Kapitel 51
 
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Kapitel 51

 

 

 

 

Sanfte, rote Lichtstrahlen zogen sich die Sinne weckend in das gemütliche Hinterzimmer durch das kleine Fenster, wo der Held Hyrules dicht und wärmend neben seiner verletzten Prinzessin schlief.

Er seufzte plötzlich, begann zu gähnen und rieb unbewusst seine eigene Wange an jener der in seinen Armen schlafenden Zelda. Sie atmete tief ein, klammerte sich fest wie ein Kind oder eben eine Liebende an den langsam aus dem Schlaf gleitenden Helden der Zeit.

Fast aus seinen geheimen Sehnsüchten heraus, drehte sich der junge Mann, sodass die noch auf ihm schlafende Prinzessin sich ihm dem Rücken zugewandt neben ihm wiederfand. Intuitiv drückte er sich gegen ihren Rücken, schlang seine Arme fesselnd um sie und legte den verliebten Kopf auf ihre Schulter.

Und es geschah in dem Augenblick, dass der junge Held fast schon verhext angesichts des Zeldazaubers, oder angesteckt von dem lieblichen Zeldafieber zu blinzeln begann.

            Ja, sie hatten die Nacht miteinander verbracht, so nah und eng aneinander gekuschelt wie noch nie zuvor. Sie hatten sich gegenseitig verwöhnt mit Wärme und tröstenden Berührungen.

Aber... war das alles... nur die Zuneigung von Freunden gegenüber...?

            Zaghaft wanderte Link mit seinen tiefblauen Augen umher, erinnerte den gestrigen Abend, erinnerte Zeldas Lächeln, ihre wunderbare Verwandlung, und er besann sich grinsend auf ihre Ausgelassenheit ihm gegenüber.

Und trotzdem wollte er einfach mehr davon... er wollte Zelda. So schmerzhaft war dieser Wunsch nun schon. Er ersehnte mehr als bloß ihre Nähe. Er begehrte einfach alles von ihr, ihre Nähe, ihre Lippen und in seinen geheimsten Gedanken sogar ihre Unschuld...

            „Zelda...“, flüsterte er süß und drückte einen kleinen Kuss an den Beginn ihres Halses. Aber sie brummte nur irgendetwas, nicht bereit aus diesem wunderschönen, unantastbaren, reinen Moment auszubrechen.

            „... wir sollten...“ Er unterbrach seine Worte kurz, kuschelte sich fester an sie und atmete genießend aus. „... aufbrechen... die Zeit...“, schnurrte er und machte seine Augen kurz wieder zu.

In dem Moment wand sich die Prinzessin zu ihm, auch wenn sie schlief... und doch verfolgte ihre instinktive Bewegung nur ein kleines, geheimes Ziel ihrer verborgenen Sehnsüchte. Ohne Scham schlang sie ein Bein um Links Hüfte, der angesichts dieser überraschenden Geste beinahe aus allen Wolken fiel, schlang ihre zerbrechlichen Arme fesselnd, klammerartig um ihn und drückte ihren hübschen Kopf mit einem lauten Seufzer gegen seine Brust. Kochend vor Scham und Erstaunung senkte er seinen liebestollen Kopf zurück in die alten Federkissen und ließ Zelda gewähren, was immer sie auch von ihm verlangte, egal ob Nähe, Wärme oder einfach nur Halt und Schutz.

            Es war nur eine Stunde später, dass Link, noch immer wach und teilweise perplex, weil sich seine Angebetete so innig in seiner Nähe befand, sich wieder rührte.

„Zelda...“, sagte er leise und presste seine Wange gegen ihre warme Stirn. „Wir müssen langsam weiter...“ Er wusste, dass er sie jetzt aus ihren erholsamen Träumen reißen musste, um wenigstens aufzustehen.

„Hey...“ Fast fragend klang das Wörtchen aus seinem Mund. Nur ein schmaler Spalt ihrer teuflisch anziehenden Lippen öffnete sich, und sie murmelte Undeutliches, streichelte unbewusst mit ihren Fingerspitzen den linken Arm des Heroen.

„Sorry, mein Engel, aber ich muss jetzt aufstehen...“, sagte Link dann etwas lauter, und bereute im selben Moment, jetzt aus dieser gemütlichen Idylle zu fliehen... Aber floh er denn? War es nicht nur die Pflicht der Weltenrettung, die ihn hinderte Zelda vielleicht über die Grenze hinaus zu verwöhnen, sie aufzuheitern, sie vielleicht zu streicheln und vielleicht... dann doch... noch... herauszufinden... ob... sie... ihn... gewähren lassen würde... und...

            Kopfschüttelnd brachte der Held seinen Gedanken nicht zu ende und richtete sich leicht auf, stützte sich mit Zelda an seiner halbnackten Brust in der Matratze ab.

Er hielt sie fest, tupfte mit seiner Nase an die ihrige, worauf sie ihre bezaubernden Augen langsam öffnete.

Fast magisch hoben sich ihre Augenlider. „Morgen...“, sagte sie gähnend und blickte unschuldig und beinahe grinsend in seine tiefblauen Augen.

„Morgen... Engel...“, erwiderte Link und lehnte sich mit ihr an das hölzerne Bettende.

            Es war eine seltsame Situation, so nah, so aneinandergekuschelt in ein und demselben Bett, wie zwei Verliebte lagen sie da, genossen die Nähe des anderen...

            „Wie fühlst du dich?“, meinte Link leise und streichelte massierend über Zeldas Rücken.

„Ganz gut...“, sagte sie, hob den Kopf ein wenig an und stützte sich leicht auf der harten, knarrenden Matratze ab. Sie biss sich wie ein kleines Kind auf die Lippe, welches auf die Erfüllung langersehnter Kinderträume wartete. Ihre schönen blauen Augen sanken hinab und ihre Wangen färbten sich ein wenig. Es gehörte nicht viel dazu, zu bemerken, dass jetzt, da sie wach war, ihre Vernunft wieder zuschlug und sie sich als einstige Prinzessin sehr beschämt fühlte.

„Du kannst gerne noch ein wenig liegen bleiben... ich fang’ dann an und räume unsere Sachen zusammen“, meinte Link und lächelte sie verschmitzt an.

Sie nickte lediglich, unternahm aber nichts dergleichen um ihren Helden aufstehen zu lassen. Immer noch lag sie fast vollständig auf dem starken Körper Links. 

„Zelda...“

„Äh... was?“

„Könntest du vielleicht...“, meinte Link halb schüchtern und richtete sich zusammen mit ihr ein wenig mehr auf.

„... ich möchte aber gar nicht... alleine liegen bleiben...“, sagte sie rotwerdend und blickte schräg seitwärts, hoffend, Link würde ihr Verlegenheitsrot ignorieren.

            Lachend gab er ihr einen Kuss auf die Wange und sagte grinsend: „Du bist drollig heute, weißt du das?“

Sie nickte bloß und rollte sich verspielt mit Link zu der anderen Seite des Bettes. Mit glühenden Wangen lag die verletzte Prinzessin nun unter dem Körper ihres Heroen, der lange und sehnsüchtig in ihre Augen blickte, darin träumte, sich halb verirrte.

„Ruh’ dich noch ein wenig aus... ja?“ Sie nickte nur und wanderte mit ihren durchdringenden, anmutigen Augen zu den begehrenswerten Lippen ihres Helden. Link begann derweil sehnsüchtig durch das goldene Haar seiner Liebsten zu streicheln, wanderte mit den Fingerspitzen schon beinahe schmerzhaft zu ihrer Stirn und zu den glühenden Wangen. Dieser Moment war perfekt, dachte er. Aber was hinderte ihn daran, sich endlich zunehmen, was er schon lange haben wollte...

