Kapitel 47
 

Kapitel 47

 

 

 

 

„Impa? Was ist geschehen?“ Die stolze Shiekah hielt eine Hand vor ihren Mund und schaute entsetzt drein. Sara stand vor ihr und sah sie nur fragend an.

Wartend befanden sich die Überlebenden im schwachen Schein einer Kerze an dem großen Tisch. Impas Blick wurde ernster und ernster.

            „Zelda, irgendetwas stimmt nicht mit ihr“, sagte sie matt. „Etwas ist geschehen... sie leidet, Sara.“

„Was? Aber Link ist doch bei ihr!“, entkam es ihr entrüstet. 

„Ja, das mag sein. Möglicherweise hat sie etwas getan, was Link nicht verhinderte...“

Und Sara setzte ebenso ein eher schwermütiges Gesicht auf.

            „Ich frage mich, ob sie jemals zurückkehren werden. Glaubst du, wir haben eine Chance, Impa?“ Die Schuldirektorin schüttelte nur mit dem Kopf.

„Wenn ich ehrlich bin Sara, standen die Chancen ohnehin nie sehr gut. Wir sollten aufhören in einer Illusion zu leben. Wir sind die Wirklichkeit... hier gibt es keinen Spieler, der alles so steuert, dass es ein Happyend gibt, hier... gibt es vielleicht keines...“

„Aber Ganon darf nicht bekommen, was er will. Wo ist die Gerechtigkeit, Impa? Wo sind die Götter, an die wir geglaubt haben? Was ist mit den alten Legenden um die Helden Hyrules, was ist mit dem Schicksal? Ich weigere mich zu glauben, dass es so enden soll...“

Impas rote Augen blickten Sara eindringlich an und ein leichtes Lächeln zeigte sich um ihre Mundwinkel. „Solange wir noch da sind, ist noch nichts verloren, auch wenn die Zeit knapp ist. Aber was anderes... bist du denn nicht müde, Sara?“

„Nein, ich habe sowieso schon zu lange nichts getan. Gibt es nicht doch etwas, was wir tun könnten?“ Impa zuckte mit den Schultern. Dann hörten sie ein merkwürdiges Geräusch, ein Kratzen, an der großen Stahltür, die als Versiegelung für die Kellerräume diente.

 

Als Link zur Besinnung kam, fand er das kleine Dorf völlig leer vor sich. Er hatte wiedereinmal einen Blackout und keine Ahnung von den Dingen, die er mit seinen eigenen Händen getan hatte. Wusste nicht, dass er getötet hatte. Wusste nichts von dem kalten Ich, das ihn umhüllte.

Er blickte verwirrt um sich und sah Zelda leblos am Boden liegen. Gerade da kamen seine Erinnerungen zurück und er besann sich auf das schaurige Bild ihres leiderfüllten Gesichtes. Entsetzt rannte Link zu ihr, als er seine Gedanken ordnete...

Er ließ sich einfach fallen, umfasste angsterfüllt Zeldas Oberarme und drehte die bewusstlose Hylianerin sachte zu ihm. Sein Blick fiel sofort auf den todbringenden Pfeil knapp unter ihrer Brust. Dickes Blut sickerte in den dunkelblauen Stoff ihrer Stoffbluse. Blut... wertvolles Blut. Und doch bestand Zeldas gesamtes Dasein nur aus Blut.

            Fassungslosigkeit und Schock standen in Links kreidebleichem Gesicht geschrieben. Er wusste nicht, was er tun sollte und fühlte sich so hilflos.

„Zelda...“, flüsterte er. Zitternd wanderte seine linke Hand zu ihrem Hals, er traute sich nicht ihren Puls zu fühlen. Denn wenn Zeldas Puls nicht fühlbar war und... er brachte seine Gedanken nicht zu ende und drückte machtlos ihren Körper an seinen.

Er murmelte ihren Namen erneut, dann noch einmal.

            Die Zeit tickte nicht mehr. Tausende Gedanken schossen Link durch den Kopf. Was war und was hätte sein können...

            Einige Minuten gingen vorüber. Noch immer lag Nacht und Kälte in den geheimen Kokiriwäldern. Reisende Nebelschwaden bedeckten den moosigen Waldboden und legten sich wie ein Mantel über die beiden Hylianer. Erneut sammelte sich salzige Tränenflüssigkeit in Links Augen, gegen die er nicht ankämpfen konnte. Er wollte etwas sagen und wusste nicht, welche Worte überhaupt noch einen Sinn hatten. Nichts hatte mehr Sinn ohne sie. Ohne seine Prinzessin, die ihm immer den Rücken gestärkt hatte.

