Kapitel 36
 

Kapitel 36

 

 

 

 

Im alten, gesegneten Hyrule, löste die Sonne gerade grell scheinend den Mond am Firmament ab. Auf dem Markplatz in der Hauptstadt herrschte reges Treiben und neue Händler versammelten sich um ihre Waren anzubieten.

Impa lief gerade durch die Menschenmassen und obwohl es noch früh war, gab es viel Gelächter und heitere Gesichter.

            „Hey, Lady Impa. Seid ihr wieder auf der Suche nach einer kleinen ausgebüchsten Prinzessin?“ Die stolze Shiekah drehte sich nach der Stimme um und erkannte den Handwerkermeister Mutoh mit seinen Gesellen, die gerade eine kleine Bühne inmitten des Marktplatzes aufbauten.

Impa zog ihre Mundwinkel nach oben und sagte: „Nein, heute nicht, Mutoh. Aber wer weiß, lange dauert es sicher nicht und ich muss sie wieder einfangen. Wie laufen eigentlich die Vorbereitungen für das Fest des Friedens?“ Oh, ja. Das Fest des Friedens... ein sehr wichtiger Tag, denn die Geschöpfe Hyrules feiern an diesem die Vernichtung Ganons. In gewisser Weise feierten sie gerade an diesem Tag nur eine Person...

„Ach, Impa. Die Vorbereitungen laufen mies. Das ist es zumindest, was ich von dem Bürgermeister hörte. Er soll ganz aus dem Häuschen sein.“ Eine weitere Person mischte sich in das Gespräch ein. Die Gemahlin des Bürgermeisters Elvira persönlich war ebenfalls zugegen. Eine kleine rundliche Frau mit kurzem, kupfernem Haar und dem breitesten Grinsen überhaupt.

„Das ist richtig. Wir alle sind im Stress. Aber was macht Ihr eigentlich hier, Impa.“

„Nur einige Aufträge von Prinzessin Zelda höchstpersönlich. Ich soll eine Tunika für einen Freund von unermesslichem Wert bei Hyrules bestem Schneider anfertigen lassen.“

„Sind die Gerüchte denn wahr, dass sich der Held der Zeit im Schloss befindet?“

            Nach dieser Bemerkung drehten etwa zwanzig Leute ebenso ihre Köpfe um und blickten erstaunt in die Richtung, aus der die Worte kamen. Impa lächelte in sich hinein und schloss die Augen.

„Ja, das ist richtig. Lange könnte es wohl bei der Neugier des hylianischen Volkes kein Geheimnis bleiben.“ Sie entfernte sich vom Marktplatz und bog in einer Seitengasse ab.

Heftige Diskussionen entbrannten auf dem Marktplatz und weitere Gerüchte wurden in die Welt gesetzt. Was der Held wohl im Schloss machte? Es dauerte lange, bevor die Hylianer wieder ihren Tätigkeiten nachgingen und der sogenannte Held aus ihren Gedanken verschwunden war. Einige stellten ihn sich wohl als kräftigen, muskulösen Typen mit riesiger Körpergröße vor... die meisten hatten wohl keine Ahnung, dass er augenscheinlich wie ein gewöhnlicher Jugendlicher wirkte. Zugegeben, Link war außerordentlich stark für sein Alter, aber wie ein übertriebener Muskelprotz sah er eben nicht aus. Ebenso bedachte keiner, das er noch jung war, vielleicht zu jung für seine Masse an Heldentaten. Und doch war er bereits jetzt schon eine lebende Legende.

            In einigen Tagen sollten die Festspiele, das Theater und weitere Kunststücke zu bewundern sein. Doch auch die Schauspieler waren bisher nicht angereist und es gab noch Unmengen von Arbeit, die nur darauf wartete, erledigt zu werden. Jeder freute sich auf diesen Tag, besonders auf das magische Feuerwerk am Abend. Einmal mehr wollte jeder Bürger den Frieden im wunderschönen Hyrule genießen und die Seele ganz baumeln lassen.