            Plötzlich knackte das Medaillon der Mächtigen um Zeldas Hals und die Klappe öffnete sich. Hüstelnd und schamhaft rotwerdend richtete sich Link auf, brachte sein schweres Körpergewicht von Zelda herunter und sagte: „Was war das denn?“

„Eine Weckfunktion...“

„Was? Einen Wecker hat diese Uhr auch integriert. Das ist mir aber neu...“, meinte er und stand letztlich doch auf.

„Ich habe das in der Nacht über herausgefunden, als du geschlafen hast, mein Linkchen...“ Umständlich kratzte er sich am Kopf.

„Du hast so niedlich geschlafen, dass ich dich nicht wecken wollte...“, ergänzte sie und erhielt dafür ein Grinsen, welches Link nur ihr schenken würde und niemanden sonst...

„Ich gehe mal kurz an die frische Luft... bin gleich wieder da...“, sagte er. Und Zelda ließ sich zufrieden und so verliebt wie noch nie wieder in die Kissen zurücksinken, wo Links Geruch noch haftete...

 

Es regnete. Wütend ergoss sich der Himmel über der in dunklen Farbflecken gemusterten Steppe Hyrules. Ein schwarzer Hengst mit zwei Gestalten auf dessen Rücken preschte tobend über die weite Landschaft, auf der Suche nach Schutz, auf der Suche nach Sicherheit.

Beide Hylianer waren sehr früh aufgebrochen, sich der Tatsache bewusst wie knapp die Zeit doch war. Sehr bald würde auf der Erde Vollmond sein, ein Mond, der in seinem eigenen Blut ertrank und als ein Zeichen den Kampf des Guten gegen Böses fortführen würde. 

Von weiten erkannte Link eine größere Ortschaft. Durchgeweicht würden sie sich dort eine Pause gönnen und vor allem ein warmes Essen. Kurze Zeit später befanden sich die beiden in einer sehr alten Stadt, die mehr einer Ruine glich als einer blühenden Stadt wie es zum Beispiel Kakariko war. Umgeben von einer hohen Stadtmauer wirkte die Ansiedlung als wollte sie niemanden mehr hinauslassen, als wäre sie eine Falle für schutzlose Seelen.

            „Eine gute Idee, dass wir hier Rast machen“, sagte Zelda und wollte Links grübelnde Miene verscheuchen.

Er lächelte sie leicht an und grübelte heimlich weiter. Er packte einige Dinge aus seiner bodenlosen Tasche und sah aus dem Haus hinaus, in welchem sie sich untergestellt hatten. Seine Gedanken waren in Schicksalshort. Irgendetwas beunruhigte ihn. Irgendetwas störte. Er dachte an seine Schwester, seine Eltern, seine Freunde. Auch Rick kam ihm in den Sinn, aber schnell verdrängte er den Gedanken an seinen besten Freund. Nicht, dass er es verabscheute an ihn zu denken, aber es belastete ihn immer noch. Leise. Rufend... es war schließlich seine Hand, die den vernichtenden Schlag gegen ihn ausführte und vergessen konnte er nicht, was geschah. Wie auch...

Hier in Hyrule war vielleicht alles halbwegs in Ordnung. Die Sonne schien, wann immer es ihr ein Bedürfnis war. Es gab hier so viele Dinge, für die es sich zu leben und zu kämpfen lohnte... doch zuhause, wo Ganon wartete, gab es dieses Licht nicht mehr. Es gab nur noch Finsternis, alptraumartige Kreaturen voller Hass und Mordgier. Wie sollte ein Kampf in Schicksalshort zur Gunst des Guten ausgehen, wo doch alles das Gute hindern würde, stärker zu werden.

Er schaute hinaus in den Himmel, der so aussah, wie Link sich im Augenblick fühlte... niedergebeugt, schwer, in gewisser Weise hoffnungslos.

            Plötzlich fühlte er Zeldas schlanken Arme, die sich um seine Körpermitte legten und sich auf seinem Bauch wiederfanden. Erstaunt drehte er sich zu ihr um, ging auf ihren Blick ein und sah eine Einladung darin, ein herzliches Willkommen. Er deutete ihren Blick richtig und umarmte sie fast sehnsüchtig. Es war schon seltsam, wie nah sie einander gekommen waren, und das in nur wenigen Stunden. Vergessen war der Streit, die fiesen Worte, das Misstrauen.

„Zelda...“

„Mmh?“

„Danke“, murmelte er und ließ seine Arme auf ihrem Rücken entlang wandern. Er gab ihr spontan einen Kuss auf ihre Wange und lief dann wieder zu den Sachen, die er aus seiner Tasche herausgepackt hatte.

Er hielt Zelda einige Büchsen unter die Nase. „Was möchtest du? Bohnen, Bohnensuppe oder noch mehr Bohnen?“ Sie grinste und spielte mit.

„Hast du denn noch etwas anderes als Bohnen? Bohnensuppe? Hast du nicht vielleicht noch Erbsen?“

„Erbsen, Erbsensuppe und noch mehr Erbsen“, meinte er und zauberte mit dem Lächeln um seine Mundwinkel. „Weißt du, ich glaube, ich nehme doch die Bohnensuppe...“

„Gut“, sagte sie.

„Gut.“

            Seit Zeldas Verletzung schien zwischen ihnen wieder alles beim Alten zu sein. Die Frage war nur, ob Link wirklich wollte, dass alles wieder beim Alten war. Vielleicht wollte er etwas anderes... vielleicht war ihm die ewigwährende Freundschaft schon lange überdrüssig und er sehnte sich nach mehr als dieser. Aber war es wert, deshalb die Freundschaft aufs Spiel zu setzen?

            „Zelda... es gibt noch so viele Dinge zu klären“, sagte er dann, während er aus seiner Schale aß.

„Ja, wahrhaftig, aber möchtest du denn wirklich darüber reden?“

„Wir haben noch Zeit...“

„Über eine Woche. Es findet sich bestimmt die ein oder andere Minute um...“

„... um über alles zu reden und sich einigen Dingen klar zu werden?“

Sie nickte: „Ja, und um uns klar zu werden, was...“

„...was wir wollen?“ Sie hauchte ein leises Ja, ein wenig durcheinander, er könnte diese eine Sache gemeint haben, die sie lieber verdrängte.

            Link sprang plötzlich auf und sagte begeistert: „Schau! Der Regen ist fort. Am besten wir reiten weiter, hm?“ Sie nickte mit einem Lächeln auf den Lippen. Und es stand ihr, ein Lächeln in den ohnehin besorgten Augen, wo aber kein Schatten mehr lag. Sie lief zu ihm herüber und umarmte ihn schon wieder. Ihre Attacken der Zuneigung kamen schnell und unerwartet, sodass Link es immer schwieriger fand gegen diese zu wiederstehen oder anzukämpfen. Wie konnte er auch gegen ein so wunderbares, anmutiges Geschöpf, wie Zelda es war, ankämpfen?

„Ich muss dir etwas sagen“, murmelte sie in den weichen Leinenstoff seiner grünen Tunika. Link nahm ihr Gesicht in beide seiner Hände, streichelte über die blassen Wangen. „Was ist es?“ und beinahe hätte Link, verzaubert von ihrem Wesen, einen weiteren Fehler begangen und erneut ihre Lippen mit seinen bedeckt.

