Kapitel 39
 
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Kapitel 39

 

 

 

 

Es war kurz nach Mitternacht, als beide Hylianer den südlich liegenden See erreichten. Das riesige Gewässer lag wie ein großer Wassertropfen zwischen einer Kette von kleinen Bergen und hatte etwas Melancholisches an sich.

Da sein Bild in der Erinnerung lebte und nur dort noch Existenz fand. Seine harmonischen Wogen, das reine, kristallene Wasser, die frische, klare Luft schafften eine angenehme Atmosphäre.

Link warf einen Blick hinaus auf die weite Wasseroberfläche und nur spärlich erkannte er inmitten des Sees mehrere kleine Inseln, von denen eine vermutlich den nächsten Zielpunkt darstellte.            

Aber vor dem Morgen würden sie nicht hinausfahren, um den Ort zu erkunden. Sie brauchten Ruhe, andernfalls würden sie sich beide erneut in derartige Gefahren bringen wie in der Weisenstätte der Wüste. Niemals mehr würden sie einen solchen Ort betreten, wenn sie ohnehin von den Strapazen der Reise geschafft waren. Diese Lehre hatten sie aus den Kämpfen in der Wüste gezogen.

Zufrieden und ein bisschen müde marschierten sie auf ein einzelnes steil und krumm in die Höhe ragendes Haus zu, welches direkt am Ufer des Sees lag und dadurch auffiel, dass ein außergewöhnlich langer, mausgrauer Schlot in die Höhe ragte. Von außen gesehen wirkte es sehr gemütlich, auch wenn es mehrere Stockwerke besaß. Kleine, fast runde Fenster mit zerbröselnden blauen Rahmen wirkten wie Augen an den mit Moos bewachsenen Steinwänden.

            Sie entdeckten eine alte, quietschende Haustür, die sie erst fanden, nachdem sie um das ganze Gebäude gelaufen waren. Rutschige Treppenstufen führten ein wenig in den Erdboden hinein und schließlich standen die beiden Hylianer vor einer kleinen Tür.

Link öffnete den unverschlossenen Zugang und betrat als erster das Häuschen. Sofort entfachte er das Feuer seiner Öllampe und stellte diese auf einen eher wackeligen Tisch, der sich links in einer Art Wohnstube befand. Das Zimmer war nicht besonders groß und durch insgesamt drei Türen hatte man Eintritt in weitere verstaubte Zimmer. Dennoch hatte diese kleine Wohnstube etwas sehr Ungewöhnliches, Befremdendes an sich. Überall standen in Regalen reihenweise größere und kleinere Glasfläschchen mit ekelerregendem Inhalt.

            Link trat näher und schaute sich die Inhalte genau an. Er erkannte Augen, Gehirne, Froschleichen und andere Dinge, die er nicht unbedingt aussprechen wollte. Wo bei Nayrus Segen waren sie gelandet?

            Zelda sah sich um und erinnerte sich, dass Link ihr in der Vergangenheit von diesem eigenartigen Labor erzählt hatte, selbst wenn sie noch nicht hier gewesen war. Ebenso hatte er ihr Horrorgeschichten über den alten, griesgrämigen Professor aufgetischt, die sie für blanken Unsinn und eine von Links kleinen Geschichten hielt. Aber jetzt, da sie dieses Labor mit ihren eigenen Augen erblickte, wurde ihr klar, dass ihr Heroe damals keineswegs Schauermärchen erzählt haben konnte. Neben den Flaschen, Gefäßen gab es auch Urnen mit wer weiß welchem Inhalt und Karten, Bücher und Stethoskope lagen kreuz und quer herum.

            Neugierig schlichen sie beide in weiteren Zimmern herum, entdeckten vielerlei stumpfsinnigen Kram, bei dessen Anblick man sich fragte, wozu zum Teufel er überhaupt existierte. Sie fanden ein Schlafzimmer mit einem zerwühlten Bett, eine abgenutzte Küche, wo sogar noch einige vergammelte Gänsekeulen in einer Pfanne angebraten waren, eine verstaubte Bibliothek und zu guter Letzt einen irreführenden, verwinkelten Keller. Weiterhin schauten sie sich um und wühlten in alten Truhen mitten im Keller herum.

            Zelda war gerade am Schnüffeln in einer alten Truhe, in der sogar Waffen lagen, vor allem Pfeile, die sie schnell in ihrer magischen Tasche verschwinden ließ, als Link unbemerkt in einem weiteren Kellerraum verschwand.

            Nach mehreren Minuten spürte sie dann, dass er fehlte und nicht wiederkam.

„Link“, rief sie und ihre Stimme schallte in den unterirdischen Kellerhallen umher. Dann hörte sie laute Geräusche aus einem Nachbarraum wie als ob einige Regale umgefallen wären. Sie rannte in Richtung der Laute und noch bevor sie die Tür öffnen konnte, kam ein blonder, junger Kerl fluchend aus ihr herausgestürmt und rannte sie beinahe über den Haufen.

            „Link, was ist denn passiert?“

„Frag’ lieber nicht?“ Sie sah ihn an und begann dann zu kichern. Sie zeigte mit einem Finger auf ihn. „Link, du siehst ja aus wie ein Schleimmonster“, platzte es aus ihr hervor und dann kugelte sie sich vor Lachen.

            Von oben bis unten, überhaupt alles an Link war übersät mit grünem Schleim: sein Haar und das Cape, sein grünes Hemd, die Jeanshose und selbst die Schuhe. Zelda ging auf ihn zu und berührte den Schleim an seiner Nase.

„Na, mein Schleimmonster. Du hast dir aber eine schöne Farbe ausgesucht... haha.“ Dann hielt sie es nicht mehr aus und lachte erneut herzhaft angesichts Links Anblick, der nur verärgert drein sah, seine Fäuste ballte und seine Augen vor Wut zusammenkniff.

            „Ich suchte gerade nach irgendeinem Gegenstand, als mir eine Falltür in dem Raum auffiel. Natürlich öffnete ich sie und dann ist es passiert“, erklärte der Held.

            Er lief mit ihr aus den Kellerräumen und allmählich trocknete der Schleim an seiner Kleidung, was bedeutete, dass dieser noch schwieriger zu entfernen sein würde. „Aus der Falltür kamen etwa zwanzig grüne Schleimviecher. Wie nennt man die gleich noch mal? Wobbler?“

„Ja, das ist richtig. Und hast du sie wenigstens vernichtet, mein grünes Schleimmonster.“

            Link warf ihr einen bösen Blick zu und sagte: „Jep, sei froh, dass ich solche guten Manieren habe, sonst hätte ich dich gleich in einen Schleimhaufen geworfen, als du das erstemal gelacht hast, du kleine Hexe...“ Sie lachte wieder und nun wurde es Link doch noch zuviel.

„Zelda, auch jetzt gibt es noch Schleim in dem Zimmer“, sagte Link borstig, als sie einer Treppe ins erste Stockwerk folgten.

„Ja, und?“, meinte sie gehässig, eilte voraus und blickte mit unschuldigem Engelsgrinsen über ihre Schulter. Link konnte nicht anders, er lächelte ebenso, als ob sie ihn mit ihrem Lächeln bereits unter ihre Kontrolle gebracht hatte. Dieses schmuckhafte Lächeln war das reinste Wunderwerk für ihn.

„Zelda...“, sagte er leise und hatte etwas irrsinnig sehnsüchtiges in seinem Blick. Langsam trampelte er in ihre Richtung. Aber seine Prinzessin war für romantische Stimmung einfach nicht zu haben.

            „Mein grünes Schleimmonster!“, hauchte sie frech.

Link stieg das Blut in die Wangen, hustete kurz und sagte trotzig: „Vielleicht überlege ich mir das mit meinen guten Manieren erneut und dann ist die Prinzessin von Hyrule hier das Schleimmonster. Vielleicht finden wir ja rosa Schleim, der würde dir besser stehen, nicht wahr?“

Jetzt warf Zelda ihm einen bösen Blick zu und noch ehe sie sich versah, hatte Link ihr eine Schleimkugel in das blonde Haar geworfen.

„Igitt, musstest du das machen!“

„Jep, du hast mir keine Wahl gelassen.“ Er wischte sich den restlichen Schleim von seinem Ärmel und formte damit eine weitere Kugel, die er Zelda in das überraschte Gesicht schmetterte.

„Link“, fauchte sie, „es ist genug verdammt!“ Sie rannte davon, als er wieder eine Kugel formte und seine Prinzessin deren Ziel darstellte. Link sputete ihr hinterher und sie rannten beide durch das ganze verwinkelte Haus, versteckten sich voreinander und rannten aufkreischend auf und davon, wenn sie die Nähe des anderen spürten.

            Nach einer Stunde hatten sie sich beide wieder unter Kontrolle und stellten den Wildfang in ihren Seelen ab. Lachend setzten sie sich in die Stube und hatten jeweils eine Schüssel mit warmen Wasser vor sich stehen, mit der sie versuchten den Schleim wegzuwischen. Bei Link jedoch half die Prozedur nichts, da sich der Schleim bereits tief in seine Kleidung hineingefressen hatte. Was nun? Er konnte nicht nackt durch Hyrule watscheln...

