Kapitel 58
 

Kapitel 58

 

 

 

 

Und tatsächlich. Link sah nie besser aus. Ebenso wie Zelda hatte man ihm ein absolut neues Gewand verpasst. Da Link, ohne jeden Zweifel, am besten in einer Tunika aussah, trug er auch eine, aber eine wesentlich edlere als seine bisherige.

Die Tunika an sich bestand aus karminroten, samtenen Stoff, war abgerundet mit goldenen kleinen Verzierungen an den kurzen Ärmeln und am Kragen. Ein fein verarbeiteter Gürtel mit schwachen Triforceverzierungen lag um Links Hüfte und hielt eine augenscheinlich einfache, aber teure Hose, die einen sehr edlen silbergrauen Stoff besaß. Ein langärmliges Hemd, das jedoch nicht so eng anlag wie Links weißes Hemd bedeckte seine Arme gänzlich. Zusätzlich trug Link zwei goldene Schulterplatten, an die ein langer, weißlich schimmernder Umhang befestigt war. Stattlich sah er darin aus, heldenhaft, wie es ihm eigentlich zustand. Zusätzlich hatte man ihm statt seiner blauen Ohrringe, die er von Impa bekam, zwei goldene verpasst und ihm die Haare geschnitten. Sein kurzer Zopf wurde ganz und gar entfernt und, da es nicht die feine Art eines Gentlemans war, kürzten die Zimmermädchen ebenso sein Pony. Kurz und knapp gesagt, war Link nicht wiederzuerkennen. Die wichtigste Frage schien wohl: Würde Zelda ihn erkennen?

            Stolz, aber irgendwie bedrängt saß der Heroe an einer langen Tafel, wo zahlreiche köstliche Speisen aufgereiht waren, direkt rechts vom König Hyrules, welcher die Spitze der Tafel darstellen sollte. Viele weitere Gäste, Ladys mit ihren Rittern, lauschten einem kleinen Kammerorchester in jenem Saal. Link verzog nicht eine Miene, als er bewundernd und zugleich beneidet angestarrt wurde. Wann hatte jemand schon die Ehre, direkt neben dem König Hyrules zu speisen? Eines war sicher, Link würde das Tagesgespräch bei der hohen Kaste darstellen.

            Suchend überblickte er die lange Tafel, schaute durch die Reihen und erkannte nicht weit von ihm Caldrian, der sich ein ermüdendes Gespräch von den Mythensteinen Hyrules anhören musste. Als einziger lag sein Kopf freudlos auf der weißen Tischdecke. Link schmunzelte leicht. Vielleicht war er ja nicht der Einzige, dem die Situation langweilig vorkam...

Der junge Held, diesmal ohne irgendeine Kopfbedeckung, suchte weiterhin die Reihen ab... aber nirgendwo ein Anzeichen von Zelda. Er begnügte sich damit, dass ja der König auch noch nicht auf seinem Platz saß und schluckte seine Anspannung herunter.

Und dass er nervös war, konnte man vermuten, denn immerhin gehörte er nicht wirklich in die Reihen der Adligen mit ihren weitreichenden Stammbäumen und Bergen voller hylianischer Rubine. Außerdem war er Zelda die letzten Tage aus dem Weg gegangen. Er hatte ganz einfach Bammel sie wiederzusehen und fürchtete sich sogar vor ihrer schlechten Laune diesbezüglich. ,Ruhig Blut, Link. Die Sache ist nur halb so wild’, sagte er zu sich selbst.

            Dann ertönten die Fanfaren. Graziös schritt Harkenia der VII. mit einem langen Zepter und dem auffälligen majestätischen, königsroten Mantel in den Saal. In seiner rechten Hand ruhte die Hand Zeldas. Galant folgte sie ihrem Vater. Alle Augen ruhten auf ihr. Links Mund klappte vor Schreck auf, als er sie sah. Und blöderweise schaffte er es nicht mehr diesen zu schließen.

Die Prinzessin Hyrules trug ihr königliches Gewand, jenes Kleid, das Link an ihr bisher nur einmal gesehen hatte. Das war damals... er erinnerte sich... damals in der Zitadelle der Zeit, in der alternativen Zukunft. Nur, dass ihr Gewand noch detailreicher erschien als damals, prachtvoller, außergewöhnlicher.

Der verliebte Held der Zeit schwärmte und befand sich wohl irgendwo weit weg, wo er nur noch Zeldas Bild vor sich hatte. Die silbernschimmernden Enden von Zeldas Kleid schleiften mit jedem leichten Schritt, den sie tat, über dem glänzenden Boden. Links Augen wanderten höher. Das enge, für Zeldas zierlichen Körper geschaffene Kostüm wand sich wie eine zweite Haut über ihrer und betonte Zeldas Zartheit, Anmut und Gottesgleichheit. Feine goldene Stickereien. Unmengen von Schmuck. Lange aus samtenen rosenfarbigen Stoff bestehende Handschuhe, die dieselbe Farbe besaßen, wie das schürzenartige Gewand, das zusätzlich über ihrem lilienweißen Kleid lag. Juwelen glänzten an ihrem Hals. Ihre Tiara besaß mehr Edelsteine und glänzte in jenem Licht, das durch die hohen Fenster des Saals drang. Ihre Haare zusammengehalten durch viele goldene Spangen, die ihr liebreizendes Bild abrundeten.

