Kapitel 76
 
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Kapitel 76

 

 

 

 

Seit vielen Stunden folgten die beiden Hylianer schweigsam einem Flusslauf, der irgendwann in der Nähe des Schlosses in jenen großen Strom mündete, der teils den Hylia- See speiste.

Sie hatten nicht viel geredet und wenn sich über belanglose Dinge unterhalten. Nach ihren dummen Kontroversen, hatte sich Zeldas Temperament und ihre Streitlust wieder gelegt. Sie ertrug es einfach nicht mehr. Diese Abweisung von Link war bitter und ließ ihr Herz leiden...

Sicher, sie hatte viele Male versucht ihn in ein Gespräch zu verwickeln, einen Blick aus seinen tiefblauen Augen zu treffen, aber er reagierte kühl und distanziert.

Und streiten wollte sie sich nicht schon wieder mit ihm, sie wollte sich versöhnen und diesen dummen Kuss Prestons damit besiegeln.

Doch Link war mit seinen Gedanken woanders und achtete nicht auf Zelda, registrierte ihre Zweifel nicht, suchte ihre Empfindungen und Gefühle des Moments nicht...

            Zielstrebig lief er voran und blickte in den klaren Abendhimmel. Einige Sterne erleuchteten den Himmel und die Sonne versank vollständig in einem Meer aus warmen, roten Strahlen...

Er dachte fieberisch an den Kampf in wenigen Stunden, schämte sich für die vielen Zweifeln in seinem Gemüt und fragte sich inständig, ob er wirklich in der Lage war den Fürsten des Schreckens zu besiegen. Sicher, er hatte schon Unmengen von Dämonen und Monster in die Knie gezwungen, aber Ganondorf war von einem gänzlich anderen Kaliber. Und auch die Übungsstunden mit den vier Rittern Hyrules, sowie die neue Schwerttechnik, die Orson ihm beigebracht hatte, wären nicht ausreichend. Er brauchte seine Erinnerungen, das realisierte er nun. Er musste sich selbst treffen. Sich selbst gegenüberstehen und sein wahres Ich kennen lernen, sonst hätte der Kampf gegen Ganondorf keinen Sinn...

            Die vier Stiefel der Hylianer bewegten sich durch trockenes Gras hier an dem Ufer des Flusses und gelangten an ein großes Flussbett, welches das Wasser geschaffen hatte. Eine alte Steinbrücke führte über das Gewässer und wenige Meter war ein Wasserrad an dem Strom angebracht worden. Umzingelt von schönen Laub- und Nadelbäumen, wirkte der Ort idyllisch und beruhigend. Eine alte Holzhütte mit Stroh wäre die Unterkunft der Hylianer, falls der Regen kommen würde...

            Die Sonne schien schemenhaft von Westen über das Land, bedeckte es mit ungewissen Farben, so ungewiss wie der letzte Abend in jenem Hyrule für Link und Zelda sein würde...

Und Links Blick schwenkte unheilvoll zu dem düsteren Horizont auf der Suche nach dem Lichtstreif, der ihn von der Verantwortung als Wiedergeburt des legendären Helden erlösen würde. Er suchte die Hoffnung in Gestalt eines Hinweises. Aber die Hoffnung gab sich ihm nicht preis, nicht auf erfahrbarem Wege...

            Schweigend zog er sich die Stiefel aus und trat barfuss in das kühle, aber angenehme Wasser des Sees, vergewisserte sich noch einmal, ob in der Nähe nicht irgendwo ein Hinweisschild stand, das ihn vor Skultula- Parasiten warnte, aber die Luft und vor allem das Wasser war rein. Genüsslich lief er über die glatten, abgeschliffenen Steine hier am Ufer und beobachtete das Rauschen und gemächliche Fließen des Wassers, genoss die Freiheit in Hyrule, dem letzten bisschen davon, welches er in sich aufnehmen würde.

            Er wirkte so unschuldig und verwundbar in seinem freiheitlichen Streben, in seiner Sehnsucht nach Frieden und Innigkeit. Sein blondes Haar war aufgewirbelt und zerzauste durch seine großen Schritte und sein Hüpfen in dem kniehohen kühlen Nass. Einige Wasserperlen setzten sich an seine Kleidung und doch störten sie sein Spiel mit dem Nass nicht, hinderten ihn nicht an seiner wundervollen Ausgelassenheit...

            Zelda stand trübsinnig vor der einengenden Heuhütte und warf einen scheuen Blick zu ihrem Heroen, visualisierte, sie würde zu ihm laufen, direkt in seine Arme rennen und von ihm aufgefangen werden. Aber Prestons Kuss steckte immer noch in seinen Gehirnwindungen. Mit all der daran geknüpften Wut. Mit all den unschönen Gefühlen des Vertrauensbruchs. Und jener Wunsch in ihrem Kopf, dass Link sie jetzt auffangen und sich mit ihr versöhnen würde, war ein dummer Wunsch, war voreilig und würde Wunschtraum bleiben.

            Sie rieb sich über ihre Stirn, zog die Nase nach oben und wischte sich mit einem seidenen Taschentuch über ihre Augenlider. Zaghaft trat sie in die offenstehende Holzhütte ein. Nicht einmal ein Holzbrett versperrte den Zugang in das Innere. Und das Dach schien auch nicht mehr sonderlich dicht zu sein...

Die Prinzessin machte es sich auf einer Decke bequem, direkt hier auf dem feuchten, duftenden Heu, während sie das ausgelassene Treiben ihres Helden von außerhalb hörte.

Gedankenverloren wühlte sie in ihren Taschen herum und zauberte das kleine Tagebuch hervor, wo sie ihre kostbarsten Erinnerungen und Träume aufbewahrt hatte. Voller Sehnsucht nach der Vergangenheit schlug sie das Büchlein irgendwo auf und entdeckte einen Eintrag von ihrer Kinderhandschrift zu einem Datum noch vor dem Zeitkrieg.

