Kapitel 71
 

Kapitel 71

 

 

 

 

Es war früh am Morgen. Über den Wipfeln des gigantischen Todesberges erhellte sich geduldig und sanft der zeitige Himmel.

Ab und an klomm dicker Dampf aus vielen Schlupflöchern hier oben und löste sich auf, während er emporstieg.

Dicht neben seiner Liebsten schlummernd lag der Held der Zeit in stillen Träumen. Seit dem schrecklichen Ereignis von gestern, hatte sich Link in dem Zelt nicht mehr gerührt, war so fest in seinem Schlaf eingebunden, dass er gar nichts mehr registrierte, bemerkte nicht die verwöhnenden Streicheleinheiten seiner Prinzessin, die gähnend, aber munter über ihn wachte. Er bemerkte nicht die kleinen Küsse, die sie über sein Gesicht verteilte und hörte auch nicht die lieblichen Worte, die sie flüsterte.

Mit leichter Beunruhigung dachte Zelda an gestern Abend, und fragte sich allmählich, ob es das Schicksal so wollte, dass immer irgendetwas dazwischen kam, wenn sie sich beide in der Nähe des anderen verwöhnen wollten. Es war schlichtweg gemein, dachte sie...

            Ihre himmelblauen Augen erforschten den ruhenden Helden neben ihr, bis sie hämisch grinste und eine kleine Teufelei ausheckte. Sie wollte ihn nur ein wenig verwöhnen nach der schmerzhaften Erfahrung von gestern... und was sprach dagegen? Sie selbst würde genießen, und er würde genießen. Sie musste ja nicht zu weit gehen, dachte sie, aber ihre kindliche Neugierde und ihre Naivität in Sachen Liebe waren eben da und sie war zu wissbegierig um es nicht zu wagen.

Links Körper war noch nackt von gestern und lediglich eine wärmende Decke lag über ihm. Ganz sanft und listig zog sie ihm die Decke vom Körper, was ihn nicht dazu brachte aufzuwachen. Er brummte etwas und sein Kopf neigte sich ein Stückchen mehr zu ihrem, aber er schlief. ,Link, mein kleiner Liebling’, dachte sie hämisch. ,Du hast absolut keine Ahnung, was deine Zelda mit dir anstellen könnte, wenn du schläfst.’

Von oben bis unten bewunderte sie seine Entblößtheit und kam nicht umher, ihre leicht erröteten Wangen kaschieren zu können. Er hatte ja überhaupt keine Idee, wie attraktiv er war... Nein, er hatte keine Vorstellung davon, wie er weibliche Geschöpfe in seinen Bann zog.

            Sie biss sich auf die Lippe, kaute darauf und begann mit wenigen Fingerspitzen über seine Brust zu streicheln. Seine sonnengebräunte Haut war schön und straff. Und ihre Fingerspitzen streichelten verspielt und mutiger über seinen durchtrainierten Bauch, bis er einen Seufzer aus seiner Kehle dringen ließ. Beschwörende Liebesformeln in Hylianisch entkamen Zeldas roten Lippen. Süß und warm hauchte sie jene Worte an sein rechtes Ohr, bis der junge Heroe wieder nichtsahnend ganz still wurde und fest schlief.

,Ich weiß, du genießt das, mein Schatz...’, sagte sie in Gedanken und lief mit ihren Lippen über sein Gesicht, erforschte die Haut seines Halses, wanderte weiter und weiter hinab, bis sie an seinem Bauchnabel stehen blieb. Seine Haut schmeckte süß, dachte sie, ein wenig zimtartig, so wie es in den Kokiriwäldern immer geduftet hatte.

Link seufzte wieder, diesmal tiefer und genießender und da wusste sie, dass er sich immens wohlfühlte hier in der trockenen Wärme des Todesberges.

,Ob er auch das genießen würde?’, dachte eine unerfahrene Zelda und streichelte mit ihren unschuldigen Händen zunächst den Bereich unterhalb seines Bauchnabels, bis sie ungeniert und neugierig weiter hinabwanderte. Er seufzte lediglich, als die Prinzessin, sich nichts dabei denkend, seine Männlichkeit mit sanften Händen liebkoste. Sie hatte so etwas noch nie berührt und war ganz verwundert, wie es sich anfühlte...

Schon gestern hatte sie das tun wollen, aber der Parasit in Links Rücken hatte ihr abendliches Interlude einfach zunichte gemacht... Wie ärgerlich...

Wenn sie irgendwann wieder in einer weitreichenden Zukunft als Prinzessin Zelda von Hyrule die Augen öffnen würde, dann würde sie alle Parasiten dieser gemeinen Sorte mit magischen Mitteln ausrotten...

            Plötzlich wurde ihre verwöhnende Hand von einer starken ihres Helden umfasst und er öffnete ein Auge, um Zelda zu mustern.

„Was tust du...“, murmelte er und gähnte. Sie hüstelte, hauchte einen Morgengruß über ihre Lippen und unterband ihre Feinfühligkeiten. Lächelnd näherte sie sich ihm und kuschelte sich an ihn heran.

„Wie fühlst du dich?“, meinte sie und küsste ihn auf die Stirn.

