Kapitel 89
 
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Kapitel 89

 

 

 

Das augenscheinlich elfjährige Abbild des Helden Link saß beinbaumelnd in einer Kammer des Kellers, wo die Weisen im Nebenraum heftig diskutierten. Sei zankten sich beinah aus Sorge um Link, um Zelda und der Welt. Denn noch immer wusste niemand, ob Ganondorf in dieser modernen Welt irgendwie verbannt werden konnte.

Der Junge seufzte und dachte an die Worte seines ,Fast-Opas‘, der sich einbildete, er könnte ihn hier einfach einsperren. Er hatte gesagt:, Schlaf‘, mein Junge‘ und dachte wohl wahrlich, er könnte den Zwerg, der sowohl Zeldas Sturheit, als auch Links Rüpelhaftigkeit in sich trug, einfach festhalten. Das Götterkind seufzte noch einmal, gelangweilt von diesem Nichtstun. Er wurde zappelig, und dann baumelten seine Beine vor Unruhe so sehr hin und her, dass sie an das Sofa stießen, auf dem er saß. Er sprang auf und konzentrierte sich auf seine eigenen Mächte, von denen er nicht einmal wusste, woher er sie hatte. Ein Kleid aus silbrigen Funken bildete sich um ihn und transportierte ihn an einen Ort, den er schon vor Ewigkeiten- denn jene wenigen Wochen, die er existierte kamen ihm so vor- betreten hatte. Er teleportierte sich direkt zu den drei Göttinnen, hinein ins Haus der Götter.

 

Als er seine hellblauen Augen aufschlug, befand er sich in jenem hohen Turm, wo seine heilige Erzeugung geschah. 

Seine kleinen Kinderhände streichelten eine silberne Schale auf einem großen Stein. Heilige Inschriften waren darin verewigt und er kannte sie, konnte jene lesen, da er goldenes Wissen besaß. Das Wissen der Göttinnen, die hier wandelten.

„Du bist zurückgekehrt, Vermächtnis der Mächtigen, Kind derer, die auserwählt wurden, immer ein Teil der Kämpfe um das Triforce zu sein“, erklang es säuselnd hinter ihm. Er brauchte sich nicht umzudrehen, wusste er doch auch so, wer hinter ihm stand. Es war keine geringere als die Göttin des Mutes mit ihrem langen grünen Haar und den giftgrünen Gewändern, die ihren Körper einhüllten.

„Ja, ich weiß nicht einmal, was ich hier will“, antwortete er und blickte sich neugierig in dem Turmzimmer um. Er betastete jeden Gegenstand und durchwühlte dann eine von Holzwürmern zerfressene Truhe. Schließlich hüpfte er zu der Göttin und schaute sie mit ratlosen großen Kinderaugen an. Die in grünem Samt gekleidete Göttin schlug ihre Kapuze zurück und stechendes grünes Haar fiel an ihren Wangen hinab bis zu ihrer Hüfte. Sie führte einen ihrer extrem langen Zeigefinger an seine Stirn, und las ein wenig in seinem Herzen.

„Du bist in Sorge, Kind…“ Er wackelte mit seiner Nase und schüttelte den Kopf. Ihre komische weiße Haut kitzelte auf seiner Stirn, sodass er fast niesen musste.

„Link und Zelda sind in der Kirche beim großen Schwein. Das macht mich ganz wuschelig…“, murrte er und rückte seinen wiesengrünen Hut zurecht.

Die Göttin kniete nieder und schaute mit ihren giftgrünen Augen in seine. Sie waren schön, edel und freundlich, auch wenn ihre ausgesprochen grelle, grüne Farbe sehr unnatürlich wirkte.

„In dir fließt das gleiche Kämpferblut wie in jenen, deren Seelen schon lange geschunden sind. Du willst kämpfen?“ Seine Augen wurden größer und er nickte heftig.

„JA“, rief er laut. „Ich kann kämpfen, ich bin immerhin schon elf Jahre alt. Das heißt…“ Er wurde leiser und hängte den Kopf schief. „… der Körper hier ist elf.“

Die Göttin begann zu lächeln und wirkte für einen Moment sehr menschlich auf einen Beobachter. Sie erhob sich wieder und reichte dem Bengel ihre linke Hand. „Komm‘ mit mir. Möchtest du eine Tasse Kakao?“

Klein-Link nickte.

„Ich werde dir eine Geschichte erzählen, die in Hyrule noch nie erzählt wurde…“ Gemächlich tapste der Junge mit der Göttin des Mutes den Turm hinab auf dem Weg in die riesige Bibliothek jenes geheimnisvollen Hauses am Horizont eines toten Hyrule. 

 

In der hohen Bibliothek im Haus der Götter strahlten gerade die vielen Fackeln und Kerzen in glühendem, grünem Licht. Mit unbemerkbaren Schritten schwebte Farore in die Mitte des Saals und blieb in einem großen goldenen Kreis, der sich wie von Geisterhand auf dem glänzenden Fussboden zeichnete, stehen. Sie reichte dem kleinen Knirps die Hand, worauf er vertrauenssuchend näher tapste. Er ärgerte sich ein wenig, dass seine Stiefel so laute Geräusche hinterließen, hätte er doch gerne solche Sandalen wie die mächtige Göttin. Sandalen, die man auf dem Boden niemals hören würde. Plötzlich hielt sie eine riesige Tasse cremigen Kakao in der Hand, der süß duftete und heftig dampfte. 

Mit ausgestreckten Armen rannte der Bengel auf die Tasse zu und befand sich nun ebenso in dem großen goldenen Kreis.

Er trank einige Schlucke von dem Getränk, betört wie lecker es war, und bemerkte erst, als er es leergetrunken hatte, dass auf dem Boden ein großes Licht in Form eines schwachgrünen Triforce leuchtete. Verwundert sah er auf und in jenem Kreis zogen plötzlich die erschreckendsten, aber ebenso die faszinierendsten Bilder ab. Hologramme, die Hyrule wiederspiegelten, wie es einst war und irgendwann sein würde. 

Es war die Entstehung des alten Landes, welches der Knirps verfolgen konnte, sowie einzelne Kämpfe bis hin zu verbitterten Schlachten von Hylianern gegen Dämonen, Hylianern gegen sich selbst oder gegen andere Einwohner Hyrules…

Klein-Link sah alles. Er sah den Beginn und das Ende. Verwundert drehte er sich um seine eigene Achse und blickte direkt in das Gesicht eines Helden Hyrules, der früher einmal gegen Ganondorf kämpfte. Er war sehr jung, vielleicht so alt wie Klein-Links Körper und in seiner Hand hielt er das Masterschwert. Aber es war nicht der Link, der heute in Schicksalshort lebte. Es war eine frühere Reinkarnation. Er führte sein Schwert mutig und verschwand in geheimnisvollen Nebeln, die das von Farore gezauberte Hologramm bildete. Und dort erschien ein weiterer Held. Der Held des Triforce, der einst in die Schattenwelt eintauchen durfte, mit demselben Schwert in der Hand zog er an Klein-Links Augenwinkeln wie ein Luftzug vorüber. Einige Links zeigten sich und verschwanden wieder. Der Held des Twilight. Der Held des Windes. Und ein neuer Held, der noch keinen Titel trug…

Fasziniert blickte der Bengel in die Augen seiner Lieblingsgöttin, die auch ohne viel Zutun, seine Fragen und weiteren Gedanken einsehen konnte.