            Auch im Schloss gab es wildes Durcheinander. An dem Tag des Friedens sollte ein Ball von unbeschreiblichem Ausmaß stattfinden. Doch auch bei diesen Vorbereitungen hatte des Chaos die Oberhand. Dem Koch fehlten allerlei Hilfskräfte, Essensvorräte, Gewürze und Fässer mit Hyrules bestem Gebräu. Der schmale, verrückte Dirigent Alfonso war dabei erwischt worden, wie er selbst im Schlaf seine Geigen-, Flöten- und Cembalospieler belehrte, sie mögen endlich die Töne treffen. Und die Hofdamen und Zimmermädchen waren mehr in Eile als sonst. Selbst die königlichen Ritter übten eifriger als ohnehin schon ihre Schwerttechniken, die sie in einem fairen Duell präsentieren wollten.

            Doch selbst durch das Getratsche, das Geschrei und die Lautstärke im Schloss war Link nicht um seinen Schlaf zu bringen. Mit geschlossenen Augen und dem friedvollsten Lächeln überhaupt, lag er in seinem Bett und wünschte sich, er könnte für ewig in einem solchen weichen, gemütlichen Bett liegen.

Irgendwann gegen Mittag wachte er dann auf und sah als erstes die Sonnenstrahlen, die über einen kleinen Balkon in sein Zimmer hineinfielen. Er musste zweimal nachdenken, um sich daran zu erinnern, wo er noch mal gleich war. Der Schmerz in seiner Schulter jedoch belehrte ihn sofort über die Umstände der letzten Tage. Er fluchte und rappelte sich auf. Dann bemerkte er, dass er nichts weiter als eine weiße Hose trug und ein zerfranstes Hemd, welches an seiner rechten Brusthälfte total zerfledert war. Kein Wunder, bei der Stichwunde...

 

Außerhalb lief Prinzessin Zelda mit schnellen Schritten eine Wendeltreppe ins zweite Stockwerk hinauf. Auch sie war in Eile und trug ausnahmsweise mal kein königliches Kleid, sondern eine dunkelblaue Korsage, darunter eine farblose, langärmelige Bluse mit Kragen und einen langen, dunkelblauen Rock ohne weitere Verzierungen. Aber eine Tiara trug sie, die sie als Prinzessin auszeichnete, wenn auch sie ihre Haare ganz offen trug.

Einige Klamotten für ihren Helden unter dem Arm, hastete sie in Richtung des Zimmers von Link und wollte die Zimmermädchen, die zuständig für ihn waren, kurzerhand stoppen und ihnen anweisen, die Sache ihr zuüberlassen. Sie hoffte nur, sie würde sie noch erwischen, bevor sie ihn unsanft aus dem Bett beförderten und dieses mit frischen Laken überzogen, bevor sie dem armen Kerl von oben bis unten ein Bad verpassen wollten und dem verletzten, ohnehin schon schüchternen Helden seine restliche Kleidung abnahmen...

            Tatsächlich und dem Glück noch erhaben, erreichte Prinzessin Zelda die kichernden, jungen Zimmermädchen, die sich wahrlich darauf freuten sich um die Pflege des Helden der Zeit zu kümmern. Auch hier im Schloss hatten einige schon ein Auge auf ihn geworfen, was Zelda verständlicherweise gar nicht Recht war. Sie würde es niemals zugeben, aber sie war fuchsteufelswild und über die Maßen eifersüchtig, wenn es um Link ging. Sie stellte sich den Zimmermädchen entgegen, die sie allem Anschein nach nicht für voll nehmen wollten.

„Ich übernehme jetzt. Tut mit leid, aber die Pflege Links ist meine Aufgabe. Geht der Hofdame Maia bei den Vorbereitungen für den Ball helfen. Das ist ein königlicher Befehl.“ Mit beleidigten Gesichtern und einem ärgerlichen Gebrummel stapften die Zimmermädchen den Gang entlang und liefen die Wendeltreppe wieder hinab.

