Kapitel 63
 

Kapitel 63

 

 

 

 

„Wo, meinst du, werden wir diese merkwürdige Gruft finden?“, sagte Link, als sie beide Hand und Hand aus der Friedhofskapelle heraustraten.

„Wir sollten uns, so steht es in dem Buch geschrieben, nordwestlich halten, also in Richtung der Todesberge“, sagte sie und prüfte die stummen, grauen Wolken am Horizont. Der Abend war nun nicht mehr fern, auch wenn sich keine Spur einer märchenhaften Abendsonne preisgab.

„Möchtest du die Nacht abwarten?“, setzte sie hinzu und schaute in das tiefe Blau seiner Augen. Link schüttelte den Kopf.

„Zelda... ich weiß, es wäre ratsamer, uns nicht bei Nacht auf Abenteuersuche zu begeben. Aber... wir müssen in den nächsten Tagen immerhin noch den Todesberg besteigen und das wird uns Zeit kosten. Wir sollten das Elixier des Schattens in den kommenden Stunden unbedingt noch beschaffen.“ Sein Blick protzte nur so vor Mut und Entschlossenheit. Seine Prinzessin war zunächst ein wenig enttäuscht, hätte sie doch gerne einige Stunden in seiner wohligen Umarmung verbracht, willigte aber schließlich ein.

            Auf dem Medaillon der Mächtigen bewegte sich der Minutenzeiger auf die volle fünfte Stunde zu, als die beiden Hylianer die Stadtmauern Kakarikos hinter sich ließen.

Nördlich zogen sich hohe Weizenfelder, Wälder und Wiesen entlang. Doch wo war das Labyrinth, welches in dem magischen Buch benannt wurde?

„Was jetzt?“, murmelte Link. Nachdenklich kramte Zelda das ominöse Lederbüchlein hervor und las den Abschnitt bezüglich des merkwürdigen Grabes erneut. Aber sie seufzte bloß, hatte einfach keine Idee und auch zwischen den Zeilen zu lesen, brachte keine Antwort.

„Wo könnte sich das alte Grab verbergen? Bestimmt nicht in dem Kornfeld, oder?“, meinte Link und überlegte nach der Ausschlussmethode. „Und die Grasflächen da drüben...“ Links Schwertarm deutete auf die saftiggrüne Wiesenlandschaft. „... sehen alles andere als labyrinthisch aus.“

„Bleiben nur noch die Wälder... aber das wäre ja ziemlich offensichtlich...“

„... und langweilig“, stimmte der Heroe zu. „Aber wir sollten uns dennoch in den Wäldern umschauen.“

Zelda nickte, hatte aber trotz allen ein mieses Gefühl bei dem gesamten Vorhaben, da der Verfasser des Buches nicht zu hundert Prozent garantieren konnte, dass die Informationen stimmten...

            Alsdann marschierten die beiden Spitzohren über sandige Wege hinein in einen kleinen Mischwald, gespeist mit den Geschöpfen der Vorzeit, die vielleicht noch das Ende der einzigartigen Welt Hyrule umgangen hatten.

Langsam und auf der Hut schlich das Pärchen unbemerkt in den alten, dichten Wald. Überall abhakte Bäume, zerstört und abgeholzt wegen dem Wärmemangel zu Winterzeiten, oder einfach nur gefallen, wann immer die Stürme des Herbstes ins Land zogen. Prinzessin Zelda erinnerte sich, dass hier in der kühlen Nähe zu dem Reich der Zoras aufgrund sehr ungünstiger Klimabedingungen sehr schlimme und katastrophale Stürme wüteten, die jedes Jahr immer zahlreiche Opfer gefordert hatten...

            Schweigsam stolperten sie über Äste, schlängelten sich unter toten, nadelnden Baumwerk hindurch, welches den Weg versperrte und lauschten den sanften Geräuschen des Waldes. Sie gelangten immer tiefer in den stillen Wald hinein und das Zirpen der Heuschrecken, das Flüstern der Baumgeister und der Gesang der Abendvögel verwöhnten die spitzen Hylianerohren, als der Wald in goldenen Farben erstrahlte.

„Es ist wunderschön... so ruhig und friedvoll.“

„Mmh...“, meinte Link leise und suchte verliebt das ungemein verzaubernde Lächeln seiner Prinzessin. „Es ist so schön hier, dass...“ Seine Augen wanderten schmunzelnd in die Höhe. „... ich auf ganz andere Gedanken komme“, feixte er, unterließ es aber, seine liebestollen Hirngespinste auszusprechen oder gar weiterzuspinnen. Es gab jetzt wirklich wichtigeres als Gefühlsduselei und dem Gedanken an Zeldas Wärme, ihre Lippen, ihre Hände...

„Ich kann mir sehr gut vorstellen, welche Gedanken du meinst...“, sagte sie und lachte. „Ich würde jetzt auch am liebsten unser Zelt aufstellen, mich in meinem Schlafsack verkriechen und meinen Helden neben mir liegen haben“, sagte sie.

„Ich würde meinen, wir setzen uns das als Ziel. Wenn wir das Elixier haben, gönnen wir uns eine lange, schöne Pause“, grinste er und gab seiner Angebeteten einen leichten Kuss auf den Mund.

            Sie erkundeten weiterhin genau und jeder noch so kleinen Spur nachgehend den friedvollen Ort, erblickten ab und an ein Eichhörnchen, erfreuten sich an den verschiedensten Tieren des Waldes. Noch war nicht die Spur einer Gefahr in Sicht. Noch schien alles idyllisch, spazierend in der Abgeschiedenheit eines so ruhigen, erholsamen Fleckchen Erde. Link und Zelda waren bereits sehr tief in den märchenhaften, dichten Wald hervorgedrungen, fanden eine kleine, mit Holzschnitzereien vollgestapelte Hütte vor, zogen vorüber an einem tiefen, dunkelwässrigen Teich, wo viele, seltsame großwüchsige, blütentragende Pflanzen, die der junge Held noch nie gesehen hatte, das Wasser überwucherten.

            Als sich der Mantel der Nacht über die Welt senkte, und die Laute der Waldbewohner ebenfalls den Vorzügen des schweigenden Reigens nachgaben, gab sich tief in den Wäldern ein abgetrampelter Pfad aus der Nacht preis. Nur ein schmaler Weg, umgeben von kratzenden Brennnesseln, stachligen wilden Himbeersträuchern lockte einen Besucher näher an den Ort seiner Bestimmung...

            Das Pärchen, umsungen von einer klaren Nachtigall, die ihr Lied gefühlvoll mit dem Rauschen des Windes verband, folgte jenem Weg, sich den Ort einprägend, um den Rückweg umso besser und schneller wiederzufinden.

Der Weg gabelte sich ab und an, und lief an anderen Orten wieder zusammen, während sich hoch über den Kronen der Eichen, Buchen und Kastanien die Welt in ihrem süßen Schlummer wog.

            Mit dem Licht einer fast abgebrannten Öllampe tapsten die beiden Hylianer beinahe lautlos voran, sich bewusst, der bedeutsamen Mission, der sie beide verpflichtet waren. Sie wussten, sie waren alleine in den Wäldern. Keine Geister, die sich gelegentlich in den Wäldern versteckten, weil ihnen der Friedhof in Kakariko zu langweilig erschien. Keine Abgesandten von Ganondorf... 

„Jetzt sind wir schon so lange in diesem Wald und haben nichts gefunden. Meinst du nicht, wir sollten umkehren?“, sagte Zelda und schmiegte sich an ihren Helden, der scharfsinnig in die deckende Dunkelheit starrte. Er schüttelte mit dem Kopf, schöpfte Willenskraft aus seiner Entschlossenheit und dem heimlichen Gefühl eines Abenteurers auf dem richtigen Weg zu sein.        

„Nein, vertrau’ mir einfach. Wir sind ganz nah dran.“ Zelda zog bedenklich ihre Augenbrauen nach oben und nickte und schwieg.

            Und tatsächlich fanden sie auf einer kleinen Lichtung einen hohen, außergewöhnlich zerbröckelten Grabstein, wo sich Moos und Gräser lebendig angesiedelt hatten. Überrascht trat Zelda näher, untersuchte mit einem hellen magischen Schein aus ihren Händen die graue, verblassende Inschrift auf dem Marmorstein und erkannte jene aus dem Buch haargenau wieder. Aber was war mit dem Labyrinth, in welchem dieser alte, große Grabstein mit den uralten hylianischen Symbolen, versteckt sein sollte? War das nur eine Lüge, eine Erfindung des merkwürdigen Buches? Zur Sicherheit überflog die Prinzessin die Seiten erneut, aber ihr Gedächtnis spielte ihr wahrlich keinen Streich... eigentlich hätten sie und Link ein Labyrinth durchforsten und dann diese Gruft finden sollen!

            „Das könnte eine Falle sein“, sagte Zelda und wollte wissen, was ihr bester Freund davon hielt. Sie strich mit ihren Fingerspitzen den bröselnden Dreck von dem Stein, während Link konterte. „Es bringt nichts, abzuwarten, Zelda. Selbst wenn dies eine Falle ist, wir haben keine Wahl.“ Genausten beschaute Link den Stein, fand einen unauffälligen, kleinen Hebel aus Kupfer an der rechten Seitenkante und betätigte ihn neugierig.

Mit quietschenden Getöse schob ein alter, vergessener Mechanismus den Grabstein beiseite, verscheuchte die Ruhe der Wälder mit dem krachenden Laut, als der Stein wenige Meter weiter einrastete und einen feuchten, halbzugewachsenen Treppeneingang freigab. Wurzeln bedeckten wie Hände von Bewachenden den Weg, schirmten den Pfad ab vor neugierigen Schaulustigen, wollten den Geschöpfen den Eintritt vermutlich verwähren.

            Gefühlvoll legte Link seiner Zelda beide Hände auf die zarten Wangen und blickte eindringlich in ihre schönen Augen. „Bleib’ hier, während ich das Elixier beschaffe.“ Aber sie riss bloß ihre Augen auf und schüttelte mit dem Kopf. „Bitte, Zelda.“

„Nein!“, sagte sie stur, wand sich ab und fand einfach keine zutreffenden, überzeugenden Gründe, warum Link sie schon wieder schonen wollte.

„Du weißt nicht, was da unten haust“, sagte er. „Es ist besser, ich erledige das.“

Aber sie schüttelte einmal mehr das Haupt. „Ob es dir nun passt oder nicht, ich komme mit dir. Denkst du, ich habe Lust, hier allein herumzuhocken und mir Sorgen um dich zu machen?!“

Sie trat einen Schritt näher und wollte Link mit ihren süßen Berührungen anscheinend einwickeln. Ihre sanften Hände griffen in das blonde Haar an seinem Hinterkopf und zogen Links Gesicht zu ihr herunter. Ohne weitere Worte liebkoste sie verträumt seine Lippen.

            „Bitte Link. Ich kann nicht untätig hier herumhocken.“ Er verdrehte genervt die Augen und wand sich wieder dem unauffälligen Eingang zu.

Es war ihm alles andere als recht, Zelda einer weiteren Gefahr auszusetzen, aber hatte er denn eine Wahl? Wenn Ganons Scharen sie fanden, dann könnte sie ebenso am Eingang zu der Gruft in Gefahr schweben, genauso, wie wenn in den Tiefen der Grabstätte eine hochgewachsene Teufelei auf ihr Abendbrot wartete.

Er fuhr sich durch die blonden Haarsträhnen und murmelte: „Na gut, aber wenn irgendetwas nicht stimmt, dann halte dich zurück. Du bist immer noch verwundet. Ja?“

Damit lächelte er ihr aufmunternd entgegen. Sie wippte mit dem Kopf, krallte sich seine freie Hand, während er als erster mit der Öllampe vorneweg in die unterirdische Stille eintrat.

            Mühsam drängelten sich Zelda und ihr Beschützer durch die knorrigen, großen Wurzeln hier unten, hielten sich die Nase zu, um den entwürdigenden Geruch nach Verwesung und Abfall zu entgehen. Der helle, flackernde Schein der bräunlichen Öllampe verlor sich an den klitschigen Wänden, schien vorneweg wie eine kleine Geste der Hoffnung.

