Kapitel 40
 

Kapitel 40

 

 

 

 

In wenigen Tagen sollte es soweit sein. Die Vorbereitungen für die großen Festlichkeiten in Hyrules Hauptstadt waren in vollem Gange und die Handwerker, Schauspieler, Musikanten arbeiteten schon die Nächte durch.

Denn alles sollte perfekt sein an jenem Tag und jeder sollte Spaß haben dürfen, sogar die Mittellosen und die Waisenkinder.

Aber das Siegel des Bösen war in Gefahr gebrochen zu werden. Aus diesem Grund wurden in der Zitadelle und außerhalb etliche Wachen postiert, die das Siegel mit ihrem Leben beschützen sollten.

            Es war spät am Abend und einige Kerzen erleuchteten Zeldas kleine Stube, in der sie zusammen mit Link Experimente bezüglich des Medaillons durchführte. Link trug immer noch sein neues, teilweise aufgezwungenes Outfit und saß vor einem Berg mit Büchern, während Zelda das Medaillon in der Luft schweben ließ, um herauszufinden, ob es so etwas wie ein Herz besaß. Immer wieder hatte sie geglaubt, es würde pulsieren, aber diese Wirkung hatte sie bisher nur in ihren Visionen wahrgenommen. Sie legte das Medaillon in die Mitte eines kleinen Holztisches und fuhr mit ihren Untersuchungen fort.

Zuerst träufelte sie irgendeine flüssige Substanz darüber, nichts geschah. Anschließend las Zelda irgendwelche Zaubersprüche vor, die eigentlich eine Wirkung haben sollten, da es sich bei diesem Gegenstand um ein Metall handelte, welches niemand in Hyrule kannte. Es sah zwar aus wie Gold, aber es fühlte sich nicht so an, eher cremig. Wieder geschah nichts. Frustriert schlug Zelda mit der Faust auf den Tisch.

            „Verdammt, ich gebe auf“, murrte sie und setzte sich geräuschvoll in einen Stuhl gegenüber von Link. „Ich kann tun, was ich will, aber diese komische Uhr reagiert auf gar nichts.“

„Sei doch nicht so ungeduldig. Ich bin mir sicher, wir finden schon was“, erwiderte der Held der Zeit und grub seine Gedanken wieder in den dicken Wälzer vor ihm.

            Warum eigentlich tat er das? Warum half er ihr schon wieder aus der Patsche? Zelda blickte auf und sah, dass sein Blick immer schwerer wurde. Er versuchte sich mal wieder nichts anmerken zu lassen, aber er war müde, hundemüde, und hatte sicherlich Schmerzen. Sie stand auf, ging zu ihm herüber und schaute über seiner Schulter direkt in das Buch.

Auch ihr kamen die Schriftzeichen nun vor, wie ein langes Labyrinth mit unverständlichem, verworrenem Inhalt. Sie hatte keine Konzentration mehr. Kurzerhand legte sie ihre Arme auf seine Schultern und schlug ihm das Buch vor der Nase zu.

„Hey, ich denke, wir haben heute genug getan“, meinte sie, als er sich gähnend zu ihr umdrehte.

„Zelda... vielleicht ist es genug, aber wir dürfen es nicht ignorieren...“, seufzte er. „Wir dürfen nicht ignorieren, das Ganon zurückkehren könnte.“ Zelda nickte.

            Sie lief zu der Tür und betätigte eine kleine Glocke, die direkt in der Küche zuhören sein musste. Mit einem Lächeln gesellte sie sich dann wieder zu Link und sagte: „Möchtest du heute vielleicht hier essen?“ Er sah sie überrascht an, nicht sicher, was sie bezweckte. Ein Essen mit der Prinzessin, in ihren Gemächern bei Kerzenschein? Nicht, das er was dagegen hatte. Mit einem Lächeln nahm er die Einladung an und lehnte sich zurück, sein Gesichtsfeld aber immer noch auf Zelda gerichtet.

Es gab so viel, was er ihr sagen wollte, so viele Dinge, die er nicht über seine Lippen brachte. Denn Gefühle zu zeigen war schon immer eine seiner Schwächen, besonders, wenn es um Zelda ging. Und dennoch waren sie da, diese Empfindungen, die ihn um seinen Verstand brachten und irgendwann würde er seine Feigheit Zelda gegenüber bereuen. Das ahnte er... 

 

Wenige Minuten später brachte eine Küchenmagd das Essen auf einem goldenen Tablett. Sie schaute zwar ein wenig irritiert, als sie Link in Zeldas Gemächern vorfand, verschwand dann jedoch schneller, als sie gekommen war. Sicherlich würde sie einige heftige Diskussionen bezüglich Link und Prinzessin Zelda in Umlauf bringen.

            Zelda und Link nahmen gegenüber Platz und aßen und tranken schweigend. Irgendwie eine seltsame Atmosphäre gemeinsam an einem Tisch zu sitzen und das gleiche zu essen. Beide fühlten sich unsicher und je mehr Zeit verging, umso unangenehmer wurde die Situation. Alles wirkte so künstlich, so gestellt. Und niemand war daran schuld, noch konnte es jemand ändern. Zelda sah auf und schaute in Links nachdenkliches Gesicht. Sie stand auf, wischte mit einer Serviette über ihren Mund und lief ans Fenster.

            „Vielleicht war die Idee mit dem Essen doch nicht so gut“, sagte sie und blickte trübsinnig aus dem Fenster. Noch ehe Zelda jedoch weiterreden konnte, fühlte sie warme Hände auf ihren Schultern und vernahm besinnlich eine angenehme Stimme, die leise sagte: „Wir sind wohl selbst daran schuld, wenn wir uns so unecht fühlen... aber... ich bin gerne hier bei dir, Zelda.“

Sie drehte sich um, aber er wich ihrem Blick aus.

„Lass uns die Zeit doch einfach genießen“, setzte er hinzu und führte Zelda zu ihrer gemütlichen Couch.

            Er setzte sich neben sie und sagte charmant: „Du bist unheimlich verspannt. Soll’ ich dich vielleicht massieren?“

Zelda sah ein wenig geschockt in seine Augen, nicht sicher, was sein Blick bedeuten sollte, und murmelte leise: „Ja, das wäre lieb.“ Er massierte ihre Schultern und genoss einfach ihre Nähe.

            „Zelda... ich habe dir etwas zusagen. Ich möchte, dass du weißt, dass...“ Wieder brach er in ein dämliches Stottern aus, wenn er ihr etwas wichtiges zusagen hatte. Verflucht, war es denn so schwer, ihr zusagen, wie wichtig sie ihm war? Er schüttelte mit dem Kopf und wollte von vorne beginnen, doch dann...

