Kapitel: 8
 
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Kapitel 8

Mich selbst umarmend versuche ich zu verstehen, was vor wenigen Momenten geschehen ist. Ich fühlte mich schwach, auf eine Weise, die mir vollkommen fremd ist. Schwach durch eine verwunschene Berührung, schwach durch etwas so einfaches, was vielleicht zu niederen Eigenschaften menschlicher Wesen gehört. Schwach durch das Gefühl begehrt zu werden…

Was immer dieser Mann in mir auslöste, er wusste es ganz genau, als kannte er mich besser als ich mich selbst kannte. Und wenn ich daran denke, wie selten wir in den letzten Monaten miteinander sprachen, wie wenig er mich kennen konnte, war dies nicht auch ein Beweis dafür, dass er mich aus einem anderen Leben kannte? Die Erinnerung, geführt durch meinen Traum, konnte ich sie nicht einfach akzeptieren? Einst waren da zwei Wesen, die sich kannten, die einander vertrauten, die einander liebten und die den Schwur eingingen, einander niemals zu vergessen. Und es existierte diese teuflische Blüte, die Erinnerungen zerstören kann. Wenn ich all dies nur endlich akzeptierte, vielleicht konnte ich diese Last auf meiner Seele zerstören. Denn ich wusste, selbst wenn ich nun weggelaufen bin, ich würde niemals ruhen. Nicht mit dem Wissen, dass ich ihn, diesen einzigartigen Menschen, Unrecht getan und vielleicht sehr tief in seiner Seele verletzt habe…

Ich fühle mich so leer, so unglaublich leer… vielleicht habe ich vorher schon gespürt, das mir etwas fehlte. Vielleicht fehlte mir die eine Erinnerung…

Mit trüben Gedanken tapse ich mich selbst umarmend vorwärts, durchquere einen stillen Waldabschnitt und weiß doch, wohin mich meine Schritte führen. Vorher schon, bereits lang vor dem Krieg wandelte ich hier, weil das Schloss meines Vaters nicht weit entfernt lag. Die Hütte, in welcher der Heroe wartete, wurde ausgerechnet hier in den nahegelegenen Wäldern erbaut. Welch Ironie, denke ich. Der Heroe musste verrückt sein. Er quartierte ausgerechnet in einer Hütte nahe der adligen Menschen, die er hasste…

Trübsinnig trete ich aus dem Waldverschlag heraus, Tränen in meinen Augen…

Der Mond ergießt seinen milden, weißen Schleier über unsere Welt und verliert sich auf den alten, teilweise zerstörten Mauern des verlassenen Schlosses. Dem Heim, das ich einst hatte, und dem Platz, wo Dutzende Hylianer ihr Leben ließen. Es ist als wollte auch der Mond die einstige Erhabenheit und Stärke des alten Königsgeschlechts beweinen. Wie in Trance stolpere ich darauf zu. Ein kleiner magischer Lichtschein führt mich zurück in mein Zuhause, vorbei an zerstörten Mauern, verbrannten Möbeln, eine alte Wendeltreppe hinauf, die das Feuer verschonte. Und einmal noch wandle ich die alten Schlossgänge entlang. Der Wind von außen wirbelt angekohlte Vorhänge auf und schafft eine nostalgische, beängstigende Atmosphäre in den dunklen Gängen. Als wüteten Geister jener an diesen Orten, denen das Leben so grausam aus dem Körper gerissen ward.

Ich wandle vorsichtig, summe das Lied des Heroen, und spüre weder Gefahr noch Unruhe in mir. Ich spüre diese tiefe Traurigkeit, vielleicht weil ich erst jetzt realisieren kann, was der Krieg alles stahl. Ich habe nie getrauert, nicht um meinen Vater und nicht um mein Schicksal. Dabei, so sagte mir Impa mehr als einmal, ist Trauer etwas Notwendiges. Es ist unabdinglich, dass ich die Verluste endlich an mich ranlasse. Erinnerungen gleiten an mir vorbei wie Geister, die in dem alten Schloss spuken. Erinnerungen, als Damora und ich- und wir beide riesige Pantoffel an den Füßen- über die blankpolierten Schlossböden sausten. Vater hatte uns mehr als einmal deswegen bestraft und doch war es etwas, was wir immer wieder genossen. Es war wie das Schlittern über einen zugefrorenen See, einfach Freiheit spüren und genießen. Ich habe nie geahnt, dass Damoras Freiheitsdrang so stark war, dass sie ihre Familie und das ganze Königreich verdammte…

Ich realisiere immer mehr, dass dieses Glück, das alles, niemals wieder sein würde. Ich würde meine Schwester nie wieder um Rat fragen können, denn immer dann, wenn ich an ihr einst gutes Wesen denke, überkommt mich der Tag, an dem ihr Blut an meinen Händen klebte. Ich würde nie wieder in die gütigen, weisen Augen meines Vaters blicken können, denn seine Seele verweilt nicht mehr in dieser Welt…

Ich trauere, jetzt nachdem der Heroe etwas in mir wachgerüttelt hat. Ich trauere und weine um die Menschen, die ich liebte...

