Kapitel 75
 

Kapitel 75

 

 

 

 

An der südlichen Seite des Todesberges, wo graue, steile Hänge einst von Nayrus Macht geformt und seither durch gewaltige Vulkanausbrüche und eine gefährliche Witterung verändert wurden, sahen besorgte blaue Augen erforschend umher.

Ein starker, pfeifender Wind wehte um die spitzen Ohren Links, der in die schwindelerregende Tiefe starrte.

Nirgendwo hier gab es einen sicheren Weg, einen gefahrlosen Abstieg... nichts... nur steile, unüberwindbare Hänge...

Wie sollte er mit einer bewusstlosen Zelda diese irrsinnige Höhe bewältigen? Hinzu kam die knappe Zeit...

            Er atmete tief ein und schaute mit wachsender Unruhe zu dem glühenden Sonnenuntergang im Westen. Nur noch ein Tag trennte ihm von der Begegnung mit Ganondorf und allmählich steigerten sich die Gefühle des Zweifels zu hemmender Anspannung und Angst.

Wie nur sollte er den Fürsten des Schreckens in die Knie zwingen?

Link wusste einfach, dass er mit seinen momentanen Fähigkeiten einen Kampf nicht überleben würde. Er fühlte es mit Entsetzten. Er fühlte es mit Scham...

            In dem Augenblick wuselte das kleine Drachenbaby um seine Stiefel herum. Es schnurrte und blickte mit seinen großen katzenartigen Augen zu dem Heroen auf.

„Du willst mich anscheinend ablenken, was?“ Link kniete nieder und fuhr durch die glänzende Mähne und tippte neugierig an die verknöcherten Hörner des magischen Wesens.

„Was bist du?“, murmelte Link leise und blickte eindringlich in die Augen des Wesens. Es schnurrte, schloss seine Augen und hüpfte wieder freudig um Links Stiefel.

            In dem Augenblick blinzelte die junge Prinzessin und sah zunächst durch ein glasiges Blickfeld nicht sehr fiel. Die Eindrücke waren verschwommen und lichteten sich langsam. Ihr Schädel brummte und sie zitterte, wusste, als sie ihre Gedanken ordnete aber sofort, woher ihr schwacher Zustand herrührte.

Sie hatte sich ihrer Macht hingegeben, das getan, wovor Impa sie immer gewarnt hatte. ,Wie weise, du Dummkopf’, beschimpfte sie sich selbst in Gedanken. Ausgerechnet heute, wo irgendwie alles schief gegangen war, was schief gehen musste, war sie noch so unvernünftig und pulverte ihre Macht nach draußen.

Sie seufzte und stützte sich langsam mit ihren Händen auf dem rauen Felsengestein ab, worauf sie lag. Auch die harten Kanten des steinigen Materials, die sich in ihren Rücken bohrten nahm sie war. Sie blinzelte erneut und ihre Umgebung wurde klarer, deutlicher. Erleichtert fand sie sich unter freiem Himmel, roch genießend die kühle frische Frühlingsluft und schaute mit wachsenden Zweifeln hinüber, wo Link mit den Drachenbaby spielte.

            Sie murmelte seinen Namen leise und ungewollt, aber es genügte und Link horchte auf.

Blickscheu lief er zu ihr hinüber und meinte abstandhaltend: „Bist du in Ordnung?“ Sie nickte, obwohl seine abweisende Haltung ihr gegenüber sie das Nicken überdenken ließen. Garnichts war in Ordnung, wenn Link sich so abstoßend verhielt und sie nicht einmal anlächeln konnte.

            „Was ist geschehen?“, meinte sie leise und schaute sich immer verwunderter um.

„Weißt du nicht mehr?“, murrte er und setzte sich im Schneidersitz neben sie. Mit genügend Abstand sollte man erwähnen. „Du hast deine ganze Kraft unnötig herausgepulvert und dich selbst damit in mörderische Gefahr gebracht! Sag’ bloß, das hast du so schnell wieder vergessen!“ Sie schwieg dazu und hörte sich seine Vorwürfe an.

„Wie konntest du nur so unüberlegt handeln? Du hättest dich mit dieser Attacke umbringen können!“ Seine Stimme schwoll an und wurde lauter.

„Entschuldige...“, murmelte sie leise und drehte sich von seinem anklagenden Blick weg.