„Wir haben heute den Tag der Nayru, ein Tag, an dem sich die Erwachsenen immer Geschenke überreichen, weil sie einander so lieb haben. So ein Quatsch, mein liebes Tagebuch. Als ob solche dussligen Geschenke wie ein Herz aus Papier irgendeinen Sinn hätten. Oder man denke an diese Kränze hergestellt aus der Liebesfrucht, wie sie die alte Hexe Asa immer anbietet. Ha, wenn mein Vater wüsste, dass ich von dieser blöden Frucht schon mal probiert habe, der würde mich einsperren (obwohl, das macht er ja schon seit ich denken kann.) Und stell’ dir mal vor, ich weiß nicht einmal, welchen Sinn es haben sollte von dieser blöden Frucht zu essen. Die Leute sagen zwar immer, man könnte dem Geschmack dieser Frucht nicht wiederstehen, aber ich wundere mich immer noch. Irgendwie ist gar nichts weiter passiert, bloß, dass sich Link irgendwie komisch benommen hat, als er mich heute besuchte. Der hat gegrinst wie eine hohle Nuss, war puderrot im Gesicht und hat mich komische Sachen gefragt, die ich nicht verstanden habe. Und dann ist das ulkigste passiert. Der hat sich nämlich verbeugt. Das muss man sich mal vorstellen, der Witzbold kommt da in den Schlossgarten gestiefelt und hat als erstes nichts besseres zu tun als sich vor mir zu verbeugen. Natürlich habe ich diesem Zwerg sofort eine Ohrfeige gegeben. Der weiß doch ganz genau, was ich von irgendwelchem dummen höfischen Getue halte und dann hat er noch gelächelt. Was für ein Idiot, der lächelt, weil ich ihm eine Ohrfeige gegeben habe. So ein Dussel, aber der liebste Dussel, den ich mir vorstellen kann. Zur Entschuldigung habe ich ihm natürlich einen Kuss gegeben. Was soll man denn sonst machen in dieser nervigen königlichen Position? Und was ist passiert? Mein Seelenverwandter ist einfach abgerauscht und wusste Stunden später überhaupt nichts mehr von dem, was zuvor passiert ist. Schon komisch. Jungs soll’ man erst mal verstehen!“

            Sie lachte mit Tränen in den Augen über diese kindlichen Gedanken, die sie damals geäußert hatte. Sie schämte sich beinahe ein bisschen für diesen Unsinn, den sie damals niedergeschrieben hatte und doch wärmte es ihr das Herz. Wenn sie Link diese Zeilen eines Tages zeigen würde, wenn er sie lesen würde, so dachte und hoffte sie, könnte sie ihm endlich beweisen, dass er der einzige Hylianer jemals war, dem sie ein derartiges Vertrauen, woran ganz Hyrule und ihr Leben als Prinzessin geknüpft war, entgegenbrachte. Und diese Zeilen erheiterten sie, bedenke man die verrückten Wirkungen auf den Verstand eines Menschen durch die Liebesfruchtkränze... Ein solcher Kranz wäre in der jetzigen Situation wahrlich hilfreich.

            Ein weiteres Schriftstück fiel ihr in die Hände. Ein Brief von Damals. Der alles sagende Brief über ihre Gefühle für Link, den sie am letzten Tag Hyrules verfasst hatte. Eine Träne tropfte auf das Pergament, als Zelda die Worte las. Denn sie erinnerten sie mit Schmerz an Damals, nahmen ihr die Zuversicht und schickten sie auf eine Reise, die sie nicht wählte. Dorthin, wo ihre Erinnerungen sie anlogen...

Vergangenheit... lass’ sie ruhen. Vergiss’ sie. Vergiss’ Hyrule...

            Wenige Minuten später entkam sie der trostlosen Vergangenheit, die ihr von falschen Hoffnungen und einem glücklosen Leben mit Prinz Caldrian erzählen wollten. Sie schüttelte abtuend den Kopf und trat wieder aus der Hütte heraus. Gähnend und erschöpft. Sie streckte ihre Arme in die Höhe, als ihr auffiel, dass Link nicht mehr da war.

„Link?“, rief sie panisch und schaute sich hastig in diesem kleinen Waldverschlag um, aber sie konnte ihn nirgends entdecken. Ein erneuter Ruf nach ihrem Heroen drang durch die Luft, aber ihr Liebster antwortete nicht...

 

Zu exakt jenem Zeitpunkt richtete der Fürst des Schreckens zischend und altes Hexengemurmel flüsternd sein Haupt gegen das schwarze Bild, welches in der alten Kirche die kahle Wand befleckte. Er flüsterte und flüsterte in seiner schwarzen Rüstung, in welcher er seit Stunden schon auf seinen Erzfeind wartete. Den Heroen im grünen Gewand. Den Helden in seiner lächerlichen Aufmachung, die jenem Helden angeblich als ein treues Gewand voller Hoffnung und Mut dienen würde. Und wie viel Ganondorf über die verschwenderischen Geschichten von Hyrules Helden wusste. Er war jedem einzelnen von ihnen bereits begegnet...

            Gerade deshalb bereitete er nun in seiner finsteren Abscheulichkeit eine neue teuflische Überraschung für den selbstlosen Heroen Link vor, der zusammen mit seiner dummen Prinzessin gerade in Hyrule verweilte. Eine bösartige Überraschung, die die Flucht zum Schloss nicht gerade leicht machen würde. Eine Überraschung gefüllt mit seinem Zorn und dem alten Bösen in seinen schwarzen Venen.

Monster um Monster erschufen sich in jenem schwarzen Bild, wuchsen und wurden lebendig, bis sie dann erfahrbar und real die Pforte nach Hyrule bestreiten würden und jene Diener, auch wenn sie scheitern würden so wie Troplox und Mortesk vorher, würden den Helden mit seiner Prinzessin direkt in Ganondorfs Arme treiben...

 

Zelda hastete aufgeregt in dem alten Mischwald umher, drohte sich zu verlaufen, aber sie fand Link einfach nicht. War er so sauer und so verletzt ihretwegen, dass er irgendeinen dummen Entschluss getroffen hatte? War er womöglich allein auf dem Weg ins Schloss?

Sie rief erneut nach ihm und blieb in der zunehmenden, dämmrigen Dunkelheit des Waldes stehen, war außer Puste und erschöpft. Sie rief ein weiteres Mal laut und eindringlich nach Link, bis sie unerwartet eine Hand auf ihrer Schulter fühlte.

„Hör’ auf so zu kreischen. Ich bin nicht taub.“ Erleichtert drehte sie sich um und sah Link mit einer Ladung Feuerholz unter seinem rechten Arm vor ihr stehen.