„Kann ich dir eine Frage stellen, Link?“ Er ließ von ihr ab und nahm das Medaillon in seine Hände. Er stand auf und ließ die Kette in der Luft hin- und herpendeln.

            „Warst du schon einmal richtig verliebt, Link?“ Vor Schreck ließ er das Medaillon aus seinen Händen fallen. Es fiel mit einem Klappern zu Boden. Verdammt Zelda, erspar’ mir dieses Thema, flehte er in seinen Gedanken. Zappelig nahm er das Medaillon wieder an sich und lief vor der Balkontür auf und ab.

„Ich... ich weiß... nicht“, brachte er dann stotternd hervor. Liebe? Wusste Link überhaupt was das war? Schließlich wurde er in den Wäldern bei einem Kindervolk groß, die außer ihren Freundschaftsgefühlen zueinander, weder Elternliebe, noch die starke Zuneigung zweier Liebende kannten. Kokiris waren nun mal Kinder und würden es immer bleiben. Kokiris waren schließlich nicht einmal geboren worden, sie wurden erschaffen, auch wenn sie den kleinen Jungen und Mädchen im Hylianervolk ähnelten. Das einzige, was sie wohl von Hylianerkindern unterschied, war die Tatsache, dass Kokiris einfach keinen Nabel besaßen. Eine Sache, für die Link damals gehänselt wurde, genauso wie die Tatsache, dass er nicht von Anfang an eine Feenbegleiterin hatte.

            Wahre Gefühle der Liebe waren Kokiris wohl eher fremd. Und Link war mitten unter ihnen aufgewachsen, doch anders als sie sehnte er sich wohl einfach nach jemandem, den er lieben konnte und der ihn im Gegenzug liebte. Und möglicherweise wollte Link die Gefühle, die er für Zelda empfand einfach nicht Liebe nennen. Denn er verharrte auf dem Gedanken, nicht in der Lage zu sein, zu lieben. So erfand er seine Ausreden, nicht zu wissen, was Liebe war.

Doch ohne jene Gefühle, sein Mitgefühl, seine Liebe für den Frieden, hätte er im Grunde genommen niemals Hyrule aus Ganons Schreckensherrschaft befreien können. Nur wissen und verstehen wollte er diesen Gedanken nicht... Akzeptieren wollte er diesen Gedanken nicht.

„Nein... ich weiß nicht einmal, was Liebe ist, Zelda“, flüsterte er beinahe und scheute ihren Blick. 

            „Da haben wir wieder einmal etwas gemeinsam. Auch ich weiß nicht, was Liebe ist.“ Sie lief zu ihm herüber und öffnete die Balkontür. „Ich habe mich immer dagegen gewehrt... weil... ich dachte, es würde mir Kummer ersparen...“ Sie trat hinaus auf den Balkon und genoss die milde Luft des Frühlings in Hyrule. Sie schaute hinunter zur Stadt, sah viele, viele Lichter in der Stadt, die von den andauernden Vorbereitungen für das Fest herrührten.

            Kurze Zeit später stand Link neben ihr und nahm an dem Ausblick teil. „Die Nacht ist wunderschön.“

„Ja, der Sterne leuchten so klar“, erwiderte Zelda und blickte dann zu dem hellen Mond am Himmel. Erneut wuchs ein verräterisches Gefühl in ihr, das Gefühl, Hyrule würde etwas zustoßen, die Vorahnung, dass Ganons Siegel trotz aller Vorsichtsmaßnahmen brechen würde. Die Befürchtung, etwas Schreckliches war im Gange. Eine Träne lief an ihrer Wange hinab, die Link sofort bemerkte.

            „Zelda?“ Er drehte sich zu ihr, aber brachte es nicht fertig, sie zu berühren. Eine nervtötende Hemmschwelle hielt ihn davon ab, ihr nah zu sein. Obwohl er sich gerade nach ihrer Nähe, ihrer Wärme sehnte.

„Es ist...“, sagte sie und lehnte sich mit ihren Armen vollkommen auf das Geländer. „Ich habe Angst um Hyrule.“

„Das brauchst du nicht... ich werde alles tun, damit Ganon dort bleibt, wo er hingehört, in der Hölle.“ Sie schloss die Augen und lächelte zaghaft.

„Ich habe nicht Angst, dass Ganon ausbricht und du ihn nicht besiegen könntest... es ist mehr als eine bloße Vorahnung bezüglich der Rückkehr Ganons. Ich befürchte etwas Anderes, Unaufhaltbares, Unumgängliches wird Hyrule zustoßen und nicht einmal der Held der Zeit könnte daran etwas ändern. Es ist, als wird Hyrule aufhören zuatmen, als ob die Zeit zu schweigen beginnt und das Schicksal sein eigenes Ende einläutet.“ Damit ging sie zurück in ihre Gemächer und setzte sich vor den Kamin, um sich aufzuwärmen. Link folgte ihr und wäre ihr wohl überall hinterhergelaufen.

„Bist du dir sicher, Zelda. Vielleicht machst du dir unnötig Gedanken.“

„Vielleicht...“

            Er setzte sich zu ihr und fühlte sein Herz in der Brust schneller schlagen. So gerne wollte er ihr jetzt sagen, was ihm auf dem Herzen lag, aber er schaffte es einfach nicht. Dabei wäre jetzt: die perfekt Gelegenheit. Seine Augen sahen in ihre. Sie lächelten sich beide an und hielten ihren Blicken stand. Link nahm ihre Hände in seine und atmete tief aus.

„Wegen vorhin... ich wollte dich wissen lassen, dass... du mir sehr viel bedeutest, Zelda.“ Diesen Satz schaffte er geradeso.

Sie lächelte tief gehend und murmelte: „Ich weiß.“

Link sprang auf, atmete kräftig aus und meinte: „Gut. Ich sollte jetzt in mein Zimmer gehen. Es war ein langer Tag und irgendwie bin ich müde.“ Auch Zelda stand auf und öffnete ihm die große, verzierte Tür aus ihrem Gemach.

„Also dann, gute Nacht, Link. Schlaf’ schön und träume einen ordentlichen Traum.“

„Danke. Gute Nacht, Zelda.“ Sie gab ihm einen Gute- Nacht-Kuss auf seine Wange und schloss dann die Tür.

 

Mit Zeldas einzigartigem Lächeln in seinen Gedanken lief der junge Held einen langen Gang entlang, wusste nicht, was es war, aber je länger er an Zelda dachte, umso wärmer wurde ihm ums Herz. Er fühlte sich beinahe glücklich... etwas, was er schon lange nicht, vielleicht in seinem jungen Leben noch nie, erfahren hatte. Glück...

