Kapitel 70
 

Kapitel 70

 

 

 

 

Als der junge Heroe zu sich kam, umhüllte ihn stickige, warme Dunkelheit. Er blinzelte, aber konnte in der Nacht nichts erkennen.

Sich orientierend, sich besinnend wollte er sich aufrichten, aber er konnte nicht. Jegliche Kraft seiner Muskeln schien absorbiert, schien vernichtet. Er murmelte irgendetwas und holte dann kräftig Luft, aber selbst diese körperliche Handlung tat weh. Es brannte in seinen Lungen wie Rauch... 

Schweißperlen glänzten über seiner Stirn und sein Inneres schien sich vor Schmerz nach außen zu stülpen. Er wollte schreien, aber würgte nur einige Wortfetzen hervor. Er wollte am liebsten weinen, so mies fühlte er sich...

            Minuten später blinzelte der junge Kämpfer wieder. Seine Augen klebten, tränten bei jedem Blick... Die Wärme des Todesberges war nicht fühlbar für ihn und er wusste, als er sich erinnerte, dass hier niemand frieren konnte, aber alles war ekelhaft kalt im Augenblick... selbst die dicke Decke über ihm, über seinem Rücken... eisig... unerträglich...

            Erneut wollte er sich aufrichten, aber etwas kühles um seine Handgelenke und Fußknöchel hielt ihn davon ab. Erneut kam ein Murmeln aus seinem Mund. Nur undeutliche Wortfetzen, die aber einem Beobachter mitteilten, wie sehr er leiden musste.

            Hastig wurde etwas aufgerissen. Link hörte nur ein reißendes Geräusch und schließlich Schritte, sowie ein leises Schluchzen. Eine zarte Hand streichelte über seinen Hinterkopf und irgendjemand rückte die Decke über seinem Rücken wieder zurecht. Er keuchte leise, wollte etwas sagen, nur bekam nichts vernünftiges aus seiner trocken, schlaffen Kehle.

Er versuchte es noch einmal, worauf ihm eine vertraute Stimme antwortete: „Sch...“, sagte sie, fast wimmernd. „Du bist in unserem Zelt. Du musst versuchen loszulassen, dich entspannen...“ Er quietschte etwas mit rauheiser Stimme, zu erschöpft um weiter gegen die Schmerzen anzukämpfen.

            Nicht in der Lage, seine Prinzessin zu betrachten, denn sie musste es sein, lag er da auf seinem Bauch und fühlte gerade noch, dass sie ihm die Decke von dem nackten Körper zog.

„Das wird wehtun...“, flüsterte sie betrübt und wanderte mit den Fingerspitzen über seinen schwitzenden Rücken zu seinem Gesäß.

„...Was... Zel...“, brachte er wimmernd heraus und kämpfte mit Krämpfen und einem unerträglichen Schmerzgefühl überall...

„Nicht reden...“, murmelte sie, wollte ihn beruhigen, ihn auffordern, aufzugeben gegen den Schmerz anzukämpfen. „Sei’ nicht der Kämpfer im Augenblick...“, setzte sie hinzu.

            Link hörte gerade noch wie Zelda einen tiefen Atemzug nahm und dann...

Er schrie panisch auf, kreischte markerschütternd mit allem, was er hatte, als er spürte, dass sie irgendetwas aus seinem Körper riss. Tief in ihm stak ein Geschöpf, saugte an ihm, nahm ihm Kraft und Wärme...

Der Prozess dauerte lange, bevor der heftige Schmerz langsam verebbte...

Ein Blitz Zeldas reiner Magie erhellte kurzzeitig das Zimmer und ein Quietschen und Piepsen, das jämmerlich erstarb, machte ihm deutlich, dass sie irgendetwas vernichtet haben musste...

            Der Innenraum des Zeltes wurde wieder erfahrbar und real für Link. Und mit jeder weiteren Minute fühlte sich das Atmen heilsamer und normaler an... der Schmerz verflog und ihm wurde wieder warm, angenehm warm...

„Link?“, sagte sie gedämpft, nahm an, dass er eingeschlafen war, aber der junge Heroe war bei vollkommenem Bewusstsein. Er zuckte überrascht auf und wollte sich endlich aufrichten, aber etwas verbat ihm das und zwang ihn weiterhin dazu nackt auf seinem Bauch liegen zu bleiben.

„Noch nicht... bleib’ noch liegen.“ Ihre Stimme, besorgt, aber beruhigter als vorher. Dann fühlte er dicken, warmen Stoff einer Decke auf seinem Rücken. Sie deckte ihn zu und umfasste eine sehr lange Zeit seine Schultern.

„Entschuldige die Fesseln...“ Nun verstand er, was ihn so festhielt. Zeldas selbsterschaffene, gläserne Schellen wanden sich um seine Handgelenke und Füße...

