Kapitel 37
 
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Kapitel 37

 

 

 

 

Ein grelles Licht erhellte für wenige Augenblicke die Kathedrale in Schicksalshort und ein kleiner Kerl in grünen Klamotten trat aus dem hellen Schein hervor.

Seine leuchtenden blauen Augen schauten umher. Es war stockduster und niemand schien sich hier aufzuhalten. Er lief langsam in Richtung Altar. Blitze erhellten kurzzeitig die Halle. Feuer der Fackeln an den Wänden flackerte umher und schaffte eine mysteriöse Atmosphäre.

Weshalb der Knilch sich hier aufhielt, wusste er selbst nicht. Vermutlich wollte er lediglich einmal seinen kindlichen Mut auf die Probe stellen. Er erspähte den Altar und wunderte sich über die Gegenstände dort. Auch er gehörte nun mal nicht in die moderne Welt. Sein eigentliches Zuhause war Hyrule- ein Hyrule, welches nicht mehr lebte und vielleicht nie mehr existierte, woran wohl seine Existenz geknüpft war.

Er fürchtete sich vor nichts, denn er bestand in gewisser Weise nur aus zwei Essenzen. Und Furcht hatte er bisher nicht kennen gelernt. Deswegen schien er sehr erpicht darauf zu sein zu wissen was es war und wagte sich hier in die Kirche, wo sich Ganondorf befand. Zielstrebig lief er in der Kirche hin und her, hüpfte von einer Bankreihe zur nächsten und fand es energetisierend Ganondorf herauszufordern.

            Nach etwa einer halben Stunde erschien Ganondorf tatsächlich und machte es sich auf seinem selbsternannten Thron bequem. Genervt und wütend saß er auf dem Thron und lehnte sich zurück.

„Dieser verdammte Link...“, murmelte der Fürst des Schreckens. „Was gibt ihm nur seine Kraft...“ Er hatte weder den Jungen in der Kirche bemerkt, noch nahm er Notiz von seinem hinterhältigen Grinsen. Ganondorf schloss seine Augen und schlief wohl. Ob jemand wie Ganondorf, dessen wahres Erscheinungsbild ein verfluchter Dämon war und der schon Hunderte von Jahren auf dem Buckel hatte, überhaupt Schlaf brauchte? Im Moment schien es so...

            Der kleine Kerl ergriff die Gelegenheit und schlich leise zu Ganondorf heran. Er stellte sich direkt vor den Thron und sagte: „Dieser Thron gehört nicht dir, du ekliges Schwein.“ Der Knilch neigte seinen Kopf zur Seite und streckte dem schlafenden Ganondorf die Zunge heraus. „Bäh... bist du hässlich“, sagte er, was ja der Wahrheit entsprach, und machte sich weiterhin über Ganondorf lustig.

„Du fetter, missgeratener, verruchter Sohn einer schlampigen Gerudokriegerin. Du wirst in der Hölle schmoren...“ Wo der Knirps diese Wortwahl herhatte, war zwar nicht von Belang, aber Temperament und eine große Klappe hatte er ohne Frage. 

            Dann trieb er sein Spielchen noch weiter und tippte den Hexenmeister an seine lange, grässliche Nase, überrascht über die Kälte seiner Haut. Ganondorf grunzte und zuckte leicht zurück. Dann öffnete er seine Augen und Kälte stand darin, genauso wie Zorn und Überraschung. Er packte den Kerl an der Gurgel und warf ihn einige Meter weit zurück.

„Was machst du hier und wer bist du?“ Ganons tiefe Stimme dröhnte in der Halle umher. Der Knirps flog schnell durch den Raum, konnte sich aber abfangen und kam erstaunlicherweise nicht auf dem Boden auf. Stattdessen schwebte er in der Luft und erfreute sich an Ganons erschrockenem Gesicht.

„Du spielst mit den Menschen dieser Welt... jetzt spiele ich mir dir, Schweinchen mit Warzen am Hintern“, sagte der Knirps unverfroren.

„Ich habe keine Zeit für Kinder“, entgegnete der Schreckensfürst außerordentlich ruhig, obwohl seine Augen Kälte und Ärger zeigten.

„Solltest du aber“, sagte der Knirps und lief wieder auf Ganondorf zu. Dieser rastete nun aus und schmetterte einen seiner gefährlichen dunklen Energiebälle auf den Knirps. Er wurde getroffen, aber es kümmerte ihn nicht. Gemächlich lief er weiter und stand mit einem unverblümten Grinsen vor der Ausgeburt der Hölle.

            „Macht es dir Spaß andere zu quälen, ja“, sagte der Knirps in seiner glockenhellen Stimme.

„Aber natürlich, würde ich es sonst tun? Aber wen interessiert es. Was willst du?“

„Gerechtigkeit, du aufgeblasenes Schweinchen mit dunkelgrüner Haut.“ Der kleine Kerl ließ sich nicht einschüchtern und streckte ihm wieder die Zunge heraus. Ganon kochte vor Wut und verlor jeglichen Geduldsfaden. Es platzte aus ihm hervor: „Du kleiner Bengel. Du wagst mich zu beleidigen, mich, den Herrscher von Hyrule und über diese Welt.“

Der kleine Bengel spuckte ihm ins Gesicht. „Es gibt nur einen Herrscher von Hyrule und der bist du nicht und wirst du niemals sein, du Sau... bäh.“ Es rauchte aus Ganons Kopf; und er ballte seine Faust und schlug auf den kleinen Kerl ein. Doch er traf ihn nicht. Es war, als wäre der kleine Knirps mit dem linkischen Gesichtsausdruck nur eine Luftgestalt.

            Ganondorf sah sich mit einem Problem konfrontiert. Er wollte dieses Etwas loswerden, wusste aber nicht wie. Wie sollte der Tyrann etwas besiegen, was gar nicht existierte?