            Die Prinzessin jedoch musste einen solchen Notfall haben kommen sehen, da sie überraschenderweise Kleidung für ihren Helden dabei hatte. Sie kramte in den magischen Taschen herum und fand seine alte Kleidung.

Ratlos sah Link sie an: „Ich soll wirklich eine Tunika, das weiße Hemd und diese enganliegende Hose... äh Strumpfhose... und die Stiefel, wie auch ein Paar Handschuhe anziehen. Ach... Zelda. Ich weiß nicht.“

„Nun hab dich doch nicht so. Entweder du trägst das oder deine schleimbesudelten Klamotten... außerdem...“, setzte sie dann leiser hinzu, wurde leicht verlegen und blickte zu Boden, „... du sahst... in den Klamotten immer sehr... gut aus. Probier’ es doch wenigstens aus... dann kannst du immer noch entscheiden, was du tun willst.“

            Mit einem Seufzen verschwand Link und kam nach einer Weile zur Überraschung Zeldas mit dem Outfit der Kokiri zurück. Die etwas edlere, aus teurem Baumwollstoff bestehende grüne Tunika stand ihm ausgezeichnet und betonte zu Zeldas Freude seinen athletischen Body. 

Zelda starrte ihn lange an und flüsterte fast: „Und wie findest du es?“

„Na ja, geht’ so.“ Link schaute an die Decke und beschwerte sich seltsamerweise nicht mehr. Irgendwie fühlte er sich in den Klamotten wohl, auch wenn er sich am Anfang strikt geweigert hatte, diese zu tragen. Aber eine grüne Mütze konnte Zelda leider nicht auftreiben.

            „Zelda, noch etwas. Ich habe in den Kellerräumen einen weiteren Stein gefunden. Erneut einen roten, den ich dann gleich in meine Tasche gepackt habe.“

„Aha“, meinte sie kurz und wirkte nicht mehr verwundert. Wie viele solche Steinchen würden sie denn noch finden?

            Sie entschieden sich sofort Schlaf zufinden, da morgen ein harter Tag wäre. Sie krabbelten unter ihre Decken und machten es sich im Wohnzimmer bequem.

            Aber Link stand nach einer Weile wieder auf, ging nach draußen und setzte sich an den Rand des gigantischen Sees. Wind durchwühlte sein blondes Haar, ein angenehmes Gefühl, das er aus irgendeinem Grund vermisst hatte. Ja, er fühlte die Vergangenheit, die in seinem Herzen ruhte und allmählich rückten Gefühle, Gedanken in sein Bewusstsein, die ihren Platz nur in der Vergangenheit haben konnten.

Ein heller Mond stand am Horizont, dessen Schein sich auf der reinen Wasseroberfläche spiegelte. Alles war so friedlich, so perfekt. Er wünschte sich nun, er könnte hier bleiben, in Hyrule, in der alten Heimat und er wünschte, er könnte diese Zeit mit Zelda teilen. Was würde passieren? Würde er Ganondorf bezwingen können? Was, wenn danach alles wieder in Ordnung war und auf der Welt tatsächlich alles wieder gerade gebogen wäre? Könnte er dann überhaupt noch ein gewöhnliches Leben führen? Wohl eher nicht...

            Und schon wieder grübelte er über die Dinge nach, die noch geschehen sollten. In seinen tiefblauen, ernsten Augen lag Zerstreutheit und Ungewisses. Andächtig beobachtete er die ruhige Wasseroberfläche und genoss die kühle Brise eines hylianischen Windes, der nicht wirklich war.

Er schloss seine Augen und lächelte dann teilweise erzwungen. Ihm war nicht danach zumute, aber es half ihm ein wenig über den Frust der letzten Tage hinweg.

Er lief zurück in das Haus und fand Zelda schlafend. Sie lag auf dem Boden, eingekuschelt in eine pelzige Decke, direkt neben dem Kamin mit den glühenden Kohlen. Erneut musste sie jenen Alptraum haben, da sie am ganzen Körper zitterte. Ihr war kalt, sie brauchte ein wenig Wärme... seine Wärme, dachte Link. Er konnte sie doch nicht einfach so... liegen lassen...

            Der Heroe nahm sich seine Decke und legte diese ebenfalls über sie. Er streichelte über ihre Wangen, murmelte etwas Liebes in ihr Ohr, aber sie stoppte nicht zu zittern. Eine Träne auf ihrer Wange machte ihm nun endgültig deutlich, dass sie jenen Alptraum jede Nacht hatte. Außerdem begriff er langsam, wieso sie ihm diesen Traum verschwieg.

„Link...“, hörte er sie wimmern. Er versuchte sie zu beruhigen und küsste sie auf ihre Stirn.

            Dann endlich kuschelte er sich zu ihr unter die Decke und drückte ihren kalten Körper an seinen. Ein wenig geschockt über ihre kalte Haut an seiner, bemerkte er kurzzeitig ein neues, aber atemberaubendes Gefühl. Er spürte einen wunderbaren Hauch von Wärme auf seinem linken Handrücken, eine Art Kribbeln und irgendwie packte ihn die Sehnsucht nach diesem Prickeln. Es machte süchtig. Er wollte kurzum, dass diese Empfindung nie mehr verschwinden würde.

Es wirkte erweckend, herausfordernd, zeigte ihm unbekannte Bedürfnisse in seinem Inneren auf, unbekannte Kräfte und eine Stärke, die aus seinem Willen geboren wurde. Und irgendwie ahnte Link, das dieses Gefühl, welches sich über seinen ganzen Körper ausbreitete und das er nicht loslassen wollte, etwas mit Zelda zu tun haben müsste.

Waren es vielleicht gerade die Dinge, die sie in ihm erwecken konnte? Er ließ sich von dem Gefühl leiten und umarmte Zelda, wie er sie noch nie umarmt hatte, gleichzeitig überrascht darüber, wieso er ihre Nähe nicht schon früher auf diese Weise gefordert hatte.

            Plötzlich brach eine Flut von Bildern auf ihn ein. Nur verschwommen erkannte er diese, aber sie hinterließen ein unbeschreibliches Gefühl der Zuneigung und Zelda stand im Mittelpunkt.

            Er sah sich selbst, wie er durch den Sumpf mit den Moorgeschöpfen stapfte und Zelda erreichte. Fast schmerzhaft erkannte er vor sich, wie alles undurchsichtiger und undeutlicher wurde und ein zischendes, abstoßendes Gemurmel überschattete seine restlichen Sinne.

Es bohrte sich in sein Herz hinein und er konnte verstehen, was ihm jene Geschöpfe zuflüsterten. Es ging um Zelda, nur um sie und alles andere wurde unwichtig.

            Er sah sich selbst, wie er ihr so nahe war, wie noch nie zuvor, wie er sie in seine Arme nahm und sie sich schließlich küssten. Alles verschwamm, die Bilder waren so verzerrt, wie in einer heimtückischen Vision, aber Link wusste, dass diese Küsse geschehen waren. Er sah, wie er sie vollkommen in seinen Armen hatte, sie nicht entkommen ließ und wild an ihrem Hals liebkoste. Die Bilder brachen zusammen wie Scherben, als Link schnell seine Augen öffnete und schockiert Zelda in seinen Armen ansah. Er legte vor Schreck eine Hand auf seinen Mund und schien zutiefst beschämt zu sein, über das, was er soeben gesehen hatte.

Trotz allem begriff Link, das gerade diese Dinge zwischen ihnen passiert waren. Sie hatten sich geküsst, nein, sie hatten einander halb verschlungen und waren beinahe wie Tiere übereinander hergefallen. Oh je... Was hatten diese Moorgeschöpfe nur mit ihnen angestellt? Aber Schlimmer noch... was wäre, wenn er nicht alles gesehen hatte und sie noch weiter gegangen waren... was, wenn sie... verdammt, bin ich noch zuretten, fragte er sich, als sein Herz in der Brust den pochenden, starken Rhythmus beschleunigte. Was, wenn sie einander noch näher gekommen waren?

            Link machte seinen tiefblauen Augen zu und versuchte seine Gedanken und Empfindungen zu betäuben. Zelda... was haben wir getan, sagte seine Stimme in den Gedanken, bevor auch er endlich für einige Stunden seine Augen schloss. Das Kribbeln auf seinem Handrücken aber verschwand und hinterließ keine Spuren, geradeso, als wäre es nicht da gewesen.

 

Am frühen Morgen lag ein stiller Nebel über dem See. Trotz allem stiegen die zwei hylianischen Seelen in eines der Boote und ruderten hinaus, bemüht die versteckte Weisenstätte zufinden. Link hatte die zwei dunkelbraunen Ruder in der Hand und bewegte das Boot vorwärts, während Zelda misstrauisch auf die Wasseroberfläche blickte und ein sehr ungutes Gefühl sie heimsuchte. „Wir sollten uns beeilen, Link. Die Morgendämmerung über dem See ist sehr tückisch.“ Er nickte bloß und warf ebenso einen Blick auf das trübe Wasser des Sees.

            Die Sonne ging gerade auf und warf einen rötlichen Schein durch das dichte Nebelgeschwader. Link ruderte ein wenig schneller und mit mehr Kraftaufwand. Auch er bekam allmählich ein merkwürdiges Gefühl. Der See schien so tief zu sein, dass man lieber nicht wissen wollte, was sich auf dem Grund verborgen hielt.