            In dem Augenblick vernahm Link ein kümmerliches Aufstöhnen, energieloses Seufzen, dann ein leises Weinen. Vorsichtig legte er Zelda zurück auf den leblosen Waldboden, löste ihre eisigen Hände aus den Fesseln und nahm ihre rechte, zarte Hand in seine beiden rauen.

„Zelda...?“, seine Worte schwach und zitternd. Ein Streicheln ging über ihre rechte Hand, gefolgt von einem leichten Drücken der beiden warmen Hände Links. Zeldas Körper zuckte auf. Krächzend schlug sie ihren Kopf zur Seite, quälte sich mit ihrer klaffenden Wunde und seufzte unentwegt. Ihre Atmung kam kurz und flach. Sie kämpfte. Ein kleiner Rinnsal aus Blut folgte einem Pfad an Zeldas rechtem Mundwinkel hinab.

            In dem Moment liefen Tränen ihre Wangen hinab und sie blinzelte. Ihr Gesichtsausdruck verriet, dass sie üble Schmerzen haben musste.

„L-Link...“, brachte sie hervor, verzog aber dann ihr Gesicht und begann vor Schmerz zu winseln. Sie schämte sich für ihren elenden Zustand, wollte, dass Link ging. Er sollte nicht mit ansehen, wie sie sich quälte. Und sollte nicht miterleben, wie der Tod an ihr nagte. Abweisend drehte sie ihren Kopf zur Seite, sodass sie Link nicht ansehen musste und weinte leise vor Schmerzen.

Wie in Trance wischte Link mit einigen Fingerspitzen das Blut von ihrem Mund, als eine kleine Träne aus seinen Augen ihre Nasenspitze benetzte.

            „Du weinst ja...“, murmelte Zelda und versuchte ein wenig zu lächeln. Ein schmaler Spalt zwischen ihren Augenlidern ließ das schöne Blau hindurch. Link schaffte es nicht, auch nur ein Wort zu sagen. Es tat weh, sie so zu sehen, ihr nicht helfen zu können. Ein Ziehen und Spannen in seinem Herzen. Ein dumpfer Schmerz. Es tat einfach nur weh…

            Ihre Augen schlossen sich wieder, entgegen ihres Willens. Und es schien, als war jene kleine Bewegung genug um den Knoten in Links Hals zu lösen…

Sanft patschte er auf ihre Wangen, wollte sie wach halten, sie bitten, ihn an zusehen. Aber sie reagierte nicht auf ihn, spuckte ein wenig Blut zwischen Nadeln und Grashalme und schien erneut das Bewusstsein zu verlieren.

            Sie blinzelte und murmelte schwach, stockend: „Link... ich bin... so... müde...“ Der Schatten über dem Blau ihrer Augen wurde dichter und dichter...

„Nein, bitte, Zelda, du musst wach bleiben...“, sagte er gedämpft und hasste sich dafür, dass er ihr im Moment nicht helfen konnte. Nichts konnte er tun... übermannt von Hilflosigkeit... nichts...

Vorsichtig führte er ihre rechte Hand an seine Lippen, drückte einen Kuss auf ihre blasse Haut und hielt ihre Hand an seine Wange gepresst.

„Es ist so kalt...“, würgte sie hervor, atmete schlürfend ein und aus. „...hier und... überall. Es ist kalt...“ Verzweifelt hievte Link ihren schwachen Körper ein Stückchen an und drückte sie an sich.

„Zelda...“, hauchte er. Aber sie blickte ihn nur verschwommen an, ein wenig verträumt, ein wenig unwirklich. 

„Zelda... ich brauche dich... bitte...“

„Ich... fühle mich so müde... bitte lass’ mich schlafen...“

„Nein!“, schrie er sie an, „Du darfst jetzt nicht schlafen, Zelda, ich bringe dich nach Hause, zu Ines. Dar wird dir helfen... Bitte, nur bitte, bleib’ wach. Bleib’ bei mir, Zelda.“ Er rüttelte sie sanft, als abermals ihre Augenlider niedersanken. Sie wehrte sich mit aller übriggebliebenen Kraft gegen seine Nähe, gegen seine Wärme und drückte sich von ihm weg. Sie wollte ihn anschreien, brüllen.

Es ging um so vieles. Ihre Verletzung, ihr Versagen, könnte die gesamte Mission in Gefahr bringen. Link durfte sich nicht um sie kümmern. Sie mussten weiter oder das Schicksal der Erde und Hyrules wären für immer besiegelt...