            Auch als Link in sein kühles Kämmerchen eintrat und eine Kerze entzündete, dachte er an sie, an jene kleine unschuldige Prinzessin, die sich in den langen Jahren, während seiner Abwesenheit, zu einer bildhübschen Frau gewandelt hatte. War das vielleicht der Grund, dachte er? War ihre Veränderung, ihre unleugbare Reifung die Ursache, dass er sich von ihr immer mehr angezogen fühlte?

            Langsam entkleidete er sich und kuschelte sich zufrieden in sein gemütliches, knarrendes Holzbett. Aber der junge, blonde Hylianer fand einfach keinen Schlaf. Überall im Raum sah er Zeldas engelsgleiches Gesicht, er konnte sie lachen hören, flüstern hören. Er konnte einfach kein Auge zu machen. Unentwegt dachte er an die anmutige Prinzessin der Hylianer. Ständig sah er sie vor sich. Kopfschüttelnd drehte er sich auf seinen nackten Bauch und zog die Decke über den in Glücksgefühlen und blind vor starker Zuneigung schwebendem Kopf. Er murmelte irgendetwas, verfluchte sich selbst, weil er Zelda einfach nicht aus seinen Gedanken bekam.

Abrupt richtete er sich auf und führte seine linke Hand an die Stirn.

„Farore, was ist nur los mit mir?“, sagte er leise, begriff den Sinn seiner Gefühle nicht. Vorhin noch wäre er in Zeldas Gemach beinahe eingeschlafen, fühlte sich aufgehoben, da sie bei ihm war und nun? Warum war er jetzt einfach nicht in der Lage einzuschlafen?

            Langsam ließ er sich in die weichen, duftenden Kissen zurücksinken und beobachtete die heiteren Schattenspielchen an den kahlen Wänden. Ein kleiner Windstoß brachte das Feuer der Kerze zum Flackern, und auch die geheimnisvollen Schatten an den alten Wänden dieses Gästegemachs tanzten fröhlicher und ausgelassener zu ihrem Reigen, den nur Feenohren hören konnten. Schläfrig fiel sein Blick auf das mystische Flackern der einzelnen Kerze. Tropfenweise perlte sich das Wachs an den roten Hängen der Kerze. Tropf. Tropf.

Links Augenlider wurden immer schwerer, und trotzdem bildete sich in der Dunkelheit seines geschlossenen Blicks erneut ein wunderbares Lächeln einer so reizenden Prinzessin, dass er die Augen wieder aufreißen musste. Murrend drehte er sich um, krallte sich das Kopfkissen und überzog seinen Schädel mit dem weichen Stoff.

„Wenn das so weiter geht, schlafe ich nie wieder ein...“

            Genervt sprang er auf, fühlte sich, als ob er einem mächtigen Zauber unterlegen war und lief barfuss zu dem Balkon. Ein  Zauber... Aber ja, Zelda musste ihn irgendwie verhext haben. Er schnipste einmal mit den Fingern, erfreut über diese angebliche Einsicht. Alles war jetzt klar für ihn. Sie hatte ihn bestimmt nur ärgern wollen...

            Her je... armer, armer Link. Er begriff es einfach nicht, bildete sich ein, Zelda besäße sein Herz, wusste aber nicht, dass er damit mehr meinte, als bloß einen ärgerlichen, albernen Fluch. Armer, armer Link, der nicht verstand, dass es Schmetterlinge im Bauch waren, die ihm seinen Schlaf raubten...

            Nur eine kurze, schlabberige weiße Hose an, trat Link hinaus auf den steinernen Balkon, stemmte seine Arme auf das Marmorgeländer und blickte hinauf an das sternenklare Himmelszelt. Strahlende, vollkommene Sterne. Ein kühler, heller Mond. Ein starkes Licht sendete er aus, ergreifend und erfrischend, fast wie das helle Licht, welches Zelda als mächtige Waffe der siebten Weisen einsetzen konnte. Seufzend ließ er den Kopf hängen, schämte sich nun fast für seine unaufhaltsamen Gedanken gegenüber der Prinzessin Hyrules. Er konnte doch nicht immerzu an sie denken, befahl er sich und gab sich einen Klaps an seine Stirn. Gab es denn nichts Wichtigeres? Nichts anderes als ein süßes Lächeln von ihr? Waren ihre saphirblauen Augen denn wirklich so einprägsam und hypnotisierend? Ohne es zu wollen, wanderten Links tiefblauen Augen zu dem Nordflügel des Schlosses und dann zu dem Bereich, wo sich Zeldas kleines, luxuriöses Reich befand.

            Das Licht brannte noch und ab und an konnte Link Zeldas Schatten hinter den Fenstern vorbeihuschen sehen. Er sah nur ihren Schatten und doch wünschte er sich so sehnlichst, sie jetzt hier zu haben, obwohl er noch vor wenigen Minuten bei ihr war...

            In dem Moment stieg ihm eine wirkungsvolle Idee zu Kopf. Vergnügt hastete er zurück in das kleine Kämmerchen, kramte die meerblaue Okarina der Zeit hervor und setzte sich beinbaumelnd wieder auf das Geländer. Seine rauen Kämpferhände legten sich leicht auf die runden Löcher und der junge Kerl trällerte verträumt die dumpfen Töne der Okarina durch die Nacht. Ganz versunken in seiner Melodie, wiegte er sich darin, spielte und spielte ein altes Schlaflied doch nur für seine Prinzessin. Die Noten streichelten die Seele, verführten zum Einschlafen und deckten jegliche Sinne mit der Sanftheit des Klanges zu... Der Wind trug die Melodie weiter, wehte die zarten Töne an das blassbräunliche Glas der Fensterscheibe von Zeldas Schlafgemach.

            Überraschend wurde das kleine Spitzbogenfenster geöffnet und die liebliche Prinzessin strahlte mit ihren schönen Augen hinüber zu dem kindlichen Hylianer Link, der mit ihrem alten Wiegenlied halb Hyrule in den Schlaf schaukelte. Er bemerkte sie nicht, wie sollte er auch, so gefangen war Link in seinem Spiel. Die Töne der Okarina waren so einfühlsam und zärtlich, dass auch Zelda zu gähnen begann.