 

Wie auch immer, sagte Link zu sich selbst und belehrte sich, dass er schon weitaus schlimmere Verletzungen hatte. Er riss sich den Stofffetzen des Hemdes herunter. Also, sei nicht so ein Jammerlappen und steh’ auf, sagte er zu sich selbst. Dennoch, der Schmerz in der Brust brachte in total aus dem Gleichgewicht. Er machte ihn wahnsinnig, einfach nur wahnsinnig. Link hatte schon lange vergessen, dass es solche Schmerzen überhaupt gab. Er richtete sich vollkommen auf und unterdrückte den Zwang vor Schmerzen einfach loszuschreien. Seine Beine baumelten aus dem Bett und langsam versuchte er sein Gewicht auf ihnen abzustützen. Ihm wurde kurz schwarz vor den Augen, aber er schaffte es dann doch noch sich auf den Beinen zu halten. Er schleppte sich barfuss zu dem Balkon und warf einen Blick hinaus. Dann lehnte er sich an das Geländer und genoss den frischen Wind, der ihm um seine spitzen Ohren wehte, bemerkte auch, dass seine grüne Mütze fehlte. Wo war die denn hingekommen?

Er verspürte den Wunsch, sich einfach nur zu strecken und laut zu gähnen, aber wieder machte ihm die Wunde einen Strich durch die Rechnung. Hinterhältig trat ihm der Schweiß über die Stirn und die Augenlider wollten ihm zufallen. Verdammt, er konnte dieses Gefühl der Schwäche nicht leiden und im übrigen gar nicht gebrauchen.

            Schließlich erinnerte er sich an die Szene im Schlossverlies und an die Tatsache, dass er sich für Zelda beinahe umbringen lassen hätte. Egal... ich würde es wieder tun, sagte er zu sich selbst. Dann schlenderte er wie ein Betrunkener in das Zimmer, hielt sich an der Balkontür fest, um nicht umzukippen und hörte ein Klopfen an der Tür.

            „Link, bist du wach?“ Zeldas Stimme brachte ihn nun endgültig aus dem Konzept. Verflucht, er konnte der Prinzessin doch nicht mit nichts weiter als seiner weißen Hose gegen übertreten. Das wird peinlich...

Er versuchte sich so schnell wie möglich zu dem Bett zu bewegen, was nicht einfach war, was in seinem Zustand in einigen Sekunden nicht zu bewältigen war und...

            Seine Sinne setzten aus, als sie einfach in den Raum trat. Sie schloss gerade die Tür, als sie Link, der noch geschockter aussah als sie, dort stehen sah. Sein Anblick verpasste ihr zunächst einen gewaltigen Schlag. Denn, obwohl die Kleidung seine Hüfte abwärts umhüllte, so lag diese so eng an, das jede Einzelheit an ihm sichtbar wurde, jede Einzelheit seines attraktiven Körpers, der viele Frauenherzen schwach gemacht hatte. Zeldas Mund stand offen, die Kleidung für ihn fiel ihr aus den Händen und eine Dampfwolke stieg von ihrem glühenden Kopf auf. Sie starrte ihn weiterhin an, bis sie sich ihrer königlichen Manieren erinnerte und schnell umdrehte. Sie gewährte Link mehr als nur einige Minuten Zeit, sich wieder zu dem Bett zu begeben und sich mit der Decke einzuhüllen.

            Zelda kratzte verlegen die Kleidung vom Boden und lief dann zu ihm herüber. 

„Ähm... morgen“, fing sie an und suchte erstaunlicherweise seinen beschämten Blick.

„Morgen“, hustete er, was ihr verdeutlichte, dass es ihm nur den Umständen entsprechend gut ging. Er hatte mit seinen Schmerzen zu kämpfen, das sah sie ihm an.

„Wie fühlst du dich?“

„Geht so...“

            Sie näherte sich ihm, sodass einige ihrer blonden Haarsträhnen in sein Gesicht fielen und verglich seine Stirn mit ihrer. Fieber hatte er, den Göttinnen sei Dank, nicht mehr- ein gutes Zeichen. Er war wirklich auf dem Weg der Besserung.

