Kapitel 94
 

Kapitel 94

 

 

 

„Wer das Leben liebte, der trachtete nicht nach Zerstörung und Gewalt… wer seine Welt liebte, der schadete ihr nicht mit unreinen Gedanken, mit Erfindung von Macht…“

Ein ungewöhnlicher Satz. Ihn zu lesen war ungewöhnlich, vor allem in einer Welt wie Hyrule. Welch Irrsinn, dass jener Satz, geschrieben von einem der alten Weisen, in diesem Buche stand.

Prinzessin Zelda sammelte gerade jenes alte Buch aus dem Staub und Schutt ihres Gemaches auf und saß einfach da, inmitten von ihrem Gerümpel, in einer Dunkelheit, die lediglich von einer kleinen Kerze überwunden wurde.

 

Sie sortierte ein wenig ihren Plunder, um sich von dem Gedanken abzulenken, dass Link auf den Weg zu Ganondorf war und versuchte es ein wenig zu verdrängen. Aber die Sorgen wurden nicht weniger, ganz egal, was sie tat. Es half nichts…

Tief einatmend erhob sie sich in jenem lilienweißen Kleid, welches sich geschmeidig um ihren Körper wand und spürte plötzlich ein kleines unangenehmes, aber nicht allzu schlimmes Ziehen in ihrem Rücken. Sie ahnte, woher es rührte. Es war ein Druck, ausgehend von ihrem Fragment, der sich in fadenförmig verlaufendem Kribbeln über ihren rechten Arm zum Rücken zog. Sie verstand nicht, was es war. Sie hatte nicht die weißen Federn auf dem Boden gesehen, die Link bemerkt hatte, noch hatte sie ein Gefühl dafür, dass an ihrem Rücken etwas wuchs. Sie fühlte keine Ängste deswegen, keine Beunruhigung. Vielleicht war genau das der Grund, weshalb sie es bisher ignoriert hatte.

Sie streckte sich und wanderte mit ihren Händen über ihre Schultern zum Rücken um zu fühlen, was dort war. Keuchend zog sie die Rechte zurück und erstarrte zunächst.

Ein weiches Material, verbunden mit ihrer Haut. Was bei Nayru hatte sie erwartet?

 

Ein wenig hektisch hüpfte die junge Prinzessin ins Badezimmer mitsamt der Kerze in ihren Händen. Sie stand mit dem Rücken zum Spiegel und drehte vorsichtig ihren Kopf in Richtung des Spiegelglases. Und dann sah sie mit voller Erwartung und Erkenntnis. Sie sah Schönheit, fühlte einmal mehr Weichheit und das Zarte an ihrer eigenen Seele…

 

Aufmerksam folgte der Held der alten Welt seinem Weg in den finsteren Geheimgängen. Er rannte, überwältigt von einer wundersamen Energie in seinen Adern, hörte das Plätschern des Wassers in jenen unterirdischen Gängen und lauschte seinem eigenen hetzenden Atmen. Er hatte genug Energie um den weiteren Kampf zu überstehen. Aber woher er sie hatte, das war ihm ein Rätsel. Ob Zelda ihm entgegen seines Willens einen Bruchteil ihrer Lebenskraft geschenkt hatte? Der Gedanke ließ ihn ärgerlich werden. Konnte sie ihm nicht endlich vertrauen?

Er schüttelte mit dem Kopf und hetzte weiter. Immer weiter, dorthin, wo ihn das Schicksal bestimmte. Er würde kämpfen, mit der Macht des legendären Helden in seinem Inneren, er würde erbarmungslos kämpfen und den Dämon aus alten Zeiten ein für allemal vernichten…

 

Nach wenigen Minuten erreichte er eine Kreuzung und entschied sich für den mittleren Weg, weil dort die Luft am angenehmsten war. Ohne zu zögern rannte er vorwärts, bis er inmitten der Dunkelheit, wo nur das Fragment des Mutes einen gleißenden Lichtschein in die Finsternis warf, Schritte hörte. Es waren stapfende Schritte von mehreren Personen. Drohend. Genüsslich langsam.

Link überlegte kurz und tapste entschieden zurück zu der Kreuzung, dämmte das Licht des alten Fragmentes auf seiner Hand immer mehr, bis es ausging…

Er wartete, wartete auf die möglichen Feinde, die sich hier in dem Untergrund tummelten. Er roch sogar schon ihre wahnsinnigen Gedanken, und hörte dann ihre kalten Stimmen. Er würde auf einen günstigen Moment warten und nicht zögern, zu töten, wenn sich seine Vermutung bestätigen würde.

Es dauerte nur wenige Sekunden und aus der Finsternis des Ganges leuchteten knisternde Fackeln, gaben Antlitze preis, die den Heroen an schicksalhafte, grausame sieben Jahre in der Zukunft erinnern würden. Bärbeißige Gesichter. Zerstückelte Ausdrücke von Gier und Hass. Olivgrüne Haut. Schmale, lange Nasen und dürres, rotes Haar…

Es waren fünf von Ganondorfs Kindern, vielleicht einige der ältesten, die er erzeugt hatte. Bewaffnet mit breiten Schwertern traten jene Frauen und Männer näher, sprachen Worte ohne Sinn, flüsterten mit groben Stimmen die Wortfetzen einer Teufelssprache, die Ganondorf ihnen gelehrt hatte. Ohne Herz und Gefühl schlichen sie durch die feuchten Gänge, schnüffelten Raten und suchten sich Opfer vor dem Schicksal...