Sie befanden sich weit vom Ufer entfernt, als erstmalig komische Blubberblasen aus dem Wasser hervorstiegen. Zeldas rechte Hand wanderte zu dem Griff ihres Schwertes. Beruhigenderweise kamen keine weiteren Blasen aus dem See, worauf sich die Situation wieder entspannte. Das Boot bewegte sich weiterhin fast lautlos über das zu ruhige Wasser hinweg.

            „Zelda, ich muss dir etwas gestehen...“, meinte Link. Sie schaute ihn überrascht an und fragte sich brennend, mit welcher Wahrheit er jetzt herausrücken wollte.

„Ich habe dir die letzten Wochen etwas verschwiegen. Nun ja, vielleicht ist es gar nicht so wichtig, andererseits solltest du es wissen.“ Eine Pause entstand.

„Nun erzähl’ schon. Was ist es?“, sagte sie auffordernd und blickte erneut auf die Wasseroberfläche. Irgendetwas lauerte da unten, tief in dem See, irgendwo auf dem Grund...

„Ich hatte manchmal Gesellschaft von diesem kleinen Kerl, du weißt, der kleine Fratz mit der grünen Tunika, aber das ist noch nicht alles...“ Das fast übernatürliche Funkeln in ihren blauen Augen sprach Bände. „Gelegentlich ist mir ein weiteres kleines Etwas auf die Nerven gegangen. Es war ein Mädchen mit blonden Haaren, die etwa im gleichen Alter, wie der keine Kerl ohne Namen war und seltsamerweise ebenso keinen Namen hat.“ Zelda zog ein nachdenkliches Gesicht. „Kann es sein, dass diese beiden etwas miteinander zu tun haben? Vielleicht sind es auch ein und dieselbe Person, wer weiß...“

„Ich kann dir darauf keine Antwort geben, Link. Aber schön, dass du mir von der Sache erzählt hast. Die Zeit bringt sicherlich Antworten...“

„Ja, das hoffe ich“, setzte Link hinzu.

            Etwa eine halbe Stunde verging, als die Wasseroberfläche plötzlich unruhiger wurde und weitere Bläschen vom See heraufstiegen. Der morgendliche Nebel verzog sich allmählich und die Sonne strahlte vom Horizont herab. Zelda lehnte sich ein wenig über die Kante des Bootes und blickte durch das Wasser hindurch. Zuerst konnte sie nichts erkennen und beugte sich noch mehr über die Wasseroberfläche. Sie lehnte sich entspannt zurück und seufzte erleichtert. Sicherlich nur Einbildung. Wieder vergingen einige Minuten, doch dann...

            Die Blubberblasen stiegen in deutlicherer Anzahl nach oben, sodass auch Link einen Blick riskierte und das Wasser untersuchte. Vielleicht entdeckte er mit seinen scharfen Augen ja etwas. Tatsächlich sah er kleinere Schatten unter der Wasseroberfläche. Sicherlich nur ein paar Fische, über die man nicht nachdenken bräuchte.

Doch dann sah Zelda plötzlich einige größere Schatten, die sehr unbehaglich aussahen und die einen weiteren Gedanken wert waren. Sie wies Link an, schneller zurudern und nutzte ihre magischen Kräfte für einen kleinen Antrieb. Und das Boot sauste so geschwind wie ein richtiges modernes Motorboot über den See, welche es in Hyrule selbstverständlich nicht existierte. Nebenbei... Magie war doch tausendmal schöner als Strom...

            Nach einer Weile zügelten die beiden ihr Tempo und waren nun fast in der Nähe der Insel, die neben dem Eingang zu einem alten Tempel an dessen Grund einige Brücken beherbergte, welche zu anderen kleinen Inseln im Nebel führte. Link schaute erneut nachdenklich über das Wasser und sein Blick verriet Zelda, dass es noch andere Dinge gab, wichtigere Dinge, die er ihr verschwiegen hatte. Ob er möglicherweise ahnte, dass sie ihm Einsicht in ihre Träume vorenthielt? Aber schließlich hatte sie ihre Gründe, ihm gerade diesen Traum zu verschweigen. Es würde ihm seine Hoffnung nehmen, und diese müsste er unbedingt am Leben erhalten...

            „Link? Ich bin neugierig...“, sagte sie und beugte sich leicht zu ihm nach vorne. Sie grinste ein wenig und musste eine interessante Frage haben, die ihn sicherlich aus der Fassung bringen würde.

„Schwöre, dass du mir die Frage beantwortest, die ich dir gleich stelle.“

„Klar, worum geht’s, Zelda?“ Er ruderte gelassen weiter und hatte nicht den blassen Dunst, dass diese Frage ihn um Kopf und Kragen bringen konnte. Er schaute Zelda an, die nur noch breiter grinste. Dann schaute sie an ihm vorbei, hinein in das Wasser.

„Warst du schon mal... ich meine, so richtig, versteht sich...“ Zelda wurde knallrot im Gesicht, besonders, da Link sie noch genauer beäugte.

„Was denn nun?“

„Verliebt, Link, das wollte ich sagen.“ Seine Augen weiteten sich und beinahe wären ihm die Ruder aus den Händen gerutscht. Was sollte diese Frage denn jetzt?

„Verliebt?“, sagte er und wollte sich wohl vergewissern, dass er sich ja nicht verhört hatte.

„Ja, genau“, entgegnete sie.

            Er schaute weg, aber verbarg eine aufkommende Verlegenheit vor Zelda.

„Mmh...“, sagte er und überlegte sorgfältig, was er sagen sollte. Aber warum stellte sie ihm jetzt diese Frage? Peinlich... echt peinlich für Link, aber er blieb ernst und hart, zeigte keine Gefühlsregung, aus Angst vor seinen wahren Empfindungen. „Warum fragst du mich das, Zelda?“

„Ach, nur so“, meinte sie, schüttelte abtuend mit ihren Händen und schaute schräg zur Seite. „Ich war nur neugierig, Link.“

            Nach einer Weile meinte er: „Zelda, ich weiß nicht genau... manchmal habe ich einfach das Gefühl, ich warte auf irgendwas. Das war zumindest immer so gewesen.“

„Du meinst, du wartest auf die eine, wahre Liebe?“ Er schaute sie an, behielt seinen ohnehin schon für Zelda tiefgründigen Ausdruck in den Augen bei.

„Du denkst, sie existiert? Die Liebe auf den ersten Blick?“

„Es wäre schön, wenn es so wäre...“ Jetzt war auch Link neugierig und zog die Ruder in das Innere des Bootes.

„Warst du denn schon mal so richtig verliebt? In der Vergangenheit?“ Sie schaute betrübt auf die Holzbretter des Bootes. Sie umfasste die Kette an ihrem Hals und spielte mit dem Anhänger.

„Ich wusste nie, was Liebe ist, Link. In meiner Position als Prinzessin von Hyrule gab es nie Platz für Gefühle, die über einfache Freundschaften hinausgingen. Es gab für mich nie die Chance mich einfach gehen zu lassen, ohne das ich nicht wieder an Hyrule gedacht habe. Sicherlich... irgendwann hätte ich jemanden an meiner Seite gehabt, der zusammen mit mir über Hyrule herrschen würde, aber... es wäre niemals wahre Liebe aus einer solchen Verbindung entstanden.“

„Warum nicht? Mit der Zeit lernt man jemanden doch lieben, oder?“ Sie suchte seinen Blick für einen Moment und schaute dann schnell weg.

„Vielleicht, aber es wäre niemals die wahre Liebe gewesen, die ich gerne...“

„Mmh?“, sagte er, da sie ihm das wohl verschweigen wollte, aber es interessierte ihn.

„... die Liebe, an die ich gerne geglaubt hätte. Außerdem hatte auch ich den Eindruck, auf jemanden zu warten.“ Link lächelte sie vielsagend an und beinahe hätte er gesagt: ,Auf mich?’, aber er unterließ es höflichst.

            Er nahm die Ruder wieder und das Boot bewegte sich gemächlich auf die kleine Insel zu. Als sie an einem Steg anlegten und festen Boden unter den Füßen verspürten, fühlten sie sich mehr als erleichtert. Sie stapften auf der Insel hin und her und entdeckten zunächst nichts. Bloß der alte heilige Tempel der Sechs Weisen befand sich am Grund.

            „Unter uns befindet sich der Wassertempel, der aber nicht unser Ziel darstellt. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass eine unsichtbare Brücke in die Wahrheit, die Stätte eines Weisen verbirgt. Wir müssen bloß daran glauben, den Weg zu finden.“

„Sag’ mal, dieser Nebel dort... ist der immer, ich meine, löst der sich denn nicht mal auf?“

„Nein, das ist ja das Geheimnis, Link. Die Weisenstätte befindet sich auf einer Insel, die unsichtbar ist für gewöhnliche Augen. Und in dem Nebel, der dort wartet, wartet auch unser Schicksal.“

 

Mit geschlossenen Augen, Hand in Hand, tapsten die beiden Hylianer hinein in das kühle Wasser... irgendeinen Weg und liefen Minuten. Doch mit jeden weiteren Schritt spürten sie erneut festen Boden unter den Füßen. Kein Wasser, welches in die Stiefel tröpfelte...

