Kapitel: 9
 

Kapitel 9

In meinem Herzen vermischen sich Klänge aus Gegenwart und Vergangenheit. Ich kann Melodien lauschen, die ich vorher nie hörte. Ich schließe die Augen und lasse mich führen, tragen, einfach hinweg von jenen sanften Klängen, die mein Wesen berühren. Melodien, die sich anfühlen wie eine Berührung von den zärtlichsten Händen. Melodien, die in mir Bilder erwecken von Damals…

Es war nicht lange her, dass ich träumte von einer Seele, die meiner glich. Dass ich träumte von einem Wesen, das mich beschützte. Und doch besaßen jene Bilder, erschaffen in einer der dunkelsten Nächte, für mich niemals die Bedeutung, die ihnen doch eigentlich zustand. Ich vergaß meine Träume, auch die Träume von der Seele, die über meiner wachte, und weil ich Träume vergaß, vergaß ich auch mich…

Ich schluchze, nicht weil ich schwach und jämmerlich bin, sondern weil ich die Sehnsucht und das stille Gefühl, welche mir Hunderte Träume vermitteln wollten, nun endlich realisiere. Ich umarme mich selbst, einmal mehr hier in den Wäldern, nahe meines gefallenen Schlosses, weil ich diese wärmenden Gefühle empfinde, die ich vorher abwehrte. Und es schmerzt. Es schmerzt und schlitzt unheimlich tief.

Warme Tränen perlen sich auf meinen blassen Wangen, als mich die Erinnerung einholt. Einst war da ein Wesen in meinem Traum und es sprach davon, dass es mich beschützte. Einst spielte ein Wesen in einem Traum eine Melodie mit einer Flöte, derer ich noch nie lauschte. Und er spielte… spielte sehnsuchtsvoll… verführend… und leidvoll seine unsterbliche Melodie. Mit Händen, die ich im Traum berührte. Und er sang im Traum jene Melodie, bewegte seine Lippen, die ich im Traum küsste.

„Was einst war…

Soll jetzt nicht sein…

Du warst meine Erinnerung…

Du sahst mich einst, du siehst mich jetzt…

Wie das Leben liebt, liebe ich dich…“

Mein erster Weg zurück zu meinem wahren Ich. Zurück zu dem Wesen, das ich einst war und wofür ich geliebt ward…

 

Die Erinnerungen kriechen von den dunkelsten Ecken meines Herzens hinauf und brennen sich in mir ein. Ich erinnere mich leise… vermischt mit der Ungewissheit und dem Misstrauen, gesät und genährt von Ereignissen, die ich noch nicht verstehe…

 

Meine Schritte führen mich zurück, und vielleicht auch zu einem Ende jener Ungewissheit, die mir das Herz schwer macht. Ich weiß, wohin ich gehen muss und weiß doch nicht, was ich dort erreichen will. Mein Herz pocht, aufgeregt angesichts der Auseinandersetzung, die ich erfahren werde. Es trommelt vor sich hin, mit einem Hoffnungsschimmer, zu verstehen und die Dinge zu sagen, die gesagt werden müssen. Ich bin oft genug vor ihm weggelaufen, und letztlich auch vor mir…

 

Ich nehme einige tiefe Atemzüge, als ich die kleine Holzhütte entdecke, die durch einige Laubbaumgruppen gut versteckt und geschützt ist. Es brennt noch Licht im Inneren, ein warmer Schein, der mich noch mehr ermutigt, mich dieser Situation und letztlich dem Helden Hyrules zu stellen. Sein treues Ross funkelt mich mit kohlrabenschwarzen Augen an, aber unternimmt keinen Mucks, als verstand selbst ein Tier die Worte im Herzen, die sonst niemand aussprach. Vielleicht aber mochte sie mich auch. Ein wenig lächelnd trete ich an sie heran, streiche ihr über den muskulösen Hals und lächle einmal mehr, als sie mich mit ihrem langen Schädel an meine Schulter stupst.

„Ich habe auch nie gesehen, dass du mich magst…“, flüstere ich, klopfe ihr auf den starken Hals und lehne mich für einen Moment an sie, meine Gedanken ordnend und vielleicht auch ein wenig versucht die richtigen Worte für den Heroen zu ersinnen. „Und noch weniger habe ich gesehen, dass dein Herr mich nicht aus Verachtung und Demütigung beschützt hat, oder weil ich eine Prinzessin bin…“, setze ich leise hinzu.

Erneut entsteht dieser Druck auf dem Herzen, den man Schuldgefühl nennt. Wenn er mich kannte, wenn er mich einst beschützte, wie grausam muss es für ihn gewesen sein, dass ich ihn nicht erinnerte…

„Epona…“, murmle ich, mich im selben Augenblick fragend, woher ich ihren Namen weiß. „Das ist dein Name, nicht wahr?“ Sie stupst mich an meine Wange und wiehert leise, und doch laut genug, dass es der Heroe gehört haben kann.

„Ich brauche ihn… nur deswegen bin ich hier…“, spreche ich leise, vielleicht auch um mich zu ermutigen zu klopfen, oder aber, wenn er nicht öffnete, einfach einzutreten. Ich schließe meine blauen Augen und atme einmal mehr tief durch.

,Es ist Licht in seinem Herzen… ein warmes Licht.‘, sagt mir mein Herz und ich möchte endlich vertrauen.

Noch ein Atemzug und ein erster Schritt, der die Grenzen überwinden konnte.

,Er braucht dich wie du ihn…‘, flüstert es erneut und ich atme, gleichmäßig und Energie verlangend. Meine Rechte ruht auf meinem Herzen und meine Linke erhebt sich, legt sich zunächst auf das alte, morsche Holz der Tür und ich schließe noch einmal die Augen, höre die Sehnsucht atmen, achte auf das angenehme Gefühl, das sich in meinen Venen entlang schlängelt.

Ich klopfe, hoffnungsvoll und zugleich in Zweifeln. Aufgeregt und angstvoll. Würde er mir nach all‘ den Verletzungen überhaupt noch eine Tür öffnen?

Es rührt sich nichts. Vielleicht ist er mit seinen Gedanken woanders. Vielleicht ist er gar nicht hier?

Allmählich legt sich die Ungeduld über mich und ich klopfe noch einmal, diesmal etwas lauter. Doch auch jetzt öffnet er mir nicht. Warum sollte er auch? Er ließ jene Tür für mich immer einen Spalt geöffnet. Er bemühte sich immer wieder mich ein zu bitten, nur nahm ich nie an…

Als sich auch beim dritten Mal Klopfen nichts rührt, lege ich eine Hand auf den Türgriff und öffne die Tür zaghaft. Zunächst kann ich den Heroen nirgendwo entdecken. Einzig eine wohlige Wärme strömt mir entgegen, die ich genieße. Ich schließe die Tür hinter mir bedächtig, überblicke den gemütlichen Innenraum, und finde alles so vor wie vor wenigen Stunden. Im kleinen Kamin glühen die letzten Kohlestücke aus. Nicht weit entfernt steht der Zweig eines Baumes, der mich unruhig und misstrauisch werden ließ. Und auf dem kleinen Tisch liegen die Stapel Pergament noch immer durcheinander, als mein Blick zu dem Bett fällt. Ein wenig seitlich liegend, mir den Rücken zugewandt, ruht der Heroe in einem scheinbar tiefen Schlaf. Er war nur spärlich zugedeckt und ich frage mich, ob er die Kälte der Nacht und vielleicht die Kälte, die er von Hyrule erfahren hatte, tatsächlich ertrug… oder ob irgendwo in seinem von einer harten Schale geschütztem Herz trotzallem noch der kleine Junge steckte, der einst in einem verbrannten Dorf von Asche und Blut befleckt wurde. Trotz seiner Unnahbarkeit erkenne ich nun einen tiefen Edelmut in ihm. Aufrichtigkeit und ein Symbol des Guten. Nach all‘ den Schicksalsschlägen glaubte er noch immer an Hyrule und irgendwo auch an dessen Regenten…