Von weitem singt der Wind sein unruhiges Lied und auch von meinen einstigen Gemächern scheint eine Melodie zu hallen. Neugierig tapse ich weiter vorwärts und öffne die großen Türen zu den einstigen prunkvollen Prinzessinnenräumen vorsichtig. Auch hier scheint noch einiges erhalten zu sein. Die Schränke, das Himmelbett. Mein stilles Licht, ein Schein, den ich allein mit Magie steuern kann, erhellt die Umgebung. Und gerade da entzündet sich ein Kerzenständer, dort wo einst ein runder Tisch stand. Ein vertrautes Gesicht blickt mich nachdenklich an und er lächelt zaghaft. Es war Hyson, der Hofmagier, der auch meine Schwester oftmals beraten hatte.

„Ihr?“, rufe ich erstaunt. „Was tut Ihr hier?“

„Ich wusste, dass ich Euch hier antreffen würde, Prinzessin“, entgegnet er in der weichen, tiefen Stimme, die er besitzt. „Ich bin hier um Euch einen letzten Dienst als Berater und Hofmagier zu erweisen.“ Ein mildes Lächeln liegt in seinem faltenreichen Gesicht mit dem schneeweißen Bart.

„Einen letzten Dienst? Ich verstehe nicht.“ Verwundert nehme ich auf einem der Stühle Platz und blicke meinem Gegenüber mit Zweifeln ins Antlitz. Auch Hyson wurde durch den langen Krieg gezeichnet. Er hatte viele Menschen verloren, denen er etwas bedeutete. Und er war dürr geworden. Der braune Mantel, der ihn umhüllte, kaschierte dies.

„Prinzessin, Impa bat mich darum Euch ein Angebot in der Seelenkunde zu unterbreiten.“ Von seiner Ehrlichkeit bin ich zunächst so überrumpelt, dass ich nicht weiß, was ich antworten soll. Er lächelt weiterhin auf seine sanfte Art, die mich jegliches ungute Gefühl, Geheimnisse preiszugeben, Fehler auf den Tisch zu legen, vergessen lässt.

„In Eurem Herzen ist Unruhe. Die Ereignisse der letzten Wochen zehren an eurer Stärke“, spricht er langsam. „Auch Impa spürte dies. Sie ist besorgt um Euch, ihren Schützling.“ 

„Das weiß ich.“ Ich schließe die Augen und seufze. Spürte er auch, dass ich in Zweifeln mit mir selbst bin? Dass ich allmählich nicht mehr weiß, wer ich bin…

„Ihr habt meinen Rat nie eingeholt. Von all den Wesen Hyrules, die mir begegneten, seid Ihr für mich vielleicht das Erstaunlichste, Prinzessin Zelda.“ Einmal mehr ist es Verwunderung, die dieser alte Seher mir entgegenbringt. Ich blicke ihn an und versuche die Rätsel in seinen Augen zu deuten.

„Wie meint Ihr das?“ Wie konnte ich, das unbeholfene, oftmals tollpatschige Schwesterchen Damoras erstaunlich sein?

„Die meisten Geschöpfe sind sehr daran interessiert, wohin ihre Zukunft führt, welche Wege sich auftun. Ihr jedoch, Ihr habt immer, immer für den Moment gelebt. Ihr habt etwas verkörpert, ein Vertrauen in das Schicksal, ein Vertrauen in die Welt, was ich immer bewundert habe. Ihr habt die Fähigkeit, mehr zu sehen als andere Hylianer. Und das Herz, das in Eurer Brust schlägt ist stark, unheimlich stark. Es gibt wenige Menschen, die so stark sind wie Ihr es seid.“ Stärke? Ich will lachen, als Hyson mir dies unterbreitet. Wenn ich stark gewesen wäre, hätte ich da nicht das verhindern können, was letztlich dieses Land in düstere Zeiten geschickt hat? Die Ungerechtigkeiten liefen direkt vor mir ab und ich sah sie nicht. Nahm Hyson wirklich an, dass ich sehen kann, was richtig ist?

