Kapitel 93
 

Kapitel 93: Die ultimative Waffe Hyrules…

 

 

 

 

Im alten Hyrule ruhten die Zeiger der Uhren alle auf denselben Ziffern. Und obwohl das magische Land, erwachsen aus den guten Absichten der drei Götter Din, Nayru und Farore, einen ewigen Schlaf gefunden hatte, und obgleich es nicht mehr atmete, gab es noch drei Wesen, die sich hier aufhielten.

Aber die Wahrheit war eine andere. Hyrules Geschichte war eine bekannte. Und die Zeit stand still im Angesicht einer grausamen Vergangenheit, die sich auch heute noch selbst jagte…

 

Irgendwo im prächtigen, majestätischen Schloss der Königsfamilie hörte man aufgeregte Schritte, obwohl die Zeit nicht mehr tickte. Überall standen die Wesen still. Der reichlich geschmückte Tanzsaal des Friedensfestes eines letzten Tages in Hyrule war noch prallgefüllt mit adligen Hylianern. Auf dem Balkon stand ein junger Heroe, grau in grau, seine Hand nach Zelda ausstreckend, die sich gerade mit magischen Winden teleportierte. Und auch in der mit Blut besudelten Zitadelle der Zeit, wo Soldaten viehisch von einem alten Dämon abgeschlachtet wurden, konnte das Blut nicht fließen. Die Zeit war gefroren… nur die drei Geschöpfe, die durch ein Missgeschick hierher geschleudert wurden, atmeten und bewegten sich.

 

Angstverzerrt riss die junge Prinzessin Zelda die großen, schweren Türen zu ihren Gemächern auf. Ihr Gesicht war schweißdurchtränkt und in ihren Augen stand Besorgnis, große Besorgnis…

„Schnell!“, rief sie und drehte sich zu dem jungen Bengel um, der mühevoll die nassen Füße eines bewusstlosen Link festhielt. Rasch griff Zelda unter Links Arme. Gemeinsam schleppten sie den Heroen in den gemütlichen Stubenraum.

„Verriegle du die Türen, Kleiner Mann… ich bringe Link ins Schlafzimmer…“ Der Bengel nickte kurz und erledigte seine Aufgabe. Zeldas schleifte den ohnmächtigen, verletzten Link mit aller Kraft, die sie noch hatte, durch die kleine Zwischentür hinein in ihr Schlafgemach und zog ihn dann mit ein wenig magischen Energieaufwand in das Bett.

Trübsinnig und voller Sorge setzte sie sich zu ihm auf das knarrende Himmelbett und legte eine kühle, aber zärtliche Hand auf seine glühende Stirn.

 

Vor wenigen Minuten, so schätzte sie, denn hier stand die Zeit außer der Lebensuhr von ihnen dreien still, hatte es angefangen. Sie waren zu dritt in dem alten Thronsaal ihres Vaters aufgewacht, und anscheinend hierher teleportiert worden. Sie hatten ein wenig gegrübelt und waren zu der Überzeugung gekommen, dass das schwarze Bild für Ganondorf nur diese eine Bewandtnis haben musste. Das Gemälde schien nur eine Pforte für ihn zu sein. Eine Möglichkeit nach Hyrule zu gelangen, wann immer es ihm beliebte. Doch nun, wo die sieben Weisen das alte Land nicht mehr am Leben hielten, war sozusagen, die Zeit einfach stehengeblieben… und obwohl in Hyrule eigentlich keine Seele mehr existieren sollte, so hatte das Bild sie drei, vielleicht verursacht durch eine Verschiebung im Zeitgefüge, direkt zu den letzten Stunden gebracht.

Bereits zu jenem Moment war Zelda Links schlechte körperliche Verfassung aufgefallen. Er konnte ihrem und Klein-Links Schritttempo kaum mithalten, hechelte unentwegt und hatte beunruhigende Schweißausbrüche, die er selbst jedoch ignorierte. Er meinte, es ginge wieder vorbei. Aber so einfach war es nicht…

 

Sie entschieden sich dann in Zeldas magischen Büchern nachzuschlagen, ob es eine Möglichkeit für eine schnelle Rückkehr auf die Erde gab. Und machten sich zu dritt auf den Weg in die Gemächer der Prinzessin um sich dort außerdem zu verbarrikadieren.

Sie waren kaum die Treppenstufen hinauf gelangt, sackte Link nieder. Und es war da, dass er endlich zugab, dass es ihm mehr als miserabel ging. Seine Schnittwunden und Prellungen waren nicht das Schlimme. Auch das Holzstück im Bein war auszuhalten. Es war ein unerträglicher Schmerz in der Brust und ein ständiges Japsen nach Luft, das ihm die Sinne rauben wollte. Sein mitgenommenes Herz benötigte Ruhe. Dringende Ruhe…

Und kaum hatte er Zelda mitgeteilt, dass es ihm nicht gut ging, begann er zu zittern, sich zu übergeben und wurde bewusstlos. Zelda hatte schnell gehandelt und den Heroen mit dem Götterkind hierher gebracht, wo sie sich mit allen Mitteln, die sie besaß, um seine Wunden kümmern würde. Sie hatte gebangt, und bangte noch um sein Leben. Angst und Ratlosigkeit überschwemmten sie. Sie kniff die himmelblauen Augen zu, als ein erschreckender Gedanke aufkam.

War sein Herz nicht vollständig geheilt worden?

 

In dem Augenblick blinzelte der Heroe und streckte eine Hand nach Zeldas zu ihm gewandter, rechter Wange aus. Er war im Fieber, wusste vielleicht nicht einmal, was er tat.

„Zelda…“, sprach er heiser. Tröstend nahm sie seine zitternde Linke in ihre beiden kühlen Hände. Eine Träne tropfte darauf nieder. „Nicht… weinen… alles kommt in Ordnung, versprochen…“

Sie strich ihm seine blonden, nassen Haarsträhnen aus dem Gesicht und hauchte einen wärmenden Kuss auf seine Stirn.

„Ich brauche nur Schlaf…“, atmete er und ließ eine Träne von dem rechten Auge fallen, geboren aus dem Schmerz, der an verschiedenen Orten seines Körpers wühlte.

„Den hast du… Ruhe, Liebster…“, erwiderte sie. Es war das erste Mal, dass sie ihre Stimme in dieser sanften Weise erhob, seitdem er von den Heiligen Booten zurückgekehrt war. Und ihre angenehme Stimme tat gut, lullte ihn in den Schlaf. „Ich liebe dich, Link…“, sagte sie leise. Er seufzte noch einmal und schlief dann so tief und fest wie noch nie in seinem Leben…

 

Prinzessin Zelda hauchte ihre Lippen noch einmal auf Links Stirn, und dann auf seinen trockenen Mund. Das Götterkind stand inzwischen daneben und räusperte sich.

„Ähm… ich habe die Türen verriegelt. Und die Fenster sind zugezogen und dicht gemacht. Von außen kann niemand sehen, ob die Kerzen brennen. Wie… wie geht es ihm?“, fragte der Junge unsicher. Dann gähnte er.

„Nicht so gut…“, sprach die Prinzessin und legte ihr rechtes Ohr auf seine Brust. Das mutige Herz in seiner Brust schlug trotzallem sehr regelmäßig und es hörte sich gesund an. Dennoch, woher rührten Links Schmerzen? Waren sie nur ein Zeichen von etwas, was er hinter sich hatte? Vielleicht gab es in seiner Brust keine wirkliche Ursache für das Druckgefühl und die Pein…

Zelda konnte nur hoffen. Sie atmete eine Spur erleichtert auf. Dann fühlte sie seinen Puls, auch jener war so normal, wie der Puls eines Menschen nur sein konnte.

 

„Was ist?“, meinte Klein-Link und rieb sich den Schlafsand aus den Augen. Er wusste nicht warum, aber er war hundemüde. Vielleicht lag es daran, dass Link ebenso hundemüde war. Immerhin war das Götterkind sowohl von Zelda, als auch von Link abhängig… 

Zelda seufzte und drückte ihre Lippen erneut auf die Stirn ihres Heroen. Dann entkrampfte sich ihr Gesicht und eine milde Form der Beruhigung trat darauf.

„Es ist in Ordnung, kleiner Mann… Links Herz scheint gesund zu sein…“ Es stimmte vielleicht nicht, aber wozu sollte sie das Götterkind beunruhigen? Lügen hatten auch ihren Sinn…

 Sie streichelte Links Wangen noch einmal und erhob sich dann.

„Aber ich möchte mich gerne um seine anderen Wunden kümmern. Würdest du währenddessen im Nebenraum ein wenig schlafen?“ Zelda kniete zu ihm nieder, besah sich die rosa Wangen des Jungen und dann seine himmelblauen, gütigen Augen. Sie lächelte und umarmte den Knirps.

 

„Ich hab‘ dich lieb…“, sprach sie leise. Etwas, was der Junge nie erwartet hätte. Er legte seine Kinderhände zögerlich auf die leicht zerrissene Bluse der Prinzessin und spielte dann mit ihren langen, honigblonden Haaren. Er schniefte ein wenig. Noch nie hatte jemand ihm so deutlich gesagt, dass er liebenswert war. Dann nahm Zelda ihn an seiner linken Hand, wohlwissend dass er Linkshänder war.

„Komm‘ mit mir“, sprach die Prinzessin und führte ihn in einen kleinen Nebenraum, wo ein altes Bücherregal, ein bequemes Sofa und eine Truhe mit Schätzen der Prinzessin aufbewahrt wurden. Es war ein unauffälliger Bereich, der nicht einmal ein Fenster besaß und nur eine schmale, kleine Tür führte dorthin.

Zelda lenkte das Götterkind zu dem Sofa, und setzte sich nachdenklich mit jenem auf die knarrende Sitzgelegenheit. „Du hast Link mit dem Medaillon gerettet, nicht wahr?“, sprach Zelda sanft und ahnte nun endlich, dass jenes Medaillon mit Blut arbeitete.

Der Bengel nickte aufgeregt und blickte dann in ein mehr als dankbares Lächeln seiner ,Fast-Mutter‘.

„Du hast keine Ahnung, was du da für mich getan hast…“, sprach sie, bevor ihre Stimme stockte. Sie weinte wieder und umarmte Klein-Link lohnend. Nichts konnte jene Dankbarkeit aufwiegen, die Zelda im Augenblick fühlte. „Ich danke dir so sehr…“, flüsterte sie mit einer zitternden Mädchenstimme. Noch nie hatte er die stolze Stimme der Schicksalsprinzessin so leiden gehört.

„Ich möchte, dass du weißt, dass ich immer ein Ohr für dich haben werde, Klein-Link…“

„Versprochen?“

Zelda lächelte. „Versprochen…“ Dann zog sie ihm die Stiefel aus und deckte ihn mit einer Federdecke zu. „Du bist sicher in diesem Kämmerchen, schlaf‘, ja?“ Sicher und behütet, falls irgendjemand nach uns sucht, oder uns bis hierher verfolgen wird, dachte Zelda dann still. Und es würde nicht lange dauern, ehe sich Ganondorfs Kinder auf die Suche nach ihnen machen würde.

 

Er nickte, lächelte und drückte einen schmatzenden Kuss auf Zeldas linke Wange.

„Kannst du noch eine Kerze anzünden?“, fragte er, bevor die Königstochter den Raum verließ.

„Gerne…“, sprach sie, nutzte Handzauberei für jenes kleine Licht. Es war nicht viel, aber das Licht erhellte und erwärmte den Raum, wo doch das gesamte andere Hyrule stillstand. 

„Schlaf gut, Kleiner Mann…“

„Danke, Mama…“, murmelte er und zog dann die Decke über den Kopf.

 

Leise trat die junge Prinzesin aus dem spärlich erleuchteten Gemach, hinein in ihr großräumiges Schlafzimmer, wo man Links tiefe Atmung hören konnte. Sie hatte ihre Augen halb geöffnet und ein ungewöhnliches Lächeln auf dem Gesicht…

Eine Mischung aus Trauer und Freude suchte sie heim und sie würde gegen dieses Gefühl nicht ankämpfen…

Sie lehnte sich an die Tür, als sie jene schloss, träumte von gestern, träumte von Hyrule und träumte zum ersten Mal von einem glücklichen Leben in einer Zukunft, die Hyrule nie haben würde…

Da war etwas Neues in ihr. Wissen. Bestimmtheit und Zuversicht.

 

Hoffnung… ja, Hoffnung…

Sie lebte auch hier in diesem Hyrule. In diesem Schloss. In diesem Schlafgemach…

Zusammen mit Link, mit dem Götterkind und ihr…

Doch wie diese Hoffnung am Schopfe packen? Wie konnte sie diese Geschehnisse alle zum Guten wenden? Hyrule für immer aufgeben, um ein glückliches Leben auf der Erde zu genießen?

Sie grübelte lange, ohne ein Antwort zu finden…

Wer wusste schon, was das Schicksal noch plante…

 

Sie atmete tief ein und tapste dann zurück zu ihrem Heroen, der fest schlafend dennoch ihren Namen säuselte. „Link…“, sagte sie leise und öffnete die feuchten weißen Schnüre an seinem Kragen.

„Entschuldige…“ Ein trügerisches Grinsen kam auf Zeldas Gesicht zum Vorschein.

„Aber ich muss dich leider schon wieder gegen deinen Willen ausziehen…“ Sie stoppte kurz und näherte sich mit ihren Lippen seinem rechten, erneut spitzen Ohr. „Dabei…“, flüsterte sie verführerisch. „… hätte ich das gerne mit deinem Einverständnis und deinem vollen Bewusstsein getan…“ Link seufzte kurz, aber schien ihre Worte in den Träumen nicht einbauen zu können. 

„Und unter anderen Umständen…“, setzte sie hinzu und krabbelte vorsichtig zu ihrem Heroen auf das knarrende Bett. Sie fürchtete sich sogar ein wenig vor den vielen Schürfungen, Blutergüssen, Schnitten und Quetschungen, die er unter seiner Kleidung verheimlichte. Sie fürchtete, seine Wunden nicht gut genug versorgen zu können. Und sie hatte ein wenig Angst, ihn mit der Wundreinigung in größere Schmerzen zu schicken, als er bisher durch litt.

Dennoch… sie musste ihn von den nassen, kalten Kleidern befreien, ob sie nun wollte oder nicht…

 

Link schlief inzwischen sehr unruhig, wälzte sich ein wenig in dem Bett umher und schlug seinen Kopf ab und an zu einer Seite. Seine Atmung war erneut hetzend und besorgte die Prinzessin, die ihm sachte zunächst die Tunika vom Leib zog. Sie löste die Gürtelschnalle und zog ihm das grüne, durchnässte Gewand mit einigen Schwierigkeiten über den Kopf.

Darunter kam das teilweise zerfetzte Kettenhemd zum Vorschein. Vor allem an der Brust waren die feinen Eisenringe gerissen und gaben Einblick zu dem durchgeschwitzten, leicht verdreckten Hemd, welches an vielen Stellen rosa gefärbt war…

Auch das silbrige Kettenhemd zog Zelda ihrem Liebsten vorsichtig über den Kopf, bemerkte aber nicht, dass Link durch diese Bewegung aufgeweckt wurde. Mit blinzelnden Blicken beobachtete er das Märchengeschöpf neben ihm und packte ihre Hände, als sie mit einem Messer das Hemd durchschneiden wollte.

Sie entließ einen Überraschungslaut und ließ das Messer sinken.

