Kapitel 32
 

 

Kapitel 32

 

 

 

 

Einige Monate waren verstrichen. Zelda, die liebliche Prinzessin aus Hyrule mit dem katastrophalen Dickschädel, der ihren Vater eines Tages ins Grab bringen würde, saß an einem kleinen Schreibtisch in ihrer persönlichen Bibliothek.

Ihren Blick und ihre Gedanken in einen dicken Wälzer vergraben, blieb sie wieder einmal die ganze Nacht wach. Es war hoffnungslos, Zelda etwas verbieten zu wollen oder ihr königliche Manieren beizubringen...

Sie war die zukünftige Herrscherin des Landes, sicherlich, aber mit keiner anderen Königstochter vergleichbar. Zelda hatte ihre ganz eigene Art der Anmut, die auf viele faszinierend wirkte. Sie besaß Grazie wie auch Charme, aber war dennoch ein Wildfang.

Einige Kerzen standen auf einem kleinen Schreibtisch, ein Kamin spendete Licht und Wärme und einige Öllampen in den Gängen von Zeldas Bibliothek warfen ihr Licht durch die Reihen. Sie gab es nicht zu, aber irgendwo tief in ihrem Herzen fürchtete sie sich vor der Dunkelheit, auch wenn sie jene Angst zu betäuben wusste. Zu dem Zweck gab es in Zeldas Gemächern immer genügend Lichtpunkte, die das Einnisten von dunklen Kreaturen unmöglich machte.

            Sie hatte nach einer mühsamen, nervenaufreibenden Suchaktion im ganzen Schloss das Buch ihrer Träume wieder in die Finger bekommen. Ihr Vater hatte es in seinen Gemächern vor ihr versteckt und Zelda war des Nachts heimlich dort herumgegeistert... Zelda hatte immerhin Erfahrungen, sich so unauffällig wie ein Schatten zu benehmen. Teilweise Impas Schuld.

            Aufmerksam las sie sich die alten, abgenutzten Seiten des Buches durch und schlug in einem weiteren Buch die Bedeutung von alten Schriftzeichen nach, die zum Teil nicht bekannt waren. Sie seufzte, stand auf und streckte sich. Wie spät war es eigentlich? Sie gähnte herzlich und lief einige Schritte. An einem hohen Fenster blieb sie stehen, genoss die frische und doch milde Luft, die von der Steppe herwehte. Wiedereinmal erfreute sie die friedliche Stille in Hyrule. Frieden. Und nichts würde ihr diesen Frieden wieder wegnehmen... daran glaubte sie, darauf vertraute sie, so wie auf ihren eigenen Herzschlag. 

            Dann wurde es doch ein wenig zu kühl und Zelda erinnerte sich, dass Links Umhang sich noch irgendwo in ihren Zimmern befand. Sie betrat ihr Schlafgemach und durchwühlte einige Schränke. Wo hatte sie den bloß hingepackt? Dann fiel ihr ein, dass eines der Zimmermädchen den Umhang womöglich mitgenommen haben könnte, oder gar weggeworfen hatte. Zelda vergaß den Gedanken und durchsuchte noch eine alte, große Truhe. Da war er ja: Links abgetragener Umhang. Sie legte sich diesen um und verschwand wieder in der Bibliothek.

            In einigen Tagen stand das Fest des Friedens an- ein Fest ohnegleichen. Zeldas Vater und der Bürgermeister der Hauptstadt Hyrules waren schon eifrig mit den Vorbereitungen beschäftigt. Auch Zelda freute sich auf diesen Tag, wäre da nicht... Ach, sie wollte im Moment nicht daran denken. Sie blätterte weiterhin in dem Buch herum und las bis zur Erschöpfung. Ihr Körper brauchte Schlaf, aber Zelda versuchte, sich wach zuhalten. Irgendwann spät nach Mitternacht war die Prinzessin auf einer Abbildung des Medaillons der Mächtigen eingeschlafen.

 

Im Traum stand Zelda in einer merkwürdigen, kleinen Kathedrale. Es handelte sich nicht um die Zitadelle der Zeit und überhaupt hatte sie jenen Ort noch nie gesehen. In ihrer Hand hatte sie das Medaillon der Mächtigen- eine Reliquie aus alter Zeit mit unbekannten Kräften. Sie lief langsam in Richtung des Altars, wo neben einem schwarzen Bild ohne Sinn ein Thron stand. Unmöglich, es war der Thron ihres Vaters... und doch schien der Ort vor Kälte und Grausamkeit zu ersticken. Sie schaute an ihrem Kleid hinab und erkannte darauf Blutflecken... was um Hyrules Willen passierte hier? Getrocknetes Blut... Schauer des Bösen... Boten des Todes...