„Letzte Nacht...“ Sie empfing die Gefühle, die aus seinen tiefblauen Augen herausdrangen und nahm sie in ihrem Herzen auf.

„Ich habe... das erste Mal, seit Ganon die Herrschaft an sich gerissen hat, nicht mehr geträumt.“ Verwundert schaute Link sie an, konnte kaum glauben, was sie sagte oder andeutete.

„Du hattest keinen Alptraum? Keine Prophezeiung?“

Sie schüttelte zufrieden mit dem Kopf.

Er nahm ihr die Worte: „Zelda, das ist ja wunderbar.“ Herzlich packte er sie unter ihren Armen und wirbelte sie einige Runden in der Luft herum, vergas jedoch, dass sie immer noch eine Wunde hatte, die an ihrer Kraft nagte. Dennoch lachte sie.

            „Sorry“, sagte er, als er sie zurück auf festen Boden setzte. „Ich war nur so...“ Er suchte nach dem passenden Wort, dass ihm nicht über die Lippen kam.

„Erleichtert?“

„Nein, ich glaube, das trifft es nicht wirklich. Eher beruhigt und zufrieden...“

Schließlich sprach Zelda einige Wörter auf Hylianisch, und Link überrascht, dass er die hylianische Schrift lesen konnte, war noch überraschter, als er plötzlich gesprochenes Hylianisch verstehen konnte.

            Link umarmte sie ein weiteres Mal, nicht sicher weshalb, aber da war dieses tiefe Bedürfnis in ihm, das sagte, halte sie fest und lasse sie nie wieder weglaufen, genauso wie zu jenem Zeitpunkt, als er glaubte, Zelda könnte sich von einer Sekunde auf die andere in Luft auflösen. Betört vergrub er sein Gesicht in ihrem seidigen Haar.

„Lass’ uns aufbrechen, ja?“, sagte Zelda entschlossen. Bereitwillig gab Link sie frei und packte die Sachen zusammen.

 

Sie liefen Hand in Hand hinaus ins Freie. Ein milder, und kühler Hauch des Wassers lag in der Luft. Es roch nach Frische und Neuem. Sie folgten einer schmalen Gasse, in Richtung Nordosten, wo das Tor hinaus sein sollte. Namenlos trabte fröhlich neben ihnen her. Insgeheim fragte sich Zelda, ob dieses göttliche Pferd denn niemals Schlaf brauchte. Ja, in der Tat, es war bewundernswert. Seit den letzten Tagen ist ihr das erstmalig aufgefallen. Wenn jener Hengst zugegen war, und man sollte es ihm danken, da er seinen eigenen, wenngleich sturen Willen hatte, dann strahlte er nur so vor Aufbruchsstimmung, schien weder müde noch schlapp von der langen Reise zu sein. Aber es war das Pferd einer Göttin... was erwartete man da schon? Die Götter Hyrules konnte man sicherlich nicht mit einem anderen Gott gleichsetzten und selbes galt wohl für eines ihrer auserwählten Tiere...

            Link blieb dann abrupt stehen und schaute mit seinem typisch ernsten Blick zu einem der krummen Gebäude mit auffallend bunten Fensterrahmen, Lianen und einem zierlichen Schornstein.

„Bin ich verrückt?“, sagte er abfallend über sich selbst, „oder stand dieses Haus hier vorhin noch nicht?“ Zelda setzte eine beunruhigte Miene auf, krallte sich fester in Links Hand und erwiderte leise: „Nicht, das ich wüsste.“

„Merkwürdig“ war Links schmerzlose Antwort. Er lief weiter, seine Schritte größer und schneller. „Wir sollten nicht verweilen.“

            Sie rannten nun fast die Straße entlang, blickten zurück und fühlten sich irgendwie... eingedrängt. Nebel zog auf, schlich wie ein stummes Gespenst die Straße entlang, verdeckte und zeigte nur noch das, was nicht gesehen werden sollte. Er kroch umher wie Ratten in einem endlos langen Labyrinth, dessen einzigster Ausweg die Selbstaufgabe forderte. Es war unheimlich, so erschreckend düster wie in einer der Gruselszenen mit dem vielen Nebel, angereichert mit mysteriöser Stimmung, wo Nacht gemischt mit Kälte das Elend verbarg und einer Bestie dazuverhalf sich geschickt in den Wäldern zu verstecken, bereit sich zähnefletschend auf nahe Beute zu stürzen, zu zerfleischen und zu töten.

Links Schritte wurden langsamer, suchender und forschend. Er dachte kurz an die Schatten der Götter, die eine solche Stimmung sicherlich heraufbeschwören konnten. Ein Nebel, so kalt und trügerisch wie die Dunkelheit, so gebieterisch, triumphierend. Wenn diese Kreaturen hier auftauchten, dann wäre es wohl endgültig vorbei. Denn Link war nicht auf einen Kampf vorbereitet, ebenso wie Zelda, die sich noch viel zu schwach fühlte um eine solche Herausforderung anzunehmen.

            Sie liefen weiter, begleitet von Unbehagen und der Angst im Nacken. Doch je weiter sie liefen umso mehr hatten sie das Gefühl, die rettende Stadtmauer würde sich von ihnen entfernen. Link versuchte sich vor Zelda keinerlei Furcht anmerken zu lassen, aber das ungewisse Gefühl begleitete ihn, verunsicherte, lähmte...

Zeldas Hand in seiner zitterte bereits. Link konnte nicht sagen, ob es an der zunehmenden Kälte, an ihrer Wunde oder an der Angst lag, die in Zeldas Blutadern zauderte. Er legte seinen Arm um ihre Schultern und gab ihr ein zögerliches Lächeln.

„Alles in Ordnung?“

„Ja, es ist nur... ein wenig kalt.“ Sie zog sich ihren Umhang über und nahm wieder seine Hand fest in ihre.

Sie folgten dem schmalen Weg, erreichten eine kleine Kreuzung, einen Markplatz mit Gotteshaus und Postamt und Ständen, wo sogar noch frische Waren lagen. Freudig bedienten sich die beiden und packten einige Dinge in ihre Taschen.

Aber die beklemmende Situation verlangte nach Eile. Zügig liefen sie in Richtung Osttor, bis sie an der Mauer ankamen. Nur das Schicksal und eine andere mächtige Macht im Bunde gönnte ihnen das Entkommen nicht. Entsetzt mussten Link und Zelda feststellen, dass jenes Tor, durch welches sie erst in die Stadt Eintritt erhielten, nicht mehr vorhanden war. Nur hohe Mauern, die nichts hinein oder hinaus ließen.

„Vielleicht war die Idee doch nicht so gut, hier Rast zu machen“, bemerkte Link zynisch und schob Zelda wieder zurück in die Stadt, auf der Suche nach einem anderen Weg.

 

Navi spionierte leise bei Ganons Kerkern in der Kathedrale Schicksalshorts herum. Sie wusste um jemanden, der sich in Gefangenschaft befand und doch sagte ihr ein sechster Sinn, wie dumm es war, diesen Jemand aufzusuchen. Denn befreien würde sie ihn mit der ärmlichen Kraft, die sie besaß, nicht können. Sie lief einen langen Gang entlang, in welcher die Dunkelheit fast noch dichter als auf den Straßen war. Ihr schwaches blaues Licht umgab sie noch, einem Schutzpanzer gleich, ein Hinweis auf die Aura einer einst anmutigen, weisen Fee. In gewisser Weise vermisste sie ihr früheres Äußeres, aber Meckern konnte sie später, dann, wenn der Dekubaum wieder aus seinem Schlaf erwachen würde und Link Ganon in die ewige Verdammnis geschickt hätte. Sie glaubte daran. Sie wusste es. Link würde ihn besiegen, er konnte nicht verlieren und durfte nicht versagen...

