Kapitel 79
 
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Kapitel 79

 

 

 

 

In ganz Hyrule nahm eine sonderbare Stille dem letzten Leben die Kraft. Die magischen Winde Hyrules versanken in einer trostlosen Dürre, stoppten ihr Rauschen und Brausen.

Die wenigen Tiere unterlagen dem Flüstern der Vergänglichkeit. Einmal mehr färbte sich ungewollt der reine, unschuldige Himmel. Auf der Erde, so nun auch in Hyrule. Wie zwei riesige Schlangen oder Fangarme nahmen zwei glühende Bänder den Himmel ein, bewegten sich als Vorboten und Ursache einer geschändeten Welt. Und der Himmel, der einst in natürlichem Blau erstrahlte, er wandelte sich wieder, wurde finster, wurde dreckig und dunkel... erneut in Hyrule...

            Und direkt vor ihnen stand Ganondorf. Ihr alter Feind. Auch er schwieg, unterband sein absurdes Gelächter in jener schicksalhaften Minute, in der ganz Hyrule in eine Stille getauft wurde, die in die Geschichte eingehen sollte.

Und doch schien es, als wollten Ganondorfs dämonische Augen sprechen, als wollten seine Blicke die beiden Hylianer aushöhnen und schänden.

Sie waren so kalt. Diese bestialischen Augen, die Zelda niemals vergessen würde, von dem Tag an, als sie jene in ihren Träumen sah. Inmitten eines Meeres aus Flammen erschienen sie, verunreinigten den Himmel und zerstießen liebe Menschen vor ihren Augen.

Diese Augen waren eisig, mit einem bitteren Nachgeschmack, der die Seele betäubte. Blickte man einmal in diese unmenschlichen Augen, hätte man den grausamsten Tod jenem Schauen und Bestaunen vorgezogen.

            Angewidert blickte Zelda seitlich und stolperte zusammen mit Link, der seinen Körper als ihren Schutzmantel anbot, nach hinten.

„Nun treffen wir uns erneut. Hier im toten Hyrule, Prinzessin“, zischte Ganondorf und starrte messerscharf in das verängstigte Gesicht Zeldas. Gefährlich und rasend, abtuend und verachtend ließ er das letzte Wort über seine aufgeplatzten, schwarzen Lippen gleiten.

Er stapfte mit seinen eisenbeschlagenen Stiefeln näher. Seine Schritte warnend und heißungsvoll. Verächtlich ließ er das mit Flüchen belegte Stahlschwert an seiner linken Seite unter seinem Mantel hervorblitzen. Seine muskulösen Beine spannten sich mit jedem zielsicheren Schritt in die Richtung des jungen Paares.

            Angestrengt stierten Links tiefblaue Augen zu der Bestie, die das Pärchen freudevoll und genießend das Fürchten lehrte und zurückdrängte. Eine Erinnerung schlich umher, fesselte Link leise, verbunden mit dem Wunsch, dass es seine erste Begegnung damals in Schicksalshort mit dem Meister des Bösen wäre, dass er ihm entkommen, vor ihm weglaufen konnte.

Er fühlte stückchenweise, wie er den Mut in sich nicht mehr festhalten konnte. Er realisierte von neuem. Sein jetziges Dasein. Seine verbliebene Macht und das bisschen Heldentum in seinen Venen wäre für eine Herausforderung seines Erzfeindes einfach nicht genug. Link gehörte nicht zu denen, die so dumm waren, Ganondorf zu unterschätzen, ihm womöglich zu huldigen, oder zu jenen, die ihm ein menschliches Herz zu gestehen würden...

Denn, was in der Seele lag, konnte man nicht unterdrücken. Ganons Machtgier, seine dämonische Seite, die er lange bevor er sich schwarzer Magie bediente, entdeckte, entsprang tief aus eben diesen Gefilden. Er könnte dagegen ankämpfen, gewiss, aber er konnte und wollte nicht. Er konnte es nie. Nicht in Hyrule und nicht auf der fortschrittlichen Erdenwelt. Er würde für den Rest seines Daseins der Dämon bleiben, der er war, sich seiner Kraft bedienen und sie auszehren bis sie seinen letzten Rest Seele aus dem alternden Körper gerissen hatte.

            Link schluckte vor Aufregung und Anspannung die Spucke in seinem Mund zwanghaft hinunter. Krampfartig hielt er Leons Schwert quer vor sich, spürte seine Zweifel neu aufleben.

            „Ist es nicht seltsam, dass uns das Schicksal ausgerechnet an diesem Ort zusammenführt. In dem erbärmlichen Königssaal deines Vaters, kleine Prinzessin. Wäre Harkenia nicht so armselig gewesen, hätte ich ihn in der alternativen Zukunft sicherlich leben lassen...“

Mit ausgebreiteten Armen trat er selbstherrlich und seine eigene Macht lobpreisend an eine Seitenwand und berührte dort einen der dicken Steinquader. Ein Geheimweg gab sich preis, worauf der Fürst des Bösen erneut sein abartiges Gekicher umherwallen ließ.