„Verdammt Zelda, du musst dich nicht bei mir entschuldigen. Du musst dich zusammenreißen, bis wir diese Mission hinter uns gebracht haben. Und bitte... bitte... setz’ dein Leben nicht für einen dummen, miesen Dämon wie Troplox aufs Spiel.“ Link war aufgesprungen und stand mit geballten Fäusten ebenso mit dem Rücken zu ihr.

            „Sag’ mir... warum...“, meinte er leise. „Warum hast du dich so reizen lassen? Warum haben die Worte dieses Ungetüms dich so verletzt, dass du deine Magie ausbrechen lassen hast?“ Zaghaft drehte sich die Prinzessin um, blickte zu dem blonden Hinterkopf ihres Liebsten und dann schwermütig zu Boden.

„Du hast mir etwas verschwiegen?“, fragte er einfühlsam. Er sagte diese Worte mit soviel Ruhe und Sensibilität, dass sie sich traute einige Schritte näher zu treten.

„In Kokiri... hatte ich bereits solche Phantasien, die er mir geschickt hat“, begann sie leise und zitterte mit ihren Worten ebenso wie ihre geschwächten Glieder zitterten. Haltsuchend lehnte sie sich wieder an eine raue Felswand.

„Eine der Visionen war...“ Sie erinnerte sich noch einmal an jenes schreckliche Bild mit Links aufgespießten Kopf. „Es war... man hat mir...“ Ständig suchte sie nach einem neuen Anfang. Aber sie bekam die Worte einfach nicht leichtfertig über ihre Lippen.

„Man hat mir deinen Tod gezeigt...“, flüsterte sie weinerlich. Erschrocken drehte sich Link um und durchbohrte sie mit einem Blick, der jenem gleich kam als sie ihm den Kuss mit Preston gestand. Derselbe Schmerz, dieselbe Wut, aber jene Gefühle richteten sich diesmal nicht gegen sie.

            „Meinen Tod?“, flüsterte er ungläubig.

„Einen möglichen Tod“, entgegnete sie. „Kannst du nicht nachvollziehen, dass ich dir diese Halluzination verschwiegen habe?“

Er trat einige Meter weiter und atmete ärgerlich aus. „Wir wollten aufrichtig zu einander sein, unabhängig von möglichen Konsequenzen. Kannst du es nicht einfach mal mir überlassen, was ich ertrage und was nicht? Kannst du nicht endlich mit deiner Geheimnistuerei aufhören, Zelda!“

„Verzeih’ mir bitte. Ich sehe es ein... ich hätte dir diese Bilder alle mitteilen müssen, ohne Ausnahmen.“

„Richtig. Deshalb’ sag mir, was hast du mir noch verschwiegen?“ Zelda wand ihr Blickfeld erneut zu seinem blonden Hinterkopf und seufzte: „Also gut... Troplox schickte mir eine romantische Phantasie über uns beide, in den Gemächern des Königsschlosses und das, als wir noch nicht einmal zusammen waren. Wie hätte ich dir das erklären sollen? Manchmal ist es vernünftiger, und das weißt du so gut wie ich, Dinge zu verschweigen, für sich zu behalten, auch wenn man anderen damit schadet. Und du weißt, dass die Wahrheit nicht immer der harmlose Weg ist, die Realität zu meistern. Erspar’ mir endlich deine Vorwürfe!“ Ihre Worte wurden eindringlicher und lauter, bis sie näher trat, ihre Nase rümpfte und erneut einen Anfang suchte.

Sie wollte nur ein wenig von seiner Nähe. Nicht einmal einen Kuss verlangte sie. Aber Link wirkte abweisend und trat seitlich.

„Lass’ das. Ich brauche ein wenig Abstand...“ Und sie wusste ganz genau, warum. Ein dummer Kuss. Ein dummer, unnötiger Vertrauensbruch.

            Zelda schaute traurig zu ihren Füßen, nickte schwerfällig und zwei Tränen tropften von ihren Wangen. Sie verstand ihn sehr gut, aber... sie brauchte ihn, sie liebte ihn... Sie hatte nie im Leben einen anderen geliebt wie Link...

Tief in seinem Inneren wusste er das. Doch sein Dickkopf versuchte dieses innere Gefühl im Augenblick zu betäuben.

            „Ich nehme an, du möchtest wissen, was mit Troplox geschehen ist“, meinte Link kühl.

„Ja... was ist passiert?“ Und ihr Blick haftete sich neugierig auf das Boot an dem kleinen Ufer vor dem flüssigen Lavafall, der rauschend steile Hänge hinabflutete.

