Kapitel 98
 

„Ein neues Land… aber es wird nicht Hyrule sein...“ Teil 3

 

 

Als die verglühende Abendsonne am schneesilbrigen Horizont versank, dem Tag einen verheißungsvollen Abschied ankündigte, schienen die Gesetze Hyrulias sich neu zu ordnen. Jemand war auf dem Weg. Ein Kämpfer ohnegleichen, der mit sicheren Schritten, so schnell ihn seine gestählten Beine tragen konnten, und ohne Zweifel, frischen Kutschenspuren folgte. Er grinste, während er rannte und sich der Hafen immer weiter von ihm entfernte. Er lachte plötzlich, rutschte gedankenlos über eine Eisplatte, welche sich auf dem Weg gebildet hatte und fiel erst einmal gewaltig auf seine Schnauze. Aber selbst das konnte sein herzliches Grinsen nicht aus dem Gesicht wischen. Er war so gut gelaunt wie seit langem nicht, hatte eine neue Aufgabe gefunden. Er hatte sich selbst endlich wieder gefunden. Und mit diesem hoffnungsvollen Gefühl schien sich jedes noch so wuchtige Hindernis in Luft aufzulösen. Selbst die unerträgliche Eiseskälte, selbst die Nacht, raubte ihm das heitere Gemüt nicht. Daphnos hatte ihm nicht nur ins Gewissen geredet, er hatte ihn erlöst von diesen verdammten Zweifeln. Hyrule lebte! Es lebte. Er konnte es immer noch nicht glauben, hüpfte auf seine Beine und rannte weiter.

Alles würde gut werden, er durfte endlich wieder der Held sein, den das Schicksal einst aus ihm gemacht hatte. Endlich.

Laut lachend rannte er davon, strotze vor einer Energie, die nur aus blankem Wahnwitz geboren schien. Er würde kämpfen, sicherlich, aber er würde dennoch der heimliche Egoist bleiben, der er war. Er würde kämpfen, um sich von Tetra eine Belohnung abzuholen. Und er würde für Hyrule kämpfen, da er es vermisste, da er seine Kämpferehre vermisste.

Grinsend hetzte der Heroe vorwärts und hatte neben einer wunderbaren Feier für seine Heldentaten, vor allem eine lange Nacht mit Tetra in seinem Kopf. ,Wenn der König wüsste‘, dachte Link albern. Ja, Tetra und er hatten sich beide verändert, während die stolze Piratin besonnener wurde, war aus dem Helden des Windes ein ziemlich eigensinniger, eingebildeter Kerl geworden. Zum Teufel, ja er war ein Egoist, sicherlich. Aber dafür ein heldenhafter Egoist! Und was für einer, dachte er. ‚Tetra, ich bin unterwegs‘, schallte es durch seine Gehirnwindungen. ,Und diesmal kämpfe ich für dich.‘

 

Kontinuierlich schritt der Held des Windes vorwärts, gelangte an jenen mysteriösen Waldrand, den die zwei Kutschen vor wenigen Stunden passiert hatten und verschnaufte kurz. Die Worte des alten Königs geisterten erneut durch seinen Kopf, als hätte er sie eingebrannt. Tetra war in Gefahr. Die Wächter der Welt Hyrulia, die dieses Land regierten, wussten über sie bescheid. Und dann das scheußliche Experiment, welches in diesem Heiligen Land durchgeführt wurde. Link kannte die Einzelheiten nicht, vielleicht kannte jene nicht einmal Daphnos, aber dieser scheußliche Versuch musste doch irgendwie rückgängig gemacht werden können.

 

Seine Augen tränten, und seine Haut brannte angesichts der Kälte. Für einen Moment sackte er auf die Knie, beobachtete am Horizont drei, vier Monde sich von schattigen Schleiern umgarnend, und sah die Lichter am weiten Himmelszelt mit neuen Augen. Hier in jenem Hyrule leuchteten andere Sterne als in der Welt, wo Aryll und seine Großmutter zuhause waren. Wenn Link sich nur ein bisschen mehr konzentrierte, seine blauen Augen auf einen Punkt konzentrierte, sah er die Sterne in mehreren Farben leuchten. Es war ein wundervolles Farbenspiel…

Er schloss seine Augen, lächelte tiefsinnig und erhob sich mit jenem Stolz, der seit Anbeginn der Zeit in seiner Seele schlummerte. Er wusste jetzt schon, dass diese Welt sein neues Zuhause sein würde…

 

Er rannte weiter und blickte nördlich, auf eine Erhebung, die nicht wie am Fuße jenes Berges von dichten Wäldern umrahmt schien, sondern helles Gestein im Licht der Sterne glänzte, und sah dort zusätzlich mehrere bunte Lichter, eine Art Fackeln, und sie bewegten sich. Es mussten in etwa Hundert sein. Und während Link rannte, bewegten sich auch jene Lichter, erkundeten, schritten direkt in seine Richtung. Als jene Wesen näher traten, in einem gleichartigen Rhythmus durch dichten Schnee stapften, der Boden unter ihren Füßen vibrierend, als wollte er weinen und vor ihnen zurückweichen, bewegte sich auch der Heroe des Windes wie magnetisch angezogen auf jene Gestalten zu.

Seine kühlen, ernsten Augen schimmerten in der Nacht, die von mehreren goldenen Monden umschmeichelt wurde. Der Mut in ihnen lebte auf, glühte wie ein geweihtes Schwert, loderte und kündigte die Ehre des legendären Helden Hyrules an.

Je weiter Link durch den weichen Schnee wandelte, umso weniger sah man seine Fußspuren. Als würde ihn etwas einnehmen, was Magie in aller Heiligkeit, allen Formen und Farben, beherrschte. Und die vielen Lichter vor ihm, glühend und faszinierend jene Welt in ihre farbenprächtigen Lichter eintauchend, verwandelten sich in Menschen. Es waren tatsächlich in etwa Hundert, die triumphierend ihrem Weg folgten. Erhobenen Hauptes schritten sie vorwärts, trugen edle violett schimmernde Rüstungen mit silbern hervorgehobenen Verzierungen. Eigensinnige Dolche aus Glas, in welche silberne Haare eingefasst schienen, präsentierten einige der Menschen an ihren glänzenden schwarzen Ledergürteln. Wenige der Krieger trugen zusätzlich violette Umhänge. Manche ritten auf schwarzen, stählernen Pferden, hielten Flaggen straff in die Höhe gehisst, worauf ein glutroter Falke von tiefblauen und smaragdgrünen Schleifen umwunden dargestellt war.

Und alle folgten ihrem abtrünnigen Marsch an einen unbestimmten Ort, den diese Welt ihnen ebnete. Ein Heer aus mysteriösen Wesen, die zu ihren Idealen standen. Ein Heer, bereit für den Kampf…

 

„Wer seid Ihr, Fremder?“, rief einer der Reiter, sprang gekonnt und anmutig von seinem glänzend, schwarzen Ross und schwang ein gläsernes Schwert noch ehe jemand sehen konnte, woher er es hatte. Geschickt setzte er jenes an Links rotgefrorene Kehle.

„Gastfreundschaft scheint in Hyrulia nicht sehr groß geschrieben zu sein…“, sprach der Held des Windes, grinste, zog mit einem Anflug von Leichtsinn sein eigenes Schwert. Und obwohl seine Bewegungen, die Raffinesse und Stärke seines Schlages dem seines Gegenübers um Weiten überlegen schienen, zersprang der Stahl in tausend Stücke als er sich an dem gläsernen Schwert seines Gegenübers rieb.

„Wahrlich nicht“, erwiderte der vermeintliche Heerführer.