            Als Link sein Spiel beendete, sah er Zelda an einem Fenster weit von ihm entfernt winken. Überrascht, dass sie jenes Spiel genossen hatte, winkte auch Link ihr verträumt zu und lief dann wegen ein paar hirnlosen Angstzuständen, sie könnte in der Dunkelheit seinen tomatenroten Kopf gesehen haben in das Kämmerchen zurück. Händeringend ließ er sich auf der Bettkante niedersinken und sich rücklings in das Bett fallen.

„Verdammt, was passiert nur mit mir...“, murmelte er, krabbelte unter die flauschige Federdecke, während die Kerze nieder brannte.

            Überall nur Zelda... in seinem Kopf, in seinem Herzen.

Überall duftete es nach ihrem Parfum... in dem kleinen Raum, selbst das Kopfkissen.

Überall fühlte er ihre Anwesenheit... sogar neben ihm.

            Es war nun so unerträglich für ihn, dass er aufsprang und mitten im Zimmer einen Handstand machte, sich mal eben zu dreißig Liegestützen durchrang und schließlich im nebenan befindlichen Badesaal verschwand, nur um sich eine eiskalte Dusche zugönnen, damit er seine Sinne wiederzurechtrücken konnte. Und vielleicht könnte er diesen merkwürdigen Zauber- den Link glaubte immer noch, er wäre verhext- mit dem kristallenen Brunnenwasser abwaschen.

            Doch es half nichts... Als Link wieder in seinem warmen Bett ruhte und über jede plausible Vorstellung bezüglich seines Zustandes nachgebrütet hatte, starrte er erneut an die dunkle Zimmerdecke. Es konnte kein kindischer, ihn ärgern wollender Fluch seiner Seelenverwandten sein, solange würde sie ihn sicherlich nicht auf den Wecker gehen wollen...

            Er murmelte den Namen der weisen Prinzessin, fast quälerisch gelangten die wenigen wunderbaren Buchstaben über seinen Mund und doch spürte er jedes Mal, wenn er ihren Namen sprach, ein leichtes Kribbeln und Inneres Berühren in seinem Bauch.

„Ich bin krank...“, sagte er mürrisch und betastete seinen braungebrannten Bauch. Er erinnerte sich an eine Krankheit, die einmal in Termina ausgebrochen war und bei welcher man merkwürdige Gefühle im Magen hatte. Jetzt aber traf ihn die Erleuchtung. Vollkommen überzeugt, dass er vielleicht eine Magenverstimmung hatte und dies der Anfang einer Krankheit sein könnte, richtete er sich auf. Genau, ich werde krank, sagte er zu sich.

            Ein Lachen entkam seiner Kehle, warum er nicht früher darauf gekommen ist... tz...tz... Also wirklich Link, sagte er, was dachtest du denn, was es ist. Bestimmt ein kleiner Infekt oder eine böse Grippe, die sich so bemerkbar machte.

            Aber als er seine Augen öffnete und ihm einfiel, dass sich immer noch das Triforcefragment des Mutes in seinem Besitz befand, wurde ihm klar, dass jene Macht es gar nicht zulassen würde, dass er krank würde.

„Was bin ich doch blöd“, sagte er laut und aufgeregt, verschwendete keinen Gedanken, wie stupide und verrückt es sein mochte, wenn er mit sich selbst redete.

            So langsam verzweifelte er, da er die Erklärung für die Gefühle in seinem Inneren einfach nicht verstand und ihm langsam aber sicher die Ideen ausgingen. Himmel, er hatte alle komischen Symptome für eine noch komischere Krankheit, für einen mehr als komischen Fluch und doch war es nichts dergleichen. Er drehte sich um, umarmte ein Kissen und erwischte sich schon wieder dabei, sich zu wünschen, dass dieses Kissen nicht nur ein Kissen wäre, sondern ein wunderbares, weibliches Wesen, welches auf den Namen Zelda hörte.

            Er öffnete verlegen seine Augen wegen diesem unnatürlichen, unkeuschen Gedanken und begann sich schon dafür zu schämen.

„Warum kann ich das nicht abstellen?“, sagte er laut, fragte er hinein in die Dunkelheit seines Zimmers... Sich der Tatsache bewusst, dass ihm niemand antworten würde, wälzte er sich geplagt von einem großen, alten Gesetz der Welt auf den weißen Laken herum und hatte einbläuend Visionen von Zelda vor seinen Augen, egal, ob er jene schloss, egal, ob er sie offen hielt. Verzaubernd bildeten sich die Umrisse von einer in einem kurzen Nachtkleidchen gekleideten Zelda in seinem Zimmer, als wäre sie wirklich hier. Die Phantasiegestalt beugte sich über ihn, näherte sich seinen Augen, seinem Mund mit ihren und noch bevor Link dieses Bild weiterspinnen würde, schüttelte er seinen Kopf und riss die Augen auf.

            „Bei den Göttinnen...“, entkam es seiner inzwischen trockenen Kehle. Fast wäre Link eingenickt, ständig begleitet von der lieblichen Zelda, die ihm in seinen tiefsten Träumen Gesellschaft leisten wollte. Er strich sich über seinen warmen Hals und dann über die schweißgebadete Stirn. Außer sich vor Peinlichkeit, hatte er eine weitere Idee, warum er sich in diesem seltsamen Zustand befand. Er hatte Durst. Vielleicht lag es daran, dass er zu wenig getrunken hatte und somit ständig so etwas wie Fatahmorganas vor seinen Sinnen lagen, ähnlich jenen Trugbildern von Wandernden in der Wüste, die schon tagelang nichts getrunken hatten...

            Eine neue Ausrede, eine neue Idee für seinen bemerkenswerten verliebten Zustand, den er einfach nicht als solches erkennen wollte. Er wusste ja nicht, was Liebe war, sagte er von sich selbst. Er würde sich in seinem Leben niemals verlieben, schwor er sich. Zu dumm, dass die Liebe sich nicht nach denen richtet, denen sie begegnet... Die Liebe sucht es sich aus, wann sie zuschlägt, nicht der Liebende...

            Kurzer Hand trat er in seiner kurzen Schlafanzughose hinaus in einen leeren Gang. Nicht einmal die Fackeln brannten mehr an den steinigen Wänden. Nur Dunkelheit. Zielstrebig folgte er seinem Weg in eine der Schlossküchen und suchte nach etwas frischem Wasser. Dort angekommen fand er die Tür bereits geöffnet und irgendjemand wühlte geräuschvoll in einem Schrank herum. Link hörte klirrendes Geschirr, purzelnde Töpfe und dann eine fluchende Mädchenstimme. Sofort ein kleiner, angenehmer Stich in seinem Magen, als er die Stimme hörte. Knarrend schob er die quietschende, alte Tür beiseite, sodass diese an der kahlen Wand dahinter aufschlug. Das anmutige in einem weinroten Umhang gehüllte Mädchen hetzte herum und hatte in ihren Händen einen verbeulten Silberteller und darauf ein Stückchen Schokoladenkuchen. Ein grinsender, unschuldiger Blick traf den Links und als sie ihn im schwachen Licht der Kerze erkannte, seufzte sie laut aus.