„Wenn du weiterhin so herumbrüllst, kannst du Ganondorfs Monster auch gleich zum Abendbrot einladen!“, meinte er grantig und trat vorwärts, in Richtung der Heuhütte. Noch immer lag diese unbeschreibliche Wut in seinen tiefblauen Augen und noch immer forderte er Abstand.

Zaghaft lief Zelda ihm hinterher und murmelte leise: „Entschuldige... ich war nur besorgt um dich.“

Er grunzte gehässig, als wollte er darüber lachen.

„Was ist daran so komisch?“, meinte sie borstig.

Aber Link ignorierte sie und meinte bloß: „Nichts.“ Damit folgte er stur seinem Weg und erreichte im Nu erneut die Heuhütte.

Er errichtete ein Lagerfeuer nur wenige Meter weiter in der Nähe des Stromes und stapelte einen Kessel darüber.

            „Was möchtest du essen?“, meinte er lediglich, traf aber wieder keinen ihrer Blicke.

Als Zelda nicht antwortete, setzte er im Flüsterton hinzu: „Wir haben noch rote Kartoffelsuppe mit dem selbstgeräucherten Speck der Gnome vom Götterhaus.“ Zelda nickte und holte stumm, aber mit verletzlich weichen Blick zwei klappernde Metallteller aus den Taschen.

            Wenig später schlug das Feuer munter vor sich hin und die dampfende Suppe in dem Kessel blubberte. Sie aßen schweigend und schauten ab und an hinüber zu dem Fluss und hinauf in das nunmehr klare Sternenzelt. Die grauen Wolken von vorhin, die den Regen vermuten ließen, waren vorübergezogen und die herrlichen Abendsterne am hylianischen Firmament schauten wie unzählige, silberne Augen auf die beiden Hylianer nieder.

            Stille Minuten vergingen. Ohne Sinn zogen sie an den beiden Hylianern vorüber.

Link nahm sich noch einen Teller der Suppe und murmelte: „Möchtest du noch etwas davon?“ Zelda aber schaute wie ein Häufchen Elend angesichts seines trotzigen Abstandes und seiner unbedeutsamen Worte zu Boden und schüttelte den Kopf, sodass ihre blonden Strähnen vor den Elfenohren baumelten.

Mit geballten Fäusten trat sie auf die Beine und sagte leise: „Können wir nicht wieder vernünftig miteinander umgehen, uns vertragen?“ Link stellte die Suppe zu Boden, ohne einen Happen davon genommen zuhaben.

„Sag’ mir wie und ich tue es!“, murrte er, setzte sich in einen Schneidesitz und stützte sein Kinn an einer Hand ab.

„Wir haben noch so viel vor uns. Diese Streitereien sind unsinnig und das weißt du“, meinte sie. „Die nächsten Tage werden alles andere als leicht für uns sein, kannst du deshalb deinen Trotzkopf nicht abstellen?“, verlangte sie und drehte sich zu ihm um.

Er durchbohrte sie mit einem argwöhnischen Blick. „Schön, Zelda. Dann vergessen wir die Tatsache, dass du bis heute einfach kein Vertrauen zu mir hast und tun so als wäre nichts gewesen. Ist es das, was du für richtig hältst?“

Sie schwieg darauf.

„Wir können nicht so weitermachen“, sagte er und schloss die Augen. „Du musst endlich anfangen mir vollständig und ohne Einschränkungen zu vertrauen, sonst kommen wir nicht weiter. Wenn du das nicht schaffst, dann weiß ich nicht, ob es Liebe ist, die du für mich empfindest...“, murmelte Link, dachte aber bei zweimaligem Überdenken seiner unüberlegten Worte, wie unsinnig diese waren. Dieser Satz war so unbedacht, dass er sich ohrfeigen konnte.

            „Keine Liebe?“, sagte sie leise und rückte weitere Zentimeter weg.

„Ist dir die Tatsache, dass ich mein Leben für dich geben würde, nicht Liebesbeweis genug? Was, glaubst du, ist das hier?“ Sie riss sich mit einem Schlag die Bluse herunter, stand nur mit BH gekleidet vor ihm und deutete auf das rote Mal an ihrer rechten Seite. Noch immer lag ein silberner Schimmer über der Pfeilwunde...

Entsetzt stand Links Mund weitgeöffnet und er starrte in die himmelblauen Augen seiner Prinzessin.

            „Ich kann dir nicht verargen, dass du sauer bist... Aber ich würde alles für dich tun... und dieser dumme Kuss mit Preston... er hat mir überhaupt nichts bedeutet...“ Sie schlug ihre Hände ins Gesicht und wimmerte. „Ich hatte niemals jemanden... okay... ich war immer allein... ich bin deshalb vielleicht nicht vertrauenswürdig... ich weiß gar nicht, wie das funktioniert, zu vertrauen... genau... und ich mache ständig Fehler, dumme Fehler, weißt du... unsinnige Entscheidungen... aber ich muss diese doch treffen... ich muss meine Entscheidungen treffen... und daher ich bin uneinsichtig... ja, und eine eigensinnige, temperamentvolle Prinzessin... und ich weiß nicht, wie ich das abstellen soll...“ Und mit jedem weiteren nervösen Wort redete sie unsicherer, wusste nicht mehr, was sie noch sagen sollte, bis sie kurz mit ihren Worten abbrach und dann bitterlich versuchte ihre Tränen zu unterdrücken... Gerade sie als Thronerbin stotterte und verhaspelte sich. Wie armselig...

            „Ich kann verstehen, wenn du dich von mit trennen willst...“, schluchzte sie. Doch dieser Satz war wie ein Hammer, den man auf Links Kopf donnerte. Es war der Schlussstrich seiner eitlen Eifersucht. Der Endpunkt und gleichzeitig der Anfang von Versöhnung und Zärtlichkeit... 

            Zelda umarmte sich selbst, fühlte sich beschämt und gedemütigt, halb nackt hier am kühlen Abend vor ihm zu stehen.

            Und es geschah in dem Moment, dass sich Links dummer Trotzkopf endgültig verabschiedete. Unsicher trat er näher, hob Zeldas braunen Umhang auf, der unnütz auf dem Boden lag und tat nichts anderes, als sie mit dem warmen, dicken Stoff zu umhüllen. Er sagte nichts, streichelte mit seinen großen Kämpferhänden ihren schmalen Rücken und drückte sie endlich samt Decke an sich.