            Und zwischen den Wänden waren es vergraulte Geister, die buhend herumtobten. Ihre Gesänge, ein Chor aus dem Jenseits.

 

Ungeduldig schwebte der Fürst des Schreckens, begleitet in einer neuen, schwarzen Rüstung, die kein gewöhnliches Schwert durchschneiden konnte, durch die zertrümmerte Kathedrale Schicksalshorts. Er wartete... lauerte geradezu abartig auf seine wohl grausamste Kreatur, die er jemals erschaffen hatte... und er hatte viele Grausamkeiten in den letzten Monaten und Jahren getan, an denen er sein vergiftetes Gemüt laben konnte.

Er erinnerte befriedigend den Gedanken an das wohl schändlichste, was er der alten Welt Hyrule angetan hatte.

            Vor wenigen Jahren- der dumme Tropf einer Heldenwiedergeburt hatte noch nicht einmal das Tageslicht erblickt- da brannte in ihm ein neuer verwerflicher Trieb, geboren aus seiner dämonischen Feigheit heraus.

Nachdem sich Ganondorf mit den schändlichen, einflusslosen Schatten der Gottheiten Hyrules verbunden hatte- und es gefiel ihm auf eine bestialische Weise- wuchs in ihm ein solcher Vernichtungsdrang, dass er, nicht fähig ein Ende seiner Machtgier zu finden, sich ein neues Ziel setzte.

Wie ein Raubtier war er in Hyrule auf Beute gegangen, suchte nach jedem noch so kleinen Hinweis für die Existenz der Götterdreiheit. Und eines Tages fand er dann einen Zugang zu dem hohen Gebäude im Himmel, zu dem Aufenthalt der Göttinnen, die nur den Friede und die Grabstätte der alten Welt im Sinn hatten.

            Er besann sich, während er das glimmende, schwere Stahlschwert aus der Scheide am Gürtel zog und sich vorstellte, das jugendliche Herz seines Widersachers zu durchstoßen. Er besann sich auf ein Ritual, welches die Göttinnen so selbstlobend und ehrfürchtig in dem höchsten Turm des Hohen Hauses abhielten.

Ein Ritual für das ihm der Sinn fehlte. Ein Baby- wie er doch diese Würmer hasste- lag schreiend auf einem steinernen Altar, während die Göttinnen murmelnd und ihre Energie nutzend um es herum standen. Eine der Drei hielt einen Bündel blondes Haar in ihrer Hand. Die andere goss dickes, teures Blut über dem Kind aus einer Schale. Und die dritte stopfte ein Stück Fleisch, vermutlich das Fleisch eines Hylianers, in seinen kindlichen Mund.

Gerade da versammelten sich die Schatten jener Götter und überwältigten die einst so lobgepriesenen Drei. Wenig später folterte der König des Bösen die Göttinnen und beraubte sie um ihre Kräfte, beraubte sie ihrer Schönheit und dem Gleichgewicht...

Das kleine Kind allerdings, welches nackt und hilflos auf dem steinernen Altar lag, wurde einfach zurückgelassen...    

Nur kurz darauf hatte Ganondorf die energiegeladenen Bilder erschaffen mithilfe der Energie der Göttinnen und so war es nun ein leichtes für ihn zwischen Hyrule und der wirklichen Welt hin und herzuwandeln, es war ein leichtes für ihn, ein unnatürliches, grausames Feuer in dem Elternhaus eines Kindes zu legen, welches später auf den Namen Link hören sollte...

Doch das Schicksal und vielleicht eine weitere unergründliche Macht musste das Kind des Mutes vor dem Feuer gerettet haben.     Denn als das Feuer löschte... lag das kleine Baby Link schreiend zwischen verbrannten Gegenständen und den verkohlten Leichen seiner Eltern...

            Den widerlichen Gedanken an diesen Helden Link abtuend, stiefelte er wieder hin und her, warf einen finsteren Blick hinaus an das blutrote Himmelszelt und zeigte seine gelben Zähne mit einem gehässigen Grinsen.

Sein Mutant lebte... das spürte Ganondorf und es befriedigte erneut diesen Drang in seinem Inneren, endlich Genugtuung zu finden, dann wenn jene Teufelsmaschine Link finden und vernichten würde. 

            In dem Augenblick erloschen die wenigen Fackeln und schwarzen Kerzen in der alten Kirche Schicksalshorts.

Ganondorfs aufgerissene Mundwinkel zerrten sich genugtuend nach oben. „Bist du endlich zurückgekehrt aus dem Reich der Toten, Troplox?“ Zischend kam aus der alten, abgestandenen Dunkelheit ein abfälliges: „Jah...“, gesprochen von einer tiefen Stimme, so kalt und beherrscht wie ein Henker, der gerade seine grausame Pflicht der Hinrichtung erfüllte.

Etwas zog überraschend schnell und gefährlich näher und stand innerhalb Sekundenbruchteilen herausfordernd nah vor der selbstherrlichen Gestalt Ganons, blitzte messerscharf in das hochnäsige Gesicht des Teufelsbarons.

„Du bist mutiert“, stellte Ganondorf erfreut fest und rieb seine befleckte, schwarze Zunge an einer aufgeriebenen Mundecke. Langsam und musternd betrachtete der Schreckensfürst seine Kreation, wusste doch, dass jener Mutant gewisse Fähigkeiten hatte, die sich erst nach und nach zeigen würden. Es war nun nicht mehr der unglückliche Mutant eines Moblins und Eisenprinzen... da war vielmehr, was diesen Dämon umgab. Er war nicht mehr das verstandslose Elend mit der einfältigen Sprache. Ab heute zeichnete eine außergewöhnliche, unirritierbare Intelligenz diese Bestie aus und sie würde sich ihre Todeswerkzeuge zu nutze machen.

„Und du hast das gesamte Heer in den Tod gerissen, nur um die Kräfte der einfältigen Moblins in dir aufzunehmen.“ Ein sattes, gelber Augenpaar, zornig und doch den Hass der Nacht mit sich führend, starrte angewidert in die Augen des Meisters.

Darauf lachte die Kreatur hämisch und grinste ihren Meister verzückt an: „Was wollt Ihr, Ganondorf? Mich bestrafen, weil ich das dümmliche Heer von seinem nutzlosen Dasein befreit habe?“, sagte eine tiefe Stimme, gewetzt von reibenden Stimmbändern.

„Nein“, sagte er grob und ließ sich in seinen selbsternannten Thron fallen. „Was bringt es mir, dich zu bestrafen, wo ich erfahren will, was deine Fähigkeiten vernichten können.“

„Ihr wollt Beweise, Meister?“ Ganon lachte und lehnte sich zufrieden an seinen glattpolierten Thron. „Das ist dürftig... ich brauche keine Beweise. Vernichte endlich den Helden, bevor er die Elixiere beisammen hat.“

Der Mutant nickte.

„Und lass’ ihn... leiden... ich will spüren, wie der Mut aus seinen Venen herauskriecht!“

„Wie Ihr befiehlt, mein Lord.“

Ein kurzer Windstoß kam auf und Troplox verschwand.

 

In der Zwischenzeit hatten Zelda und Link immer wieder buhende Geräusche von vergessenen Seelen vernommen, die hier in der großen Gruft nach Sühne und Hoffnung suchten.

„Wenn wir sie nicht reizen, dann lassen sie uns sicherlich passieren“, sagte Zelda und schaute sich vergewissernd in der Tiefe um, erhaschte Blicke zu den klitschigen Wänden und setzte hinzu.

„Es sind nur ruhelose Geister, die ihr Zuhause noch nicht verlassen konnten, oder eine neue Zeit für ihr Seele nicht akzeptieren können.“

Link ließ sein Schwert summen und zerschnitt einige große Wurzeln, die ihnen den Weg blockierten. „Dann würde ich meinen, wir hetzen sie nicht auf und verhalten uns weiterhin so leise wie möglich, Schatz“, sagte er und schielte aufmunternd in ihre Richtung. Lächelnd sah sie auf und drückte sich kurz an seinen Rücken, wo der gewichtige Schild abgeschnallt war. Verwundert musterte er sie in der stickigen Dunkelheit.

„Stimmt etwas nicht?“, meinte er besorgt, da sich seine Prinzessin an ihn angelehnt hatte.

„Nein... es ist nur...“ Er drehte sich um und streichelte über eine ihrer seidenen Wangen.

„Du wirst langsam müde“, sagte er für sie. „Gerade deshalb wäre es besser gewesen, du hättest draußen auf mich gewartet.“ Sie nickte einsichtig.

„Aber...“ Er gab ihr einen kurzen Kuss an ihre Stirn. „Wir haben es bald geschafft, mein Engel.“ Erneut nickte sie und das Paar setzte den Weg fort.

            Es dauerte nicht lange und die beiden erreichten ein in die Erde gehauenes Zimmerchen, sehr klein und extrem niedrig, sodass lediglich Zelda darin stehen konnte. Nur Link, mit seinen einmeterachtzig hatte ein kleines Problemchen...

Zelda betrat den kleinen Raum vor ihrer Nasenspitze als erste und fand in einer Kerbe direkt in der Wand ein kleines verstaubtes Beutelchen mit schwerem Inhalt. Sofort nahm sie es an sich und trat aus dem eigenwilligen Räumchen heraus, um es ihrem Helden zu präsentieren.

Link öffnete eine dickfasrige Schnur an dem Bund und schielte neugierig in den kleinen Sack hinein. Verwundert schüttete er den Inhalt heraus. Es handelte sich um eine langhalsige Flasche, genau wie diejenigen, in welchen sich die magischen Elixiere der Weisen ergossen. Aber diese Flasche war schlichtweg leer.

            „Warum ist es leer?“, sagte Zelda aufgeregt. Und sie überprüfte das lila Fläschchen genau. „Eigentlich hätte Impas Elixier hier drin sein müssen“, sagte sie und konnte es einfach nicht glauben. Auch Link war beunruhigt und rieb sich grübelnd über die Stirn.

„Meinst du, es hat jemand bereits verwendet?“

„Heilige Nayru...“, schimpfte sie und hatte für wenige Momente das Gefühl die gesamte Mission war umsonst. Impas Elixier war nicht hier. Was nun?

„Zelda... vielleicht gibt es ja eine Erklärung dafür.“

„Eine Erklärung? Woran denkst du? Ist dir etwa nicht klar, was es heißt, wenn wir nur eines der Elixiere nicht auftreiben können?“, sagte sie bitter und fühlte eine hetzende Nervosität in sich keimen. Die kommenden Ereignisse liefen innerlich vor ihr ab. Ganon würde sie finden... und der letzte Funken Hoffnung würde von der Dunkelheit überrannt werden. Kein Elixier... keine Zukunft...

            „Zelda... bitte beruhige dich. Möglicherweise müssen wir uns das Elixier erst irgendwie verdienen.“ Aber sie stützte bloß eine Hand an den Kopf und sah durch den Schein der Lampe von Links klarem Blick zu Boden.

„Ich kann mich nicht beruhigen“, schimpfte sie. „Wenn das Elixier schon von jemanden benutzt wurde, dann reichen die Kräfte der Sieben Weisen nicht aus und dann...“ Ihr wurde leicht übel vor Schmerz und Angst vor der nahen Zukunft.

Hastig redete sie weiter: „Wir haben nicht mehr viele Tage und können nicht ganz Hyrule nach dem verbliebenen Elixier auf den Kopf stellen. Wir brauchen sofort...“ Aber Link stoppte ihre hetzenden, aufgeregten Worte, drückte sie vorsichtig an die raue, kalte Wand und liebkoste heftig ihre Lippen mit seinen. Der Kuss ging tief und seine heiße Zunge forderte schnell Eintritt, sodass Zelda endgültig mit ihren besorgten Gedanken abschloss. Er rieb zärtlich, wie jede freie Minute, die sie im Hause der Götter hatten, seine Zungenspitze an ihrer und fuhr verträumt und erforschend über ihre glatten Schneidezähne. 

            Als der Kuss endete, sah sie ihren Heroen verwundert an. Aber er grinste bloß verschmitzt: „Habe ich es endlich geschafft, dass du mit deinen voreiligen Schlussfolgerungen aufhörst?“ Ihre Augen waren groß und munter, willig ihm zuzuhören.