 

Links Angriff kam zielsicher und überraschend. Sein leuchtendweißes Schwert schlitzte die Würde entzwei, welche jene Diener des Bösen sich einbildeten, teilte Knochen, Fleisch und Haut ohne Gnade.

Ganondorfs Kinder, verschuldet der Tatsache, dass sie auch Gene von Ilona in sich trugen, waren hinsichtlich der Kampfgewandtheit, Grausamkeit und des Tötungstriebs ihrem Vater nicht allzu ähnlich. Es war ein Kinderspiel für den wiedergeborenen Helden der Zeit jene Geschöpfe die Schärfe seines heiligen Schwertes spüren zu lassen. Sie würden leiden. Und sie würden sterben…

Erbarmungslos metzelte sich der Heroe den Weg durch die Scharr des Bösen, bis von ihnen nur die wenigen Aschenblättchen blieben, die in Feuer aufgingen und somit von der einzigen Existenz der Schreckenskreaturen nichts blieb.

 

Link hetzte weiter, die vielen Gänge im Visier und vorbereitet auf die nächsten Geschöpfe, die seinen Weg kreuzen und untergehen würden. Er rannte weiter und weiter, als ein furchteinflößender Gedanke aufkam…

Wenn diese Biester in den Gängen hausten, was wäre wenn einige von ihnen den Weg zum Schloss finden würden? Zelda wäre in Gefahr!

Kurzum rannte er den Weg ein Stückchen zurück. Aber seine Schritte wurden alsbald wieder langsamer. Das Klacken seiner Stiefel wurde erstickt von Links Vertrauen, welches er für Zelda hatte. Wie sollte sie anfangen ihm zu vertrauen, wenn er es selbst nicht schaffte? Sie wusste sich zu verteidigen, wenn diese Monster ihr gegenüber stehen würden! Sie war immerhin die Siebte Weise! Kopfschüttelnd brachte der Held ein Lächeln auf sein Gesicht. Sie würde diese Bestien zur Hölle jagen, wenn sie ihr auf den Leib rücken würden… Ja, Zelda war unberechenbar. Seine Prinzessin war stark.

 

Link setzte den Weg dann fort. Und in wenigen Minuten sollte sich in der Zitadelle der Zeit das Schicksal der Erde und das von Hyrule entscheiden…

 

Wenige weitere Sekunden zergingen wie Regentropfen, die auf heißen Wüstensand fielen. Ächzend drückte Link eine schwere Steinwand zur Seite. Ein Quietschen und Knarren so entsetzlich wie der Lebensruf eines neugeborenen Drachens ging durch den kleinen zart gegrasten Hinterhof der alten Zitadelle der Zeit. Link stemmte sein ganzes Gewicht gegen jene Pforte und hatte endlich genug Platz um durch zupassen. Er atmete tief ein und orientierte sich langsam.

Reuewürdige Erinnerungen verflogen in seinem Geist, während hier im Garten der Heiligenstätte die vielen Rosensträucher von dem heftigen Rot der Abendsonne eingenommen wurden. Gleißendes, feuriges Licht flutete Links Umgebung der stolzen Stätte aus vergangenen Zeiten, beleuchtete den steinigen Weg vor ihm, wie auch das glattgeschliffene Holz des riesigen Tores hinein in die Zitadelle. Dies war der letzte Tag der Vergangenheit und morgen schon brach das neue Zeitalter an. Eine neue Zeit. Das Ende, welches alles wegwaschen würde, wie eine gewaltige Flut, die gefährliche, spitze Hänge hinab stürzen würde… 

Und wenn der Heroe jetzt seinen rechten Fuß auf die Türschwelle der Zitadelle setzen würde, hätte er den Weg für die Sturmflut durch das Entfernen eines Kieselsteines geebnet…

,Ich bin bereit‘, sagte er zu sich selbst. ,Mit all meinen Erinnerungen und Hoffnungen…‘

Er öffnete die Eichenpforte in die Zitadelle der Zeit nur einen unbedeutenden Spalt und trat ein…

 

Der Innenraum schien so ruhig, dass man den Wind atmen hören konnte. Und in seiner Begleitung schlich die Kälte in Gestalt weißer Schwaden umher. Und es bedurfte nur eines Atemzugs des Heroen, dass er spüren sollte: der Tod war anwesend…

Das Rot der glühenden Abendsonne drang über die teuren Rundbogenfenster hinein und vermischte sich mit dem weißen Nebelgewand, welches in der Zitadelle tanzte. Wie Feuer und Eis, die einander liebten und vernichteten, war eine Absurdität in diesem Gemäuer, die Link mit seinen ozeanblauen Augen bestaunte.

Zaghaft trat er näher, darauf achtend, dass seine Stiefel so wenige Geräusche wie nur möglich produzierten. Inmitten der Bankreihen blieb der Heroe stehen, umfangen von den weißen Nebelgeistern, denen das Sonnenlicht ein schreckhaftes, mörderisches Rot verlieh.

Der Ort war so ruhig und trostlos wie alles in jenem Hyrule, welches unterging.

Und doch…

Wie konnte ein so heiliges Gotteshaus wie dieses eine Zufluchtsstätte des Bösen sein, auch wenn der Heroe das Böse noch nicht gehört hatte?

Das war diese Absurdität, dachte Link.