            Langsam lief sie zu der Spitze der Tafel und nahm gegenüber von Link Platz, also zur linken Seite Harkenias. Link blickte sie an, nein, er starrte sie an. Doch Zelda ignorierte es. Sie blickte gedankenversunken auf ihren Teller. Ernst. Mutlosigkeit. Trübsinn stach aus ihrem Gesicht hervor.

Ob sie Link überhaupt wahrgenommen hatte?

Schließlich besah sie sich die Reihen der Gäste, versuchte zu lächeln, begrüßte einige mit einem Nicken und hob ihr Weinglas an.

            Harkenia stand auf, hob sein Glas und begann mit einer Rede.

Alle Gäste hoben ihre Gläser und warteten auf das Wort des Königs. „Meine lieben Mitbürger Hyrules. Dieser Tag dient uns, dem Volk, den Göttinnen. Auf das Hyrule ewig bestehen werde. Lang lebe Hyrule.“ Alle Gäste hoben ihre Gläser. Ein gemeinsames lautes: „Lang lebe Hyrule.“ erklang. Die Gäste tranken gemeinsam den besten Wein, den es in Hyrule gab. Doch der König war mit seiner Rede noch nicht am Ende. „Lasst uns heute gemeinsam denjenigen feiern, der mehr als jemand sonst den Frieden in Hyrule zu erhalten versuchte. Hoch lebe der Held der Zeit.“

            Link verschluckte sich, pustete einen Teil des mundigen Weines wieder ins zerbrechliche Glas und hätte beinahe zu allem Übel vor lauter Schreck und Peinlichkeit das Glas fallen gelassen. Hastig fing er das zerbrechliche Glas auf, verwendete nur dummerweise zu viel Kraft und zerbrach das edle Stück. Den Göttinnen sei Dank hatte jeder sein Blickfeld auf den König gerichtet und niemand bemerkte diesen peinlichen Ausrutscher außer Zelda. Doch selbst das brachte ihr kein Lächeln auf das nachdenkliche Gesicht. Und glücklicherweise wusste niemand abgesehen von Caldrian wohl, dass der Held der Zeit persönlich unter den Gästen war. Bis...

            „Link. Erhebe dich“, sagte der König. Schockiert und demütig blickte der junge Kämpfer in das gutmütige, vielsagende Gesicht des Königs, flehend, unterwürfig, er möge ihn auf seinem Platz sitzen lassen. Link sprang auf, verbeugte sich ungeschickt und setzte sich sofort wieder geräuschvoll. Ein Tuscheln ging durch die Reihen. Der arme Held der Zeit lief purpurrot an. Zelda sah ihn genauso an, wie Link sich im Moment fühlte... diesmal ignorierte er ihren Blick.

            Der König Hyrules klatschte aufgeregt in die Hände. „Musik. Musik“, sagte er und das Orchester begann mit klassischen Tönen auf Violinen, Flöten und einer Harfe.

            Während die Gäste sich unterhielten, ab und an der feinen Musik lauschten und auf das Essen warteten, legte Harkenia eine Hand auf jene seiner Tochter und sagte voller Stolz: „Du siehst bezaubernd aus, mein Kind- wie deine Mutter.“

„Danke Vater“, erwiderte sie, aber sah mit harschen Zweifeln in den befangenen Augen weg.

„Möchtest du heute an dem Fest teilnehmen, Liebes. Der Tag ist noch lang und unser Festball beginnt erst neun Uhr. Wenn du es wünscht, kannst du mit Link...“ Harkenia fasste den ungeschickten, sich vor Schmach in seinem Stuhl verkriechenden Helden, der gegenüber von Zelda saß, genau ins Auge „... zu dem Fest gehen. Was hältst du davon?“

Die adrette Königstochter sah kühl auf und entgegnete scharf: „Ich bin die Prinzessin. Ich denke nicht, dass es einen guten Eindruck macht, wenn ich mit gewöhnlichem Fußvolk unterwegs bin.“ Eingeschnappt schaute sie zu den in ihre Melodien versunkenen Streichern.

Der Knoten in dem Hals des Helden der Zeit wurde größer und größer. Last und Schuld durch die Worte Zeldas...

Es tat ihm irgendwie weh, als nicht mehr als Fußvolk von Zelda bezeichnet zu werden. Er schüttelte innerlich mit dem Kopf und versuchte das erdrückende Gefühl in seinem Hals zu umgehen.

            „Zelda von Hyrule! Ich verbitte mir derartige Töne unter dem Antlitz unserer Gäste“, meinte der König erbost. 

Angrifflustig sprang sie auf Harkenias Wort an: „Dann pass’ doch auf, dass ich nicht den Ton verliere, Sturkopf. Aber erwarte nicht, dass ich meinen Mund halte. Niemand hindert mich daran, meine Meinung offenkundig darzulegen.“ Harkenia gab auf. Zeldas Temperament musste sie wohl von ihrer Mutter geerbt haben...