„Sind sie nicht großartig?“, sprach sie säuselnd. „Die Helden, die Hyrule immer ins Licht geführt haben, sie sind die großartigen Wundernisse einer Welt, die am seidenen Faden hängt. Einer Welt, die abhängig ist von gnadenlosen Kämpfen um das Triforce… Aber er ist immer ein Teil der Kriege, lebt so viele Leben ohne begreiflichen Sinn, leidet und mit ihm erkrankt seine Seele.“ Mit großen Augen schaute der junge Link wieder zu den Projektionen der Vergangenheit und Zukunft. Auch die vielen Zeldas, die es einst gab, und irgendwann geben wird, erschienen.

„Sie ist wunderschön… immer, wie es in ihrer Seele liegt“, sprach die Göttin leise. „Ihre Seele verehrt Hyrule wie als wäre es ein menschliches Wesen. Und mit jeder Narbe, die das alte Land zu tragen weiß, stirbt ein anderer Teil von Zeldas Seele. Sie erkrankt…“ Gebannt schaute der Bengel wieder zu den grausamen Bildern, die ein totes und ein anderes Mal ein blühendes Hyrule zeigen.

Und zum Schluss wurde ein Bild des Dämons, der immer das gleiche Gesicht tragen würde, lebendig.

„Und der Teufel, der sich nach der ultimativen Macht verzehrt… er hat seine Seele bereits verloren. Sie war einst erkrankt und ist nun tot.“

Klein-Link wunderte sich, war ihm noch nie in den Sinn gekommen, dass der Fürst des Schreckens tatsächlich einmal ein Mensch mit vielen Gesichtern gewesen war. Gewiss, er war einst König. Er hatte ein Volk, hatte Ziele und Bedürfnisse. Doch gerade an letzterem hatte er sein Verhängnis gefunden… Und Klein-Link würde Ganondorf niemals eine Träne nachweinen. Er hatte sein Schicksal selbst gewählt. Aber warum sprach die Göttin des Mutes davon, dass auch die Seelen von Zelda und Link irgendwann an dem Triforce und den Kämpfen in Hyrule erkranken würden?

Plötzlich funkelte auf der Projektion in dem Kreis das Triforce hell und klar. Es wurde größer, näherte sich dem Götterkind mit Schnelligkeit, bis es durch ihn hindurch wehte und verblasste.

„Die Seelen, die dem Triforce dienten, fragten sich immer wieder, warum die Welt, die sie liebten, nun nicht mehr als ein Spiel ist, um menschliche Gemüter zu erfreuen… Auch wir stellten uns jene Frage, die das Schicksal zu verantworten hatte, wussten wir doch die Antwort lag in Hyrules Sinn, in Hyrules Ursprung und in seinem Weg…“ Die Stimme der Göttin wurde milder, während sie sprach und vielleicht sogar traurig.

„Eine Welt wie Hyrule darf nicht sein, Kind der Götter…“

Klein-Link zwinkerte bloß, war er doch noch zu jung, um zu verstehen, welche Wahrheit Farores Worte ankündigten.

„Hyrule war ein wunderschönes Land. Mit vielen einzigartigen Geschöpfen. Es war eine Kreation, die viele andere Kreationen in den Schatten stellte. Aber es hatte einen sehr, sehr…“ Ihre giftgrünen Augen sanken hinab zu denen des Jungen. Erneut kniete sie nieder und packte ihn an seinen Armen. „… sehr bitteren Preis… Hyrule darf nicht länger atmen, nicht einmal mehr irgendwo an einem Ort, wo kein Wesen hinfindet.“ Klein-Link verengte seine Augen.

„Worauf wollt ihr hinaus?“, meinte der Knirps gelangweilt. „Hyrule ist doch schon verblasst. Es ist tot.“

„Nein, das ist es nicht ganz. Es ruht… es schläft… und es existiert in anderen Zeitpfaden, und das Triforce existiert weiterhin, sowie die Seelen aus Hyrule sich erinnern und zueinander fanden. Wäre es vollkommen tot, wären jedwede Lebenssäfte aus Hyrule entwichen, hätten die wiedergeborenen Weisen es niemals erwecken können. Ganondorf hätte nicht bekämpft werden können. Ganondorf hätte ja nicht einmal mehr ein Gesicht.“

In dem Moment platzte dem jungen Link irgendwie der Kragen. Er wusste nicht warum, aber er fühlte sich ganz plötzlich irgendwie zornig. Was wollte diese Göttin von ihm? Warum erzählte sie ihm das?

„Es tut mir so leid, Kind der Götter…“

„Ich bin nicht euer Kind“, sprach er trotzig. „Ich werde irgendwann das Kind von Zelda und Link sein. Ich will, dass sie meine Eltern werden!“ Es war sein Wunsch, aber die Göttin ihm gegenüber wusste auch, dass jener Wunsch sich niemals erfüllen würde, wenn der einzige und letzte Ausweg gegangen wurde.

Er drehte sich um und murrte: „Und was tut dir leid?“

„Um Hyrule endgültig zu vernichten, gibt es nur einen Weg… und dieser Weg hätte alle Seelen, die in Hyrule einst entstanden, entzweit. Dieser eine Weg hätte den Göttern ihre Macht genommen. Deshalb lag es nicht in unserer Macht. Man darf das eigene Leben nicht nehmen, wenn man es sich selbst nicht geschenkt hat.“

„Welcher Weg?“

„Ahnst du es nicht bereits?“ In dem Kreis, wo Farore mit dem Jüngling stand, zeichnete sich erneut das Triforce. Hell und schön war es. Stark und mächtig. Doch plötzlich wurde es fahl. Es bekam Risse und Falten, so wie alternde Haut sich als Opfer der Zeit veränderte.

„Alles ruht, wenn das Triforce stirbt…“ Smaragdgrüne Tränen tröpfelten aus ihren Augenwinkeln.

 „Darum führe ich dir die Geschichte vor Augen, die niemand wissen sollte.“

Mit sanften Worten begann sie zu erzählen, summte leise und spielte mit dem Wind, der ihre Stimme begleitete.

„Die Geschichte, die niemand wissen sollte… sie beginnt in einer alten Zeit. Hyrule war noch sehr spärlich besiedelt. Die wenigen Menschen lebten von den Erträgen, die sie auf ihren Bauernhöfen einnahmen. Das Königreich Hyrule hatte eine dürftige Wirtschaft und wenig Beziehungen zu irgendwelchen Nachbarländern…

Denn die Grenzen waren unsicher und großläufig. Großteile des Landes waren noch nicht einmal erforscht, geschweige denn besiedelt. Und doch gab es bereits in jenem kleinen Reich Hyrule eine stolze Burg, eine kleine Königsfamilie und eine Scharr von Rittern und Soldaten, die in der Siedlung vor dem Schloss ihr Leben fristeten. Doch eine Sache in jenem Hyrule war bereits zu diesen Zeiten, tausende Jahre vorher, bemerkenswert. Eine Besonderheit, die sich die Magie des hylianischen Volkes schimpfte. Schon damals besaßen Hylianer eine geradezu erschreckende Freude, Bereitschaft und Talentiertheit im Umgang mit Magie. Wisse, dass die Hylianer damals gänzlich verschieden aussahen als jene, die du heute kennst. Die Ohren waren einst länger und spitzer. Und die Bewohner von damals waren allesamt viel größer als heute. Und fast alle besaßen sie beeindruckende, klare, ja tiefe Augen, die, so fühlte man, in der Seele anderer Geschöpfe lesen konnten. Die meisten besaßen, langes, dickes, blondes Haar und eine Ansehnlichkeit, dass man sie auch als göttliche Wesen bezeichnete. Engel Hyrules. Die Engel, die auf der Erde wandelten…