„Preston hat den Weg blockiert, sodass ich mit dir fliehen konnte und hat sein Leben für die Vernichtung von Troplox gegeben.“ Geschockt lagen Zeldas Augen auf Links Lippen. Sie musste die Worte langsamer verarbeiten und schüttelte den Kopf.

„Aber Preston wäre niemals so edelmütig...“ Link unterbrach sie. „Doch... das ist er, aber nur wegen dir, Zelda.“ Verwundert verzogen sich ihre hellen Augenbrauen. Eine neue Form von Verwirrung legte sich in ihr blasses Gesicht.

„Wie meinst du das?“ Link lief einige Schritte hin und her um die passenden Worte zu finden.

„Er hat einen Narren an dir gefressen, ganz einfach. Was glaubst du, warum er diesen dreckigen Kuss wollte? Zum Spaß?“ Und erneut stachelte die Wut und Gekränktheit den Heroen an, den Tonfall zu erhöhen. „Warum wohl, Zelda? Er wollte dich, was denn sonst? Dein Aussehen, dein Herz, deine Ideale waren es, die aus ihm einen anderen Menschen gemacht haben.“

Aufgeregt blickte Link in das kreidebleiche Gesicht seiner Prinzessin. Eine Pause ihres Streitgesprächs entstand, in welcher Zelda ermüdet, aber ein wenig dankbar zu dem Drachenbaby lief und es in ihre Arme nahm.

            „Ich soll dir von ihm ausrichten, dass du ihn bekehrt hast. Er hat sich verändert und zu guter Letzt doch noch eine gute Tat vollbracht. Das Elixier habe ich ebenso beschaffen können.“

Und so langsam schlich sich in Links verärgertes Gemüt, der Gedanke ein, dass vielleicht gerade jener verbotene Kuss den Stein ins Rollen gebracht hatte. Dass jener dumme Kuss Prestons Selbstlosigkeit bewirkt hatte. War Zelda so voraussehend und hatte dem Kuss etwa nur deswegen zugestimmt?

            „Zelda?“, murmelte Link und die Verbitterung in dem kühlen Blau seiner Augen erlosch langsam. 

„Was ist?“ Nun war sie es, die abweisend reagierte und einer Versöhnung abgeneigt war. Denn Link sah Missmut in ihren saphirblauen Augen und Beklemmung. Um eine ganze Achse drehte sich ihr Inneres gerade und Link, der sich mehr und mehr unbeholfen und dümmlich vorkam, war Schuld daran.

            Er trat näher an den Abgrund, schaute hinunter in die grünen Täler am Fuß des Berges.

„Hast du eine Idee, wie wir den Todesberg überwinden können?“

„Nein“, sagte sie matt und schaute ebenso in die Tiefe.

„Kennst du einen anderen Weg. Irgendeine Handelsstraße oder eine Höhle, die nach unten führt?“, meinte er vorsichtig.

Aber Zelda murrte wieder ein genervtes: „Nein“, und verschränkte trotzig ihre Arme.

„Meinst du, wir sollten die Nacht hier verbringen?“ Sie trat streitsuchend näher und schüttelte den Kopf.

„Bist du ganz und gar von allen guten Geistern verlassen? Ich habe keine Lust hier umgeben von Gefahren und dutzendweise Moblinbiestern die Nacht herumzubringen.“

„Gut, ich auch nicht“, knurrte er und setzte beflissen hinzu: „Deshalb frag’ ich dich ja, ob du eine Idee hast.“

„Ich sagte bereits, dass ich keine Idee habe. Also zerbrich’ du dir doch mal deine neunmalkluge Heldenbirne.“

Link schnaubte. Na prima, da waren sie nun gelandet. In genau denselben Streitereien, die sie zu Beginn ihrer Mission so wundervoll dämlich und meisterhaft durchlebten. Dieselbe Tonlage Zeldas und dieselben unnötigen Kommentare von ihren hübschen roten Lippen.

„Es wäre gut, wenn unsere kleine, weise Prinzessin auch mal eine sinnvolle Idee entwickeln könnte und nicht alles auf ihren Helden abwälzt. Denn, so zur Information, ich habe heute genug getan, um unsere Hälse zu retten. Also heb’ dir deine Gemeinheiten für andere Gelegenheiten auf!“

            Zeldas Blick sprach Bände. Angriffslust, pure Verständnislosigkeit und ein ungeheure Portion Temperament standen darin. Und Link sollte gut überlegen, ob er sich schon wieder mit den aufgezählten Eigenschaften seiner vergötterten Prinzessin anlegen sollte.