            „Geh’... lass’ mich alleine hier... bitte geh’...“

„Ich lass’ dich nicht allein“, erwiderte er gekränkt. Er beugte sich über sie, suchte ihren Blick, der doch nur noch verschwommen war. „Zelda...“, flüsterte er liebevoll. Mit Sehnsucht erklang ihr Name, verriet soviel über seine wahren Empfindungen. „Ich bringe dich nach hause... Zelda... ich...“

            Verärgert brachte sie halbwegs laut hervor: „Link... nein... wir können nicht zur Erde, dann... dann ist alles vorbei... “ Sie krallte sich zitternd mit ihren Händen in dem Erdboden fest. Mit letzter Willenskraft zerrte sie an Links Arm und führte dessen Hand zu dem Pfeil, der gefährlich tief in ihrem Körper steckte. Sie versuchte sich aufrecht zusetzen, aber ihre Kräfte versagten endgültig und Link hielt sie fest in seinen Armen.

            Seufzend sagte sie: „Zieh’ den Pfeil heraus...“

Link sah sie nur geschockt an... wenn er jetzt den Pfeil entfernen würde, würde sie noch mehr Blut verlieren...

„Nein...“

„Bitte...“, stöhnte sie und presste ihre Lippen aneinander.

„Zelda... ich kann nicht...“

Sie versuchte ihn ein weiteres Mal anzulächeln und doch lief eine salzige Träne an ihrer rechten Wange hinab.

„Link... ich habe... dich immer...“ Zitternd näherte sich Link ihren sanftmütigen, warmen Augen, bat sie inständig zu kämpfen, bei ihm zu bleiben...

„... dich immer... so sehr…“

            Sie öffnete schwach ihren Mund, wollte etwas sagen, was sie nie konnte, brachte aber kein weiteres Wort aus ihrem blassen Mund... Zelda verlor in dem Augenblick endgültig das Bewusstsein...

 

Der Mutant aus Ganons Armee kniete mit Schweiß auf der pelzigen Stirn vor seinem Lord nieder. Er formte seine beiden Hände zu Fäusten, dann verdrehte er diese und es knackte einmal laut in seinen Gelenken. Bei genauem Blick konnte man erkennen, dass seine Gelenke verdreht waren.

„Meist- Meister... der, der Held hat gewonnen. Tötet alle. Tötete die alle.“

            Ganon schlug sich genervt an die Stirn und verleierte seine roten Teufelsaugen. Der Mutant war so belämmert, dass es nichts brachte ihn zu bestrafen. Also stand Ganon auf und schaute aus den Fenstern der Kathedrale. Ein blutroter Schein strahlte in das Innere der Kathedrale. Ein Schein, der von einem glühenden Halbmond herrührte. Sehr bald würde Vollmond sein, dann wäre er endgültig der Herrscher von zwei außergewöhnlichen Welten.

„Wo ist überhaupt Mortesk, Troplox?“

„Tot... hehe... so tot... wie tot...“ Ganondorf drehte sich überrascht um und funkelte mit kühlem Blick in das Mutantenwesen hinein. Er sagte die Wahrheit.

„Soso... ich nehme an, die mützensüchtige Ausgeburt des Schicksals hat ihn beseitigt.“ Der Mutant, mit Namen Troplox, wippte einige Male mit seinem Kopf auf und ab, was unheimlich dämlich für eine Mischung aus Moblin und Eisenprinz aussah.

„Gut. Hab’ mich schon gefragt, wie er solange am Leben bleiben konnte, dieser Feigling. Troplox, du bleibst auf der Fährte von Link und der Prinzessin.“

Dann lachte der Mutant abfällig in sich hinein. „Kann nicht, wir können nicht auf der Fährte von Zelda bleiben.“

Damit blickte Ganon ziemlich verwirrt drein. „Wie darf ich das verstehen, dummes Häufchen Elend?“

Troplox machte große Augen und zog seine aufgeplatzten, lila Lippen zusammen. Dann lugte er an die Decke. „Mor-Mortesk... hat Pfeil geschossen... auf sie und sie tot. Auch tot. So tot wie Mor...“

            Ganon schlug mit der Faust auf den steinernen Altar, der daraufhin zusammenbrach. Im nächsten Augenblick brachen alle Fensterscheiben in der Kathedrale entzwei und Ganon fühlte, wie Wut in ihm wuchs.