„Wunderbar...“, sagte er grinsend und rollte sich, so nackt wie er war, über sie.

„Das merkt man...“, eiferte sie und blickte verliebt in seine tiefblauen Heldenaugen.

„Und woran merkt man das?“, neckte er.

„An... deinem Grinsen und...“ Aber er ließ sie nicht aussprechen und küsste sie leidenschaftlich. Mit einer Hand wanderte er während des Kusses unter ihr helles Hemd und streichelte ungezwungen über ihre Brust.

            „Wenn du das nächste Mal schläfst, Zelda...“

„Was dann?“, lachte sie, während er sie liebevoll in den Hals biss.

„Dann erlaube ich mir noch mehr Dinge als bloß deinen Körper zu streicheln“, entgegnete er grinsend.

„Soso... du hast also alles gemerkt?“

„Fast alles“, grinste er und blickte sehnsüchtig in ihre blauen Augen. „Und du kriegst noch deine Rache dafür, Engel.“ Sie streichelte über seinen Rücken bis zu der kleinen Wunde, die von dem Parasit übrig war.

„Auf diese Form von Rache freue ich mich jetzt schon...“ Damit lachte er und wollte sie gerade küssen, als er ein paar Augen im Genick spürte.

Hastig ließ er von ihr ab und führte seinen Zeigefinger mit einem ,Pst’ an die Lippen.

            In dem Augenblick huschte ein etwas größerer Schatten am Zelt der beiden Hylianer vorbei. Aufgeregt legte Zelda ihre Hände auf Links Schultern und suchte seine Nähe. Schutzsuchend drückte sie sich an ihn.

            Mehrere Minuten vergingen und Link schaute vorsichtig und mit Schwert bewaffnet mit seinem Schädel nach draußen. Aber in der düsteren Morgendämmerung des Todesberges war nichts ungewöhnliches auszumachen...

Er deutete Zelda an, sich aufbruchfertig zu machen und zog sich schnell seine Kleidung an. So schnell wie möglich räumten sie ihre Sachen in magische Taschen und machten sich auf den Weg in die glühende Weisenstätte, die irgendwo in der Lava einen Eingang hatte.

„Wir machen am besten unterwegs frühstück, ich möchte nicht riskieren, dass wir hier von Ganons Scharen gefunden werden“, erklärte Link und zog den Gürtel um seiner Hüfte fest. Zelda nickte und bewaffnete sich mit Schwert, Dolchen und Bogen.

            Die Ruhe bewahrend baute Link das Zelt ab und Zelda blickte wenige Meter weiter an den Hängen hinab in den dampfenden Lavastrom. Irgendwo dort war ihr Weg. Irgendwo dort unten am Grund des Todesberges war ein alter Eingang zu der Weisenstätte, der, so hoffte Zelda, noch passierbar war. Die Schwierigkeit jedoch, das Ziel zunächst zu finden, war das, was sie im Augenblick beschäftigte. Umgeben von heißem Vulkangestein noch einen möglicherweise verschütteten Eingang zu finden, war nicht das einfachste Unterfangen. Und sie hatte Zweifel, wie sie überhaupt nach unten gelangen sollten. Sie führte einen Zeigefinger an ihr Kinn und grübelte.

            Einen irrsinnigen Blick, voller Melancholie und Liebe, sendete der junge Heroe aus, während er zu Zelda hinüber schielte. Sie war so anmutig, allein, wenn sie nachdachte und ihre weitreichenden Gedanken erforschte. Ihre Haltung, einfach edel...

Er lächelte, räumte die restlichen Sachen in seine magische Tasche und lief langsam zu ihr hinüber. Sie hatten vielleicht nur noch diese wenigen Tage zusammen, bevor der Kampf gegen Ganon in die letzte alles entscheidende Phase ging, bevor sich ihre Wege vielleicht trennen würden.

Aber diese gemeinsame Zeit würde er auskosten und genießen. Langsam tapste er näher und griff nach Zeldas Hand. „Kann es losgehen?“, meinte er und lächelte.

Sie nickte und grinste breit. „Schau’ mal in Richtung Westen, an der anderen Seite des großen Todesschlundes.“ Sie deutete mit ihrem anderen Arm an die hohe, steile Felswand. Link schmälerte den Spalt seiner Augen und entdecke durch die aufsteigenden Wärmebriesen viele Meter weiter eine gefährliche, uneinladende Treppe die weiter hinabführte, direkt hinein in das gefährliche Reich der Lava.

„Du meinst die Treppe?“

„Genau. Ich würde vorschlagen, wir folgen den Treppenstufen und sehen dann weiter, wenn wir näher an dem Grund des Kraters angekommen sind.“

„Gut.“

„Gut“, entgegnete sie, hielt Link aber fest an der Hand, als er weiterstiefeln wollte.

„Stimmt was nicht?“

Aber Zelda schüttelte den Kopf, sodass ihre goldenen Strähnen vor ihren Elfenohren baumelten. Sie führte beide Hände an Links Wangen und las eindringlich in seinen Augen. „Bedrückt dich das nicht, dass wir nicht mehr viel Zeit haben?“, murmelte sie und drückte den Kopf gegen seine Brust.