            „Zelda...“, murmelte er. „Bitte beruhig’ dich. Ich möchte nicht mit dir streiten.“

„Ich soll’ mich beruhigen? Wie denn bitte schön?“, murrte sie zickig und warf ihm ein gekünsteltes, eitles Grinsen entgegen, worauf Link nur den Kopf schüttelte.

„Zu deiner Information, Link. Wir stecken hier fest. Und es gibt keinen Weg nach unten. Keinen sicheren Pfad, der uns diesmal unsere Hälse rettet. Wie, zum Teufel, sollen wir nun von hier entkommen?“

„Ich weiß es nicht...“, meinte Link und blickte hoffnungsvoll zu dem Drachenbaby. Er nahm es in seine Arme und streichelte es liebevoll.

„Was soll’ das denn jetzt bedeuten? Denkst du, dieses kleine Drachenbaby könnte uns nach unten transportieren?“ Link blickte kurz auf und dann in die katzenartigen Augen des magischen Wesens. Und Zelda lachte erschüttert.

„Das ist ein Baby, kein ausgewachsener Drache!“, rief sie erklärend.

            Gerade da geschah etwas seltsames... Die Augen des magischen Wesens veränderten sich langsam und die schmalen Pupillen wuchsen, wurden breit und rund. Link ließ von dem Wesen ab und trat ehrfurchtsvoll einige Schritte rückwärts.

„Link? Was ist denn nun schon wieder?“, maulte Zelda, aber ihr Liebster, den sie im Augenblick am Liebsten Köpfen könnte, packte sie ziemlich grob am Arm und forderte sie auf stehen zu bleiben.

„Sieh!“, rief der blonde Hylianer.

Sie befolgte seinem Appell und beobachtete das magische Wesen sehr genau, fixierte ihre blauen Augen ausdauernd auf dem kleinen Wesen, welches nun raunte und lauter als gewöhnlich piepste.

Es zuckte, bewegte sich sehr unregelmäßig, zitterte und schreckte auf. Die Flügel des Wesens wippten und wippten und verschwanden plötzlich in seinem Rückrat. Die kleinen Gliedmaßen wuchsen schnell und brummend zu ungeheurer Größe heran und das schlangenartige, gestreckte Maul verlängerte sich noch weiter. Das Wesen wuchs und wuchs. Das Gewand aus starken, knochigen Schuppen verging und nahm stattdessen ein glänzendes, schwarzes Fell an.

            Das Wesen veränderte sich und das junge, zanksüchtige Paar beobachtete fortwährend das ungewöhnliche Geschehen.

            Nach wenigen Minute stand eine vollkommen andere Kreatur vor den Hylianern. Ein Wesen ohne Namen. Eine vertraute Gestalt, die ihnen schon mehr als einmal aus der Patsche geholfen hatte. Das Pferd der Göttin Din...

            Zelda legte vor Schreck eine Hand auf ihren Mund und begaffte das starke Getier mit Freudensprüngen. Namenlos stand vor ihnen. Jenes Pferd, welches einer schier göttlichen Rasse entsprang. Und Zelda erkannte darüber hinaus, dass es mehr war als bloß ein göttliches, heiliges Pferd. Es war ein Ausdruck aller Gestalten, die atmeten. Es war ein Produkt aus Magie und Heiligkeit.

Denn sein wahrer Name, so wusste sie, war Leben...

            Lachend hüpften Link und Zelda näher und betätschelten das ungewöhnliche Getier.

„Zelda, weißt du, was hier vor sich geht?“ Sie nickte erfreut.

„Es hieß einst in alten Mythen, dass aller erste Lebewesen, welches von den Göttinnen erschaffen und auf Hyrule entlassen wurde, wäre eine Gestalt, die doch keine Gestalt besitzt. Es wäre ein Getier mit vielen Gesichtern. Ein Wesen ohne Namen. In anderen Worten ein Geschöpf, welches beliebig viele Gestalten annehmen konnte. Und aus jenem entstand über die Jahrhunderte das Leben, wie es in Hyrule gesetzmäßig leben, herrschen und sterben sollte. Dieses Geschöpf ist die alte Wahrheit, der Ursprung, die Symbolisierung des Lebens...“

            Auch Link rang sich zu einem Grinsen und erhielt sofort vom dem göttlichen Pferd einen Stups mit der langen Schnauze an seine Schultern. „Wir sollten aufsteigen“, sagte Link.