            „Du Dummerchen... Ich würde mich niemals von dir trennen wollen... Für nichts in der Welt...“, murmelte er schließlich und drückte sie enger und enger an sich, fühlte jedes Detail ihres Körpers, der ihn verzauberte und hilfloser machte, als es ihm recht war.

Sie schluchzte: „Verzeihst du mir...“

„Shhh... es gibt überhaupt nichts zu verzeihen...“ Zelda blickte erleichtert auf und suchte seinen Blick durch ihr tränenüberströmtes Gesichtsfeld.

„Oh Nayru, wir sind beide so ziemlich die größten Trottel Hyrules... wir und unsere Sturköpfe...“, meinte er leise. Zelda krallte sich an seiner Tunika fest und drückte den schweren Kopf an seine Brust.

„... einer schlimmer als der andere...“, sprach sie leise.

„Ganz genau...“, lachte er unsicher. Er umarmte sie fester, konnte nicht verstehen, wie er es den gesamten Abend ohne ihre Nähe ausgehalten hatte, und war der erste, der sich nach dem belastenden Streit traute, seine Lippen ihre Stirn streicheln zu lassen.

            „Ich hatte Angst, du wolltest mich verlassen...“, meinte sie und suchte mit diesen Worten Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit.

„Nicht... sag’ so etwas nicht. Für kein Gold in der Welt würde ich dich verlassen, Zelda... meine Zelda... nicht wegen einem einfachen Kuss.“

„Aber ich hatte dennoch Angst, du würdest dich trennen wollen... Du warst so abweisend“, murmelte sie erneut und fühlte sich plötzlich von Links starken Armen leicht und behände in die Höhe gehoben. Sie verlor ihre Worte und wartete auf das, was er nicht sagen konnte, was er mit einer anderen Art und Weise, mit einer zärtlichen Form verdeutlichen würde. Er lief einige Meter zwischen den starken, kräftigen Bäumen umher und ließ sich dann mit der Prinzessin in seinen Armen niedersinken, begann sie verträumt zu küssen und verwöhnte sie, hier, wo der Fluss sanft im Hintergrund rauschte und ein warmer Frühlingswind sie beide umschmeichelte. Die anfängliche Unschuld seiner Küsse ließ sich sehr schnell von Leidenschaft und Wildheit bezwingen und so war das Misstrauen und die unsinnige Streiterei bald vergessen.

Link ließ kurz von ihr ab, lächelte sanft, genoss ihre körperliche Wärme und wirbelte mit seinen Fingern in ihrem goldblonden Haar umher, war entzückt und glücklich über diese Nähe zu seiner Liebsten.

            „Ich möchte mich bei dir entschuldigen, Link...“, sagte sie leise zwischen seinen fordernden Liebkosungen, aber es schien als wollte er nicht auf diese Worte eingehen und senkte seine spröden Lippen an ihren samtenen Hals, küsste sie ganz liebevoll, nicht hungrig. Sorgfältig blickte er auf, wollte, dass sie schwieg und auf seine Küsse und Streicheleinheiten antwortete, aber Zelda fühlte immer noch den inneren Drang, den Kuss mit Preston erklären zu müssen, sich zu rechtfertigen, sich zu entschuldigen.

            „Ich hätte verstehen können, wenn du unsere Beziehung beendet hättest...“ Darauf drückte er beinahe grob ihre Hände mit seinen über ihrem Kopf in das kalte Gras. In seinem Gesicht funkelte erneut ein Funken Wut, aber jene passte nicht zu der Unverschämtheit in seinen hypnotisierenden blauen Augen.

„Kannst du nicht endlich still sein?“

„Aber ich habe unsere Liebe mit Prestons Kuss beschmutzt.“

„Das reicht jetzt!“, äußerte er verärgert. „Sag’ so etwas nicht noch einmal... das macht mich völlig rasend...“ Er küsste sie leidenschaftlich, genoss ihr leichtes Murmeln.

„Ich küss’ dich solange, bis du diesen dummen Kuss Prestons vergisst“, flüsterte er rau und war selbst ein wenig aus der Puste. Zelda seufzte daraufhin und ließ sich endgültig in seinen tiefen, berauschenden Küssen fallen. Sie berührten einander ungeniert, küssten sich innig und lachten über die dummen Streitereien von vorhin.

 

Und während sie einander verwöhnten, schauten zwei beobachtende blaue Augen aus einem Grasbüschel hervor.

,Und ich dachte schon, die kriegen sich nicht wieder ein’, entkam es dem Verstand eines kleinen Bengels, der sich nichts sehnlicher als eine Existenz wünschte- wohlgemerkt eine Existenz mit allem drum und dran, ein Zuhause, Geschwisterchen und ähnlichem- und diese beiden Hylianer selbstverständlich als Eltern.

,Dank den Liebesgeistern, dass sie noch zusammen sind, sonst ständen die Karten schlecht dafür, dass ich irgendwann ihr Kind sein würde’, dachte er. Und seine Mundwinkel zogen sich nach oben, während Zelda und Link damit begannen sich gegenseitig zu streicheln.

,Tun die’s jetzt endlich?’, fragte sich sein kindliches Gehirn und beobachtete äußerst aufgeregt und fasziniert das Geschehen. Und welcher Gott sollte es ihm verübeln? Immerhin wartete er schon lange darauf, eine Existenz zu besitzen. Eine richtige, vollkommene Existenz, mit der er erleben konnte, wie es ist richtig zu leben, zu atmen und zu fühlen. Und wenn er seine jetzige Lebensenergie mit Zeldas oder mit Links verbinden könnte, dann... ja dann... dann würde er irgendwann geboren werden. Sein größter Wunsch. Seine ultimative Sehnsucht nach Familie und Geborgenheit.

Außerdem wusste das kleine, kindliche Herzchen in seinem unexistenten Körper nicht oder noch nicht, was Erwachsene so anstellten oder wie sie das anstellten, wenn sie Kinder erzeugten. Seine blauen Augen schillerten als die Hylianer weiterhin ihren Liebespielen nachgingen und sich flirtend unterhielten.

 

„Du bist viel zu gut darin geworden...“, murmelte Zelda, straffte ihre zärtliche Umarmung um ihren Liebsten und küsste ihn auf die Stirn.

Link ließ zufrieden seinen müden Kopf an Zeldas Brust sinken und erwiderte leise: „Worin?“

„Zu küssen...“, sagte sie scheu. 