Dennoch stachen aus jenem Volk einige heraus, von denen die Götter wussten, dass sie mehr besaßen als ihre gewöhnlichen hylianischen Fähigkeiten. Zwei Seelen waren so bedeutsam, dass sie erwählt wurden, auch noch in Tausend Jahren zu einander zu finden. Zwei Seelen, die über ein starkes Band miteinander verbunden wurden. Zwei Seelen, die mutiger und weiser waren als die anderen. Und mit ihrem Mut und ihrer Weisheit zogen sie sich an wie Magnete in einem leeren Raum. Wie Gutes und Böses, wenn es aufeinander trifft. Wie ein Kind und Süßigkeiten…

Es waren zwei Seelen, die vor Ewigkeiten bereits das Triforce in seiner Gesamtheit beschützten, noch bevor überhaupt an Ganondorf zu denken war… 

Jene Geschichte soll nun die deine sein, Kind der Götter. Jene Geschichte wird nun in dir sein. Erfahre und vor allem: Lerne.“ Damit hob die stolze Göttin des Mutes ihren langen, spitzen Zeigefinger und schrieb ein Triforce auf die Stirn des kleinen Bengels. Er schloss seine Augen schlafsüchtig, fühlte, wie sein Denken, sein Verstand an andere Orte schwebte. Farore würde ihm den Weg weisen und er vertraute darauf, vertraute auf sie. Er lief zurück zu den Ursprüngen des ersten Links und der ersten Zelda überhaupt…

 

(Ach verdammt, ich tue es schon wieder… ich schreibe die Geschichte in der Geschichte… sry, wenn das Ganze immer verwirrender wird.)

Als Klein-Link wieder sah, wusste er, dass ihn niemand entdecken konnte. Er war unsichtbar wie ein Geist, der sich einer Maskerade bediente. Verwundert sah er um sich und fand sich in einem sehr einfältig eingerichteten Raum. Sehr spartanisch und mittelalterlich. Nicht so fortschrittlich wie das heutige Hyrule.

Sachte trat er vorwärts, hob eine Kerze von dem einzigen Tisch, der bis zum Anschlag an eine Seitenwand geschoben wurde. Vorsichtig führte er die wärmende Kerze herum und entdeckte einen alten Steinkamin, wo ein Kessel voller Suppe mit Hylanor, einer vergessenen mehrfarbigen Kartoffelart, hing. Rechts davon stand ein Schrank, einfach getischlert, aber das hylianische Königssymbol war darauf gemeißelt worden. Jener königliche Falke, der sich über die Jahrhunderte als Zeichen königlichen Blutes erhalten hatte, besaß Magie. Wenn man ihn anblickte, dann leuchtete er und vielleicht bewegten sich sogar seine Flügel...

Überall hingen riesige Pelze von Tieren, die der Bengel nicht beim Namen kannte. Gigantische Pelze von Rindern, die heute ausgestorben waren oder Tigern, die der Bengel nicht unbedingt in echt sehen wollte. Und neben der einfachen Holztür lud ein großes, aber einfaches Bett ein, sich in dicke Decken zu kuscheln. Irgendetwas an dem Ort roch vertraut. Klein-Link wusste nicht, was er war. Es war nicht das Gewürz des Hylanors. Es interessierte ihn auch nicht in dem Maße, dass er eine Bezeichnung dafür finden wollte, und dennoch wurde ihm warm ums kindliche Herz. Er schnupperte noch einmal mit seiner Nase und versuchte den Geruch des Hylanors zu überriechen. Nein, dachte er, noch immer konnte er sich aus dem mystischen, eigensinnigen Geruch in dem Zimmer keinen Reim machen…

Er suchte nach einem Fenster und fand ein kleines rundes hinter sich. Zaghaft tapste er heran und erblickte draußen eine düstere, eingeschneite Schneelandschaft. Gewaltsam zog der Schneesturm über das wehrlose Land, rüttelte an großen Bäumen und an kleinen Hütten, die die Straße hinab erbaut wie graue Murmeln aussahen. Wie Murmeln mit leuchtenden Augen. Da bemerkte der Junge, dass er sich ziemlich hoch befand, vielleicht in dem Turm einer Burg oder dergleichen. Bin ich in der Burg Hyrules gelandet? In der Burg eines alten Hyrules?

In dem Moment öffnete eines der Geschöpfe aus Vorzeiten die Tür und erschreckte den Jungen so sehr, dass er die Kerze fallen ließ. Und obwohl er wusste, Farore ließ ihn in Unsichtbarkeit wandeln, so fühlte er sich bedrängt.

Eine schlanke, lange Gestalt trat hinein und blickte mit strengem Blick unter einer grauen Kutte hervor. Es waren ihre blauen Augen, die der Bengel kannte, die sein Herz zum Pochen brachten und es wieder besänftigten. Und das Unheimliche war, dass sie direkt in seine eigenen Augen blickte, als ob dieser Zauber Farores ein fauler war, den sie spielend durchschauen konnte. Und die Stärke ihrer Augen ließ den jungen Spund einige Schritte zurücktaumeln. Erst nach vielen Sekunden wand sie sich ab und legte ihren Umhang über die Bettkante. Ihre Gestalt war stark und schön, kräftiger als er sie jemals gesehen hatte. Ihre Ohren waren etwas anders geformt, breiter und gleichzeitig spitzer, und die Kleidung jener jungen Frau wunderte ihn. Nicht wie sonst trug sie ein Kleid, sondern lange, schwarze Stiefel, einen kurzen Lederrock und eine tiefrote Gewandung, die ihren Oberkörper fest zuschnürte. Ihr langes tizianfarbenes Haar war durch die einfachste Eisenspange hochgesteckt und auch sonst schien alles an ihr weniger prinzessinnenhaft. Sie wirkte in Eile und ungepflegt, obwohl ihre weiße Haut im Kerzenlicht schimmerte und schon in diesem weitentfernten Damals ein Duft von Rosen ihren schönen Körper umfing. Sie trat misstrauisch zu der Kerze, die auf dem eisigen Steinboden lag und zu dem kleinen Docht, wo das Feuer fast erlosch. Klein-Link japste nach Luft, als sie aufstand und mit ihren strengen blauen Augen direkt auf ihn zu steuerte. Sie griff nach ihm, obwohl sie ihn nicht fassen konnte.

„Wer verbirgt sich hier?“, forderte sie und schaute ihm weiterhin in seine kindlichen Augen. Das Götterkind war zu beschäftigt gegen ihren durchdringen Blick anzukämpfen und bemerkte erst im letzten Moment ihre eindrucksvollen magischen Fähigkeiten. Sie schwenkte ihren Zeigefinger und das kleine Feuer der heruntergefallenen Kerze tanzte näher, schwang um ihren Zeigefinger, wuchs und floss wie Wasser um ihren Körper. Plötzlich gab es einen lauten Knall und das magische Feuer sprühte in alle Himmelsrichtungen, steckte den Kamin in Brand und rauchte dort, wo es nicht mehr erwünscht war. Der Junge stolperte zurück und entließ einen Angstschrei, den jene Hylianerin nicht vernehmen würde und wunderte sich immer mehr über diese Frau! Bei den Göttern, die konnte man ja nicht auf die Menschheit loslassen und das sollte eine Vorfahrin der heutigen Zelda gewesen sein? Klein- Link kratzte sich umständlich am Kopf und zwinkerte voller Erwartung.