Erstaunt sprang der Held des Windes rasch einige Meter zurück und blickte zu den am Boden liegenden Einzelstücken seines Schwertes, die Waffe, die ihm Jahre lang treu gedient hatte.

 

„Aber ich bewundere Euren Schlag, Fremdling, der das grüne Gewand des Helden trägt.“ Damit ließ der Heerführer seine Waffe an einer unsichtbaren Scheide seines Gürtels verschwinden. Und auch das gläserne Schwert wurde unsichtbar. „Es sind düstere Zeiten, und ausgerechnet jetzt, da sich Hyrulia gegen seine eigenen Bewohner wendet, erscheinen die, die die Völker so vergeblich riefen. Und dies auch noch doppelt“, sprach der Mann, dessen Stimme dann neben Bewunderung einen Hauch Ironie verriet. „Laufen die Helden Hyrules jetzt etwa zu dutzenden umher?“ Er lachte.

„Wie meint Ihr?“, sprach Link verwundert und trat erneut näher.

„Vor wenigen Stunden begegnete mir ein junger Bursche, vielleicht zwölf Jahre alt mit dem selben Gesichtsausdruck wie eurem, und dieser Junge trug ebenso das grüne Gewand des alten Heldengeschlechts. Er konnte von Glück reden, dass er auf mich getroffen ist“, sprach der kampferfahrene Mann. 

Sofort kamen dem Heroen die Erinnerungen wieder. Auch der junge Knirps, welcher ein Gast von Tetra war, kam ihm in den Sinn. Genauso wie dieses Mädchen… dieses geheimnisvolle Mädchen…

 

„Mein Name ist Aphidel, ich bin…“, und damit nahm der unbekannte seinen violett schimmernden Helm vom Kopf. Das große Auge in seinem Gesicht, seine schmale Stirn verzierend, machte dem Heroen deutlich, mit welchen Geschöpfen er es zu tun hatte. Dies waren also die Einäugigen, von denen Daphnos gesprochen hatte.

„Ich bin ein Zugehöriger der Einäugigen, jener Geschöpfe, die nicht vom Fluch des Landes betroffen sind.“ Dann sah er zu Boden, eine kurze Traurigkeit legte sich auf sein junges Gesicht.

Link nickte. „Ich weiß über Euch bescheid. Und ich kenne die Geschichte des Landes. Nur… erstaunt mich dieses Heer.“ Links blaue Augen wanderten von einem Krieger zum anderen, er konnte nur ahnen, wo jene noch zusätzlich Waffen versteckten und staunte immer mehr. „Kämpft Ihr gegen die Wächter Hyrulias, so bin ich auf Eurer Seite, lasst mich teilhaben an diesem Kampf, denn er betrifft auch mich.“

 

Der Einäugige grinste, und pfiff einmal kräftig. Ein rotbraunes Getier mit silbern schillernder Mähne kam vom Inneren des Heeres angetrabt und strahlte den Heroen mit dunklen Pferdeaugen an. „Wem dieses Pferd gehörte, wissen wir nicht. Aber vielleicht bringt sie Euch Glück, Held.“ Link nickte dankend, und striegelte den Hals des schönen Tieres. Er hatte noch nie ein Pferd bestiegen, er war noch nie geritten, aber das schöne zahme Tier strahlte eine so angenehme Sanftmut aus, die ihn die Zweifel vergessen ließ. Diese Stute würde ihn führen und sicherlich nicht abwerfen. Sanft stupfte sie ihren schmalen Kopf gegen Links Brust und weckte Links Vertrauen. Als der Heroe einen Fuß in den Steigbügel setzte und sich vorsichtig auf den Rücken des schönen Geschöpfes zog, sich in den Sattel gleiten ließ, war neben dem Gefühl von Vertrautheit noch etwas. Plötzlich ahnte er, wie man reiten sollte. Er fühlte sich sicher und stark.

 

„Noch etwas, Fremder“, sprach Aphidel. Und kramte aus einer kleinen Gürteltasche eine gläserne Pistole, in welcher ein silbernes Haar im Lauf funkelte. „In dieser Ampulle befindet sich ein Stoff, den die Geister dieses Landes für uns aus den Tiefen Hyrulias schöpfen. Dies ist kein Heilmittel, aber es verhindert, dass Euch der Fluch des Eises treffen kann. Vor wenigen Stunden habe ich dem Jungen im grünen Gewand dieses Mittel verabreicht, um ihn zu schützen. Habt Vertrauen und spritzt es euch.“ Dankend nahm der Heroe die Geste an, setzte das seltsame Geschoss an seinen Arm und fühlte, wie ein kribbelndes Serum in seinem Körper entlang schoss. Für einen schwindenden Moment umflatterte seine Augenlider eine hartnäckige Müdigkeit, welche aber schließlich verebbte.

„Wie fühlt Ihr Euch, Held?“, sprach Aphidel, jener Einäugige, der eine Begabung besaß den Heroen im grünen Gewand über den Weg zu laufen.

„Ganz gut soweit“, meinte Link grinsend. „Warum fragt ihr?“

„Der andere Heroe… noch ein Kind… ist von dem Serum ohnmächtig geworden.“

„Verstehe, nun ja, beweist das nicht, dass ich der richtige bin?“, lachte der Heroe zufrieden mit sich und wunderte sich, warum ihm niemand eine Antwort gab.

 

„Aber sagt mir, was bringt Euch dazu dieses Heer anzuführen?“, fragte Link nach einer kleinen Pause und musterte die rätselhaften Krieger erneut mit seinen scharfen blauen Augen. Vorsichtig sprang er wieder von der edlen Stute, musterte lächelnd ihre kohlrabenschwarzen, schönen Augen.

 

Aphidel neigte sein Haupt. „Erstens führe ich dieses Heer nicht an… wir haben niemanden, der uns wirklich führt. Und dann…“ Seine junge Stimme nahm an Entschlossenheit und Mut ab. „Meine Verlobte… eine Zweiäugige ist dem Fluch des Eises verfallen. Sie war eine der Ersten, die davon erfasst wurden. Der Wahnsinn frisst mich auf… gelegentlich erkenne ich mich selbst nicht wieder… ich habe Erinnerungslücken, bin nicht ich selbst... ich muss einfach etwas tun. Und nun da mir die Helden der Prophezeiung begegnet sind, und wir alle spüren, dass ein Umbruch kommen wird, jetzt… werde ich kämpfen, egal, ob es mich mein Leben kostet.“

Link grinste und klopfte dem Burschen auf die Schulter. „Lasst mich euch helfen. Ich habe hier in Hyrulia etwas sehr wertvolles wieder gefunden. Auch ich stehe mit meinem Leben für diese Welt.“

Dem Einäugigen huschte ein Lächeln über das Gesicht. „Würdet Ihr uns nicht führen wollen?

„Ich?“ Link wurde schlichtweg rot im Gesicht bei diesem Gedanken. Natürlich wäre das eine tolle Sache, dachte er, schließlich war er ein Held! Und dazu noch der Beste, den sich Tetra wünschen konnte. Er lachte lallend. Seine Gesichtsmuskeln gaben der Dummheit einen clownähnlichen Ausdruck, als sich einige Szenen in seinem Kopf anbahnten. Alle würden seine Füße küssen wollen, nun da er der Heerführer Hyrulias sein konnte. Tetra würde ihn beglückwünschen, ihn dann umarmen und absurde Dinge in sein Ohr flüstern. Sehr absurde Dinge… Link lachte und kratzte sich am Kopf, als ihn die Realität wieder einholte.

 

Aber… und da fingen seine weniger ruhmreichen Zweifel an: Er konnte nicht einmal reiten! Er saß bis auf vorhin noch nie auf einem Pferd!