Als sie die Augenlider aufflattern ließen, standen sie umhüllt von dichten Nebelflocken auf der besagten magischen Insel.

Sie fanden schnell den Eingang zu dem alten, unterirdischen Verlies, das von einigen Laubbäumen umgeben war. Wenige, rutschige Treppenstufen führten hinein in die Dunkelheit der Stätte, die nur darauf wartete betreten zu werden.

            Link packte seine Öllampe aus, nahm Zeldas rechte Hand wieder feste in seine, und sie liefen gemeinsam hinein in die Dunkelheit. Vorsichtig folgten die Spitzohren einem schier endlosen Gang, der immer steiler wurde, bis sie schließlich einige breite Treppenstufen vor sich hatten.

„Link, ab jetzt sollten wir sehr vorsichtig sein, da dieser Ort für Unmengen von Fallen berüchtigt ist.“

„Okay, danke für den Hinweis.“ Sie liefen, noch vorsichtiger als vorher, die Stufen hinab und warfen ab und zu einen Blick zurück, oder an die glitschigen Wände links und rechts von ihnen. Von irgendwoher kam dann ein Luftzug und das Licht von Links Lampe ging aus. Er entfachte sie wieder und sah dann in Zeldas besorgtes Gesicht.

„Hey, ist alles in Ordnung?“

„Äh, ja, ich habe nur versucht mich an die verwinkelten Räume dieser Stätte zu erinnern.“ Also war Zelda schon einmal hier. Das stimmte Link zumindest ein wenig fröhlicher. Wenn Zelda schon einmal hier war, standen die Karten nicht schlecht, dass sie heil aus dem Labyrinth herauskamen.

            Wenige Minuten später standen sie vor einem gewaltigen Tor, welches aus massiven, verrosteten Eisenstäben bestand. Es war geschlossen. Zelda packte ihren Schlüsselbund mit den Unmengen von kleinen und großen Schlüsseln aus und versuchte es zu öffnen. Aber allem Anschein nach hatte sie den richtigen Schlüssel nicht parat.

Trübsinnig standen sie vor dem Tor, grübelten nach und wurden ungeduldig. Link betrachtete sich derweil erneut sorgfältig die linke Wand, wo ein kleiner Riss ihn aufmerken lies. Er schaute mit einem Auge durch und erkannte das Leuchten einer oder mehrer Fackeln. Dann waren da Stimmen. Vermutlich hatte Ganondorf den Ort schon unter seiner Kontrolle und Wachposten aufgestellt, die allem Anschein nach das Tor versperrt hatten.

Zelda ließ sich auf den Boden sinken, seufzte und versuchte einen klaren Kopf zu behalten. Sie bräuchten eine Idee.

Link allerdings grinste hinterhältig in sich hinein. Er schaute erneut durch den Schlitz und begann mit seinen waghalsigen, zum Teil stumpfsinnigen oder aber gefährlichen Ideen. Er holte tief Luft und brüllte so laut wie er konnte: „Verdammt. Da drüben sind ja Moblins.“ Zelda sprang entsetzt auf. War er noch bei klarem Verstand? Er wollte diese Moblins doch nicht etwa herausfordern? Oder doch? Zelda wollte ihn gerade für diese Dummheit anschreien, aber dann sah sie das dämliche Grinsen in seinem Gesicht und ihr ging ein Licht auf. Nun wusste sie, was er vorhatte... 

            Moblins hatten nicht sehr viele Gehirnzellen und sicherlich würden diese nach Links lauten Rufen allesamt zu dem Eingang des Tempels stapfen. Sie würden das Tor öffnen und den zwei Hylianern stand dieses dann offen.

Zelda hätte auch ihre magischen Kräfte nutzen können, aber bei der Erschütterung könnte man die Unterwasserstätte vielleicht zum Einstürzen bringen.

Sie bräuchten nur noch abzuwarten.

            Sie versteckten sich gemeinsam in einer dunklen Ecke, direkt neben dem Tor und warteten auf das Erscheinen von Ganons Vasallen. Diese kamen tatsächlich nach einer Weile an, murmelten irgendetwas, schienen sehr verärgert zu sein und schlossen das Tor auf. Da sie ohnehin von Ganon mit einem verschwindend geringen Intelligenzquotienten ausgestattet wurden, wussten sie gerade noch, wie man Türen öffnete, aber den Schlüssel ließen sie stecken. Sie stapften durch das Tor, an Link und Zelda, die sie nicht sahen oder sehen wollten, vorbei und blieben stehen.

Für die Heldengestalten die Gelegenheit. Auf Zehenspitzen schlichen die beiden durch das alte Tor und schoben es zu. Die Moblins drehten sich um, als Link mit einem gemeinen Funkeln in den Augen den Schlüssel umdrehte und diesen in seiner magischen Tasche verstaute. Die Moblins grunzten, rannten wie Idioten zu dem Tor und schlugen sich ihre Schädel an den Stäben ein.

„Danke für den Schlüssel“, sagte Zelda vorlaut und folgte ihrem Heroen weiter in das verwinkelte Gebäude. Die Moblins jedoch grunzten und blieben nutzlos vor dem großen Tor stehen.

            „Deine Einfälle überraschen mich immer wieder. Das war eine sehr gute Idee, Link.“

„Ach ist das schön. Ich erhalte ein Lob von Zelda. Der Tag beginnt fantastisch.“ Sie lächelte und hatte im Moment sehr gute Laune. Allerdings würde dieser Tag vielleicht noch böse enden...

„Du hast früher sehr oft Lob von mir erhalten, mein Held.“

„Wirklich? Hattest du denn einen Grund mich zu loben, oder war ich ein frecher Junge?“

„Gerade deswegen habe ich dich gelobt.“ Link fiel dazu nichts mehr ein und im Geheimen fragte er sich, was um Himmels Willen er früher noch so angestellt hatte, nur um vor der Prinzessin von Hyrule wie ein Wildfang dazustehen...

            Nach einer Weile gelangten die Hylianer in ein höheres Gewölbe. Ein schmaler Holzweg führte über einen riesigen unterirdischen See, dessen giftgrünes Wasser verriet, das man sich darin kein Bad gönnen sollte. Link war neugierig und warf ein Stückchen vergammeltes Brot in den See. Es landete mit einem Zischen auf dem Wasser, und löste sich im Anschluss in einer Rauchwolke auf. Das wird brenzlig, dachte der junge Mann und lief als erster sehr vorsichtig über die schmale, wacklige Brücke, die leider kein Geländer hatte. Zelda folgte direkt hinter ihm. Während des Weges fiel Link ein kleines verrostetes Abflussrohr in einer hinteren Ecke des Gewölbes auf. Zum Glück war das Gewölbe von vielen Fackeln beleuchtet, sodass man schnell auf näherkommende Gefahren reagieren konnte, oder so kleine Dinge wie ein Abflussrohr auffielen. Mühsam und mit einem erleichternden Seufzen erreichten sie das andere Ende der Hängebrücke. 

            Sie folgten weiteren, schmalen Gängen, an deren Wänden Wasser entlang tropfte und sich auf dem Boden sammelte. Jeder Schritt hinterließ ein unüberhörbares Geräusch, und jeder Schritt sorgte für mehr Wasser in den Schuhen. Link blieb plötzlich abrupt stehen. Er spürte irgendeine Gefahr und wunderte sich zunächst, dass er diese immer deutlicher erkennen konnte, je länger er mit Zelda in Hyrule war. Es mochte seltsam klingen, aber irgendetwas brachte ihm bei auf näherkommende Gefahren zu reagieren, selbst wenn er diese nicht sehen, hören oder riechen konnte. Es gehörte zu der Macht seines Mutes, wie er irgendwann herausfinden würde. Der Macht des legendären Mutes. Seines Mutes.

            Zelda blieb ebenso stehen und hörte nur ein leises: „Pst.“ von Link. Er jedoch reichte ihr kurz seine Öllampe, nahm einen Stein und warf diesen auf den Boden in jenem dunklen, feuchten Gang. Der kleine Stein landete klappernd auf dem Boden aber nichts geschah. Genervt wollte die Prinzessin weitergehen, doch Link hielt sie davon ab und packte sie an ihrem Handgelenk, sodass sie entgegen ihres Willens stehen blieb. Ihr erzürntes Gesicht wollte gerade einige Worte hervorbringen. Aber sie wurde von einem sanftmütigen Blick ihres Helden daran gehindert.

            „Vertrau’ mir“, murmelte er und warf erneut einen Stein. Auch dieser landete auf dem Boden.

            Dann geschah es und innerhalb von Sekunden flitzten etwa zwanzig Sensen aus den Wänden, die jeden, der weitergelaufen wäre, in Dutzende Stückchen zerhackt hätten. Mit einem Summen schwangen die messerscharfen Fallen hin und her, bereit niemanden passieren zu lassen.

„Woher wusstest du das?“

„Keinen Plan“, entgegnete Link, der sich ab jetzt auf seine heimlichen Vorahnungen verlassen würde.