„Lass’ es mich erklären.“ Und sie nickte.

„In der Weisenstätte des Waldes begegneten mir vier Ritter eines alten Ordens, die das Elixier des Waldes hüteten.“ Verständnisvoll wurde sein Blick und butterweich.

„Aber ich war zu jenem Zeitpunkt nicht fähig gegen sie zu kämpfen, weil... du verwundet warst und noch bist. Ich war ehrlich mit mir selbst und daraufhin hatten jene Ritter mir das Elixier einfach überlassen.“

„Heißt das...“, meinte sie und ihr Heroe nickte entschieden.

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass nun der Kampf bevorsteht, den ich vor einigen Tagen nicht bestreiten konnte.“ Einsichtig wippte die Prinzessin mit dem klugen Kopf auf und ab. „Gut, aber wo wird der Kampfschauplatz sein, wenn nicht hier?“

Erneut untersuchte Link den Beutel, wo sich das Elixier verbarg, aber kein weiterer Hinweis. Aus einer inneren Ahnung heraus, und vielleicht war es auch nur ein letzter Ausweg, der ihn auf den Dreh brachte, weil sie sowieso nichts anderes zu tun hatten, öffnete er einfach einmal die violette Flasche, wo hoffentlich sehr bald des Elixier der Schatten enthalten sein würde.

            Als er den gläsernen Verschluss aufdrehte, spürte Link noch eine wärmende Umrahmung, ähnlich einer Wolldecke, die den gesamten Körper umhüllte, spürte noch Zeldas zarte Hand in seiner, bis er von geheimnisvollen Wogen weggetragen wurde.

            Abrupt riss der junge Heroe seine Augen auf, spürte etwas Kaltes, fühlte Dürre...

Weißes Licht, gespiegelt von gläsernen Wänden blendete ihn, ließ ihn unruhig werden und langsam niedersinken.

Er musste teleportiert worden sein, erneut gegen seinen Willen, schon wieder...

Link genoss einen langen, tiefen Atemzug, ehe er sich genau orientieren konnte. Er rieb sich quälenden, trockenen Schlafsand aus den Augen und reckte seinen müden Kopf in die Höhe, orientierte sich, besann sich.

Zu seiner Verwunderung befand er sich in einem kolossalen, teilweise zerstörten Steinkreis, aufgebaut aus vielen, vielen Reihen kleiner Findlinge und in der Mitte des Kreises befand sich so etwas wie ein Opferstein.

Link spähte genauer hin und erkannte eine Schale auf dem Stein, wo eine lilaschimmernde Substanz eingegossen war. Und die Sonne am märchenhaften, hylianischen Himmel sank allmählich hernieder.

            Gut, dachte er, das Elixier der Weisen hatte er gefunden, aber wo war Zelda?

            Besorgt und langsam tapste er voran und blickte in alle Richtungen, aber seine Prinzessin war nirgends zugegen. Sich ein neues Ziel setzend, wollte er zunächst die Flüssigkeit in das leere Fläschchen füllen, welches sich in seiner Hand befand und schließlich ohne Zeit zu verlieren, nach seiner Prinzessin alle Steine auf diesem rituellen Platz auf den Kopf stellen.

            Zielsicher trat er vorwärts und nahm den erstbesten Weg nach unten, direkt auf den großen Felsen zu, wo das magische Elixier ruhte. Plötzlich fühlte er jedoch einen robusten Widerstand vor sich. Er stemmte seine Hände gegen die glatte Fläche, hauchte seinen Atem dagegen und seine Vermutung bestätigte sich. Überall an diesem Ort, wo immer er auch in Hyrule gelandet sein musste, befanden sich gläserne Wände, die ihm ein leichtes Passieren unmöglich machen würden... Genervt trampelte der hitzköpfige Heroe gegen eine Glasscheibe und wurde durch eine magische, lebendige Böe meterweit zurückgeschleudert.

Link schüttelte den Kopf und sah auf. Er saß auf seinem Hintern und schaute ungläubig nach oben. „Frechheit!“, schimpfte er. Alte Mächte mussten hier noch am Werk sein, die sich gegen Hylianer nur gar zu gerne auflehnten.

            Rote Lichtstrahlen brachen vom Himmel herab und schlugen an jene gläsernen Wände, wurden reflektiert und zu ihrem feurigen Ursprung zurückgeschleudert. Ein Weg gab sich preis durch dieses gigantische gläserne Labyrinth und Link hoffte, er nahm den richtigen, um zu dem Opferstein zugelangen...

            Nach mühevoller Arbeit und einem Vor- und- Zurücklaufen in dem gigantischen Gebilde kam der junge Heroe an dem Altar an und schüttete die magische Substanz für Impa in das dafür vorgesehene Fläschchen. Vollgefüllt stand die magische Substanz auf dem Steinfels...

            Gerade in dem Moment erschienen sie- jene vier Ritter, gegen die der junge Heroe nun noch das aufgeschobene Gefecht führen musste um den Altar herum, umzingelten ihren Herausforderer.

„Du bist an dem Ort deiner Bestimmung, Held.“ Und Link schien nur gequält und gelangweilt zu nicken. „Vier Kämpfe werden dich erwarten, doch diesmal kann der Kampf nicht verschoben werden. Diesmal testen wir deine Schwächen und deine Stärken.“

Ein weiterer mit dicken Wams unter der robusten Rüstung sagte kühl und beherrscht: „Erneut scheinst du nicht bereit zu sein für einen Kampf. Doch diesmal können wir unseren Gehorsam nicht wegwerfen, unsere Verpflichtung das Elixier das Schattens zu bewachen. Der Kampf ist nötig.“ Elegant wanderte der Schwertarm Links über seine Schulter und er zog die Waffe geschmeidig aus der festen Umhüllung.

Ein entschlossener Blick. Wagnis und Zielhaltigkeit. Er würde kämpfen, für seine Ziele, für das Gute und die Welt, die im blutigen Schatten lag. Und er würde für Zelda kämpfen.

            „Aber sei’ gewarnt. Unsere Kampftechniken sind nicht mit dem vergleichbar, was dir vielleicht in den Gestalten der erbärmlichen Diener der Nacht begegnet ist. Gegen uns zu kämpfen fordert nicht nur Kühnheit und Mut, nein, es fordert Taktik und strategische Geschicktheit.“

Link nickte erneut, umfasste das lederne Heft seiner Waffe mit Spannung, Aufgeregtheit und einer gewissen Vorfreude. Ehrgeiz war es, was nun in ihm erwachte. Eine neue Tugend, bestrebt seine eigene Schwertkunst noch zu verfeinern und das erste Mal den Schild der Götter in einem fairen Kampf einem Test zu unterziehen...

Eine steinerne, robuste Plattform schob sich lautlos aus festem Untergrund nach oben. Nur ein Hauch des Windes strich umher, zeugte von vergessener Magie der Geister, die nun fordern und testen würden. Jene steinerne Platte, bemalt mit alten hylianischen Schriftzeichen: der Kampfschauplatz, groß und übersichtlich...

            Der erste Ritter aus alten Zeiten setzte einen seiner klappernden Eisenstiefel vor den anderen, trat aus der Unwirklichkeit heraus, die ihn umgab, wurde echter, wurde beinahe lebendig erfahrbar...

Ein hylianischer Waffenrock stach unter seiner Silberrüstung hervor. Ein aufwendig verzierter Helm schmückte sein Haupt und ein großer Bruchteil seines Gesichtes, überzogen mit Narben und der Erinnerung an tobende Schmerzen, war zu erkennen unter einem kleinen Stahlgitter, dass sein Antlitz spärlich schützte.

„Lausche der Stimme des ersten Kampfes. Höre die brennenden Schreie des Schwertes. Fühle, leide im Angesicht deines Mutes...“, murmelte jener Ritter mit träger, tiefer Stimme und schwebte im selben Augenblick auf das Podest. Seine Augen dunkel und kühl, genährt von den Toten, die auf Schlachtfeldern starben. Schlachtfelder einer grausamen Vergangenheit, die Hyrules Licht befleckte...

            Zögernd betrat Link den Schauplatz des Kampfes, fühlte neben Aufregung und Spannung ein leichtes Angstgefühl... Denn noch nie hatte er gegen einen gutausgebildeten Ritter mit langjähriger Kriegerfahrung gekämpft... und überhaupt... wie sollte er einen so guten Veteranen wie denjenigen besiegen, der ihm gegenüberstand?

Interessiert stützte sich der Kerl auf sein langes, scharfschneidiges Schwert und durchbohrte Link mit seinem Scharfsinn. „Es ist mehr in dir als du denkst. Wenn du dich beweist, wenn du vorsichtig und bedacht bist, brauchst du dich vor diesem Kampf nicht fürchten.“

Link schluckte den Knoten in seinem trockenen Hals herunter, zog langsam das Schwert, formte mit innersten, überlegten Gedanken das Kampfgeschehen...

Bereit für die erste Schlacht gegen das Gute stellte sich der Held der Zeit in Kampfstellung. Seine tiefblauen Augen ein Spektakel aus Entschlossenheit und Mut.

Der Ritter brachte seine lange Klinge in die Höhe, ein Schwert der Krone, ein Schwert mit hylianischen Schriftzeichen, die sich wie eine Schlange um den glattpolierten Stahl wanden...

Fasziniert sah Link zu. Allein die Eleganz, die Technik des Ritters war tausendmal besser als seine eigene...

Die Bewegungen des Ritters endeten in einer präzisen Kampfstellung. Sekunden verstrichen langsam, während die Plattform sich in langsamen Takten im Kreis drehte. Unaufmerksam und abgelenkt nur in einer Sekunde, starrte der Heroe auf die Plattform, die sich langsam drehte wie Kettenkarussell.

            „Überrascht?“, lachte der Ritter und hielt sein Schwert erneut horizontal von sich gestreckt. Die scharfe Spitze der Klinge in der Höhe zur Nasenspitze Links. Spannung knisterte in der Luft wie Holz im Feuer...

Link schluckte die Spucke in seinem Hals herunter und wartete mit fiebernder Aufregung auf den ersten Angriff, der aber nicht kam. Er zwinkerte, als eine Schweißperle an seiner Stirn hinabwanderte. Doch nichts geschah... Sollte er etwa zuerst angreifen?

Der Ritter aber drehte seinen schweren Stahlhelm ein wenig nach rechts und erklärte, während sein Schwert seinen Worten folgten. „Das Schwert wirst du jetzt nicht benötigen.“

Und noch ehe sich Link versah, wurde die Klinge Leons mit grober Magie aus seiner Hand gerissen und landete außerhalb des Kampfplatzes. Bestürzt schaute der Heroe der Waffe hinterher und hörte den dumpfen Schlag als jene auf dem Steinboden neben den drei anderen schattenhaften Rittern zu Boden fiel. 

            Sein nächster Blick galt dem Ritter, getränkt in Unverständnis.

„Dieser Kampf dient nicht deiner Fähigkeit anzugreifen, zu vernichten, sondern nur dem Schutz deiner selbst“, meinte der Ritter und griff nach dem runden, gewichtigen Stahlschild auf seinem Rücken. 

„Das heißt, ich soll’ lediglich abwehren?“, meinte Link verwundert und umklammerte umso fester den Schild der Götter. Er wollte schon beherzt grinsen, amüsiert über dieses lustige, harmlose Spiel, als der Ritter aber warnte: „Denk’ nicht, dass dies so einfach ist, Held! Ein Schild zu nutzen, einzusetzen mit Ehrgeiz und Mut ist eine eigene Sache, die gekonnt sein will!“

Link nickte, auch wenn er sich diesen Kampf nicht allzu schwer vorstellte... Aber seine Überheblichkeit würde ihm irgendwann vielleicht noch den Hals brechen...