 

„Nun… also, das wäre sicherlich eine Ehre, aber…“ Er blies sich einige seiner dunkelblonden, zerzaust an ihm hängenden Haarsträhnen aus dem Gesicht. ,Was soll’s, wird schon schief gehen‘, dachte er dann. Er lächelte breit.

„Aber eine gewisse Belohnung für die ganze Mühe wäre nicht schlecht.“

Aphidel lachte auf diese Bemerkung und schwang sich auf sein stählernes Ross. „Die werdet Ihr bekommen, wenn Ihr am Ende der Schlacht noch lebt, Held.“

„Ich werde nicht einen Kratzer haben“, entgegnete Link selbstsicher.

„Wollt Ihr wetten?“

Auch darauf nickte Link mit einem herzensbrecherischen, verteufelt sicheren Grinsen.

„Seid Ihr sicher? Wie wollt Ihr denn kämpfen ohne Schwert?“

Ungläubig musterte der Heroe dann die Bruchstücke seiner Waffe im Schnee glänzen. Das allerdings war ein mehr als berechtigter Einwand. Dümmlich dreinschauend wirkte Link nun nur wie ein reichlich von sich überzeugter Einfallspinsel, aber nicht wie der eine legendäre Held, dem sogar die Göttinnen vertrauten.

„Ähm…“, murmelte der Heroe und kratzte mit seinem linken Zeigefinder seine Stirn. Aphidel lachte herzlich, aber wissend, führte ein gläsernes Horn zu seinem Mund und blies einen Strom warmer Luft hinein, erfüllte die Welt mit einem hellen, klagenden Klang, rief dem Herzen dieser Welt Wörter zu, die nur für göttliche Ohren bestimmt sein sollten…

 

Die Melodie jenes Hornes erklang… schauderte, erinnerte. Sie fühlte sich so heilsam an, jene kleine Abfolge der Töne, märchenhaft gespielt, vielmehr noch. Link spürte das Leben in dem Musikstück. Macht. Ein Marsch. Ein Triumph.

 

Eine Gänsehaut lief dem Kämpfer im grünen Gewand über den Rücken, ein Warnsignal, dass Übermenschliches sich näherte wie der erste warme Morgen am großartigsten Tag des Umbruches. 

„Was tut Ihr, Aphidel?“, sprach Link leise und blickte nördlich, wo sich in unmenschlicher Geschwindigkeit einige Wesen näherten. Gehorsam folgten sie dem Ruf des gläsernen Hornes und es dauerte Sekundenbruchteile standen dreizehn in silbrig graue Gewänder gehüllte Geister vor der Armee der Einäugigen. Allesamt waren sie hochgewachsen, ihre Gewänder fühlten sich vermutlich einst an wie reinste Seide. Feine Stickereien und Muster waren in dem silbrigen Stoff eingearbeitet. Und alle dreizehn Wesen besaßen lange spitze Ohren, länger noch als jene der heutigen Hylianer. Es mussten alte Geschöpfe sein. Geister, die bereits seit Jahrtausenden auf der Welt weilten, um ihre Pflicht zu tun.

„Ich rief jene, die durch das Elend Hyrulias blicken können. Jene, die die Schätze Hyrulias gut versteckt und damit bewahrt haben. Die Heiligen Geister des Landes.“

 

Der Held des Windes war nie ein Freund von Geistern gewesen, zum fürchten fand er jene, obwohl er doch mutig genug sein sollte sich nichts aus untotem Gesocks zu machen. Aber mit Geistern war das so eine Sache…

Sie besaßen einen beängstigenden Sinn für Humor.

Sie waren so eisig und ihre durchsichtigen Gestalten erinnerten immer daran, dass sie durch Wände gehen konnten. Etwas, was dem Link der Windwakerwelt überhaupt nicht gefiel. Er fühlte sich dadurch so… beobachtet.

Und dann hatten sie so eigenartige Macken, zum Beispiel ohne Kopf rumzulaufen oder durch die Lüfte zu schweben. Das war dem bodenständigen Helden des Windes ein wenig… zu ausgefallen.

 

Eines der Wesen tanzte näher. Auf bleichen Füßen wandelte es dahin, und dort wo es lief, schmolz der Schnee, und gefror im selben Moment zu Eis. Mit starren, leeren Augen erhob sich das Geschöpft vor dem Helden, umgarnte ihn, als wollte es ihm seinen Willen aufzwingen.

„Der Held… ein Taugenichts, der sein eigenes Herz nicht kennt“, säuselte jener Geist, unterlegte den Silben, die er sprach, eine eigensinnige Melodik.

„Sieh…“, sprach es. „Das… was nun geschieht, war dieser Welt nicht bestimmt. Lies in deinen Zweifeln, Held. Lies und verzweifle noch mehr…“

 

Der Held des Windes konnte sich nicht wehren. Er hatte keine Chance dem Geschöpft, seinen Fängen, seiner Heiligkeit und vor allem auch Unberechenbarkeit in irgendeiner Weise auszuweichen. Es hielt ihn im Griff und machte ihn zum Lehrling seines eigenen Gedankenguts, ließ ihn sehen…

 

Dort, wo seine blauen Augen sich wieder öffneten, war er selbst nur ein Gespenst, ein unsichtbarer Gast der Ereignisse. Sein Einschreiten war nicht gestattet. Und durch seine Anwesenheit, gerechtfertigt nicht oder nur durch das Auge der Wahrheit, würde sich eines Tages sein Herz rechtfertigen müssen. Seine Entscheidungen, geführt durch das, was er sah, bedürfen eines Gauklers Leichtsinnigkeit…

Er konnte Tetra sehen, so klar und wunderschön saß sie ihm gegenüber. Sie war gekleidet in einem samtenen, ärmellosen, lila Kleid, mit auffallend hübscher Schnürung. Tetra wirkte nervös und durcheinander, soviel sah er durch den Schleier ihrer Schönheit. Ihre azurblauen Augen ruhten wissend, so erhaben und würdevoll auf einem unbedeutenden Punkt einer silbernen Tafel. Eine kleine Falte auf ihrer Stirn ließ ihn wissen, dass all ihre Konzentration auf einen Gedanken in ihrem Kopf gerichtet waren. Er kannte sie besser als jeder andere. Er kannte sie und konnte in jeder ihrer Bewegungen, jeder ihrer Handlungen lesen. Er kannte sie, weil er sie immer aufrichtig geliebt hatte…

Ihre vollen, süßen Lippen bewegten sich. Dieser eigensinnige Mund, den er sehnte zu küssen, sprach Worte, die er zuerst nicht verstand.

Er versuchte zu lauschen, beobachtete zwanghaft diese weichen, seltenen Lippen, aber ihre Worte waren leer… so leer…

 

Er wand sich ab und schaute sich weiter um. An jener Tafel saßen die Piraten, die Tetra seit Anbeginn ihres Lebens begleitet hatten und drei weitere Menschen. Hyrulianer, so vermutete Link, denn sie besaßen allesamt spitze Ohren.

„Werdet Ihr uns helfen?“, sprach der eine. Seine Stimme war kratzig. Seine engzueinander liegenden Augen, arglistig verborgen in einem fahlen, schmalen Gesicht, umrahmt von weißem Haar, schienen voll und ganz auf Tetras rechten Handrücken gerichtet zu sein. So unheilvoll sichtbar war sein Begehr. So tückisch und bösartig waren die Gesichtszüge des Mannes, dass es den Heroen anwiderte. Er wand sich Tetra zu, deren Augen ebenfalls zu dem einzigartigen Fragment auf ihrer Hand wanderten. In ihren Augen stand dieser Glanz, den Link kannte und fürchtete. Das war jener Glanz der Prinzessin des Schicksals, der ihre Seele nach außen strahlen ließ. Er konnte spüren, obwohl er nicht wirklich an diesem Ort zu sein schien, dass sie mit sich rang, dass sie wusste. Er hatte befürchtet, sie würde in die Hände der Wächter Hyrulias geraten. Er wusste, dass sie es bereits war. Und doch…

Ihr erhabener Blick.