            Zelda nutzte ihre Kräfte und brachte die Sensen mit einigen Handbewegungen zum Stehen. Leise und vorsichtig mogelten sich die beiden Hylianer an den Sensen vorbei, stets bedacht, die gefährlichen Hiebwaffen zu umgehen. Sie schlichen weiter und gelangten an eine Gabelung des Weges. Die Gänge waren außerdem wieder breiter und höher und damit angenehmer zu passieren. Link entzündete einige Fackeln an den Wänden, um eine bessere Sicht zu haben. Der Weg gabelte sich also in fünf weitere Richtungen. Zwei Gänge wären einfach zu begehen, da sie keinerlei Behinderungen aufwiesen. Bei den restlichen drei Gängen sah es schon anders aus. Ein Weg wurde von einer Tür mit einem merkwürdigen Symbol verschlossen, vor einer anderen Tür, die vermutlich ohne weiteres geöffnete werden konnte, befand sich ein großes Loch, welches sich von einer Wand zur anderen erstreckte. Die letzte Möglichkeit sah einladender aus und befand sich in der Mitte aller Gänge. Es handelte sich um einige Treppenstufen, die womöglich in ein höheres Stockwerk führten. Nach reiflichen Überlegungen entschieden sie sich für einen der unteren Gänge.

            Genervt standen sie vor einer kleinen Öffnung in der Wand, einem kleinen Tunnel durch den sie bloß kriechen konnten. Link krabbelte vorneweg, Zelda hinterher. Und wiedereinmal gelangten sie in einen großen Raum, wo sich eine Art Quelle befand, aus der giftgrünes Wasser floss und ein altes hylianisches Zeichen aus dem Boden abgebildet war. Eine Inschrift lautete in etwa: „Suche das Wasser, suche es nicht. Antworten auf viele Fragen gibt es nicht.“ Link, der ja aus unverständlichen Gründen die Gabe dieser Sprache erhalten hatte, ließ diese Wörter zweimal durch, nein, sogar dreimal, aber den Sinn verstand er nicht.

            „Ich werde mir diese Worte merken. Vielleicht kommen wir ja später auf ihre Bewandtnis“, sagte  Zelda zuversichtlich.

„Okay. Ich hoffe nur, dir fällt dazu was ein.“ Dann bemerkte Zelda noch eine Art Schalter direkt neben dem Brunnen. Allerdings sah dieser äußerst verrostet aus.

„Link, mein Schatz, würdest du mir bitte mal helfen?“ Und seine Prinzessin betätigte den Schalter, allerdings benötigte sie tatsächlich die Hilfe ihres Helden. Link wunderte sich zunächst über ihre Art und Weise ihn anzureden, tat aber dann so, als hätte er es überhört und half ihr dabei den Schalter umzulegen. Das Wasser in dem Auffangbecken verschwand, genauso plätscherte keines mehr in es hinein. 

Sie sahen sich noch eine Weile um, aber es gab in dem Raum nichts mehr zu erledigen.

            Ein wenig ratlos liefen sie zurück zu der großen Gabelung und entschieden sich für den nächsten Weg, den man einfach passieren konnte, ohne dass es eine Behinderung gab. Sie öffneten die alte Holztür und schlichen leise in den darauffolgenden Gang. Alles war so ruhig, man konnte lediglich ein paar Wassertropfen hören, die mit einem kurzen Platsch auf den steinernen Boden fielen. Die Luft in dem Gang wurde immer schlechter, stechender, rauer, und der Gang an sich hatte etwas Beängstigendes. Das Gestein besaß überall Risse und alles deutete darauf hin, dass ein großer Druck von außen dafür sorgte, dass diese Wege nicht mehr lange bestehen sollten.

            Das Pärchen legten einen Zahn zu und waren dennoch vorsichtig. Wer wusste schon, welche Fallen sich außerdem noch in den alten Gängen des Tempels befanden. Sie liefen weiter und weiter und allmählich hatten sie den Eindruck im Kreis zulaufen... Nahm denn dieser blöde Pfad kein Ende?

            Dann jedoch erhielten sie beide Gesellschaft. Ein Zischen, Fauchen kam näher und Link hielt sogleich sein Schwert bereit. Auch Zelda bereitete sich auf einen Kampf vor und spannte ihren Bogen. Aber das Geräusch ließ sich einfach nicht orten. Mal erschien es von hinten, mal von vorne zukommen. Dann wiederum hallten die Geräusche umher, als kämen sie aus den Schlitzen der Wände. Link blickte gespannt um sich, spürte die Ankunft einer gewaltigen Gefahr, spürte, wie sein Herz seinen Rhythmus beschleunigte. Angst kennt viele Gesichter und er würde ein neues von ihr entdecken...

Das Geräusch kam näher, sein lüsterner Todestrieb saugte jegliche Energie aus der Luft.

            Rücken an Rücken warteten Link und Zelda auf die Ankunft einer nächsten Höllenkreatur, die Ganondorf aus purer Freude aus dem Reich des Todes zurückgeholt hatte. Dann wurde ein tosendes Aufstapfen, grobes Trampeln, auf dem Boden spürbar. Selbst die ohnehin schon rissigen Wände vibrierten. Die anfängliche Vermutung bestätigte sich und die zwei Hylianer sahen sich mit Gefahren aus beiden Richtungen konfrontiert.

Alsdann waren Schatten zu erkennen, die trollgroße Kreaturen mit gewichtigen Morgensternen zeigten. Die Schatten wanderten an den Wänden entlang wie Spinnen, die vor ihrem größten Feind flohen und mit jeder Sekunde, die verrann, gewannen die Bestien in den Gängen an Mordgier. Stupide, unidentifizierbare Laute aus ihren Kehlen, ein Grunzen, Zanken, ein paar tiefe Stimmen voller Grausamkeit und Blutdurst. Zelda stieg der Schweiß über die Stirn und ihr Atem wurde zügellos, pfeifend. Ihre Augen hasteten von einer Stelle zur anderen, ihre Hände verkrampften sich. Das Stapfen wurde lauter, gefährlicher, tödlicher. Die Schatten an den Wänden wurden breiter, höher und die Gefahr wuchs.

            Aus den gebogenen Gängen kamen zwei riesige Zyklopen oder Trolle, einer aus jeweils einer Richtung, die nichts weiter als einen Lendenschurz trugen. Jeder hatte einen Morgenstern und ein einzelnes Auge auf der Stirn. Als sie die kampfbereiten Elfen entdeckten, wurden sie wütend und stapften schneller in ihre Richtung. Hastig schwangen sie ihre Morgensterne, und die brutalen Waffen krachten geräuschvoll an die alten Wände, hinterließen tiefe Löcher...

Ein Zyklop war in Windeseile bei den Hylianern angelangt und schleuderte seine mit Stacheln besetzte, blutbeschmierte Waffe wie das Zeug hielt nach den beiden. Link riss Zelda zu Boden und hörte den schrillen Aufprall eines Morgensternes an der Wand. Er reagierte schnell und stand wieder auf seinen Beinen. Mutig rollte er sich mit dem Schwert in der Hand über den Boden, nur knapp an dem rechten Bein des Trolls vorbei. Als Link wieder auf seinen Beinen stand, brach der Troll jauchzend auf seine Knie und eine breite Blutspur zierte sein rechtes Bein. Link handelte schnell, rannte auf den Zyklopen zu, stieß ihm sein Schwert in die entblößte, behaarte Brust, doch noch war das Ungetüm nicht besiegt.

            Der andere Zyklop erreichte die Szenerie und fuchtelte siegessicher mit seiner Waffe umher. Er schlug Zelda ihren Bogen aus der Hand, drängte sie jauchzend, schmierig feiernd an die Wand, grinste glitschig und holte mit der tödlichen Waffe kräftig aus. Zelda ballte ihre Fäuste, konzentrierte sich und baute einen magischen, wirkungsvollen Schutzschild vor sich auf. Der Morgenstern grub sich in den blauschimmernden Schutzschild, brachte ihn zum Splittern, aber noch bestand er.

            Mit einem lauten Aufschrei zog Link das Schwert wieder aus der Brust des Zyklopen, der jedoch seine Kräfte durch diese Wunde nur geringfügig verloren hatte. Er schlug Link mit seinem riesigen linken Arm, direkt in den Magen, worauf er mit einem markerschütternden Schrei an die Wand geschleudert wurde, in sich zusammenstürzte und reglos am Boden liegen blieb.

„Link!“ Zeldas lauter Ruf hallte in dem düsteren Labyrinth umher, aber er wachte nicht auf und war immer noch bewusstlos.

            Die Zyklopen legten keinen Wert mehr auf den Heroen und griffen beide nur noch Zelda an, die ihre ganzen Kräfte auf den Schutzschild konzentrierte und betete, Link würde endlich wieder aufwachen. Hoffentlich hatte er nichts schlimmeres als ein paar Schrammen und blaue Flecke abbekommen.