            Der bebende Gesichtsausdruck auf Ganons Fresse gefiel dem Kind. „Na, du Scheusal, wie fühlt man sich, wenn man nicht weiß, wie man der Situation Herr wird. Bist du verzweifelt, Bastard?“ Die Augen des Kindes leuchteten nun noch stärker in jenem reinen blau. Und Ganon wurde das Gefühl nicht los, dass er diesen Ausdruck auf dem Gesicht des Kindes kannte, ebenso wie die Augenfarbe und das dämliche Grinsen.

            „Wer zum Henker bist du?“

„Oh, das tut mir aber leid, das kann ich nicht verraten, Arschbacke, noch nicht.“ Ganondorf zeigte seine schiefen Zähne. Es war unverzeihlich, derartige Beleidigungen auf sich sitzen lassen zu müssen, da er den Frechdachs nicht loswerden konnte, auch wenn er wollte. Er ballte seine Fäuste und wusste nicht ein noch aus.

„Übrigens, der Thron dort gefällt mir in dieser Kirche nicht. Er gehört ins Schloss Hyrule, du mutierter Schweinekopf.“

„Halt’s Maul! Wer immer du auch bist, mir kannst du nicht schaden. Und nun verzieh’ dich.“ 

            Der Lausbub zog eine breite Schnute. „Du solltest das Denken lieber Leuten überlassen, die mehr davon verstehen und ja... eines Tages werde ich dir schaden können. Selbst ein einfältiges Kind wie ich es bin, wird dich büßen lassen für deine Schandtaten, durchgerührte Schweinesülze... bäh.“ Und wieder donnerte Ganondorf in der Kirche umher, so laut er konnte. Das Kind jedoch lachte nur angesichts seiner wütenden Miene und zeigte mit einem Zeigefinger verspottend direkt auf ihn.

Dann leuchtete es in silbrigen Farben und warf einen letzten Satz in den Raum. Einen Satz über den Ganon lange zubrüten haben sollte: „Übrigens... mein Name ist Link, Schweinebacke.“ Damit verschwand er und hinterließ keinen Hauch seiner Aura.

            Ganondorf aber alarmierte sofort seine treuen Untergebenen, dass sie sehr vorsichtig sein sollten und in Zukunft nach einem Kind Ausschau halten müssten, das aussah wie Link und zu allem Übel ebenso hieß und sich zu guter Letzt auch noch so aufmüpfig verhielt wie sein Gegenspieler. Denn eine Sache hatte Ganondorf nicht vergessen. Zu Beginn seiner Auseinandersetzung konnte er Hand an den Bengel legen, später nicht mehr, was bedeutete, dass dieser Knirps irgendwie steuern konnte, ob er berührt werden wollte oder nicht und verletzlich war. Und der Fürst des Schreckens suchte nun nach der ultimativen Gelegenheit, dieses Kind auszuschalten...

 

Die beiden Hylianer schlugen ihr Lager währenddessen mal wieder in einem kleinen Wald auf. Es regnete, aber nicht zu stark, ein einfacher, kühler Frühlingsregen im alten Hyrule.

            Link stellte gerade das Zelt auf, welches sie mitgebracht hatten und Zelda kramte nach etwas Essbaren aus ihrer magischen Tasche. Noch hatten sie den Hylia- See nicht erreicht und ein weiterer Tag war um. Das Pferd stand wiehernd an einem Bach und  schien sich des Regens zu erfreuen. Die beiden Hylianer hatten es, da es keinen Namen trug einfach vorübergehend mit ,Namenlos’ angesprochen. Es gehörte nicht ihnen und vielleicht gab es einen Grund, weshalb es keinen Namen trug.

            Link und Zelda krabbelten in das Zelt, aber es war noch viel zu früh um schlafen zugehen. Es war stockdüster und sie konnten nicht einmal ihre Hände vor sich selbst sehen. Zelda suchte in der Dunkelheit Links Blick, um zusehen, ob er vielleicht noch Lust hatte, sich mit ihr zu unterhalten, oder ob er zu müde war. Sie rutschte in seine Ecke des Zeltes und... Bum...

            „Autsch. Pass’ doch auf Zelda.“

„Aua... Pass’ du doch auf, Link!“ Tatsächlich war nämlich auch ihr Heroe dabei sich in ihre Richtung zu bewegen und sie stießen einmal kräftig mit ihren Köpfen aneinander.

„Du hast echt ne harte Nuss, Zelda.“

„Dein Schädel ist aber auch nicht ohne. Hast du so was wie eine Taschenlampe dabei“, fragte sie ihn dann in die Dunkelheit. Sie hätten auch die Öllampe nutzen können, aber diese war irgendwo tief in den bodenlosen Taschen verborgen.

„Nee, Sorry, aber Schokolade kannst du haben.“ Zelda lehnte sich zurück, sagte nichts, aber hatte eine Idee. Sie konzentrierte sich auf ihre Kräfte und hielt ihre Hände in einem kurzen Abstand mit den Handflächen zueinander. Zuerst geschah nicht wirklich etwas, dann bildeten sich goldene Funken, die sich zwischen Zeldas Händen sammelten. Link sah nur gespannt zu und war überwältigt von ihren Fähigkeiten. Was diese ausgefuchste Königstochter wohl noch alles an magischen Fertigkeiten besaß?

Sie öffnete leicht ihre Augen und die gesamte Energie in ihren Händen schien zu erstarren. Es sah nun so aus, als hätte Zelda eine goldene Kugel in ihren Händen, die aber genügend Licht in dem Zelt spendete. Die Kugel fiel ihr aus den Handflächen und plumpste auf ihre Decke.