Als Link nichts darauf sagte, setzte sie hinzu: „Ich weiß nicht, ob ich einfach so zurückgehen kann... Zurück in die neue, moderne Welt.“ Link hob ihr Kinn nach oben. Ernst und Trübsinn in seinem Blick.

„Nein... du musst nicht einfach so zurückgehen. Du kannst Hyrule immer wieder sehen. Ich meine, in dir, in deinen Gedanken. Ich kann verstehen, dass es dir nicht leicht fällt, zurückzugehen in eine neue Welt.“ Er umarmte sie innig. „Aber ich helfe dir gerne...“

Sie drückte einen Kuss auf seine Wange. „Wenn ich dich nicht hätte...“, sagte sie leise. 

„Dann wärst du nicht Zelda und ich nicht Link“, erwiderte er. „Wir gehören einfach zusammen.“ Er lachte und küsste sie zärtlich.

            Es dauerte Minuten ehe sich das Paar voneinander löste. Arm in Arm betrachteten sie sich die glühende Lava vor ihnen und den weitreichenden Himmel über ihren Elfenköpfen. Schweigend liefen sie dann Hand in Hand einen Pass im Inneren des Kraters entlang.

 

Nur noch wenige Tage und das Schicksal der Welt würde sich entscheiden. Noch wenige Tage bis der letzte Kampf gegen das Böse sich entscheiden würde...

            Über den Gipfeln des Todesberges marschierten derweil einige Kreaturen schemenhaft umher, schärften ihre eingedellten, schlitzigen Augen und überblickten zielgenau das Territorium. Es waren einfältige Moblins, die sich wispernd verständigten und von ihrem Meister die Anweisung erhielten die Heimat der Goronen zu bewachen. Grünhäutige Moblins gekleidet in einfachen Stofffetzen, mit krummen Bögen auf ihrem Rücken und rostigen Schwertern an ihren zerschlissenen Gürteln.

            Bisher waren die beiden Hylianer jenen Augen entkommen, die bereit waren, einen heftigen Feuerpfeilregen auf ihre Opfer niedersausen zu lassen. Nur Link spürte ab und an ein paar Augen im Genick und wann immer er sich umsah, sich zur Besorgnis Zeldas leise und misstrauisch verhielt, so konnte er nichts ausmachen, sah an den Hängen nichts Verdächtiges und so folgten sie weiterhin, aber flinker ihrem vorbestimmten Weg.

            Inzwischen stand die Sonne an ihrem höchsten Punkt und strahlte spärlich ihren leuchtenden Schein in den riesigen Krater des Todesberges, der vor vielen Jahren das letzte Mal einen reißenden Ausbruch hatte.

            Zelda und Link erreichten durchgeschwitzt die uneinladende, alte Eisentreppe, die tiefer in den Todesschlund hineinführte, als der junge Heroe erneut misstrauisch zu den vielen Hängen blickte.

„Link... Verrätst du mir nun endlich, was dich stört?“ Sie drückte seine linke Hand in ihrer um so die Aufmerksamkeit zu gewinnen, die sie nicht besaß.

„Auf dem Gipfel stimmt irgendetwas nicht. Wir sollten uns so unauffällig wie möglich verhalten.“ Sie nickte und kramte das überfällige Frühstück aus einer magischen Tasche und setzte sich einen kurzen Moment auf eine Treppenstufe. Link blickte währenddessen wieder nach oben, versank beinahe in seiner Trance und wünschte sich, er könnte den Todesberg von oben betrachten, wünschte sich, seine Augen wären so etwas wie selbstständig und würden beinahe götterhaft von oben alles erkennen.

„Möchtest du Frühstück, Link?“, sagte Zelda und trat an ihn heran. Sie reichte ihm Brot, welches die Gnome ihnen mitgegeben hatten.

„Ja, sicher“, meinte er und knabberte an dem Stück Weißbrot, schielte aber beständig hinauf zu den Bergen, wurde sorgenvoller.

„Ich weiß es zwar nicht hundertprozentig, aber ich nehme an, dort oben über dem Gipfel halten sich in etwa fünfzig Moblins auf. Und spätestens wenn wir das Plateau am Grund erreichen sollten...“ Link deutete mit seinem Schwertarm nach unten, zu genau dem Punkt, wo die alte Metalltreppe endete. Das Plateau war sehr übersichtlich und hellerleuchtet durch das Magma ringsherum. Ein Häuschen aus schmelzfestem, magischen Metall gebaut und zusätzliche Fackeltürme standen dort. „... spätestens dann werden sie uns entdecken. Was schlägst du vor, Zelda?“

„Wir müssen auf alle Fälle den Grund vor dem großen Lavastrom erreichen, sonst finden wir womöglich die alte Weisenstätte nicht. Ich fürchte wir haben keine Wahl...“ Ihr war mulmig zumute bei dem Gedanken, das spürte der junge Held. Aber einen anderen Weg gab es nicht und die Moblins zu diesem Zeitpunkt herauszufordern wäre ebenso eine Idee für Wahnsinnige. Denn hier auf der schmalen Treppe zu kämpfen, womöglich etlichen Attacken auszuweichen, war lebensmüde.