Als sich nach diesem verheerenden Schauspiel magischer Fähigkeiten in dem Gemach immer noch nichts tat und sich kein Wesen ihrer zeigte, schien die junge Dame zufrieden, seufzte und schnallte ihre schweren Waffen von dem Körper. Und was sie nicht alles trug! Dolche in Überzahl. Einen Bogen. Einen Köcher. Zwei Schwerter und sogar einige Wurfsterne. Vermutlich lebte sie in einem sehr gefährlichen Hyrule, dachte Klein-Link.

Schließlich riss sie sich die langen Lederstiefel hinab, knackte mit ihren Gelenken und gähnte. Erst da fiel ihm auf, dass sie nicht mehr so jugendlich schien wie die heutige Zelda. Ihre Brust war voller, ebenso ihre Hüfte. Sie war mit Sicherheit zehn Jahre älter, hatte sich aber ihre jugendliche Frische erhalten können.

Auch ihr Obergewand fiel zu Boden und schließlich… wand sich der junge Bengel verlegen um und starrte die grauen Steinwände an.

In der Minute, wo er wieder einen Blick wagte, trug sie ein langes, gelbweißes Nachthemd aus einfachstem Stoff. Aber es war so dünn, dass man die Faszination ihres weiblichen Körpers sehen konnte, wenn man nur den Blick schärfte. Fuchsrot im Gesicht hoffte der Bengel, sie würde die Kutte überstreifen…

Sicherlich, er hatte noch kein Interesse an Mädchen, aber es machte ihn eben nervös, die Vorfahrin seiner „Fast-Mutter“ halb nackt zu sehen.

Vielleicht hörte sie seine Gedanken sogar. Denn sie lief zu der Bettkante und erfüllte dem Götterkind den Wunsch. Schließlich begann sie zu summen, platzierte sich auf einem dicken weißen Pelz vor dem Kamin, kämmte sich die Haare anmutig mit einer einfachen Bürste und schien irgendwie auf etwas zu warten.

Sanft erklang ihre Stimme und die Strenge, die noch vor wenigen Sekunden ihre gesamte Seele umhüllte, verflog. Sie summte leise und doch laut genug, dass der Junge ihre in einem alten Hylianisch gestalteten Wörter verstehen konnte. Es war ein Schlaflied, ja, er kannte dieses Lied und hoffte noch immer darauf, dass seine Mutter ihm jenes irgendwann singen würde. Die Mutter, die er sich so sehr wünschte…

„Like a rivers flow

Time will one day show

What the meaning is about this…

About a place like this…

About the dream we lived,

About you and me and this destiny…“

Und mit jedem weiteren Wort schien jene Prinzessin von damals der heutigen Zelda ähnlicher zu werden. Es war beinah wie als schmolz die kämpferische Maskerade, die sie sich aufgebaut hatte. Und unter der schmelzenden Schale kam die Seele Zeldas zum Vorschein…

„Dein Lied wird unvergänglich sein… und in einem neuen Hyrule wird es deine Nachfahrin noch singen…“, sprach es rau hinter Klein-Links unsichtbarer Gestalt. Überrascht stolperte er nach vorne, drehte sich und schaute dann noch überraschter zu einer Person, die sich anscheinend einfach hierher teleportiert hatte. Vor ihm stand ein ziemlich muskulöser Mann, etwa Mitte zwanzig würde das Götterkind vermuten. Sein dunkelblondes Haar war wild und ungewaschen. An seinem Kinn wuchs ein Dreitagebart. Seine Gesichtszüge ernst und unnahbar, als hätte er schon Hunderte Moblinköpfe ohne Gnade von den Schultern geschlagen und wäre nicht verlegen es bei weiteren Hundert zu tun. Auch er führte unzählige Waffen mit sich und Schnee bedeckte seine breiten Schultern und sein Haupt.

Das Götterkind erkannte ihn an seiner grünen Tunika, weniger an seinem eisigen Erscheinungsbild. Er trat dürftige Schritte näher und auf seinem todernsten Gesicht schien ein kleiner Lichtschein die Kälte zu verscheuchen. Für Klein-Link war es ein herrliches Schauspiel und über die Maßen ersichtlich, was die Kälte seines Wesen plötzlich zum Einstürzen brachte. Denn der Mann starrte zügellos und nahezu unanständig zu der Prinzessin, die doch noch keine war…

Klein-Link hastete daraufhin in die Ecke, wo das Bett stand und beobachtete die beiden von hier aus mit wachen Augen. Farore hatte gemeint, es wäre eine Geschichte, die er als einziger von nun an kennen würde. Er musste zuhören und begreifen…

In dem Augenblick trat die Vorfahrin Zeldas auf ihre halbentblößten Beine und blickte den Mann mit einem Grinsen an, dass jeden anderen in die Ohnmacht geschickt hätte. Ihr Lächeln war nun, da sie nicht mehr die Kämpferin mimte, sanft und mildtätig.

„Ich wartete sehr lange schon auf Euch…“ Sie trat immer näher, bis sie direkt vor ihm stand und ihn begutachten konnte. „… zu lange…“, flüsterte sie und hielt eine Hand in seine Richtung.

Wie erstarrt blickte der Mann in ihre faszinierenden, klaren Augen und spürte, dass sie ihn mit einem dritten Auge musterte. Magie war eine Selbstverständlichkeit zwischen ihnen. Etwas, was sie sich bewahren wollten und etwas, was sie voreinander niemals verstecken konnten. Sie hielt ihre Hand offen, mit wenigen Zentimetern Abstand über seiner Brust und führte jene in der Luft über seinen Oberkörper, bis sie an seiner rechten Schulter haften blieb, und sich ihr Lächeln in bitteren Zynismus wandelte.

„Ihr bevorzugt noch immer das Blut der Todgetriebenen vor meiner Nähe…“, murrte sie. Sie machte eine weitere vollkommene Geste mit ihrer rechten Hand und der Mann ihr gegenüber verlor in einer Sekunde seine vom Schnee durchweichte Tunika, das halbzerfetzte Kettenhemd und ein weißes Unterhemd, an welchem sich unzählige Blutspuren zeigten. Sein nun sichtbarer Oberkörper war übersät von dicken, verquollenen Narben, blauen Flecken und in der rechten Schulter war vor wenigen Minuten ein dicker Pfeil durchgebrochen. Er schwieg zu ihren bitteren Worten. Ja, gewiss, er konnte nicht anders als das teuflische Moblanusvolk in die Verdammnis zu schicken, wenn nötig auch im Alleingang. Wozu sollte er ihr widersprechen, wo sie doch fast immer recht hatte. Und wo er doch immer seine Wege hatte, ihr Verzeihen zu erwirken.

„Ihr habt nach mir gesucht?“, sprach er leise. Und seine Stimme klang warm mit jedem weiteren Moment, in dem er bei ihr war.

„Ich wünschte, ich hätte es nicht getan…“, sagte sie frostig und legte ihre rechte Hand auf seine blanke Haut, fuhr verträumt hinauf zu der verletzten Schulter und grinste teuflisch. „Euer Eigensinn wird Euch dorthin bringen, wo ihr lieber nicht sein mögt.“ Sie ließ einen Strom heilende Magie in die Schulter wandern, worauf der junge Mann seine Augen zusammenkniff und unartikuliert seufzte. Ihre heilende Magie brannte heute ein wenig.