„Ich hatte ja auch genug Übung, mein Schatz.“ Schockiert blickte sie auf und zwickte ihn energisch mit den Zähnen in das linke Ohrläppchen.

„Wie meinst du das denn?“ Link grinste und begann schließlich damit sich die Tunika über den Kopf zu ziehen.

„Na wie wohl. Ich hatte genug Training mit dir, Zeldaschatz.“ Die Tunika war das erste Kleidungsstück, welches unbedacht und folgenschwer ohne einen sicheren Gedanken der beiden Hylianer in der Dunkelheit landete. Und wie sie es später bereuen würden, dass ihre Kleidungsstücke in wenigen Minuten keinen Gedanken mehr wert schienen.

            Sie umarmte ihn wieder und spielte mit silbernen Klammern des Kettenhemdes, in das sein ansehnliches Abbild eingewickelt war. „Und ich dachte schon, du meintest auf der Erde mit irgendwelchen Mädchen“, sagte sie und fühlte seine Lippen saugend an ihrem Hals arbeitend.

„Und du wirfst mir vor, eifersüchtig zu sein. Du bist nicht anders als ich, mein Engel.“

„Ich weiß...“, entgegnete sie sachte. Sie hatte Probleme, ihm das Kettenhemd zu rauben, also entledigte er sich selbst dem nunmehr zweiten Kleidungsstück, welches so augenscheinlich sicher seinen Weg in die Dunkelheit fand, wo zwei blaue Augen sehr wohl beobachteten, wo die Kleider abblieben.

Link schaute tiefsinnig auf, streichelte das zerwühlte blonde Haar von ihrer Stirn und ließ seine Hände an ihren Hüften hinabwandern, löste die Gürteltaschen von Zeldas dunkler Hose.

„Aber du weißt auch, was du lernen musst?“, meinte er und streifte unerträglich langsam die dunklen Stiefel von ihren Füßen und arbeitete weiterhin an der Stoffhose.

„Zu vertrauen?“, murmelte sie mit geschlossenen Augen und ließ seine Berührungen fortfahren. „Ja, ich weiß, dass ich dies lernen muss. Gibst du mir die Zeit dafür?“, sagte sie und half ihm weiterhin bei der Entkleidung ihrer und seiner eigenen Wäsche.

„Immer“, entkam es zärtlich seinen Lippen.

 

Fasziniert beobachtete der kleine Bengel das Geschehen, während Zelda und Link beide nur noch mit ihrer Unterwäsche bekleidet aneinander herumspielten, knabberten, sich küssten und verwöhnten. Und ganz und gar verwunderte ihn das leichte Stöhnen und Murmeln des Namen vom Helden der Zeit aus Zeldas süßen, roten Lippen.

            Wie auch immer, diese beiden Liebenden waren im Moment nicht der Gegenstand seines Interesses, sondern die Kleidung war das, was ihn erpichte. Sorgfältig machte er die Strümpfe, die Hose, die Bluse, das Kettenhemd und die grüne Tunika in der Dunkelheit ausfindig und hegte einen bitteren Plan, der, so redete ihm sein kindliches Gemüt ein, dafür sorgen würde, dass diesmal nichts zwischen den beiden Hylianern stand, die seine Eltern werden könnten. Er grinste und lachte neckisch. Seine Kinderwangen glühten rötlich, aber nicht aus Scham, vielmehr aus Freude und ein wenig Hochmut angesichts seines, so wörtlich, genialen Plans. Und wie wundervoll sie waren: Seine geheimen Attacken, den die beiden Hylianer sicherlich nicht wiederstehen konnten.

 

„Aber weißt du was? Du solltest dein Training im Küssen nicht schleifen lassen“, meinte Zelda, während sie beide Arm und Arm zwischen den trockenen Grashalmen lagen und von der Wärme des anderen naschten. 

„Keine Sorge. Meinst du nicht, dass es Zeit wird, das Training zu steigern?“, erwiderte er spitzfindig. 

„Was hast du vor?“ Damit richtete sich die Prinzessin leicht auf und drückte ihren Liebsten auf seinen Rücken.

„Lass’ uns zusammen schwimmen gehen“, meinte er und grinste. 

„Aber das Wasser ist doch viel zu kühl...“, sagte sie prompt.

„Keine Sorge, ich wärme dich.“

            Sie lächelte schmuckhaft und ließ sich von ihm aufhelfen. Und auch die Unterwäsche der beiden jungen Hylianer landete auf dem Boden, was dem kleinen Bengel ungeheuer wertvoll für die Situation erschien und ihn zunehmend erfreute.

,Vielleicht klappt es ja!’, hoffte er innerlich, klatschte in die Hände. Er jubelte und hüpfte hinter dem Busch in die Höhe. Und er würde sich noch mehr freuen, wenn sein kindlicher, einfältiger Plan sich in die Tat umsetzen ließ. Auch, wenn seine kindlichen Schlussfolgerungen ein wenig umständlich und sehr merkwürdig schienen, so hielt er sie für richtig...

Seine spitzbübischen Schlussfolgerungen, dass eine verschwundene Wäsche zu dem körperlichen Vergnügen der beiden Hylianer beitragen würde.

            Zelda hüpfte dann freudig in die Arme Links und so trug ihr entblößter Heroe seine nackte Prinzessin hinein in das kühle Wasser des Flusses.

 

Selbst von weitem hörte man das freudige Rufen und Lachen Zeldas, die von ihrem Liebsten nach allen Regeln der Kunst verwöhnt wurde. Und gerade da sah der kleine Kerl die Gelegenheit für seinen perfiden Plan.

            Mit einem Grinsen, das dämlicher nicht sein konnte, trat er aus dem Geheimversteck hervor und vergewisserte sich, dass seine ,fast’ Eltern in dem klaren Nass ihre Versöhnung feierten. Seine himmelblauen Augen strahlten und die blassrosa Mundecken seines unverschämten Grinsen zogen sich soweit in die Breite, dass ein Beobachter denken könnte, man hätte ihm das freche Schandmaul aufgeklebt.

            Er schlich näher, so in der Art und Weise wie er es sich von dem erwachsenen Link abgeguckt hatte. Fast lethargisch bewegte er seine Beine in die Richtung der zerstreuten Klamottenhaufen und kicherte fast unmenschlich.