Sein Brustkorb hebt und senkt sich mit gleichmäßigen Atemzügen. Und er atmet leise, ungemein leise. Ich trete näher, ein wenig verwirrt von diesem jungen Menschen, den ich hier vorfinde und der genießend ruhend schläft. Ich habe jetzt nicht den Kämpfer vor mir, der sich mit Blicken und seiner Klinge den notwendigen Respekt verschaffte. Ich habe einen verletzbaren, jungen Mann vor mir, der viel ausgehalten hat.

Mein Blick fällt zu dem dunkelblonden Haar, das er im Augenblick offen trägt, während mich weiterhin ein Gefühl von Verblüffung umfängt. Mein Herz reagiert darauf, wie er hier liegt, wie er träumt und sogar darauf, wie er atmet. Es beruhigt auch meinen rasenden Herzschlag und nimmt mir etwas die Reue und Schuldgefühle. Ich hatte, wenn ich meine Gedanken zulasse, noch nie jemanden schlafen beobachtet, der gleichzeitig diese Ruhe und Schönheit ausstrahlte.

Meine Lippen bewegen sich zu einem Lächeln. Für mich, die ich jetzt beginne zweimal hinzusehen, für mich, wandelt sich sein Erscheinungsbild mehr und mehr…

Das kriegerische Gesicht schläft nun und stattdessen begegnet er mir in dieser vollkommenen Unschuld und Reinheit, die mich fasziniert…

 

Ich will seinen Namen aussprechen und kenne ihn doch nicht. Er liegt mir auf den Lippen, es wühlt in mir, weil ich ihn irgendwo in den geheimsten Ecken meines Herzen schon einmal erfahren hatte. Und doch gelangt er nicht an die Oberfläche. Sein Name… ich weiß nach all‘ den Schicksalsschlägen nicht einmal seinen Namen…

Etwas unsicher, aber geboren aus leisen, versteckten Wünschen, nähere ich mich noch ein wenig, bemüht in sein Gesicht zu sehen und dann zu entscheiden, ob ich ihn wecken oder wieder gehen sollte. Meine Atmung wird schneller. Nervosität umfängt mich wie ein Gewand, das schwer auf meinem Körper liegt. Und vielleicht, weil ich oftmals unachtsam bin, berühren einige meiner langen Haare seine Schulter.

 

Noch ehe ich realisieren kann, was passiert, hüpft der Held aus dem Bett, lässt sich von meinem überraschten Schrei nicht verunsichern, packt noch im Sprung einen Dolch, den er unter seinem Kopfkissen versteckt hatte und reißt mich zu Boden. Meine Hände über meinem Kopf von seiner Rechten festgehalten, setzt er mir die eiskalte Klinge an die Kehle und drückt meinen Körper mit seinem eigenen Gewicht nieder.

„Was wollt Ihr?“, murrt er mit aller Kälte, die er aufbringen kann und scheint erst dann zu realisieren, wen er in dem Augenblick zu Boden gerungen hat. Im schwachen Licht der glühenden Kohlen blickt er in meine tränenden Augen, ein sturer, kühler Blick, der immer mehr durch tiefliegende, reine Empfindungen bekämpft wird. Verwunderung und Schock lassen sich in seinem Gesicht ablesen, während noch immer der scharfe Dolch meine Haut streift. Es stellt mir die Nackenhaare auf ihm nahe zu sein und auf der anderen Seite bedroht durch kalten Stahl auf seine nächste Regung zu warten. Ich kann mein Herz weinen hören, beginne mich einmal mehr vor ihm zu fürchten, wie vorher auch…

„Zelda?“, murmelt er fragend und führt den Dolch allmählich weg, aber rührt sich nicht weiter und hält meine Hände noch immer fest. Realisiert er nicht, dass er mich mit dieser Handlung mehr und mehr ängstigt? Begreift er nicht, dass er damit das bisschen Vertrauen, was ich zu ihm aufbauen wollte wieder wegwirft?

„Lasst mich los…“, spreche ich unsicher, spüre einmal mehr die Gefahr, die von ihm ausgeht und das Gefühl von Verbundenheit will erlöschen. „Ihr macht mir Angst!“, setze ich hinzu und versuche mich aus seinem Griff zu winden. Er wusste es nicht, aber es war nicht das erste Mal, dass ich auf diese Weise bedroht wurde…

Er schluckt, löst sofort seinen Griff und richtet sich auf. Er reicht mir eine Hand zum Aufstehen, die ich aber in dem Augenblick einfach nicht annehmen kann. Stur erhebe ich mich selbst, taste meinen Hals nach Wunden ab und frage mich, warum es immer wieder zu diesen Situationen kommt, die das Band zu ihm in Frage stellen. Sicherlich, ich bin einfach in sein Heim geschlichen und er hat sich lediglich verteidigen wollen. Aber, wenn ich ihm etwas bedeute, hätte er da nicht spüren müssen, dass ich es bin, noch bevor er mir ein solches Todinstrument an den Hals setzt?

Ich zittere ein wenig und richte meinen Blick zu Boden. Jener Moment seiner Überlegenheit löste etwas in mir aus, was ich in diesem Augenblick nicht gebrauchen kann…

Und der Heroe, auch er sagt kein Wort. Reumütig steht er vor mir und tritt noch ein wenig zurück.

„Euer wahres Gesicht ist eben doch das kriegerische, nicht wahr?“, spreche ich leise und seufze. Ich bin ein wenig enttäuscht, nicht nur wegen seiner Reaktion vor wenigen Sekunden, sondern vielleicht auch wegen meiner Naivität. Habe ich wirklich geglaubt, hinter dieser harten Schale steckt ein leidenschaftlicher, herzlicher Mann? Und seine harschen Worte auf meine bestätigen jenen Gedanken bloß.

„Ihr seid doch selbst dran schuld, wenn Ihr Euch vor mir fürchtet. Was schleicht Ihr Euch auch einfach in mein Haus!“ Er wirkt ungeduldig und genervt von dieser Situation. Dieses Hin und Her zwischen uns scheint ihm inzwischen zu viel zu sein, und das, obwohl ich endlich bereit bin mich zu stellen.

„Entschuldigt diese Unannehmlichkeit“, spreche ich leise und schließe kurz die Augen. Ich versuche mich darauf zu besinnen, welches Ziel ich hatte, welche Unterredung ich mit ihm führen wollte. Und wo ist die Wärme, die ich vorhin noch spüren konnte, hin?

„Eure Entschuldigungen ändern nichts daran, dass Ihr einfach ohne Sinn hier eingeschlichen seid!“ Himmel, dachte ich, er ist so wütend. Er fährt sich über seine Stirn und schüttelt seinen Kopf. Vielleicht ist er wütend, weil auch für ihn diese ganze Situation keinen Sinn mehr ergibt.