            „Guten Abend, mein Held. Kannst du nicht schlafen?“, sagte sie leise und lächelte ihm himmlisch entgegen.

Link stotterte unverhohlen und mied ihren herrlichen Blick, durch den er schweben könnte. „Du... du auch nicht?“, brachte er hervor und steuerte seinen Körper zu einem großen Glasbehälter, in welches Maia immer ihre leckere Zitronenlimonade fühlte. Sich wundernd, dass er noch genügend Kontrolle über seinen Körper hatte, pflanzte er sich mit einem großen Krug gefüllt mit leckerer, selbstzubereiteter Limonade an den alten Holztisch hier in der Küche.

„Ja, du hast Recht, auch ich finde keinen Schlaf...“, murmelte sie verlegen, da es vielleicht der gleiche Grund wie der Links war, der sie wach hielt. Ein beflügelnder Grund...

            „Mein Magen hat wohl irgendetwas gebraucht...“, sagte sie verlegen und setzte sich neben Link auf die einfache Bank.

„Meiner auch...“, sagte Link und versuchte irgendetwas gegen das Bedürfnis zu tun, sie einfach nur anzustarren...

„Aber verrate Impa bitte nichts davon, sie würde nur sagen, dass ich dick und rund werde, wenn ich ständig Schokoladenkuchen in mich hineinschaufle“, sagte Zelda und aß höflich mit einem Löffel ein Stückchen.

„Nein, der Kuchen würde dich bestimmt nicht dick machen.“, bemerkte Link entgegen seines Willens. „...du würdest immer so schön bleiben, wie du bist.“

            Erschrocken blickte Zelda auf, sah in Links errötetes Gesicht, sah die Scham in seinem Blick. Das war gerade ein sehr liebes Kompliment von seinen Lippen.

„Warum sagst du so etwas liebes zu mir?“ Zeldas fesselnde Augen rangen mit seinen, die sich darum bemühten an anderen Orten zu verweilen.

Er schwieg und sprang auf, als Zelda mit ihrer triforcetragenden Hand seine linke berührte, die ebenso ein Ort für Macht war. Verwundert und ein wenig verletzt, dass er so abweisend war, betrachtete sie sich das Stückchen Torte auf ihrem Teller.

„Ist es meine Anwesenheit, die dir Sorgen bereitet?“, meinte sie.

„Ich weiß nicht, was es ist, dass mir Sorgen bereitet... aber ich finde einfach keinen Schlaf“, sagte er gedämpft und ballte seine Fäuste. Er kämpfte mit der unheimlich angenehmen Empfindung, Zelda in seiner Nähe zu haben, kämpfte mit der Vorstellung, vor ihr niederzuknien und sie zu bitten, die Nacht bei ihm zu bleiben, rang mit dem Wunsch, sie würde einwilligen, ihm Nähe und Wärme zu spenden. Ein bisschen Gesellschaft, nicht mehr...

„Ich finde auch keinen Schlaf...“, erwiderte sie. „Aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm, Link.“

Er drehte sich zu ihr um, schaffte es aber aus Feigheit einfach nicht ihren wunderbaren Blick zu treffen. „Warum nicht?“

„So bleibt Zeit zum Nachdenken, zum Nachsinnen über bedeutsame Ereignisse.“

„Ja, das ist möglich“, meinte er schließlich und lief langsam zu der morschen Küchentür. „Gute Nacht, Prinzessin.“

            Zeldas Schritte wurden hinter ihm hörbar und immer schneller, bis sie direkt hinter ihm stehen blieb. Aber Link rührte sich einfach nicht und fühlte neben dem vertrauten Magenkribbeln, schwitzende Hände, und einen hetzenden Puls. Sein Herz pochte so stark, dass er Angst hatte, Zelda könnte es hören. Sie trat langsam an ihn heran und schlang ihre in dunkelrot gekleideten Arme um seinen Bauch.

„Ich fühle mich so sicher bei dir... bitte bleib’ noch ein wenig...“ Links Augen weiteten sich und sein Herz schien einige Schläge auszusetzen. Jedenfalls antwortete er zunächst nicht.

Sie lehnte ihren Kopf an seinen starken Rücken und wartete auf eine Antwort. „Link... ich bitte dich, leiste mir ein wenig mehr Gesellschaft“, flüsterte sie. Link schloss seine Augen angesichts des süchtigmachenden Gefühls, wenn Zeldas gottesgleicher Körper an seinem lehnte. 

„Bitte... lass’ mich nicht allein...“, sagte sie schwach, so leise, leicht verzweifelt, dass es fast nach einem Wimmern klang. Link schüttelte mit dem Kopf und konnte jetzt einfach nicht weglaufen. Seine Beine waren wie mit dem Boden verwachsen und außerdem hielt Zelda ihn fest... Ihre Worte waren so einfühlsam, so flehend, dass er alles tun würde, damit Zelda wieder lächelte. Er würde alles für sie tun...

            Langsam drehte sich der junge Held um und fand Wasser in den Augen Zeldas. Sie weinte wirklich leise... vielleicht wegen ihnen beiden und ihrem Schicksal, nie das zu sein, was sie sein wollten. Vielleicht, weil sie wusste, Link zu lieben würde immer ein Wunschtraum bleiben.

            „Nicht weinen...“, meinte Link sanft und wischte die Tränenspuren unter ihren Augen weg. „Wenn du lächelst, ist das viel schöner, Sonnenschein...“

Sie schloss ihre Augen und nickte mit dem Versuch eines Lächelns.

„So...“, meinte Link, der seiner Prinzessin mit einem Taschentuch über die feuchten Wangen wischte. „Sonnenschein...“, sagte er wieder und blickte sie ermutigend an. Er wusste nicht, warum sie plötzlich weinte. Er wusste es nicht und es interessierte ihn nicht. Er wollte nur, dass sie wieder lachte.

„Entschuldige“, murmelte sie und putzte sich die Nase mit dem Taschentuch. „Ich weiß nicht, was mit mir los ist“, sagte sie erklärend.

„Du brauchst Schlaf, Zelda.“ Seine Stimme klang beruhigend und zärtlich. Lag es daran, dass es Abend war oder warum erklangen die Worte in ihren Ohren so tiefgehend und einfühlsam?             Seine Stimme, das würde etwas sein, an dass sie sich immer erinnerte...