            Link allerdings wusste überhaupt nicht, was in Zelda gefahren war. Er kannte diese Seite nicht von ihr. Waren das die bitteren Folgen, weil er sich tagelang nicht hatte blicken lassen? Tatsächlich wirkte Zelda ihm gegenüber wie ein fremder Mensch mit einem vertrauten Engelsgesicht, das nur Rätsel hinterließ.

            Die Speisen wurden serviert, oder besser das Essen des Jahrtausends. Dinge, die Link noch nie gesehen hatte. Spezialitäten aus der guten hylianischen Küche. Gerichte der Reichen.

Der blonde, hitzköpfige Hylianer packte angestrengt seinen Teller mit gegrilltem Hähnchen, Feinschmeckerwurst, Salaten, einigen frischen Brötchen, Kaviarköstlichkeiten und anderen Sachen voll- bis er vor dem nächsten Problem stand. Welche der vielen Gabeln, die um seinen Teller lagen, verwendete man denn dafür?

,Egal’, dachte Link. ,Die essen doch alle.’ Er nahm sich irgendeine, spürte aber sofort einen heftigen Tritt spitzer Absätze an seinem Schienbein. Er sah auf und wusste auch so, was Zelda damit bezweckte. Beim heiligen Triforce- die Frau schaffte ihn noch. Nur schwerlich hatte er den lauten Schmerzschrei unterdrücken können...

            Sie machte vor, Link eiferte nach. So konnte er wenigstens keine Fehler beim Essen und der Auswahl des Bestecks machen. Und erfreulicherweise hatte Zelda ihn endlich wieder in das Blickfeld ihrer Aufmerksamkeit gerückt.

            Nach den etwa sieben Gängen- Link hörte beim dritten schon auf zu zählen- brachte man einen Nachtisch, worauf das fröhliche Getratsche bei Tisch wieder von vorne begann. Die Zeit verging und verging.

            Der junge Heroe musste sich bei Tisch einige abfällige Bemerkungen anhören, die sich rund um seine Abenteuer in der alternativen Zukunft drehten. Vor allem Vasard, ein Prinz, dessen Familie schon viele Jahrzehnte mit der hylianischen Königsfamilie in Verbindung stand, bezichtigte Link als Scharlatan, als Schauspieler, und sagte frei heraus, man möge ihm erst Beweise dafür liefern müssen, dass ausgerechnet ein achtzehnjähriger, vom Volk stammender, so wörtlich Neunmalkluger, das Land vor Ganondorf gerettet haben wollte. Und Beweise... ja, diese waren schwer zu finden. Nicht einmal Zeldas Wort genügte ihm. Zu Links Unbehagen stachelte Vasard mit seiner Aktion viele weitere Leute gegen ihn auf.

Zugegeben, der galante Kämpfer trug das Triforcefragment des Mutes, doch dieses reichte Vasard nicht als Beweis. Es zeige nur, das Link der auserwählte Träger jenes Fragmentes sei, sage aber nichts darüber aus, ob er sich Ganon in der Zukunft gestellt hatte. Weitere Bezichtigungen, Beleidigungen prasselten auf Link nieder, der währenddessen nur die alptraumhaften Bilder jenes grausamen Kampfes gegen den Großmeister des Bösen vor sich hatte. Blut. Feuer. Und Hass.

All die Dinge wollte er vergessen, und nun verleumdete man ihn noch, da er keine wirklichen Beweise für seine Heldentaten vorbringen konnte, denn kaum jemand erinnerte sich...

            Er schwieg. Konnte kaum in Worte fassen, wie wütend ihn das dumme Gebrabbel des Prinzen Vasard machte.

Vasard wetterte mit Schimpfwörtern umher.

Link schwieg.

Vasard lachte ihn aus.

Link schwieg weiterhin.

Vasard bezeichnete das Wort Zeldas als falsch.

Doch diesmal stand Link auf, stützte sein Gewicht auf den Händen ab und versprühte in dem Raum eine unangenehme, bedrohliche Eiseskälte. Außerhalb legte sich eine dunkle Wolke über die Sonne, die zu der Stimmung in dem Saal beitrug. Plötzlich zerbrachen einige Scheiben in dem Raum und Links Triforcefragment, das er immer noch nicht kontrollieren konnte, leuchtete einzigartig auf seinem Handrücken empor. Aber Link sagte nichts. Ohne weitere Worte ging er nach draußen und schlug mit seiner Faust an die kalte Schlossmauer.

 

Wenige Minuten später unterhielt sich eine verärgerte und ohnehin miesgelaunte Zelda mit Vasard in einem abseits gelegenen Empfangszimmer.

„Ihr hattet kein Recht, Euch dermaßen über den Helden Hyrules zu mokieren. Schämt Euch, Vasard.“ Prinzessin Zelda stand mit dem Rücken an einem hohen Fenster und schaute Vasard vielsagend an. Sie hatte ihr Arme verschränkt und ihr Gesicht verriet mehr als Wut, wenn nicht sogar Hass.