Diese Beherrschung darin.

Ihre königliche Ader…

Wer konnte jemanden wie sie, der in einen Blick soviel Stolz und Würde legen konnte, anzweifeln und ausnutzen wollen?

Sie war mächtiger als jene Wächter, die in diesem Moment mit ihr in dem Raum saßen. Und sie wusste das.

Welche Entscheidung würde sie fällen, dachte Link. Er konnte alles beobachten. Und er würde ihr auf jeden Fall zu Hilfe eilen, egal, ob sie seine Hilfe annahm, oder überhaupt noch ertrug. Aber sie war so stark… Sie würde gegen diese Wächter Hyrulias nicht verlieren…

Zelda, Prinzessin einer unsterblichen Welt, würde niemals untergehen…

Und noch etwas begriff Link, der nur zusehen konnte, in welche unaufhaltsamen Wege ihn das Schicksal lenken würde. Er würde niemals mehr von Tetras Seite weichen wollen… Und er würde, wenn Tetra ihr Schicksal als Regentin dieses neuen Hyrules annahm, sie nicht im Stich lassen.

 

„Ich werde helfen…“, sprach Tetra klar und deutlich. Das hinterhältige Lächeln in ihrem hübschen Gesicht kehrte zurück und ein übles Grinsen dazu.

„Ich werde diesem Reich helfen. Seinen Bewohnern zeigen, dass sie belogen wurden. Ich werde diesen Hylianern vor Augen führen, wo das Gute liegt und wo das Böse enden wird.“ Tetra erhob sich. Ihre Augen waren voller Verachtung auf jene drei Wächter gerichtet, die sie in das Schloss eingeladen hatten. Tetra hatte schon lange begriffen, auf welche Seite es zu stehen galt. Und ihre Macht der Vorsehung hatte ihr gelehrt mit dem inneren Auge zu sehen. Sie hatte gesehen. Und sie wusste…

„Ich kenne die Wahrheit, nicht jene, die ihr versucht mit euren schmierigen Zungen zu erfinden.“

„Wie meint Ihr?“, sprach Eridés, der unbeholfen von seinem Platz aufsprang. „Wir haben euch die Geschichte erzählt von den Einäugigen, die wehrlose Menschen einfrieren und für ihre Zwecke missbrauchen. Wir ersuchen Eure Hilfe. Gebt uns die goldene Macht um die Einäugigen allesamt zu vernichten. Es sind die Aufsässigen, es sind die Abgesandten des Teufels, die die Kinder Hyrulias in Eis verwandeln. Gebt uns die goldene Macht, Prinzessin.“

Tetras Blick verfinsterte sich fortwährend.

 

„Denkt Ihr, dies schöne Gewand, welches ihr tragt, dieses unbezahlbare Schloss kommen von selbst? Hyrulias Macht, und unsere glänzende Energieversorgung fordern Opfer!“ Die Stimme des alten Mannes wurde lauter. Seine Gesichtszüge wurden hässlich, schienen den Ort mit einer Abartigkeit zu verschmutzen, welche sich schwarzer Magie bedient hatte. Warzen, faserartige Gebilde und fleckige Haut, schienen aus den Tiefen seines Körpers an die Oberfläche zu platzen und erfüllten sein Gesicht mit einer Bösartigkeit, die seinen Worten gleich kam.

„Gebt uns die Macht!“, schrie er. Und auch die anderen beiden Wächter Hyrulias, die bisher schweigend an der Tafel saßen, änderten ihre Gestalt. Sie schrumpften. Ihre verhutzelten Wesen kamen zum Vorschein. Ihre Augen färbten sich schwarz und jene Elfenohren verschwanden…

 

Noch ehe Gonzales und die anderen Piraten der Crew reagieren konnten, schossen eisige Strahlen aus den langen, dürren Zeigefingern der beiden schweigsamen Wächter und alle fünf verfielen sie dem Fluch des Eises. Alle fünf Piraten waren sie gefangen in starren Haltungen. Langsames, dickes Eis wuchs von den Füßen bis hin zu ihren Köpfen. Und Tetra, vorbereitet und wissend, stand allein in jenem Saal, sah ihre Piraten, ihre Freunde, dem Fluch des Eises verfallen. Sie war allein, wissend um die Wahrheit, mit einer begehrenswerten Macht in ihrem Körper, gefangen in jenem verhängnisvollen Schloss Hyrulias.

 

Link wollte einschreiten, er wollte sich losreißen, kämpfen, aber er wusste auch, dass er nur ein Beobachter war, dem die Gunst gewährt wurde, zuzuschauen. Er durfte nicht einschreiten, noch nicht…

 

„Wie konntet Ihr uns durchschauen, Prinzessin?“, sprach Eridés mit einer kratzigen, piepsigen Stimme. Er schmunzelte leicht.

„Und dann seid Ihr so töricht und legt Eure Karten offen vor uns hin? Ihr beschämt Eure Herkunft.“ Und der alte lachte wieder. Tetra aber blieb ruhig, lächelte ein wenig und schien mehr als nur die Antwort darauf verborgen zu halten.

„Urteilt nur über mich und über das Gute. Ihr seid weniger als einen Tag davor zu fallen“, sprach sie. Und auch Link, der aufmerksam und besorgt lauschte, wurde nicht mehr schlau aus ihr.

„Das Volk ist blind, gewiss. Betritt man dieses Schloss jedoch und reist zuvor durch diese Welt, sieht die Dinge mit anderen Augen, erkennt die Zweifel und spürt das Misstrauen, ist man nicht mehr so blind wie ihr andere gerne sehen möchtet. Ich musste euch testen, gewiss, aber jetzt weiß ich mehr als ihr ertragen könntet. Das Volk wird erkennen. Es ist nur eine Frage der Zeit…“

 

Die drei Wächter lachten, sie amüsierten sich, grölten mit ihren herzzerreißenden Stimmen, gackerten und lachten.

„Aber zuerst werdet Ihr Euch opfern. Mit Eurer Macht werden wir das Eis brechen und das Volk gnädig stimmen. Und dann, wenn Hyrulia in neuem Licht erblüht, wird niemand mehr etwas von den Einäugigen wissen, die wir mit Eurer Macht vernichten. Sie werden aufschauen zu den Wächtern, die sie erlöst haben.“

„Lacht nur“, sprach Tetra, wand sich um und es schien als würde sie mit aller Kraft in die blauen, gütigen Augen Links, ihres besten Freundes, schauen. Und obwohl er annahm, niemand könnte ihn sehen, so spürte er Tetras Wärme, spürte ihre Dankbarkeit, dass er sie selbst in dieser grausamen Minute nicht alleine ließ. Dies war das Band der Kinder des Schicksals…

„Lacht nur… am Ende wird niemand mehr über mich lachen…“, sagte sie leise, bevor die Wächter sie umzingelten, ihre Hände mit unsichtbaren Fesseln zuschnürten, und sie mit einem Zauber wehrlos machten. Tetra fiel in sich zusammen. Sie sackte einfach nieder und wurde stumm. Ihre strahlenden Augen waren geschlossen. Und ihre Seele schlief…

 

Link schlug um sich, riss sich aus dem Bann, der ihn sehen ließ. Und als sich seine Augen wahrhaftig wieder öffneten, stand er neben dem Heer der Einäugigen. Seine Seele war zurück. Und der Heroe hatte sich so heftig aus dem Bann des Geistes gerissen, dass jener Geist erschrocken zurücktaumelte. Niedergeschlagen stützte sich der Heroe auf seine Knie und atmete unruhig ein und aus. Die kühle Luft brannte an den Schleimhäuten seiner Nase. Schweiß perlte sich an seiner Stirn, obwohl ihm elend und kalt zumute war.