 

Ein letztes Mal betrachtete er sich die drei Heiligen Steine, fuhr mit seinen Fingerspitzen geschmeidig um sie herum. Noch immer waren jene hier aufgetürmt um die Hylianer vor dem Bösen zu belehren. Rauru hatte immer gemeint, es wäre ein gutes Denkmal für die alten Zeiten und in tausenden Jahren noch würden die Hylianer durch jene Steine an den blutigen Zeitkrieg erinnert werden…

Link wünschte sich, es wäre so einfach…

 

Sein Blick glitt umher und sah hier und da das getrocknete Blut der Soldaten, die das Siegel am letzten Tag bewacht hatten. Es hing überall… An den Steinwänden, an dem Marmor der großartigen, hochragenden Säulen und an dem glattgeschliffenen Holz der verzierten Bankreihen…

Mit einem tiefen Atemzug tapste er vorsichtig weiter, sein Schwert bereit für das letzte Gefecht fest mit seinen linken Fingern umfasst. Er trat weiter und weiter und näherte sich dem riesigen Gewölbe, wo das legendäre Masterschwert zuhause war mit Bedacht…

 

Er schlich wenige Meter weiter, als ihn ein unangenehmes Schmatzen, Schnalzen, Grölen und Rülpsen aufhorchen ließ. Es widerte ihn an. Es ekelte den Heroen. Und nur um der Neugier willen, schaute er vorsichtig um die Ecke um zu sehen, was vor sich ging.

Nur wenige Meter weiter, dort wo der Zeitenfels stolz und mächtig stand und auf das heilige Schwert des Guten wartete, saß jemand, dem Heroen den zerfetzten, blutigen Rücken zugewandt. Sein Haar war weiß gefärbt. Seine Gestalt dürr und gealtert.

Im roten Leuchten des feurigen Himmelskörpers tat jene Gestalt unvollkommene Bewegungen, zitterte und schlug ihre Gliedmaßen krampfartig umher.

Die sonderbaren Geräusche, das Rülpsen, Reißen und Schmatzen, verfestigten sich, ließen der Grausamkeit ein namenloses Beispiel. Bestialität, die dem Hünen innewohnte.

Rings um die Gestalt lagen fleischige Knochen, olivgrüne Hautfetzen, rotes, verworrenes Haar und sehr viel, sehr viel schwarzes, stinkendes Blut…

Die Bestie nahm einen Bissen nach dem anderen, riss das trockene, dunkelgefärbte Fleisch von den Knochen. Und der böse Lebenssaft seines Mahls lief tropfenweise an einem grauen Bart hinab.

Link stieg die Galle auf, während er zusah. Ihm wurde übel, nicht wegen des säuerlichen Gestanks, sondern wegen eines so abscheulichen, gewissenlosen Tuns, für welches ihm die Worte fehlten.

Der Heroe konnte die Grausamkeit vor seinen Augen nicht sofort verarbeiten und so tapste er zurück und stürzte schwerfällig seine Hände auf die Knie. Wie widerlich. Wie bestialisch, dass der Dämon aus alten Zeiten es sich anmaßte sein eigen Fleisch und Blut zu verspeisen….

Die vielen blutigen Knochen, das rote, dürre Haar und die grünlichen Hautfetzen stammten eindeutig von mehr als einem Kind des Schreckensfürsten…

 

Link warf erneut einen Blick hinein in das Gewölbe und sah den Dämon seine abscheuliche Mahlzeit beenden. Selbstgefällig entließ er einen weiteren Rülpser, presste seine dürren, klapprigen Hände gegen seinen Wanst und schien mehr als zufrieden mit sich selbst. Er streckte sich und begann mit gealterter Stimme zu lachen. Er war dem Tode entkommen durch den frischen Lebenssaft seiner Kinder, aber er war alt…

Genüsslich hob er die Hand nach oben, die ihm noch geblieben war und ließ den Lichtschein seiner zum Sterben schönen Macht umher wallen. Fiebrig gab sich Dins Fragment auf seinem Handrücken preis. Die alte Kraft der ältesten Göttin Hyrules hatte ihn wiedergefunden, aber dafür war sein Körper nur noch der eines Greises.

Er japste und hielt in seiner Hand plötzlich einen weiteren Gegenstand, den er fluchend an die raue Steinwand pfefferte. Es war das Medaillon der Mächtigen, welches ihm einen unehrenwerten Dienst geleistet hatte. Entgegen Ganondorfs Annahme hatte es ihn nicht allein die tödliche Wunde geheilt, es hatte ihn altern lassen. Ein unnützer, dummer Gegenstand, der von Gemütern ruhte, die reiner waren als seines. Keinen Wert sah der Diener des Schreckens darin und so ließ er es beachtungslos in einer dunklen Ecke des Gewölbes liegen.

 

In dem Augenblick wand er sich um seine eigene Achse und sah nicht überrascht, noch angstvoll in die tiefblauen Augen des Heroen, der sein Schwert gezückt vor ihm stand.

An Ganondorfs rissigen Lippen hing noch immer das Blut seiner Kinder und genüsslich leckte er sich dieses mit seiner schwarzen, pelzigen Zunge vom Mund. Dann versprühte er seinen Atem und ließ Greisenstaub aus seinen Lungen wandern.

Alles an Ganondorf hatte sich in wenigen Minuten gewandelt. Seine eisigen Augen waren eingeengt, ein wenig mehr in die Augenhöhlen gewandert. Das weiße Haar und die grauen Augenbrauen wie auch die vielen Falten in seinem dunkelgrünen Gesicht ließen aus dem einstigen Fürsten des Schreckens die Stärke sickern. Er wirkte alt und schwach… weich und zerbrechlich. Auch wenn ein genauer Blick das Gegenüber eines Besseren belehrte. 