„Link, du solltest im Bett liegen bleiben. Dass du so übermütig bist und gleich zum Balkon spazierst, finde ich nicht lustig.“ Er schaute erst erstaunt, so als kapierte er nicht, dass sie sich Sorgen um ihn machte, erwiderte dann aber mit einem charmanten Lächeln. Heilige Nayru, selbst unter Schmerzen konnte er sich sein vielsagendes, linkisches Grinsen wohl nicht verkneifen.

„Deine Wunde ist noch frisch und durch deine überflüssigen Bewegungen könnten die Narben wieder aufbrechen, also versuche dich einfach auszuruhen, ja?“ Sie legte die Kleidung neben ihm auf einem Stuhl. Dann schloss er seine Augen für einen Moment.

            „Brauchst du etwas?“

„Jep.“

„Was ist es?“ Er öffnete seine Augen und versuchte mit einem Lächeln in ihre Gedankenwelt vorzudringen.

„Deine Anwesenheit...“, flüsterte er mit heiserer Stimme, aber das sanfte Lächeln auf seinem Gesicht verschwand nicht. Auch Zelda versuchte es mit einem Lächeln und blickte tief in diese ozeanblauen Augen, die so unergründlich waren wie ein tiefer See, so unergründlich wie dieser Hylianer selbst.

            „Hast du vielleicht Hunger?“ Er nickte. Wenn es etwas gab, was Link wieder auf die Beine befördern konnte, dann wohl die hylianische Küche.

„Ich habe mich schon darum gekümmert. Unser Chefkoch bereitet einige gutverdauliche Köstlichkeiten für dich vor, aber nicht dass du das ganze Zeug in dich hineinfrisst, weil es so gut schmeckt... du hast schließlich immer noch eine tiefe Wunde, Link.“

„Ich weiß, Zelda“, hauchte er, verschwieg ihr aber, dass er sich bereits viel schlimmere Wunden selbst genäht hatte...

            Sie blickten sich für einige Augenblicke stillschweigend an, erinnerten sich an so viele Dinge, die sie gemeinsam durchgemacht hatten und einmal mehr kamen die Gefühle füreinander an die Oberfläche. Man konnte in ihren Augen sehen, was sie dachten, wie sie empfanden, aber es sollte nicht sein...

            Plötzlich erschien Impa wie aus dem Nichts in dem Raum und begrüßte die  beiden Triforceträger zunächst.

„Na, Link, wie geht’s dir heute?“

„Ging schon mal besser...“, seufzte er und ließ sich wieder in die Kissen zurücksinken.

Dann wendete sie sich Zelda zu. „Prinzessin, Euer Vater wünscht Euch zu sprechen. Das wollte ich nur ausrichten.“ Und sie lief wieder in Richtung Tür. „Gute Besserung, Link“, meinte sie noch und war verschwunden. 

            „Mein Vater kann warten“, sagte Zelda und streichelte über seine blassen Wangen. „Ich... hatte unheimliche Angst, dass du es nicht schaffst, mein Link.“ Was war das denn? Noch nie hatte sie ihn: ihren Link genannt. Sie schaute verlegen weg und blickte zu der Kleidung.

„Diese Sachen sind für dich, wenn du dich kräftig genug fühlst, dann kannst du die Sachen gerne tragen. Allerdings konnte ich so schnell keine grüne Tunika auftreiben.“

„Danke, Prinzessin, das ist wirklich sehr aufmerksam von dir. Übrigens...“

Das Medaillon unter seinem Kopfkissen fiel ihm wieder ein und er kramte es hervor.

„Ich möchte, dass du es nimmst. Ich schenke es dir...“ Zelda wusste nicht, was sie sagen sollte oder womit sie das verdient hätte. Dieses Schmuckstück war so alt wie die Zeit selbst und von unermesslichem Wert. Wieso wollte Link es ihr schenken? Dann grinste er wieder und blickte mit dem sanften Blick, den Zelda so liebte, in ihre Augen.