„Sie haben die Prinzessin…“, sprach er.

„Die Prinzessin, die diesem Land prophezeit wurde? Sie, die uns erretten soll?“, meinte Aphidel. Link richtete sich wieder auf, rieb sich über seine Stirn und Augen.

„Ja… Was hat sie sich nur dabei gedacht?“, murrte der Heroe. „Sie ist diesen Wächtern direkt in die Arme gelaufen…“ Der Held des Windes tapste zu der rehbraunen Stute, die ihn sanft an seine Stirn stupste.

„Zelda…“, seufzte er und schloss seine Augen. Es war, als würde er das erste Mal in all der Zeit realisieren, was es bedeutete, wenn sie in Gefahr schwebte. Vor einigen Stunden noch, als sie ins Meer gestürzt war, hatte der Heroe dies nicht einmal begriffen. Er war wie geblendet gewesen…

Und nun zerfraß die Sorge um sie beinahe sein Herz.

„Sie muss komplett verrückt geworden sein. Warum ist sie nicht geflohen?“, murmelte der Held und blinzelte. Sogleich spürte er eine klopfende Hand auf seiner rechten Schulter.

„Nun ja, versteh einer die Frauen…“, meinte Aphidel beherzt. „Aber wenn sie die Königin ist, von der die Prophezeiungen berichten, so schätze ich, würde sie alles tun, um Hyrulia zu retten.“ Er verschränkte die Arme. „Ob das Triforce in ihrem Besitz dies wohl vollbringen kann? Und sie darüber Kenntnis hat?“

„Ihr meint…“ Links Augen wurden immer größer vor Fassungslosigkeit. „Ihr denkt, sie hat das alles geplant? Sie hat sich mit Absicht kidnappen lassen?“

Und je länger er darüber nachdachte, umso mehr hielt er diesen Gedanken für wahrscheinlich. Tetras Absichten waren rätselhaft, aber dennoch rechtschaffen.

„Sie scheint ein sehr interessanter Mensch zu sein“, sprach Aphidel. Link grinste daraufhin. Ja, das war sie. Das war sie mit großer Sicherheit.

„Oh, Euer Grinsen verrät mehr als man wissen möchte“, meinte der Einäugige. Und sein großes, eindrucksvolles Auge verengte sich, als seine Lachmuskeln sich anspannten.

„Nun ja, ich habe nichts zu verbergen“, sagte der Heroe selbstsicher und kurbelte seinen linken Arm. „Ich liebe diese Prinzessin, und daraus mache ich kein Geheimnis.“

„Dann würde ich meinen, wir machen uns auf den Weg, um sie zu retten.“

„Nichts lieber als das“, sprach der Heroe. Nur… wie sollte er eine Schlacht gewinnen ohne Schwert? Seine Lieblingswaffe war vorhin in mehr als genug Einzelteile zerbrochen, und das an einem Stück magischen Glas.

 

Ruhe bewahrend blickte er sich um. Die heiligen Geister des Landes, dreizehn an der Zahl, erhoben sich in einem Halbkreis vor ihm und alle blickten mit ihren dunklen, eingefallenen Augen in seine Richtung. Sie hatten noch etwas zu vollbringen, bevor sie zusammen mit dem Heer in die Schlacht zogen.

„Sie möchten, dass Ihr vor sie tretet, Held“, sprach Aphidel und lächelte. Der Umbruch war spürbar. Dieses Heer würde seine Aufgabe erfüllen. „Jene Geister bewahren Hyrulias Schätze. Auch gewisse Dinge, die für Gerechtigkeit und Mut stehen. Es existiert ein Gegenstand, der nur dem Helden der Legende gebührt. Es wird Zeit ihn in Eure Hände zu legen.“

Link nickte lediglich und trat ehrfürchtig in jenen Halbkreis ein, den die Heiligen Geister für ihn erschufen. Sie umzingelten ihn und traten näher. Ihre schimmernden Gewänder flatterten im eisigen Wind. Ihre Schleier, silbern und edel, leuchteten wie Fahnen, die ein vergessenes Gefühl wiederbringen wollten. Sie waren kaum mehr einen Meter vor der jugendlichen Gestalt jenes Heroen entfernt, als sie alle ihre Hände ausstreckten. Ihre langen, dürren Finger tanzten und beschrieben Symbole in der Luft. Feine Linien aus Silber entwickelten sich, wurden stärker, dicker, breiteten sich aus und zogen sich wieder zurück. Die Geister traten wieder zurück und es blieben dreizehn faszinierende, rundliche Gebilde in den Lüften tanzend. Die Gebilde wuchsen und allesamt waren sie verschieden.

„Tauche ein, Held…“, säuselte ein Geist. „Berühre jene Körner der Vergangenheit und sie werden sich in das verwandeln, was du begehrst.“

Fasziniert trat der Heroe an eines der silbernen Gebilde heran, griff mit zwei Fingerspitzen hinein in jenen Zauber und spürte eine tadellose Energie, die so gewaltig schien, dass es seine Hand zerreißen wollte. Aus der Reihe traten vier weitere Körner an jenes heran und verschmolzen. Und plötzlich schossen dünne Fäden von überall her. Die Kugel wuchs und wuchs, nahm Form und Farbe an, sank nieder und bohrte sich längs in den weichen schneebedeckten Boden. Man konnte nicht gänzlich erkennen, um was es sich handelte, noch war der Gegenstand umgarnt von gleißendem Licht.

 

Ratlos blickte sich der Heroe um, trat an das nächste Korn, welches in den Lüften tanzte. Er berührte es erneut, zwei weitere Körner vereinigten sich mit jenem Korn und das Gebilde entwickelte wieder eine Gestalt, sank dann nieder und blieb auf dem Schnee liegen.

Fünf dieser Körner blieben nun noch übrig.

Aus den fünf Körnern erschuf der Heroe noch drei Dinge, die allesamt im kristallen funkelnden Schnee liegen blieben. Das gleißende Licht der Gegenstände verebbte. Was blieb waren glanzvolle Dinge aus längst vergessenen Zeiten, die ein Held, ein Abenteurer oder ein Ritter zur würdigen weiß.

Der Heroe fühlte sich wie in einem süßen Traum, der ihn reich mit verlockenden materiellen Dingen beschenkte. Seine meerblauen Augen glitzerten angesichts einer wunderbaren Freude. Er konnte es nicht fassen und kniete zu den Heiligen Gegenständen nieder, die aus dreizehn magischen Samen geschaffen, nein, vielmehr erweckt worden waren. Und alle diese mächtigen Gegenstände wurden einzig und allein durch seinen Willen gerufen, was ihn noch mehr verwunderte.

Der erste Gegenstand war der unbegreiflichste für ihn.

Es war eine Waffe, die er Zeit seines Lebens schon einmal führen durfte.

Kostbarer, weißer Stahl. Geschaffen von weisen Händen. Geschmiedet für einen einzigen Zweck.

Blau-silberner Griff, der darauf wartete von eines Helden Hand berührt zu werden. Ein einzigartiges Leder, welches sich jeder Furche der Hand und Finger geschmeidig anpasste.

Ein Schwert, welches nur einen Namen verdiente.