 

Der Fürst des Bösen trat näher, mit einer Vermessenheit, die nur ihn auszeichnen konnte. Sein Gang ein wenig schlurfender. Und während er näher humpelte, knackten seine gealterten Gelenke unangenehm. Er blieb direkt neben Link stehen und war in seiner Höhe so eingegangen, dass er gerade mal so groß war, wie Link…

Säuselnd sprach der Dämon in das spitze, rechte Ohr des Helden: „Du kriegst mich nicht tot… genauso wenig wie ich dich…“ Sein feuchter, klebriger Atem haftete störend an Links spitzem Ohr. „Verbünde dich mit mir… etwas anderes bleibt dir nicht…“

Erfüllt von blankem Wagemut war es nun Link, der lachte. Mit einer raschen Bewegung wirbelte er seine heilige Klinge umher und ließ jene direkt auf den Bauch des Dämons wandern. Aber noch ehe das Schwert die alternde Haut berühren konnte, verschwand Ganondorf in einer seiner violett gemusterten Teleportationsfelder.

,Von seiner Kraft schien der Dämon nichts eingebüßt zu haben…‘, dachte Link mit einem üblen Magengefühl. ,Ich muss mir irgendetwas einfallen lassen. Wenn ich ihn innerhalb einer Stunde nicht besiegt habe, hat er gewonnen.‘ Mit Entsetzen dachte der Heroe an das Heer seiner Kinder, die blutbesudelt und gefühllos über die Welt zogen, bedacht jedes Leben auszulöschen. ,Verdammt, was mache ich bloß‘, fragte er sich und schaute dem Dämon hinterher, der an der Decke spazieren lief.

 

Auch das Medaillon fiel Link wieder ins Auge. Flugs sprang er dorthin, wo es lag, und band es rasch um seinen Hals, fühlte Ganondorfs besserwisserische Augen in seinem Genick, aber blieb gelassen.

Ruhig Blut bewahrend wand sich der Heroe dem Bösen zu und hob sein Schwert richtend in die Höhe. „Stell‘ dich mir, Dämon!“, zürnte Link und ließ einen magischen Strom weißen Lichtes aus der Klinge wandern. Schlangenförmig rauschte die Welle in dem Gewölbe umher und vermischte sich wie die Nebelschwaden mit dem roten Abendlicht.

„Wir können das Spiel des Jägers und Gejagten auf Ewig fortsetzen, wenn es dein Begehr ist, Ganondorf. Aber am Ende wirst du fallen. Stell dich!“, rief der Held nun lauter und schickte weitere gleißende Magiestrahlen in Ganondorfs Richtung. Aber statt diese nur irgendwie zu bekämpfen, wich er ihnen aus, teleportierte sich hin und her…

„Ganondorf, lass‘ deine Scherze und kämpf endlich wie ein Mann!“ Link spürte das Blut in sich wallen, hörte das Fauchen seiner Bestie und wusste nicht, was er gegen diese Wut tun sollte, die Ganondorf herausforderte. Wie ein Feigling kämpfte dieser und wartete womöglich auf weitere seiner Kinder, die er ausweiden und fressen konnte…

„Ich bin nicht lebensmüde, Held. Wie sollte ich gegen dich kämpfen, mit blanken Fäusten? Nein, danke…“, rief er und lachte albern. „Schon vergessen, ich lege nicht gerade viel Wert auf Mut!“

Link stieß sein Schwert vor Wut in den Erdboden und schaute dem absurden Getue des Schreckensfürsten hinterher. Was sollte Link auch tun? Ewiglich mit seiner Magie um sich werfen, dass er sich vollkommen verausgabte? Selbst versuchen die Schwerkraft irgendwie zu überwinden? Nein, dachte der Held. Er konnte lediglich abwarten, bis Ganondorf zurück zum Boden fiel.

 

Ganondorf überschlug sich fast vor Lachen, während er an dem marmorisierten Deckengewölbe entlang wanderte. Er hatte die Fäden in der Hand, nur er alleine. Sollte kommen, was kommen wollte, aber dieser Held, auf den das Böse so lustbetont hinab lächeln konnte, war einfach hilflos. Er würde nicht siegen, nicht unter gegebenen Umständen.

Der Fürst über Dunkelheit und Siechtum leckte sich das getrocknete Blut seiner Kinder von der einen gebliebenen Hand, hatte er an diesem Fleisch Kraft gefunden, auch wenn er nicht ahnte, dass es mehr kostete von seinem eigenen Fleisch zu essen als bloß Überwindung. Und vielleicht spürte er es bereits in seinem knorrigen, alten Magen. Die Säure darin konnte gegen das säuerliche, verpestete Fleisch seiner Kinder nicht bestehen…

Und irgendwo in seinem Körper aßen seine Erzeugnisse ihn bereits auf…

 

Als Link seinen Kopf erneut nach oben richtete und das schwere Masterschwert aus dem Boden zog- gewiss hatte es durch diesen Vorgang keinen Schaden genommen- fiel ihm etwas auf, was Wunder, Rätsel und tiefgeflüchtete Geheimnisse verband. Etwas fast schon Heiliges, Reinigendes umgab den Schreckensfürsten in Gestalt des rotflutenden Abendlichtes. Der alte graue Mann trug nichts mehr vom Antlitz des einstigen Schreckensfürsten. Seine Gesichtszüge, umschmeichelt von warmem Sonnenlicht, wirkten menschlicher und Link erkannte für die Kürze eines Augenblicks einen Teil Ilonas auf jenem grauwirkenden Antlitz.