Sie nickte, auch wenn sie wusste, dass es einen Grund für sie gab, nicht schlafen zu können. Sie brauchte endlich jemanden, der sie in der Nacht festhielt und wärmte. Und doch wünschte sie sich nichts sehnlicher, dass es ihr Seelenverwandter war, der in den lauen Nächten Hyrules neben ihr schlief...

            Ein Grinsen huschte über Links Gesicht, der in jener Minute endlich wieder er selbst war. Frech packte er Zelda wie ein Kind auf seine Arme und trug sie aus der Küche hinaus. Sie krallte sich seufzend um ihn fest und ließ ihren schweren Kopf auf seine rechte Schulter niedersinken. Seine Nähe tat so gut, seine Wärme und seine reine Aura, die ihren Körper hinwegführte. Langsam und leise durchquerte Link einige Gänge des Schlosses, ignorierte die fassungslosen, irritierten und baffen Gesichter der Wachen, die hier und da standen, als er mit der Prinzessin auf seinen Armen vorüberlief. Man konnte es den Wachen nicht übel nehmen. Das Bild mochte sehr absurd ausgesehen haben. Ein halbnackter, bloß mit einer kurzen Hose bekleideter, Hylianer trug frohlockend die Prinzessin Hyrules spazieren.

            Link erreichte die Gemächer Zeldas und ließ den erschöpfen Körper der anmutigen Hylianerin von seinen Armen auf das riesige Himmelbett nieder. Auch wenn er in der Dunkelheit nicht viel sehen konnte... Zeldas Schönheit hatte selbst die Dunkelheit als Untertan. Es war, als würde sie vor ihrer Anmut fliehen, als würde sie angesichts ihrer reinen Seele weichen. Links Augen gewöhnten sich langsam an die erdrückende Dunkelheit und Zeldas blondes Haar, welches sich auf ihren vielen, samtenen Kopfkissen ausbreitete, fiel in seinen Blick. Es schimmerte in dem kühlen Mondlicht, welches seine Arme durch die Spitzbogenfenster schickte. Zeldas Augen waren geschlossen und sie driftete hinweg, da ihr Seelenverwandter nun doch noch bei ihr war, über sie wachen würde, ihre Nähe suchte.

Wie von selbst legte sich die Decke über Zeldas ruhenden Körper, während Link sich leicht über sie beugte und einen leichten, beruhigenden Kuss auf ihre Stirn hauchte.

„Schlaf’, mein Engel...“, flüsterte er.

            Dann gähnte auch Link und ließ sich in Zeldas bequemen Schaukelstuhl sinken.

            Der junge Held Hyrules wusste nicht, dass er sich wenige Minuten zuvor mit dem größten Mysterium, mit dem ewigen, uralten Gesetz der Liebe herumplagte. Und er sollte sich weiterhin quälen, sollte weiterhin an Zelda denken, bis er sie in seinen schönsten Träumen wiederfand...

 

Reges Treiben herrschte auf dem Markplatz in den frühen Morgenstunden. Zelda befand sich gerade zwischen den Menschenmassen und erfreute sich an dem Trubel, den heiteren Gesichtern und fröhlichen Stimmen. Es war wohl nichts außergewöhnliches mehr, dass Zelda sich hier aufhielt, denn viele Hylianer betrachteten sie nicht als die Prinzessin, sondern als einen liebenswürdigen Menschen, dem man keine Bitte abschlagen konnte. Auch Link befand sich in der Stadt, wenngleich er sich schonen musste und ab und an einen Stich in seiner Brust verspürte. Er folgte Zelda durch die Reihen von Ständen, vorbei an der Bühne und suchte ebenso nach einem Schnäppchen. Tatsächlich könnte er einige Dinge benötigen zum Beispiel ein paar Pfeile für seinen neuen Bogen.

            Nach einer Weile brauchte er allerdings eine Pause und setzte sich auf eine Bank vor dem Brunnen in der Mitte des Marktplatzes. Dort lehnte er sich zurück und verschnaufte einige Minuten. Zelda jedoch sprühte nur so vor Energie und rannte von einem Stand zum anderen. Ausführlich informierte sie sich über die Vorbereitungen und die Tatsache, dass am großen Tag erfreulicherweise alles fertig sein würde. Sie unterhielt sich gerade mit einem älteren Herren mit langen Bart, der Teppiche anbot, als eine kratzige Stimme hinter ihr ertönte. Die Hexe Asa aus Kakariko stand direkt vor ihr.

            „Seid gegrüßt Prinzessin Zelda.“

„Sei gegrüßt Asa.“ Die Hexe wand sich dann Link zu, der schläfrig auf der Bank neben dem Brunnen saß.

„Ihr pflegt attraktive Gesellschaft, Prinzessin. Gehe ich recht in der Annahme, dass dieser junge Mann dort zu euch gehört.“ Zelda blickte überrascht drein und ahnte, das Asa um die wahre Identität Links wusste. „Ich möchte euch warnen, Prinzessin. Die Orakel prophezeien Schlimmes...“ Die Prinzessin und Asa wanden sich von dem Stand weg und unterhielten sich leise in der Nähe einiger Pappeln.

            „Wie darf’ ich das verstehen, Asa?“

„Ich befürchte an dem Tag des Friedens geschehen Dinge, die nicht nur Auswirkungen auf Hyrule, sondern auch auf eine neue Welt haben werden. Ich möchte Euch nicht beunruhigen, aber ich mache mir Sorgen, aufrichtige Sorgen, Prinzessin.“ Zelda nickte und dankte Asa für die Warnung, auch wenn sie selbst überspielen konnte, wie ihr dabei zumute war. Seit Link verletzt worden war, hatte Zelda ohnehin ein merkwürdiges Gefühl, als ob in naher Zukunft etwas total aus dem Gleichgewicht geraten würde. Und ihre Vorahnungen hatten sie noch nie angelogen...

            „Übringens, Prinzessin, ich habe das Gefühl, der junge, gutaussehende Mann dort wird gerade bezüglich seiner Herkunft ausgefragt. Bis bald, Prinzessin Zelda.“ Damit verschwand Asa inmitten der Menschenmassen. Zelda jedoch blickte zu Link, der von einigen jungen Dingern umrundet war. An seiner verärgerten, genervten Miene erkannte man, dass es ihm nicht gefiel ausgefragt zu werden.

