Kapitel 54
 

Kapitel 54

 

 

 

Ein neuer Morgen brach an. Eine blutrote Sonne stieg auf und prophezeite Feuer, Sturm, Kämpfe, prophezeite Erbarmungslosigkeit und Gewalt, Unheil, wie kein anderer Morgen.

            Zelda, Kronprinzessin von Hyrule, fühlte die Veränderung und konnte doch nichts dagegen tun. Etwas war im Gange, nicht nur hier, sondern auch an einem anderen Ort, dort, wo Ganon gefährlich, bedrohlich an seinen Ketten rüttelte.

Nachdenklich stand sie an einem kleinen runden Fenster des höchsten Turmes von Schloss Hyrule und beobachtete das glühende, pulsierende Rot, das Hyrules Steppe in einem Meer der Flammen erstrahlen ließ. Ja, in der Tat. Dieser Morgen würde Veränderungen bringen, nicht nur der Welt, sondern auch ihr. Es war der Tag, an dem ihre Wahl fallen sollte.

            Dutzende junge, feine Adelsmänner waren unterwegs zu Schloss Hyrule. Einige wenige waren bereits hier, aber hatten die wunderschöne Hoheit noch nicht zu Gesicht bekommen. Und Zelda, sie fühlte sich genauso... wie ein Preis, der gezeigt werden sollte, an den jeder seine Hand legen konnte. Sie verabscheute diesen Tag der Veränderungen, auch wenn sie sich nicht wehren konnte. Es war ihr Schicksal, ihre Bestimmung Hyrule in eine neue Ära zu führen. Gerechtigkeit, die das Höchste aller Ziele darstellte, oblag nur ihr. Doch niemand fragte nach Gerechtigkeit, wenn es darum ging, einer Prinzessin die Wahl, den eigenen Willen, zu lassen. Niemand fragte... das war wohl der Preis, den man für soviel Ansehen, soviel Anmut und Prestige zu zahlen hatte- man legte die Verantwortung für die Freiheit eigener Gefühle ab.

            In dem Augenblick wurde ihr schwarz vor den Sinnen und nur mit letzter Kraft krallte sie sich an dem kleinen Fensterrahmen fest, spürte das Nagen des Wissens an ihrer Seele, fühlte Zerstörung, Wut und das Ende einer kostbaren Welt, die niemand so sehen konnte wie sie. Ihr Atem kam stoßweise. Keuchend versuchte sie ihr Gleichgewicht zu halten, auf ihren Beinen zu bleiben und restliche Kräfte zu mobilisieren. Blinzelnd, mit unerträglichem Schmerz in der Seele, im Herzen, sogar in ihren Triforcefragment brachte sie ihren Blick hinaus auf Hyrules gigantische Steppe. Die Last ihrer Verantwortung wurde schwerer, drängender, als ob jene die Prinzessin Hyrules aufsaugen wollte. Kurze Bilder strömten in ihren Geist, kurze Erfahrungen, dem Tode geweiht, beseelt mit den alten Geistern jenes Landes. Kurze Bilder, in denen die weiten saftiggrünen Steppengräser verblassten. Es brannte teuflisch in ihrer Seele, wie namensloses Gift. Verblassende Städte. In dichten Nebeln versinkende Wälder. Bleiche Farben nahm die Welt an, Farben, die doch keine waren.

            Sie wandte sich vom Fenster ab, fühlte das Zittern ihrer Glieder, den trommelnden Kopfschmerz nach jener Vision und blickte sich ein letztes Mal in jenem Dachboden um, wo sie schon als Kind gerne gespielt hatte. Ein Ort, so voller Erinnerungen an ihre eigene Mutter, ein Ort, wo alte Gegenstände in die Fängen der Vergangenheit rückten. Ein altes Spinnrad. Ein Holzpferd mit goldenem Anstrich und einem rosa Stoffsitzbrett. Alte Portraits vergangener Zeiten, vergangener Könige. Vergänglichkeit, wie schmerzhaft bewusst ihr in dieser Sekunde wurde, wie vergänglich sie doch war, wie vergänglich dieses Zuhause war, wie vergänglich jene Zeit und jenes Hyrule...

            Sie lief langsam die Stufen der Wendeltreppe hinab, eine Kerze in ihrer rechten Hand. Plötzlich Schritte, die sie erinnerten. Eine bekannte Person suchte bereits nach ihr. Rote Augen, so glühend wie der anbrechende Morgen, erschienen in der Dunkelheit.