Sie warf erneut einen Blick auf das Medaillon, aber es sah so anders aus, als auf den Abbildungen in den alten, verstaubten Büchern. Das goldene Triforcezeichen war ausgefüllt von Steinen und es fühlte sich an, als ob etwas in dem Medaillon pulsierte. Dann wurde ihre Aufmerksamkeit von dem Medaillon weggelenkt, denn sie spürte einen gewaltigen Stich in ihrer linken Brust, als ob ihr das Herz herausgerissen worden war, als ob ihr jemand das genommen hätte, was ihr alles bedeutete. Ein Stich, unhaltbar und schrecklich, als ob jede Faser ihres Herzens sich anspannte, aus Angst, das Kostbarste überhaupt würde enden.

            Die Wände in der Kathedrale verschwammen, alles wurde durchsichtig, dann wieder neblig, ihre eigene Realität schien vor den Sinnen auseinander zugehen. Sie brach erschöpft auf ihre Knie, wusste nicht, was hier passierte und entdeckte nirgendwo irgendjemanden. Sie fühlte sich so kraftlos. Dann bedeckte schwarzes Blut das Medaillon in ihrer Hand, aber es war nicht ihr eigenes Lebenselixier, welches sich darauf verteilte und das Medaillon erwärmte sich, wurde noch lebendiger als zuvor, entfachte eine gewaltige Kraft. Doch Zelda verstand nicht... was geschah mit dem Medaillon? Wessen Blut aktivierte es?

 

Zelda schlief immer noch, nicht bereit aufzuwachen und der Traum würde leider nicht in ihrem Gedächtnis bleiben. Eine schlanke Gestalt trat über eines der Spitzbogenfenster in das kleine Reich der Prinzessin ein. Er hatte einen Enterhaken benutzt und zusätzlich ein Unsichtbarkeitselixier getrunken, um nicht von den Wachen, die ohnehin nicht gut genug für den Schutz der Königsfamilie sorgten, bemerkt zu werden. Selbst sichtbar hätte er es ohne weiteres geschafft unerkannt zu bleiben. Des weiteren hatte er es nicht nötig wie ein Verbrecher in Zeldas Gemächer zusteigen... aber es machte ihm eben immer noch zuviel Spaß...   

            Er öffnete das Fenster von außen und betrat eine gemütliche Wohnstube. Licht kam aus Zeldas kleiner Bibliothek, worauf er dem warmen Schein folgte. Er fand seine Prinzessin schlafend auf einem dicken Wälzer.

Mit einem hinterhältigen Grinsen wollte er sie zunächst unliebsam aus ihren Träumen reißen. Aber dann schlug er sich die Idee wieder aus dem Kopf.

Nanu? Sie trug ja seinen Mantel...

Verwundert murmelte er ihren Namen: „Zelda? Schläfst du wirklich?“ Keine Reaktion.

„Zelda. Jemand ist in deine Gemächer eingebrochen“, sagte er dann ein wenig lauter. Erneut keine Reaktion. Das dumme Grinsen auf seinem Gesicht wurde breiter. Im Moment könnte er sich wohl jeden Spaß erlauben.

„Zelda, du hast das Fest des Friedens verschlafen.“ Sie nörgelte nun im Schlaf so etwas wie: „Geh’ weg“, und drehte ihren Kopf auf die andere Seite. Nach einer Weile gab sie wieder keinen Laut von sich.

„Zelda.“ Er überlegte, wie konnte man eine Prinzessin wie sie nur ärgern? Er grübelte nach und strich mit seinem Zeigefinger über sein Kinn.

„Stellt Euch vor, Ihr heiratet morgen“, meinte er und hörte eine Art Schimpfen aus Zeldas Mund, aber sie träumte wohl nur.

            „Gut.“ Er beugte sich über sie und betrachtete sich das edle Gesicht. Wie wunderschön Zelda doch war und jetzt, da sie schlief, kam sie ihm einfach nur wie ein perfekter, umwerfender Engel vor. Er sah die rosa Wangen, ihre blonden Haarsträhnen, die teilweise in ihr Gesicht fielen und die weichen Lippen.