Zelda marschierte auf die kleine Ansammlung zu und provozierte mit einem lauten: „Ähähm.“ Die jungen Mädchen drehten sich um und schauten Zelda überrascht ins Gesicht. Sie grummelten und stapften dann von dannen.

„Was wollten diese jungen Mädchen denn von dir, mein Held?“

Er verleierte seine Augen und entgegnete kühl: „Die haben mich gefragt, was ich im Schloss zusuchen hatte und ob ich vielleicht der Held der Zeit wäre.“ Er stand auf und gähnte. Dann hielt er eine Hand vor seine Brust.

„Und? Bist du’s denn“, meinte Zelda scherzhaft.

„Keine Ahnung. Was meinst du, Zelda?“ Sie drehte sich um und tanzte vergnügt um den Brunnen herum. Ihr blaues Kleid wehte im Wind und machte aus ihr augenscheinlich ein gewöhnliches, aber wunderschönes Mädchen. Ihre Haare trug sie offen, nicht eine Spange trug sie heute. Irgendwie war sie wie ausgewechselt seit Link soviel Zeit mir ihr verbringen konnte. Sie strahlte vor Glück und so hatte Link sie noch nie erlebt. Aber es erhellte auch sein Herz, sie so heiter zusehen.

            „Mmh. Der Held der Zeit sollte natürlich stark sein und mutig. Außerdem trägt er eine Okarina mit sich herum und zeichnet sich durch grüne Kleidung aus, die so leuchtet wie die grünen Wiesen in der Steppe.“ Link lächelte leicht und spielte mit.

„Und attraktiv sollte er sein, nicht wahr?“

„Vielleicht.“

„Und er sollte der perfekte Held sein, edelmütig, großzügig und gutherzig. Außerdem hat er Sinn für Humor und ausgesprochen viel Charme.“

Zelda blieb direkt vor ihm stehen und sagte nach einer kleinen Pause. „Ich finde, diese Eigenschaften treffen alle auf dich zu, mein perfekter Held.“ Sie lachte dann, setzte jedoch hinzu: „Aber ein paar kleine Macken hat auch der Held der Zeit, nicht wahr?“

„Und die wären, Prinzessin des Schicksals?“ Link stand auf und folgte ihr, als sie gemeinsam Hand in Hand durch die Menschenmassen liefen und die erstaunten Gesichter des Volkes ignorierten.

„Er hat einen übertriebenen Willen, würde alles für die Königstocher des hylianischen Landes tun und ist manchmal übermütig, wie auch zu neugierig, überdreht und hat eine gefährliche Zunge.“ Er grinste.

„Ist es nicht gerade das, was du an jenem Helden schätzt, Prinzessin?“ Sie blieb stehen und schaute ihm genau in seine tiefblauen Augen.

„Es ist gerade das, was ich an ihm...“ Sie blickten sich einige Augenblicke direkt in die Augen, wurden verlegen und schauten zu Boden.

            Dann wurden sie beide von einer weiteren Person begrüßt. Kommandant Orsun, den Link daher kannte, als er seinen jungen Kämpfern einige harte, aber gerechte Lektionen hinsichtlich der hylianischen Schwertkunst beigebracht hatte, stand direkt vor ihnen. Er verbeugte sich kurz vor Prinzessin Zelda und reichte Link dann freundschaftlich die Hand. Als einer der wenigen wusste er um die Identität des Helden der Zeit. Die Königsfamilie persönlich hatte ihm dieses Geheimnis unter Links Einverständnis mitgeteilt, da er einerseits ein sehr guter Kämpfer war und auf der anderen Seite, seine Treue und Loyalität einige Male ehrenhaft bewiesen hatte.

„Na Link, mal nicht auf Abenteuersuche?“

„Oh, ich bin leider ein wenig angeschlagen.“ Zelda schüttelte den Kopf. Ein wenig angeschlagen? Seine Selbstlosigkeit würde ihn eines Tages noch ins Grab bringen.

„Angeschlagen ist nicht ganz richtig, Orsun. Verletzt und außerstande mehr als fünf Stunden die Augen offen zuhalten, trifft es wohl eher.“ Orsuns Blick änderte sich und er prüfte Link sorgfältig. Seit er ihn kennen gelernt hatte, war er fast wie ein Onkel oder ein Vater und machte sich auch seine Sorgen um ihn. Die Blässe in Links Gesicht sagte dann mehr als Worte und Orsun verstand.

            „Es gab einen kleinen Zwischenfall in den Schlossverliesen“, sagte Link. Zelda schüttelte vielsagend mit dem Zeigefinger.

„Kleiner Zwischenfall ist nicht korrekt, mein Lieber. Man hätte dich beinahe umgebracht“, mahnte sie ihn.

Orsun lachte und sagte: „Nun, Link, einer Prinzessin kann man wohl nicht wiedersprechen. Schönen Tag noch, euch beiden. Macht’s gut.“ Der Kommandant war ein vielbeschäftigter Mann und musste seine zukünftigen Soldaten noch trainieren, da sie zum großen Tag einige ihrer Schwertkünste vorführen sollten.

            Link und Zelda traten aus der Stadt hinaus und liefen dem gepflasterten Weg zum Schloss entlang. „Sag’ mal, wie viele Leute wissen eigentlich von deinen Heldentaten?“

„Erst mal überlegen... da wäre Asa, die Hexe, einige der Kokiri natürlich, viele, wenn nicht gar alle Zoras, da Ruto ihre riesige Fischklappe nicht halten konnte. Sonst weiß es eigentlich niemand.“ Sie blieben kurz stehen und setzten sich auf eine Grünfläche vor den Schlosstoren. 

„Warum wolltest du eigentlich unerkannt bleiben? Du hättest mehr Ehre und Respekt verdient, Link. Und wenn jeder weiß, das gerade du es warst, der Ganon bezwungen hat...“ Er lehnte sich zurück in das saftige, grüne Gras, schloss seufzend die Augen und unterbrach sie: „Zelda... bitte fang’ nicht schon wieder mit diesem Thema an. Ich... ich möchte nicht, dass die Hylianer mich für etwas halten, das ich nicht bin. Schließlich bin ich nicht unbesiegbar... auch ich habe meine Schwächen.“ Er öffnete seine Augen und schaute in den blauen Himmel. Weiße Schleier zogen langsam vorüber.

            Dann beugte sich Zelda über ihn und Link verglich ihre Augenfarbe das erstemal mit der Farbe des Himmels. Ja, Zelda hatte einen Funken Himmel in ihren blauen Augen, die aus ihrem edlen Gesicht wie Kristalle hervorleuchteten.