            Plötzlich hörte sie Geräusche. Schritte. Klappernde Rüstungen, die sich aber wieder entfernten. Sie gelangte an eine Abbiegung, und endlich waren hier und da Fackeln für die dummen Moblins angebracht. Navi hüpfte schneller durch den Gang, bis sie in einen großen Abschnitt mit vielen Kerkern gelangte. Sie fand, was sie suchte, fand den kleinen Bengel, der ebenso Link als Namen trug.

Schutzlos, zusammengekauert und zitternd saß der kleine Kerl in einer Ecke, fürchtete sich vor jedem Lichtstrahl, der außerhalb der Zelle leuchtete. Nun wusste er, was Angst war, nun verstand er die Warnung des erwachsenen Link. Auch der Junge besaß eine Wunde, genau an der selben Stelle wie Zelda- aber niemand war da und kümmerte sich darum, niemand wusste von der möglichen Existenz des kleinen Kerls. 

            „Link?“, murmelte es außerhalb und Navi trat heran. Er schaute kurz auf und Navi konnte die Schmerzen in seinem Gesicht ablesen.

„Was hast du denn gemacht? Und wie konnte Ganon dich gefangen nehmen?“ Er kroch auf allen Vieren vorwärts, kniff seine blauen Augen zu und krallte sich schwankend an den Gitterstäben fest. Aber er antwortete noch nicht, unterdrückte das Gefühl ohnmächtig zu werden.

Dann meinte er: „Ich habe nicht aufgepasst, weißt du?“

„Und sind die Wunden sehr schlimm?“

„Halb so wild, ich existiere ja noch nicht, deshalb geht das schon.“

„Du bist bescheuert, du kleiner Kerl. Hast du deinen Mut getestet? Wieso bist du verwundet?“

            Er war noch bei Bewusstsein und winselte ein wenig vor Schmerzen. Trotz seiner merkwürdigen Weisheit war er immer hin noch ein kleines Kind, dem derartige Wunden schwer zu schaffen machten. „Nenn’ mich nicht kleiner Kerl, du musst gerade reden, dumme Schnepfe, wie alt willst du denn sein?“

Navi zog eine eingeschnappte Schnute und reckte beleidigt ihr Nase in die Höhe: „Pah, ich bin auf jeden Fall älter als du, du Grünschnabel.“

„Ich bin aber keine eingebildete Fee. Wetten, dass ich älter bin, du Glühbirne.“

„Oh... jetzt hast du’s geschafft. Du bist ja gemeiner als Link damals. Und ich mache mir die Mühe und schaue extra nach dir. Unmöglich!“, schimpfte sie. Der kleine Link äffte sie aus Herzensfreude nach: „Unmöglich!“

„Ja, unmöglich.“ Eine Pause entstand.

            „Aber wenn du es wissen willst, ich bin... von Zelda abhängig... Ihre Wunden sind auch meine“, wisperte er und atmete sehr flach.

„Aber wieso? Ich dachte, du wärst ein Nachfahre von Link, ich meine, ein Nachkomme in der Blutlinie des Helden?“

„Auch das...“, brachte er stockend hervor und krümmte sich vor Schmerzen.

„Heißt das etwa, du bist mit Zelda verwandt?“ Navi zählte eins und eins zusammen… „Und du hast etwas mit Link zu tun? Das würde ja bedeuten, du bist…“ Navi kicherte.

Doch der kleine Bengel nahm ihr den Grund zu lachen. „Es ist nicht so, wie du dir einbildest. Ich habe sowohl etwas mit Zelda, als auch mit Link zu tun, aber ich bin kein Nachfahre von ihnen, kapiert! Ich bin nicht durch die Zeit gereist, kapiert!“

„Okay, okay… man wird doch mal lachen dürfen…“

            Dann schlug sie allerdings wieder einen ernsteren Ton an. „Es tut mir leid, ich kann dir nicht helfen. Ganons Kraftfeld um diesen Kerker ist zu groß, sonst...“

Er nickte und meinte leise: „Sagst du Zelda, dass ich ihr danke. Denn jetzt weiß ich, dass ich existieren werde. Sagst du ihr, ich hab’ sie lieb?“ Seine glockenhelle Kinderstimme schallte in der Dunkelheit umher.

„Na klar, mach’ ich das. Und dem anderen Link? Soll’ ich ihm auch was ausrichten?“

„Sagst du ihm bitte, er soll gut auf seine Zelda aufpassen und dass ich ihn auch lieb hab’?“

Navi nickte, beruhigt, dass es dem kleinen Kerl den Umständen entsprechend gut ging.

„Wenn ich genug Kraft gesammelt habe, werde ich mich sicherlich erneut auflösen können und dann kann mich Ganon suchen, wo er will…“

„Dann sammle deine Kräfte, Klein-Link. Mach’s gut.“

„Bis bald Navi.“

Flugs löste sie sich vor seinen Augen in Luft auf und Klein- Link versuchte Schlaf in dem eisigen Kerker zufinden.

 

Zelda und Link folgten mit Namenlos an ihrer Seite weiterhin einer engen, kleinen Gasse durch die fremde, unheimliche Stadt. Nebel kroch umher und wurde immer dichter, gefährlicher. Sie gelangten an das andere Ende der Stadt. Mühsam. Fast schleichend.

Doch auch hier schien das Stadttor verschwunden zu sein, als ob die Stadt verhext wäre, als ob Leben in ihr schlummerte.

            Zelda neben Link lief in immer langsameren Schritten, blinzelte hin und wieder, versuchte sich aber ihren kleinen Schwächeanfall nicht anmerken zu lassen. Sie blieb kurz stehen und atmete einige Male tief ein und aus. Dann presste sie leicht stöhnend eine Hand auf ihre Wunde.

„Fühlst du dich nicht gut?“

„Es geht schon, ich brauche nur… hin und wieder eine Verschnaufpause“, sagte sie. Sie folgte Link dann wieder, versuchte seinen Schritten mitzuhalten, versuchte stark zu sein. Erneut log sie ihn an, aber nur, damit er sich nicht noch mehr Sorgen um sie machte als ohnehin schon. Sie hatte Schmerzen, sie wollte nur noch ein weiches, gemütliches Bett, in dem sie tagelang schlafen konnte. Aber das wäre in den kommenden Tagen nicht möglich.

            Link drehte sich zu ihr um, blieb besorgt stehen und sah, wie Zelda beinahe zusammenklappte. „Hoppla“, sagte er leise und fing Zelda auf.

Sie sah ihn aus müden Augen an und gab endlich zu: „Link, ich… fühle mich nicht so gut…“ Er legte eine Hand auf ihre Stirn, beruhigt, dass sie kein Fieber hatte und lächelte leicht. Es war wohl das erste Mal, dass Zelda sich eingestand und Link mitteilte, wie miserabel sie sich fühlte.

„Hey, wir kriegen das schon hin…“, murmelte er. Er nahm eine überraschte Zelda auf seine Arme und lief mit ihr zu einem kleinen Brunnen. Er setzte sie auf eine hölzerne Bank mit hellblau bemalten Holzbrettern und kniete vor ihr nieder.

„Möchtest du etwas von dem Heilwasser?“ Sie nickte und trank einen Schluck.