„Ich widerspreche Euch… Ich bin nicht einfach ohne Sinn hier hereingeschlichen. Oh ja, ich wollte etwas klären“, spreche ich stark, und vielleicht ist dies ein erster Anflug dessen, was ich eines Tages für diese Welt sein werde. Eine Regentin, die sich das Wort nicht verbieten lässt. Eine Stimme, stark und befehlend. Gewaltig und sicher.

„Und wenn Ihr mir zuhören wolltet, hätte Ihr zumindest versucht Euch für diesen Angriff zu entschuldigen“, murre ich. „Außerdem… welcher halbwegs vernünftige Hylianer lässt schon die Tür zu seinem Heim offen stehen. Erst recht in diesen Zeiten! Wenn ich gewollt hätte, hätte ich Euch im Schlaf töten können.“

Ein wenig entsetzt schaut er mich an. Sein Ausdruck erzählt mir erneut von dieser anderen Seite und das kriegerische Abbild zieht sich zurück. Und vielleicht ist auch diese Seite an mir eine, die er herausgefordert hat und sehen wollte.

„Ihr sehnt Euch nach dem Tod“, spreche ich fest. Ich spürte es schon bei der Auseinandersetzung, die wir hatten über den grünen Hügeln. Er forderte mich heraus, als wollte er verletzt werden. Als wollte er durch den Schmerz spüren, dass er lebte…

„In Euren Augen, diesen mutigen Augen… steht die Sehnsucht nach dem Tod…“, setze ich hinzu, wissend, dass ich mit dieser Aussage eine Schwelle übertrete. Und vielleicht war dies der einzige Satz, der diesen Mann, so rätselhaft und undurchschaubar er oftmals ist, beruhigen kann.

 

In der Stille, die sich lähmend in den Raum legt, beginnt sich das junge, verletzte Herz nach außen zu kehren. Einmal mehr vergeht die Distanz und das Misstrauen, welches uns beide so schnell einschließen kann. Es sind Worte, die wenigen richtigen Worte, die eine Mauer zum Einsturz bringen konnten. Worte, oftmals so unglaublich fehlbar…

„Entschuldigt, Prinzessin…“, spricht er leise, ein Reichtum an Gefühlen, die er mir mit diesen Worten verspricht, dass ich lächle. „Ich realisiere oftmals zu spät, wenn mich ein Traum einnimmt“, erklärt er.

„Erinnert Ihr Eure Träume?“ Auf diese Frage blickt er mir direkt und tief in die blauen Augen, nur um sofort verlegen wegzuschauen.

„Jedes Detail“, erklärt er und tritt wenige Schritte näher. Seine Bewegungen so elegant und anmutig. Sein markantes Gesicht, faszinierend. „Und manchmal bleibt ein Traum so lange in Erinnerung, dass ich ihn nicht von der Realität zu unterscheiden weiß.“

Er steht neben mir und flüstert einmal mehr entschuldigende Worte, versprechend, dass er mich niemals verletzen will und wollte. Nur lebte ein menschliches Wesen eben auch von niederen Gefühlen und Instinkten, erklärt er. Und oftmals gierte sein Herz danach den Reichtum von Empfindungen zu spüren, egal ob gute oder schlechte…

Ich kann ihn sogar verstehen in jener Hinsicht. Manchmal verletzen Wesen einander, obwohl sie sich lieben. Und manchmal vergessen Wesen einander, obwohl sie sich das Gegenteil versprachen…

 

 „Ihr seid nicht der, für den ich Euch hielt…“, flüstere ich, falte meine Hände und senke den Blick. Es stellt mir die Nackenhaare auf, während mich dieses Gefühl umfängt. Seine Nähe. Sein rechtschaffenes Herz und diese Empfindungen, die ich lerne zuzuordnen.

„Die meisten sind nicht das, wofür man sie hält“, erwidert er, dreht sich zu mir und lächelt ironisch. Seine Augen halten meinem Blick stand, und ein gütiger, fast schon zärtlicher Funken erhellt das stürmische, kühle Blau darin. In seinem Lächeln weicht die Ironie langsam und es wird ehrlich und aufrichtig. Und wie charmant sein Lächeln sein konnte. Es war eines der wenigen Male, dass er jemanden anlächelte…

 

„Sagt… Habe ich Euch Unrecht getan? Habe ich tatsächlich leichtfertig über Euch geurteilt?“, spreche ich klar und standhaft.

Er seufzt und schließt die Augen. Es scheint, als will er meine Frage nicht hören.

„Ihr seid schon viel länger hinter den Traumphantomen her… Ihr habt seit vielen Wochen gegen die Bedrohung gekämpft, ohne, dass es jemand der königlichen Familie wusste?“ Ich versuche mich zwanghaft zu erklären. „Ich habe das einfach nicht verstanden. Warum habt Ihr Euch so eingesetzt, gekämpft ohne Lob und Anerkennung. Und warum schlägt in Eurer Brust das Herz eines rechtschaffenen Heroen, obwohl Ihr seit Kindesbeinen an vom Schicksal gebeutelt wurdet?“

Er blickt mich an, als will er die Frage nicht verstehen, als könnte er sie nicht verstehen. Dann streicht er sich über die Stirn.

„Milady…“, sagt er leise. „Ich war auch vorher schon der Heroe Hyrules, ob ich wollte oder nicht, noch vor den Ereignissen in meiner Kindheit. Das sind Fragen, die ich mir nie stellte.“

Bei Nayru, dieser Mann bringt mich zum Staunen. Ich bewundere diesen Mann von Sekunde zu Sekunde mehr. Er fasziniert mich und jetzt weiß ich warum…

Ich schließe die Augen, berührt von einem Gefühl der Sicherheit, welches die Sorge und Angst von vorhin innerhalb von Sekunden zum Schmelzen brachte.

„Oh ja, Ihr seid nicht der, für den ich Euch hielt…“, wiederhole ich.

„Im Gegensatz dazu…“, murmelt er, seine Stimme viel ruhiger und sanfter als vorher. „…seid Ihr genau die, für die ich Euch hielt.“ Er schenkt mir ein weiteres charmantes Lächeln, vielmehr ein Grinsen und lässt jene Worte einfach im Raum stehen. Er versucht einmal mehr eine Brücke zu schlagen und vielleicht, auch durch Hysons Worte, lasse ich mich endlich darauf ein. Er wendet sich zu dem Stuhl, wo seine grüne Tunika hängt und zieht sich diese rasch über den Kopf. Die Kälte der Nacht, sich heimlich in dieses kleine Häuschen schleichend, scheint auch für ihn unangenehm zu sein. Dann bindet er sich sein offenes Haar zu einem kurzen Zopf.

„Wegen vorhin… Ich wollte Euch nicht angreifen, ich weiß nicht, was in mich gefahren ist“, sagt er leise. Und ich frage mich, was der Grund sein mag, dass er schon wieder über dieses Thema nachdenkt.

