Kapitel: 7
 
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Kapitel 7

Als ich zu mir komme, weiß ich, dass alles anders ist. Ich kann spüren, dass ich im Schlaf weinte. Getrocknete Tränen brennen ebenso...

Langsam verabschiedet sich mein Bewusstsein von dem Traum, doch ich erinnere ihn mit gemischten Gefühlen, als sich meine Augenlider langsam heben. Ich erwarte, dass ich mich am Strand wiederfinde, dort, wo meine Kräfte schwanden. Aber ich kann weder das kraftvolle Meer rauschen hören, noch den warmen Sand unter mir spüren. Stattdessen schnuppere ich den Duft von verbranntem Holz, spüre ein weiches Material unter mir und eine Decke, die mich schützt. Verwundert heben sich meine Augenlider mehrmals. Ich richte mich sachte auf und sitze in einem knarrenden Bett. Ich streiche über meine brennenden Wangen, wo ich das Salz meiner Tränen spüren kann. Ich erkenne den Ort als kleine Hütte, wo spärlich einige Gegenstände stehen und die wenigen Dinge chaotisch und ungeordnet um mich platziert sind. Und obwohl ich Luxus gewöhnt bin, empfinde ich weder Abneigung noch Ekel an jenem Ort. Es ist so vertraut hier… angenehm vertraut…

Im kleinen Kamin knacken einige Holzscheitel und schenken eine wohlige Wärme. Darüber ist ein Kessel gestapelt, in dem eine Suppe kocht. Ein würziges Aroma spendet sie.  In einer anderen Ecke steht ein abgenutzter Schrank. Auf dem kleinen Tisch neben dem Bett liegen einige Bücher und Karten und eine mit Verbänden zusammengehaltene Feder, die in schwarzer Tinte steckt, weckt meine Aufmerksamkeit. Direkt neben der einzigen Tür hängt ein Hylia- Schild und ein Bogen. Darunter an die Holzwand gelehnt ist das legendäre Schwert platziert. Und das Licht des Feuers und einer dicken Kerze, die auf dem Tisch steht, taucht den kleinen Innenraum in ein so beruhigendes Licht, das meine Angst und Zweifel im Zuhause des Heroen zu sein beinah verfliegen.

Hat er hier die meiste Zeit verbracht, seit er in Hyrule lebt? Es wundert mich wie wenig ein Mensch doch eigentlich zum Leben benötigt und wie viel ich in meiner Arroganz und Ignoranz im Leben besaß…

Sachte lasse ich meine Beine über die Bettkante fallen und trete auf meine nackten Füße. Richtig, erinnere ich. Ich habe am Strand meine Stiefel abgelegt. Suchend durchforste ich die kleine Hütte ein weiteres Mal, entdecke meine Schuhe neben dem Kamin. Ich trete näher an das angenehme Feuer, wärme mich daran und ziehe die Stiefel über meine kalten Füße. Irgendwo ist es ungemein aufmerksam von ihm, dass er diese nicht am Strand ließ. Überhaupt… warum hat er mich nicht einfach am Strand zurückgelassen… nach all den unnötigen Streitereien? Nach den Verletzungen…

Ich verstehe ihn einfach nicht. Auf der einen Seite sind da seine harschen Worte und auf der anderen Seite diese verwirrenden Bemühungen mir gegenüber.

Und je mehr Zeit vergeht, umso mehr erkenne ich etwas in ihm. Das Gefühl von Vertrautheit macht mich nervös…

Etwas melancholisch blicke ich in die Glut, die unter dem Kessel, atmet. Ich besinne mich auf Worte, die der Heroe sprach, versuche mir einmal mehr, mit der Gewissheit des Traumes, einen Reim daraus zu machen. Steckt mehr dahinter, dass er mich blind nennt? Habe ich tatsächlich etwas vergessen? Sind die Kinder aus dem Traum ein Abbild einer anderen Realität? Und war diese Blüte… diese wunderschöne und doch teuflische Blüte jenes Baumes ein Teil meiner Welt?

Ich seufze und streiche mir über die Stirn. Diese Fragen lassen mich einfach keine Ruhe finden. Selbst, wenn ich jetzt, ungesehen von dem Heroen gehen würde, wenn ich die Konfrontation mit ihm vermeiden würde, seine blaugesprenkelten Augen, seine Worte und letztlich sein Lied schenken mir einfach keinen Frieden. Habe ich ihn vergessen? Kannte ich ihn einst?