„Diese Stadt wird uns noch einiges Kopfzerbrechen bereiten…“, sagte Zelda dann. „Ich habe ein mulmiges Gefühl…“

„Ja, irgendetwas stimmt hier nicht. Aber… diesmal beschütze ich dich, Zelda.“ Sie versuchte es mit einem leichten Lächeln.

Sie liefen wieder ein Stück. Zelda saß auf Namenlos und nickte ab und an ein, während Link daneben herlief und die Zügel hielt. Der Nebel wurde immer unheimlicher, legte sich über die Stadt wie ein Schleier auf ein Gesicht, das verhüllt bleiben sollte. Weiße Schwaden schlichen gefahrbringend durch die kleinen Gassen, hielten gefangen, erstickten. Und je länger Link seinem Weg folgte und sorgsam die Häuser betrachtete, umso mehr erschienen die Gebäude sich zu bewegen, die Gassen wurden enger, die Stadtmauer entfernte sich immer weiter…

 

Über eine Stunde verstrich und das Pärchen hatte noch keinen Weg aus der rätselhaften Stadt gefunden. Sie kamen sich vor, als würden sie im Kreis gehen, obwohl sie nur nach Norden gingen. Schließlich kamen Link und Zelda wieder am Brunnen heraus. Besorgt. Beunruhigt.

„Diese Stadt lässt uns nicht gehen…“, seufzte Zelda. „Was soll’ das nur?“

Link half ihr von Namenlos abzusteigen und hielt sie sanft an ihren Armen, als ob sie weglaufen könnte.

Er schaute in alle Richtungen, versuchte einen Weg auszumachen, wollte irgendwo ein Stadttor sehen, aber jeder Ausgang war wie vom Erdboden verschluckt.

„Mir gefällt das hier auch nicht, Zelda… aber, solange du da bist, geht das schon.“

„Solange du da bist, gibt es für mich keinen Grund vor irgendetwas Angst zu haben…“, entgegnete sie.

„Wir finden schon einen Weg. Wir haben bisher so viele Gefahren überstanden, soviel gemeistert, dass wir diese Sache hier auch noch hinbekommen werden, ja?“ Sie nickte. Wenn sie nur eine Spur seiner Zuversicht haben könnte. Im Moment hatte sie diese wirklich nötig.

„Können wir eine Pause machen, Link?“

„Klar… Ruh’ dich eine Weile aus.“

            Zelda setzte sich auf jene alte Holzbank und Link schaute in den ausgetrockneten Brunnen. Er lehnte sich auf dessen steinernen Rand und verschnaufte ebenso einige Sekunden. Was ging hier bloß vor sich? Wieder eine Teufelei von Ganondorf?

            Ein Windstoß kam auf, wirbelte mit Unbeherrschbarkeit in die Richtung der beiden Hylianer. Ein kleines Anzeichen einer Gefahr… nur ein Hinweis. Namenlos wieherte laut auf, stellte sich auf seine Hinterhufe und galoppierte davon.

„Warte!“, rief Link dem schwarzen Hengst noch hinterher und sprintete einige Meter. Aber er konnte das Pferd nicht mehr einholen. Kapitulierend blieb er stehen und drehte sich kopfschüttelnd zu Zelda um. Sie zuckte kurz mit den Schultern und sah ihm genau in die Augen. Ein unbeschreiblicher Blick, der fern an Sehnsucht erinnerte. Link lief langsam zu ihr, setzte sich ebenso auf die Holzbank. Zelda schloss ihre Augen, lehnte ihren Kopf an seine Schulter, wollte nur ein wenig in seiner Gegenwart verschnaufen.

            „Ich wollte mir damals nie eingestehen… wie sehr ich dich brauche…“, sagte sie gedämpft. „Nie habe ich dir gesagt, dass…“

Er legte einen Arm um ihre Schulter und sagte aufheiternd: „Sag’ es ruhig…Was kann schon passieren, außer dass ich rot werde.“ Sie schmunzelte leicht über seine ermutigenden Worte.

„Du liegst mir am Herzen… wie niemand sonst, Link.“

„Das…“

„Du… warst damals… das Beste, was mir im Leben geschehen ist…“, ergänzte sie.

„Zelda…“ Link war im wahrsten Sinn des Wortes sprachlos…

„Ich bereue, es dir nicht schon viel früher gesagt zu haben…“

„Besser zu spät als nie, Zeldaschatz.“ Sie lächelte. „Und heute… was ist nun das Beste, was dir geschehen ist?“

„Das Schönste ist wohl das Gefühl…“ Sie überlegte einige Zeit. Link drehte sich zu ihr, küsste sie liebevoll und verträumt an ihre rechte Augenbraue und lauschte aufmerksam ihren Worten.

            „Das eine Gefühl… geliebt zu werden…“

„Aber du wurdest auch früher geliebt, Zelda.“, meinte er.

„Und trotzdem habe ich es nie so empfunden…“ Es war schwer für sie, diese Dinge zuzugeben. Hinsichtlich Worten, die sich um das Thema Liebe drehten, hatte Zelda damals schon viel zu häufig die Flucht ergriffen.

„Irgendwie habe ich nie etwas wie Liebe gefühlt… oder fühlen wollen…“, murmelte sie, „Ich bin stets davor weggelaufen. Wenn man nicht liebt, dann ist die Angst nicht so groß, das Geliebte wieder zu verlieren…“

„Ja, und doch, sind die Gefühle der Liebe es wert ein Risiko einzugehen, oder nicht… Man fühlt sich leer, ohne sie, ohne die Liebe… Kein Mensch kann ohne sie leben, Zelda.“

„Richtig…“, seufzte sie, „Deshalb habe ich mich damals auch innerlich tot gefühlt… so kalt… und einsam…“ Er drückte sie an sich und streichelte ihr über die blassen Wangen.

„Warum habe ich das damals nicht geändert?“

„Oh, du hast es versucht… aber es lag wohl an mir…“ Sie suchte seinen Blick, verweilte in dem Blau seiner Augen und spielte mit ihren Fingerspitzen an seinen blonden Haarsträhnen.

„Du bist ein Schatz, Link…“

„Ich weiß. Das beste, was dir jemals passiert ist, oder?“ Sie nickte und grinste ein wenig. „Ach… komm’ her zu mir“, meinte Link noch und umarmte Zelda erneut, doch diesmal inniger, zärtlicher als jemals zuvor.

 

Nach einigen Minuten, ja, sie brauchten eine Weile, um sich voneinander zu lösen, half Link seinem Engel beim Aufstehen und lief erneut mit ihr in der Stadt herum, suchte nach Hinweisen, suchte nach einem Ausweg. Diesmal liefen sie schnurstracks nach Süden. Aber wie sollte es anders sein? Sie kamen einmal mehr in der Nähe des Brunnens heraus…  

            Zelda ruhte sich erneut aus und Link besah sich das kleine bunte Häuschen, welches am Rande des Marktplatzes stand und sofort in das Blickfeld fiel, weil es nicht in die Szenerie passte und einfach zu farbenfroh war. Braune Fensterläden, rötlicher Anstrich des Mauerwerkes, sogar gelbe Fensterrahmen und überall an dem Gebäude hingen Ranken. Langsam lief Link in die Nähe des Hauses und glotzte neugierig in die Fensterscheiben hinein. Doch das Glas war so rau und beschlagen, dass er nichts da drin erkennen konnte. Zelda stand plötzlich hinter ihm und versuchte ebenso durch das graue Glas zu schauen.

„Siehst du irgendwas?“

„Nein, aber das Haus hier ist äußerst verdächtig.“ Link klopfte an der Tür und versuchte diese dann zu öffnen.