„Es ist in Ordnung, Held“, entgegne ich und ertappe mich dabei ihn mit diesem erzwungenen Titel anzureden. Ich seufze. Ich bin sicher, dass mir sein Name auf den Lippen liegt und doch… und doch…

„Nein, das ist es nicht… es war nie in Ordnung…“, murmelt er. „In keiner Situation. Nicht hier. Nicht auf dem Schlachtfeld und erst recht nicht in Eurem Schloss.“ Ist das tatsächlich ein Versuch sich für Fehltritte mir gegenüber zu entschuldigen? Ich erstaune und weiß nicht sofort wie ich seine Worte in das einordnen kann, was ich klären und lösen wollte.

„Ihr meint Eure harschen Worte…“, beginne ich.

Ich kann sein Nicken erkennen, auch wenn er mir noch immer den Rücken zuwendet und setzt hinzu: „Meine Urteile…“

„Und Eure kalte Art und Weise…“

„Richtig… meine unfaire Art Euch gegenüber.“

„Eure eiserne, hasserfüllte Art mir gegenüber…“, berichtige ich vorsichtig. Seine kühle unnahbare Art ging soweit, dass ich mich vor ihm fürchtete.

„Ich habe Euch als einen unsympathischen, verbitterten Kerl gesehen, der keinerlei Empfindungen auf dem Schlachtfeld zeigt und der mit Worten wie Edelmut und Aufrichtigkeit nichts anfangen kann.“ Ich atme tief aus, als diese Worte meine Lippen verlassen. Ich will ehrlich ihm gegenüber sein und dazu gehört es ebenso wahre Empfindungen preis zu geben.

„Aber ich beginne Euch allmählich zu verstehen… Ich begreife langsam…“, setze ich hinzu. Die Stille legt sich in sein Heim und es erstaunt mich, dass er auf meine anklagenden Worte nichts erwidert. Schweigsam steht er nicht einmal zwei Meter weiter weg, sein Gesicht in Richtung Tür gerichtet. Er lässt keinen Hauch von Wut oder Enttäuschung auf jene Worte fallen. In sich selbst ruhend, nachdenklich, steht er dort, als wollte er nicht, dass ich aus seinen Augen lese.

„Ihr seid nicht dieser unsympathische, verbitterte Mann… und ich weiß, auch ich habe Urteile gefällt. Über Euch und Eure Ziele in diesem Königreich. Über Euer Herz…“ Und auch ich verstumme. Einzig das mildtätige Flackern weniger Holzstücke durchbricht die Stille.

 

„Also… beginnen wir von vorn, Prinzessin Zelda?“, flüstert er um die Stille zu unterbrechen. Seine Stimme schleicht sanft durch den Raum, als wäre in ihm ein vollkommen neuer Teil seiner Persönlichkeit erwacht. Ich umarme mich selbst und folge diesem Klang, einem warmen Summen dieser Stimme…

„Ja, nicht das erste Mal, schätze ich…“, entgegne ich. Wir beginnen nicht das erste Mal einander kennen zu lernen, einander zu schätzen und vielleicht sich in den Worten, in der Gestik und in Berührungen zu verlieren.

„Wenn Ihr mir zustimmt und wir neu beginnen, sagt mir, warum seid Ihr überhaupt hier? Was hat Euch bewogen…  zurückzukommen?“ Und endlich wendet er sein Gesichtsfeld zu mir. Keine Urteile. Keinen Hauch von Kälte und auch keinen Zorn kann ich in den feinen, jungen Zügen seines Gesichts entdecken.

„Spielt das eine Rolle, wenn wir noch einmal beginnen könnten?“, spreche ich leise und richte die Frage mehr an mich als an ihn. Ist es Feigheit, die mich seiner Frage ausweichen lässt? Er blickt mir auf eine tiefe Weise, fast stur oder hypnotisiert in die Augen, und lächelt verschmitzt.

„Ja, Ihr seid wahrlich schlagfertig… Ihr habt Recht, es spielt nicht wirklich eine Rolle.“ Er tritt näher, sodass er mir ins Ohr flüstern kann. „Auch wenn ich weiß, dass Ihr zu feige und zu stolz seid, um mir den Grund für Euer Erscheinen zu nennen, so bin ich froh dass Ihr hier seid…“ Noch ehe ich darauf reagieren kann, springt der Heroe zu dem Feuer und legt einige Holzscheitel nach und hängt einen Kessel mit einem stark duftenden Tee über das Feuer. Hat er jene Worte tatsächlich über seine Lippen gleiten lassen? Er ist froh, dass ich hier bin?

„Ihr seid mir ein Rätsel…“, murmle ich und nehme vorsichtig vor dem Kamin Platz. Es ist angenehm warm vor dem Feuer. Und etwas tiefsinnig beobachte ich die Flammen, die lebendig werden. Der Geruch eines unheimlich würzigen Tees erfüllt den kleinen Innenraum. Ein Geruch, der mir fast schon brennend in die Nase steigt. Dennoch war das Gewürz mir nicht unangenehm.

„Dann habe ich genau das erreicht, was ich wollte… dass Ihr über mich nachdenkt, denn über Rätsel grübelt man…“, entgegnet er. Ist es der Tee, der ihn befähigt, so unglaublich ehrlich zu sein?

„Jetzt hört auf damit, auf diese Weise zu antworten… Ihr macht mich nervös.“ Ich runzle die Stirn und wundere mich über mein Gesagtes. Auch ich antworte ohne nachzudenken. Es scheint, als sprudeln die Worte aus meinem Mund.

Er lacht lediglich und setzt sich unbefangen neben mich. „Das habe ich schon immer, nicht wahr? Bedenkt den Tag, als ich das Schloss das erste Mal besucht habe. Mir ist nicht entgangen, dass ich auf irgendeine Weise, vielleicht eher schlechte, auf Euch gewirkt habe. Ich habe Euch schon immer nervös gemacht…“

„Das habt Ihr…“, flüstere ich bestätigend und wende mein Gesichtsfeld zu ihm. „Es sind vor allem Eure Augen, die mich nervös machen…“, setze ich hinzu und blicke seitwärts. „Dort steht nicht nur Mut und Kälte im Angesicht des Feindes… wenn ich ehrlich bin, sehe ich Leid, sehr viel Leid… Ihr seid einsam…“

Ich sehe das leichte Entsetzen in seinem Blick, welches aber sogleich von Wärme eingenommen wird. „Einsamkeit ist ein Geschenk des Lebens als Heroe der Legenden, das man nicht zurückgeben kann… zumindest nicht so einfach.“

Ich nicke sprachlos. Mir war auch noch nie aufgefallen, dass er es sehr gut verstand Worte zu seinem Vorteil einzusetzen. Und er konnte sehr bildlich und gewandt sprechen.

„Nur heißt das nicht, dass man Momente der Zweisamkeit nicht wünschen und sich danach sehnen kann. Und ich kann meine Einsamkeit vielleicht nur mit jemandem bekämpfen, der versteht…“

„Bin ich so jemand, der verstehen könnte?“ In meinem Inneren scheinen sich Welten zu verändern. Ich beginne mit diesem Mann, den ich vor wenigen Stunden noch hasste, zu reden, als wäre er mein engster Vertrauter. Ein Freund. Ein Verwandter. Oder ein Geliebter…

„Ich sagte das schon einmal… Ihr seid die einzige, die verstehen könnte…“, seufzt er, schließt die Augen und ballt seine Hände zu Fäusten. Ich spüre seine Anspannung wachsen, und fürchte, dass er genau das anspricht, was ich nicht hören wollte.