„Da seid Ihr ja, Prinzessin. Euer Vater und die Hofdamen suchen bereits nach Euch.“ Zelda lächelte schwermütig und lief vorsichtig mit einem einfachen Nicken an ihrem Kindermädchen aus Kindertagen vorbei.

            „Noch etwas, Prinzessin. Link ließ mir ausrichten, er nimmt die Einladung zu dem Großen Bankett heute Mittag an.“

Überrascht blieb Zelda stehen: „Eine Einladung? Wer hat diese verschickt?“

„Euer Vater bat mich darum und daher...“ Zelda unterbrach Impa verärgert. Selbst ihre Augen glühten nun in dem dunklen Treppenaufgang.

„Wie konntest du? Ich habe nicht darum gebeten, dass er hier auftaucht. Ich brauche sein Mitleid für die näherrückende Entscheidung, die ich zu treffen habe, nicht. Ich brauche ihn nicht...“

Impa blickte geschockt drein und glaubte sich verhört zu haben. „Weshalb hegt ihr einen solchen Groll gegen Link?“

„Ich hege keinen Groll gegen ihn, ich will mir lediglich seine Anwesenheit ersparen.“

Impa packte Zelda grob an ihrem Arm. „Dazu habt Ihr nicht das Recht, Prinzessin.“

„Ach ja? Aber das ganze Land hat das Recht auf mir herumzutrampeln, auf meinen Gefühlen, auf dem kleinen Prinzeschen, das nicht das Recht besitzt zu leben wie jeder andere.“

„Prinzessin?“ Impas Stimme wurde lauter, als Zelda in Windeseile an ihr vorbeieilte und zügig die Dunkelheit verließ.

„Lass’ mich“, rief sie noch und verschwand.

            Wenige Minuten später stand Zelda in ihrem Schlafgemach, umgeben von vielen Kindermädchen und Hofdamen, die an ihrem gesamten gottesgleichen Körper herumbastelten. Die Prinzessin sollte heute schließlich aussehen wie das, was sie war- eine Prinzessin. Hübsch. Makellos. Gepflegt und ohne den geringsten Fehler.

            Zwei Personen machten sich an Zeldas langen blonden Haaren zu schaffen. Eine Hofdame knöpfte mühsam ein viel zu enges Korsett zu und zog bis die blonde Hylianerin fast keine Luft mehr bekam. Eine weitere Hofdame nahm Abmessungen an dem Kleid vor, welches Zelda heute tragen würde- ein schweres königliches Gewand, mit reichlich Details, viel Schmuck und aus dem besten Stoff bestehend, welchen es in Hyrule gab. Wieder ein Kindermädchen tupfte ihr irgendwelche Dinge auf das Gesicht, sodass man Zelda vor lauter Schminke nicht wiedererkennen konnte.

Sie hasste es. Aber sie machte gute Miene zum bösen Spiel. Sie verzog nicht eine Falte in ihrem Gesicht und ließ alles über sich ergehen. Sollten sie sie doch ankleiden wie eine Porzellanfigur oder ausstopfen wie eine zusammengeflickte Puppe. Irgendwie war es alles im Moment egal. Zelda ignorierte. Sie verdrängte und zeigte nicht ein Lächeln. Und mit jeder weiteren Minute, die verging, legte sich ein merkwürdiger Schatten über das Blau ihrer Augen, einer Schutzmauer gleich, die sie davon abhielt, Gefühle zu zeigen, die sie letztlich doch nur verletzen würden.

            Link befand sich gerade mit Malon in der Hauptstadt Hyrules, kämpfte damit, überhaupt nur an den Gedanken zu denken, dass er in weniger als zwei Stunden an einer Tafel mit noblen Leuten und dem König höchstpersönlich saß. Und Zelda... dies schien wohl das schwerste überhaupt für ihn zu sein. Der Gedanke an Zelda.

            Malon gab ihm plötzlich einen Stups in seine Rippen und brachte den armen Helden damit aus dem Gleichgewicht, sodass er fluchend auf seine Schnauze fiel.

„Tz... Tz... Warum ist der Held Hyrules nur immer so gedankenlos, sodass er allein durch seine Unaufmerksamkeit auf die Nase fällt“, sagte Malon und kicherte dann. Link machte ein ärgerliches Gebrummel und stand auf, ignorierte die Hand, die das Farmmädchen ihm gab und wischte sich den Dreck von seiner grünen Tunika.