„Seit vielen Jahrzehnten ist Eure Familie dem König treu und seit jeher respektierten die Prinzen, die aus Eurem Geschlecht hervorgegangen sind, die Urteile, welche meine Vorfahren fällten. Und nun stellt Ihr uns in Frage? Ihr stellt den Helden der Zeit in Frage?“

„Ja“, meinte Vasard kurz und eitel. „Ich glaube, Ihr seid diejenige, die das gute, ehrliche Wort eines aufrichtigen Mannes in Frage stellt und stattdessen lieber auf einen unreifen Bengel hört.“ Der in weißem Gewand gekleidete Prinz mit den giftigen, grünen Augen und aschblonden Haaren schritt mutig und herrschsüchtig auf Prinzessin Zelda zu.

„Vasard! Was nehmt Ihr Euch raus. Mein Urteilsvermögen ist nicht getrübt. Ich war dabei, ich habe gesehen, was geschah in der Zeit, die vergessen wurde. Ich sah, was Ganon zerstört hatte und ich sah, welche Grausamkeit Link über sich ergehen lassen musste... für Hyrule, für die Menschen und... für mich.“

            „So ist das also...“ Vasard grinste hämisch und trat direkt vor Prinzessin Zelda, welche zurückwich und mit ihrem Rücken am blassbraunen Fensterglas lehnte. „Es ist der Bursche, der Euch interessiert, nicht wahr?“ Er legte eine eiskalte Hand grob an Zeldas Hals. Aber sie ließ sich nicht beeindrucken und starrte entschlossen und furchtlos in das Antlitz von Vasard.

„Ihr seid krank. Behaltet Eure schmutzigen Finger bei Euch.“ Zelda brüllte nun fast und stieß den Kerl mit einer magischen Attacke in die andere Ecke des Zimmers.

Vasard kam schmerzhaft an der Wand auf und wischte sich über eine aufgeplatzte Lippe.

„Immer noch so widerspenstig, Prinzessin?“, lachte er auf.

„Nur zu denen, die es nicht anders verdient haben“, sagte sie und schaute Vasard überlegen an, einem Blick, der alles in Stücke hauen könnte, wenn Zelda nur wollte.

„Und Link... er ist ein aufrichtiger Freund, ein Held, Ihr werdet ihm niemals das Wasser reichen, Vasard. Ihr seid verlogen, unrein, gebieterisch und  kalt. Ihr widert mich an. Geht mir aus den Augen.“ Zelda schritt langsam, aber majestätisch, zu der Tür, welche aus dem Raum führte. „Ihr seid es nicht würdig ein Prinz zu sein.“

„Aber Euer Link ist es würdig, ja?“, fauchte Vasard und griff Zelda schmerzhaft an ihrem Ellenbogen, zog sie mit einer heftigen Bewegung zurück in den Raum, sodass sie auf den harten Boden aufschlug und sagte eisig, so wie sein Herz sein musste: „Ihr bleibt noch eine Weile. Es gibt noch einige Dinge zu klären, Prinzessin.“

           

Caldrian fand Link in dem Schlossgarten, jenem Ort, wo er einst Prinzessin Zelda traf. Trübsinnig saß er auf einer steinernen Treppenstufe, blickte zu einer alten Holzschaukel, auf der Zelda als Kind immer saß, schaute mutlos zu den weißen Rosensträuchern, ständig begleitet von einem Brennen in seinem linken Handrücken. Er hatte die Kontrolle verloren, hatte erfahren, was es hieß, wenn das Fragment in der Hand Amok lief, so wie bei Ganon in der anderen Zeit. Das war der Preis für die Erweckung der Macht in sich selbst. Man erinnerte sich. Ruckartig kamen die Bilder, der Schmerz, wie die Wunden an jenem Tage an der Oberfläche. Er fühlte sich als würden seine Narben von jenem Kampf wieder aufbrechen. Es war sein Schicksal. Er hatte nicht darum gebeten gegen Ganon zu kämpfen. Er hatte es akzeptiert, da er wusste, es war seine Bestimmung und er war entschlossen, es zu überstehen.

Das war nicht einmal das Schlimmste gewesen, der Kampf an sich... das, was ihn wirklich belastete, was sich wie ein metallener Splitter in das Herz hineinfraß, war die Erinnerung, die Nächte mit dem Bösen in Visionen, in Träumen, wenn niemand da war, der ein Herz wie seines, beruhigen oder lieben konnte...

Da war einfach niemand... Link hatte niemanden, mit dem er reden konnte, dem er erzählen konnte, was ihn belastete...

            Wenn er in der Nacht schweißgebadet aufwachte, war er allein, obwohl ihn viele kannten, obwohl er doch das Recht besaß jemanden zu haben, dem er vertrauen konnte.

            Aber eines wusste der Held der Zeit nicht, auch wenn er sonst sogar Wunder bewirken konnte. Eine Sache war ihm völlig fremd. Link hatte nie erfahren, was es hieß, was es bedeutete, zu lieben. Er wusste nicht, was Liebe war. Sie war ihm so fremd, wie viele Dinge von der Welt, die er schon lange nicht mehr mit gleichen Augen sehen konnte. Aber redete Link sich vielleicht nur ein, nicht lieben zu können?

            Und das war der Dank... ein Leben verpfuscht im Sinne des Friedens, im Sinne Prinzessin Zeldas. Der Dank, auf schändliche Art und Weise fertig gemacht zuwerden...