Mich selbst umarmend trete ich an den kleinen Tisch, wo viel Pergament ruht. Neugierig und sicherlich nicht mit der Erlaubnis des Heroen schiebe ich einige Blätter zur Seite, entdecke hier und da Noten und verschiedene Aufzeichnungen. Ich erkenne sogar Worte in Althylianisch, die mich erstaunen. Ich sehe es an den Zeichen, dass es jene Sprache ist. Neben der Kerze liegen weitere Stapel Pergament. Es scheint eine Art Tagebuch zu sein. Der Heroe hat hier scheinbar in einer sehr schönen Schrift, wie ich finde, alles niedergeschrieben, was er erlebte. Ein wenig aufgeregt und sofort überprüfend, ob ich alleine bin, beginne ich wenige Absätze zu lesen. Ich blättere zurück, suche angestrengt nach einem Erlebnis aus dem Schloss, aber finde auch aufgrund meiner Unruhe nicht sofort etwas. Etwas nervös schiebe ich weitere Blätter zur Seite, die in dem Augenblick von der Tischkante rutschen. Murrend sinke ich auf meine Knie, greife nach den Blättern, als mein Blick starr und meine innere Unruhe noch weiter schürend auf eine Vase mit einzelnen Zweigen trifft. Er muss sie in die dunkle Ecke unter den Tisch gestellt haben, um sie vor meinem Antlitz zu verbergen. Mir klappt die Kinnlade nach unten, als ich diese wunderschöne blaue Blüte erinnere. Und plötzlich sind mir die Pergamentblätter egal. Ich greife nach der Vase, drehe mich damit in den Lichtschein der Kerze, nur um es zu begreifen. 

Ein Zweig des Baumes, der uns vergessen lässt mit eben jenen tiefblauen Blüten. Ich streiche darüber und erkenne es aus dem Traum als gehören die Erlebnisse darin zu meiner Vergangenheit.

Ein weiteres Entsetzen kommt über mich. Ist er es vielleicht, der mich aus irgendeinem Grund vergessen ließ? Mein Puls schnellt in die Höhe angesichts eines beunruhigenden Gedankens der Gefahr. Wollte er, dass ich vergesse?

 

In dem Augenblick öffnet sich knarrend die Tür in die kleine Hütte. Vor Schreck lasse ich die Vase fallen und das Glas zerspringt vor meinen Füßen in Hundert Scherben. Mit tadelndem Blick prüft der Heroe die Situation, schließt die Tür wortlos und würdigt mich mit keinem Wort. Er hat einen Stapel Brennholz auf seinen Armen und lässt die Holzscheitel zunächst neben dem Kamin grob zu Boden fallen. Mich nicht beachtend tritt er näher, kniet nieder und greift nach dem Zweig. Bei den Göttern, dieser Mann ist einfach nur unmöglich unberechenbar! Und allein diese Handlung von ihm macht mich rasend vor Wut. Ich verstehe ihn einfach nicht. Weder ein erklärendes Wort noch ein Blick. Stattdessen kümmert er sich um eine Blüte, als hängt sein Leben daran. Er öffnet den einzigen Schrank, holt dort eine große Flasche hervor, schöpft damit Wasser aus einem Tongefäß in einer weiteren Ecke und wirkt erst dann zufrieden, als der Zweig erneut im Wasser steht.

Ich schüttle erbost meinen Kopf, versuche ruhig zu bleiben und knie zu den Scherben nieder. Ein Scherbenhaufen, ja, dieses Bild konnte vieles in meiner Welt symbolisieren. Ich will gerade einige Scherben zur Seite räumen, als mich dieser undurchschaubare Mann am Handgelenk packt. „Wollt Ihr Euch erst daran schneiden?“, murrt er, erneut so unfreundlich wie immer. Schluckend und seinem einmal mehr strafenden Blick ausweichend, setze ich mich auf die Bettkante und beobachte ihn wortlos. In mir brodelt es vor Ungewissheit, aber ich kann einfach nicht anfangen irgendetwas zu erklären. Ich habe Angst davor, wie er reagiert, fürchte mich einmal mehr, so wie immer, vor seinem Blick und dem, was hinter seinen Seelenspiegeln ruht.