„Warum glaubt Ihr das?“ Gibt es nicht genug Wesen in Hyrule, die vielleicht mehr Verständnis für ein geschundenes Herz wie seines haben konnten? Und ich kann mir nicht vorstellen, dass er nicht bereits von anderen Hylianern akzeptiert und verstanden wurde. Ich weiß von einigen Frauen im Schloss, Adlige, wie auch Bedienstete, die über den Heroen sprachen. Eine weitere Erinnerung, die mir einen Schatten über die Seele wirft. Kann es denn sein, dass ich erst jetzt realisiere, dass, wenn andere über ihn sprachen, ich mich fast betrogen und irgendwo auch verletzt fühlte…

„Meint Ihr nicht, dass es ignorant und unfair den Hylianern gegenüber ist, dass Ihr scheinbar diese Urteile fällt?“ Ich stoppe kurz in meinen Worten, als das Feuer des Kamins, angestachelt durch des Helden Gefühle und vielleicht genährt durch seine zornige Magie, zu flackern und aufzulodern beginnt. „Ich wage zu bezweifeln, dass niemand sonst verstehen könnte…“

Er atmet scharf ein, schließt die Augen und scheint sich das nächste bissige Wort mir gegenüber zu verkneifen. „So denkt Ihr…“, murmelt er. „Aber Ihr wisst nicht, was mit mir passiert ist… Ihr wisst gar nichts, Prinzessin.“

„Dann erklärt es mir.“ Ich wende mich zu ihm, bemüht nur noch einmal diesen Funken Wärme, und das Vertrauen erkennen zu können, für das ich bereit war zurückzukehren.

„Wie soll ich Euch etwas erklären, dass Ihr nur selbst sehen könnt…“ Er schüttelt seinen Kopf. „Um zu verstehen, muss man sein Herz dem öffnen, was lange schon in Dunkelheit liegt.“ Seine blaugesprenkelten Augen schillern, als er mich anblickt. „Und keiner der Hylianer war der Dunkelheit jemals so nah wie Ihr oder ich…“ Er hüpft auf seine Beine, wirkt immer nervöser und unruhiger. Er hebt den Kessel mit dem Tee von den glühenden Holzscheiteln und schüttet den Tee in zwei kleinere tassenförmige Tongefäße.

„Die Dunkelheit…“, flüstere ich leise, als würde ich mich allein vor diesem Wort fürchten.

„Ich weiß, dass Ihr es in den einsamsten Nächten gesehen habt…“, murmelt er, tritt näher und legt mir eine Hand auf die Schulter und drückt meine Haut mit seiner rauen Kämpferhand ein wenig. Er wagt einen Schritt mir entgegen, den ich so nicht erwartet habe. Er überschreitet eine Grenze damit, eine, die er nicht überschreiten durfte. Ein wenig panisch weiche ich zurück und hüpfe auch auf die Beine. Verunsichert reibe ich meine Haut dort, wo er mich berührte und mache ihm mit meiner Gestik deutlich, dass ich von ihm Distanz erwarte.

Er seufzt und seine Hände verkrampfen sich erneut. „Ich weiß nicht, wie Ich mich Euch gegenüber verhalten soll…“, flüstert er. „Ich wollte Euch nicht zu nahe treten. Ich wollte, dass Ihr versteht…“ Und das, was ich jetzt in ihm sehen und erkennen kann, unabhängig von diesem kriegerischen, brutalen Mann, war jemand, dessen Herz von einer Traurigkeit umschlossen war, die sein Herz vielleicht in jene Dunkelheit hüllte, die er beschrieb.

„Dann erklärt mir… was meint Ihr mit jener Dunkelheit?“

„Die Dunkelheit, die Ihr in Euren teuflischsten Träumen sehen konntet…  die Dunkelheit, die Euch überwältigte immer und immer wieder… jene Finsternis, die sich über Hyrule breit macht wie eine Seuche… blutig und pechschwarz… Ihr könnt Schreie jeglicher Form des Lebens vernehmen, wenn die Dunkelheit lebendig wird.“ Ich senke meinen Blick und vielleicht ruft ein lang vergessener Teil meines Selbst mich zurück. Dunkelheit kann man verdrängen… Finsternis und Blut kann man vergessen, solange man sich vor jener verstecken konnte. Ich wusste, dass sie existierte, ich wusste es immer. Und vielleicht fürchtete ich mich deshalb nicht vor so vielen anderen Dingen. Krankheiten… Verluste… Schmerzen… all‘ diese Dinge waren geradezu lächerlich, wenn man in der Lage war das Böse in den Träumen zu sehen. Die Hylianer wissen oftmals nicht, wie glücklich sie sein konnten mit dem, was sie Tag ein und Tag aus erdulden mussten. Sie alle würden zerbrechen an einem einzigen Traum, der die Seele so zermürben und foltern konnte, dass man sich wünscht niemals mehr einzuschlafen oder vielleicht zu tot zu sein, um zu träumen…

Ich war immer der Meinung, niemand konnte sehen, was sich mir preisgab. Niemand hatte ein Auge dafür, weil meine eigene, streng gehütete, grausame Dunkelheit nur mich besuchte. Sie gehörte nur mir…

„Es reicht für Hunderte Leben… für das Leid Hunderter Leben, wenn man in den Träumen diese Grausamkeit und das eine Ende nur einmal sieht. Und in Hyrule gibt es nur zwei Seelen, die diese Träume aushalten…“, murmelt er.  „Deshalb gibt es für mich nur eine Seele, die verstehen könnte… und diese Seele ist die Eure…“ Er beißt sich auf die Lippe und tritt näher.

„Woher wisst ihr das?“, murmle ich und blicke unter Aufbietung meines ganzen Mutes zu ihm auf. Ich mustere ihn, entdecke die wenigen Narben in seinem frischen, jugendlichen Gesicht und die blauen, ernsten Augen, in denen wenige dunkelblonde Haarsträhnen hängen. Ich will so etwas wie Wahrheit in seinen Gesichtszügen entdecken, Aufrichtigkeit und Verständnis dafür, dass er selbst in verschlungenen Pfaden seines Unterbewusstseins Grausamkeiten erfahren hatte, die gewöhnliche Menschen nicht einmal für lebendig hielten.

„Woher wisst Ihr, dass ich…“, spreche ich noch einmal leise. Schräg und fast verlegen zur Seite blickend wendet er sich ab. „Ich schätze, ich muss Euch etwas erklären…“ Er reicht mir eine der Teetassen und deutet zu dem Platz vor dem Kamin. „Wenn Ihr verstehen wollt… wenn Ihr den Grund für mein Verhalten und Eure oftmals abweisende Reaktion erfahren wollt, müsst Ihr mich es auch erklären lassen…“

Ich nicke und nehme wieder auf der ausgefransten, aber durchaus bequemen kastanienbraunen Decke Platz und führe die Tontasse zu meinen Lippen. Ein scharfer, aber beruhigender Tee benetzt meine Zunge. Ein würziger, echter Geschmack, fast rau und gefährlich.

„Ihr sagtet vorhin, ich wäre schon länger hinter den Traumphantomen her, noch bevor die königliche Familie davon Notiz nahm… Das ist richtig“, seufzt er und nimmt neben mir vor dem Kamin Platz. Sein Blick wird melancholisch und richtet sich in die hungrigen Flammen, die sich nach dem Leben zu verzehren scheinen. Er runzelt die Stirn, als schien er sich nicht sicher, welche Worte er aussprechen wollte. „Aber es ist nicht so, dass ich darum gebeten habe…“, setzt er hinzu.

