Kapitel 46
 

Kapitel 46

 

 

 

 

Viele Tage vergingen in der alten Welt von Hyrule und am morgigen Tage stand das Fest des Friedens an. Alles war vorbereitet für den großartigsten Tag des Jahres.

Link hatte sich, seitdem er um Zeldas Hochzeitspläne wusste, nicht mehr im Schloss blicken lassen. Selbstverständlich teilte er Impa mit, dass es ihm gut ginge, sodass sich niemand um seinen Verbleib sorgen müsste.

Nur Zelda verstand nicht, warum er sich so klammheimlich davongestohlen hatte und sie nicht mehr besuchte... es stimmte sie traurig, noch trauriger, als sie ohnehin die letzten Tage und Nächte gewesen war.

            Link übernachtete währenddessen bei seiner guten Freundin Malon auf der Ranch. Er hatte ihr noch nicht erzählt, was der Grund war, dass er das Schloss verlassen hatte, aber es gab ja Epona, die seine Ausrede darstellte. Geschauspielert hatte Link und behauptet, er müsse mal wieder Zeit mit Epona verbringen und das war nur die halbe Wahrheit...

            Es war spät Abends, als der sorgenvolle Heroe mit der Okarina auf einem Zaun saß, mit den Beinen baumelte und mal wieder - er hatte es fast jede Nacht gespielt-  Zeldas Wiegenlied spielte. Er schloss seine Augen und versank halb in der Melodie.

Malon gesellte sich zu ihm und überrascht öffnete er seine tiefblauen, ernsten Augen.

„Willst du mir nicht endlich mal erzählen, was los ist, du liebeskranker Held?“ Er packte die Okarina weg und sprang vom Zaun.

„Hast du nicht Lust, eine Runde auszureiten“, fragte Malon dann und hoffte, sie könnte ihn endlich mal in ein Gespräch verwickeln.

„Hyrule an den Helden Link, der mal keine grüne Mütze trägt. Könntest du aufhören, Trübsal zu blasen. Du Hornochse, was ist nur mit dir los, zum Teufel?“ Und ihre Stimme wurde immer lauter. Malon hatte in der Tat eine laute Stimme, wenn sie wollte und eine schöne obendrein.

Link seufzte und meinte: „Ja, Ausreiten ist eine gute Idee. Ich denke, Epona braucht ein wenig Auslauf, oder?“

„So ist’s richtig.“ Malon rannte in den Stall und sattelte Epona und ihr eigenes Lieblingspferd Singsang.

            Link kam wenig später herbei und gemeinsam galoppierten die Pferde über die Steppe.

„Ähm... Malon, warte mal?“ Und Malon schaute zurück, da Epona zum Stehen kam.

„Wollen wir eine Pause machen?“, erwiderte sie und sprang von Singsang. Die Pferde erfreuten sich an der frischen Luft in der Steppe und an ihrer Freiheit, während Link und Malon auf der Wiese saßen.

            „Wegen der Sache mit dem Ball, Malon. Ich habe Impa gefragt und sie meinte, sie würde dich gerne irgendwie hineinschleusen. Du kennst ja Impa und ihre Einfälle. Du sollst morgen gegen drei Uhr nachmittags beim Schloss sein. Impa wird auf dich warten und dich dann einweisen. Sie macht aus dir schon eine Adlige. Dann kannst du den Ball genießen und ein Treffen mit einem Nobelmann steht nichts im Wege.“ Malon freute sich und drückte dies mit einem lauten Juhu aus.

„Und du? Wirst du denn nicht an dem Ball teilnehmen?“

Links Gesicht verzog sich. Er schüttelte mit dem Kopf. „Ich habe Wichtigeres zu tun.“

„Nun hör’ aber auf? Was kann schon wichtiger als der Ball sein, wo eine Prinzessin auf dich wartet.“ Link sagte dann lauter als vorher und leicht verärgert: „Sie wartet nicht auf mich. Sie wartet genauso wie du auf einen Prinzen. Ich bin da völlig fehl am Platz.“ Und wütend sprang Link auf und ballte seine Fäuste.

            „Aber Link“, sagte Malon vorsichtig.

„Zelda wird sich morgen mit irgendeinem Kerl der höheren Kaste verloben. Was soll ich noch dort...“ Man erkannte an seiner Stimme, wie weh es ihm tat, allein jene Worte auszusprechen.

„Link, das tut mir so leid...“, meinte Malon, die jetzt verstand, weshalb er sich in den letzten Tagen so komisch benommen hatte. Auch sie stand auf und lief zu ihm herüber. „Komm’ her, du kleiner Idiot“, sagte sie und umarmte Link freundschaftlich.

            Nach einer Weile meinte der Held leise: „Danke Malon... du bist ein guter Freund.“

„Gern geschehen. Und Link...“

„Ja?“ Überrascht sah er auf, als sie beide wieder auf ihren Pferden saßen.

„Egal was irgendwann sein wird... ich bin mir ziemlich sicher, dass es sie freuen würde, wenn du morgen auf dem Ball erscheinst. Außerdem bist auch du ein kleiner Prinz, zwar nicht von Blut, aber durch deine Heldentaten. Du hast es auf jeden Fall verdient diesen Abend zugenießen.“

„Ach... ich weiß nicht.“

Malon ritt mit Singsang ein wenig näher an Epona heran und gab Link einen Stups. „Komm’ schon, du Held. Hör’ auf zu schmollen und gib’ dir einen Ruck“, sagte sie und lächelte ihn mit einem ihrer fröhlichen Gesichtern an.

Der Hylianer atmete tief aus und schaute hinauf zu dem hellen Mond am Himmel. Lange Zeit starrte er gedankenversunken irgendwohin. Und sein Blick schien in diesem Moment alles auszusagen, was er dachte, was er empfand.

            „Ist es denn nicht Schicksal für Helden, dass sie anderen helfen, aber selbst nie das Glück erreichen, das sie begehren. Link...“

            Er nickte. „Ja, Malon, ich habe die letzten Wochen wohl in einer Wunschvorstellung gelebt und jetzt befinde ich mich in der Wirklichkeit und Zeldas Verlobung war das böse Erwachen. Ich weiß aber nun, was ich zu tun habe...“

„Wirklich?“

„Ja, sehr bald, wenn hier in Hyrule die Dinge geklärt sind, um die ich mich noch kümmern muss, werde ich diesem Land erneut Lebewohl sagen. Doch diesmal weiß ich nicht, ob ich jemals zurückkehren werde...“

Malon presste die Lippen aneinander und sagte: „Ich werde dich vermissen, du Taugenichts.“

„Ich dich ebenso, Malon. Aber...“ Und Link hatte endlich wieder ein stolzes Lächeln auf dem Gesicht, welches die Spur Abenteuerlust verriet. „... kein Grund für Melancholie. Die Zukunft hält sicherlich ihre Überraschungen bereit und Hoffnung gab es immer und es gibt sie noch...

            Geschwind ritten die Jugendlichen zurück zu der großen Farm von Talon und Malon, genossen den frischen hylianischen Abendwind um die spitzen Ohren und verschwanden am Horizont.

 
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