            Den prachtvollen Schild der Götter schützend vor sich wartete Link auf den Angriff. Sein Blick nun eins mit den dunklen Augen seines Gegenübers. Die große Gestalt des Ritters beugte sich nach vorne, das Schwert lief auf den Wegen der Vernichtung und Link wusste, jetzt würde der Angriff endlich kommen. Und schlagartig löste sich die starre Haltung des Ritters in Luft auf, und er hetzte unberechenbar schnell auf den jungen Heroen zu, der nicht wusste, wie ihm geschah. Der Ritter marschierte nicht auf seinen Beinen, er schwebte mit hoher Geschwindigkeit über den Boden. Überrascht und überfordert hielt Link den Schild vor sich, spürte eine wuchtigen Aufschlag seines Gegenübers. Welche Kraft, dachte er. Nicht einmal die Skelettritter in den Wäldern Schicksalshorts hatten solche erbarmungslosen Kräften. Link wurde einen Meter zurückgestoßen, blieb aber standhaft auf seinen Beinen, würde niemals auf die Knie sinken vor einem Ritter, der doch nichts mit ihm gemeinsam hatte außer der Treue zum einstigen Hyrule. 

            „Na? Das ist wohl nicht das, was dir deine Einfältigkeit weiß gemacht hat, Held“, eiferte der Ritter und nahm den schweren Stahlhelm kurz ab. Der Ritter war ziemlich alt, entgegen der Kraft, die er mit seinen Angriffen einzusetzen wusste. Langes, schneeweißes Haar fiel dem Kerl bis zu den Schultern. Link schnaufte und setzte einen bitterbösen Blick auf. „Aber du besitzt etwas, dass in unseren Reihen nur spärlich zu finden ist, Held... etwas vergessenes.“ Und der Kerl platzierte seinen Helm wieder auf dem Schädel. „So sei es. Kämpfe und halte durch!“ Die Stimme des Ritters ernster und lauter als vorher.

            Und noch ehe sich Link versah, raste der Bedienstete der Krone wie ein Blitz über den Kampfschauplatz, griff von allen Himmelsrichtungen an und forderte de Einsatz des Schildes. Jeder Schlag kam mit einer solchen Präzision, die Link das Fürchten lehrte... jeder Schlag stärker und gewandter als der vorherige. Und es schmerzte im rechten Arm des Heroen, der den Schild der Götter führte. Verbissen hetzte Link nun selbst auf der Plattform hin und her, beobachtete die kriegerische Gestalt aufmerksam, unhaltbar, ohne Erschöpfung und seinen reißenden Geduldsfaden zu zeigen.  

            Es war neu. Eine Art des Kampfes, die Link in der Form noch nie erfahren hatte und doch schien irgendetwas an dem Kampf vertraut, irgendetwas wollte in ihm aufwachen, während das Schild die herben Schläge abfing...

Ein Gefühl unglaublichen Wahnsinns, den nur ein Kampf bieten konnte. Der Wahnsinn über Leben und Tod zu entscheiden... das war die neue Sache, die jener Held nun mit anderen Sinnen spürte...

Er sah die Klinge seines Gegenüber wandern, sah, wie sie die Luft zerfetzte... und nur ein Schutzschild war das einzige Hindernis, das jener Klinge verbot, sich an Fleisch und Blut zu laben.

Der Kampf zehrte mehr und mehr an Links Nerven und seiner Kraft. Die Wucht des Schildes, der bei jedem Schlag an seinen eigenen Körper drückte, wurde unerträglich. Links rechter Arm zitterte bereits aufgrund der zermürbenden Schläge.

            In dem Augenblick stand der Ritter still, zog sich zurück in den hintersten Bereich der Arena und nahm einmal mehr seinen Helm ab.

„Du bist ein Raufbold, aber du nutzt dein Schild in hilfreicher Weise. Und obwohl Kraft nicht deine Stärke ist, kannst du bestehen. Der erste Kampf ist nun entschieden.“

            Mit diesen Worten senkte sich die Plattform und stoppte in den Kreisbewegungen. Der Ritter marschierte erhaben wieder in die Reihe der anderen und der zweite trat hinein. Ungläubig starrte Link zu dem ersten Veteranen und hatte eigentlich eine Antwort erwartet. Hatte er nun den ersten Kampf bestanden oder nicht? Hatten seine Fähigkeiten gereicht für ein Viertel des Elixiers?

„Hab’ ich den ersten Kampf nun bestanden, oder nicht?“, fragte er ohne zu überlegen und fixierte den ersten Ritter. Prompt antwortete dieser: „Du lebst noch, nicht?“, lachte der alte Ritter, hob Links Schwert auf und warf es ihm zu. Geschwind nahm jener Veteran in dem Augenblick wieder geisterhafte Gestalt an. 

            Interessiert musterte Link den zweiten gespensterartigen Herausforderer. Ein relativ junger Ritter, vielleicht so um die dreißig, als der Tod ihn überfiel, schaute den jungen Helden ziemlich dreist und vorwitzig an. Sein Gesicht war frisch und narbenlos, sein schwarzes Haar zu einem geflochtenen Zopf verbunden. Er trug keine Rüstung, sondern eine schwarze Lederweste und dazu eine enganliegende dunkle Hose ebenfalls aus Leder, was Link stutzig werden ließ. Warum hatte dieser Kerl nicht einmal ein Kettenhemd unter der Weste und auch sonst nicht den Ansatz einer Rüstung?

Aufmerksam wartete Link auf eine Reaktion jenes jungen Ritters. Aber anstatt dem jungen Helden eine Anweisung zu geben oder ihm mitzuteilen, was dieser Kampf ihm bringen sollte, tat der Herausforderer nichts weiter als mit der Nase zuwackeln, zu niesen und sich schließlich ein störendes Haar aus der Nase zu zupfen. Ungläubig musterte Link das Schauspiel und kam sich nicht nur überflüssig, sondern auch verarscht vor.

 

Link beobachtete das Theater mit ungewöhnlicherer Ruhe und kratzte sich kurz an seiner rechten Wange. Als der Kerl aber dann noch mit Dehnübungen anfing, wurde es Link zu bunt. Schnaufend ließ er sich auf den Boden sinken und wartete auf das, was da kommen möge. Er malte mit dem Zeigefinger Spuren in den Sand. 

Der Ritter knackte mit den Fingern und räusperte sich. Nickend hüpfte der Held auf die Beine. „Kann’ es dann losgehen?“, meinte Link gelangweilt. 

„Übereifrig. Übereifrig“, keifte der Ritter.

„Nein, ich will nur den Kampf überstehen, denn ich stehe unter Zeitdruck“, erklärte Link. „Deshalb möchte ich gerne beginnen.“ Der Ritter lächelte breit und nickte und begann zu erklären: „Der erste Kampf diente dem Schutz deines Körpers. Der zweite jedoch fordert deine Geschicklichkeit, deine Schnelligkeit und deine Bewegungen.“ Alsdann legte der Kerl in jener Lederbekleidung seine Waffen ab, schnallte einen Dolch von seiner Hüfte, zog ein weiteres Messer aus seinem Stiefel und schaute vorwitzig in das verwirrte Gesicht des jungen Streiters, der ihm gegenüber stand.

            „Was wird das?“, fragte Link wissbegierig.

„Das merkst du vor allem dann, wenn es zu spät ist“, konterte der Kerl und machte einen Handstand, schwang sein Körpergewicht in Links Richtung, sodass er direkt vor seinem Antlitz zum Stehen kam. „Versuche mich zu fangen. Wenn du mich einholst, ist der Kampf entschieden.“

„Ich soll Euch einfach nur fangen?“ Und schon wieder musste Link angesichts dieser Herausforderung schmunzeln. Dachte dieser Kerl etwa, Link wäre zu langsam? Und was sollte dieser vorwitzige angebliche Kampf darstellen?

 

Der Ritter aber lachte erheitert auf und reckte sein Haupt dem Himmel entgegen. „So einfältig du bist, so übermütig bist du. So leicht mache ich es dir schon nicht, dass du an Langeweile verendest.“ Link zuckte mit den Schultern. „Dann könnt ihr ja endlich anfangen.“ Der Kerl nickte und hüpfte innerhalb Sekundenbruchteilen in eine andere Ecke der Arena.

Er winkte frech und herausfordernd. Ohne zu zögern steuerte Link mit gezücktem Schwert auf den Ritter zu, der nur ein hämisches Grinsen im Gesicht hatte. Aber Link würde ihn nicht so einfach erreichen. Wie der Wind hüpfte der Kerl über den jugendlichen Schädel. Mit aufgerissenen Augen drehte sich Link um und schaute den Ritter erstaunt an.

„So wird das nichts, Held“, raunte der Ritter. „Du musst schon ein bisschen mehr deine eingeschlafenen Gehirnzellen in Bewegung bringen, wenn du mich fangen willst.“ Erneut winkte der Ritter ihm auffordernd entgegen. Link zog die Mundwinkel nach unten, nickte und ließ Schwert und Schild von seinem Körper fallen.

            „Schon wesentlich besser“, lachte der ältere Mann in der ledernen Kluft und zupfte sich an seinem Stoppelbart. „Los!“, fauchte er und Link ging dem Appell nach.

So schnell ihn seine Beine trugen rannte Link dem gewandten Kämpfer hinterher, der alles gab, der wie ein Blitz über die Arena fegte. Geschickt wich er zurück, machte Saltos und Rollen, wurde einfach nicht schlapp in seinen Bewegungen, wurde nicht langsamer, während dem jungen Helden allmählich der Atem ausging.

Tänzelnd lief der Ritter am Rand der Arena entlang und Link hinter ihm her. Plötzlich blieb jener Kerl stehen und Link witterte schon seine einmalige Chance und hetzte näher. Mit aller Gewalt warf sich Link in die Richtung des Kerls, wollte ihn zu Fall bringen, festnageln und diese überflüssige Testung seiner Schnelligkeit beenden, aber mit einem Mal stand der Ritter in der anderen Ecke des Kampfschauplatzes. Was war das denn schon wieder, dachte Link. Verfügte der Ritter über Magie? Konnte er sich möglicherweise teleportieren?

Der junge Held stützte sich verschnaufend auf die Knie und rang nach Luft.

 

„Du bist tatsächlich zu lahm für mich“, stellte der Ritter fest.

„Könntet Ihr mir freundlicherweise sagen, wie ich Euch fangen soll, wenn Ihr eine Teleportierfunktion verwendet? Das ist unfair und alles andere als ehrenhaft“, brachte der Heroe aus seiner trockenen Kehle, wischte sich mit einem Ärmel über die schweißnasse Stirn und fixierte den Ritter erneut mit kühlen Blicken. Der Ritter ließ den Kopf schief hängen und bewunderte heimlich diese beinahe Blaublütigkeit, die diesen Heroen auszeichnete. Ja, der einstige Held der Zeit besaß etwas, das gewisse Etwas eines talentierten, mutigen Helden, der nicht bereit war, seine Ideale jemals im Stich zu lassen... 

            Der Ritter lächelte aufrichtig und besah sich ganz genau die tiefblauen Augen des jungen Streiters, wo Unmenge von Lebenslust, Mut und auch Sehnsüchte ruhten. Er wusste, wofür es zu kämpfen galt. Und er war der richtige Held für eine Welt, die am Abgrund stand. Er hütete die legendäre Seele der Helden Hyrules in sich. Es war sein Schicksal gegen das Böse zu kämpfen...

 

„Du überzeugst mit deinen Worten und auch mit deinem Auftreten. Ich gebe dir einen Hinweis. Beobachte deine Gegner genauer, nutze ihre Schwächen und lerne.“ Der junge Kämpfer konnte zunächst mit diesem Ratschlag nicht viel anfangen und beobachtete stur, wie es der Ritter sagte, dessen Bewegungen. Genau und zielsicher, suchend nach einer Möglichkeit, die Stärke des Ritters auf Schwachpunkte zu testen, suchend nach einer verborgenen Untauglichkeit... Denn jeder hatte seine Schwächen, und doch konnte man lernen jene durch Stärken auszugleichen...

 

Links tiefblaue Augen arbeiteten verbissen, beobachteten mit Respekt und Zuversicht die unterschiedlichsten Bewegungen des Ritters, der sich geschickt über die Arena teleportierte... Zehn Minuten verstrichen und der junge Held fand den Knackpunkt einfach nicht. Dieser Kerl war schnell, war einfach nur unheimlich gewandt in seinen Bewegungen, die seine Schwächen wunderbar kaschierten...

Kam der Typ denn nie aus der Puste?