Augenblicklich stoppte Ganondorf das Tanzen am Deckengewölbe, stand still und steif in der Luft, wirkte schlichtweg wie gelähmt. Er atmete… und atmete doch immer weniger. Rauch entstieg seinen gealterten Lungen. Kleine, schwarze Bluttropfen sickerten fast unmerklich aus den vielen Poren seiner Haut.

Es schien nicht so, als ob er litt, aber es war nun nichts Beruhigendes mehr an jenem Schauspiel. Die Heiligkeit von vorhin löste sich auf, wie die Sonnenstrahlen, die von der Nacht verschluckt wurden.

Und als Link dachte, eine grenzenlose, neue Macht hätte den Dämon eingefroren, wurde er eines besseren belehrt. Der Dämon schüttelte sich, schien Krämpfe zu haben und fiel dann in einem heftigen Aufprall zu Boden. Er ruderte mit allen Gliedmaßen und seine Augen, diese bestialischen rot schimmernden Augen, begannen zu glühen wie das unlöschbare Feuer der Hölle. Link trat vorsichtig näher, aber wurde noch im selben Augenblick von einer durchsichtigen Wand aufgehalten, die ihn niemals nähertreten lassen würde. Etwas Gewaltiges war im Spiel und es war dem Heroen keineswegs freundlich gesonnen.

 

Ganondorfs alte, faltenreiche Haut platzte an verschiedenen Stellen auf, gab das trockene, schwarze Fleisch preis, von welchem er vorhin selbst gespeist hatte. Und aus manchen jener neugeschaffenen Körperöffnungen schlüpfte schlackernd eine blasse, grünliche Hand, aus anderen schossen winzige Köpfe mit zugewachsenen Augen und entstellten Fratzen begleitet von giftenden hellen Schreien.

Der Fürst des Schreckens verwandelte sich.

Seine gealterten Gliedmaßen schwollen an zu entsetzlicher Größe.

Sein Körper wurde von grauem Haar umwuchert wie eine Fliege im Netz mit Spinnweben.

Und seine Greisengestalt wuchs an, bis ein halber Riese vor Link stand.

 

Der Heroe versuchte die Barriere zu überwinden, um Ganondorf zu erledigen, bevor jene unheilvolle Verwandlung abgeschlossen war. Aber nichts brachte etwas, nicht einmal ein wuchtiger Energiestoß seines heiligen Fragmentes des Mutes.

 

Das war nun der einst so stolze Fürst des Schreckens Ganondorf. Aus einem stattlichen König der Gerudos war ein machtgieriger Dämon, dann eine hässliche Bestie, ein alter, gebrechlicher Mann und nun ein entstelltes Monster mit mehreren Köpfen und Armen geworden…

 

Plötzlich entschwand die gläserne Barriere, aber Link hatte nun nicht mehr den Drang der Bestie uneingeschränkt näher zu kommen. Ganondorf war außer sich und in seinem Zustand würde er alles kurz und klein schlagen. Link schaute hinauf an das Deckengewölbe, als sich Ganondorfs viele Klauen durch wilde Ruderbewegungen an jenem labten. Dutzende Steinklötze fielen zu Boden. Geschwind und geschickt rollte sich Link über den Boden um jenen Brocken zu entgehen. Der Heroe war mittlerweile außer Puste und rannte mit dem gezückten Schwert zunächst hinaus aus dem Gewölbe des Masterschwerts. Ganondorf folgte dicht. Seine großen, schweren Füße bohrten riesige Löcher in den glattpolierten Zitadellenboden. Jeder weitere Schritt löste ein kleines Beben aus und jeder Schritt war begleitet von einem entsetzlichen Gebrüll der vielen Kinderköpfe, die aus Ganondorfs Fleisch stierten.

Link rannte so schnell ihn seine Beine tragen konnten durch den langen Gang zwischen den vielen Holzbankreihen, während Ganondorf nähertrat und mit seinen entstellten Armen viele Gegenstände aus der Zitadelle wie Fliegen vor seinen Augen wegwischte.

Nur knapp verfehlten große Holzstücke den Heroen, der sich erbarmungslos seinen Weg bahnte. Link konnte kaum noch atmen, so schnell rannte er davon. Mühevoll erreichte er das große Tor und schlug dieses mit einem Energiestoß seines Fragmentes entzwei. Link rannte weiter, direkt auf den übersichtlichen Marktplatz zu. Und am verblassenden Himmel zogen sich die roten Sonnenstrahlen zurück, gaben der Nacht ihre Freiheit und entließen ihre sterbenden, leisen Schreie…

 

Gerade zu jenem Zeitpunkt lief der Prinzessin des Schicksals der beißende Angstschweiß in die Augen. Sie stand auf ihrem verschütteten Balkon, umzingelt von hämisch grinsenden Fratzen, die allesamt Ganondorfs erniedrigendem Antlitz ähnelten.

Zelda trug noch immer das weiße Kleid, in welchem sie aussah wie die Unschuld persönlich… aber ihre rechte Hand war verbunden mit einem scharfen Langschwert, welches das sanfte reine Gemüt trübte.

Ein weiblicher Dämon tapste näher, leckte sich mit der Zunge über dunkelfarbene Lippen.