„Aber warum?“

„Ich glaube, Namenlos wird uns sicher auf die Steppe bringen“, meinte er. „Komm’ schon, Zelda.“ Mit einem beherzten Sprung saß Link im Sattel und reichte Zelda eine Hand, obwohl er sie nach den Ereignissen im Tempel immer noch nicht so verträumt wie sonst ansehen konnte. Kopfschüttelnd ließ sie sich in den Sattel helfen und klammerte sich an ihrem Heroen fest.

Link gab dem Pferd die Sporen und die Talfahrt über steile und gefährliche Abgründe sollte beginnen.

Zielgenau steuerte Link das Pferd in Richtung des Abgrundes, wusste nicht warum er dieses auswuchernde, unbedachte Vertrauen hegte und dieses übermütige Risiko einging.

Er wusste es nicht, fühlte aber eine innere Stimme zu ihm sprechen. Eine Stimme des Hochmuts, der Gefahr und der Erkenntnis.

Entsetzt rief Zelda nach einem Ende dieser gefährlichen Stupidität, und sie schrie panisch auf, fauchte, bat Link diesen Irrsinn zu stoppen, aber er überhörte sie stur. Erschrocken bohrte sie ihren Kopf in seine Schulter, hielt sich immer angespannter fest und kniff verzweifelt die Augen zu.

            Der Abgrund war in greifbarer Nähe, aber Namenlos scheute nicht, er wieherte aufgeregt und hetzend und befolgte den Anordnungen seines Meisters, des steuernden Hylianers.

            Der Abgrund kam näher und näher und plötzlich hob des starke Getier ab, durchquerte unsichtbare Wege in den Lüften, durchbrach die Gefahr, den Irrsinn in unmenschlichen Höhen emporzusteigen. Er galoppierte weiterhin in den Lüften, nahm scharfe Kurven und prallte mit einem lauten, knackenden Schlag auf einem ersten steilen Felsen auf.

Erschrocken riss Link die Augen auf, hatte schon die Befürchtung seine Vermutung Namenlos könnte die Schwerkraft unschädlich machen, wäre eine falsche. Doch da schnellte der Hengst in satten Bewegungen weiter, kämpfte gegen die Höhe und den Druck des Luftzugs.

Link spürte nur das kräftige Rauschen des Windes, die starke Bewegung des Hengstes, der die Schwerkraft strotzend von einer steilen Felswand zur anderen sprang.

Es war der Inbegriff des Abenteuers, getragen von einem starken, göttlichen Wesen, das die Gesetze Hyrules vergessen ließ.

Es war Adrenalin in reinster Form.

            Sie durchbrachen weiße Wolkenschleier, erblickten ganz Hyrule, fühlten sich als würden sie auf Wellen von Magie reiten und ließen sich von dem fabulösen Wesen bis hinab auf die Steppe tragen.

            Als sie beide auf einem grünen Hügel angelangt waren und schweigend von Namenlos abstiegen, hatten sie heftig damit zu kämpfen überhaupt den Boden unter den Füßen zu spüren, nicht ohnmächtig zu werden oder sich übergeben zu müssen. Denn dieser Ausflug, diese neue Erfahrung von einem Streifzug in die Freiheit war atemraubend und tausendmal anstrengender als die größte Achterbahnfahrt.

            „Ich kann es immer noch nicht glauben...“ murmelte Zelda.

„Wir sind tatsächlich auf der Steppe angelangt und das in ganzen Stücken.“ Sie klopfte dem starken Hengst auf den straffen Hals und hörte ein freudiges Wiehern aus seiner Schnauze.

„Danke, mein Guter“, meinte Link und drückte den Schädel gegen die andere Seite des Halses.

„Woher wusstest du diesen Umstand, Link?“

„Ich wusste es nicht, ich habe mich nur auf ein Risiko eingelassen“, erwiderte er.

            Als sie beide von dem göttlichen Wesen abließen, transformierte es sich ein weiteres Mal, nahm diesmal die Gestalt eines vertrauten, schwarzgefiederten Adlers an, der Zelda in ihren trübsinnigen Stunden so oft besucht hatte...

            Er rief nach Freiheit in dem typischen, hellen Schrei eines Adlers, dem König der Lüfte. Er stieg empor und kreiste in den Lüften. Sein ungetrübtes Rufen schallte über das Land und er würde mit seiner Einzigartigkeit nicht vergessen sein.

            Denn sein Name war Leben...

 
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