zu erreichen und uns endlich mal eine längere Verschnaufpause gönnen?“

„Gut Idee. Ich bin, ehrlich gesagt wirklich müde...“

„Ich weiß...“, sagte er und blickte ihr tief in die Augen. Es war das erste Mal seit langem, dass sie diesen Blick erwiderte.

„Darf ich dir etwas verraten? Auch ich bin total am Ende, aber irgendwie kann ich es vor dir kaschieren.“ Sie lächelte sanft und Link gestand sich ein, dass er gerade dieses Lächeln von ihr, die letzten Tage vermisst hatte.

            Auch Zelda blickte auf die Karte und fand eine kleine Ortmarkierung: ein Gerudodorf. Ja, das wäre eine gute Übernachtungsmöglichkeit. Somit stapften sie weiter, allerdings sehr mühsam und langsam.

 

Gegen Abend erreichten sie das Dorf und hatten die Wüste bald hinter sich. Sie machten es sich in einem kleinen Häuschen bequem und setzten sich gemeinsam vor einen kleinen Kamin. Beide hatten eine Schüssel mit irgendeiner Büchsensuppe in der Hand und beide starrten nachdenklich in das Feuer. Zelda stand auf und spürte wieder den Schmerz in ihrem Knöchel. Sie humpelte schräg zur Seite und fiel direkt in Links Arme, der sie daraufhin festhielt.

„Ist wirklich alles okay mit dir?“ Und Zelda konnte es ihm nun nicht mehr verschweigen.

„Während des Kampfes mit Preston habe ich mich am Knöchel verletzt. Ich wollte es dir nur nicht unbedingt sagen, weil...“

„... weil du dachtest, ich würde dich für schwächlich halten?“ Er zog eine Augenbraue nach oben. Zelda nickte und löste sich aus seiner Umklammerung.

„Warum hast du denn nicht gleich was gesagt?“ Er kramte in seinen Sachen herum und hatte eine lange Tube mit einem kühlenden Gel in der Hand. Verblüfft schaute sie auf seine Hände.

„Äh... was wird das?“

„Soll’ ich dir vielleicht den Fuß massieren? Das ist eine Art Schmerzsalbe“, sagte er mit einem liebevollen Grinsen. Es würde ihm wirklich Spaß machen... vielleicht noch mehr als das...

Seine Hintergedanken erzählten ihm davon, dass er auf diese Weise Zelda vielleicht endlich überzeugen konnte, dass sie sich fallen lassen konnte und er für sie da sein würde.

            Sie nickte ausgesprochen scheu und Link betrachtete sich wie verhext den geschwollenen Fuß.

„Tut das weh?“ Und er betastete den Knöchel, fast zärtlich. Es tat im Moment nicht weh, da Links Berührungen jeglichen Schmerz überschatten konnten. Ja, es gefiel Zelda, was sie natürlich keineswegs eingestehen würde. Seine Hände waren warm, einfühlsam. Unbewusst sehnte sie sich nach mehr von seinen Berührungen und wusste doch, wie dumm ein solcher Gedanke war.

            Nach einer Weile hatte er den gesamten Fuß mit der Salbe eingedeckt und sie saßen wieder schweigend nebeneinander.

            Link drehte sich zu Zelda und sie wand ihren Kopf zu ihm. Sie öffneten beide ihre Münder und wollten etwas sagen, unterbrachen sich aber gegenseitig. „Ähm, fang’ du an, was wolltest du sagen, Zelda?“

„Nicht so wichtig, fang’ du an.“

„Nööö, Ladys haben das erste Wort.“ Ein sanftes Lächeln auf seinem Gesicht ließ sie rätseln, was er gerade dachte.

„Es geht um Preston. Er hat Ganondorf aus irgendeinem Grund nichts über unseren Aufenthalt hier erzählt. Das ist merkwürdig, findest du nicht?“

„Zelda,  es geht ihm um dich...“ Sie sah ihm genau in seine Augen. „Er ist besessen von dir. Er würde alles tun, um dich zu...“

Sie legte ihre Fingerspitzen auf seine Lippen und schüttelte mit dem Kopf. „Lass’ uns nicht darüber reden. Ich möchte jetzt wirklich nicht daran denken, was er von mir will.“

Woran denn dann, fragte sich Link und begriff mal wieder gar nichts. Sie bewegte sich auf ihn zu und hatte immer noch ihre Fingerspitzen auf seinen Lippen liegen. Auch ihr Blick verweilte inzwischen darauf.

„Zelda...“, murmelte der Heroe melancholisch. Was ging nur im Augenblick in ihr vor? Link hätte so ziemlich alles getan, um in ihre Gedankenwelt Einsicht zu bekommen, aber das würde möglicherweise nur eine Wunschvorstellung bleiben.

Verlegen wich sie zurück und starrte erneut ins Feuer. Beinahe hätte sie nicht nur ihre Kontrolle über sich selbst, sondern auch ihren Verstand verloren.

            „Was wolltest du noch gleich mal wissen, äh, ich meine vorhin“, sagte sie, um von der Situation abzulenken. Link schaute zwar zuerst irritiert, sagte aber dann: „Also, es geht um Mortesk, Zelda. Ich wollte wissen, was genau damals passiert ist. Wie ist er aus dem Gefängnis entkommen?“ Es musste etwas wichtiges geschehen sein, dass sie nicht darüber reden wollte, aber er war eben doch zu neugierig...

„Das ist eine lange Geschichte, aber ich erzähle sie dir gerne“, meinte Zelda. „Es ist sicherlich von Bedeutung für dich.“ Damit begann sie ihm die Vorfälle der Vergangenheit teilweise zu schildern. 

 
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