Ich blicke zweifelnd zu Boden und schließe erneut meine Augen. „Ich fühle jedoch keine Stärke mehr in mir…“

„Und deshalb möchte ich Euch daran erinnern“, entgegnet er. „Dieses Land braucht Euch. Ihr seid die einzige, die das Licht zurückbringen kann. Eure Fähigkeiten, die ihr verleugnet, die ihr untergrabt, sind unentbehrlich für Hyrule.“

Allmählich werde ich wütend. Steht erneut Hyrule im Vordergrund und ist das, was wirklich an mir nagt, auch in Hysons Augen unbedeutend? Es geht nicht um Hyrule, sondern um mich. Wütend richte ich mich auf. „Hyson, ich wollte niemals für Hyrule stark sein. Was interessiert mich ein Land, welches simple Ungerechtigkeiten übersieht. Ihr enttäuscht mich“, spreche ich mich lauter, fester Stimme.

„Nein, eben gerade das ist es. Ihr seid über die Maßen enttäuscht von Euch selbst und ich hatte Recht mit meiner Vermutung. Ihr seid enttäuscht, weil Ihr diese Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten nicht verhindern konntet. Es geht sehr wohl um Hyrule und seine Bewohner. Es geht darum, was Ihr einst sein wolltet, und Ihr fürchtet mehr als alles andere, dass Ihr dieses Ziel nicht mehr erreichen könnt, dass Ihr nicht das sein könnt, was Ihr immer sein wolltet.“

Seine Worte treffen mich wie ein Schlag ins Gesicht. Mein Mund wird trocken und meine Stimme schweigt.

„Und Ihr zweifelt an Euch selbst, an Eurer Seele, Eurem Herzen, weil Ihr etwas vergessen habt, was Eure Seele ausmacht“, ergänzt er. „Ich habe Euch beobachtet, Prinzessin Zelda. Ihr vermisst die Seite an Euch, welche genießen kann, welche leidenschaftlich ist, und Ihr fürchtet Euch davor, dass es jemanden gibt, der Euch diese Seite wieder zeigen will. Ihr habt Euch immer gefürchtet Euer Seelenband zu finden.“

Die Konfrontation damit tut weh. Ich spüre den Versuch meines Herzens zu fliehen, ich weiß, dass ich normalerweise geflüchtet wäre. Aber wenn ich diesen Konflikt nicht auflöste, so wusste ich auch, würde ich niemals Ruhe finden.

„Macht Euch bewusst, dass Ihr, wenn Ihr zulasst, nur gewinnen könnt. Es ist Zeit, dass auch Ihr wieder lachen könnt. Es ist Zeit, dass Ihr wieder lebt.“

Leben…

Es braucht erst jemanden, der sagt, dass man dazu das Recht hat, um zu begreifen, dass man es durfte. Seit ich auf dieser Welt bin, wollte ich nur dies: Leben…

Und ich wollte dieses Gefühl auch anderen schenken…

Hatte ich diesen Wunsch so sehr vergessen?

 

„Ihr habt Euch selbst vergessen. Eine einzelne Erinnerung ist gestorben, an der Euer ganzes Wesen hing. Ein Seelenband, das vergessen wurde“, erklärt Hyson. „Es ist unheimlich wichtig, das solltet Ihr akzeptieren.“

„Ich wusste nicht, Hyson, ich wusste einfach nicht, dass es irgendwo bestand. Ich hatte nie ein Gefühl für mein Seelenband“, erkläre ich. „Ich habe es nicht gewusst zu deuten, dass ausgerechnet dieses winzige Detail in meinem Leben mir mein Ziel, meinen Traum, entreißen konnte.“ Zaghaft trete ich an eines der vielen Rundbogenfenster hier in dem alten Turm und spüre Hysons Besorgnis. Er kannte mich so lange wie Impa, er kannte eine Seite an mir, die ich nicht realisierte und vielleicht auch nicht vermisste.