„Ich habe...“ Er hielt kurz inne und unterdrückte den aufkommenden Schmerz in seiner Brust. Schweißperlen glänzten über seiner Stirn. „Ich habe einige Wochen... okay... es waren glaube ich Monate, nach dem Medaillon gesucht...“

„Und wo hast du es gefunden?“

„In einem versunkenen Tempel, der dem alten Ritterorden gehörte...“, sagte er sehr langsam und leise. Er nahm es in seine Hände und öffnete den Verschluss. Wieder richtete er sich auf und lehnte sich deutlich zu ihr. Er legte es um ihren Hals und ließ seine Arme auf ihren Schultern liegen.

            Dann lehnte er sich endgültig zu ihr, während seine Arme über ihren Rücken wanderten und Zelda fühlte seine Schmerzen beinahe. Er murmelte in ihr Ohr, als sein Atem ihre Haut kitzelte: „In einem anderen Leben werde ich es dir wiederbringen...“ Er ließ sich wieder auf die Matratze sinken und grinste mit seiner charmanten Art.

            Flugs brachte ein Zimmermädchen das Essen auf einem goldenen Tablett. Es handelte sich um alle möglichen Speisen unter anderem eine klare, beruhigende Suppe. Link konnte sich an den ganzen Köstlichkeiten nicht satt sehen, noch nie hatte er so gutes Essen zu sich genommen. Und die Art und Weise wie er dann aß und mit Messer und Gabel umging, zauberten Zelda zunächst ein Lächeln auf das edle Gesicht, dann fing sie an zu kichern, dann zu lachen.

Links Tischmanieren waren äußerst gewöhnungsbedürftig. Essenstückchen schmückten den Rand seines Mundes. Messer und Gabel handhabte er irgendwie sehr komisch und verwechselte ihre Funktionen. Den Stiel des Löffels packte er genauso wie sein Schwert in die linke Hand und sogar sabbern tat er. Er blickte Zelda nur verständnislos an, die neben ihm saß und lachte, während das Messer in seinem Mund stak. Sollte er länger in Schloss Hyrule bleiben, müsste sie ihm irgendwie höfisches Benehmen beibringen. Dennoch, die kindliche Art seines Verhalten waren in ihren Augen einfach nur goldig.

            Nach einer Weile, Zelda saß immer noch auf einem Stuhl neben ihm, beendete er seine Mahlzeit. An seinem zufriedenen Gesicht erkannte man, wie gut es tat, mal wieder etwas im Magen zu haben. Dann ließ er sich wieder auf die weiche Matratze sacken.

„Link, hast du wegen des Medaillons irgendwelche Hinweise erhalten? Ich rede von seinen mysteriösen Kräften.“ Er schüttelte den Kopf und begann: „Ich weiß nur, dass es... hier... in Hyrule verborgen... war.“ Er schloss seine Augen und gähnte.

„Halt mal. Da fällt mir etwas ein. Als ich auf dem Weg nach Kakariko war, glühte es kurz in grünen Farben auf, aber dann...“

„Was dann, Link“ Die Prinzessin beugte sich über ihn und sah in sein blasses Gesicht. Ob wirklich alles okay war? Diese Seite von ihm kannte sie eben nicht. Normalerweise bemühte er sich darum, in ihrer Gegenwart nicht die Spur von Schwäche zuzulassen. Er spielte immer den starken Helden, den nichts erschüttern konnte, sodass die Prinzessin sich manchmal fragte, ob er überhaupt ein Mensch war... Oder ein Elf, korrekterweise...

„Link?“ Sie wollte ihn schon zwicken oder zumindest kitzeln, aber er war wirklich wieder eingeschlafen. So eine Schlafmütze aber auch...

Zelda grinste dann und flüsterte: „Mein süßer, kleiner Held. Sei zum Fest des Friedens aber wieder stark genug, um daran teilzunehmen.“ Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange.

 

Gerade in dem Augenblick trat erneut ihr Vater in den Raum.

„Zelda, Liebes, ich wollte dich sprechen.“ Dann blickte er erstaunt zu seiner Tochter und sah, wie sie über Link gebeugt war. Er glotzte nicht schlecht und blickte teilweise verwirrt aus seinem alten Gesicht hervor.