„Okay... dann auf und hinein in die Gefahr“, meinte Link, schenkte ihr ein zweifelndes Grinsen und wies sie an, dicht hinter ihm zu laufen.

            Vorsichtig tasteten sich die beiden Spitzohren auf der Treppe hinab, überquerten mit Hilfe Zeldas Magie breite Löcher, seilten sich an gefährlichen Bereichen hinab, bis sie ein ganzes Stückchen an Weg zurückgelegt hatten. Je näher sie dem erleuchteten Plateau kamen, umso langsamer bewegten sich die beiden vorwärts, schlichen behände und gebückt die letzten Stufen hinab und hielten die gefährlichen Hänge im Auge. Sie versteckten sich Ruhe bewahrend in dem Schatten, den ein Felsblock bot und blickten um sich.

„Kannst du irgendetwas erkennen?“

„Jep... nördlich neben dem großen Lavastrom, der an den Hängen hinabrauscht, sitzen sich vier kleine Moblins auf einer Eisenstange.“ Zelda blickte genauer hin und bestätigte mit einem Nicken.

„Und ganz oben, direkt auf dem Gipfel des Todesberges, stehen sieben oder acht von der selben Sorte. Außerdem befinden sich in etwa zehn direkt vor unserer Nase, versteckt hinter dem kleinen Häuschen am Grund des Todesberges.

„Mmh... aber ich glaube, das waren noch längst nicht alle...“, erwiderte Zelda.

            Link grinste: „Wie auch immer... Ich würde meinen, wir holen mal unsere Bögen heraus.“ Zelda nickte, bereit und entschlossen. Geschwind suchten sie ihre Köcher und die Bögen zusammen. Sich Mut machend hielt die junge Prinzessin die Pfeile fest umkrallt und blickte hoffend, vielleicht auch schutzsuchend in den tapferen Blick, den Link aufgesetzt hatte. Es war wohl dieser Blick, in den sie sich damals zuerst verliebt hatte.

            „Wie möchtest du vorgehen?“, fragte sie und suchte die Antwort in seinen Augen, bevor er diese selbst parat hatte. Er umgriff sanft ihre Oberarme, lächelte und sagte entschieden: „Bleib’ hier und gib mir Deckung. Ich werde die Moblins, die auf unserem Weg liegen, ausschalten und du bekämpft diejenigen auf den Hängen. Schaffst du das?“

Sie presste ihre schönen Lippen aneinander und meinte tollkühn: „Natürlich schaffe ich das!“

„Ich hätte auch nichts anderes erwartet“, lachte er, gab ihr einen kurzen Kuss und schlich vorsichtig hinter dem Felsblock hervor. Schritt für Schritt trat Link näher, schauten mit seinen tiefblauen Augen erkundend umher, bedacht jede kleine Bewegung in dem riesigen Todeskrater ausfindig zu machen.

            Der letzte Tempel lag vor ihnen und der schwierigste vermutlich. Denn bereits die vielen Wachen zeugten von dem, was sich Ganondorf ausgedacht hatte, um die Mission doch noch scheitern zu lassen. Und irgendwo in dem Inneren des Helden schlummerte die Gewissheit, dass Ganon ihn fürchtete. Irgendwo wusste Link, dass er der einzige Gegenspieler sein würde, vor dem Ganon mehr oder weniger Respekt hatte. Ganondorf wartete auf die letzte Schlacht genauso wie Link selbst. Er wartete immer bis zur letzten Stunde und ließ sich bewusst nicht blicken, ließ sich Zeit, seine Feinde zu beobachten. Gerade aus diesem winzigen Gedanke an Übermacht schöpfte Link die Stärke weiterzumachen. Furcht zeigte sich auf beiden Seiten... nicht nur auf der Guten...

            Und auch die Moblins, die er jetzt ohne Zweifel und ohne Gefühl in ihr Reich der Finsternis schicken müsste, fürchteten sich vor dem Guten. Das Gute in Verkörperung des Helden, der mit jeder weiteren Sekunde seinem wahren Ich näher kommen würde.

            Inzwischen stand Link herausfordernd in der Mitte des Grundes und von den vielen hohen Fackeln schien ein unheilvoller Schein auf ihn hinab. Als die spärlich bekleideten Moblins ihn entdeckten, stürmten sie leichtsinnig auf ihn zu, zischten barbarisch, trampelten mit ihren schweren Füßen auf dem Boden, sodass er vibrierte. Nur kurz schaute Link zu Zelda, die ihm ein Nicken entgegensendete und ihren Bogen spannte.

Und die grünhäutigen Moblins hetzten dröhnend auf ihn zu, riefen zur Schlacht und auch die kleinen Dämonen an den Hängen und auf dem Gipfel des Berges begannen mit ihren schaurigen Rufen, bliesen mit ihren Hörnern zu einem grandiosen Gefecht und im gesamten Todeskrater ertönten die schiefgestimmten Hörner...

Im selben Augenblick zischten Dutzende Pfeile auf die Ebene, gefolgt von weiteren, die ihr Ziel zwar verfehlten, aber Links ganze Konzentration forderten. „Zelda! Schieß endlich!“, brüllte Link und kämpfte sich durch die Moblins hindurch, die ihn umzingelten.