„Sieh’ einer an, Hoheit.“ Er warf ein vergnügliches, aber gefährliches Feixen zu ihr und lachte wieder mit seiner tiefen Stimme. „Ist dies nicht der kleine Geheimgang, in welchem dein Vater dich einsperrte, bevor er in der alternativen Zeit von meinen Händen zerhakt wurde?“

Schmerzhafte Bilder drangen in Zeldas wehrlose Seele, nisteten sich ein und raubten ihr die Standfestigkeit.

„Ich fühle heute noch sein warmes Blut über meine Hände laufen. Ein Vergnügen wird es sein, wenn ich Harkenias Kopf genauso wie damals am Stück von seinen Schultern reißen kann. Gewinselt hat er wie ein Lamm auf der Schlachtbank.“ Er lachte so laut und durchdringend, dass er sich daran verschlucken konnte.

„Gefleht hat Harkenia um das Leben seiner einzigen Tochter. Gebettelt...“ Er lachte immens als alte Erinnerungen ihn heimsuchten.

            Zelda schlug ihre Hände ins Gesicht, versuchte die bitteren Bilder vor ihren Augen zu verschlucken, sie zu verschließen, aber es ging nicht. Überall war Blut an jenem Tage. Hier im Königssaal floss das Blut in Strömen und lief hinab in die Kanalisation, wo sich Ratten daran labten.

„Hör’ auf...“, bettelte sie leise, so leise, dass Ganondorf es nicht gehört hatte.

            Er verschloss den Eingang wieder und breitete schwungvoll den Mantel aus. Seine kalten Augen, aus denen schon während des ersten Krieges in Hyrule das Leben gesickert war, funkelten in einem heimtückischen Glanz neuer Befriedigung.

Er lebte davon, weh zu tun. Er liebte es, denn es war seine einzige Leidenschaft. Zu töten besänftigte ihn. Das Morden hatte einen süßen Geschmack für ihn, den er nicht missen wollte.

            „Sein Blut hat herb geschmeckt, Prinzessin. Nicht so wie das Blut eines Königs schmecken sollte.“ Es war typisch für den Gebieter über Kraft, sich am Blut seiner Opfer zu ergötzen. Es war eines der Rituale von damals, die sich in sein verwelktes Gehirn eingebrannt hatten. 

„Hör’ endlich auf!“, rief Zelda und schenkte dem Fürsten des Schreckens einen hasserfüllten Blick, den Link in den sonst so sanftmütigen Augen nie gesehen hatte. Nicht gegenüber Preston. Nicht gegenüber Mortesk oder Troplox, die sie zusammen besiegt hatten.

„Noch immer so temperamentvoll wie damals, kleine Hoheit?“ Bei den Göttern, wie es sie anwiderte, dass dieses viehische Etwas hier in diesem Saal stand und die Frechheit besaß über die trostlose Vergangenheit zu spotten. Es war immer seine Schuld gewesen und nun zog er sich daran auf, befriedigte sich an seinen blutdurstenden Gedanken, weil es sonst nichts gab, was er fühlte.

„Wie damals als ich dich in meinen Händen hatte! So widerspenstig und rebellisch. Ganz und gar nicht wie eine wohlerzogene Königstochter sein sollte. Erinnerst du dich mit Freuden an unsere Begegnung in dem kleinen Saal, wo ich dein süßes Blut schmecken konnte!“ Er spielte auf nur einen Tag an, auf seine Versuche ihr die letzte Würde zu nehmen. Damals, als er sich in Gestalt des Prinzen Vasard zeigte.

            Links Mund stand sperrangelweit offen angesichts dieser demütigenden Worte. Fassungslos und verletzt blickte er in die verzweifelten Augen Zeldas. Scham stand darin und erneut eine Entschuldigung für etwas, was sie ihm verschwiegen hatte. Nur, weil sie dachte, Link könnte mit dem Wissen nicht umgehen, dass Ganon neben seiner Machtgier perversen Freuden nachging. Nur, weil sie dachte, es würde ihn zutiefst verletzen, wenn er erfuhr, dass der Gebieter des Bösen ihr beinahe die Unschuld geraubt hätte.

Mit genau denselben eisigen, gefühllosen Händen wie er sie heute besaß. Mit genau derselben markerschütternden Böswilligkeit wie er sie heute versprühte, überall dort, wo er wandelte.

            Ganondorf lachte abartig und zufrieden. Er hob seine rechte Hand in die Höhe, wo sich auf seiner verseuchten Haut das glühende Symbol für Kraft erschuf. Hell leuchtete es und doch war es verschmutzt und unrein...

            „Hör’ endlich auf...“, flehte Zelda und brach auf die Knie. Diese abscheulichen Erinnerungen, die sie niemals verarbeitet hatte, sie alle brachen wieder auf. Sie taten so weh. Bei Nayru, sie wimmerte. „Lass’ deine Frevel in deiner dummen Kehle stecken, du herzloses Vieh!“, brüllte sie.

            Er lachte wieder und blickte dann das erste Mal in den entsetzten Ausdruck auf Links Gesicht, der jegliche Farbe darin und jede Sprache seines sonst so freien Mundwerkes verloren hatte.