            Caldrian legte eine Hand auf Links Schulter, der überrascht aus seiner Trance aufsah. Nachdenklich sah er drein. Er hatte wohl mit Zelda gerechnet.

„Hey, was machst du denn hier draußen?“

„Ich habe nachgedacht.“

„Wie auch immer. Ich wollte dir nur sagen, der König hat eine solche Wut, dass es mich wundert, wie er diese noch im Zaum halten kann. Er hat gerade ein ausführliches Gespräch mit der Familie Vasards.“

„Echt?“ Links Stimme klang sehr resigniert und interesselos. Wen kümmerte es?  

            „Link, jetzt hör’ doch mal. Lass’ dir doch von diesem Trottel nicht den Tag verderben. Der hat doch keine Ahnung, angeben kann er gut, ist aber auch das einzige, was er kann.“

Link sah auf, hüpfte auf seine Beine und meinte: „Das ist es nicht, was mich beschäftigt. Soll’ er doch soviel reden, wie er will. Das Schlimme ist, dass ich keine Kontrolle mehr über mein Fragment hatte... genau das wurde Ganondorf damals zum Verhängnis. Das Triforcefragment der Kraft hat alles ruiniert, sogar das menschliche Herz Ganondorfs, da er nur nach Macht strebte. Es wäre eine Ironie des Schicksals, wenn der Vernichter Ganons den gleichen Wünschen unterläge, nicht wahr?“

„Ach Unsinn, Link. Du kannst dich nicht mit Ganon vergleichen… Ich glaube, das kann niemand. Du hast kein böses Herz. Das sieht man dir sofort an, auch wenn man dich nicht kennt.“ Link gab ihm ein dankendes Grinsen.

            „Aber jetzt mal ehrlich...“

„Jep. Was willst du wissen?“

„Ich bin neugierig. Zelda war damals dabei, ich meine, bei dem großen Kampf?“ Link pflanzte sich auf die Schaukel.

„Ja, das war sie.“

„Und?“

„Was und?“

„Was war danach? Ich meine, nach dem Kampf?“

„Was soll schon gewesen sein, sie hat mich in diese Zeit zurückgeschickt.“

„Und zwischendrin?“ Links Miene verzog sich.

„Verdammt noch mal, Caldrian. Was genau willst du andeuten?“

„Nichts.“ Und das war alles, was er sagte.

 

„Vasard!“, tobte Zelda, die sich mühsam aufrichtete und an die Lehne eines Sessels stützte. „Was ist bloß in Euch gefahren?“ Er stand direkt vor ihr, die Augen erfüllt von blanker Gier, Mordlust und das, was Zelda am meisten anwiderte: Verlangen. Er packte sie derb an beiden Armen und zwang sie ungestüm in seine Augen zu sehen.

„Wie oft habt Ihr mich abgewiesen, mich, da ich es verdient habe, Hyrule zu regieren, Hyrule zu besitzen.“

„Mit eurem Wahnwitz werdet Ihr nicht einmal einen Bruchteil davon regieren können. Dummheit hat an der Spitze nichts verloren. Und besitzen wird Hyrule niemals jemand- dieses Land gehört dem Volk und nicht der Königsfamilie- wir leiten die Menschen lediglich. Jetzt geht!“, zischte Zelda und wollte sich aus seinem festen Griff lösen. Doch Vasard ließ nicht los, nicht ehe er bekam, was er wollte.

            „Prinzessin Zelda. Schön. Stolz und Stark. Warum weist Ihr mich ab?“, sagte Vasard langsam.

„Weil Ihr unehrenhaftes Aas seid!“ Zelda riss sich empört los und lief zügig zu der Tür, als sie sich plötzlich nicht mehr zu rühren wusste. Sie versuchte sich zu bewegen, kämpfte mit allem, was sie hatte und doch war da ein Widerstand, wie eine Schicht aus erstarrten Wachs um ihren anmutigen Körper. Zelda war nicht länger empört, nun stiegen Gefühle der Angst in ihr hoch. Sie kannte dieses Gefühl… Geschockt sah sie, wie der kleine goldene Schlüssel, der an dem Schloss der Eichentür steckte, von magischer Hand gedreht wurde. Diesen Raum würde nicht länger jemand betreten können. Vasard lachte laut auf.

„Haha… seid Ihr geschockt, Hoheit?“ Doch Zelda bewegte sich keinen Zentimeter. Nicht einmal ihren Mund konnte sie bewegen. Der hochnäsige Prinz lief langsam und schmierig, wie ein Wurm kriechend, um die stolze Hylianerin herum, betrachtete sie sich von jeder Seite, bis seine Zunge flatternd über seine Lippe wanderte. Zeldas Augen erstarrten vor Angst. Sie bemühte sich ihr Fragment zum Leuchten zu bringen- auch das ging nicht.