 

„Zelda…“ Er lächelte leicht, auf eine Weise als würde er sie nur für einen Trugschein halten. Ihm war deutlich anzusehen, dass er Fieber hatte. Sie legte ihm einen Zeigefinger auf die Lippen, wollte ihm mit dieser Geste sagen, dass er ruhen sollte, dass er schweigen sollte. Aber er schüttelte den Kopf.

„Ich wollte… dass du etwas weißt…“, sprach er langsam und hüstelte ein wenig. Sie nickte. „Was ist es?“ Sie rückte näher und schlang ihre Hände um seinen Kopf, drückte ihn gegen ihre Brust.

„Wenn mir etwas zustößt…“ Er konnte den Satz nicht einmal ausreden, da bremste Zelda ihn wieder. „Link, sag‘ so etwas nicht! Du machst mich traurig…“

„Zelda bitte… hör‘ mir zu.“ Sie schüttelte wiederwillig den Schädel, aber der Heroe sprach weiter. „Ich möchte, dass du weiterlebst… dass du dein Leben genießt… dass du glücklich wirst… und ich will nicht, dass du mir folgst oder… aufgibst…“ Er schloss die Augen und lächelte so sanft wie vorher auch. „Wenn mir etwas zustößt, dann bitte verliebe dich neu irgendwann… finde etwas neues…“ Zelda atmete schwer ein und begann wieder Links Wangen zu streicheln, forderte ihn damit auf, seine tiefblauen Heldenaugen zu öffnen.

„Das ist meine Entscheidung, Link…“

„Aber ich weiß auch, dass du niemals eine Entscheidung zu deinem eigenen Wohl treffen würdest… deshalb bitte ich dich… im Fall der Fälle… lebe neu, meine Prinzessin“, argumentierte er und bewegte seine zitternden Hände zu ihrem engelsgleichen Gesicht.

„Du bist so wunderschön…“, murmelte er dann. „Du würdest immer jemanden finden, der dich liebt.“ Tränen tropften von ihren blassen Wangen. „Ich will aber nur von dir so geliebt werden wie ein Liebender es darf… ich will nur dich… was denkst du, warum ich die vielen Prinzen, die um meine Hand anhielten, immer abgewiesen habe… Doch nur für dich…“ 

Link grinste daraufhin. So hatte er die alten Tage noch nie gesehen. Er dachte immer, Zelda wollte lediglich ihre Rebellion gegen Harkenia mit dem Abweisen der Prinzen zur Schau stellen.

„Wirklich?“, murmelte er und schloss seine Augen.

„Ganz wirklich…“, erwiderte sie. Er lächelte fortwährend und kaum begann die Prinzessin einen neuen Satz war der Heroe wieder eingeschlafen. Er machte sich immer so viele Sorgen um sie. Warum konnte Link jene Entscheidung, die sie hoffte, nie treffen zu müssen, nicht einfach ihr überlassen?

 

Dann endlich entfernte sie das zerschnittene Seidenhemd und war ein wenig erschrocken. Sie hatte geahnt, dass er viele Wunden haben würde, aber dass es ihn so erwischt hatte, hätte sie nie vermutet. Sein Oberkörper war zerkratzt, gequetscht und es war der Großteil der Haut, blutunterlaufen, verwundet, der Zelda so bestürzte. Ihr kamen unweigerlich die Tränen, während sie die Wunden betrachtete. Ein tiefer Schnitt an seiner Schulter, der noch stark blutete. Quetschungen, verteilt über seinem Brustkorb. Blutergüsse bis hinab zum Bauch, wo nur die alten Narben des Gamecube-Vorfalls verschont waren. Und dort, wo sein Herz saß, erinnerte sie die scheußliche Narbe an die Ereignisse vor wenigen Minuten…

,Ich kann mir das niemals verzeihen…‘, dachte sie. Und trotzallem hatte sie das getan, was in jener Situation der letzte Ausweg schien. Ganondorf hätte niemals freiwillig Links Körper verlassen. Und wenn man Ganondorfs Körper getötet hätte, so wäre jener Dämon einfach in dem jugendlichen Körper ihres Heroen geblieben. Es hätte keine Alternative gegeben, das wusste Zelda. Warum also plagte sie die Erinnerung daran so sehr? Sie grübelte ständig darüber nach, wollte es verdrängen, wollte am liebsten dieses Ereignis aus dem Fluss des Lebens verbannen, wollte es nicht geschehen lassen sein. Sie kam einfach nicht darüber hinweg, fühlte sich schmutzig damit, sündenvoll und schuldig. Sie legte ihre rechte Hand auf Links rechte Brusthälfte und sprach leise: „Ich wünschte, ich könnte dir mein Herz geben, Link…“

Gab es keine Lösung für dieses unerträgliche Schuldgefühl in ihrem Inneren? Sie atmete tief ein und fühlte noch einmal das Herz ihres Liebsten tief und gleichmäßig schlagen. Es war beruhigend und regelmäßig. Warum also machte sie sich so viele Sorgen deswegen?

 

Ohne weitere Zeit zu verlieren, sprang sie auf und holte unter lautem Klappern einen riesigen Metallkessel aus einem der Schränke. Damit huschte sie ins Badezimmer und füllte den Kessel mit Wasser. Schnell stapelte sie das Behältnis über dem Feuer im Kamin. Mit einem Puff ihrer heiligen Magie steckte die die wenigen Holzscheitel in Brand, die noch darin lagen.

Sie musste sich ein wenig beeilen. Wer wusste schon, wie lange es dauerte, ehe irgendein Monster sie hier fand. Ab und an blickte sie hinüber zu Link, und traf ihre Vorbereitungen. Sie holte Verbandszeug, Kräutersalben, Iod, Nähzeug und Tücher.

Das Wasser in dem großen Metallkessel kochte bereits, so heiß war es. Mit zwei Topflappen in den Händen trug sie ihn hinüber zu dem Bett und stellte das Gefäß vorsichtig auf einen mit alten Lappen überzogenen Holztisch ab.

 

Dann endlich krabbelte sie wieder auf das Bett und zog ihrem Liebsten die Stiefel von den Füßen. Wie alles an Link waren auch seine Füße kalt und nass. Aber seine Füße waren wohl fast der einzige, unverwundete Bereich an seinem Körper. Auch die graue, halbzerfetzte Strumpfhose zog sie ihm von den Beinen. Zelda hatte tiefe Schnittwunden an seinen Beinen vermutet, aber wenigstens hielten diese sich in Grenzen. Dann besah sie sich das große Holzstück, welches einige Zentimeter in seinem rechten Oberschenkel stak. Es war in etwa die Mitte des Schenkels, aber es saß so raffiniert und Zelda würde beinahe sagen, glücklich, dass es mit Sicherheit die große Blutader verfehlt hatte. Sie würde es unbedingt entfernen müssen, selbst wenn sie damit eine Blutung riskierte. Sie rückte näher und blickte das Holzstück von jeder Seite an…

,Gut, entschied sie, dann mal los.‘

 

Sie begann zunächst damit ihren Heroen mit dem warmen Wasser das Gesicht abzutupfen. Man konnte ihm deutlich ansehen, wie gut es ihm tat. Er seufzte in seiner Traumwelt, als Zelda den warmen Lappen über sein verdrecktes Gesicht strich. Sie reinigte dann die Kratzer und Schnitte in seinem Gesicht, sowie jenen an der Schulter mit den Kräutermitteln. Dann entschied sie, dass Link wohl nicht um das Nähen herumkommen würde…

„Link…“, sagte sie leise. „Ich muss den Schnitt an deiner Schulter nähen… entschuldige, falls es schmerzt…“ Sie setzte den ersten Stich und kaum durchbrach die Nadelspitze seine Haut, schnellten Links Augenlider nach oben. Seine Augen waren halbgeöffnet, aber dadurch konnte die Prinzessin noch mehr von Schmerz und Übelkeit in seinen tiefblauen Augen ablesen. Er atmete geräuschvoll ein und stieß die Luft pfeifend durch seine Zähne aus. Sofort stoppte Zelda das Nähen der Wunde und legte ihre Hände auf seine Wangen. Link war so kraftlos im Moment, sie hatte ihn noch nie so erlebt. Kein Wunder, dass sie sich Sorgen machte.

„Mach‘ weiter…“, bat er und schloss die Augen, blieb aber bei Bewusstsein. Sie drückte ihre rechte Wange gegen seine linke, schenkte ihm Nähe und ein wenig Wärme.

„Ist dir sehr kalt?“, fragte sie besorgt. Link zitterte, das war kaum zu übersehen.

Er nickte ehrlich.

„Das kommt sicherlich von dem Blutverlust… ist okay…“ Und je mehr Zelda der miserable Zustand ihres Liebsten auffiel, umso näher ging es ihr. Sie fühlte die Schmerzen nun beinah selbst, auch wenn Link versuchte, sich so gut wie möglich vor ihr abzuschirmen. 

„Auch du darfst… einmal schwach sein. Mein Held. Das mussten wir beide lernen, nicht wahr?“ Er öffnete die Augen wieder, lächelte ein wenig, bemüht sich nicht so sehr anzustrengen. Wie recht Zelda doch hatte. „Hast du noch ein Elixier in deinen Taschen? Es könnte die Schmerzen lindern, auch wenn es bei… den vielen Wunden, die du hast, nicht alle heilen würde…“

„Nein…“, würgte er halb heraus und ließ seinen Kopf befreiend zurück in die weichen Kissen sinken.

„Bitte näh‘ weiter…“, keuchte er und schloss krampfhaft die Augen.

„Sicher…“, meinte sie und schenkte ihm einen innigen Kuss, auf welchen er jedoch nur zögerlich reagierte. Aus leichte Sorge, Zelda durch ihr gemeinsames magisches Band an seinem Zustand teilhaben zu lassen.

 

Schließlich nähte Zelda mit acht Stichen die langgezogene Wunde. Link war indes aus reiner Erschöpfung wieder eingeschlafen, was Zelda beruhigte. Sie ertrug es kaum, ihm bei vollem Bewusstsein die Wunden zu reinigen, sein schweres, unterdrücktes Winseln mit anzuhören oder seine Anspannung, geboren aus Schmerzerwarten, zu spüren.

 

Dann wusch sie mit dem warmen Wasser seine Brust, seinen Hals, den Bauch, die Arme und zum Schluss die Beine. Sie rieb die Quetschungen und Blutergüsse mit den magischen Salben ein, die sie einst in langem Studium der Heilkräuter Hyrules angefertigt hatte und war erstaunt, wie gut jene bei Link wirkten. Einige Blutergüsse wurden schwächer, mancher Kratzer schloss sich…

Jetzt blieb nur noch das dicke Holzstück im Bein… und dann würde sie sich Links Rücken anschauen.

 

Ein zögerlicher Blick auf die große Standuhr in dem Gemach verriet ihr, dass in Hyrule die Zeit noch immer nicht tickte. Aber sicherlich tickte sie in der realen Welt weiter. Wie sollte sich Link in vielleicht noch drei Stunden so schnell erholen, dass er den Meister des Bösen vor Ablaufen jener Zeit besiegte? Und vor allem… wie sollten sie zu dritt noch rechtzeitig wieder auf die Erde gelangen? Diese Gedanken ließen Zeldas Herz aufgeregt trommeln und machten sie mürbe…

Din, Nayru und Farore, bitte lasst mich nicht an euch zweifeln, dachte sie still.

 

Das Holzstück in Links Oberschenkel saß sehr fest und ließ sich nur mit Mühe herausnehmen. Die Wunde blutete sehr stark, sodass Zelda Unmengen von Tüchern darauf pressen musste, bis schließlich ein Kraut zur Blutstillung das Triefen stoppte. Ein wenig angeekelt betrachtete sich Zelda das Holzstück und warf es im Sinne eines Rituals in die hetzenden Flammen des Kamins. Verbrannte man die Wurzel des Übels, zerstörte man auch dessen Konsequenzen. Hieß es nicht so in einem der Bücher der Hexe Asa, die allzu gerne merkwürdige magisch Rituale durchführte? Unwichtig, zumindest blutete Links Wunde am Oberschenkel nicht mehr…

Auch diese Verletzung nähte die Prinzessin mit einigen Stichen. Dann endlich entließ sie einen erfolgreichen Seufzer. Sie hatte es geschafft, die schlimmsten Wunden waren genäht und die Quetschungen und Prellungen mit Heilkräutern eingedämmt. Jetzt musste sich Link nur noch ein wenig ausruhen…

Liebevoll drückte sie einige Küsse über sein Gesicht und auch auf seine Lippen. Sie deckte ihn mit ihrer dicken Federbettdecke zu und krabbelte hinauf an das Bettende, direkt über seinen Kopf. Ein wenig umständlich hob sie ihren Heroen an, soweit wie es ging und schlüpfte unter ihn. Link lag mit seinem schwereren Körpergewicht fast vollständig auf ihr, aber es machte ihr nicht viel aus, es war gut, sodass sie seinen nackten Rücken anschauen konnte.

Wie vermutet hatten sich einige größere Spreißel durch das riesige Gemetzel und die Zerstörung des Kirchendaches in seinen Rücken gebohrt. Vom Nachttisch nahm Zelda eine Pinzette und lehnte sich mit ihrem Heroen in den Armen an das Bettende. Sachte entfernte sie die großen Spreißel und ruhte dann über eine Stunde mit ihrem erschöpften Heroen im eigenen Himmelbett…

 

Im Hintergrund ließ die Prinzessin mit magischen Schwingen eine Harfe in ihrem Gemach spielen. Eine Harfe mit goldenen Saiten, die Zeldas Wiegenlied zupfte…

 

Bei Impa und den anderen herrschte zu diesem Zeitpunkt große Aufregung. Alle hatten sie die Erschütterung in Schicksalshort gehört und am Leib gespürt. Ein Erdbeben, ausgelöst durch die Überreste der alten Kirche, die mit großer Wucht auf den Boden aufgeschlagen war.

Naboru war die erste, die sich von ihrem Temperament überwältigen ließ. Sie schlug auf den Tisch und spielte dann mit ihren gebogenen Schwertern. „Ich kann nicht länger warten. Es ist Zeit.“

„Finde Ruhe, Naranda. Noch hat uns Link kein Zeichen gegeben…“, sprach Sian, der deutlich spürte, dass es Prinzessin Zelda sehr gut ging. Was allerdings mit Link war, blieb ihm ein Rätsel. Vorhin hatte Sian gedacht, es wäre alles aus. Link hätte seine Lebenskraft verloren. Doch dann plötzlich durchfuhr den Irländer ein so erschreckendes Gefühl von Lebendigkeit, dass es ihn verwirrte. Link lebte, obwohl er doch starb? Er schüttelte den Kopf und versank in einer seiner Meditationsübungen.

 

„Sicher, wir haben noch kein Zeichen erhalten, und dennoch… der Kampf dauert schon über zwei Stunden… das heißt nichts Gutes…“, sprach Rauru. Unsicher, wie sie weiter vorgehen sollten, diskutierten die Weisen schon die gesamte Zeit über einen möglichen Schritt. Sollten sie in das Geschehen eingreifen? Sollten sie vielleicht Link mit allen Waffen, die sie hatten unterstützen? Oder war ein Einmischen ein Fehler vor dem Schicksal?

Inzwischen wussten die Weisen durchaus von der Armee aus Ganondorfs Kindern. Denn auch die Weisen hatten Fähigkeiten zurückerhalten, die ihre Geburtsstunde in Hyrule hatten.

„Argh…“, schimpfte Naboru. „Ich kann nicht mehr hier sitzen und warten bis uns die Armee Ganondorfs überfällt. Ich will kämpfen.“ Heißes Blut loderte in ihren Venen und sie würde vielleicht eine der ersten sein, die das Schlachtfeld erreichte. „Link braucht uns!“, setzte sie hinzu.

