Kapitel 73.2
 

Mühsam erreichte die Thronerbin mit dem Drachen auf ihren Schultern das achte Stockwerk mit den vielen Brücken, die zu fünf Türen Wege bildeten.

,Wo war ihr Heroe nur’, dachte sie und trat langsam in die Mitte des Plateaus. Es war ziemlich luftarm hier oben und die Hitze schien noch unerträglicher als in einem Stockwerk vorher. Sie ließ sich müde und schlapp auf dem Plateau auf die Knie sinken, umarmte sich selbst und murmelte den Namen des Helden der Zeit, wollte ihn irgendwie telepathisch erreichen, aber es schien beinahe, als wäre er in eine andere Dimension gezogen worden. Mit Gedanken und vielleicht auch mit seinen Gefühlen...

            Und es geschah in dem Augenblick, dass Zelda eine weitere Gestalt spürte, eine weitere Aura an ihrer Frechheit erkannte, die sie niemals erwartet hätte. Hastig drehte sie ihr durchgeschwitztes Gesicht zurück und erkannte wenige Meter weiter mit Entsetzten einen Jugendlichen auf der bröseligen Steinbrücke stehen. Ihre Augen weiteten sich und sie krabbelte auf Händen und Füßen rückwärts. Das Drachenkind flog schnell und heftig an eine der Türen und piepste ständig.

            „Was willst du!“, fauchte Zelda. Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. „Haben Link und ich dir nicht klar gemacht, wie wenig wir von deinen Einstellungen halten. Du hast dein Schicksal selbst gewählt, Preston!“ Der Jugendliche tapste näher und trat hinein in den lodernden Schein, den die Feuersäule unter ihnen warf.

„Schätzchen... das weiß ich doch. Aber deshalb bin ich nicht hier.“

„Und warum dann?“

„Ich hab’ schon gesagt, dass ich wieder ein Mensch sein will. Und wenn ihr mir nicht glauben könnt, was ich euch nicht gerade verüble, dann kann ich trotzdem beweisen, wie wichtig mir das ist.“ Zelda lachte gekünstelt.

„Soso... du willst beweisen, dass in dir tief drin doch noch ein guter Kern steckt?“ Sie reckte ihr blondes Haupt zurück und richtete sich langsam auf. „Ich muss dir leider mitteilen, dass ich als Seelenleserin nicht einmal einen kleinen Kern gutes entdecken konnte. Falls du einen guten Kern hast, dann hast du jenen so lange versteckt, das sich seine widersprüchliche Existenz aufgelöst hat.“ Er rollte mit den Augen und trat näher. Seine Wunden von dem Kampf gegen Ganondorf waren immer noch geblieben und das eine Auge fehlte weiterhin, aber es schien als hätte er genügend Kräfte gesammelt um sich mit einem Feind oder aber auch mit Zelda anlegen zu können.

            „Ach bitte, Schätzchen. Nun fang’ doch nicht wieder mit so etwas an. Ich weiß, dass ich kalt bin und so wirke, als würde ich für niemanden in meiner Umgebung wahre Zuneigung empfinden können. Aber ich weiß, dass es Leute gibt, die mich bei sich haben wollen, die mich mögen.“

„Du sprichst von Zuneigung? Du weißt ja nicht einmal, was das ist“, patzte Zelda und trat stolz und edel auf ihre Beine. Mit sanften Schritten trat sie näher, strotzte vor Ruhe und Wissen.

            „Hey! Das stimmt nicht, Schätzchen. Auch ich hatte eine Familie, die ich zumindest respektiert habe. Ich hatte eine Schwester und zwei kleine Brüder. Erzähl’ mir nicht, ich wäre zu krank und zu böse um zu lieben!“

„Dann sag’ mir doch, ehrlich und aufrichtig, warum du dich jemals Ganons Armee von leblosen Trotteln angeschlossen hast!“

„Ganz einfach... ich war ein Feigling. Ich bin nun mal kein Held. Ich bin ein Mensch und damit bin ich eben ein Egoist und arroganter Schnösel. Denkst du, deswegen verkrieche ich mich?“

„Aber du hättest versuchen können etwas daran zu ändern. Ein Mensch kann sich ändern.“ Preston schaute halbherzig zu Boden.

„Ein Mensch kann sich ändern. Das mag sein, aber ich konnte es einfach nicht. Man ist wie man ist...“ Zelda schüttelte den Kopf und fragte sich allmählich, warum sie sich überhaupt mit Preston abgab.

„Nun sag’ schon, was du von mir willst. Und ich verbitte mir wieder solche anzüglichen Gemeinheiten, die ich sonst von dir gewohnt bin.“

„Nein, meine Hoheit. Ich versuche mich zu beherrschen, auch wenn ich dich nun mal verlockend und erregend finde.“ Zelda stellte ihre Hände in einer Kampfstellung auf, die Preston nur gar zu gut kannte. Eine Handbewegung und sie würde ihn mit ihrer magischen Vielfalt von der Brücke hinunterstoßen.

„Gerade das macht dich für mich so anziehend. Ich mag Mädchen, die so biestig sind, so selbstbewusst, und die sich wehren können.“ Zelda verzog das Gesicht immer mehr und ließ einen warnenden Wind an Preston vorbeirauschen.

            „Ist gut, ich hab’s verstanden, Prinzeschen...“ Zelda ließ ihre Hände sinken und murrte: „Sag’ schon, was du willst, Bastard!“

„Ich will beweisen, dass ich euch helfen kann.“

„Und wie?“ Zelda verschränkte die Arme und wartete neugierig auf die Beweise, die Preston vorlegen konnte. Beweise für eine Hilfestellung. Beweise dafür, dass man ihm mit Einschränkungen vertrauen konnte.

„Was sind deine sogenannten tollen Beweise?“, zischte Zelda und klapperte ungeduldig mit ihren Stiefeln. Preston setzte ein Grinsen auf, genau jenes Grinsen, welches die junge Prinzessin schon immer anwiderte. Diese unmögliche Wolllust verbunden mit einer unreifen Teufelei.

            Er wühlte in einer Seitentasche seiner zerschlissenen Jacke und holte sechs klappernde Münzen daraus hervor. Perplex schaute Zelda auf das goldenglänzende Zahlungsmittel und fixierte schließlich wieder das übriggebliebene Auge Prestons.

„Du kannst sie haben. Unter einer Bedingung!“, meinte er.

„Und die wäre“, murrte sie. Sie hatte schon mit einer üblen Bedingung gerechnet. 

„Gib’ mir einen Kuss, Schätzchen.“

„Niemals“, rief sie sofort und wich wieder zwei Schritte rückwärts.

„Nur ganz kurz.“ Aber Zelda schüttelte den Kopf, was Preston missmutig stimmte.