Fettig grinsten die beiden Ungetüme die Prinzessin an und schlugen mit ihren machtvollen Morgensternen auf ihren blauschimmernden Schutzschild ein, welcher mit jedem Schlag schwächer wurde, welcher mit jedem Schlag zu verschwinden drohte. Blaue kleine Splitter wirbelten in der Luft umher und verschwanden, noch bevor sie auf dem Boden aufkamen.  Schweißperlen glänzten auf Zeldas Stirn, sie atmete heftig und spürte immer mehr die Schläge der Morgensterne, als würden sie auf ihren eigenen Körper treffen. Sie blickte erneut zu Link, der wie tot mit dem Gesicht auf dem Boden lag und sich nicht rührte.

„Link!“, rief sie verzweifelt, „Wach’ auf! Ich brauche deine Hilfe, bitte, ich brauche dich!“ Doch er reagierte nicht und Zelda müsste diesen Kampf endgültig alleine bestreiten.

            Noch ein Schlag gegen den Schild, noch einer und noch einer. Es schmerzte nun, die Gewalt der Morgensterne raubten Zelda immer mehr die Kräfte und mit jedem Schlag fühlte sie sich als würde ihr eigener Körper zerbersten. Sie konnte den Schutzschild nicht länger aufrecht halten, konnte ihn nicht länger mit Magie speisen. Ein weiterer Schlag und die gesammelte Energie zersprang in einem Splitterregen. Dann fingen die Zyklopen an zu lachen und erfreuten sich an Zeldas entsetztem Gesicht. Sie versuchte zu rennen, versuchte gegen ihre aufkommende Furcht anzukämpfen, aber spürte nur noch wie ihr der Boden unter den Füßen weggezerrt wurde. Sie blinzelte in die hässlichen, widerwärtigen Trollgesichter, deren Augen in der Mitte der Stirn giftig und herablassend zu der am Boden hockenden einstmaligen Prinzessin eines goldenen Hyrule hinunterblickten. Sie grunzten irgendetwas in ihrer schäbigen, dummen Zyklopensprache und lachten erneut hämisch.  

            Zelda spürte eine kalte Hand, die ihren Hals umschloss. Dann wurde sie willenlos in die Höhe gehoben, ihre Beine baumelten in der Luft. Sie öffnete ihre Augen und fühlte den ekelhaften, beißenden Mundgeruch der Kreatur, die sie wie eine Puppe in die Höhe hievte, dann unter den Arm packte und einfach mitnehmen wollte. Aber warum? Aus welchem Grund machten diese Wesen nicht einfach kurzen Prozess und entführten sie stattdessen? Wusste Ganon inzwischen, dass sie noch lebte und beauftragte seine Untertanen, dass sie die junge Lady zu ihm bringen sollten?

            Sie wehrte sich und schlug auf den übermächtigen Arm des Unholds ein, strampelte, zappelte so gut es ging und leistete Wiederstand. Nein, sagte sie zu sich, nicht so... Sie warf einen Blick auf den bewusstlosen Link, dessen Bild sich immer weiter entfernte, genauso wie damals in ihren Erinnerungen.

„Link!“, schrie sie aus Leibeskräften, aber immer noch reagierte er nicht. Es geschah in dem Augenblick, dass Zelda erneut etwas auf ihrem rechten Handrücken fühlte- ein Brennen- dann ein Pulsieren... instinktiv wusste sie, was sie zu tun hatte. Sie umfasste mit der anderen Hand das Gelenk ihrer rechten Hand und fühlte etwas in ihrer Hand anwachsen. In Bruchteilen von Sekunden stieß sie die mit Magie geladene Hand dem schmierigen Monster ins Knie. Es jauchzte, aber ließ Zelda noch nicht vollkommen aus seinem Griff. Zeldas rechte Hand wanderte zu ihrem Schwert und stürmisch zog sie dieses aus dessen Umhüllung. Ihre Hand brannte wie Feuer, aber sie beherrschte den Schmerz, schöpfte Kraft daraus, und zwang sich ihre Reserven zu mobilisieren. Sie schwang ihr Schwert wie wild geworden, fügte dem Trollwesen, dass sie davon tragen wollte, tiefe, tiefe Wunden am Arm zu. Schwarzes Blut tropfte und stöhnend ließ der Unhold sie los.

Schmerzhaft landete Zelda auf dem Boden und hielt tapfer ihr Schwert vor sich. „Lasst mich in Ruhe, ihr verdammten Ekel“, fauchte sie und zwang sich dazu auf ihren Beinen zu stehen.

            Der Bogen fiel in ihr Gesichtsfeld. Er war nicht weitentfernt und lag kurz neben der Wand. Mit einem Sprung hastete sie darauf zu, ergriff ihn und hetzte an ihrem Helden vorbei den Gang hinab. Sie drehte sich um, spannte einen Pfeil und sah die zwei Zyklopen wütend sich in ihre Richtung bewegen. Erneut beachteten sie Link nicht, da sie wahrscheinlich annahmen, er wäre tot. Aber Zelda wusste in ihrem Inneren, das er lediglich k.o. geschlagen war. So einfach war der einstige Held der Zeit nicht zu besiegen.

            Zelda richtete den Pfeil genau auf das Auge des einen Zyklopen, konzentrierte sich auf ihre Magie und die Pfeilspitze erglänzte in einem schimmernden goldenen Licht. Der Pfeil zischte durch die Luft und bohrte sich mitten in das Auge des überraschten Zyklopen. Ein lautes Gebrüll durchbrach die Stille in den Gängen, der Troll brach auf seine Knie, hielt schützend dreckige, schleimige Hände vor sein Auge, brüllte tobend in den Gängen herum. Dann löste er sich auf und nur Asche blieb von seinem Erscheinungsbild.

            Die Prinzessin fasste mehr Mut und Entschlossenheit. Das übriggebliebene Ungeheuer stapfte ärgerlich, mit drohenden Schritten auf Zelda zu und schwang seinen gefährlichen Morgenstern. Hetzend rannte die blonde Schönheit weiter, lenkte geschickt die Aufmerksamkeit des Trolls auf sie, sodass der am Boden liegende Link von der Macht des Morgensterns nicht getroffen wurde. Sie spannte wieder ihre Pfeile, aber der Vasall des Bösen wehrte diese mit seinem Morgenstern ab. Zelda hetzte weiter, doch ewig konnte sie nicht weglaufen. Irgendwie musste sie dieses Monstrum besiegen oder... austricksen. Atemlos rannte sie weiter, hörte das diabolische Fluchen das Zyklopen und sein dreistes Kichern, das dem Wiehern eines Pferdes sehr ähnlich war. Sie gelangte zu der Gabelung, blieb kurz stehen und atmete hastig ein und aus. Dann rannte sie in Richtung des Ausganges, und gelangte in den relativ kurzen Gang, wo irgendwo noch die Sensen hingen.

            Sie krabbelte aufmerksam zwischen den scharfen Sensen hindurch und nutzte ihre unsichtbaren Kräfte, um diese in den Wänden verschwinden zu lassen. Jetzt bräuchte sie nur noch abzuwarten. Seufzend lehnte sie sich gegen die Wand und blinzelte schwer atmend in Richtung des Ganges. Des Stapfen wurde wieder lauter, doch diesmal würde das Ungeheuer sein blaues Wunder erleben.

Vorsichtshalber spannte Zelda ihren Bogen. Der Troll hetzte mit einem widerlichen Ausdruck auf der Fresse auf Zelda zu, rannte hinein in sein Verderben, rannte hinein in den Tod.

Und diesmal gab es keinen Hexenmeister Ganon, der ihn wieder zurückholen würde. Er trat näher und gnadenlos schossen die Sensen mit ihren todbringenden Kräften aus der Wand heraus, zerhackten den gewaltigen Körper des Trolls in viele, viele Einzelstücke, sie schwangen hin und her, schnitten durch sein Fleisch, durch seine Knochen wie durch Butter und hinterließen ein riesiges Blutbad. Zelda jedoch ließ sich erleichtert auf die Knie sinken, schloss die Augen und ruhte sich kurz aus.

            Aber die Sorge um Link ließ sie dann doch die Beine unter die Arme nehmen und schleunigst hastete Zelda wieder in den Gang, in welchem ihr mutiger Heroe regungslos am Boden lag. Es war dunkel und von nirgendwo strahlte ein Licht. Seine Lampe musste ausgegangen sein. Zelda lief zügiger und leuchtete umher. Sie fand den Körper ihres besten Freundes, der immer noch bewusstlos auf seinem Bauch lag, kniete zu ihm nieder und berührte seine Schultern.

„Link. Wach’ auf. Wir müssen weiter.“ Dann drehte sie ihn auf seinen Rücken. Er hatte eine große Wunde an der Stirn und die Augen noch geschlossen. Die Wunde schien aber nicht allzu tief zu sein. Zelda rüttelte ihn noch einmal und bewegte sich auf ihn zu.

„Link“, sagte sie ruhig.

            Dann endlich öffnete er seine Augen, zugegebenermaßen ein wenig desorientiert. „Verflucht... was war denn? Zelda?“

„Kannst du aufstehen?“ Er nickte bloß und hielt eine Hand an seinen trommelnden Kopf. Dann stand er auf seinen Beinen und torkelte an die Wand. Er atmete tief aus und erinnerte sich an seine Schussligkeit. Warum war er denn vorhin so unvorsichtig gewesen?