In dem Augenblick glühte Zeldas Halskette grün und blau auf.

„Schau, Link!“, sagte sie laut und deutete auf das kleine Gebäude.

„Das bedeutet sicherlich, dieses komische Haus hütet einige Splitter.“

„Mmh“, entgegnete sie.

„Okay“, sagte Link entschlossen und er drehte sich zu Zelda um, umschloss beidseitig ihre Oberarme und ergänzte entschieden: „Du bleibst hier. Ich gehe hinein und hole die Splitter aus dem Haus.“ Sie nickte zustimmend, reichte ihm das Medaillon der Mächtigen und setzte sich an das Haus anlehnend auf das Pflastergestein.

            Link öffnete vorsichtig die Tür und fand sich in einem schmalen Korridor, ohne Fenster und seltsamerweise ohne Inneneinrichtung. Hoffentlich war das keine Falle von Ganon, dachte er und ein kurzer Gedanke an Zelda schwirrte durch seinen Kopf. Vielleicht sollte Link sie trotz ihrer Verletzung in dieses geheimnisvolle Haus mitnehmen...

Vorsichtig sah er sich um, während er einen Fuß vor den anderen setzte. Der junge Hylianer entdeckte viele verschiedene Türen, die alle gleich aussahen. Ohne weiteres Nachdenken ging Link durch die erste Tür und fand dahinter einen schier gigantischen Raum, den es von außen gesehen in diesem Gebäude gar nicht geben konnte. Bewundernd schaute sich Link in jenem Zimmer um. Es handelte sich um eine Art Waffenkammer, dachte Link... vielleicht auch eine Folterwerkstatt. Ja, wahrscheinlich war dieser Raum tatsächlich für die Folterung von Menschen gedacht. Und das in Hyrule? Link musste Zelda diesbezüglich mal befragen. Er konnte sich nicht vorstellen, dass solche Methoden unter der Herrschaft Harkenias Gang und Gebe waren. Allerdings sah diese Hütte nicht danach aus, als ob sie nach Hyrule gehörte...

            Link drängelte sich zwischen einer Streckbank mit Stacheln und dem Schrecken einer eisernen Jungfrau hindurch und ging zu dem kleinen Fenster mit sandgelben Fensterrahmen und nebligen Glas. Er wollte hindurch sehen, aber das Glas gewährte ihm den Blick nicht. Er nahm kurz das Medaillon in seine Hand und wunderte sich, dass es nur noch in grünen Farben leuchtete. Das musste heißen, ein grüner Splitter befand sich in unmittelbarer Nähe. Gut, dachte Link und durchkämmte weitere Räume. Immer seltsamer erschien dem jungen Helden das Häuschen, denn die Räume, in welchen er allerlei Gegenstände fand, gaben ihm schwer zu denken. Ein riesiger Webstuhl, eine vollausgestattete Holzwerkstatt in einem weiteren Raum, sogar allerlei Gegenstände eines Schmiedes. Was hatte es nur mit diesem eigentümlichen Haus auf sich? Es dauerte nicht lange und Link war in einigen weiteren Räumen herumgeschlichen, doch allmählich ging in seinem Kopf alles drunter und drüber. Denn das ursprünglich kleine Haus entwickelte sich mehr und mehr zu einem verworrenen Labyrinth und schien mit jeder Minute größer zu werden, zu wachsen...

Link war auf dem Rückweg, aber einige Räume von vorhin fand er einfach nicht mehr. Wo war jetzt die Holzwerkstatt? Und wo war die Folterkammer?

Er rannte schneller durch die Räume, wurde ungeduldiger und fand nur noch leere Räume ohne Sinn...

            Inzwischen wandelte Link in einem weiteren Korridor entlang, der wiederum kein Fenster besaß und nur das stumme Licht seiner Öllampe gab ihm einen Funken Helligkeit. Leicht verärgert über diesen dummen Umstand bemerkte der Kämpfer nicht die gefährlichen Sicherheitsvorkehrungen in jenem verräterischen Haus, einem Haus, welcher lebte und nur auf verzweifelte Seelen wartete...

Ein merkwürdiges Gefühl beschlich Link. Er fühlte Gefahr, verstand aber deren Ursprung nicht. Gefahr hatte viele Gesichter und noch mehr Wurzeln, das wusste die alte Seele in Links jugendlichem Körper.

Abrupt blieb der junge Mann stehen und blickte wachen Auges durch die Dunkelheit. Er konnte in dem Gang einfach kein Ende ausmachen. Wohin führte dieser Weg? Tief einatmend lief Link weiter, hoffend, er würde sich nicht noch mehr in das Labyrinth verstricken.

 

Außerhalb des Hauses fragte sich Zelda langsam, wo Link blieb. Das konnte doch nicht so lange dauern. Immerhin war er jetzt schon fast eine ganze Stunde in dem Haus. Missmutig stand sie auf und schaute durch ein weiteres Fenster, konnte dahinter jedoch nur einen düstergrauen Ort ausmachen. Ihr Blick fiel dann zu dem sauberen Marktplatz, und einige Erinnerungen kamen zurück in ihr Gedächtnis.

            Sie sah sich selbst auf einem Marktplatz herumspringen. Kinderlachen schallte durch die Luft. Damals, ja damals, dachte sie. Es gab einmal eine Zeit, in der Zelda Kind war. Ein Kind mit Sorgen und doch fröhlich, ausgelassen, wie ein Kind eben sein sollte. Sie erinnerte sich an einen Tag, an dem sie mit ihrem besten Freund Link auf dem Marktplatz spielte. Es war eine schöne Zeit gewesen, eine unbeschwerte Zeit, die viel Lachen und Freude mit sich brachte- damals, als die langen sieben Jahre von vorne begannen, als Link noch nicht zu neuen Abenteuern aufgebrochen war.

Und im nächsten Augenblick kam das schreckliche Erwachen aus diesen Tagen- denn manchmal fühlte die kindliche Zelda das, was die andere erwachsenere Zelda, die sieben Jahre älter war als sie, vermisste. Sie fühlte das erkaltete Herz einer anderen Persönlichkeit, die sie doch selbst war...

 

Link lief sorgsam in jenem schmalen Gang entlang und spürte Ungewissheit in sich aufkeimen. Der Gang wurde immer enger, bis Link lediglich seitwärts nach vorne laufen konnte. Er fühlte sich eingezwängt, verspürte den Hauch von Platzangst. Er kniff ein Auge zu und bewegte sich weiter. Das Medaillon glühte stärker als vorher und nun wieder abwechselnd in grün und blau. Wäre doch gelacht, wenn er keinen Weg aus diesem Tunnel finden würde.

            Inzwischen allerdings waren die Wände so nah beieinander, dass er fast nicht mehr durch den schmalen Spalt passte. Was nun? Etwa zurücklaufen? Frustriert schlug Link einmal mit der Faust an die Wand und hörte daraufhin ein sehr merkwürdiges Grollen, Schieben oder Ziehen. Link spitzte seine Ohren und ging einige Schritt rückwärts. Link ließ seine Öllampe fallen, als er hinter sich plötzlich einen harten Wiederstand spürte. Sackgasse. Endstation.

Er drehte sich um und sah nichts anderes als eine Wand, die sich langsam in seine Richtung bewegte. Eingekesselt in zwei Wände, die heimtückisch zueinander standen und sich mit tödlicher Geduld auf ihr auserkorenes Opfer zu bewegten.

            Der Schweiß lief Link über die Stirn und fast hilflos hämmerte er gegen die steinharten Wände, rief etwas in die Dunkelheit, das niemand hören sollte.