„Warum habt Ihr mich nicht einfach am Strand in Ruhe gelassen“, platzt es dann aus mir heraus. Wenn er mich schon in bewusstlosem Zustand, und ich vertraue ihm nicht so wie ich sollte, einfach entführte, dann sollte er sich wenigstens wie ein halbwegs anständiger Hylianer verhalten und mit mir reden oder sonst irgendeine menschliche Regung zeigen anstatt mich zu verunsichern.

„Oh ja, Ihr hättet wie immer nicht meine Hilfe gebraucht!“, zischt er mir entgegen und schmettert einige Scherben in eine Abfallkiste. Ich verstumme einmal mehr. Auch er ist wütend, nur warum? Dann tritt er gegen die Holzkiste, fährt sich durch sein dunkelblondes Haar und lässt sich an der hintersten Wand mit dem Rücken dagegen gepresst zu Boden sinken. Scheinbar gelassen sitzt er dort und blickt in das Kaminfeuer.

„Ich konnte Euch nicht einfach in der Dunkelheit dort liegen lassen…“, sagt er dann in ruhigerem Tonfall. „Es tummeln sich nach dem Krieg noch immer dunkle Kreaturen hier und da…“, setzt er hinzu.

Etwas widerwillig versuche ich mit ihm zu reden. „Habt Dank…“, sage ich leise und wende den Blick ebenso ins Feuer. In dem Moment fängt dieser Mann einfach an zu lachen. Ein Lachen, das mehr aus Verzweiflung als aus Freude entsteht. Es ist das erste Mal, dass ich ihn lachen höre.

„Das ist das erste Mal, dass Ihr danke sagt…“, meint er leise und verstummt erneut. Ja, ein Lachen geboren aus so etwas wie Verzweiflung. Er hat Recht. Und Impa hat es ebenso. Wie oft schien er ein Auge auf mich zu haben, welches ich immer als belehrendes, als tadelndes empfand. Ich konnte nie sehen, dass man jemanden auch dann beschützte, wenn man demjenigen keinen Harm wollte…

Und für sein beschützendes Auge hatte ich bisher nie Dank geäußert…

„Die Sonne geht bald auf… Ich bringe Euch dann umgehend zurück zur Stadt“, verspricht er.

Ich weiß im Moment nicht, ob ich das überhaupt will. Was soll ich dort? Einmal mehr feiern, weil der Frieden zurückkehrte? Unsere Verbündeten begrüßen, die uns aufsuchen und Hilfe anbieten? Prinzessin Zelda sein, die sich als einzige Überlebende der königlichen Familie um die Belange des Landes kümmern kann. Ja… das scheint meine Aufgabe zu sein. Meine Bürde…

Sicherlich würde ich dies tun, nur jetzt, in dem Augenblick, gibt es etwas, das schwerer auf meiner Seele liegt. Ein Versprechen vielleicht…

Ein uraltes Versprechen geboren aus tiefer Zuneigung und Vertrauen…

Warum nur sind hier wieder die Mauern, die mich festhalten? Grenzen aufgezwungen von etwas, was ich einfach nicht begreifen kann. Vorhin noch dachte ich, wäre es möglich diese unsinnige Abneigung gegen den Heroen zu erklären, zu ersinnen, das mehr hinter seiner kühlen Art steckt, vorhin haben wir geredet. Und jetzt, ausgelöst durch eben vielleicht meinen Traum stehe ich hier in Zweifeln und Unsicherheit.

„Es hätte nie so sein müssen…“, murmelt er. Vielleicht verstehe ich sogar, was er damit anspricht. „Es hätte anders sein können…“, meint er trübsinnig. Bevor ich seine Worte nur irgendwie weiterhin deuten kann, springt er auf und schaut nach der Suppe im Kessel. Er irritiert mich einmal mehr. Hat er gerade versucht irgendetwas zu erklären?