„Sorry, Link. Ich wollte dir nur mal klar machen, dass noch schlimmere Dinge geschehen könnten, wenn du weiterhin so gedankenlos bist.“

„Ich bin nicht gedankenlos.“

„Jaja, das merkt man.“

„Wieso?“

            Malon lief zu ihm heran und klopfte an seine Stirn. „Dein Kopf ist wahrscheinlich ausgefüllt von viel zuviel Gedanken, sodass du nichts mehr außer denen in deinem Gehirnskästchen wahrnimmst, mein Freund.“

Link schaute verärgert drein und fauchte lautstark auf dem Marktplatz herum, sodass jeder es hörte: „Na und? Was ist so verkehrt daran, sich Gedanken zu machen, wenn man eine Einladung ins Schloss hat?“

Einige Leute drehten bereits ihre Köpfe.

„Alles, mein Lieber. Du hättest die Einladung schließlich in den Wind schieben können.“

„Ja, das hätte ich gerne, wenn ein gewisses Farmmädchen mit Namen Malon nicht so unverfroren gewesen wäre und der Wache, die die Einladung brachte, gesagt hätte, ich nehme die Einladung an.“

„Hängst du mir das immer noch nach, mein armer, armer Held der Zeit?“ Sie kicherte und warf ihr kastanienbraunes Haar zurück. „Ja, ich wollte diese Einladung nicht.“

„Aber ich musste dir schließlich einen Gefallen tun, da du mich ja in gewisser Weise ins Schloss heute Abend schleusen wirst, mein Guter.“

„Das nächste Mal überlege ich es mir reiflich, wenn du mich um einen Gefallen bittest.“

„Wie du meinst“, sagte sie und grinste hämisch. „Wie auch immer Link, ich muss jetzt Impa finden und du gehst treu und brav mit dieser Einladung zu dem Haupttor des Schlosses. Viel Spaß und viel Vergnügen. Bis später.“ Sie hüpfte von dannen, lachte frohen Herzens und wusste, dass sie das Richtige getan hatte, als sie die Einladung für Link annahm...

            Link schaute Malon hinterher und unterdrückte den Zwang länger auf sie sauer zu sein. Sie wusste, was Zelda ihm bedeutete und hatte wohl einfach nur helfen wollen. Nun gut, sagte er zu sich selbst. Geh zum Schloss, bring’ diese Sache hinter dich. Hauptsache, du überstehst das ohne üble Nachrede und einer Ohrfeige von Zelda, sagte er zu sich, um sich Mut zu machen. Er trabte gemächlich vor sich hin und entdeckte vor den Schlosstoren viele Kutschen und einige Leute, die er noch nie gesehen hatte. Hylianer in strahlenden Rüstungen, mit Abzeichen und Orden. Vermutlich Gäste, die ebenso an dem Bankett teilnehmen wollten. Link verglich dann sein eher gewöhnliches Outfit mit denen, das jene Ritter trugen und kam sich ziemlich unterbemittelt vor, alles andere als vorbereitet für eine Speisung zu Tisch mit der Königsfamilie Hyrules. Was tun? Er schaute sich von oben bis unten an und hatte ein sehr schlechtes Gefühl bei dem Gedanken an das Essen in nun noch einer Stunde. ,Ich will nicht’, schallte es in seinen Gedanken umher. ,Ich will nicht.’, wiederholte er in seinen Gedanken. Unsicher blieb er stehen und schaute weiterhin zu den noblen Adelsmännern vor dem südlichen Schlosstor.

            Einer der Ritter fing dann seinen Blick ein und blickte eher weniger verächtlich zu ihm. Er lief auf ihn zu. Daher besah sich Link die Person genau. Es handelte sich um einen sehr gutaussehenden Mann, soweit Link das beurteilen konnte. Nicht, dass er sich etwas aus dem Aussehen irgendwelcher Männer machte- das überließ er lieber den Frauen, aber zumindest wirkte der Kerl dort weder abgemagert, noch wie ein kleiner Mönch, der in sein Bierfass hineingefallen war. Der Typ trug eine typische hylianische silbernschimmernde Ritterrüstung mit langem weißen Mantel, der lässig über seinen Rücken lag, hatte braunes, schulterlanges Haar, rehbraune Augen und ein neugieriges Grinsen im Gesicht.

