Kapitel 56.1
 

Kapitel 56

 

 

 

 

Einige lange Stunden verstrichen. In jenem gemütlichen Raum, wo ununterbrochen violettes Feuer in dem Kamin knackte und leichte Wärmebrisen in die Luft getragen wurden, lag Link eng umschlungen neben seiner Prinzessin.

Er war scheinbar der erste, der gähnte und verträumt, noch mit Schlafsand in den tiefblauen Augen, aufwachte.

Doch wirklich aufstehen konnte und wollte er jetzt einfach nicht, auch wenn er seine Gedanken noch nicht geordnet hatte und nicht begriff, dass Zelda wirklich anschmiegsam neben ihm schlief und sich fest an seiner Wärme nährte. Vielmehr dachte er, sich in einem Traum zu befinden, wie in jenem Gebilde der Nacht, wo ein märchenhaftes, hübsches Wesen gleich einem Engel ebenso eine Nacht bei ihm blieb, ihn wärmte und liebte.

Eine Erinnerung an diesen unvergesslichen Traum schwebte durch seinen Kopf. Und doch wurde jene Erinnerung nur wachgerufen durch das schreckliche Ereignis von vor wenigen Tagen, als Zelda vor seinen Augen beinahe starb...

Er verscheuchte diesen grausamen Moment, indem er seinen Kopf schüttelte und wagte endlich einen echten Blick umher.

Und tatsächlich, dachte Links verliebter Verstand. Da lag sie. Ein zerbrechliches, wunderschönes Wesen, ganz nah bei ihm. Sie hatte sich in der Nacht scheinbar zu ihm gedreht und genießend ihren Kopf an seine Brust gedrückt. Ihre warmen Arme hielten sich an ihrem Heroen fest und zusätzlich hatte Zelda ein Bein um ihm geschlungen.

Überrascht blickte Link in ihr anmutiges Gesicht und dachte albern, ob sie etwa Angst hatte, er wollte vor ihrer Gegenwart weglaufen. Denn sie hielt sich so angestrengt fest, als ob sie ihn seit Jahren nicht zu Gesicht bekommen hatte.

            Link versuchte sich langsam aufzurichten, aber in dem Augenblick gab Zelda ein auffälliges, verbietendes Murmeln von sich.

„Nicht...“, entkam es ihren süßen Mund. Scheinbar wollte sie ihren Helden daran hindern, aufzustehen. Er sollte es sich gerade jetzt nicht wagen, sie alleine zu lassen.

„Nanu? Du bist ja wach?“, flüsterte Link und gab der schönen, fesselnden Hylianerin neben ihm einen langsamen, feuchten Kuss auf ihre samtige Wange.

„Ja, schon eine ganze Weile“, entgegnete sie seufzend und schwelgte in ihren angenehmsten Phantasien an einem Ort, wo es nur sie und Link gab und niemand sonst durch das Tor zu der geheimen, sinnlichen Zuflucht gelangen könnte.

„Und warum hast du mich nicht geweckt?“

„Es war so schön, dir beim Träumen zuzusehen“, sagte sie leise und holte tief und genießend Luft. Sie blinzelte ein wenig, aber blieb genauso liegen, wie schon vorher. „Hattest du einen angenehmen Traum?“, fragte sie.

„Mmh...“, seufzte Link und streichelte durch das lange, weiche Haar seiner Prinzessin. Er würde wohl Tausende Rubine für eine dieser goldenen Strähnen bezahlen...

„Erzählst du mir, wovon du geträumt hast?“, säuselte sie und genoss seine nackte Nähe, die unglaublich angenehme Wärme seines Körpers und sogar den leichten Geruch nach Wald, der von Link ausging und immer schon ausging.

            „Gerne, wenn du möchtest?“

„Ich möchte“, murmelte Zelda kurz und schloss ihre leuchtenden Augen wieder. 

            „Ich hatte einen alten Traum... den ich schon einmal, vor vielen Jahren durchlebte. Ich glaube, damals war ich dreizehn oder vierzehn...“

„Du hattest einen Traum, den du schon einmal träumtest?“

„Jep, mein Engel“, sagte er und küsste sie begehrlich und lange auf ihre zarte Stirn. „Und es war damals wohl der schönste Traum, den ich je gehabt habe.“ Er stoppte kurz und ging mit seinen Augen auf Wanderschaft, erforschte unablässig die ruhende Form des einzigartigen Wesens neben ihm.

„Hast du schon einmal richtig geliebt, Zelda, körperlich geliebt? “, meinte Link leise, hoffend, sie deutete seine Worte nicht als wollüstige oder buhlerische Überrumpelungsversuche, denn das waren sie bei weitem nicht. Er meinte diesen Satz genauso ehrlich, wie es seine Gefühle für Zelda waren. Niemals würde er etwas von ihr verlangen, was sie nicht wollte.

„Nein, natürlich nicht...“, sagte sie sanft. Und Link hatte im Grunde genommen mit einer etwas verärgerteren Meinungsäußerung gerechnet. Zeldas unvorhersehbares Verhalten überraschte ihn immer wieder.          „Ich hatte eine sehr sittsame Erziehung im alten Königshaus Hyrules.“ Zelda legte ihren Kopf nach hinten, sodass sie Link mustern konnte.

Dieser jedoch starrte nachdenklich und grüblerisch in die hitzigen Flammen. Er fand im Augenblick einfach nicht die passenden Worte, das sah die junge Lady ihm an.

„Hast du in deinem Traum körperliche Freude empfunden?“, sagte sie ohne Scheu, ohne Verlegenheit. Denn es war anders und einfacher zwischen ihnen geworden, sich über intime Inhalte zu unterhalten.

Ohne zu antworten schloss der Heroe seine Augen, nicht gewahr dem vielsagenden Grinsen, welches sich um seine Mundwinkel erschuf. Er lachte ausgelassen, fühlte sich lebendig und frei.  

„Ist das ein Ja?“

Abrupt öffneten sich seine Augen. Verspielt rollte Link sich halb über die blonde Hylianerin in seinen starken Armen und begann sie innig und tief zu küssen.

            „Jep, das war ein Ja“, sagte er wenig später und wich nur wenige Zentimeter von ihr weg, streichelte mit seinen Handballen über ihre schwachrosa Wangen. Seine tiefblauen Augen weckten ihre Sinne, als jene in ihren lasen, sich Zutritt zu ihren geheimsten Gedanken verschafften.

„Ich muss für etwas Buße tun“, sagte Link, grinste aber verdächtig und hielt Zelda gefangen in seinen Armen, sodass sie ihm auf jeden Fall zu hören musste.

„Der Held der Zeit möchte sühnen? So soll er mir mit seinem Munde verraten, was es sein möge, das auf seinem Gewissen lastet“, sagte Zelda vorwitzig, genoss das teuflische Werkzeug ihres zügellosen Temperaments und ihrer gefährlichen Zunge. Denn vor Link musste sie nicht schauspielern, musste ihre Gefühle und ihr wahres Ich nicht mehr verstellen, nicht mehr...

            „Eine unvergleichliche Schande ruht auf den Schultern, die ich besitze, meine Prinzessin.“ Zeldas Mundwinkel zogen sich herrlich in die Breite, wie die eines kleinen Kindes. Zutiefst glücklich über diese wunderbaren, gemeinsamen Minuten rollte sich Zelda geschwind wieder über Link und drückte ihn fordernd mit ihren weichen Händen zurück auf das samtiggepolsterte Sofa, was gar nicht so einfach war. Link ließ sich nicht herumkommandieren und erst recht nicht so leicht überzeugen. Mit größerem Kraftaufwand legte Zelda ihre Hände auf seinen tollen Oberkörper und presste ihn endgültig auf die flaumige Polsterung.

„Nana“, sagte sie eifernd. „Ihr müsst schon aufgeben, Held der Zeit, sonst gewährt Euch die Richterin kein Erbarmen.“ Was war hier los, dachte Link... Verkehrte Welt?

Noch nie hatte Zelda so verführerisch gehandelt, noch nie hatte sie sich so dominant ihm gegenüber verhalten und gleichzeitig so... fesselnd...

Link schluckte umständlich das Wasser in seinem Mund herunter, fühlte sich irgendwie überfordert und fragte sich, was Zelda im Augenblick ersann...

            Als sie Links erstaunten, baffen Ausdruck bemerkte, setzte sie hinzu: „Wenn Ihr mir Eure Schande gesteht, so könnte die Richterin in mir viel schneller Barmherzigkeit walten lassen.“

Sie saß inzwischen auf ihm und hielt seine Hände unbestechlich fest in das samtene Material der Schlafgelegenheit gedrückt.

„Nun, Heroe, möchtet Ihr mir unterbreiten, wofür Ihr Buße tun müsst?“ Derweil begann Zelda hetzend an ihrer teuflisch roten Unterlippe zu kauen, ein Anzeichen dafür, dass sie etwas wollte. Vielleicht eine verbotene Zärtlichkeit oder eine andere angenehme Berührung.

Link grinste tückisch, konnte nicht in Worte fassen, wie begeistert er im Augenblick von seiner Prinzessin war, wie wehrlos und gleichzeitig glücklich er sich fühlte, selbst in Gefangenschaft dieser bezaubernden Lady.

            Ihr weiches, langes Haar fiel lose und beinahe wild über ihre Schultern, wobei einige Strähnen nach vorne, direkt auf seine Brust niedersanken. Ihr morgendlicher Teint, so natürlich und zum Verlieben, dachte Link. Ihr Mund, herrlich, atemberaubend und geschmeidig. Und während er sie ansah fielen ihm weitere faszinierende Dinge an ihrem Erscheinungsbild auf. Die blütenweichen Wangen und die kleine Falte auf ihrer Stirn. Aber das Schönste waren ihre warmen Augen, so kostbar blau wie jene Farbbänder des Himmels...

            Zärtlich gelangte seine angebliche Schmach über den Mund: „Ich habe Euch noch nie gesagt, wie wunderschön Ihr seid.“

            Hysterisch und unkontrollierbar begann Zelda zu lachen und senkte ihre Lippen genüsslich auf seine. „War das Buße genug?“, meinte sie albern.

„Das müsst Ihr entscheiden, denn Ihr seid mein Superior, Prinzessin.“ 

            „Wenn das so ist, dann erhältst du eine weitere Ahndung, mein Link.“ Erstaunt packte der junge Mann sie an ihren Oberarmen, umschloss diese fest und nicht zu grob. „Seit wann bin ich denn: Dein Link?“ Langsam ließ sich Zelda wieder niedersinken und zog die Decke wärmend über sie beide.

„Das warst du schon immer...“, flüsterte sie. Schwelgend in seinen geheimsten Träumen zeigte sich ein warmes Lächeln auf seinem Gesicht.

Er zog Zelda an sich und begann sie sanft zu verwöhnen, mit zarten Küssen auf ihrer rosa Wange, an ihrem anziehenden Hals, bis er schließlich an ihrem empfindlichen Ohr knabberte. Erfüllt von blanker Begierde seufzte sie und erwiderte seine Zärtlichkeiten.

            „Mein Zeldaschatz...“, murmelte Link, nachdem sie einander wieder tiefe Küsse geschenkt hatten.

„Du hast mich schon früher einmal so genannt, weißt du das?“ 

„Tatsächlich?“

„Jep“, meinte sie lachend, so wie er immer Ja sagte und richtete sich auf. Sie zog schnell ihre Stiefel an und wollte aufstehen, als Link sie davon abhielt.

„Wo willst du denn so schnell hin?“

„Entschuldige, aber ich bin total hungrig. Immerhin haben wir mehr als zehn nichttickende Stunden geschlafen.“

„Echt so lange? Habe ich gar nicht als zehn Stunden wahrgenommen.“

„Dachte ich mir, du schienst ja auch sehr zufrieden in deiner Traumwelt.“

„Und ob ich zufrieden war, ich habe schließlich von uns beiden geträumt, mein Engel.“ Zelda lächelte und gab ihm einen kurzen Kuss auf seine Nasenspitze.