Ganons eisige Augen waren das Schrecklichste und Schockierendste, was Link in seinem Leben jemals erblickte hatte. Es nahm ihm einfach alles. Diese abscheuliche Farbe in der Regenbogenhaut verschluckte Licht und Mut, unterband Wissen und Liebe...

Eine schreckliche Gänsehaut lief über Links Rücken, nötigte ihm zu einem mutlosen Zittern und Frösteln. Diese bösartige, barbarische Energie Ganons war so mächtig, so überwältigend wie kaum etwas, was er gespürt hatte. Link war nahe dem Abgrund mit seinen mutlosen Gedanken, fühlte sich erschlagen von seiner Dummheit nur einmal geglaubt zu haben, er würde den Mut finden, gegen Ganon zu bestehen. Wie dumm, flüsterte es in seinem Kopf. Wie dumm...

„Na, Heldchen?“, murrte er gehässig. „Nicht einen Streich deines Masterschwertes habe ich vergessen. Diesmal jedoch stehst du mit einem billigen Stück Stahl vor mir, das mich beschämt. Rührt es dich nicht dazu, über deiner selbst zu lachen? Besiegen willst du mich mit einem aus Menschenhand geschmiedeten Stück Stahl?“ Er schüttelte langsam den Kopf und hob einen Zeigefinger mit schwarzem Fingernagel. Langsam pendelte der rechte Zeigefinger hin und her.

„Nicht doch!“, jauchzte Ganondorf und schickte mit einer heftigen Attacke das Schwert aus Links Kämpferhänden.

            Wortlos, wie erstarrt, sah der junge Heroe der Klinge zu, die von schwarzer Magie direkt in Ganons Hände getragen wurde. Wahnwitzig betrachtete der Dämon es, lachte darüber und brach die Klinge über seinem rechten Knie entzwei. Sprachlos sah Link zu und hatte beinahe das Gefühl an der Klinge wäre seine eigene Seele zerbrochen.

            „Schäbig. Wahrhaft Schäbig...“, schnalzte der Fürst des Schreckens und warf dem jungen Heroen erneut das hasserfüllte Starren entgegen, das er meisterlich beherrschte. Nur seinem Todfeind galt dieser Hass. Nur dem wahren Helden Hyrules. 

„Ich will dir etwas verraten, falls es deine Prinzessin nicht für nötig befunden hat. Die einzige Klinge, die mir schaden kann, ist das Masterschwert, welches sich seinen Träger selbst wählt. Du jedoch, wo du nur eine nutzlose Wiedergeburt bist, du... kannst allein schon deswegen das Masterschwert niemals so führen, wie du es solltest, da du nicht von den Göttern als Held erwählt wurdest. Auf der Erde herrschen andere Regeln als in Hyrule. Du trägst das Fragment des Mutes, sicherlich, aber du wurdest nicht prophezeit, du wurdest nicht erwählt, nicht gerufen, so wie deine früheren Erscheinungen.“

Ganondorf grinste angesichts seines Triumphes. „Du bist nur ein lächerlicher Erdenbürger, nicht mehr...“ Erstarrt stand Link einfach nur da und ließ sogar das Schild der Götter in seiner rechten Hand sinken. Ganondorf brauchte ihn über diesen Umstand nicht belehren, das wusste er selbst. Er wusste, dass er bloß ein Jugendlicher war, dessen großartige Seele tief in ihm verschlossen wurde...

            Erbost hüpfte Zelda auf ihre Beine, fühlte ihr Temperament brodeln. Sie ließ sich dieses einschüchternde Geschwätz nicht bieten. Und sie wollte verhindern, dass der Teufel hier sein suggestives Spielchen beendete. Er wollte Link nur zum Aufgeben bringen, das wusste sie. Denn auch Ganon fürchtete Link, selbst wenn er bloß ein Erdenbürger war...

            „Hör’ auf mit deinem billigen Gefasel! Ganon, du niederträchtiges Stück Vieh. Du weißt sehr wohl, dass du unrecht hast.“ Sie blickte ermutigend zu ihrem Heroen. „Du fürchtest Link, das ist die Wahrheit und ist sie immer gewesen, sonst hättest du uns schon lange ausgelöscht. Aber das Gute war bisher immer stärker als du. Das einzige, was dich antrieb ist dein Machtwunsch. Was ist, wenn du alle Mächte des Weltenreiches absorbiert hast, willst du dann dich selbst töten, weil du deine Macht nicht mehr kontrollieren kannst!?“

            Der Dämon schwieg zunächst darauf, blitzte mit seinen teuflischen Augen durch den Raum und fokussierte schließlich Link und Zelda abwechselnd. Er lachte erneut.

„Du enttäuschst mich, Prinzessin. Ich hätte besseres von dir erwartet als einen nutzlosen Helden zu verteidigen, dich mit diesem schwächlichen Helden abzugeben, der nicht einmal ein Bruchteil seiner wahren Natur erkannt hat.“

            Gedemütigt sah Link zu Boden und verkrampfte seine Hände. Das Fragment des Mutes glühte unbeherrschbar, schickte eine leichte Schockwelle durch den Raum, der das magische Schutzfeld, welches alle Ausgänge blockierte vibrieren ließ.