Sara jedoch hatte die gesamte Zeit ein stilles, merkwürdiges Lächeln auf dem frischen, jugendlichen Gesicht. Sie spürte mehr als Leben, mehr als Verwunderung, sie spürte Hoffnung… Etwas Neues. Etwas Großartiges würde sich anbahnen. Vielleicht war heute endlich der Tag gekommen, da Ganondorf für alle Zeit besiegt werden konnte. Sie wusste es nicht mit Sicherheit, aber da war so ein aufwartendes, großartiges Gefühl, das sie in sich trug. „Ich finde auch, wir müssen uns auf den Weg machen, auch wenn Link uns noch kein Zeichen gegeben hat… die Armee Ganondorfs rückt näher!“ Sara sprang von ihrem Platz auf und sprach weiter. „Was nützt es uns hier zu sitzen, wo wir alle kämpfen können, egal ob mit Magie oder mit Schwertern? Wenn Naranda geht, gehe ich mit ihr!“ Impa schüttelte auf diese Bemerkung den Kopf, aber sie lächelte tatkräftig. „Wie verrückt wir doch alle sind…“, sprach sie rhetorisch.

 

„Ein Haufen von unverbesserlichen Idioten“, meinte Darunia und klopfte sich auf die Brust. „Ich hätte ebenso Lust mich wieder mit Fäusten in die Schlacht zu begeben. Irgendwo in diesem menschlichen Körper stecken bestimmt noch goronische Kräfte.“

Rutara lächelte ebenso breit auf diese Bemerkung. „Dann hoffe ich in meinem Körper ebenso etwas der Zoraeigenheiten wiederzufinden, aber nur ein bisschen…“ Sie lachte laut und hysterisch, aber befreiend. 

 

Harkenia kam daraufhin von dem Nebenraum, wo er das Götterkind schlafen gebracht hatte. Er war verschwunden, was ihn beunruhigte. Klein- Link war ein ziemlich dreister Fratz und doch so liebenswert… und wie sehr er ihn an Zelda erinnerte.

„Klein-Link ist verschwunden…“, meinte er misslaunig.

„Und das wundert Euch, Harkenia?“, meinte Impa und verschränkte die Arme.

„Nicht wirklich…“, lachte er. „Nun gut, ich denke, es ist Zeit… lasst uns aufbrechen…“ Und als Harkenia sich ebenso von einem Gefühl von Hoffnung leiten ließ und dieses neue Gefühl, erinnernd an Freiheit, Wagemut, und Unerschrockenheit, sich fast wie die Luft anfühlte, die man einatmete, standen auch die restlichen Weisen von ihren Plätzen auf. Es war Zeit für Hoffnung. Zeit für Leben…

Gemeinsam machten sie sich bereit, trugen ihre Waffen und ihre Herzen zu dem großen Schauplatz eines Kampfes, der auch in Hyrule irgendwann erzählt werden könnte…

 

Nach zwei Stunden erlangte der junge Heroe endlich wieder das Bewusstsein. Ein wenig schwerfällig richtete er sich auf, atmete tief ein und überblickte seine Lage. Langsam kamen seine Erinnerungen zurück und er erkannte den gemütlichen Schlafraum seiner Prinzessin vor sich. Alles hier war so wie damals, und doch so anders. Dieselben Düfte nach Rosen. Dieselben Gefühle und doch sah Link die Dinge und Geschehnisse von damals nun aus einem ganz anderen Licht. Es war gewiss nicht leicht damals, aber alles hatte seine Bewandtnis gehabt für dieses neue Leben…

 

Er gähnte und lehnte sich sachte an das mit Triforceabwandlungen bemalte Bettende, genoss den Geruch nach Zelda in den vielen weichen Kissen und liebte die strahlende Wärme in dem Gemach. Im Hintergrund zupfte die Harfe der Prinzessin von selbst die Melodie eines Schlafliedes. Und im Kamin loderte ein wildes Feuer…

Es ging ihm ein wenig besser, was sicherlich nur mit Zeldas Anwesenheit zu tun hatte. Vorhin noch hatte Link ihre körperliche und seelische Nähe in den Träumen gefühlt. Wo aber war Zelda im Augenblick?

 

Auf dem Schreibtisch lagen dutzende dicke Wälzer. Allesamt mit magischen Titeln. Ob Zelda anhand der Bücher einen Weg zurück zur Erde gefunden hatte? Oder vielleicht war es irgendwie möglich die Weisen zu kontaktieren, damit sie den magischen Spiegel von Leon erneut beschworen…

Link nahm noch einen erholsamen Atemzug und zog dann die Decke von seinem Körper, besah sich die Verletzungen, auf welchen fast überall Pflaster und Verbände lagen. Auch sein Brustkorb sah wesentlich besser aus als er vermutet hätte. Er lächelte ein wenig und hörte dann Zeldas liebliche Singstimme aus dem Nachbarraum.

Sie sang das alte Schlaflied lieblich und verträumt, als ob sie jemandem damit in den Schlaf schicken wollte… als wäre das Lied gedacht für ein Kind, um es in den Schlaf zu wiegen.

Ja, richtig, wo war überhaupt Klein-Link?

 

Der einstige Oberstufenschüler ließ schließlich die Beine von der Bettkante baumeln und zog die frische Kleidung neben dem Bett an, die seine Prinzessin für ihn zurecht gelegt hatte. Woher sie jene Kleidung wohl hatte?

Link schmunzelte ein wenig und strich über eine weiße Tunika mit goldenen Mustern im Saum, war begeistert von einem federleichten, dunklem Hemd und einem golden glänzenden Kettenhemd.

Rasch zog er die Kleidung an und fühlte sich wie neugeboren. Nur noch seine Stiefel und Handschuhe fehlten und fertig war das perfekte Abbild eines sehr ansehnlichen Hylianers. Er strich sich durch die blonden Haarsträhnen und entdeckte dann auf dem Tisch unweit neben sich, dort wo auch das Spiel der Weisen aufbewahrt wurde, ein Tablett mit Brot, hylianische Quarkspeise mit Herzbeere, sowie einem Krug mit Saft…

„Zelda… du bist himmlisch…“, murmelte Link und schlug sich den Bauch voll. Es tat unbeschreiblich gut, etwas im Magen zu haben. Und die Herzbeere kräftigte zusätzlich seinen schwachen Körper.

Selbst als er fertig war mit dem Speisen, sang Zelda noch in dem Kämmerchen zur Linken des Heroen.

 

Er lehnte sich kurz zurück, schloss die Augen, bis er sich entschied nach dem Rechten zu sehen. Er überprüfte die Fenster und Türen in jedem Raum und blickte aus den Fenstern von Zeldas Gemächern, konnte jedoch nirgendwo etwas Verdächtiges erkennen. Waren sie drei wirklich sicher hier?

 

Dann endlich wollte der Heroe nach seiner Liebsten schauen. Gekleidet in den neuen Gewändern trat er zu der kleinen Tür mit dem Spitzbogen und setzte die Hand auf die goldene Klinke.

Er schob die Tür sachte zur Seite und war einfach nur überwältigt von dem Anblick, der sich ihm bot. Eintracht, Lebendigkeit und Fürsorge wärmten ihm das Herz…

Zelda saß neben dem kleinen Sofa auf einem Schemel und streichelte dem Götterkind über den blonden Schopf, während sie sang. Und wie hell und rein sie singen konnte…

Wenn sie auf diese Weise für Link singen würde, würde er ebenso schlafen und nicht mehr aus den Träumen fliehen wollen, entschied er schmunzelnd.

 

Aber mehr als ihr Gesang war es das stille Lächeln auf ihrem Gesicht… und ihre Schönheit… die ihn einfach nur einfror. Von einer Sekunde auf die andere war da ein Entsetzen in Links Augen, welches er geboren aus tiefer Zuneigung nicht bekämpfen konnte. Entsetzt über diesen Augenblick voller Wärme und entsetzt, wie wunderschön Zelda doch war…

Sie hatte ihr langes, honigblondes Haar geflochten und trug eine weiße Schleife darin.

Er fühlte ein eher vertrautes Bedürfnis in sich aufsteigen. Und als er Zeldas Kleid, welches sie anstatt ihrer verdreckten Kampfkleidung trug, musterte, wurde das Bedürfnis noch stärker und vielleicht sogar unangenehmer…

Es war mehr ein Nachtgewand als ein Kleid. Weiß. Mit feinen goldenen Nähten über der Brust und am Rücken, der fast frei war… Lang war das Gewand… bis zu den Füßen… eng anliegend und geschmeidig. Unheimlich geschmeidig. Link packte die Lust diese Seide berühren zu dürfen und den Körper zu fühlen, der sich darunter verbarg…

Und teilweise konnte man den Körper unter diesem samtenen Stoff erkennen…

Zeldas weibliche Rundungen.

Sogar ihre Brustwarzen waren durch das dünne Gewand in Form von kleinen Erhebungen sichtbar.

Link traute sich nicht mit den Augen noch weiter hinab zuwandern.

Er konnte sich an dem Gedanken schon gar nicht mehr kontrollieren…

Ihm war warm. Und er musste raus hier, ehe er vor Schock und Scham in sich zusammenfiel. War das wirklich seine Prinzessin? Dieses Geschöpf, welches er nun unbedingt berühren, küssen, verführen und innig lieben wollte? Er glaubte zu träumen…

 

Sicherlich, dachte Link dann und wand sein Gesichtsfeld gen Boden, er hatte Zelda immer, aus tiefstem Herzen und tiefster Ehrlichkeit heraus, wunderschön gefunden… aber so, wie sie sich nun zu Recht gemacht hatte, war ihr Anblick jede Sünde wert…

Sie trug kein Make-up oder andere Dinge, die ihr wahres Ich überdecken würden. Sie war so natürlich… und vielleicht lag darin im Augenblick der Reiz für Link…

,Das würde eine lange Nacht werden‘, dachte er albern und gab sich gleich eine Schelte dafür. ,Zum Teufel, was denke ich hier eigentlich… wir müssen immer noch Ganondorf besiegen. Das hat Priorität…‘

Es war ziemlich dümmlich für Link, sich diese Dinge einzureden, denn als er wieder zu Zelda blickte, kehrte die Sehnsucht in seinem Blick zurück. Das Wasser lief ihm im Mund zusammen und ihm war wieder sehr warm. Heiß. Brühheiß…

Er rollte mit den Augen und versuchte mit aller Macht zu ignorieren, was sein Körper ihm kommunizierte.

Ihm war nie klarer, was er wollte…

Er wollte sie. Er wollte sie jetzt. Und das war das Fatale daran.

 

In dem Augenblick sah Zelda auf und lächelte ihm mit Beruhigung und der Liebe entgegen, die sie für ihn empfand. Schreckhaft wich Link zurück und fürchtete sich vielleicht sogar ein wenig vor ihrer Weiblichkeit. Sie trat auf die Beine und strich die Falten aus dem Kleid. Faszinierend lief der edle Stoff über ihre Figur, hinterließ die Sehnsucht einer Berührung. Alles an ihr war wundervoll. Ihr schmales, eindrucksvolles Gesicht. Ihre wohlgeformte Brust. Ihre volle Hüfte. Ihre schlanken Beine. Link wusste nicht, was hier passierte, aber es war unberechenbar und gefährlich. Seine Gefühle stiegen ihm zu Kopf. Und obwohl, das was er wollte, dieses Verlangen, dieses Suchen, die natürlichste Sache der Welt war, schämte er sich ein wenig dafür.

Er hatte nur ein Wort in seinen Gedanken und es beschrieb Zelda sehr deutlich trotz der entzückenden Unschuld des weißen Kleides.

Sittlich, aber sexy, das war es…

Herrlich sexy…

 

Dann endlich lief sie zu ihrem Heroen hinüber, umarmte ihn kurz und nahm dann seine linke Hand in ihre Rechte. Ohne Worte zog sie ihn aus dem Kämmerchen heraus, wo das Götterkind friedlich schlief.

Sie traten schweigend in das Schlafgemach zurück und blickten einander an. Noch immer schweigend, als wären Worte fehl am Platz, wenn sie einander tief in die Augen sehen konnten. Link begann lediglich Zeldas blondes Haar zu streicheln, welches sanft an ihrem spitzen Ohr hinab fiel. Wieder sprach er kein Wort, fühlte sich nicht fähig mit Worten irgendetwas auszudrücken, was Zeldas Schönheit und ihre Nähe betraf. Ganz sanft wanderten seine Arme um ihre schmale Hüfte, fühlten den weichen, zarten Stoff, der so verboten schien. Link kostete mit seinen Händen Lebendigkeit und Unschuld. Es war wie als würde er Seide in ihrer edelsten Form in seinen Armen halten. Er zog Zelda an sich, als wäre sie seine Luft zum Atmen…

Seine Lippen streichelten ihre Stirn, nahmen jeden Funken Zartheit wahr, wanderten hinab zu ihrer rechten Wange und verführten leise…

 

Auch die junge Prinzessin schwieg zunächst, erfüllt von seiner Nähe, hatte sie die Worte vergessen, die sie ihm vorhin schon sagen wollte. Und als seine rauen Kämpferhände ihren Rücken fanden, ein Stückchen nach oben wanderten, dorthin, wo die Haut nicht mehr von dem samtenen Gewand beschützt wurde, wollte sie am liebsten zerschmelzen. 

Sie wurde schlapp und weich, hatte dann das Gefühl Butter in seinen Händen zu sein, einfach umzufallen, da ihre zitternden Knie sie nicht mehr halten wollten.

Link fing sie auf, er würde sie immer auffangen, egal, wo der Abgrund war, der sie verschlucken wollte…

Langsam ließ auch er sich auf die Knie sinken, hielt seine Prinzessin in den Armen und ließ den zärtlichen Blick aus seinen Augen weiterhin anwachsen. Gefühlvoll. Und doch unterlegt mit den Hintergedanken einer unvollkommenen Erfahrung.

Wie oft waren sie einander schon zu nah gekommen? Wie oft schon versank der Heroe in den Gefühlen für seine Prinzessin? Und wie oft schon war es Zelda, die nicht mehr vor ihm fliehen wollte?

 

Und noch immer fiel nicht ein einziges Wort zwischen ihnen, als wären Worte das unnötige Teilchen in diesem Gefängnis von Gefühlen und Zärtlichkeit.

 

Link stützte die junge Prinzessin mit einer Hand, die er erregend über die Haut ihres freien Rückens legte, während er sich ein wenig über sie beugte. Ihr langes, blondes Haar fiel in dem Zopf hinab, bis zum glatten Boden des Gemachs…

Seine andere Hand fuhr verträumt über die goldenen Fäden des Gewandes, dort wo sich Zeldas Brust befand… Er fühlte ihr Herz, nährte sich von diesem tosenden Herzschlag, verglich ihn mit seinem eigenen…

Link beugte sich dann vorsichtig hinab, bereit für eine neue Sünde, hier im alten Hyrule.

Seine Lippen waren zaghaft, tastend, suchend nach mehr als einem gewöhnlichen Kuss. Er wollte schlichtweg die Erfüllung darin finden, mit Zelda einen Kuss zu teilen, der war wie ihr erster. Neu und doch verlangend nach dem, was sie beide ersehnten.

Er berührte ihr Kinn, fühlte Zelda schwach werden, hörte sie seufzen und sich angesichts des quälenden Kribbelns in ihrem Magen ein wenig verkrampfen…

Ihr Kopf sank weiter hinab, verschaffte ihm Zutritt zu ihrem Hals, wo er seinen Mund wie ein sanftes Band, genauso wie die weiße Schleife im Haar, wandern ließ. Er küsste unschuldig, küsste verträumt.