„Was ist geschehen, dass Ihr in die Geschehnisse hineingezogen wurdet?“

Sein Blick wird noch melancholischer als ohnehin schon. Dann beinah verletzlich weich und da scheint er zu bemerken, dass ich ihn intensiv beobachte und wendet sein Gesichtsfeld zu mir. „Bitte hört auf mich so genau zu mustern…“, sagt er ruhig, als wäre es ihm unangenehm. Tatsächlich aber war es mir unangenehmer als es für ihn sein könnte. Ich schlucke, überrascht über seine genaue Beobachtungsgabe und räuspere mich.

„Ich habe nicht… nicht mit Absicht… nicht auf diese Weise…“, stammle ich und spüre meinen Herzschlag sich verdoppeln.

„Genauso wie am Strand, was?“ Dann lacht er mit einem Mal und nimmt einen raschen Zug des Tees aus seiner Tasse.

Und ich habe das Gefühl einmal mehr im Boden zu versinken angesichts jener Peinlichkeit. „Das was da passiert ist, tut mir leid. Was geht Ihr auch nackt am Strand spazieren!“ Ich blicke ihn erbost an und hoffe, er kann meine Wut darüber, dass er erneut über dieses Ereignis sprechen will, spüren.

„Ich war nicht spazieren, ich war schwimmen“, argumentiert er.

„Was geht Ihr dann halt nackt schwimmen“, widerspreche ich.

„Das macht man so. Scheinbar geht Ihr immer angezogen in die Badewanne“, kontert er und grinst mich belustigt an.

„Das hat Euch nun wirklich überhaupt nicht zu interessieren“, protestiere ich.

„Ich glaube schon, weil Ihr mir dafür eben diese Sache schuldig seid. Und mir ist es egal, ob ich eine Prinzessin vor mir habe“, widerspricht er.

„Das ist nicht Euer Ernst“, schlucke ich.

„Und wie ich das ernst meine“, legt er dar.

„Wollt Ihr mir damit sagen, ich soll nackt vor Euch in die Badewanne steigen?“, platzt es aus mir heraus.

„Das habt Ihr gesagt“, lacht er und verschränkt die Arme an seinem Hinterkopf.

„Ich weiß, was ich gesagt habe!“, erzürne ich.

„Scheinbar wisst Ihr das nicht ganz genau“, grinst er, während sich sein Adamsapfel hebt.

„Ich weiß, was ich gesagt habe“, wiederhole ich.

„Dann erinnert Euch daran, dass Ihr gesagt habt, dass Ihr nackt vor mir in die Badewanne steigen wollt.“

„Das habe ich nicht so gesagt“, brülle ich.

„Aber auch nicht viel anders“, spricht er kühl.

In dem Augenblick platzt mir der Kragen. Ich habe so sehr den Wunsch ihn für diese Verletzung eine Schelle zu geben, dass ich beinah vergessen hatte, weshalb ich hier bin. Ich hebe meine Hand und in meinen blauen Augen trifft eine weitere Verletzung auch seine Augen. Gerade als meine Hand auf seiner mir zugewandten Wange niedertreffen will, fängt er sie ab und umfasst mit starkem Griff mein Handgelenk. Er sieht die Wut in meinem Blick und versucht es mit einem verständnisvollen, ruhigen Blick.

„Das ist das Feuer in Euch… Ich habe Euch nur versucht herauszufordern. Und ich muss sagen, ich kann es noch…“ Er lächelt sanft und lässt mein Handgelenk wieder los.

„Ich könnte Euch für diese Dreistigkeit hängen lassen, Held“, murmle ich fassungslos. „Was sollte das gerade eben…“

„Es war ein Test… und Ihr habt freiwillig mitgemacht. Ich habe Euch nicht gezwungen“, schließt er ab.

„Nein, das habt Ihr nicht“, seufze ich und wende den Blick ab. Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, habe ich dieses Gespräch und seine herausfordernden Antworten beinah genossen…

„Außerdem würdet Ihr mich niemals hängen lassen, es würde Euch das Herz brechen“, flüstert er, schließt die Augen und lächelt mit einer Gewissheit, die mir einen Schauer über den Rücken jagt. Nimmt er wirklich an, dass meine Beziehung zu ihm, was immer auch hinter diesem ganzen Wirrwarr steckt, soweit gehen würde, dass sein Tod mir das Herz bricht?

„Ihr seht und hofft gar viel, und vielleicht auch mehr als jemals sein kann“, spreche ich leise.

„Irrtum“, meint er rasch. „Ich sehe und hoffe nicht nur… ich weiß zu diesem Zeitpunkt wesentlich mehr als Ihr…“

Ich mustere ihn einmal mehr, genauso wie vorhin und kann sehen, wie unglaublich weich und sanft sein Blick auf meine leichte Wut reagiert. Ich kann seine Seele spüren, fast so, als würde er mir mit einem Blick alles offenbaren können.

„Ich wusste immer mehr als Ihr…“, erklärt er. „Und vielleicht hat mich dieses Wissen einsam gemacht.“ Er streicht sich über die Stirn und reibt sich dann seine Augen. Letztlich wendet er sich ab, obwohl er mir in diesen Momenten einmal mehr so nah erscheint. Seufzend lehnt er sich an die Wand rechts von ihm und weicht mir aus. Es wird still in seinem Heim. So still und leer wie es in den letzten Monaten für ihn oder mich immer war. Ich kenne diese Stille aus meinem eigenen Gefängnis. Stille konnte foltern, ebenso wie Einsamkeit…

Ich mustere ihn fortwährend, finde keine Worte um Anschluss zu knüpfen. Sollte ich erneut nachfragen, wie er in diese Geschehnisse verwickelt wurde? Wollte er mir dies überhaupt erklären? Und konnten sich diese Zweifel, dieses Annähern und Abwenden, nicht endlich auflösen?

Ich nehme einen Schluck des Tees und beobachte ihn noch immer, entdecke Sanftmut und Weichheit, je länger ich ihn anblicke. Ein düsteres Lächeln liegt auf seinem Gesicht, fast verzaubert von seiner eigenen kühlen und unvorhersehbaren Ader.

„Stört es Euch nicht mehr, dass ich Euch so genau beäuge?“, murmle ich und hoffe einmal mehr mit ihm ins Gespräch zu kommen.

„Es hat mich niemals wirklich gestört“, entgegnet er besinnlich, schließt die Augen und es entsteht der Eindruck, als wollte er schlafen. „Es hat mir nur gesagt, dass ein Teil Eures Herzens durchaus bereit ist hinter meine Fassade zu blicken…“ Seine meerblauen Augen öffnen sich einen winzigen Spalt und scheinen erneut im Licht des Feuers zu schillern.

„Was liegt hinter Eurer Fassade…“, murmle ich und wende mich etwas näher zu ihm. „Was liegt hinter diesen ernsten, blauen Augen?“ Eine Anziehungskraft geht von ihm aus, die ich vorher nie wahrhaben wollte. Eine Anziehungskraft, die mich verzweifeln lässt…

„Was liegt hinter diesem Blick?“, flüstere ich. „Was liegt dort, was ich einfach nicht fassen kann…“ Ich rücke noch ein wenig näher, näher zu diesem eigensinnigen Mann, der diese verwirrenden Gefühle auslöst.  Und er schweigt weiterhin.