„Was willst du?“, rief der junge Heroe energisch und erhob das erste Mal das Wort seit Ganon hier sein lächerliches Geschwätz umherwallen ließ.

„Dachtet ihr einfältigen Kreaturen tatsächlich, ich würde euch mit den Elixieren einfach entkommen lassen? Dachtet ihr euer Plan würde aufgehen? Ihr wollt meine Gegner sein? Einfältige, kraftlose Geschöpfe seid ihr! Billig!“ Er ließ das letzte Wort langsam über die Lippen gleiten, zischte, und zeigte seine dunklen Zähne während der wenigen Buchstaben.

            „Habt ihr beide euch herzlich vergnügt hinter dem Rücken deines Vaters, Prinzessin? Ich weiß von Hyrules Gesetzgebung und ich weiß noch mehr über eure dümmliche Liebschaft.“ Ganondorf leckte sich über seine vernarbten Lippen.

            Link trat währenddessen immer wieder einige Meter rückwärts und drängte seine Prinzessin so weit nach hinten wie nur möglich.

„Sag’ endlich, was du willst, du Schwein!“, fauchte Link und bewaffnete sich mit einem Dolch als minderwertigen Ersatz für sein Schwert. Mit großen, höhnenden Augen begaffte Ganondorf den Dolch und lachte noch lauter, grunzte, wieherte beinahe.

            „Was soll dieses Spielchen? Du kannst mich nicht mehr besiegen, du armseliger Tropf... du bist nicht einmal ein Funken des Helden, der du damals in der alternativen Zukunft warst. Du beschämst mich, deinen Erzfeind, und die Götter, die deine Seele im ersten Kampf auserwählten. Mir scheint, die Menschen sind alle so niedere Geschöpfe, dass sie nicht einmal einen rechtschaffenen Helden hervorbringen können. Schwach sind sie. So schwach wie du!“

Der Fürst des Schreckens zürnte, ruderte in wilden Bewegungen mit seinen Armen und ließ seine rechte Faust niederkrachen. Das Fragment der Kraft glühte, wollte foltern und töten unter Ganons Anweisung.

Eine Schockwelle schoss aus der geballten Faust, erreichte den Heroen, gegen die er nicht bestehen konnte. Schreiend wurde Link durch den Raum befördert, verlor den Schild und den Dolch und landete knackend vor einer alten Marmorsäule. Nur unter Mühen hielt er das Bewusstsein, rappelte sich auf und schmeckte das Blut aufgerissener Lippen. Er kniff ein Augen zusammen und wurde erneut durch den Raum befördert.

            Zelda rannte hinüber zu Link, rief nach ihm, flehte, Ganon sollte aufhören, diesen Wahnsinn beenden. „Hör’ auf, Bastard!“, kreischte sie und schleuderte einen goldenen Regen ihrer geheiligten Macht auf den Schreckensfürsten. Grunzend hielt er seinen rechten Arm dagegen und die Macht der Weisheit prallte an den dunklen Armpanzern ab.

            Doch diesen Moment nutzte Zelda und hetzte zu Link hinüber, half ihm auf die Beine.

„Verzeih’ mir, Zelda...“, murmelte Link unter heftigen Atemzügen. Er röchelte und schmeckte erneut Blut in seinem Mund. „Ich bin nicht der, der ich sein sollte...“, keuchte er und sank wieder hinab auf die Knie.

Tränen sammelten sich in Zeldas Augen, obwohl sie es schon die ganze Zeit ahnte, so bitter spürte wie nie zuvor. Link war nun mal nicht ihr Held der Zeit. Er war nicht der, den sie in der Vergangenheit kannte. Er war nur ein Schatten davon, ein Bruchteil... und er würde mit seinen jetzigen Mitteln scheitern.

            Ein schwarzer Fangarm wucherte um Zeldas zerbrechlichen Körper, riss sie zu Boden, nur, damit der Weg zu Hyrules einstigem Helden frei war. Und Ganondorf lachte barbarisch, denn der Moment seiner Rache war nun gekommen. Jeden Schmerz von damals, den er ertragen musste könnte er dieser nutzlosen Heldenwiedergeburt erfahren lassen. Ja, jeden Schwertstreich des Masterschwerts sollte Link mit Ganondorfs schwarzer Todesklinge spüren. Spüren und leiden, wenn sie sich in Haut und Fleisch ritzte. Befriedigend war diese Vorstellung nach all den Jahrhunderten, die Ganondorf von den Helden Hyrules gedemütigt wurde.

            Und erneut erfasste eine übernatürliche Macht, erschaffen vom Fragment der Kraft den Heroen, wirbelte ihn durch die Lüfte, bis er an der magischen Mauer Ganondorfs aufprallte. Reglos hing Link dort, gefangen mit einem schwarzen Fluch konnte er sich nicht rühren. Er starrte ungläubig zu Zelda, sagte mit Blicken ein verheißungsvolles, friedliches Lebewohl und wünschte sich nichts anderes als sie bloß noch einmal in den Armen zu halten, bevor Ganondorf ihm den Todesstoß versetzte.