„Hörst du nicht zu? Es ist mir einfach zu wider, jemanden wie dich nur ansatzweise zu berühren. Du bist dreckig, vergiftet vom Bösen und dazu noch ein Monster!“

„Das mag’ sein. Aber ich verlange trotzdem einen Kuss für die Münzen, oder du und Link können mich hinterm Mond suchen um an die wertvollen Münzen zu gelangen. Und habt ihr die Münzen nicht, könnt ihr euch das Elixier ebenso abschminken.“

„Das bezweifle ich!“, fauchte Zelda. „Es gibt andere Wege, die Link und ich beschreiten können.“

Doch Preston schüttelte den Kopf. „Ha, du weißt, dass es nicht so ist. Das kann ich an den Zweifeln in deinen hübschen blauen Augen erkennen. Du weißt genau, was auf dem Spiel steht.“

„Aber ich werde dir diesen absurden Gefallen nicht tun“, zickte Zelda und verschränkte die Arme. „Ich werde dich nicht küssen. Nicht heute und nicht hier!“

            Wütend stapfte Preston mit seinen schweren Lederstiefeln auf dem staubigen Gestein umher und zischte: „Verdammt. Bist du noch nicht einmal für die Rettung der Welt bereit, deinen überheblichen Stolz und deine Mittelalterlichkeit wegzuwerfen?“

„Ich...“

„Hab’ ich mal wieder einen angerissenen Nerv getroffen, Schätzchen?“

„Aber ich kann das nicht. Ich kann Link nicht einfach betrügen...“

„Das nennst du bereits Betrug. Ach, komm’ schon, Zelda. Das ist nur ein kleiner Kuss. Nicht einmal der Rede wert.“

„Er wird’s dir schon verzeihen! Außerdem, ich habe kapiert, dass ich bei dir nie und nimmer landen werde. Du liebst Link und er liebt dich mehr als irgendjemand sonst jemanden lieben könnte. Oder liebst du ihn etwa nicht?“

„Natürlich liebe ich ihn. Ich liebe ihn mehr als mein Leben...“, sagte Zelda leise, blickte zu Boden und war selbst überrascht, dass sie diese Worte über die Lippen brachte. Es war kein Geheimnis zwischen ihr und Link, dass sie jene Worte noch nie zu ihm gesagt hatte. Und warum? Weil sie es einfach nicht konnte. Angst vor gekünstelten Reaktionen hatte. Sich davor fürchtete. Diese drei Worte waren heilig für sie und sie hatte sie bisher nur einem kleinen Briefchen anvertrauen können.

            „Aber du hast es ihm noch nicht gesagt, was?“

„Haha... du fürchtest dich vor den Worten, was?“ Verzweifelt blickte Zelda auf und langsam sank ihre kühle Mauer vor Preston nieder. Noch nie hatte er diesen Verzweiflungsblick gesehen.

            Nach Hilfe und Antworten suchend schaute die Prinzessin in die dunklen Augen des kleinen Drachenbabys und meinte dann lauter, aber mit Überwindung.

„In Ordnung. Ich tu’s!“

„Ha!“ Preston schnippte mit den Fingern. „Dann komm’ her. Ich freu’ mich schon.“ Angewidert trat Zelda näher, stellte sich auf die Zehenspitzen und rümpfte die Nase angesichts der kalten Nähe und barbarischen, dämonischen Aura, die Preston umgab. Sie kniff die Augen zu und drückte kurz und schmerzlos den Kuss für die Münzen auf Prestons kalte, vernarbte Lippen. Zelda trat rückwärts und wischte sicht mit einem Ärmel die Lippen ab.

„Ich hätte nicht gedacht, dass du so mutig bist, Schätzchen.“ Zelda erwiderte nichts und öffnete ihre rechte Handinnenfläche. „Gib’ mir die Münzen.“ Er nickte und legte jene in ihre Handinnenfläche. Er lächelte das erste Mal auf eine Weise, die Zelda bei ihm noch nie erfahren hatte. Er lächelte dankbar und beinahe rechtschaffen.

            „Danke“, meinte Zelda. Und vielleicht dankte sie ihm nicht für die Münzen, sondern für die Tatsache, dass er ihr die Augen geöffnet hatte. Sie musste Link endlich die Worte sagen, die schon lange überfällig waren... Er nickte bloß und in einem Wimpernschlag war er verschwunden.

            Das Drachenbaby hüpfte wieder auf Zeldas Schultern und rieb sein Köpfchen an ihrer Wange. „Es ist in Ordnung. Er ist fort“, sagte sie.

„Du fürchtest dich vor dem Bösen, nicht wahr, Kleines?“ Es nickte und schnurrte, als Zelda ihm sanft unter dem Maul graulte.

 

Währenddessen verrann die Zeit trügerisch für den selbstlosen Helden, der wusste, was passierte, wenn er dieses Spiel nicht meistern würde. Nicht nur seine Seele hätte er verkauft, sondern die Erde und Hyrule wären für alle Zeiten gefangen in Ganons gierigen Händen.

            Bisher hatte Link es gerade mal geschafft den grünen Weisen zu komplettieren, wo sein Gegner bereits den zweiten abgeschlossen hatte. Und Link wusste um die Regeln des Dämons. Er verwendete unfaire Karten. Karten, die er zusätzlich in das magische Spiel mit eingebaut hatte. Wenn Link sich also nicht etwas einfallen ließ, dann würde er das Spiel sehr erbärmlich verlieren.

            Links Hände schwitzten bereits und seine Anspannung wuchs, als die Uhr des Schicksals zur Hälfte abgelaufen war.

„Sieht so aus, als müsste ich den letzten Weisen nehmen. Aber...“ Und der Dämon funkelte gehässig mit seinen abstoßenden, schwarzen Augen. „Aber dafür habe ich eine schöne Karte.“ Er grinste und seine spitzen Zähne blitzten aus dem verschlagenen Gesicht mit der fahlen Haut auf.

„Die Karte der Ungerechtigkeit. Sie besagt, dass du den letzten Weisen nehmen darfst, Held.“

„Welch’ Überraschung“, murrte Link trocken. Und nahm es einfach hin. Was sollte er auch sonst tun? Er musste sich zusammenreißen, er musste einen kühlen Kopf bewahren und Vertrauen in jenes Spiel, das Zelda und ihn in einem Traum zusammengebracht hatte. Er atmete tief ein und spielte weiter, komplettierte wie besessen die Steine, bis ihm etwas Entscheidendes auffiel. Etwas Besonderes, welches nur dem Wissen seiner früheren Persönlichkeit entspringen konnte. Er handelte intuitiv und doch, so wusste er, war dieser Spielzug die einzige Waffe, das einzige Mittel, diesen Dämon in die Flucht zu schlagen.

            Die Zeit war nun fast abgelaufen und Link war im Rückstand. Er hatte alle Weisen komplettiert, aber der farblose war übrig. Noch alle drei Steine des Farblosen lagen weit verteilt auf der glatten Spielfläche.

Doch etwas stimmte nicht. In Links Augen lag nun kein Grund mehr zur Beunruhigung, obwohl die letzte Minute angebrochen war. Ein tapferer Ausdruck lag auf seinem ansehnlichen Heldengesicht. Ein Ausdruck voller Macht und Mut.

            „Was grinst du so, Held? Freust du dich so sehr über deine Niederlage?“

Links Mundwinkel zogen sich verräterisch und belustigt nach oben. Der Dämon jedoch deutete diese Geste lediglich als Verzweiflungstat.

„Wer spricht von Niederlage. Ich habe einen kleinen Bonus.“ Überlegenheit sprach aus Links Worten.

„So genau scheinst du die Spielregeln doch nicht zu kennen, oder? Es gibt viele Tricks im Spiel der Sieben Weisen. Tricks, die fast niemand kennt. Tricks, die man nur herausfindet, wenn sich Zufall oder Schicksal einmischen. Auf meiner Seite, so weiß ich, steht heute das Schicksal.“

            Link legte seine letzte Karte auf das Brett und plötzlich blieb am Rande der Uhr der Minutenzeiger stehen. „Ich bin die Wiedergeburt des Helden der Zeit. Warum sollte ich nicht über die Macht der Zeit verfügen können?“, lachte Link. „Du hast mich gewaltig unterschätzt.“

„Aber wie hast du...?“

„Ganz einfach. Es gibt Drillingskarten im Spiel der Sieben Weisen. Eine Karte des mutigen, des weisen und des kraftvollen Herzen. Mit diesen drei Karten konnte ich die Zeit anhalten. Und dreimal darfst du raten, was als nächstes passiert.“

            Die rabenschwarzen Augen des Dämons weiteten sich und er beobachtete mit Entsetzten, was geschah.