Sie bemerkte sein unterdrücktes Schmerzwimmern und ergänzte sadistisch: „Seid froh, dass Eure Verletzung in der Schulter ist.“ Er öffnete tiefblaue, müde Augen und nahm ihre rechte Hand in seine linke. „Verzeiht mir, Liebste“, sprach er sanft.

Sie schnaubte und schlang ihre Arme um seine Körpermitte.

„Ich mache mir Sorgen um Euch… unterlasst diese unsinnigen Alleingänge in das Gebiet das Feindes.“

„Unsinnig deshalb, weil ich die Dämonen töte, die unser halbes Volk in den Tod geschickt haben?“

„Nein…“, sagte sie leise. „Unsinnig deshalb, weil dieser Krieg nicht allein auf Euren Schultern haftet, sondern, weil Ihr Gleichgesinnte habt, die Euch zur Seite stehen.“

Tatsächlich ein sehr gefährliches Hyrule, stellte Klein-Link in Zurückhaltung fest. War das Farores Auftrag, fragte er sich? Sich an Hyrules Vergangenheit zu erinnern?

Des Mannes rechte Hand wanderte verführend zu ihrem Hals, worauf sie aufsah und ihren Kopf ein wenig in den Nacken legte.

„Ihr seid von mir abhängig…“, murmelte er, küsste ihre Lippen und wanderte zu ihrem weißen, unschuldigen Hals.

„Und Ihr von mir…“, erwiderte sie.

Es hatte keinen Sinn darüber zu philosophieren, das wussten sie beide sehr genau. Seit dem Tag, an dem sie sich trafen, vor zehn Jahren in der kleinen Stadt am Fuße der Burg, hatten sie diese Verbindung gespürt.

„Verzeiht mir meinen dummen Dickschädel…“, flüsterte er und umarmte sie innig. „Wie umwerfend doch Euer Dickschädel ist…“, schmunzelte sie. Sie griff nach seinen Händen und pflanzte kleine kurze Küsse über jene. „Da ist Schmerz in Eurem Herzen…“, flüsterte sie.

„Nicht genug…“, sagte er kühl und wand sich ab. Sachte trat auch er direkt vor den Jungen, der sich hier als Unbeteiligter versteckte. Und auch der Vorfahre Links starrte ihn fieberrisch an, als ob er genau wüsste, dass er hier weilte.

„Wäre es mehr Schmerz, wäre ich nicht so unfähig. Egal, wie viele von diesen Biestern durch meine Klinge sterben. Jeden Tag werden Hundert neue für diesen einzelnen geboren… Es ist einfach nicht genug.“ Sie trat an ihn heran und drückte ihren Kopf an seinen starken Rücken. Sanft nahm sie ihm die grüne, zerschlissene Mütze ab, die seinen Kopf bedeckte.

„Ihr wisst, Liebster, eines Tages werden die Kämpfe ein Ende haben. Das Böse wird erloschen sein. Hegt nicht diese Zweifel über Eure Taten. Die Göttinnen wissen, und ich weiß, Ihr tut genug.“ Er seufzte. Wie immer sprach sie ihm Mut zu. Aber er hatte dennoch Angst, dass sein Mut, der das hylianische Heer in die Schlacht führen würde, einfach nicht ausreichte.

„Doch der Tag ist noch so fern, wo endlich Frieden einkehren wird. Wie viele Jahre fechten wir nun schon, Zeruda?“ Trübsinniger als vorher blickte sie auf, als er sich zu ihr drehte.

„Drei lange Jahre…“

„Und glaubt Ihr, dass wir in noch einmal so vielen Jahren siegreich sein werden?“ Sie schloss die Augen und um ihre Mundwinkel bildete sich ein hoffnungsvolles Lächeln. „Wir werden sehr bald Frieden haben in unserem Hyrule“, murmelte sie. „Aber in vielen Jahren, die über das Land ziehen werden wie ein ahnungsvoller Mitternachtsturm werden neue Kämpfe über Hyrule hinwegfegen. Und in einem nächsten Hyrule werden die Kämpfe ebenso fortgeführt werden. Die Kämpfe um die Macht. Die Kämpfe um das dreigeteilte goldene Wesen…“

„… welches wir mit unserem Blut beschützen“, ergänzte er für sie. Sogleich drückte er sie an sich, als würde es das letzte Mal sein oder als würde er ohne sie sterben.

„… und welches unsere Nachfahren noch beschützen werden…“, beendete sie leise.

Aha, dachte der Bengel im Hintergrund. Die beiden redeten vom Triforce, beschützten es anscheinend sogar. Und was war mit dem Moblanusvolk? War dies eine Sippe, die mit den heutigen Moblins verwandt war?

„Ich fürchte um jene Macht, Rinku“, meinte sie ruhesuchend und roch das Schlachtfeld auf seiner bloßen Haut. „Die Herren über das Moblanusvolk werden versuchen sich seiner zu bemächtigen. Sagt, habt Ihr mit den sechs Erwählten gesprochen?“

„Was macht Euch nur so sicher, dass jene Todgeweihten überhaupt von der goldenen Macht wissen?“ Sie verengte ihre Augen zu Schlitzen, tippte ihn an seine verletzte Schulter und ließ einen warnenden Hauch Macht hindurch gleiten. Er schnappte nach Luft angesichts eines kribbelnden Gefühls, welches durch seinen Schulterknochen rauschte. Streitsüchtig schaute er sie an.

„Sicherlich ahnen sie davon. Und ihr wisst doch, dass ich Gegenfragen nicht erdulden kann, Liebster…“

Er grinste und fuhr verträumt durch ihr seidenes tizianblondes Haar. „Unter anderen Umständen hättet Ihr Euch nach Gegenfragen aus meinem Munde gesehnt…“, murmelte er süffisant.

Ihr gleichmäßiger, ruhiger Gesichtsausdruck wandelte sich in Schock und Scham. Sie wusste genau, auf welche Intimitäten er anspielte. Sie wich zurück, aber ihr Anvertrauter packte sie sogleich unter der Hüfte und hob sie in die Höhe.

„Sprachlos, Zeruda?“

„Nur für einen Augenblick…“, flüsterte sie, schon beinah ängstlich.

Indes fielen dem jungen Spund, versteckt auf dem Bett, beinah die Augen zu. Das war so langweilig bisher. Konnte nicht endlich was Aufregendes geschehen? Da war ja ein Selbstgespräch interessanter, dachte er.

„Aber es stimmt. Ich habe mit den sechs Weisen gesprochen. Die Sechs, die Ihr erwählt habt, werden das Schwert unter Eurer Führung schmieden…  habt Ihr einen Namen dafür?“, sagte der Vorfahre Links.

Sie fuhr mit den Fingerspitzen über seine trockenen Lippen.

„Es wird dazu geschaffen werden, die baldige Krone Hyrules zu beschützen, die wiederum Hüter des Triforce sein wird. Ja, es soll einen außergewöhnlichen Namen tragen. Es soll, wann immer man es irgendwo hört, dem Bösen Ehrfurcht bieten. Und es soll nur einen Meister haben… Einen Herren auf immer und ewig…“ Fasziniert lauschte er ihren Worten.