            Zelda winselte, lag umschlungen von schwarzen Farbbändern auf dem Boden und schaute hoffnungslos zu ihrem Helden. Sie weinte bitter, riss an den dunklen Ketten, die sie zu Boden zwangen. Und doch konnte sie sich nicht rühren.

            Vor wenigen Minuten noch war alles in Ordnung. Sie hatten beide ihre ungebändigte Hoffnung, ließen jene leben und atmen und wussten, dass sie zumindest eine Chance gegen Ganondorf hatten. Doch nun war es aus. Es war zu spät... Sie waren zu spät in das Schloss gelangt. Und die Mission scheiterte in diesen wenigen grausamen Sekunden. Es war umsonst. Alle Schicksalsproben der letzten Tage. Die ganzen erbarmungslosen Kämpfe und die mühevolle Sucharbeit in den Weisenstätten. Umsonst...

Zelda wand sich hin und her, während ihr Fragment verzagte. Das Licht erlosch und sie fühlte sich wieder schwach, verloren, wie das kleine Kind in den einsamen Schlosstürmen.

            Sie sah auf und erblickte direkt vor ihrer Nase einen Bund schwarzer Lederstiefel.

Höhnend stand Ganondorf vor ihr und nahm einen Bündel des blonden Haares in seine Hände. Schön waren sie, soviel Geschmack hatte Ganondorf noch. Er fühlte beinahe die Weichheit ihres Haares, obwohl jegliches Empfinden und Fühlen aus seinen schmutzigen Fingern gewichen war. Zelda flehte und kämpfe mit Gefühlen der Erniedrigung, als er seine eisige Hand an ihre Kehle wandern ließ und die wehrlose Prinzessin ruppig nach oben zerrte.

            „Lass’ sie!“, rief Link und versuchte sich ständig von dem schwarzen Fluch loszureißen, der ihn an die magische Wand fesselte. „Lass’ sie laufen. Das ist eine Sache zwischen mir und dir. Lass’ Zelda gehen!“ Ganons wahre düstere Augen blitzten aus seinem Gesicht wie ein Spiegel seiner schwarzen Seele.

„Halt’s Maul, Held!“, zürnte er und ließ einen Stoß schwarzer Magie direkt in Links Magen sausen. Er wand sich vor Schmerzen, spuckte Blut und keuchte. Sein Schädel sank vornüber und die blonden Haarsträhnen bedeckten sein ansehnliches Gesicht vollständig.

            „Link!“, winselte Zelda, während Ganon sie an ihrem Hals in die Höhe.

„Link!“ Zaghaft schauten seine tiefblauen Augen durch die durchgeschwitzten, verschmutzten Haarsträhnen, beobachteten mit Schrecken das Schauspiel, bis er Zeldas Blick traf. 

„War es in dieser Weise als Zarna, meine hübsche Dämonenkriegerin, dich leiden ließ und dir dein Leben raubte. Noch heute frage ich mich, wie du ihren Angriff überleben konntest.“ Mit aller verbliebenen Kraft drückte Zelda gegen die eisige Hand, die ihr die Luft raubte.

„Link hat mich wiederbelebt. Er hat mich gerettet, so wie er eines Tages wieder die Welt retten wird“, sprach sie leise. Und obwohl ihre Situation ausweglos erschien, waren ihre Worte klar und verständlich. Nicht aus einem Wahnsinn der Verzweiflung resultierten ihre Worte. Nein, sie waren ein Grundstein für ihren Glauben.

„Du wirst schon sehen“, sagte sie stockend. „Du wirst erneut fallen, noch ehe die Lichter erloschen sind. Du wirst fallen!“ Ganondorf lachte verächtlich, verpasste ihr eine heftige Ohrfeige, worauf sie wenige Meter weiter neben Link an der von Ganondorf erschaffenen Wand aufkam. Sie kreischte markerschütternd und sackte mit dem Rücken angelehnt an der Mauer zusammen. Sie presste eine Hand auf ihre anschwellende Wange und beobachtete jeden Schritt, den der Fürst des Schreckens unternahm.

            „Wo sind die Elixiere, Eure erniedrigte königliche Hoheit“, wollte er wissen und trat langsam, beinahe herausfordernd zu den an der Mauer gefesselten Heroen heran.

„Verrate es mir!“, zischte der Dämon.

„Niemals!“, fauchte sie.

„Das dachte ich mir schon, dass du so rebellisch und dumm bist“, lachte er und zog genüsslich das breite, schwarze Schwert von seiner linken Seite. Er selbst hatte die Flüche auf das Schwert gesprochen mit denen er Verwundeten eine bösartige Überraschung bereiten konnte. Selbst ein kleiner Schnitt würde die Flüche des Schwertes auf das Fleisch des Opfers übertragen. Link ächzte und kniff die Augen zusammen als der blanke, dunkle Stahl an seiner Kehle entlang tanzte. Er hatte noch nie eine solche Angst vor dem Tod verspürt wie in diesem Augenblick...