Als er alle Klamotten eingesackt hatte, hüpfte er quietschend von dannen und kam plötzlich vor einer fuchtig dreinblickenden Navi zu Stehen. Er hüpfte nach hinten und überschlug sich fast vor Schreck.

            „Ich habe die ganze Zeit zugesehen. Warum machst du das und stiehlst die Kleidung von Zelda und Link. Du weißt doch ganz genau, dass sie solche Hindernisse nicht gebrauchen können. Sie müssen schließlich die Welt retten.“ Sie belehrte ihn, aber das passte ihm nicht in den Salat.

„Du bist wirklich der erwachsene Link mal drei. Du hast noch schlimmere Gemeinheiten als er in deinem dummen Gehirnskasten.“ Sie klopfte mit ihren Fingerknöcheln an seine Stirn und setzte ein drohendes Gesicht auf.

Aber Klein- Link verzog seine Lippen und murrte: „Was soll ich dir etwas erklären, was du sowieso nicht verstehst, du Glühbirne.“ Damit stapfte er weiter, aber Navi hüpfte feenhaft hinter ihm her.

„Du böswilliger Kerl. Erklär’ es mir oder sonst verrate ich den nackten Hylianern in dem Fluss sofort von deiner Schandtat.“ Das Götterkind aber grinste halbherzig.

„Das traust du dir sowieso nicht!“

„Das werden wir ja sehen.“

„Du bist doch viel zu blöd dafür“, äußerte er energisch.

„Das werden wir ja sehen!“, schimpfte sie ein weiteres Mal und hüpfte schnell und mit ausgestreckten Armen in die Richtung des Flusses. Sie rief bereits nach Link und Zelda, als das Götterkind ihr von hinten den Schnabel zuhielt.

„Du glühende Pute. Lass’ das gefälligst!“ 

„Nur, wenn du mir sagst, warum du solche Gemeinheiten planst!“, forderte Navi.

Klein- Link verschränkte die Arme und die Kleidung fiel zu Boden.

„Ganz einfach. Ich will, dass sie meine Eltern werden?“

Navi verzog das Kindergesicht und zog die hellen Augenbrauen in die Höhe. Da war pures Unverständnis in ihren giftgrünen Augen. „Und du glaubst, das ergibt sich, wenn die keine Klamotten mehr haben?“ Sie grübelte und kratzte sich am Kopf.

„Ganz genau.“

„Aber wieso denn?“

„Na, weil sie dann nackt sind.“

„Und was soll’ das bringen?“

Das Götterkind schaute grübelnd in die Höhe zu den Kronen der Bäume. „Wenn die nackt sind, dann könnten die es endlich tun“, sagte er.

Darauf errötete Navi und lachte neckisch. „Ach so... Sag’ das doch gleich, ich helfe dir doch dabei!“

„Wirklich?“

„Na klar!“, lachte sie und nahm die Hälfte des Stapels in ihre kleinen Kinderpfoten. „Dann müssen wir bloß noch abwarten“, schunkelte sie, lachte und kicherte abartig.

            Aber, die doch sehr einfältigen und unreifen Schlussfolgerungen der beiden Zwergengestalten waren alles andere als zielführend. Und ihre Böswilligkeit könnte sich schneller gegen sie beide verkehren als sie dachten.

 

Zusammen versteckten sie sich hinter einem Strauch und schauten neckisch zu dem Fluss, wo Link seine Zelda gerade in die Höhe hob und sie lachten. Sie legte ihre Arme um seinen Hals, während er sie langsam wieder herabsinken ließ.

„Und?“, meinte er grinsend.

„Was und?“

„Ist dir kalt hier in dem kühlen Wasser?“ Sie schüttelte den Kopf.

„Nicht bei dir...“

In dem Moment schaute der Heroe zurück zum Ufer und wurde argwöhnisch.

„Stimmt etwas nicht?“, murmelte die Königstochter.

„Nein... ich hatte nur kurz das Gefühl, wir würden beobachtet werden, aber... ich weiß, dass sich dort keine Monster verstecken können. Wohl nur ein Fuchs oder ein Reh.“

Sie lächelte. „Umso besser für uns“, meinte sie und drückte ihren Mund auf seinen.

            Versunken in ihrer beiden Liebeslust, bemerkten sich nicht die zwei frechen Gestalten, die sie sehr genau beobachteten. Ja, geradezu fieberisch darauf warteten, dass ein überfälliges Ereignis eintreffen würde.

            Lachend traten die beiden Hylianer aus dem kühlen Nass heraus und achteten nicht auf die Wäsche, die entführt wurde, nahmen immerhin an, unter sich alleine zu sein und rannten in ihrer herrlichen Entblößtheit hintereinander her. Zelda war an der Reihe ihren lachenden Helden zufangen, der schauspielerisch wie ein ausgebüchstes Huhn vor ihr floh. Er streckte seine Arme in die Höhe und rannte, was das Zeug hielt.

„Du kriegst mich ja doch nicht!“, rief er, wand sich kurz zu ihr und grinste. Sie stützte ihre Hände auf die Knie und murrte: „Kein Wunder, du bist eben viel zu athletisch. Ich habe ja überhaupt keine Chance...“

Er trat wenige Schritte näher und musterte jedes kleine Detail ihres nackten Körpers, welchen er in der Düsternis des Abends nur spärlich ausmachen konnte. „Okay, mein Schatz. Ich gebe mich geschlagen...“, murmelte er, trat näher.

„Du gibst dich geschlagen? Einfach so?“, meinte sie verwundert, als er direkt vor ihr stand. Sie sah nur das Schillern des tiefen Dunkelblaus seiner Augen und es genügte um ihr eine Gänsehaut über den nackten Rücken sausen zu lassen. Sie konnte in diesen Augen mehr lesen als der Besitzer zugab. Und in seine Augen hüteten immer stärker diesen Wunsch nach ihrer Unschuld.

            „Nein, nicht einfach so...“, flüsterte er mit einem zärtlichen Unterton, der Zelda einige Feen in die empfindliche Magengegend schickte. „Sondern deswegen...“ Verführerisch trat er um sie herum, streichelte ihren Bauch und die Hüfte und schmiegte sich an sie. Eine Hitzewelle schoss von überallher auf sie ein und sammelte sich in ihrem Bauchbereich. Und die Gründe waren neben den starken Händen, die sie verwöhnten, seine warmen Lippen auf ihrem weißen Nacken, aber hauptsächlich die Berührung seines weichen Gliedes nur knapp über ihrem Gesäß. Sie wusste, dass er sich zurücknahm, dass er versuchte sich zu beherrschen. Und sie ahnte beinahe, wie schwer sich dieses Vorhaben für ihn gestaltete.