            „Zelda. Wenn du nicht aufwachst... dann...“ Ob er es wagen sollte? Sein Lächeln wurde milder und das dämliche Grinsen verschwand. Wärme lag nun in seinem Blick und eine Spur Traurigkeit. Er wusste nicht, was dieses Gefühl in seinem Herzen bedeutete. Er kannte es bisher nicht. Der Grund war wohl in der Vergangenheit zu suchen, denn trotz allem, ungeachtet seines reinen Herzens, obgleich er viele Menschen glücklich gemacht hatte, so hatte ihm niemand beigebracht, wie man Gefühle wie diese nannte...  

Niemand hatte ihm beigebracht, was Liebe war...

            Er streichelte über Zeldas linke Wange, erstaunt über die Sanftheit ihrer Haut und der Empfindung an sich.

„Zelda? Wenn du aufwachst, dann schenke ich dir etwas“, sagte er leise. Keine Reaktion. Mit Geschenken konnte man Zelda wohl nicht beeindrucken. Wie viele Geschenke bekam eine Prinzessin eigentlich zum Geburtstag? Schnell vergaß er den Gedanken. War ja egal, zumindest im Augenblick...

„Und wenn du nicht erwachen willst, dann... dann...“ Er blickte sie weiterhin an und hatte einen Hintergedanken.

            Er nahm sie auf seine Arme, noch immer machte sie ihre Augen nicht auf. Vorsichtig trug er die schlafende Prinzessin aus der Bibliothek heraus, durchquerte mit ihr einen riesigen Aufenthaltsraum, trat leise in ihr Schlafgemach ein und legte sie in ihr weiches Himmelbett. Er blieb eine Weile neben dem Bett sitzen und beobachtete sie durch die Dunkelheit.

„Du willst also nicht aufwachen, Zelda... und wenn...“

Er beugte sich näher, vielleicht ein wenig zu nah.

„Ich gebe dir einen Kuss, wenn du nicht aufwachst“, flüsterte er. Inzwischen war ihm viel daran gelegen, sie nicht aufzuwecken.

Es schien ihm, als ob Zeldas Mundwinkel sich unbewusst nach oben zogen, als wollte sie sagen: „Wehe, du wagst es. Ich könnte dich für eine solche Frechheit hängen lassen.“ Aber selbst das nahm er in Kauf.

            Er streichelte über die roten Lippen, vergaß alles um sich herum, sogar seinen Kopf, der dafür rollen könnte. Er näherte sich ihren Lippen, bis er diesen so nah war, dass er seine Augen schloss. Sein Herz pochte so stark wie noch nie zuvor. Noch nicht einmal im Kampf gegen die widerwärtigste Alptraumkreatur war seine Aufregung so groß gewesen.

            Er berührte ihre Lippen mit den seinen, verstand nicht, warum er das tat, aber es fühlte sich so wunderbar an. Er fühlte sich so lebendig und gleichzeitig zu schwach. Seine Lippen bewegten sich ausdauernd über ihre hinweg, wanderten zu den Ecken ihres Mundes. Süß... so süß. Er fühlte den Wunsch, sie würde erwidern, auch wenn dies immer ein Traum bleiben würde und genoss weiterhin den Augenblick.

Wie nannte man dieses Gefühl? Er wollte sie berühren und nie wieder gehen lassen. Er brauchte sie...

Ein letztes Mal liebkoste er ihre Lippen und öffnete seine Augen, als er von ihr abließ.

Ein leichtes Rot zierte seine Wangen, schnell stand er auf.

            Zum Teufel! Bist du wahnsinnig? Was tust du hier? Gibt es nichts Wichtigeres? In Gedanken betete er zu seiner Schutzgöttin, sie möge ihn für diese Unverfrorenheit in das tiefste Verlies sperren und nie wieder herauslassen.

Verdammt, du Held, bist du noch bei Trost? Du hast die Prinzessin geküsst! Du hast... bei Nayrus blauem Haar, wie konnte das passieren? Er stolperte, total aus dem Gleichgewicht gebracht, zu der Balkontür. Er schlug sich auf die Stirn, da er den eigentlichen Grund seines Erscheinens verdrängt hatte und lief zu Zelda zurück. Aus seiner Tasche nahm er eine Kette. Er legte die Kette mit einem großen Anhänger direkt auf Zeldas Bettdecke, sodass sie diesen am Morgen nicht übersehen konnte.