Weitere Feuerpfeile von oben und der gewandte Kämpfer wehrte einige mit dem Schwert ab. Andere prallten an den Schild der Götter und wurden von ihm aufgesogen, wie eine Pforte, ein dunkles Loch, welches alles Materie verschluckte.

            Zelda währenddessen wurde immer unruhiger, verspürte Angst und Sorge um Link, der wie ein Irrer kämpfte und dem Pfeilregen entging. Sie spannte einen Pfeil nach dem anderen, aber sie trafen einfach nicht. Aus mangelnder Konzentration und aus Angst...

„Zelda!“, rief Link. „Mach’ schon. Ich glaub’ an dich!“ Sie schaute hoffnungsvoll und gestärkt hinter dem Felsblock hervor, spannte einen weiteren Pfeil und nutzte ihre Magie um endlich das Ziel zu treffen. Zelda heiliges Licht spannte sich wie ein goldener Spinnweben um die metallene Pfeilspitze und als sie das Geschoss abfeuerte und sich weder Zweifel noch Furcht in ihren blauen Augen spiegelte, blendete das Licht jene Moblins, denen das Geschoss galt. Der Pfeil traf nur eines der Biester, aber das Licht schickte jeden Moblin auf den Hängen hinab in die glühendheiße Lava. Das Licht strafte die mit dunklen Gedanken für ihre Sünden...

            Weitere Pfeile gingen nach oben und innerhalb von Sekunden erstrahlte der gesamten Todeskrater in Zeldas heiligem Licht der siebten Weise und der Triforceträgerin der Weisheit.

            Konzentrierter ließ Link währenddessen die Klinge durch die Brut von Moblins wandern, kräftige Kämpferrufe begleiteten sein Urteil, bis schließlich die hellerleuchtete Ebene mit dem Metallhäuschen leergefegt vor ihm lag und nur kleine Ascheteilchen in der Luft tanzten.

            Zelda trat in dem Augenblick näher, griff nach seiner Hand, lächelte und bedankte sich für den kleinen Ansporn. Link grinste und wusste auch so, dass sein Grinsen alles sagte, was es zu sagen gab.

Prüfend beschaute der Heroe nochmals das gesamte Territorium, wollte auf Nummer sicher gehen und gab schließlich Entwarnung. Es schien als hätten sie alle Mitglieder dieser kleinen Moblinbrut in die Flucht geschlagen...

            Die junge Prinzessin studierte alsdann wissbegierig die Karte und Link trat vor das eigentümliche Häuschen. Ein interessantes, kleinen Hexenhäuschen hätte er gedacht, wenn er auf der Erde wäre. Aber hier in Hyrule war dieses Häuschen bis auf das dunkle, fast schwarze, magische Metall nichts Besonderes. Der neugierige Heroe versuchte die Tür zu öffnen, aber sie war verschlossen.

            Zelda hüpfte erfreut näher und zeigte ihm die Karte. „Hast du etwas herausgefunden, Engel?“

„Jep, dein Engel findet immer die Lösung, Link“, lachte sie und deutete auf die Karte. Dort war direkt auf dieser Ebene eine Markierung von dem kleinen Bengel zusehen. Direkt dort, wo eigentlich das Häuschen sein sollte.

„Also müssen wir irgendwie in dieses Haus kommen“, stellte Link fest und schaute dann träumerisch in das verschwitzte Gesicht seiner Prinzessin. „Ist dir auch so warm wie mir?“

„Mmh... ich halt es hier schon fast nicht mehr aus vor Wärme“, stimmte sie zu. „Kein Wunder... wir befinden uns schließlich direkt am glühenden Todesschlund.“

„Und ich hoffe, in der Weisenstätte ist es kühler.“

„Da würde ich nicht drauf hoffen...“, sagte Zelda vernichtend.

„Man wird jawohl hoffen dürfen“, sagte Link trotzig und hatte irgendwie Lust sich mit seiner Prinzessin anzulegen. Sie verschränkte die Arme und sagte herausfordernd: „Kein Wunder, dass man den Helden der Zeit auch einen naiven Hoffenden nennt.“

Link setzte einen unverschämten Blick auf, trat einen Schritt näher und packte Zelda innig in seine Arme. „Wenn dein Held der Zeit nicht hoffen würde, hättest du dich doch gar nicht in ihn verliebt.“

„Und wenn deine Prinzessin des Schicksals nicht ihre Hoffnung gebraucht hätte, hättest du ja gar keine Chance gehabt, bei ihr zu landen“, zickte sie und grinste breit.

Link rutschte näher und fasste mit einer Hand an ihr Genick, zärtlich, aber äußerst verführerisch. „Prinzessin, ich glaube, du unterschätzt gewisse körperliche Attraktivitäten, die dazu führten, dass ich bei dir gelandet bin.“ Mit der anderen streichelte er über ihren Po und Zelda seufzte angenehm und reckte das Haupt zurück.