Sie im Gegenzug führte ihre freie Hand zu seiner Brusthälfte.

„Küsst du mich endlich, oder muss ich darum betteln…“, sprach sie begierig und brach damit endlich die Stille zwischen ihnen. Er hob sie ein Stückchen an, presste sie an sich, worauf Zelda ein Bein um seine Hüfte schlang.

„Bettle!“, sagte er hetzend, hob Zelda an und drückte sie näher an sich. Es war wie ein Wunder, was sie in ihm auslöste. Dieser Zwang. Dieser innere, beflügelnde Druck. Spielerisch hauchte die Prinzessin ihren warmen Atem auf Links Lippen und grinste so hinterhältig wie schon einmal… vor wenigen Wochen im Haus der Götter.

„Wenn du so verlangend bist, und so unverschämt mir diese Befehle zu geben, werde ich diejenige sein, die dich zum Betteln bringt, Held…“, lachte sie albern und rieb ihr Bein ein wenig an seiner Hüfte. Link seufzte genießend und seine Augen umwölkten sich für einen Augenblick. „Du bist echt fies zu mir…“, murmelte er geschmeichelt von ihren Bewegungen und sündenvollen Berührungen.

„Ich kann noch fieser sein…“, seufzte sie und wanderte mit ihrer rechten Hand von seinem Herzen hinab über die straffen Muskeln des Bauches.

„Kriege ich jetzt meinen Kuss?“

„Mmh… ja, ich denke schon…“

Sie hatte ihn in ihrer Gewalt, keine Frage. Und langsam gestand auch Link sich ein, dass er absolut wehrlos war, wenn sie ihre Weiblichkeit, die dazu noch überaus faszinierend und atemraubend war, spielen ließ. Sie wusste nicht, wie attraktiv sie war. Nein, wenn es um diesen Gedanken ging, wusch sie ihre Hände in blanker Unschuld. Aber mit jeder weiteren Sekunde wich die Unschuld, die man in Zelda vermutet hätte und machte Platz für ein zügelloseres Ich, für jemanden, der genießen konnte. Für jemanden, der Link wollte… 

„Reicht dir ein einziger?“, sagte er dann und näherte sich mit seinen Lippen den weichen Ihrigen, aber ohne sie endlich zu küssen.

„Da bin ich mir nicht so sicher…“, hauchte sie und rutschte näher, wollte ihre Lippen endlich mit seinen besiegeln, aber Link ließ das nicht so einfach zu. Grinsend, himmlisch grinsend, wich er zurück und steigerte Zeldas Vorfreude auf ein leckeres Zungenspiel mit dem Warten.

„Link!“, giftete sie dann. Ihre sanfte Stimme erhob sich und wurde bissiger. „Hör‘ auf damit… das macht mich ganz…“ Sie biss sich auf die Lippe und schaute ihn hilflos an.

„Warum küsst du mich nicht endlich?“, flüsterte sie und reckte ihm wieder ihre Lippen hin, erhielt aber nur ein ausgefuchstes Grinsen.

„Weil ich dich betteln hören will…“, flüsterte er, ließ seinen warmen Atem an ihr spitzes Ohr wagen. Zelda zwinkerte einige Mal und fühlte sich schlichtweg überfordert. Was wollte Link? Irgendetwas war anders als sonst…

Verwundert nahm sie beide Hände und legte diese auf seine Wangen.

„Liebster…“, murmelte sie.

„Ja?“ Sein Blick war so unschuldig, aber betrog er sich etwa selbst mit jenem?

„Geh‘ nicht zu weit… nicht hier…“, sprach sie. Er errötete leicht, verblüfft, wie schnell Zelda seine Gedanken durchschauen konnte. Sie wusste anscheinend besser, was er im Sinn hatte, als er selbst.

„Sorry… ich wollte dich nicht überrumpeln…“, meinte er zögerlich, und lachte nervös auf. „Es ist nur…“ Er schloss die Augen, reichte ihr eine Hand und zog sich mit ihr auf die Beine. Daraufhin umarmte er sie innig, genoss es seinen schweren Kopf ein wenig auf ihre halbnackte Schulter zu legen.

„Es ist nur… ich…“

„Ich weiß, Link… wir sind schon… sehr lange zusammen und ich habe dich immer warten lassen…“ Er hörte die leichte Nervosität und Beklemmung aus ihrer Stimme. Aber es war keine Scheue oder Furchtsamkeit. Link spürte es in ihrem Atemzug, in ihrem Herzklopfen, und sah es in ihrem Wimpernschlag. Zelda hatte keine Angst davor mit ihm zu schlafen, es war etwas anderes…

„Aber du hast mir bereits soviel gegeben. Ich sollte dich nicht damit unter Druck setzen…“

Sie legte wenige Fingerspitzen auf seine Lippen, stoppte seine Rechtfertigung. Suchend seine tiefblauen Augen, suchend Erfüllung und Vertrauen darin, fand sie etwas Neues.

„Du setzt mich nicht unter Druck…“

„Aber ich denke, es ist einfach unangemessen und nicht gerade edel von mir, das von dir zu verlangen, wenn du nicht möchtest…“

Zelda protestierte sofort: „Moment mal… ich habe nie gesagt, dass ich nicht…“ Sie errötete ebenso und zwinkerte hilflos. „Ich will es ja… ich will mit dir…“

Und daraufhin zwinkerte Link und ließ sich von Zeldas leichter Hilflosigkeit anstecken, während im Hintergrund immer noch die alte goldene Harfe Zeldas Wiegenlied zupfte…

 

Sie begann seinen Haaransatz zu streicheln und sprach hauchend in sein Ohr. „Link… weißt du, ich habe immer… davon geträumt, dass es irgendwann einmal so zwischen uns ist, so wie jetzt. Ich will dieses kostbare Gefühl nicht verlieren. Und ich habe damals, in der alternativen Zukunft so oft davon geträumt, mit dir zusammen zu sein. Und dann… habe ich es mir vorgestellt…“ Sie blickte mit roten Wangen auf, aber lächelte verliebt.

„Ich dachte daran, wie es wohl sein würde, von dir geliebt zu werden… dir nahe zu sein. Dein Körper ist ein Traum, weißt du das eigentlich?“ Sie lachte ein wenig, mehr aus der alles übertreffenden Hilflosigkeit heraus, die in Links Augen stand. Er fühlte sich geschmeichelt, gewiss, aber auch sehr überfordert…

„Und jetzt, da du dir das wünscht, da möchte ich einfach nicht, dass dies alles hier ein Traum ist…“ Sie legte ihr Gesicht an seine Brust, atmete tief ein, genoss Links natürlichen Geruch nach Wald.

„Schluss mit den Träumen, Zelda…“, sprach er leise. „Wir haben uns endlich gefunden, was wollen wir mehr? Jetzt, da ich meine Erinnerungen wiedererlangte, haben wir dadurch denn nicht noch mehr gewonnen als wir jemals gedacht haben?“ Sie lächelte und lauschte seinem beruhigenden Herzschlag. Es hörte sich so gesund an… kein Zweifel… Sein Herz war geheilt worden. Zelda musste lernen, sich nicht unnötig Sorgen zu machen…

 

„Und du lebst, Link… ich wüsste nicht, was ich mir auf dieser Welt mehr wünschen sollte als zu wissen, dass du bei mir bist…“

Sie waren einander nah, auch ohne sich mit dem anderen zu vereinen. Sie hatte sovieles, was sie teilten, so lange, sie einander hatten.

„Wie fühlst du dich? Und dein Herz?“ Sie ließ ihre offene Handfläche auf seiner Brust ruhen.

„Hast du mir irgendetwas geschenkt, Zelda? Ich fühle mich fast zu gut um wirklich zu sein… und das nach all dem Kampfgeschehen von vorhin. Ich meine, das Bein schmerzt ein wenig und meine Brust drückt ein wenig, dort wo ich zwei Rippenbrüche vermute. Aber es geht mir gut… viel zu gut… und das nach vielleicht zwei Stunden Schlaf…“ Tatsächlich verheimlichte die Prinzessin ihm etwas. Sie hatte ihm ein wenig von ihrer Lebenskraft geschenkt, nicht viel, aber genug um ihm zu helfen und zu wenig, um sich selbst damit in irgendeiner Weise zu schaden. Und Zelda wusste auch, dass sie es ihm nicht verraten würde. Sie seufzte lediglich und suchte seine wärmende Nähe.

 

Der Heroe zog sie noch ein Stückchen näher an sich, legte seine Lippen in das goldene, duftende Haar und ließ sich ein wenig hinfort tragen. Hinein in den See der Gefühle. Hinein in eine Liebesohnmacht.

 

„Link… Du siehst göttlich in dieser Kleidung aus…“, meinte sie dann. Erneut fühlte er sich geschmeichelt und fragte sich langsam, ob Zelda diese Schmeicheleien nutzte, um etwas aufzuholen, was sie beide damals nicht hatten.

 

Sie gab ihm noch einen spontanen kurzen Kuss auf die Lippen und wand sich dann zu dem kleinen Tisch, wo Unmengen von Büchern über magische Rituale, Zeitreisen, Reisen in andere Dimensionen und hylianische Zaubersprüche darauf warteten gelesen zu werden.

„Wir brauchen einen Plan, bevor Ganondorfs Scharen hierher finden…“, sagte sie und deutete auf die dicken Bücher, die nicht sehr einladend wirkten.

„Ich habe vorhin schon ein wenig nachgelesen, aber ich habe nichts gefunden, was uns zurückbringen könnte…“, setzte sie hinzu. Gegenüber nahmen sich Platz, legten ihre Hände ineinander und lauschten dem winzigen Knacken der Kerzen und des Feuers im Kamin.

„Ich bin ratlos, Link…“, sprach sie und blickte zu dem Stapel Bücher.

„Du weißt, was geschieht, wenn wir nicht bald zurückfinden. Ganondorfs Armee zieht über den Planeten Erde in Begleitung eines Feuerbandes und nur du kannst ihn aufhalten…“

Er unterbrach sie: „Aber was wollen wir tun im Augenblick? Das Medaillon ist in Ganondorfs Besitz, sonst hätte es uns möglicherweise von hier wegbringen können und das schwarze Gemälde Ganondorfs hat nirgends ein Gegenstück, sodass wir über jenes den Weg zurück gehen könnten. Uns bleibt nichts anderes als abzuwarten.“ Seine Worte waren beruhigend für sie und doch…

„Wenn ich nur wüsste, wie ich so zuversichtlich sein kann wie du, mein Held“, meinte sie darauf und lächelte verträumt.

„Das musst du nicht, sei einfach Zelda… sei einfach diejenige, die du bist, so geht es uns beiden am besten…“, entgegnete er und streichelte ihre warmen Hände fortwährend.

Sie nickte und führte seine Hände an ihre Wangen.

„Ist es nicht seltsam, dass uns das Schicksal direkt hierherbringt, hier, wo alles endete und gleichzeitig alles begann?“, sprach sie.

„Ein Zeichen?“

Sie nickte noch einmal. „Vielleicht…“

Eine Pause entstand.

 

Vielleicht war die Rückkehr dorthin, wo alles begann tatsächlich ein Zeichen für die Zukunft und für die Vergangenheit. Geschichten belogen sich im Rad der Zeit, wenn es um die Wahrheit ging. Und so wie die Geschichte der beiden Hylianer Link und Zelda nur ein Spiel war, so war die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft doch nichts Festes…

 

„Ich nehme an, Ganondorf wird uns irgendwann hier finden, Zelda…“, sprach Link vorsichtig, wollte sie damit nicht erschrecken. Aber alles begann in Hyrule und alles würde irgendwo in Hyrule enden.

„Es wird nicht mehr lange dauern, ehe wir Monsterstimmen hören werden und ehe die Zeit hier wieder weitertickt… deshalb, wenn es dann soweit ist, versteck‘ dich mit Klein-Link in einem deiner Geheimgänge, okay?“

Zeldas Lächeln wurde unruhiger und ängstlich. Ihre schönen, starken blauen Augen sanken hinab zu dem Spiel der Sieben Weisen, welches ebenso auf dem Tisch stand.

„Zelda…“ Er beugte sich über den Tisch und küsste sie leicht.

„Sorge dich nicht…“ Sie blickte bedacht auf.

„Verrätst du mir etwas?“, meinte er dann und grinste. Dasselbe Grinsen, wie immer wenn er etwas im Schilde führte.

„Wie viele Geheimgänge führen eigentlich in deine Gemächer?“

„Drei…“, sagte sie und begann wieder zulächeln, wissend er hatte einen Hintergedanken.

„Also, ich muss sagen, dass hätte ich früher gerne gewusst, dann wäre ich wohl sehr oft in deine Gemächer geschlichen. Dann hätte ich bei dir schlafen können und keiner hätte es bemerkt…“ Sie lächelte wieder.

„Nimmst du das eigentlich ernst, was du hier umher tönst?“

„Jep… ich habe ohnehin immer davon geträumt in deinen Armen einzuschlafen.“ Überrascht blickte sie auf.

„Meinst du das ernst?“

Link nickte und schämte sich vielleicht sogar ein wenig.

„Ich habe mir dies das erste Mal gewünscht, als ich dich kennenlernte in Hyrule und mich auf den Weg zu dem Todesberg begeben habe. Ich wollte Zuneigung und Wärme… was lag da näher als mir dies von dir zu wünschen?“

Sie lächelte wieder und fragte noch einmal. „Link, du warst damals elf Jahre alt…“

„Gewiss, aber ich hatte bis dahin nie… jemanden…“ Er sah auf die Tischplatte, mit mehr als einem weichen Blick in den tiefblauen Heldenaugen. „Du warst die erste Hylianerin, die mich umarmt hatte…“ Diesmal rutschte sie über den Tisch und küsste ihn. 

„Jetzt hast du mich jedenfalls für immer und ewig…“

„Ja, den Göttinnen sei dank…“, meinte er. „Und deshalb versteck‘ dich in den Gängen, sobald etwas nicht stimmt und warte dort auf mein Zeichen…“

„Worauf soll ich achten?“

„Ich werde dich rufen oder selbst erscheinen…“, sagte er hoffnungsvoll.

„Gut…“, sagte sie.

„Gut“, war seine knappe Antwort.

 

Sie standen gemeinsam auf und Zelda zeigte ihm die drei Gänge. Einer unter einer Bodenplatte in ihrer eigenen Bibliothek. Einer in einem Schrank in ihrem Schlafzimmer und einer mittels eines Hebels im Badezimmer, worauf sich ein paar Steine verschieben würden.

 

Gemeinsam standen sie im Badezimmer, als die Steine den Geheimgang wieder verschlossen und schauten ein wenig ratlos in die Augen des anderen.

„Link… ich kann mich an etwas Wichtiges erinnern, seitdem ich mein Fragment wieder erlangt habe… zum einen an meine Träume vom Medaillon und zum anderen an den Augenblick, als ich als Geist Hyrule verließ, um in Schicksalshort ein neues Leben zu beginnen.“

Sie tapste in ihren goldenen Sandalen, zu dem Spiegel und schaute sich an. Zum ersten Mal hatte sie ein Auge für ihre eigene Schönheit. Andere Adlige, sogar ihr Vater hatte immer gesagt, wie wunderschön sie doch wäre, doch blickte Zelda in den Spiegel konnte sie davon nichts erkennen. Sie sah nur einen hilflosen, ängstlichen und verlassenen Menschen mit leeren Augen, flachen Gefühlen und einer Traurigkeit, die niemand fühlen wollte. Doch nun… jetzt, wo sie Glück in der Beziehung zu Link erfahren hatte, nun, konnte sie endlich ihre eigene Wundersamkeit, ihren Wert erkennen. Und dieser war nicht klein und unwichtig. Sie war bedeutsam und hübsch…

Sie lächelte ihrem Spiegelbild zu, als ob ihr ein Kind in dem Spiegel zuwinkte. Sie lächelte und sah dann Link hinter ihr stehen, der seine Hände auf ihren Bauch legte.