„Du hattest Krämpfe, deshalb musste ich dich fesseln...“ Er wollte etwas sagen, aber es schien, als wäre mehr als nur ein Kloß in seinem Hals.

„Zel... Sorry...“ Bei Farore, seine Stimme klang ganz verweint und so untypisch für ihn. Sie lächelte ein wenig, aber Traurigkeit überschattete ihren Ausdruck. „... für...“  

„Du solltest nicht reden, mein Link.“

            Sie kuschelte sich daraufhin an ihn, was beruhigte, was ihm Kraft schenkte... Er suchte ihren Blick... sein Gesicht fiebrigrot und verschwitzt. Und als sie ihre Stirn gegen seine lehnte, raubte ihm ihre angenehme Nähe die letzte Verwirrung und die letzten Zweifel. Seine Augen fielen zu, während die restlichen Schmerzen abklangen...

            Eine halbe Stunde später löste Zelda den Bann der magischen Fesseln und sie half ihrem kränkelnden Heroen, sich umzudrehen. Er fühlte sich nun noch ausgelaugter als vor mehreren Stunden. Nicht einmal sich alleine aufrichten konnte er.

„Wie... wie lange...“, sagte er und atmete dabei so tief wie er konnte, als hätte er für viele Stunden die Luft anhalten müssen.

„Nicht sehr lange... nicht einmal eine Stunde warst du in diesem Zustand“, sagte sie leise. Sie suchte seinen Blick, wollte ein Grinsen aus diesem ansehnlichen Heldengesicht. Er blinzelte und seine Augen wirkten so dunkel, viel dunkler als gewöhnlich in diesem Zelt. Er hob eine Hand zittrig, und griff mühsam in einige von Zeldas honigblonden Haarsträhnen.

„Deine Haare sind so zerzaust“, sagte er schwach und seufzte im Anschluss. Sie umschloss seine bebende Hand mit ihren Händen und drückte zärtlich einen Kuss darauf.

„Wie spät ist es... genau?“, murmelte der junge Heroe und wand seinen stechenden, müden Schädel von Zeldas mutlosem Antlitz weg. Sie war traurig und schön, aber es machte ihn im Moment nur noch trübsinniger, zu sehen, wie besorgt sie um ihn war.

„Mitternacht...“

            In dem Augenblick erinnerte er sich daran, was zwischen ihnen beinahe geschehen wäre... und es war seine verdammte Schuld, dass sie einander nicht lieben konnten. Er hatte den Moment einer intensiven Leidenschaft zwischen ihnen einfach... schlichtweg... versaut...

            „Ich hab’s vermasselt.“ Links Worte, ein Hinweis für Scham und Demut...

Sie beugte sich näher und streichelte durch seine blonden Haarsträhnen, die feucht und durchgeschwitzt waren. „Ich habe dich enttäuscht...“, seufzte er und kniff die Augen zu.

„Du Dummkopf“, meinte sie streng und wollte am liebsten weinen angesichts seiner idiotischen Worte. „Beinahe hättest du mehr als dein Leben verloren und du...“ Verzweiflung lag in ihrer glockenhellen Stimme. „... und du... machst dir Gedanken darüber, mich enttäuscht zu haben.“ Sie fasste grob an beide seiner Wangen und drehte sein Gesicht zu ihm. „Sieh’ mich an“, fauchte sie. Und Link blinzelte wieder mit dem unermesslichen Trübsinn in dem tiefblau. „Ich will nicht, dass du mir noch einmal verschweigst, wenn es dir schlecht geht!“ Er antwortete nicht darauf. Eine unangenehme Pause schlich sich in ihre Konversation.

            Eine Weile später stützte sich der junge Heroe leicht auf seine Ellenbogen und beobachtete Zelda, die kindlich in der anderen Ecke des Zeltes hockte und ihre Spieluhr aufzog. Mühsam griff er nach der Wasserflasche neben ihm, die umfiel, als er jene berührte. 

            Erschrocken wand sich die Prinzessin zu ihm und stolperte zu ihm hinüber.

„Hier.“ Und sie reichte ihm selber die Flasche. Er nickte dankend, trank einige Schlücke und ließ sich lethargisch niedersinken.

Erneut deckte Zelda ihn zu und kümmerte sich um ihren erwachsenen Heroen wie um ein kleines Kind. Im Hintergrund trällerte die kleine Spieluhr in hohen Tönen das zum Schlaf verführende Wiegenlied herunter...

„Gibt es etwas, was du brauchst?“, sagte sie sanft und rutschte so nah an sein Gesicht, dass er ihr nicht ausweichen konnte. Er antwortete nicht sofort und besah sich die schillernden Muster in Zeldas sanftmütigen Augen.