Sie lief in kurzen, eleganten Schritten auf ihn zu und meinte: „Ich habe deine Worte vernommen. Link schläft erneut. Also, wieso möchtest du mich sprechen?“

„Muss ein Vater einen Grund haben, sich mit seiner Tochter unterhalten zu wollen, Zelda?“

„Nein, es sei denn bei dem Vater handelt es sich um den König von Hyrule... dann ist das etwas anderes.“ Sie verschränkte ihre Arme, wirkte genervt und machte ihm dies mit ihrer giftigen Zunge deutlich. „Ich mag mich irren, aber Harkenia von Hyrule hat immer seine Gründe, nicht wahr“ setzte sie sarkastisch hinzu.

„Am besten, wir unterhalten uns in der Halle des zweiten Stockes. Du weißt schon, der Raum, in dem du dich als Kind immer in dem großen Kamin versteckt hast.“

            Sie erinnerte sich... das war damals, als sie entdeckte, wie wunderbar es sein konnte, die gesamte Schlossgesellschaft um den Verstand zu bringen. Und obwohl sie erst fünf Jahre alt war, hatte sich die kleine Prinzessin immer wieder vor den Wachen, vor Impa und ihrem Vater versteckt. Prinzessin Zelda folgte ihrem Vater schließlich ohne weitere Worte.

            „Wie du ja weißt, Tochter, wirst du in einiger Zeit selbst über Hyrule herrschen und deine Verantwortung ist dir bewusst. Dennoch mache ich mir Sorgen, Zelda.“ Ihr Vater stand an einem Fenster der kleinen, gemütlichen Halle und blickte hinaus auf das Land mit seinen grünen Wiesen, goldenen Feldern, tiefen Wäldern. Die Königstochter saß mit runzelnder Stirn auf einem bequemen Stuhl mit hohen Lehnen und hatte sich angelehnt.

„Ich sorge mich um deine Zukunft, mein Kind.“ Damit drehte er sich um und lief zu dem Tisch. Mit einem väterlichen Blick sah er sie an und setzte sich ihr gegenüber. Er legte seine rauen Hände auf ihre. „Zelda, ich bin ein gebrechlicher Mann und irgendwann werde ich nicht mehr hier sein und jede Verantwortung ruht auf deinen Schultern. Mit dir beginnt eine neue Ära des Königreiches von Hyrule.“ Zeldas Miene verzog sich. Konnte dieser Kerl nicht endlich mal mit der Sprache herausrücken?

            „Worauf willst du hinaus, Vater? Falls du es nicht weißt, ich bin mir meiner Verantwortung gegenüber Hyrule bewusst.“

„Und wie steht es mit der Verantwortung gegenüber dir selbst?“

„Wie meinst du das?“

„Oh, ich glaube, du hast mich verstanden, Tochter.“ Zelda stand nun auf und lief zu dem Kamin, wo einige Schwerter gekreuzt darüber hingen. Ja, sie ahnte, was er versuchte ihr mitzuteilen. Schon lange wusste er um ihre Einsamkeit und die Tatsache, dass sie es nicht zuließ, dass ihr jemand zu nahe kam. Zelda fühlte sich innerlich kalt, zu kalt, als das sie mit ihrer Kälte gerecht über Hyrule herrschen könnte. Doch das Land bräuchte jemanden an der Spitze, der nicht nur lächelte, sondern, der ein Lächeln besaß, welches auch ehrlich gemeint war. Und Zelda... ja, sie hatte gelernt zu lächeln, auch wenn es ihr innerlich zum weinen war. Sie musste stark sein, stark und schön für das Königreich. Ihr eigenes Glück interessierte da recht wenig und sie hatte es immer zurückgestellt.

            „Zelda, auch du hast das Recht dein Leben zu genießen, auch wenn die Verantwortung über Hyrule auf dir lastet.“ Sie lachte in sich hinein. Das Leben genießen? Als Prinzessin?