„Sorry, Zelda, ich habe irgendwie nicht aufgepasst“, meinte er und bereute, dass er diese Monster nicht besiegt hatte. Statt irgendetwas zu sagen, holte sie einige Pflaster aus einer Tasche und legte diese über seine aufgeplatzte Stirn.

„Es braucht dir nicht leid zu tun. Stell’ dir vor, ich habe diese beiden Zyklopen besiegt, ganz alleine“, sagte sie aufheiternd. „Die hatten schlechte Karten gegenüber der Prinzessin von Hyrule“, gab sie an. Auch Link rang sich zu einem Lächeln, bemerkte dann aber einen dumpfen Schmerz in seiner Magengegend. Richtig... dieses Biest hatte ihn ja eine verpasst und dann war er an die Wand geschleudert worden.

            „Egal, ist doch alles einigermaßen gut gelaufen. Bereit für die nächste Gefahr, Link?“

„Ja, ich hoffe, dass ich das bin.“ Damit folgten sie dem düsteren Gang, traten in immer mehr Wasserpfützen, die sich häuften und nörgelten gelegentlich. Der Gang jedoch nahm einfach kein Ende. Nach einer halben Stunde erreichten die beiden dann eine Tür, durch die sie sofort gingen. Und eine weitere Holztür vor ihren Nasen. Sie öffneten sie und erneut eine Tür. Allmählich fand Link die Sache nicht mehr lustig und riss die nächste Tür aufgebracht auf. Doch... wie sollte es anders sein: Eine weitere Tür, die ziemlich morsch aussah, blockierte den Weg. Irgendetwas stimmte nicht... sollten sie etwa bis Ultimo irgendwelche Türen öffnen?

            Zelda wischte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und öffnete die nächste Tür, aber auch jetzt war nichts weiter als eine Tür vor ihnen. Zelda lehnte sich an eine Wand und setzte sich.

            Sie musste nachdenken und stürzte ihren Kopf in ihre Arme. Link ließ sich neben sie sinken und schloss kurz die Augen. Er spürte einen tückischen Kopfschmerz. Sobald sie aus dem Tempel gelangt wären, bräuchte er dringend Schlaf.

Dann packte er eine Flasche Wasser und ein Aspirin heraus und schluckte dieses hinunter. Auch Zelda wühlte in ihren Taschen herum und holte einige essbare Sachen hervor. Sie warf einen Blick auf ihr Medaillon und sah, dass es schon nach zwölf Uhr war.

            „Weißt du, worauf ich jetzt Lust hätte?“ Link blickte sie ein wenig grinsend an und unterdrückte den Schmerz in seinem Kopf.

„Worauf?“, sagte Zelda.

„Ich habe früher so gut wie nie ferngesehen, aber jetzt vermisse ich irgendwie die stumpfsinnigen Sendungen, mit ihren bescheuerten Moderatoren. Ja, ich muss zugeben, dass ich Lust hätte, mich auf meiner Couch breit zu machen und einfach nur zu entspannen.“

„Wenn alles vorbei ist, wirst du dazu bestimmt wieder die Gelegenheit haben“, erwiderte Zelda, schaute dann aber trübsinnig ins Nirgendwo und der junge Kämpfer ahnte, woran sie dachte. Link könnte vielleicht nie wieder dazu die Gelegenheit haben.

„Zelda... verschweigst du mir irgendetwas?“ Sie schüttelte mit dem Kopf, mied seinen tiefgründigen Blick und stand auf. Nur ein Versuch...

            Aus Frustration über sich selbst, dass sie Link einfach nicht die Wahrheit sagen konnte, riss sie die nächste Tür auf, rannte weiter, öffnete die nächste. Irgendwie tat es gut, so seinen Frust loszuwerden.

Dem Heroen aber war mit jeder Minute kläglicher zumute. Warum konnte Zelda nicht einfach ehrlich zu ihm sein? Es ging in ihrem Traum schließlich um ihn und seine Zukunft... Zelda, dachte er, aus welchem Grund bist du nur so unaufrichtig zu mir...

Und es ging ihm nicht nur um Zeldas Schweigen hinsichtlich des Traumes, eigentlich gab es noch eine andere Sache, die sie ständig ignorierte- ihre Gefühle ihm gegenüber...

            Zeldas kleiner Wutausbruch zeigte Wirkung, denn irgendwie hatte sie sich durchgerungen, die letzte der in etwa dreißig Türen zuöffnen und stand nun vor einem weiteren Rätsel. Die zwei Hylianer mussten wohl tatsächlich im Kreis gelaufen sein, denn sie kamen in einem wohlvertrauten Raum an: dem kleinen Gewölbe mit den vielen Wegen. Na toll... der ganze Weg war bloß ein Ablenkungsmanöver, eine Falle. Bei den Göttinnen, war das ärgerlich. Sie kamen aus der Tür, wo sich ein breites Loch befand, dass sie nicht einfach so überqueren konnten. Das würde heißen, sie durften den ganzen, anstrengenden Weg wieder zurückwatscheln. Grandios. Spitze. Ultrastark. Zeit war ja ohnehin genügend vorhanden, das man ruhig solche extra- stumpfsinnigen Touren in Kauf nehmen konnte. Wie niederschmetternd. Link trat einmal kräftig an die Wand. Zelda feuerte aus Wut einen Energieball in die Tiefe des Abgrundes.

            „Ich hab’ die Schnauze so voll!“, brummelte Link und trat erneut gegen die Wand. „Ich springe jetzt dort rüber“, setzte er hinzu. Er nahm Anlauf und rannte direkt auf den Abhang zu.

„Link, hör’ auf! Läufst du noch rund?“ Aber er schien tatsächlich eins abbekommen zu haben, denn er meinte es ernst und hetzte mit schnellen Schritten auf den Abhang zu. Erstaunlicherweise kam er an der anderen Seite an und rollte sich geschickt ab. Vergnügt stand er auf seinen Beinen und wartete mit ausgestreckten Armen auf Zelda.

„Zeldaschatz, spring’, du schaffst das. Ich fang’ dich auch auf.“ Dann grinste er und erfreute sich an Zeldas empörter Miene.

„Für dich immer noch Prinzessin Zelda und nicht Zeldaschatz“, rief sie grinsend. Es machte Spaß Link zu ärgern und sich im Gegenzug von ihm ärgern zu lassen, aber nichts dergleichen war ernst gemeint...

            Die blonde Hylianerin rannte auf den Abgrund zu, kniff ihre Augen zusammen und sprang. Sie sprang mit aller Kraft und fühlte wie sie durch die Luft schwebte. Erleichtert öffnete sie ihre Augen und spürte den festen Boden auf der anderen Seite. Allerdings hatte sie wohl ein wenig zu viel Anlauf genommen, denn sie kam nicht schnell genug zum Stehen und rannte Link über den Haufen. Sie landeten lachend, gemeinsam auf dem Boden.

            „Gleich so stürmisch, Zeldaschatz?“, forderte der gewandte Kämpfer sie heraus und Zelda grinste ihn nur an. Auf so eine freche Dreistigkeit hatte sie keine passende Antwort. Sie wollte aufstehen und sich zu aller erst aus Links Umklammerung lösen, aber er blickte sie nur mit seiner charmanten Art und Weise an und hielt sie fest. Sein Blick wandelte sich, und das dämliche Grinsen verschwand. Nun lag einmal mehr Verständnis, eine Spur Wärme und Mitgefühl in seinem Blick und alles wurde Zelda in diesem Augenblick egal, solange dieser Ausdruck in seinen Augen lag.

            Auch Zeldas Lächeln wurde milder und sanfter. „Ich bin so froh, dass du bei mir bist...“, sagte sie leise und lehnte sich endgültig an ihn. Link antwortete nicht mit Worten und drückte sie an sich. Sie schwiegen für einige Sekunden, blickten sich an, kamen sich näher und hielten ihren Blicken stand, die in dem Moment soviel aussagten. Doch noch ehe etwas geschehen hätte können, vernahmen beide ein lautes Geräusch, ein Schlürfen, als ob etwas ausgesaugt werden würde. Sie sprangen schnell auf und blickten sich um. Aber dann war der Laut verschwunden.

            Dann blieb im Erdgeschoss nur noch eine Tür übrig- jene mit dem merkwürdigen Symbol. Zelda betrachtete es sich genau und erkannte eine kleine Inschrift darauf. Es waren die gleichen Worte, wie zuvor in dem Raum mit dem Brunnen. Und was jetzt? ,Suche das Wasser, suche es nicht, Antworten auf viele Fragen gibt es nicht.’

            „Link. Würdest du das Wasser suchen, oder würdest du es nicht?“

„Was willst du denn jetzt von mir?“ Er verstand im Moment nur noch Bahnhof, was teilweise mit seiner kleinen Gehirnerschütterung zusammenhing. „Ich würde es wohl suchen, wenn ich es müsste.“

„Genau das ist es. Vielleicht sollen wir dem Weg des Wassers folgen.“ Dem Weg des Wassers? Zelda nahm es mit ihrer göttlichen Weisheit wohl doch manchmal zu genau und vergas, dass es Leute gab, die ihre Sprache nicht verstehen konnten.