„Noch in tausend Jahren, so flüsterten die Götter, wird es nur einer Seele dienen. Berührt auch nur ein anderer jene Klinge, so soll er vergehen, so soll sein Körper an jener sündenvollen Berührung zerbrechen…“

Der junge Mann trug sie zu dem Kamin, wo noch immer das kräftige Hylanor duftete. Er drückte sie nieder und rollte sich über sie, um sie zu mustern. Ihre sonst so klaren blauen Augen waren fast weißlich gefärbt, wirkten blind für die Gegenwart, wenn sie ihre Weissagungen von mächtigen Mündern empfing.

„Kann eine Berührung so sündenvoll sein, dass man daran zerbricht?“, flüsterte er leise und küsste sie schließlich intensiv.

Klein-Link zwinkerte und fand dieses Schauspiel allmählich doch ganz interessant. Er wusste nicht warum, aber er wollte schon wissen, wie es weiterging. Nur, um auch wirklich alles zu sehen, rückte er bis zu der Bettkante und beobachtete die beiden weiterhin.

„An jenem Schwert wird eine hungrige Seele zerbrechen, wenn sie seiner nicht gewachsen ist. Denn es hat nur einen Master. Nennt es, das Masterschwert, Rinku“, sprach sie und plötzlich leuchteten ihre Augen wieder blau.

„Das Masterschwert…“

„Ja, es soll Euer sein. Auf ewig…“ Seine Augen träumten in ihren, erinnerten Wünsche, die in der Zukunft an den Gesetzen Hyrules scheitern würden. Verblassende Trauer. Eine Zur Schaustellung dieses Teufelsspiels, in dem sie beide gefangen waren…

„Ich will nicht dieses Schwert oder jenes Schicksal auf ewig… Ihr seid es, was ich auf ewig begehren will…“, sprach er klar. Sein Blick reichte ihr, um die Tiefe seiner Worte zu begreifen. Gebundenheit auf Ewig. Schicksalhafte Zusammenkünfte in jedem weiteren Leben. Es war zu einfach als länger darüber zu sinnen. Sie wünschte es sich auch. Und wie als besiegelte sie jene Aufforderung eines Zauberspruchs oder Fluches, so stimmte sie ein: „So soll es sein… auf ewig…“

Sie küssten einander erneut, umarmten sich innig und blickten mit trübsinnigen Gemütern hinein in die Flammen eines der ältesten Elemente der Welt.

„Zeruda?“, murmelte er leise und legte einen nackten Arm um ihre Schultern. Mit seiner freien Hand nahm er ihre Rechte in seine Hände.

„Mmh?“, summte sie, richtete sich auf und rührte mit einer Hand die Suppe in dem Kessel.

„Würdet Ihr mir etwas versprechen?“ Sanft erwiderte sie ein stilles Lächeln. Er bewegte sich näher und umarmte sie von hinten. Seine Hände wanderten von ihren Armen hinab zu ihrem gertenschlanken Bauch.

„Wenn das Heer Hyrules mit hellen Klingen in den Frieden reitet, werdet Ihr bei mir sein?“ Sie wartete auf mehr als jenen Satz von seiner Seite. „Wenn der blutüberströmte Himmel aufbricht, werdet Ihr…“ Er umarmte sie fester. „… werdet Ihr mit mir gemeinsam das Wappen Hyrules in die Höhe strecken? Werdet Ihr…“ Diesmal machte er eine noch längere Pause und Klein-Link hatte das Gefühl vor Spannung gleich zu explodieren.

„Werdet meine Begleitung in den alten Tempeln, die erschaffen wurden um zwei Seelen aneinander zu binden. Seid mein zweites Ich… Seid Mein…“

Sie drehte sich langsam zu ihm, sodass ihre spitzen, langen Nasen fast schon zusammenstießen. „Teilt den Frieden mit mir… die Zukunft… das Haus… das Leben…“ Sie lächelte sanft und drückte ihre warmen Lippen an seine.

„Wagt Ihr tatsächlich mich um das Band zu bitten, das uns für immer aneinander schmiegen wird?“ Er schäkerte.

„Ich wage nicht nur… Ich liebe und verehre Euch, Zeruda.“ Sie schlang die Arme um seinen Hals.

„Es scheint, als hätte ich keine Wahl“, lachte sie. Es war himmlisch, wie das Gelächter eines Engels, der am Himmel tänzelte.

„Dann geht Ihr mit mir das alte Bündnis ein?“ Sie grinste ihn herausfordernd an und verzog ihren blutroten Mund zu einer demonstrativen Grübelei, obwohl doch ihre Antwort schon feststand. 

„Wenn Ihr noch einmal einen Alleingang in des Feindes Herz wagt, dann überdenke ich meine Antwort, die doch zu Euren Gunsten ausfallen könnte.“

„Ist das ein ,Ja‘?“

„Ein ,Ja‘ auf ewig…“

„Auf ewig?“

„Auf ewig…“

Schön, dachte Klein-Link. Diese beiden Turteltauben haben sich also gerade das altertümlichste Versprechen überhaupt gegeben. Aber das konnte doch nicht der Grund sein, dass Farore ihn hierher geschickt hatte! Oder doch?

Während das Götterkind über diesem Gedanken brütete und keine Lösung fand, fielen die beiden Frühzeithylianer schon halb übereinander her. Anscheinend stießen sie auf diese Weise auf ihre gerade begangene Verlobung an.

„Ich wollte Euch noch etwas fragen, Liebster?“ Er summte ein ,Ja‘ und hielt sie innig fest in den Armen.

„Das Triforce. Wo ist zurzeit sein Aufenthaltsort?“ Rinku blickte auf und sah die alte Furcht in ihren Augen.

„In der antiken Gruft vor den nördlichen Gräbern… dort, wo niemand von böser Gesinnung überleben kann.“ Sie lächelte.

„Das ist sehr beruhigend für mich…“, sprach sie. „… beruhigend im Hier und Jetzt. Denn es wird irgendwann die Zeit kommen, da es gefunden wird. Irgendwann kommt der Tag, an dem es in falsche Hände fällt.“

„Sagt dies nicht, Liebste…“ Ihr Lächeln wurde trauriger.

„Aber es ist die Zukunft, Rinku. Unsere Zukunft, nicht die der Gestalten, die wir nun sind. Es werden unsere Seelen sein, die den entscheidenden Kampf führen müssen. Den Kampf, wo alles endet, wo das Triforce sein Ende findet…“ Er richtete sich langsam auf und zog sie tröstend in seine Arme. Es gehörte nicht viel Verstand für das Wesen der Liebe dazu, um zu begreifen, wie ehrlich und aufrichtig seine Gefühle waren...

Seine Lippen streichelten die blonden Haare, die ihre Stirn bedeckten. Sie würden jene Berührung den süßesten Tod nennen, könnte man an ihr verenden.

„Aber sprecht, Zeruda, ist das Triforce nicht unsterblich. Ist es nicht unzerstörbar als wäre es aus dem härtesten Stein überhaupt gemeißelt?“

„Auch das Triforce besitzt eine Seele, so wie wir… zerbricht diese Seele, zerbricht auch es… es erfüllt die begehrenswertesten Wünsche mit seinem eigenen Herz, aber irgendwo ist es menschlich… irgendwo ist es sterblich.“

Wenn sie sprach, so umhüllte ihre Worte immer so ein leiser Zauber, der ihr Gesagtes, so düster und vernichtend es auch war, mit Licht umgarnte.

Rinku wusste, sie hat nie umsonst gesehen. Kein Traum ward vergessen. Kein Leben zu viel...