            Die Farben leuchteten auf und bildeten eine Straße aus farblosem Gestein. Ein Weg für die drei Teile des farblosen Weisen. Ein Weg, damit jene sich finden konnten. In Sekunden schoben sich die drei Teile zu einem ganzen zusammen.

Link lachte, als seine vier Weisen komplettiert vor seiner Nase standen. Und die Zeit nicht abgelaufen war. Er hatte gewonnen, auch mit den unfairen Karten seines Feindes.

„Sieh’ es ein, du nichtsnutzige Kreatur des Bösen. Dieses Spiel ist nicht für dreckige Hände wie deine geeignet und nicht einmal deine gefälschten Karten haben dir den Hals gerettet.“ In dem Moment klappte sich das Spiel wie von Geisterhand zu einer runden Kugel zusammen, dankte dem Gewinner für das Spiel.

            „Ich habe gewonnen. Also sei’ so fair und gib’ mir die Münze.“ Der Dämon starrte ungläubig in das Gesicht des Heroen, und holte eine goldene Münze aus seiner Tasche. Link nahm sie an sich, hüpfte auf die Beine und lief zu seinem Schwert, welches noch immer in der Wand steckte.

„Ach und ja... Ehe ich es vergesse“, sagte Link belustigt. „Brav. Brav!“ Höhnend wiederholte Link jene Worte, die der Dämon ihm vorhin unterbreitet hatte.

Damit breitete die Gestalt des Bösen erzürnt den Mantel aus und verschwand im Nichts.

            Mit einem Jauchzen zog Link sein Schwert aus der Wand, blickte noch einmal zu dem Spiel der Sieben Weisen und dankte dem Schicksal und der Zeit.

Er wusste nicht, woher er den Trick kannte. Aber jener hatte ihm den Hals gerettet...

            Zufrieden trat der junge Heroe aus der Tür heraus und entdeckte als erstes zur größten Freude seiner selbst, seine Prinzessin in der Mitte auf dem kleinen, steinernen Plateau hocken. Sie hatte etwas auf ihrem Schoss, was ihn im Moment nicht interessierte. Freudig rannte er in ihre Richtung, lächelte und rief ihren Namen sehnsuchtsvoll. Zelda blickte verwundert auf und lächelte ebenso. Das Drachenbaby wurde plötzlich unwichtig, sie hüpfte auf die Beine und rannte direkt in Links starke Arme.

Er hatte nicht einmal die Lust irgendetwas zu sagen, hob Zelda an ihrer Hüfte in die Höhe und küsste sie leidenschaftlich und wild.

Zelda murmelte während des Kusses: „Ich bin so... froh...“ Er unterbrach sie wieder. „...so froh...“ Und er stoppte ihre Worte mit einem weiteren Kuss.

„... so froh, dass du lebst...“ Er ließ sie zurück auf die Beine und blickte besorgt in ihre müden, blauen Augen. Sanft strich er einige Strähnen hinter ihr Elfenohr.

„Ich frage mich gerade, wie ich es nur jemals ohne dich ausgehalten habe...“, murmelte er und drückte sie näher an sich. Zelda schloss ihre Augen und lehnte ihren Kopf für einige Minuten an seine feste Schulter.

            Link fixierte dann endlich das kleine Drachenbaby, welches piepsend um Zuneigung bettelte. Erstaunung zeigte sich in irritierten tiefblauen Augen. Wie sollte er auch nicht? Link hatte noch nie ein kleines Drachenbaby gesehen. Sicher, in Irland war ihm ein ausgewachsener Drache von der bösen Sorte über den Weg gelaufen. Aber dieses Baby sprengte gerade seine Vorstellungskraft. Er löste sich langsam von Zelda, schenkte ihr ein verliebtes Grinsen und widmete sich dem kleinen magischen Wesen.

            „Wo hast du das denn gefunden, Zelda.“

„In einem Kerker... ich konnte es nicht dort lassen.“ Sie lächelte schwermütig und kniete neben Link nieder, lehnte sich haltsuchend an ihn.

„Was sollen wir bloß tun? Es ist so ziemlich allein hier...“ Link nahm das winzige Wesen auf seine Arme und streichelte über die gräuliche Mähne. „Es ist so niedlich...“, meinte er und blickte lächelnd in Zeldas Augen. „Aber es erinnert mich irgendwie an Namenlos. Weiß zwar nicht warum, aber das ist es...“ Verdutzt schaute Zeldas das kleine, schwarze Wesen wieder an und blickte suchend in die dunklen Augen.

„Du hast Recht. Das mir das jetzt erst auffällt. Es ähnelt von dem Ausdruck in seinen Augen tatsächlich dem Pferd ohne Namen...“

„Ob dieser Drache so etwas wie ein göttliches Wesen ist, wie das Pferd?“ Zelda nickte.

„Wir werden es sicherlich bald herausfinden und ich hoffe, wir finden eine Lösung für das kleine Drachenkind. Ich würde es ungern hier lassen.“ Link stand auf und das kleine Wesen hüpfte um seine Stiefel.

„Dann würde ich meinen, wir nehmen es einfach mit.“ Zelda nickte und suchte ein weiteres Mal seine Umarmung.

            Arm in Arm standen sie nun hier im achten Stockwerk, genossen die Nähe des anderen, nachdem der gesamte Tag für die nervtötende Suche nach den Münzen verloren schien. 

„Ich bin ziemlich müde...“, gab sie zu.

„Und ich erst...“

„War deine Suche erfolgreich?“, murmelte sie in die grüne Tunika seiner Brust. „Mehr oder weniger...“

Sie sah mit ihren schönen blauen Augen auf und blickte ihn durchdringend an. „Und das heißt?“ Sein Blick war anziehend und doch lag unermessliche Besorgnis darin.

„Ich hatte ein paar unangenehme Begegnungen.“

Zelda legte eine Hand auf seine rechte Wange und ihr Blick wurde trauriger. „Ich hatte einige unangenehme Träume...“, meinte sie daraufhin.

            Er umzirkelte ihren Körper wieder mit seinen Armen, dachte an diesen Dämon, der etwas von Illusionen gefaselt hatte und wurde besorgter.

„Zelda... das waren keine Träume. Es gibt in diesem Tempel ein Wesen, welches Illusionen spinnt und uns diese auferlegt.“ Sie sah überrascht auf.

„Du hattest auch solche Illusionen?“ Er nickte.

„Waren sie unangenehm?“, fragte Zelda und fürchtete schon die Antwort, aber Link lächelte. „Nein, ich wurde von einer hübschen Blondine mit blauen Augen und dem perfektesten Body überhaupt verführt.“ Zeldas Blick wandelte sich und Link konnte auch so erkennen, welcher Ernst und welche Wut sich in ihr anstaute.

„Aber keine Sorge... die Blondine warst du, mein Engel.“ Zelda schüttelte den Kopf, hob ihren Zeigefinger und löste sich von ihm.

„Das ist nicht lustig, Link. In meiner Illusion hast du mich mit einer hässlichen Blondine namens Ilona betrogen.“ Da war Kälte in ihrer Stimme und Kränkung, obwohl der junge Heroe ihr diese Illusion nicht geschickt hatte, obwohl Link überhaupt nichts dafür konnte. Zelda trat wenige Meter weiter und spürte plötzlich Links Hände, die an ihrem Bauch entlang streichelten.

„Zelda... ich würde niemals... nicht einmal daran denken...“ Er liebkoste mit seinen Lippen das blonde Haar an ihrem Hinterkopf und hörte einen leisen weinerlichen Ton von ihren Lippen entkommen.