„Ich sage es noch einmal! Wo sind die Elixiere, oder dein lieber Link ist gleich Geschichte!“

            Welch eine Erniedrigung für den Heroen Hyrules, dass er als Druckmittel für die Preisgabe der Elixiere herhalten musste. Und absolut nichts konnte er tun, gefangen in diesem fesselnden Zauber hatte er nicht einmal die Möglichkeit sich ansatzweise zu wehren. Und das wenige Licht seines Fragmentes wollte nicht auf ihn reagieren...

Es war nun stumm, so stumm wie die mächtige Seele in Links Körper, die sich eine solche Demütigung nicht bieten lassen würde...

            Zelda zögerte, wusste sie doch, dass an diesen Elixieren das Überleben der ganzen Erde hing und doch... Der einzige, der Ganondorf zurückhalten, ihn herausfordern könnte unterlag gerade seinen Flüchen. Ohne Link hätten auch die Elixiere keinen Sinn. Wenn Link Ganondorf nicht in die Schranken weisen würde, dann könnten die vervielfältigten Kräfte der Weisen nichts ausrichten. Impa, Saria, Naboru, Ruto und Rauru sowie Darunia könnten Ganondorf nicht bannen, wenn er nicht geschwächt wäre...

            „Haha...“, entfuhr es dem Fürsten der Dunkelheit. „So sei es, Prinzessin. Übergibst du mir die Elixiere nicht, stirbt dein Held, dein bester Freund und dein Geliebter!“ Link richtete seinen Kopf wenige Zentimeter nach oben, blinzelte und schüttelte mit dem Kopf.

„Tu’ es nicht, Zelda! Denk’ an die Zukunft“, bat er leise, beinahe undeutlich, aber sie verstand ihn gut genug in ihrer eigenen Sprache. Ein Blick reichte aus und sie wusste, was er dachte, und was er vielleicht sagen wollte.

„Tu’ es nicht...“, keuchte Link und fühlte den schwarzen Fluch um seinem Körper wieder zunehmen. Es war wie eine zweite Haut, die den eigenen Körper langsam umrahmte. Sie drückte und kniff furchtbar. Sein Körper würde diese Folter nicht länger mitmachen, das spürte Link...

            Tränen standen in Zeldas Augen und sie stützte ihre Hände in einer anflehenden Haltung auf dem kalten Gestein ab.

„Sie sind...“ Sie zögerte ein wenig und blickte traurig lächelnd in die erschütterten Augen des Heroen.

„Zelda! Denk’ nicht an mich. Sag’ es nicht.“ Link kämpfte, um die Worte überhaupt sagen zu können. Er würgte und röchelte und wurde wieder so schlapp wie vorher.

„Sie sind... in Links rechter Gürteltasche...“, murmelte Zelda. Sie wollte am liebsten lachen über ihre Feigheit. Aber sie konnte nicht mit ansehen, wie Link vor ihren Augen in den Tod ging. Sie konnte es nicht.

            Ganondorf schnipste mit den Fingern. „Na, bitte... Geht doch!“ Lachend, denn es war ein Triumph, der folgenschwerer nicht sein konnte, holte er die sieben kleinen, gläsernen Gefäße aus der Ledertasche und hielt besonders das farblose Elixier für Harkenia in seinen Händen.

Ganondorf warf einen gehässigen Blick hinüber zu der jungen Prinzessin, die ungläubig das Schauspiel begaffte. Es befriedigte seine dunklen Gelüste in unvorstellbarem Ausmaß, als er die erste der kleinen Flaschen in seinen Händen zerquetschte. Wenige Glassplitter fielen zu Boden, gefolgt von der schimmernden dickflüssigen Substanz, die am Boden verdampfte, je nachdem, wie lange sie dort lag. Dann folgten die anderen Gefäße... und alle Elixiere waren wertlos...

            Nur ein Wort hatte Zelda in ihren trüben Gedanken. Umsonst... es war alles umsonst...  

Sollten denn alle Opfer umsonst gewesen sein, die sie und Link brachten?

            „Nun zu dir, Gartenzwerg!“, grunzte Ganondorf. Verzweifelt richtete sich die junge Prinzessin auf und schlürfte hinüber zu Link. Herausfordernd stellte sie sich vor ihn, würde nicht zulassen, dass Ganon ihn berührte oder mit seinem verfluchten Dämonenschwert verletzte. 

„Rühr’ ihn nicht an“, beschwor sie. Nichts amüsierte den Fürsten des Schreckens in dem Moment mehr als ihre warmherzigen Augen. Wie konnte man als Hylianerin nur soviel Ausdruck und Güte in einen Blick legen? Sie waren stark und befehligend, ihre blauen Augen, gewebt aus Farbbändern des Himmels. Und doch interpretierte Ganondorf dies nur als Schwäche, als Minderwertigkeit und als ein Aufgeben.