Er wusste, dass sich in Zeldas Blut immer noch Magie verbarg, jenem Blut der königlichen Familie von Hyrule. Denn Zelda wurde nicht so wie Link und andere auf normalem Wege wiedergeboren, sie wurde nicht geboren. Wenn er dieses Blut besäße, könnte er vielleicht noch mehr Macht erlangen als er ohnehin schon hatte. Seit seinem Wiedererwachen war er darauf aus gewesen, es gierte in ihm dieser Wunsch, diese Macht zu haben, so wie er jahrhundertlang jede Macht besitzen wollte. Und alles, restlos alles hätte er getan, zerstört, versucht, nur um alle  Macht der Welt in seinen Händen zu halten. Und nun...

Außerdem hatte Ganon schon immer ein Interesse an der Prinzessin von Hyrule, ob nun an dieser Königtochter, oder eines anderen Nachfahren der Königsfamilie mit Namen Zelda.

Sie war der Juwel Hyrules, schön und weise. Nicht nur das hylianische Volk selbst unterlag ihrem Zauber, auch Dämonen wie Ganondorf. Vielleicht aber war sie gar nicht tot und nur verletzt?

            „Troplox. Töte den Helden endgültig und nun verschwinde!“, fauchte Ganon in einem abwertendem Tonfall. Er setzte sich auf den Thron und überlegte. Dann erloschen alle Kerzen in der Kathedrale und Schatten kamen aus allen Ecken der Kirche, versammelten sich demütig vor den Füßen Ganons und wandelten sich zu drei Gestalten. Die Schattengötter versammelten sich, um neue Befehle ihres Herrn auszuführen.

„Zelda wurde möglicherweise getötet. Erspart euch die Mühe nach ihr zu suchen, verfolgt stattdessen die Gottheiten, welche ausgebrochen sind und diesen kleinen Kerl, der sich ebenso Link nennt.“

Sie verschwanden, wie als wären sie nie hier gewesen.

 

Währenddessen verlor Link im Kokiridorf immer mehr die Nerven. Er wollte nachdenken, wollte irgendetwas tun, und wusste keinen Weg aus seiner Hilflosigkeit heraus. Dumm fühlte er sich. Einfach nur dumm, zu dumm und schwach, seiner Seelenverwandten zu helfen.

            Es musste ihre Lunge erwischt und sicherlich eine dicke Blutader durchtrennt haben. Man hörte es an ihrer energielosen Atmung… außerdem schien durch die Wucht des Pfeils eine Rippe einiges abbekommen zu haben. Eine verletzte Lunge, eine zerfetzte Rippe, geisterte es in Links Kopf umher. Was, wenn die gebrochene Rippe sich in ihre Lunge bohrte...

„... nein... Zelda...“, wimmerte er, zog die einstige Prinzessin Hyrules an sich und wurde zunehmend hilfloser, flehte sie inständig an, sie möge ihre Augen wieder öffnen. Aber Zelda blieb besinnungslos und atmete nur sehr schwach. Link fühlte ihren Puls, entsetzt, wie unregelmäßig er kam und kniff vor Angst sie zu verlieren seine Augen zusammen. Er stützte eine Hand an seinen schmerzenden Kopf, fühlte den Druck in seinem Herzen unerträglich werden und betete für Zeldas Leben.

            Dann sagte eine Kinderstimme hinter ihm: „Linky, lass’ dich nicht so hängen. Steh’ endlich auf und tu’ was!“ Link erkannte das Wesen sofort als Navi.

Sie brüllte: „Du bist der einzige, der ihr helfen kann. Also reiß’ dich zusammen!“

„Schön und wie soll’ ich ihr bitte helfen? Ich täte es ja gerne...“, schnaufte er verärgert und im nächsten Augenblick lag wieder Verzweiflung in seinen Augen. „Ich schaffe das nicht ohne sie...“, flüsterte er elend.

„Linky, hör’ mir zu.“ Er stand auf und hatte Zelda nun auf seinen Armen. „Hinter den drei Hügeln im Westen des Dorfes liegt eine Heilquelle. Früher hat das reine Wasser dort bei Wunden geholfen. Ich kann dir nicht versprechen, dass diese Kraft noch wirkt, aber einen Versuch ist es wert.“ Link nickte mit Tränen in den Augen und blickte in Zeldas blasses Gesicht. Erst jetzt fiel ihm auf, wie zierlich sie doch war, wie zerbrechlich...