            Link krabbelte zu ihr herüber und fragte: „Kann man das anfassen, oder verbrennt man sich daran die Hände?“

Zelda holte tief Luft und entgegnete: „Nein, es ist ganz kalt. Das Licht wird für ungefähr zwei Stunden halten, dann erlischt es wieder.“

„Cool und wie hast du das gemacht?“ Zelda blickte ihn verwundert an. Es war gar nicht einfach zu erklären, wie es funktionierte. Sie beherrschte es eben, wusste jedoch nicht, wie sie diese Fähigkeit beschreiben sollte.

„Das ist schwierig zu erklären. Es fängt damit an, dass ich mich konzentriere und dann passiert es eben.“ Link betastete die Kugel und war erstaunt über deren grandioses Gewicht.

            Es war ein angenehmer Schein, den die Kugel aussandte, ähnlich dem Schein einer Kerze und doch heller, fast golden.

            „Link?“

„Mmh?“ Er reagierte fast lethargisch. Er hatte sich zurückgelehnt und seine Augen waren geschlossen.

„Gilt das Angebot mit der Schokolade noch?“ Rasch setzte er sich aufrecht und beäugte Zelda. Dann zeigte sich ein Lächeln auf seinem Gesicht und er packte die Schokolade aus.

„Was isst du gerne? Vollmilch oder Nuss? Ich habe auch an Weiße Schokolade gedacht.“

Zelda krabbelte zu ihm herüber und strahlte: „Das du an so eine Kleinigkeit gedacht hast, ist wirklich toll. Du bist ein Schatz, Link.“ Sie nahm sich eine Hälfte der Weißen Schokolade und biss ab.

Link blickte sie lange an und dachte: ,Ich bin nicht irgendein Schatz... ich bin deiner, Zelda.’, aber er ließ nicht zu, dass seine Gedanken an die Oberfläche gelangten. Apropos Gedanken...

Der junge Held erinnerte sich an den blauen Telepathiestein und an die Worte des merkwürdigen Wesens, die er sich aus irgendeinem Grund ganz genau gemerkt hatte: ,Nutze die Steine, um in ihr Herz zusehen. Dann erhältst du die Antworten, nach denen du suchst. Antworten für eine Zukunft, die es nicht gibt.’ Heute würde er es wagen...

            Zelda blickte zu Link, der ein Funkeln in seinen Augen hatte. Ein Glühen, wie das Licht und die Wärme, die seine Seele ausstrahlte. Das er etwas Besonderes war, wusste sie immer, aber nun wurde dieses Einzigartige an ihm für einige Augenblicke wieder spürbar, spürbar für Zelda. Dann schaute er sie an und eine bekannte Traurigkeit lag in seinem Blick, nur ein Funken, aber er verriet ihn. Er hatte Zweifel und auch Ricks Tod kam ihm wieder in den Sinn.

            Er rutschte näher, wohl ein wenig zu nah und schaute an Zeldas Hals. Aber was zum Kuckuck hatte sie denn da? Er konnte deutlich einen roten Fleck an ihrer linken Seite erkennen und es sah fast aus wie eine Narbe oder ein... Muttermal. Er legte seine Hand an ihren Hals und ignorierte Zeldas empörten Gesichtsausdruck. Leicht berührte er die Stelle und fand, dass es auch ein... unmöglich... wo sollte sie den denn herhaben? Woher sollte Zelda einen Knutschfleck haben, zum Teufel, sagte er sich und überlegte krampfhaft, was das zu bedeuten haben könnte.

Er wusste, das in Hyrule viele verrückte Dinge geschahen, aber das... wer sollte Zelda einen derartigen Fleck verpasst haben? Doch nicht etwa Preston? Links Augen wurden immer größer. Gleichzeitig keimte eine hysterische Eifersucht in ihm auf. Aber seine Prinzessin schien den Fleck noch nicht bemerkt zu haben und wich zurück.

            „Link. Was ist denn?“ Schnell suchte er nach einer Ausrede und drehte sich weg.

„Ähm... da war nur eine Spinne.“

„Oh... wenn du meinst.“ Sie gab sich dem Anschein nach damit zufrieden und nahm noch einen Bissen von der Schokolade.

            Link drehte ihr den Rücken zu und stützte eine Hand an sein Kinn. Er wollte wach bleiben, begann aber schon zu gähnen. Verdammt, die Sache ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. War Preston vielleicht der Grund für ihre Kälte ihm gegenüber? Hegte sie etwa doch Gefühle für diesen Kerl und sah ihn selbst nur als einen Blitzableiter, als eine Art Trampeltier, das man ausnutzen konnte? Seine Eifersucht wandelte sich in Hass auf Preston. Überraschenderweise legte Zelda aber dann eine warme Hand auf seine Schulter.

            „Link? Was ist los? Du schweigst schon die ganze Zeit. Bist du müde?“

„Muss ich denn ständig mit dir reden? Kann ich nicht mal nachdenken“, fuhr er sie an, worauf sie nur leise meinte: „Entschuldige... du hast Recht. Ich wollte dich nicht nerven.“ Sie war dabei ihre Hand von seiner Schultern zulösen, als Link aber ihre Hand fest umfasste und leicht drückte.

„Ich wollte dich nicht anfahren. Manchmal bin ich echt ein unsensibler Idiot, nicht wahr?“ Er drehte sich um, erstaunt über die Klarheit in ihren Augen.

„Du und unsensibel... nein, das bist du nicht, wirklich nicht, Link.“ Sie sahen sich schweigend an und fühlten sich, als würden ihre Herzen sich selbst anklagen, weil sie es einfach nicht schafften, sich endlich zugestehen, was ihnen auf den Herzen lag. 

            „Du hast an Rick gedacht...“, murmelte Zelda und suchte seinen Blick. In diesem Moment könnte sie glatt in seinen tiefblauen Augen versinken und es wäre ihr egal, wenn sie nicht zurückfinden würde. Das war es, was sie vermissen würde... diese unergründlichen Augen, das sanfte Lächeln und die blonden Haarsträhnen, die darin hingen...