„Siehst du! Du wirst schwach und wärst schwach geworden auch ohne meine naive Hoffnung...“

Sie grinste: „Ich gebe mich geschlagen...“

„Das heißt, ich kann mit dir machen, was ich will?“, lachte Link und knabberte an ihrem Hals.

Zeldas Augen schwenkten nach oben, auf der Suche nach einer passenden Antwort. Aber sie wusste einfach nicht, was sie sagen sollte. Wollte Link das missglückte Ereignis in den heißen Quellen jetzt sofort nachholen?

            „Ich deute dein Schweigen als unwiderrufliches ,Ja’.“ Und damit suchte er ihre Lippen, raubte ihre die Luft und Standfestigkeit.

„Weißt du, was ich jetzt mit dir vorhabe?“, murmelte Link nach dem rauen, fast herben Zungenkuss. Sie schüttelte den Kopf und fürchtete sich fast vor der Antwort. „Ich habe vor mit dir etwas gegen diese irrsinnige Wärme hier zu tun...“

„Und... was... schlägst du vor...?“, fragte sie leise, fast nervös und schüchtern.

Er hörte ihre Unruhe aus den Worten und schmunzelte. Er lachte und meinte bloß: „Nicht das, was du denkst, mein Schatz, das... wäre ja alles andere als abkühlend.“

Sie schmollte und blickte verlegen zu Boden. „Idiot...“, murmelte sie. Und Link lachte lauter.

„Je lauter du lachst, umso mehr bist du ein Idiot“, sagte sie biestig und verschränkte die Arme.

„Und du, meine kleine Prinzessin, bist einfach nur goldig unschuldig.“ Denn ihre Worte verrieten sie mal wieder. In jede kleine Bemerkung von Link schien sie nun Begehr und Lust auf Körperliches, Lust auf Intimität hineinzulesen.

„Das musst du gerade sagen“, erklärte sie gewitzt. Sie setzte einen ironischen Blick auf. „Du wirst mir ja wohl nicht erzählen wollen, dass du schon... na ja... schon...“ Sie verhaspelte sich und wurde fuchsrot im Gesicht, so rot wie die Lava, welche um die kleine Ebene herumfloss.

Links rechte Augenbraue zog sich irritiert nach oben und die andere nach unten.

Aufgebracht wedelte Zelda mit ihren Armen, blickte an Link vorbei und wusste nicht, wie sie diese Worte herausbringen sollte.

            „Arg... verdammt, du bist doch auch unschuldig!“, platzte es aus ihre heraus. „Oder?“

Link grinste und schaute eindringlicher in den verlegenen, beschämten Blick, den Zelda ihm schickte, damit er verstand. „Wie?“, meinte er.

Zelda rollte mit den Augen, verkrampfte die Fäuste und brüllte so laut, dass es im gesamten Krater gehört werden konnte: „Verdammt, Link, du hast doch auch noch mit keinem Mädchen geschlafen!“

Und dann war es aus. Link glotzte dumm aus der Wäsche und benahm sich wie ein versteinerter Hylianer, aus dem jegliches Leben herausgesickert schien. Er wurde leichenblass im Gesicht. Er blinzelte ein paar Mal und fragte sich, ob das seine Zelda schon die gesamte Zeit plagte?

            „Bei Nayru!“, schimpfte sie und stapfte so lange hin und her, bis Link plötzlich vor ihr stand und sie stoppte.

Er schluckte: „Sag’ bloß, das beschäftigt dich?“ Sie aber musterte ihre dunkelbraunen Stiefel und den staubigen Grund, auf dem sie beide standen. „Das ist nicht dein Ernst, oder?“, schmunzelte Link und zog sie fest an seine Brust.

„Wenn du es wissen möchtest, Zelda... dann hör’ doch in dich hinein.“

Sie schaute ihn leicht trübsinnig an. „Du hast nicht...?“ Er schüttelte lapidar den Schädel. Daraufhin lächelte die junge Prinzessin tiefgehend, blickte entschieden und sehnsüchtig in seine Augen. Ein Blick für den er sterben könnte...

„Du hast keine Ahnung, wie froh ich darüber bin...“

„Ach, Zelda... und du hast absolut keine Ahnung, was du mir antust, wenn du lächelst“, murmelte er dann und drückte sein Gesicht in ihr duftendes Haar.

„Ich meinte vorhin bloß, dass wir uns was Dünneres anziehen sollten...“, setzte er brummend hinzu und roch genießend den Duft von Zeldas goldbraunen Haarsträhnen.

            Hand in Hand stapften sie hinüber zu der kleinen Hütte und die Prinzessin ließ mal wieder den großen Schlüsselbund mit den unterschiedlichsten Schlüsseln in ihren Händen spielen.

            Geduldig probierte Zelda die Schlüssel durch und schielte ab und an zu Link, der beunruhigt die rauen, schwarzen Hänge im Visier hatte.

„Zelda, beeil’ dich“, meinte er und hielt Pfeil und Bogen bereit.

„Schon wieder Moblins?“, rief sie.

Und Link nickte nur. Moblins. Er fühlte ihre widerliche, barbarische Aura, roch ihren Gestank nach Verwesung und Dreck von Weiten und hörte ganz leise, zischend, ihre schiefen, kratzigen Stimmen.