            Und plötzlich ging dem Heroen das hellste aller Lichter in seinem dussligen Heldenkopf auf! Es war ganz einfach, so simpel, dass es schon weh tat. Der Kerl teleportierte sich nur an die gleichen Stellen des Kampfschauplatzes. Das war es, aber ja, das musste das Geheimnis sein. Der schwarzhaarige Ritter konnte sich zwar gut bewegen, war flink und hatte die Gabe der Teleportation, aber er konnte diese Gabe nur in einem begrenzten Umfang nutzen. Er konnte nur an den gleichen Stellen erscheinen und wieder verschwinden.

Link schüttelte vor Dummheit den Kopf, es nicht eher erkannt zu haben. Das Grinsen auf dem Heroengesicht wurde breiter, fast so breit, wie das des kleinen Bengels, der ab und an seinen Weg kreuzte...

 

Geschickt trat Link, im Übrigen mit übertriebener Gelassenheit näher, beobachtete, wie der Kerl verschwand und dann wieder auftauchte. Gut, so leicht mache ich es euch gehässigen Rittern nicht, dachte der Hylianer und platzierte sich mit Besonnenheit in der Mitte der Arena, auf die Gelegenheit wartend, dieses Spielchen zu beenden.

Er sah den Ritter erscheinen, entschwinden. Er sah ihn auftauchen aus dem Nirgendwo und im selben Moment, wie er sich auf das nächste Erscheinen vorbereitete.

Gerade da witterte Link seine Chance. Mit geballten Fäusten, seine höchsten Schnelligkeit nutzend, wirbelte er näher, sah, den Ritter gerade rechts von ihm entschwinden und wusste, wo er als nächstes erscheinen würde. Der entscheidende Moment war gekommen. Jetzt oder nie...

Link hetzte mit schnellendem Puls zu dem Abschnitt der Fläche, wo jener Ritter auftauchen würde, machte sich bereit und spürte einen Luftzug. Es geschah in Bruchteilen von Sekunden, dass Link den Typen direkt neben ihm erkannte, ihn an einem Oberarm packte und festhielt.

 

Überrascht blickte der Kerl aus ein paar hellen, erfreuten Augen nieder, durchbohrte die Augen Links, um Gedanken in seinem Hinterkopf zu suchen.

„Da ist wahrlich mehr in dir als du denkst“, sagte er lachend. „Der zweite Kampf ist nun entschieden.“ 

Und erneut senkte sich die Plattform herab. Zufrieden nun zwei der vier Kämpfe gemeistert zu haben, schnallte sich Link seine Waffen wieder um und wartete auf die nächste Herausforderung...

Der Ritter in lederner Gewandung kehrte in die Reihen der Verstorbenen zurück, wurde fast unsichtbar und blass...

 

Der dritte Ritter winkte dem jungen Heroen in dem Augenblick zu, bat ihn, von der Plattform zu treten, begab sich aus dem geisterhaften Dasein, wurde beinahe menschlich in Aussehen und Kraft. Erneut ein prächtiger, älterer Ritter mit einer teuren Rüstung.

„Du hast dir eine Pause verdient, Held. So sei es und entspanne dich für den nächsten Kampf.“ Link nickte, machte es sich auf einem der riesigen Felssteine bequem, packte ein Butterbrot aus seinem Rucksack und schielte ab und an neugierig zu den Rittern hinüber...

 

Derweil trat Zelda verzweifelt aus der tiefen Gruft heraus. Verbunden mit einem Wimmern, drehte sie an dem kupfernen Hebel und verschloss die alte unterirdische Anlage wieder. Ihr war zum Weinen zumute, weil sie einerseits nicht wusste, wo Link war und andererseits Angst hatte, ihm könnte etwas zugestoßen sein. Sie schluchzte und zog die Nase nach oben, blickte in das glühende Abendrot, blickte sich beunruhigt um und stapfte mit ihren hohen Stiefeln durch den kleinen Märchenwald, den Link so sehr liebte. Sie umarmte sich selbst, während sie durch den dichten, alten Waldabschnitt wandelte, war in ihren Gedanken weit weg und bemerkte im Hintergrund vorerst nicht das bösartige Knurren eines Untieres aus den Urzeiten Hyrules...

Vier Hufe bewegten sich leise voran, jedem Schritt der Prinzessin folgend, die im Moment starke Sehnsucht nach ihrem Heroen hatte.

            Die Farben des Waldes vermischten sich heimlich mit denen der flammenden Sonne am Abendhimmel. Ein Meer aus Feuer nahm den Himmel ein, tauchte ganz Hyrule in warme Farben, ließ die tiefste Dunkelheit außer Acht...

Und Zelda wandelte wie einst in ihren teuren Prinzessinnenkleidern durch jenen Wald. Sie wandelte über das saftiggrüne Gras, streichelte am Vorübergehen mit ihren Fingerspitzen die einzigartigen Gräser des Waldes, berührte Farne und junge Bäume mit ihren weichen Blättern. Dies war Hyrules ganzer Stolz... die Tatsache, dass es so unberührte Flecke in jener Welt gab. Hyrules Besonderheit... wo man in solchen Wäldern einst Feen singen hörte, den Wind tanzen fühlte und die Magie pulsieren spürte...

            Dies war Hyrule und doch nur eine Erinnerung. Zelda wandelte weiter, trat aus den magischen Wäldern heraus, warf einen letzten Blick durch die vielen dickstämmigen Bäume und sprach in ihren Gedanken ein leises: ,Lebwohl’ zu jenem Ort...

Es war Zeit, sich von Hyrule zu verabschieden, das wusste sie. Und vielleicht würde es ihr leichter fallen, ihre geliebte Heimat nach all den Jahrhunderten endlich ruhen zu lassen, wenn sie sich schrittweise von einzelnen Orten verabschiedete...

,Ade, mein geliebtes Hyrule... ich hätte dich bis zum Tode verteidigt...’, sagte sie in Gedanken. Eine Träne tropfte, als sie den Weg fortsetzte und erneut nicht das fletschende Untier bemerkte, welches sich gerissen und biestig an sie heranschlich...

            Ihr Ziel war Kakariko... vielleicht könnte sie dort in einem der Häuser die Nacht verbringen, vielleicht aber erfüllte das Schicksal ihr den Wunsch, dass sich ihr Heroe dort aufhielt. Denn sie fühlte sich unbehaglich, alleine hier umherzuwandeln in einer Welt, in der es von Monstern nur so wimmelte. Und sie trug schließlich immer noch eine Wunde mit sich herum... 

,Link’, sprach sie in ihren Gedanken. Immer wieder... wie eine leise Beschwörungsformel. Sie brauchte ihn jetzt, genauso wie früher und vielleicht noch mehr. Sie wollte bei ihm sein, beschützt werden, wollte seine ermutigenden Worte hören, wollte getröstet werden für das Schicksal, welchem Hyrule mit jedem Tag näher kam... Denn, falls Ganondorf besiegt werden würde, wenn die Erdenwelt erneut zum Leben erwachte und man alle Pforten nach Hyrule schließen würde, dann wäre Hyrule auch in jenem Zeitpfad endgültig vergessen und tot...  

            Erneut dachte die junge Schönheit an ihren Heroen, als sie die monumentalen Stadtmauern Kakarikos, der größten Handelsstadt Hyrules, erreichte. ,Link’, sagte sie sanft in ihren Gedanken, wünschte sich, er wäre in einem der Gebäude und würde sie sofort in die Arme reißen. ,Link’, murmelte sie sanft. ,Link, ich liebe dich.’

           

Gerade in dem Moment ließ der junge Heroe das Butterbrot aus der Hand fallen und legte eine Hand auf sein Herz. Er fühlte sich innerlich berührt, fühlte sich, als würde eine sanfte Hand sein eigenes Herz betasten. Ein angenehmes Gefühl umfing ihn und er ließ sich einfach hinten über fallen, starrte in den Himmel, während ein wahnsinnig schönes, warmes Gefühl sich in seinem Herzen ausbreitete... eine Berührung von innen. Ein Ausdruck von Sehnsucht und Liebe... nur Zelda hatte diesen Zugang zu ihm. Nur seine Prinzessin. Dachte sie etwa im Augenblick an ihn und wünschte sich seine Nähe?

Ein Lächeln umspielte seine Lippen. ,Warte auf mich, Zelda, ich bin in Kürze wieder bei dir...’, sagte er in seinen Gedanken und wusste, dass sie seine Besorgnis um sie fühlen konnte, dass sie seine Gedanken spüren konnte.

 

In Kakariko brach nun die Dunkelheit herein und Zelda schöpfte gerade ein wenig Wasser aus einem der vielen Fässer, die an einer Seitenwand der berühmtesten Wirtsstube von Kakariko standen. Sie hatte eine Holzschale in der Hand und schlürfte davon beruhigend das angenehme, klare Wasser.

Vorsorglich zündete sie ihre Öllampe an und lauschte in die Stille der Nacht. Ihre himmelblauen Augen wanderten aufmerksam hin und her. Ein leichtes Unruhegefühl lief in ihren Venen entlang, vielleicht weil in dieser großen Stadt sich viele unerwünschte Geschöpfe einnisten konnten, oder weil die Nacht Hyrule ihren dicken Mantel überwarf...

Nacht und Dunkelheit... ihre größte Angst... die sie noch lange nicht besiegt hatte.

            Zeldas himmelblaue Augen wanderten vorsorglich umher und blieben an dem Mond haften, der auch hier in Hyrule sich immer mehr zum Vollmond vereinigte. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sich etwas warmes in ihrem Herzen von Sehnsucht und Liebe erschuf. Sie fühlte die Nähe ihres Helden, erkannte, dass er nicht weit weg sein musste und sie spürte eine leichte Beruhigung bei dem Gedanken an ihn. Es musste ihm gut gehen...

            Sie nahm die klappernde Öllampe in ihre linke Hand und trat an die große Holztür zu der großen Wirtsstube heran. Sie wollte sie öffnen und vielleicht in jenem Haus, von wo aus man einen guten Überblick hatte, die Nacht verbringen, aber sie ließ sich nicht öffnen. Seufzend marschierte die Prinzessin mit dem Unruhegefühl von vorhin eine enge, kleine Gasse entlang, blickte zu den kleinen Fenstern rechts und links von ihr, sah die aufgespannten Wäscheleinen, die über die Straße liefen, erfreute sich ein wenig an den zum Verkauf angebotenen Gegenständen in den kleinen Schaufenstern und lief weiterhin ihren Weg entlang.

            Plötzlich aber war da in der Stille ein anderes Geräusch als das des Windes, der unmerklich wehte. Ein Geräusch ähnlich dem Schaben von Hufen auf lockerem Erdboden. Beunruhigt schielte die junge Prinzessin von einer Abzweigung der Gasse zur anderen, spürte das Ansteigen ihres Pulses. Furchtvoll lehnte sie sich an eine Steinwand, umkrallte die Öllampe fester und zog das Langschwert von ihrem Gürtel. Ihre Augen leuchteten im Schimmer der kleinen lichtspendenden Lampe. Ihr Atem hetzender.

Sie ballte die Fäuste, schämte sich aufgrund ihrer Angst vor der Nacht und hetzte schneller die Straße hinab, auf der Suche nach einem Gebäude, welches einen guten Überblick über einen Umkreis der Stadt bieten würden...

            Sie trat heraus aus der engen Gasse und blieb auf dem Marktplatz Kakarikos stehen. Nicht weit entfernt thronte eine schöne, kleine Villa auf einem grünen Hügel und eine gepflasterte Straße führte direkt dorthin. Zielsicher bewegte die Prinzessin ihre Füße in die Richtung der Villa.

Erneut raschelte es verdächtig hinter ihrem Rücken. Nur ein leises Geräusch, das von Gefahr und Schrecken erzählte. Und doch wusste sie nun, dass sie hier an jenem Ort nicht alleine war. Etwas wartete hier auf sie. Eine Herausforderung. Ein Kampf, den sie ohne ihren Heroen bestreiten müsste...

Sie klammerte ihre Finger so fest in das lederne Heft des Schwertes wie sie konnte und drehte sich langsam nach hinten. Erneut ein Schaben auf dem Erdboden und ein zusätzlich ein ekliges Grunzen...