Vasards Augen wurden dunkel, so dunkel wie seine Seele. „Überrascht, meine Herrlichkeit. Ich blockierte Eure Kräfte und nun…“ Er zog Zelda brutal an ihren Haaren zu ihm, griff gefühllos an ihr Genick und las in ihren Augen das, was er begehrte zu sehen, las Furcht und Verzweiflung. „… nun mache ich mit Euch, was ich will.“

            Zelda kämpfte innerlich, Schweißtropfen rannen ihr über das edle Gesicht. Mühsam und kraftraubend war der Kampf gegen Vasards dunklen Mächte, anstrengend und gnadenlos. Aber aus irgendeinem Grund erschienen jene Kräfte der Finsternis ihr sehr vertraut. Zeldas Hände begannen zu zittern. Ihr Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Etwas zerbrach.

Ein lauter Schrei schallte in dem Raum umher. Befreit von dem unsichtbaren Kraftfeld, hob die blonde Hylianerin als erstes ihre Augenlider, sie blinzelte und schnappte nach Luft, die furchtbar in ihren Lungen brannte.

„Ihr habt Euch befreien können? Beeindruckend. Ihr scheint doch mehr Macht zu besitzen als es den Anschein hat.“ Zelda wich vor ihm zurück und stand inzwischen vor dem unbenutzten Kamin.

„Was… was habt Ihr getan, Vasard?“, brachte sie unter zermürbenden Atemzügen hervor.

„Wollt Ihr das wirklich wissen, Prinzessin Zelda?“ Er schritt auf sie zu, gierig, lüstern. Der Wahnsinn blitzte wie ein scharfes Messer in seinen Augen auf, in denen eine pechschwarze Farbe glühte.

            Er schleuderte Zelda mit einem gleißenden, wuchtigen Blitz erneut durch den Raum. Schreiend klatschte sie an die Fensterscheibe, fühlte Ekel, fühlte Gefahr und die Diener des Bösen. Ein Riss und die Scheibe begann zu zerspringen. Dann fühlte die blonde Hylianerin warmes Blut von ihrer Stirn auf ihre Wange laufen. Ein Schmerz in ihrem Kopf. Wie glühender Stahl drang die Furcht in sie, schockte. Zitternd hob Zelda ihren rechten Arm, wollte Magie einsetzen, wollte ihn aufhalten, aber es ging nicht. Sie versuchte sich auf ihre Kraft zu konzentrieren, aber diese war weg… Tot war das, was einst so hell leuchtete. Tot war ihre reine Magie. Gestorben, wie ein Stückchen Herzenswärme, das man ihr entriss.

            Entsetzt sah sie Vasard aus einem halb verschwommenen Blickfeld auf sie zu laufen. Ihre Magie war weg. Ihre Macht war verschwunden, vergangen…

Sie blickte verwundert auf ihren Handrücken, nur um zu erkennen, das ihr Triforcefragment fast farblos schien. Es löste sich auf, verblasste, wie das Land in ihren Träumen.

Sie blinzelte, erkannte Vasard mit geräuschvollen Schritten in ihre Richtung gehend und sah einen riesigen Schatten hinter ihm, dort, wo kein Schatten sein sollte, dort, wo ein Hylianer keinen Schatten haben konnte. Sie begriff. Einer Flut gleich strömte ein einzelner Gedanke auf sie ein, der jedoch so mächtig war, dass es brodelte, innerlich brodelte…

            „Ihr seid nicht Vasard“, wimmerte sie, geängstigt, zitternd.

Jemand, den sie nie vergessen sollte, stand vor ihr, jemand, der einst Unmengen von Flüchen gegen sie aussprach, jemand, der nicht vergessen werden wollte. Zelda ließ sich flehend und machtlos auf den Boden sinken, streckte ihren Kopf in die Höhe, nur um ein Augenpaar zu sehen, welches einst in ihren Träumen den Himmel verunreinigte. Augen, so leer und kalt wie der Tod. Augen voller Hass, Machtsucht und Gier. Augen, in denen das Feuer der Hölle loderte.

Ihr wurde schlagartig alles klar. Jetzt verstand Zelda, weshalb diese Gestalt so erbost auf den Helden der Zeit war, sie wusste, warum dieser falsche Vasard Link hasste… er hasste ihn, da er durch seine Hand getötet wurde…

„Erinnert Ihr Euch an mich, törichtes Weib?“ Seine Stimme klang tief und selbstherrlich. Zeldas Augen weiteten sich. Wie sehr hatte sie sich gewünscht, jenes Antlitz nie wieder zusehen…  gebetet, gefleht hatte sie.

            Er stand vor ihr, noch immer Vasard, der von etwas Mächtigerem kontrolliert wurde. Ruppig zerrte er Zelda an ihrer Kehle auf die Beine, drückte sie gegen eine Wand und fauchte: „Wirst du wohl stillhalten, dummes Weib!“ Doch die Prinzessin zappelte und versuchte sich loszureißen. Angst stieg in ihr hoch, lähmte sie. 

Erbost gab er Zelda einen Schlag ins Gesicht, sie landete erneut auf dem Boden, hielt sich eine Hand vor ihre anschwellende Wange und begann zu zittern. „Ihr seid das Letzte, Teufel“, sagte sie gefasst. „Lasst mich in Ruhe.“

            Schwach... das einzige Wort krachte wie ein Stahlhammer in ihren Gedanken nieder. Du bist so erbärmlich schwach, sagte diese innere Stimme. Schwach...