Er trat näher und reichte Link die Hand. Überlegen, und doch beherrscht sahen seine Augen aus dem sonnengebräunten jugendlichen Gesicht hervor. Tatsächlich schien jener Kerl kaum älter als der verblüffte einstige Kokiri zu sein. Der junge Held mit der grünen Tunika nahm die Hand des noblen Kerls, worauf dieser sagte: „Mein Name ist Caldrian. Caldrian von Calatia. Ich nehme an, Ihr seid der Held der Zeit, nicht wahr?“

„Wie kommt Ihr darauf?“, sagte Link und schaute misstrauisch in die Augen des jungen Caldrian.

„Nun, laut meinem Vater trägt jener Held ein Outfit wie Eures und wirkt ziemlich ungehobelt.“

„Ich wirke auf Euch also ungehobelt, sehr nett. Gestattet, ich könnte Euch meine Ungehobeltheit beweisen, wenn Ihr überhaupt wisst, was man in Eurer Position als ungehobelt definieren sollte“, entgegnete Link ironisch. Er war nicht in Stimmung für einen Möchtegernritter wie diesem...

            Entgegen aller Erwartung reagierte Caldrian kühl, weder beleidigt, noch verärgert.

„Entschuldigt. Es war sicher nicht meine Absicht Euch zu beleidigen. Es ist wohl nur so, dass Ihr unter einigen Rittern kein gutes Ansehen genießt. Ich nahm an, fairerweise, solltet Ihr das wissen.“

„Ich brauche kein gutes Ansehen, nur um Fähigkeiten zu beweisen, die ich nicht habe, so wie einige umwerfende Ritter der hylianischen Tafelrunde.“ Irgendwie tat es gut, seinen Frust auf diese Art und Weise los zu werden, also wetterte Link mit fiesen Sprüchen umher, wie er nur konnte. Caldrian schwieg und schaute eine Spur bedauernd in Richtung der vielen kleinen Wege, die in den Schlossgarten führten, verfolgte mit seinen rehbraunen Augen einige Spatzen, die fröhlich auf den Wegen herumhüpften. Vielleicht hatte Link doch übertrieben...

            Link beobachtete den Blick Caldrians und konnte irgendwie nicht verstehen, was es war. Aber es schien, als wäre er diesem jungen Mann irgendwann schon einmal begegnet. Zuerst war es reine Neugier, nun jedoch schon hartnäckiges Interesse. Und immer sympathischer wurde ihm jener junge Prinz aus einem der Nachbarländer Hyrules.

„Ihr stammt aus Calatia?“, meinte Link nach wenigen Minuten Stille. Inzwischen hatte er das Gefühl, er müsste sich bei Caldrian irgendwie für sein verärgertes Gemüt entschuldigen.

„Jup“, entgegnete Caldrian, mit einem Mal sehr reumütig, wohl, weil derartige Wörter nicht in die gebildete Sprache eines Prinzen gehörten.

Er räusperte sich und sagte noch einmal: „Ja, so ist es.“

            Link war erstaunt und sah ebenso drein, als wäre er überrascht.

„Ich war auch einmal für wenige Tage in Calatia, da ich jemanden einen Gefallen tun wollte. Es ist Hyrule sehr ähnlich, nicht wahr?“

Der junge Kerl nickte: „Korrekt. Unsere Gesetzgebung, die Richtlinien bezüglich Gleichberechtigung und die Landschaft, die Berge, Flüsse und Seen ähneln Hyrules. Vielleicht ist das der Grund, dass mein Vater und der König Hyrules sich so gut verstehen.“

„Ist dem so?“, fragte Link und dachte ungewollt daran, dass Caldrian vielleicht der zukünftige König an Zeldas Seite sein könnte. Sein Blick wurde ernster, trauriger und irgendwie verletzlich weich. Allein dieser Gedanke machte ihn krank...

Links Kehle entkam ein Seufzen und nur um sein Gesicht zu wahren, drehte er dem Prinzen den Rücken zu. Aber Caldrian empfand dies anscheinend als unhöflich genug und lief um Link herum, um seinen Blick zu treffen.

            „Ihr kennt die Prinzessin gut, nicht wahr?“ Dieser Satz erweckte etwas in den blauen Augen seines Gegenübers, das Caldrian äußerst verdächtig vorkam. Er hatte wohl das Thema getroffen...

„Ich kenne sie wie mein eigen Fleisch und Blut“, sagte Link, oder besser babbelte er, sodass Caldrian es nicht verstanden hatte.

„Ich hatte ebenfalls eine Begegnung mit ihr- vor einigen Monaten“, begann er und drehte sich um. Caldrian lief einige Schritte zu dem Schlosstor, wo nun keine Kutschen mehr standen.