„Zelda?“ Er drehte sich zu ihr und nahm das bildhübsche Gesicht in beide seiner Hände.

„Entschuldige... es war nur so entsetzlich...“, meinte sie leise und wischte sich selbst die Tränen fort. Es war nur eine Illusion, aber sie tat immer noch weh...

            „Diese Illusionen, die wir beide hatten, sind nicht gewöhnlich... Und ich begegnete diesem Dämon vorhin, der sich als Herr und Meister über diese krankhaften Phantasien berufen fühlt.“ Beunruhigt küsste Zelda ihren Heroen auf die Lippen.

„Meinst du, er versucht uns dadurch zu beeinflussen, sodass wir...“

„.. die Mission nicht vollenden können.“

„Gewiss... Wir sollen einander misstrauen, damit wir scheitern.“

„Hast du ihn besiegen können?“, meinte sie hoffnungsvoll, aber Link neigte das Haupt und schüttelte den Kopf. „Er liebt ein Katz- und Mausspiel...“

            „Nebenbei... wie viele Münzen hast du, Link?“ Stolz präsentierte er ihr die fünf Münzen, die er unter Willens- und Körperkraft errungen hatte.

„Wie viele hast du?“ Er lächelte und Zelda wusste, dass ihm das Lächeln gleich wieder vergehen würde... Aber sie musste ihm von Preston berichten und ihm diesen dummen Kuss gestehen. Auch, wenn es lediglich eine unsinnige Bedingung Prestons war. Eine Bedingung ohne Bedeutung. Ein Kuss ohne Leidenschaft und Zuneigung. Zelda blickte beinahe ängstlich in seine tiefblauen Augen, biss sich auf die Lippen und darreichte ihm einen Stapel Münzen, die ihn als Helden Hyrules ziemlich arm aussehen ließen.

            „Bei den Göttern, Zelda. Wie hast du das angestellt?“ Fassungslos zählte er die Münzen in ihrer Hand. „Du hast bereits elf Münzen!“

Sie trat wenige Schritte rückwärts und suchte Abstand. Allein daran erkannte und spürte Link, dass seine Prinzessin ihm etwas verschwieg.

„Ich habe diese Münzen nicht alle alleine gesammelt.“ Ihr Blick blieb am Steinboden der Brücke haften.

„Du hattest Unterstützung.“

„Preston war hier und überreichte mir die sechs anderen.“ Links Augen wurden größer.

„Wie bitte? Preston?“

,Aber das war anscheinend noch nicht alles’, dachte Link. Er ahnte sorgenvoll, dass Zelda ihm etwas verschwieg. Und es war nichts Einfaches, nichts Leichtes, was sich von selbst klären würde, oder was man schnell vergessen konnte.

Link wand sich seitlich und sagte kühl, aber auch beflissen. „Was hast du ihm dafür gegeben?“ In seinen Worten lag Schmerz und Frust.

            Zelda nahm einen tiefen Atemzug und suchte weitere Schritte Abstand. Sie wusste, dass Link sie schon lange durchschaut hatte. Das spürte sie an der Kühle seiner Aura und an der Haltung. Abweisend. Herzlos stand er vor ihr und sein unruhiger Blick ging an die Decke, wo eine Dachluke zu einem weiteren Raum führte.

            Sie konnte ihm doch nicht einfach an den Kopf werfen, dass sie Preston dafür küssen musste. Aber sie musste ebenso ehrlich und aufrichtig sein, wenn ihre Beziehung zu Link einen Sinn haben sollte.

„Sag’ schon, was hast du getan, damit er dir ganze sechs Münzen anvertraut hat?“

            Ob Link es verstehen würde? Oder würde sein Dickkopf dafür sorgen, ihre Beziehung erkalten zu lassen?

            „Dein Schweigen sagt mir jedenfalls nichts Gutes...“, meinte er und wand sich um. Sein Blick war traurig, aber auch ein wenig sehnsüchtig.

Eine Träne tropfte über Zeldas linke Wange und sie sprach leise: „Er verlangte einen Kuss...“

Link wich zurück und fiel aus allen Wolken. Er breitete die Arme auseinander, wollte etwas sinnvolles sagen, aber drehte sich nur um und lief wenige Schritte. Er versuchte sein Haupt zu wahren, das kochende Blut in seinen Venen unter Kontrolle zu bringen und lief zu jener Tür, durch die er vorhin getreten war. Er stützte sich an dem Holz der Tür ab und sprach im Flüsterton: „Und du hast eingewilligt?“

„Ja...“, sprach sie gequält und schaute beschämt zu ihren Füßen.

„Ich kann das nicht glauben... Zelda...“, sagte er verletzt und schüttelte den Kopf. „Wie konntest du nachgeben? Wie konntest du ihn... küssen?“ Seine Worte wurden lauter und wütender.

„Am besten noch einen ordentlichen Zungenkuss, oder was?“, rief er.

„Es war nur ein kurzer Kuss...“, schluchzte sie. Zelda blickte mit Tränen in den Augen auf, und hoffte auf Links Verständnis. Aber er blieb stur und würde ihr vermutlich nicht verzeihen wollen.

„Ein Kuss ist ein Kuss...“ Er stapfte weiter hin und her.

„Denkst du, ich vergesse das einfach auf die Schnelle. Da kennst du mich aber besser!“, kreischte er, trat wieder näher und Zelda sah erschreckend den Schmerz gemischt mit tosender Wut in seinen Augen. Und jener Schmerz war neu, von einer unheimlichen Art, den sie noch nie in dem tiefen Blau seiner Augen erkannt hatte.

            „Wir hätten eine andere Lösung gefunden“, meinte er.

„Ach ja? Wann? Morgen früh etwa? Wie lange hätten wir noch in diesem Tempel herumirren sollen?“ Sie legte ihre Hände gefaltet auf ihre Brust und meinte leise: „Ich habe das nur für die Mission getan. Denkst du, es hat mir Spaß gemacht!“, rief sie und weitere Tränen tropften von ihren Wangen.

„Ich weiß nicht...“

„Bist du verrückt? Traust du mir wirklich zu, ich würde an so einem Ekel Gefallen finden? Es hat mich angewidert und ich hasse mich dafür. Aber, Link... ich musste das tun... Es war eine simple Entscheidung für Hyrule und die Erde. Wir brauchten doch die Münzen.“ Aber ihre Rechtfertigung ergab für Link im Moment einfach keinen Sinn.

            „Verdammt Zelda... Es ist einfach nur abartig, dass du diesem Widerling den Gefallen getan ist, dass du dich ihm angenähert hast, dass du ihn berührt hast. Allein der Gedanke, du würdest ihn küssen, ist...“ Link brach mit den Worten ab und trat an die Holztür. Er wurde mit jeder Minute rasender und Zelda konnte es ihm nicht einmal verübeln...

            „Link, bitte lass’ uns in Ruhe darüber reden“

„Es gibt nichts mehr zu bereden“, sagte er kühl. Zeldas Augen standen starr. Was meinte er mit diesen Worten? Sie trat näher und suchte die Wahrheit in seinen Augen. Und erneut hatten ihre Entscheidungen sie beide in eine Sackgasse geführt. ,Es gibt nichts mehr zu bereden?’ War das etwa das Ende ihrer Beziehung? Wegen einem dummen Kuss, der an die Bedingung der Missionserfüllung geknüpft war?

            „Link... was meinst du...?“ Sie kämpfte mit den Tränen und sah auf, spürte Zorn und Kälte von ihm ausgehen und wagte sich nicht einmal in seine Nähe.