 

Zelda ließ sich nachdenklich ein weiteres Mal auf den Boden sinken, legte ihren Umhang als Decke über ihren Körper und ließ ihren Kopf auf ihre zu sich herangezogenen Knie sinken. Es gab so viele Dinge, die sie Link noch mitteilen wollte- Dinge über die Vergangenheit und besonders ihr eigenes Wissen über das Medaillon der Mächtigen- wenn sie doch nur die Träume von damals noch erinnern könnte. Vielleicht hegten sie Antworten bezüglich jenem Gegenstand. Aber bei all den Dingen, die Zelda im Hier und Jetzt erinnern konnte, blieben ihr die alten Träume doch untersagt.

Sehnsüchtig schaute sie zu der morschen Holztür an jenem geheimnisvollen Häuschen und hoffte, Link würde mit einem Mal die Tür öffnen, sie anlächeln und freudig in seine Arme schließen. Eine weitere Sache gab es, die sie ihm unbedingt sagen musste, aber diese Sache selbst löste Angst in ihr aus. Jene Sache brachte sie einfach nicht über die Lippen. Wenige Worte und doch unheimlich gewichtig...

 

Link sah keinen Ausweg mehr. Soll dieses schändliche Ende dem Helden der Zeit würdig sein? Hastig blickte er in jenem schmalen Ritz um sich, fand nichts in den Wänden: Keine Hebel, Schalter oder einen Fluchtweg. Link trat wütend auf dem Boden herum, der aus festem Gestein bestand und fluchte bei dem Gedanken, ein derartiges Ende finden zumüssen...

Nein, sagte er zu sich selbst und schaute in dem Augenblick nach oben. Eine Möglichkeit gab es vielleicht doch noch. Weit oben herrschte ebenso nur pure Dunkelheit, aber vielleicht waren die Wände nicht so hoch wie die Decke des Korridors... Mühsam begann Link zu klettern, stieß sich kraftvoll mit den Beinen ab und kletterte immer weiter, spürte, wie sich der enge Raum zwischen den Wänden immer weiter verkleinerte, aber kletterte um sein Leben.

            Mit einem überdrehten Lachen entdeckte Link seine Rettung und kletterte über die lebendigen Wände drüber, die glücklicherweise einen kleinen Abstand zu der Zimmerdecke hatten. Fluchend, aber erleichtert rutschte der junge Held auf der anderen Seite der Wand herab und landete auf einem mit Holzbrettern ausgekleideten Boden. Schwein gehabt, sagte er zu sich selbst und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Ein solches Ende wäre dem einstigen Helden der Zeit und dessen Reinkarnation sicherlich nicht würdig.

Über die Maßen erlöst trank er einen Schluck Wasser aus seiner Flasche und gönnte sich eine kurze Verschnaufpause.

 

Zelda machte sich inzwischen aufrichtige Sorgen um ihren Helden, schwelgte in einigen nervtötenden Grübeleien der ganzen Situation. Sie spielte viele Dinge noch einmal durch. Ihr Aufwachen in dem Hause der Braverys, ihrer glücklichen Tage mit Link, dem Traum, als Link sich weit weg in Irland befand. Ja, sie erinnerte jenen Traum. Aber bisher hatte sie nicht den Mut gefunden, mit ihm darüber zureden. Gab es denn überhaupt etwas zu sagen, was mit jenem Traum zu tun hatte?

 

Link ging, nun eine Spur vorsichtiger als vorhin durch den Gang und bereute den Entschluss Zelda nicht mitgenommen zu haben immer weniger. In ihrem Zustand konnte er sie der Gefahr in diesem kleinen Labyrinth nicht aussetzen.

Der Anflug eines Lächelns huschte ihm über das Gesicht, als er an sie dachte. Es wurde endlich Zeit, dass etwas zwischen ihnen passierte, dachte und hoffte Link. Etwas... nur irgendetwas... eine Kleinigkeit... mehr wünschte sich Link doch nicht.

            In stillen Gedanken lief er weiter und wurde vielleicht unaufmerksam. Er folgte seinem Weg über weitere Holzbretter, die ein knorriges Geräusch von sich gaben, wenn jemand wie Link mit seinen Stiefeln darüber trat. Noch ein Schritt und noch ein Schritt und eines der langen Holzbretter gab nach. Link hörte das Auseinanderreißen des Holzes, versuchte sich zu winden, wollte sich mit all seiner Kraft auf ein weiteres, festeres Brett werfen, aber verlor kläglich den Halt und fiel in unendlich- scheinende Dunkelheit.

            Mit einem lauten Schrei landete Link in einem Heuhaufen in der schweren, erdrückenden Dunkelheit eines Kellers. Kopfschüttelnd stand er auf, wischte sich das Stroh und Heu von seiner grünen Tunika, wuselte verärgert in seinem goldblondem Haar herum und fragte sich langsam, in wie viele Fettnäpfchen er heute wohl noch treten würde...

In dem Augenblick fiel ihm auf, dass er das Medaillon der Mächtigen nicht mehr um seinen Hals trug. Na wunderbar. Mit einem lauten Seufzen wühlte Link in dem Heuhaufen herum und wurde immer wütender, weil dieser verdammte Tag nichts als Ärger und Pannen mit sich brachte.

            „Donnerwetter hoch dreizehn!“, fauchte der sonst so kühle, anständige Held mit Namen Link. Wozu er sich vorhin nur die Mühe gemachte hatte, das Heu von seinem Erscheinungsbild zu entfernen? Jetzt sah er noch besser aus als vorhin- noch mehr Heu klebte an ihm, hing verschönernd in seinem ansehnlichen Gesicht, gab seinem blonden Schopf eine neue Farbe und zusätzlich war das Zeugs auf unergründlichem Wege in seine schokoladenbraunen Stiefel gelangt. Dummheit wird bestraft fiel ihm ein und gleichzeitig fragte er sich, ob er denn so dämlich wäre, dass dieses sagenhafte Pech auf ihn niederfiel. Aber nein, sagte Link zu sich selbst, du bist schließlich ein Held, und Helden machen sich gerne die Finger schmutzig, nicht wahr?

            Link ließ sich ausgebreitet auf das Heu fallen und spürte plötzlich ein übles Pieksen in seinem Rücken. Hatte er etwa die sagenumwobenen Nadel im Heuhaufen gefunden, oder war dies die nächste Strafe dieses Tages, der ihm spätestens am Abend den Rest geben wollte? Und dieser Abend würde so einige Überraschungen für ihn bereithalten...

            Link tastete in dem Heu herum und spürte tatsächlich etwas sehr spitzes, kleines darin. Er entzündete das Licht seiner Öllampe ein weiteres Mal und leuchtete umher. Dann allerdings rückte ein hinterhältiges Grinsen in sein Gesicht. Bis an den Hinterkopf stießen seine Mundwinkel, als er eins und eins zusammenzählte und dem Heu, welches in vorhin so barbarisch an den Klamotten hing, eine lehrreiche Lektion verpassen wollte. Feuer und Heu ergaben eine wunderbare Mischung, so Links ausgeflippter Möchtegernverstand.