„Sie ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit, aber... irgendwie sehr unnahbar. Wann immer ich sie sah, war sie ernst, trocken und kühl. Dabei erzählt man sich im Land meiner Väter immer von der Herzenswärme, dem Mitgefühl und der Leidenschaft Prinzessin Zeldas. Es ist nicht so, dass ich ihr gegenüber abgeneigt wäre, das ist wohl keiner, aber sie wirkt so...“

„...traurig?“, meinte Link.

„Ja, genau.“

            Link folgte dem Burschen eine Weile und blickte angestrengt zu Boden. Caldrian allerdings entwickelte ein immer besseres Bild von jenem Helden, der immer noch, selbst nach vielen Jahren in aller Munde war. Ungehobelt kam ihm der junge Mann mit der waldgrünen Tunika jedoch überhaupt nicht vor, ganz im Gegenteil. Link wirkte sogar sehr ernst auf ihn und scharfsinnig.

            „Sagt Ihr mir Euren Namen? Nur so?“, sagte Caldrian zaghaft.

„Link. Mein Name ist Link.“

„Klingt gut. Knapp und vielversprechend. Seid Ihr denn auch so?“

„Was? Link?“ Nun ja, Link kamen einige Streiche in den Sinn, die als Opfer immer Mido auserkoren hatten. In dem Sinne konnte man ihn vielleicht link, hinterhältig und als falsch bezeichnen, aber Mido hatte es ja manchmal mehr als die Maßen verdient, dass man fies zu ihm war. Link entschied sich für das Gegenteil. Im Großen und Ganzen war er eigentlich ein sehr anständiger Mitbürger Hyrules.

„Eigentlich nicht, aber bei manchen Leuten mache ich Ausnahmen.“ Caldrian grinste.

„Ich suche jemanden, der mich ein wenig herumführt. Würdet Ihr mir die Ehre erweisen, Link?“ Der Held der Zeit überlegte. Nachdenklich schaute er in Caldrians Gesicht und nickte dann. Gemeinsam folgten die beiden jungen Kerle einem der Wege in den Schlossinnenhof.

Nach einer Weile des Schweigens, brach Link wieder die Stille: „Ihr könnt mich ruhig duzen.“

„Du mich auch. Ich halte eigentlich nicht viel von diesem höfischen Getue.“ Das hatte Link schon vorhin bemerkt, ebenso wie die Anstrengung Caldrians sich nicht zu einer minderen Sprache hinreißen zu lassen. 

„Da verrate ich dir was: Zelda hält auch nicht viel davon.“

„Wirklich?“

„Wenn ich es doch sage.“

„Das ist gut. Vielleicht schaffe ich es ja doch mit ihr in ein Gespräch zu kommen.“ Das anfängliche Misstrauen und die Abgeneigtheit gegenüber Caldrian waren schnell verflogen. Link war sich sicher, dass dieser junge Adlige sein Herz am rechten Fleck hatte. Zufrieden ließ sich Link nicht zweimal bitten und schlug Caldrian auch weiterhin vor, ihm zu folgen.

            Link führte ihn ein wenig durch den Schlossgarten, vorbei an merkwürdigen Grimassen, die einige Wachen zogen und schließlich zeigte Link ihm das Schloss.

„Du bist also auch zum Bankett eingeladen. Klasse. Wenigstens ein bisschen ordentliche Gesellschaft. Freut mich, dich wiederzusehen, Link“, sagte Caldrian.

„Ganz meinerseits“, erwiderte Link. „Bis später.“

In aller Seelenruhe lief Link einen Korridor entlang, bis ihm einfiel, dass er immer noch ein kleines oder großes Problem hatte. In welchem Outfit bitte schön sollte er an dem Bankett Teilnehmen? Verflucht, brummte es in seinen Gedanken.

            Plötzlich tippte jemand mit dem Zeigefinger auf seine Schulter. Link kannte die Gestalt, es war eine der Hofdamen, wie war noch gleich ihr Name? Maia?

„Den Göttinnen sei Dank, dass ich Euch noch finde, Sir.“

Link setzte ein verschmitztes Grinsen auf und sagte: „Wie kann ich helfen?“

Sie verbeugte sich kurz und sagte: „Ich bin hier um Euch zuhelfen. Impa sagte, ich solle Euch suchen, mit dem Hinweis, Ihr bräuchtet eine neue Garderobe.“ Link zuckte kurz mit den Schultern und folgte der Hofdame ohne Wiederrede.

 
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