„Gebt auf, Prinzessin des Schicksals“, summte jene rothaarige Frau und fasste Zeldas Langschwert an der Klinge. Die Prinzessin verengte ihre Augen zu Schlitzen und machte allein mit Blicken klar, dass sie niemals aufgeben würde.

Das Dämonenkind lachte und war nicht gefasst auf die geballte Macht der Schicksalsprinzessin, die ihr Fragment wieder hatte…

 

Mit einem hellen Klagelaut riss Zelda ihr Langschwert herum, durchschnitt die Hand der Dämonenkriegerin und ließ das Schwert tanzen und verletzte ihren ersten Peiniger tödlich… In einem Ascheregen ging das erste Geschöpf auf. Und es war das Zeichen für die anderen sich auf die Prinzessin des Schicksals zu stürzen. Gebogene Schwerter, schrille Peitschen und schwere Äxte gingen auf Zelda nieder… und verfehlten sie dennoch.

In Bruchteilen von Sekunden hatte sich die Prinzessin mit einem Schutzschild umrahmt, den die Geschöpfe Ganondorfs nicht durchbrechen konnten.

Aber während Zelda kämpfte, spürte sie noch etwas anderes als ihren eigenen Zorn und die Lust am Siegen. Etwas geheimes, Altes verbarg sich in ihr, seitdem sie das Fragment der Weisheit trug… aber sie hatte dieses kleine Etwas noch nie benutzt. Nun jedoch rief es ihr zu, spannte leise Flügel bereits in ihrem Inneren…

Das gute Geschöpf innerhalb der anmutigen Prinzessin drang nach außen, für eine andere wertvolle Aufgabe. Und es würde seinen Ruf nicht schmälern wollen, egal, wie sehr man gegen es ankämpfte.

Zelda spürte nun mehr als das Ziepen im Rücken, welches sie vorhin schon mit einer ungewöhnlichen Ursache erkannt hatte. Sie spürte mehr als einen dumpfen Schmerz, mehr als ein Zittern, mehr als Natürlichkeit. Und in ihrem Schutzmantel des Lichts, welcher das Böse von ihr fern halten würde, sank die junge Prinzessin nieder.

Ein helles Flügelgewand umspannte sie und ihre Gestalt wurde kleiner. Ein heller Schrei war hörbar, ein wundersamer Ruf eines Königs der Lüfte. Und als das Schutzschild um Zeldas Körper verging, flog ein stolzes Getier mit weißen Federn weg von dem Schloss, hinauf an das düsterwerdende Firmament, wo die ersten Sterne Hyrules ihr Licht auf die Erde schickten. Die Prinzessin des Schicksals flog und sie flog für einige Sekunden über ihr altes, vergangenes Reich, so wie sie es sich immer gewünscht hatte…

 

Links Kampf erreichte währenddessen Ausmaße, die der Heroe nie hätte kommen sehen. Es verlangte ihm alles ab, was er während des Lebens als Held der Zeit und in der neuen Welt erlernt hatte.

Er gab alles, hatte einige von Ganons widerlichen Kinderköpfen abgeschlagen, aber sie wuchsen ohne Schaden nach, schrieen weiterhin mit ihren lähmenden entsetzlichen Stimmen. Link hatte unzählige Pfeile in Ganons garstigen Körper geschossen, aber sie hielten ihn nicht auf, geradeso als ob sie nicht da wären. Und als Krönung dessen trat und schlug der Dämon nach dem Heroen, spuckte einen Energieball nach dem anderen aus seinem vergrößerten, aufgerissenen, menschlich anmutendem Maul und zwang Link damit zu fliehen, des Heroen eigene Angriffe in Grenzen zu halten.

Der Heroe konnte es sich nicht eingestehen, aber er war schlichtweg am Ende. Link hielt sein treues Masterschwert mit beiden Händen fest, spürte seine Beine schwerer werden und sog laut und pfeifend die Luft um ihn in seine Lungen. Er spürte wieder die Verletzungen, die er sich vorhin zugezogen hatte und erinnerte sich mit einem miesen Gefühl an seine Schwäche. Er würde nicht in der Lage ein, diesen Kampf zu Ende zu führen. Nicht ohne Hilfe von außen…

 

In einem Anflug der Verzweiflung wich Link Ganons prügelnden Klauen aus und kletterte hinauf über dessen breites Rückgrat auf den Kopf und hielt sich an Ganons grauem Haar fest.

,Wenn ich nicht die kleinen Kinderköpfe zerschmettern konnte, dann vielleicht Ganondorfs ursprünglichen Schädel‘, dachte der Held, während ihm brennender Schweiß über das Gesicht lief.

 

Der Dämon grunzte, rülpste viehisch und jaulte. Er schlug um sich, stieß seinen grauen Schädel in eines der Häuser, aber Link hielt sich fest, entließ laute Schmerzensschreie, wurde er doch durch die Gewalt von Ganons Bewegungen unkontrollierbar umher geworfen.

In einer ruhigen Sekunde wollte der Heroe das Schwert in Ganons Kopf bohren, aber dieser donnerte seinen Schädel erneut gegen eines der alten Fachwerkhäuser in Hyrules Innenstadt.

Link wurde durch die Wucht viele Meter weiter geschleudert und lag regungslos auf dem gepflasterten Boden. Seine Kräfte schienen aufgebraucht. Eine erneut Platzwunde am Kopf ließ den Heroen in einer langen Bewusstlosigkeit schweben.