„Erzähl’ mir deinen Traum nachher, ich hole uns ein Frühstück.“

„Ach was? Jetzt werde ich sogar von der Prinzessin Hyrules bedient. Ich muss einfach umwerfend sein“, sagte er schmunzelnd und steckte seine Arme hinter den Kopf.

Zelda hielt ihm drohend einen Zeigefinger unter die Nase. „Bilde dir ja nicht zu viel darauf ein, mein Liebster.“

„Ich weiß, dass ich umwerfend bin...“

„Link!“, zischte Zelda warnend. „Manchmal bist du echt zu selbstverliebt, mein Held.“

„Aber das doch zu Recht“, sagte er aberwitzig und amüsierte sich an Zeldas kommentarloser, bestechlicher Miene. Sie grinste jedoch sofort wieder und hüpfte pfeifend, so zufrieden wie schon lange nicht mehr aus dem Raum.

            Mit einem lauten Gähnen drehte sich der junge Held auf seinen Bauch und zog die Decke, an welcher Zeldas Parfum haftete, zu sich heran. Nur ihr Duft reichte aus und Link packte kurzum die Sehnsucht nach seinem Engel.

Er richtete sich auf und ließ die Beine über dem Sofa hinausbaumeln, saß nachdenklich da und wurde zunehmend ungeduldig. Wo blieb seine Prinzessin denn so lange?

Es war schon merkwürdig, dachte Link. Seitdem er den Schatten über ihren Augen verbannt hatte, war sie offener, feinfühliger und konnte endlich ihre Gefühle ein wenig mehr zum Ausdruck bringen. Sicherlich brauchte sie ihre Zeit, dachte er, aber sie waren einander nun endlich so nah, wie er es sich immer gewünscht hatte.

Ob er damals schon solche tiefen Gefühle für sie hegte? Was würde geschehen, wenn er sich plötzlich an sein früheres Leben erinnern würde. Könnten sich dadurch seine Gefühle für Zelda ebenfalls ändern, wenn er vielleicht nicht empfunden hatte, was jetzt für ihn selbstverständlich war...

            Er schüttelte seinen Kopf. „Idiot“, murmelte er. „Zum Teufel, ich bin ganz sicher, dass sich durch die Erinnerungen meine Gefühle nicht ändern werden“, stärkte er sich und verscheuchte die Zweifel. Und Link sollte Recht behalten. Er hatte sie damals schon geliebt, ohne es zu wissen.

            Neugierig, wo Zelda blieb und was sie als Frühstück vorbereitete, hüpfte Link fröhlich zu der kleinen pergamentfarbenen in die Länge gezogenen Tür. Mit einer weißen hochgekrempelten Hose und einem geöffneten blassblauen Hemd trat Link aus der verzierten Tür hinaus und lugte nach draußen.

Doch da war niemand. Leise schloss Link die Tür und folgte dem schillernden Gang rechts von ihm. Nachdenklich tapste er voran und erreichte eine Gabelung in diesem schier endlosen Haus mit den unzähligen Gängen. Einer dieser Wege führte in den Badesaal und der andere sicherlich in die Küche. Aber was war mit dem dritten?

            Natürlich war Link neugierig, aber er entschied sich dafür, dieser Sache später auf den Grund zu gehen.

Zeldas Anziehungskraft wirkte demnach selbst hier und Link lief vergnügt in die Richtung, wo er seine geliebte Prinzessin vermutete. Barfuss trottete er voran, sah Unmengen von Portraits an den dunklen, fast schwarzen Wänden, die silbern schimmerten.

Schließlich hörte er Tellergeklapper aus einem Raum am Ende des Ganges. Viele weitere Türen verbargen Zugänge zu anderen Orten, die zu Licht und Nebel führen könnten und nur die eine Tür genau vor Links Nase war angelehnt, sodass ein Schimmer Kerzenlicht in den schillernden Gang fiel.

Langsam und leise schob er die Tür zur Seite und sah seine Prinzessin mit dem knappen, goldenglänzenden Bademantel am Tisch herumwerken.

            Link konnte seine Augen nicht von ihr abwenden und starrte auf ihren schmalen, einfach nur perfekten Rücken. Dann wanderten seine Augen weiter hinab, zu ihrer wunderbaren Hüfte und schließlich zu Zeldas für ihn unheimlich sexy Po. Schamhaft schaute er weg und wollte sich für seine Gedanken am liebsten auf der Stelle selbst bestrafen.

            Zelda drehte sich überraschend um und meinte: „Machst du uns vielleicht einen Tee...“, sagte sie und schien keineswegs verwundert, dass er sich so schnell hier in der Küche befand.

„Und was?“

„Donnerblumen- Pfefferminze oder hylianisches Süßkraut“, sagte Zelda. „Schau einfach in dem Hängeschrank dort drüben nach.“ Und sie deutete in die andere Ecke des Raumes.

Zügig lief Link hinüber und kramte kleine tonige Döschen und Gefäßchen mit den unterschiedlichsten Inhalten hervor.

„Und welches davon schmeckt jetzt gut?“

„Du hast früher alles gerne getrunken. Aber wenn du mich so fragst, nimm das Süßkraut. Das schmeckt wunderbar.“

Damit kramte er eine gläserne Teekanne hervor, einen Topf und schaute grüblerisch zu der alten Feuerstelle. Ja, und wie jetzt Wasser erwärmen?

Zelda blickte zu ihm hinüber, hörte auf mit ihrer Tätigkeit und reagierte schnell. Sie konzentrierte sich kurz und plötzlich fing das Wasser in dem Topf an zu sprudeln. Ohne Feuer. Und ohne, dass Link nur irgendetwas getan hatte.

„So langsam wirst du mir unheimlich mit deinen gefährlichen Fähigkeiten“, meinte er schmunzelnd und hängte die süßlich duftenden Beutel in die Kanne, schüttete das Wasser aus dem Topf darüber.

Zelda schenkte ihm dafür ein Lächeln und widmete sich wieder ihrer Tätigkeit. Langsam trat Link an sie heran...

            Er wusste nicht, ob sie ihn bemerkt hatte, aber für Link erschien es mehr und mehr so, als hätte sie ihn mit ihrem Willen angezogen.

Vorsichtig wanderten seine Hände über ihren Bauch, wobei sie tief einatmete. Feixend blickte ihr strahlender Held über ihre linke Schulter. Sie hatte ein fast überdimensionales Messer in der Hand und schnitt damit viele Stückchen sahnigen Schokoladenkuchen.

„Mann, das sieht lecker aus.“

„Stimmt, der Kuchen schmeckt ja auch gut.“

„Ich meinte eigentlich nicht den Kuchen...“, sagte Link lümmelhaft und dreist. Leise kichernd drehte seine Angebetete ihren Kopf kurz zu ihm, entzog sich ihm aber wieder.

            Dennoch schaffte es Link immer, das letzte Wort zu haben. Er verlor jede Beherrschung und legte verträumt den Kopf auf ihre Schulter, sodass er ihr beim Kuchenschneiden zu sehen konnte.

„Zum Anbeißen süß...“, flüsterte er und begann wieder an ihrem Ohr zu knabbern.

Zelda ließ das Messer in ihrer Hand sinken, drehte sich um und verzehrte sich nun fast danach, seine Lippen mit den ihren zu bedecken.

            Link schob hinter Zeldas Rücken das Tablett mit dem Kuchen zurück und beförderte das Messer außer Reichweite. Liebevoll hievte er seine Prinzessin in die Höhe, sodass sie auf dem Tisch saß und er direkt vor ihr stand. Sie umschlangen einander und tauschten anspruchsvolle Zärtlichkeiten aus, küssten sich beinahe hungrig, als hätten sie seit Jahren nichts mehr von dem anderen bekommen.

            „Das will ich jetzt jeden Morgen haben“, meinte Zelda und drückte einen weiteren Kuss auf seine Lippen.

„Kannst du gerne haben...“, erwiderte Link und nahm sie auf seine Arme.

Gerade wollte der Held sie aus der Küche hinaustragen, als Zelda murmelte: „Link, der Kuchen und der Tee... du musst mich leider herunterlassen.“ Er gab sich selbst einen Stups an die Stirn.

„Du hast Recht, hätte ich ja beinahe vergessen. In deiner Nähe bin ich eben nicht mehr zurechnungsfähig.“

„Oh, du erschienst mir vor wenigen Sekunden aber alles andere als unzurechnungsfähig.“ Sie spielte auf die heißen Küsse an, die gerade passiert waren.

Er gab ihr ein dussliges einsichtiges Grinsen. „Diesmal hast du gewonnen, mein Schatz.“

            Zelda nahm das Tablett mit dem Kuchen und Link die gläserne Teekanne. Fröhlich liefen sie den schillernden Gang wieder entlang, bis sie in ihrem gemütlichen Raum angekommen waren.

            „Was möchtest du heute tun, mein Held?“ Wie zwei Faulpelze saßen sie auf dem Bett und bedienten sich von dem Tablett mit Kuchen und Tee, welches auf einem nahen, runden, einbeinigen Tisch stand.

„Weiß nicht. Am liebsten würde ich einfach hier bleiben... und...“

„Du bist gar nicht neugierig, welche merkwürdigen Räume es in diesem Haus gibt und wie es in den ewigen Gärten des Lebens aussieht?“

„Schon, aber wir hatten bisher einfach so wenig Zeit für einander und nun, da es so gut zwischen uns läuft, da würde ich am liebsten länger zusammen mit dir liegen bleiben“, meinte er ehrlich, belud seinen Silberlöffel mit cremigen Schokoladenkuchen und fütterte seine Prinzessin verspielt damit. Sie nahm einen herzhaften Bissen und fütterte im Gegenzug ihren unwiderstehlichen Helden.

            „Es tut mir leid, dass wir nicht eher...“

„... dass wir uns nicht eher so nah waren?“ Zelda nickte und ließ ihren Kopf fast trübsinnig hängen.

„Wir hätten schon sehr lange zusammensein können.“ Link stellte das leere Tellerchen auf das neben ihnen befindliche Tischchen und rückte ein wenig näher zu Zelda heran.

„Glaubst du, das hätte nur irgendetwas geändert?“, sagte er und hob sachte ihr Kinn nach oben, damit sie ihn ansah. „Wir waren uns nah, zu jenem Zeitpunkt, als du dich nicht erinnern konntest“, ergänzte er.

„Hätten wir es vielleicht einfacher gehabt, wenn ich mich niemals erinnert hätte.“ Sie suchte nach der Zuneigung in seinen tiefblauen Augen und fand diese unbeschreiblich stark vor.

„Vielleicht. Aber das spielt keine Rolle mehr. Das war Vergangenheit...“, schloss er ab und ließ die Beine von dem Sofa baumeln.

            Er wollte gerade seine Stiefel anziehen, um sich endlich in den Badesaal zu begeben, als sich Zelda aber sehnsüchtig an seinen Rücken lehnte und ihre sanften Hände sich auf seiner starken Brust wiederfanden. Sie begann mit dem Kragen seines Hemdes zu spielen, bis ihre Fingerspitzen einfühlsam auf seiner bloßen Haut entlang wanderten.

Link hatte schon einige Male das Gefühl, sein Herz würde sich in Zeldas Gegenwart verselbstständigen, aber nun schien es beinahe aus seiner Brust herauszutreten. Dodom... dodom...

Verträumt legte Zelda ihren Kopf an seine Schulter und murmelte: „Hältst du mich noch ein bisschen?“ Und plötzlich war der Badesaal aus seinem Kopf verschwunden. Der Stiefel in seiner einen Hand purzelte geräuschvoll zu Boden. Grinsend warf der junge Held seinen Kopf zurück, sodass er die liebliche Prinzessin mit ihrem glänzenden Bademantel wie ein Kind auf einer Decke hocken sah. Er krabbelte über das Sofa zu seinem Engel heran und zog sie an sich.

„Ist dir das recht so?“, meinte er leise und vergrub sehnsüchtig sein Gesicht in ihrem duftenden Haar. Seine Frage blieb ohne Antwort, gewiss, denn es war nicht wichtig. Langsam schloss Link seine Augen und verharrte in jenem Moment, genoss die unbeschreibliche Wärme, die von Zelda ausging. Doch seine Prinzessin entzog sich ihm wieder, auch wenn sie sich nicht aus seinen Armen lösen konnte. Sie blickte mit ihren himmelblauen Augen in seine und wanderte mit ihrem rechten Zeigefinger zärtlich über sein Gesicht, bis hin zu seinen Lippen.