            „Ja... ich habe vorhin an ihn gedacht und manchmal frage ich mich, ob ich an jenem Tag nicht doch etwas hätte besser machen können. Wenn ich anders gehandelt hätte, dann wäre er noch am Leben. Das ist wohl die schreckliche Wahrheit, Zelda.“

„Link... unser Weg ist die Zukunft und nicht die Vergangenheit.“

„Ja, ich weiß, Zelda.“

„Und möglicherweise wären andere gestorben, wenn du anders gehandelt hättest. Egal, welche Entscheindung wir treffen, diejenigen, die uns nahe stehen, sind immer die Leidtragenden...“

            Zelda drehte sich um und verbarg eine aufkommende Träne vor ihm. Ja, auch Link gehörte zu denen, die Zelda nahe standen und irgendwann würde er der Leidtragende sein. Das fühlte sie und das sagten ihr die Träume der letzten Tage und Wochen. Bilder seines Todes kamen ihr wieder in den Sinn und erneut fühlte sie sich so hilflos, so machtlos. Sie fühlte Angst in sich aufsteigen, Angst erneut davon zu träumen. Sie hatte Angst vor ihren Träumen und vor sich selbst. Was gäbe sie im Augenblick nicht dafür, einfach frei zu sein und nie wieder von irgendetwas zu träumen, was Zukunft oder Vergangenheit betraf. Aber das gehörte zu ihrer Seele, zu ihrem Schicksal... es war nicht zu ändern, dass die einstige Prinzessin aus Hyrule des Nachts mit Alpträumen überschüttet wurde.

            „Wir sollten versuchen einzuschlafen. Immerhin haben wir morgen einen weiten Weg vor uns“, sagte Zelda, worauf ihr Heroe nur zustimmen konnte. Sie kuschelten sich unter ihre Decken. Schließlich war Zelda die erste, die schlief, aber nicht wusste, dass Link nur so tat als ob. Langsam und leise krabbelte er aus seiner Decke heraus. Das kleine Licht von vorhin glühte noch. Jetzt würde der Held es wagen.

Er beugte sich über Zelda und vergewisserte sich, dass sie auch wirklich schlief. Dies war der Fall und er hörte sie leise im Schlaf schluchzen. Sie musste einen Alptraum haben. Soviel ahnte Link allein anhand ihres Verhaltens, dem leises Weinen, der Art und Weise wie sie dalag und den Tränen auf ihren Wangen.

Er packte den Beutel mit den Steinen heraus und nahm den Telepathiestein in seine Hand. Er umklammerte das Steinchen so fest er konnte und versuchte sich zu konzentrieren.

            Auf Zelda. Auf ihre Träume, was immer es auch war und auf ihr Herz, da er ihr unbedingt helfen wollte. ,Vergib’ mir, Zelda, aber ich tue das bloß für dich’, sagte er in seinen Gedanken und fühlte, wie er innerlich hinfort getragen wurde.

 

Als Link seine Augen öffnete, stand er zunächst umhüllt von Nebel, aber die Szenerie wurde alsbald klarer und einen blutroten Mond erkannte er am Horizont. In seiner linken Hand hatte er ein Schwert. Bei genauem Blick stellte er fest, dass es sich um jenes von Leon handeln musste. Außerdem stand er auf einem Hügel mit ausgetrocknetem Gras unter seinen Füßen. Bin ich in Zeldas Traumwelt, fragte er sich selbst und schaute sich langsam um.

Dann geschah es. Link fühlte einen gewaltigen Schmerz in seiner linken Brust, als hätte man ihm das Herz mit einem stumpfen Gegenstand herausgeschnitten. Seine Kräfte schwanden, alles wurde verschwommen. Blut tropfte von seinen Mundwinkel, er röchelte und brach auf die Knie. Er blickte auf und erkannte eine große Gestalt vor sich. Ein Antlitz, aus dem messerscharfe, rotglühende Augen hervorleuchteten. Ein Lachen. Ein dreistes, unmenschliches Gelächter und Link wusste, wer vor ihm stand. Kein anderer als Ganondorf persönlich. Das Schwert des Dämons durchbohrte seine Brust und alles, was Link im nächsten Augenblick spürte war, wie der Schreckensfürst ihm sein dreckiges Schwert mit einem Jauchzen aus der Brust herauszog. Link schrie aus Leibeskräften auf und stürzte haltlos den Hügel hinab.

Als er ein letztes Mal seine Augen öffnete, sah er in Zeldas Gesicht und sah Tränen an ihren Wangen hinabtropfen. Sie murmelte seinen Namen und weinte bitterlich...

 

Link schreckte schweißgebadet und mit rasenden Herzschlägen aus seinem Zustand auf. Sogar den hinterhältigen Schmerz in seiner Brust fühlte er. Sofort legte er eine Hand auf sein Herz und vergewisserte sich, dass er keine Verletzungen hatte. Das war den Göttinnen sei Dank der Fall.

Dann wanderte sein Blick zu Zelda und er sah, wie sie immer noch weinte, seinen Namen murmelte und zitterte. Das war es also...

            Link versuchte sich langsam zu beruhigen und dachte nach, seine Augen stets auf Zelda gerichtet. Träumte sie jede Nacht davon? Zelda... warum hast du mir nichts erzählt, dachte er traurig.

Er kannte nun die Wahrheit über ihren Traum. Er hatte in ihr Herz gesehen, aber nicht geahnt, derartige Bilder zu erkennen. Bilder über Schmerz und Kummer...

War dies eine ihrer Prophezeiungen? Hieß das für ihn, dass er den Kampf gegen Ganondorf verlieren würde?