            Wie ein gefährliches Tier stürzte er sich auf sie, zerrte sie an ihren langen, blonden Haaren und fauchte: „Hure. Hast du den Helden in dein Bett gelassen und weist mich deswegen ab?“ Laut kreischend krabbelte Zelda einige Meter über den Boden, sah einen metallenen, spitzen Brieföffner in Form einer Schlange verschwommen vor sich. Aber sie würde ihn nicht erreichen. Noch ehe sie zugreifen konnte, wurde sie willenlos niedergerungen. Vasard packte sie an ihren Armen, zerrte sie herum und wollte das ängstliche Gesicht sehen, das ihm Genugtuung brachte.

Zelda spuckte ihm ins Gesicht. Er gab ihr erneut eine Ohrfeige, Blut tropfte von Zeldas Oberlippe.

„Ich wollte Euch schon immer, Prinzessin.“ Er legte eine eiskalte Hand über ihren Mund, sodass Zelda nicht in der Lage war, zu schreien, um Hilfe zu rufen oder sich mit Worten zu wehren. Gewaltsam zerrte jene Kreatur, die Zelda nicht mehr als Hylianer erkennen wollte, an den Reißverschlüssen ihres Kleides. Zelda schlug wild um sich. Das Grauen kam über sie. Nein, flehte sie in ihren Gedanken, nein…

 

„Sir, Held der Zeit. Sir!“, rief jemand, worauf Link sich schnell umdrehte und die Stimme einem jungen Soldaten zu ordnete. Er hatte eine versiegelte Papierrolle bei sich, die an Link adressiert war.

„Ja? Wie kann ich helfen?“, sagte Link.

„Dieser Brief ist für Euch, Sir“, sagte der junge Kerl, der eine zweite Rolle hervorzog. „Und dieser ist für die Prinzessin. Könntet Ihr mir mitteilen, wo die königliche Hoheit zufinden ist?“

„Sie befindet sich im Schloss.“

„Vielen Dank, Sir.“ Damit verschwand der Soldat.

Link entsiegelte die Rolle und las sich die geschwungene Schrift darauf, die er sehr gut kannte, genau durch.

           

An Link,

Eile ist geboten. Das Siegel des Bösen wies heute, als ich es kontrollierte, Risse auf. Ich habe alle Weisen verständigt, lediglich Impa und Prinzessin Zelda müssen noch informiert werden. Komm’ bitte so schnell es geht ebenfalls in die Zitadelle der Zeit.

Es gab gegen Mittag einen seltsamen Vorfall, eine kleine dunkle Rauchwolke drang durch die Risse. Bei den Göttinnen… es verschwand. Aber ein seltsames Gefühl hinterließ es. Beeile dich, Link.                           

Rauru, Weiser des Lichtes

 

Link zerknüllte das Stück Papier und sah mit Sorgen in den Augen auf. War es jetzt soweit? Würde der Kampf gegen Ganon seinen Fortgang nehmen? Er blickte auf seinen Handrücken, begleitete von merkwürdigen Gefühlen. Etwas in ihm zerrte. Link schnappte nach Luft, obwohl er keinen Grund dazu hatte. Dann ein taumelndes Gefühl in seinem Gesicht, in seinem Magen. Plötzlich ein derber Schlag an seinem Kopf und der junge, couragierte Held taumelte einige Meter weiter.

„Link? Was ist denn los?“

Keuchend rieb sich der junge, blonde Hylianer über die schweißnasse Stirn und murmelte gezwungen: „Ich habe das Gefühl... gefoltert zu werden...“ Er reckte seinen Kopf gegen das Sonnenlicht und versuchte zu begreifen. Sein Triforcefragment glühte auf, dann wurde es blasser und blasser. Was beim altehrwürdigen Dekubaum passierte hier?

Fast automatisch lief er zu einen Hintereingang zu dem Schloss hinein. „Caldrian. Wir müssen unbedingt zu Prinzessin Zelda“, sagte Link, der irgendwie wusste, dass etwas Schreckliches im Gange war.

 

Zelda wehrte sich fortwährend, kratzte mit ihren spitzen Fingernägeln in das Gesicht ihres Peinigers, konnte sich aber nicht aus seiner eisigen Fesselung reißen und flehte. Inzwischen waren ihr Tränen in die Augen gestiegen. Ihr Gesicht rot und verweint. Sie bettelte, er möge sie gehen lassen. Aber das Biest in Vasard schien noch Pläne mit ihr zu haben. Er riss an den Knoten von Zeldas Korsett, gab ihr eine Ohrfeige nach der anderen und lachte.

„Hör’ auf, Bastard!“, wimmerte sie, und wusste doch, was dieses Schwein mit ihr vorhatte. „Lass’ mich, du Monster. Ich…“ Sie begann zu schreien, in dem Augenblick, wo jener von einer teuflischen Macht kontrollierte Prinz sich mit beiden Händen an Zeldas Rockteil zu schaffen machte. Sie konnte kaum atmen, konnte nicht verstehen, weshalb ihr das passierte. Sie stöhnte vor Angst laut auf.

            „Link“, winselte sie. ,Hilf’ mir... bitte... hilf’ mir...’