„Erzählst du mir deinen Traum?“, flüsterte sie.

            „Gerne...“, entgegnete Link leise und hielt Zelda erneut fest in seinen Armen, nicht bereit sie jetzt gehen zu lassen. Stillschweigend hockten sie einige Minuten auf den weichen, dicken Decken, Arm in Arm, fest aneinander gedrückt.

„Es war eines Morgens, als ich mit der Erinnerung an jenen Traum aufwachte, aber ich vergas den Traum wieder, vielleicht weil ich zu jung war, um nur irgendetwas davon zu begreifen oder weil ich es einfach nicht verstehen wollte.“

„Du meintest, du warst dreizehn Jahre alt?“

„Ja, und in dem Alter sehen Jungs Mädchen wohl mehr als kleine, böse Teufelchen. Vielleicht habe ich deswegen den Traum wieder vergessen...“

„Und wann ist er dir wieder eingefallen?“ Link löste sich ein wenig aus der innigen Umarmung und blickte Zelda leicht trübsinnig an. Seine linke Hand wanderte über ihren Bademantel bis zu der klaffenden Wunde, die sich Zelda vor wenigen Tagen zugezogen hatte.

Sie seufzte überrascht auf und spürte wohl einen hinterhältigen Schmerz unter ihrer Brust, welcher aber nicht von Links leichter Berührung hervorgerufen wurde. Schmerz und Gefühle der Angst lagen versteckt in den tiefblauen Augen, in welchen Zelda so gerne versank. Sachte legte sie ihren Kopf wieder auf seine rechte Schulter und drückte sich suchend nach Schutz und Wärme an ihn.

„Ich verstehe...“, sagte sie leise.

            Gefühlvoll, mit einem Hauch Besorgnis, sprach Link: „Ich hätte mich nie erinnert, wenn...“ Er sprach nicht weiter und drückte Zeldas warmen Körper noch weiter an sich. Überrascht sah Zelda auf, fühlte sich zunehmend eingeengt, auch wenn sie wusste, dass seine fürsorgliche Umarmung nicht dieses Gefühl im Sinn hatten. Link war überaus feinfühlig, das wusste sie. Dieser Moment war wohl eher ein Ausdruck der Angst, die er immer wieder wegen ihr ertragen hatte.

Zur Beruhigung streichelte Zelda seinen Hals und dann seinen Nacken. „Link... es geht mir doch gut...“

„Ich weiß und trotzdem...“, fing er an. „Vor wenigen Tagen dachte ich...“ Er wurde nervös, das merkte sie ihm irgendwie an. Es mussten seine Gefühle sein, die er schon damals viel zu selten mit einfachen Worten sagen konnte.

            „Pst!“, hieß sie aufgeregt und legte einige Fingerspitzen auf seine Lippen. „Denk’ nicht daran, nicht jetzt, Link. Nicht hier...“

„Es lag nur an unserem Traum, Zelda. Ich erinnerte mich an ihn, nur da dieses schreckliche Ereingis geschehen ist.“

„Unser Traum?“, meinte sie fragend und sah ihn tiefgründig an.

„Ich war mir sicher, dass du diesen Traum auch irgendwann einmal haben würdest oder vielleicht schon hattest.“ Zelda stemmte sich mit ihren Armen auf das Sofa und sagte neugierig: „Kannst du endlich mal aufhören um den heißen Brei zureden? Du mogelst dich die ganze Zeit um die Details herum, Link.“

Ein tolles Grinsen spielte um seine Mundwinkel. „Du hast mich erwischt. Ich habe mich tatsächlich drum herum gemogelt.“

„Ich kenne dich eben zu gut.“

„Sei dir da mal nicht zu sicher. Auch ich habe meine Geheimnisse.“ Zelda grinste nun auch und ließ sich zufrieden auf der Schlafgelegenheit niedersinken. Sie blickte verliebt zu ihrem Helden, der sich verführerisch über sie beugte.

„Dir ist aber schon klar, dass jetzt, da wir zusammen sind, ich auch deine letzten Geheimnisse herausfinden werde.“

„Das ist wohl das Risiko“, sagte er. „Aber ich bin gerne ein wenig risikofreudig. Vor allem, wenn es um dich geht.“ Zelda erwiderte nichts, sondern strahlte ihn über beide Ohren überglücklich an, lud ihn mit einem Zwinkern ein, sich zu holen, was er haben wollte. Denn so deutlich konnte sie Sehnsucht, gemischt mit Drängen nach Leidenschaft in seinem Blick erkennen.

Sanft begann er seine Prinzessin zu küssen, auf ihren weichen Lippen, an ihrem Hals und schließlich voller Begierde an ihrer Schulter.

            „Ich hätte niemals gedacht, dass du so zärtlich bist, mein Held“, seufzte sie, zugegeben ein wenig außer Puste. 

„Warum denn nicht?“ Link krallte sich die Decke, kuschelte sich an Zelda heran und wickelte sie fürsorglich damit ein. 

„Ich nehme an, das gehört zu deinen Geheimnissen, die du niemals preisgeben wolltest.“

„Oh... dann habe ich bestimmt noch ein paar Überraschungen für dich auf Lager.“ Zeldas Kichern wurde immer lauter, besonders, da zusätzlich Links Haarsträhnen an ihrer Schulter kitzelten.

            „Wie deinen Traum?“

„Genau, wie meinen Traum...“

Zelda rollte sich ein wenig zu ihm und fuhr verspielt mit ihrer rechten Hand über seine Brust, dann sogar unter seinem blassblauen Hemd entlang, bis hin zu seinem extrem pulsierenden Herzen.

„Erzählst du ihn mir jetzt endlich.“

„Ich kann’s ja mal versuchen. Aber wenn ich plötzlich zu husten anfange, knallrot im Gesicht werde und sich jede Faser meines Körpers verräterisch anspannt, dann sei mir bitte nicht böse, wenn ich nicht weiterreden kann.“

„So schlimm war dein Traum?“

„Nein, so... wunderbar, himmlisch und befriedigend.“ Zelda musterte ihn nachdenklich.

„Nun erzähl’ schon, sonst muss ich dich dazuzwingen, mit der Sprache rauszurutschen. Und glaub’ mir, ich habe meine Methoden.“ Sie grinste und hauchte ihren heißen Atem an seine Wange, wissend, in welche Stimmung in dies bringen könnte.

            „Also: Kurz und schmerzlos: Wir haben uns einfach... geliebt“, sagte Link abschließend und wartete auf eine Reaktion von Zelda, die jedoch nicht kam. Nachdenklich lag sie neben ihm, starrte ins Nichts, aber hatte keine Verlegenheit oder Scham in ihren Augen, nein, es schien, als würde sie es einfach hinnehmen. Es war ja nichts Schreckliches, dachte sie. Ganz im Gegenteil, und es war nichts, wofür sich Link schämen brauchte. Sie hatte nicht davon geträumt, das war vielleicht im Augenblick das, was sie beschäftigte. Möglicherweise war sie ein wenig neidisch, dass Link diesen Traum wohl offensichtlich genossen hatte und sie nicht wusste, was überhaupt diese Form der Liebe mit sich brachte.

            Sie erinnerte sich. Manchmal hatte sie heimlich Bücher in der Schlossbibliothek gelesen, die sich um das Thema Liebe rankten, egal ob körperliche oder sogar seelische Vereinigungen. Sie war ein pubertierendes Mädchen gewesen, das solche Lektüre verschlungen hatte. Vielleicht war die keusche Erziehung daran Schuld, das ständige Unter- Verschluss- Halten derartiger Bedürfnisse, die Verpöntheit, überhaupt an derartige intime Dinge zu denken, die sie dazu brachten des nachts Bücher über die Liebe zu lesen, sich über alles Wissenswerte zu informieren, erst Recht, da sie mit Shieks Erinnerungen gesegnet war und Shiek eine alles andere als standesgemäße Erziehung genossen hatte- nämlich gar keine.

„Hey, woran denkst du?“

„Ich habe einfach keine Ahnung davon“, sagte sie leise.

„Du meinst von Liebe und Leidenschaft?“

„Ja...“ Link richtete sich auf und gab ihren einen langen Kuss auf ihre Stirn.

„Das macht doch nichts, mein Engel. Du bist noch lange nicht bereit für so was“, sagte er sicher. Er fühlte es einfach, wusste um Zeldas Unerfahrenheit und leichte Scheue, wenn es um dieses Thema ging.

Er umarmte sie erneut innig, nicht bereit sie irgendwohin gehen zu lassen. „Weißt du, wenn alles vorbei ist, dann machen wir uns einen richtig schönen Abend, mit allem Drum und Dran...“

Zelda lächelte beruhigend und entschlossen. „Du hast Recht, dann, wenn alles ausgestanden ist.“ Sie schmunzelte kurz und blickte in den vor Mut protzenden Blick ihres Helden.

„Irgendwie bin ich jetzt, nach allem, was wir die letzten zwei Wochen erlebt haben, viel zuversichtlicher. Irgendwie weiß ich jetzt, dass alles gut gehen wird.“

„Ja, ich auch, besonders, da du keine Alpträume mehr hast, Zeldaschatz.“ Sie zwickte ihn spielerisch als Strafe für jene Bezeichnung ihrer Persönlichkeit in die Haut seiner Brust.

            Ein Anfang für ein wenig mehr Hoffnung, ein wenig mehr Mut in zwei auserwählten Herzen, die zwei alte Welten retten mussten. Ein Anfang für mehr und mehr Zuversicht, die Mission und den letzten Kampf heil zu überstehen.

            „Genau... wir schaffen das“, murmelte Link und streichelte Zelda liebkosend über ihre Wangen.

„Ja, wir schaffen das“, stimmte sie zu. Seufzend schmiegte sie sich an ihn und gähnte leicht.

„Bist du immer noch müde?“ Ein wenig scheu wand sie ihren Kopf in Richtung Wand und fühlte seit vielen Stunden ihre Wunde wieder schlitzen. Aber sie wollte Link damit einfach nicht belasten und daher schwieg sie. Sie antwortete auch nicht auf seine Frage, die sie nicht einmal richtig vernommen hatte. Sie war in ihren Gedanken, einem Ort weit weg, den Link nur gelegentlich finden konnte.

Träge schlossen sich ihre Augenlider und nur um ihren Helden weitere Sorgen zu ersparen, tat sie so, als ob alles in Ordnung wäre und sie lediglich eingeschlafen war. Verfolgt von einem närrischen Beißen unter ihrer rechten Brust schauspielerte Zelda erneut und reagierte nicht weiter auf die wohltuenden Berührungen von Link oder darauf, dass er die dicke, pelzige Decke bis zu ihrem Kinn zog.

Sachte beugte er sich über sie, hauchte einen treuen Kuss auf ihre Lippen und murmelte hingebungsvoll: „Ich liebe dich, Zelda.“

Damit verließ er leise den Raum und schloss die schmale Tür.

            Eine Träne tropfte von Zeldas Augenwinkeln, denn noch nie hatte jemand diese drei Worte zu ihr gesagt. Ein Glücksgefühl in ihrem Inneren begann zu erwachen. Ein himmlisches Gefühl wie das Wandern auf weichen Wolken.

Sie wischte sich einige salzige Tränen von den Wangen, aber es half nichts. Diese Worte... so einprägsam, so wunderbar. Sie lachte leise auf und stemmte ihren Körper auf die Arme. Verflucht, sie bekam ihre Tränen einfach nicht weg. Pausenlos tropften kleine Wassertropfen wie Sturzbäche ihre schwachrosa Wangen hinab. Aber es waren alles andere als Tränen der Verzweiflung. Es waren Freudentränen, erfüllt mit ehrlichem Lachen.

Sie drehte sich um und fuhr mit ihren Handballen über den warmen Bereich des Schlafsofa, wo Link noch wenige Sekunden vorher lag. Sie fühlte seine Wärme noch, spürte seine Aura noch hier, direkt in ihrer Nähe.