Er zweifelte...  zweifelte noch mehr an sich und seiner Kraft, an seinem Mut, und dem Funken Hoffung, den er so sehr versucht hatte, am Leben zuhalten. Ich bin nicht in der Lage ihn zu besiegen, dachte er und beugte sich über Zelda.

            Ihr Name entkam seinen Lippen, und vieles für ihn ergab jetzt einen Sinn. Nicht Preston, sondern ihr Traum musste der Grund gewesen sein, dass sie sich so kalt gegenüber ihm verhielt. Ihr Traum musste wie eine kalte Hand über ihrem Herzen liegen und sie fürchtete, dass gerade sie den Grund für seinen Tod darstellte.

            ,Nutze die Steine, um in ihr Herz zusehen.’ Ja, das hatte er getan und auch Antworten erhielt er, aber waren es denn die Antworten nach denen er suchte?  ,Antworten für eine Zukunft, die es nicht gibt?’ Bedeutete dies, dass es keine Zukunft für sie beide gab oder dass ihr Traum nicht die Zukunft darstellte?

Link dachte fortwährend nach, noch immer seine Augen auf Zelda gerichtet und allmählich gab es auch für ihn einen Grund zu weinen... Zelda hatte diese schrecklichen Träume nicht verdient, gerade sie hatte soviel Recht auf ein Stückchen Glück. Sie hatte es nicht verdient so zu leiden, aber das hatte niemand...

            Der junge Hylianer konnte nicht anders und legte sich direkt neben sie, kuschelte sich unter seine Decke, aber umarmte Zelda, die direkt neben ihm lag und zog sie fest an sich. Er hoffte, er würde ihr mit seiner Anwesenheit helfen, das Licht in ihren Träumen wiederzufinden. Auch Link schlief ein, während Zeldas Wimmern erstarb. Und das Licht der magischen Kugel hatte seinen hellen Schein noch nicht aufgegeben.

 

Zelda war am Morgen die erste, die die Augen öffnete. Sie hörte Vogelgezwitscher und spürte schließlich einen warmen Atem an ihrem Hals. Als sie vollkommen wach war, nahm sie auch ein paar starke Arme war, die sie festhielten. Überrascht drehte sie sich um und blickte in Links Gesicht, der wie ein Baby, ganz ruhig und friedlich, eng an sie gedrückt, schlief.

Ein wenig perplex riss sie sich dann aus seiner Umarmung los und schüttelte mit dem Kopf. Dieser Flegel, was bildet der sich ein, kuschelt sich einfach an mich heran. Wo gibt’s denn so was?

            Sie stand auf und streckte sich, als sie von außerhalb ein Rascheln hörte. Irgendjemand oder irgendetwas bewegte sich durch das Gras und achtete nicht auf die lauten Geräusche, die er produzierte. Zelda zog sich eine Jacke über und strich vorsichtig eine Plane des Zeltes zur Seite. Ein kleiner Kerl stand neben dem Pferd und streichelte über den glänzenden Hals des Hengstes, dem allen Anschein nach diese Art der Zuneigung gefiel.

Schnell zog Zelda sich ihre Stiefel an und ging ebenfalls nach draußen.

Sie begrüßte den kleinen Jungen in den grünen Klamotten mit einem: „Hey“ und einem sanften Lächeln. „Was machst du denn hier, kleiner Mann?“

            In dem Moment schaute sich Zelda die Kleidung des Jungen genau an. Tatsächlich trug er eine Tunika, wobei aber der grüne Stoff sehr wertvoll und gepflegt aussah und sogar glänzte. Der Rand seiner Ärmel war golden, genauso wie der Kragen, was darauf hindeutete, dass dieses Kind aus hohem Hause stammen musste. Er besaß einen weißen Gürtel, an dem er einen langen Dolch oder ein Kurzschwert trug, dessen Hülle viele Verzierungen aufwies, ähnlich der Schwertscheide des Masterschwertes. Ja, seine Waffe hatte sogar in etwa den gleichen Griff wie jenes sagenumwobene Schwert eines wahren Helden. War dieses Kind eine Art Held? Noch etwas an ihm rückte schnell in Zeldas Aufmerksamkeit, nämlich eine kleine goldene Kette mit einem Triforce als Anhänger.

            „Störe ich“, murmelte der Junge leicht traurig und scheute Zeldas Blick. Die Prinzessin ging auf ihn zu und gab ihm einen Klaps auf den Hinterkopf.

„Wieso solltest du stören? Ich freue mich über deine Gesellschaft. Das ist ein schönes Pferd, nicht wahr?“ Und auch Zelda streichelte den Hals des Pferdes.

„Jep. Ich möchte auch einmal so eines haben. Pferde sind unglaublich schöne Tiere“, sagte der Knirps mit seiner glockenhellen Kinderstimme. Zelda kniete nieder und blickte ihm direkt in seine charmanten kleinen Kinderaugen.

„Gibt es einen Grund, dass du hier bist, oder würdest du gerne mit uns essen? Das heißt, wenn du essen kannst.“ Immerhin besaß das Kind keine wirkliche Existenz und Zelda wusste das. Ob dieses Kind jemals etwas gegessen hatte?

            Aber der Gesichtsausdruck des Kindes wandelte sich von trübsinnig zu heiter, als das Wort Essen fiel. Also konnte er trotz seines rätselhaften Erscheinens sehr wohl Nahrung zu sich nehmen. Jetzt fiel Zelda auch noch eine andere Kleinigkeit auf. Dieser kleine Knabe besaß genauso wie sie spitze Ohren und jeweils ein goldener Ohrring hing darin.

            „Darf’ ich mitessen?“

„Natürlich, wenn du magst.“ Er kniff seine Augen zusammen und nickte fröhlich, mit einem wunderbaren breiten Grinsen im Gesicht.