            „Keine Sorge, ich werde ihm kein Haar krümmen. Immerhin bin ich doch ein Ehrenmann.“ Zelda grinste und lachte teuflisch über diesen Zynismus.

„Hör auf zu scherzen, Ganondorf. Das Wort Ehre ist einem wie dir so fremd wie die Liebe!“ Er verengte seine schlitzigen Augen missbilligend und ein argvolles Glühen funkelte daraus hervor, geboren aus seiner abscheulichen Seele. Er schüttelte den Kopf.

„So rebellisch wie immer.“ Seine tiefe, markerschütternde Stimme jauchzte, als er einmal mehr seinen stolzen Mantel ausbreitete.

„Du kennst keine Ehre, dazu muss man nicht rebellisch sein. Es gibt hier nur einen, der ehrenvoll ist, der seine Ideale nicht verrät und der für andere sterben würde. Es gibt hier nur einen Ehrenmann. Und das ist Link!“

            Gerade da öffneten sich Links tiefblaue Augen wieder einen Spalt, schlossen sich sogleich angesichts des erdrückenden Fluches, der sich an seinen Gliedmaßen zur Körpermitte bewegte. Aber er war wach, lauschte den Worten so lange das Rauschen in seinem Kopf es nicht übertönte.

            Ganondorf drehte sich, lief einige Meter und zupfte sich grübelnd am Kinn. „Na gut, Prinzessin. Ich werde deinem Link eine Chance geben sich zu beweisen.“ Er lachte unecht auf. „Soll er mir doch beweisen, ob er ehrenvoll ist!“

Noch immer stand Zelda beschützend vor Link, der sich dafür schon schämte. Es sollte umgekehrt sein. Musste er andauernd von Zelda beschützt werden?

„Tritt zur Seite, Prinzessin, oder ich mache mir Platz.“ Zelda biss sich auf die Lippen und zögerte weiterhin. „Dann eben anders!“ Mit einer heftigen magischen Attacke schlug er die junge Königstochter seitwärts und verschaffte sich den notwendigen Platz um seine neuen Teufeleien durchzuführen. Er nahm seine Klinge in die Hände und führte jene haarscharf über Links Kehle, sodass er sachte den Kopf hob. Link blinzelte, ausgelaugt von den Schmerzen des Fluches.

„Wenn du dich entscheiden kannst, gebe ich dir die Chance deine Ehre wieder herzustellen, kleines Häufchen Dreck.“ Link tiefblaue Augen starrten ausdruckslos in die des Schreckensfürsten und doch zeigte der junge Held keine Anzeichen von Furcht oder Hass. Link war nun gefasst und vorbereitet.

„Beweise, dass du dich entscheiden kannst!“, schnalzte der Dämon und ließ seine schwarze Zunge über seine aufgeriebenen Mundecken wandern. „Entscheide dich für dein eigenes Leben, für eine Rückkehr auf die Erde oder... entscheide dich für deine Prinzessin und flieh’ zusammen mit ihr aus dem Schloss bis ich euch finde!“

Der teilnahmslose Ausdruck auf Links schweißgetränktem Gesicht wurde abgewechselt von Überforderung und dem unausweichlichen Gefühl das wichtigste in seinem Leben sogleich zu verlieren.

„Geh’! Aber dafür bleibt Zelda bei mir!“, rief er. „Zeig’ mir deine Ehre!“ Ganondorf lachte wieder und trat wenige Schritte zurück.

Zelda oder die Erde... Nun stand Link vor der Alternative, vor der großen Entscheidungsaufgabe, vor der die vier geisterhaften Ritter ihn gewarnt hatten. Zelda konnte ihm ansehen, wie sehr er sein inneres Gefecht führte und doch wusste sie schon lange um den Ausgang...

In Links Augen schienen sich die beiden Seiten einer Waage zu spiegeln. Er wog ab, dachte an die vielen Konsequenzen und daran, wo sich ihm, Zelda und der Welt die besten Karten aufdecken würden. Die anfängliche Gleichheit der Waagschalen änderte sich, sehr schnell hatte eine der Seiten mehr Gewicht. Link wusste es und Zelda wusste es von Anfang an...

            „Zelda oder die Welt! Entscheide dich!“, brüllte Ganondorf und stach mit seinen Augen umher, freute sich auf ein baldiges Gemetzel, ob nun auf der Erde oder in Hyrule war ihm gleichgültig. 

„Entscheide dich endlich!“ Links Augen wanderten zu seiner geliebten Prinzessin. Und sie konnte darin lesen, was das unausweichliche Ende für sie beide sein würde. Sie nickte.

„Tu es für Hyrule und die Erde... Liebe war nie unser Schicksal...“, flüsterte sie und lächelte so bezaubernd, dass es ihm weh tat.

            Link atmete tief ein, während der schwarze Fluch über ihm langsam wich. Zweifel standen in seinen Augen, aber er hatte keine Wahl. Die hatte er nie...

„Ich entscheide mich... für die Erde... für das Leben...“ Zelda schloss ihre Augen, aber lächelte tiefgehend.