„Verratet mir den Weg... und nur wir beide sollen wissen, was der letzte Ausweg erzählt. Sagt es mir, Zeruda...“ Der junge Mann drückte sie an sich und streifte langsam ihre graue Kutte von den Schultern.

„Wie kann man es vernichten? Kann ich Euch besänftigen mir das Geheimnis zu verkünden?“ Sein Lächeln war lustbetont.

„Es bedarf einiger Kunst um mich zu besänftigen...“ Seine Linke packte sie forsch am Genick und drückte ihren Kopf langsam nach hinten. Heißhungriger als vorher wanderten seine Lippen über ihren weißen Hals. Als sie seine Zähne spüren konnte, riss sie die Augen auf und schickte ungewollt einen Strahl heller Energie durch das Zimmer.

„Rinku...“, atmete sie hastig und sackte nach hinten nieder.

„Vertraut mir einfach, Hoheit...“, murmelte er und verwöhnte sie, nahm sich Zeit, wie jede Nacht zuvor.

„Wenn ich es nicht täte, dürftet Ihr vieles nicht… und hättet Ihr vieles nie tun dürfen...“

„Vor allem dies nicht?“, scherzte er und lief mit seinen Fingerspitzen von ihrer vollen Brust abwärts, über ihren Bauch zum Nabel. Seine Hand erreichte die Innenseite ihres Schenkels und dann den Saum ihres Nachtgewandes. Zärtlich schob er den einfachen cremefarbenen Stoff nach oben.

Klein-Link rieb sich währenddessen die Hände. Vielleicht war es doch nicht so langweilig hier zu sein. Er musste zugeben, dass es inzwischen sehr interessant wurde. Der Bengel lachte herzallerliebst, aufgedreht angesichts einer Spannung in seinem Kopf, die er noch nie erlebt hatte.

„Dann vertraut mir auch jetzt... und teilt das Geheimnis mit mir...“

Sie öffnete ihre Augen und blickte ihn verträumt an.

„Was zahlt ihr als Pfand für das Geheimnis?“

„Meine Seele auf ewig, Milady...“, hauchte er.

„Das ist Pfand genug.“ Sie drückte ihren Liebsten an sich und fuhr über die vielen Narben seines Rückrates. Für wenige Sekunden konnte sie fühlen und sehen, wie er jene Wunden erhielt, die im Jetzt scheußliche Narben waren. Sie fühlte Schmerz, Hitze, hörte seine Schreie, die auf dem Schlachtfeld untergingen.

„Rinku, ich wüsste keinen besseren Mann an meiner Seite“, sprach sie.

„Und ich wüsste keine bessere in Magie talentierte Adlige, die unser Volk regieren und zum Fortschritt führen sollte...“

Sie lächelte erhaben, wusste sie ohnehin um seine Rechtschaffenheit.

„So sei es, Rinku...“ Sie rollte sich mit ihm ein Stückchen über den rauen Steinboden, bis sie auf ihm lag. „Ihr werdet etwas wissen, was mit unserem Untergang niemand mehr wissen soll...“ Sie begann seine Wangen zu streicheln, wanderte über seinen kratzenden Bart zu seinem Mund. An der Oberlippe trug er ebenso eine kleine Narbe. Aber die Hylianerin fand nie, dass eine Narbe ihn schändete, vielmehr waren sie ein Beweis seines Mutes...

Als sie von ihm abließ und sich auf ihre Ellenbogen stützte, wusste Klein-Link im Hintergrund noch nicht, dass er nun etwas erfahren würde, was die Schriften in Hyrules Zukunft niemals wiedergeben würden.

Sachte führte die Vorfahrin Zeldas ihre Handflächen zueinander, lauschte einem Strom, der machtvoller war als die Magie im heutigen Hyrule, flüsterte, schenkte...

Und zwischen ihren Handinnenflächen erschien edel und erhaben das Medaillon der Mächtigen, ausgefüllt mit seinen kostbaren Edelsteinen.

Rinku blickte verwundert darauf und dann zweifelhaft in Zerudas Augen. „Was ist das, Liebste?“

„Ich nenne es das Medaillon der Mächtigen...“

Sie nahm es an einer langen, grobgliedrigen Goldkette und ließ es in der Luft vor Rinkus Gesicht pendeln. „Es ist der letzte Ausweg... dann, wenn alle anderen Wege steinig werden.“ Der Mann, der bereits schon ein Held war, tippte das Relikt sorgsam an und beobachtete den Schicksalsbaum in der Mitte der Uhr.

„Dieser Baum... gerade gewachsen mit seinem prächtigen Laubkleid... ich kenne ihn.“ Die Adlige in seinen Armen lächelte. „Er stand einst im verschlossenen Garten des alten Königsschlosses... und nun ist er hier verschlossen... in einer unerreichbaren Dimension“, sprach sie ernst.

„Wer hat dieses Relikt erschaffen?“, entgegnete er und lief mit den Augen die Zeiger der Uhren entlang. Daraufhin bildete sich in ihren Augen ein Glitzern der Gewissheit. Der Zauber ihrer blauen Augen schenkte ihm die Antwort.

„So langsam werdet Ihr mir unheimlich mit Euren gefährlichen Fähigkeiten.“

Sie grinste. „Es war kein einfacher Zauber... es kostete mich neben Zeit und Kraft, auch Überwindung...“ Aber Rinkus Gesichtsausdruck verriet neben Bewunderung zusätzlich Kummer und Angst um ihr Wohl.

„Ihr sprecht davon, dass ich mich nicht alleine in das Gebiet des Feindes begeben soll, aber mit Euren magischen Ritualen für Hyrule schädigt ihr neben Eurem Körper auch noch die Seele.“ Missbilligend schärfte er seine Worte. „Ihr macht Euch Sorgen um mich und riskiert so viel ohne Euch womöglich zu fragen, wie viele Sorgen ich mir um Euch mache. Sagt, findet Ihr es übertrieben, dass ich Euch bitten muss, mit jenen gefährlichen Ritualen aufzuhören.“

Sie zwinkerte und schien einige lange Sekunden über seine Worte nachzusinnen.

„Zeruda?“, murmelte er und begann ihre Hände zu küssen.

„Verzeiht... es scheint, als opfern wir beide mehr als wir geben sollten für Hyrule...“ Er schloss die Augen und bejahte zögerlich.

„Nun sagt mir, welche Möglichkeiten eröffnen sich uns mit diesem Medaillon.“

Sie schloss die Augen und eine einzelne Träne bahnte sich den Weg ihrer Wange hinab. „Es wird uns dienen, das Triforce zu vernichten, wenn die Zeiten so düster sind, dass der damit letzte Weg beschritten werden muss. Ein Mensch mit guter Gesinnung sollte in das Medaillon hinein hören, sollte sich ihm öffnen... und die drei Eigenschaften der magischen Steine verbünden sich zu großartiger Kraft. Der Träger soll reisen durch Zeit und Raum, soll seine Vorfahren für den einen Kampf rufen können, soll lesen in tiefen Gedanken und Dinge bewegen können. Ferner spendet es Leben, dreht Lebenszeit zurück und verkürzt sie... allein das Blut soll des Medaillons Antrieb sein. Ich möchte, dass Ihr es an Euch nehmt.“

Klein-Link riss sofort seine Augen auf und stolperte wenige Schritte hinüber. Das Medaillon! Es war der Schlüssel. Es war alles, was die Welt retten konnte, indem man das Triforce mit ihm vernichtete. Denn vernichtete man das Triforce, verlor Ganondorf seine Kraft. Und diese ganzen grandiosen Fähigkeiten musste sich der Knirps ebenso gut merken. Und viel wichtiger, fiel ihm ein, er musste dem erwachsenen Link auf der Erdenwelt umgehend diese vielen magischen Nützlichkeiten mitteilen. Das war es also, was Farore ihn erfahren lassen wollte. Doch wie aktivierte man es?