„Eure Ungewissheit ist das, was Euch verwirrt. Vertrauen ist das, was fehlt“, spricht er mit seiner weisen, alten Stimme. „Vertrauen in die Menschen, die vorher da waren. Vertrauen, in die Herzen, die Euch auf ewig begleiten...“ Der alte Hofmagier tritt näher und stellt den Kerzenständer auf die Fensterbank. „Eure Schwester, so verdorben ihre Seele auch war, ging diesen Schritt ihr Seelenband zu finden und sie fand nicht das, was sie begehrte. Habt Ihr den Mut es zu finden, gleich der Konsequenzen, um vielleicht wieder die Prinzessin Zelda zu sein, die Ihr einst wart, um Euch Eurer Stärke zu erinnern?“

Ich spüre, dass mir nur dieser Weg bleibt, um zu begreifen und vielleicht irgendwo hier in Hyrule, dem Land, das ich einst liebte, wieder die Aufgabe zu finden, die ich erfüllen kann.

„Ja, ich möchte es endlich zulassen“, entgegne ich und trete dem alten Hofmagier entgegen. Er lächelt und die vielen Falten um seine Mundwinkel lassen sein Lachen so gütig erscheinen, so unheimlich menschlich, dass ich auch hier Bestätigung finde. Bestätigung das richtige zu tun. Bestätigung für die Stärke, die tatsächlich in mir ruht.

„Ich benötige drei Strähnen eures goldbraunen Haares und wenige Tropfen Blut“, spricht er leise. Ich nicke ohne mit der Wimper zu zucken, greife in mein langes Haar und reiße mir wenige Strähnen heraus. Ich bin Schmerzen gewöhnt und zögere auch nicht, den kalten Stahl eines Dolches in meine Handinnenfläche sinken zu lassen. Eine weitere Erinnerung erreicht mich, als dickes, rotes Blut in eine funkelnde Schale tropft. Oh ja, ich habe mehr als einmal körperlichen Schmerz ertragen. Das Absurde scheint wohl der Gedanke, dass der einstige Schmerz, so stark er im Körper wühlte, mit den grausamen Empfindungen, denen ich mich stellen will, nahezu zu vergleichen ist.

Hyson gießt sogleich eine cremige, goldene Substanz in jene Schale mit dem Blut, bündelt die drei Haarsträhnen und lässt jene ebenfalls in die Flüssigkeit fallen. Daraufhin positioniert er jene Schale über einer Kerze.

„Was ich Euch nun erzählen werde, achtet auf jedes Wort, Prinzessin. Und versucht zu erkennen. Ich kann Euch nur Bruchstücke nennen, Eindrücke, denn mehr werde ich nicht sehen können. Aber vielleicht könnt Ihr mit diesen Bruchstücken den Weg finden.“

„In Ordnung“, erwidere ich, wissend, dass es notwendig war. 

Im Schein des uralten Lichts, gespendet durch Feuer, liest Hyson aus einem Rauch, geboren aus wenigen Strähnen Haar und meinem Blut Erinnerungen und lang vergessenen Wünsche. Eine merkwürdige, vielleicht sogar lächerliche Praktik, die ich immer für Scharlatanerie gehalten habe. Vielleicht konnte man etwas erraten, vielleicht aufspüren, aber mehr, mehr ließ mein Verstand nicht zu. Es ist das erste Bild, das er mir beschreibt, dass auch ich in jenem Rauch erkennen kann, das meine Zweifel wegwischt. Und tatsächlich nahm jener Rauch, magisch und vollkommen, Farben und Formen an.

Mit sanfter Stimme beginnt er zu erzählen: „Eine gläserne Mauer, funkelnd und augenscheinlich nicht bedrohlich fesselt Euch. Auf dieser Mauer sitzt eine tiefblaue Blüte.“

Die Blüte, die eine Erinnerung gestohlen hatte. Ich weiß weder wann, noch warum. Aber diese Blüte bewirkte eine Barriere, jene Blüte zerstörte ein Band.

„Das ist die Blüte vom Baum der Erinnerung. Ich bin erstaunt, dass diese Blüte erscheint“, spreche ich und lächle Hyson entgegen. Mit diesem unglaublichen Bild hat er meine Zweifel über seine Praktik weggewischt.

„Es ist mehr an diesen Praktiken als Hokuspokus, Prinzessin. Habt Vertrauen.“ Ich nicke bestätigend und lasse den Hofmagier fortfahren. Und geboren im Rauch entsteht ein Bild der Wärme und nimmt erneut Farben an.