Das Masterschwert…

Gestochen scharf würde sich jenes Schwert in das Herz eines niederträchtigen Menschen bohren und keine Gnade walten lassen.

 

Link kannte keine Geduld und umgriff diese legendäre Waffe sofort, atmete tief ein, als er dessen Macht unter seiner Haut pulsieren fühlen konnte.

Es war ein herrliches Gefühl. Er schwang es so wie damals im Hyrule, das unter riesigen Wassermassen verschüttet war. Er schwang es nicht nur einmal und fühlte sich erinnert…

 

Zu jener legendären Waffe, die sich der Heroe sofort auf den Rücken schnallte, hatten ihm die Geister noch einen gläsernen Bogen mit silberner Sehne und passend dazu einen Köcher mit violett schillernden Pfeilen hinterlassen. Dann lag auf dem Schnee noch ein blass violettes Schild mit einem silbernen Falken aufgestickt, ein Enterhaken. Und etwas lag da noch, was den Heroen nicht nur verblüffte, sondern seine Skepsis regte: ein Ring. Ein sehr schönes, fein verarbeitetes Schmuckstück. Weißgold. Mit drei violetten Edelsteinen und einer sehr zarten, eigensinnigen Musterung. Vorsichtig betrachtete sich der Heroe den Ring und hatte schon Angst in seinen groben Händen würde das kostbare Schmuckstück zerbrechen. Er versuchte das Schmuckstück auf seinen Ringfinger zu stecken, aber dafür war der Gegenstand viel zu klein. ,Sicherlich eher für die Hand einer schönen Frau gemacht‘, dachte er und ließ ihn in einer Hosentasche verschwinden.

 

Den Enterhaken und den Bogen schnallte er der Stute auf den Rücken. Mit einem Grinsen schaute er in Richtung der Stadt, die von dieser Erhebung aus gut zu erkennen war.

Das war sein Weg und dort würde er Tetra wieder sehen.

Schwunghaft ließ sich der Held in den Sattel sinken und hatte ein festes Ziel im Auge.

Aphidel trabte mit einem schwarzen Ross neben ihm her und blickte ebenso in Richtung des vorbestimmten Ziels. Dort würde die Schlacht ihren Höhepunkt haben. Und dort würde sich für Hyrulia alles entscheiden.

„Seid Ihr bereit, Held?“

Link nickte tapfer. „Das bin ich, und ich führe euch an. Aber der Oberbösewicht gehört mir!“

Aphidel lachte herzlich.

Der Heroe aber verlor sich in einem aufgeregten Grinsen. Ohne Links Zutun bewegte sich die kräftige Stute, auf der er saß, an die Spitze der einäugigen Wesen.

 

„Setzt Eure Helme erneut auf, Krieger Hyrulias!“, rief Link und zog das legendäre Masterschwert in die Höhe.

„Diese Schlacht soll die Gesetze Hyrulias neu ordnen! Eure Zeit ist gekommen. Die Zeit, in der die Völker dieser Welt Frieden finden. Lasst uns kämpfen für alle die, die in Eis gefallen sind und die, die sich fürchten.“

Die kampfbereiten Männer setzten ihre Helme auf und riefen dem Heroen zu. Sie jubelten.

Der legendäre Held schwang seinen linken Arm vorwärts.

Das Heer der letzten Krieger Hyrulias setzte sich kraftvoll in Bewegung. Sie wirkten wie eine violett schimmernde Lawine, die auf das Unheil in der näherliegenden Stadt zu preschte. Eine gewaltige Flut, die das Böse wegwaschen würde.

 

Der Marsch der letzten Kämpfer Hyrulias ging weiter. Auch die Heiligen Geister des Landes folgten jenem Heer.

 

Und der Held des Windes, an der Spitze der in der Dunkelheit violett schillernden Krieger, getragen von einem starken Geschöpf, in Begleitung des Windes, wie es sein Schicksal forderte, würde auch aus der Begegnung mit diesem Bösen als Sieger hervorgehen.

 

Im gläsernen Palast Hyrulias wachte in einem abgelegenen Raum endlich das Götterkind aus einem tiefen Schlummer. Er hatte einen intensiven Traum genossen, befand sich in jenem Traum irgendwo in einer entfernten Welt, die noch moderner schien als die Erde… Er hatte sich aufgehoben gefühlt, und sehr geborgen. Die genauen Details des Traumes verschwammen wie Aquarellfarbe auf einem wertvollen Stück Papier. Die vielen Gefühle in jenem Traum verblassten, verschwammen. Je mehr er versuchte sich zu erinnern, umso undeutlicher wurde alles. Und nun, da er wach war, fühlte er sich ein wenig verloren, nicht nur, weil er sich in einem fremden Raum mit einfachem Bett, einem abgenutzten Tischchen und Regalen an jeder Seitenwand befand, sondern weil er sich in jenem Traum so sicher, und erwachsen gefühlt hatte. Gequält hob er seine Beine aus dem Bett, setzte seine grüne Mütze wieder auf, die ihm anscheinend während des Schlafes vom Kopf gerutscht sein musste. Ein Blick aus einem großen Rundbogenfenster ließ ihn erahnen, dass er vermutlich in der Hauptstadt Hyrulias gelandet sein musste. Schlagartig kamen seine Erinnerungen zurück. Die Einäugigen in der Höhle. Dieses seltsame Reich. Und diese eingefrorenen Menschen. Ob die zyklopenartigen Wesen ihm doch nicht freundlich gesonnen waren? Immerhin, und das wusste er noch, hatte ihm einer der Einäugigen etwas verabreicht, das für eine sehr lange Ohnmacht gesorgt haben musste.

Er seufzte und lief dann vorsichtig zu einer Tür aus dunklem, violett schillerndem Glas. Zaghaft öffnete er jene Tür und hörte aus einem der Gänge aufgeregte Stimmen.

 

„Ja, sie haben sie…“, sprach jemand. „Die Prinzessin des Schicksals soll geopfert werden, um unsere Welt zu retten. Die Wächter haben alles in die Wege geleitet“, hörte er eine gackernde Stimme predigen. Hatte er richtig gehört? Geopfert werden? Klein-Link blickte kurz aus der Tür hinaus und sah zwei Damen im besten Alter, ziemlich rundlich, eine hielt ein Tablett in der Hand, worauf silberne Kelche ruhten. Die andere trug eine Schürze und hielt einen Kochlöffel in ihren Händen.

„Ich kann das immer noch nicht glauben. Die Prinzessin ist tatsächlich hier?“

„Aber wenn ich es dir doch sage!“, betonte die andere.

„Und denkst du, es ist richtig, dass sie geopfert werden sollte? Ich weiß, es ist ungezogen von mir, die Wächter in Frage zu stellen… aber ich bin nicht die einzige, von deren Seite die Wächter kein Vertrauen mehr genießen. Wo soll das Ritual denn geschehen?“, meinte die vermeintliche Köchin und blickte nachdenklich zu Boden.

„In der gläsernen Gruft, nahe dem See ohne Wiederkehr. Die Wächter haben die Prinzessin angeblich schon dorthin gebracht.“

Klein- Link begann zu begreifen und das Grauen stieg in ihm auf. Tetra musste jene Prinzessin sein, über die sie sprachen. Tetra sollte geopfert werden? Klein- Links Herzschlag beschleunigte sich.

„Bei den Göttinnen“, platzte es aus ihm heraus, worauf die beiden ziemlich dicklichen Frauen ihre Köpfe in seine Richtung drehten. Sofort stürmte er aus der Tür hinaus und rannte den Gang entlang auf der Suche nach Treppenstufen. Die beiden Frauen schienen ihn nicht zu verfolgen, und trotzdem fühlte er sich so, als würde er mit diesem Wissen geköpft werden können. Tetra sollte geopfert werden. Und Link, der Held des Windes, befand sich nach seinem Wissen noch irgendwo am Hafen. Und wo, zum Teufel, war Navi? Schnurstraks sauste er die Treppenstufen hinab, als er sie gefunden hatte, erreichte weitere Gänge, eine Wendeltreppe nach unten, bis er endlich in einer großen Halle angelangt war. 