„Erzähl mir von diesen Dingen…“, sagte er.

„Welches zuerst?“

„Mmh, letzteres…“

 

Zelda blickte ihn durch das Spiegelglas hinweg an. „Ich weiß nun, warum ich in dem verblassten Hyrule von diesem Berg gestürzt bin…“ Sie schloss die Augen lehnte ihren Hinterkopf an seine rechte Schulter. „Ich habe dich gesehen, dort im Tal… und du hast deine Arme ausgebreitet und hast gerufen. Du sagtest: ,Komm‘ zu mir, Zelda. Komm‘ nach Hause. Ich brauche dich.‘ Ich wusste nicht, was ich tun sollte, aber ich hatte dich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Ich wusste nicht einmal, wie lange ich in dem toten Hyrule unterwegs war, bevor endlich jemand nach mir rief… und dann war es wie ein neues Gefühl, als wollten mich meine unechten Beine über den Abgrund tragen… ich wusste, ich würde aufgefangen werden. Und ich wurde es… von dir…“

„Wenn du mich nicht hättest…“, meinte er eitel. Sie erwiderte nichts darauf, es stimmte ja.

„Ich würde dich immer auffangen…“, ergänzte er leise. „Ein Leben ohne dich… ist kein Leben…“ Er umarmte sie fester, deutlich spürend, dass Zelda ihre aufkommenden Tränen zurückhielt.

„Danke… mein Liebster…“, sprach sie leise, wand sich zu ihm und umarmte ihn innig. Wenige Augenblicke standen sie dort, ließen ein weiteres Versprechen ausklingen…

 

„Und was weißt du noch über das Medaillon, Zelda?“, sprach er und führte sie nach wenigen Minuten zurück in das Schlafzimmer.

„Ich meine, außer deinen Träumen, dass es sich um eine Art Urne für böse Seelen handeln könnte und außer der Tatsache, dass es auf unser Blut reagiert…“

Sie führte einen Zeigefinger an ihr Kinn und grübelte. „Wir wissen, dass Zeruda, meine Vorfahrin es erschaffen hat, ich frage mich gerade, ob sie nicht vielleicht das Medaillon so konstruierte, dass es nicht oder eben verkehrt auf Ganondorf antwortet, wenn er es einsetzen wollte.“

„Was ich mich wiederrum frage ist, ob es überhaupt auf sein bestialisches Blut reagieren würde…“, setzte Link hinzu.

„Ich denke, darin liegt ein Vorteil für uns…“, sprach sie und lächelte. Sie schlug eines der Bücher auf, welches auf dem runden Tisch lag und hatte spontan noch einen Einfall.

„Schau‘ dir diese Abbildung an…“ Link ließ seine Augen auf das alte Papier wandern und erkannte ausstaffiert in dem Symbol des Triforce einen prächtig gekleideten Laubbaum, mit Blüten und Früchten gleichzeitig.

„Was ist das?“

Zelda umschlang seinen Bauch und drückte ihren Kopf gegen seinen Rücken. Sie seufzte. „Ich weiß es nicht mit Sicherheit, aber es könnte eine abgewandelte Abbildung des Medaillons sein… Zeiten ändern sich. Geschichten werden umgedichtet. Melodien werden umgeschrieben. Und da das Buch sehr alt ist, vielleicht hat man das Medaillon anders in Erinnerung gehabt, als man diese Abbildung gestaltete…“

„Gut möglich, aber warum zeigst du mir das?“

„Wegen dem Text, der daneben steht…“ Link überflog die Zeilen und erkannte die Laute und Wörter in einer der Shiekahsprachen wieder.

 

,Ein Held, mit der Gewalt aller Helden, die das Schicksal ernannte.

Ein Gesetz, das umgeschrieben wurde.

Eine Melodie, die die Zeit der Welt einfrieren kann.

Was mögen die Helden tun, wenn sie nicht mehr der eine Held, sondern viele Helden sein könnten? Was mögen sie gewinnen? Was mögen sie entstehen lassen?

Ein Weg. Eine Gunst. Eine Gnade…

Ruft den Rat der Helden…

Das Masterschwert als Schlüssel.

Die Okarina der Zeit als Weg.

Die Helden Hyrules als Waffe…

Das Medaillon der Mächtigen als Boote…‘

 

„Was bedeutet das?“, fragte er.

„Stell‘ dir mal folgendes vor… wenn jeder Link, der irgendwann einmal existierte zum gleichen Zeitpunkt gegen Ganondorf kämpfen würde. Was meinst du, würde aus Ganondorf werden?“

Diese Vorstellung war äußerst amüsant für Link. Wenn jeder Held Hyrules sein Schwert gegen Ganondorf führen würde, dann…

Er fiel aus allen Wolken, als er sich dieses Spektakel vorstellte. Alle Helden gemeinsam in ein und demselben Kampf. Alle Helden Hyrules mit scharfem Schwert auf Ganondorf gerichtet.

Der Fürst des Bösen hätte nicht einmal den Hauch einer Chance…

„Das wäre einfach…“ Angestrengt suchte Link nach dem richtigen Wort, so fasziniert und aufgeregt war er.

„Unglaublich?“, fragte sie. Link nickte bloß und stellte sich dieses Schauspiel erneut in seinen Gedanken vor.

„Wie hoch schätzt du die Wahrscheinlichkeit ein, dass dieser Buchabschnitt stimmt, Zelda?“, fragte er und las den Abschnitt noch einmal durch.

„Nun… jedem Buch innewohnen Lügen. Aber allein der Glaube daran, dass dieses Ereignis möglich ist, lässt uns doch hoffen, nicht wahr?“ Sie drückte sich noch ein wenig mehr an seinen Rücken und seufzte. „Ich wünsche es mir… aber die Chancen stehen wohl fünfzig fünfzig…“

„Fünfzig zu fünfzig. Das reicht mir.“ Link lächelte und las den Abschnitt zum dritten Mal.

 

„Aber die Frage ist, wie kann ich alle Helden dafür rufen? Mit welcher Melodie? Und wo?“

„Mir würde nur die Zitadelle der Zeit einfallen… ihre Magie ist grenzenlos… ihre Grundmauern sind aus teuren Seelen aufgebaut. Ich könnte mir nur diesen Ort als Stätte für jenen Plan vorstellen…“

„Das Problem ist wohl nur, dass ich das Medaillon dazu benötige, was bedeutet, dass wir auf Ganondorfs Erscheinen warten müssen…“ Link drehte sich um und hielt Zelda wieder innig in seinen Armen.

„Ganondorf wird sich nähern, ich spüre es. Er wird niemals Genugtuung finden, erst recht jetzt, da ich von den Heiligen Booten zurückgekehrt bin. Er wird Rache wollen, dafür, dass ich seine Pläne immer wieder durchkreuzt habe…“

Zelda öffnete ihre himmelblauen Augen und gab einem Funken der Hoffnung freien Lauf. Sie waren erfüllt mit Glück ihre Augen. Niemals mehr würde sich ein Schatten darin einnisten können.

„Wenn sich alles zum Guten wenden soll, wird er sich in der Zitadelle der Zeit aufhalten und dich herausfordern, Link. Wenn es dazu kommt, dann mache ich mir Sorgen, ob du genügend Kraft für den Kampf haben wirst…“ Sie streichelte erneut sein Herz, erinnerte die schmale Narbe und das unruhige Schlagen seines Herzens vorher.

 

„Ich fühle mich kräftig genug, Zelda…“

Sie schüttelte mit dem Kopf. „Aber du hast immer noch viele üble Verletzungen… ich denke nur an dein mitgenommenes Herz, dein verletzter rechter Oberschenkel, dein blauer Brustkorb…“

„Ich habe keine Wahl…“, sprach Link leise und drückte seine Lippen gegen Zeldas Stirn.

„Doch, die hast du…“ Sie sah auf, aber in ihren Augen stand etwas Angst, aber auch Zuversicht. „Ich könnte dir meine Lebenskraft schenken für diesen Kampf.“

Aufgeregt schüttelte Link den Kopf und packte Zelda an ihren nackten Oberarmen.

„Das ist nicht dein Ernst!“ Er wurde laut und ungehalten.

„So hör‘ mir doch zu, Link.“

Er schüttelte immer noch mit dem Kopf.

„Denkst du wirklich, ich würde zulassen, dass du nichts anderes als eine leere Hülle bist? Ich will deine Lebenskraft nicht, Zelda. Ich will, dass du da bist, wenn ich den Kampf überstanden habe.“

„Aber Link…“ Er stoppte sie, indem er sie kurz küsste.

 

„Ich sagte nein, und ich meinte nein!“ Sein Tonfall war so hart und wuterfüllt, dass es Zelda ein wenig erschreckte, aber in seinen Augen stand Schmerz.

„Link, ich würde dir nicht alles schenken, aber einen Großteil… ich will doch nur, dass du dich nicht bis zum Tode verausgabst…“

„Ach so ist das, du glaubst, ich schaffe es nicht ohne deine Lebensenergie.“ Nun war er verletzt. Zelda riss sich los und schüttelte den Kopf.

„Du verdammter Hitzkopf“, brüllte sie, worauf Link einige Sekunden schwieg und dann einsah, dass ihn sein eigener Stolz wieder stolpern ließ. Es war kindisch, dass er sich anmaßte Zelda falsch zu verstehen. Er wusste doch, dass sie sein Bestes wollte. Sie würde niemals seine Heldentugend und Furchtlosigkeit untergraben. Er atmete tief ein und setzte ein eher entschuldigendes Grinsen auf.

„Du eingebildete Prinzessin…“, konterte er.

„Du Esel!“, rief sie, aber sah dann zögerliche Lachfalten auf seinen Gesicht.

„Hexe!“

„Möchtegernheld!“, giftete sie und drehte sich dann um und stellte sich beleidigt, ihm den Rücken zugewandt, vor das Himmelbett. Sie klapperte mit ihren goldenen Sandalen und verschränkte die Arme.

„Zelda…“, murmelte Link und trat näher. Er streichelte ihre Haut am Rücken, die nicht von dem Gewand bedeckt wurde. Ganz sanft ließ er seine Fingerspitzen über diese weiche Haut wandern.

„Vergibst du mir meinen Heldenstolz?“ Sie rümpfte die Nase und schauspielerte womöglich. Kein Wort entkam ihrem schönen, weichen Mund.

„Ich glaube, es fehlt uns ein wenig, dass wir uns streiten. Kann das sein?“, meinte er und lächelte einsichtig. „Ich gebe zu… Ich bin ein Hitzkopf und auch ein Esel, ja manchmal sogar ein Möchtegernheld…“

„Und ich bin wohl manchmal eine eingebildete Prinzessin und eine Hexe…“, sprach sie ruhig. 

„Lass‘ uns die Zeit hier nicht unnötig vergeuden, okay?“ Link kniete daraufhin nieder und streichelte mit seinen Lippen Zeldas rechte Hand, wo eine dreieckige Narbe ihn an das Ritual vor wenigen Stunden erinnerte. Zelda errötete ein wenig angesichts seiner Ritterlichkeit und nickte lediglich.

 

In dem Moment machte es Klack und die kleine Tür ins Nebenzimmer sprang auf. Heraus kam ein kleiner Spund getrottet, dessen blondes, dickes Haar total zerwühlt, seine grüne Tunika verrutscht war, seine grüne Mütze fehlte und seine Stiefel trug er verkehrt herum.

Er gähnte und rieb sich die Augen.

„Was ist das denn hier für ein Theater? Ihr seid zu laut…“, schimpfte er und gähnte gleich noch mal.

Zelda und Link lächelten beide verschmitzt.

„Entschuldige, kleiner Mann…“, sagte sie und kniete zu ihm nieder.

„Hast du gelauscht?“

Er nickte dämlich und kratzte sich an seinem nicht vorhandenen Bart.

„Öhm… war ja nicht zu vermeiden“, feixte er und strahlte unschuldig und liebäugelnd zu Link und dann wieder zu Zelda.

„Ähm…“ Er setzte seinen Zeigefinger ans Kinn und murmelte weiter: „Hab ich was falsch gemacht?“

Link grinste, lachte dann und packte den Knirps unter dem Schwitzkasten und rieb ihm spielerisch über den blonden Schopf.

„Gib‘ s doch zu, du kannst nicht anders, Kleiner Mann…“, sprach der Ältere.

„Überzeugt!“, sagte er und begann sich zu drehen und zu winden, bis er sich aus Links Griff lösen konnte. Als er es geschafft hatte, hüpfte er auf das Bett und erklärte: „,Papa… ich habe eine Bitte.“ Link wurde rot bezüglich des Wortes, wohl weil auch Zelda es gehört hatte.

„Soso… Papa…“, sprach sie und grinste. „Ich sehe, dass Klein-Link auch schon einen zutreffenden Namen für dich hat.“ Auch die Prinzessin pflanzte sich auf das Bett und umarmte den Bengel. „Dir ist aber schon klar, dass du ein kleiner Prinz bist, wenn du mich Mama nennst. Willst du überhaupt ein Prinz sein?“ Er begann herum zu drucksen. „Nein, will ich nicht, aber… du wärst einfach eine tolle Mama.“ Er war nun so rot um Gesicht wie eine reife Tomate und es stand ihm irgendwie ausgezeichnet.

Zelda lachte, als sie ihn anblickte, lachte und begann ihn zu zwicken und zu ärgern, bis auch Link mitmachte.

 

„Ich möchte auch meinen Beitrag leisten, wenn du die anderen Links rufen willst, Papa…“, sagte Klein-Link, während sie zu dritt in dem Bett lagen und sich gegenseitig ärgerten. In Links Armen lag Zelda und das Götterkind wiederrum hatte in Zeldas Armen Ruhe gefunden.

„Du weißt, dass ich nicht damit einverstanden bin, wenn du dich in den Kampf einmischen willst…“, sagte Link und dachte an die geheimnisvolle Zukunft, in welcher auch Klein-Link existieren könnte.

„Ja, klar. Du brauchst gar nichts zu sagen. Du hast damals auch mit elf Jahren gekämpft, Papa!“ Link zwinkerte und wusste nicht dagegen zu argumentieren. Und wenn er ehrlich war, so gab es darauf kein Argument.

„Sprachlos, Link?“, meinte Zelda und drehte ihren hübschen Kopf zu ihm. „Wo er Recht hat, hat er Recht, mein Held. Willst du ihm verbieten dem freien Lauf zu lassen, was in ihm ruht? Er hat ein starkes Kämpferherz, genau wie du, mein Heroe. Und er wird niemals aufgeben, genau diese Dinge hat er von dir. Es ist sein Schicksal zu kämpfen… denn das Heldenblut fließt auch in ihm…“

„Aber er könnte sich verletzen, er könnte sterben…“, sagte der Heroe. Zelda stoppte ihn, indem sie ihn küsste. „Hörst du nicht zu, Link? Genau das ist es, was auch dir passieren könnte, aber schreckst du davor zurück? Nein, weil du zu edelmütig bist, um die Welt in ihr Verderben rennen zu lassen. Gib‘ unserem Götterkind eine Chance sich zu beweisen!“

„Darf ich nun gehen? Darf ich in den Kampf ziehen und mich beweisen?“

Link seufzte. „Na gut, du machst doch sowieso, was du willst!“

Daraufhin quiekte Bengel und machte einen Freudensprung hinaus aus dem Bett. „Gut, ich werde da sein, wenn du mich brauchst, Papa. Aber vorher muss ich noch ein wenig was nachforschen!“ Er grinste und löste sich endlich in dem Silberregen auf, den man von ihm nur zu gut kannte.