            Rotwerdend blickte er sie noch einmal an, wurde nervöser, schluckte seine Anspannung herunter und merkte jetzt erst, wie warm es ihm doch war. Er öffnete seinen Kragen und hechtete wie ein bescheuerter Blindgänger auf die Balkontür zu. Seine Sinne funktionierten wahrscheinlich nicht mehr und irgendetwas anderes an ihm musste ausgesetzt haben. Vielleicht konnte man es auch als die Strafe seiner Schutzgöttin bezeichnen, denn irgendwie hatte er vergessen, dass immer noch eine dicke Glasscheibe zwischen ihm und seinem Weg nach draußen stand. Er rannte auf den Balkon zu und landete mit einem unangenehmen Knacken an der Glasscheibe. Aua... aua...

            Noch immer mit dem Gesicht an der Glasscheibe klebend, musste er sich eingestehen, dass er wahrhaftig dämlich, bescheuert, tölpelhaft und geistesarm sein musste, sonst hätten einige seiner Gehirnzellen ihm doch die Gnade und Mildtätigkeit erwiesen, ihn auf die, sicherlich nicht unübersehbare, Glasscheibe aufmerksam zu machen.

            Nach einigen besinnlichen Sekunden befreite er sich von der Glasscheibe, rieb sich seine betroffene Wange und öffnete die Balkontür. Ihr Götter, was hab’ ich nur getan, seufzte er und lief auf das Geländer zu. Doch auch hier sollte das Unglück seinen Lauf nehmen. Er machte eine Bewegung zufiel, als er sich über das Geländer lehnte und wäre beinahe abgerutscht. Da wir schon vom Abrutschen sprechen...

            Als der sogenannte: ,Held’, sich seiner Selbst erinnernd und allmählich wieder Kontrolle über seinen Körper verspürend, die Ranken hinabklettern wollte, hatte er aus uneinleuchtenden Gründen vergessen, wie man zugreift. Man könnte es auch einen unbewussten Drang, sich für seine Frechheit selbst zerstören wollen bezeichnen... auf jeden Fall rutschte er wie ein Waschlappen an der Schlossmauer hinab und landete zu allem Überfluss in einem Brunnen irgendwo im Schlossgarten. Er schaffte es, obwohl er sich auch noch den Kopf gestoßen hatte, diesen aus dem Wasser zu befreien und lugte mit grünen Algen auf dem blonden Haarschopf aus dem Brunnen heraus.

„Ja, Ihr Göttinnen, ich habe Unrecht getan... bestraft mich“, murmelte er.

            Seinem Wunsch wurde herzlich entsprochen... Auf einmal kamen die Lichter von Fackeln auf ihn zu und laute Stimmen teilten ihn mit, dass die Schlosswachen, ausnahmsweise mal aufmerksam genug waren und ihn auf frischer Tat sozusagen erwischten.

Er hatte erst gar nicht die Gelegenheit sich zu wehren und wurde in Handschellen abgeführt und in den Kerkern des Schlosses neben anderen Gefangenen eingesperrt. Tja, dumm gelaufen. Das waren die bitteren Folgen eines einfachen Kusses, den man der Prinzessin gegeben hatte...

            Der kleine, sechzehnjährige Held befand sich in einer Zelle mit mindestens zehn anderen Sträflingen. Keiner von denen sah so harmlos aus wie er und jeder glotzte ihn an, als wollte er ihn ausrauben, obwohl sie alle im gleichen Boot saßen.

„Hey, Jungchen.“

Link saß auf einer Holzkiste und blickte zuerst nicht auf, als irgendein Glotz ihn ansprach.

„Hey, Jungchen.“ Dann stand ein schwerer Muskelprotz vor ihm und schaute ihn missgelaunt an. Link blickte, zugegebenermaßen ein wenig desorientiert auf, da er andere Dinge im Kopf hatte, als sich mit diesem Abschaum abzugeben.

Er sah einen kräftigen Kerl, mit einer braunen, zerflederten Weste, einer knielangen, ungewaschenen Hose vor ihm stehen.