„Du hast deine Schwächen? Zumindest mir gegenüber hast du diese aber noch nie gezeigt, Link.“

„Natürlich nicht, Zelda. Du bist immerhin die Prinzessin.“

            Sie schaute trübsinnig weg und verstand, was Link dachte. Sie war eben die Prinzessin, kein gewöhnliches Mädchen und würde Link wohl niemals so kennen wie ein anderer es tat. Es war ihr nicht gestattet, ihm ihre Schwächen zu zeigen, ebenso wie sie nicht das Recht besaß, seine zu wissen. Es tat weh, direkt in ihrem Herzen, aber es war nicht zuändern. Und irgendwie fühlte sie sich gerade in dem Augenblick von Link verraten, denn gerade sie hatte sich immer gewünscht, ihn besser zukennen, als andere. Und obwohl sie bei bester Laune gewesen war, erschien ihr im Moment alles wieder so unüberwindlich. Der Gedanke daran, wer sie war, nahm ihr einmal mehr das Lächeln auf dem Gesicht. Sie war die Prinzessin...

            Sie richtete sich auf und blickte schwermütig zu den hohen Türmen des Schlosses. 

„Hab’ ich was falsches gesagt, Zelda?“

Sie schüttelte mit dem Kopf und stand auf. „Vergiss’ nicht das große Bankett zu Mittag. Mein Vater möchte dich endlich kennen lernen. Noch etwas, vielleicht trägst du einige andere Kleidung. Ich werde ein Zimmermädchen beauftragen, dass sie diese für dich zurechtlegen sollten. Du musst bei meinem Vater einen guten Eindruck machen“, meinte sie kühl.

            Link folgte ihr nachdenklich zu den hohen Toren des Schlosses, das Zelda manchmal wie ein Gefängnis vorkam. 

            Auf halbem Weg entdeckten sie beide dann einen großen Karren mit dutzendweise Milchflaschen darauf. Ein genauerer Blick und Malon war zusammen mit ihrem Vater dort zusehen, wie sie die Flaschen ausluden. Link sprintete fast zu ihnen, während Zelda bloß überrascht über seine plötzliche Kraft zusah. Er begrüßte Malon und umarmte sie. Wahrscheinlich hatten sie sich lange nicht gesehen, da sie sich herzlich anlächelten.

            Im Geheimen wurde Zelda aber bei dem Anblick Links und Malons eifersüchtig, dann traurig und verzweifelt. So herzlich, wie er Malon in seine Arme nahm, hatte er sie noch nie berührt. Zelda blieb wie versteinert stehen, als der Held der Zeit Malon half, die Kisten mit den Flaschen auszuladen. Sie verbarg ihre aufkommenden Tränen und rannte mit zusammengekniffenen Augen an ihnen vorbei, hinein in das Schloss, wo sie sich verstecken und weinen konnte, ohne dass sie jemand für schwächlich hielt. Sie verriegelte die Tür zu ihren Gemächern und ließ sich auf ihren Schaukelstuhl fallen.

 

„Hey, Link, es ist ja ewig her, dass du uns auf der Farm besucht hast“, sagte Malon.

„Jep, ich bin ja noch nicht lange in Hyrule. Aber ich wäre euch sicherlich besuchen gekommen. Was macht eigentlich Epona?“

„Ach, der geht’s prächtig. Ich denke, sie vermisst dich. Vielleicht solltest du mal mit ihr ausreiten.“ Er schnappte sich eine Kiste und entsorgte eine kaputte Milchflasche.

„Und wie lange bleibt ihr hier in der Nähe des Schlosses?“

„Nun, ja. Solange, wie die Festtage sind, nehme ich an. Ich freue mich auf jeden Fall auf das Fest des Friedens und möglicherweise finde ich dort endlich meinen Prinzen. Ach ja...“

Link grinste: „Wohl noch nichts neues in der Liebe, Malon?“

Auch sie grinste: „Nee, irgendwie nicht.“

            Link gab ihr einen wohlgemeinten Stups und meinte neckisch: „Ich habe gehört am großen Tag werden viele gutaussehende Adelsmänner ins Schloss eingeladen. Wieso schnappst du dir nicht einen davon?“

„Das wäre eine Idee, aber ich bin ja nicht eingeladen“, seufzte sie. „Ich bin eben bloß ein Bauernmädchen.“ Link zog eine grübelnde Miene und schien ernsthaft über eine Sache nachzudenken.

„Als einer deiner besten Freunde, würde ich sagen, frage ich einfach Zelda mal, ob sie nicht etwas drehen kann, dass du ins Schloss kommst. Vielleicht können wir dich auch irgendwie herausputzen. Was meinst du?“

„Das würdest du tun? Ich wollte immer schon mal einem Ball beiwohnen. Das wäre ja klasse.“ Sie malte sich aus, wie es sein würde, wenn irgendein gutaussehender Adliger ihr den Hof machen würde. Malon grinste in sich hinein, denn in der Tat hatte sie zumindest das Zeug zu einer Adligen und war bildhübsch, wie Link fand.

            Außerdem war sie eine der vertrauenswürdigsten Personen, die Link kannte und auch ihr hatte er sein großes Geheimnis mitgeteilt: dass es sich beim Helden der Zeit um ihn persönlich handelte.

„Hey, wie läuft es eigentlich bei dir in der Liebe“, fragte sie neugierig und grinste Link durchdringend an. „Einige Hylianer behaupten sogar, der Held der Zeit wäre nur wegen Prinzessin Zelda im Schloss.“

„Also... eigentlich trifft das ja den Nagel auf den Kopf... aber sie ist schließlich die Prinzessin, Malon.“

„Tja, du hast es dir eben nicht leicht ausgesucht, mein Freund.“

„Ich bin ein hoffnungsloser Trottel...“, sagte er missgelaunt und wirkte teilweise verbittert.

            „Armer Held der Zeit... es hat ihn schwer erwischt“, neckte Malon und Link lächelte ihr leicht entgegen. Tatsächlich schaffte sie es immer wieder ihn aufzuheitern. „Wie auch immer, Link, Talon und ich haben leider noch viel zu tun. Schau’ doch mal, was Zelda so macht. Und bring’ ihr einen Strauß Blumen von der Stadt mit. Über so was freuen sich Mädchen immer.“ Link nickte und lief erneut zur Stadt. Der Gedanke, es könnten Gefühle der Liebe sein, die er für Zelda hegte, war beängstigend für ihn und doch schien dies die einzig logische Erklärung für die Rastlosigkeit in seinem Herzen, wenn sie nicht da war.

            Er war wohl wirklich ein hoffnungsloser Trottel...

 
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