            Angsterfüllt blickte die einstige Prinzessin Hyrules über den breiten Marktplatz Kakarikos und sah ihr gegenüber, nur wenige Meter entfernt, eine entsetzliche, bedrohliche Kreatur seine Zähne fletschten. Zähne, die aus einem löwenartigen Maul herausblitzten. Der Kopf entstellt und garstig mit vielen hässlichen Ausstülpungen, aus denen schwarze Substanz plätscherte. Sein gekräuseltes, dunkles Haar hing bis über zwei kraftprotzende Schultern hinab. Der Oberkörper war menschenartig und übersehen von zotteligem, schleimigen Fell, aber von der Hüfte an abwärts bestand eine solche Bestie aus den muskulösen Beinen eines Pferdes und den schwarzen Hufen eines Teufels...

Zelda stolperte schreckhaft zurück. Oh, sie kannte diese Bestien. Sie kannte ihre dreckigen Ursprünge und ihre widerwärtigen Absichten. Lynels, so nannte man sie...

Lynels waren misslungene Verwandte der Zentauren. Und sie erinnerte einen blutigen Angriff auf Hyrules Hauptstadt durch diese Sorte an unreinem Gesocks.

            Der Prinzessin schoss die Angst durch den Körper, fühlte eine fiese Lähmung, die sich schrittweise in ihren Adern und Muskeln breit machte, als sie verstand, alleine diesen Kampf bestreiten zu müssen. Erneut stolperte sie zitternd einige Meter zurück und ließ die Öllampe fallen, als sich die Bestie langsam in ihre Richtung bewegte.

Das Feuer der Öllampe verpuffte und der Lynel näherte sich grunzend der angsterfüllten jungen Hylianerin, der Tausend Gedanken durch den Kopf schossen. Sie hatte Angst, ja, und sie war einfach nicht fähig eine solche Ausgeburt der Hölle zur Strecke zu bringen, nicht nach ihrer flucherfüllten Vergangenheit, nicht ohne ihren Helden...

Lynels waren nun mal keine einfältigen Moblins, die leicht zu besiegen waren, und Lynels waren ziemlich gerissen und grausam... 

Aber hatte sie denn eine andere Wahl als zu kämpfen?

            Angewidert starrte Zelda in das dreckige Gesicht der abschaumwürdigen Kreatur und suchte nach einem günstigen Fluchtweg. Denn Flüchten war das einzige, was ihr im Moment helfen würde. Wie dumm, dachte sie, dass sie als Prinzessin Hyrules in ihrem momentanen Zustand gezwungen wurde, wegzulaufen. Wie dumm...

            Sie hatte die Worte nicht zu Ende gedacht, als die Bestie hastig zum Sprung ansetzte und sich mit brausendem Galopp auf sie stürzen wollte. Erschrocken türmte Zelda zu ihrer verbliebenen Fluchtmöglichkeit... zu einer engen, dunklen Seitengasse. Die Kreatur jedoch folgte ihr auf Schritt und Tritt...

 

Link beendete gerade genüsslich seine Mahlzeit und schaute wieder neugierig zu den vier Rittern hinüber. Ob er ihnen etwas aus ihrer Vergangenheit entlocken konnte? Wie waren diese Diener der Krone Hyrules wohl gestorben?

Sie schienen im Moment alle wie in Trance. Der dritte Ritter schärfte sein Schwert für den nächsten Kampf. Der andere las in einem Buch und derjenige in der Lederkleidung schien zu schlafen. Und der letzte Ritter meditierte...

Link hüpfte vom Felsen herunter und machte sich mit einem Räuspern aufmerksam, als er vor ihnen stand. Sie blickten alle verwundert auf, als ob der junge Heroe gar nicht vor ihnen stand, oder als ob sie ihn zum ersten Mal sahen.

„Könnten wir vielleicht mit der Testung fortfahren? Die Nacht bricht herein“, meinte Link umständlich, aber die Ritter taten nicht dergleichen. „Du weißt anscheinend gar nicht, wie nötig du eine Pause hattest.“ Leicht empört breitete Link die Arme aus und versuchte die Sache zu erklären. „Ich möchte nicht ungeduldig erscheinen, aber die Prinzessin des Schicksals läuft während ich hier untätig herumsitze, alleine und das mit einer Pfeilverletzung durch Hyrule. Und wenn Ganons Scharen sie finden, während ich hier faulenze, könnte ich mir das niemals verzeihen. Also, wollt Ihr nun bitte fortfahren?“ Seine Worte waren aufgeregter und bissiger als vorher. 

„Deine Prinzessin wandelt alleine durch Hyrule? Deine Prinzessin oder die Hylianerin, die du verehrst?“, fragte der Ritter mit dem Buch in der Hand. Link antwortete sofort: „Beides.“

„Wärst du bereit, ihr Leben für den Frieden Hyrules zu opfern?“ Link blinzelte und sein Mund stand sprachlos offen. ,Wie bitte?’, dachte er. Diese Veteranen fragten ihn, ob er Zeldas Leben für den Frieden des Landes opfern würde? Nicht mit einer Sekunde würde er daran denken, Zelda für irgendetwas zu opfern, zu vergessen oder im Stich zu lassen…

            „Ihr könnt nicht von mir verlangen, dass ich eine solche Frage beantworte!“, sagte er kühl und drehte sich entschieden um. Sicherlich hatte Link seine Ideale und seine Verantwortung für Hyrule. Aber er liebte Zelda aufrichtig… Eine solche Entscheidung, die entweder zu Gunsten Zeldas oder zu Gunsten der alten Welt Hyrule ausgehen würde, konnte er nicht fällen.

„Aber es wird der Tag kommen, da du dich für eines von beiden entscheiden musst, ob du nun willst oder nicht. Das Leben fordert Opfer, vor allem von Helden, vor allem von deines gleichen. Also… wie wirst du dich entscheiden.“ Link fuhr sich durch die blonden Haarsträhnen und schüttelte mit dem Kopf. Er war noch lange nicht bereit für eine solche Entscheidung. Er liebte Zelda viel zu sehr, als dass er sich gegen sie entscheiden würde… aber wäre eine solche Entscheidung möglicherweise der Untergang für viele andere, der Untergang für sowohl Zelda als auch ihn?

„Überlege dir diese Entscheidungsaufgabe… denn die Zeit rinnt dir davon. Der Tag der Entscheidung rückt näher.“ Link stützte eine and an seinen Kopf. Der Tag der Entscheidung? Er würde zwischen Zelda und dem Frieden wählen müssen? Er sollte darüber urteilen, was er mehr liebte?

            „Warum erzählt Ihr mir das?“

„Weil dein Schicksal und das dieser alten Grabstätte Hyrules daran geknüpft sein werden. Wir sind Geister, Held, wir wissen mehr über die Zukunft als du oder ein anderes lebendiges Wesen. Deshalb hüte dich vor einer vorschnellen Entscheidung und bedenke gut, was jede Entscheidung mit sich bringen würde…“ Link ließ die Schultern hängen. Sein Blick war weich und einen Hauch verzweifelt. ,Warum würde er immer das verlieren, was er liebte?’ War es die Grausamkeit des Schicksals, die dies bereithielt? Oder war es nur ein dummer Fluchtversuch, um alten Mächten gnädig zu sein…

Link schüttelte den Kopf, war uneinsichtig und stur. Er konnte und wollte eine solche Entscheidung nicht fällen. Niemand, nicht einmal die Götter konnte etwas derartig Grausames von ihm verlangen!

            Doch sehr bald würde jener Tag kommen und Link konnte wählen… Aber würde er Zelda denn jemals wieder für ein Stückchen Frieden verlassen wollen?

            Seine Gedanken schweiften zu ihr, als der junge Heroe die Pause fortsetzte, die jene Ritter von ihm verlangten…

 

Die Prinzessin des Schicksals hetzte gerade in jener Minute durch eine schmale Gasse, keuchte unentwegt und stützte sich verzweifelt auf ihre Knie. Seit einigen Minuten lief sie vor dem dämonischen Aas davon, hatte sich alle möglichen Zufluchtsorte überlegt, aber nichts war vor dem Lynel sicher...

Magische Kräfte hatten diese Biester massig. Ein starkes Schwert und ein kleines, rundes Schild waren ihre Standardausrüstung...

Und auch jetzt schabten seine schwarzen Hufe wieder angstprovozierend auf dem trockenen Erdboden. Zelda schärfte ihren Blick, versuchte ihren verräterischen Atem zu unterbinden und spürte das Monster näher und näher kommen. Verzweifelt rüttelte sie an dem erstbesten Hauseingang in der Gasse, fand eine offene Tür und huschte so schnell wie möglich in das dunkle, leerstehende Lehmhäuschen... sie verriegelte die Tür ohne zu zögern, und lehnte sich an die hinterste Wand einer kleinen Wohnstube. Sie fühlte das kalte Gestein in ihrem Rücken und presste sich dagegen, als würde es ihr helfen, Ruhe und Mut zu finden...

            Angestrengt lauschte sie in die Stille der Nacht, wischte sich goldene Strähnen ihres zerzausten Haares vom Gesicht und biss sich auf die Lippe.

Der Lynel war nah... und er gierte nach Blut und Fleisch...

            Sie umarmte sich selbst, als sie draußen in der engen Gasse ein raunendes, fast schon kicherndes Quietschen vernahm. Eine Schweißperle zeichnete sich auf ihrer Stirn ab, als die Mischung aus Moblin, Elf und Pferd sich in der kleinen, schmalen Gasse entlang bewegte. Er zirpte beinahe, führte einen bohrenden Schlachtgesang an, triumphierte vor Freude, ein hylianisches Geschöpf zu töten, zu zerreißen und verstümmeln zu können.

Bilder eines Angriffs auf das Schloss rüttelten an ihrem Gemüt... nur acht Jahre alt war sie damals, als diese Biester in den Königssaal eindrangen und einige der besten Ritter des Landes wie Happen Fleisch von diesen Bestien auseinander gerissen wurden. Sie erinnerte sich, dass ihr Vater sie in einen Geheimgang einsperrte. Auch dort war sie allein. Allein, wie eh und je... aber er hatte sie beschützt...

            Und nun musste sie selbst eines der widerlichsten Ungetüme ihrer eigenen Welt in die Hölle schicken, aus der man es zurückholte. Sie krallte ihre Fingerspitzen aus Feigheit in die Haut ihrer Arme, schämte sich für ihre Angst und wusste doch, dass Angst nur die Vorspeise eines Mahls mit dem Bösen darstellen konnte. ,Es war Zeit,’ dachte sie. ,Greif’ an’, sagte sie in Gedanken. ,Tu’ etwas, Zelda!’

Erneut zog sie ihr eigenes Schwert, dessen Klinge in der Nacht silbrig schimmerte. Sie schwang es horizontal, lauschte seinem hellen Klang, fühlte die Winde vor ihrer Lieblingswaffe zurückweichen und im Hintergrund wurde das schaurige Wiehern und Geifern immer lauter. Es näherte sich und zückte keine Sekunde vor dem Feind, den er maßlos unterschätzte. Denn es war eine Hylianerin, gegen die er kämpfen würde, die wirkungsvolle magische Attacken besaß, und die mehr als die meisten anderen einen Groll gegen die Diener der Dunkelheit trug...

            An einem der kleinen Fenster des Häuschens schlich ein Schatten vorbei, der sich vom hellen Mondlicht speiste... Und jener Schatten blieb, spürte ängstliches Leben in seiner unmittelbaren Gegenwart und schnupperte mit einer katzenartigen, entstellten Nase in der Luft den verräterischen Geruch von jungem, reinblütigem Hylianerfleisch...

            Zelda stieß einen quälenden Angstschrei aus, als die Bestie sich mit ihrem ganzen Körper gegen die kleine Holztür warf, die jene Prinzessin mit Mühe und Not verriegelt hatte. Erneut prallte der wuchtige Kopf des Dämons gegen die kleine, ungenügend gesicherte Tür. Vor Angst stiegen der Prinzessin die Tränen in die Augen und mit jedem gewaltsamen Schlag, mit jeder weiteren Attacke, fühlte sie ein leichtes Aufgeben, ein Nachgeben ihrer Knie...

Erneut ein erbarmungsloses Toben und die Tür begann zu splittern. Kleine Holzfunken tanzten in der Luft wie kleine Feengeister, die durch Dämonenhände ihr Ende fanden...