            In dem Moment durchbrach ein einzelner, dicker Pfeil die Stille und prallte mit einem sinnierenden Geräusch auf dem lockeren Boden auf.

„In Deckung!“, brüllte der junge Held und beobachtete mit scharfen Augen wie im selben Moment mehrere Pfeile mit glatten Spitzen auf den Grund nieder krachten. Aber Zelda probierte weiterhin wie eine Irre die Schlüssel durch, begann zu zittern, während sie die Pfeile schwirren hörte. ,Ich hab’s gleich’, sagte sie zu sich. ,Gleich.’ Im Hintergrund ertönten währenddessen die schwulstigen Stimmen der Moblins. Und sie kamen näher.

„Zelda. Geh’ endlich in Deckung!“, fauchte Link, während er einen Pfeil nach dem anderen spannte. Gerade da krachte ein Pfeil neben Zeldas rechtem Ohr in einen Holzpfeiler des kleinen Häuschens. Sie entließ einen lauten Schreckensschrei und ließ sich zu Boden sinken.

            Und weitere Pfeile gingen hinab, brausten mordlüstern auf den Grund, wo zwei reinherzige Hylianer standen. So gut wie es ging, suchte Zelda weiterhin nach einem passenden Schlüssel und Link kämpfte verbissen gegen den übermächtigen Pfeilregen. Er wusste noch nicht einmal genau, woher alle der Pfeile regneten, wusste einige der Geschosse nicht zu orten und verließ sich auf sein Gespür.

„Link, ich hab’s!“, rief Zelda und öffnete stürmisch die Tür. Sie wedelte mit ihren Händen und forderte ihn auf, sich zu beeilen, näher zustürmen und die blöden Moblins in Ruhe zu lassen. Aber Link konnte nicht. Er war zu beschäftigt mit seiner Deckung, rollte sich über den Boden um den Pfeilen zu entgegen und spannte selbst erbarmungslose Geschosse, die seine Widersacher durchbohren würden.

            „Link!“, kreischte Zelda. „Es sind zu viele!“ Er blickte hektisch um sich, hüpfte und sprang, bis er einen jaulenden Schrei von sich gab und zu Boden krachte. Zelda schlug die Hände ins Gesicht, schrie auf und stürmte zu ihm. Sie rüttelte ihn an den Schultern, konnte aber nirgends eine Wunde entdecken. Sie klopfte hektisch auf seine Wangen und nannte ihn eindringlich bei seinem Namen.

„Link... schnell. Sie kommen näher!“ Er öffnete ein Auge und kniff das andere zusammen.

„Schnell!“ Er rappelte sich auf und endlich bemerkte Zelda einen kleinen Streifschuss knapp über seinem linken Knie. Er biss die Zähne zusammen und humpelte mit seiner Prinzessin aufgelöst zu dem kleinen Häuschen. Mit den Nerven am Ende knallte Zelda die Tür zu und verriegelte die Hütte.

            Es war dunkel im Inneren, so tiefschwarz, dass Zelda sofort ihre Öllampe hervorkramte und ein wärmendes Licht in den Innenraum brachte. Sie stellte die Lampe neben Link ab, dessen tiefblaue Augen in der Dunkelheit schillernd strahlten. Mehr gab der Lichtschein von dem Innenraum nicht preis, bloß den kleinen Punkt, wo Link hockte und seine Prinzessin vor ihm saß. Er fluchte und stöhnte und hielt eine Hand auf sein schmerzendes Bein.

„Verdammte Moblins!“, schimpfte er und presste weiterhin die Handinnenfläche auf den Streifschuss.

„Pst...“, sagte Zelda leise und wühlte in ihren Taschen nach Verbandszeug. „Den Göttinnen sei dank ist die Wunde nicht schlimm...“, murmelte sie und betrachtete sich liebevoll die Verletzung.

„Ja, aber sie brennt wie Feuer“, entgegnete er.

Sie tupfte vorsichtig mit einem in Heilkräutern getränktes Tuch über die Wunde und blickte mehrmals von Links Augen zu der Wunde und wieder in seine Augen.

Er seufzte gequält und stoppte Zeldas Hände, die jene Wunde versorgten. „Genug... das brennt noch schlimmer als die Wunde allein.“

Sie grinste unverschämt: „Sei nicht so empfindlich.“ Fest schnürte sie einen Verband um die Wunde.

„Ich bin nicht empfindlich!“, rechtfertigte er sich und zog das verletzte Bein weg.

„Oh... mein süßer, kleiner Jammerlappen.“ Zeldas Augen glitzerten und aus ihrem Lächeln strahlte wieder soviel Zuneigung und tiefe Gefühle. 

„Hey, das war mein Spruch an dich“, murrte Link. „Du warst mein kleiner Jammerlappen.“

„Ich lerne eben von dir.“

„Wenn das so ist, dann kann ich dir noch viel unverschämtere Dinge beibringen.“

„Hallunke!“ Ihre Stimme war ernst, aber geschauspielert. Sie stützte sich auf ihre Hände und krabbelte näher zu ihm heran.