Dann sagte sie: „Du stellst dir das ja sehr einfach vor, was, Vater? Als Prinzessin hat man keine Chance das Leben so zu leben wie jeder andere und das weißt du besser als ich. Wie kommst du nur dazu, mir diese Dinge zu unterbreiten? Ich werde niemals die Möglichkeit haben, mein Leben zu genießen. Niemals, hörst du, niemals. Es liegt ja schon in meinen Venen, dass ich stets mit der Verantwortung auf meinen Schultern tue, was mir kein Glück beschert... ich werde nie so leben, wie ein anderes gewöhnliches Mädchen.“ Ihre Stimme wurde immer leiser; und sie verbarg die aufkommenden Tränen vor ihrem Vater.

            „Zelda... darum geht es nicht. Selbst, wenn du kein gewöhnliches Mädchen bist, so hast du dennoch das Recht auf Glück. Verstehst du nicht, was dein Vater dir sagen will?“ Sie schwieg. „Doch eigentlich war dies nicht der Grund, weshalb ich mit dir sprechen wollte.“

Nein, was denn dann? Noch so eine Predigt und Zelda würde sich auf der Stelle in ein anderes Zimmer teleportieren. Darin hatte sie ja Übung... Alles in allem setzte sie sich wieder, lediglich um ihrem armen, alten Vater nicht noch mehr Sorgen zu machen.

„So, weswegen wollte mich der König von Hyrule dann sprechen?“ Er blickte verletzt, da sie es immer wieder schaffte, ihm einen kleinen Denkzettel zu verpassen, auch wenn sie ihn nur mit ,König’ anredete...

            „In einigen Monaten, nun ja, es sind zwar noch viele, aber dann wirst du neben deiner Verpflichtung als Prinzessin noch andere Pflichten tragen.“ Oh Mann, Ihr Göttinnen, schon wieder redete er um den heißen Brei. Wird’s langsam, du Esel, schimpfte sie in ihren Gedanken.

„Ich habe an dem Tag des Festes einige junge Adelsmänner eingeladen, Liebes.“ Er schien sich sehr über diesen Beschluss zu freuen.

„Ja, und?“

„Nur die besten der Besten, mein Kind, und ich hoffe, dass du vor ihnen nicht erneut die arrogante, eigensinnige und empfindungskalte Prinzessin mimst. Ich wünsche mir, dass du für einen von ihnen dein Herz öffnest, Zelda. Irgendwann wirst du für Nachfahren sorgen müssen, Tochter.“ Ihr stand der Mund offen. Fing er jetzt schon wieder mit diesem Thema an, das Zelda zum Wahnsinn bringen könnte. Erneut war Harkenias Kopf einen Pfeil auf ihrer Zielscheibe wert...

            Sie begann zu grinsen und lachte dann. „Vater. Denk’ ja nicht, das ich einen von denen als würdig erweisen würde an meiner Seite zu regieren. Schau’ sie dir doch an. Diese unreifen, halbklugen Möchtegernprinzen sind das Letzte.“ Sie stand auf und fuhr fort. „Tu’ was du willst, aber ich werde mich niemals von ihnen mit ihren falschen, übertriebenen Komplimenten einwickeln lassen. Und wenn mein Glück dir von Interesse wäre, würdest du mich nicht zu einer Heirat drängen.“ Dann stand Harkenia auf und hatte einen gefassten, fast wütenden Blick in dem alten Gesicht. „Ist das dein letztes Wort, Tochter?“

Sie presste ihre Lippen aneinander, setzte einen entschlossenen Blick auf und konterte: „Ja, das ist es.“

Harkenia lief zu der Tür und sagte mit Groll und Zorn in den Worten.„So ist es beschlossen, Zelda. Du wirst die nächsten Wochen dein Triforcefragment ablegen, dich nur im Schloss aufhalten, weder den Ball, noch das Fest des Friedens besuchen oder dich um die Pflege von Link kümmern. Das hast du dir selbst zuzuschreiben.“

            „Aber Vater“ rief sie ihm hinterher, dem ungeachtet schlug er wütend die Tür hinter sich zu.

Das war ein Scherz, oder?

 
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