„Ich rede mit dir, du Bengel“, schimpfte er und erst jetzt erkannte Link, dass er eine Fahne hatte. Irgendein starkes, hylianisches Gebräu hatte ihm wohl den Ärger in der Gefängniszelle eingebrockt: „Was hast du an Wert bei dir? Glucks...“

            Link seufzte und ignorierte ihn. Wieder blickte er nachdenklich aus der Gefängniszelle und überlegte, was er sinnvolles tun könnte.

            Dann wurde er unsanft von der Kiste heruntergeschupst. Er schüttelte seinen Kopf und blickte benommen nach oben. Nun standen schon drei komische Typen vor ihm und lachten ihn aus. Was zum Kuckuck war denn so komisch?

„Wo trägt man eigentlich so etwas? Im Urwald? Haha...“, sagte ein fetter Kerl mit einem Bierbauch. Die Typen provozierten wahrlich Ärger.

„Dort, wo du zu einer kleinen Pflanze wirst, auf die ich aus Versehen treten könnte“, sagte Link mit einem finsterem Blick in den Augen. Er hatte zwar keine Lust auf Ärger, aber Frechheiten wie diese konnte er nicht auf sich sitzen lassen. Erst Recht, wenn man ihn wegen seines Outfits beleidigte. Link war wirklich stolz auf seine grüne Tunika und noch stolzer auf seine moosgrüne Mütze.

            „Du wirst auch noch frech“, brüllte der Kerl. Er wusste ja nicht, mit wem er sich anlegte. „Muss ich dir erst Manieren beibringen, du Bengel“, meinte er und holte mit seiner Hand aus, um ihm eine Ohrfeige zu verpassen. Aber Link war flinker und hüpfte außer Reichweite.

„Du sollst deine Taschen ausleeren, habe ich gesagt.“ Doch der Heroe tat weiterhin nicht dergleichen.

Stattdessen hielt er die linke Hand an sein Ohr und fragte: „Wie war das? Ich glaube, ich habe dich nicht verstanden.“

Der Kerl ging haltlos auf ihn zu und wollte Link erneut eine verpassen. Wieder wich er aus und rollte sich über den Boden.

            Währenddessen mischten sich weitere Gefängnisinsassen in den Kampf ein und stellten sich auf die Seite des betrunkenen Kerls. Zwei Typen packten Link an den Oberarmen. Ein weiterer durchwühlte seine Taschen, fand aber leider nichts. Allmählich platzte dem Helden der Kragen und er riss sich empört los.

Sein Geduldsfaden war am Ende; und er spürte Wärme auf seinem linken Handrücken. Es passierte schon wieder. Immer, wenn Wut in ihm kochte, begann sein Triforcefragment zu glühen. Es lag wohl daran, dass er die Macht des Mutes nicht richtig kontrollieren konnte.

            Jetzt ließen die Kerle ihn überraschenderweise los, denn ein schwaches Licht erhellte das Verlies.

            Fast respektvoll bildeten die Typen einen Kreis um Link, der mit einem standhaften Blick aufsah und sagte: „Wenn ihr mich weiterhin nervt, passiert noch was Schlimmeres. Also, lasst mich in Ruhe, dummes Pack.“ Oh ja, er konnte manchmal überheblich sein und ein wenig zu sehr angeben. Dennoch machte es Spaß.

            Auch die Wachen außerhalb der Zelle bemerkten nun, dass etwas nicht stimmte, da das Triforcefragment immer noch sein helles Licht preisgab.

„Hol’ den Kommandanten“, sagte einer, worauf ein junger Bursche eilig davon sprintete. 

 

Wenig später kam nicht nur der Kommandant, sondern auch jemand, mit dem niemand gerechnet hatte. Die Prinzessin persönlich hastete mit einem einfachen Kleid und einem roten Umhang die Treppen hinab. Sie schaute in die Zelle, vorbei an schmierigen Verbrechergesichtern, direkt in Links tiefblaue Augen, der nur dämlich und unschuldig grinste.

            „Lasst ihn sofort frei. Seit wann sperrt ihr betrottelten Wachen den Helden der Zeit ein. Tickt ihr noch ganz richtig?!?“ Zelda fauchte und angesichts dem gefährlichen Klang ihrer Stimme, verstand ein Beobachter die verzweifelte, nervöse Reaktion der Wachen.

„Schließt die Gefängnistür auf der Stelle auf. Sonst seid ihr euren Posten los. Aber dalli. Wird’s bald.“ Sie streckte ihren Zeigefinger nach vorne und ordnete an.