Das Grinsen in seinem Gesicht wurde breiter. Auf diese Art und Weise ließ sich die Nadel im Heuhaufen doch schneller finden, oder nicht? Frech und andererseits sehr raffiniert, steckte Link den Haufen Stroh einfach in Brand. Ein schönes Feuerchen bildete sich und in wenigen Minuten war das gesamte Heu heruntergebrannt. Zwei Dinge blieben übrig: Das unversehrte Medaillon der Mächtigen, das nicht aus Gold bestand, aber so aussah als ob und ein kleiner, sehr schmaler blauer Splitter von jenem Gestein, welches sich bereits in Zeldas Besitz befand. Link nahm sich den Splitter und blickte hinein, konzentrierte sich darauf Zelda zu sehen und sah sie zu der Tür des Häuschens schauen. Ein Glück, dachte Link, es ging ihr gut.

            Der junge Kerl, welcher manchmal eher den Namen unreifer Kasper verdient hätte, sah sich dann ausschweifend in dem Keller um, entdeckte Unmengen von Türen, Gittern und kindsgroßen Löchern in den Wänden. Schon wieder so viele Wege, murrte Link in seinen Gedanken. Aber jammern konnte er auch noch, wenn er Zelda die verhexten Zustände in dem Haus mitteilte. Oh ja, vielleicht brachte es etwas, Zelda um ein wenig... Trost zu bitten. Himmel Link, bist du doch heute schwachsinnig, sagte er zu sich selbst und kam sich immer zerstreuter vor, als wäre er mit seinen Gedanken nicht dort, wo er sein sollte. Und er wusste genau, wo seine gesamten Hirnzellen im Augenblick hinschwebten...

Er gab sich einen leichten Klaps auf seinen Hinterkopf und versuchte sein verliebtes Gemüt unter Kontrolle zu bringen. Wachsam nahm Link seine Lampe in die rechte Hand und das Schwert in die linke, tapste hinein in eine weitere Dunkelheit.

 

In dem Moment, als ob Zelda seine Stimme gehört hatte, nahm sie ebenfalls einen blauen Splitter des merkwürdigen Gesteines in die Hand und konzentrierte sich auf Link und ihre Gefühle für ihn, auf das sie ihn sehen konnte. Und sie sah ihn, schweigsam, aber tapfer befand er sich in einem Keller und klapperte dort einige Räume ab. Hoffentlich fand er den Ausgang wieder, dachte Zelda und beobachtete ihn weiterhin, grinste ein wenig bei dem Gedanken, dass er möglicherweise gar nicht wusste, auf welche heimtückische Art und Weise seine Prinzessin ihm zu sah.

            Nach einer Weile brach sie die Stille und versuchte mit ihm Kontakt aufzunehmen.

,Link, kannst du mich hören?’ Erschrocken blieb jener stehen und starrte ins Nichts. Dann setzte sein gesunder Menschenverstand wieder ein und er erkannte das leise Säuseln als Zeldas liebliche Stimme.

„Zelda?“, sagte er laut, und besann sich auf das blaue Steinchen. Aha, dachte er, jetzt, da sowohl er als auch sie einen solchen Edelstein besaßen, könnten sie vielleicht über größere Entfernungen hinweg miteinander kommunizieren? Er kramte den Splitter hervor und sprach zu ihr: ,Hey, ist dort draußen alles in Ordnung, Zelda?’

,Es geht mir gut. Aber wo bleibst du denn solange?’

,Nun’, murmelte er und machte eine kleine Pause, als er eine schwere Tür zur Seite schob. ,Ich glaube, dieses Haus macht mir das Suchen der Steine schwerer als ich dachte.’

,Was? Willst du damit andeuten, in dem Haus spukt es?’

,Nicht unbedingt, aber es ist innen wesentlich größer als von außen vermutet. Ich beeile mich, okay?’

,Mmh, bis gleich, Link.’, waren ihre letzten Worte, bevor sie den Kontakt abbrach.

 

Link suchte weiter und so wurde aus der einen Stunde in dem Haus ungewollt zwei. Der Nachmittag war angebrochen, und eigentlich wollten die beiden Auserwählten zu dem Zeitpunkt schon das Gebirge im Norden erreicht haben, um über Pfade und über die gefährlichen Stromschnellen hinweg den Eingang zu Zoras Reich wieder zu finden.

Doch das Schicksal hatte erneut andere Pläne und so war Link inzwischen der blöde andere Stein in diesem Haus egal, Hauptsache er könnte nur endlich das Tageslicht wiedersehen...

            Murrend und mit blankliegenden Nerven ging er voran und erreichte ein Gewölbe mit alten Pfeilern, die nicht nur alt, sondern auch einsturzgefährdet aussahen. Es war still hier unten, so leise, wie in den Hallen der Weisen im Tempel des Lichts. Als Link sich vorwärts bewegte, erkannte er auch, warum nicht einmal das Klappern seiner Stiefel zu hören war. Er lief nicht auf Gesteinsboden, sondern auf einfacher Erde. Er kniete kurz nieder und vergewisserte sich, dass jenes falsche Haus hier aufhörte. Link nahm einige Erdkrümel zwischen Zeige- und Mittelfinger und zerrieb das Material darin. Tatsächlich Erde.

            Erneut glühte des Medaillon um seinen Hals, schillerte grünlich und gab ein fast unerträgliches, gleißendes Leuchten von sich. Noch ehe der Held reagieren konnte, wurde er einige Meter weiter in dem Raum teleportiert. Krachend landete er an einer der vielen Säulen und spürte einen gemeinen Schmerz in seinem Rücken.

            „Na prima...“, entkam seinem verärgerten Mund und prüfend lief er mit dem Medaillon in dem Gewölbe umher, hörte ab und an ein quietschendes, bröselndes Geräusch, welches er aber wieder ignorierte. Es gab im Moment wichtigeres als kleine, dumme Geräusche, die einen auf den Geist gehen konnten. Und einige weitere Male wurde Link unfreiwillig durch andere Pforten getragen. Man könnte es auch als ein durch die Luftschleudern bezeichnen, denn anders fühlte sich Teleportieren für Link im Moment nicht an. Mit seinem Vermögen schwere Hürden zu bestehen, machte der junge Kerl die Stelle ausfindig, an welcher sich das Stückchen Stein befinden musste. In der Erde vermutlich, dachte Link und buddelte mit seinen Händen in dem kalten Erdreich herum, fühlte sich wie ein Maulwurf bei der Arbeit und doch leicht überfordert. Das machte einfach keinen Spaß mehr, sträubte sich sein junges Herz dagegen.

            Unerwartet und Link aus seiner archäologischen Arbeit reißend, fiel ein Stückchen zerbröseltes Gestein auf seinen Schädel. Überrascht und mit einem unguten Gefühl blickte er nach oben und sah, wie sich an der Decke gefährliche, kleine Risse bildeten. Link sah nur erstarrt zu, sah, wie die kleinen Risse wuchsen, bis sie in die Nähe der Säulen trafen und auch dort Brüche zum Vorschein kamen, die davor noch nicht waren.

            „Das Haus hat was gegen mich“, fluchte der Hylianer und grub schnell und hastig in der Erde herum, hoffend, er würde das Steinchen schnell finden und dann den erstbesten Weg nach oben nehmen. Und wirklich. Das grüne Steinchen tauchte auf. Schnell ließ Link es in seiner Gürteltasche verschwinden, verblüfft, dass es ihn nicht wieder in die andere Ecke des Raumes beförderte, nahm das Medaillon wieder um seinen Hals und sah aufgeregt nach oben. Größere Risse bildeten sich in dem Gestein und alles bebte. Kleine und große Gesteinsbrocken fielen herab...

Jetzt war es vielleicht schon zu spät für Link, die Kurve zu kratzen... 

Er kniff seine Augen zusammen und wartete auf die ersten Gesteinsbrocken, die ihn trafen...

 
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