„Danke, mein Held...“, flüsterte sie und zog ein weiches, großes Kissen zu sich heran, umarmte es wie ein Kuscheltier und fand doch wenige Augenblicke ihren Schlaf.

 

Link lief derweil in dem großen, labyrinthischen Haus umher, durchquerte zufrieden und zu allem Überfluss schon wieder mit Zelda in seinen Gedanken verschiedene Verbindungstüren zu allerlei komischen kleinen Räumen. Ein Ballsaal, wo er sich sofort eine Dusche gönnte, einige leere in die Länge gezogene Kämmerchen, sogar eine gigantische Bibliothek. Langweilig würde es ihnen bestimmt nicht werden, dachte Link, wenn sie schon einige Tage, vielleicht auch Wochen hier bleiben würden. Aufmerksam durchkämmte Link die riesigen Bücherregale, stieg neugierig auf eine Leiter und klapperte die Buchtitel auf den Rückschlägen ab. Wundersame Schriftzeichen hier und da. Allerlei merkwürdige, geheimnisvolle Titel überall. Nach einer Weile hüpfte der junge Held von der Leiter und ging aus dem verstaubten Büchergefängnis hinaus. Eine kleine Wendeltreppe zog seine Aufmerksamkeit auf sich und langsam tapste er hinab, schlich sich durch zunehmende Dunkelheit. Schon wieder huschte Zelda durch sein verliebtes Gemüt und er schüttelte kurzum seinen Kopf, sich fragend, ob das noch normal war. Zum Teufel, er konnte nicht länger als eine Minute ohne sie sein. Ständig dachte er an ihr süßes Lächeln. Andauernd erinnerte er sich an ihren Geruch, wollte ihre Nähe, ihre Wärme. Er wühlte aufgebracht in seinen Haaren herum und konnte nicht verstehen, dass dieser herrlich verliebte Zustand ganz natürlich für ihn war. Es war keine einfache Liebe, die sie beide hatten, keine jugendliche Schwärmerei, nein, Link wusste, dass dieses Band zwischen ihnen schon ewig bestand...

            Der junge Kämpfer gelangte in einen kleinen runden Raum. Nur eine feingeschliffene Glaskugel mit goldenem Rauch stand in der Mitte auf einem schwarzen Podest. Ansonsten befand sich nichts in diesem Raum. Nur einige hohe Standkerzen umzirkelten das Podest und verliehen Geheimnisse diesem seltsamen Ort am Rande des normalen Lebens. Gespannt lief Link darauf zu und blinzelte zu den kahlen, harten Backsteinwänden. Kein Fenster. Kein anderes Mobiliar. Was zum Teufel taten Götter eigentlich den ganzen Tag und warum lebten sie, wenn man ihre Existenz überhaupt Leben nennen konnte, so spartanisch? Und was war mit den alten Gnomen? Wo waren die eigentlich abgeblieben?

Links Hände legten sich fast von selbst auf das Podest aus Ebenholz und neugierig lugten seine blauen Augen in den zierlichen, goldenen Rauch in der Kugel. Und tatsächlich, etwas geschah. Der Rauch verging, wie zerlaufende Farbe auf Papier, das eben diese Farbe nicht annahm. Kurze Bilder, die aber wieder verschwanden und erneut auftauchten. Der Prozess war jedoch viel zu schnell, sodass Link sie nicht erst wahrnehmen konnte.

            Plötzlich spürte er einen Luftzug in seinem Rückrat, eine sanfte Brise, die ihn wissen ließ, dass jemand sich ihm annäherte. Aber nichts bedrohliches, das wusste er, also entschied er sich dafür, das Unbekannte als unbekannt zu belassen. Weiterhin starrte der junge Held in die Kugel und ließ sich von dem Wesen im eigentümlichen Raum nicht beeindrucken. Als er dann aber wieder aufsah und ein sehr, sehr erstaunliches Geschöpf vor sich sah, quiekte der junge Held einmal laut auf, stolperte rückwärts und klatschte auf seinen Hosenboden. Er zeigte mit seiner rechten Hand fassungslos zu dem Wesen, welches durch den Raum schwebte und ein unbeeindrucktes Gesicht aufsetzte.

„Du bist... du bist. Zum Teufel… du bist ein Gespenst. Bei Farore!“ Und tatsächlich nickte das Etwas und verbeugte sich. Eine unecht gehobene, stolze Stimme sprach eine umständliche Begrüßungsformel.

„Sehr wohl, junger Edelmann. Lord Lorringtan, mein Name. Gestatten.“ Und das geisterhafte Etwas verbeugte sich und hob seinen auffälligen, mit Federn besteckten Zylinder von seinem Haupt. Tatsächlich handelte es sich um einen eher zwergenhaften Kerl, der bereits zu seinen Lebzeiten jene winzige Statur besaß. Er trug eine graue Strumpfhose und Schuhe mit extrem langen Kappen, einen viel zu großen Brustpanzer, der seiner ohnehin kleinen Statur einst unheimlich zugesetzt haben musste und ein flauschiges, in verschiedenen Abschnitte eingeteiltes Rockteil stach unter den metallenen Beschlägen der Rüstung hervor. Insgesamt wirkte der in die Jahre geratene Mann mit der eitlen Miene wie ein unreifer Clown oder Kasper, auch wenn er bereits graue Haare besaß, bevor er starb, die gelockt waren und dennoch zurechtgerückt an seinem schmalen, stolzen Kopf klebten. Besonders auffällig war ein unechter Leberfleck an seiner rechten Wange, die Link wissen ließ, dass dieser Clown gerne seine Herkunft als Adliger bezeugte und eine hässliche Warze auf seiner Nasenspitze stach ins Augenmerk.

            Link richtete sich auf und wischte sich über die weiße Hose, die er trug. „Na prima. Einen Geist gibt’s hier also auch noch.“ Link schüttelte den Kopf und musterte den hochnäsigen Kerl sehr genau.

„Nur so zur Info, gibt es denn noch mehrere von deiner Sorte?“ Der Geist formte seinen bemalten Mund zu einem in die Länge gezerrten Fischmaul.

„Von meinem Geschlecht gewiss nicht. Aber ja, es gibt weitere Gespenster in diesem wunderbaren Haus. Dazu noch einige Kobolde.“ Links Augenbrauen zogen sich verwirrt nach oben.

„Und dann noch die ruhelosen Poltergeister, natürlich die alten Gnomen, und einige Einhörner, die im Garten des Lebens wandeln.“ Link verzog sein Gesicht umständlich zu einem Grinsen.

„Und einige Feengeschöpfe, die manchmal zwischen den Wänden herumschweben, um zu lauschen. Und die Zentauren, die ich ganz und gar vergessen habe.“

Link schüttelte abtuend seine Hände. „Äh, ich glaube, ich habe genug gehört.“

„Übringens. Junger Edelmann. Eine hübsche Blüte habt Ihr in eurem Besitz.“, schmachtete der alte Geist und klatschte unreif in die Hände. Sein einsetzendes Gelächter klang wie ein ulkiges Gockeln eines Hahns, der soeben seinen Hahnenkamm verloren hatte.

„Wie meinst du das denn?“

„Hübsch... hoho...“, quakte der Geist. Link sah den Typen durchdringend an und wurde das Gefühl nicht los, dass dieser witzige Alte, mehr sehen wollte, als er durfte. Das Gesicht des grauen Gespenstes nahm eine rötere Farbe an und seine eifernden, kasperartigen Augen lugten an die Decke.

            „So wunderschön ist sie, das Mädchen mit dem langen, honigblonden Haar in dem Badesaal, wo sie badete. Noch nie in jenem Lande sah ich ein Geschöpf von ihrer Schönheit, so edel und anmutig wie sie badete. Wie eine Göttin.“ Die Rasche, Eifersucht und Wut übermannte Link. Zornig rannte er auf den Geist zu und wedelte mit seinen Fäusten in dessen Gesicht. Doch der zum Spannen neigende Alte lachte nur kollernd.

„Du mieser Spanner. Wehe du machst das noch einmal!“, fauchte Link. 

            „Nicht doch. Nicht doch. In meinem alten Zuhause war es eine wunderbare Tugend, wenn ein Mädchen badete.“ Link war am Ende seiner Geduld.

„Ich bring’ dich um, du mieser Geist!“, brüllte er und trat nach ihm. Die schürende Wut, dass jemand seine Zelda ohne entsprechende Erlaubnis einfach beim Baden beobachtet hatte, machte ihn unverbesserlich närrisch und unfähig, daran zu denken, dass er einen Geist schon lange nicht mehr töten konnte. Wie wildgeworden hetzte Link hinter dem Spanner und Lustmolch Lorringtan her, bis dieser durch die kalten Backsteinmauern verschwand. Voller Wut schlug und trampelte Link an die Wand und konnte nicht glauben, dass ein solcher verdammter Geist ,seine Zelda’, ja genau, ,SEINE ZELDA’, einfach so beobachtet hatte. Beim Baden. Diese Worte ließen ihn noch mehr zwanghafte, überschäumende Wut in den jugendlichen Kopf steigen. Bei Farore, beim Baden! Er selbst hatte sie beim Baden nur einmal in den Mooren gesehen und dann genoss so ein mieser, schleimiger, adliger Voyeur den Anblick, während Zelda sich wusch.

„Dieser verdammt Lorringtan... wenn ich den erwische!“, brummte Link eifersüchtig. Kopfschüttelnd blickte der junge Held wieder in die Kugel, während immer noch Schimpfwörter aus seinem Mund sprudelten.

            Erneut gaben sich goldenschimmernde Bilder preis, die auch wieder schnell verschwanden. Aber die Abstände schienen länger zu werden. Ausgestattet mit einem hohen Maß an Geduld wartete Link darauf, dass etwas geschah. Seine spitze Nase rutschte immer näher an das blanke Glas, bis er genau erkennen konnte, was sich darin spiegelte. Link konnte eine alte Holzwiege erkennen und viele bunte Spielsachen in einem Raum mit langen olivgrünen Vorhängen. Plötzlich vernahm Link lautes Babygeschrei in dem kleinen Räumchen und irgendwer öffnete hastig eine schmale hohe Eichentür, die beinahe versteckt zwischen zwei Vorhängen lag. Link konnte nicht erkennen, wer da in den Raum trat, aber fasziniert belauschte er das Geschehen.

            „Nicht doch, mein kleiner Harkenia... Wer wird denn schon wieder weinen...“, sagte eine verschwommene Stimme. Aber Link erkannte, dass es eine Frauenstimme war. Die Gestalt, noch immer verschwommen, noch immer silbrig und golden scheinend, beugte sich über die Wiege und nahm ein kleines Bündel umwickelt mit blassblauen Tüchern aus dem Bettchen. Das Kindergeschrei verstummte, als die Person das Baby in den Armen wiegte und sich damit an eines der vielen Spitzbogenfenster setzte.

„Schlaf, mein Kind...“, sang die Person warmherzig.

In dem Moment nahmen die goldenen Schwaden in der Kugel wieder zu und verdichteten sich. Das kleine, faszinierende Bild eines idyllischen Heimes verschwand in den goldenen Nebeln. Link wich zurück, konzentrierte sich angestrengt darauf, aber der goldene Rauch ließ keine weitere Sicht mehr zu. Schulterzuckend ging Link aus dem Raum und vergas das merkwürdige Ereignis wieder.

 

Lange stand die Zeit still, nichtexistenzielle Stunden verstrichen, hoch über den Wolken.

Im Hause der Götter, so gebieterisch und mächtig jene Schöpfenden auch waren, so bedeutungsvoll ihre erste erweckende Handlung der Kreation Hyrules... so dunkel waren ihre Schatten und damit Hyrules finstere Seiten. Niemand sah die Großen Drei in ihrem verwinkelten, mystischen Hause wandeln. Niemand sah sie, denn ihre Schritte waren geräuschlos, ihr magischer Atem unlebendig, ihre Gestalten ohne echtes Blut... und doch waren viele Wesen in jenem Ort der Zuflucht zuhause, die Familien besaßen, die die Vorzüge des Geistes zu schätzen wussten, die zu alten Klängen tanzten.