            „Ich liebe dich... Vergiss’ das nie...“, säuselte er und umarmte sie fester von hinten.

„Niemals“, meinte sie. Sie wand sich langsam um und tupfte ihre Nase an seine.

„Link...“

„Mmh?“

„Sag’ mal... Hältst du es überhaupt aus, dass wir noch nicht bis zum Schluss intim miteinander waren?“, fragte sie scheu. Ihre saphirblauen Augen sahen zu Boden und auf ihrer Nasenspitze bildete sich ein zaghaftes Rot.

„Soll ich ehrlich sein?“

„Ganz ehrlich...“

„Also...“ Er fuhr geschmeidig über ihre perfekte Brust. „Wenn du mir so nahe bist wie jetzt, oder wenn du neben mir schläfst, dann... eigentlich nicht.“

Sie nickte. „Und jetzt...“

„Ich muss mich ganz schön zusammenreißen, mein Engel.“

„Möchtest du nicht mehr warten?“ Aber Link legte schnell einige Fingerspitzen auf ihre roten, süßen Lippen. Er schüttelte den Kopf.

„Shhh... nicht hier, Zelda...“ Er umarmte sie innig.

„Wenn wir einander so nah sind, dann möchte ich nur an dich denken... und nicht diese Mission im Hinterkopf haben. Oder... willst du etwa?“ Sie schüttelte den Kopf.

„Nein, nicht heute... aber ich hatte das Gefühl, dass du nicht mehr warten wolltest.“ Sie sah aufrichtig in seine mitfühlenden Blicke und lehnte sich dann schutz- und wärmesuchend an ihn.

„Unsinn... Warten steigert die Vorfreude, mein Schatz.“

„Soso“, sagte sie lachend.

„Mein Link...“, setzte sie sanft hinzu und teilte einen verträumten Kuss mit ihm.

 

Im Hintergrund kämpfen Navi und Klein- Link gerade mit gemeinen Zwickattacken um die beste Aussicht aus dem kleinen Himbeerstrauch heraus. Sie zankten sich beinahe so laut, dass es von Link und Zelda gehört werden konnte.

„Verdammte Pute, lass’ mich mal schauen, wie es voran geht.“ Er schob Navi beiseite, sodass sie auf ihrem feenhaften Hinterteil landete.

„Du grüner Zwerg!“, schimpfte sie. „Gerade jetzt, wo’s spannend wird, schiebst du mich weg.“ Und die eitle Fee schnipste mit dem Finger und beförderte Klein- Link mittels Feenmagie nach hinten. Und so zankten sie sich beide weiterhin um den besten Platz des liebesträchtigen Schauspiels der beiden Hylianer, ohne zu bemerken, dass die Liebenden gerade voneinander abließen und sich Hand in Hand auf die Suche nach ihrer Kleidung begaben.

            „Das gibt’s doch nicht. Unsere Kleidung ist verschwunden.“, entkam es Links sonst so frechem Mundwerk. „Das ist ein Scherz, oder?“

„Und du bist dir sicher, dass es hier war, wo wir sie abgelegt haben“, fragte sie Zelda und blickte sorgenvoll umher.

„Aber ja doch.“

„Aber wer sollte unsere Kleidung stehlen. Das ergibt keinen Sinn...“ Doch da war Link schon auf dem Weg zu einem verdächtigen, wackelnden Himbeerstrauch, wo sich zwei zänkische Stimmen preisgaben. Missbilligend sah er von oben in den dichtgewachsenen Strauch hinein und verzog seine Augenbrauen aus purem Unverständnis.

„Sieh’ einer an, Zelda. Wir haben Gesellschaft von einer hinterhältigen Fee und einem dreisten Zwergenhelden mit deinen Augen.“ Entgeistert hockte sie sich zu Boden und bedeckte ihre jungfräulichen Bereiche.

            „Wo sind unsere Klamotten?“, fragte Link scharf und entdeckte hinter den beiden Witzfiguren einen Haufen Wäsche. Link schüttelte den Kopf und blickte dann aus reiner Intuition heraus zu dem jungen Spund mit dem blonden Schopf und dem linkischen Gesichtsausdruck. 

„Was hast du dir dabei gedacht, Klein- Link?“, murrte der Erwachsene und nahm sofort die Kleidung von sich und Zelda in seine Hände.

„Nun antworte schon!“

Der Kleine schaute trotzig nach oben. „Na was wohl? Wenn ich nix unternehme, braucht ihr ja Ewigkeiten dazu, ein Kind zu zeugen!“ Links Augen wurden immer größer angesichts dieser Dreistigkeit und er zwinkerte ein paar Mal. Es war eines der ersten Male, dass er nicht mehr wusste, was er denken sollte.

            Klein- Link wartete auf eine belehrende Predigt seines ,fast’- Vaters und Navi begann abartig zu kichern.

Sie war die erste, die intuitiv zurückwich und sich langsam verkrümelte. „Hey, ich bin dann mal weg. War ja schließlich nicht meine Idee...“ Und damit war sie von dannen.

Nur noch der kleine Spund blieb und blickte ausredensuchend in die tiefblauen Augen des Erwachsenen. Er kreischte, als Link ihn am Kragen packte und mit zu seiner Prinzessin hinübertrug.

Der kleine Bengel strampelte und zappelte, aber Link ließ sich jetzt nicht auf irgendwelche Spielchen ein. Was dieser böswillige Wicht konnte, das beherrschte der erwachsene Heroe noch umso besser. Grinsend brachte er einer dankbaren Zelda ihre Kleidung und trug den kreischenden Bengel mitsamt seines kleinen Heldenoutfits hinüber zu dem kalten Wasser des Flusses.

„Strafe muss sein“, sagte Link gehässig und warf das ungezogene Götterkind mit einem beherzten, liebevollen Wurf direkt hinein in das kühle Nass.

Er planschte und kreischte, Link jedoch lachte nun noch draufgängerischer als der Bengel vorhin über seine ach so ausgeklügelten Ideen.

