Kapitel 74
 

Kapitel 74

 

 

 

 

Mit schwachen Tränen in den Augen rannte der junge Held der Zeit durch die dunklen Schlossgänge, fühlte sich verbittert und unfähig. Unfähig für seine Wünsche zu kämpfen, unfähig um und für seine Prinzessin zu kämpfen.

,Alles geklärt...’ Wie gnadenlos, wie grausam, dieser Satz doch klang. Und vernichtend...

Aber gar nichts war geklärt. Seine Gefühle für die Prinzessin Hyrules waren noch lange nicht geklärt und sie würden sich niemals mehr klären.

            Hetzend rannte er weiter, schob das kümmerliche Wasser in seinen Augen auf die Wogen der Luft, die an seinen Augen vorbeizog. Er verkrampfte sich bei dem Gedanken, dass er sie ohne die Spur von Scheu geküsst hatte. Er hatte die Prinzessin Hyrules geküsst. Was würde ihr Vater dazu sagen, wenn er davon erfuhr? Was würde Impa sagen? Er hatte getan, was stets verboten war. Verboten. Untersagt mit Strenge des Kodex, der einen solchen Kuss verwehrte. Und doch... Hatte sie nicht erwidert? Hatte Zelda nicht selbst diesen Kuss gewollt?

            Wütend und verzweifelt wegen der sturen Frostigkeit seiner Prinzessin rannte Link weiterhin durch die Schwärze, bog einfach irgendwo ab und wartete darauf, irgendeinen Ausgang aus dem großen Wirrwarr Schloss Hyrules zu finden. Stattdessen erreichte er einen alten Königssaal, der eigentlich unbenutzt sein sollte. Ein Saal, welcher noch von Harkenias Vorfahren genutzt wurde, aber nicht von den lebenden Mitgliedern der Königsfamilie... Stimmen waren dort zu hören. Eine abgestumpfte, nüchterne, dann eine laute, eindringliche Frauenstimme und des weiteren eine sehr vertraute, die des jungen Königssohns aus Calatia.

            Neugierig und sich von Zeldas Gefühllosigkeit ablenkend trat Link näher und hörte Groll und Ärgernis aus den Worten heraus.

            Die hohe Eichentür mit Triforceverzierungen war nicht ganz geschlossen und lediglich angelehnt. Nur wenige Zentimeter ließ sie einen Einblick in den alten, teuren Saal zu, der halb verstaubt vergangenen Zeiten lobpreisen wollte. Links markante Nasenspitze stieß an das Holz, während er aufmerksam lauschte und seine tiefblauen Augen einen raschen Blick hinein werfen konnten. Ein winziger Herr mit fettiger Ritterrüstung und einer Haube auf dem Kopf stand aufgebracht, die schlabberigen Arme auseinander haltend, vor Caldrian, dessen rehbraune Augen erfüllt waren von grober Wut.

            Eine schicke, lange Dame, gekleidet in einer außergewöhnlichen dunklen Königstracht stand abseits und blickte streng und eitel drein. Sie besaß genau die gleichen rehbraunen Augen wie der junge Königssohn aus Calatia. Also waren dies Caldrians Eltern, dachte Link und lauschte wissbegierig.

Caldrians unvergessliche Stimme schmetterte laute Töne der Unverständnis durch den Raum. „Vater, so versteht doch, es liegt nicht in meinem Interesse der Prinzessin meine Hand aufzuzwingen.“ Der kleine Kerl gegenüber Caldrian schien teilnahmslos und stur zu sein.

„Wie kommt Ihr dazu, unseren Worten zu wiedersprechen? Was sind die Gründe für Eure dumme Fehlbarkeit?“, sagte der Kerl und richtete eine Anklage gegen seinen Sohn.

„Die Prinzessin...“, fing der junge Caldrian an und blickte wie ein Adliger aus Calatia entschlossen und aufrichtig auf. „... interessiert mich nicht.“

„Aber sie ist Eurem Stand würdig, sie entspricht dem, was wir für Euch erhoffen“, sagte die Lady mit dem braunen, langen Haar und trat ohne jede Miene an ihren Sohn heran. Keine Gefühlsregung in ihrem kühlen Blick.

„Die Prinzessin Hyrules könnte Euch gesunde Kinder gebären, denn sie ist schön, stark und von göttlichem Aussehen“, sagte die Königin Calatias. Gerade dieser Satz brachte Link leicht aus dem Gleichgewicht. Trübsinnig lehnte er sich gegen die Tür, die sich daraufhin wenige unbemerkte Zentimeter bewegte.

            „Selbst wenn ich sie lieben würde, sie könnte niemals erwidern, was ein Königssohn ihr zu Füßen legt“, sagte Caldrian und blickte aufrichtig in die Augen seiner Mutter.