„Link schläft noch, aber wir können auch ohne ihn essen. Er ist nämlich eine riesengroße Schlafmütze musst du wissen.“

„Ich weiß.“ Zelda schaute ihn ernster und eindringlicher an, als jemals zuvor.

„Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich dich ausfragen will aber... woher weißt du das?“ Er drehte seine Augen hin und her und machte ihr deutlich, dass er es nicht sagen konnte. Zelda stand auf, packte eine Hand des Bengels und schloss mit einem Lächeln die Augen.

            „Es ist in Ordnung. Ich muss das nicht wissen. Verzeih’ mir meine Neugier.“ Der Junge jedoch blieb stehen, worauf Zelda sich noch mal nach ihm umdrehte.

            „Was ist?“ Die blonde Lady kniete nieder und der Kegel sah sie genau an, dann wanderte sein Blick zu ihrem Hals.

„Du hast da einen großen Fleck.“ Und er tatschte mit seinen Kinderhänden darauf herum. Zelda verstand nicht, was er meinte und kramte einen Handspiegel, den sie vom Schloss mitgebracht hatte, hervor. Als sie den Fleck betrachtete, erstarrte ihr Blick und sie sah drein, als hätte sie einen Geist gesehen.

„Das gibt’s doch nicht!“ Deswegen hatte Link gestern Abend solange an ihrem Hals herumgetastet. Der Knirps aber grinste wie eine Speckschwarte und sein Mund schien immer breiter zu werden.  

            Sie gingen in das Zelt und fanden Link mit offenen Augen vor. Er starrte nachdenklich an die Decke, wirkte aber überrascht, als Zelda mit dem Knirps im Schlepptau in das Zelt kam.

„Nanu? Was machst du denn schon wieder hier? Hast du Sehnsucht nach uns“, sagte Link und lächelte ebenfalls. Er wollte sich von seiner gestrigen Entdeckung nichts anmerken lassen. Außerdem beruhigte die Anwesenheit des kleinen Kerls tatsächlich, was Link merkwürdig fand. Er stand auf und holte einige Dinge aus den magischen Taschen.

„Willst du mit uns essen, ja?“ Der Knirps nickte und wirkte im Moment sehr schüchtern, was nicht zu seinem Auftritt in Ganons Kirche passte.

            Sie machten es sich außerhalb zu dritt auf einem umgefallenen Baum bequem, der Knirps in der Mitte von den beiden Auserwählten. Alle drei hatten eine Holzschüssel in der Hand und alle drei schauten in ein kleines Lagerfeuer.

„Du trägst einen interessanten Dolch mit dir herum“, meinte Zelda nach einer Weile.

„Ja, mein Vater wird ihn mir schenken, wenn ich existiere, heißt das...“ Link stand auf und nahm sich noch eine Schüssel voll mit der Suppe. Es war ein komisches Gefühl, dieses Kind und Zelda um sich herum zu haben, irgendwie eine angenehme Situation. Vielleicht stimmte es wirklich und dieser Knirps war eine zukünftige Reinkarnation von ihm.

„Und wer ist dein Vater“, fragte Link, der natürlich alles wissen wollte. Der kleine Kerl antwortete nicht und schaute zu Boden.

„Lass’ ihn. Er wurde bestimmt angewiesen, niemanden etwas darüber zusagen.“ Da sich Zelda einmischte, hackte er nicht weiter nach.

            Link stach aus der kleinen Gesellschaft irgendwie heraus, da er als einziger modernere Klamotten trug und vielleicht fühlte er sich auch so, als würde er herausstechen. Der kleine Kerl nahm sich seine Schüssel des Eintopfes und setzte sich wieder, nur diesmal auf Zeldas Schoß, was ihm sehr gefiel. Zufrieden schlürfte er seine Schüssel leer und schwatzte, während Möhrenstückchen an seinem Mund hingen: „Ich war vorhin in Schicksalshort bei Ganondorf. Er weiß zwar, dass Link hier ist, aber nicht, dass Zelda noch lebt.“ Und erneut tauchte er sein Gesicht fast vollständig in die Schüssel.

            Die beiden Jugendlichen sahen sich überrascht an. Link kniete nun vor dem Kerl nieder und packte ihn leicht an seinen Schultern.

„Du warst bei Ganondorf? Bist du noch zu retten? Er hätte dich umbringen können. Mach’ nie wieder so einen Blödsinn, hörst du.“ Mit großen Augen sah der Knirps in das Gesicht von Link und hörte willig zu. „Ganondorf ist gefährlich und kennt keine Gnade, nicht einmal gegenüber Kindern. Stell’ nie wieder deinen Mut auf so eine Art und Weise auf die Probe, ja?“ Es schien, als fügte sich der Bengel den Worten von Link und nickte.

„Gut“, ergänzte Link, setzte sich wieder auf den Baumstamm und fragte sich leicht irritiert, was in ihn gefahren war und warum es ihm so wichtig war, dass der kleine Kerl nicht so leichtsinnig mit seiner Existenz umging. Mache ich mir etwa Sorgen um diesen Kegel, fragte er sich.

            Auch Zelda schaute überrascht zu ihrem Heroen und dachte über seine teilweise strengen Worte nach.

„Link hat Recht, selbst wenn du keine richtige Existenz besitzt, Ganon könnte einen Weg finden, dich in deiner jetzigen Form zu töten, kleiner Mann.“

„Okay. Aber kann ich denn noch was von dem Eintopf haben“, murmelte er und reichte Zelda die Schüssel. Sie konnte nur lachen angesichts dem unverblümten Grinsen in seinem Gesicht. Auch Link lachte herzhaft. Der Bengel hatte größeren Appetit als er- ein Grund zum Lachen. Nur verständnislos blickte er drein und begann einfach mitzulachen.