            „Ich werde dich nicht im Stich lassen, Zelda“, sagte er und ertrug ihren Anblick nicht mehr. Er schaute zu Navi, die in sein Herz gesehen hatte.

„Folge mir!“

„Was anderes bleibt mir nicht.“ Link hetzte dann schnellen Schrittes hinter Navi her, die nur leichtfüßig wandelte, deren Kinderbeine nicht einmal den Boden berührten. Sie hüpfte davon und Link hatte wahrlich Mühe mit Zelda auf seinen Armen ihrem Tempo zufolgen. 

            Es dauerte wenige Minuten und sie erreichten jene Heilquelle, von der Navi gesprochen hatte. Link trat aus dem Schatten der Wälder hervor und erstaunte zunächst angesichts des Ortes. Ein sehr flaches Gewässer lag vor seinen Augen. Am Rande des Gewässers befand sich eine Drachenstatue, aus der Wasser floss. Link trat näher und lediglich seine Füße standen in dem kristallklaren Wasser, das irgendwie magisch glitzerte. Der Mond schien und beleuchtete den Ort, brachte das Wasser noch mehr zum Funkeln.

            Link hoffte, dass es seine heilende Wirkung noch hatte.

            Navi war wieder verschwunden. Vermutlich konnte sie ihr Erscheinungsbild nicht lang genug aufrechterhalten und wurde ab und an unsichtbar oder löste sich vollständig auf.

            Link legte seine Begleiterin sachte in das kristallene Wasser, sodass es ihren ganzen Körper umspülte. Er selbst kniete ebenso nieder und hielt ihre rechte Hand fest in seinen. Er betrachtete sich das edle Gesicht, aus dem das Leben schwand, ihre geschlossenen Augen mit den Ringeln darunter, ihre inzwischen bleichen Lippen, sah ihre blonden aufgewühlten Haarsträhnen, in denen Blut hing, welches er bisher nicht bemerkt hatte. Und mit jeder Sekunde, die er sie anblickte, wurde es ihm schwerer ums Herz. Es durfte nicht vorbei sein...

            Zeldas blaues Gewand war an ihrer rechten Seite zerfledert und in Blut getränkt. Noch immer stak der Pfeil unter ihrer rechten Brust. Wie von Feenhänden geführt, als ob es Magie war, die zu wirken begann, als ob die Götter ein Erbarmen mit der aufopferungsvollen Prinzessin Hyrules hatten, löste sich der Pfeil unter Zeldas Brust stückchenweise auf, schillerte in eben dem Licht, das auch jenes kristallenes Wasser verbarg.

Mit Tränen in den Augen sah Link zu, konnte nicht verstehen, was geschah. Denn jenes Ereignis, jenes magische Treiben der alten Geschöpfe, verbarg sich vor dem Antlitz menschlicher Augen.

Und als Link genauer hinsah, stellte er beruhigt fest, dass jenes magische Wasser, welches ihre Wunde berührte, dafür sorgte, die Blutung zu unterbinden, die Wunde zu heilen, Zelda das kostbare Leben zu lassen. Ein seltsamer Prozess setzte ein, und die Wunde schillerte silbern, dann golden und wieder silbern...

            Link berührte Zeldas Wangen, streichelte darüber, ein wenig geschockt, dass ihre Haut so kalt war...

Dann fühlte er ihren Puls und beugte sich über sie, um ihre Atmung zu hören. Sie atmete nur sehr schwach.

„Bitte... bitte, bei den Göttinnen...“, murmelte Link, verlor den Kampf gegen die Tränen. Wie kleine Sturzbäche liefen Wassertropfen seine Wangen hinab, als er seine Augen schloss. Noch nie hatte Link so viele Tränen vergossen. Nicht für irgendjemanden, nicht für sich selbst oder für das bemitleidenswerte Schicksal der Auserwählten Hyrules.

            Er hievte Zelda ein wenig in die Höhe und drückte sie vorsichtig an sich. Leises Flüstern entkam seiner Kehle, nur ein schluchzendes Flehen, ein Gebet, dass die Götter sie ihm nicht wegnahmen.

            „Bitte... ich kann nicht ohne sie leben...“ Immer wieder erklang der Satz von einer beschwörenden Stimme, deren Besitzer das Kostbarste in seinem Leben verlieren könnte.

            Der Mond verschwand am Horizont und allmählich stieg die alte Morgensonne des hylianischen Landes auf, Nebel überzog den Kokiriwald und nur spärlich schienen rotorange, warme Strahlen des glühenden Feuerballs am Himmel durch die eisigen Nebelschleier.

 
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