Zeldas kristallblaue Augen wanderten in dem Raum umher, suchend nach etwas neuem, suchend nach ihrer Rettung, bis sie auf einem kleinen Fenster verweilten, welches eine eingeschlagene Fensterscheibe hatte...

Zitternd wanderte ihre freie Hand an einen rissigen Fenstergriff, spürte Holzspreißel sich in ihre Haut bohren und sie zerrte mit aller Gewalt an dem Fenster. Ein hilfloses Schluchzen entkam ihrer Kehle, als sie wie besessen gegen das Fenster klopfte. ,Warum ging dieses bescheuerte Fenster nicht auf?’

Die Kontrolle verlierend, machten sich Zeldas magische Fähigkeiten selbstständig und ein gleißender Strahl puren Lichts zerriss mit gefährlichem Dröhnen das gesamte Fenster und einen Großteil der Mauer rechts und links des Fensters. Atemlos wand sie sich zur kleinen halbzerfetzten Holztür, und ein Gedanke daran, dass ihr Handrücken nicht mehr schmerzte, erinnerte sie, machte sie aufmerksam, dass sie ihre gesamte, heilige Magie der siebten Weisen diesem Lynel entgegenschleudern konnte.

Aber warum war der Stich auf dem rechten Handrücken nun nicht mehr da? Warum war er verflogen? War es das, was die Götter im großen Himmelshaus gemeint hatten?

            Der Lynel kreischte in jenem Moment, sodass man ihn noch im Kokiriwald hören konnte, er fauchte und stürzte sich mit einer gewaltsamen Attacke gegen das Türchen. Diesmal hielt es nicht mehr stand und das Holz krachte an vielen Stellen entzwei. Doch als der Lynel forschend in die Wohnstube des dunklen Häuschens stampfte, war die junge Hylianerin nicht mehr zugegen...

 

An einem anderen Ort stand Link bereits entschlossen dem nächsten Herausforderer entgegen. Diesmal, so wusste der Heroe, würde es ein Kampf sein der mehr von ihm forderte als ein sicheres Ausweichen und Abwehren von herben Angriffen. „Dieser Kampf fordert nicht deine Fähigkeit zu Schutz oder deine Schnelligkeit. Diesmal zeig’ uns deine Gewandtheit unter allen möglichen Bedingungen“, sprach sein Gegenüber klar und verständlich.

 

Links tiefblaue Augen durchbohrten beinahe mit ausdauernder Geduld den Ritter auf dem steinernen Kampfschauplatz, der den jungen Heroen ebenso zu mustern schien. Währenddessen drehte sich die Arena wieder, die riesige Steinplatte raste schneller und schneller um die eigene Achse, bis Link die Augen schließen musste. Alles drehte sich in seinem Kopf, als die Platte endlich in ihrer Irrfahrt stoppte.

Langsam hoben sich seine Augenlider und ihr Besitzer erstaunte angesichts des Ortes, der nun einiges von ihm abverlangen würde. Links Lippen entkam ein überraschter Aufschrei. Irgendwo hoch oben, auf wenigen schmalen Balken, stand der verblüffte Held der Zeit nun unter enormen Druck, das Gleichgewicht zu halten. Er schaute sich um, ignorierte den lachenden Ritter am anderen Ende eines Balkens und versuchte über dem Balken in der Dunkelheit den Boden auszumachen. Aber dies war nicht möglich... Der Ort war einfach nur ein schwindelerregendes Grauen für jedermann...

 

„Scheiße, wo sind wir hier!“, schallte seine Stimme umher. Empörung stach aus seinem Blick.

In dem Moment verlor der junge Kämpfer beinahe den Halt, kurbelte mit den Armen in der Luft herum und stolperte einige Meter rückwärts.

„Wenn ich das verraten würde, würde es keinen Spaß mehr machen. Also komm’!“ Und der Ritter machte eine auffordernde, winkende Handbewegung und grinste. „Greif’ mich an.“ Link ließ sich nicht zweimal bitten, bewegte seine Stiefel vorsichtig über den schmalen Holzbalken und fand sich wenige Sekunden später in einem ausgeprägten Kampf.

Der Ritter kämpfte fair, aber verlangte dem jungen Helden alles ab, was er an Geschicklichkeit, Technik und Ausdauer aufbringen konnte...

 

Nach vielen Minuten stützte sich Link schnaubend und vor Atemnot keuchend auf seine Knie, spürte einen Schweißtropfen über seine Stirn wandern und kniff eine Auge zusammen.

„Nicht schlecht, Held“, meinte der Ritter und schnipste mit dem Finger. „Du kannst tatsächlich auf einem Balken über einer tiefen Schlucht dein Talent unter Beweis stellen. Ich muss zugeben, ich hätte nicht mit deinem Mut gerechnet.“ Link hörte den Ritter lediglich murmeln und blickte ermüdend zu dem winzigen Halt hier oben in der Luft. Der Ritter schnipste noch einmal und erneut verwandelte sich der Ort des Kampfes.

 

Link rollte mit den Augen und seufzte. Diesmal war es kein Balken in unerträglicher Höhe, sondern eine Steinplatte umgeben mit tosenden Feuersäulen, die ihren flammenden Schein und ihre Wärme auf die Arena schickten. „Na? Schön warm?“ Der einstige Held der Zeit aber hatte keine Lust auf diese Gehässigkeit zu antworten. Sogleich zückte er sein Schwert und hielt das Schwert appellierend langgestreckt von sich. „Wie wäre es, wenn Ihr jetzt zuerst angreift!“

„Wie du wünscht...“ Auch der Ritter zog sein stählernes Schwert aus der Schwertscheide am Gürtel und ließ sich auf die Herausforderung ein. Ein weiterer Kampf entbrannte zwischen ihnen, während am hylianischen Abendhimmel Tausende Sterne am Himmel leuchteten.

 

Wohlbehütet, aber erschöpft und ausgebrannt hatte der junge Heroe Minuten später den dritten Kampf unter allen möglichen Bedingungen wie einem Balken in der Luft, gefangen im Feuer, auf Eisschollen, in purer Nacht ohne Lichtpunkte und zu guter Letzt in einem schwerelosen Raum gemeistert. Erneut stand er in der Arena inmitten des großen Steinkreises in der Nähe Kakarikos und lauschte den Worten des Ritters ihm gegenüber. „Der dritte Kampf ist nun entschieden.“

,Wie wahr’, dachte Link.

„Du hast nun eine weitere Pause verdient und dann erwartet dich der letzte Kampf.“ Link platzierte sich im Schneidersitz auf der Steinplatte, stützte eine Hand an sein Kinn und dachte sehnsüchtig an seine Prinzessin... 

 

Und auch die junge Königstochter dachte verzweifelt an ihren Helden, während sie ihre müden Beine über das Kopfsteinpflaster der engen Straßen Kakarikos bewegte. In ihrem Blickfeld hatte sie unentwegt die große Villa auf dem dunklen Hügel, und im Hintergrund grunzte und fauchte der Lynel lauter und lauter. Er musste sie entdeckt haben. Und doch traute sie sich nicht ihren Kopf eine Sekunde nach hinten zurecken und den Schrecken zu akzeptieren. Sie machte sich Mut, sprach Worte des Ehrgeizes zu sich und hetzte so schnell sie konnte weiter. ,Na, warte, du Höllenkreatur. So leicht mache ich es dir nicht.’, sagte sie in ihren Gedanken, nahm sich ein Beispiel an ihrem Heroen, der in einer solchen Situation auch nicht aufgeben würde. Aber Link würde auch nicht weglaufen... Link würde kämpfen...

            Während sie flüchtend durch die Gasse rannte, wirbelte ihr blondes Haar in den dunklen Gefilden der Nacht. Ihr Atem kam stoßweise und sie begann zu keuchen, fühlte sich schwächer und elender... Nur noch wenige Meter trennten sie von jenem erhabenen Haus auf dem nun dunklen Hügel, nur noch wenige Meter und sie war in Sicherheit, denn jene Villa schien fest und robust, dort könnte sie sich in aller Ruhe auf ihre alte Magie besinnen.

            Das Wiehern und Grunzen der Höllenbestie setzte wieder ein, als die junge Prinzessin die reiche Villa beinahe erreicht hatte. Doch irgendetwas schien nun anders. Das Grunzen war heller, wechselte sich zu einem Schnalzen, das morbider klang als vorher und nur aus Neugierde und vielleicht aus Angst, ihre Vermutung zu bestätigen, blickte die Königstochter nun doch nach hinten. Es war nun nicht mehr ein Lynel, mit dem sie schon klar gekommen wäre. Nun waren ihr fünf ausgewachsene Lynels dicht auf den Fersen.

Zeldas Augen weiteten sich angstvoll und sie stolperte schreiend, fiel krachend auf ihre Knie und drehte sich ruckartig um. Ihre Knie brannten und sie wollte nicht mehr. Konnten diese fleischsüchtigen Biester sie nicht in Ruhe lassen? Wütend ruderte sie mit ihren Armen in den Lüften, streichelte die Pfade, die Luftgeister auf ihren lautlosen Schwingen einnahmen und feuerte mehr aus Rage als aus Angriffslust einen schneidenden Lichtregen ihrer legendären Macht in die Nacht.

Der goldene Lichtregen erwischte ihre jaulenden Verfolger an allen Gliedmaßen und bohrten sich wie glühende Klingen in untotes Fleisch. Aber die Lynels ließen sich davon nicht beirren. Sie schimpften mit ihren schiefen Stimmen, beschleunigten ihr Tempo um so mehr und sonderten weitere zischende Laute ab.

            Gereizt nutzten die Lynels nun ihre magischen Kräfte und feuerten wütende gleißende Blitze schwarzer Magie auf ihr flüchtendes Opfer. Zelda spürte die magischen Attacken zwischen ihren hetzenden Atemzügen und ihren hoffnungsvollen Blicken zu der stolzen Villa auf dem Hügel. Erneute Attacken. Erneutes Zischen...

Und es war in jenem Moment, dass Zelda wusste, ihr Weglaufen hatte keinen Sinn mehr. Ihre Flucht würde sie zum Abendmahl der Lynels machen. Keuchend blieb sie stehen, als die magischen Blitze der Lynels neben ihrem rechten Ohr vorbeirauschten und einen jungen Baum entwurzelten. Langsam wand sie sich den Lynels entgegen, verabscheute jene widerwärtigen Kreaturen, ekelte sich vor ihrem blauschimmernden, dunklen, zotteligen Fell, das im Mondlicht glänzte. Sie hasste ihre moblinartigen Köpfe und das Gegrunze widerte sie an wie der Schreckenslaut eines sterbenden Dämons...

            Sie zitterte und umkrallte beinahe hilflos ihr Langschwert mit der Rechten, blickte beobachtend zu den fünf Lynels, die sich in einem Kreis um sie herum bewegten. Ihre Kehlen gurgelten, einen Schlachtruf einleitend, der nur ein Austausch von Vieh zu Vieh lobpreiste. Eine scheußliche Kommunikation, sich endlich auf ihre Beute zu stürzen. Zeldas himmelblaue wanderten bedacht und überlegend von einem Lynel zum anderen, bereit und entschlossen.

Zelda schluckte den Knoten in ihrem Hals herunter, versuchte innere Ruhe zu finden, ihr Innerstes auf Mut und Weitsicht zu erforschen. Ihre Augenlider sanken beherrscht nieder, als sich alle Lynels gleichzeitig mit wildem Geraune auf sie stürzten.

 

Zu dem Zeitpunkt sprang Link genervt auf die Beine. Schon wieder sollte er sinnlos auf einen weiteren Kampf warten. Es reichte! Er hatte nicht ewig Zeit. Schließlich stand das Schicksal der ganzen Welt auf dem Spiel. Er konnte nicht händeringend darauf warten, dass sich der nächste und letzte dieser Ritter bequemte gegen ihn anzutreten. Links Blick entnervt und missmutig. Er schlich gemächlich zu den Rittern herüber und fixierte den letzten in der edelsten Rüstung der vier ganz genau.

„Das reicht jetzt. Entweder ihr tretet gegen mich an, oder ich verschwinde mit dem Elixier. Ich habe keine Lust mehr auf euer sinnloses Geschwafel von Ehre und Ausdauer.“ Link stellte nun endlich das überfällige Ultimatum.