Er wendet sich zu mir. Seine Augen, in denen sich die warmen Farben des Lichtes spiegeln, blicken betrübt zu Boden. Diese ganze Situation ist so unheimlich unangenehm. Es wirkt als liegt uns beiden vieles auf der Zunge, als gebe es Tausende Dinge zu sagen. Nur würden niemals, wenn nicht das Schicksal es so will, die Worte gesagt werden, die notwendig sind. Und einmal mehr sehe ich ihn im anderen Licht. Vielleicht das erste Mal sehe ich ihn wirklich schwach…

Schwach, wie er hier steht. Den Blick mit traurigen Augen zu Boden gerichtet. Schwach, weil er so unsicher wirkt. Und noch etwas ist da, welches Mitleid oder Verachtung angesichts seiner Schwäche wegwischt. Etwas in mir empfindet Mitgefühl, entstehend ein Wunsch nach Beistand und Trost. Ich empfinde es als unheimlich, dass ich ihn umarmen will…

„Geht es Euch soweit gut…“, fragt er dann. Und beinah, beinah, wenn ich nicht erkannt hätte, dass er es ehrlich meint, dass er vielleicht besorgt ist, beinah hätte ich harsch und kühl darauf geantwortet. Stattdessen, mich endlich bremsend, nicke ich lediglich. Warum war es nur bisher so abgelaufen, dass immer, wenn er etwas sagte, ich fast bissig darauf reagierte? Warum war ich immer so gemein zu ihm…

„Ihr habt geweint im Traum…“, meint er leise und wendet sein Gesichtsfeld wieder weg. Er tapst zu seinem Tisch und schiebt das Pergament zur Seite, als überprüft er, dass ich nichts gestohlen habe.

„Ich hatte keinen angenehmen Traum“, lüge ich. Tatsächlich weinte ich vorhin, weil mich die Wärme dieser Verbindung zweier Menschen faszinierte. Es muss ein wunderbares Gefühl sein, sich aufgehoben und sicher zu fühlen bei jemandem, dem man vollkommen vertrauen konnte.

„Seid ihr da sicher?", murmelt er, als könnte er riechen, dass ich lüge. Und ich seufze. Er blickt schräg seitlich, und seine Gestik verrät Enttäuschung.

„Es ist okay... ich mache Euch keinen Vorwurf, dass Ihr mir gegenüber nicht ehrlich seid. Ich war es Euch gegenüber auch nie..." Etwas trübsinnig blickt er auf und deutet mit seinen Worten erneut versteckliegende Geheimnisse an, die er vielleicht irgendwann in sich verschlossen hatte. „Ihr habt in den Pergamentblättern gelesen?", fragt er dann, doch seine Stimme klingt nicht nach Vorwurf. Es ist, als ob er es sich beinah gewünscht hat, dass ich diese erblicke.

„Ja, das ist richtig. Verzeiht, ich war etwas neugierig... vielleicht auch um zu verstehen, wer der Hylianer ist, der diese Dinge niederschrieb und der mich verwirrt..." Ich verschränke die Arme und wundere mich selbst über meine Worte.

„Ich verwirre Euch?", murmelt er und lächelt erfüllt mit einer Traurigkeit, die sein Lächeln beinah charmant erscheinen lässt. Er fährt sich durch sein blondes Haar. Eine Geste, die mir allmählich vertraut erscheint. Erst jetzt realisiere ich, dass ich ihn um einiges mehr in den letzten Stunden beobachtet habe. Die Art und Weise, wie sich seine Gesichtsmuskeln bewegen, wenn er spricht. Das Funkeln in seinen blauen Augen macht mich unruhig. Und selbst sein Geruch, der an der Bettdecke haftet, versetzt mir kleine Stiche... irgendwo dort in meinem Herzen, wo Erinnerungen fest verschlossen sind.

„Ihr verwirrt mich... und es fühlt sich oftmals so an..." Ich bemühe mich ehrlich zu sein, endlich, und weil ich spüre, dass er es verdient hat. Seit wir vorhin am Strand redeten, ist alles neu. Das Gefühl für ihn ist ein anderes. Mir fehlen die Worte, weil ich noch nie wusste, Respekt und Anerkennung jemanden auf diese Weise spüren zu lassen. Aber ihm gegenüber, diesem aufrichtigen Menschen, wollte ich diese unbedingt mitteilen. Warum nur fällt mir das auf einmal so schwer? Es ist als steckt ein Kloß in meinem Hals.

„Ich möchte...", beginne ich. „In Eurer Brust schlägt so ein starkes Herz... ich weiß nicht..." Und ich verhasple mich schon wieder. Es ist als bremst mich etwas aus, endlich zu sagen, dass ich ihn bewundere und dass ich mir wünschte, ihn von Anfang an mit anderen Augen gesehen zu haben.