„Ist es Mut?“, flüstere ich, und meine Stimme ertönt auf eine sanfte Weise, so wie ich sie noch nie benutzte. „Ist es Wissen? Trübsinn oder Trägheit?“

Ehe ich vollkommen realisiere, dass sich die Distanz zu ihm auflöst, packt er mich an beiden Handgelenken und hält mich fest. Ich seufze überrascht und blicke weiterhin in diese tiefsinnigen, blaugesprenkelten Augen.

„Hinter diesem Blick liegen Erinnerungen…“, sagt er. „Unglaublich schöne… und doch  folternde Erinnerungen… für die ich sterben würde.“ Und noch immer hält er meine Hände fest, vielleicht zu fest, fast schon so, dass es weh tut.

„Erinnerungen wegen denen ich durch die Hölle gehe“, erklärt er mit anklagender fester Stimme. Dann blickt er zu meinen zitternden Händen. Und lockert seinen Griff ein wenig. Er kann die Beklemmung in mir spüren, das ahne ich. Er kann meinen trommelnden Herzschlag hören, obwohl ich es nicht wünsche. Und erneut wagt er einen Schritt mir entgegen, distanzlos und ungehemmt. Ein Schritt, der mir unangenehm ist und zu weit geht. Mit einem heftigen Ruck, den ich zu spät realisiere, presst er meine Hände zurück, sodass ich etwas hilflos nach hinten sinke. Mein Herzschlag doppelt sich einmal mehr, da ich mit dem Rücken zu Boden liege und er meine Hände in das weiche Material der Baumwolldecke drückt. Geschockt richte ich allen Zorn, den ich aufbringen kann, gegen ihn, aber alles, was er tut ist zu lächeln. Kein Lächeln der Überlegenheit. Kein fieses Lächeln. Es war ruhig und wärmend.

„Warum tut Ihr das und jagt mir immer wieder Angst ein?“, spreche ich, bemüht meine Angst und Aufregung vor ihm zu verschleiern.

„Ich wollte beenden, was ich vorhin angefangen habe“, seufzt er.

Meine Augen werden starr und ich blicke ihn geschockt an. Vorhin? Meinte er den Angriff? Will er mich verletzen und demütigen, und das nach diesem angenehmen Gespräch, das wir führten? Wollte er mich tatsächlich Schmerz spüren lassen?

„Ich meinte nicht den Angriff, sondern den Zwischenfall bevor Ihr mich noch einmal aufgesucht habt“, murmelt er, als liest er meine Gedanken und lächelt einmal mehr. „Zelda… hört auf Euer Herz, nur dies eine Mal…“

„Ihr müsst den Verstand verloren haben. Lasst mich sofort los!“, brülle ich. „Hört Ihr nicht? Ich schwöre, ich schreie so laut, dass es die Gefallenen vom Schlachtfeld auferstehen lässt!“ Er rückt näher und haucht mir seinen Atem ins Gesicht. „Wie wollt Ihr schreien, wenn Eure Lippen versiegelt sind?“

„Meine Lippen sollen… was…“

Er grinst einmal mehr und haucht weitere Worte in mein Gesicht. „Nicht nur ich bin einsam… ich weiß, dass Ihr Gesellschaft braucht. Ihr seid mutterseelenallein auf dieser Welt…“ Und dann unverhofft lässt er meine Hände wieder los und richtet sich auf. Er tapst hinüber, holt einige Holzscheitel und wirft diese unbeirrt in das erstarkende Feuer.

Mein Herz rast so entsetzlich, dass ich es mir aus der Brust reißen möchte. Ich schwitze und doch zittere ich. Mein Atem kann sich kaum beruhigen. Und alles, was dieser Mann tut, nachdem er sich mir näherte, ist sich um das Feuer im Kamin zu kümmern. Er spielte mit mir, und er spielte ein unfaires Spiel. Kann er nicht endlich aufhören mich in diese Gefühle zu bringen! Ich spüre einmal mehr den Wunsch zu gehen und diesen Mann in seiner rätselhaften Ignoranz und eingebildeten Geheimnistuerei alleine zu lassen…

„Ich weiß, dass ich Euch gegenüber wirken muss, als hätte ich den Verstand verloren“, murmelt er und stemmt seine Arme an dem Kaminsims ab. „Ich weiß durchaus, dass Ihr mit Euch kämpft zu sagen, Ihr beendet diesen Besuch und diese Unterredung. Nur wisst Ihr nicht, dass ich mich fast hilflos fühle, weil ich einerseits weiß, was ich tun möchte und auf der anderen Seite weiß, was ich nicht darf…“

„Was möchtet Ihr tun?“ Ich nehme einen weiteren Zug des Tees und versuche meine Aufregung und Nervosität wieder zu zügeln.

„Das solltet Ihr nicht fragen“, murmelt er und grinst verschmitzt.

„Warum nicht?“ Und damit wendet er sich wieder zu mir.

„Ihr wisst nicht wirklich, was ein Mann will, nicht wahr?“ Er lacht und verstummt sogleich wieder. Er mustert mich matt, vielleicht weil er selbst nicht über seine Sehnsüchte sprechen wollte.

„Scheinbar wisst Ihr auch nicht, was eine Frau will“, erwidere ich trotzig. Eigentlich hätte ich auf seine grenzüberschreitende Bemerkung schweigen sollen, nur stachelte mich irgendetwas in meinem Inneren immer wieder an mit ihm Wortgefechte zu führen. Egal, ob ich wollte oder nicht, ich würde ihm Kontra geben. Wenn er über das Thema Leidenschaft und körperliche Freunden sprechen wollte, dann würde ich ihm gewiss keine Gelegenheit bieten, mich bloß zu stellen. Er war ein Mann, und bisher hatte ich nicht gerade gute Erfahrungen mit Männern gemacht…

„Milady, das ist wahrlich ein schönes Thema“, versichert er und lächelt. „Seid bloß froh, dass Ihr nicht wisst, was ein Mann will.“

„Warum nehmt Ihr an, dass ich das nicht weiß?“, lache ich und schüttle den Kopf. Ich hatte während des Krieges wahrlich genug Gelegenheit herauszufinden, was manche Männer wollten und sich manche erlaubten. Ich weiß Männer für gewisse Sehnsüchte wahrlich einzuschätzen. Ich bin schließlich kein Kind mehr.

„Ich weiß auch haargenau, worauf Ihr aus seid. Ihr hattet im Schloss schließlich genug Gelegenheiten. Es ist ja nicht so, dass in Hyrule Castle nicht genug adlige Damen und Dienstmädchen ein und aus gegangen sind. Und meine Schwester habt Ihr wahrlich oft genug, vielleicht aus genau den Trieben eines Mannes heraus, besucht.“

Auf diese Bemerkung dreht er sich um und mustert mich noch fahler als vorhin. „Ihr urteilt einmal mehr ziemlich leichtfertig über meine Wünsche…“ Er senkt den Blick und es war vielleicht das erste Mal, dass ich Betroffenheit in seinen blaugesprenkelten Augen so klar und deutlich sehen konnte. „Vielleicht wisst Ihr, was manche Männer wollen. Aber Ihr wisst nicht, was ich mit Eurer einfältigen und durchtriebenen Schwester zu diskutieren hatte.“ Er wirkt beinah verletzt, weil er sich rechtfertigen musste.