            Ganondorf lachte wieder. „Wahrhaft ehrvoll!“ Er klatschte mehrmals in die Hände und packte die junge Prinzessin mit einem energischen Griff an ihrem Genick.

„Bitte... erlaub’ mir ein Lebwohl...“, flüsterte sie. Ihre Stimme zittrig und unsicher. Bemüht war Zelda nun, den letzten Moment mit Link so weit wie möglich hinaus zuzögern. Ganondorf grinste.

„Wie rührselig. Von mir aus, dann verabschiede dich, du kleine Hure“, lachte er und trat in Richtung des einstigen Throns.

            Zaghaft trat Zelda an Link heran, der noch immer an der Wand hing. Sein Blick war schwer und er schaute bewusst an ihr vorbei. Sie führte ihre sanften Hände an seine kalten Wangen, wischte mit einem Zeigefinger das getrocknete Blut von seinen Lippen und lächelte wieder.

„Du musstest tun, was dir bestimmt ist, mein Held...“, sprach sie leise, während eine Träne ihre Wange hinabtropfte. „Es ist gut... Es ist richtig...“, setzte sie zitternd hinzu, während der Kloß im Hals ihr die ganze Kehle zuschnürte.

„Verzeih’ mir...“, waren seine einzigen Worte an sie. Zelda schüttelte den Kopf und forderte ihn erneut auf, sie noch einmal, nur ein letztes Mal, so intensiv und liebevoll wie sonst anzublicken.

„Das ist die Grausamkeit unserer Entscheidungen... Auch ich musste jene erst verstehen lernen, damals, so wie du im Heute.“

Link kniff die Augen zu, schämte sich dafür, seine Prinzessin nicht beschützen zu können, hasste sich, dass er sie Ganondorf überlassen musste. Zelda presste ihre Lippen aneinander und wühlte in ihrer Gürteltasche umher. Sie verstaute einen Brief und das kleine Tagebuch in seiner eigenen Gürteltasche.

            „Zelda...“, murmelte Link. Sie drückte einen kleinen Kuss auf seine Lippen. Vielleicht der letzte, den sie jemals teilen würden.

„Ich liebe dich... auch für deine Entscheidungen... Ich liebe dich...“, sagte sie mit soviel Ausdruck und Fülle. Das erste und das letzte Mal.

Sie flüsterte nah an sein Ohr, so nah, dass es Ganondorf nicht hörte. „Lies den Brief und erinnere dich... Leb’ wohl, mein Held.“ Damit trat sie zur Seite, atmete noch einmal tief ein und lief dem Fürsten des Schreckens mit geschlossenen Augen direkt in seine Arme. Ein dunkles Feld baute sich auf, als sich Links Fluch vollkommen löste. Und als auch das dunkle Feld verging, waren sowohl Zelda als auch Ganondorf verschwunden...

            Ungläubig starrte der Heroe in die Leere des Raumes, konnte es nicht begreifen, konnte nicht mehr klar denken. Er hatte Zelda verloren... er hatte sie im Stich gelassen.

            Seine wackligen Füße berührten den Boden, konnten aber das Gewicht auf ihnen nicht halten. Link brach nieder. Seine gesamte Kraft schien aus dem Körper gezogen zu sein. Lethargisch lag er dort auf seinem Bauch, verwundet am Körper und tief in seiner Seele, und starrte ziellos umher. Seine tiefblauen Augen schwammen in einem Meer der Trübsinnigkeit und blieben bei dem kleinen Scherbenhaufen liegen. Die großartigen Elixiere verdampften immer noch und kleine Tropfen von den regenbogenfarbigen Substanzen waren übrig...

Aber was brachten diese ihm? Was sollten die Sieben Weisen mit einem Tropfen Elixier, wo er nicht einmal in der Lage war Ganondorf die Stirn zu bieten?

            Glückliche Momente mit Zelda zogen an seinen Sinnen vorüber als wären sie nie geschehen und nun war es vorbei. Die glücklichen Stunden mit ihr, ihre körperliche Nähe, ihre Küsse, all’ das würde vielleicht nie wieder kehren.

Und alles war seine Schuld.

Er war ein Tölpel, kein Held...

            Wut wechselte die plötzlich Trauer; und der junge Heroe richtete sich mit dem letzten bisschen Leben in seinen Gliedern auf, begann zu schreien und trommelte mit den Fäusten auf dem Erdboden umher, bis seine Haut wund war.

            Es war umsonst... umsonst!

Und er hatte mehr als nur eine Schlacht verloren. Er hatte die Liebe seines Lebens verloren...

            Link trommelte weiterhin mit den Fäusten auf den Boden ein und vergoss bittere Tränen, bevor der Fluch von vorhin ihn überwältigte und sich ein Meer von dunklen Farben in seinen Sinnen ausbreitete. Bewusstlos lag der junge Heroe im Saal der stolzen Königsfamilie als die Sonne das Ende ankündigte, welches die Auserwählten sonst immer verhinderten.

            Es war zu spät für neue Entscheidungen.

Zu spät für ein Wiedersehen.

Und vielleicht schon lange zu spät für die verbliebene Hoffnung...

 
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