 

„Da hab‘ ich ja was angerichtet…“, murmelte der in weiß gekleidete junge Mann.

„Es war richtig, vertrau‘ mir, Link…“

„In Ordnung…“

„Und jetzt?“, sagte sie.

„Lass‘ uns die wenigen Momente genießen…“, antwortete er und küsste sie leidenschaftlich.

 

Aufgeregt rannte der kleine Bengel, auch genannt Götterkind, durch die riesigen Gänge, Säle und Zimmer des Hauses hoch über den Wolken, suchend nach den Göttinnen, wollte er Antworten. Er hatte sich die Sätze in einem der dicken Bücher seiner Lieblingshylianerin Zelda ganz genau gemerkt und suchte nun unbedingt nach Nayru, die ihm vielleicht helfen könnte, den Sinn hinter jenen Zeilen zu verstehen. Aber bisher hatte er keine der Göttinnen irgendwo entdeckt, was ihm sehr missfiel. Die Zeit drängte und wo zum Teufel waren die Göttinnen abgeblieben?

Zielgerichtet steuerte seine Nase ihn in Richtung der großen Bibliothek, hoffend er würde Nayru dort finden.

 

Klein-Link ächzte, krähte und jaulte, als er das große, schwere Goldtor hinein in die Bibliothek mit all seiner Kraft aufschob. „So ein Mist, alles muss man alleine machen…“, schimpfte er und ärgerte sich insgeheim über die wenige Muskelmasse, die er hatte. Wenn er groß war, so entschied er, würde er jedenfalls mindestens soviel Muskeln haben wie der Held der Zeit. Dann hätte er auch keine Schwierigkeiten mehr solche beknackten Tore aufzustoßen. Er grummelte vor sich hin, während in der großen Bibliothekshalle plötzlich ein blonder Mädchenkopf von seinem Roman aufschreckte.

„Nanu?“, sprach eine piepsige Mädchenstimme, die Klein-Link nur zu gut kannte. „Wen haben wir denn da?“, rief sie und deutete auf den Platz neben ihr.

Das Götterkind grüßte mit einem freundlichen Hallo und setzte sich neben das blonde Mädchen, begaffte dann ihre unergründlichen, grünen Augen.

„Hallöchen, Navi… was machst du denn hier?“

„Mich beschäftigen!“, sprach sie freudig und lehnte sich mit vollem Körpergewicht auf den Roman, um ihn vor den Augen des Bengels zu verbergen.

„Und du, was verschlägt dich hierher?“, fragte sie neugierig. Erst da fiel Klein-Link auf, wie teuflisch hinterhältig ihre grünen Augen doch waren. Er und Navi waren einander schon oft begegnet, zuerst jedoch hier im Haus der Götter, lange bevor der Held und die Prinzessin von ihrem Schicksal wussten.

„Ich werde kämpfen, da Ganondorf sicherlich nicht tot ist, und will mich vorbereiten!“, protzte er. Daraufhin verzog Navi eine Augenbraue und schaute ihn skeptisch an. So skeptisch, dass es dem Götterkind sehr missfiel.

„Glotz nicht so, du Glühbirne, ich werde kämpfen im Gegensatz zu dir, wo du nur hier herum hockst und sinnlose Liebesromane liest!“

Navi riss erschrocken ihre Augen auf, blickte von dem Buch vor ihrer spitzen Feennase zu dem Bengel und dann wieder auf das Buch.

„Woher weißt du, dass ich diese Bücher lese? Außerdem hat dich das nicht zu interessieren. Du bist eben noch ein Kind und hast keine Ahnung von solchen tollen Liebesgeschichten!“, zickte sie.

„Ich bin wenigstens ein wenig größer als du, eingebildete Schnepfe!“, rief er.

„Ich bin weitaus älter als du, Idiot!“ Sie konnte nun nicht länger an sich halten, packte erbost das Buch in ihre Kinderhände und rückte Klein-Link damit auf den Leib. Wutentbrannt schlug sie mit dem Lesestoff nach dem Bengel, der immer wieder eine große Klappe riskieren würde. Doch jener war schneller und rannte vor ihr davon, bis Navi aufgab.

„Pah, solche Kindereien sollten mich nicht interessieren… und kämpfen kannst du sowieso nicht, Dummkopf!“ Stolz tapste sie mit ihren Holzpantoffeln wieder zu dem Tisch, schlug das Buch auf und versank mit ihren Gedanken darin.

„Wie schön…“, murmelte sie und steckte ihre lange Nase mehr und mehr in das romantische Buch. Nun war es an Klein-Link die Augenbrauen zu heben und nur verständnislos dem ,Ah‘ und ,Oh‘ und ,Wie faszinierend‘ und ‚Wunderschön‘ der einstigen Fee zu lauschen.

 

Die hatte sie ja nicht mehr alle mit ihrem Liebestick, dachte der Bengel, der sich ohnehin nicht für Mädchen interessierte. Mädchen waren ja ganz nett, aber so unberechenbar und das machte ihn nervös. Warum also sollte er sich mit dem weiblichen Geschlecht anlegen… Na gut, bei Navi war das was anderes, mit ihr legte er sich ständig an. Aber das war schließlich eine alte Fee, die frustriert war in einem Kinderkörper zu stecken. Da konnte der Knirps doch eine Ausnahme machen.

Eines aber ärgerte ihn. Navi hielt nicht viel von ihm. Sie unterschätzte ihn. Sie ließ sich sogar anmaßen, zu behaupten, er könne nicht kämpfen. Das ärgerte ihn ungemein.

 

„Warum liest du überhaupt so einen Blödsinn!“, murrte er und pflanzte sich wieder an den kleinen Tisch, wo Navi eine herzzerreißende Liebesgeschichte mit allem drum und dran las.

„Das interessiert dich doch sowieso nicht die Bohne! Also lass‘ mich einfach in Ruhe!“ Inzwischen waren ihre Wangen vor Wut in Rot getränkt. Der Bengel schien teilnahmslos ihre letzte Aussage überhört zu haben. Denn er beugte sich neugierig über die Buchseite und las mit seinen himmelblauen Augen ein paar Sätze.

Und was er las, war äußerst abartig für ihn. Es ging ihm auf die Nerven noch weiter zu lesen. Das größte Liebesgeschmunzel überhaupt. Wer erfand eigentlich solche schweinischen Texte, fragte er sich.

„Du glaubst doch etwa nicht an eine solche Gefühlsduselei, die hier steht, oder?“

Navi brodelte innerlich und kniff die Augen zusammen. Sie ballte die Fäuste, aber schwieg.

„Das ist ja peinlich“, sprach der Knirps, der von Liebe eben keine Ahnung hatte, gewiss nicht von dieser Art von Liebe. „Ich meine, ich habe Link und Zelda schon manchmal über das Thema Liebe reden gehört, aber die haben sich nicht so komisch und pervers unterhalten wie in diesem Roman.“ Und fröhlich gelaunt wie er war, schnatterte er weiter.

„Nicht zu glauben, dass es Leute gibt, die auf solche Bücher abfahren…“

 

Doch dies war zu viel des Guten für die ach so gute Navi, die sich aufopferungsvoll für Schmuddelwerke dieser Art einsetze. Sie liebte diese Bücher um Liebe, Intrigen und alle Emotionen der Menschen. Sie könnte es abstreiten, aber wozu? Sie war schließlich kein Kind, auch wenn sie so aussah… sie war immerhin 5374 Jahre alt.

 

„Du bist ein gemeiner Klotz, Klein-Link!“, giftete sie, nahm ihr Buch unter die kleinen Kinderarme und stapfte von dannen, direkt zu einem der Bücherregale. „Ich hasse dich dafür!“, fauchte sie von Weitem und ärgerte sich immer mehr. Aber warum?

Das Götterkind war einfach unreif und unfähig sich in die Gefühle anderer hineinzuversetzen. Er redete, wie es ihm gerade gefiel. Vielleicht merkte er nicht einmal, was er anderen damit antat. Sie verschwand in einer anderen Ecke der riesigen Bibliothek und las weiter.

 

Klein-Link währenddessen kratzte sich umständlich am Kopf. Meinte Navi das ernst? Sie hasste ihn? Er blinzelte und setzte einen Schmollmund auf. Hatte er was Falsches gesagt?

Neugierig und seine Worte längst vergessend tapste er wieder zu ihr und schaute über die Schulter Navis um wieder in das Buch zu schauen. Sie stieß ihn weg und ignorierte ihn dann.

„Sag‘ mal, hab‘ ich was falsches gesagt, du bist ja plötzlich so böse…“

Navi griff sich an den Kopf. „Merkst du es eigentlich? Du bist nur ein lächerliches, dummes Kind. Du hast von nix eine Ahnung und willst kämpfen können. Du bist einfach nur naiv und extrem blind für die Wirklichkeit! Und jetzt lass‘ mich lesen…“ Sie vergrub ihren blonden Mädchenkopf wieder in dem Buch und ignorierte den Bengel weiterhin.

 

„Aber ich kann kämpfen…“, flüsterte er dann und hängte den Kopf nach unten. Irgendwie machten ihn Navis Worte traurig.

„Jaja…“, erwiderte sie. „Du kannst froh sein, dass es Link gibt, ohne ihn wärst du aufgeschmissen.“

„Aber ich kann wirklich kämpfen auch ohne Link“, rechtfertigte sich das Götterkind, aber er fühlte sich plötzlich so klein gegenüber Navis Worten. So unbedeutend und nutzlos.

„Du hast absolut nichts von dem drauf, was Link in deinem Alter konnte. Ich war mit ihm unterwegs, die ganze Zeit, ich habe miterlebt, wie er gekämpft hat. Du aber bist bloß ein verwöhntes Kind.“

Diesmal schwieg er. Überhaupt nichts wusste diese eingebildete Glühbirne. Er hatte nichts, nicht einmal eine Familie. Warum also war sie im Augenblick so unausstehbar?

 

„Warum… warum bist du so gemein zu mir, Navi?“, fragte er dann und starrte zu Boden.

„Hä?“ Sie sah auf und zwinkerte.

„Ich habe mich gefragt, warum du so komisch drauf bist… Ich habe dich nicht so kennengelernt.“ Sie seufzte.

„Na gut, von mir aus. Ich bin gemein, aber das liegt in meinem Blut, also guck‘ nicht so. Ich hab‘ lediglich die Wahrheit gesagt. Wenn du kämpfen willst, dann bitte, geh‘, aber jammer mir nicht die Ohren voll, wenn du dir ein blutiges Knie geschlagen hast oder wenn du dir den Kopf gestoßen hast. Das gehört zum Kämpfen dazu.“

Er rollte mit den Augen. „Hab‘ ich jemals gejammert? Ich war schon in Ganondorfs Kerker eingesperrt und da hab‘ ich auch nicht geheult, also, was redest du hier eigentlich?“ Sie blickte mit ihren grünen Augen auf und seufzte wieder. „Wenn du es wissen willst, ich denke, dass Link und Zelda beide tot umfallen, wenn sie dich verlieren, deshalb solltest du dich aus den Kämpfen heraushalten.“ Er grinste linkisch und verschränkte die Arme. „So ist das also, du machst dir Sorgen um mich.“

Erbost hüpfte Navi auf die Beine und zankte: „Ich und mir Sorgen? Wo lebst du eigentlich?“

„Jaja, ist gut, ich hab’s kapiert.“ Er lachte und lachte fortwährend, bis Navi den Kopf schüttelte.

„Aber wenn es dich beruhigt, ich habe von Link und Zelda die Erlaubnis zu kämpfen… ich brauche bloß ein paar Hinweise und diese dachte ich hier finden zu können.“

Navi seufzte wieder gelangweilt, aber meinte dann um sich bei Laune zu halten: „Hinweise wofür?“

„Für ein Ereignis, was es noch nie gegeben hat“, sagte er aufgeregt und kramte halbzerfetztes Pergament und eine goldene Feder hervor. Geschwind notierte er den Spruch aus Zeldas Buch aus seinem Gedächtnis heraus.

 

,Ein Held, mit der Gewalt aller Helden, die das Schicksal ernannte.

Ein Gesetz, das umgeschrieben wurde.

Eine Melodie, die die Zeit der Welt einfrieren kann.

Was mögen die Helden tun, wenn sie nicht mehr der eine Held, sondern viele Helden sein könnten? Was mögen sie gewinnen? Was mögen sie entstehen lassen?

Ein Weg. Eine Gunst. Eine Gnade…

Ruft den Rat der Helden…

Das Medaillon der Mächtigen als Boote…

Die Okarina der Zeit als Weg.

Das Masterschwert als Schlüssel.

Die Helden Hyrules als Waffe…‘

 

Navi klatschte aufgeregt in die Hände und las Klein-Links Geschriebenes mehrmals durch. „Das wäre gigantisch, wenn alle Helden auf einem Schlag gegen Ganondorf kämpfen könnten. Aber wie soll das funktionieren? Jeder Link ist eine Wiedergeburt eines vorherigen. Irgendwo sind sie alle dieselben und doch so unterschiedlich…“

Das Götterkind nickte. „Genau um solche Fragen zu klären, brauche ich Nayrus Hilfe. Hast du sie irgendwo gesehen?“

Navi zwinkerte und wackelte mit ihrer spitzen, sommersprossigen Nase, als ob sie niesen müsste.

„Ja, sie wandelte in den Gärten des Lebens mit einer weiteren Göttin, die ich hier noch nie gesehen habe… eine ältere weißhaarige Frau mit langer Hakennase, die andauernd kicherte.“ Der Knirps Navi gegenüber schaute verwundert drein.

„Eine Frau mit Hakennase? Klingt wie eine Hexe… naja, wie auch immer. Dann mach‘ ich mich gleich auf den Weg.“ Rasch nahm er das Stück Pergament, wo er den Spruch notiert hatte und rannte in die magischen Gärten, dicht gefolgt von Navi, die sich die weiteren Ereignisse nicht entgegen lassen würde.

 

Sie fanden die Göttinnen ziemlich rasch. Gemeinsam mit der älteren Frau saßen jene in den Gärten des Lebens auf einer hellerleuchteten Lichtung. Umgeben von dickstämmigen, tropischen Bäumen, den buntesten, riesigsten Blumen und Unmengen magischer Wesen wie Einhörner, Thesauren, Feen und anderen Tieren wirkte der Ort schlichtweg magisch und faszinierend. Einem Mensch würde die Eigenheit dieses Ort als Gänsehaut auf der Haut spürbar sein. In Gestalt von Glück… Jeder, der hier wandelte war glücklich und vergaß seine Sorgen… 

 

Auf gläsernen hohen Stühlen sitzend tranken die Göttinnen aus goldenen Kelchen irgendein dunkelblaues Gebräu und aßen rubinrote Plätzchen oder smaragdgrünen Kuchen…

Sie unterhielten sich ruhig und angemessen mit der anderen Frau, die auch eine Göttin zu sein schien. Aber die Sprache, die sie referierten war für Klein-Link und Navi unbekannt. Mehr ein Gemurmel als Worte mit Sinn.