„Ich kann Hände sehen, welche diese Blüte in goldblondes Haar stecken. Große Hände, die Hände eines Mannes. Eine Geste der Zuneigung.“ Ich bin sprachlos und erinnere den Traum von vorhin. Ich konnte in jenem Hände sehen, zärtliche Hände, die jene Blüte hielten. Ein Gefühl umfängt mich, wovor ich mich fürchtete. Ich vertraute diesen Händen… ich vertraute diesen Händen alles an…

„Und ich spüre Vertrauen und tiefe Zuneigung. Einst war jemand dort in der Vergangenheit, dem Ihr vertraut habt wie niemandem sonst.“

„Eben das, was fehlt…“, murmle ich. „Vertrauen.“ 

Auch Hyson blickt auf und seine alten, gütigen Augen funkeln. „Noch ist es nicht zu spät, Prinzessin. Es ist zum Glück nicht zu spät das Vertrauen zu wecken.“ Seine Worte trösten und spenden Hoffnung. Noch ein Bild entsteht in dem feinen Nebelgewächs, löst weitere Gedanken und Erinnerungen aus…

„Ich kann einen Weg sehen, der vor Euch liegt. Am Ende des Weges erhebt sich ein Hügel, auf dem die Gräser Hyrules sprießen. Ein Schwert steckt dort in der Erde und beginnt zu rosten.“ Als das Schwert auf jenem Hügel, vom Mantel der Zeit gestraft erscheint, muss ich sofort an den Heroen denken. Es schmerzt irgendwo leise, ganz leise, dass es vielleicht seine Stärke ist, die rosten könnte, dass es sein Leben ist, das vergeht.

Hyson bemerkt die Zweifel und Traurigkeit in meinen blauen Seelenspiegeln und nickt. „Eure Seele ist mit einer anderen an einen langen Kampf gebunden. Ohne die eine rostet die andere. Ihr spürt es, Ihr spürt das alte Band zweier Seelen, auch wenn es sehr dünn geworden ist. Ich werdet Euch erinnern.“ Und allmählich, jetzt wo es im Tiefsten meiner Seele schmerzt, spüre ich, dass es zu viel wird.

Zuviel, dass ich ertrage.

Zuviel, dass ich leide, nur um der Erinnerung willen.

„Seht in den Rauch, Prinzessin. Wir können kein Gesicht sehen, aber Augen, so blau und stürmisch wie das Meer, die Euch mutlos und enttäuscht anschauen.“

,Augen, die man nicht vergessen sollte.‘, schallt es durch meine Gedanken. ,Augen, die ich vermisste…‘

Ein Bild, das mein Inneres nun so stark aufwühlt, dass ich diese Schale mit einer Handbewegung zu Boden befördere. Es reicht! Ich senke meinen Blick und schluchze. Ich liebte diese Augen. Was war nur geschehen?

Ich verstehe es nun und nicke Hyson entgegen, sodass auch er weiß, es ist in Ordnung. Ich habe meine Antwort, so sehr dieser Gedanke schmerzt. Fehler. Verrat. Und Misstrauen zerschnitten ein kostbares Band, bis nur noch wenige Fasern es hielten. Ich muss mich endlich stellen. Ich muss dieses Band erneuern.

„Ihr kennt den, der Eurer Seele wachte. Ihr kanntet ihn schon immer. Alles was fehlt, ist Euer Vertrauen, Prinzessin. Vertraut ihm erneut. Er wird Euch nicht enttäuschen. Geht zu ihm und fürchtet nicht.“

„Ihr habt Vertrauen zu ihm, ist das richtig? Ihr seht das unendlich Gute in ihm, das, was ich nicht sehen konnte…“, murmle ich und dieses unangenehme Gefühl resultierend aus meiner Unwissenheit und meinem Misstrauen treibt mir die Tränen in die Augen. Ich habe den vielleicht einzigen Menschen mit Gleichgültigkeit betraft, den ich aus tiefstem Herzen lieben konnte…

„Was habe ich ihm nur angetan…“, flüstere ich, bemüht mein Gesicht zu wahren.

Hyson, weise und nachsichtig, legte eine alte, faltige Hand auf meine Schulter und entgegnet: „Wir begehen Fehler, so schmerzhaft diese irgendwann sind, aber wir sind auch imstande zu vergeben. Ihr könnt andere nicht zwingen Euch zu vergeben, aber Ihr könnt Euch selbst vergeben…“

Sich selbst vergeben, vielleicht ist das eines der schwersten Dinge, die wir Hylianer erst lernen müssen. Es ist oftmals leicht zu einem Gegenüber zu sagen: verzeih mir. Aber das Gefühl von Schuld und Reue schleicht in unserem Schatten hinterher…

 
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