„Betitelst du mich so, weil es dir Spaß macht, dich auf unverschämte Dinge einzulassen“, meinte Link und wich immer weiter zurück, während Zelda ihm mit beinahe gefährlichem Grinsen auf den Pelz rückte.

„Nein, weil du einfach nur unverschämt bist, mein süßer Link.“ Sie tupfte mit ihrer Nase an seine und liebkoste sanft und natürlich seine Lippen.

„Dein Mund ist so trocken“, murmelte sie während der Liebkosung. Sogleich drückte sie ihn zu Boden, suchte seine Nähe und küsste ihn wieder.

„Mmh... ich hab’ Durst“, sagte er. Zelda ließ kurz von ihm ab und grinste wieder. Äußerst neckisch streichelte sie seine Haarsträhnen über den Augen und meinte: „Willst du dann von mir trinken?“

Sie lachte, während Link sich immer dümmlicher vorkam. Kein Wunder, denn Zelda verhielt sich so unvorhersehbar, so ausgelassen, so vergnügt, seit sie zusammen waren. Innerhalb weniger Tage war aus ihr ein ganzer anderer Mensch geworden. Und er liebte jedes bisschen davon, liebte sie trübsinnig und liebte sie noch mehr, jetzt, da sie ihre frohe Stimmung und ihr glückliches Gemüt offen zeigte. Ja, er hatte gerade so eine Seite von ihr vermisst... es war jene Zelda, die sie nun war, bevor sie ihr schmerzhaftes Gedächtnis wiederfand. Jene Zelda, in die er sich in seiner jetzigen Gestalt, mit seinen jetzigen Erinnerungen, zuerst verliebt hatte...

            „Jetzt mal ernsthaft... das hätte schief gehen können“, sagte sie finsterer und richtete sich auf.

„Sicherlich, aber jetzt haben wir erst mal Ruhe vor den Monstern da draußen.“ Link trat vorsichtig auf die Beine und lief leicht humpelnd auf dem verletzten Bein an die nahe Wand. Er klopfe mit dem Heft des Schwertes dagegen und meinte ruhig: „Die Wände sind dick und stabil. Solange wir hier drin sind, sind wir sicher.“ Gelassen suchte er nach seiner eigenen Öllampe und betrachtete sich endlich den Innenraum der seltsamen Hütte.

            In dem kleinen Innenraum stand lediglich ein alter Holztisch mit zwei Stühlen, ein klappriger Schrank ganz rechts. Zwei mit Wasser gefüllte Schüsseln standen auf dem Boden und ein Körbchen, in welchem ein Haustier oder ähnliches geschlafen haben musste. Neugierig tapste Zelda näher und fand schwarze, abgestoßene Schuppen in dem Strohkörbchen. Ein kratziges Material, leicht feucht und irgendwie magisch. Sie ließ eine der Schuppen in ihre Handinnenfläche sinken und präsentierte sie ihrem Liebsten, der gerade vom Dachboden wiederkam, aber dort oben außer einem Bett nichts gefunden hatte.

„Was ist das?“, meinte er und hielt die schwarze Schuppe gegen das warme Licht der rauchigen Öllampe. „Eine Schuppe von einem magischen Wesen. Es könnte sich hier irgendwo noch aufhalten.“

„Ist es gefährlich?“

Aber Zelda schüttelte den Kopf. „Ich denke nicht. Wenn du es sehen oder spüren solltest, dann bitte greif es nicht an, ja?“

„Du tust ja fast so als wäre ich gefährlich“, schmollte Link.

Sie gab ihm einen Stups an die Nase. „Das bist du... Für das Böse bist du das. Und es wäre schrecklich, wenn es anders wäre.“ Link zuckte mit den Schultern und ließ sich überzeugen.

            „Und wie weiter? Wir haben das ganze Häuschen durchgesucht, aber nichts gefunden. Warum hat uns Klein- Link diese Markierung hinterlassen?“

Zelda schaute ratlos auf die Karte. „Weiß nicht... Hast du schon geschaut, ob es hier irgendwo Falltüren gibt?“

            Falltüren? Das war ein Gedanke... Darauf hätte der gute Link ja auch eher kommen können. ,Sehr intelligent’, du angeblicher Held, dachte er und schüttelte den Kopf vor Dummheit. Er rollte mit den Augen und zog den kleinen, schäbigen Teppich beiseite, der auf dem Holzboden ruhte und fand tatsächlich etwas Verdächtiges: Eine steinerne Platte mit dem stolzen Goronenzeichen eingraviert bedeckte anscheinend einen Zugang, der tiefer in den Berg hineinführte und die Lavaströme möglicherweise umging. Unter allem Kraftaufwand schob Link die schwere Platte beiseite, fluchte und legte ein rundes, großes Loch frei, durch das sogar ein breiter Gorone passen würde.

„Wollen wir?“, meinte Link und reichte seiner Prinzessin die Hand. Sie nahm sie grinsend an und nickte. Zusammen ließen sie sich in eine unendlich scheinende Tiefe fallen, hoffend, sie erreichten den nächsten Tempel, hoffend, dies war keine Falle ihres Erzfeindes, hoffend, der Grund unter ihnen würde nichts Gefährliches hüten...

 
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