„Ich habe nur so ein Gefühl.“ Und Zelda suchte auf dem Boden die Spuren der Wassertropfen ab. Hier und da waren kleine, schmale Rinnsale mit reinem Wasser. Sie folgte den winzigen Wasserverläufen und sah, wie das Wasser die Wände hinaufwanderte? Was? Wie konnte das sein? Hatte sie sich auch nicht verguckt?

Nein, aus irgendeinem Grund floss das Wasser die Wände hinauf? Echt Wahnsinn. Auch Link, der so was natürlich noch nie erblickt hatte, wurde aufmerksam. Sie beobachteten, wo das Wasser hinfloss und sahen, dass es sich in der Mitte des Raumes an der Decke sammelte und schließlich in der glitschigen Deckenwand entschwand.

            Gleichzeitig bemerkten die beiden Hylianer aber noch etwas äußerst Interessantes. Genau dort, wo der Fluss des Wasser sein Ende hatte, war ein kristallener Schalter angebracht, der sich nur schwerlich von der Farbe der Wände unterschied und somit nicht leicht auszumachen war. Link und Zelda freuten sich riesig und lächelten einander an. Link feuerte einen Pfeil nach oben und aktivierte so den Schalter. Und zur Freude der zwei Heldengestalten verschwand das Symbol auf der Tür und mit einen Klicken sprang diese auf.

            In der Dunkelheit der Gänge jedoch verbarg sich eine Gestalt, die nur darauf wartete, dass Link unvorsichtig wurde. Geschickt versteckte sich ein menschengroßes Wesen hinter einer Ecke, während rote Augen aus einem dunklen Gesicht hervorleuchteten und zufrieden die Szene beobachtete, die sich abspielte.

            Link und Zelda traten hinein in eine fremde Dunkelheit und hörten Wasser plätschern. Im folgendem Raum befand sich ein großes Wasserbecken, welches ebenso diese giftgrüne Brühe beinhaltete. In einer hinteren Ecke befand sich ein Vorsprung und dort wiederum vielleicht ein weiterer Weg.

„Und wie kommen wir jetzt da rüber?“ Link ließ den Kopf hängen und schnaufte. „Wir können ja schlecht dort rüber schwimmen... wenn wir es wagen, kommen wir erst gar nicht dort an.“

„Mmh?“ Auch Zelda sah ratlos drein. Sie lief an den Rand des Wasserbeckens und versuchte am Grund des Beckens etwas zu erkennen.

            Der erschöpfte Held jedoch lehnte sich an die Wand und machte die Augen zu. Er schwebte immer noch in seinen Kopfschmerzen und interessierte sich im Moment für nichts. Zelda drehte sich um und schüttelte angesichts seines Anblickes bloß den Kopf. Aber... sie hatte eine Idee und am Grund des Bassins war tatsächlich etwas. Eine merkwürdige Vorrichtung. Ein Räderwerk. Sie umhüllte sich selbst mit einem Hauch Magie und tauchte in das giftige Wasser. Sie drehte an dem Rädchen und auch dieses Wasser lief ab. Dann kletterte sie auf den Vorsprung und fand dort eine Tür. Sie ließ den jungen Kerl einfach, wo er war und durchquerte die Tür. Sie trat leise in den nachfolgenden Raum und hörte, wie sich die Tür krachend hinter ihr schloss. Der Raum war dunkel, nirgendwo eine Lichtquelle, sodass sie schnell ihre Öllampe herauskramte und umherleuchtete.

            „Habe mich schon gefragt, wo du bleibst, Püppchen.“ Und eine schlanke Gestalt trat in den Lichtschein ihrer Lampe.

„Du schon wieder!“ Und Zelda wich zurück.

„Ich sagte doch, wir sehen uns im nächsten Tempel wieder, Prinzeschen.“ Und Preston trat näher an sie heran.

„Was willst du von mir? Hau ab!“

„Du weißt genau, was ich will. Wo ist eigentlich dein Link?“ Zelda warf ihm einen tödlichen Blick zu und trat langsam rückwärts an die Tür heran, aus der sie kam.

„Link befindet sich im nächsten Raum und wundert sich bestimmt, wo ich so lange bleibe.“ Sie drehte mit ihrer rechten Hand an dem Türgriff, aber nichts tat sich.

„Wirklich? Mir scheint, er ruht sich ein wenig aus. Er hat mich nicht einmal bemerkt, als ich ihm meine Klinge an den Hals setzte.“ Bei diesen Worten verzog sich Zeldas verärgertes Gesicht und Schock und Angst waren darin geschrieben.

            „Haha... dein Gesicht gefällt mir, Schätzchen, wenn es so verzweifelt aussieht. Ich muss sagen, Hoffnungslosigkeit gibt dir etwas äußerst Verführerisches.“ Zelda packte die pure Angst um Link; Und sie schlug mit einer magischen Attacke die Tür zu ihrer Flucht entzwei. Panisch rannte sie zurück dorthin, wo ihr Held gewesen war.

Preston beachtete sie schon gar nicht mehr. Sie fand Link, der seine Augen geschlossen hatte und noch immer an der Wand gelehnt da hockte. Sie ließ sich auf die Knie sinken, rüttelte an seinen Schultern und brüllte ihn an.

Überrascht öffnete er seine Augen: „Was ist denn? Warum bist du so aufgeregt?“ Und Zelda atmete erleichtert aus. Dieser blöde, verlogene Preston hatte einen beängstigenden Sinn für Humor und erlaubte sich wohl zuviel...

            Sie schenkte ihm ein Lächeln und meinte: „Nichts weiter... Du musst aber jetzt aufstehen, mein armer Held.“ Er ging ihrem Appell nach und folgte ihr. Preston jedoch war erneut verschwunden.

            Allmählich wurde auch die Prinzessin müde und ihre Schritte wurden langsamer. Sie liefen zurück zu dem Raum mit der großen Gabelung und betraten die Treppenstufen, welche in ein nächstes Abteil des Verlieses führten. Die Luft wurde angenehmer und frischer, aber gleichzeitig nahmen die Temperaturen rapide ab. Zelda umwickelte sich mit dem Umhang und Link zog schnell eine Jacke über. Die Treppenstufen schienen einfach kein Ende zu nehmen, denn inzwischen waren Link und Zelda wieder über eine halbe Stunde unterwegs. Aber auch diese kleine Mission packten sie ohne weitere Komplikationen, erforschten einige Räume im nächsten Stockwerk und gelangten zu guter Letzt in den Raum mit dem großen unterirdischen See. Preston aber war noch nicht wieder aufgetaucht und schien endgültig aus der Stätte verschwunden zu sein.

            Gerade als sie die Brücke überqueren wollten, stellten die zwei spitzohrigen Gestalten fest, dass diese eingestürzt war und sich die losen Holzbretter auf dem Grund des Sees befanden. Bei genauen Blick entdeckten sie aber eine weitere Besonderheit. Das Wasser war nicht länger vergiftet.

Vermutlich hatten die ganzen Schalter und andere Mechanismen dafür gesorgt, dass das giftige Wasser abfloss. Link freute das ungemein und so sprang er hinein in den unterirdischen See, auf der Suche nach einem weiteren Hinweis.

Nach wenigen Minuten tauchte er auf und winkte Zelda zu, die dann ebenso ihre Nase zuhielt und in das Wasser hüpfte. Link zeigte ihr am Grund einen Gang, den sie entlang schwimmen konnten. Die Frage war nur, ob ihre Luft ausreichen würde, um sich lange genug unter Wasser zuhalten.

Wie auch immer, Link wäre nicht Link, um es nicht zu riskieren. Er atmete einige Male tief ein und aus, nahm dann einen langen Luftzug und tauchte ab. Zelda wollte sich natürlich nicht zweimal bitten lassen und war ebenso flink unter der Wasseroberfläche.

            Die wassererfüllten Gänge verschluckten jegliches Licht, das von den Fackeln in dem Gewölbe noch leuchtete und mit jeder Bewegung, die Link und Zelda machten, wurde es dunkler und dunkler. Mit jedem Zentimeter schwand mehr und mehr das Licht.

            Zelda nutzte ihre magischen Kräfte und leuchtete nun selbst die Wände ab. Wahrhaft eindrucksvoll und unergründlich wirkten die unterirdischen Gänge. Ob sie wohl die ersten waren, die diese Höhlen betraten?

            Zelda schwamm immer schneller, direkt an Link vorbei, denn langsam oder sicher wurde ihr die Luft knapp. Sie blinzelte durch das Wasser und hoffte auf einen nächsten Lichtpunkt, wie auch auf eine Möglichkeit wieder Luft zu tanken. Dann stieg ihr schon Wasser in die Lunge. Auch Link beschleunigte sein Tempo und packte Zeldas rutschige Hand. Er blickte kurz zu ihr und zerrte sie schließlich hinter ihm her. Dann erkannte er einen verschwommenen Lichtpunkt näherkommen und ein erleichtertes Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht und wieder legte er einen Zahn zu.

            Zelda jedoch schien immer schwerer zu werden und ihre Hand hielt seine nicht länger fest. Link sah mit Entsetzen nach hinten und sah, dass Zeldas Augen geschlossen waren, sie nicht länger den Weg erleuchtete und unzählige kleine Luftbläschen von ihrem Mund stiegen...

 
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