            Und auch im Augenblick schallten Klänge in dem magischen Hause umher, gespielt von zwei einfühlsamen Kämpferhänden, so vollkommen in der Minute.

Der Held der Zeit spielte sie, erschuf dumpfe Töne mit seiner Okarina, die die Geschöpfe besänftigten und in ihren Schlaf brachten.

So wanderte Zeldas Wiegelied auf der Okarina der Zeit geheimnisvoll durch die Gänge, wurde lauter, wenn man sich dem warmen Gästegemach der beiden Hylianer näherte.

            Mit einer molligen Decke kuschelten die beiden Hylianer vor dem riesigen, violettsprühenden Kamin. Unentwegt über Links wohlgeformte Brust und seinen durchtrainierten Bauch streichelnd genoss die Prinzessin die sanften Flötentöne, hatte ihren Helden dieses Lied noch nie so wunderbar spielen hören und verfiel beinahe dem Schlaf, umwölbt von der Wärme des Feuers, der aufrichtigen Liebe ihres Helden und dem Schlaflied aus vergangenen Zeiten.

Sein Herzschlag, denn sie hatte ein spitzes Ohr direkt auf seine nackte Brust gelegt, gab beruhigend den Rhythmus für das Wiegenlied vor... Sie gähnte laut und schaute neugierig zu Link nach oben, wollte sich nicht aus seinen Armen lösen, aber sein konzentrierter Gesichtsausdruck mit den geschlossenen Augen war äußerst interessant.

Nur eine kleine Bewegung von Zelda genügte und Link stoppte die magischen Klänge und lächelte ihr sanft, mit ein wenig scheuem Rot unter den Augen entgegen.

„Du bist noch wach?“, murmelte er und legte die blauschimmernde Okarina beiseite.

„Ich habe dir die ganze Zeit zugehört...“, meinte sie und fühlte sich plötzlich auch wieder ein wenig aufgeregt. Sie wand ihren Blick ab und spürte das Rot wie angemalte, trocknende Farbe auf der Haut ihrer Wangen.

            „Du bist nervös, Zelda“, sagte er.

„Unsinn, du bist nervös“, entgegnete sie, schaffte es aber aus unerklärlichen Gründen nicht, ihm in die tiefblauen Augen zu sehen.

„Scherzkeks“, meinte er trotzig. „Ich spüre doch, dass du nervös bist.“

„Und ich spüre, dass du nervös bist“, meinte sie prompt.

Link jaulte beinahe auf: „Und warum bist du nun nervös?“

„Weil du nervös bist...“, sagte sie trocken. Link schüttelte bloß mit dem Kopf, weil dieses nervtötende Gespräch mal wieder überhaupt keinen Sinn ergab.

„Schön.“

„Schön“, wiederholte sie und begann unverschämt zu grinsen. „Das erklärt aber noch nicht, warum du angefangen hast, nervös zu sein.“

            In dem Moment wanderten Links Hände unter die Decke zu den Handgelenken seiner Prinzessin. Er umfasste diese mit einem kleinen Ruck und zog Zelda somit näher zu sich, sodass sie sich mit ihm auf selber Höhe befand.

„Okay.“ Sein unwiderstehlicher Blick in Zeldas Augen hatte wieder Wirkungen, die von ihm selber nicht beabsichtigt wurden. „Ich weiß im Moment einfach nicht...“, und er begann sich mal wieder zu verhaspeln. „... ich weiß nicht, was...“ Seine Augen verleierten sich. „... was du, von mir erwartest.“ Zeldas Augenbrauen verzogen sich irritiert.

„Was sollte ich von dir erwarten?“, sagte sie matt.

Er schloss seine Augen langsam und entgegnete ruhig. „Gebe ich dir genug?“, meinte er leise. „Ist das, was wir im Moment haben... genug für dich?“

            Zelda zwinkerte ein paar Mal, rutschte mit ihrem Gesicht ein wenig näher und untersuchte die verborgenen Sorgen in seinen Augen. „Wie viel willst du mir denn noch schenken?“, erinnerte sie ihn. „Du hast mir mehr gegeben als Hunderte Könige ihrem Volk geben könnten... ich erwarte überhaupt nichts von dir...“

„Aber...“ Doch Link spürte mit ein wenig Druck einen schmalen, zarten Zeigefinger auf seinen Lippen.

„Pst...“, flüsterte seine schöne Prinzessin. „Kein Aber.“

Sie lächelte so bezaubernd, dass es dem Heroen Link schon beinahe weh tat... wie lieblich sie das konnte. Dann aber wandelte sich ihr Lächeln in ein fuchsiges Grinsen und sie warf sich Link zügellos in die Arme, sodass er hintenüber fiel. Lachend lagen sie beide auf dem glatten Boden vor dem Kamin und fühlten sich vielleicht noch nervöser als vorhin.

„Küss’ mich“, reizte sie ihn. Link umfasste lachend ihre Handgelenke, sodass sie sich nicht rühren konnte.

„Und was, wenn nicht?“

„Dann küss’ ich dich eben“, schmunzelte sie. Link rollte sich mit ihr ein Stückchen über den Boden, sodass er auf ihr lag. Gerade als er seinen Mund auf ihren senken wollte, klopfte es hastig und mehrmals an der Tür.

            Beunruhigt schielte Link zu der Tür, und empfand eine leichte Sorge, dass seine ruhigen Augenblicke mit Zelda schon wieder zuende sein würden. Sorge, man könnte sie beide loswerden wollen...

„Wer mag das sein?“, meinte Zelda, deren seidiges Haar über dem Boden verteilt war.

Link zuckte mit den Schultern, hüpfte auf die Beine und lief langsam zur in die Länge gezogenen, schmalen Tür mit den vielen besetzten, gelblichen Edelsteinen. 

„Wir werden es gleich wissen.“ Damit umfasste Link vorbereitet auf alles den Türgriff und riss die Tür zu sich heran. Zuerst sah er niemanden und trat über die holprige Türschwelle. Aber ein Piepsen neben der Tür sagte ihm, dass tatsächlich jemand dort wartete.

            Im flackernden, warmen Feuerlicht, welches seinen Schein in die Gänge schickte, trat ein kleiner Gnom hervor. Zwei große silbrige Augen gafften zurückhaltend aus einem Gesicht mit junger, glatter Haut hervor. Ein kleines zerschlissenes Streifenhemdchen hing schief an seinem rundlichen Körper und gekräuseltes, graues Haar stand widerspenstig in die Höhe. Aber das, was Link irgendwie wunderte und den kleinen Gnomen sympathisch machte, waren dicke, dunkelblaue Kullern, die an seinen Augenwinkeln hinabperlten. Waren dies die Tränen eines magischen Wesens? Trauerte der kleine ängstliche Gnom?

            „Hey, was ist denn passiert?“, meinte Link mit einem leisen, sympathieerweckenden Lächeln und sank auf seine Knie. Doch der kleine Kerl schrak furchtvoll nach hinten, während die dicken, blauen Tränenperlen sich beinahe wie Feuer in dem Boden einbrannten.

            Auch die liebliche Prinzessin trat nun näher und kniff sanft die Haut an Links Schulter, der darauf lächelnd zu ihr blickte.

Sie wand sich still und sachte näher, verzauberte das kleine Wesen ein wenig mit ihrem natürlichen Zauber.

„Ruhig...“, sagte sie und führte ihre rechte Hand ganz langsam zu den ineinander umschlungenen, langfingrigen Händen des Gnomenwichts.

Sanfte Stimmlage wählend sprach sie weiter und funkelte mit ihren kristallblauen Augen in die riesigen hellen Augen. „... fürchte dich nicht vor uns.“

Gerade als Zelda die Hände des Wesens betasten wollte, kreischte es plötzlich ein lautes Schimpfwort in Gnomensprache und rückte fort. Aus irgendwelchen Gründen hasste das kleine Wesen die Hylianer beinahe... Umsonst hatte es nicht ein dreckiges Schimpfwort gewählt.

„Aber Milady und Milord sind Hylianer. Und Hylianer waren böse zu den Gnomen, schon immer waren sie böse.“

Zeldas Augen wurden trübsinniger. „Ich verstehe nicht.“

            Der kleine Kerl schniefte laut und erneut kullerten riesige, blaue Perlen über seine Wangen. „Mamala und Papala erzählen immer von dem großen Ritter Oredun, dem Verächtlichen.“

„Dem großen Ritter Oredun?“, hakte die Prinzessin nach, worauf der Gnom bloß schnäuzend nickte. Auch wenn sich die erhabene Prinzessin des mächtigen Hyrules in der alten Literatur sehr gut auskannte. Von einem hylianischen Ritter mit dem Namen Oredun hatte sie noch nie gelesen oder gehört. Und Zelda hatte ein langwieriges Studium der verschiedensten Ereignisse der Vorzeit hinter sich. Seit sie lesen und schreiben gelernt hatte, schärften Lehrer und der ulkige Minister ihren Verstand mit der ungewöhnlichsten Lektüre überhaupt. Den Göttinnen sei Dank war dieser Unterricht endgültig vorbei.

            „Haben Milord und Milady deswegen unseren Noftrem versteckt?“, winselte der Gnom.

„Noftrem?“, meinte Link verdutzt.

„Mein kleiner Bruderla. Gebt ihn wieder her. Gebt mein Bruderla wieder her“, setzte er keifend hinzu und wich weiter zurück in die Dunkelheit des Ganges.

„Böse Hylianer. Verschwindet! Ihr habt Noftrem versteckt.“, fauchte er piepsig und rannte wie als ob mordlüsterne Dämonen der Vorzeit hinter ihm her waren in die Dunkelheit des Gangs.

            Ein ernster Blick Links streifte die Augen seiner anmutigen Prinzessin, die nur langsam über ihre roten Lippen gleiten ließ: „Ich glaube, wir haben etwas in Ordnung zu bringen...“

            Was immer auch dahinter steckte, Prinzessin Zelda wurde den Gedanken daran, dass ein ganzes, kleines Volk die Hylianer verabscheute, sie womöglich sogar bis in die abgrundtiefste Hölle wünschte, nicht mehr los. Schon damals in Hyrule war dies eine wunderbare Eigenschaft Zeldas, die sie auszeichnete. Sie wünschte sich so oft nichts sehnlicher, als das alle Völker in Hyrule unter reiner, vernünftiger Harmonie zusammenlebten. Der Zeitkrieg war nur einer der vielen Schandflecke in Hyrules Geschichte, die jene einzigartige Prinzessin am liebsten ganz und gar ausgelöscht hätte.

Sie würde herausfinden, was es mit diesem Hassgefühl der Gnomen auf sich hatte. Und sie würde alles in ihrer Macht Stehende tun, damit dieser sinnlose Hass sich legte.

            Mit geschlossenen Augen ließ sie sich von ihrem Helden in die Arme ziehen, fühlte sich geborgen, fühlte sich sicher.

„Wir sollten herausfinden, wo sich die Gnome aufhalten und dann vielleicht versuchen mit ihnen zu reden. Was meinst du?“, sagte er und ließ seine Lippen langsam über ihre Stirn wandern.

„Mmh... das ist ein guter Vorschlag für den Anfang. Was aber viel wichtiger ist... warum nimmt dieser kleine Kerl an, wir hätten seinen Bruder versteckt.“

Link schmunzelte. „Du meinst seinen kleinen Bruderla?“ Auch Zeldas Mund verzog sich zu einem Grinsen.

„Trollig was?“, sagte sie.

Link hievte Zelda daraufhin lachend in die Höhe, griff schamlos an ihre Hüfte um sie zu tragen. „Nicht so trollig wie du...“, meinte der Heroe und trug seine Zelda zurück in das kleine, gemütliche Gemach, damit sie sich beide ihre Kleidung überstreifen konnten, um länger das labyrinthische Haus auszukundschaften.