„Wie meint Ihr?“ Aber Caldrian biss sich in dem Augenblick auf die Lippe. Welcher frevelhafte Skandal wäre es, wenn er seinen Eltern sagen würde, dass er davon überzeugt war, dass Prinzessin Zelda bereits ihr gesamtes Herz verschenkt hatte.

„Weil Prinzessin Zelda keine gewöhnliche Prinzessin ist...“, antwortete Caldrian kühl und schritt mit seiner klappernden Rüstung an das Fenster.

            „Es ist dieser Held, der im Wege steht“, sagte Caldrians Mutter scharfsinnig. Gefährlich berechnend blitzten ihre klugen Augen auf. „Die Prinzessin Hyrules hat ihr Herz bereits verschenkt“, sagte sie und zeigte nicht die Spur von Anteilnahme oder Herzenswärme. Frostig und eigensinnig verriet ihr ein Blick in die Augen ihres Sohnes, wie ungemein recht sie hatte.

„Ich werde den König Hyrules sofort über diese Umstände berichten“, sagte sie und schritt näher an die verzierte Tür.

Aber Caldrian hetzte hinter ihr her und sagte auffordernd. „Was bringt Euch das? Wollt Ihr den König demütigen? Wollt Ihr die Prinzessin mit Eurer verräterischen Haltung demütigen?“

„Nehmt in meiner Gegenwart nicht das Wort Verrat in den Mund. Ihr, mein Sohn, seid der, dem Verrat ein schöneres Vergnügen ist als das Festhalten am eigenen Land!“, drohte sie und blickte belehrend und herausfordernd in Caldrians Augen. Angewidert blickte er weg und verkrampfte die Fäuste.  

„Es sei denn, Ihr würdet der Prinzessin Eure Hand anbieten. Dann bleibt die unreife, dumme Liebschaft der Prinzessin mit dem Helden der Zeit ein Geheimnis vor dem Volk“, sagte der kleine, kleinwüchsige König Calatias, der ein langes Zepter in der Hand, damit auf dem Boden quietschte.

            „Ihr wollt mich erpressen?“

„Unterstellt Eurem König und Eurer Königin nicht diese Vermessenheit!“, sagte die stolze Lady zischend.

„Und was soll ich dann sonst Eurer Dummheit unterstellen!“, brüllte Caldrian, der alles andere als ein Sohn aus vornehmen Kreisen zu sein schien.

„Ihr werdet um die Hand Zeldas anhalten!“, sagte der Winzling im Raum drohend.

„Geht! Und wenn Ihr zur vernunftgeladenen Besinnung gekommen seid, dann kehrt wieder mit der Einwilligung der Prinzessin!“, sagte die Königin im Anschluss und drehte ihr eitles Haupt gen Saal.

            Laut und unmanierlich schnaubend hetzte der junge Prinz in Richtung des Tores. Noch ganz verwirrt, ungläubig angesichts der Worte, die er zufällig hören durfte, stand Link neben dem Tor, rührte sich nicht und blickte das erste Mal auf, als Caldrian die Eichentür zu knallte und geräuschvoll an ihm vorbeiging. Entsetzt blickte er in das bleiche Gesicht des Helden und wollte anfangen dieses gesamte Gespräch zu erklären.

            „Link?“, meinte der Prinz aufgeregt. „Was machst du denn hier? Ich dachte, du wärst...“

„Was?“, sagte er schnippisch. „Bei Zelda?“ Erzürnt kam der Name der Prinzessin über Links Lippen. „Um was?“, meinte er gekränkt. „Mich zu amüsieren? Um mich an körperlichen Vergnügungen zu erfreuen?“

            Aber Caldrian blickte unweigerlich seitlich und schwieg. Doch gerade diese Reaktion des jungen Caldrian brachte Link zum unbeherrschbaren Wutanfall. Schmerzhaft packte er ihn am Kragen, auch wenn er ein Prinz war, auch wenn er nicht wie Dreck behandelt werden sollte, und drückte ihm krachend die Steinmauern, die schon Tausende Jahre überstanden hatten, in den Rücken.

„Wer, bei Farore, gibt dir und deinen Eltern das Recht anzunehmen, ich hätte eine Affäre mit der Prinzessin!“, dröhnte Link auf, sodass seine aufgebrachte Stimme durch die alten Gänge drang.

            „Zelda hat kein Herz, das sie verschenken könnte!“, fauchte er und hatte schon wieder verräterisches Wasser in den blauen, ernsten Augen. „Von mir aus, kannst du sie gerne haben!“, brüllte er, ließ ruckartig von Caldrian ab und stolperte mit einem brennenden Triforcefragment auf dem linken Handrücken die Gänge hinab.

            Caldrian stand traurig einfach nur da und fühlte sich, als hätte er gerade den Fehler seines Lebens begangen...

 
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