 

Es dauerte nicht lange bis Klein-Link den Geduldsfaden verlor. Die Göttinnen mussten ihn doch mittlerweile bemerkt haben. Und er würde nicht so lange hier warten, bis er zu Stein geworden war.

 

Das langhalsige Gras unter seinen Füßen raschelte und knackte, während er nähertrat und die Göttinnen in ihrem vertieften Gespräch belauschte. Stur und sich seiner Größe bewusst stellte er sich direkt vor Nayru und starrte sie an. Unverschämt und ohne Manieren, so wie er sich eben gerne gab, unterbrach er das Gespräch.

„Ich brauche Hilfe!“, gab er zum Besten und klatschte den Zettel mit seinem Geschriebenen einfach auf den Tisch.

Die Göttinnen kicherten daraufhin, einschließlich der vierten Unbekannten.

„Also gut, Götterkind… was wünschst du?“, sprach Nayru in jener Stimme, die klang wie das Rauschen des Meeres.

„Was bedeuten diese Worte: „Ein Held, mit der Gewalt aller Helden, die das Schicksal ernannte.

Ein Gesetz, das umgeschrieben wurde. Eine Melodie, die die Zeit der Welt einfrieren kann. Was mögen die Helden tun, wenn sie nicht mehr der eine Held, sondern viele Helden sein könnten? Was mögen sie gewinnen? Was mögen sie entstehen lassen? Ein Weg. Eine Gunst. Eine Gnade… Ruft den Rat der Helden… Das Medaillon der Mächtigen als Boote… Die Okarina der Zeit als Weg. Das Masterschwert als Schlüssel. Die Helden Hyrules als Waffe…“

Ungeduldig babbelte Klein-Link weiter: „Was bedeutet das? Raus mit der Sprache, Nayru, ich will Papa helfen!“

 

Die Göttin lachte wieder über die wahrhaft eindrucksvolle Menschlichkeit des Bengels, schloss die Augen und zauberte mit ihren Fingerspitzen eine blaue Brille auf ihre äußerst spitze Nase. Ihre sonst so weißen Glaskörper wurden hellblau und man erkannte, dass sie las.

„Der Rat der Helden… ich verstehe…“, murmelte sie und lächelte eindrucksvoll sanft. „Er scheint das einzige Werkzeug um etwas zu beenden, was sich durch ganz Hyrules Geschichte zieht. Der erste und letzte Rat der Helden, die immer auserwählt waren gegen das Böse zu kämpfen…“ Ihre warme, wohltuende Stimme wurde stumm und eine blaue Träne rollte über ihre rechte Wange.

„Es ist nur menschlich zu kämpfen oder auch einmal aufzugeben, nicht wahr, Schwestern? Denn wenn der Rat gerufen wird…wird Hyrule niemals mehr dasselbe sein…“ Din und Farore nickten beide. Umgeben von ihren eigenen Mächten und mit dem Wissen, welches sie besaßen, waren auch sie Zeuge die Dinge zu verstehen.

 

„Lausche, Götterkind…“, sprach Nayru dann. „Ruft man den Rat der Helden, wird sich vieles ändern. Möchte man jeden einzelnen Helden aus dem Zeitfluss herbeirufen, bedarf dieses Ereignis nicht nur einen Bruchteil Lebensenergie. Es bedarf ,Nichtexistenz‘. Nicht jeder kann den Rat herbeirufen, nicht einmal die Helden selbst können es. Es gibt nur einen, der diese Aufgabe… tun kann…“ Klein-Link zwinkerte und als er verstand, wurden seine Augen riesig. Er grinste unverbesserlich.

„Nichtexistenz?“ Er lachte und riss seinen Mund weit auf, um noch mehr zu lachen.

„Nur jemand, der nicht oder noch nicht existiert, könnte dies vollbringen…“

„Unglaublich. Das bin ich!“, sagte er voller Stolz. „Ist das meine Aufgabe, Nayru?“ Klein-Links himmelblaue Augen leuchteten voller Erwartung. Und als die Göttin nickte, vollführte der Knirps einen Freudensprung.

„Aber wie soll ich das anstellen? Was bedeuten die Zeilen weiterhin? Und warum muss es jemand sein, der nicht existiert, um diese Aufgabe zu vollbringen.“

Daraufhin bekam der Bengel von Navi einen unfairen Stoß in die Rippen, sodass er niederkrachte. Er schimpfte und schaute Navi vorwurfsvoll in das sommersprossige Gesicht.

„Was sollte das, du Glühbirne?“

„Meine Güte, du Knirps, stell‘ doch nicht so viele Fragen auf einmal. Wer soll denn da noch mitkommen?“

 

Doch die Göttinnen ließen Klein-Link darauf nicht antworten. Stattdessen drehte sich Nayrus Kopf mit dem blauen, seidigen Haar zu Navi und jene Göttin sprach säuselnd: „Mmh… auch du besitzt in gewisser Weise keine Existenz mehr, Navi… Das Götterkind könnte Unterstützung gebrauchen!“

Die einstige Fee jedoch fiel aus allen Wolken. „Moment mal… ich werde gewiss nicht Kindermädchen für diesen Zwerg hier spielen!“ Sie glühte rot auf vor Zorn.

„Ich bin immer noch eine Fee und kein Aufpasser für so einen Naseweis!“ Leicht verachtungsvoll deutete sie auf Klein-Link, der beschämt zu Boden sah. Warum nur war Navi heute so gemein zu ihm?

„Von mir aus… die Hilfe von jemanden, der frustriert ist über seine Gestalt und aussieht als wäre er in einen Topf mit Sommersprossen hineingefallen, ist eh keine Unterstützung für mich!“

„Da sind wir uns einig!“, sagte das grünäugige Mädchen.

„Ganz genau!“ Klein-Link grinste bitterböse und zuckte dann mit den Schultern.

„Da wir das geklärt hätten, nun noch mal zu meinen Fragen von vorhin…“ Er funkelte Navi streitsüchtig an. „Und diesmal möchte ich nicht von jemandem unterbrochen werden, der sich zu fein ist, zu kämpfen!“

Navi schnaufte wie ein Schwein und zog Klein-Links grüne Mütze vom Kopf. Und so ging das Affentheater weiter und weiter.

 

Din, Nayru und Farore, wie auch die vierte Göttin im Bunde schüttelten nur die Köpfe, kicherten und bedienten sich wieder von ihrer übernatürlichen Speise.

„Es scheint als verstehen sich die beiden ganz gut“, sagte Nayru mit einem Lächeln.

„Gewiss, nur wird auf Navi noch etwas warten, was Klein-Link wie auch den Helden der Zeit, der als Held der alten Welt wiedergeboren wurde, sehr traurig stimmen werden“, antwortete Din.  

„Vielleicht, Schwestern… vielleicht wird doch alles gut…“, sprach Farore und lächelte sehr, sehr angenehm. Als schwebe sie, erhob sie sich und als ihre Füße den waldigen Boden fanden, um wirbelten Tausende grüne Blätter ihre Gestalt. Auch Din erhob sich und nutzte ihre Flammen, geboren aus einzigartigem Gelüst der Macht. Brennend heiß loderten ihre Flammen um ihren Körper. Und die beiden verschwanden im Nichts.

Die eine, die unbekannt und scheinbar nichts wissend an jenem Tisch saß, erhob sich ebenfalls und tauchte ihr verborgenes Antlitz in goldene Funken.

„Habt Dank, Göttinnen Hyrules für Euren Segen und die Speise der Götter. Habt dank, dass ich als Göttin geboren werden durfte.“ Und damit verschwand auch sie… zunächst…

 

Nur Nayru blieb und nahm einen langen Zug aus ihrem Kelch, blickte Navi und Klein-Link hinterher, die sich neckten und gewiss nicht nachtragend sein würden.

„Die Dinge werden sich ändern… aber gewiss, es wird alles gut…“, sprach sie leise und winkte dem Götterkind zu, welches gehorsam näher tapste. Er war außer Puste, keine Frage und hatte sich an Navis bösen Fingernägeln so manchen Kratzer geholt. Aber auch die einstige Fee hatte genug. Ihre blauen Schleifen im Haar hatten sich gelöst und ihr aschblondes Haar fiel lose hinab bis zum kleinen Feenhintern.

„Göttin Nayru… bitte beantwortet meine Fragen…“, sprach Klein-Link und pflanzte sich auf einen der freien Stühle. Er aß einen der Kekse und fand sie ganz lecker, so wie er eben alles in seinem wahren Leben lecker finden würde. Auch Navi trat näher, mit kochend roten Wangen und einer ungeheuren Wut im Bauch, da sie gegen den Knirps verloren hatte. Sie ärgerte sich maßlos und würde jetzt lieber den Mund halten.

 

„Mmh…“, summte Nayru. „Die Zeilen sagten…“ Und eine blaue Schrift bildete sich in der Luft. Leuchtend gab sie das Geschriebene wieder. „Das Medaillon der Mächtigen als Boote…“

Ja, das ist wunderbar… und einzigartig… in dem Medaillon schlummern Melodien, Götterkind. Hast du nicht eine der Melodien schon lauschen dürfen?“ Er nickte und erinnerte sich mit einem üblen Bauchgefühl an den Tod seines großen Vorbildes. „Ja, das war als Link… fortging…“, sprach er vorsichtig.

Nayru lächelte mit ihren sanften Gesichtszügen und den verhüllten blauen Glaskörpern. „Das Medaillon wird noch eine andere Melodie preisgeben… eine Melodie geboren für die alte Okarina…“

„Die Okarina der Zeit als Weg“, stand plötzlich in den Lüften in blauer leuchtender Schrift, wie vorher der erste Satz…

„Womit wir bei dem zweiten Satz wären… Nutzt die alte Okarina… aber nicht du, noch Navi… der Held der alten Welt soll das Stück spielen, welches wie ein schmeichelndes Wort, wie ein Wunderwerk aus dem Medaillon fahren wird, wenn die Zeit reif ist… Eine Melodie, die ähnlich wie die Hymne der Zeit arbeiten wird… aber sie ist die Melodie des Niederganges.“

„Und dann?“, fragte der Bengel wissbegierig und neugierig wie er eben war.

„Wenn der erwachsene Link die Melodie gespielt hat, wirst du dich mit dem Medaillon auf den Weg machen… Der Wunsch die Helden Hyrules zu treffen, wird in deinem Blut liegen… Es wird dich dorthin führen, wo du andere Helden treffen wirst… womit wir bei der dritten Zeile wären…“

„Das Masterschwert als Schlüssel.“ Auch dieser Satz stand in magischer Schrift in den Lüften des Großen Gartens.

Wiederrum wusste Nayru dazu etwas zusagen. „Hast du alle Helden Hyrules, jede Wiedergeburt, getroffen, sollen sie das Masterschwert gemeinsam zu einem Zeitpunkt zurück in den alten Zeitenfels stoßen. Ist dies vollbracht… sind die Helden Hyrules unsere Waffe…“

Nayru endete mit einem Flüstern, welches so beruhigend und doch gefahrvoll klang wie der schier endlose Ozean, der Hyrules Kontinent umgab. Die ultimative Waffe für den großen Kampf war ausgesprochen… nun war es an Klein-Link jene ultimative Waffe zu rufen und zu wahren…

 

 

Im stillstehenden Hyrule war alles still. Nirgendwo zeigte sich ein Hinweis auf ein Monster oder auf das Erscheinen Ganondorfs. Und doch… sprachen die Zeichen für seine Anwesenheit…

 

Die Prinzessin des Schicksals lächelte bezaubernd und führte ihren Heroen zu dem Balkon. Wie von selbst öffnete sich die gläserne Tür mit dem goldenen Rahmen und ließ keinen Windzug noch eine Form von Sturm in den Innenraum. Schlief die Zeit, so schlief auch das Wetter…

 

Sachte lehnte sich die Prinzessin in ihrem anmutigen, lilienweißen Gewand auf das Geländer und schaute hinauf in den klaren Himmel, wo das Feuerwerk eingefroren, niemals hinab schwinden würde.

Link ging auf sie zu, legte wie damals auf dem anderen Balkon seine Hände auf ihre Schultern, arbeitete mit ihr das auf, was sie beide als schmerzlich erfahren hatten.

„Wenn ich jetzt auf alles zurückblicke, Zelda…“ Er trat näher, schlang seine Arme um ihren Bauch und zog sie an sich. „…dann hatte die Vergangenheit auch ihr Gutes… Sie hatte ihren Sinn. Du konntest nicht ändern, wer du bist, wozu du geboren wurdest. Und ich konnte mich nicht gegen etwas auflehnen, was Jahrhunderte seine Bewandtnis hatte.“ Aufmerksam lauschte sie seinen Worten und ließ sich in ihm fallen. In diesem wundervollen Menschen, der so liebenswert war, so unbeschreiblich gütig.

„Und dennoch… ich spüre, dass etwas neues beginnen wird. Es wird einen Sturm geben in Hyrule. Einen Sturm auch auf der Erde. Und in diesem Sturm wird vieles altes weggewaschen werden. Die Zeiten werden sich ändern. Unser  Schicksal wird ein anderes sein…“ Zelda lächelte und lauschte den andächtigen Worten aus seinem Mund. Sie hatte ihn noch nie so reden gehört. Ja, dieser Link, dieser rechtschaffene Heroe, war nicht mehr das Kind, das sie einst traf. Er sprach wie ein Anführer. Er sprach gerecht…

„Ich war Zeuge dieses Sturmes, aber ich weiß nicht wann und ich weiß nicht warum… ich weiß nur, dass wir glücklich werden können.“ Zelda fühlte sich indes verwöhnt von diesen sanften Worten und ruhig, unheimlich ruhig, obwohl doch der große Kampf noch lange nicht entschieden war.

 

„Ein Sturm, der uns verändern wird?“, fragte sie leise.

„Ja, ein Sturm, der uns etwas bringen wird, was wir ersehnen…“

„Woher ahnst du diesen Sturm, Link?“

„Ich habe gesehen, was er hervorbringt…“ Dann war er es, der wissend lächelte. Sich an die Begegnung mit sich selbst erinnernd, kam auch das Bild der kleinen Lia zurück in sein Gedächtnis. Dieses wundervolle mit Ölfarbe gemalte Bild eines kleinen Engels, der außer tiefblauen Augen so aussah wie seine Mama…

„Du verschweigst mir etwas?“ Sie stellte jene Frage ruhig, ohne Vorwurf, ohne Bedrängnis.

„Was würdest du denken, wenn ich eine Zukunft gesehen habe, die uns glücklich macht?“

„Ich würde diese Zukunft gerne erfahren wollen und auf sie zuarbeiten...“, entgegnete sie.

Link lachte dann. „Wenn das so ist, müssten wir sehr bald miteinander schlafen, Zelda.“ Und da war sie wieder, diese übertrieben kindische, unverschämte Seite an Link, ohne welche er nicht er selbst wäre. Zelda grinste teuflisch und zwickte ihn in die Arme, die noch auf ihrem Bauch lagen.

„Du bist unmöglich… erst redest du, als würde Nayru persönlich aus dir sprechen und dann mit einem Schlag denkst du an eine heiße Liebesnacht, die all‘ deine Träume erfüllt. Verdammt, Link… dir ist schon klar, dass du mich verrückt machst mit deinen hitzköpfigen Kommentaren…“

„Jep, ich liebe es…“, murmelte er und drückte seinen Lippen an ihren Hals, zwickte sie dort ein wenig als ausgleichende Gerechtigkeit.

„Du bist unmöglich…“, wiederholte sie, worauf er lachte.