„Ich muss mich beruhigen. Eine Münze fehlt noch.“ Sein Blick ging hinauf an die Luke ganz oben im zehnten Stockwerk. „Ich schau’ mich dort oben um.“

Zelda nickte und hockte sich wieder zusammen mit dem Drachenbaby auf das Plateau, beobachtete Link, der an einer Kette hinaufkletterte und weinte über ihre eigene Dummheit, als er durch die Luke verschwand.

            ,Was habe ich nur getan...’, sagte sie in stillen Gedanken. ,Warum hab’ ich das nur getan?’

Sie presste ihre Hände auf die roten Lippen und begann sich mehr und mehr für diese ekelhafte Berührung Prestons zu schämen. Sie war eine Prinzessin, und was hatte sie getan? Das Verlangen eines Verräters gestillt. Damit machte sie sich selbst zu einer Verräterin. Einer Verräterin ihrer Liebe zu Link...

 

Außer sich vor Zorn und einem unersättlichen Gefühl der Demütigung in seinem Herzen erreichte Link die Luke am dunklen, kantigen Gewölbe. Mit einer Hand hing er an der großgliedrigen Kette und mit der anderen schob er die robuste Eisenplatte ins Innere. Gekonnt schwang er sich anhand der Kette hinein in den Raum und hatte zunächst eine Treppe vor sich, die weit hinaufführte.

Verletzt stiefelte er nach oben, stellte sich ohne es zu wollen den Kuss Zeldas mit Preston vor und fragte sich die Spur eines Augenblicks, ob er in ihrer Beziehung etwa zu wenig verlangt hatte. Verdammt, vermisste seine Prinzessin irgendetwas, was er ihr noch nicht gegeben hatte? Sollte er vielleicht gröber sein ihr gegenüber? War er etwa zu liebevoll? Und warum sonst küsste sie diesen Widerling, der keinen Hauch von Zärtlichkeit oder Zuneigung hatte.

            „Verdammt!“, rief er, trampelte verbittert an die Seitenwand und schlug mit der linken Faust auf das harte Gestein ein. Was erwartete sie denn von ihm? Sollte er sie überrumpeln, oder was? Und mit jeder weiteren Minute kam der großherzige Heroe auf unsinnigere Gedanken gegenüber seiner Prinzessin, hatte Angstgefühle, dass seine Küsse ihr nicht ausreichten, ihr vielleicht nicht einmal etwas bedeuteten, fürchtete, er gab ihr einfach nicht genug...

Aber den einzigen Grund für Zeldas Entscheidung schlug er in alle Winde. Und irgendwo tief drin wusste Link, dass sie Prestons Bedingung nur wegen der Mission erfüllt hatte. Aber der Sturkopf und die schürende Eifersucht in seiner jugendlichen Birne machten im Augenblick anscheinend jeden vernünftigen Gedanken zunichte.

Murrend stapfte er weiter und erreichte weit oben das Ende der Treppe und zusätzlich viele, kleine viereckige Ebenen, über die er springen müsste um in einer hintersten Ecke eine strahlende Münze in seine Hände nehmen zu können. Unschuldig und wartend lag die siebzehnte Münze auf einem viereckigen Plateau.

            Aber irgendetwas an diesem Ort beunruhigte den Heroen und die alte, mutige Seele, die tief in seinem Bewusstsein schlummerte.         Gefahr und ihre böswilligen Gesichter kroch hier umher, schlang sich wie eine kalte Haut um die vielen viereckigen Flächen, die von magischen Schwingen getragen in der Luft standen. Und Link war sich nicht ganz sicher, ob diese Vierecke alle so fest und sicher waren wie sie aussahen. Er suchte in einer magischen Tasche nach einem unnötigen Gegenstand und fand eine Brotbüchse, die er sowieso nicht mehr benötigte. Das Brot war ihnen am heutigen Tage ohnehin ausgegangen.

            Er warf die Büchse auf eines der vielen Plateaus vor seiner Nase, aber seine Vermutung bestätigte sich nicht. Das Plateau sank nicht hinab, so wie er annahm. Anscheinend war der Weg über die Luft doch sicherer als er glaubte. Vorsichtig sprang er auf den Felsblock, der in der Luft schwebte, fühlte unter seinen Füßen, wie dieser wackelte und vibrierte. Aber er hielt sein Gewicht. Auf diese Weise- durch vorsichtiges Herantasten- legte der junge Heroe ein ganzes Stück an Weg zurück, und war im Nu auf der Hälfte des Weges, hatte die glänzende Goldmünze direkt in seinem Blickfeld und warf erneut die alte Brotbüchse auf einen der schwebenden Felsblöcke. Das Plateau wackelte, aber hielt die leichte Brotbüchse aus. Zaghaft trat Link auf jene Möglichkeit des Weges.

Zuerst geschah nichts anderes als vorher. Die viereckige Platte wackelte und schien ihn auszuhalten. Plötzlich aber und ohne die geringste Vorwarnung, rauschte der Felsblock so schnell in die Tiefe, dass Link nicht rechtzeitig reagieren konnte.

Ein lauter Schrei donnerte in dem langen Schacht umher. Ein angstverzerrtes Rufen eines Kämpfers. Link suchte nach einem Halt, rutschte kläglich an glattgeschliffenen Wänden anderer Felsblöcke ab und schien in der Tiefe zu verschwinden.

            Genauso überraschend wie das Einstürzen des Felsblocks, fühlte Link mit einem Mal eine feste, starke Hand, die ihn an seinem Unterarm umfasste und mit Leichtigkeit erneut nach oben hievte. Ein paar bösartige, glühende Augen sahen belustigt in seine tiefblauen. Dunkles Haar hing in einem vernarbten jugendlichen Gesicht. Es war Preston, der letzte Kerl, den Link im Moment sehen wollte.

            Sofort als Link auf sicherem Boden stand, riss er sich los und maulte: „Du! Du bist der letzte, von dem ich mich retten lassen wollte, du Schwein!“

„Tja, ändern kannst du es ohnehin nicht mehr, Link“, lachte jener Jugendliche.

„Warum hast du mich nicht einfach in Ruhe gelassen, ich hätte mir zuhelfen gewusst!“

„Jaja... ist gut, Zwergenheld!“ Preston schlug erheitert seine Hände hinter den Kopf und meinte: „Der Rest des Weges ist sicher. Also hol’ dir die Münze und rette mit deiner Prinzessin die Welt.“

Preston grinste und hatte nicht den Hauch einer Chance auf das zu reagieren, was folgte. Eine starke Faust bohrte sich in Prestons Gesicht und jener wurde aufgrund der Wucht einer mit Macht gefüllten Hand an einer der kalten Wände geschleudert.

            Schockiert sah er auf und blickte in das wutverzerrte Gesicht des Heroen. „So... das tat gut!“, murrte Link und atmete tief aus. Preston richtete sich auf und wischte sich über die blutigen Lippen.

„Und bevor du fragst, das war für deine widerliche Bedingung, die du an Zelda gestellt hast“, dröhnte der Heroe, fühlte sich fast ein wenig besser, jetzt, da er Dampf abgelassen hatte. „Für diesen dreckigen Kuss!“

„Sie hat es dir sofort gestanden... hätte ich nicht gedacht“, meinte Preston und trat dummerweise wieder näher an einen sehr mürrischen, eifersüchtigen und wütenden Link heran.

„Ja, es gibt eben noch Leute, die aufrichtig zueinander sind“, sagte Link, obwohl er Zeldas Aufrichtigkeit anzweifelte.

            „Aber du kannst ihr jetzt vermutlich nicht mehr so vertrauen, wie vorher, was?“, lachte Preston. Als Link darauf nicht ein Wort erklingen ließ, lachte Preston noch lauter.