Der Dämon lachte nun, stieß mit seinen riesigen Füßen näher, bereit den Heroen unter sich zu vergraben. Ganondorf lachte, mitsamt den vielen Kindern, die in seinem Körper gefesselt waren…

„Dein Ende soll mein Leben sein, Held!“, zürnte Ganon. Sein Fragment, getragen auf der linken Hand, erstrahlte gleißend, rief ein weiteres Wesen zu sich. Auch Links Fragment reagierte trotz der Bewusstlosigkeit seines Meisters. Aber irgendwo in der Ferne glühte ein weiteres Licht, nicht in Gestalt eines Fragmentes, nicht menschlich im Augenblick.

Der stolze Schrei eines Adlers, König der Lüfte, war unbedeutend für den Dämon. Erpicht darauf den Heroen zu töten, ignorierte Ganon seine Umgebung.

 

Die Prinzessin des Schicksals flog… und sie flog hin zu dem Schlachtfeld, das ihren Liebsten gefangen hielt. Sie flog, spannte ihre weißen Flügel und stürzte sich im Sturzflug hinab, bereit sich in den Kampf einzumischen.

Gerade als die riesige Bestie, gellend und mordlüstern, sich auf den bewusstlosen Heroen stürzen wollte, war es Zelda, die einmal mehr Link vor dem Tode bewahrte.

Es war ein Bündnis, neben ihrer Liebe und ihren Versprechen. Sie würde für Link da sein, und er für sie…

In einem Augenblick geringer Beachtung senkten sich goldene Krallen mit einem Schrei, ehrfürchtig und heilig, hinein in die gealterte Haut an Ganondorf Kopf. Und jene goldenen Krallen schmerzten, während sie sich tiefer gruben, sie schmerzten elend.

Der weiße Adler auf Ganons Haupt schlug heftig und aufgeregt mit den Flügeln. Viele weiße Federn verlor sie, die Prinzessin des Schicksals, während sie kämpfte. Angestrengt hielt sie sich fest, während der Dämon brüllte, seine verbliebene Hand nutzte um den Störenfried wegzuschlagen…

Aber Zelda war standhaft. Ihre goldgefärbten Augen ernst und kampfbereit.

Und als sie Halt hatte, als sie wusste, sie konnte den Augenblick nutzen, bohrte sich ihr gebogener, scharfer Schnabel in eines der Augen Ganons. Sie pickte und stieß zu, kratzte ihm das rechte Auge aus, bis es blutete.

 

Durch Ganons Schmerzrufe und seine ungezähmten Bewegungen war es auch Link, der wieder aufgeweckt wurde.

Fluchend richtete er sich auf, spuckte ein wenig Blut aus seinem Mund und krabbelte auf alle viere. Mühevoll hob er seinen Kopf in die Höhe und erkannte verschwommen ein weißes Federwesen, erfüllt von Macht und Stärke auf dem Haupt des Schreckensfürsten.

„Zelda?“, hauchte er leise über seine trockenen, aufgerissenen Lippen und zog sich mit dem Schwert in die Höhe. Er erkannte sie, nicht nur an ihrer Aura, oder den Federn, die ihm vertraut waren. Er erkannte sie an dem mitreißenden Gefühl, welches ihn durchfuhr, als er den stolzen Adler erblickte.

 

In dem Augenblick wurde der weiße Adler von Ganondorfs linken Arm schmerzhaft erwischt. Laut quietschend schlug sie auf dem Boden auf, nicht weit entfernt von dem Heroen. Ein goldenes Netz umgarnte sie und ihre Gestalt, ihr Wesen und ihre Reinheit, verwandelten sich zurück in jene Prinzessin Zelda mit ihrem goldenen, langen Haar. Ihr verletzter Körper war noch immer bekleidet mit dem hauchdünnen, weißen Kleid von vorhin.

 

„Zelda!“, rief Link und rannte wie angestochen näher, säbelte dem Dämon einen Fuß unter dem Boden weg, bis jener umkippte. Ganondorf brüllte und fiel dann zu Boden, sackte gänzlich nieder und schlug mit seiner verbliebenen Hand umher.

 

Zitternd nahm Link seine bewusstlose Prinzessin auf die Arme und trug sie schleppend und sehr mühevoll weg, hinfort von diesem Kampfschauplatz, in eine dunkle, kleine Gasse.

„Zelda?“, hauchte er und untersuchte kurz, ob sie schlimme Verletzungen hatte.

Sie atmete, aber warum war sie so schnell bewusstlos geworden? War es nur durch diesen einen Schlag? Hatte es vielleicht etwas mit der Lebensenergie zu tun, die sie Link vorhin ohne sein Wissen geschenkt hatte?

Besorgt drückte er sie an sich, flüsterte ihren Namen, aber sie wachte nicht auf…

 

Indes rauschte Ganondorf wütend über den Markplatz. Seine Stimmbänder riefen erbost nach dem Helden Hyrules. Schrillend und entsetzlich donnerte sein Ruf über die Stadt, wo die Dunkelheit siegte und ein trügerischer Mond am Himmel stand.

Irgendwo begann der Schreckensfürst bereits Gebäude zu zerstören, stapfte mit seinen riesigen Klauen Bäume und Hütten klein und spuckte seine Energiebälle wahllos umher.