            Hand in Hand traten die beiden Verliebten aus ihrem Gästezimmer in den hallenden Flur. Vorbei an der gigantischen Bibliothek, vorbei an dem leergefegten Ballsaal mit den unzähligen, hohen Fenstern, führte sie das Schicksal auf seinen unergründlichen Wegen einmal mehr in den Raum mit der kristallenen Kugel, wo Link das im Glas gefangene goldene Rauchspiel bewundert hatte. Eine weitere, kleinere Tür hatte sich bisher dem Zugriff der beiden Hylianer entzogen. Eine rundliche, mausgraue Pforte, sehr unauffällig, versehen mit den verschiedensten Inschriften einer Sprache, die nicht einmal die wissende Königstochter Zelda beherrschte.

Sachte fuhr sie über die Inschriften und murmelte nebenbei: „Diese Zeichen sagen mir nur, dass diese Sprache vor ewigen Zeiten existiert haben musste und anscheinend vergessen wurde...“ Link kniete nieder und suchte nach einem Türengriff, der blöderweise nicht vorhanden schien. Neugierig versuchte er wenigstens unter den Türspalt zu linsen, um den Raum dahinter ansatzweise auszumachen.

„Ein Grund mehr, den Raum dahinter zu entdecken“, sagte Link und stemmte sich so gut es ging, gegen die kleine Tür. Aber nichts tat sich...

„Mist, wie geht diese verfluchte Tür bloß auf?“, fauchte er dann und verdrehte die Augen.

            Von sich selbst überzeugt auf der richtigen Spur zu sein, krallte er sich an einigen herausstechenden, metallenen Kuppen fest und versuchte die eigenartige Pforte zu sich heranzuziehen. Aber wieder tat sich nichts. Daraufhin trat der ungeduldige Heroe einmal kräftig dagegen und murrte etwas unverständliches vor sich hin.

„Nicht aufgeben, mein süßer Held.“, neckte die Prinzessin.

            Zusammen saßen sie nun da, während ihre zwei paar blaue Augen wie die von Kindern nachdenklich die zwergenhafte Pforte musterten, als wäre sie eine Art Trostpreis bei einem verlorenen hylianischen Glücksspiel...

            „Wir warten einfach so lange, bis jemand sie betritt“, sagte Link, fühlte sich einfallsreich und verschränkte übertrumpfend die Arme.

„Du bist lustig... andererseits haben wir ja sowieso die nächsten Tage nichts zu tun.“ Die Prinzessin stand gähnend auf und untersuchte mit ihren Handinnenflächen die zerklüfteten ziegelroten Backsteinwände, fühlte, schloss ihre Augen, um sich auf die Empfindung in ihren Händen zu konzentrieren. Sorgsam tapste sie geräuschlos weiter, übte Druck und sanfte Magie aus, die sie geschickt in das steinige Material senkte. Hohlräume. Ab und an. Wie Mäuselöcher in den Wänden...

„Was tust du?“, sagte Link und erstaunte angesichts ihres Talentes aus jeder Handlung ihres bezaubernden Wesens ein Geheimnis zu machen.

„Ich suche... nach...“, meinte sie unbewusst, schloss einmal mehr die Augen und wanderte mit ihren zarten Händen zwischen den geputzten Rillen der Steine entlang.

Der junge Held war so beeindruckt, dass er nicht weiter nachfragte und seine Prinzessin lediglich bei ihrer magischen Handlung beobachtete. Er wusste nicht, was sie suchte, wusste aber sehr wohl, dass Zelda die richtigen Entscheidungen treffen würde.

„... Suche nach... der Wahrheit...“, flüsterte Zelda melancholisch.

            Verzaubert beobachtete Link die Prinzessin des Schicksals weiterhin, war so tief beeindruckt von ihr wie noch nie. Wieder eine neue Seite ihres einzigartigen Wesens, so aufregend, so verhexend. Gerade das war es, was ihn möglicherweise so süchtig nach ihr gemacht hatte, die Tatsache, dass er Jahrhunderte bräuchte, um alles von ihr zu kennen, jeden einzelnen Charakterzug und jede ihrer Gaben erschlossen hatte. Sachte trat er an sie heran und streichelte ihre Schultern.

„Hast du etwas entdeckt?“, hauchte er gegen ihren honigblonden Hinterkopf.

„Diese Mauern sind nicht ganz leblos“, sagte sie zittrig, eine Spur aufgeregt, als sich Links Mund kribbelnd auf ihren Hals legte. „... sie werden uns... ähm... ich meine...“, flüsterte sie und vergas ihre Worte, als ihr Liebster sie verwöhnend weiterhin an ziellosen Hautpartien verwöhnte und seine Lippen in Richtung ihres Ohres wanderten.

Abrupt stoppte der junge Heroe die leidlose Berührung und wanderte mit seinen Händen auf ihren Bauch.

„Ja?“, hauchte Link wiederum. Sie wurde schlapp und weich und ließ sich in seine wohltuende Umarmung sinken.

„Diese Wände erzählen mir, die Pforte wird uns kein Eintreten ermöglichen.“

„Die Wände flüstern dir zu?“

„Mmh...“, sagte sie sanft.

„Ich möchte dir etwas sagen...“, entgegnete er. Zelda drehte sich und erhielt einen milden Blick aus den schönsten blauen Augen, denen die Prinzessin von er ersten Stunde an verfallen war.

„Was ist es?“

Und Link lächelte tiefgehend. „Du bist so einzigartig und deshalb lass’ ich dich nie mehr wieder weglaufen“, meinte er verzogen und senkte seine Lippen auf ihre, erkundete ihren Mund, rieb seine Zunge süß an ihrer.

            Als sich Zelda an ihn lehnte und ihre Augen schloss, wurde dem jungen Heroen erstmalig bewusst, dass er in seinem Leben endlich gefunden hatte, was er schon immer suchte. So lange hatte er auf diese Liebe gewartet, daran geglaubt, ihr zu begegnen, fest darauf vertraut, das Schicksal würde ihn irgendwann zu ihr führen, dem Mädchen in seinen Träumen. Er hatte gefunden, was er suchte, denn er hatte ihre Liebe gefunden.

            „Wir sollten in der Bibliothek nachschlagen um den Ritter Oredun in der Großen Geschichtsschreibung einzuordnen, vielleicht finden wir einen Hinweis, warum die Gnome das Volk der Hylianer so verabscheuen.“

Link wendete seine Augäpfel verräterisch in die Höhe und war nicht verlegen zu sagen: „Schade, dabei hätte ich gerade jetzt Lust auf etwas anderes... viel Besseres...“

„Oh... also...“, murmelte sie und spürte, wie ihre Wangen anliefen. „... später...“, meinte sie noch und löste sich fix aus seiner Umarmung. Link zuckte ratlos mit den Schultern und lief seiner anmutigen Prinzessin wie ein Schoßhündchen treu und brav hinterher.

 

Es dauerte nicht lange und die zwei Verliebten saßen mit zwei Kakaotassen in dem riesigen Büchergefängnis, wo alte Literatur, die nicht einmal in der Schlossbibliothek zu finden war, darauf wartete gelesen zu werden. Geschichten aus der Vorzeit Hyrules, wo es kein staatliches, übergreifendes System gab, welches Richtlinien erstellte, Romane aus Hyrules Märchenliteratur, wissenschaftliche Texte bezüglich der Anwendung Tausender Heilkräuter, Magische Riten, sogar Stammbäume...

            Link saß Seiten durchstöbernd bei flimmernden Licht einiger Öllampen an einem Eichenholztisch, während Zelda zwischen den Regalen hin und herhuschte und sich  wissenswerte Bücher krallte.

„Zeldaschatz?“, rief Link in die große Halle und wusste nicht, dass Zelda nur wenige Meter weiter hinter einem Regal stand und die Buchrücken anstarrte.

„Ja?“, meinte sie und lugte mit ihrem hübschen Kopf zwischen zerflederten Lederbänden, welche sie alle auf ihren Armen hatte, durch. Gemächlich lief sie näher und freute sich auf einen Zug aus der großen Kakaotasse.

„Hier, in der neunten Zählenden Zeit, ist das erste Mal ein hylianischer Ritter aus einem ausgestorbenen Geschlecht der Mereser mit Namen Oredun erwähnt“, sagte Link.

            Mit einem Plumps ließ Zelda die gesamten, verstaubten Bücher auf den großen Forschungstisch fallen und widmete sich der dampfenden Tasse mit dem süßen Kakao. Zufrieden machte sie es sich auf Links Schoß bequem und blickte überprüfend in das Buch vor ihrer Nase. 

„Das war, lange bevor unsere Zeitrechnung begann“, erklärte die blonde Hylianerin. „Denn wir lebten in der sogenannten Zeit des Wandels, weil Hyrule nach dem Krieg um die Vorherrschaft durch eine Periode von Veränderungen ging.“ Zeldas helle Stimme schallte ruhig und erhaben umher.

„Und diese neunten Zählende Zeit, was war der Sinn dahinter?“, meinte Link und blätterte vor Zeldas perfekter Nase eine vergilbte Buchseite um.

„Nach Katastrophen wie Dürreperioden, langen Kriegszeiten oder großen Umbrüchen wie gesellschaftlichen Veränderungen haben die Völker immer wieder neu angefangen die Zeit zu zählen und später, als der Fortschritt über die Welt fegte wie eine niemals endende Windböe, da fingen Gelehrte und Weise an, die Zeiten einzuteilen, um sich einen Überblick über das große Mysterium in Hyrules Geschichte zu schaffen. Es gab 117 Zählende Zeiten“, endete sie und trank genießend aus der großen, heißen Kakaotasse.

            „Hyrules Geschichte ist ganz schön umfassend, was?“

„Mmh...“, meinte sie und leckte sich den schokoladigen, süßen Kakao von der Oberlippe. Sie überflog schnell den Abschnitt mit besagtem Ritter der Mereser in der 9. Zählenden Zeit und dachte angestrengt nach. Hatte sie nicht irgendwelches Wissen in den tiefen Wurzeln ihres Gedächtnisses, welches ihnen helfen würde, viel schneller zu einer Lösung zu kommen? Sie stützte einige Finger an ihr kleines Kinn und grübelte verbissen. Aber sie fand einfach keine Zusammenhänge, keinen Anhaltspunkt.  

„Lass’ uns einfach Ausschau nach Texten halten, wo die 9. Zählende Zeit beschrieben wird.“, meinte der Heroe und drückte einen Kuss an Zeldas zu ihm gewandte, rosa Wange. „Und dann finden wir schon was.“ Sein Ehrgeiz sollte eine Auszeichnung erhalten, dachte die Prinzessin schmunzelnd.

„Gut, aber nur, wenn ich auf deinem Schoß sitzen bleiben darf“, meinte sie verspielt.

„Du solltest lieber aufpassen, dass du jemals wieder von meinem Schoß entkommen darfst“, entgegnete er spaßhaft und hatte vielleicht wieder das anstößige, ausgeklügelte Wort. Verliebt legte er seine Lippen an ihren Hals und murmelte mehrmals den gleichen Satz: „Du entkommst mir nicht“, worauf die Prinzessin nur kicherte.

            Alsdann suchten sie stundenlang nach Hinweisen über diesen merkwürdigen Ritter Oredun, dem Verächtlichen, wie die Gnome ihn nannten. Ein Glück, dass Link inzwischen fließend Hylianisch lesen konnte und wundersamer Weise keine Probleme hatte, wenn Goronisch, oder Zoraspracheninhalten in der Literatur verwachsen waren. Wundersam und vielleicht eine Spur beängstigend, denn je länger er in Hyrule die Luft atmete, das Wasser trank und dort lebte, umso mehr zerrte sein altes, vergessenes Ich an seiner Seele... 

            Sie blätterten gerade in einem alten Geschichtsbuch nach, als sie ein weiteres Mal den Ritter Oredun erwähnt fanden. Sogar eine Abbildung von jenem Hylianer aus der neunten Zählenden Zeit zierte das Pergament. Wildes, hüftlanges, kohlenähnliches Haar und ein sehr abstoßender, ignoranter Blick aus schwarzen Augen. Derbe Gesichtszüge und eine breite Narbe, die über das rechte Auge hinweg zur Stirn führte. Eine blutige Klinge hielt er stolz in die Höhe gerichtet und in der anderen Hand präsentierte er übertrieben einen abgeschlagenen Gnomenkopf.