„Haha... du bist vielleicht ein Idiot“, kicherte der schwarzhaarige Jugendliche. Link ballte die Fäuste und fühlte erneut etwas Seltsames in sich. Eine monströse Energie, die er nicht einmal richtig kontrollieren konnte.

            „Ein riesiger Idiot“, lachte Preston. Derweil zog Link vor Zorn und Rage sein Schwert. Die Klinge klirrte gefährlich, aber Preston ließ sich nicht einschüchtern. Im Gegenteil, er trat noch näher.

„Was für ein Idiot, dass du ein solches Affentheater machst, wegen einem einfachen, oberflächlichen Kuss. Sieh’ dich doch mal an. Ist das etwa dem Helden der Zeit ähnlich? Sich wegen einem kleinen Kuss so aufzuregen, und deine Prinzessin hat das noch nicht einmal freiwillig gemacht. Und ihre Zunge hat sie auch in ihrem hübschen Mund gelassen.“ Link war im wahrsten Sinn des Wortes sprachlos und ließ die Klinge wieder sinken. Er gab es nicht zu, aber Preston hatte Recht, auch wenn er ein riesiges Ekel war. Link führte sich auf wie ein unzurechnungsfähiger Blödmann, nur wegen einem Kuss...

            „Zelda liebt dich und du hängst ihr diesen dummen Kuss nach? Du bist wirklich ein Idiot!“ Preston trat näher, hatte immer noch dieses unverblümte Grinsen in seinem Gesicht. Link dagegen wurde fahl und leichenblass...

            „Sie hat es dir gesagt?“, fragte er ungläubig.

„Was, dass sie dich über alles in der Welt liebt?“

Verlegen schaute Link zu seinen Stiefeln.

„Jaha, und mit einer Hingabe“, amüsierte sich der Schwarzhaarige.

„Sie hat es dir noch nicht gesagt, was?“

,Ja, das stimmte leider’, dachte Link. Diese drei kleinen Worte hatte Zelda noch nie über ihre Lippen gebracht.

„Schon mal dran gedacht, dass sie sich vor diesen drei Worten mehr fürchtet als vor Ganondorf?“

„Und warum erzählst du mir das überhaupt? Warum hast du mir den Hals gerettet?“, murrte der Heroe und hüpfte mit einer großen Portion Leichtsinn auf die nächste viereckige Fläche. Aber er hatte Glück.

„Ach... ich weiß auch nicht. Ich hatte den Drang, mal nett zu sein. Außerdem will ich wieder ein Mensch sein, das weißt du hoffentlich noch. Ein anderer Grund ist, dass Zelda dich liebt und ich wohl schlecht zulassen kann, dass du in diese mörderische Tiefe stürzt.“

Link nickte gelangweilt, hatte keine Lust mehr auf Smalltalk mit jemandem wie Preston und erreichte endlich die letzte Münze. Als er sich umdrehte, stand Preston plötzlich direkt vor seiner Nase und gab ihm eine richtig gemeine Kopfnuss.

„Wofür war das, du verdammter Hurensohn?“, fauchte Link und holte erneut mit der Faust aus, aber Preston bückte sich, so schnell er konnte.

„Dafür, dass du so ein Idiot bist. Ich glaube, eine größere Hohlrübe gibt es nicht. Echt mal, du wirst von der tollsten Frau Hyrules geliebt und bist so dermaßen eifersüchtig, dass du noch nicht einmal bemerkst, wie du sie mit deiner Eifersüchtigkeit verletzt. Du Arsch, sie liebt dich. Also verhalte dich dementsprechend und zeig’ ihr, das sie diese Zuneigung nicht bereuen muss.“ Preston grinste, und hatte wohl das erste Mal in seinem Leben für derartige Worte den Nerv.

„Kapiert, du Idiot?“ Link schnaufte und umfasste fester die Klinge in seiner Hand.

            Preston trat langsam weiter und setzte leiser hinterher: „Ach und ja, Ganondorf erwartet euch beide schon. Er schärft seine Waffen. Sei’ also auf der Hut, Zwergenheld.“ Damit erzeugte der Schwarzhaarige ein dunkles Feld vor seinem Antlitz und verschwand in dreckigen Nebeln, wurde verschluckt wie ein bisschen Materie von einem schwarzen Loch...

 

Link hangelte sich bedacht die lange Kette hinab und trat langsam vor seine Prinzessin, die das Drachenbaby verwöhnte. Nicht einmal einen Blick in ihre himmelblauen Augen brachte er über sich. Und so trat Link wenige Schritte weiter und murmelte gezwungen: „Wir müssen weiter. Ich habe die letzte Münze...“ Zelda nickte, lief zu ihm hinüber und wollte annähernd nach seiner Hand greifen, aber Link zog diese weg, schüttelte stur mit dem Schädel und machte ihr mit einer so einfachen Geste deutlich, wie nötig er ein wenig Abstand hatte. Zelda legte ihre Hände auf ihr Herz, blickte traurig zu Boden und lief einfach nur hinter ihm her. Auch sie sagte nichts, bekämpfte ihre taube Kehle und versuchte nicht schon wieder mit so etwas Dummen wie dem Weinen anzufangen. Sicher, sie verstand sehr gut, wie verletzend ihre Handlung gewesen war, aber hatte sie denn eine Wahl gehabt? Warum konnte Link das nicht nachvollziehen. Es war doch nur ein oberflächlicher, kleiner Kuss...

            Schweigsam erreichten die beiden Hylianer erneut das Erdgeschoss und setzten ohne irgendein Wort zu verlieren, die Münzen in die vorbestimmten siebzehn Einkerbungen. Ein lautes Dröhnen wurde hörbar unter ihnen und im selben Augenblick bebte der Boden wie bei einem Vulkanausbruch. Die Seitenwänden bröselten und einige Treppenstufen krachten von oben herunter. Und der Boden begann so entsetzlich zu beben, dass jene Erschütterung Zelda und Link zum Hinlegen zwang.

            Es war ein Mechanismus, gefertigt von den klügsten Architekten Hyrules. Ein Triebwerk, welches durch viele kleine Rädchen und anderes Werkzeug tief im Vulkangestein Energie freisetzte, die plötzlich und gewaltig die gesamte Feuersäule verschlang. Es röhrte und donnerte und mit einem Tosen rauschte die gewaltige Feuersäule schnell und brutal hinab, als würde sie von einem Feuerfresser verschlungen...

            Es wurde wieder still in der gewaltigen Weisenstätte des Feuers, still genug, um die eigene Atmung wahrzunehmen, den schnellen Herzrhythmus des anderen zu spüren. Link vergewisserte sich mit einem kühlen, unauffälligem Blick über seine Schulter, ob mit Zelda alles okay war, fühlte sich erleichtert deswegen und schaute dann trügerisch zu dem freigelegten Weg. Der Pforte, welche die Feuersäule erst versperrt hatte. Eine merkwürdige Treppe führte tiefer in den Tempel. Treppen, die kreisförmig in dem Loch angeordnet waren und sich tief am Boden trafen. Ohne Blick. Ohne Gefühl und den Versuch von Nähe zu Zelda tapste Link die Treppenstufen hinab und hörte hinter sich nur die klappernden Stiefel seiner Prinzessin und das aufgeregte Piepsen des kleinen Drachenbabys.

 

Als Held und Prinzessin das Ende ihres Weges erreichten und es anscheinend keinen weiteren Weg gab, brach unter ihnen der Boden entzwei und sie landeten schreiend an dem Ufer eines gigantischen Lavasees hier im Untergrund der Weisenstätte. Ein robustes Boot aus einem merkwürdigen, magischen Material war an dem Ufer angelehnt und wartete auf seine Gäste. Aber ihr Weg war versperrt. Jemand wartete bereits auf ihr Erscheinen. Der Gastgeber in seinem widerlichen Spiel mit krankhaften Illusionen. Ein breiter Dämon stand mit dem Rücken am Ufer, direkt vor den zwei Hylianerherzen und breitete seinen Ledermantel aus.