 

Eine Stunde später war der Knirps verschwunden und die beiden Hylianer befanden sich auf dem Weg nach Süden. Zelda blickte wieder über Links Schulter und erkannte ein kleines Dorf direkt auf ihrem Weg.

„Schau’ Link, lass uns dort mal anhalten.“

„Klar. Vielleicht finden wir eine Quelle und können unsere Flaschen wieder auffüllen.“

„Dort ist tatsächlich eine, soweit ich mich erinnern kann.“ Sie legten einen Zahn zu und Namenlos sauste schneller über die grünen Wiesen der hylianischen Steppe.

            „Link?“, meinte Zelda ein wenig ernster, mit einem scharfen Unterton.

„Ja, was ist denn? Wenn du so anfängst, hast dir mir sicher wieder was tolles mitzuteilen“, grummelte er, als er Wasser in die Flaschen füllte. Sie befanden sich inmitten an einem Brunnen in dem Dorf.

„Hast du mir irgendetwas zusagen?“

Er schaute sie tiefgründig an. „Hast du mir denn etwas zusagen?“

„Nein.“

„Fein. Ich dir auch nicht.“ Ausnahmsweise hatte Link mal schlechte Laune, da ihn erstens der Traum und zweitens der Bluterguss an Zeldas Hals beschäftigte. Wenn das so weiterginge, würde er das Vertrauen in Zelda verlieren...

            Die Prinzessin stützte aufgebracht ihre Arme an ihre Hüften. „Was verschweigst du mir?“

Link äffte sie nach und sagte: „Was verschweigst du mir denn?“

Dann verschränkte sie ihre Arme und sagte lauter als vorher: „Nichts, dass dich interessieren müsste.“

Dann ging sie auf ihn zu und deutete an ihren Hals. „Kannst du mir bitte sagen, was das zu bedeuten hat? Was hast du getan, du Mistkerl?“

„Ich???“ Empört packte er sie an ihren Schultern und sah sie eindringlich an. „Wieso ich? Sag’ mir lieber, ob Preston das gewesen ist?“

„Wieso Preston?“ Wenn Zelda das Unschuldslamm spielte, würde man ihr alles glauben. Denn sie war im Schauspielern nicht einmal schlecht.

            Link schwieg, biss sich vor Eifersucht auf die Lippen und schüttelte mit dem Kopf. „Das ist es also... Preston.“, murmelte er leise und wand ihr den Rücken zu. „Du hast Gefühle für dieses Schwein“, sagte er bitter und trat von ihr weg.

„Link!“, sagte sie eindringlich. „Ich kann nicht glauben, dass du so was denkst, du Dickkopf.“

„Ach und du? Wer ist denn hier der absolute Sturkopf?“, fauchte er. „Lass’ mich einfach in Ruhe.“ Und er lief einige Meter. Er fühlte sich nicht nur elend, sondern aufgewühlt mit diesem verfluchten Liebeskummer...

„Du bist so ein Dickkopf. Ein idiotischer Dickkopf“, sagte sie und zog die Nase hoch.             „Alles, was ich diesem Widerling verpasst habe, waren ein paar blaue Flecke. Ich würde ihn niemals an mich heranlassen. Wie kannst du nur annehmen, ich hätte so wenig Achtung vor mir selbst?“

„Und wer war es dann?“

„Du warst es wirklich nicht?“ Zelda begann ihm nun doch noch allmählich zu glauben.

„Verdammt, Zelda, traust du mir so was zu. Das ist ja ungeheuerlich. Wie kannst du nur so was von mir denken!?“ Er drehte sich um und schüttelte mit dem Kopf.

„Sorry, ich bin wohl ausgerastet wegen dieser Sache“, sagte sie dann.

„Aber wer war es dann?“

„Das kann ich dir nicht sagen, Zelda.“

            Link füllte weiterhin die Flaschen auf. Nach einer Weile platzte ihm der Kragen und vor Wut warf er die Flaschen durch die Gegend.

Zelda biss sich vor Schreck auf die Lippe und sagte zaghaft: „Link. Beruhig’ dich. Was ist nur in dich gefahren?“

Er warf ihr einen trübsinnigen Blick zu und ließ sich auf den Boden sinken.

„Es macht mich wahnsinnig, Zelda“, sagte er leise. Sie setzte sich neben ihn und starrte gedankenversunken ins Nichts.

„Als ich vorhin aufgewacht bin, da... da lagst du direkt neben mir und...“ Sie machte eine kurze Pause, bevor sie weiterredete. „und... dann ist der kleine Junge aufgetaucht, der mich auf diese Stelle aufmerksam gemacht hat. Deswegen habe ich angenommen, dass du das gewesen bist. Tut mir leid, Link. Wie konnte ich dir nur unterstellen, dass du mir so was antun würdest.“

„Wie konnte ich nur annehmen, dass du Preston gestattest hättest, dich anzufassen. Wir haben wohl beide einen Grund, uns vergeben zu müssen. Und wegen vorhin... ich wollte dich nur wärmen, weil du gezittert hast, das ist alles.“ Sie sahen sich an und lächelten leicht.

Zelda sagte noch: „Wir sind zwei ganz schöne Trottel, nicht wahr?“ Link nickte nur und ehe er sich versah, gab seine Lieblingsprinzessin ihm schon wieder einen Kuss auf die Wange.

            „Entschuldigung akzeptiert“, erwiderte Link.

Diesmal gab auch er ihr spontan einen Kuss auf ihre Wange, worauf sie meinte: „Deine Entschuldigung ist ebenfalls angenommen.“

„Gut.“

„Gut.“  

 

Sie sahen sich noch eine Weile in dem Dorf um. Es war zwar nicht besonders groß, aber sehr sauber. Die grauen Pflastersteinstraßen sahen aus, als wären sie erst vor wenigen Stunden gefegt worden. Viele Bäume verliehen dem Ort etwas ausgesprochen Natürliches. Selbst das grüne Gras unter den Füßen von Zelda und Link wirkte gepflegt. Jedes Gebäude war mit Blumenkränzen, Masken und anderen Dingen beschmückt. Es sah so aus, als wäre hier in den letzten Stunden Hyrules ein Fest gefeiert worden.