„Ach nein?“, seufze ich und ich habe keine Ahnung, wohin mich dieses Gespräch noch führen soll. „Denkt Ihr, ich bin dermaßen kindisch und ahnungslos, dass ich nicht weiß, was ein Mann wie Ihr es seid im Schilde führt, wenn er eine Frau besucht? Denkt Ihr, ich weiß nicht, welchen niederen und geschmacklosen Dingen sich Männer hingeben? Und welchen perversen körperlichen Freuden Ihr Euch hingebt?“

Und es war da, dass er mich noch entsetzter mustert.

„So viel zu Eurem Wunsch mich zu verstehen… und unserem Übereinkommen nicht mehr zu urteilen…“, meint er leise und senkt den Blick.

Ich seufze und versuche mich in Gedanken zu bremsen. Ja, es war meine Sache. Der Gedanke an meine Schwester und seine vielen Treffen mit ihr, schienen mich nahezu zu vergiften. Bin ich tatsächlich eifersüchtig?

„Es mag sogar stimmen, dass mich ein Gedanke bewegt, ebenso eine Freude auf etwas, das ich vor langer Zeit erfahren habe… nur… hatte ich immer die Absicht in dieser Hinsicht ehrlich und aufrichtig zu sein.“ Er breitet seine Arme aus und beginnt heftig mit mir zu diskutieren.

„Sprecht es ruhig aus. Das sind ja Eure ach so tollen Freuden. Ihr wollt nichts anderes als mit einer Frau schlafen wie jeder andere Mann auch. Und wer weiß, wie oft Ihr dies schon getan habt!“

„Ja, verdammt nochmal, Prinzessin, ich gebe, verdammt nochmal zu, dass ich nichts lieber täte als mit einer bestimmten Frau zu schlafen!“ Ihm platzt endgültig der Kragen und er tritt aufgeregt näher. Er packt mich an den Schultern, nicht so grob wie ich es erwartet hatte.

Ich lache vor lauter Irrsinn. „Da seht Ihr. Ihr gebt es sogar zu!“, zürne ich. „Das macht Euch nicht besser als jeden anderen Mann!“

„Ja, ich gebe es zu. Was zum Teufel ist falsch daran?“

Auf diese Worte umfassen seine Hände meine Arme noch stärker und er stößt mich auf das Bett, sodass es knarrt. Er geht vor mir auf ein Knie und mustert mich intensiv.

„Genug mit Eurem Gezicke und Euren voreiligen Schlüssen, Zelda.“ Ein wenig fassungslos, dass er plötzlich so ernst ist und diese Streiterei stoppen will, schaue ich ihn an.

„Warum seid Ihr so gereizt? So verletzt…“, fragt er interessiert. Ich bin erstaunt, dass er sich plötzlich so zügeln konnte und scheinbar ehrlich an einer Antwort interessiert ist.

„Zelda! Hat Euch jemand angefasst?“ Ich zwinkere auf diese Bemerkung. Nein, dies war nicht der Grund für meinen Temperamentausbruch. Ich bin nicht vergewaltigt worden, wenn er das dachte. Aber ich bin eifersüchtig, unglaublich eifersüchtig auf meine Schwester und die adligen Mädchen, denen er hinterher gestiefelt ist wie ein Körpersaft gesteuerter, dummer, kranker und geschmackloser, einfach gestrickter und oberflächlicher Mann…

„Nein…“, spreche ich entrüstet. Ich blicke weg und frage mich, ob diese Unterhaltung überhaupt noch einen Sinn ergibt und ich nicht gehen sollte. Es war genug. Ich bin hierhergekommen um etwas zu klären, um mich mit ihm auszusprechen und herauszufinden, ob er zu meiner Vergangenheit gehörte. Stattdessen komme ich mir unter seinen strengen, prüfenden Augen einmal mehr vor wie ein kleines Kind.

„Was ist dann das Problem?“

„Ihr seid das Problem. Ihr allein!“, schimpfe ich und schmettere ihm einen enttäuschten Blick entgegen. „Ich bin hier, weil ich etwas klären wollte, und alles, worüber wir reden sind irgendwelche Nebensächlichkeiten, die mich diese eine Sache nicht fassen lassen. Statt endlich zu verstehen, bringt Ihr mich immer weiter in verwirrende Gefühle, handelt auf diese unvorhersehbare Weise und macht mich nervös.“ Ich atme tief aus und blicke an ihm vorbei zu der Eingangstür.

„Ich schätze, wir können einfach nicht miteinander reden“, sagt er vorwurfsvoll. „Es ist wahrlich genug.“ Er blickt mich enttäuscht an und deutet zu der Tür. Seine blaugesprenkelten Augen machen mich hilflos. So unglaublich hilflos, weil ich erkennen kann wie sich darin eine starke Verletzung widerzuspiegeln beginnt. „Es ist in Ordnung, falls Ihr gehen möchtet.“ Ich schließe die Augen und schüttle meinen Kopf. Es konnte doch nicht sein, dass das Gespräch mit ihm schon wieder so verdammt schief lief. Es konnte doch nicht sein, dass ich entgegen meines Wunsches, erneut über ihn geurteilt habe. Und das alles nur aus Eifersucht?

„Dabei… wünsche ich mir nichts sehnlicher  als…“, murmelt er, aber stoppt seine Worte wieder. Seine Augen scheinen zu schillern und schließen sich dann. Er streicht sich nachdenklich über seine Stirn.

„Es tut mir leid… Ich weiß nicht, warum unsere Unterredungen immer so hochkochen. Ich habe das nicht beabsichtigt“, versuche ich zu erklären. Was brachte dieser erneute Versuch einer Entschuldigung? Hyson gab mir alles mit, was ich brauchte um ihn zu verstehen. Er gab mir den Grund ihn zu finden und mit ihm zu reden. Warum schaffte ich es nicht meine verletzenden Verdächtigungen einmal abzustellen. Ich rücke etwas weiter auf das Bett, sodass ich mich an die Wand lehnen kann und beginne einmal mehr den  Heroen zu mustern. Ja, er scheint eigentlich ein wirklich ansehnlicher, warmer Mann zu sein, wären da nicht diese Augen, die auf dem Schlachtfeld so erbarmungslos leuchten konnten…

„Ich habe ebenfalls nicht beabsichtigt, dass es zwischen uns immer so verwirrend abläuft…“, seufzt er und setzt sich neben mich auf das Bett. „Also, was tun wir, Prinzessin Zelda?“ Ich wundere mich ein wenig, dass er es tatsächlich mir anvertraute eine Entscheidung zu fällen, überließ er doch sonst nichts dem Zufall.

„Vielleicht…“, ich prüfe ihn von der Seite. „Vielleicht wäre es gut, wenn nur einer spricht… Und ich würde gerne darüber erfahren, wie Ihr in die Kämpfe verwickelt wurdet.“

„In Ordnung, ich erzähle Euch meine Geschichte…“ Und die Geschichte, die folgen sollte, die mich traurig stimmen würde, verlässt diese Wirklichkeit, um vielleicht ein wenig Verständnis und Linderung für die vielen Grausamkeiten Hyrules zu bringen…

 

 

 

 
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