Zwei, drei Wachen begaben sich in Richtung der Kerkertüren und öffneten die großen Eisenschlösser.

            Die Türen standen offen. Nicht nur für Link, sollte man annehmen. Einige Kerle sahen darin die Gelegenheit. Ein ziemlich magerer Kerl mit schwarzen Haaren und stechenden glühenden Augen, der sich bisher zurückgehalten hatte, lief langsam nach vorne und hatte plötzlich ein Messer in der Hand. Er überwältigte in Kürze eine der Wachen und lief in Prinzessin Zeldas Richtung. Sie wich so schnell sie konnte nach hinten und erkannte die Gefahr. Verzweifelt suchte sie nach einer Verteidigungsmöglichkeit, fand aber keine.  

            Inzwischen stürmten die restlichen Gefangenen aus dem Raum und die Lage wurde unüberblickbar. Der Kommandant und die restlichen Wachen hatten die Hände voll zu tun mit den Kerlen, dass niemand mehr auf Prinzessin Zelda Acht geben konnte.

Sie wich immer noch zurück und stand an eine kalte Mauer gelehnt, während der Typ, der in Zeldas Augen etwas dämonisches an sich hatte, mit dem scharfen Dolch auf sie zu lief.

            „Hehe... Prinzeschen. Mein Meister wird sich freuen, wenn ich dir dein hübsches Gesichtchen zerschneide... hehe.“ Sein Meister? Von welchem Meister redete er?

Er war keinen Meter mehr von Zelda entfernt, nahm den Dolch und überlegte es sich anders. „Aber nein, ich bringe dich gleich zur Strecke, dann wird doch das Siegel des Großen Ganondorf nicht mehr halten, oder?“ Er holte aus.

Zelda sah nur noch den scharfen Dolch, der wie eine eiskalte Hand aufblitzte. Sie drehte ihren Kopf zur Seite, kniff die Augen zu und betete.

            Sie  bemerkte einen leichten Luftzug, einen warmen Körper vor ihr und vernahm dann einen lauten Schrei. Sie traute sich ihre Augen wieder zu öffnen. Auch wenn ihr die Angst ins Mark fuhr, als sie begriff, wessen Schrei in den Kerkerhallen umherschallte. Link stand mit dem Rücken vor ihr, mit ausgestreckten Armen und schien gegen irgendetwas anzukämpfen.

Der Kerl blickte verstört und überrascht zu Link, als ob er überlegen müsste, was eigentlich passiert war und was er getan hatte. Dann brach der Heroe auf die Knie und der Typ wollte davonrennen.

            „Bleib’ stehen“, seufzte Link unter Schmerzen. Zelda stand immer noch an die Mauer gelehnt und ließ sich zu ihrem Seelenverwandten auf den Boden sinken. Eine Flut der Gedanken rollte über sie, bevor sie die Lage begriff.

            „Link? Was hast du getan“, sagte sie.

Der Held der Zeit schnaubte nach Luft, kreischte erneut laut auf und hatte plötzlich einen blutbeschmierten Dolch in der Hand. Er schleuderte den Dolch mit aller übrigen Kraft nach dem Kerl und traf ihn am Bein.

Er blieb stehen und drehte sich um, verzog aber nicht eine Miene: „Mein Name ist Mortesk. Merk’ ihn dir. Eines Tages bringe ich dich um.“ Dann rannte er durch das Getümmel davon. Link aber sackte nun vollkommen in sich zusammen.

            „Link“, sagte Zelda und kämpfte gegen ihre aufkommenden Tränen. Sie drehte ihn auf seinen Rücken und erkannte eine Stichwunde in seiner rechten Brust. Die Wunde hörte gar nicht mehr auf zu bluten. Schweißperlen glänzten über Links Gesicht, als er kurz und flach atmete. Er hatte seine Augen noch geöffnet, auch wenn er verschwommen sah.

„Link...“ Nun entkam aus Zeldas Mund ein leichtes Winseln. „Du Dummkopf.“

Er entgegnete ihr mit einem seiner charmanten Lächeln und seufzte heisern: „Das ist der Preis... um dich zu beschützen... Prinzessin von Hyrule...“

Sie nahm ihn in ihre Arme und begann hemmungslos zu weinen.

            Währenddessen hatten die Wachen die Lage unter Kontrolle und standen ergriffen in den Kerkerräumen.

 
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