            Link betrat eines der Gebäude und schnüffelte ein wenig herum. Er betrat ein kleines Zimmer mit dunkelbraunem Schreibtisch und vielen Regalen mit Büchern. Neugierig kramte er zwischen den Büchern und konnte auf einmal die Titel lesen.

Was war denn jetzt schon wieder falsch?

Er zwinkerte und schaute noch einmal darauf. Aber Hylianisch erschien ihm plötzlich so vertraut wie seine Muttersprache. Krass... Link begann zu grinsen und schlug das erstbeste Buch auf, das er in die Hände bekam. Diese Fähigkeit würde sich bezahlt machen. Er setzte sich auf einen Holzstuhl und las einige Abschnitte.

Das Buch erzählte von alten Legenden, wie zum Beispiel über die Mächte des Triforce. Dem Buch zufolge brächte es nicht nur Mut, Kraft und Weisheit mit sich, sondern auch andere Fähigkeiten, wie Heilkräfte. Das war interessant, besonders für Link. Dann fiel ihm ein weiteres kleines Büchlein auf, das auf dem Schreibtisch lag.

Es war sehr abgenutzt und zerfiel beinahe in Links Händen. Er warf einen Blick hinein und erfuhr so manches über das Fest des Friedens und über die Tatsache, wem das Fest galt... keinem anderem als dem Helden der Zeit... ihm...

            Dazu fiel ihm neben seinem Erstaunen nichts als ein: ,Na toll’ ein. Er las weiter und entnahm dem Geschriebenem Dinge über Prinzessin Zelda und irgendwelchen Gerüchten, die sich um sie drehten. Außerdem stand etwas über die letzten Tage in dem Tagebuch und darüber, wie Hyrule verblasste.

            Er blätterte zurück und las noch einmal genau nach: „Heute gegen Mittag kam Prinzessin Zelda persönlich in unserem kleinen Dorf vorbei- eine Schönheit ohnegleichen und einer der liebenswürdigsten Menschen, die mir jemals begegnet sind. Sie verhielt sich so anders als eine Adlige von hohem Rang und behandelte jeden Bürger hier wie Gleichgestellte. Das Gerücht scheint zu stimmen, dass sich der Held der Zeit persönlich im Schloss befindet, denn als ein Dorfbewohner die Prinzessin befragte, nickte sie und schaute mit ihrem graziösen Blick zu Boden. Ein seltsamer junger Mann begleitete sie, vermutlich eine Schlosswache. Er trug Kleidung aus dem Schloss und hatte ein Schwert auf dem Rücken. Er musste in etwa das Alter der Prinzessin haben und besaß goldblondes Haar, dass er zu einem Zopf verbunden hatte. Seltsam allerdings war, dass die Prinzessin diesem Mann einen Kuss auf die Wange gegeben hatte, als sie sich am Brunnen unterhielten. Der junge Kerl schien verletzt zu sein, denn manchmal stützte er sich an ihr ab und hielt eine Hand an seine Brust. Und das Gerücht die Prinzessin würde sehr bald das Bündnis der Ehe eingehen, musste ebenso wahr sein. Prinzessin Zelda- eine wahrhaft großartige Person...“

            Zeldas Stimme riss ihn aus seinen Gedanken und sie lugte halb durch den Türspalt. „Bist du soweit? Wir sollten dann weiterreiten. Da fällt mir noch etwas ein. Hast du Appetit auf  frischen Salat aus Hyrule?“ Link sah auf und nickte stumm.

„Gut. Hinter dem Dorf auf den weiten Feldern können wir ruhig welchen mitnehmen.“ Er schlug das Buch zu. Lächelnd folgte der junge Held ihr aus dem Gebäude und sie folgten dem Weg aus dem Dorf hinaus.

            „Zelda, erzählst du mir vom Fest des Friedens?“

„Woher weißt du denn davon?“

Link schaute halb trübsinnig zu Boden und erwiderte: „Es ist seltsam, aber... ich kann Hylianisch lesen. Einfach so, von heute auf Morgen. Dabei konnte ich es vor einer Weile noch nicht, und gelernt habe ich es auch nicht.“ Zelda lächelte ihn an. Für sie war das ein gutes Zeichen für Links Erinnerungen. Vielleicht erinnerte er sich allein durch den Aufenthalt in Hyrule an sein früheres Ich.

            „Link. Das ist fantastisch“, und sie warf sich ihm vor Freude um den Hals. „Natürlich erzähle ich dir etwas darüber, wenn du möchtest.“

            Sodann plapperte Zelda munter darauf los, erzählte über die Riten und der Bedeutung des Tages. Schließlich erzählte sie ihm, von dem damaligen Zwischenfall mit Mortesk und von seinem Aufenthalt im Schloss, der ein wildes Gemurmel beim hylianischen Volk entfachte. Denn jeder kannte den Titel: Held der Zeit. Niemand aber außer den Weisen und dem König, einigen weiteren Personen und Malon kannten seine wahre Identität. Ohne Verlegenheit erzählte Zelda ihm auch von der Tatsache, dass sie sich persönlich um seine Pflege gekümmert hatte und das sie, nach einigen Schwierigkeiten, durch die sinnlosen Ansichten ihres Vaters viele Tage zusammen verbracht hatten, um die Magie des Medaillons zu entdecken und einen weiteren fatalen Umstand zu verhindern... die Brechung des Siegels, welches Ganon von Hyrule fernhielt.

 
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