 

Link aber rührte sich ebenso nicht. Sorgenvoll hielt er Zelda in den Armen, streichelte sie, küsste sie, wollte ihr sagen, dass sie aufwachen musste, dass er sie brauchte. Aber ein ungewisses Flüstern, tief drin, versunken in dem Herzen, sagte ihm auch, dass ihre Bewusstlosigkeit mehr war als nur eine Ohnmacht, die wieder vorüberging. Irgendetwas war anders als zuvor. Ihr Körper sendete ihm unbewusste Signale, dass es diesmal nicht so einfach war, Zelda wieder zu erwecken…

Es waren ihre Hände, schlaksig und kalt, ihr Gesicht bleicher als vorher, ihre Lippen nicht blau, nicht rot, fast weiß, die ihm sagten, dass etwas nicht stimmte.

 

„Zelda!“, sagte Link dann eindringlicher und rüttelte sie ein wenig, aber immer noch blieben ihre Augen fest verschlossen. War die Wucht von Ganondorfs Schlag so groß gewesen? ,Warum habe ich das zugelassen?‘
„Du hättest dich nicht in diesen Kampf einmischen dürfen, Liebste…“, sprach er rauer und drückte sie wieder so eng an sich wie er es für richtig hielt. Aber so lange sie atmete, so lange ihr Herz schlug… musste sie doch auch aufwachen. Was also stimmte nicht? Was beunruhigte den Heroen so sehr im Augenblick?

 

Im Hintergrund kamen Ganondorfs wuchtige Schritte näher, er brüllte, außer sich vor Wut und Hass fühlte er nichts mehr, nicht einmal Schmerz. Er zerschmetterte die beiden Häuser, die Link in der schmalen Gasse Schutz boten, trat nach dem Gestein, wütete in der Hauptstadt Hyrules als wäre sie sein Spielzimmer.

Link nahm einen tiefen Atemzug und hetzte weiter, mit der ohnmächtigen Prinzessin des Schicksals auf seinen Armen. Er hatte kaum noch Kraft einen Fuß vor den anderen zu setzen, aber er konnte nicht riskieren, dass Ganondorf Zelda noch mehr antat, als er bereits hatte.

Diese ganzen Grausamkeiten der alten Welt. Das ganze Leid aus der Vergangenheit holte den Heroen ein, während er rannte.

Und endlich siegte ein wenig Verzweiflung in seinem Gemüt. Er konnte Ganondorf nicht besiegen, er konnte es nicht…

Er würde es nicht schaffen, nicht mit seinem beanspruchten Körper und dem bisschen Mut und Kraft, die er sich bewahrt hatte.

 

Eine Spur Tränen schossen ihm in die Augen, als diese Erkenntnis über ihn herfiel. Sollte dies das Ende aller Tage sein? Sollte dies das Ende der Menschheit sein?

Er war allein, ja, er war allein in diesem Wahnsinnskampf und nun da Zelda nicht aufwachte, wer sollte ihm Mut schenken…

 

Und die Zeit, fühlbar durch das alte Medaillon um Links Hals tickte weiter, tickte ihrem Ende entgegen.

Link hetzte mit allem, was er an Kraft noch hatte. Er kämpfte und begann zu schreien, weil seine Beine ihn nicht mehr vorwärts tragen wollten. Sie fühlten sich schlichtweg schlapp und unbrauchbar an. Für einige Sekunden lehnte er sich an eine Hauswand sackte nieder und orientierte sich, Ganondorfs Gebrüll und sein Wahnsinn ständig im Hintergrund.

Er drückte Zelda an sich, wollte ihr wenigstens noch das bisschen Wärme schenken, die er ausstrahlte und zweifelte, zweifelte immer mehr.

Seine tiefblauen Augen wanderten durch die Nacht, an die Hauseingänge, bis ihm die Tür in einen Keller auffiel. Dort war eine Wirtsstube, die er im alten Hyrule nur einmal betreten hatte. Eine makabere Wirtsstube, nichts für unschuldige Gemüter wie seines. Mit einem tiefen Atemzug stemmte er sich noch einmal auf die Beine und verschwand mit seiner Prinzessin in dem Keller.

 

Von einem hohen Punkt in der Stadt aus, hatten Navi und Klein-Link alles mit angesehen.

„Gut, Link ist in diesem Keller, los‘ beeilen wir uns… er braucht unsere Hilfe!“, sagte Navi und kletterte den Turm hinab auf dem sie alles beobachteten. Klein-Link folgte dicht hinter ihr. Sie huschten wie Schatten durch die Stadt, versuchten das leichte Beben zu ignorieren, wann immer Ganondorf seine hässlichen, riesigen Füße in den Boden stapfte, versuchten ihrem Weg treu zu bleiben.

 

Wie zwei Spione schlichen sie von einer Hausecke zur nächsten, versteckten sich hinter zerstörten Häusern, umgeworfenen Bäumen und hatten beide Ganon, diese unheimliche Bestie, in ihren Blickfeldern.

Es dauerte nicht lange, hatten sie den versteckt liegenden Keller erreicht und schlichen leise hinein, bedacht nicht von einem schnellen Angriff des Heroen Link angegriffen zu werden. Aber es kam kein Angriff. Sorgsam tapsten Navi und das Götterkind voran, eine Steintreppe hinab und durchquerten eine knarrende Tür. Der Innenraum war dunkel, bloß erleuchtet von drei Fackeln, die an den Wänden hingen. Es war eine alte Kneipe, wo einige runde Tische und abgenutzte Stühle standen. Und in der hintersten Ecke war eine Liege. Link saß davor, hielt ein paar blasse Hände in seinen eigenen und schluchzte… 
 
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