 

Zelda wand sich endlich um ihre eigene Achse und schaute in die Herzensgüte und Zuneigung seiner tiefblauen Augen. Sie umarmten einander wieder und endlich kam es zu dem Kuss, den sie sich beide vorhin schon gewünscht hatten.

Ein Kuss so zerbrechlich schön, fast unschuldig wie ihr erster Kuss damals in dem Traum, wo sie beide viele Kilometer voneinander getrennt waren. Es war leicht und ausdauernd, wie  ihre vier Lippenteile sich bewegten. Es war nichts tiefes, noch nicht. Nur ein süßes Dahin schmelzen und Schmecken der Lippen des anderen.

„Mmh… das ist schön…“, entgegnete Zelda während des Kusses und führte ihre Hände in Links blondes, wirres Haar, spielte ein wenig mit dem kleinen Pferdeschwanz, den er hatte. 

„Erzähl‘ mir von der Zukunft, die du sahst…“, hauchte sie, während ihre Lippen immer wieder mit seinen rangen, kämpfend, wer zuerst Erlaubnis für einen tieferen Kuss besaß.

„Weshalb sollten wir… du weißt schon, um diese Zukunft wahr werden zu lassen?“, sprach sie.

„Das verrate ich dir nicht…“, meinte er grinsend.

 

Zelda wich eingeschnappt zurück und biss sich auf die Lippe. Sie verschränkte die Arme und spielte die Beleidigte. „Darf ich dich fragen, warum du es mir verschweigen willst?“

Link lächelte mitfühlend. „Nur um dich zu schützen. Ich möchte nicht, dass du etwas erfährst, was dann später nicht eintreffen könnte. Wir sollten nicht so forsch in den Lauf der Dinge eingreifen. Ehrlich gesagt, ärgere ich mich selbst ein wenig, die Zukunft zu wissen, die vielleicht nur durch einen kleinen, falschen Schritt niemals so erfüllt werden könnte…“ Er hob ihr Kinn nach oben und sah in jene himmelblauen Augen, wo einst der Schatten stand.

„Kannst du das verstehen, Zelda?“

„Wenn ich dich nicht so lieben würde, nein…“, sprach sie und nahm seine Hände in ihre. Sie streichelte das Fragment, golden schimmernd, hell und gleißend, hatte es seinen Besitzer nie verlassen. Auch ihr eigenes Fragment strahlte, lebte auf, verführt von einem vertrauten Schein des Mutes in der unmittelbaren Nähe. 

„Aber, da du mein Herz besitzt, Link… wie sollte ich dir widersprechen können… Ich liebe dich…“ Sie führte seine Hände an ihre Wangen und schloss die Augen. Konnte es nicht immer so zwischen ihnen sein, dachte sie. Unendliches Vertrauen. Verständnis. Gefühl für neue Ansprüche.

Der Heroe umarmte sie wieder fest, ein wenig zu fest. Seine mittlerweile warmen Hände suchten die sanfte Haut ihres Rückens und bemerkten endlich erneut etwas Fremdes dort. Etwas weiches, federartiges, was vorher nicht da war. Link streichelte darüber, aber sorgte sich nicht, nicht genug, um seine Augen aufzureißen. Es waren die Federn, sicherlich, die starken, weißen Federn, mit den faszinierenden braunen Musterungen, die er schon in der Teufelskirche bemerkt hatte. Er zog Zelda noch näher an sich, führte seine Zeigefinger in das Material und fand es verbunden mit Zeldas Haut vor. Es war ein Teil von ihr, auch, wenn er nicht wusste wieso…

Im Moment jedoch, gefangen in diesen wunderbaren Gefühlen, sprach er es nicht an, genoss einfach die Nähe zu seiner Liebsten.

Aber eben dieses Festhalten sagte der Prinzessin nur, wie ungern er sie jetzt wieder gehen lassen würde. Sie löste sich ein wenig und lehnte ihre Stirn gegen seine, sah verliebt in seine tiefblauen Augen.

 

„Sag‘ mir, welchen Sinn hat dieses Weiß deines Kleides… welchen Sinn hat dieses Gewand, dass ich trage?“, meinte er.

„Es bedeutet ein ,Ja‘…“, flüsterte sie.

„Ich sage Ja zu dir“, sprach sie dann klarer und musterte Links Gesichtszüge, der es vielleicht immer noch nicht verstanden hatte. Denn er reagierte einfach nicht und tat keinen Mucks.

„Das heißt, wenn du mich noch willst, Link…“, sprach sie leiser und wirkte verunsichert.

Und dann, von einer Sekunde auf die andere, hob der Heroe seine Prinzessin in die Höhe und drehte sich mit ihr in den Lüften. Er lachte ausgelassen. Er lachte wie ein Kind.

„Das ,Ja‘ nehme ich gerne an… unter einigen Bedingungen…“, erwiderte er, aber in seinen Augen stand eine unberechenbare Freude, die ihn befähigen würde, alles Mögliche zu tun.

Er ließ seine Prinzessin wieder auf ihren eigenen Füßen stehen, küsste sie auf die Stirn und meinte: „Willst du meine Bedingungen gar nicht wissen?“

„Nein…“, entgegnete sie. „Ich würde jede Bedingung unterzeichnen, wenn ich mit dir zusammen sein kann.“

„Weißt du, was…“

„Mmh?“

„Ich verrate dir meine Bedingungen trotzdem…“

 

Sie grinste und drückte ihre Lippen gegen seinen Hals. „Dann verrate sie mir aber auch alle und lass‘ keine Bedingung aus, mein süßer Link…“ Entsetzt schaute er zu ihr hinab.

„Süßer Link… du ahnst nicht, wer mich schon einmal so genannt hat.“ Er lachte wieder und wurde ein wenig rot um die Wangenknochen.

„Die fast nackten großen Feen… hab‘ ich mich damals geschämt…“

Zelda zwickte ihn dafür mit ihren Zähnen ganz leicht in seinen Hals.

„Erzähl‘ mir sowas nicht, da werde ich ganz eifersüchtig. Von jetzt an will ich die einzige Frau sein, die du nackt sehen darfst…“

„Ich muss sagen, das reicht mir bei deinem unverschämt weiblichen Körper durchaus…“ Er schmunzelte. „Womit wir wieder bei meinen Bedingungen wären…“

Zelda boxte ihn an die Schulter und entließ ein verärgertes Gebrummel: „Wehe deine Bedingungen beziehen sich alle auf das ,Eine‘! Dann schläfst du jede Nacht auf dem Sofa, mein Möchtegernheld.“ Link wich zurück. Ein wenig Entsetzen stand in seinen tiefblauen Augen. Meinte sie das ernst?

„Nein, nein…“, er stotterte. „Bei den Göttinnen… Zelda… ich… die Bedingungen sind…“ Link brach ab und schämte sich schon wieder. „Ich verehre dich… natürlich wünsche ich mir,  dass wir die kommenden Nächte zusammen verbringen, aber das ist nicht meine Bedingung.“

„Das will ich auch gehofft haben!“, erwiderte sie prompt. Sie umarmte ihn wieder. „Nun verrate mir endlich deine Bedingungen.“

 

Er grinste und begann aufzuzählen: „Ich möchte einen Streit mit dir im Monat, um unsere Ehe wieder ein wenig… sagen wir anzuheizen.“

Zelda grinste daraufhin.

„Dann zweitens… eine kleine Massage jeden Abend von deinen zarten Händen…“

Auch darüber konnte man diskutieren, dachte sie und lächelte.

Link ließ den Blick schweifen und sah weit weg hier auf jenem Balkon, den prallgefüllten Ballsaal und er konnte sich selbst sehen, sein früheres Ich. Und er sah Zelda, wie sie sich von Farores grünen Windgewändern hinfort tragen ließ.

„Dann drittens… Ich will nie wieder… so verzweifelt dort oben stehen und zusehen, wie du verschwindest…“

„Niemals wieder…“, versprach sie ihm und küsste ihn an sein Kinn.

„Dann viertens…“

Sei bremste ihn und legte ihren rechten Zeigefinger auf seine Lippen.

„Wie viele Bedingungen hast du eigentlich?“

„Etliche…“

„Und du glaubst, dass ich sie alle erfüllen werde?“

„Jep, weil du von vielen selbst Vorteile schöpfen wirst.“

„Na gut, dann lässt sich wohl darüber reden…“, feixte sie. „Erzähl‘ weiter von deinen Bedingungen. Was war jetzt das Vierte?“

„Dass ich dich trösten darf, wenn du traurig bist…“, meinte er und küsste sie mehrmals auf die Stirn.

Zelda lächelte. Das war keine Bedingung, das war ihr eigener Wunsch. Natürlich würde sie dieser Bedingung nachgehen. Auch die anderen waren nicht einmal übel, dachte sie schmunzelnd.

„Und dann noch etwas…“ Link zögerte bei dem letzten Wunsch, den er hatte, obwohl er es sehr begehrte.

„Ich wünsche mir ein Mädchen, welches so aussieht wie seine Mama und das ich benennen darf…“ Er lächelte sanft und suchte ihren Blick. Jener war geheimnisvoll, aber ungemein beruhigend.

„Darüber lässt sich durchaus reden…“

„Ich nehme dich beim Wort, mein Engel“, sprach er gewieft und lachte. „So lange, bis wir ein Mädchen haben…“

Sie boxte ihn wieder. „Du kleiner Lügner, hast du mir nicht hoch und heilig versprochen, dass deine sogenannten frevellosen Bedingungen ohne Sünde sind? Und nun, was müssen meine Elfenohren da hören?“

„Dass ich vermutlich nicht so sittenhaft bin wie du gedacht hast...“, schmunzelte er.

„Du unverschämter Kerl, du…“, fauchte sie. Sie nahm ein wenig Anlauf und brachte Link zu Fall, sodass sie beide auf dem Bett landeten. Es knarrte und knackte. Sie lachten beide, bis sie sich verträumt in die Augen blickten.

„Ich liebe dich, Zelda…“, sagte er leise und ehrfürchtig. Niemals sollte man jene Worte ohne Grund aussprechen…

„Nicht so sehr wie ich dich…“, erwiderte sie, bevor er sie in die vielen Kissen drückte und seine Lippen über ihr Gesicht, über ihren Hals und Schlüsselbein wandern ließ.

„Link… ich…“ Sie war atemlos und wusste nicht, wo das hinführen sollte.

Er sah kurz auf und lächelte. „Möchtest du… jetzt?“ Er musste es nicht zu Ende aussprechen damit sie verstand, was er meinte. Sein Lächeln. Die Liebe in seinen Augen genügte.

„Bist du dir sicher… ich meine… das ist ein ungünstiger Zeitpunkt…“, murmelte sie, erhielt dafür ein frevelhaftes Grinsen und einen sanften Kuss.

„Möchtest  du?“, sprach er wieder und legte seinen Kopf auf ihre Schulter, spielte ein wenig mit einem Träger des weißen Kleides. Dann wanderte seine linke Hand hinab über ihre Brust zu ihrem Bauch.

Sie hatte keine Wahl, nein zu sagen, wenn er sie auf diese Weise verführte? Oder hatte sie diese?

„Zelda…“, flüsterte er zum dritten Mal. „Sag‘… möchtest du es?“ Seine Worte waren kaum ausgesprochen, begann er an ihrem Hals zu saugen, zu lecken und zu zwicken.

 

Sie konnte ihm nicht mehr antworten. Sie wussten beide, was sie sich voneinander wünschten, aber das Schicksal hatte andere, wichtigere Pläne.

Außerhalb der Schlossmauern, irgendwo in der Stadt, vielleicht in der blutüberströmten Zitadelle der Zeit, gab es plötzlich einen heftigen, lauten Knall. Ein Beben entstand und weitete sich über die Stadt hinweg aus.

„Verdammt! Immer kommt etwas dazwischen, wenn ich inmitten von etwas Schönem bin…“, murrte der Heroe und richtete sich auf, während die Fensterscheiben zu klirren begannen.

Zelda quiekte überrascht auf und wurde sogleich von ihrem Heroen vom Bett herunter gezogen.

„Ruhig!“, rief er energisch und zerrte sie mit ihm in einer der Ecken, während überall im Gemach Gegenstände von den Regalen und Tischen hinunter geworfen wurde. Kerzenständer, Lampen und Bücher flogen umher, geführt von dem Zorn einer Bestie, die ganz Hyrule und die Erde bestrafen wollte.

Zusammen saßen die beiden Heldengestalten in der Ecke, warfen sich unruhige Blicke zu und begannen einander mit einem Schild zu schützen, der sie beide, Arm in Arm, vollständig umrahmte. Ein blauschimmernder, magischer Schutzschild gespeist von ihnen beiden.

 

Als das Beben endete, traten Link und Zelda durch zerfetzte Gegenstände, umgeworfene Regale, und durch die vielen Kleider, die aus Zeldas Schränken geworfen wurden. Nichts als Schutt…

Sie gingen gemeinsam, äußerst vorsichtig in Nähe des Balkons und blickten nach draußen, auf die Trümmer der Stadt. Viele der Häuser waren in sich zusammengefallen. Bäume umgeknickt und Feuer wütete an manchen Ecken.

Die Zeit in Hyrule tickte weiter. Und das Schloss, die Stadt, das Land… alles wurde leer und einsam. Menschenseelen verschwanden vor den Augen der beiden Triforceträger in blauen Kristallen. Feen, Goronen und Zoras… und viele andere Wesen schwanden. Und weit im Norden, dort wo niemand wohnte, begann das Land zu verblassen, unsichtbar zu werden, wie damals…

 

Links Blick ging entschlossen zur Zitadelle der Zeit, die aber nicht einen Riss trug. Sie war in voller Blüte erhalten…

Ganondorf war dort, und er war lebendig, Link spürte es. Und jener Teufel schrie innerlich den Namen des Heroen voller Zorn und Hass. So laut und makaber, dass Link es in seiner Seele hören konnte.

„Er fordert mich zum Kampf auf, Zelda…“, sprach der Heroe und blickte sie trübsinnig an. „Ich weiß, dass, wenn ich jetzt gehe, der Kampf enden wird. Ich muss gehen.“

Zelda lächelte schwermütig, aber nickte. Eine Träne rollte von ihrer rechten Wange hinab. Verzweifelt umarmte sie ihren Liebsten, flüsterte Worte des Glücks und der Hoffnung in seine Ohren. „Ich glaube an dich…“, sprach sie. Sie nahm beide seiner Hände in ihre. „Und selbst wenn Ganondorf das Medaillon hat und es einsetzen konnte, ich… warte auf dich. Ich weiß, dass du zurückkommst… zu mir…“ Sie schloss die Augen und atmete tief ein.

„Du bist stark, mein Heroe.“ Link lächelte und wurde von der Prinzessin schließlich durch Schutt und Gerümpel in dem Gemach zu einem der Geheimgänge geführt.

„Folge diesem Weg, Link. Er führt dich direkt zum Eingang der Zitadelle. Falls der Weg verschüttet ist, kehre um.“ Er nickte, schnallte sein heiliges Schwert auf den Rücken und verabschiedete sich mit einem Kuss. „Ich werde zu dir zurückkehren, Zelda.“

„Ich weiß.“ Sie lächelte. Und sie lächelte auch noch, als er durch das kleine Tor schlüpfte, welches im Schrank versteckt lag. Und sie lächelte immer weiter, als Link bereits tief in den Wirren des Geheimgangs verschwunden war.

„Wenn nicht, bin ich diejenige, die dich finden wird“, sprach sie zu sich selbst. Die Thronerbin wusste um eine neue Entscheidung ihrer selbst. Sie fühlte den Anbruch von etwas neuen. Und sie fühlte den starken Arm der Hoffnung…

 
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