 

Dort hielten sich mehrere Leute auf, die ihn alle nicht zu beachten schienen, was den Jungen zunächst nicht interessierte. Er rannte hinaus aus dem gläsernen Palast Hyrulias, beschleunigte seine Schritte und stand endlich außer Puste auf einem Marktplatz. Niemand schien ihn zu bemerken. Der Marktplatz wirkte zwar wie ausgestorben, vermutlich wohl, weil es noch dunkel war, aber hier und da lief ein Hyrulianer in dicker Winterbekleidung vorbei. Hier und da schaute jemand aus einem dieser mit Glas erbauten, mit Schnee bedeckten Häuser. Trotzdem schaute ihn niemand direkt an, was das Götterkind nun doch beunruhigte. Plötzlich fuhr eine Kutsche vorbei, die ihn eigentlich streifen musste, so nah fuhr sie an ihm vorbei. Aber der Junge fühlte nichts. Keine Berührung. Keinen Schmerz. Er hastete zu einem der Häuser, wo aus dem ersten Stock ein älterer Mann blickte. Und obwohl Klein-Link direkt vor ihm stand, heftete der Alte seine Augen nicht auf ihn.

„Hey, Sie dort oben!“, rief das Götterkind, aber erhielt keine Antwort, nicht einmal bemerken schien ihn der Alte.

„Bitte. Könnten Sie mir sagen, wo die gläserne Gruft zu finden ist? Wo ist dieser See ohne Wiederkehr?“ Aber erneut tat sich nichts. Der Alte schien ihn nicht zu verstehen, noch nicht einmal bemerken konnte er das Götterkind.

Mit schweren Schritten tapste Klein-Link in die Mitte des Marktplatzes, setzte sich auf eine zugefrorene Treppenstufe an einem vereisten Springbrunnen. Und erst da bemerkte er, dass er nicht in der Lage war, nur annähernd die niedrigen Temperaturen an jenem Ort zu fühlen. Er spürte keinen Wind, der sonst durch seine Kleidung toben würde, spürte nichts…

Seine Hände wanderten zu dem Medaillon, welches um seinen Hals hing. Es war noch dort, aber war er noch ein Teil der Geschehnisse? Wenn ihn niemand bemerkte, wenn er noch nicht einmal mehr vernommen wurde, konnte es sein, dass er gerade nicht existent sein konnte? Er kniff die Augen zusammen angesichts des Gedanken. Früher konnte er das doch fast immer steuern, sich sichtbar oder nicht fortzubewegen war eine seiner Gaben, Und nun?

 

Er war schlichtweg verblasst…

Er war allein, nicht einmal wo Navi sich aufhielt, wusste er.

Aber das schlimmste waren seine Ängste…

 

Wenn er verblasst war, sich auflöste… Konnte es sein, dass auf der Erdenwelt, wo alles doch nur ein Spiel war, etwas nicht stimmte? Hatte Ganondorf etwa schon gewonnen? War einer der beiden Heldengestalten gestorben?

Er wollte schon weinen, als er daran dachte. Aber welche Erklärung für seinen Zustand sollte es sonst geben? Wenn ihn niemand mehr sehen konnte, welchen Zweck sollte er in diesem großen Kampf dann noch haben? Er würde ja nicht einmal mehr den Link dieser Welt bitten können, ihm zu helfen.

„Argh!“, schimpfte er, rupfte sich die grüne Mütze vom Kopf und trat aus Wut ein wenig auf jener herum.

 

In dem Augenblick ertönten von überall her kräftige Hörner, die den Klang produzierten, den der Junge in der Höhle gehört hatte. Ein unvergesslicher Klang, erschaffen durch gläserne Flöten. Fein und bestimmend. Sanft und verlockend. Wie der Gesang einer freien Fee, die mit ihrer anmutigen Singstimme einem Chor vorausging.

Klein- Link setzte seine Mütze wieder auf und lief hoffend in die Richtung der Melodie. Und mit einem Mal war der Melodie nach Freiheit ein gewaltiger Marschrhythmus unterlegt, den starke Pferdehufe erschufen. Sogar der Boden vibrierte, war ein Zeuge dem sich nähernden Umsturz, den dieses Land verdiente.

Und da ritten Dutzende bewaffnete Hyrulianer, nein, Einäugige, wie Klein- Link erkannte, über den Marktplatz, mitten durch ihn hindurch. Sie alle riefen mit kräftigen Stimmen nach Freiheit, riefen nach Gerechtigkeit, forderten die Bewohner der Stadt auf, sich zu zeigen.

Alle Menschen kamen daraufhin aus den Häusern, starrten jenen Krieger mit offenen Mündern an. Aus den schmalen Gassen strömten Mengen von Hyrulianern, die den Kriegern verblüfft hinterher schauten. Die Menschen spürten, dass es soweit kommen musste. Ein Kampf in diesem verfluchten Land war unausweichlich. Und viele hofften darauf, dass die Schuldigen, egal, ob es die Einäugigen oder die Wächter waren, endlich ihre Strafe erhielten. Hyrulia sollte wieder ein Land sein, in dem sich das Leben lohnte, in welchem man Blumen pflücken konnte, wo die Sonne lachte an einem der warmen Sommertage. Diese Sehnsucht der letzten gesunden Menschen war nahezu spürbar…

Der Morgen brach an, sendete glutrote Ausläufer über jene Welt. ein Morgen, der diese Welt verändern würde.

 

Aus der Mitte der Kämpfer kam plötzlich jemand auf einer rotbraunen Stute daher geritten, ritt bis zur Spitze der aufgereihten Wesen und hob seinen Einhänder in die Höhe. Das Götterkind erkannte jenes Schwert auf Anhieb. Es funkelte im Licht, welches die Sonne just in diesem Augenblick auf die schneeweiße Stadt schickte. Mit Feenwassern gesegnet, von Weisen geschmiedet, war jenes Schwert die stärkste Waffe, die ein Held führen konnte. Und nur ein Held war in der Lage ihre volle Macht zu entfalten.

„Bürger Hyrulias“, rief der Besitzer jener mächtigen Waffe. Es war ein Held, über den Geschichten geschrieben wurden und noch viele geschrieben werden würden. Mit verwunderten Augen hefteten viele der Angesprochenen ihre Augen auf jene Waffe und den Reiter der rehbraunen Stute. „Diese Welt, die das Erbe der Göttinnen trägt. Diese Welt, die ihr Euer Heim nennt. Jene Welt leidet“, sprach er und ließ das begnadete Schwert sinken.

„Wacht auf, ihre Menschen jener Welt. Seht den Morgen, der der letzte in dieser Eishölle sein soll. Denn morgen schon, werden Eure Kinder wieder über Wiesen wandern, die in sattem Grün erstrahlen.“ Er machte eine Pause und ritt noch näher an jene Ansammlung ungläubiger Menschen heran. „Ich bin der Held der Legende“, sprach Link ruhiger, zog sich rasch den linken Handschuh herab und präsentierte ein strahlendes, leuchtendes Fragment des Mutes. Sein Schein leuchtete stärker als die erwachte Sonne, die sich fast vollständig über den Wipfeln naher Gebirge erhoben hatte. Einige Menschen knieten nieder, andere hatten Tränen in den Augen. Und es schien dem Helden des Windes zu gefallen auf diese Weise gefeiert zu werden.