Gemeinsam lasen die beiden sich den Abschnitt bezüglich Oredun durch und schienen mit jedem weiteren Wort entsetztere Gesichter aufzusetzen.

            Denn in dem Text hieß es etwa so: „Vor Hunderten Jahren existierte am Rande Hyrules abgeschieden, so unwissend über die schreckliche Zukunft ihrer selbst, eine kleine Welt, die eigens für sich lebte. Gnome waren es, die dort ihren Tätigkeiten und Freuden nachgingen. Kleine, verschrumpelte Gestalten mit Magie im Blute, Magie im Seelenreich. Bis zu einem Tage... denn an jenem Tage zerschlugen die Tapferen der Hylianer aus Folge einer irrsinnigen, dummen Überzeugung heraus, die kindliche Welt der alten Gnome, der magischen Geschöpfe, die doch nur ihren eigenen Frieden im Sinn hatten. Es hieß einst in der Rechtsprechung, Gnome hätten allein durch ihr Blut die Schuld zu verbüßen, die einer ihrer Vorfahren ihnen auferlegte. Die angebliche Schuld, ein Gnome hätte einem Jungen aus königlichen Geschlechte das Leben geraubt. Eine dumme Geschichte für Kinderohren, denn nichts davon erfuhr Wahrheit, nichts davon war jemals geschehen. Vielmehr hatte der junge Prinzensohn beim Spielen an einem Teich durch Unaufmerksamkeit das Leben verloren, nicht durch die Hand eines unwissenden Gnomen.

Ritter Oredun, der Verächtliche, führte in den damaligen Zeiten das Heer an, welches nur ein Ziel hatte, das große Königreich Hyrules von der Gnomenpest, wie man sie nannte, zu säubern. Ein großer Raubzug, eine Welle der Zerstörung ging über das kindliche, kleine Volk, welches nur den eigenen Frieden im Sinn hatte. Die, die überlebten, und es waren nur die Kinder der Kinder, wurden von daher als Sklaven in verschiedenen Haushalten gedemütigt, verspottet und geschunden. Viele Jahre vergingen, ehe gerade das Königsgeschlecht Hyrules diesem furchtbaren Treiben nicht mehr zusehen konnte. Und die Alten erzählten sich, es sei eine kindliche Prinzessin gewesen, die den Göttern Opfer brachte, die Götter anflehte und immer wieder bat, den Gnomen ein anderes Heim zu gewähren. Und so geschah es, dass an einem gewöhnlichen Tage alle Gnomen wie von Geisterhand getragen, wie eine Veränderung im Sein bezeugend, Hyrule verließen, und von da an, im Hause der Götter ihren Frieden wieder finden konnten.“

            Zelda wand sich traurig drein blickend zu Link und lehnte ihre Stirn gegen seine. Dieser Textabschnitt ließ genug der Grausamkeit vermuten, die in der neunten Zählenden Zeit die Völker in Angst versetzte.

„Was für eine schreckliche Vergangenheit Hyrule doch aufweist“, sagte sie und schloss die Augen. Link schlug das Buch zu und hielt seine Prinzessin fest in den starken Armen.

„Wir müssen etwas gegen diese sinnlose Angst tun, die die Gnome vor uns haben“, meinte Link. „Und diesen Ritter Oredun würde ich wohl gerne mal meine Meinung sagen“, setzte er hinzu.

„Ich ebenso“, sagte sie. „Wenn ein solcher Ritter in unserer Monarchie eine hohe Rangposition eingenommen hätte, hätte ich ihn eigenhändig aus Hyrule verbannt. Mit allen magischen Mitteln, die dazu nötig gewesen wären. Außerdem ist in seinen Augen, und das nur auf der Abbildung eine solche Mordlust geschrieben, dass man ihn mit Ketten irgendwo hätte einsperren sollen.“

„Das ist meine Zelda...“, meinte der Heroe und küsste sie träumerisch. „Immer auf das Wohl der Völker aus, immer bereit sich für ihr Land einzusetzen.“

            Sie begaben sich ruhig und die Lichter in der großen Bibliothek löschend mit ihren leeren Kakaotassen aus dem Raum hinaus, folgten grüblerisch dem Gang, überlegten, was jetzt zu tun war...

Konnten sie ein Hassgefühl löschen, welches schon viele Jahrhunderte in den Seelen der Gnome eingebrannt war? Wohl kaum...

Aber es kam eben auf einen Versuch an. Und die Freude einer Veränderungen von alten Einstellungen bezüglich Hass und Abscheu war jedem noch so kleinen Versuch überlegen.

            Auf dem Weg zurück in ihr Gemach blieb die junge Prinzessin plötzlich stehen, drückte ihren Liebsten sanft gegen die rissigen mit Portraits geschmückten Wände und begann ihn in gewisser Weise zu überrumpeln.

Da war so viel Liebe zwischen ihnen, dass sie keine Zeit verstreichen lassen konnten, dieser Liebe den Weg zu räumen. Überwältigt von tiefer Zuneigung küssten sie sich, erforschten unablässig den Körpers des anderen.

            Aber plötzlich vernahmen sie beide zänkische Geräusche von vielen piepsigen Stimmen. Dann aufgeregte Schritte von vielen krummen Füßen. Hastig verstecken sich die beiden Hylianer hinter einer großen, unauffälligen Säule in dem langen Flur und warteten auf die Winzlinge.

„Wo ist unser Noftrem nur? Bestimmt haben die verächtlichen Hylianergesichter ihn gestohlen“, sagte eine Stimme pfeifend, worauf viele andere dies scheu bejahten. „Noftrem. Wo ist unser Noftrem?“, wimmerte eine kleine Gnomenfrau und rieb ihre langen, krummen Finger an den großen, dunklen Augen. Ein heftiges Getuschel von vielen quietschenden Stimmen entbrannte in dem Gang, wobei das Gerede sich häufig darum drehte, wie die Gnome die Hylianer loswerden könnten.

            „Die müssen verbrannt werden, wie sie die Köpfe unserer Papalas und Mamalas verbrannten.“ Geschockt hörten die Spitzohren hinter der Marmorsäule zu. Zeldas Finger krallten sich heftig in die Hände ihres Helden.

„Denn Hylianer sind zu hasssüchtig um zu lieben“, muckte ein anderer. Aber nur weil man hasst, bedeutete das, dass man nicht lieben könnte? War Liebe nichts wert, wenn man jemanden hasste?

„Wenn man liebt, hasst man nicht“, sagte eine reine, kleine Stimme, gesprochen von einem jungen Gnomenmädchen mit langen, gewellten Haar, das bis zu Boden fiel.

            In dem Moment platzte in Link mehr als nur ein Geduldsfaden. Was sollte dieses verrückte Faseln über Hass und Liebe? Als ob Hylianer nicht in der Lage wären zu lieben! Hylianer hatten ihre Familien, ihre Wünsche, Träume und Hoffnungen, ihre Ideale. Wie kamen diese Gnomen dazu, anzunehmen, er und Zelda wären nicht in der Lage zu lieben, nur weil sie Hylianer sind!

            Verärgert trat er hinter der Säule vor.

„Nicht!“, rief Zelda noch, aber Link ignorierte vorerst ihren Kommentar. Als die magischen Wesen ihn entdeckten, wichen sie alle mit angstverzerrten Gesichtern furchtvoll zurück.

„Und ihr?“, sagte Link borstig laut. „Gerade ihr seid es doch, die hassen.“ Rechtfertigend breitete er seine Arme auseinander und sprach erzürnt weiter.

„Wie wollt ihr dann lieben, wenn ihr so stark von eurem sinnlosen Hass und dieser ungerechtfertigten Abscheu gegen uns zerfressen seid? Wir sind nicht so wie diejenigen, die eure Ahnen auf dem Gewissen haben. Wir sind keine dreckigen Räuber und Mörder, wir lieben genauso aufrichtig wie ihr.“ Und Link reichte Zelda mit einer vertrauten Geste die Hand, bat sie ohne Worte, sich ebenfalls preiszugeben.

Ein aufgeregtes Tuscheln entbrannte in dem Gang, einige Gnome hüpften schmollend und hassend von dannen, während andere zickig und zankend in die Gesichter der jungen Hylianer blickten.

            Zelda gab sich mit einem zierlichen Lächeln preis, versuchte in die Gemüter der vielen magischen Wesen zu blicken, wollte lesen, wie sie eine Brücke zu diesem alten Volk aufbauen konnte. Wieder setzte ein eigenwilliges Gemurmel ein und eine alte Gnomendame mit kurzem Krückstock trat näher, blickte aus schmalen Augenritzen zu Zelda und piepste verärgert: „Und du? Du hylianisches Weib, du willst lieben?“ Murrend angesichts des gemeinen, beinahe vulgären Wortes für eine Prinzessin, trat der junge Heroe vor und legte seine Hände auf Zeldas Schultern.

„Ja, ich liebe“, sagte Zelda ruhig und mit einer sehr ungewöhnlichen Gelassenheit. „Auch wenn ich in den tiefsten Abgründen meiner Seele hasse, und hassen gelernt habe, so ist es mein natürliches Recht zu lieben!“ Ihre Worte wurden lauter und eindringlicher als sie es beabsichtigt hatte, worauf wieder eine Schar von Gnomen rückwärts stolperte.

„Ich habe immer geliebt, auch wenn es mir die Gesetze meines Standes untersagt haben.“

„Gerade das ist eine Geburtsstätte für euren unnötigen Hass, Weib. Ihr Hylianer stellt sinnlose Gesetze auf, die euch die Liebe verwähren. Was soll’ an eurer Welt liebenswert sein!“, sagte die Alte abschließend.

„Eure Welt des Hasses ergibt keinen Sinn für die unseren Geschöpfe. Nur ihr seid schuld an eurem Hass. Widerwärtig“, schimpfte ein jüngerer Gnom mit Glatze, wobei er pfeffernd ein ordinäres Schimpfwort in Gnomensprache hinterher schleuderte. „Verschwindet! Denn nur ihr könnt Noftrem entführt haben.“

Und ein klägliches Wimmern von Dutzenden Kehlen ging durch die Reihen, wobei alle den Namen Noftrem weinend ausriefen.

„Ihr bösen Hylianer verschwindet!“, fauchten viele gleichzeitig.

            Ein schrilles Pfeifen knallte wie ein Befehlsmarsch durch die dunklen, staubigen Gänge. Eine süße Pfeife, hell und aufhorchend. Von der rechten zur linken Wand hüpfend, schwebte eine leuchtende, beinahe grelle, weiße Kugel näher.

„Das ist Sylphe von Sylfana. Die Feenadlige. Was will sie hier?“, rief ein Gnom.

Und tatsächlich erkannte ein sehr überraschter Link eine überaus hübsche Fee mit rabenschwarzem Haar mit vielen silbernen Strähnen dazwischen. Ein aus unsterblichen Blättern gewebtes Kostüm rahmte ihr phantastisches Bild ein. Aber das erstaunlichste war ihre geschwungene, hornartige Flöte aus Glas, die fast doppelt so groß war wie sie. Der helle, aufhorchende Ton kam also von jenem Instrument und nicht von einer schrillen Pfeife.

„Haltet ein“, meinte ihr kindliche Stimme. Mit einem breiten Lächeln flog sie zu Links Nasenspitze und gab dem verblüfften Kerl einen nichtfühlbaren, sanften Kuss auf die Nasenspitze. „Du bist also der einstige Held der Zeit“, quietschte sie erfreut. „Ich bin dein größter Fan.“ Und Schwups setzte sie sich mit ihren schimmernden, kreideweißen Flügeln schlagend auf Links Schulter, und lehnte sich zufrieden an seinen sonnengebräunten Hals.

„Navi hat viel von dir erzählt. Du bist so toll, Held der Zeit. Möchtest du das heilige Blütenblatt meiner Familie mit mir beschützen“, meinte sie begeistert und ihre kleinen Wangen schimmerten fiebrig rot vor Augregung.