„Ihr erscheint recht spät, meine Gäste“, schnalzte er und hob die dunkle Kapuze von seinem Haupt. Das Abbild eines starken Mutanten gab sich preis. Die bedeutsame Kreation des Schreckensfürsten. Der Mischling aus Moblin und Eisenprinz, der sich die vergifteten Seelen, dunklen Gedanken und spärlichen Fähigkeiten vieler unnutzer Moblins eingehaucht hatte.

            Ein einzelner Moblin aus Ganons Armee war vielleicht dumm und einfältig, aber viele von ihnen bildeten ihre eigene Horde der Besessenheit und des Todestriebs. Eine Horde von ihnen im eigenen Kopf krönte und erfreute den Mutanten und machten ihn stärker als es selbst dem Meister des Bösen recht war. Troplox, der Mutant, war nun stark genug, um sein eigener Meister zu sein...

            Intuitiv rückte Link einige Meter zurück und drückte Zelda entgegen ihres Willens ebenfalls nach hinten.

„Wir sind nicht deine Gäste. Wir schlagen deine Einladung aus“, sagte Link trocken und kalt. Denn er wusste, wen er vor sich hatte und diesen Gegner durfte er nicht unterschätzen.

„Wer sagt, dass die Einladung eine freiwillige ist, Held“, zischte der Mutant und trat einige Schritte näher. Erneut wichen Link und Zelda rückwärts und der Kämpfer schaute hilfesuchend zu der einzigen Fluchtmöglichkeit. Dem Boot, welches sie über den gefährlichen Lavasee bringen könnte.

            „Aber ihr habt Respekt vor mir!“, zischte der Mutant und grinste biestig. Seine schwarzen Zähne gaben sich aus einem vernarbten Maul preis. „Daher möchte ich mich bescheidenerweise mit Geduld und Eitelkeit vorstellen.“ Er breitete muskelbepackte Arme auseinander und die wenige Lederbekleidung um seinen kräftigen Oberkörper und die Hüfte straffte sich reibend. „Mein Name ist Troplox und ich bin ein Illusionsspinner. Eine Freude für Geist und Seele. Ein Genuss für den Körper in traumhaften Illusionen gefangen zu sein und eine Schande für das verliebte Herz. So wie die Magd an dem Spinnrad sitzt und ihren Garn erschafft, erschaffe ich Illusionen in allen Farben und Formen... Illusionen des Leids und der Freude in aller Lebendigkeit. Und alle fallen sie auf meine Illusionen herein...“, feixte das Ungetüm und heftete seinen Blick zu der jungen Prinzessin. Er leckte sich über seine fleischigen Lippen und murrte ein wenig düsterer: „Aber mir scheint, die Prinzessin Hyrules flieht lieber vor ihren Illusionen, obwohl sie doch nicht immer unangenehm waren, nicht wahr?“

„Was soll das heißen?“, antwortete Zelda prompt und dachte heimlich an diese Phantasie ihres dicken Bauches, dem Schlossgemach und dem Baby in der Wiege.

„Nun...“ Troplox lief einige Meter rückwärts und fixierte den riesigen Lavasee mit seinen glühenden, teuflischen Augen.

„War es nicht Genuss für dich verwöhnt zu werden von einem liebevollen Verehrer in dem eigenen Schlossgemach?“ Erschüttert und erneute Enttäuschung wachrufend drehte sich Link zu Zelda und konnte nicht verstehen, dass sie ihm wieder etwas verschwiegen hatte.

            „Damals in den Kokiriwäldern... das warst auch du?“, meinte Zelda entgeistert und dachte an die vielen Halluzinationen, die ihr damals wiederfahren waren. Nun ergaben sie Sinn. Nun verstand sie deren Zweck der Verwirrung und deren Grausamkeit bis ins kleinste Detail.

            „Jahhh“, schnurrte der Illusionenspinner. „Aber meine Fähigkeiten zu dem Zeitpunkt waren alles andere als ausgereift. Hast du diese Illusionen vom Tod deines Liebsten wenigstens genossen, Prinzeschen?“ Zelda blickte gedemütigt zu Boden, kniff die Augen zusammen und erinnerte sich ohne Kontrolle an die Bilder ihrer Illusionen. Bilder, als Links Kopf auf Speeren aufgespießt von Moblingesocks trophäenartig umhergetragen wurde. Es schmerzte in ihrem Herz. Und es schmerzte so sehr, dass ihr salziges Wasser in die Augen stieg.

„Sieh’ einer an. Sie weint. Die stolze, eitle Prinzessin Hyrules weint. Welch’ eine Schande. Ihr gebt Euch Blöße, Eure Hoheit.“

            Zelda sah mit einem Blick auf, der Link das Fürchten lehrte. Ihre blauen, tränenden Augen leuchteten stark und attraktiv. Irgendwie gespenstisch und anziehend. Majestätisch und einzigartig. Sie trat nur einen Schritt nach vorne und plötzlich schossen Strahlen puren Lichts aus ihrem Körper, und durchbohrten das Monster unersättlich.

Sie stoppte nicht mit ihren Attacken der Verzweiflung und sogar Link, der versuchte einzugreifen, der versuchte sie zu beruhigen, wurde durch eine magische Böe zurückgedrängt.

„Zelda! Hör’ auf. Du tust dir nur selbst weh!“, brüllte Link und kämpfte strotzend gegen den starken Wind ihrer Schöpfung. Er rief nach ihr, forderte sie auf, zu stoppen. Diesen Irrsinn bleiben zu lassen. Aber sie wollte ihn nicht hören.

            Und plötzlich wurde das gesamte Ufer von ihrer heiligen Magie beleuchtet, flutete die Szenerie und bannte, betäubte, verletzte das Ungetüm Troplox so verschwenderisch und gnadenlos wie es nur ging.

            Link hetzte näher und spürte ihre Magie schwächer werden, fühlte, wie Zelda ihre gesamte Kraft in dieser wahnsinnigen Attacke verpulverte. Er rannte näher und sah seine Prinzessin plötzlich reglos und starr vor dem Ufer stehen. Sie keuchte und hechelte, sank auf ihre Knie und landete bewusstlos mit einem dumpfen Schlag seitlich auf dem warmen, kantigen Erdboden.

„Zelda!“ Der junge Heroe kniete nieder und suchte zuerst nach ihrem Puls, fand ihn beruhigt und drückte sie an sich. Sie hatte ihre ganze Kraft in einen einzigen unkontrollierbaren Ausbruch ihrer Macht gelegt, hatte sich Wut und Zorn hingegeben und damit einen gefährlichen Preis bezahlt. Link konnte nur hoffen, dass sie in wenigen Stunden wieder bei Bewusstsein und noch die alte Zelda war. Die Zelda, die er doch brauchte, die er liebte. Zum Teufel mit diesem dummen Kuss, der Preston bestimmt war.

            Preston...

            Nur ein Gedanke an ihn reichte und er erschien wie gerufen. Er trat wie aus dem Nichts heraus näher und überprüfte mit einem gehässigen Blick den Zustand der Prinzessin.

„Meinst du, sie schafft es, Zwergenheld?“ Link rollte die Augen und blickte den Jugendlichen erbost an. Zaghaft trat Link selbst auf die Beine und trug seine Prinzessin auf den Armen.

„Zelda ist nur bewusstlos...“, sprach Link leise.