Andauernd kam der Name des Helden der Zeit wie ein flehendes Gebet über ihre Lippen.

„Link...“, wimmerte sie.

Dann, ihre letzte Kraft zusammennehmend, ein lauter Schrei: „Liiinnkkk!“

 

Und er hatte den Ruf gehört. Rasend rannte der junge Heroe eine lange Wendeltreppe hinauf. Angst fuhr ihm ins Mark. Noch nie hatte er Zelda so schreien hören. Er rannte, hetzte einen dunklen Korridor entlang und fand den Raum, aus der jener Hall kam, verschlossen vor. Er schlug mit beiden Fäusten an die Tür, rief ihren Namen. Erneut ein Schrei und Links Gefühle gingen mit ihm durch. Er warf sich gegen die Tür, hämmerte dagegen.

„Zelda!“, brüllte er. Doch plötzlich war in dem Raum Totenstille. Link rief erneut nach ihr, flehte, sie soll’ die Tür öffnen, aber aus dem Raum kam kein Geräusch mehr. Link holte aus und trat gegen die Tür, die er zum Splittern brachte.

            Derweil kam Caldrian angerannt. „Was ist los?“, rief er aufgebracht.

„Zelda. Etwas stimmt nicht mit ihr. Lass’ uns die Tür aufbrechen!“ Mit vereinten Kräften warfen sich die beiden Hylianer gegen die Tür. Es machte Klack und das Schloss sprang auf. Als erstes sah Link eine eingebrochene Fensterscheibe.

            Was jener jedoch im Anschluss sah, versetzte ihm einen gewaltigen Schlag ins Gesicht. Zelda saß zusammengekauert in der hintersten Ecke. Ihr Haar war zerzaust und die Spangen fehlten. Ihr königliches Gewand war zerrissen. Maschen liefen an dem edlen Stoff hinunter. Sie hatte ihre Arme schützend um ihren Kopf gelegt und zitterte. Link lief langsam zu ihr, entsetzt und erschüttert. Was war hier nur passiert?

Als er näher trat, erkannte er rote und blaue Flecken an ihren Armen. Gerade da sah Zelda auf und ihr Blick sagte Link alles, sagte so vieles, das er nicht wahrhaben wollte. Tränen liefen immer noch ihre Wangen hinab. Ein roter Ringel zierte ihr rechtes Auge. Ein Platzwunde an ihrem Kopf. Und eine aufgesprungene Lippe. Link kniete vorsichtig nieder und blickte ihr direkt in die Augen.

„Zelda…“, murmelte er leise und kämpfte nun auch mit den Tränen. Sie wirkte so zerbrechlich, so schwach… noch nie hatte sie jene Eigenschaften in seinen Augen erweckt…ein Stich in seinem Herzen, als große Tropfen aus ihren Augen hervorquollen, ein leises Ziepen, als Zelda beschämt über sich selbst eine Hand über ihre Augen legte und vor sich hin weinte.

Link sagte leise: „Caldrian. Hol’ den König.“ Dann wiederholte er lauter: „Sofort!“ Und Caldrian rannte davon.

            Er wendete sich wieder seiner Prinzessin zu, an deren Wangen pausenlos Tränen hinabtropften. Sie versuchte zu lächeln. Ein erzwungenes Lächeln, doch ihre Augen verrieten sie.

„Zelda...“, flüsterte er und wollte sie berühren, aber sie zuckte zurück und legte eine zitternde Hand auf ihre aufgeplatzten Lippen.

Entgegen ihres Willen, rückte Link näher und zog sie sorgsam an seine Brust.

„Link…“, brachte sie hervor und weinte. „Es ist okay. Ich bringe dich in deine Gemächer“, sagte er, streichelte über ihren Kopf und drückte sie sanft.

„Du bist jetzt in Sicherheit. Es ist okay...“, zitterte er, sein Gesicht so bleich wie eine Hauswand. Denn nichts war okay. Link konnte anhand Zeldas Zustand erkennen, was hier gerade passiert war, oder dabei war zu passieren. Wut und Angst packten ihn. Wut auf denjenigen, der Hand an Prinzessin Zelda legte und Angst um sie, es könnte mehr passiert sein, als sie nach außen zeigte.

            Er nahm sie auf seine Arme und trug sie einige Meter aus dem Raum, als der König herbeigeeilt kam. „Farore im Himmel. Was ist denn hier geschehen“, wetterte der König umher. Sein Blickfeld auf Zelda gerichtet, die sich hilflos an Link herangeklammert hatte.

Link schüttelte mit dem Kopf, was soviel hieß wie, dass jetzt nicht die Zeit war darüber zu reden. Harkenias Augen standen starr vor Entsetzen als er sah, wie Zelda zugerichtet war. „Wir brauchen einen Heiler. Sofort“, war alles, was er sagte und ging hinter Link her, der Zelda schleunigst in ihre Gemächer bringen wollte.

Caldrian, der nur stumm daneben stand, lief erneut ins erste Stockwerk, um einen Arzt aufzutreiben, aber stieß ungewollt mit einem Mädchen zusammen, das unschuldig lächelnd neben Impa herlief…

 
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