 

Wenig später wärmte sich das Götterkind vor den glühenden Kohlen in der Wildnis auf und aß etwas von der Kartoffelsuppe, während Link und Zelda den Bengel Arm in Arm beobachteten.

„Kein Wunder, dass er sich so verhält“, sagte Zelda. „Er ist eben wie du.“

„Ist das ein Kompliment oder eine Belehrung?“ Verdutzt schaute Link in die müden Augen seiner Prinzessin, wo sich die feurigen Funken des Holzes spiegelten.

„Keines von beiden. Nur ein Gedanke...“, sagte sie. „Du warst damals als Elfjähriger in Hyrule ganz genauso durchtrieben.“

„Nun... das wundert mich nicht mehr, Engel“, sagte er und küsste sie auf die Stirn. Zelda lächelte.

            In dem Moment trat das Götterkind vor die beiden Hylianer, spielte mit den kindlichen Händen und brachte eine schamhafte Entschuldigung über die blassrosa Lippen.

„Schon gut, Kleiner Mann“, sagte Zelda. „Wir tragen dir das nicht nach. Aber sei’ ein wenig bedachter, wenn du das nächste Mal solchen Unsinn planst.“ Er nickte.

„Darf ich dann mitkuscheln?“, sagte er scheu, worauf Zelda irritiert, aber irgendwie erfreut in die Augen ihres Liebsten blickte und das fand, was sie selber dachte. Den Gedanken, diesem Jungen einen Platz zu schenken, wo er sicher war.

„Komm’ her!“, meinte sie liebevoll und nahm das Götterkind in eine warme Umarmung. Vielleicht war es das, was sich das von Götterhand erzeugte Kind wirklich wünschte. Eine Umarmung einer Blutsverwandten. Die Umarmung einer Mutter.

Und es war nur wenige Minuten später, dass der kleine Bengel in der gemütlichen Decke und in der wärmenden Nähe der Prinzessin Hyrules eingeschlafen war. Er atmete ganz ruhig und leise, als ob er überhaupt nicht Luft holen müsste...

            „Er macht mich traurig...“, sagte Zelda leise und streichelte ihm über den kindlichen Schopf. „Ich kann nicht verstehen, wie er die letzten Wochen und Monate in dieser Einsamkeit überstanden hat. Er ist ein Kind, nur ein Kind... mit so kleinen Bedürfnissen nach Nähe und nach Liebe. So unschuldig.“

„... er wünscht sich nichts sehnlicher als ein Zuhause... Können wir ihm diesen Wunsch nicht erfüllen, wenn alles ausgestanden ist?“, sagte Link ermutigend und hoffte, er würde Zelda mit diesen Gedanken nicht verärgern oder überfordern.

Sie blickte hoffnungsvoll auf und öffnete ihren Mund einen schmalen Spalt. „Du würdest... es zulassen?“

„Nur, wenn du möchtest“, sagte Link, voller Ehrlichkeit und Herzenswärme. „Ich habe den kleinen Bengel liebgewonnen und kann mir das Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Also... warum können wir nicht irgendwann wirklich seine Eltern sein?“

„Was für eine Frage?“, lachte Zelda erleichtert und drückte mehrere kleine Küsse auf Links Lippen.

„Natürlich können wir. Nein, ich denke, wir werden es sein!“, sprach sie ermutigend.

Link lächelte tiefsinnig und legte seine Arme um Zelda und den Jungen, besiegelte und beschützte diese unwirkliche, aber angenehme Familienidylle...

 

Es war spät in der Nacht. Inzwischen lag Link, umarmt von Zelda, die sich sehnsüchtig an seinen Rücken presste in der kleinen Heuscheune. Klein- Link war irgendwann in der Nacht aufgewacht und ohne ein Wort des Abschieds verschwunden. Es war nun mal seine Masche und Link verstand ihn in dieser Hinsicht sehr gut. Denn jeder Abschied könnte der letzte sein. Und die Ungewissheit einen Abschied erst gar nicht zuzulassen, war eher zu ertragen als ein schmerzhaftes Lebewohl...

            Link gähnte und wand sich langsam zu seiner Prinzessin um, die in ihren stillen Träumen schlummerte, und die sich krampfhaft an ihrem Heroen festhielt. Er wagte einen Blick auf das leuchtende Medaillon auf ihrer Brust, es war kurz vor drei, sehr früh am Morgen...

            Er streichelte seiner Prinzessin über die blütenweichen Wangen mit der Gewissheit, dass er diese Stunden voller Innigkeit in Zeldas Armen genießen sollte. Es könnten die letzten sein. Das letzte Mal, dass er mit diesen Händen über ihre samtene Haut streicheln konnte. Das letzte Mal, dass er ihre mit seinen Lippen streicheln konnte. Er rückte näher und drückte einen verträumten Kuss auf ihre Lippen, umarmte sie innig und fest und realisierte immer mehr, dass vielleicht ein Ende auf sie beide zukam, welchem sie noch nie begegnet waren.

            Wie sollte es nur weitergehen nach dem großen Kampf?

            Selbst wenn Link in der Lage wäre, den Fürsten des Schreckens in die Knie zu zwingen, so herrschte ein bitteres, elendes Chaos auf der Welt, in die er als gewöhnlicher Jugendlicher hineingeboren wurde.

            Würden Zelda und er endlich das Leben zusammen führen können, was sie sich wünschten? Oder plante das Schicksal bereits jetzt schon sein verwerfliches Spiel?

            War es nicht so, dass sich die Wege der Prinzessin und des Helden nach den Kämpfen trennten? Würden die Götter ihnen erneut Steine in den Weg legen? Und ein Zusammensein bis ans Lebensende würde wieder nur ein lächerlicher Wunschtraum bleiben?

            Er wusste nicht warum, aber Link fühlte sich im Augenblick unheimlich traurig. Diese Gedanken fühlten sich so real an, als wäre das trostlose Ende für sie beide bereits geschehen... Er drückte Zeldas schlafenden Körper noch ein wenig näher an seinen und vergrub den Kopf auf ihrer Schulter, genoss ihren Geruch und wünschte sich, er könne sie festhalten bis zum Ende aller Tage...

Er wollte doch nur für immer bei ihr sein. Hier direkt neben ihr. Aufrichtig in den Armen seiner ,wilden Rose’.

 
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