„Ich werde die Verantwortlichen finden, so wahr ich der Träger des Triforce des Mutes bin. Schließt euch uns an. Kämpft, damit diese Welt wieder sein kann wie vorher“, sprach er stark und hob erneut des legendäre Schwert aus tausenden Prophezeiungen in die Höhe.

„Gebt dieser Welt eine Chance, das Hyrulia zu sein, wofür es steht. Ein freies Land. Demokratisch und tolerant.“

Auch Klein- Link hörte aufmerksam zu und lächelte. Der Held des Windes wusste, wie man Worte gebrauchte. ,Sicherlich, an manchen Stellen war seine Rede ein wenig schwulstig und er lobte sich ein bisschen zu viel‘, dachte der Junge. Dennoch verbeugten sich die Menschen vor ihm und ließen sich mitreißen.     

„Schließt Euch uns an. Für Freiheit. Für Gerechtigkeit.“ Die Menschen jubelten schließlich, hoben ihre Hände in die Höhe. Und der Held des Windes lächelte zufrieden.

 

Und es dauerte nicht lange, stürmten unzählige Menschen hinter jenem Heer der Einäugigen her. Es waren keine Erklärungen notwendig. Vermutlich genossen die Wächter schon lange kein Vertrauen mehr unter den Bürgern Hyrulias. Auch Klein- Link rannte mit der Menge, er rief nach dem Helden des Windes, und doch ahnte er, nicht gesehen werden zu können. Plötzlich packte ihn einer der Reiter am Kragen. Noch ganz verdutzt saß der Junge blitzartig vor einem der Krieger auf einem schwarzen Pferd, spürte die Bewegung der Menge, sah von hier erst einmal, wie gigantisch das Ausmaß war, welches der Held des Windes angerichtet hatte. Der Heroe der Meere hatte den größten Nerv des Volkes mit seiner Rede getroffen, hatte die Sehnsüchte der Menschen geweckt, für die sie nun kämpfen würden. Leute stürmten aus den Häusern und trieben alles an Waffen auf, was sie finden konnten. Äxte. Sicheln. Bis hin zu einfachen Messern und Küchengeräten.

Klein- Link staunte einfach nur und drehte sich endlich zu dem Krieger um, der ihn am Kragen gepackt hatte. Das bedeutete auf jeden Fall erst einmal, dass er nicht mehr unsichtbar war. Ob auf der Erde die Zeit doch noch still stand und er und Navi mehr als genug Zeit hatten, alles für den Rat der Helden vorzubereiten?

 

„Wer seid Ihr?“, fragte Klein- Link.

„Nun, wir haben uns schon einmal getroffen, Kind im grünen Gewand“, sprach der Krieger. Der Junge erkannte den Einäugigen sofort an seiner Stimme. Mit diesem Kerl hatte er in der Höhle gesprochen. Das war der Einäugige, der ihm dieses Serum verabreicht hatte.

„Du hast mit mir irgendwas angestellt!“, murrte der Junge.

Daraufhin lachte der Einäugige. „Ich weiß, und das nur zu deinem Besten. Dank dem Serum kannst du nicht vereist werden, Heldenkind.“

„Echt?“, vergewisserte sich Klein-Link, worauf er von dem Einäugigen ein zufriedenes Nicken erhielt. Der Bengel grinste daraufhin.

„Du weißt, was vor sich geht, nehme ich an?“, fragte der Krieger. Auch daraufhin nickte der Junge. „Ach ja!“, rief das Götterkind. „Tetra, die Prinzessin, wird in der gläsernen Gruft gefangen gehalten. Irgendwas von einem See ohne Wiederkehr.“

Der Krieger stoppte sofort sein Ross und musterte den Bengel skeptisch. „Woher hast du diese Information?“, sprach er aufgeregt.

„Ich habe im Schloss gelauscht!“

 

Der Einäugige zögerte nicht lange, sog kräftig Luft in seine Lungen und blies kraftvoll in sein gläsernes Horn. Daraufhin ritt der Held des Windes mit der eleganten Stute zu jenem Einäugigen und musterte verwundert den jungen Spund, der ebenso auf dem Pferd saß.

„Was ist los, Aphidel?“, meinte der Heroe.

„Eure Prinzessin weilt nicht mehr im Schloss Hyrulias. Es ist schlimmer, als ich vermutet habe“, erklärte er. „Sie ist inzwischen in der gläsernen Gruft im See ohne Wiederkehr.“

„Was bedeutet das?“, meinte der Held des Windes.

„Das Heer soll uns folgen, ich werde uns dorthin führen… Das Problem ist nur, wie viele der Menschen werden uns dorthin folgen? Der See ohne Wiederkehr ist ein böser Ort in Hyrulia. Einst wurden Menschen dort grausam bei lebendigem Leibe begraben. Einst war jener Ort ein Moor. Doch vor wenigen Jahrhunderten wurde diese Region überflutet und ab da sind in diesem See seltsame Dinge geschehen. Seitdem nennt man ihn den See ohne Wiederkehr.“

 

„Ich verstehe… nicht noch mehr Geister“, murrte der Heroe und klatschte sich mit der Handfläche gegen seine Stirn. Geister und noch mehr Geister. Musste es denn sein, dass sich das einzige, wovor er sich etwas fürchtete, so zahlreich in Hyrulia befand? Und so langsam wuchsen ihm die Zweifel ob er wegen Tetra, die sich doch auch gut selbst verteidigen konnte, wirklich in eine Horde von Geistern hineingeraten sollte.

Das Götterkind wusste in dem Augenblick schon lange, was im Kopf des Erwachsenen vor sich ging. Es war unglaublich. Dieser Heroe schien auf den ersten Blick her sogar etwas stärker als der Link, der auf der Erde lebte, aber dieser halbe Pirat hatte tatsächlich einen Riesenbammel vor Geistern.

 

„Du bist doch der Held des Windes, diese Geister fürchten sich eher vor dir als umgekehrt!“, sprach Klein- Link dann und grinste hoffend. Denn er hatte eine schnelle Idee, um jenen Helden etwas zu beeinflussen.

„Findest du wirklich?“, staunte der Heroe.

„Aber sicher doch. Ich komme aus einer anderen Zeit, und dort hat der Held auch keine Angst vor Geistern. Doch hast doch sicher schon vom Helden der Zeit gehört, nicht wahr?“

„Ja, ja, in der Tat…“, sprach der Heroe unsicher, schaute skeptisch zu Boden und kratzte sich an der Nase. Natürlich hatte er das. Diese Legende kannte jedes Kind.

„Und ich finde ja sogar, du bist wesentlich stärker als der Held der Zeit“, betonte Klein- Link. „Aber wenn du nicht willst… ist es echt schade, dann wirst du nie an den Helden der Zeit heranreichen.“ Dieser Satz hatte anscheinend eine weitreichende Wirkung. Wie als hätte man dem Heroen Pfeffer in den Mund gestopft, prustete er sich auf, winkte Aphidel zu, der ihm folgte und trieb das rehbraune Pferd wieder in Richtung Spitze und rief dem Heer einige Worte entgegen.

„Das war nicht schlecht“, meinte Aphidel und grinste den Bengel an. „Du scheinst einen außerordentlichen Scharfsinn zu haben.“

„Das habe ich von meiner zukünftigen Mama“, lächelte er. ,Sie war immerhin die Trägerin des Fragments der Weisheit.‘

 

Alsdann bewegte sich das letzte Heer der Welt Hyrulia bereitwillig in Richtung jenes verhängnisvollen Ortes, wo sich alles entscheiden würde. Das Schicksal Hyrulias lag in ihren Händen…

 
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