„Möchtest du Antworten?“, meinte sie und streichelte mit ihrem Zeigefinger sorgsam über seine Stirn. Doch wieder schielte er beinahe hypnotisiert in die warmen Augen seiner Prinzessin.

Sie runzelte die Stirn und murmelte: „Link?“ Aus einer leichten Sorge heraus, weil er einfach nicht antwortete.

            Doch der dusslige Heroe hatte nichts anderes als einen blödsinnigen Kommentar, der ihm murrend über die Lippen kam, zu bieten. Ein Kommentar, der neben einer Welle der Erleichterung, ein herzhaftes Grinsen auf Zeldas Gesicht schickte.

„Mein Hintern tut weh“, brummte er. Seine Prinzessin lachte und wischte sich so etwas wie Freudentränen von den Augenwinkeln. „Und ich Idiot mache mir noch Sorgen, weil du so träumst...“

„Sorry...“, hauchte er und brachte selber wieder ein Grinsen zustande. Sie jedoch schüttelte erheitert mit dem Kopf und murmelte: „Was wärst du bloß ohne deinen verdammten Blödsinn?“

„... du liebst das doch...“, entkam müde aus seinem Mund. Suchend nach ihren Händen wanderte seine Linke über die Decke. Sie nickte erfreut, nahm seine linke Hand fest in ihre beiden und pflanzte kurze Küsse über seinen Handrücken.

„Kannst du dich umdrehen?“ Er musterte sie und sagte anstrengend: „Warum? Willst du mich schon wieder anketten...“ Und er versuchte zu grinsen.

Sie hielt ihm drohend einen Zeigefinger unter die Nase. „Wenn du in deinem kläglichen Zustand nicht bald deine hitzköpfigen Kommentare unterlässt, dann kette ich dich die gesamte Nacht an, du Witzbold...“

Aber er hatte immer noch sein idiotisches Grinsen im Gesicht. „Du weißt, mein Schatz, Fesseln haben durchaus auch was gutes“, murmelte er und gähnte dann.

„Wie darf’ ich das nun wieder deuten?“ Er stützte sich auf seine Ellenbogen und hauchte ganz nah an ihr Ohr.

„Das offenbart sich dir schon irgendwann...“ Seine tiefblauen Augen waren frech und impertinent. Sein Lächeln begehrenswert.

            Zelda aber winkte ab und schüttelte den Schädel. Die romantische Stimmung zunichte machend, ordnete sie an: „Dreh’ dich um.“ Bereitwillig befolgte er ihrem Befehl und lag auf seinem Bauch, spürte die angenehme, kühle Masse der Heilsalbe, die unter neben seinem Steiß schmerzlindernd in die Haut zog.

„Was genau ist denn überhaupt passiert?“, sagte er gedämpft, während die junge Königstochter weitere erbsengroße Portionen der Substanz massierend über seinem Rücken und Po verteilte.

„Ich... weiß nicht genau... wie es passieren konnte. Aber du hattest einen Skultula- Parasiten, der sich von dir, deiner Seele, deinem Fleisch und deiner Lebensenergie ernährte, knapp neben deinem Steiß sitzen, auf die linke Pobacke zu... Er war ziemlich groß.“ Sie sprach langsam und leise, als ob allein der Gedanke, die Sache hätte schlimmer enden können, zuviel war für ihre besorgte Seele.

„Oh...“, seufzte er überrascht. „Ich hätte nicht gedacht, dass diese Biester so viel Schmerz verursachen können.“

In dem Moment kuschelte sich die Prinzessin an seinen Rücken und erwiderte träge: „Hattest du schlimme Schmerzen.“

„Ja...“, murmelte er und gähnte.

„Ich war so... besorgt um dich...“ Ihre Stimme leise und klapprig. Ein Hinweis, dass auch sie unheimlich müde war.

            „Ich hatte einen komischen Traum... während ich in diesem Zustand weilte“, meinte er, wand sich langsam und vorsichtig um und drückte Zeldas Körper an seinen.

„Da war ein Fest...“ Verwundert richtete sich die Prinzessin wieder auf und strahlte in seine tiefblauen Augen. „Ein Fest? Erzähl’ mir mehr davon.“

„Ich weiß nicht mehr genau, aber da waren viele Hylianer... auch Rick und Maron mit spitzen Ohren... ich glaube, ein Thronsaal.“

„Wirklich?“, sagte sie, behielt aber den Gedanken, dass es kein Traum, sondern eine Erinnerung war, für sich. „Aber jetzt träumst du von mir“, befahl sie spielerisch und Link antwortete ihr mit einem leichten Grinsen.

            Nach einem süßen Gutenachtkuss fielen sie beide in einen erholsamen Schlaf nach der anstrengenden, schmerzhaften Nacht...

 
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