Noch ließ Farore ihn hier wandeln. Sollte er noch etwas erfahren?

„Aber wenn wir das Triforce vernichten, bezahlen wir den teuersten Preis überhaupt...“, sagte sie leise, schloss die Augen demutsvoll und suchte Halt an ihrem Heroen. Eine weitere, diesmal blaue Träne floss von ihrem linken Augenwinkel.

„Ich weiß, Zeruda...“, sprach er gebeugt. Seine Stimme nur ein Nachklang der Schrecklichkeit, die sie eines Tages ertragen lernen mussten. „Aber ist der Frieden es nicht wert, dass auch wir uns nicht mehr finden?“ Er sprach die Worte zittrig und leise, wusste er doch, dass an dem Triforce auch ihr Band gestrickt ward.

Sie antwortete nicht darauf, zumindest nicht mit Worten... Sie küsste ihn mit Hingabe, sagte ihm unbewusst, was sie diese Nacht von ihm verlangte.

Sie erhoben sich und tapsten Hand in Hand zu dem Bett, ließen sich darauf nieder, streichelten einander in wonnevoller Eintracht...

„Das Medaillon… in einem anderen Leben werde ich es Euch wiederbringen“, versprach er, nachdem er die dicke Federdecke über sie beide zog. So wie jede Nacht erschufen sie hier ein kleines Fleckchen Erde, abgeschottet von der Wirklichkeit. Warm und Heilig...

„Auf ewig...“, sagte sie leise in dem Begehr zweier Liebender.

„Auf ewig...“, erwiderte er, küsste sie und besiegelte auch diese Nacht kostbares Eins sein zweier Liebender. 

Gespannt lauschte Klein- Link den Worten der beiden Herrschaften und wurde schon beinah tomatenrot im Gesicht, als er verstand, was unter der Decke zwischen Rinku und Zeruda passierte. Gerade in dem Augenblick trug ihn Farores Magie mit sanften Schwingen zurück in einen anderen Teil der Wirklichkeit. Hinein in das Haus der Götter. In die Bibliothek und in den Kreis, wo ein Film sich durch Hyrules Geschichte zog.

 

„Mist!“, schnaubte er laut. „Gerade jetzt, wo es spannend wird! Hättet Ihr mich nicht ne halbe Stunde später zurückbringen können!“ Der Bengel schimpfte schon beinah und blickte streitsuchend und trotzig in Farores forschen Blick. Menschlich wirkend verschränkte sie die Arme und verzog die giftgrünen Augenbrauen. „Mehr hast du, Kind, nicht dazu zu sagen?“

Er schnaufte und zuckte dann mit den Schultern. „Natürlich nicht…“, murmelte er. 

Die Göttin lachte, hob ihre Hand und auf der Wand, wo die Bilder mehr erzählten als Worte es konnten, zerfiel das Triforce zu Staub und übrig blieb ein Medaillon, welches in seinem Inneren von nun an leer sein würde und keine Uhr mehr das Ticken des Lebens verkündete.

„Der letzte Weg, der noch zu beschreiten ist, liegt in der Vernichtung des Triforce. Vernichten wir es, so ist das gesamte Weltenreich von seiner Verderben bringenden Macht geheilt. Aber vernichten wir es, vernichten wir auch alle Seelen, die jemals mit ihm in Verbindung standen. Jeden Hylianer, der einst über das saftige Steppengras wandelte. Jede Fee, die in den duftenden Urwäldern Hyrules umher flog und jeden Kokiri, der von den Feen beschützt wurde. Jeden Goronen, der von seinen schmackhaften Steinen speiste und jeden Zora, der in seinem Element des Wassers tanzte. Die Seelen aller Wesen könnten nicht mehr sein. Und zum Schluss würden auch die Götter sterben, die ihre Macht in das Triforce gelegt haben.“ Klein-Links Augen standen starr.

„Aber das geht doch nicht, das kann man doch nicht tun. Das ist doch…“

„Es ist der letzte Weg… und wir, die über allem standen, wussten, dass  ein Vernichten des Triforce ohne Zweifel in naher Zukunft geschehen würde. Denn ist das Triforce vernichtet, gibt es keinen mehr, der es für seine Zwecke benutzen könnte. Sehen wir in die Zukunft, sehen wir Nacht und Böses. Der Held kann den Teufel nicht immer stürzen. Eines Tages wird er fallen. Eines Tages wird er fehlschlagen und dann würde sich Ganondorf jeder Welt bereichern, jede Welt zerstören, die er sich aussucht. Es ist Zeit, Kind. Zeit…“

„Zeit?“, wiederholte der junge Link.

Farore nickte.

„Zeit um zu gehen. Zeit für keine Erinnerungen. Zeit für nichts und niemanden.“

„Aber das ist doch grausam!“, schimpfte Klein-Link.

„Dann gibt es keinen Link und keine Zelda mehr!“ Seine kindlichen Gesichtszüge wurden trauriger und er weinte. Er weinte vielleicht das erste Mal, seit dem er erschaffen wurde. Erst jetzt verstand er, was mit dem letzten Ausweg gemeint war.

„Und keine Zukunft für ein Hyrule mit Triforce“, ergänzte die in grünen Gewändern gekleidete Göttin. 

Eine Idee stieg dem Zwerg zu Kopf und er brüllte heftig: „Aber ein Hyrule ohne Triforce, ohne die goldene Macht, hätte vielleicht eine Zukunft.“

„Vielleicht“, antwortete Farore. Und das war es, was dem Bengel ausreichte. 

„Und das Triforce vernichten wir mit dem Medaillon?“

„Gewiss, es gibt diesen einen Weg das Triforce zu vernichten. Der Weg liegt im Medaillon derjenigen, die die Macht haben…“

„Gut, aber was ist mit euch…“, sagte Klein-Link dann und ballte seine Fäuste. „Wenn ihr schon wisst, dass das Triforce ein Ende haben wird, warum kämpft ihr dann nicht?“

Farore erwiderte nichts darauf, aber in ihren giftgrünen Augen stand eine nahezu menschliche Fassungslosigkeit über die Worte des Götterkindes.

„Warum soll immer nur Link kämpfen? Warum kämpft ihr nicht?“

Die stolze Frau ihm gegenüber blinzelte.

„Dieser Kampf ist doch genauso euer Kampf…“ Und Klein-Link wurde traurig. „Warum soll Link alleine kämpfen…“ Er wimmerte ein wenig.

Sie kniete nieder und packte ihn sehr forsch an seinen Oberarmen.

„Als Göttin steht es mir nicht zu, in das Weltgeschehen einzugreifen, aber sei dir bewusst: Er wird Unterstützung haben. Vertrau‘ den Göttern Hyrules, Götterkind.“ Er schniefte.

„Hab‘ Vertrauen in Hyrule und dem, was vorher geschah…“

Damit endete sie und sah in ihren Gedanken nach den zwei Auserwählten, die in der Kirche Schicksalshort kämpfen würden.

 
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