            Troplox lag regungslos aber lebendig in der Nähe und es war nur eine Frage von wenigen Minuten, bevor sich das Ungetüm wieder regeneriert hatte.

„Ist er am Ende?“, meinte Link. Aber Preston schüttelte warnend den Kopf. Dann grinste jener und holte etwas aus seinem dunklen Mantel, womit Link nie und nimmer gerechnet hatte. Preston hatte einen richtigen Sprengkörper in seiner Hand. Eine dunkelbraune Bombe, die von den starken Goronenhänden gefertigt war und so einiges in Stücke hauen könnte.

„Was willst du denn damit?“, murrte Link und trug seine Prinzessin ohne Zeit zu verlieren zu dem Boot.

„Ich mach’ dir einen Vorschlag, Zwergenheld.“

„Und der wäre?“, meinte Link und löste die Befestigungen des Bootes, während Zelda tief schlafend in dem Boot lag. Und das Drachenbaby an ihrem Ärmel zerrte und ihre Hände anknabberte.

            „Ich nutze dieses hübsche, bombige Ding und versperre somit den Weg. Du fliehst mit Zelda und dem Drachenbaby und beschaffst dir das Elixier, welches irgendwo auf diesem Lavasee zufinden sein müsste.“

„Ja und?“, meinte Link ungläubig. „Du versperrst damit blöderweise den Rückweg.“ Aber Preston grinste: „Keine Sorge, es gibt über den Lavasee eine weitere Möglichkeit dem Tempel zu entkommen. Und ich kann dir schon mal verraten, dass jener Weg mehr Spaß macht als der, den du zurücklässt.“

            Link schaute immer noch ungläubig und konnte diese plötzliche Selbstlosigkeit Prestons nicht verstehen. „Warum tust du das?“

„Nun, in gewisser Weise bin ich genau wie du... Wir sehen uns sogar ein wenig ähnlich, falls dir das mal aufgefallen ist. Ich bin bloß kein Held und habe einige Fehler begangen. Es wird Zeit, dass ich beweise, dass auch ich etwas drauf habe.“ Preston grinste. „Ich werde mich Troplox in den Weg stellen. Und mal schauen... vielleicht überlebe ich diesen Kampf sogar.“

Link schüttelte den Kopf aus Unfassbarkeit, reichte Preston die Hand und meinte: „Du tust das bloß für Zelda, nicht wahr?“ Preston nickte. „Scheint, als ob sie mich bekehrt hat. Und ja, sie zieht Kerle wie uns eben in einen magischen Bann und merkt es nicht einmal.“ Der Schwarzhaarige schüttelte die Hand des blonden Heroen.

„Wenn sie aufwacht, werde ich ihr das mitteilen, was du mir gerade eben gesagt hast.“ Preston nickte. Er holte ein Streichholz aus einer Gürteltasche und entzündete es witzigerweise mit seiner dunklen Magie.

„Jetzt flieht. Troplox regeneriert sich sehr schnell.“ Link nickte, grinste und hüpfte mit einem Sprung in das rettende Boot hinein.

            Als sich das Boot langsam über die Lava bewegte, schaute Link erneut zurück, blickte zu Preston, der grinste und das Streichholz zu der Zündschnur der Bombe führte. Und auf seinen Lippen stand ein leises Danke.

            Plötzlich explodierte das gesamte Ufer. Die Erschütterung war so gewaltig, dass sie auf dem See zu spüren war. Dutzende Felsblöcke und dunkler Staub versperrte den Zugang zu jenem Bereich des Tempels, wo Preston sich dem Mutanten und Illusionenspinner entgegenstellte.

            Link hörte nur ein zerfetzendes Schreien, ausgestoßen sowohl von Preston als auch von Troplox und wusste instinktiv, dass der Kampf der beiden einstigen Diener Ganondorfs zum Nachteil für sie beide ausgegangen war. Beide waren jene Kreaturen Opfer ihrer selbst und bezahlten den Preis des Lebens...

            ,Nun hat er doch noch eine gute Tat vollbracht...’, dachte der junge Heroe, verabschiedete sich mit diesen Worten von Preston und ruderte langsam über den See, sah besorgt in das kreidebleiche Gesicht seiner Prinzessin und setzte den Weg fort. 

            Link ruderte nunmehr eine halbe Stunde über den in die Länge gezogenen unterirdischen Lavasee. Manchmal wurde der Weg schmaler und der Heroe musste höllisch aufpassen nicht an die Kanten der Höhle zu stoßen. Und ab und an gab es kleine Inseln auf dem See, die seinen Willen stärkten und ihm eine Verschnaufpause gönnten.

Wenig später erreichte er mit dem Boot eine kleine Kreuzung. Von dem Weg ganz rechts drang ein feuchter, kühler Wind. Frische Luft. Ein Segen hier in der Dämpfe des gigantischen Sees. Link stoppte das Boot und atmete tief ein, roch die süße Luft der Steppe und lächelte. Dies war also der Ausgang. Demzufolge müsste sich irgendwo auf dem Weg geradeaus das Elixier des letzten Weisen finden lassen.

            Er ruderte weiter und sein Blick fiel zu der schlafenden Prinzessin und dem kleinen Drachenbaby, welches sich an sie herangekuschelt hatte und ebenso schlummerte. Auch Link fühlte sich elend, wollte Schlaf und seinen hungrigen Magen füllen. Aber er musste das Boot zuerst nach draußen bringen. Dorthin, wo der frische, hylianische Wind wehte.

            Nach langer Suche erreichte er ein großes Gitter und darauf ruhte in einer einfachen Schale das rettende Elixier des Weisen mit der Macht über Feuer. Zufrieden verstaute der Held das Elixier in der Gürteltasche und hatte nun alle kräftesteigernden Substanzen in seinen Händen. Es war soweit. Dem letzten Kampf stand nichts mehr im Wege. Und wenn er die Elixiere mit Zelda rechtzeitig zu Leon, Impa und den anderen bringen konnte, so würde es eine sehr große Chance geben, dass sie den Kampf gegen Ganon alle unbeschadet überstehen würden. Die Welt könnte wieder die gleiche sein, dann, wenn man das Triforce nutzen und ihm einen Wunsch nach Frieden abverlangen könnte.

            Er hüpfte auf das Boot, welches verräterisch schaukelte. Er setzte den Weg fort und steuerte das magische Boot in die Richtung, wo der segenspendende Wind herrührte und sein Gemüt erhellte. Link hatte sich mit dem Boot nur wenige Meter vorwärts bewegt, als er kühle Lichtstrahlen bemerkte, die in die heiße, dampfende Höhle fielen. Er blickte angestrengt hinauf, blickte um sich und sah direkt vor seinen Augen einen hellerleuchteten Ausgang, geschmückt mit alten Statuen, die aussahen wie Biggoron... Gemeißelt aus robustem Gestein schienen jene Statuen hier zu wachen...

            Link passierte den Ausgang vorsichtig und ruderte schnell und heftig ans Ufer. Denn wenige Meter weiter rauschte die glühende Lava hastig und unüberschaubar steile Hände hinab. Es war nur ein kleiner Anlageplatz und so weit das Auge reichte türmten sich massive Felswände und kantige Hänge hier auf. Der Weg würde beschwerlich werden, dachte Link.

            Der junge Hylianer trug sowohl Zelda, als auch das Drachenbaby aus dem Boot, lehnte Zeldas erschöpften Körper an eine Felswand und verschnaufte selbst einige Minuten, genoss den frischen Wind und beobachtete die Sonne, welche sich weit im Westen langsam herabsank. Die vermutlich letzte abendliche Dämmerung vor der Rückkehr in die moderne Welt war gekommen...

 
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