            In dem Augenblick packte eine eifersüchtige Zelda die Rage und sie zerrte beinahe böswillig an Links Arm und schmiss sich halb in seine Arme.

„Wage es ja nicht darauf zu antworten, Link.“

„Aber warum denn nicht?“, sagte er belustigt und schielte mit seinen tiefblauen Augen zu den erwartungsfrohen der Fee.

„Weil die Worte dieser hinterhältige Fee der Frage: ,Willst du mich ehelichen?’ gleichzusetzen sind.“ Beschämt rückte Link sein Gesichtsfeld zu einer fuchtigen Zelda, die trotzig ihre schönen Lippen zusammenzog. Ja, auch sie war eifersüchtig, wenn es um Link ging. Wie sollte sie auch nicht, sie war abgöttisch verliebt in ihn.

Liebäugelnd begutachtete die Fee das rotwerdende Gesicht des wunderbaren Helden auf dessen Schulter sie ewig sitzen bleiben könnte, so schön war es dort. Ihre teuren Flügel streichelten sanft, wie das Kitzeln einer trampelnden Mücke auf der Haut, diejenige von Link. „Möchtest du nicht doch mein Feenreich mit mir regieren?“ Und Zelda warf zuerst der Fee und dann ihrem Helden einen bitterbösen Blick zu.

„Äh...“, babbelte er bloß, während die Fee lachte. „Aber es gibt ja im Moment etwas wichtigeres zu tun, nicht?“ Unsicher redete er sich heraus und achtete nicht auf das beleidigte Gesicht von Zelda.

            Und die silbernen Augen der Feenadligen wanden sich zu den vielen Gnomen. Stolz breitete sie ihre Flügel aus, ließ diese flattern und sprach zu den Gnomen. „Verzeiht mir, ihr Gnome, aber ich konnte euren Noftrem nirgendwo finden.“ Schniefend blickten die wimmernden Gnomengestalten zu Boden und betätschelten sich gegenseitig in dem Versuch einander Trost zu schenken. „Nicht in den Hallen der Verlorenen war er. Nicht im Garten des Lebens, auch war er nicht in den Gemächern anderer Wesen und noch weniger befand er sich in Gefangenschaft der Hylianer. Es gibt nur einen Ort, wo noch niemand suchte.“, erklärte die Fee und flog aufhetzend und immer schneller hin und her. „Nur im Verlies der Schaurigen könnte er sein. Nur im Verlies der Schaurigen suchte noch kein Bewohner des Hauses der Götter. Nur in jenem Verlies könnte sich Noftrem verirrt haben.“ Und in der Meute der Gnome brach ein schrilleres und traurigeres Wimmern und Wehklagen als vorher los.

            „Sylphe, was ist mit diesem Ort?“, sagte Link und legte die überschäumende Eifersucht seiner Zelda dämpfend einen Arm um ihre schmalen Schultern. „Dort hausen schreckliche Kreaturen von Hyrules Urzeit, die die Gottheiten dort eingesperrt haben. Man erzählt, niemand kann aus diesem Verlies entkommen, aber eintreten könnte jeder. Daher scheint es gut möglich, dass der kleine Noftrem dort verschluckt wurde.“

Zelda biss sich auf die Lippe und murmelte leise: „Wie schrecklich...“ Und sie ahnte, dass ihr Held aufgrund seiner Edelmütigkeit nicht anders konnte, als sich einzumischen. Prüfend musterte sie das nachdenkliche Gesicht ihres Liebsten. Entschlossen sah er auf, und durchbohrte mit seinem tapferen Blick alle Anwesende.

            „Link, du willst doch wohl nicht etwa...“ Aber, noch bevor die Prinzessin zu Ende gesprochen hatte, nickte er. Empört riss sie sich los. „Hast du nicht zugehört? Wenn man diesen Ort einmal betreten hat, findet man nicht mehr zurück. Du bist einfach nur lebensmüde. Ich lasse auf keinen Fall zu, dass du dort dein Leben wegwirfst“, brüllte sie beinahe. „Nicht einmal die Göttinnen würden dich dort herausholen.“

Aber Link schloss nur die Augen und meinte leise: „Zelda, das ist die einzige Möglichkeit diesem alten Streit und dem Hass ein Ende zu machen. Ich werde Noftrem dort herausholen“, sagte er stur. Kopfschüttelnd stand Zelda nur daneben.

„Nein!“, fauchte sie.

„Zelda, bitte. Ich möchte nicht mit dir darüber diskutieren und erst Recht nicht mit dir streiten. Ich werde dorthin gehen, ob es dir nun passt oder nicht.“

Verzweiflung machte sich in der stolzen Hylianerin breit. „Ist unsere Liebe dir so wenig wert, dass du es riskierst, mich nie mehr wieder zu sehen. Bin ich dir so wenig wert, dass du in deiner dummen Abenteuerlustigkeit bereit bist, mich alleine zu lassen?“ Sie stand nun abweisend mit dem Rücken zu ihm und schlug seine Hand weg, die er beruhigend auf ihre Schulter legen wollte.

„Ich verstehe schon... ich stehe zurück...“, murmelte sie. Und Links Blick ging schwermütig zu Boden.

„Dann geh’“, sagte sie. Mit Tränen und ohne ein letztes Wort des Abschieds lief Zelda die Nase rümpfend den Gang hinab und verschwand in der Dunkelheit.

            Erneut ein Tuscheln, ausgesendet von den Gnomen. „Wie wir sagen, Hylianer sind nicht in der Lage zu lieben und stehen sich selbst mit ihren dummen Gesetzen im Weg.“

            Ein wütender Blick von Link zerschnitt die Luft und plötzlich verstummten alle Gnome schlagartig.

„Nun gut. Wer wird mich in das Verlies der Schaurigen führen?“ Keiner antwortete. „Ich korrigiere mich, wer wird mich zum Eingang des Verlieses führen?“ Doch wieder kam keine Antwort. „Schön, dann suche ich es eben selbst.“ Genervt wühlte Link in seinen Haaren herum. Nicht nur, dass er eine schier unmögliche Aufgabe auf sich genommen hatte, nein, er hatte Zelda erneut enttäuscht...

„Also, gut“, meinte Sylphe. „Wenn dich niemand begleiten will, dann mache ich das, du süßer Kerl.“ Link verleierte die Augen und sagte mit kräftiger Stimme, ehe die letzten Gnome aus seinen Augenwinkeln verschwunden waren.

„Wenn ich es schaffe, Noftrem aus dem Verlies zu holen, dann müsst ihr mir versprechen, dass der unnötige Hass der Gnome gegen die Hylianer enden wird.“ Einige Gnome bejahten, andere nickten und wenige schwiegen dazu. Alsdann marschierte Link durch den Gang, um seine Waffen zu holen, mit einer begeisterten Sylphe auf seiner Schulter.

            Trübsinnig stand der junge Heroe vor dem Gemach, in welchem Zelda wartete. Mit der Stirn lehnte er sich an die Tür und grübelten nach passenden Worten, um ihr seine Entscheidung klarzumachen. Aber er wusste nicht, was es überhaupt zu sagen gab. Würde ein ,Ich liebe dich, ausreichen, um sich bei ihr zu entschuldigen. Warum konnte sie nicht einfach akzeptieren, dass er nun mal ein Held war und es in seiner Verantwortung stand zu helfen? Dass es seine Pflicht war, einem sinnlosen, jahrhundertlangen Hass ein Ende zu setzen...

            Link bat Sylphe darum, zu warten und klopfte dann leise an die hohe, gelbliche Tür mit den vielen Edelsteinchen. Als Link eintrat, hockte Zelda entblößt lediglich ein Badetuch um ihre Hüfte geschlungen, und ihm den Rücken zugewandt auf einer Decke vor dem Kamin. Verträumt ließ sie eine Bürste durch ihr seidiges Haar wandern. Sie schwieg und ignorierte Links Anwesenheit, der aber beherzt und mit großen Augen zu ihrem sündhaft schönen Anblick starrte. Sie hatte ja keine Ahnung, was sie ihm mit ihrer Schönheit und plötzlichen Freizügigkeit antat...

            „Zelda?“, murmelte er leise, aber sie untersagte sich selbst im Moment mit ihm zu reden und kämmte sich ausdauernd die goldenen Haarsträhnchen. Kopfschüttelnd trat er näher und konnte nicht anders als sich hinter ihrem Rücken auf die Knie sinken zu lassen.

„Sei nicht so abweisend“, meinte er leise und streichelte mit seinen Fingerkuppen über die samtige Haut ihrer Schulterplatten. Als sie immer noch nicht antwortete, liebkoste Link mit ekstatischen Küssen ihre Schulter.

„Bitte sei nicht zickig und beleidigt.“ Aber selbst mit der Grobheit dieses Satzes entlockte Link ihr kein Wort, nicht einmal ein Flüstern. 

            Enttäuscht seufzend tapste der junge Held hinüber zu seinem Schwert und streifte es auf seinen Rücken. Einige Minuten stand er einfach nur da, wartete auf eine Reaktion von Zelda, die melancholisch ins Feuer starrte.

„Kannst du nicht wenigstens ein Wort zu mir sagen?“, murrte er. Sie schlang lediglich die Decke um ihre Schultern und erhob sich.

Ein Wort war es, was er verlangte? Na gut, sie hatte ein Wort auf ihrer Zunge. Zu Boden starrend tapste sie näher und flüsterte mit beherrschten Worten: „Schicksal...“

            Sprachlos wich Link zurück und suchte nach den Gefühlen in Zeldas Augen, aber sie wand sich ab, distanziert, und wärmte sich wieder am violetten Feuerspiel des Kamins.

Tief einatmend verließ Link den Raum und als sich die Tür mit leisen Geräuschen schloss, tropfte eine kristallene Träne von Zeldas Augenwinkel.

 

Mit einer sehr dankbaren und begeisterten Sylphe, die herzallerliebst auf der Schulter des legendären Helden der Zeit sitzen durfte, tapste der junge Kerl durch dunkle Gänge, folgte den Stufen einer ewigscheinenden Wendeltreppe und träumte ab und an vor sich hin, bis die Feenadlige die Stille brach.

„Liebst du die Prinzessin des Schicksals so sehr?“ Ihre helle Stimme schien selbst die dicken Wänden durchbrechen zu können. Link schloss kurz die Augen, während seine Gesichtszüge schwermütig wurden.

„Ich würde für sie sterben“, meinte er bloß und kramte seine Öllampe aus der Tasche und leuchtete die düsterwerdenden Gänge ab.

„Und warum bist du dann nicht bei ihr geblieben und hast deinen Willen durchgesetzt, wenn du doch alles für sie tust?“

„Weil es meine Pflicht ist... gegenüber dem Leben, gegenüber meinem alten Ich.“

„Gegenüber deinem alten Ich?“, fragte sie ungläubig.

„Durch die Wiedergeburt in der neuen Welt wurden meine gesamten Erinnerungen gelöscht und ich kann bloß Mutmaßungen anstellen, wie ich früher gehandelt habe. Und ich bin ziemlich sicher, dass mein altes Ich mir irgendwann die Karten vorlegen wird, wenn ich entgegen meiner Verantwortung handle“, sagte er, hatte soviel Weitsicht, nicht nur in den Worten, sondern in seinen tiefen Blicken. Noch ein Grund mehr für Sylphe Link über die Maßen toll zu finden. Sie hielt sich dreist kichernd mit beiden schmalen Ärmchen an seinem Hals fest.

            „Ähm, Sylphe?“

„Jahhh?“, meinte sie und rieb ihre roten Wangenbäckchen an seinem sonnengebräunten Hals.

„Wo befindet sich eigentlich der Aufenthalt der Gnome?“

„Kennst du den Ort der lichten Kugel, die die Wahrheit zeigt?“

„Ja. Ist so eine Kristallkugel, was?“

„Genau“, entkam es piepsend ihrem golden, bemalten Mund.

„Mir zeigt sie immer das Gesicht von einem Feenjungen, den ich aber überhaupt nicht leiden kann.“

Link grinste daraufhin und dachte sich so seins...

„Dort hinter der lebendigen Tür hausen sie“, endete sie.

 

 
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