„Und ich habe mich schon gefragt, wann du endlich du selbst bist, Link“, sagte der letzte Ritter, trat näher und nahm einen goldenen Helm von seinem Haupt. Das erste Mal, dass einer der Ritter ihn mit seinem wirklich Namen ansprach.

„Ihr seid doch derjenige, der mir das letzte Elixier gegeben hatte“, meinte der Heroe verdutzt und fixierte mit einem eher vertrauten Gefühl jenen Ritter. Schulterlanges, dunkelbraunes Haar... ein grobes, aber freundliches Gesicht mit ausgeprägtem Kinn und einer schwach seitlich stehenden Nase. Eine kleine Narbe verlief über der Oberlippe des älteren Mannes.

„Ja“, meinte der Ritter freundschaftlich und klopfte Link auf die Schulter, der diese Geste ausgesprochen überraschend über sich ergehen ließ. Links Blick schien verwunderter als bisher, in etwa so verdutzt wie damals als Zelda das erste Mal ihre Augen in seinem Zimmer öffnete.

 

„Du hast leider keine Erinnerungen an Damals, aber lass’ dir gesagt sein, ich kannte dich.“

Links Mund stand sperrangelweit offen und sein Bewusstsein schien vor Überraschung mit dem Träumen anzufangen. „Ihr kennt mich?“

„Ja doch. Ganz gut sogar“, lachte der Kerl und zupfte an seinem Schnurbart.

„Und du bist immer noch derselbe kleine Hitzkopf wie damals“, setzte der Kerl hinzu. Auch Link bekam endlich ein Grinsen zustande. „Und wer seid Ihr?“ Link sah zu Boden und bereute diese Frage beinahe. „Nun, du kanntest mich als Kommandant Orson. Und ich stand unter der hylianischen Königsflake mit Stolz und Respekt, auch wenn ich die letzten Stunden Hyrules miterleben musste, ich werde niemals meiner Treue abschwören.“ Links Grinsen wurde immer entschlossener. „Ihr kanntet mich also.“ Link schien diese Information erst einmal verdauen zu müssen. „Und... ich meine... war ich damals besser? Ich meine, im Kämpfen.“ Daraufhin lachte Orson wieder. „Du machst dir Sorgen, Link? Sorgen, nicht der zu sein, der du sein solltest?“ Link nickte bestätigend und einsichtig. Aber der ehrenhafte Ritter beruhigte ihn. „Seit wann macht sich der Held der Zeit Sorgen um seinen Kampfstil? Du hast Talent und du hast Mut. Lass’ dich von den Täuschungen aus vergangenen Zeiten nicht beiirren, Link.“ Der Angesprochene Heroe sah zufrieden auf und grinste breit.

„Und du hast immer noch dein dümmliches Grinsen, Link.“ Beschämt schaute er wieder zu Boden und kratzte sich am Haaransatz.

 

„Der Kampf wird fortfahren, aber vorher...“ Und der Ritter setzte sich auf einen Felsen und deutete Link an, es sich neben ihm gemütlich zu machen. Der Heroe ging der Aufforderung nach und besah sich neugierig die Sorgenfalten auf Orsons Stirn.

„... vorher hätte ich gerne gewusst, wie es der Prinzessin geht.“ Und diesmal trat ein Lächeln auf Links Gesicht, welches Orson in dem weitentfernten Damals noch nie in dieser träumerischen, sehnsüchtigen Variante gesehen hatte. Sicherlich... auch damals hatte der Held der Zeit einen einzigartigen Funken Sehnsucht in seinen tiefblauen Augen, wenn Zeldas Name fiel, aber die Überzeugung und Gewissheit in dem Blick des Helden war neu.

„Ich denke... nein, ich weiß, dass es ihr im Moment gut geht“, sagte er sanft. Orson nickte und erwiderte entzückt, vielleicht weil er sich immer schon als eine Vaterfigur für Link gesehen hatte oder als eine Art Onkel und weil er es wissen wollte. „Also haben die Prinzessin des Schicksals und der Held der Zeit in letzter Instanz doch zueinander gefunden?“ Link bemühte sich nicht rot zu werden und nickte bloß.

„Das freut mich für dich und für die Prinzessin“, sagte der Ritter. „Man hat es euch beiden immer angesehen... Auch wenn eine solche Liebe in damaligen Zeiten nie erlaubt gewesen wäre.“

„Deshalb... weil Zelda nun alleine in Hyrule umherwandelt, möchte ich, dass wir den Kampf fortsetzen“, meinte Link leise und hüpfte auf die Beine. „Ich will nur... dass ihr nichts zustößt. Immerhin hausen noch viele unberechenbare Kreaturen hier in Hyrule...“

Orson nickte. „Na gut, Link, wie du meinst. Ich bin dein letzter Gegner, aber in unserem Kampf wird es um etwas völlig anderes gehen als bisher. Den Test hast du bestanden, das bedeutet du bist dem Elixier würdig.“ Und Link blickte überrascht auf. Hieß das etwa, der nächste Kampf hatte nichts mit dem Elixier zu tun? Hatte er sich die Substanz für Impa bereits verdient?

 

„Was mein Anliegen betrifft, so möchte ich dir gerne eine neue Schwerttechnik beibringen, die dir beim letzten Gefecht helfen wird.“ Link war sprachlos... Eine neue Schwerttechnik mit der er eine bessere Chance hatte, gegen Ganon zu bestehen? Er drehte sich vor Freude um die eigene Achse und jubelte wie ein kleines Kind.

„Ihr wisst nicht, wie sehr ich Euch danke, Orson.“

Er grinste verschmitzt. „Du solltest mir danken, wenn du die Technik beherrschen gelernt hast, nicht eher.“ Und Link nickte einsichtig.

„Trotzdem danke“, sagte er. Es war nicht nur die angebotene Hilfe, die die Last auf seinen Schultern erträglicher machte, nein, es war wohl Orsons Verständnis dafür, dass er sehr bald einen mörderischen Kampf überstehen musste, wo ihm jeder noch so kleine hilfreiche Trick helfen könnte, erst recht eine neue Taktik.

 

Alsdann trainierte der junge Heroe mit Kommandant Orson und übte eine neue Technik ein, bei der er schlummernde, vor allem magische Kräfte endlich sinnvoller nutzen würde. Und irgendwann... dann wenn der große Kampf drohte, würde sich jene neue, hilfreiche Technik bezahlt machen... genau dann, wenn Link sie benötigen würde, wäre sie erfahrbar für die Augen eines Beobachters...

 

Tausende, gleißende Blitze gespeist aus dunkler Magie prallten der jungen Hylianerin entgegen. Und Zelda stand nur erstarrt, aber erhaben und mächtig in einem gefährlichen Kreis der Lynels. Ein runder Schutzschild umhüllte sie. Ihre blonden Haare wirbelte getragen von magischen Winden in der Luft und schwaches, aber machtvolles Licht brodelte entsetzlich und pulsierend aus ihren Fingerspitzen.

Erneute dunkle Attacken der Lynels trafen den Schutzpanzer Zeldas, aber sie spürte jene Angriffe nicht, sie ignorierte sie, sich auf ihre alte Macht konzentrierend. Lang schon vergessene Formeln eines Zaubers aus Hyrule erfüllten ihre Gedanken leise, wurden lauter in ihrem Bewusstsein, bevor die Worte einer alten Sprache flüsternd über ihre Lippen gelangten.

,Führe mich, Nayru...’, flüsterte es. ,Leihe mir deine Kraft...’

Und als Zeldas Augen weit geöffnet standen, bereit für das Fest und die Auferstehung alter Macht, brach der Schutzschild tosend entzwei und fünf Sperre aus purem heiligen Licht entsprangen den Händen der Prinzessin. Jene Waffen durchbohrten zischend die entstellten Köpfe der Lynels und alle gingen in einem Regen glühender Asche dem Ende entgegen.

            Als das Licht um Zeldas Körper erlosch und die letzten Ascheteilchen vom hylianischen Wind hinfort geblasen wurden, sank Zelda erleichtert, aber kraftlos auf ihre aufgeriebenen Knie, reckte ihr blondes Haupt hechelnd dem Mond entgegen und erkannte mit leichtem Entsetzen, dass es die ihr einst anvertraute Macht war... die erneut zum Leben erwachte...

Sie warf einen zaghaften, scheuen Blick zu ihrem rechten Handrücken, fühlte es kribbeln in ihrer Hand, fühlte den Nachklang des Einsatzes eines Teils von Hyrules Urkräften, die es zusammenhielten...

            Die alte Stärke der Göttinnen...

Der Grundbaustein Hyrules...

Die goldene Macht...

            Sie lebte...

Sie war erwacht...   

 

Nach einem harten Übungsgefecht war Link aufgrund der magischen und der körperlichen Anstrengung so geschafft, dass er sowohl Schwert als auch Schild einfach fallen ließ.

Aufgereiht standen die vier geisterhaften Gestalten wieder vor dem jungen Heroen. Sie winkten ihm zu und murmelten ein ,Lebe wohl, Link, Held der Zeit’ vor sich hin, bis sie in einem silbrigen Schimmer übergingen und endgültig verschwanden. Vielleicht, so dachte Link, hatten sie nun ihre Ruhestätte gefunden, jetzt, da das lila Elixier in seinen Händen ruhte und sie den Helden Hyrules, die letzte Hoffnung gegen das Böse, zu besserem Kampfstil angeleitet hatten. Ja, endlich konnte sie dort hingehen, wo ihre Seelen glücklich sein konnten und wo sie vergasen...

            Versunken in seine Gedanken und unheimlich besorgt über den Verbleib seiner Prinzessin sackte Link vor dem Opferstein zusammen und lehnte sich erschöpft gegen das kalte, trockene Felsgestein. ,Wo bist du nur?’, schallte es durch seine Gedanken. Ihr Name kam beinahe qualvoll über seine Lippen und er fragte sich, ob es auch diesmal den glücklichen Umstand geben würde, dass das Schicksal sie beide wieder zusammen führen würde...

            In dem Augenblick lösten sich die magischen Wände von der Welt, versanken im Erdboden wie ein flüssiges Gewebe, versickerten wie Wasser und Link erkannte unweit von ihm den Friedhof Kakarikos wieder, und den Märchenwald, wo seine Zelda und er losgezogen waren, um das geheimnisumwitterte Grab zufinden. Ob sie vielleicht noch dort auf ihn wartete? Mit nagenden Zweifeln und einer tückischen Müdigkeit hüpfte der junge Mann auf die Beine, hatte eine starke, brennende Sehnsucht nach Zelda, schier unermesslich und fast folternd war der Gedanke an ihre Wärme und Lippen schon...

            Nach einer halben Stunde war der junge Heroe an dem alten Grab angelangt, doch kein Hinweis auf den Verbleib seiner geliebten Adligen. Und allmählich legte sich die Nacht über das alte Land, wiegte Hyrule in ein sanftes Schlaflied, das der Wind hinausträllerte. Doch Zelda blieb verschollen.

            Nicht in der Lage Schlaf zu finden, wanderte der junge Held durch den dichten Wald, trat hinaus auf die weiten Felder, die sich im Nachtwind wogen, lauschte den geheimnisvollen Klängen einer Eule, die ihn auszulachen schien. Trübsinnig und übel gelaunt lehnte er sich an einen alten Baumstamm, aß einen Bissen Brot, obwohl er keinen Appetit hatte und grübelte nach einer Idee.

Die blauen Telepathiesteine kamen ihm in den Sinn, aber auch diese waren zu nichts nutze, weil alle zu diesem Zeitpunkt in Zeldas Besitz verweilten.

            Der siebzehnte Tag war um. Und nur noch wenige Stunden trennten ihn von einem erbarmungslosen Kampf, der nicht so fair und gerecht ablaufen würde wie der von vor belanglosen Minuten gegen rechtschaffene, talentierte Ritter eines alten hylianischen Ordens. Musste er sich nun alleine auf den Weg machen? War die Zeit gekommen, dass sich seiner und Zeldas Weg trennen würden? Hier in Hyrule?

            „Zelda...“, murmelte er und fiel in einen unruhigen, mit Alpträumen geplagten Schlaf.

 
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