„Was habt Ihr gelesen?", fragt er leise und lenkt das Thema wieder auf diese eine wichtige Sache.

„Nichts Bestimmtes. Glaubt mir, ich habe nicht wirklich durchdacht gehandelt, ich wollte nicht in diesen Dingen herumschnüffeln", entgegne ich. „Was mich dann aufgeschreckt hat, war diese Blüte. Ich träumte von dieser tiefblauen Blüte", erkläre ich. Ich erhebe mich und trete in seine Richtung. Etwas zieht mich zu ihm, ob ich will oder nicht. Da ist eine Anziehungskraft, die mich ängstigt. Bin ich ihm verfallen? War ich dies immer und wehrte mich in einer Absurdität gegen mein eigenes Unterbewusstsein, was seine Nähe verlangte?

„Kann man mit dieser tiefblauen Blüte Erinnerungen zerstören?", frage ich.

Er blickt mich sofort entsetzt an, vielleicht ist es genau das, was er nicht hören will. Er blinzelt mehrmals und sein Adamsapfel hebt sich, als er schluckt.

„Diese Frage macht Euch nervös", stelle ich fest und weiche wieder einige Meter zurück. „Habt Ihr mich vergessen lassen?" Ich bin so aufgeregt, dass ich nicht mehr weiß, welche Anschuldigungen aus meinem Mund sprudeln. Kann ich die Erklärungen denn so leichtfertig fällen? Nach allem, was er mir über seine Kindheit erzählte, die Verluste, die ich sah, kann ich es mir wirklich anmaßen, ihm das zu unterstellen? Und meine Befürchtungen erfüllen sich. Sein Blick wird traurig und dann erneut so kühl wie immer.

„Wenn Ihr so von mir denkt, habt Ihr vorhin nicht zugehört und Ihr habt nicht verstanden." Sein Blick ist butterweich, dennoch erhebt sich der Zorn hinter jener Fassade wieder. „Zelda, ich bitte Euch..."

„Worum?"

„Geht jetzt", sagt er und dreht sein Gesichtsfeld zur Tür.

„Nein das werde ich nicht", spreche ich stark. „Ihr wolltet das ich zuhöre, also antwortet mir. Habt Ihr mich etwas Bedeutsames vergessen lassen?"

Er tritt näher. Seine Gesichtszüge so gefasst wie eh und je und so kühl, dass ich automatisch zurückweiche. Er tritt so nah, dass ich an einer Wand lehne. Seine Nähe lässt das Blut in meinem Körper wallen und er weiß scheinbar ganz genau, was er in mir auslöst.

„Würdet Ihr mir glauben, wenn ich sagte, ich würde Euch niemals nur irgendeinen Harm wollen?"

Ich antworte nicht, weil mich die Art und Weise wie er mir nahe ist, lähmt.

„Antwortet!", flüstert er, so nah an mein spitzes Ohr, das mein Herz aussetzt. Fast zärtlich, und mich irgendwie überrumpelnd, greift er nach meinen Händen und drückt diese gegen die Wand.

„Tut das nicht", murmle ich, fast so, als hätte ich es nicht gesagt, als wollte ich, dass er fortfährt. Bei Nayru, dieses Gefühl. Es lässt mich verzweifeln, es lässt mich fallen und beinah sterben... dennoch verlange ich danach.

„Gefühle lügen nicht, Zelda... was Ihr empfindet, ist in Ordnung...", flüstert er. Sein Atem, dieser angenehme Hauch Wärme schickt mich weiterhin in dieses Chaos der Gefühle. Und ich bin nur einen Schritt davor entfernt, es zuzulassen. Ein Schritt nur, um ihn zu berühren. Ein Schritt nur vor der Erinnerung...

„Fangt endlich an mir zu vertrauen...", bittet er leise.

„Es ist nicht einfach... Ich kann es einfach nicht..." Und in dem Augenblick reißt in mir der Faden und ich winde mich los. Hastig atmend stürme ich in Richtung Tür, zerre diese auf und renne einfach hinaus in die kühle Nacht.

Ich habe vergessen, wie lebendig Gefühle uns werden lassen können.

Und wie angenehm sich Gefühle anfühlen können....

Und ich vergaß, dass Gefühle uns niemals belügen würden...

 
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